The Project Gutenberg EBook of Wie es euch gefllt, by William Shakespeare

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Title: Wie es euch gefllt

Author: William Shakespeare

Release Date: December, 2004 [EBook #7041]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on February 27, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WIE ES EUCH GEFALLT ***




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Wie es euch gefllt

William Shakespeare

bersetzt von August Wilhelm von Schlegel

Personen:

Der Herzog, (in der Verbannung)
Friedrich, (Bruder des Herzogs und Usurpator seines Gebiets)
Amiens (und) Jacques, (Edelleute, die den Herzog in der Verbannung
begleiten)
Le Beau, (ein Hofmann in Friedrichs Diensten)
Charles, (Friedrichs Ringer)
Oliver, Jakob (und) Orlando, (Shne des Freiherrn Roland de Bois)
Adam (und) Dennis, (Bediente Olivers)
Probstein, (der Narr)
(Ehrn) Olivarius Textdreher, (ein Pfarrer)
Corinnus (und) Silvius, (Schfer)
Wilhelm, (ein Bauernbursche, in Kthchen verliebt)
(Eine Person, die den Hymen vorstellt)
Rosalinde, (Tochter des vertriebnen Herzogs)
Celia, (Friedrichs Tochter)
Phbe, (eine Schferin)
Kthchen, (ein Bauernmdchen)
(Edelleute der beiden Herzoge, Pagen, Jger und andres Gefolge)
Die Szene ist anfnglich bei Olivers Hause; nachher teils am Hofe
des Usurpators, teils im (Ardenner Wald)






Erster Aufzug



Erste Szene

Olivers Garten

(Orlando und Adam treten auf)


Orlando.
Soviel ich mich erinnre, Adam, war es folgendergestalt: Er
vermachte mir im Testament nur ein armes Tausend Kronen und,
wie du sagst, schrfte meinem Bruder bei seinem Segen ein, mich
gut zu erziehn, und da hebt mein Kummer an.  Meinen Bruder Jakob
unterhlt er auf der Schule, und das Gercht sagt goldne Dinge
von ihm.  Was mich betrifft, mich zieht er burisch zu Hause auf,
oder eigentlicher zu sagen, behlt mich unerzogen hier zu Hause.
Denn nennt Ihr das Erziehung fr einen Edelmann von meiner Geburt,
was vor der Stallung eines Ochsen nichts voraus hat?  Seine Pferde
werden besser besorgt; denn auer dem guten Futter lernen sie
auch ihre Schule, und zu dem Ende werden Bereiter teuer bezahlt;
aber ich, sein Bruder, gewinne nichts bei ihm als Wachstum, wofr
seine Tiere auf dem Mist ihm ebenso verpflichtet sind wie ich.
Auer diesem Nichts, das er mir im berflu zugesteht, scheint
sein Betragen das Etwas, welches die Natur mir gab, von mir zu
nehmen; er lt mich mit seinen Knechten essen, versperrt mir den
brderlichen Platz und, soviel an ihm liegt, untergrbt er meinen
angebornen Adel durch meine Erziehung.  Das ist's, Adam, was mich
betrbt, und der Geist meines Vaters, der, denke ich, auf mir ruht,
fngt an, sich gegen diese Knechtschaft aufzulehnen.  Ich will sie
nicht lnger ertragen, wiewohl ich noch kein kluges Mittel wei,
ihr zu entgehen.

Adam.
Dort kommt mein Herr, Euer Bruder.

(Oliver tritt auf.)

Orlando.
Geh beiseit, Adam, und du sollst hren, wie er mich anfhrt.

Oliver.
Nun, Junker, was macht Ihr hier?

Orlando.
Nichts.  Man hat mich nicht gelehrt, irgend etwas zu machen.

Oliver.
Was richtet Ihr denn zugrunde?

Orlando.
Ei, Herr, ich helfe Euch zugrunde richten, was Gott gemacht hat,
Euren armen unwerten Bruder, mit Nichtstun.

Oliver.
Beschftigt Euch besser und seid einmal nichtsnutzig.

Orlando.
Soll ich Eure Schweine hten und Treber mit ihnen essen?  Welches
verlornen Sohns Erbteil habe ich durchgebracht, da ich in solch
Elend geraten mute?

Oliver.
Wit Ihr, wo Ihr seid, Herr?

Orlando.
O Herr, sehr gut!  hier in Eurem Baumgarten.

Oliver.
Wit Ihr, vor wem Ihr steht?

Orlando.
Ja, besser als der mich kennt, vor dem ich stehe.  Ich kenne Euch
als meinen ltesten Bruder, und nach den sanften Banden des Bluts
solltet Ihr mich ebenso kennen.  Die gute Sitte der Nationen
gesteht Euch Vorrechte vor mir zu, weil Ihr der Erstgeborne seid;
aber derselbe Gebrauch beraubt mich meines Blutes nicht, wren
auch zwanzig Brder zwischen uns.  Ich habe soviel vom Vater in
mir als Ihr, obwohl Ihr der Verehrung, die ihm gebhrt, nher
seid, weil Ihr frher kamt.

Oliver.
Was, Knabe?

Orlando.
Gemach, gemach, ltester Bruder!  Dazu seid Ihr zu jung.

Oliver.
Willst du Hand an mich legen, Schurke?

Orlando.
Ich bin kein Schurke!  ich bin der jngste Sohn des Freiherrn
Roland de Boys.  Er war mein Vater, und der ist dreifach ein
Schurke, der da sagt, solch ein Vater konnte Schurken zeugen.
Wrst du nicht mein Bruder, so liee meine Hand deine Kehle nicht
los, bis diese andre dir die Zunge fr dies Wort ausgerissen htte.
Du hast dich selber gelstert.

Adam.
Liebe Herren, seid ruhig!  um des Andenkens eures Vaters willen,
seid eintrchtig!

Oliver.
La mich los, sag ich.

Orlando.
Nicht eher, bis mir's gefllt.  Ihr sollt mich anhren.  Mein
Vater legte Euch in seinem Testament auf, mir eine gute Erziehung
zu geben.  Ihr habt mich wie einen Bauern grogezogen, habt alle
Eigenschaften, die einem Edelmann zukommen, vor mir verborgen und
verschlossen gehalten.  Der Geist meines Vaters wird mchtig in
mir, und ich will es nicht lnger erdulden; darum gesteht mir
solche bungen zu, wie sie dem Edelmann geziemen, oder gebt mir
das geringe Teil, das mir mein Vater im Testament hinterlie, so
will ich mein Glck damit versuchen.

Oliver.
Und was willst du anfangen?  Betteln, wenn das durchgebracht ist?
Gut, geht nur hinein, ich will mich nicht lange mit Euch qulen,
Ihr sollt zum Teil Euren Willen haben.  Ich bitt Euch, lat mich
nur.

Orlando.
Ich will Euch nicht weiter belstigen, als mir fr mein Bestes
notwendig ist.

Oliver.
Packt Euch mit ihm, alter Hund!

Adam.
Ist "alter Hund" mein Lohn?  Doch es ist wahr, die Zhne sind mir
in Eurem Dienst ausgefallen.--Gott segne meinen alten Herrn, er
htte solch ein Wort nicht gesprochen.

(Orlando und Adam ab.)

Oliver.
Steht es so?  Fngst du an, mir ber den Kopf zu wachsen?  Ich
will dir den Kitzel vertreiben und die tausend Kronen doch nicht
geben.  He, Dennis!

(Dennis kommt.)

Dennis.
Rufen Euer Gnaden?

Oliver.
Wollte nicht Charles, des Herzogs Ringer, mit mir sprechen ?

Dennis.
Wenn es Euch beliebt: er ist hier an der Tr und bittet sehr um
Zutritt zu Euch.

Oliver.
Ruft ihn herein.

(Dennis ab.)

Das wird eine gute Auskunft sein, und morgen ist der Wettkampf
schon.

(Charles kommt.)

Charles.
Euer Gnaden guten Morgen!

Oliver.
Guter Monsieur Charles!--Was sind die neuesten Neuigkeiten am neuen
Hof?

Charles.
Keine Neuigkeiten am Hof als die alten: nmlich, da der alte
Herzog von seinem jngern Bruder, dem neuen Herzog, vertrieben ist,
und drei oder vier getreue Herren haben sich in freiwillige
Verbannung mit ihm begeben; ihre Lndereien und Einknfte
bereichern den neuen Herzog, darum gibt er ihnen gern Erlaubnis, zu
wandern.

Oliver.
Knnt Ihr mir sagen, ob Rosalinde, des Herzogs Tochter, mit ihrem
Vater verbannt ist?

Charles.
O nein, denn des Herzogs Tochter, ihre Muhme, liebt sie so, da sie
von der Wiege an zusammen aufgewachsen sind, da sie ihr in die
Verbannung gefolgt, oder gestorben wre, wenn sie htte
zurckbleiben mssen.  Sie ist am Hofe, und der Oheim liebt sie
nicht weniger als seine eigne Tochter.  Niemals haben sich zwei
Frauen mehr geliebt als diese.

Oliver.
Wo wird sich der alte Herzog aufhalten?

Charles.
Sie sagen, er ist bereits im Ardenner Wald, und viele lustige Leute
mit ihm, und da leben sie wie Zigeunervolk.  Es heit, viele junge
Leute strmen ihm tglich zu und versaufen sorglos die Zeit wie im
Goldnen Alter.

Oliver.
Sagt, werdet Ihr morgen vor dem neuen Herzoge ringen?

Charles.
Ganz gewi, Herr, und ich komme, Euch etwas zu erffnen.  Man hat
mich unter der Hand benachrichtigt, da Euer jngster Bruder,
Orlando, gewillt ist, gegen mich verkleidet einen Gang zu wagen.
Morgen, Herr, ringe ich fr meinen Ruhm, und wer ohne zerbrochene
Gliedmaen davonkommt, wird von Glck zu sagen haben.  Euer Bruder
ist jung und zart, und um Euretwillen sollte es mir leid tun, ihn
so zuzurichten, wie ich doch meiner eignen Ehre wegen mte, wenn
er sich stellt.  Darum kam ich aus Liebe zu Euch her, Euch
Nachricht davon zu geben, damit Ihr ihn entweder von seinem
Vorhaben zurckhaltet oder nicht belnehmen mgt, was ber ihn
ergeht, weil er sich's doch selber zugezogen hat und es ganz gegen
meinen Willen geschieht.

Oliver.
Charles, ich danke dir fr deine Liebe zu mir, die ich freundlichst
vergelten will, wie du sehn sollst.  Ich habe selbst einen Wink von
dieser Absicht meines Bruders bekommen und unter der Hand
gearbeitet, ihn davon abzubringen; aber er ist entschlossen.  Ich
mu dir sagen, Charles--er ist der hartnckigste junge Bursch in
Frankreich, voll Ehrgeiz, ein neidischer Nebenbuhler von jedermanns
Gaben, ein heimlicher und niedertrchtiger Rnkemacher gegen mich,
seinen leiblichen Bruder.  Darum tu nach Gefallen; mir wr's so
lieb, du brchest ihm den Hals als die Finger; und du magst dich
nur vorsehn, denn wenn du ihm nur eine geringe Schmach zufgst oder
wenn er keine groe Ehre an dir einlegen kann, so wird er dir mit
Gift nachstellen, dich durch irgendeine Verrterei fangen und nicht
von dir lassen, bis er dich auf diese oder jene Weise ums Leben
gebracht hat; denn ich versichere dir--und fast mit Trnen sage ich
es--: es lebt kein Mensch auf Erden, der so jung und so verrucht
wre.  Ich spreche noch brderlich von ihm; sollte ich ihn dir
zergliedern, so wie er ist, so mte ich errten und weinen, und du
mtest bla werden und erstaunen.

Charles.
Ich bin herzlich erfreut, da ich zu Euch kam.  Stellt er sich
morgen ein, so will ich ihm seinen Lohn geben.  Wenn er je wieder
auf die Beine kommt, so will ich mein Lebtag nicht wieder um den
Preis ringen.  Gott behte Euer Gnaden!

(Ab.)

Oliver.
Lebt wohl, guter Charles!--Nun will ich den Abenteurer anspornen.
Ich hoffe, sein Ende zu erleben; denn meine Seele, ich wei nicht
warum, hasset nichts so sehr als ihn.  Doch ist er von sanftem
Gemt, nicht belehrt und dennoch unterrichtet, voll edlen Trachtens,
von jedermann bis zur Verblendung geliebt; und in der Tat so fest
im Herzen der Leute, besonders meiner eignen, die ihn am besten
kennen, da ich darber ganz geringgeschtzt werde.  Aber so soll
es nicht lange sein--dieser Ringer soll alles ins reine bringen.
Es bleibt nichts zu tun brig, als da ich den Knaben dorthin hetze,
was ich gleich ins Werk richten will.

(Ab.)



Zweite Szene

Eine Esplanade vor des Herzogs Palast

(Rosalinde und Celia treten auf)


Celia.
Ich bitte dich, Rosalinde, liebes Mhmchen, sei lustig.

Rosalinde.
Liebe Celia, ich zeige mehr Frhlichkeit, als ich in meiner Gewalt
habe, und du wolltest dennoch, da ich noch lustiger wre?  Kannst
du mich nicht lehren, einen verbannten Vater zu vergessen, so mut
du nicht verlangen, da mir eine ungewhnliche Lust in den Sinn
kommen soll.

Celia.
Daran sehe ich, da du mich nicht in so vollem Mae liebst, wie ich
dich liebe.  Wenn mein Oheim, dein verbannter Vater, deinen Oheim,
den Herzog, meinen Vater verbannt htte, und du wrst immer bei mir
geblieben, so htte ich meine Liebe gewhnen knnen, deinen Vater
als den meinigen anzusehn.  Das wrdest du auch tun, wenn deine
Liebe zu mir von so echter Beschaffenheit wre als die meinige zu
dir.

Rosalinde.
Gut; ich will meinen Glcksstand vergessen, um mich an deinem zu
erfreun.

Celia.
Du weit, mein Vater hat kein Kind auer mir und auch keine
Aussicht, eins zu bekommen; und wahrlich, wenn er stirbt, sollst du
seine Erbin sein; denn was er deinem Vater mit Gewalt genommen,
will ich dir in Liebe wiedergeben.  Bei meiner Ehre, das will ich,
und wenn ich meinen Eid breche, mag ich zum Ungeheuer werden!
Darum, meine se Rose, meine liebe Rose, sei lustig!

Rosalinde.
Das will ich von nun an, Mhmchen, und auf Spe denken.  La sehen,
 was hltst du vom Verlieben?

Celia.
Ei ja, tu's, um Spa damit zu treiben.  Aber liebe keinen Mann im
wahren Ernst, auch zum Spa nicht weiter, als da du mit einem
unschuldigen Errten in Ehren wieder davonkommen kannst.

Rosalinde.
Was wollen wir denn fr Spa haben?

Celia.
La uns sitzen und die ehrliche Hausmutter Fortuna von ihrem Rade
weglstern, damit ihre Gaben knftig gleicher ausgeteilt werden
mgen.

Rosalinde.
Ich wollte, wir knnten das; denn ihre Wohltaten sind oft gewaltig
bel angebracht, und am meisten versieht sich die freigebige blinde
Frau mit ihren Geschenken an Frauen.

Celia.
Das ist wahr; denn die, welche sie schn macht, macht sie selten
ehrbar, und die, welche sie ehrbar macht, macht sie sehr hlich.

Rosalinde.
Nein, da gehst du ber von Fortunens Amt zu dem der Natur; Fortuna
herrscht in den weltlichen Gaben, nicht in den Zgen der Natur.

(Probstein kommt.)

Celia.
Nicht?  wenn die Natur ein schnes Geschpf gemacht hat, kann es
Fortuna nicht ins Feuer fallen lassen?--Wiewohl uns die Natur Witz
genug verliehen hat, um des Glcks zu spotten, schickt es nicht
diesen Narren herein, dem Gesprch ein Ende zu machen?

Rosalinde.
In der Tat, da ist das Glck der Natur zu mchtig, wenn es durch
einen natrlichen Einfaltspinsel dem natrlichen Witz ein Ende
macht.

Celia.
Wer wei, auch dies ist nicht das Werk des Glckes, sondern der
Natur, die unsern natrlichen Witz zu albern findet, um ber solche
Gttinnen zu klgeln, und uns diesen Einfltigen zum Schleifstein
geschickt hat; denn immer ist die Albernheit des Narren der
Schleifstein der Witzigen.--Nun Witz, wohin wanderst du?

Probstein.
Frulein, Ihr mt zu Eurem Vater kommen.

Celia.
Seid Ihr als Bote abgeschickt?

Probstein.
Nein, auf meine Ehre, man hie mich nur nach Euch gehn.

Rosalinde.
Wo hast du den Schwur gelernt, Narr?

Probstein.
Von einem gewissen Ritter, der bei seiner Ehre schwur, die
Pfannkuchen wren gut, und bei seiner Ehre schwur, der Senf wre
nichts nutz.  Nun behaupte ich: die Pfannkuchen waren nichts nutz
und der Senf gut, und doch hatte der Ritter nicht falsch geschworen.

Celia.
Wie beweiset Ihr das in der Hlle und Flle Eurer Gelahrtheit ?

Rosalinde.
Ei ja, nun nehmt Eurer Weisheit den Maulkorb ab.

Probstein.
Tretet beide vor, streicht euer Kinn und schwrt bei euren Brten,
da ich ein Schelm bin.

Celia.
Bei unsern Brten, wenn wir welche htten, du bist einer.

Probstein.
Bei meiner Schelmerei, wenn ich sie htte, dann wr ich einer.
Aber wenn ihr bei dem schwrt, was nicht ist, so habt ihr nicht
falsch geschworen; ebensowenig der Ritter, der auf seine Ehre
schwur, denn er hatte niemals welche, oder wenn auch, so hatte er
sie lngst weggeschworen, ehe ihm diese Pfannkuchen und der Senf zu
Gesicht kamen.

Celia.
Ich bitte dich, wen meinst du?

Probstein.
Einen, den der alte Friedrich, Euer Vater, liebt.

Celia.
Meines Vaters Liebe reicht hin, ihm zur Ehre zu verhelfen.  Genug,
sprecht nicht mehr von ihm; Ihr werdet gewi nchstens einmal fr
Euren bsen Leumund gestupt.

Probstein.
Desto schlimmer, da Narren nicht mehr weislich sagen drfen, was
weise Leute nrrisch tun.

Celia.
Meiner Treu, du sagst die Wahrheit; denn seit das bichen Witz, das
die Narren haben, zum Schweigen gebracht worden ist, so macht das
bichen Narrheit, das weise Leute besitzen, groe Parade.  Da kommt
Monsieur Le Beau.
(Le Beau tritt auf.)

Rosalinde.
Den Mund voll von Neuigkeiten.

Celia.
Die er uns zukommen lassen wird, wie Tauben ihre Jungen fttern.

Rosalinde.
Da werden wir also mit Neuigkeiten gemstet.

Celia.
Desto besser, so stehn wir ansehnlicher zu Markt.  Guten Morgen,
Monsieur Le Beau!  was gibt es Neues?

Le Beau.
Schne Prinzessin, Euch ist ein guter Spa entgangen.

Celia.
Ein Spa?  wohin?

Le Beau.
Wohin, Madame?  wie soll ich das beantworten?

Rosalinde.
Wie es Witz und Glck verleihen.

Probstein.
Oder wie das Verhngnis beschliet.

Celia.
Gut gesagt!  Das war wie mit der Kelle angeworfen.

Probstein.
Ja, wenn ich meinen Geschmack nicht behaupte--

Rosalinde.
So verlierst du deinen alten Beigeschmack.

Le Beau.
Ihr bringt mich aus der Fassung, meine Damen.  Ich wollte euch von
einem wackern Ringen erzhlen, das ihr versumt habt, mit anzusehn.

Rosalinde.
Sagt uns doch, wie es dabei herging.

Le Beau.
Ich will euch den Anfang erzhlen und wenn es euer Gnaden gefllt,
knnt ihr das Ende ansehn; denn das Beste mu noch geschehen, und
sie kommen hieher, wo ihr seid, um es auszufhren.

Celia.
Gut, den Anfang, der tot und begraben ist.

Le Beau.
Es kam ein alter Mann mit seinen drei Shnen--

Celia.
Ich wei ein altes Mrchen, das so anfngt.

Le Beau.
Drei stattliche junge Leute, vortrefflich gewachsen und mnnlich--

Rosalinde.
Mit Zetteln am Halse: "Kund und zu wissen sei mnniglich"--

Le Beau.
Der lteste unter den dreien rang mit Charles, des Herzogs Ringer.
Charles warf ihn in einem Augenblick nieder und brach ihm drei
Rippen entzwei, so da fast keine Hoffnung fr sein Leben ist;
ebenso richtete er den zweiten und den dritten zu.  Dort liegen sie,
und der arme alte Mann, ihr Vater, erhebt eine so jmmerliche
Wehklage ber sie, da alle Zuschauer ihm mit Weinen beistehn.

Rosalinde.
Ach!

Probstein.
Aber welches ist der Spa, Herr, der den Damen entgangen ist?

Le Beau.
Nun, der, wovon ich spreche.

Probstein.
So wird man alle Tage klger!  Das ist das erste, was ich hre, da
Rippenentzweibrechen ein Spa fr Damen ist.

Celia.
Ich auch, das versichere ich dir.

Rosalinde.
Aber ist denn noch jemand da, den nach dieser Seitenmusik gelstet?
Ist noch sonst wer auf zerbrochene Rippen erpicht?--Sollen wir das
Ringen mit ansehen, Muhme?

Le Beau.
Ihr mt, wenn ihr hier bleibt; denn sie haben diesen Platz zum
Kampfe gewhlt; er wird gleich vor sich gehn.

Celia.
Wirklich, dort kommen sie.  La uns nun bleiben und zusehn.

(Trompetensto.  Herzog Friedrich, Herren vom Hofe, Orlando,
Charles und Gefolge.)

Herzog Friedrich.
Wohlan!  Da der junge Mensch nicht hren will, so mag er auf seine
eigne Gefahr vorwitzig sein.

Rosalinde.
Ist der dort der Mann?

