The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

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Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14.

Author: Thomas Babington Macaulay

Release Date: March 6, 2016 [EBook #51378]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                     Thomas Babington Macaulay's




                        Geschichte von England
                               seit der
                 Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.


                         Aus dem Englischen.

                     Vollstndige und wohlfeilste
                         ^Stereotyp-Ausgabe^.

                           Siebenter Band:
                    enthaltend Kapitel 13 und 14.

                            Leipzig, 1856.
                           G. H. Friedlein.




                         Dreizehntes Kapitel.
                          Wilhelm und Marie.


Inhalt.

                                                                   Seite
   Die Revolution in Schottland heftiger als in England                5
   Wahlen fr die Convention                                           6
   Mihandlung des Episkopalklerus                                     6
   Zustand von Edinburg                                                9
   Die Frage einer Union zwischen England und Schottland in            9
      Anregung gebracht
   Wunsch der englischen Niederkirchlichen, das Episkopat in          13
      Schottland beizubehalten
   Ansichten Wilhelm's ber das kirchliche Regiment in Schottland     13
   Comparative Strke der religisen Parteien in Schottland           15
   Schreiben von Wilhelm an die schottische Convention                16
   Wilhelm's Instructionen fr seine Agenten in Schottland            16
   Die Dalrymple                                                      16
   Melville                                                           18
   Jakob's Agenten in Schottland: Dundee, Balcarras                   19
   Zusammentritt der Convention                                       21
   Hamilton zum Prsidenten erwhlt                                   22
   Wahlausschu                                                       23
   Das Schlo von Edinburg zur Uebergabe aufgefordert                 23
   Dundee von den Covenanters bedroht                                 24
   Schreiben von Jakob an die Convention                              25
   Wirkung von Jakob's Schreiben                                      26
   Dundee's Flucht                                                    27
   Tumultuarische Sitzung der Stnde                                  28
   Ein Ausschu zur Entwerfung eines Regierungsplanes ernannt         29
   Vom Ausschu vorgeschlagene Beschlsse                             31
   Wilhelm und Marie proklamirt                                       32
   Die Rechtsforderung                                                32
   Abschaffung des Episkopats                                         32
   Die Folter                                                         33
   Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an                 35
   Unzufriedenheit der Covenanters                                    36
   Ministerielle Einrichtungen in Schottland                          37
   Hamilton                                                           37
   Crawford                                                           37
   Die Dalrymple. -- Lockhart                                         38
   Montgomery                                                         38
   Melville                                                           38
   Carstairs                                                          39
   Bildung des Clubs; Annandale, Ro                                  39
   Hume                                                               39
   Fletcher von Saltoun                                               40
   In den Hochlanden bricht Krieg aus                                 40
   Zustand der Hochlande                                              40
   Eigenthmlicher Character des Jakobitismus in den Hochlanden       49
   Eifersucht auf den Einflu der Campbells                           50
   Die Stewarts und Macnaghtens                                       52
   Die Macleans                                                       53
   Die Camerons; Lochiel                                              53
   Die Macdonalds                                                     55
   Fehde zwischen den Macdonalds und den Mackintoshs. Inverne        56
   Inverne wird von Macdonald von Keppoch bedroht                    57
   Dundee erscheint in Keppoch's Lager                                58
   Aufstand der den Campbells feindlichen Clans                       60
   Tarbet's Rath fr die Regierung                                    61
   Unentschiedener Feldzug in den Hochlanden                          62
   Militrischer Character der Hochlnder                             63
   Zwistigkeiten in der hochlndischen Armee                          67
   Dundee sucht bei Jakob um Untersttzung nach                       68
   Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden                         69
   Bedenklichkeiten der Covenanters, fr Knig Wilhelm die Waffen     69
      zu ergreifen
   Aushebung des Cameron'schen Regiments                              70
   Uebergabe des Schlosses von Edinburg                               71
   Parlamentssession in Edinburg                                      72
   Einflu des Clubs                                                  72
   Unruhen in Athol                                                   74
   Der Krieg bricht in den Hochlanden wieder aus                      76
   Dundee's Tod                                                       81
   Mackay's Rckzug                                                   82
   Eindruck der Schlacht von Killiecrankie                            83
   Vertagung des schottischen Parlaments                              83
   Die hochlndische Armee verstrkt                                  86
   Gefecht bei St. Johnston's                                         87
   Unordnung in der hochlndischen Armee                              88
   Mackay's Rath wird von den schottischen Ministern nicht            89
      beachtet
   Die Camerons werden nach Dunkeld verlegt                           89
   Die Hochlnder greifen das Regiment Cameron an                     90
   Auflsung der hochlndischen Armee                                 91
   Intriguen des Clubs, Zustand des Niederlandes                      91


Die Revolution in Schottland heftiger als in England.

Die Heftigkeit der Revolutionen steht gewhnlich im Verhltnis mit der
Schwere der Regierungssnden, welche sie herbeigefhrt haben. Es kann
daher nicht Wunder nehmen, da die Regierung von Schottland, welche seit
vielen Jahren despotischer und verderbter gewesen war als die von
England, mit einem weit heftigeren Sturze fiel. In England war die
Bewegung gegen den letzten Knig des Hauses Stuart conservativ, in
Schottland war sie destructiv. Die Englnder beschwerten sich nicht ber
das Gesetz, sondern ber die Verletzung des Gesetzes; sie erhoben sich
gegen den ersten Beamten des Staats lediglich, um die Suprematie des
Gesetzes zur Geltung zu bringen, und sie waren zum grten Theil treue
Anhnger der durch das Gesetz eingefhrten Landeskirche. Selbst bei
Anwendung des auergewhnlichen Heilmittels, zu welchem sie durch eine
auergewhnliche Lage zu greifen gezwungen worden waren, wichen sie so
wenig als mglich von den durch das Gesetz vorgeschriebenen ordentlichen
Formen ab. Die zu Westminster tagende Convention war, obwohl durch
unregelmige Ausschreiben einberufen, genau nach dem Muster eines
regelmigen Parlaments constituirt. Niemand wurde aufgefordert, einen
Platz im Oberhause einzunehmen, dessen Berechtigung, darin zu sitzen,
nicht klar war. Die Abgeordneten der Grafschaften und Burgflecken wurden
durch die nmlichen Whler gewhlt, welche berechtigt gewesen
sein wrden, die Mitglieder fr ein unter dem groen Siegel
einberufenes Haus der Gemeinen zu whlen. Die Wahlrechtstitel des
Vierzigschilling-Freisassen, des Steuern zahlenden Angesessenen, des
Pchters, des Wahlbrgers von London, des Magisters der freien Krfte in
Oxford wurden respectirt. Die Gesinnung der Wahlkrper wurde mit eben so
wenig Zwang von Seiten des groen Haufens und mit eben so wenig Arglist
von Seiten der Wahlbeamten ausgeforscht, wie bei irgend einer
allgemeinen Wahl der damaligen Zeit. Als endlich die Stnde
zusammentraten, fanden ihre Verhandlungen in vollkommener Freiheit und
genau nach den althergebrachten Formen statt. Nach Jakob's erster Flucht
herrschte allerdings in London und in einigen Theilen des platten Landes
eine beunruhigende Anarchie. Aber diese Anarchie dauerte nirgends lnger
als achtundvierzig Stunden. Von dem Tage, an welchem Wilhelm im St.
Jamespalast ankam, hatten selbst die unpopulrsten Agenten der
gestrzten Regierung, selbst die Diener der rmisch-katholischen Kirche,
von der Wuth des Pbels nichts mehr zu frchten.

In Schottland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort war das
Gesetz selbst ein Gegenstand der Beschwerde und Jakob hatte sich durch
ausdrckliche Anwendung desselben vielleicht mehr Unpopularitt
zugezogen als durch Verletzung desselben. Die gesetzlich eingefhrte
Landeskirche war die verhateste Institution des ganzen Reichs. Die
Tribunale hatten einige so emprende Urtheilssprche gefllt und das
Parlament einige so bedrckende Verordnungen erlassen, da, wenn diese
Urtheilssprche und diese Verordnungen nicht fr ungltig erklrt
wurden, nicht daran zu denken war, eine Convention zusammenzubringen,
welche sich die ffentliche Achtung erzwang und der Ausdruck der
ffentlichen Meinung war. Es stand zum Beispiel kaum zu erwarten, da
die Whigs in dieser Zeit ihrer Macht es sich ruhig gefallen lassen
wrden, ihr erbliches Oberhaupt, den Sohn eines Mrtyrers und Enkel
eines Mrtyrers, von dem Parlamentshause, in welchem neun seiner
Vorfahren als Earls von Argyle gesessen hatten, ausgeschlossen zu sehen,
ausgeschlossen durch ein richterliches Erkenntni, ber welches das
ganze Knigreich emprt war. Noch weniger lie sich erwarten, da sie
die Wahl der Vertreter von Grafschaften und Stdten den Vorschriften des
bestehenden Gesetzes gem vornehmen lassen wrden. Denn nach dem
bestehenden Gesetz konnte kein Whler seine Stimme abgeben, ohne
geschworen zu haben, da er sich von dem Covenant lossage und in
kirchlichen Angelegenheiten das Supremat des Knigs anerkenne.[1] Einen
solchen Eid aber konnte kein strenger Presbyterianer leisten, und wenn
derselbe verlangt worden wre, so wrden die Wahlkrper nichts als
kleine Gesellschaften von Prlatisten gewesen sein, die Sorge fr
Sicherheitsmaregeln gegen Bedrckung wre den Bedrckern berlassen
geblieben, und die groe Partei, die an der Durchfhrung der Revolution
den thtigsten Antheil genommen, wrde in einer aus der Revolution
hervorgegangenen Versammlung nicht einen einzigen Vertreter gehabt
haben.[2]

Wilhelm sah ein, da er nicht daran denken durfte, den Gesetzen
Schottland's die strenge Achtung zu Theil werden zu lassen, die er
kluger- und rechtschaffnerweise den Gesetzen England's erwiesen hatte.
Es war durchaus notwendig, da er Kraft seiner eignen Autoritt
bestimmte, wie die Convention, welche in Edinburg zusammentreten sollte,
zu whlen sein wrde, und da er sich selbst die Befugni ertheilte,
einige Erkenntnisse und einige Gesetze zu annulliren. In Folge dessen
entbot er mehrere Lords in das Parlament, die durch Urtheilssprche,
welche die allgemeine Stimme laut als ungerecht verdammte, ihrer
Ehrenstellen beraubt worden waren, und nahm es auf sich, die Verordnung
zu ignoriren, welche den Presbyterianern das Wahlrecht entzog.