Le Beau.
Das ist er, mein Frulein.

Celia.
Ach, er ist zu jung, doch hat er ein siegreiches Ansehn.

Herzog Friedrich.
Ei, Tochter und Nichte!  Seid ihr hierher geschlichen, um das
Ringen zu sehn?

Rosalinde.
Ja, mein Frst, wenn Ihr uns gtigst erlaubt.

Herzog Friedrich.
Ihr werdet wenig Vergngen daran finden: das kann ich euch sagen;
das Paar ist zu ungleich.  Aus Mitleid mit des Ausforderers Jugend
mchte ich ihn gern davon abbringen, allein er lt sich nicht
raten.  Sprecht mit ihm, Frulein; seht, ob Ihr ihn bewegen knnt.

Celia.
Ruft ihn hieher, guter Monsieur Le Beau.

Herzog Friedrich.
Tut das, ich will nicht dabei sein.

(Der Herzog entfernt sich.)

Le Beau.
Herr Ausforderer, die Prinzessinnen verlangen Euch zu sprechen.

Orlando.
Ich bin ehrerbietigst zu ihrem Befehl.

Rosalinde.
Junger Mann, habt Ihr Charles, den Ringer, herausgefordert?

Orlando.
Nein, schne Prinzessin; er ist der allgemeine Ausforderer; ich
komme blo, wie andre auch, die Krfte meiner Jugend gegen ihn zu
versuchen.

Celia.
Junger Mann, Euer Mut ist zu khn fr Eure Jahre.  Ihr habt einen
grausamen Beweis von der Strke dieses Menschen gesehn: wenn Ihr
Euch selbst mit Euren Augen shet oder mit Eurem Urteil erkanntet,
so wrde Euch die Furcht vor dem Ausgange ein gleicheres Wagstck
anraten.  Wir bitten Euch um Euer selbst willen, an Eure Sicherheit
zu denken und das Unternehmen aufzugeben.

Rosalinde.
Tut das, junger Mann; Euer Ruf soll deswegen nicht herabgesetzt
werden.  Es soll unser Gesuch beim Herzoge sein, da das Ringen
nicht vor sich gehe.

Orlando.
Ich beschwre euch, straft mich nicht mit euren nachteiligen
Gedanken; ich erkenne mich selbst fr schuldig, da ich so schnen
und vortrefflichen Frulein irgend etwas verweigre.  Lat nur eure
schnen Augen und freundlichen Wnsche mich zu meiner Prfung
geleiten.  Wenn ich zu Boden geworfen werde, so kommt nur Schmach
ber jemand, der noch niemals in Ehren war; wenn umgebracht, so ist
nur Jemand tot, der sich nichts andres wnscht.  Ich werde meinen
Freunden kein Leid zufgen, denn ich habe keine, mich zu beweinen,
und der Welt keinen Nachteil, denn ich besitze nichts in ihr; ich
flle in der Welt nur einen Platz aus, der besser besetzt werden
kann, wenn ich ihn rume.

Rosalinde.
Ich wollte, das bichen Strke, das ich habe, wre mit Euch.

Celia.
Meine auch, um ihre zu ergnzen.

Rosalinde.
Fahrt wohl!  Gebe der Himmel, da ich mich in Euch betrge.

Celia.
Eures Herzens Wunsch werde Euch zuteil.

Charles.
Wohlan, wo ist der junge Held, dem so danach gelstet, bei seiner
Mutter Erde zu liegen?

Orlando.
Hier ist er, Herr; aber sein Wille hegt eine anstndigere Absicht.

Herzog Friedrich.
Ihr sollt nur (einen) Gang machen.

Charles.
Ich stehe Euer Hoheit dafr, Ihr werdet ihn nicht zu einem zweiten
bereden, nachdem Ihr ihn so dringend vom ersten abgemahnt habt.

Orlando.
Ihr denkt nachher ber mich zu spotten: so braucht Ihr's nicht
vorher zu tun.  Doch kommt zur Sache.

Rosalinde.
Nun, Herkules steh dir bei, junger Mann!

Celia.
Ich wollte, ich wre unsichtbar, um dem starken Manne das Bein
unterwegs ziehen zu knnen.

(Charles und Orlando ringen.)

Rosalinde.
O herrlicher junger Mann!

Celia.
Htte ich einen Donnerkeil in meinen Augen, so wei ich, wer zu
Boden sollte.

(Charles wird zu Boden geworfen.  Jubelgeschrei.)

Herzog Friedrich.
Nicht weiter!  nicht weiter!

Orlando.
Doch, wenn es Euer Hoheit beliebt!  ich bin noch nicht recht ins
Schnaufen gekommen.

Herzog Friedrich.
Wie steht's mit dir, Charles?

Le Beau.
Er kann nicht sprechen, mein Frst.

Herzog Friedrich.
Tragt ihn weg.  Wie ist dein Name, junger Mensch?

Orlando.
Orlando, mein Frst, der jngste Sohn des Freiherrn Roland de Boys.

Herzog Friedrich.
Ich wollt, du wrst sonst jemands Sohn gewesen.
Die Welt hielt deinen Vater ehrenwert,
Doch ich erfand ihn stets als meinen Feind.
Du wrdst mir mehr mit dieser Tat gefallen,
Wenn du aus einem andern Hause stammtest.
Doch fahre wohl!  du bist ein wackrer Jngling!
Httst du 'nen andern Vater nur genannt!

(Herzog Friedrich mit Gefolge und Le Beau ab.)

Celia.
Wr ich mein Vater, Mhmchen, tt ich dies?

Orlando.
Ich bin weit stolzer, Rolands Sohn zu sein,
Sein jngster Sohn--und tauschte nicht den Namen,
Wrd ich auch Friedrichs angenommner Erbe.

Rosalinde.
Mein Vater liebte Roland wie sein Leben,
Und alle Welt war so wie er gesinnt.
Htt ich zuvor den jungen Mann gekannt,
Den Bitten htt ich Trnen zugesellt,
Eh er sich so gewagt.

Celia.
Komm, liebe Muhme,
La uns ihm danken und ihm Mut einsprechen;
Denn meines Vaters rauhe Art und Groll
Gehn mir ans Herz.--Herr, Ihr habt Lob verdient;
Wenn Ihr im Lieben Eur Versprechen haltet,
Wie Ihr verdunkelt, was man sich versprach,
Ist Eure Liebste glcklich.

Rosalinde (gibt ihm eine Kette von ihrem Halse).
Junger Mann,
Tragt dies von mir, von einer Glckverstonen,
Die mehr wohl gbe, fehlt' es nicht an Mitteln.
Nun, gehn wir, Muhme?

Celia.
Ja--lebt wohl denn, edler Junker!

Orlando.
Kann ich nicht sagen: Dank?  mein beres Teil
Liegt ganz darnieder; was noch aufrecht steht,
Ist nur ein Wurfziel, blo ein leblos Holz.

Rosalinde.
Er ruft uns nach--mein Stolz sank mit dem Glck--
Ich frag ihn, was er will.--Rieft Ihr uns, Herr?--
Herr, Ihr habt brav gekmpft und mehre noch
Besiegt als Eure Feinde.

Celia.
Komm doch, Mhmchen.

Rosalinde.
Ich komme schon.  Lebt wohl!

(Rosalinde und Celia ab.)

Orlando.
Welch ein Gefhl belastet meine Zunge?
Ich kann nicht reden, lud sie gleich mich ein.

(Le Beau kommt.)

Armer Orlando!  du bist berwltigt,
Charles oder etwas Schwchers siegt dir ob.

Le Beau.
Mein guter Herr, ich rat aus Freundschaft Euch
Verlat den Ort; wiewohl Ihr hohen Preis
Euch habt erworben, Lieb und echten Beifall,
So steht doch so des Herzogs Stimmung jetzt,
Da er mideutet, was Ihr nun getan.
Der Frst ist launisch; was er ist, in Wahrheit,
Ziemt besser Euch zu sehn, als mir zu sagen.

Orlando.
Ich dank Euch, Herr, und bitt Euch, sagt mir dies:
Wer war des Herzogs Tochter von den beiden,
Die hier beim Ringen waren?

Le Beau.
Von beiden keine, wenn's nach Sitten gilt;
Doch wirklich ist die kleinste seine Tochter,
Die andre, Tochter des verbannten Herzogs,
Von ihrem Oheim hier zurckbehalten
Zu seiner Tochter Umgang; ihre Liebe
Ist zrtlicher als schwesterliche Bande.
Doch sag ich Euch: seit kurzem hegt der Herzog
Unwillen gegen seine holde Nichte,
Der auf die Ursach blo gegrndet ist,
Da sie die Welt um ihre Gaben preist
Und sie beklagt um ihres Vaters willen;
Und, auf mein Wort, sein Ingrimm auf das Frulein
Bricht einmal pltzlich los.--Lebt wohl, mein Herr!
Dereinst in einer bessern Welt als diese
Wnsch ich mir mehr von Eurer Lieb und Umgang.

Orlando.
Ich bleib Euch sehr verbunden; lebet wohl!

(Le Beau ab.)

So mu ich aus dem Dampf in die Erstickung,
Von Herzogs Druck in Bruders Unterdrckung.--
Doch Engel Rosalinde!--

(Ab.)



Dritte Szene

Ein Zimmer im Palast

(Celia und Rosalinde treten auf)


Celia.
Ei, Mhmchen!  ei, Rosalinde!  Cupido sei uns gndig, nicht ein
Wort?

Rosalinde.
Nicht eins, das man einem Hunde vorwerfen knnte.

Celia.
Nein, deine Worte sind zu kostbar, um sie den Hunden vorzuwerfen;
wirf mir einige zu.  Komm, lhme mich mit Vernunftgrnden.

Rosalinde.
Da wr es um zwei Muhmen geschehen, wenn die eine mit Grnden
gelhmt wrde und die andre unklug ohne Grund.

Celia.
Aber ist das alles um deinen Vater?

Rosalinde.
Nein, etwas davon ist um meines Vaters Kind.  O wie voll Disteln
ist diese Werktagswelt!

Celia.
Es sind nur Kletten, Liebe, die dir bei einem Festtagsspa
angeworfen werden.  Wenn wir nicht in gebahnten Wegen gehen, so
haschen unsre eigenen Rcke sie auf.

Rosalinde.
Vom Rocke knnt ich sie abschtteln; diese Kletten stecken mir im
Herzen.

Celia.
Huste sie weg.

Rosalinde.
Das wollte ich wohl tun, wenn ich ihn herbeihusten knnte.

Celia.
Ei was!  ringe mit deinen Neigungen.

Rosalinde.
Ach, sie nehmen die Partei eines bessern Ringers, als ich bin.

Celia.
Helfe dir der Himmel!  Du wirst dich zu seiner Zeit mit ihm messen,
gilt es auch eine Niederlage.--Doch la uns diese Scherze abdanken
und in vollem Ernste sprechen.  Ist es mglich, da du mit einem
Male in eine so gewaltige Zuneigung zu des alten Herrn Roland
jngstem Sohn verfallen konntest?

Rosalinde.
Der Herzog, mein Vater, liebte seinen Vater ber alles.

Celia.
Folgt daraus, da du seinen Sohn ber alles lieben mut?  Nach
dieser Folgerung mte ich ihn hassen, denn mein Vater hat seinen
Vater ber alles, und doch hasse ich den Orlando nicht.

Rosalinde.
Nein gewi, hasse ihn nicht, um meinetwillen!

Celia.
Warum sollte ich?  verdient er nicht alles Gute?

(Herzog Friedrich kommt mit Herren vom Hofe.)

Rosalinde.
Um deswillen la mich ihn lieben, und liebe du ihn, weil ich es tue.
--Sieh, da kommt der Herzog.

Celia.
Die Augen voller Zorn.

Herzog Friedrich.
Frulein, in schnellster Eile schickt Euch an und weicht von unserm
Hof.

Rosalinde.
Ich, Oheim?

Herzog Friedrich.
Ja, Ihr, Nichte.
Wenn in zehn Tagen du gefunden wirst
Von unserm Hofe binnen zwanzig Meilen,
Bist du des Todes.

Rosalinde.
Ich ersuch Eur Gnaden,
Gebt mir die Kenntnis meines Fehlers mit.
Wenn ich Verkehr pfleg mit dem eignen Selbst,
Ja irgend meine eignen Wnsche kenne,
Wenn ich nicht trum und nicht von Sinnen bin,
Wie ich nicht hoffe: nie, mein werter Oheim,
Selbst nicht mit ungeborenen Gedanken
Beleidigt ich Eur Hoheit.

Herzog Friedrich.
So sprechen stets Verrter;
Bestnd in Worten ihre Reinigung,
So sind sie schuldlos wie die Heiligkeit.
La dir's gengen, da ich dir nicht traue.

Rosalinde.
Doch macht Eur Mitraun nicht mich zum Verrter;
Sagt mir, worauf der Anschein denn beruht?

Herzog Friedrich.
Genug, du bist die Tochter deines Vaters.

Rosalinde.
Das war ich, als Eur Hoheit ihm sein Land nahm;
Das war ich, als Eur Hoheit ihn verbannte.
Verrterei wird nicht vererbt, mein Frst,
Und berkmen wir von Eltern sie,
Was geht's mich an?  Mein Vater bte keine.
Drum, bester Herr, verkennt mich nicht so sehr,
Zu glauben, meine Armut sei verrtrisch.

Celia.
Mein teuerster Gebieter, hrt mich an!

Herzog Friedrich.
Ja, Celia, dir zulieb lie ich sie bleiben,
Sonst irrte sie umher mit ihrem Vater.

Celia.
Ich bat nicht damals, da sie bleiben mchte,
Ihr wolltet es, Ihr waret selbst erweicht.
Ich war zu jung um (die) Zeit, sie zu schtzen:
Jetzt kenn ich sie; wenn sie verrtrisch ist,
So bin ich's auch; wir schliefen stets beisammen,
Erwachten, lernten, spielten miteinander,
Und wo wir gingen, wie der Juno Schwne,
Da gingen wir gepaart und unzertrennlich.

Herzog Friedrich.
Sie ist zu fein fr dich, und ihre Sanftmut,
Ihr Schweigen selbst und ihre Duldsamkeit
Spricht zu dem Volk, und es bedauert sie.
Du Trin, du!  Sie stiehlt dir deinen Namen,
Und du scheinst glnzender und tugendreicher,
Ist sie erst fort.  Drum ffne nicht den Mund;
Fest und unwiderruflich ist mein Spruch,
Der ber sie erging: sie ist verbannt.

Celia.
Sprecht denn dies Urteil ber mich, mein Frst!
Ich kann nicht leben auer ihrer Nhe.

Herzog Friedrich.
Du bist 'ne Trin.--Nichte, seht Euch vor!
Wenn Ihr die Zeit versumt--auf meine Ehre
Und kraft der Wrde meines Worts: Ihr sterbt.

(Herzog und Gefolge ab.)

Celia.
O arme Rosalinde, wohin willst du?
Willst du die Vter tauschen?  So nimm meinen.
Ich bitt dich, sei nicht trauriger als ich!

Rosalinde.
Ich habe ja mehr Ursach.

Celia.
Nicht doch, Muhme.
Sei nur getrost!  Weit du nicht, da der Herzog
Mich, seine Tochter, hat verbannt?

Rosalinde.
Das nicht.

Celia.
Das nicht?  So fehlt die Liebe Rosalinden,
Die dich belehrt, da du und ich nur eins.
Soll man uns trennen?  Solln wir scheiden, Se?
Nein, mag mein Vater andre Erben suchen.
Ersinne nur mit mir, wie wir entfliehn,
Wohin wir gehn und was wir mit uns nehmen;
Und suche nicht, die Last auf dich zu ziehn,
Dein Leid zu tragen und mich auszuschlieen.
Bei diesem Himmel, bleich von unserm Gram,
Sag, was du willst, ich gehe doch mit dir.

Rosalinde.
Wohl!  wohin gehn wir?

Celia.
Zu meinem Oheim im Ardenner Wald.

Rosalinde.
Doch ach, was fr Gefahr wird es uns bringen,
So weit zu reisen, Mdchen wie wir sind?
Schnheit lockt Diebe schneller noch als Gold.

Celia.
Ich stecke mich in arme, niedre Kleidung
Und streiche mein Gesicht mit Ocker an;
Tu ebendas, so ziehn wir unsern Weg
Und reizen keine Ruber.

Rosalinde.
Wr's nicht besser,
Weil ich von mehr doch als gemeinem Wuchs,
Da ich mich trge vllig wie ein Mann?
Den schmucken kurzen Sbel an der Hfte
Den Jagdspie in der Hand, und--lg im Herzen
Auch noch so viele Weiberfurcht versteckt--
Wir shen kriegerisch und prahlend drein,
Wie manche andre Mnnermemmen auch,
Die mit dem Ansehn es zu zwingen wissen.

Celia.
Wie willst du heien, wenn du nun ein Mann bist?

Rosalinde.
Nicht schlechter als der Page Jupiters;
Denk also dran, mich Ganymed zu nennen.
Doch wie willst du genannt sein?

Celia.
Nach etwas, das auf meinen Zustand pat:
Nicht lnger Celia, sondern Aliena.

Rosalinde.
Wie, Muhme, wenn von Eures Vaters Hof
Wir nun den Schalksnarrn wegzustehlen suchten,
Wr er uns nicht ein Trost auf unsrer Reise?

Celia.
Oh, der geht mit mir in die weite Welt,
Um den la mich nur werben.  La uns gehn
Und unsern Schmuck und Kostbarkeiten sammeln,
Die beste Zeit und sichern Weg bedenken
Vor der Verfolgung, die nach meiner Flucht
Wird angestellt.  So ziehn wir denn in Frieden,
Denn Freiheit ist uns, nicht der Bann beschieden.

(Ab.)




Zweiter Aufzug



Erste Szene

Der Ardenner Wald

(Der Herzog, Amiens und andre Edelleute in Jgerkleidung)


Herzog.
Nun, meine Brder und des Banns Genossen,
Macht nicht Gewohnheit ser dieses Leben
Als das gemalten Pomps?  Sind diese Wlder
Nicht sorgenfreier als der falsche Hof?
Wir fhlen hier die Bue Adams nur,
Der Jahrszeit Wechsel; so den eisgen Zahn
Und bses Schelten von des Winters Sturm;
Doch, wenn er beit und auf den Leib mir blst,
Bis ich vor Klte schaudre, sag ich lchelnd:
"Dies ist nicht Schmeichelei; Ratgeber sind's,
Die fhlbar mir bezeugen, wer ich bin."
S ist die Frucht der Widerwrtigkeit,
Die gleich der Krte, hlich und voll Gift,
Ein kstliches Juwel im Haupte trgt.
Dies unser Leben, vom Getmmel frei,
Gibt Bumen Zungen, findet Schrift im Bach,
In Steinen Lehre, Gutes berall.

Amiens.
Ich tauscht es selbst nicht; glcklich ist Eur Hoheit,
Die auszulegen wei des Schicksals Hrte
In solchem ruhigen und milden Sinn.

Herzog.
Kommt, wolln wir gehen und uns Wildbret tten?
Doch schmerzt's, da wir den armen fleckgen Narren,
Die Brger sind in dieser den Stadt,
Auf eignem Grund mit hakgen Spitzen blutig
Die runden Hften reien.

Erster Edelmann.
Ja, mein Frst,
Den melancholschen Jacques krnkt dieses sehr;
Er schwrt, da Ihr auf diesem Weg mehr Unrecht
Als Euer Bruder bt, der Euch verbannt.
Heut schlpften ich und Amiens hinter ihn,
Als er sich hingestreckt an einer Eiche,
Wovon die alte Wurzel in den Bach
Hineinragt, der da braust den Wald entlang;
Es kam dahin ein arm verschchtert Wild,
Das von des Jgers Pfeil beschdigt war,
Um auszuschmachten; und gewi, mein Frst,
Das arme Tier stie solche Seufzer aus,
Da jedesmal sein ledern Kleid sich dehnte
Zum Bersten fast, und dicke runde Trnen
Lngs der unschuldgen Nase liefen klglich
Einander nach; und der behaarte Narr,
Genau bemerkt vom melancholschen Jacques,
Stand so am letzten Rand des schnellen Bachs,
Mit Trnen ihn vermehrend.

Herzog.
Nun, und Jacques?
Macht er dies Schauspiel nicht zur Sittenpredigt?

Erster Edelmann.
O ja, in tausend Gleichnissen.  Zuerst
Das Weinen in den unbedrftgen Strom:
"Ach, armer Hirsch!" so sagt' er, "wie der Weltling
Machst du dein Testament: gibst dem den Zuschu,
Der schon zuviel hat."--Dann, weil er allein
Und von den samtnen Freunden war verlassen:
"Recht!" sagt' er, "so verteilt das Elend stets
Des Umgangs Flut."--Alsbald ein Rudel Hirsche,
Der Weide voll, sprang sorglos an ihm hin,
Und keiner stand zum Grue.  "Ja", rief Jacques,
"Streift hin, ihr fetten, wohlgenhrten Brger!
So ist die Sitte eben; warum schaut ihr
Nach dem bankrotten, armen Schelme da?"
Auf diese Art durchbohrt er schmhungsvoll
Den Kern vom Lande, Stadt und Hof, ja selbst
Von diesem unserm Leben; schwrt, da wir
Nichts als Tyrannen, Ruber, Schlimmres noch,
Weil wir die Tiere schrecken, ja sie tten
In ihrem eignen heimatlichen Sitz.

Herzog.
Und lieet ihr in der Betrachtung ihn?

Erster Edelmann.
Ja, gndger Herr, beweinend und besprechend
Das schluchzende Geschpf.

Herzog.
Zeigt mir den Ort,
Ich lasse gern in diesen dstern Launen
Mich mit ihm ein; er ist dann voller Sinn.

Erster Edelmann.
Ich will Euch zu ihm bringen.

(Ab.)



Zweite Szene

Ein Zimmer im Palaste

(Herzog Friedrich, Herren vom Hofe und Gefolge treten auf)


Herzog Friedrich.
Ist es denn mglich, da sie niemand sah?
Es kann nicht sein!  nein, Schurken hier am Hof
Sind im Verstndnis mit und gaben's zu.

Erster Edelmann.
Ich hrte nicht, da irgendwer sie sah.
Die Fraun im Dienste ihrer Kammer brachten
Sie in ihr Bett und fanden morgens frh
Das Bett von ihrem Frulein ausgeleert.

Zweiter Edelmann.
Mein Herzog, der Hanswurst, den Euer Hoheit
Oft zu belachen pflegt', wird auch vermit.
Hesperia, der Prinzessin Kammerfrulein,
Bekennt, sie habe insgeheim belauscht,
Wie Eure Nicht' und Tochter beraus
Geschick und Anstand jenes Ringers lobten,
Der jngst den nervgen Charles darniederwarf;
Sie glaubt, wohin sie auch gegangen sind,
Der Jngling sei gewilich ihr Begleiter.

Herzog Friedrich.
Schickt hin zum Bruder, holt den Braven her;
Ist der nicht da, bringt mir den Bruder selbst:
Der soll ihn mir schon finden.  Tut dies schnell;
Lat Nachsuchung und Forschen nicht ermatten,
Die trichten Verlaufnen heimzubringen.

(Ab.)



Dritte Szene

Vor Olivers Hause

(Orlando und Adam begegnen sich)


Orlando.
Wer ist da?

Adam.
Was?  Ihr, mein junger Herr?--O edler Herr!
O mein geliebter Herr!  O Ihr, Gedchtnis
Des alten Roland!  Sagt, was macht Ihr hier?
Weswegen bt Ihr Tugend?  schafft Euch Liebe?
Und warum seid Ihr edel, stark und tapfer?
Was wart Ihr so erpicht, den stmmgen Kmpfer
Des launenhaften Herzogs zu bezwingen?
Eur Ruhm kam allzu schnell vor Euch nach Haus.
Wit Ihr nicht, Junker, da gewissen Leuten
All ihre Gaben nur als Feinde dienen?
So, bester Herr, sind Eure Tugenden
An Euch geweihte, heilige Verrter.
O welche Welt ist dies, wenn das, was herrlich,
Den, der es hat, vergiftet!

Orlando.
Nun denn, was gibt's?

Adam.
Oh, unglckselger Jngling!
Geht durch dies Tor nicht; unter diesem Dach
Lebt aller Eurer Trefflichkeiten Feind:
Eur Bruder--nein, kein Bruder, doch der Sohn--
Nein, nicht der Sohn; ich will nicht Sohn ihn nennen
Des, den ich seinen Vater heien wollte--
Hat Euer Lob gehrt und denkt zu Nacht
Die Wohnung zu verbrennen, wo Ihr liegt,
Und Euch darinnen.  Schlgt ihm dieses fehl,
So sucht er andre Weg, Euch umzubringen;
Ich habe ihn belauscht und seinen Anschlag.
Kein Wohnort ist dies Haus, 'ne Mrdergrube;
Verabscheut, frchtet es, geht nicht hinein.

Orlando.
Sag, wohin willst du, Adam, da ich gehe?

Adam.
Gleichviel wohin, ist es nur hieher nicht.

Orlando.
Was?  willst du, da ich gehn und Brot soll betteln?
Wohl gar mit schndem, tollem Schwert erzwingen
Als Straenruber meinen Unterhalt?
Das mu ich tun, sonst wei ich nichts zu tun;
Doch will ich dies nicht, komme, was da will.
Ich setze mich der Bosheit lieber aus
Des abgefallnen Bluts und blutgen Bruders.

Adam.
Nein, tut das nicht!  ich hab fnfhundert Kronen,
Sorgsam ersparten Lohn von Eurem Vater;
Ich legt ihn bei, mein Pfleger dann zu sein,
Wann mir der Dienst erlahmt in schwachen Gliedern
Und man das Alter in die Ecke wirft.
Nehmt das, und der die jungen Raben fttert,
Ja, sorgsam fr den Sperling Vorrat huft,
Sei meines Alters Trost!  Hier ist das Gold;
Nehmt alles, lat mich Euren Diener sein.
Seh ich gleich alt, bin ich doch stark und rstig;
Denn nie in meiner Jugend mischt ich mir
Hei und aufrhrerisch Getrnk ins Blut.
Noch ging ich je mit unverschmter Stirn
Den Mitteln nach zu Schwch und Unvermgen.
Drum ist mein Alter wie ein frischer Winter,
Kalt, doch erquicklich.  Lat mich mit Euch gehn!
Ich tu den Dienst von einem jngern Mann
In aller Eurer Notdurft und Geschften.

Orlando.
O guter Alter, wie so wohl erscheint
in dir der treue Dienst der alten Welt,
Da Dienst um Pflicht sich mhte, nicht um Lohn!
Du bist nicht nach der Sitte dieser Zeiten,
Wo niemand mhn sich will als um Befrdrung,
Und kaum da er sie hat, erlischt sein Dienst
Gleich im Besitz.  So ist es nicht mit dir.
Doch, armer Greis, du pflegst den drren Stamm,
Der keine Blte mehr vermag zu treiben
Fr alle deine Sorgsamkeit und Mh.
Doch komm wir brechen miteinander auf;
Und eh wir deinen Jugendlohn verzehrt,
Ist uns ein friedlich kleines Los beschert.

Adam.
Auf, Herr!  und bis zum letzten Atemzug
Folg ich Euch nach, ergeben ohne Trug.
Von siebzehn Jahren bis zu achtzig schier
Wohnt ich, nun wohn ich ferner nicht mehr hier.
Um siebzehn ziemt's, da mit dem Glck man buhle,
Doch achtzig ist zu alt fr diese Schule.
Knnt ich vom Glck nur diesen Lohn erwerben,
Nicht Schuldner meines Herrn und sanft zu sterben!

(Ab.)



Vierte Szene

Der Wald

(Rosalinde als Knabe, Celia, wie eine Schferin gekleidet, und
Probstein treten auf)


Rosalinde.
O Jupiter!  wie matt sind meine Lebensgeister!

Probstein.
Ich frage nicht nach meinen Lebensgeistern, wenn nur meine Beine
nicht matt wren.

Rosalinde.
Ich wre imstande, meinen Mannskleidern eine Schande anzutun und
wie ein Weib zu weinen.  Aber ich mu das schwchere Gef
untersttzen, denn Wams und Hosen mssen sich gegen den Unterrock
herzhaft beweisen.  Also Herz gefat, liebe Aliena!

Celia.
Ich bitte dich, ertrage mich, ich kann nicht weiter.

Probstein.
Ich fr mein Teil wollte Euch lieber ertragen als tragen.  Und doch
trge ich kein Kreuz, wenn ich Euch trge; denn ich bilde mir ein,
Ihr habt keinen Kreuzer in Eurem Beutel.

Rosalinde.
Gut, dies ist der Ardenner Wald.

Probstein.
Ja, nun bin ich in den Ardennen, ich Narr; da ich zu Hause war, war
ich an einem bessern Ort, aber Reisende mssen sich schon begngen.

Rosalinde.
Ja, tut das, guter Probstein.--Seht, wer kommt da?  Ein junger Mann
und ein alter in tiefem Gesprch.

(Corinnus und Silvius treten auf.)

Corinnus.
Dies ist der Weg, da sie dich stets verschmht.

Silvius.
O wtest du, Corinnus, wie ich liebe!

Corinnus.
Zum Teil errat ich's, denn einst liebt ich auch.

Silvius.
Nein, Freund: alt wie du bist, errtst du's nicht,
Warst du auch jung ein so getreuer Schfer,
Als je aufs mitternchtge Kissen seufzte;
Allein, wenn deine Liebe meiner gleich--
Zwar glaub ich, keiner liebte jemals so--
Zu wieviel hchlich ungereimten Dingen
Hat deine Leidenschaft dich hingerissen?

Corinnus.
Zu Tausenden, die ich vergessen habe.

Silvius.
O dann hast du so herzlich nie geliebt!
Entsinnst du dich der kleinsten Torheit nicht,
In welche dich die Liebe je gestrzt,
So hast du nicht geliebt;
Und hast du nicht gesessen, wie ich jetzt,
Den Hrer mit der Liebsten Preis ermdend,
So hast du nicht geliebt;
Und brachst du nicht von der Gesellschaft los
Mit eins, wie jetzt die Leidenschaft mich heit,
So hast du nicht geliebt.--O Phbe!  Phbe!  Phbe!

(Ab.)


Rosalinde.
Ach, armer Schfer!  deine Wunde suchend,
Hab ich durch schlimmes Glck die meine funden.

Probstein.
Und ich meine.  Ich erinnre mich, da ich verliebt war, da ich
meinen Degen an einem Stein zerstie und hie ihn das dafr
hinnehmen, da er sich unterstnde, nachts zu Hannchen Freundlich
zu kommen; und ich erinnre mich, wie ich ihr Waschholz kte und
die Euter der Kuh, die ihre artigen, rissigen Hnde gemolken hatten.
Ich erinnre mich, wie ich mit einer Erbsenschote schn tat, als
wenn sie es wre, und ich nahm zwei Erbsen, gab sie ihr wieder und
sagte mit weinenden Trnen: "Tragt sie um meinetwillen." Wir treuen
Liebenden kommen oft auf seltsame Sprnge; wie alles von Natur
sterblich ist, so sind alle sterblich Verliebten von Natur Narren.

Rosalinde.
Du sprichst klger, als du selber gewahr wirst.

Probstein.
Nein, ich werde meinen eignen Witz nicht eher gewahr werden, als
bis ich mir die Schienbeine daran zerstoe.

Rosalinde.
O Jupiter!  o Jupiter!  Dieses Schfers Leidenschaft ist ganz nach
meiner Eigenschaft.

Probstein.
Nach meiner auch, aber sie versauert ein wenig bei mir.

Celia.
Ich bitte Euch, frag einer jenen Mann,
Ob er fr Gold uns etwas Speise gibt.
Ich schmachte fast zu Tode.

Probstein.
Heda, Tlpel.

Rosalinde.
Still, Narr!  Er ist dein Vetter nicht.

Corinnus.
Wer ruft?

Probstein.
Vornehmere als Ihr.

Corinnus.
Sonst wren sie auch wahrlich sehr gering.

Rosalinde.
Still, sag ich Euch!--Habt guten Abend, Freund!

Corinnus.
Ihr gleichfalls, feiner Herr, und allesamt.

Rosalinde.
Hr, Schfer, knnen Geld und gute Worte
In dieser Wildnis uns Bewirtung schaffen,
So zeigt uns, wo wir ruhn und essen knnen.
Dies junge Mdchen ist vom Wandern matt
Und schmachtet nach Erquickung.

Corinnus.
Lieber Herr,
Sie tut mir leid, und ihretwillen mehr
Als meinetwillen wnscht ich, da mein Glck
Instand mich besser setzt', ihr beizustehn.
Doch ich bin Schfer eines andern Manns
Und schere nicht die Wolle, die ich weide.
Von filziger Gemtsart ist mein Herr
Und fragt nicht viel danach, den Weg zum Himmel
Durch Werke der Gastfreundlichkeit zu finden.
Auch stehn ihm Htt und Herd und seine Weiden
Jetzt zum Verkauf; und auf der Schferei
Ist, weil er nicht zu Haus, kein Vorrat da,
Wovon ihr speisen knnt; doch kommt und seht!
Von mir euch alles gern zu Dienste steht.

Rosalinde.
Wer ist's, der seine Herd' und Wiesen kauft?

Corinnus.
Der junge Schfer, den ihr erst gesehn,
Den es nicht kmmert, irgendwas zu kaufen.

Rosalinde.
Ich bitte dich, besteht's mit Redlichkeit,
Kauf du die Meierei, die Herd' und Weiden;
Wir geben dir das Geld, es zu bezahlen.

Celia.
Und hhern Lohn; ich liebe diesen Ort
Und brchte willig hier mein Leben hin.

Corinnus.
Soviel ist sicher, dies ist zu Verkauf.
Geht mit!  Gefllt euch auf Erkundigung
Der Boden, der Ertrag und dieses Leben,
So will ich euer treuer Pfleger sein
Und kauf es gleich mit eurem Golde ein.

(Alle ab.)



Fnfte Szene

Ein anderer Teil des Waldes

(Amiens, Jacques und andere)

Lied.


Amiens.
Unter des Laubdachs Hut
Wer gerne mit mir ruht
Und stimmt der Kehle Klang
Zu lustger Vgel Sang:
Komm geschwinde!  geschwinde!  geschwinde!
Hier nagt und sticht
Kein Feind ihn nicht
Als Wetter, Regen und Winde.

Jacques.
Mehr, mehr, ich bitte dich, mehr!

Amiens.
Es wrde Euch melancholisch machen, Monsieur Jacques.

Jacques.
Das danke ich ihm.  Mehr, ich bitte dich, mehr!  Ich kann
Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt.
Mehr!  mehr!  ich bitte dich.

Amiens.
Meine Stimme ist rauh; ich wei, ich kann Euch nicht damit gefallen.

Jacques.
Ich verlange nicht, da Ihr mir gefallen sollt; ich verlange, da
Ihr singt.  Kommt, noch eine Strophe!  Nennt Ihr's nicht Strophen?

Amiens.
Wie es Euch beliebt, Monsieur Jacques.

Jacques.
Ich kmmre mich nicht um ihren Namen; sie sind mir nichts schuldig.
Wollt Ihr singen?

Amiens.
Mehr auf Euer Verlangen als mir zu Gefallen.

Jacques.
Gut, wenn ich mich jemals bei einem Menschen bedanke, so will ich's
bei Euch; aber was sie Komplimente nennen, ist, als wenn sich zwei
Affen begegnen.  Und wenn sich jemand herzlich bei mir bedankt, so
ist mir, als htte ich ihm einen Pfennig gegeben und er sagte:
"Gotteslohn dafr." Kommt singt, und wer nicht mag, halte sein Maul!

Amiens.
Gut, ich will das Lied zu Ende bringen.--Ihr Herren, deckt indes
die Tafel; der Herzog will unter diesem Baum trinken--er ist den
ganzen Tag nach Euch aus gewesen.

Jacques.
Und ich bin ihm den ganzen Tag aus dem Wege gegangen.  Er ist ein
zu groer Disputierer fr mich.  Es gehn mir so viele Gedanken
durch den Kopf als ihm; aber ich danke dem Himmel und mache kein
Wesens davon.  Kommt, trillert eins her.

Lied.  (Alle zusammen.)
Wer Ehrgeiz sich hlt fern,
Lebt in der Sonne gern,
Selbst sucht, was ihn ernhrt,
Und es mit Lust verzehrt:
Komm geschwinde geschwinde geschwinde!
Hier nagt und sticht
Kein Feind ihn nicht
Als Wetter, Regen und Winde.

Jacques.
Ich will Euch einen Vers zu dieser Weise sagen, den ich gestern
meiner Dichtungsgabe zum Trotz gemacht habe.

Amiens.
Und ich will ihn singen.

Jacques.
So lautet er:

Besteht ein dummer Tropf
Auf seinem Eselskopf,
Lt seine Fll und Ruh
Und luft der Wildnis zu:
(Duc ad me!  duc ad me!  duc ad me!)
Hier sieht er mehr
So Narrn wie er,
Wenn er zu mir will kommen her.

Amiens.
Was heit das: (duc ad me?)

Jacques.
Es ist eine griechische Beschwrung, um Narren in einen Kreis zu
bannen.  Ich will gehn und schlafen, wenn ich kann; kann ich nicht,
so will ich auf alle Erstgeburt in gypten lstern.

Amiens.
Und ich will den Herzog aufsuchen, sein Mahl ist bereitet.

(Von verschiedenen Seiten ab.)



Sechste Szene

Ein anderer Teil des Waldes

(Orlando und Adam treten auf)


Adam.
Liebster Herr, ich kann nicht weitergehn; ach, ich sterbe vor
Hunger!  Hier werfe ich mich hin und messe mir mein Grab.  Lebt
wohl, bester Herr!

Orlando.
Ei was, Adam!  hast du nicht mehr Herz?  Lebe noch ein wenig,
strke dich ein wenig, ermuntre dich ein wenig.  Wenn dieser rauhe
Wald irgendein Gewild hegt, so will ich ihm entweder zur Speise
dienen oder es dir zur Speise bringen.  Deine Einbildung ist dem
Tode nher als deine Krfte.  Mir zuliebe sei getrost!  halt dir
den Tod noch eine Weile vom Leibe.  Ich will gleich wieder bei dir
sein, und wenn ich dir nicht etwas zu essen bringe, so erlaube ich
dir zu sterben; aber wenn du stirbst, ehe ich komme, so hast du
mich mit meiner Mhe zum besten.--So recht!  du siehst munter aus,
und ich bin gleich wieder bei dir.  Aber du liegst in der scharfen
Luft; komm, ich will dich hinbringen, wo berwind ist, und du
sollst nicht aus Mangel an einer Mahlzeit sterben, wenn es
irgendwas Lebendiges in dieser Einde gibt.  Mut gefat, guter Adam.

(Beide ab.)



Siebente Szene

Ein anderer Teil des Waldes

(Ein gedeckter Tisch.  Der Herzog, Amiens, Edelleute und Gefolge
treten auf)


Herzog.
Ich glaub, er ist verwandelt in ein Tier,
Denn nirgends find ich ihn in Mannsgestalt.

Erster Edelmann.
Mein Frst, er ging soeben von hier weg
Und war vergngt, weil wir ein Lied ihm sangen.

Herzog.
Wenn er, ganz Milaut, musikalisch wird,
So gibt's bald Dissonanzen in den Sphren.--
Geht, sucht ihn, sagt, da ich ihn sprechen will.

(Jacques tritt auf.)

Erster Edelmann.
Er spart die Mhe mir durch seine Ankunft.

Herzog.
Wie nun, mein Herr?  was ist denn das fr Art,
Da Eure Freunde um Euch werben mssen?
Was?  Ihr seht lustig aus?

Jacques.
Ein Narr!  ein Narr!--ich traf 'nen Narrn im Walde,
'nen scheckgen Narrn--o jmmerliche Welt!--
So wahr mich Speise nhrt, ich traf 'nen Narrn,
Der streckte sich dahin und sonnte sich
Und schimpfte Frau Fortuna ganz beredt
Und ordentlich--und doch ein scheckger Narr!
"Guten Morgen, Narr!" sagt' ich; "Mein Herr", sagt' er,
"Nennt mich nicht Narr, bis mich das Glck gesegnet."
Dann zog er eine Sonnenuhr hervor,
Und wie er sie besah mit bldem Auge,
Sagt' er sehr weislich: "Zehn ist's an der Uhr.
Da sehn wir nun", sagt' er, "wie die Welt luft:
's ist nur 'ne Stunde her, da war es neun,
Und nach 'ner Stunde noch wird's elfe sein;
Und so von Stund zu Stunde reifen wir,
Und so von Stund zu Stunde faulen wir,
Und daran hngt ein Mrlein." Da ich hrte
So predgen von der Zeit den scheckgen Narrn,
Fing meine Lung an, wie ein Hahn zu krhn,
Da Narrn so tiefbedchtig sollten sein;
Und eine Stunde lacht ich ohne Rast
Nach seiner Sonnenuhr.--O wackrer Narr!
Ein wrdger Narr!  die Jacke lob ich mir.

Herzog.
Was ist das fr ein Narr?

Jacques.
Ein wrdger Narr!  Er war ein Hofmann sonst
Und sagt, wenn Frauen jung und schn nur sind,
So haben sie die Gabe, es zu wissen.
In seinem Hirne, das so trocken ist
Wie berrest von Zwieback nach der Reise,
Hat er seltsame Texte, bervoll
Von Lebensweisheit, die er brockenweise
Nun von sich gibt.--O wr ich doch ein Narr!
Mein Ehrgeiz geht auf eine bunte Jacke.

Herzog.
Du sollst sie haben.

Jacques.
's ist mein einzger Wunsch;
Vorausgesetzt, da Ihr Eur beres Urteil
Von aller Meinung reinigt, die da wuchert,
Als wr ich weise.--Dann mu ich Freiheit haben,
So ausgedehnte Vollmacht wie der Wind--
So ziemt es Narrn--auf wen ich will, zu blasen,
Und wen am rgsten meine Torheit geielt,
Der mu am meisten lachen.  Und warum?
Das fllt ins Auge wie der Weg zur Kirche:
Der, den ein Narr sehr weislich hat getroffen,
Wr wohl sehr tricht, schmerzt es noch sosehr,
Nicht fhllos bei dem Schlag zu tun.  Wo nicht,
So wird des Weisen Narrheit aufgedeckt
Selbst durch des Narren ungefhres Zielen.
Steckt mich in meine Jacke, gebt mich frei
Zu reden, wie mir's dnkt, und durch und durch
Will ich die angesteckte Welt schon subern,
Wenn sie geduldig nur mein Mittel nehmen.

Herzog.
O pfui!  Ich wei wohl, was du wrdest tun.

Jacques.
Und was, zum Kuckuck, wrd ich tun als Gutes?

Herzog.
Hchst arge Snd, indem du Snde schltest;
Denn du bist selbst ein wster Mensch gewesen,
So sinnlich wie nur je des Tieres Trieb;
Und alle bel, alle bsen Beulen,
Die du auf freien Fen dir erzeugt,
Die wrdst du schtten in die weite Welt.

Jacques.
Wie!  wer schreit gegen Stolz
Und klagt damit den einzelnen nur an?
Schwillt seine Flut nicht mchtig wie die See,
Bis da die letzten, letzten Mittel ebben?
Welch eine Brgerfrau nenn ich mit Namen,
Wenn ich behaupt, es tragen Brgerfraun
Der Frsten Aufwand auf unwrdgen Schultern?
Darf (eine) sagen, da ich sie gemeint,
Wenn so wie sie die Nachbarin auch ist?
Und wo ist (der) vom niedrigsten Beruf,
Der spricht: sein Grotun koste mir ja nichts--
Im Wahn, er sei gemeint--und seine Torheit
Nicht stimmt dadurch zu meiner Rede Ton?
Ei ja doch!  wie denn?  was denn?  Lat doch sehn,
Worin ihm meine Zunge Unrecht tat.
Tut sie sein Recht ihm, tat er selbst sich Unrecht;
Und ist er rein, nun wohl, so fliegt mein Tadel
Die Kreuz und Quer wie eine wilde Gans,
Die niemand angehrt.--Wer kommt da?  seht!