Wahlen fr die Convention.

Die Folge davon war, da die Wahl fast aller Grafschafts- und
Burgfleckenvertreter auf Whigcandidaten fiel. Die geschlagene Partei
beklagte sich laut ber unehrliches Spiel, ber die Rohheit des Pbels
und ber die Parteilichkeit der prsidirenden Magistratspersonen, und
diese Klagen waren in vielen Fllen wohlbegrndet. Unter Regenten wie
Lauderdale und Dundee lernen die Nationen nicht Gerechtigkeit und
Migung.[3]


Mihandlung des Episkopalklerus.

Das so lange und so streng niedergehaltene Volksgefhl brach brigens
nicht bei den Wahlen allein mit Heftigkeit hervor. Die Kpfe und Hnde
der Whigmrtyrer wurden von den Thoren Edinburg's herabgenommen, von
zahlreichen Volkshaufen in Procession nach den Gottesckern getragen und
mit feierlicher Ehrfurcht zur Erde bestattet.[4] Es htte noch sein
mgen, wenn die ffentliche Begeisterung sich in keiner tadelnswertheren
Form geuert htte. Leider aber wurde in einem groen Theile
Schottland's der Klerus der Landeskirche gemihandelt.[5] Der Beginn
dieses Unwesens war auf den Christmorgen festgesetzt, denn nichts
rgerte die strengen Covenanters mehr als die Ehrfurcht, mit der der
Prlatist die alten Feiertage der Kirche heiligte. Da diese Ehrfurcht
bis zum Lcherlichen bertrieben werden kann, ist allerdings wahr. Ein
Philosoph wird sich vielleicht zu der Ansicht hinneigen, da das
entgegengesetzte Extrem nicht minder lcherlich sei und wird fragen,
warum die Religion den Beistand von Glaubensgesellschaften zurckweisen
soll, die es in jeder Nation giebt, welche civilisirt genug ist, um eine
Zeitrechnung zu haben, und von denen die Erfahrung gezeigt hat, da sie
eine gewaltige und oft heilsame Wirkung ausben. Der Puritaner, der im
im allgemeinen nur zu bereit war, Prcedenzfllen und Analogien aus der
Geschichte und Rechtswissenschaft der Juden zu folgen, wrde im Alten
Testament ganz eben so triftige Argumente fr das Abhalten von Festtagen
zu Ehren groer Ereignisse, wie fr die Ermordung von Bischfen und fr
die Verweigerung des Pardons gegen Gefangene gefunden haben. Von seinem
Meister Calvin lernte er gewi nicht, solche Festtage verabscheuen, denn
in Folge der energischen Bemhungen Calvin's wurde das Weihnachtsfest
nach einer mehrjhrigen Pause von den Brgern von Genf wieder
gefeiert.[6] Allein in Schottland waren Calvinisten ans Licht getreten,
die sich zu Calvin verhielten, wie Calvin zu Laud. Diesen starren
Fanatikern war ein Feiertag ein Gegenstand des positiven Abscheus und
Hasses. Sie fuhren noch lange fort, in ihren feierlichen Manifesten es
zu den Snden zu zhlen, welche dereinst ein furchtbares Strafgericht
ber das Land bringen wrden, da der Court of Session in der letzten
Decemberwoche Ferien mache.[7]

Am Weihnachtstage versammelten sich daher die Covenanters auf
Verabredung bewaffnet auf verschiedenen Punkten der westlichen
Grafschaften. Jede einzelne Schaar zog dann nach dem nchsten Pfarrhause
und plnderte den Keller und die Vorrathskammer des Geistlichen, welche
zu dieser Zeit des Jahres wahrscheinlich besser gefllt waren als sonst.
Der Priester Baal's wurde geschmht und insultirt, zuweilen geschlagen,
andere Male unter Wasser getaucht. Seine Mbeln wurden aus dem Fenster
geworfen, seine Frau und seine Kinder aus dem Hause in den Schnee
getrieben. Dann wurde er auf den Marktplatz gefhrt und eine Zeit lang
zur Schau ausgestellt, wie ein Missethter. Sein Priestergewand wurde
ihm auf dem Leibe in Stcken zerrissen; hatte er ein Gebetbuch bei sich,
so wurde es verbrannt, und endlich entlie man ihn mit der Weisung, nie
wieder in dem Kirchspiele zu fungiren, wenn ihm sein Leben lieb sei.
Nach solchergestalt vollbrachtem Reformationswerke verschlossen die
Reformatoren die Kirche und nahmen die Schlssel mit sich. Um diesen
Leuten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, mu man bekennen, da sie in
einem Grade unterdrckt worden waren, der ihre Gewaltthtigkeit zwar
nicht rechtfertigen, aber wenigstens entschuldigen kann, und da sie,
obgleich roh bis zur Brutalitt, sich doch nie eines absichtlichen
Verbrechens gegen Leib oder Leben ihrer Feinde schuldig machten.[8]

Die Unordnung verbreitete sich rasch. In Ayrshire, Clydesdale,
Nithisdale und Annandale erhielt jedes Kirchspiel einen Besuch von
diesen ungestmen Zeloten. Ungefhr zweihundert Curaten -- so nannte man
die bischflichen Pfarrgeistlichen -- wurden vertrieben. Die gesetzteren
Covenanters billigten zwar den Eifer ihrer aufrhrerischen Brder,
frchteten aber, da ein so ordnungswidriges Verfahren Aergerni geben
knnte, und erfuhren zu ihrem groen Leidwesen, da hier und da ein
Achan die gute Sache geschndet, indem er sich erniedrigt hatte, die
Cananiter, die er nur hatte schlagen sollen, auszuplndern. Es wurde ein
allgemeines Meeting von Geistlichen und Aeltesten ausgeschrieben, um
solchen Excessen vorzubeugen. In diesem Meeting wurde beschlossen, da
in Zukunft die Vertreibung der protestantischen Geistlichen
in ceremoniserer Weise stattfinden sollte. Es wurde ein
Benachrichtigungsformular aufgesetzt und jedem Curaten in den westlichen
Niederlanden zugesandt, der noch nicht gemihandelt ^(rabbled)^ worden
war. Diese Benachrichtigung war nichts Andres als ein Drohbrief, der ihm
befahl, sein Kirchspiel gutwillig zu verlassen, widrigenfalls er mit
Gewalt aus demselben vertrieben werden wrde.[9]

Die schottischen Bischfe sendeten in groer Angst den Dechant von
Glasgow nach Westminster, um dort die Sache ihrer verfolgten Kirche zu
fhren. Die von den Covenanters verbten Gewaltthtigkeiten erregten in
hohem Grade den Unwillen Wilhelm's, der im Sden der Insel selbst
Benedictiner und Franciscaner gegen Insulten und Beraubungen geschtzt
hatte. Obgleich er aber auf Ersuchen einer groen Anzahl schottischer
Cavaliere und Gentlemen die ausbende Verwaltung dieses Knigreichs
bernommen hatte, so standen ihm doch die Mittel nicht zu Gebote, die
Ordnung daselbst aufrecht zu erhalten. Er hatte nicht ein einziges
Regiment nrdlich vom Tweed, ja berhaupt keine Truppen innerhalb vieler
Meilen von diesem Flusse. Es wre vergebens gewesen zu hoffen, da bloe
Worte eine Nation beruhigen wrden, welche zu keiner Zeit leicht im
Zaume zu halten gewesen und die jetzt von Hoffnungen und Rachegelsten
erfllt war, wie groe Revolutionen, welche auf heftige Bedrckungen
folgen, sie ganz natrlich erzeugen mssen. Es wurde indessen eine
Proklamation erlassen, welche anordnete, da Jedermann die Waffen
niederlegen und da den Geistlichen der Staatskirche gestattet sein
solle, unbehelligt auf ihren Pfarren zu bleiben, bis die Convention die
Regierung festgestellt haben wrde. Da aber diese Proklamation nicht
durch Truppen untersttzt war, so wurde sie wenig beachtet. Den ersten
Tag nach ihrem Erscheinen in Glasgow wurde die ehrwrdige Kathedrale
dieser Stadt, fast die einzige schne Kirche aus dem Mittelalter, welche
in Schottland sich unversehrt erhalten hat, von einem Haufen
Presbyterianer aus den Versammlungshusern angegriffen, dem sich auch
viele wildere Glaubensbrder aus den Hochlanden angeschlossen hatten. Es
war Sonntag; aber eine Versammlung von Prlatisten zu mihandeln wurde
als ein Werk der Nothwendigkeit und der Gnade betrachtet. Die
Andchtigen wurden auseinandergetrieben, geschlagen und mit Schneebllen
geworfen; ja es wurde sogar versichert, da einige Verwundungen durch
gefhrlichere Waffen vorgekommen seien.[10]


Zustand von Edinburg.

In Edinburg, dem Sitze der Regierung, war vollkommene Anarchie. Das
Schlo, welches die ganze Stadt beherrschte, wurde durch den Herzog von
Gordon noch immer fr Jakob behauptet. Die groe Masse des Volks bestand
aus Whigs. Das Justizcollegium, ein groer juristischer Verein,
zusammengesetzt aus Richtern, Advokaten, Kanzleisekretren und Anwlten,
war die Veste des Toryismus, denn ein strenger Testeid hatte seit
einigen Jahren die Presbyterianer von allen Zweigen des Juristenberufs
ausgeschlossen. Die Juristen, einige hundert an Zahl, bildeten ein
Infanteriebataillon und hielten eine Zeitlang die Menge wirksam nieder.
Sie hatten jedoch soviel Achtung vor Wilhelm's Autoritt, da sie sich
beim Erscheinen seiner Proklamation auflsten. Aber das von ihnen
gegebene Beispiel des Gehorsams fand keine Nachahmung. Kaum hatten sie
die Waffen niedergelegt, so fanden sich Covenanters aus dem Westen,
welche alle Curaten in ihrer Gegend weidlich maltraitirt hatten, in
Haufen von zehn bis zwanzig Mann in Edinburg ein, um die Convention zu
beschtzen oder auch, wenn es nthig sein sollte, einzuschchtern.
Glasgow allein schickte vierhundert solcher Leute. Es konnte kaum einem
Zweifel unterliegen, da sie von einem hochangesehenen Fhrer geleitet
wurden. Sie zeigten sich wenig ffentlich, aber es war bekannt, da
jeder Keller mit ihnen angefllt war und es stand wohl zu befrchten,
da sie auf das erste Signal aus ihren Hhlen hervorkommen und bewaffnet
das Parlament umgeben wrden.[11]


Die Frage einer Union zwischen England und Schottland in Anregung
gebracht.