(Orlando kommt mit gezognem Degen.)

Orlando.
Halt!  et nicht mehr!

Jacques.
Ich hab noch nicht gegessen.

Orlando.
Und sollst nicht, bis die Notdurft erst bedient.

Jacques.
Von welcher Art mag dieser Vogel sein?

Herzog.
Hat deine Not dich, Mensch, so khn gemacht?
Wie?  oder ist's Verachtung guter Sitten,
Da du so leer von Hflichkeit erscheinst?

Orlando.
Ihr traft den Puls zuerst; der dornge Stachel
Der harten Not nahm von mir weg den Schein
Der Hflichkeit; im innern Land geboren,
Kenn ich wohl Sitte--aber haltet!  sag ich,
Der stirbt, wer etwas von der Frucht berhrt,
Eh ich und meine Sorgen sind befriedigt.

Jacques.
Knnt Ihr nicht durch Vernunft befriedigt werden,
So mu ich sterben.

Herzog.
Was wollt Ihr haben?  Eure Freundlichkeit
Wird mehr als Zwang zur Freundlichkeit uns zwingen.

Orlando.
Ich sterbe fast vor Hunger, gebt mir Speise.

Herzog.
Sitzt nieder!  et!  willkommen unserm Tisch!

Orlando.
Sprecht Ihr so liebreich?  O vergebt, ich bitte!
Ich dachte, alles mte wild hier sein,
Und darum setzt ich in die Fassung mich
Des trotzigen Befehls.  Wer ihr auch seid,
Die hier in dieser unzugangbarn Wildnis
Unter dem Schatten melancholscher Wipfel
Sumt und verget die Stunden trger Zeit:
Wenn je ihr bere Tage habt gesehn,
Wenn je zur Kirche Glocken euch gelutet,
Wenn je ihr sat bei guter Menschen Mahl,
Wenn je vom Auge Trnen ihr getrocknet
Und wit, was Mitleid ist und Mitleid finden,
So lat die Sanftmut mir statt Zwanges dienen:
Ich hoff's, errt und berge hier mein Schwert.

Herzog.
Wahr ist es, da wir bere Tage sahn,
Da heilge Glocken uns zur Kirch gelutet,
Da wir bei guter Menschen Mahl gesessen
Und Tropfen unsern Augen abgetrocknet,
Die ein geheiligt Mitleid hat erzeugt:
Und darum setzt in Freundlichkeit Euch hin
Und nehmt nach Wunsch, was wir an Hilfe haben,
Das Eurem Mangel irgend dienen kann.

Orlando.
Enthaltet Euch der Speise nur ein Weilchen,
Indessen wie die Hindin ich mein Junges
Will fttern gehn.  Dort ist ein armer Alter,
Der manchen sauren Schritt aus bloer Liebe
Mir nachgehinkt: bis er befriedigt ist,
Den doppelt Leid, das Alter schwcht und Hunger,
Berhr ich keinen Bissen.

Herzog.
Geht, holt ihn her!
Wir wollen nichts verzehren, bis Ihr kommt.

Orlando.
Ich dank Euch; seid fr Euren Trost gesegnet!

(Orlando ab.)

Herzog.
Du siehst, unglcklich sind nicht wir allein,
Und dieser weite, allgemeine Schauplatz
Beut mehr betrbte Szenen dar als unsre,
Worin du spielst.

Jacques.
Die ganze Welt ist Bhne
Und alle Fraun und Mnner bloe Spieler.
Sie treten auf und geben wieder ab,
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen
Durch sieben Akte hin.  Zuerst das Kind,
Das in der Wrtrin Armen greint und sprudelt;
Der weinerliche Bube, der mit Bndel
Und glattem Morgenantlitz wie die Schnecke
Ungern zur Schule kriecht; dann der Verliebte,
Der wie ein Ofen seufzt, mit Jammerlied
Auf seiner Liebsten Braun; dann der Soldat,
Voll toller Flch und wie ein Pardel brtig,
Auf Ehre eiferschtig, schnell zu Hndeln,
Bis in die Mndung der Kanone suchend
Die Seifenblase Ruhm.  Und dann der Richter
Im runden Bauche, mit Kapaun gestopft,
Mit strengem Blick und regelrechtem Bart,
Voll weiser Sprch und Allerweltssentenzen
Spielt seine Rolle so.  Das sechste Alter
Macht den besockten, hagern Pantalon,
Brill auf der Nase, Beutel an der Seite;
Die jugendliche Hose, wohl geschont,
'ne Welt zu weit fr die verschrumpften Lenden;
Die tiefe Mnnerstimme, umgewandelt
Zum kindischen Diskante, pfeift und qukt
In seinem Ton.  Der letzte Akt, mit dem
Die seltsam wechselnde Geschichte schliet,
Ist zweite Kindheit, gnzliches Vergessen,
Ohn Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles.

(Orlando kommt zurck mit Adam.)

Herzog.
Nun, Freund, setzt nieder Eure wrdge Last
Und lat ihn essen.

Orlando.
Ich dank Euch sehr fr ihn.

Adam.
Das tut auch not;
Kaum kann ich sprechen, selbst fr mich zu danken.

Herzog.
Willkommen denn!  greift zu!  Ich str Euch nicht
Bis jetzt mit Fragen ber Eure Lage.--
Gebt uns Musik und singt eins, guter Vetter!
Lied.

Amiens.
Strm, strm, du Winterwind!
Du bist nicht falsch gesinnt,
Wie Menschenundank ist.
Dein Zahn nagt nicht sosehr,
Weil man nicht wei, woher,
Wiewohl du heftig bist.
Heisa!  singt heisa!  den grnenden Bumen!
Die Freundschaft ist falsch, und die Liebe nur Trumen.
Drum heisa, den Bumen!
Den lustigen Rumen!  Frier, frier, du Himmelsgrimm!
Du beiest nicht so schlimm
Als Wohltat nicht erkannt;
Erstarrst du gleich die Flut,
Viel schrfer sticht das Blut
Ein Freund von uns gewandt.
Heisa!  singt heisa!  den grnenden Bumen!
Die Freundschaft ist falsch, und die Liebe nur Trumen.
Drum heisa, den Bumen!
Den lustigen Rumen!


Herzog.
Wenn ihr der Sohn des guten Roland seid,
Wie Ihr mir eben redlich zugeflstert
Und meinem Aug sein Ebenbild bezeugt,
Das konterfeit, in Eurem Antlitz lebt:
Seid herzlich hier begrt!  Ich bin der Herzog,
Der Euren Vater liebte; Eur ferners Schicksal,
Kommt und erzhlt's in meiner Hhle mir.--
Willkommen, guter Alter, wie dein Herr!
Fhrt ihn am Arme.--Gebt mir Eure Hand
Und macht mir Euer ganz Geschick bekannt.

(Alle ab.)




Dritter Aufzug



Erste Szene

Ein Zimmer im Palast

(Herzog Friedrich, Oliver, Herren vom Hofe und Gefolge)


Herzog Friedrich.
Ihn nicht gesehn seitdem?  Herr!  Herr!  das kann nicht sein.
Bestnd aus Milde nicht mein grter Teil,
So sucht ich kein entferntes Ziel der Rache,
Da du zur Stelle bist.--Doch sieh dich vor;
Schaff deinen Bruder, sei er, wo er will;
Such ihn mit Kerzen, bring in Jahresfrist
Ihn lebend oder tot; sonst komm nie wieder,
Auf unserm Boden Unterhalt zu suchen.
Was du nur dein nennst, Land und andres Gut,
Des Einziehns wert, fllt unsrer Hand anheim,
Bis du durch deines Bruders Mund dich lsest
Von allem, was wir gegen dich gedacht.

Oliver.
O kennt' Eur Hoheit hierin nur mein Herz!
Ich liebt im Leben meinen Bruder nicht.

Herzog Friedrich.
Schurk um so mehr!--Stot ihn zur Tr hinaus,
Lat die Beamten dieser Art Beschlag
Ihm legen auf sein Haus und Lnderein:
Tut in der Schnelle dies und schafft ihn fort!

(Alle ab.)



Zweite Szene

Der Wald

(Orlando kommt mit einem Blatt Papier)


Orlando.
Da hng, mein Vers, der Liebe zum Beweis!
Und du, o Knigin der Nacht dort oben,
Sieh keuschen Blicks aus deinem blassen Kreis
Den Namen deiner Jgrin hier erhoben.
O Rosalinde!  sei der Wald mir Schrift:
Ich grabe mein Gemt in alle Rinden,
Da jedes Aug, das diese Bume trifft,
Ringsum bezeugt mag deine Tugend finden.
Auf, auf, Orlando!  rhme spt und frh
Die schne, keusche, unnennbare "sie".

(Ab.)

(Corinnus und Probstein treten auf.)

Corinnus.
Und wie gefllt Euch dies Schferleben, Meister Probstein?

Probstein.
Wahrhaftig, Schfer, an und fr sich betrachtet, ist es ein gutes
Leben; aber in Betracht, da es ein Schferleben ist, taugt es
nichts.  In Betracht, da es einsam ist, mag ich es wohl leiden;
aber in Betracht, da es stille ist, ist es ein sehr erbrmliches
Leben.  Ferner in Betracht, da es auf dem Lande ist, steht es mir
an; aber in Betracht, da es nicht am Hofe ist, wird es langweilig.
 Insofern es ein miges Leben ist, seht Ihr, ist es nach meinem
Sinn; aber insofern es nicht reichlicher dabei zugeht, streitet es
sehr gegen meine Neigung.  Verstehst Philosophie, Schfer?

Corinnus.
Mehr nicht, als da ich wei, da einer sich desto schlimmer
befindet, je krnker er ist; und wem's an Geld, Gut und Gengen
gebricht, da dem drei gute Freunde fehlen; da des Regens
Eigenschaft ist, zu nssen, und des Feuers, zu brennen; da gute
Weide fette Schafe macht und die Nacht hauptschlich vom Mangel an
Sonne kommt; da einer, der weder durch Natur noch Kunst zu
Verstand gekommen wre, sich ber die Erziehung zu beklagen htte,
oder aus einer sehr dummen Sippschaft sein mte.

Probstein.
So einer ist ein natrlicher Philosoph.  Warst je am Hofe, Schfer?

Corinnus.
Nein, wahrhaftig nicht.

Probstein.
So wirst du in der Hlle gebraten.

Corinnus.
Ei, ich hoffe--

Probstein.
Wahrhaftig, du wirst gebraten wie ein schlecht gerstet Ei, nur an
(einer) Seite.

Corinnus.
Weil ich nicht am Hofe gewesen bin?  Euren Grund!

Probstein.
Nun: wenn du nicht am Hofe gewesen bist, so hast du niemals gute
Sitten gesehn.  Wenn du niemals gute Sitten gesehn hast, so mssen
deine schlecht sein, und alles Schlechte ist Snde, und Snde fhrt
in die Hlle.  Du bist in einem verfnglichen Zustande, Schfer.

Corinnus.
Ganz und gar nicht, Probstein.  Was bei Hofe gute Sitten sind, die
sind so lcherlich auf dem Lande, als lndliche Weise bei Hofe zum
Spott dient.  Ihr sagtet mir, bei Hofe grt Ihr nicht, ohne Eure
Hand zu kssen.  Das wre eine sehr unreinliche Hflichkeit, wenn
Hofleute Schfer wren.

Probstein.
Den Beweis, krzlich, den Beweis?

Corinnus.
Nun, wir mssen unsre Schafe immer angreifen, und ihre Felle sind
fettig, wie Ihr wit.

Probstein.
Schwitzen die Hnde unserer Hofleute etwa nicht, und ist das Fett
von einem Schafe nicht so gesund wie der Schwei von einem
Menschen?  Einfltig!  einfltig!  Einen besseren Beweis!  her
damit!

Corinnus.
Auch sind unsre Hnde hart.

Probstein.
Eure Lippen werden sie desto eher fhlen.  Wiederum einfltig!
Einen tchtigeren Beweis!

Corinnus.
Und sind oft ganz beteert vom Bepflastern unsrer Schafe.  Wollt Ihr,
da wir Teer kssen sollen?  Die Hnde der Hofleute riechen nach
Bisam.

Probstein.
Hchst einfltiger Mensch!  Du wahre Wrmerspeise gegen ein gutes
Stck Fleisch!  Lerne von den Weisen und erwge!  Bisam ist von
schlechterer Abkunft als Teer: der unsaubre Abgang einer Katze.
Einen bessern Beweis, Schfer!

Corinnus.
Ihr habt einen zu hfischen Witz fr mich; ich lasse es dabei
bewenden.

Probstein.
Was?  bei der Hlle?  Gott helfe dir, einfltiger Mensch!  Gott
erffne dir das Verstndnis!  Du bist ein Strohkopf.

Corinnus.
Herr, ich bin ein ehrlicher Tagelhner; ich verdiene, was ich esse,
erwerbe, was ich trage, hasse keinen Menschen, beneide niemandes
Glck, freue mich ber andrer Leute Wohlergehn, bin zufrieden mit
meinem Ungemach, und mein grter Stolz ist, meine Schafe weiden
und meine Lmmer saugen zu sehn.

Probstein.
Das ist wieder eine einfltige Snde von Euch, da Ihr die Schafe
und die Bcke zusammenbringt und Euch nicht schmt, von der
Begattung des Viehes Euren Unterhalt zu ziehn; da ihr den Kuppler
fr einen Leithammel macht und so ein jhriges Lamm einem
schiefbeinigen alten Hahnrei von Widder berantwortet gegen alle
Regeln des Ehestandes.  Wenn du dafr nicht in die Hlle kommst, so
will der Teufel selbst keine Schfer; sonst sehe ich nicht, wie du
entwischen knntest.

Corinnus.
Hier kommt der junge Herr Ganymed, meiner neuen Herrschaft Bruder.

(Rosalinde kommt mit einem Blatt Papier.)

Rosalinde (liest).
"Von Ost bis West, in beiden Inden
Ist kein Juwel gleich Rosalinden;
Ihr Wert, beflgelt von den Winden,
Trgt durch die Welt hin Rosalinden.
Alle Schilderein erblinden
Bei dem Glanz von Rosalinden;
Keinen Reiz soll man verknden
Als den Reiz von Rosalinden."

Probstein.
So will ich Euch acht Jahre hintereinander reimen, Essens- und
Schlafenszeit ausgenommen; es ist der wahre Butterfrauentrab, wenn
sie zu Markte gehn.

Rosalinde.
Fort mit dir, Narr!

Probstein.
Zur Probe: Sehnt der Hirsch sich nach den Hinden:
Lat ihn suchen Rosalinden.
Will die Katze sich verbinden:
Glaubt, sie macht's gleich Rosalinden.
Reben mssen Bum umwinden:
So tut's ntig Rosalinden.
Wer da mht, mu Garben binden
Auf den Karrn mit Rosalinden.
Se Nu hat saure Rinden;
Solche Nu gleicht Rosalinden.
Wer se Rosen sucht, mu finden
Der Liebe Dorn und Rosalinden.  Das ist der eigentliche falsche
Versgalopp.  Warum behngt Ihr Euch mit ihnen?

Rosalinde.
Still, dummer Narr!  Ich fand sie an einem Baum.

Probstein.
Wahrhaftig, der Baum trgt schlechte Frchte.

Rosalinde.
Ich will Euch auf ihn impfen, und dann wird er Mispeln tragen: denn
Eure Einflle verfaulen, ehe sie halb reif sind, und das ist eben
die rechte Tugend einer Mispel.

Probstein.
Ihr habt gesprochen, aber ob gescheit oder nicht, das mag der Wald
richten.

(Celia kommt mit einem Blatt Papier.)

Rosalinde.
Still!  hier kommt meine Schwester und liest; gehn wir beiseit.

Celia.
"Sollten schweigen diese Rume,
Weil sie unbevlkert?  Nein.
Zungen hng ich an die Bume,
Da sie reden Sprche fein;
Bald, wie rasch das Menschenleben
Seine Pilgerfahrt durchluft;
Wie die Zeit, ihm zugegeben,
Eine Spanne ganz begreift;
Bald, wie Schwre falsch sich zeigen,
Wie sich Freund vom Freunde trennt.
Aber an den schnsten Zweigen
Und an jedes Spruches End
Soll man Rosalinde lesen,
Und verbreiten soll der Ruf,
Da der Himmel aller Wesen
Hchsten Ausbund in ihr schuf.
Drum hie die Natur sein Wille
(Eine) menschliche Gestalt
Zieren mit der Gaben Flle;
Die Natur mischt' alsobald
Helenens Wange, nicht ihr Herz;
Kleopatrens Herrlichkeit;
Atalantens leichten Scherz
Und Lukreziens Sittsamkeit.
So ward durch einen Himmelsbund
Aus vielen Rosalind ersonnen,
Aus manchem Herzen, Aug und Mund,
Auf da sie jeden Reiz gewonnen;
Der Himmel gab ihr dieses Recht
Und tot und lebend mich zum Knecht."

Rosalinde.
O gtiger Jupiter!--Mit welcher langweiligen Liebespredigt habt Ihr
da Eure Gemeinde mde gemacht und nicht einmal gerufen: "Geduld,
gute Leute!"

Celia.
Seht doch, Freunde hinterm Rcken?--Schfer, geh ein wenig abseits.
--Geh mit ihm, Bursch.

Probstein.
Kommt, Schfer, lat uns einen ehrenvollen Rckzug machen,
wenngleich nicht mit Sang und Klang, doch mit Sack und Pack.

(Corinnus und Probstein ab.)

Celia.
Hast du diese Verse gehrt?

Rosalinde.
O ja, ich hrte sie alle und noch was drber; denn einige hatten
mehr Fe, als die Verse tragen konnten.

Celia.
Das tut nichts, die Fe konnten die Verse tragen.

Rosalinde.
Ja, aber die Fe waren lahm und konnten sich nicht auerhalb des
Verses bewegen, und darum standen sie so lahm im Verse.

Celia.
Aber hast du gehrt, ohne dich zu wundern, da dein Name an den
Bumen hngt und eingeschnitten ist?

Rosalinde.
Ich war schon sieben Tage in der Woche ber alles Wundern hinaus,
ehe du kamst: denn sieh nur, was ich an einem Palmbaum fand.  Ich
bin nicht so bereimt worden seit Pythagoras' Zeiten, wo ich eine
Ratte war, die sie mit schlechten Versen vergifteten, wessen ich
mich kaum noch erinnern kann.

Celia.
Rtst du, wer es getan hat?

Rosalinde.
Ist es ein Mann?

Celia.
Mit einer Kette um den Hals, die du sonst getragen hast.
Vernderst du die Farbe?

Rosalinde.
Ich bitte dich, wer?

Celia.
O Himmel!  Himmel!  Es ist ein schweres Ding fr Freunde, sich
wieder anzutreffen; aber Berg und Tal kommen im Erdbeben zusammen.

Rosalinde.
Nein, sag, wer ist's?

Celia.
Ist es mglich?

Rosalinde.
Ich bitte dich jetzt mit der allerdringendsten Instndigkeit, sag
mir, wer er ist.

Celia.
O wunderbar, wunderbar und hchst wunderbarlich wunderbar und
nochmals wunderbar und ber alle Wunder weg.

Rosalinde.
O du liebe Ungeduld!  Denkst du, weil ich wie ein Mann ausstaffiert
bin, da auch meine Gemtsart in Wams und Hosen ist?  Ein Zollbreit
mehr Aufschub ist eine Sdsee weit von der Entdeckung.  Ich bitte
dich, sag mir, wer ist es?  Geschwind, und sprich hurtig!  Ich
wollte, du knntest stottern, da dir dieser verborgne Mann aus dem
Munde kme wie Wein aus einer enghalsigen Flasche: entweder zuviel
auf einmal oder gar nichts.  Ich bitte dich, nimm den Kork aus
deinem Munde, damit ich deine Zeitungen trinken kann.

Celia.
Da knntest du einen Mann mit in den Leib bekommen.

Rosalinde.
Ist er von Gottes Machwerk?  Was fr eine Art von Mann?  Ist sein
Kopf einen Hut wert oder sein Kinn einen Bart?

Celia.
Nein, er hat nur wenig Bart.

Rosalinde.
Nun, Gott wird mehr bescheren, wenn der Mensch recht dankbar ist;
ich will den Wuchs von seinem Bart schon abwarten, wenn du mir nur
die Kenntnis von seinem Kinn nicht lnger vorenthltst.

Celia.
Es ist der junge Orlando, der den Ringer und dein Herz in einem
Augenblick zu Falle brachte.

Rosalinde.
Nein, der Teufel hole das Spaen!  Sag auf dein ehrlich Gesicht und
Mdchentreue.

Celia.
Auf mein Wort, Muhme, er ist es.

Rosalinde.
Orlando?

Celia.
Orlando.

Rosalinde.
Ach liebe Zeit!  Was fange ich nun mit meinem Wams und Hosen an?--
Was tat er, wie du ihn sahst?  Was sagte er?  Wie sah er aus?  Wie
trug er sich?  Was macht er hier?  Frug er nach mir?  Wo bleibt er?
Wie schied er von dir, und wann wirst du ihn wiedersehn?  Antworte
mir mit einem Wort.

Celia.
Da mut du mir erst Gargantuas Mund leihen; es wre ein zu groes
Wort fr irgendeinen Mund, wie sie heutzutage sind.  Ja und nein
auf diese Artikel zu sagen ist mehr, als in einer Kinderlehre
antworten.

Rosalinde.
Aber wei er, da ich in diesem Lande bin, und in Mannskleidern?
Sieht er so munter aus, wie an dem Tage, wo wir ihn ringen sahen?

Celia.
Es ist ebenso leicht, Sonnenstubchen zu zhlen als die Aufgaben
eines Verliebten zu lsen.  Doch nimm ein Prbchen von meiner
Entdeckung und koste es recht aufmerksam.--Ich fand ihn unter einem
Baum wie eine abgefallne Eichel.

Rosalinde.
Der mag wohl Jupiters Baum heien, wenn er solche Frchte fallen
lt.

Celia.
Verleiht mir Gehr, wertes Frulein.

Rosalinde.
Fahret fort.

Celia.
Da lag er, hingestreckt wie ein verwundeter Ritter.

Rosalinde.
Wenn es gleich ein Jammer ist, solch einen Anblick zu sehn, so mu
er sich doch gut ausgenommen haben.

Celia.
Ruf deiner Zunge "Holla" zu, ich bitte dich; sie macht zur Unzeit
Sprnge.  Er war wie ein Jger gekleidet.

Rosalinde.
O Vorbedeutung!  Er kommt, mein Herz zu erlegen.

Celia.
Ich mchte mein Lied ohne Chor singen; du bringst mich aus der
Weise.

Rosalinde.
Wit Ihr nicht, da ich ein Weib bin?  Wenn ich denke, mu ich
sprechen.  Liebe, sag weiter.
(Orlando und Jacques treten auf.)

Celia.
Du bringst mich heraus.--Still!  kommt er da nicht?

Rosalinde.
Er ist's!  Schlpft zur Seite und lat uns ihn aufs Korn nehmen.

(Celia und Rosalinde verbergen sich.)

Jacques.
Ich danke Euch fr geleistete Gesellschaft; aber meiner Treu, ich
wre ebensogern allein gewesen.

Orlando.
Ich auch; aber um der Sitte willen danke ich Euch gleichfalls fr
Eure Gesellschaft.

Jacques.
Der Himmel beht Euch!  Lat uns sowenig zusammenkommen wie mglich.

Orlando.
Ich wnsche mir Eure entferntere Bekanntschaft.

Jacques.
Ich ersuche Euch, verderbt keine Bume weiter damit, Liebeslieder
in die Rinden zu schneiden.

Orlando.
Ich ersuche Euch, verderbt meine Verse nicht weiter damit, sie
erbrmlich abzulesen.

Jacques.
Rosalinde ist Eurer Liebsten Name?

Orlando.
Wie Ihr sagt.

Jacques.
Ihr Name gefllt mir nicht.

Orlando.
Es war nicht die Rede davon, Euch zu gefallen, wie sie getauft
wurde.

Jacques.
Von welcher Statur ist sie?

Orlando.
Grade so hoch wie mein Herz.

Jacques.
Ihr seid voll artiger Antworten.  Habt Ihr Euch etwa mit
Goldschmiedweibern abgegeben und solche Sprchlein von Ringen
zusammengelesen?

Orlando.
Das nicht; aber ich antworte Euch wie die Tapetenfiguren, aus deren
Munde Ihr Eure Fragen studiert habt.

Jacques.
Ihr habt einen behenden Witz; ich glaube, er ist aus Atalantens
Fersen gemacht.  Wollt Ihr Euch mit mir setzen, so wollen wir
zusammen ber unsre Gebieterin, die Welt, und unser ganzes Elend
schmhen.

Orlando.
Ich will kein lebendig Wesen in der Welt schelten als mich selber,
an dem ich die meisten Fehler kenne.

Jacques.
Der rgste Fehler, den Ihr habt, ist, verliebt zu sein.

Orlando.
Das ist ein Fehler, den ich nicht mit Eurer besten Tugend
vertauschte.--Ich bin Eurer mde.

Jacques.
Meiner Treu, ich suchte eben einen Narren, da ich Euch fand.

Orlando.
Er ist in den Bach gefallen; guckt nur hinein, so werdet Ihr ihn
sehn.

Jacques.
Da werde ich meine eigne Person sehen.

Orlando.
Die ich entweder fr einen Narren oder eine Null halte.

Jacques.
Ich will nicht lnger bei Euch verweilen.  Lebt wohl, guter Signor
Amoroso!

Orlando.
Ich freue mich ber Euren Abschied.  Gott befohlen, guter Monsieur
Melancholie!

(Jacques ab.)

(Celia und Rosalinde treten vor.)

Rosalinde.
Ich will wie ein naseweiser Lakai mit ihm sprechen und ihn unter
der Gestalt zum besten haben.--Hrt Ihr, Jger?

Orlando.
Recht gut; was wollt Ihr?

Rosalinde.
Sagt mir doch, was ist die Glocke?

Orlando.
Ihr solltet mich fragen, was ist's an der Zeit; es gibt keine
Glocke im Walde.

Rosalinde.
So gibts auch keinen rechten Liebhaber im Walde, sonst wrde jede
Minute ein Seufzen und jede Stunde ein chzen den trgen Fu der
Zeit so gut anzeigen wie eine Glocke.

Orlando.
Und warum nicht den schnellen Fu der Zeit?  Wre das nicht ebenso
passend gewesen?

Rosalinde.
Mitnichten, mein Herr.  Die Zeit reiset in verschiednem Schritt mit
verschiednen Personen.  Ich will Euch sagen, mit wem die Zeit den
Pa geht, mit wem sie trabt, mit wem sie galoppiert und mit wem sie
stillsteht.

Orlando.
Ich bitte dich, mit wem trabt sie?

Rosalinde.
Ei, sie trabt hart mit einem jungen Mdchen zwischen der Verlobung
und dem Hochzeitstage.  Wenn auch nur acht Tage dazwischen hingehn,
so ist der Trab der Zeit so hart, da es ihr wie acht Jahre
vorkommt.

Orlando.
Mit wem geht die Zeit den Pa?

Rosalinde.
Mit einem Priester, dem es an Latein gebricht, und einem reichen
Manne, der das Podagra nicht hat.  Denn der eine schlft ruhig,
weil er nicht studieren kann, und der andre lebt lustig, weil er
keinen Schmerz fhlt; den einen drckt nicht die Last drrer und
auszehrender Gelehrsamkeit, der andre kennt die Last schweren
mhseligen Mangels nicht.  Mit diesen geht die Zeit den Pa.

Orlando.
Mit wem galoppiert sie?

Rosalinde.
Mit dem Diebe zum Galgen; denn ginge er auch noch sosehr Schritt
vor Schritt, so denkt er doch, da er zu frh kommt.

Orlando.
Mit wem steht sie still?

Rosalinde.
Mit Advokaten in den Gerichtsferien; denn sie schlafen von Session
zu Session und werden also nicht gewahr, wie die Zeit fortgeht.

Orlando.
Wo wohnt Ihr, artiger junger Mensch?

Rosalinde.
Bei dieser Schferin, meiner Schwester; hier am Saum des Waldes,
wie Fransen an einem Rock.

Orlando.
Seid Ihr hier einheimisch?

Rosalinde.
Wie das Kaninchen, das zu wohnen pflegt, wo es zur Welt gekommen
ist.

Orlando.
Eure Aussprache ist etwas feiner, als Ihr sie an einem so
abgelegnen Ort Euch httet erwerben knnen.

Rosalinde.
Das haben mir schon viele gesagt; aber in der Tat, ein alter
geistlicher Onkel von mir lehrte mich reden; er war in seiner
Jugend ein Stdter und gar zu gut mit dem Hofmachen bekannt, denn
er verliebte sich dabei.  Ich habe ihn manche Predigt dagegen
halten hren und danke Gott, da ich kein Weib bin und keinen Teil
an allen den Verkehrtheiten habe, die er ihrem ganzen Geschlecht
zur Last legte.

Orlando.
Knnt Ihr Euch nicht einiger von den vornehmsten Untugenden
erinnern, die er den Weibern aufbrdete?

Rosalinde.
Es gab keine vornehmsten darunter; sie sahen sich alle gleich wie
Pfennige: jeder einzelne Fehler schien ungeheuer, bis sein
Mitfehler sich neben ihn stellte.

Orlando.
Bitte, sagt mir einige davon.

Rosalinde.
Nein, ich will meine Arznei nicht wegwerfen, auer an Kranke.  Es
spukt hier ein junger Mensch im Walde herum, der unsre junge
Baumzucht mibraucht, den Namen Rosalinde in die Rinden zu graben,
der Oden an Weidorne hngt und Elegien an Brombeerstruche, alle--
denkt doch!--um den Namen Rosalinde zu vergttern.  Knnte ich
diesen Herzenskrmer antreffen, so gbe ich ihm einen guten Rat,
denn er scheint mit dem tglichen Liebesfieber behaftet.

Orlando.
Ich bin's, den die Liebe so schttelt; ich bitte Euch, sagt mir
Euer Mittel.

Rosalinde.
Es ist keins von meines Onkels Merkmalen an Euch zu finden.  Er
lehrte mich einen Verliebten erkennen; ich wei gewi, Ihr seid
kein Gefangner in diesem Kfig.

Orlando.
Was waren seine Merkmale?

Rosalinde.
Eingefallne Wangen, die Ihr nicht habt; Augen mit blauen Rndern,
die Ihr nicht habt; ein ungeselliger Sinn, den Ihr nicht habt; ein
verwilderter Bart, den Ihr nicht habt--doch den erlasse ich Euch,
denn, aufrichtig, was Ihr an Bart besitzet, ist eines jngeren
Bruders Einkommen.--Dann sollten Eure Kniegrtel lose hngen, Eure
Mtze nicht gebunden sein, Eure rmel aufgeknpft, Eure Schuhe
nicht zugeschnrt, und alles und jedes an Euch mte eine
nachlssige Trostlosigkeit verraten.  Aber solch ein Mensch seid
ihr nicht.  Ihr seid vielmehr geschniegelt in Eurem Anzuge, mehr
wie einer, der in sich selbst verliebt als sonst jemands Liebhaber
ist.

Orlando.
Schner Junge, ich wollte, ich knnte dich glauben machen, da ich
liebe.

Rosalinde.
Mich das glauben machen?  Ihr knntet es ebensogut Eure Liebste
glauben machen, was nie zu tun williger ist--dafr steh ich Euch--
als zu gestehn, da sie es tut; das ist einer von den Punkten,
worin die Weiber immer ihr Gewissen Lgen strafen.  Aber in ganzem
Ernst: seid Ihr es, der die Verse an die Bume hngt, in denen
Rosalinde so bewundert wird?

Orlando.
Ich schwre dir, junger Mensch, bei Rosalindens weier Hand: ich
bin es, ich bin der Unglckliche.

Rosalinde.
Aber seid Ihr so verliebt, als Eure Reime bezeugen?

Orlando.
Weder Gereimtes noch Ungereimtes kann ausdrcken, wie sehr.

Rosalinde.
Liebe ist eine bloe Tollheit, und ich sage Euch, verdient
ebensogut eine dunkle Zelle und Peitsche als andre Tolle; und die
Ursache, warum sie nicht so gezchtigt und geheilt wird, ist, weil
sich dieser Wahnsinn so gemein gemacht hat, da die Zuchtmeister
selbst verliebt sind.  Doch kann ich sie mit gutem Rat heilen.

Orlando.
Habt Ihr irgendwen so geheilt?

Rosalinde.
Ja, einen, und zwar auf folgende Weise.  Er mute sich einbilden,
da ich seine Liebste, seine Gebieterin wre, und alle Tage hielt
ich ihn an, um mich zu werben.  Ich, der ich nur ein launenhafter
Junge bin, grmte mich dann, war weibisch, vernderlich, wute
nicht, was ich wollte, stolz, phantastisch, grillenhaft, lppisch,
unbestndig, bald in Trnen, bald voll Lcheln, von jeder
Leidenschaft etwas und von keiner etwas Rechtes, wie Kinder und
Weiber meistenteils in diese Farben schlagen.  Bald mochte ich ihn
leiden, bald konnte ich ihn nicht ausstehn; dann machte ich mir mit
ihm zu schaffen, dann sagte ich mich von ihm los; jetzt weinte ich
um ihn, jetzt spie ich vor ihm aus: so da ich meinen Bewerber aus
einem tollen Anfall von Liebe in einen leibhaften Anfall von
Tollheit versetzte, welche darin bestand, das Getmmel der Welt zu
verschwren und in einem mnchischen Winkel zu leben.  Und so
heilte ich ihn, und auf diese Art nehme ich es ber mich, Euer Herz
so reinzuwaschen, wie ein gesundes Schafherz, da nicht ein Flecken
Liebe mehr daran sein soll.

Orlando.
Ihr wrdet mich nicht heilen, junger Mensch.

Rosalinde.
Ich wrde Euch heilen, wolltet Ihr mich nur Rosalinde nennen und
alle Tage in meine Htte kommen und um mich werben.

Orlando.
Nun, bei meiner Treue im Lieben, ich will es; sagt mir, wo sie ist.

Rosalinde.
Geht mit mir, so will ich sie Euch zeigen, und unterwegs sollt Ihr
mir sagen, wo Ihr hier im Walde wohnt.  Wollt Ihr kommen?

Orlando.
Von ganzem Herzen, guter Junge.

Rosalinde.
Nein, Ihr mt mich Rosalinde nennen.--Komm, Schwester, lat uns
gehn.

(Alle ab.)



Dritte Szene

Der Wald

(Probstein und Kthchen kommen.  Jacques in der Ferne, belauscht
sie)


Probstein.
Komm hurtig, gutes Kthchen; ich will deine Ziegen zusammenholen,
Kthchen.  Und sag, Kthchen: bin ich der Mann noch, der dir
ansteht?  Bist du mit meinen schlichten Zgen zufrieden?

Kthchen
Eure Zge?  Gott behte!  Was sind das fr Streiche?

Probstein.
Ich bin hier bei Kthchen und ihren Ziegen, wie der Dichter, der
die rgsten Bocksprnge machte, der ehrliche Ovid, unter den Goten.

Jacques.
O schlechtlogierte Gelehrsamkeit!  schlechter als Jupiter unter
einem Strohdach!

Probstein.
Wenn eines Menschen Verse nicht verstanden werden und eines
Menschen Witz von dem geschickten Kinde Verstand nicht untersttzt
wird, das schlgt einen Menschen hrter nieder als eine groe
Rechnung in einem kleinen Zimmer.--Wahrhaftig, ich wollte, die
Gtter htten dich poetisch gemacht.

Kthchen
Ich wei nicht, was poetisch ist.  Ist es ehrlich in Worten und
Werken?  Besteht es mit der Wahrheit?

Probstein.
Nein, wahrhaftig nicht; denn die wahrste Poesie erdichtet am
meisten, und Liebhaber sind der Poesie ergeben, und was sie in
Poesie schwren, davon kann man sagen, sie erdichten es als
Liebhaber.

Kthchen
Knnt Ihr denn wnschen, da mich die Gtter poetisch gemacht
htten?

Probstein.
Ich tue es wahrlich, denn du schwrst mir zu, da du ehrbar bist.
Wenn du nun ein Poet wrest, so htte ich einige Hoffnung, da du
erdichtetest.

Kthchen
Wolltet Ihr denn nicht, da ich ehrbar wre?

Probstein.
Nein, wahrhaftig nicht, du mtest denn sehr hlich sein; denn
Ehrbarkeit mit Schnheit gepaart ist wie eine Honigbrhe ber
Zucker.

Jacques.
Ein sinnreicher Narr!

Kthchen
Gut, ich bin nicht schn, und darum bitte ich die Gtter, da sie
mich ehrbar machen.

Probstein.
Wahrhaftig, Ehrbarkeit an eine garstige Schmutzdirne wegzuwerfen,
hiee, gut Essen auf eine unreinliche Schssel legen.

Kthchen
Ich bin keine Schmutzdirne, ob ich schon den Gttern danke, da ich
garstig bin.

Probstein.
Gut, die Gtter sei'n fr deine Garstigkeit gepriesen, die
Schmutzigkeit kann noch kommen.  Aber sei es, wie es will, ich
heirate dich, und zu dem Ende bin ich bei Ehrn Olivarius Textdreher
gewesen, dem Pfarrer im nchsten Dorf der mir versprochen hat, mich
an diesem Platz im Walde zu treffen und uns zusammenzugeben.

Jacques (beiseite).
Die Zusammenkunft mchte ich mit ansehn.

Kthchen
Nun, die Gtter lassen es wohl gelingen!

Probstein.
Amen!  Wer ein zaghaft Herz htte, mchte wohl bei diesem
Unternehmen stutzen; denn wir haben hier keinen Tempel als den Wald,
keine Gemeinde als Hornvieh.  Aber was tut's?  Mutig!  Hrner sind
verhat, aber unvermeidlich.  Es heit, mancher Mensch wei des
Guten kein Ende; recht!  mancher Mensch hat gute Hrner und wei
ihrer kein Ende.  Wohl!  es ist das Zugebrachte von seinem Weibe,
er hat es nicht selbst erworben.--Hrner?  Nun ja!  Arme Leute
allein?--Nein, nein, der edelste Hirsch hat sie so hoch wie der
geringste.  Ist der ledige Mann darum gesegnet?  Nein.  Wie eine
Stadt mit Mauern vornehmer ist als ein Dorf, so ist die Stirn eines
verheirateten Mannes ehrenvoller als die nackte Schlfe eines
Junggesellen; und um soviel besser Schutzwehr ist als Unvermgen,
um soviel kostbarer ist ein Horn als keins.
(Ehrn Olivarius Textdreher kommt.)  Hier kommt Ehrn Olivarius.--
Ehrn Olivarius Textdreher, gut, da wir Euch treffen.  Wollt Ihr
uns hier unter diesem Baum abfertigen, oder sollen wir mit Euch in
Eure Kapelle gehn?

Ehrn Olivarius.
Ist niemand da, um die Braut zu geben?

Probstein.
Ich nehme sie nicht als Gabe von irgendeinem Mann.

Ehrn Olivarius.
Sie mu gegeben werden, oder die Heirat ist nicht gltig.

Jacques (tritt vor).
Nur zu!  nur zu!  ich will sie geben.

Probstein.
Guten Abend, lieber Herr.  Wie heit Ihr doch?  Wie gehts Euch?
Schn, da ich Euch treffe.  Gotteslohn fr Eure neuliche
Gesellschaft!  Ich freue mich sehr, Euch zu sehn.--Ich habe hier
eben eine Kleinigkeit vor, Herr.  Ich bitte, bedeckt Euch.

Jacques.
Wollt Ihr Euch verheiraten, Hanswurst?

Probstein.
Wie der Ochse sein Joch hat, Herr, das Pferd seine Kinnkette und
der Falke seine Schellen, so hat der Mensch seine Wnsche; und wie
sich Tauben schnbeln, so mchte der Ehestand naschen.

Jacques.
Und wollt Ihr, ein Mann von Eurer Erziehung, Euch im Busch
verheiraten wie ein Bettler?  In die Kirche geht und nehmt einen
tchtigen Priester, der Euch bedeuten kann, was Heiraten ist.
Dieser Geselle wird Euch nur so zusammenfgen, wie sie's beim
Tafelwerk machen; dann wird eins von euch eintrocknen und sich
werfen wie frisches Holz: knack, knack.

Probstein (beiseite).
Ich denke nicht anders, als mir wre besser, von ihm getraut zu
werden wie von einem andern; denn er sieht mir aus, als wenn er
mich nicht recht trauen wurde; und wenn er mich nicht recht traute,
so ist das nachher ein guter Vorwand, mein Weib im Stiche zu lassen.

Jacques.
Geh mit mir, Freund, und hre meinen Rat.

Probstein.
Komm, lieb Kthchen!
Du wirst noch meine Frau, oder du bleibst mein Mdchen.
Lebt wohl, Ehrn Olivarius.  Nicht:
        "O holder Oliver!
        O wackrer Oliver!
        La mich nicht hinter dir." Nein:
        "Pack dich fort!
        Geh!  auf mein Wort,
        Ich will nicht zur Trauung mit dir."

(Jacques, Probstein und Kthchen ab.)

Ehrn Olivarius.
Es tut nichts; keiner von allen diesen phantastischen Schelmen
zusammen soll mich aus meinem Beruf herausnecken.

(Ab.)



Vierte Szene

Der Wald.  Vor einer Htte

(Rosalinde und Celia treten auf)


Rosalinde.
Sage mir nichts weiter, ich will weinen.

Celia.
Tu es nur; aber sei doch so weise, zu bedenken, da Trnen einem
Mann nicht anstehn.

Rosalinde.
Aber habe ich nicht Ursache zu weinen?

Celia.
So gute Ursache sich einer nur wnschen mag.  Also weine.

Rosalinde.
Selbst sein Haar ist von einer falschen Farbe.

Celia.
Nur etwas brauner als des Judas seins.  Ja, seine Ksse sind rechte
Judaskinder.

Rosalinde.
Sein Haar ist bei alledem von einer hbschen Farbe.

Celia.
Eine herrliche Farbe; es geht nichts ber Nubraun.

Rosalinde.
Und seine Ksse sind so voll Heiligkeit wie die Berhrung des
geweihten Brotes.

Celia.
Er hat ein Paar abgelegte Lippen der Diana gekauft; eine Nonne von
des Winters Schwesterschaft kt nicht geistlicher; das wahre Eis
der Keuschheit ist in ihnen.

Rosalinde.
Aber warum versprach er mir, diesen Morgen zu kommen, und kommt
nicht?

Celia.
Nein, gewilich, es ist keine Treu und Glauben in ihm.

Rosalinde.
Denkst du das?

Celia.
Nun, ich glaube, er ist weder ein Beutelschneider noch ein
Pferdedieb; aber was seine Wahrhaftigkeit in der Liebe betrifft, so
halte ich ihn fr so hohl als einen umgekehrten Becher oder eine
wurmstichige Nu.

Rosalinde.
Nicht wahrhaftig in der Liebe?

Celia.
Ja, wenn er verliebt ist; aber mich dnkt, das ist er nicht.

Rosalinde.
Du hrtest ihn doch hoch und teuer beschwren, da er es war.

Celia.
(War) ist nicht (ist.)  Auch ist der Schwur eines Liebhabers nicht
zuverlssiger als das Wort eines Bierschenken: sie bekrftigen
beide falsche Rechnungen.  Er begleitet hier im Walde den Herzog,
Euren Vater.

Rosalinde.
Ich begegnete dem Herzog gestern und mute ihm viel Rede stehn.  Er
fragte mich, von welcher Herkunft ich wre; ich sagte ihm, von
einer ebenso guten als er; er lachte und lie mich gehn.  Aber was
sprechen wir von Vtern, solange ein Mann wie Orlando in der Welt
ist?