Man htte erwarten sollen, da jeder patriotische und einsichtsvolle
Schotte sehnlichst wnschen werde, die Aufregung beschwichtigt und eine
Regierung befestigt zu sehen, die im Stande war, das Eigenthum zu
schtzen und dem Gesetze Ansehen zu verschaffen. Eine unvollkommene
Organisation, welche rasch zu bewerkstelligen war, konnte in den Augen
eines solchen Mannes wohl einer vollkommenen Organisation vorzuziehen
sein, welche nur mit der Zeit mglich war. Gerade in diesem Augenblicke
jedoch warf eine an Zahl wie an Befhigung starke Partei eine neue und
hochwichtige Frage auf, welche nicht unwahrscheinlich das Interregnum
bis zum Herbste hinziehen mute. Diese Partei verlangte, da die Stnde
Wilhelm und Marien nicht sogleich zum Knig und zur Knigin erklren,
sondern England einen Unionstractat vorschlagen und den Thron so lange
vacant lassen sollten, bis ein solcher Vertrag unter vortheilhaften
Bedingungen fr Schottland abgeschlossen sein wrde.[12]

Es mag auffallend erscheinen, da ein groer Theil eines Volks, dessen
oft in heroischer, zuweilen auch in komischer Gestalt sich uernder
Patriotismus sprchwortlich geworden ist, sich so geneigt, ja sogar
ungeduldig zeigte, eine Unabhngigkeit aufzugeben, welche Jahrhunderte
lang ber Alles hoch gehalten und mannhaft vertheidigt worden war.
Allein der hartnckige Muth, den die Waffen der Plantagenets und der
Tudors nicht zu brechen vermocht, hatte angefangen, sich unter einer
ganz andren Gewalt zu beugen. Zollhuser und Tarife bewirkten bald was
das Blutbad von Falkirk und Halidon, von Flodden und Pinkie nicht hatten
bewirken knnen. Schottland hatte einige Erfahrung in den Folgen einer
Union. Es war vor beinahe vierzig Jahren mit England unter Bedingungen
vereinigt gewesen, welche das von Siegesstolz aufgeblhte England zu
dictiren beliebte. Diese Union war in den Gemthern des besiegten Volks
mit den Begriffen Niederlage und Demthigung untrennbar verbunden. Und
doch hatte selbst diese Union, so schmerzlich sie auch den Stolz der
Schotten verwundet, ihren Aufschwung gefrdert. Cromwell hatte mit einer
zu seiner Zeit seltenen Einsicht und Liberalitt die vollkommenste
Handelsfreiheit zwischen dem dominirenden und dem untergebenen Lande
hergestellt. So lange er regierte, hemmte kein Verbot, kein Zoll den
Waarenverkehr zwischen irgend welchen Punkten der Insel. Seine
Schifffahrtsgesetze legten dem Handel Schottland's keine Beschrnkungen
auf. Es stand einem schottischen Fahrzeuge frei, eine schottische
Waarenladung nach Barbadoes zu bringen und Zucker von Barbadoes in den
Hafen von London einzufhren.[13] Deshalb war die Regentschaft des
Protectors der Industrie und dem physischen Wohle des schottischen Volks
frderlich gewesen. Obwohl es ihn hate und verwnschte, gedieh es doch
unwillkrlich unter ihm, und noch oft blickte es whrend der Verwaltung
seiner legitimen Frsten mit Sehnsucht zurck auf die goldenen Tage des
Usurpators.[14]

Die Restauration kam und vernderte Alles. Die Schotten erlangten ihre
Unabhngigkeit wieder und berzeugten sich bald, da die Unabhngigkeit
ebensowohl ihre Unannehmlichkeiten hat wie ihre Wrde. Das englische
Parlament behandelte sie als Fremdlinge und Nebenbuhler. Eine neue
Navigationsacte stellte sie auf fast gleiche Stufe mit den Hollndern.
Hohe und in einigen Fllen prohibitive Zlle wurden auf die Erzeugnisse
der schottischen Industrie gelegt. Es ist kein Wunder, da eine
ausnehmend betriebsame, kluge und unternehmende Nation, eine Nation,
die, nachdem sie lange durch einen unfruchtbaren Boden und durch ein
rauhes Klima in ihrer Entwickelung gehemmt worden war, eben jetzt trotz
dieser Nachtheile zu prosperiren begann und die ihren Fortschritt
pltzlich aufgehalten sah, sich fr grausam behandelt erachtete. Doch es
war nichts zu machen. Beschwerden waren vergebens und Repressalien
unmglich. Htte der Souverain auch den Wunsch gehabt, so hatte er doch
nicht die Macht, eine unparteiische Stellung zwischen seinem groen und
seinem kleinen Knigreiche zu behaupten, zwischen dem Knigreiche, aus
dem er ein Jahreseinkommen von anderthalb Millionen, und dem
Knigreiche, aus dem er ein Jahreseinkommen von wenig mehr als
sechzigtausend Pfund bezog. Er wagte es eben so wenig, einem den Handel
Schottland's beeintrchtigenden englischen Gesetz seine Genehmigung zu
verweigern, als einem den Handel England's beeintrchtigenden
schottischen Gesetz seine Genehmigung zu ertheilen.

Die Klagen der Schotten waren indessen so laut, da Karl im Jahre 1667
Commissare ernannte, welche die Bedingungen eines Handelstractats
zwischen den beiden britischen Knigreichen feststellen sollten. Die
Conferenzen wurden bald abgebrochen, und Alles was sich whrend ihrer
Dauer ereignete, bewies, da es nur ein Mittel gab, durch welches
Schottland einen Antheil an dem commerciellen Wohlstande erlangen
konnte, dessen sich England damals erfreute.[15] Die Schotten muten ein
Volk mit den Englndern werden, das Parlament, das bisher in Edinburg
getagt hatte, mute dem in Westminster tagenden Parlamente einverleibt
werden. Dieses Opfer mute von einem tapferen und stolzen Volke, das
seit zwlf Generationen die sdliche Oberherrschaft mit tdtlichem
Widerwillen betrachtet hatte und dem bei den Gedanken an den Tod
Wallace's und an die Siege Bruce's noch immer das Herz schwoll,
nothwendig mit tiefem Schmerze empfunden werden. Es gab allerdings viele
allzustrenge Patrioten, die sich einer Union entschieden widersetzt
haben wrden, selbst wenn sie htten voraussehen knnen, da eine solche
Glasgow zu einer greren Stadt als Amsterdam machen und die den
Lothians mit Feldern und Wldern, mit netten Farmhusern und stattlichen
Schlssern bedecken wrde. Aber es gab auch eine zahlreichere Klasse,
welche nicht geneigt war, groe und wesentliche Vortheile aufzugeben, um
bloe Namen und Ceremonien zu behalten, und der Einflu dieser Klasse
war so mchtig, da im Jahre 1670 das schottische Parlament England
directe Antrge machte.[16] Der Knig bernahm das Amt des Vermittlers
und auf beiden Seiten wurden Bevollmchtigte ernannt; aber es kam zu
keinem Abschlusse.

Nachdem die Frage achtzehn Jahre lang geruht hatte, wurde sie pltzlich
durch die Revolution wieder in Anregung gebracht. Verschiedene Klassen,
durch verschiedene Beweggrnde geleitet, trafen in diesem Punkte
zusammen. Mit Kaufleuten, welche gern die Vortheile des westindischen
Handels mitgenieen wollten, verbanden sich thtige und strebsame
Politiker, welche ihre Talente auf einer hervorragenderen Schaubhne als
dem schottischen Parlamentshause zu entfalten und aus einer reicheren
Quelle als dem schottischen Staatsschatze Reichthmer zu schpfen
wnschten. Der Ruf nach Union wurde durch einige schlaue Jakobiten
verstrkt, welche nur Zwietracht und Aufschub herbeizufhren wnschten
und welche diesen Zweck zu erreichen hofften, indem sie in die
schwierige Frage, deren Lsung die specielle Aufgabe der Convention war,
eine noch schwierigere Frage mischten. Es ist wahrscheinlich, da
Einige, denen die ascetischen Sitten und die strenge Kirchenzucht der
Presbyterianer nicht behagten, eine Union deshalb wnschten, weil sie
das einzige Mittel zur Aufrechthaltung der Prlatur im nrdlichen Theile
der Insel war. In einem vereinigten Parlamente muten die englischen
Mitglieder bedeutend berwiegen, und in England wurden die Bischfe von
der groen Mehrzahl der Bevlkerung hoch in Ehren gehalten. Die
bischfliche Kirche, das war klar, ruhte auf einer schmalen Grundlage
und mute bei dem ersten Angriffe fallen. Die bischfliche Kirche von
Grobritannien konnte eine hinreichend breite und feste Grundlage haben,
um allen Angriffen zu widerstehen.