Celia.
O das ist ein reizender Mann!  Er macht reizende Verse, spricht
reizende Worte, schwrt reizende Eide und bricht sie reizend der
Quere, grade vor seiner Liebsten Herz, wie ein jmmerlicher
Turnierer, der sein Pferd nach (einer) Seite spornt, seine Lanze
zerbricht.  Aber alles ist reizend, wo Jugend obenauf sitzt und die
Zgel lenkt.  Wer kommt hier?

(Corinnus kommt.)

Corinnus.
Mein Herr und Frulein, ihr befragtet oft
Mich um den Schfer, welcher Liebe klagte,
Den ihr bei mir saht sitzen auf dem Rasen,
Wie er die bermtge Schfrin pries,
Die seine Liebste war.

Celia.
Was ist mit ihm?

Corinnus.
Wollt ihr ein Schauspiel sehn, wahrhaft gespielt
Von treuer Liebe blassem Angesicht
Und roter Glut des Hohns und stolzer Hoffart:
Geht nur ein Endchen mit, ich fhr euch hin,
Wenn ihr's beachten wollt.

Rosalinde.
O kommt!  gehn wir dahin;
Verliebte sehen nhrt Verliebter Sinn.
Bringt uns zur Stell, und gibt es so das Glck,
So spiel ich eine Roll in ihrem Stck.

(Alle ab.)



Fnfte Szene

Ein anderer Teil des Waldes

(Silvius und Phbe treten auf)


Silvius.
Hhnt mich nicht, liebe Phbe!  Tut's nicht, Phbe!
Sagt, da Ihr mich nicht liebt, doch sagt es nicht
Mit Bitterkeit; der Henker, dessen Herz
Des Tods gewohnter Anblick doch verhrtet,
Fllt nicht das Beil auf den gebeugten Nacken,
Bis er sich erst entschuldigt.  Seid Ihr strenger
Als der von Tropfen Bluts sich nhrt und kleidet?

(Rosalinde, Celia und Corinnus kommen in der Entfernung.)

Phbe.
Ich mchte keineswegs dein Henker sein;
Ich fliehe dich, um dir kein Leid zu tun.
Du sagst mir, da ich Mord im Auge trage;
's ist artig in der Tat und steht zu glauben,
Da Augen, diese schwchsten, zartsten Dinger,
Die feig ihr Tor vor Sonnenstubchen schlieen,
Tyrannen, Schlchter, Mrder sollen sein.
Ich seh dich finster an von ganzem Herzen:
Verwundet nun mein Aug, so la dich's tten.
Tu doch, als kmst du um!  so fall doch nieder!
Und kannst du nicht: pfui!  schm dich, so zu lgen,
Und sag nicht, meine Augen seien Mrder.
Zeig doch die Wunde, die mein Aug dir machte.
Ritz dich mit einer Nadel nur, so bleibt
Die Schramme dir; lehn dich auf Binsen nur,
Und es behlt den Eindruck deine Hand
Auf einen Augenblick; allein die Augen,
Womit ich auf dich blitzte, tun dir nichts,
Und sicher ist auch keine Kraft in Augen,
Die Schaden tun kann.

Silvius.
O geliebte Phbe!
Begegnet je--wer wei, wie bald dies je!--
Auf frischen Wangen dir der Liebe Macht,
Dann wirst du die geheimen Wunden kennen
Vom scharfen Pfeil der Liebe.

Phbe.
Doch bis dahin
Komm mir nicht nah, und wenn die Zeit gekommen,
Krnk mich mit deinem Spott, sei ohne Mitleid,
Wie ich bis dahin ohne Mitleid bin.

Rosalinde (tritt vor).
Warum?  ich bitt Euch--Wer war Eure Mutter,
Da Ihr den Unglckselgen krnkt und hhnt
Und was nicht alles?  Httet Ihr auch Schnheit
(Wie ich doch wahrlich mehr an Euch nicht sehe,
Als ohne Licht--im Finstern geht zu Bett),
Mt Ihr deswegen stolz und fhllos sein?
Was heit das?  Warum blickt Ihr mich so an?
Ich seh nicht mehr an Euch, als die Natur
Auf Kauf zu machen pflegt.  So war ich lebe!
Sie will auch (meine) Augen wohl betren?
Nein, wirklich, stolze Dame!  hofft das nicht.
Nicht Euer Rabenhaar, kohlschwarze Brauen,
Glaskugelaugen, noch die Milchrahmwange
Bezwingen meinen Sinn, Euch zu verehren.--
O blder Schfer, warum folgt Ihr ihr
Wie feuchter Sd, von Wind und Regen schwellend?
Ihr seid ja tausendfach ein hbschrer Mann
Als sie ein Weib.  Dergleichen Toren fllen
Die ganze Welt mit garstgen Kindern an.
Der Spiegel nicht: Ihr seid es, der ihr schmeichelt;
Sie sieht in Euch sich hbscher abgespiegelt,
Als ihre Zge sie erscheinen lassen.--
Doch, Frulein, kennt Euch selbst, fallt auf die Knie,
Dankt Gott mit Fasten fr 'nen guten Mann;
Denn als ein Freund mu ich ins Ohr Euch sagen:
Verkauft Euch bald, Ihr seid nicht jedes Kauf.
Liebt diesen Mann!  fleht ihm als Eurem Retter:
Am hlichsten ist Hlichkeit am Sptter!--
So nimm sie zu dir, Schfer.  Lebt denn wohl!

Phbe.
O holder Jngling, schilt ein Jahr lang so!
Dich hr ich lieber schelten als ihn werben.

Rosalinde.
Er hat sich in ihre Hlichkeit verliebt, und sie wird sich in
meinen Zorn verlieben.  Wenn das so ist, so will ich sie mit
bittern Worten pfeffern, so schnell sie dir mit Stirnrunzeln
antwortet.--Warum seht Ihr mich so an?

Phbe.
Aus blem Willen nicht.

Rosalinde.
Ich bitt Euch sehr, verliebt Euch nicht in mich,
Denn ich bin falscher als Gelbd' im Trunk;
Zudem, ich mag Euch nicht.  Sucht Ihr etwa mein Haus:
's ist hinter den Oliven, dicht bei an.
Wollt Ihr gehn, Schwester?--Schfer, setz ihr zu.--
Komm, Schwester!--Seid ihm gnstger, Schferin,
Und seid nicht stolz; konnt alle Welt auch sehn,
So blind wird keiner mehr von hinnen gehn.
Zu unsrer Herde, kommt!

(Rosalinde und Celia ab.)

Phbe.
O Schfer!  nun kommt mir dein Spruch zurck:
"Wer liebte je und nicht beim ersten Blick?"

Silvius.
Geliebte Phbe--

Phbe.
Ha, was sagst du, Silvius?

Silvius.
Beklagt mich, liebe Phbe.

Phbe.
Ich bin um dich bekmmert, guter Silvius.

Silvius.
Wo die Bekmmernis, wird Hilfe sein.
Seid Ihr um meinen Liebesgram bekmmert,
Gebt Liebe mir; mein Gram und Euer Kummer
Sind beide dann vertilgt.

Phbe.
Du hast ja meine Lieb, ist das nicht nachbarlich?

Silvius.
Dich mcht ich haben.

Phbe.
Ei, das wre Habsucht.
Die Zeit war, Silvius, da ich dich gehat:
Es ist auch jetzt nicht so, da ich dich liebte;
Doch weil du kannst so gut von Liebe sprechen,
So duld ich deinen Umgang, der mir sonst
Verdrielich war, und bitt um Dienste dich.
Allein, erwarte keinen andern Lohn
Als deine eigne Freude, mir zu dienen.

Silvius.
So heilig und so gro ist meine Liebe,
Und ich in solcher Drftigkeit an Gunst,
Da ich es fr ein reiches Teil mu halten,
Die hren nur dem Manne nachzulesen,
Dem volle Ernte wird.  Verliert nur dann und wann
Ein flchtig Lcheln: davon will ich leben.

Phbe.
Kennst du den jungen Mann, der mit mir sprach?

Silvius.
Nicht sehr genau, doch traf ich oft ihn an.
Er hat die Weid und Schferei gekauft,
Die sonst dem alten Carlot zugehrt.

Phbe.
Denk nicht, ich lieb ihn, weil ich nach ihm frage.
's ist nur ein dummer Bursch--doch spricht er gut;
Frag ich nach Worten?--Doch tun Worte gut,
Wenn, der sie spricht, dem, der sie hrt, gefllt.
Es ist ein hbscher Junge--nicht gar hbsch;
Doch wahrlich, er ist stolz--zwar steht sein Stolz ihm:
Er wird einmal ein feiner Mann.  Das Beste
Ist sein Gesicht, und schneller als die Zunge
Verwundete, heilt' es sein Auge wieder.
Er ist nicht eben gro, doch fr sein Alter gro;
Sein Bein ist nur so so, doch macht sich's gut;
Es war ein lieblich Rot auf seinen Lippen,
Ein etwas reiferes und strkres Rot
Als auf den Wangen: just der Unterschied
Wie zwischen dunkeln und gesprengten Rosen.
Es gibt der Weiber, Silvius: htten sie
Ihn Stck fr Stck betrachtet so wie ich,
Sie htten sich verliebt; ich fr mein Teil,
Ich lieb ihn nicht, noch hass' ich ihn, und doch
Htt ich mehr Grund zu hassen als zu lieben.
Denn was hatt er fr Recht, mich auszuschelten?
Er sprach, mein Haar sei schwarz, mein Auge schwarz,
Und, wie ich mich entsinne, hhnte mich.
Mich wundert's, da ich ihm nicht Antwort gab.
Schon gut!  Verschoben ist nicht aufgehoben;
Ich will ihm einen Brief voll Spottes schreiben,
Du sollst ihn zu ihm tragen: willst du, Silvius?

Silvius.
Phbe, von Herzen gern.

Phbe.
Ich schreib ihn gleich;
Der Inhalt liegt im Kopf mir und im Herzen,
Ich will ganz kurz und bitter zu ihm sein.
Komm mit mir, Silvius!

(Ab.)




Vierter Aufzug



Erste Szene

Der Wald

(Rosalinde, Celia und Jacques treten auf)


Jacques.
Ich bitte dich, artiger, junger Mensch, la uns besser miteinander
bekannt werden.

Rosalinde.
Sie sagen, Ihr wrt ein melancholischer Gesell.

Jacques.
Das bin ich; ich mag es lieber sein als lachen.

Rosalinde.
Die eins von beiden aufs uerste treiben, sind abscheuliche
Burschen und geben sich jedem Tadel preis, rger als Trunkenbolde.

Jacques.
Ei, es ist doch hbsch, traurig zu sein und nichts zu sagen.

Rosalinde.
Ei, so ist es auch hbsch, ein Trpfosten zu sein.

Jacques.
Ich habe weder des Gelehrten Melancholie, die Nacheifrung ist, noch
des Musikers, die phantastisch ist, noch des Hofmanns, die
hoffrtig ist, noch des Soldaten, die ehrgeizig ist, noch des
Juristen, die politisch ist, noch der Frauen, die zimperlich ist;
noch des Liebhabers, die das alles zusammen ist, sondern es ist
eine Melancholie nach meiner Weise, aus mancherlei Ingredienzien
bereitet, von mancherlei Gegenstnden abgezogen, und wirklich die
gesamte Betrachtung meiner Reisen, deren ftere berlegung mich in
eine hchst launische Betrbnis einhllt.

Rosalinde.
Ein Reisender?  Meiner Treu, Ihr habt groe Ursache, betrbt zu
sein; ich frchte, Ihr habt Eure eignen Lnder verkauft, um andrer
Leute ihre zu sehn.  Viel gesehn haben und nichts besitzen, das
kommt auf reiche Augen und arme Hnde hinaus.

Jacques.
Nun, ich habe Erfahrung gewonnen.

(Orlando tritt auf.)

Rosalinde.
Und Eure Erfahrung macht Euch traurig.  Ich mchte lieber einen
Narren halten, der mich lustig machte, als Erfahrung, die mich
traurig machte.  Und noch obendrein darum zu reisen?

Orlando.
Habt Gru und Heil, geliebte Rosalinde.

Jacques.
Nein, dann Gott befohlen, wenn Ihr gar in Versen sprecht.

(Ab.)

Rosalinde.
Fahrt wohl, mein Herr Reisender!  Seht zu, da Ihr lispelt und
auslndische Kleidung tragt, macht alles Ersprieliche in Eurem
eignen Lande herunter, entzweit Euch mit Eurer Geburt und scheltet
schier den lieben Gott, da er Euch kein andres Gesicht gab: sonst
glaub ich es kaum, da Ihr je in einer Gondel gefahren seid.--Nun,
Orlando, wo seid Ihr die ganze Zeit her gewesen?  Ihr, ein
Liebhaber?--Spielt Ihr mir noch einmal so einen Streich, so kommt
mir nicht wieder vors Gesicht.

Orlando.
Meine schne Rosalinde, es ist noch keine Stunde spter, als ich
versprach.

Rosalinde.
Ein Versprechen in der Liebe um eine Stunde brechen?--Wer tausend
Teile aus einer Minute macht und nur ein Teilchen von dem
tausendsten Teil einer Minute in Liebessachen versumt, von dem mag
man wohl sagen, Cupido hat ihm auf die Schulter geklopft; aber ich
stehe dafr, sein Herz ist unversehrt.

Orlando.
Verzeiht mir, liebe Rosalinde.

Rosalinde.
Nein, wenn Ihr so saumselig seid, so kommt mir nicht mehr vors
Gesicht; ich htte es ebenso gern, da eine Schnecke um mich freite.

Orlando.
Eine Schnecke?

Rosalinde.
Ja, eine Schnecke!  Denn kommt solch ein Liebhaber gleich langsam,
so trgt er doch sein Haus auf dem Kopfe; ein besseres Leibgedinge,
denk ich, als Ihr einer Frau geben knnt.  Auerdem bringt er sein
Schicksal mit sich.

Orlando.
Was ist das?

Rosalinde.
Ei, Hrner!  die solche, wie Ihr, sich gern von ihren Weibern
aufsetzen lassen.  Aber er kommt mit seinem Lose ausgerstet und
verhtet den blen Ruf seiner Frau.

Orlando.
Tugend dreht keine Hrner, und meine Rosalinde ist tugendhaft.

Rosalinde.
Und ich bin Eure Rosalinde.

Celia.
Es beliebt ihm, Euch so zu nennen; aber er hat eine Rosalinde von
zarterer Farbe als Ihr.

Rosalinde.
Kommt, freit um mich, freit um mich, denn ich bin jetzt in einer
Festtagslaune und knnte wohl einwilligen.--Was wrdet Ihr zu mir
sagen, wenn ich Eure rechte, rechte Rosalinde wre?

Orlando.
Ich wrde kssen, ehe ich sprche.

Rosalinde.
Nein, Ihr ttet besser, erst zu sprechen, und wenn Ihr dann
stocktet, weil Ihr nichts mehr wtet, nhmt Ihr Gelegenheit zu
kssen.  Gute Redner ruspern sich, wenn sie aus dem Text kommen,
und wenn Liebhabern (was Gott verhte!) der Stoff ausgeht, so ist
der schicklichste Behelf, zu kssen.

Orlando.
Wenn nun der Ku verweigert wird?

Rosalinde.
So ntigt sie Euch zum Bitten, und das gibt neuen Stoff.

Orlando.
Wer knnte wohl stocken, wenn er vor seiner Liebsten steht?

Rosalinde.
Wahrlich, das solltet Ihr, wenn ich Eure Liebste wre, sonst mte
ich meine Tugend fr strker halten als meinen Witz.  Bin ich nicht
Eure Rosalinde?

Orlando.
Es macht mir Freude, Euch so zu nennen, weil ich gern von ihr
sprechen mag.

Rosalinde.
Gut, und in ihrer Person sage ich: ich will Euch nicht.

Orlando.
So sterbe ich in meiner eignen Person.

Rosalinde.
Mitnichten: verrichtet es durch einen Anwalt.  Die arme Welt ist
fast sechstausend Jahre alt, und die ganze Zeit ber ist noch kein
Mensch in eigner Person gestorben: nmlich in Liebessachen.  Dem
Troilus wurde das Gehirn von einer griechischen Keule zerschmettert;
doch tat er, was er konnte, um vorher noch zu sterben, und er ist
eins von den Mustern der Liebe.  Leander, der htte noch manches
schne Jahr gelebt, wr Hero gleich Nonne geworden, wenn eine heie
Sommernacht es nicht getan htte; denn der arme Junge, er ging nur
hin, um sich im Hellespont zu baden, bekam den Krampf und ertrank,
und die albernen Chronikenschreiber seiner Zeit befanden, es sei
Hero von Sestos.  Doch das sind lauter Lgen; die Menschen sind von
Zeit zu Zeit gestorben, und die Wrmer haben sie verzehrt, aber
nicht aus Liebe.

Orlando.
Ich mchte meine rechte Rosalinde nicht so gesinnt wissen; denn ich
beteure, ihr Stirnrunzeln knnte mich tten.

Rosalinde.
Bei dieser Hand!  es ttet keine Fliege.  Aber kommt!  nun will ich
Eure Rosalinde in einer gutwilligeren Stimmung sein, und bittet von
mir, was Ihr wollt, ich will es zugestehn.

Orlando.
So liebe mich, Rosalinde.

Rosalinde.
Ja, das will ich, Freitags, Sonnabends und so weiter.

Orlando.
Und willst du mich haben?

Rosalinde.
Ja, und zwanzig solcher.

Orlando.
Was sagst du?

Rosalinde.
Seid Ihr nicht gut?

Orlando.
Ich hoff es.

Rosalinde.
Nun denn, kann man des Guten zuviel haben?--Kommt, Schwester, Ihr
sollt der Priester sein, um uns zu trauen.--Gebt mir Eure Hand,
Orlando.--Was sagt Ihr, Schwester?

Orlando.
Bitte, trau uns.

Celia.
Ich wei die Worte nicht.

Rosalinde.
Ihr mt anfangen: "Wollt Ihr, Orlando--"

Celia.
Schon gut.--Wollt Ihr, Orlando, gegenwrtige Rosalinde zum Weibe
haben?

Orlando.
Ja!

Rosalinde.
Gut, aber wann?

Orlando.
Nun, gleich: so schnell sie uns trauen kann.

Rosalinde.
So mt Ihr sagen: "Ich nehme dich, Rosalinde, zum Weibe."

Orlando.
Ich nehme dich, Rosalinde, zum Weibe.

Rosalinde.
Ich knnte nach Eurem Erlaubnisschein fragen, doch--ich nehme dich,
Orlando, zu meinem Manne.  Da kommt ein Mdchen dem Priester zuvor,
und wirklich, Weibergedanken eilen immer ihren Handlungen voraus.

Orlando.
Das tun alle Gedanken, sie sind beflgelt.

Rosalinde.
Nun sagt mir: wie lange wollt Ihr sie haben, nachdem Ihr ihren
Besitz erlangt?

Orlando.
Immerdar und einen Tag.

Rosalinde.
Sagt, einen Tag, und lat immerdar weg.  Nein, nein, Orlando!
Mnner sind Mai, wenn sie freien, und Dezember in der Ehe.  Mdchen
sind Frhling, solange sie Mdchen sind, aber der Himmel verndert
sich, wenn sie Frauen werden.  Ich will eiferschtiger auf dich
sein als ein Turteltauber auf sein Weibchen, schreiichter als ein
Papagei, wenn es regnen will, putzschtiger als ein Affe und
launischer in Gelsten als eine Meerkatze.  Ich will um nichts
weinen, wie Diana am Springbrunnen, und das will ich tun, wenn du
zur Lustigkeit gestimmt bist; ich will lachen wie eine Hyne, und
zwar wenn du zu schlafen wnschest.

Orlando.
Aber wird meine Rosalinde das tun?

Rosalinde.
Bei meinem Leben, sie wird es machen wie ich.

Orlando.
Oh, sie ist aber klug.

Rosalinde.
Sonst htte sie nicht den Witz dazu.  Je klger, desto verkehrter.
Versperrt dem Witz eines Weibes die Tren, so mu er zum Fenster
hinaus; macht das zu, so fhrt er aus dem Schlsselloch; verstopft
das, so fliegt er mit dem Rauch aus dem Schornstein.

Orlando.
Ein Mann, der eine Frau mit soviel Witz htte, knnte fragen: "Witz,
wo willst du mit der Frau hin?"

Rosalinde.
Nein, das knntet Ihr versparen, bis Ihr den Witz Eurer Frau auf
dem Wege zu Eures Nachbars Bett antrft.

Orlando.
Welcher Witz htte Witz genug, das zu entschuldigen?

Rosalinde.
Nun, etwa:--sie ginge hin, Euch dort zu suchen.  Ihr werdet sie nie
ohne Antwort ertappen.  Ihr mtet sie denn ohne Zunge antreffen.
Oh, die Frau, die die Schuld an ihren Fehlern nicht auf ihren Mann
zu schieben versteht, die lat nie ihr Kind sugen; sie wrde es
albern groziehn.

Orlando.
Auf die nchsten zwei Stunden, Rosalinde, verlasse ich dich.

Rosalinde.
Ach, geliebter Freund, ich kann dich nicht zwei Stunden entbehren.

Orlando.
Ich mu dem Herzoge beim Mittagstisch aufwarten.  Um zwei Uhr bin
ich wieder bei dir.

Rosalinde.
Ja, geht nur, geht nur!  Das sah ich wohl von Euch voraus; meine
Freunde sagten mir's, und ich dacht es ebenfalls--Eure
Schmeichelzunge gewann mich--es ist nur eine Verstone mehr--und
also: komm, Tod!--Zwei Uhr ist Eure Stunde?

Orlando.
Ja, se Rosalinde.

Rosalinde.
Bei Treu und Glauben, und in vollem Ernst, und so mich der Himmel
schirme, und bei allen artigen Schwren, die keine Gefahr haben,
brecht Ihr ein Pnktchen Eures Versprechens, oder kommt nur eine
Minute nach der Zeit, so will ich Euch fr den feierlichsten
Wortbrecher halten und fr den falschesten Liebhaber und den
Allerunwrdigsten derer, die Ihr Rosalinde nennt, welcher nur aus
dem ganzen Haufen der Ungetreuen ausgesucht werden konnte.  Darum
htet Euch vor meinem Urteil und haltet Euer Versprechen.

Orlando.
So heilig, als wenn du wirklich meine Rosalinde wrst.  Leb denn
wohl!

Rosalinde.
Gut, die Zeit ist der alte Richter, der solche Verbrecher ans Licht
zieht, und die Zeit mu es ausweisen.  Lebt wohl!

(Orlando ab.)

Celia.
Du hast unserm Geschlecht in deinem Liebesgeschwtz geradezu bel
mitgespielt.  Wir mssen dir Hosen und Wams ber den Kopf ziehn,
damit die Welt sieht, was der Vogel gegen sein eignes Nest getan
hat.

Rosalinde.
O Mhmchen!  Mhmchen!  Mhmchen!  mein artiges kleines Mhmchen!
wtest du, wieviel Klafter tief ich in Liebe versenkt bin!  Aber
es kann nicht ergrndet werden; meine Zuneigung ist grundlos wie
die Bucht von Portugal.

Celia.
Sag lieber, bodenlos: soviel Liebe du hineintust, sie luft alle
wieder heraus.

Rosalinde.
Nein, der boshafte Bastard der Venus, der vom Gedanken erzeugt, von
der Grille empfangen und von der Tollheit geboren wurde, der blinde
schelmische Bube, der jedermanns Augen betrt, weil er selbst keine
mehr hat: der mag richten, wie tief ich in der Liebe stecke.--Ich
sage dir, Aliena, ich kann nicht ohne Orlandos Anblick sein; ich
will Schatten suchen und seufzen, bis er kommt.

Celia.
Und ich will schlafen.

(Beide ab.)



Zweite Szene

Ein anderer Teil des Waldes

(Jacques und Edelleute des Herzogs in Jgerkleidung treten auf)


Jacques.
Wer ist's, der den Hirsch erlegt'?

Erster Edelmann.
Ich tat es, Herr.

Jacques.
Lat uns ihn dem Herzog vorstellen, wie einen rmischen Eroberer,
und es schickte sich wohl, ihm das Hirschgeweih wie einen
Siegeskranz aufzusetzen.  Habt ihr kein Lied, Jger, auf diese
Gelegenheit?

Zweiter Edelmann.
O ja, Herr.

Jacques.
Singt es; es ist gleichviel, ob Ihr Ton haltet, wenn es nur Lrm
genug macht.

Lied.  (Erste Stimme.)  Was kriegt er, der den Hirsch erlegt?
(Zweite Stimme.)  Sein ledern Kleid und Horn er trgt.  (Erste
Stimme.)  Drum singt ihn heim:
Ohn allen Zorn trag du das Horn;
Ein Helmschmuck war's, eh du geborn.

(Dieser Zuruf wird im Chor von den brigen wiederholt.)

(Erste Stimme.)  Deins Vaters Vater fhrt' es.
(Zweite Stimme.) Und deinen Vater ziert' es.
(Alle.)
Das Horn, das Horn, das wackre Horn
Ist nicht ein Ding zu Spott und Zorn.

(Ab.)



Dritte Szene

(Rosalinde und Celia treten auf)


Rosalinde.
Was sagt Ihr nun?  Ist nicht zwei Uhr vorbei?  Und kein Orlando zu
sehen!

Celia.
Ich stehe dir dafr, mit reiner Liebe und verwirrtem Gehirn hat er
seinen Bogen und Pfeile genommen und ist ausgegangen--zu schlafen.
Seht, wer kommt da?

(Silvius tritt auf.)

Silvius.
An Euch geht meine Botschaft, schner Jngling.
Dies hie mich meine Phbe bergeben;
Ich wei den Inhalt nicht; doch, wie ich riet
Aus finstrer Stirn und zorniger Gebrde,
Die sie gemacht hat, whrend sie es schrieb,
So mu es zornig lauten; mir verzeiht,
Denn ich bin schuldlos, Bote nur dabei.

Rosalinde.
Bei diesem Briefe mte die Geduld
Selbst sich empren und den Lrmer spielen;
Wer das hier hinnimmt, der nimmt alles hin.
Sie sagt, ich sei nicht schn, sei ungezogen,
Sie nennt mich stolz, und knne mich nicht lieben,
Wenn Mnner selten wie der Phnix wren.
Ihr Herz ist auch der Hase, den ich jage.
Potz alle Welt!  was schreibt sie so an mich?
Hrt, Schfer, diesen Brief habt Ihr erdacht.

Silvius.
Nein, ich beteur', ich wei vom Inhalt nicht.
Sie schrieb ihn selbst.

Rosalinde.
Geht, geht!  Ihr seid ein Narr,
Den Liebe bis aufs uerste gebracht.
Ich sah wohl ihre Hand: sie ist wie Leder,
'ne sandsteinfarbne Hand; ich glaubte in der Tat,
Sie htte ihre alten Handschuh an,
Doch waren's ihre Hnde--sie hat Hnde
Wie eine Burin--doch das macht nichts aus;
Ich sage, nie erfand sie diesen Brief,
Hand und Erfindung ist von einem Mann.

Silvius.
Gewi, er ist von ihr.

Rosalinde.
Es ist ein tobender und wilder Stil,
Ein Stil fr Raufer; wie ein Trk dem Christen,
So trotzt sie mir.  Ein weibliches Gehirn
Kann nicht so riesenhafte Dinge zeugen,
So thiopsche Worte schwrzern Sinns,
Als wie sie aussehn.--Wollt Ihr selber hren?

Silvius.
Wenn's Euch beliebt; noch hrt ich nicht den Brief,
Doch schon zuviel von Phbes Grausamkeit.

Rosalinde.
Sie phbet mich; hr an, wie die Tyrannin schreibt:

(Liest.)

        "Bist du Gott im Hirtenstand,
        Der ein Mdchenherz entbrannt?"
Kann ein Weib so hhnen?

Silvius.
Nennt Ihr das hhnen?

Rosalinde.
        "Des verborgne Gtterschaft
        Qual in Weiberherzen schafft?"
Hrtet Ihr je solches Hhnen?
        "Mnner mochten um mich werben,
        Nimmer bracht es mir Verderben."
--Als wenn ich ein Tier wre.
        "Wenn deiner lichten Augen Hohn
        Erregte solche Liebe schon,
        Ach, wie mt' ihr milder Schein
        Wunderwirkend in mir sein!
        Da du schaltest, liebt ich dich;
        Btest du, was tte ich?
        Der mein Lieben bringt zu dir,
        Kennt dies Lieben nicht in mir.
        Gib ihm denn versiegelt hin,
        Ob dein jugendlicher Sinn
        Nimmt das treue Opfer an
        Von mir und allem, was ich kann.
        Sonst schlag durch ihn mein Bitten ab,
        Und dann begehr ich nur ein Grab."

Silvius.
Nennt Ihr das schelten?

Celia.
Ach, armer Schfer!

Rosalinde.
Habt Ihr Mitleid mit ihm?  Nein, er verdient kein Mitleid.--Willst
du solch ein Weib lieben?--Was?  dich zum Instrument zu machen,
worauf man falsche Tne spielt?  Nicht auszustehn!--Gut, geht Eures
Weges zu ihr (denn ich sehe, die Liebe hat einen zahmen Wurm aus
dir gemacht), und sagt ihr dies: Wenn sie mich liebt, befehle ich
ihr an, dich zu lieben; wenn sie nicht will, so habe ich nichts mit
ihr zu tun, es sei denn, da du fr sie bittest.--Wenn Ihr wahrhaft
liebt, fort, und keine Silbe mehr, denn hier kommt jemand.

(Silvius ab.)

(Oliver tritt auf.)

Oliver.
Guten Morgen, schne Kinder!  Wit ihr nicht,
Wo hier im Wald herum 'ne Schferei,
Beschattet von Olivenbumen, steht?

Celia.
Westwrts von hier, den nahen Grund hinunter,
Bringt Euch die Reih von Weiden lngs dem Bach,
Lat Ihr sie rechter Hand, zum Orte hin.
Allein um diese Stunde htet sich
Die Wohnung selber; es ist niemand drin.

Oliver.
Wenn eine Zung ein Auge kann belehren,
Mt ich euch kennen der Beschreibung nach:
Die Tracht, die Jahre so.  "Der Knab ist blond,
Von Ansehn weiblich, und er nimmt sich aus
Wie eine reife Schwester; doch das Mdchen
Ist klein und brauner als ihr Bruder." Seid ihr
Des Hauses Eigner nicht, das ich erfragt?

Celia.
Weil Ihr uns fragt: ja, ohne Prahlerei.

Oliver.
Orlando grt Euch beide, und er schickt
Dem Jngling, den er seine Rosalinde
Zu nennen pflegt, dies blutge Tuch.  Seid Ihr's?

Rosalinde.
Ich bin's.  Was will er uns damit bedeuten?

Oliver.
Zu meiner Schand etwas, erfahrt Ihr erst,
Was fr ein Mensch ich bin, und wo und wie
Dies Tuch befleckt ward.

Celia.
Sagt, ich bitt Euch drum.

Oliver.
Da jngst Orlando sich von Euch getrennt,
Gab er sein Wort, in einer Stunde wieder
Zurck zu sein; und schreitend durch den Wald
Kut' er die Kost der s und bittern Liebe.--
Seht, was geschah!  Er warf sein Auge seitwrts
Und denkt, was fr ein Gegenstand sich zeigt:
Am alten Eichbaum mit bemoosten Zweigen,
Den hohen Gipfel kahl von drrem Alter,
Lag ein zerlumpter Mann, ganz berhaart,
Auf seinem Rcken schlafend; um den Hals
Wand eine grn und goldne Schlange sich,
Die mit dem Kopf, zu Drohungen behend,
Dem offnen Munde nahte; aber schnell,
Orlando sehend, wickelt sie sich los
Und schlpft im Zickzack gleitend in den Busch.
In dessen Schatten hatte eine Lwin,
Die Euter ausgezogen, sich gelagert,
Den Kopf am Boden, katzenartig lauernd,
Bis sich der Schlfer rhrte; denn es ist
Die knigliche Weise dieses Tiers,
Auf nichts zu fallen, was als tot erscheint.
Dies sehend, naht' Orlando sich dem Mann
Und fand, sein Bruder war's, sein ltster Bruder.

Celia.
Oh, von dem Bruder hrt ich wohl ihn sprechen,
Und als den unnatrlichsten, der lebte,
Stellt' er ihn vor.

Oliver.
Und konnt es auch mit Recht;
Denn gar wohl wei ich, er war unnatrlich.

Rosalinde.
Orlando aber?--Lie er ihn zum Raub
Der hungrigen und ausgesognen Lwin?

Oliver.
Zweimal wandt er den Rcken und gedacht es;
Doch Milde, edler als die Rache stets,
Und die Natur, der Lockung berlegen,
Vermochten ihn, die Lwin zu bekmpfen,
Die baldigst vor ihm fiel.  Bei diesem Strau
Erwacht ich von dem unglckselgen Schlummer.

Celia.
Seid (Ihr) sein Bruder?

Rosalinde.
Hat er (Euch) gerettet?

Celia.
Ihr wart es, der so oft ihn tten wollte?

Oliver.
Ich war's, doch bin ich's nicht; ich scheue nicht
Zu sagen, wer ich war; da die Bekehrung
So s mich dnkt, seit ich ein andrer bin.

Rosalinde.
Allein das blutge Tuch?

Oliver.
Im Augenblick,
Da zwischen uns, vom ersten bis zum letzten,
Nun Trnen die Berichte mild gebadet,
Wie ich gelangt an jenen wsten Platz--
Geleitet' er mich zu dem edlen Herzog,
Der frische Kleidung mir und Speise gab,
Der Liebe meines Bruders mich empfehlend,
Der mich sogleich in seine Hhle fhrte.
Er zog sich aus, da hatt ihm hier am Arm
Die Lwin etwas Fleisch hinweggerissen,
Das unterdes geblutet; er fiel in Ohnmacht
Und rief nach Rosalinden, wie er fiel.
Ich bracht ihn zu sich selbst, verband die Wunde,
Und da er bald darauf sich strker fhlte,
Hat er mich hergesandt, fremd, wie ich bin,
Dies zu berichten, da Ihr ihm den Bruch
Des Wortes mgt verzeihn; und dann dies Tuch,
Mit seinem Blut gefrbt, dem jungen Schfer
Zu bringen, den er seine Rosalinde
Im Scherz zu nennen pflegt.

Celia.
Was gibt es, Ganymed?  mein Ganymed?

(Rosalinde fllt in Ohnmacht.)

Oliver.
Wenn manche Blut sehn, fallen sie in Ohnmacht.

Celia.
Ach, dies bedeutet mehr!  Mein Ganymed!

Oliver.
Seht, er kommt wieder zu sich.

Rosalinde.
Ich wollt, ich wr zu Haus.

Celia.
Wir fhren dich dahin.--
Ich bitt Euch, wollt Ihr unterm Arm ihn fassen?

Oliver.
Fat nur Mut, junger Mensch!--Ihr ein Mann?--Euch fehlt ein
mnnlich Herz.

Rosalinde.
Das tut es, ich gesteh's.  Ach, Herr, jemand knnte denken, das
hiee sich recht verstellen.  Ich bitte Euch, sagt Eurem Bruder,
wie gut ich mich verstellt habe.--Ah!  ha!

Oliver.
Das war keine Verstellung; Eure Farbe legt ein zu starkes Zeugnis
ab, da es eine ernstliche Gemtsbewegung war.

Rosalinde.
Verstellung, ich versichre Euch.

Oliver.
Gut also, fat ein Herz und stellt Euch wie ein Mann.

Rosalinde.
Das tu ich, aber von Rechts wegen htte ich ein Weib werden sollen.

Celia.
Kommt--Ihr seht immer blsser und blsser--ich bitte Euch, nach
Hause.  Lieber Herr, geht mit uns.

Oliver.  Gern, denn ich mu ja meinem Bruder melden, wie weit Ihr
ihn entschuldigt, Rosalinde.

Rosalinde.
Ich will etwas ausdenken; aber ich bitte Euch, rhmt ihm meine
Verstellung.--Wollt Ihr gehn.

(Alle ab)




Fnfter Aufzug



Erste Szene

Der Wald

(Probstein und Kthchen kommen)


Probstein.
Wir werden die Zeit schon finden, Kthchen.  Geduld, liebes
Kthchen!

Kthchen.
Wahrhaftig, der Pfarrer war gut genug, was auch der alte Herr sagen
mochte.

Probstein.
Ein abscheulicher Ehrn Olivarius, Kthchen, ein entsetzlicher
Textdreher.  Aber, Kthchen, da ist ein junger Mensch hier im Walde,
der Anspruch auf dich macht.

Kthchen.
Ja, ich wei, wer es ist; er hat in der Welt nichts an mich zu
fordern.  Da kommt der Mensch, den Ihr meint.

(Wilhelm kommt.)

Probstein.
Es ist mir ein rechtes Labsal, so einen Tlpel zu sehen.  Meiner
Treu, wir, die mit Witz gesegnet sind, haben viel zu verantworten.
Wir mssen necken, wir knnen's nicht lassen.

Wilhelm.
Guten Abend, Kthchen.

Kthchen.
Schnen guten Abend, Wilhelm.

Wilhelm.
Und Euch, Herr, einen guten Abend.

Probstein.
Guten Abend, lieber Freund.  Bedeck den Kopf!  bedeck den Kopf!
Nun, sei so gut, bedecke dich!  Wie alt seid Ihr, Freund?

Wilhelm.
Fnfundzwanzig, Herr.

Probstein.
Ein reifes Alter.  Ist dein Name Wilhelm?

Wilhelm.
Wilhelm, Herr.

Probstein.
Ein schner Name.  Bist hier im Walde geboren?

Wilhelm.
Ja, Herr, Gott sei Dank!

Probstein.
"Gott sei Dank"--eine gute Antwort.  Bist reich?

Wilhelm.
Nun, Herr, so, so.

Probstein.
"So, so" ist gut, sehr gut, ganz ungemein gut--nein, doch nicht, es
ist nur so so.  Bist du weise?

Wilhelm.
Ja, Herr, ich hab einen hbschen Verstand.

Probstein.
Ei, wohl gesprochen!  Da fllt mir ein Sprichwort ein: "Der Narr
hlt sich fr weise, aber der Weise wei, da er ein Narr ist."
Wenn der heidnische Philosoph Verlangen trug, Weinbeeren zu essen,
so ffnete er die Lippen, indem er sie in den Mund steckte; damit
wollte er sagen, Weinbeeren wren zum Essen gemacht und Lippen zum
ffnen.  Ihr liebt dieses Mdchen?

Wilhelm.
Das tu ich, Herr.

Probstein.
Gebt mir Eure Hand.  Bist du gelehrt?

Wilhelm.
Nein, Herr.

Probstein.
So lerne dieses von mir: haben ist haben, denn es ist eine Figur in
der Redekunst, da Getrnk, wenn es aus einem Becher in ein Glas
geschttet wird, eines leer macht, indem es das andere anfllt;
denn alle unsre Schriftsteller stimmen darin berein: (ipse) ist er;
Ihr seid aber nicht (ipse,)denn ich bin "er".

Wilhelm.
Was fr ein "er", Herr?

Probstein.
Der "er", Herr, der dies Mdchen heiraten mu.  Also, Ihr Tlpel,
meidet--was in der Pbelsprache heit, verlat--den Umgang--was auf
burisch heit, die Gesellschaft--dieser Frauensperson--was im
gemeinen Leben heit, Mdchen; welches alles zusammen heit: meidet
den Umgang dieser Frauensperson, oder, Tlpel, du kommst um; oder,
damit du es besser verstehst, du stirbst; nmlich ich tte dich,
schaffe dich aus der Welt, bringe dich vom Leben zum Tode, von der
Freiheit zur Knechtschaft.  Ich will dich mit Gift bedienen, oder
mit Bastonaden, oder mit dem Stahl; ich will eine Partei gegen dich
zusammenrotten, dich mit Politik berwltigen; ich will dich auf
hundertundfnfzig Arten umbringen: darum zittre und zieh ab.

Kthchen.
Tu es, guter Wilhelm.

Wilhelm.
Gott erhalt Euch guter Dinge, Herr.

(Ab.)

(Corinnus kommt.)

Corinnus.
Unsre Herrschaft sucht Euch.  Kommt!  geschwind!  geschwind!

Probstein.
Lauf, Kthchen!  Lauf, Kthchen!  Ich komme nach, ich komme nach.

(Alle ab.)



Zweite Szene

Ebendaselbst

(Orlando und Oliver treten auf)


Orlando.
Ist es mglich, da Ihr auf so geringe Bekanntschaft Neigung zu ihr
gefat?  Kaum saht Ihr sie, so liebtet Ihr; kaum liebtet Ihr, so
warbt Ihr; kaum habt Ihr geworben, so sagt sie auch ja?  Und Ihr
beharrt darauf, sie zu besitzen?

Oliver.
Macht Euch weder aus der bereilung darin ein Bedenken, noch aus
ihrer Armut, der geringen Bekanntschaft, meinem schnellen Werben,
oder aus ihrem raschen Einwilligen, sondern sagt mit mir: ich liebe
Aliena; sagt mit ihr: da sie mich liebt; willigt mit beiden ein,
da wir einander besitzen mgen.  Es soll zu Eurem Besten sein,
denn meines Vaters Haus und alle Einknfte des alten Herrn Roland
will ich Euch abtreten und hier als Schfer leben und sterben.

(Rosalinde kommt.)

Orlando.
Ihr habt meine Einwilligung.  Lat Eure Hochzeit morgen sein, ich
will den Herzog dazu einladen und sein ganzes frohes Gefolge.  Geht
und bereitet Aliena vor; denn seht Ihr, hier kommt meine Rosalinde.

Rosalinde.
Gott behte Euch, Bruder.

Oliver.
Und Euch, schne Schwester.

Rosalinde.
Oh, mein lieber Orlando, wie bekmmert es mich, dich dein Herz in
einer Binde tragen zu sehn.

Orlando.
Meinen Arm.

Rosalinde.
Ich dachte, dein Herz wre von den Klauen eines Lwen verwundet
worden.

Orlando.
Verwundet ist es, aber von den Augen eines Fruleins.

Rosalinde.
Hat Euch Euer Bruder erzhlt, wie ich mich stellte, als fiel ich in
Ohnmacht, da er mir Euer Tuch zeigte?

Orlando.
Ja, und grere Wunder als das.

Rosalinde.
O ich wei, wo Ihr hinauswollte--Ja, es ist wahr, niemals ging noch
etwas so schnell zu, auer etwa ein Gefecht zwischen zwei Widdern
und Csars thrasonisches Geprahle: "Ich kam, sah und siegte." Denn
Euer Bruder und meine Schwester trafen sich nicht so bald, so sahen
sie; sahen nicht so bald, so liebten sie; liebten nicht so bald, so
seufzten sie; seufzten nicht so bald, so fragten sie einander nach
der Ursache; wuten nicht so bald die Ursache, so suchten sie das
Hilfsmittel; und vermittels dieser Stufen haben sie eine Treppe zum
Ehestande gebaut, die sie unaufhaltsam hinaufsteigen, oder
unenthaltsam vor dem Ehestande sein werden.  Sie sind in der
rechten Liebeswut, sie wollen zusammen, man brchte sie nicht mit
Keulen auseinander.

Orlando.
Sie sollen morgen verheiratet werden, und ich will den Herzog zur
Vermhlung laden.  Aber ach!  welch bittres Ding ist es,
Glckseligkeit nur durch andrer Augen zu erblicken!  Um desto mehr
werde ich morgen auf dem Gipfel der Schwermut sein, je glcklicher
ich meinen Bruder schtzen werde, indem er hat, was er wnscht.

Rosalinde.
Wie nun?  morgen kann ich Euch nicht statt Rosalindens dienen?

Orlando.
Ich kann nicht lnger von Gedanken leben.