Ob es im Jahre 1689 mglich gewesen wre, eine staatliche Union ohne
religise Union zu bewerkstelligen, darf wohl bezweifelt werden. Das
aber kann keinem Zweifel unterliegen, da eine religise Union eine der
grten Calamitten gewesen sein wrde, welche eines der beiden
Knigreiche treffen konnten. Die im Jahre 1707 zu Stande gebrachte Union
war allerdings ein groer Segen fr England wie fr Schottland. Aber sie
war deshalb ein Segen, weil sie, indem sie einen Staat bildete, zwei
Kirchen bestehen lie. Das politische Interesse der contrahirenden
Theile war das nmliche; aber der kirchliche Streit zwischen ihnen war
ein solcher, der keine Verstndigung zulie. Die Eintracht konnte daher
nur dadurch erhalten werden, da sie sich beide damit einverstanden
erklrten, gesondert zu bleiben. Htte eine Verschmelzung der
Hierarchien stattgefunden, so wrde eine Verschmelzung der Nationen
niemals mglich gewesen sein. Aufeinanderfolgende Mitchells wrden auf
aufeinanderfolgende Sharpe's geschossen haben; fnf Generationen von
Claverhouse's wrden fnf Generationen von Camerons ermordet haben. Die
erstaunlichen Verbesserungen, welche die Gestalt Schottland's verndert
haben, wrden nie zu Stande gekommen sein. Ebenen, die jetzt reiche
Ernten tragen, wrden unfruchtbare Smpfe geblieben sein. Wasserflle,
welche jetzt die Rder groartiger Fabriken treiben, wrden in einer
Wildni verrauscht sein. New Lanark wrde noch eine Schafweide, Greenock
noch ein Fischerdorf sein. Die geringe Kraft, welche Schottland unter
einem solchen System besessen haben wrde, htte bei einer Schtzung der
Hlfsquellen Grobritanniens nicht hinzugefgt, sondern abgerechnet
werden mssen. Mit einer solchen Brde belastet, htte unser Vaterland
niemals, weder im Frieden noch im Kriege, eine Stelle in der ersten
Reihe der Nationen einnehmen knnen. Leider fehlt es uns nicht an
Anhalten zur Beurtheilung der Wirkung, die es auf den moralischen und
physischen Zustand eines Volks hervorbringt, wenn eine Kirche, die nur
von der Minderheit geliebt und verehrt, von der Mehrheit aber mit
religisem und nationalem Widerwillen betrachtet wird, in den
ausschlielichen Genu von Reichthmern und Wrden gesetzt wird. Eine
einzige solche Kirche ist eine hinreichend drckende Last fr die Krfte
eines Reichs.


Wunsch der englischen Niederkirchlichen, das Episkopat in Schottland
beizubehalten.

Aber diese Dinge, welche uns, die wir durch eine bittere Erfahrung
belehrt worden sind, klar zu sein scheinen, waren im Jahre 1689 selbst
sehr toleranten und einsichtsvollen Staatsmnnern keineswegs klar. Den
englischen Niederkirchlichen war in der That wo mglich noch mehr als
den englischen Hochkirchlichen um Aufrechthaltung des Episkopats in
Schottland zu thun. Es ist eine auffallende Thatsache, da Burnet, der
stets beschuldigt wurde, da er das calvinistische Kirchenregiment im
Sden der Insel einfhren wolle, sich durch seine Bemhungen, die
Prlatur im Norden aufrecht zu erhalten, bei seinen Landsleuten sehr
unbeliebt machte. Er war allerdings im Irrthum, aber sein Irrthum ist
einer Ursache zuzuschreiben, die ihm keine Unehre macht. Sein
Lieblingsziel, ein Ziel, das zwar unerreichbar, aber wohl geeignet war,
einen groen Geist und ein wohlwollendes Herz zu fesseln, war schon seit
langer Zeit ein ehrenvolles Abkommen zwischen der anglikanischen Kirche
und den Nonconformisten. Er hielt es fr ein groes Unglck, da eine
Gelegenheit zur Herbeifhrung eines solchen Abkommens zur Zeit der
Restauration versumt worden war. Die Revolution schien ihm eine neue
Gelegenheit dazu zu bieten. Er und seine Freunde untersttzten eifrig
Nottingham's Comprehensionsbill und schmeichelten sich mit vergeblichen
Hoffnungen auf Erfolg. Aber sie sahen ein, da in einem der beiden
britischen Knigreiche schwerlich eine Comprehension stattfinden knne,
wenn nicht auch in dem andren eine solche stattfinde. Ein Zugestndni
mute durch ein andres erkauft werden. Wenn der Presbyterianer sich
hartnckig weigerte, da wo er stark war, auf irgend welche
Vergleichsvorschlge zu hren, so mute es fast unmglich sein, da wo er
schwach war, liberale Vergleichsbedingungen fr ihn zu erlangen. Die
Bischfe muten daher ihre Sitze in Schottland behalten drfen, damit
Geistliche, welche nicht von Bischfen ordinirt waren, Rectorate und
Canonicate in England bekleiden durften.


Ansichten Wilhelm's ber das kirchliche Regiment in Schottland.

So waren die Sachen der Episkopalen im Norden und die Sache der
Presbyterianer im Sden in einer Weise mit einander verkettet, welche
selbst einen geschickten Staatsmann wohl in Verlegenheit setzen konnte.
Es war ein Glck fr unser Vaterland, da die Entscheidung der
hochwichtigen Frage, welche so viele heftige Leidenschaften aufregte und
die sich unter so verschiedenen Gesichtspunkten darstellte, einem Manne
wie Wilhelm oblag. Er hrte auf Episkopalen, auf Latitudinarier und
Presbyterianer, auf den Dechant von Glasgow, der die apostolische
Succession verfocht, auf Burnet, der die Gefahr, den anglikanischen
Klerus zu entfremden, schilderte, und auf Carstairs, der die Prlatur
mit dem Hasse eines Mannes hate, dessen Daumen tiefe Spuren von den
Schrauben der Prlatisten zeigten. Umgeben von diesen eifrigen
Advokaten, blieb Wilhelm ruhig und unparteiisch. Er eignete sich in der
That durch seine Stellung sowohl wie durch seine persnlichen
Eigenschaften vorzugsweise zum Schiedsrichter in diesem wichtigen
Streite. Er war der Knig eines prlatistischen Reiches und der hchste
Beamte einer presbyterianischen Republik. Seine Abgeneigtheit, die
anglikanische Kirche zu verletzen, deren Oberhaupt er war, und seine
Abgeneigtheit, die reformirten Kirchen des Continents zu verletzen, die
ihn als einen Vorkmpfer betrachteten, den Gott gesandt, um sie gegen
die franzsische Tyrannei zu beschtzen, hielten sich die Wage und
verhinderten ihn, sich ungebhrlich auf diese oder jene Seite zu neigen.
Seine Ueberzeugung war vollkommen neutral. Denn er war entschieden der
Meinung, da keine Form des Kirchenregiments gttlichen Ursprungs sei.
Er dissentirte eben so sehr von der Schule Laud's wie von der Schule
Cameron's, von den Mnnern, welche meinten, da es keine christliche
Kirche ohne Bischfe, und von den Mnnern, welche meinten, da es keine
christliche Kirche ohne Synoden geben knne. Welche Form des
Kirchenregiments zu whlen sei, war seiner Ueberzeugung nach nur eine
Frage der Zweckmigkeit. Er wrde wahrscheinlich ein Mittelding
zwischen den beiden rivalisirenden Systemen vorgezogen haben, eine
Hierarchie, in der die ersten geistlichen Wrdentrger etwas mehr als
Moderatoren und etwas weniger als Prlaten gewesen wren. Aber er war
ein viel zu einsichtsvoller Mann, als da er htte daran denken knnen,
eine solche Angelegenheit nach seinen persnlichen Neigungen zu ordnen.
Er beschlo daher, als Vermittler zu handeln, wenn sich auf beiden
Seiten Bereitwilligkeit zu einem Vergleiche zeigte. Sollte es sich aber
herausstellen, da die ffentliche Meinung in England und die
ffentliche Meinung in Schottland entschieden auseinandergingen, so
wollte er es nicht versuchen, eine der beiden Nationen zum Anschlu an
die Meinung der andren zu nthigen. Er wollte jeder von ihnen ihre eigne
Kirche lassen und sich darauf beschrnken, beide Kirchen von der
Verfolgung der Nonconformisten und von Eingriffen in die Functionen der
Civilbehrden abzuhalten.

Die Sprache, die er den schottischen Episkopalen gegenber fhrte,
welche ihm ihre Leiden klagten und um seinen Schutz baten, war
wohlberlegt und sehr vorsichtig, aber klar und freimthig. Er sagte, er
wnsche die Institution, an der sie so sehr hingen, wo mglich aufrecht
zu erhalten und zu gleicher Zeit derjenigen Partei, welche zu keiner
Abweichung von der presbyterianischen Urform zu bringen sei, vllige
Gewissensfreiheit zu gewhren. Aber die Bischfe muten auch darauf
bedacht sein, da sie es ihm nicht durch ihre Uebereilung und
Hartnckigkeit unmglich machten, ihnen irgendwie ntzlich zu sein. Sie
muten sich klar bewut sein, da er entschlossen sei, Schottland nicht
mit dem Schwerte eine Form des Kirchenregiments aufzuzwingen, die es
verabscheue. Wenn es sich daher herausstellen sollte, da die Prlatur
nur mit Hlfe der Waffen aufrecht erhalten werden knne, so wrde er der
allgemeinen Gesinnung nachgeben und nur sein Mglichstes thun, damit es
der bischflichen Minoritt gestattet werde, Gott in Freiheit und
Sicherheit zu verehren.[17]


Comparative Strke der religisen Parteien in Schottland.

Es ist nicht wahrscheinlich da, selbst wenn die schottischen Bischfe,
wie Wilhelm anempfahl, Alles gethan htten, was der Milde und Klugheit
mglich war, um ihre Landsleute mit sich auszushnen, das Episkopat
unter irgend welcher vernderten Gestalt htte aufrecht erhalten werden
knnen. Es ist zwar von Schriftstellern der damaligen Generation
behauptet und von Schriftstellern unsrer Generation wiederholt worden,
da die Presbyterianer vor der Revolution nicht die Mehrheit der
Bevlkerung Schottland's gebildet htten.[18] In dieser Behauptung liegt
jedoch eine offenbare Tuschung. Die wirkliche Strke einer
Religionspartei darf nicht lediglich nach ihrer Kopfzahl bemessen
werden. Eine Landeskirche, eine dominirende Kirche, eine Kirche, die im
ausschlielichen Besitz der brgerlichen Ehren und Einknfte ist, wird
jederzeit unter ihren nominellen Mitgliedern viele zhlen, welche gar
keine Religion haben, viele, die zwar nicht ohne alle Religion sind,
sich aber um religise Streitigkeiten wenig kmmern und kein Bedenken
tragen, sich der eben bestehenden Art der Gottesverehrung zu
conformiren, und viele, die sich wegen des Conformirens zwar Bedenken
machen, deren Bedenken aber weltlichen Beweggrnden gewichen sind. Auf
der andren Seite hat jedes Mitglied einer unterdrckten Kirche eine
entschiedene Vorliebe fr diese Kirche. Von Jemandem, der zu den Zeiten
Diocletian's an der Feier der christlichen Mysterien Theil nahm, konnte
vernnftigerweise angenommen werden, da er fest an Christum glaube.
Aber es wrde ein groer Irrthum sein, wollte man glauben, da ein
einziger Pontifex oder Augur im rmischen Senat fest an Jupiter geglaubt
habe. Unter Mariens Regierung war Jedermann, der an den geheimen
Zusammenknften der Protestanten Theil nahm, ein wahrer Protestant; aber
Hunderttausende besuchten die Messe, von denen es sich schon in den
ersten Wochen nach Mariens Tode zeigte, da sie keine aufrichtigen
Katholiken waren. Wenn unter den Knigen des Hauses Stuart, wo ein
Presbyterianer von politischer Macht und wissenschaftlichen
Berufszweigen ausgeschlossen war, tglich von Angebern, von tyrannischen
Magistratsbeamten, oder von zgellosen Dragonern belstigt wurde und
Gefahr lief aufgehngt zu werden, wenn er eine Predigt unter freiem
Himmel anhrte, die Bevlkerung Schottland's sich nicht sehr ungleich in
Episkopale und Presbyterianer theilte, so lt sich vernnftigerweise
annehmen, da mehr als neunzehn Zwanzigstel von denjenigen Schotten,
deren Gewissen bei der Sache betheiligt war, Presbyterianer waren und
da von zwanzig Schotten nicht einer entschieden und aus Ueberzeugung
ein Episkopale war. Gegen ein solches Uebergewicht hatten die Bischfe
wenig Aussicht, und die geringe Aussicht, die sie etwa hatten, beeilten
sie sich abzuwerfen, Einige deshalb, weil sie der aufrichtigen Meinung
waren, ihre Unterthanenpflicht gehre noch immer Jakob, Andere
wahrscheinlich aus Besorgni, da Wilhelm, wenn er auch den Willen
htte, nicht die Macht haben wrde, ihnen zu helfen, und da nur eine
Contrerevolution im Staate einer Revolution in der Kirche vorbeugen
knne.


Schreiben von Wilhelm an die schottische Convention.

Da der neue Knig von England whrend der Sitzungen der schottischen
Convention nicht in Edinburg sein konnte, so wurde ein Schreiben von ihm
an die Stnde mit groer Geschicklichkeit entworfen. In diesem Dokumente
erklrte er seine warme Anhnglichkeit an die protestantische Religion,
sprach sich aber nicht ber diejenigen Fragen aus, bezglich welcher die
Ansicht der Protestanten getheilt war. Er sagte, er habe mit groer
Genugthuung bemerkt, da viele von den schottischen Cavalieren und
Gentlemen, mit denen er in London conferirt, zu einer Vereinigung der
beiden britischen Knigreiche geneigt seien. Er sehe ein, wie sehr eine
solche Vereinigung das Glck beider Lnder frdern wrde, und er werde
Alles thun was in seinen Krften stehe, damit ein so gutes Werk zu
Stande komme.


Wilhelm's Instructionen fr seine Agenten in Schottland.

Seinen confidentiellen Agenten in Edinburg mute er eine groe Freiheit
im Handeln gestatten. Die geheimen Instructionen, welche er diesen
Mnnern ertheilte, konnten daher nicht minutis sein, aber sie waren
hchst verstndig. Er beauftragte sie, die wahre Gesinnung der
Convention nach besten Krften zu ermitteln und sich durch dieselbe
leiten zu lassen. Sie sollten stets eingedenk sein, da der erste Zweck
die Befestigung der Regierung sei. Diesem Zwecke mute jeder andre,
selbst die Union, nachstehen. Ein Vertrag zwischen zwei mehrere
Tagereisen entfernten Legislaturen msse nothwendig das Werk der Zeit
sein und der Thron knne whrend der Dauer der Unterhandlungen nicht
fglich erledigt bleiben. Die Agenten Sr. Majestt mten daher ganz
besonders auf ihrer Hut sein gegen die Kunstgriffe von Leuten, welche
unter dem Vorwand, die Union zu frdern, thatschlich nur eine
Verlngerung des Interregnums beabsichtigten. Wenn die Convention
geneigt sein sollte, die presbyterianische Form des Kirchenregiments
einzufhren, so wnsche Wilhelm, da seine Freunde Alles aufbten, um
die siegende Religionspartei abzuhalten, fr die erlittenen Drangsale
Wiedervergeltung zu ben.[19]


Die Dalrymple.

Der Mann, durch dessen Rath sich Wilhelm damals in Sachen der
schottischen Politik hauptschlich leiten lie, war ein Schotte von
groen Fhigkeiten und Geistesgaben, Sir Jakob Dalrymple von Stair, der
Begrnder einer Familie, die sich in der Advokatur, auf der Richterbank,
im Senate, in der Diplomatie, in den Waffen und in der Literatur
auszeichnete, die sich aber auch durch Unglcksflle und Missethaten,
welche den Dichtern und Romanschreibern Stoff zu den schwrzesten und
herzzerreiendsten Geschichten geliefert, einen Namen gemacht hat. Sir
Jakob hatte schon mehr als einen sonderbaren und entsetzlichen Todesfall
zu betrauern gehabt. Eine seiner Tchter hatte ihren Brutigam in der
Hochzeitsnacht erstochen. Einer seiner Enkel war bei einem kindlichen
Spiele von einem andren getdtet worden. Boshafte Pamphletisten
behaupteten und ein Theil des aberglubischen Volks glaubte es, da so
entsetzliche Unflle die Folge einer gewissen Verbindung zwischen der
unglcklichen Familie und den Mchten der Finsterni sei. Sir Jakob
hatte einen schiefen Hals; dieses Unglck warf man ihm wie ein
Verbrechen vor und sagte, da er dadurch als ein fr den Galgen
bestimmter Mann gezeichnet sei. Seine Gattin, eine Frau von hoher
geistiger Begabung, Klugheit und Entschlossenheit, hatte vom Volke den
Spottnamen der Hexe von Endor erhalten. Es wurde allen Ernstes gesagt,
da sie auf Diejenigen, die sie hate, einen furchtbaren Zauber geworfen
und da man sie in der Gestalt einer Katze auf der Staatsdecke zur Seite
des Lordstatthalters habe sitzen sehen. Der Mann, auf dessen Dache ein
so mannichfacher Fluch zu lasten schien, stand jedoch, soweit wir dies
jetzt noch beurtheilen knnen, keineswegs auf einer viel tieferen Stufe
der Moralitt als die groe Mehrzahl der Staatsmnner seiner Zeit und
seiner Nation. An Seelenstrke und Kenntnissen war er ihnen Allen
berlegen. In seiner Jugend hatte er die Waffen getragen, dann war er
Professor der Philosophie gewesen, hatte hierauf die Rechte studirt und
war anerkanntermaen der grte Jurist, den sein Vaterland
hervorgebracht hat. In den Tagen des Protectorats war er Richter
gewesen. Nach der Restauration hatte er sich mit der kniglichen Familie
ausgeshnt, war Mitglied des Geheimraths geworden und hatte mit
unvergleichlicher Geschicklichkeit dem Court of Session prsidirt.
Allerdings hatte er an manchen nicht zu rechtfertigenden Handlungen
Theil genommen, aber eine gewisse Grenze berschritt er niemals. Er
besa ein merkwrdiges Talent, einem Satze, den zu behaupten er fr gut
fand, einen plausibeln Anschein von Gesetzlichkeit und selbst von
Gerechtigkeit zu geben, und dieses Talent mibrauchte er hufig. Aber er
war nicht wie viele von Denen, unter welchen er lebte, schamlos und
gewissenlos servil. Schamgefhl oder Gewissen hielten ihn in der Regel
ab, eine Schlechtigkeit zu begehen, fr die sein seltener Scharfsinn
nicht einen spezisen Vertheidigungsgrund ausfindig machen konnte, und
er fehlte gewhnlich an seinem Platze im Staatsrath, wenn eine emprende
Ungerechtigkeit oder Grausamkeit im Werke war. Seine Migung wurde dem
Hofe endlich unangenehm. Er wurde seines hohen Amtes entsetzt und befand
sich in einer so milichen Situation, da er sich nach Holland
zurckzog. Dort beschftigte er sich mit der Verbesserung des groen
juristischen Werks, das seinen Namen bis auf unsre Zeit in frischem
Andenken erhalten hat. In seinem Exil bemhte er sich, die Gunst seiner
Mitverbannten zu gewinnen, die ihn natrlich mit Argwohn betrachteten.
Er betheuerte, und vielleicht war dem wirklich so, da seine Hnde rein
seien vom Blute der verfolgten Covenanters. Er trug eine groe
Religiositt zur Schau, betete viel und beobachtete allwchentlich Fast-
und Kasteiungstage. Nach langem Zaudern willigte er sogar ein, das
unglckliche Unternehmen Argyle's mit seinem Rathe und Ansehen zu
untersttzen. Als dieses Unternehmen gescheitert war, wurde Dalrymple in
Edinburg der Proze gemacht, und seine Gter wrden ohne allen Zweifel
confiscirt worden sein, htte man sie nicht durch einen Kunstgriff
gerettet, der in der Folge unter den schottischen Staatsmnnern sehr
gewhnlich wurde. Sein ltester Sohn und muthmalicher Erbe, Johann,
trat auf die Seite der Regierung, untersttzte das Dispensationsrecht,
erklrte sich gegen den Test und nahm die Stelle des Lord Advokaten an,
als Sir Georg Mackenzie, nachdem er zehn Jahre entehrender Plackerei auf
diesem Posten ausgeharrt, endlich Zeichen der Erschlaffung blicken lie.
Die Dienste des jungen Dalrymple wurden mit Erlassung, der
Vermgensconfiscation belohnt, der sich der ltere durch seine Vergehen
ausgesetzt hatte. Diese Dienste waren allerdings auch nicht zu
verachten, denn obwohl Sir John an Tiefe und Umfang der juristischen
Kenntnisse seinem Vater nachstand, war er doch kein gewhnlicher Mensch.
Er besa eine vielseitige Bildung, einen scharfen Verstand und eine
ungemein schlagende und elegante Beredtsamkeit. Auf Frmmigkeit machte
er keinen Anspruch. Episkopalen und Presbyterianer stimmten in der That
darin berein, da sie ihn fr wenig besser als einen Atheisten hielten.
Einige Monate lang stellte sich Sir Johann in Edinburg, als ob er die
Illoyalitt seines unglcklichen Vaters, Sir Jakob, verdammte, und Sir
Jakob sagte in Leyden zu seinen puritanischen Freunden, da er die
abscheuliche Willfhrigkeit seines unglcklichen Sohnes tief beklage.