Rosalinde.
So will ich Euch denn nicht lnger mit eitlem Geschwtz ermden.
Wit also von mir (denn jetzt rede ich nicht ohne Bedeutung), da
ich wei, Ihr seid ein Edelmann von guten Gaben.  Ich sage dies
nicht, damit Ihr eine gute Meinung von meiner Wissenschaft fassen
sollt, insofern ich sage: ich (wei,)da Ihr es seid, noch strebe
ich nach einer grern Achtung, als die Euch einigermaen Glauben
ablocken kann, zu Eurem eignen Besten, nicht zu meinem Ruhm.
Glaubt denn, wenn's Euch beliebt, da ich wunderbare Dinge vermag;
seit meinem dritten Jahr hatte ich Verkehr mit einem Zauberer von
der tiefsten Einsicht in seiner Kunst, ohne doch verdammlich zu
sein.  Wenn Euch Rosalinde so sehr am Herzen liegt, als Euer
Benehmen laut bezeugt, so sollt Ihr sie heiraten, wann Euer Bruder
Aliena heiratet.  Ich wei, in welche bedrngte Lage sie gebracht
ist, und es ist mir nicht unmglich, wenn Ihr nichts dagegen habt,
sie Euch morgen vor die Augen zu stellen, leibhaftig und ohne
Gefhrde.

Orlando.
Sprichst du in nchternem Ernst?

Rosalinde.
Das tu ich bei meinem Leben, das ich sehr wert halte, sage ich
gleich, da ich Zauberei verstehe.  Also werft Euch in Euren besten
Staat, ladet Eure Freunde; denn wollt Ihr morgen verheiratet werden,
so sollt ihr's, und mit Rosalinden, wenn Ihr wollt

(Silvius und Phbe treten auf.)

Seht, da kommen Verliebte, die eine in mich und der andere in sie.

Phbe.
Es war von Euch sehr unhold, junger Mann,
Den Brief zu zeigen, den ich an Euch schrieb.

Rosalinde.
Ich frage nichts danach, es ist mein Streben,
Verachtungsvoll und unhold Euch zu scheinen.
Es geht Euch da ein treuer Schfer nach;
Ihn blickt nur an, ihn liebt, er huldigt Euch.

Phbe.
Sag, guter Schfer, diesem jungen Mann,
Was lieben heit.

Silvius.
Es heit, aus Seufzern ganz bestehn und Trnen,
Wie ich fr Phbe.

Phbe.
Und ich fr Ganymed.

Orlando.
Und ich fr Rosalinde.

Rosalinde.
Und ich fr keine Frau.

Silvius.
Es heit aus Treue ganz bestehn und Eifer,
Wie ich fr Phbe.

Phbe.
Und ich fr Ganymed.

Orlando.
Und ich fr Rosalinde.

Rosalinde.
Und ich fr keine Frau.

Silvius.
Es heit, aus nichts bestehn als Phantasie,
Aus nichts als Leidenschaft, aus nichts als Wnschen,
Ganz Anbetung, Ergebung und Gehorsam,
Ganz Demut, ganz Geduld und Ungeduld,
Ganz Reinheit, ganz Bewhrung, ganz Gehorsam.
Und so bin ich fr Phbe.

Phbe.
Und so bin ich fr Ganymed.

Orlando.
Und so bin ich fr Rosalinde.

Rosalinde.
Und so bin ich fr keine Frau.

Phbe (zu Rosalinden).
Wenn dem so ist, was schmht Ihr meine Liebe?

Silvius (zu Phbe).
Wenn dem so ist, was schmht Ihr meine Liebe?

Orlando.
Wenn dem so ist, was schmht Ihr meine Liebe?

Rosalinde.
Wem sagt Ihr das: "Was schmht Ihr meine Liebe?"

Orlando.
Der, die nicht hier ist, und die mich nicht hrt.

Rosalinde.
Ich bitte Euch, nichts mehr davon; es ist, als wenn die Wlfe gegen
den Mond heulen.--(Zu Silvius.)

Ich will Euch helfen, wenn ich kann.--(Zu Phbe.)

Ich wollte Euch lieben, wenn ich knnte.--Morgen kommen wir alle
zusammen.--(Zu Phbe.)


Ich will Euch heiraten, wenn ich je ein Weib heirate, und ich
heirate morgen.--(Zu Orlando.)  Ich will Euch Genge leisten, wenn
ich je irgendwem Genge leistete, und Ihr sollt morgen verheiratet
werden.--(Zu Silvius.)

Ich will Euch zufriedenstellen, wenn das, was Euch gefllt, Euch
zufriedenstellt, und Ihr sollt morgen heiraten.--(Zu Orlando.)

So wahr Ihr Rosalinde liebt, stellt Euch ein.--(Zu Silvius.)

So wahr Ihr Phbe liebt, stellt Euch ein--und so wahr ich kein Weib
liebe, werde ich mich einstellen.  Damit gehabt euch wohl!  ich
habe euch meine Befehle zurckgelassen.

Silvius.
Ich bleibe nicht aus, wenn ich das Leben behalte.

Phbe.
Ich auch nicht.

Orlando.
Ich auch nicht.

(Alle ab.)



Dritte Szene

Ebendaselbst

(Probstein und Kthchen kommen)


Probstein.
Morgen ist der frohe Tag, Kthchen; morgen heiraten wir uns.

Kthchen.
Mich verlangt von ganzem Herzen danach, und ich hoffe, es ist kein
unehrbares Verlangen, wenn mich verlangt, eine Frau wie andre auch
zu werden.  Hier kommen zwei von des verbannten Herzogs Pagen.

(Zwei Pagen kommen.)

Erster Page.
Schn getroffen, wackrer Herr!

Probstein.
Wahrhaftig, schn getroffen!  Kommt, setzt euch, setzt euch, und
ein Lied.

Zweiter Page.
Damit wollen wir aufwarten; setzt Euch zwischen uns.--Sollen wir
frisch dran, ohne uns zu ruspern, oder auszuspeien, oder zu sagen,
da wir heiser sind, womit man immer einer schlechten Stimme die
Vorrede hlt?

Erster Page.
Gut!  gut!  und beide aus einem Tone, wie zwei Zigeuner auf einem
Pferde.

Lied.

Ein Liebster und sein Mdel schn,
Mit heisa und ha und juchheisa trala!
Die tten durch das Kornfeld gehn
Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vgel singen, tirlirelirei:
S Liebe liebt den Mai.  Und zwischen Halmen auf dem Rain,
Mit heisa und ha und juchheisa trala!
Legt sich das hbsche Paar hinein,
Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vgel singen, tirlirelirei:
S Liebe liebt den Mai.  Sie sangen diese Melodei,
Mit heisa und ha und juchheisa trala,
Wie's Leben nur 'ne Blume sei,
Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vgel singen, tirlirelirei:
S Liebe liebt den Mai.  So nutzt die gegenwrtige Zeit,
Mit heisa und ha und juchheisa trala!
Denn Liebe lacht im Jugendkleid,
Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vgel singen, tirlirelirei:
S Liebe liebt den Mai.


Probstein.
Wahrhaftig, meine jungen Herren, obschon das Lied nicht viel sagen
wollte, so war die Weise doch sehr unmelodisch.

Erster Page.
Ihr irrt Euch, Herr, wir hielten das Tempo, wir haben die Zeit
genau in acht genommen.

Probstein.
Ja, meiner Treu!  ich knnte die Zeit auch besser in acht nehmen,
als ein solch albernes Lied anzuhren.  Gott befohlen!  und er
verleihe euch bere Stimmen.--Komm, Kthchen!

(Alle ab.)



Vierte Szene

Ein anderer Teil des Waldes

(Der Herzog.  Amiens, Jacques, Orlando, Oliver und Celia treten auf)


Herzog.
Und glaubst du denn, Orlando, da der Knabe
Dies alles kann, was er versprochen hat?

Orlando.
Zuweilen glaub ich's, und zuweilen nicht,
So wie, wer frchtet, hofft, und wei, er frchte.

(Rosalinde, Silvius und Phbe treten auf.)

Rosalinde.
Habt noch Geduld, indes wir den Vertrag
In Ordnung bringen, Herzog, Ihr erklrt,
Da, wenn ich Eure Rosalinde stelle,
Ihr dem Orlando hier sie geben wollt?

Herzog.
Ja, htt ich Knigreich' ihr mitzugeben.

Rosalinde (zu Orlando).
Ihr sagt, Ihr wollt sie, wenn ich sie Euch bringe?

Orlando.
Ja, wr ich aller Knigreiche Knig.

Rosalinde (zu Phbe).
Ihr sagt, Ihr wollt mich nehmen, wenn ich will?

Phbe.
Das will ich, strb ich gleich die Stunde drauf.

Rosalinde.
Wenn Ihr Euch aber weigert, mich zu nehmen,
Wollt Ihr Euch diesem treuen Schfer geben?

Phbe.
So ist der Handel.

Rosalinde (zu Silvius).
Ihr sagt, wenn Phbe will, wollt Ihr sie haben?

Silvius.
Ja, wr sie haben und der Tod auch eins.

Rosalinde.
Und ich versprach, dies alles auszugleichen.
O Herzog, haltet Wort, gebt Eure Tochter;
Orlando, haltet Eures, sie zu nehmen.
Ihr, Phbe, haltet Wort, heiratet mich:
Wenn Ihr mich ausschlagt, ehlicht diesen Schfer.
Ihr, Silvius, haltet Wort, heiratet sie,
Wenn sie mich ausschlgt--und von dannen geh ich,
Zu schlichten diese Zweifel.

(Rosalinde und Celia ab.)

Herzog.
An diesem Schferknaben fallen mir
Lebendge Zge meiner Tochter auf.

Orlando.
Mein Frst, das erste Mal, da ich ihn sah,
Schien mir's, er sei ein Bruder Eurer Tochter.
Doch, lieber Herr, der Knab ist waldgeboren
Und wurde unterwiesen in den Grnden
Verrufner Wissenschaft von seinem Oheim,
Den er als einen groen Zaubrer schildert,
Vergraben im Bezirke dieses Walds.
(Probstein und Kthchen kommen.)

Jacques.
Sicherlich ist eine neue Sndflut im Anzuge, und diese Paare
begeben sich in die Arche.  Da kommt ein Paar seltsamer Tiere, die
man in allen Sprachen Narren nennt.

Probstein.
Gru und Empfehlung euch allen!

Jacques.
Werter Frst, heit ihn willkommen; das ist der scheckicht gesinnte
Herr, den ich so oft im Walde antraf.  Er schwrt, er sei ein
Hofmann gewesen.

Probstein.
Wenn irgend jemand das bezweifelt, so lat ihn mich auf die Probe
stellen.  Ich habe mein Menuett getanzt, ich habe den Damen
geschmeichelt, ich bin politisch gegen meinen Freund gewesen und
geschmeidig gegen meinen Feind; ich habe drei Schneider zugrunde
gerichtet, ich habe vier Hndel gehabt und htte bald einen
ausgefochten.

Jacques.
Und wie wurde der ausgemacht?

Probstein.
Nun, wir kamen zusammen und fanden, der Handel stehe auf dem
siebenten Punkt.

Jacques.
Wie, siebenten Punkt?--Lobt mir den Burschen, mein gndiger Herr.

Herzog.
Er gefllt mir sehr.

Probstein.
Gott beht Euch, Herr!  ich wnsche das nmliche von Euch.  Ich
drnge mich hier unter die brigen lndlichen Paare, zu schwren
und zu verschwren, je nachdem der Ehestand bindet und Fleisch und
Blut bricht.  Eine arme Jungfer, Herr, ein bel aussehend Ding,
Herr, aber mein eigen; eine demtige Laune von mir, Herr, zu nehmen,
was sonst niemand will.  Reiche Ehrbarkeit, Herr, wohnt wie ein
Geizhals in einem armen Hause, wie eine Perle in einer garstigen
Auster.

Herzog.
Meiner Treu, er ist sehr behende und spruchreich.

Probstein.
Gem dem Spruch vom Narrenbolzen und derlei Lieblichkeiten.

Jacques.
Aber der siebente Punkt!  Wie fandet Ihr den Handel auf dem
siebenten Punkt?

Probstein.
Wegen einer siebenmal zurckgeschobenen Lge.--Halt dich grade,
Kthchen!--Nmlich so, Herr.  Ich konnte den Schnitt von eines
gewissen Hofmanns Bart nicht leiden; er lie mir melden, wenn ich
sagte, sein Bart wre nicht gut gestutzt, so wre er andrer Meinung:
das nennt man den (hflichen Bescheid.)  Wenn ich ihm wiedersagen
lie, er wre nicht gut gestutzt, so lie er mir sagen, er stutzte
ihn fr seinen eignen Geschmack: das nennt man den (feinen Stich.)
Sagte ich noch einmal, er wre nicht gut gestutzt, so erklrte er
mich unfhig, zu urteilen: das nennt man die (grobe Erwiderun)g.
Nochmals, er wre nicht gut gestutzt, so antwortete er, ich sprche
nicht wahr: das nennt man die (beherzte Abfertigung.)  Nochmals, er
wre nicht gut gestutzt, so sagte er, ich lge: das nennt man den
(trotzigen Widerspruch), und so bis zur (bedingten Lge) und zur
(offenbaren Lge.)

Jacques.
Und wie oft sagtet Ihr, sein Bart wre nicht gut gestutzt?

Probstein.
Ich wagte nicht, weiter zu gehn, als bis zur bedingten Lge, noch
er, mir die offenbare Lge zuzuschieben, und so maen wir unsre
Degen und schieden.

Jacques.
Knnt Ihr nun nach der Reihe die Grade nennen?

Probstein.
O Herr, wir streiten wie gedruckt nach dem Buch, so wie man
Komplimentierbcher hat.  Ich will Euch die Grade aufzhlen.  Der
erste der hfliche Bescheid; der zweite der feine Stich; der dritte
die grobe Erwiderung; der vierte die beherzte Abfertigung; der
fnfte der trotzige Widerspruch; der sechste die Lge unter
Bedingung; der siebente die offenbare Lge.  Aus allen diesen knnt
Ihr Euch herausziehen, auer der offenbaren Lge, und aus der sogar
mit einem bloen (Wenn.)  Ich habe erlebt, da sieben Richter einen
Streit nicht ausgleichen konnten, aber wie die Parteien
zusammenkamen, fiel dem einen nur ein Wenn ein; zum Beispiel:
("Wenn Ihr so sagt, so sage ich so"), und sie schttelten sich die
Hnde und machten Brderschaft.  Das Wenn ist der wahre
Friedensstifter; ungemeine Kraft in dem Wenn.

Jacques.
Ist das nicht ein seltner Bursch, mein Frst?  Er versteht sich auf
alles so gut und ist doch ein Narr.

Herzog.
Er braucht seine Torheit wie ein Stellpferd, um seinen Witz
dahinter abzuschieen.

(Hymen, mit Rosalinde in Frauenkleidern an der Hand, und Celia
treten auf.)

(Feierliche Musik.)

Hymen.
Der ganze Himmel freut sich,
Wenn irdscher Dinge Streit sich
In Frieden endet.
Nimm deine Tochter, Vater,
Die Hymen, ihr Berater,
Vom Himmel sendet;
Da du sie gebst in dessen Hand,
Dem Herz in Herz sie schon verband.

Rosalinde (zum Herzog).
Euch bergeb ich mich, denn ich bin Euer.

(Zu Orlando.)

Euch bergeb ich mich, denn ich bin Euer.

Herzog.
Trgt nicht der Schein, so seid Ihr meine Tochter.

Orlando.
Trgt nicht der Schein, so seid Ihr meine Rosalinde.

Phbe.
Ist's Wahrheit, was ich seh,
Dann--meine Lieb, ade!

Rosalinde (zum Herzog).
Ich will zum Vater niemand, auer Euch.

(Zu Orlando.)

Ich will zum Gatten niemand, auer Euch.

(Zu Phbe.)

Ich nehme nie ein Weib mir, auer Euch.

Hymen.
Still!  die Verwirrung end ich,
Die Wunderdinge wend ich
Zum Schlu, der schn sich fgt.
Acht mssen Hand in Hand
Hier knpfen Hymens Band,
Wenn nicht die Wahrheit lgt.

(Zu Orlando und Rosalinde.)

Euch und Euch trenn nie ein Leiden;

(Zu Oliver und Celia.)

Euch und Euch kann Tod nur scheiden;

(Zu Phbe.)

Ihr mt seine Lieb erkennen,
Oder ein Weib Gemahl benennen;

(Zu Probstein und Kthchen.)

Ihr und Ihr seid euch gewi,
Wie der Nacht die Finsternis.
Weil wir Hochzeitschre singen,
Fragt euch satt nach diesen Dingen,
Da euer Staunen sei verstndigt,
Wie wir uns trafen, und dies endigt.

Lied.
Ehstand ist der Juno Krone:
O selger Bund von Tisch und Bett!
Hymen bevlkert jede Zone,
Drum sei die Eh verherrlichet.
Preis, hoher Preis und Ruhm zum Lohne
Hymen, dem Gotte jeder Zone!

Herzog.
O liebe Nichte, sei mir sehr willkommen!
Als Tochter, nichts Geringres, aufgenommen.

Phbe (zu Silvius).
Ich breche nicht mein Wort: du bist nun mein;
Mich ntigt deine Treue zum Verein.

(Jacques de Boys tritt auf.)

Jacques de Boys.
Verleiht fr ein paar Worte mir Gehr:
Ich bin der zweite Sohn des alten Roland,
Der Zeitung diesem schnen Kreise bringt.
Wie Herzog Friedrich hrte, tglich strmten
Zu diesem Walde Mnner von Gewicht,
Warb er ein mchtig Heer; sie brachen auf,
Von ihm gefhrt, in Absicht, seinen Bruder
Zu fangen hier und mit dem Schwert zu tilgen.
Und zu dem Saume dieser Wildnis kam er,
Wo ihm ein alter, heilger Mann begegnet,
Der ihn nach einigem Gesprch bekehrt
Von seiner Unternehmung und der Welt.
Die Herrschaft lt er dem vertriebnen Bruder,
Und die mit ihm Verbannten stellt er her
In alle ihre Gter.  Da dies Wahrheit,
Verbrg ich mit dem Leben.

Herzog.
Willkommen, junger Mann!
Du steuerst kostbar zu der Brder Hochzeit:
Dem einen vorenthaltne Lnderein,
--Ein ganzes Land, ein Herzogtum, dem andern.
Zuerst lat uns in diesem Wald vollenden,
Was hier begonnen ward und wohl erzeugt;
Und dann soll jeder dieser frohen Zahl,
Die mit uns herbe Tag und Ncht erduldet,
Die Wohltat unsers neuen Glckes teilen,
Wie seines Ranges Ma es mit sich bringt.
Doch jetzt verget die neue Herrlichkeit,
Bei dieser lndlich frohen Lustbarkeit.
Spiel auf, Musik!--Ihr Brutigam' und Brute,
Schwingt euch zum Tanz im berschwang der Freude.

Jacques.
Herr, mit Erlaubnis:--hab ich recht gehrt,
So tritt der Herzog in ein geistlich Leben
Und lt die Pracht des Hofes hinter sich.

Jacques de Boys.
Das tut er.

Jacques.
So will ich zu ihm.  Diese Neubekehrten,
Sie geben viel zu hren und zu lernen.

(Zum Herzog.)

Euch, Herr, vermach ich Eurer vorgen Wrde;
Durch Tugend und Geduld verdient Ihr sie;

(Zu Orlando.)

Euch einer Liebsten, Eurer Treue wert;

(Zu Oliver.)

Euch Eurem Erb und Braut und mchtgen Freunden;

(Zu Silvius)

Euch einem lang und wohlverdienten Ehbett;

(Zu Probstein.)

Und Euch dem Zank: denn bei der Liebesreise
Hast du dich auf zwei Monat nur versehn
Mit Lebensmitteln.--Seid denn guter Dinge!
Ich bin fr andre als fr Tnzersprnge.

Herzog.
Bleib, Jacques, bleib!

Jacques.
Zu keiner Lustbarkeit;--habt Ihr Befehle,
So schickt sie mir in die verlane Hhle.

(Ab.)

Herzog.
Wohlan!  wohlan!  begeht den Feiertag:
Beginnt mit Lust, was glcklich enden mag.

(Ein Tanz.)





Epilog

Rosalinde.
Es ist nicht hergebracht, die Heldin als Epilog zu sehen; aber
es ist nicht unziemlicher, als den Helden als Prolog zu erblicken.
Ist es wahr, da "der gute Wein keines Kranzes bedarf", so ist
es auch wahr, da ein gutes Stck keinen Epilog ntig hat; doch
braucht man beim guten Wein gute Krnze, und gute Stcke werden
durch gute Epiloge nur um so besser.  In welcher Lage bin ich denn
nun, da ich weder ein guter Epilog bin, noch fr ein gutes Stck
eure Gunst zu gewinnen habe?  Ich bin reicht wie eine Bettlerin
gekleidet, darum wrde mir Betteln nicht geziemen; so verlege ich
mich aufs Beschwren, und ich will mit den Frauen den Anfang
machen.  Ich beschwre euch, o ihr Frauen, bei der Liebe, die ihr
zu den Mnnern tragt, lat euch von dem Stcke soviel gefallen,
als euch gut dnkt; und ich beschwre euch, o ihr Mnner, bei der
Liebe, die ihr zu den Frauen tragt (und euer vergngtes Grinsen
sagt mir, keiner von euch hat sie), da euch zusammen mit den
Frauen das Stck gefallen mge.  Wre ich eine Frau, so wollte ich
so viele von euch kssen, als Brte htten, die mir gefielen,
Gesichter, die mir zusagten, und einen Atem, der mir nicht zuwider
wre; und ich bin gewi, alle, die gute Brte, Antlitze und
angenehmen Atem haben, werden fr mein freundliches Anerbieten,
indem ich meine Verbeugung mache, mir Lebewohl sagen.

(Geht ab.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Wie es euch gefllt, von
William Shakespeare (bersetzt von August Wilhelm von Schlegel)






End of Project Gutenberg's Wie es euch gefllt, by William Shakespeare

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