Die Revolution kam und brachte dem Hause Stair einen groen Zuwachs an
Reichthum und Ehren. Der Sohn wechselte sogleich die Farbe und
cooperirte geschickt und eifrig mit dem Vater. Sir Jakob nahm seinen
Wohnsitz in London, um Wilhelm in schottischen Angelegenheiten mit
seinem Rathe zu untersttzen. Sir Johann's Posten war im Parlamentshause
zu Edinburg. Es war nicht wahrscheinlich, da er unter den dortigen
Wortkmpfern seines Gleichen finden wrde, und er war darauf vorbereitet
alle seine Krfte gegen die Dynastie aufzubieten, der er noch krzlich
gedient hatte.[20]


Melville.

Von der zahlreichen Partei, welche dem calvinistischen Kirchenregiment
eifrig zugethan war, wurde Johann Dalrymple mit unheilbarem Mitrauen
und Widerwillen betrachtet. Es mute daher ein andrer Agent zur
Bearbeitung dieser Partei ernannt werden. Dieser Agent war Georg
Melville, Lord Melville, ein mit dem unglcklichen Monmouth und dem
Leslie, der die schottische Armee mit so schlechtem Erfolg bei Dunbar
gegen Cromwell befehligt hatte, verwandter Edelmann. Melville hatte von
jeher fr einen Whig und Presbyterianer gegolten. Selbst Diejenigen, die
am gnstigsten ber ihn urtheilen, haben es nicht gewagt, ihm
ausgezeichnete Geistesgaben oder glhenden Gemeinsinn zuzuschreiben. Aus
seinen Briefen geht jedoch hervor, da es ihm keineswegs an der
natrlichen Klugheit fehlte, deren Mangel Mnnern von glnzenderem Genie
und reinerer Tugend oft zum Verderben gereicht hat. Diese Klugheit hatte
ihn abgehalten, in der Opposition gegen die Tyrannei der Stuarts zu weit
zu gehen, aber er hatte zugehrt, wenn seine Freunde von Widerstand
sprachen, und als das Ryehousecomplot entdeckt wurde, hielt er es daher
fr rathsam, sich auf den Continent zurckzuziehen. In seiner
Abwesenheit wurde er des Hochverraths angeklagt und auf Beweise hin,
welche keinem unparteiischen Gerichtshofe gengt haben wrden, fr
schuldig befunden. Er ward zum Tode verurtheilt, seine Ehren und Gter
wurden fr verwirkt erklrt, sein Wappen mit Schimpf und Schande aus dem
Buche des Herolds gerissen, und seine Besitzungen vermehrten das
Vermgen des grausamen und habschtigen Perth. Unterdessen lebte der
Flchtling mit characteristischer Vorsicht ruhig auf dem Continent und
mibilligte die unglcklichen Plne seines Vetters Monmouth, zollte aber
dem Unternehmen des Prinzen von Oranien von Herzen seinen Beifall.

Krankheit hatte Melville verhindert, mit der hollndischen Expedition
abzusegeln; aber wenige Stunden nachdem die neuen Herrscher in London
proklamirt worden waren, kam er daselbst an. Wilhelm schickte ihn
sogleich nach Edinburg, wie es scheint in der Hoffnung, da die
Presbyterianer gemigten Rathschlgen aus dem Munde eines Mannes, der
ihrer Sache ergeben war und fr dieselbe gelitten hatte, Gehr schenken
wrden. Melville's zweiter Sohn, David, der durch seine Mutter den Titel
eines Earl von Leven geerbt und sich im Dienste des Kurfrsten von
Brandenburg einige militrische Erfahrung erworben, hatte die Ehre, der
Ueberbringer eines Briefes von dem neuen Knig von England an die
schottische Convention zu sein.[21]


Jakob's Agenten in Schottland: Dundee, Balcarras.

Jakob hatte die Leitung seiner Angelegenheiten in Schottland Johann
Graham, Viscount Dundee, und Colin Lindsay, Earl von Balcarras,
bertragen. Dundee hatte ein schottisches Truppencorps commandirt, das
in England eingerckt war, um den Englndern Widerstand zu leisten; aber
er hatte in dem ruhmlosen Feldzuge, der fr die Dynastie Stuart
verderblich geworden war, keine Gelegenheit gehabt, den Muth und die
militrische Tchtigkeit zu entfalten, deren Besitz ihm selbst
Diejenigen zugestehen, die seinen erbarmungslosen Character am tiefsten
verabscheuen. Er stand mit seinen Truppen nicht weit von Watford, als er
erfuhr, da Jakob von Whitehall geflohen war und da Feversham die ganze
knigliche Armee aufzulsen befohlen hatte. So befanden sich die
schottischen Regimenter ohne Gold und ohne Lebensmittel inmitten einer
fremden und sogar feindlichen Nation. Dundee soll vor Schmerz und Wuth
geweint haben. Bald kamen jedoch von verschiedenen Seiten erfreulichere
Nachrichten. Wilhelm schrieb einige Zeilen, worin er sagte, da, wenn
die Schotten sich ruhig verhielten, er mit seiner Ehre dafr einstehen
wrde, da ihnen nichts geschehen solle, und einige Stunden darauf
erfuhr man, da Jakob in seine Hauptstadt zurckgekehrt war. Dundee
eilte sofort nach London.[22] Hier traf er mit seinem Freunde Balcarras
zusammen, der eben aus Edinburg angelangt war. Balcarras, ein Mann, der
sich durch angenehme Persnlichkeit und durch Bildung auszeichnete,
hatte in seiner Jugend den Patrioten gespielt, war aber der Sache des
Volks untreu geworden, hatte einen Sitz im Geheimrath angenommen, war
ein Werkzeug Perth's und Melfort's geworden, und war einer der
Commissare gewesen, welche zur Verwaltung des Schatzmeisteramts ernannt
wurden, als Queensberry in Ungnade fiel, weil er die Interessen der
protestantischen Religion nicht hatte verrathen wollen.[23]

Dundee und Balcarras gingen zusammen nach Whitehall und hatten die Ehre,
Jakob auf seinem letzten Spaziergange in der Mailbahn zu begleiten. Er
sagte ihnen, da er seine Angelegenheiten in Schottland ihren Hnden
anzuvertrauen gedenke. Sie, Mylord Balcarras, mssen die Civilgeschfte
bernehmen, und Sie, Mylord Dundee, sollen eine Vollmacht zur Uebernahme
des militrischen Commandos von mir erhalten. Die beiden Lords
versprachen sich seines Vertrauens wrdig zu zeigen und wiesen jeden
Gedanken an eine Ausshnung mit dem Prinzen von Oranien entschieden
zurck.[24]

Am folgenden Tage verlie Jakob Whitehall fr immer und der Prinz von
Oranien kam im St. Jamespalast an. Sowohl Dundee als Balcarras befanden
sich unter der Menge, welche zur Begrung des Befreiers herbeistrmte
und sie wurden nicht unfreundlich aufgenommen. Beide waren ihm
wohlbekannt. Dundee hatte auf den Continent unter ihm gedient,[25] und
Balcarras' erste Gemahlin war eine Dame aus dem Hause Oranien gewesen
und hatte an ihrem Hochzeitstage ein Paar prchtiger Smaragdohrringe
getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr zum Geschenk gemacht.[26]

Die schottischen Whigs, welche damals in groer Anzahl zu Westminster
versammelt waren, drangen ernstlich in Wilhelm, dem Namen nach vier oder
fnf Mnner zu proscribiren, welche in den schlimmen Seiten bei den
Manahmen des Geheimrath zu Edinburg eine bedeutende Rolle gespielt
hatten. Dundee und Balcarras wurden speciell erwhnt. Aber der Prinz
hatte beschlossen, soweit seine Macht reichte, den Schleier einer
allgemeinen Amnestie ber alles Vergangene zu werfen, und weigerte sich
entschieden, irgend eine Erklrung zu erlassen, die selbst den
strafbarsten der Diener seines Oheims htte zur Verzweiflung bringen
knnen.

Balcarras begab sich zu wiederholten Malen in den St. Jamespalast, hatte
mehrere Audienzen bei Wilhelm, sprach seine tiefste Ehrerbietung gegen
Seine Hoheit aus und gestand zu, da Knig Jakob groe Fehler begangen
habe, wollte aber nicht versprechen, sich bei einem Absetzungsvotum zu
betheiligen. Wilhelm uerte kein Mifallen darber, sagte aber beim
Abschiede: Nehmen Sie Bedacht darauf, Mylord, da Sie Sich innerhalb
des Gesetzes halten, denn wenn Sie es bertreten, haben Sie zu erwarten,
da Sie demselben berlassen werden.[27]

Dundee scheint weniger aufrichtig gewesen zu sein. Er bediente sich der
Vermittelung Burnet's, trat in Unterhandlung mit dem Hofe, erklrte
seine Bereitwilligkeit, sich der neuen Ordnung der Dinge zu unterwerfen,
erlangte von Wilhelm ein Protectionsversprechen und versprach dafr,
sich ruhig zu verhalten. Man schenkte seinen Versicherungen so vollen
Glauben, da man ihm gestattete, unter der Eskorte eines Reitertrupps
nach Schottland zu reisen. Ohne eine solche Eskorte wrde der
Blutmensch, dessen Name an dem Herde jeder presbyterianischen Familie
nicht ohne einen Schauder genannt wurde, unter den damaligen Umstnden
eine gefhrliche Reise durch Berwickshire und die Lothians gehabt
haben.[28]

Der Februar ging zu Ende, als Dundee und Balcarras in Edinburg ankamen.
Sie hatten einige Hoffnung, die Hupter einer Majoritt in der
Convention zu werden, und sie bemhten sich daher krftig, ihre Partei
zu consolidiren und zu beleben. Sie versicherten den strengen
Royalisten, welche Bedenken trugen, in einer von einem Usurpator
einberufenen Versammlung zu sitzen, der rechtmige Knig wnsche ganz
besonders, da kein Freund der erblichen Monarchie fehle. Mehr als ein
Schwankender wurde dadurch fest erhalten, da man ihm im Vertrauen
versicherte, eine baldige Restauration sei unvermeidlich. Gordon hatte
schon beschlossen, das Schlo zu bergeben, und angefangen, sein
Mobiliar fortzuschaffen; aber Dundee und Balcarras berredeten ihn, noch
einige Zeit auszuharren. Sie theilten ihm mit, da sie aus
Saint-Germains volle Ermchtigung erhalten htten, die Convention nach
Stirling zu verlegen und da, wenn es in Edinburg schlecht gehen sollte,
von dieser Ermchtigung Gebrauch gemacht werden wrde.[29]


Zusammentritt der Convention.

Endlich erschien der 14. Mrz, der zum Zusammentritt der Stnde
bestimmte Tag, und das Parlamentshaus war gedrngt voll. Neun Prlaten
waren auf ihren Pltzen. Als Argyle eintrat, protestirte ein einziger
Lord gegen die Zulassung eines Mannes, der durch ein in alter Form
ausgesprochenes und noch nicht umgestoenes rechtskrftiges Erkenntni
der Ehren der Pairie entkleidet worden sei. Dieser Einwurf wurde jedoch
durch die allgemeine Ansicht der Versammlung entkrftet. Als Melville
erschien, erhob sich keine Stimme gegen seine Zulassung. Der Bischof von
Edinburg fungirte als Kaplan und nahm in sein Gebet die Bitte auf, Gott
mge dem Knig Jakob beistehen und ihn wieder auf den Thron setzen.[30]
Es zeigte sich bald, da die allgemeine Gesinnung der Convention mit
diesem Gebet durchaus nicht in Einklang stand. Die erste zu erledigende
Angelegenheit war die Wahl eines Prsidenten. Der Herzog von Hamilton
wurde von den Whigs, der Marquis von Athol von den Jakobiten
untersttzt. Aber keiner der beiden Candidaten besa das volle Vertrauen
seiner Parteianhnger, und verdiente es auch nicht. Hamilton war ein
Staatsrath Jakob's gewesen, hatte an vielen nicht zu rechtfertigenden
Maregeln Theil gehabt und hatte den frechsten Angriffen auf die Gesetze
und die Religion Schottland's einen nur sehr vorsichtigen und lauen
Widerstand entgegengesetzt. Erst als Whitehall von hollndischen Garden
bewacht wurde, wagte er es sich offen auszusprechen. Er hatte sich nun
der siegreichen Partei angeschlossen und den Whigs versichert, da er
nur deshalb zum Schein ihr Feind gewesen sei, um, ohne Verdacht zu
erwecken, als ihr Freund handeln zu knnen. Athol war noch weniger zu
trauen. Er besa geringe Fhigkeiten und einen falschen, kleinmthigen
und grausamen Character. Unter der letzten Regierung hatte er sich durch
die Grausamkeiten, die er in Argyleshire verbt, eine schmachvolle
Berhmtheit erworben. Er hatte mit dem Wechsel des Glcks die Farbe
gewechselt und hatte dem Prinzen von Oranien in serviler Weise den Hof
gemacht, war aber kalt aufgenommen worden und war nun aus bloem Aerger
darber zu der Partei zurckgekehrt, die er verlassen.[31] Keiner der
beiden rivalisirenden Edelleute hatte sich bemigt gefunden, die Wrden
und Besitzungen seines Hauses auf den Ausgang des Kampfes zwischen den
beiden rivalisirenden Knigen zu setzen. Hamilton's ltester Sohn hatte
sich fr Jakob, Athol's ltester Sohn fr Wilhelm erklrt, so da fr
alle Flle beide Adelskronen und beide Gter gesichert waren.

Aber in Schottland waren die herrschenden Begriffe von politischer Moral
lax und das aristokratische Gefhl stark; die Whigs waren daher geneigt
zu vergeben, da Hamilton noch unlngst im Staatsrathe Jakob's gesessen
hatte, und eben so waren die Jakobiten bereit zu vergessen, da Athol
krzlich Wilhelm den Hof gemacht. In Hinsicht der politischen
Inconsequenz waren diese beiden vornehmen Lords allerdings weit entfernt
vereinzelt dazustehen; an Ansehen und Macht aber hatten sie kaum ihres
Gleichen in der Versammlung. Sie waren von hchst vornehmer Herkunft und
besaen einen ungeheuren Einflu; der eine von ihnen konnte das
westliche Niederland zu den Waffen rufen, der andre eine Armee
nordischer Bergschotten ins Feld stellen. Um diese beiden Oberhupter
schaarten sich daher die feindlichen Factionen.


Hamilton zum Prsidenten erwhlt.

Die Stimmen wurden gezhlt, und es ergab sich, da Hamilton eine
Majoritt von vierzigen hatte. In Folge dessen gingen etwa Zwanzig von
der geschlagenen Partei sofort zu den Siegern ber.[32] In Westminster
wrde ein solcher Abfall sonderbar erschienen sein; in Edinburg aber
scheint er wenig berrascht zu haben. Es ist ein bemerkenswerther
Umstand, da das nmliche Land in dem nmlichen Jahrhundert die
wunderbarsten Beispiele von beiden Extremen der menschlichen Natur
hervorbrachte. Keine Klasse von Menschen, deren die Geschichte erwhnt,
hat je an einem Principe mit unbeugsamerer Hartnckigkeit festgehalten,
als man sie bei den schottischen Puritanern fand. Geld- und
Gefngnistrafen, Brandmarkungseisen, spanische Stiefel, Daumenschrauben
und Galgen vermochten dem starren Covenanter kein ausweichendes Wort zu
erpressen, welchem ein mit seinem theologischen System unvereinbarer
Sinn unterzuschieben gewesen wre. Selbst in indifferenten Dingen wollte
er von keinem Vergleich hren und er war nur zu bereit, alle Diejenigen,
welche Klugheit und Nchstenliebe anempfahlen, als Verrther an der
Sache der Wahrheit zu betrachten. Auf der andren Seite waren die
Schotten jener Generation, welche im Parlamentshause und im Rathszimmer
eine hervorragende Rolle spielten, die falschesten und schamlosesten
Achseltrger, welche die Welt je gesehen. Die Englnder wunderten sich
gleichmig ber beide Klassen. Es gab zwar viele standhafte
Nonconformisten im Sden, aber kaum einer unter ihnen konnte sich an
Hartnckigkeit, Kampflust und Unerschrockenheit mit den Mnnern aus der
Schule Cameron's messen. Es gab viele schurkische Politiker im Sden,
aber wenige darunter waren so vollstndig aller Moralitt und noch
wenigere so vollstndig alles Schamgefhls bar wie die Mnner aus der
Schule Lauderdale's. Vielleicht ist es natrlich, da die gefhlloseste
und frechste Lasterhaftigkeit sich in der nchsten Nhe unvernnftiger
und unlenksamer Tugend findet. Wo Fanatiker bereit sind, wegen
Kleinigkeiten, die durch ein bermig scrupulses Gewissen zu
Wichtigkeit erhoben werden, zu vernichten oder sich vernichten zu
lassen, da kann es nicht Wunder nehmen, wenn das Wort Gewissen an sich
schon fr kalte und schlaue Geschftsmnner ein Wort des Hohnes und der
Verachtung wird.


Wahlausschu.

Die Majoritt, verstrkt durch die Ueberlufer von der Minoritt,
schritt nun zur Ernennung eines Wahlausschusses. Es wurden funfzehn
Mitglieder erwhlt, und es zeigte sich bald, da zwlf davon nicht
geneigt waren, die Regelmigkeit des Verfahrens streng zu untersuchen,
durch welches ein Whig in das Parlamentshaus geschickt worden war. Der
Herzog von Hamilton selbst soll ber die grobe Parteilichkeit seiner
eignen Anhnger entrstet gewesen sein und sich, allerdings mit geringem
Erfolge, bemht haben, ihre Heftigkeit zu zgeln.[33]


Das Schlo von Edinburg zur Uebergabe aufgefordert.

Ehe die Stnde mit der Berathung der Angelegenheit begannen, um deren
willen sie zusammengetreten waren, hielten sie es fr nthig, auf ihre
Sicherheit bedacht zu sein. Sie konnten nicht ganz unbesorgt sein, so
lange das Dach, unter dem sie saen, von den Batterien des Schlosses
beherrscht wurde. Es wurde demnach eine Deputation an Gordon abgesandt,
um ihn im Namen der Convention aufzufordern, die Festung binnen
vierundzwanzig Stunden zu rumen, und ihm zu sagen, da, wenn er sich
fge, seiner Vergangenheit nicht zu seinem Nachtheil gedacht werden
solle. Er bat um eine Nacht Bedenkzeit. Whrend dieser Nacht wurde sein
schwankender Sinn durch Dundee's und Balcarras' eindringliche
Vorstellungen befestigt. Am andren Morgen schickte er eine in
ehrerbietigen, aber ausweichenden Ausdrcken abgefate Antwort. Er
erklrte darin, er sei weit entfernt, Bses gegen die Stadt Edinburg im
Sinne zu haben. Am allerwenigsten knne es ihm einfallen, eine hohe
Versammlung zu belstigen, die er mit der grten Ehrfurcht betrachte.
Er sei gern bereit, Brgschaft fr sein friedliches Verhalten bis zum
Betrage von zwanzigtausend Pfund Sterling zu erlegen. Aber er stehe mit
der jetzt in England eingesetzten Regierung in Verbindung, er erwarte
stndlich Depeschen von dieser Regierung und bis zum Eingang derselben
halte er sich nicht fr berechtigt, sein Commando niederzulegen. Diese
Entschuldigungen wurden nicht angenommen. Es wurden Herolde und
Trompeter abgeschickt, um das Schlo in aller Form zur Uebergabe
aufzufordern und Diejenigen, welche fortfahren sollten, diese Festung
der Autoritt der Stnde zum Trotz besetzt zu halten, des Hochverraths
fr schuldig zu erklren. Zu gleicher Zeit wurden Wachen ausgestellt, um
jede Verbindung zwischen der Garnison und der Stadt abzuschneiden.[34]


Dundee von den Covenanters bedroht.

Unter diesen Vorspielen waren zwei Tage verstrichen und man erwartete,
da am Morgen des dritten der groe Kampf beginnen werde. Die
Bevlkerung von Edinburg war unterdessen in groer Aufregung. Man war
dahinter gekommen, da Dundee auf dem Schlosse Besuche gemacht hatte,
und man glaubte, da seine Ermahnungen die Garnison bewegen htten,
Widerstand zu leisten. Man wute, da seine alten Soldaten sich um ihn
schaarten, und es stand wohl zu befrchten, da er einen verzweifelten
Versuch unternehmen werde. Er dagegen hatte erfahren, da die westlichen
Covenanters, welche die Keller der Stadt fllten, ihm Rache geschworen
hatten, und in der That, wenn wir erwgen, da sie von beispiellos
wildem und unvershnlichem Character waren, da man sie gelehrt hatte,
das Erschlagen eines Verfolgers als eine Pflicht zu betrachten, da
keine in der heiligen Schrift vorkommenden Beispiele ihnen hufiger zur
Bewunderung vorgehalten wurden als Ehud, wie er Eglon ersticht, und
Samuel, wie er Agag in Stcken haut, da sie keine That aus der
Geschichte ihres Vaterlandes von ihren Lieblingslehrern wrmer hatten
loben hren als die Ermordung des Cardinals Beatoun und des Erzbischofs
Sharpe, so drfen wir uns wohl wundern, da ein Mann, der das Blut der
Heiligen wie Wasser vergossen hatte, nur einen einzigen Tag ohne
Lebensgefahr durch High Street gehen konnte. Der Feind, den Dundee am
meisten Grund zu frchten hatte, war ein junger Mann von ausgezeichnetem
Muth und Talent, Namens Wilhelm Cleland. Cleland hatte, als er wenig
ber sechzehn Jahr alt war, bei der Insurrection, welche an der
Bothwellbrcke niedergeworfen wurde, die Waffen getragen. Seitdem hatte
er sich durch seine Menschlichkeit und Migung das Mifallen einiger
boshaften Fanatiker zugezogen. Bei der groen Masse der Presbyterianer
aber stand sein Name in hohem Ansehen, denn mit der strengen Moralitt
und dem glhenden Eifer eines Puritaners verband er einige Vorzge,
deren sich wenige Puritaner rhmen konnten. Er besa feine Manieren und
eine achtungswerthe literarische und wissenschaftliche Bildung. Er war
Linguist, Mathematiker und Dichter. Seine Hymnen, Oden, Balladen und
Satiren ^ la^ Hudibras hatten allerdings wenig innern Werth; aber wenn
man bedenkt, da er fast noch ein Knabe war, als er die meisten
derselben schrieb, so mu man zugeben, da sie bedeutende natrliche
Anlagen bekunden. Er war jetzt in Edinburg, sein Einflu unter den
daselbst versammelten westlndischen Whigs war sehr gro, er hate
Dundee mit tdtlicher Erbitterung und man glaubte, da er mit einem
Gewaltschritt umgehe.[35]

Am 15. Mrz wurde Dundee benachrichtigt, da einige Covenanters sich
gegenseitig verpflichtet hatten, ihn und Sir Georg Mackenzie, den seine
lange Zeit dem Dienste der Tyrannei gewidmete Beredtsamkeit und
Gelehrsamkeit den Presbyterianern verhater gemacht hatte als irgend
einen andren Mann von der Robe, um's Leben zu bringen. Dundee bat
Hamilton um Schutz, und Hamilton rieth ihm, die Sache in der nchsten
Sitzung der Convention vorzulegen.[36]


Schreiben von Jakob an die Convention.

Vor dieser Sitzung kam ein gewisser Crane aus Frankreich mit einem
Schreiben des flchtigen Knigs an die Stnde. Der Brief war versiegelt
und der Ueberbringer war sonderbarerweise mit keiner Abschrift versehen,
um sie den Huptern der jakobitischen Partei mitzutheilen; auch hatte er
weder einen schriftlichen noch mndlichen Auftrag fr einen der beiden
Agenten Jakob's. Balcarras und Dundee sahen mit groem Verdrusse, da
man ihnen so wenig Vertrauen schenkte, und qulten sich mit ngstlichen
Zweifeln ber den Inhalt des Schriftstckes, von dem so viel abhing. Sie
waren jedoch geneigt das Beste zu hoffen. Knig Jakob konnte in seiner
gegenwrtigen Lage nicht so schlecht berathen sein, da er in directem
Widerspruche mit den Rathschlgen und Bitten seiner Freunde htte
handeln knnen. Bei der Erffnung seines Schreibens wrde man sicherlich
finden, da er gndige Zusicherungen enthielt, welche die Royalisten mit
neuem Muthe beseelen und die gemigten Whigs gewinnen muten. Seine
Anhnger beschlossen daher, da es vorgelegt werden solle.

Als die Convention sich am Samstag, den 16. Mai, des Morgens wieder
versammelte, wurde beantragt, da Maregeln fr die persnliche
Sicherheit der Mitglieder getroffen werden sollten. Es wurde behauptet,
da man Dundee nach dem Leben getrachtet, da zwei Mnner von
verdchtigem Aussehen in der Nhe des Hauses, das er bewohnte,
umhergestreift seien und da man sie habe sagen hren, sie wollten den
Hund so behandeln, wie er sie behandelt habe. Mackenzie versicherte, da
auch er in Gefahr sei, und verlangte in seiner gewohnten bilderreichen
und krftigen Sprache Schutz von den Stnden. Aber die Sache wurde von
der Majoritt sehr leicht genommen und die Convention ging zu anderen
Gegenstnden der Tagesordnung ber.[37]

Hierauf wurde Crane als Einla ins Parlamentshaus begehrend angemeldet.
Er wurde eingeladen und das Schriftstck, dessen Ueberbringer er war,
auf den Tisch niedergelegt. Hamilton bemerkte, da sich in den Hnden
des Earl von Leven eine Mittheilung von dem Prinzen befinde, kraft
dessen Autoritt die Stnde einberufen worden seien. Diese Mittheilung
schien den Vorrang zu verdienen. Die Convention war gleicher Meinung und
das reiflich erwogene, einsichtsvolle Schreiben Wilhelm's wurde
vorgelesen.

Dann wurde beantragt, da auch Jakob's Brief geffnet werden solle. Die
Whigs wendeten dagegen ein, da derselbe mglicherweise einen Befehl zur
Auflsung der Convention enthalten knne. Sie schlugen deshalb vor, da
die Stnde, ehe das Siegel erbrochen wrde, beschlieen sollten, trotz
eines solchen Befehls beisammen zu bleiben. Die Jakobiten, welche den
Inhalt des Schreibens eben so wenig kannten wie die Whigs, und die
Vorlesung desselben nicht erwarten konnten, gaben bereitwillig ihre
Zustimmung. Es wurde ein Beschlu gefat, durch den die Mitglieder sich
verpflichteten, jeden Befehl, der ihnen gebieten sollte auseinander zu
gehen, als null und nichtig zu betrachten und so lange beisammen zu
bleiben, bis sie das Werk der Sicherung der Freiheit und Religion
Schottland's durchgefhrt haben wrden. Dieser Beschlu wurde von fast
allen anwesenden Lords und Gentlemen unterzeichnet. Auch sieben von den
neuen Bischfen unterschrieben ihn. Die eigenhndig geschriebenen Namen
Dundee's und Balcarras' sieht man noch auf der Originalrolle. Balcarras
suchte spter diesen Schritt, der nach seinen Grundstzen ohne alle
Widerrede ein abscheulicher Verrath war, damit zu entschuldigen, da er
sagte, er und seine Freunde htten sich aus Eifer fr das Interesse
ihres Gebieters an einer rebellischen Erklrung gegen die Autoritt
ihres Gebieters betheiligt, sie htten von dem Briefe den heilsamsten
Einflu erwartet, und der Brief wrde nicht geffnet worden sein, wenn
sie nicht der Majoritt ein Zugestndni gemacht htten.


Wirkung von Jakob's Schreiben.

In wenigen Minuten wurden Balcarras' Erwartungen bitter getuscht. Der
Brief, von dem man so viel gehofft und gefrchtet hatte, wurde mit allen
den Ehren vorgelesen, welche die schottischen Parlamente kniglichen
Mittheilungen zu erweisen pflegten; aber jedes Wort erfllte die Herzen
der Jakobiten mit Verzweiflung. Man sah deutlich, da das Unglck Jakob
weder weise noch nachsichtig gemacht hatte. Alles athmete
Hartnckigkeit, Grausamkeit und Uebermuth. Denjenigen Verrthern, welche
binnen vierzehn Tagen zu ihrer Unterthanenpflicht zurckkehrten, war
Verzeihung zugesichert, allen Anderen aber mit schonungsloser Rache
gedroht. Ueber frhere Vergehen war nicht nur kein Bedauern ausgedrckt,
sondern der Brief selbst war ein neues Vergehen, denn er war von dem
Apostaten Melfort geschrieben und contrasignirt, der nach den Gesetzen
des Reichs zur Bekleidung des Amts eines Staatssekretrs nicht befhigt
war und den die protestantischen Tories nicht weniger verabscheuten als
die Whigs. Die ganze Versammlung gerieth in Aufruhr. Jakob's Feinde
waren laut und heftig, und seine Freunde, welche gegen ihn aufgebracht
waren und sich seiner schmten, sahen ein, da nicht mehr daran zu
denken war, den Kampf in der Convention fortzusetzen. Jede Stimme, die
vor der Erffnung des Schreibens zweifelhaft gewesen, war jetzt
unwiederbringlich verloren. Die Sitzung schlo unter groer
Aufregung.[38]

Es war Samstag Nachmittag und vor Montag frh sollte keine Sitzung
wieder sein. Die jakobitischen Parteifhrer hielten eine Berathung und
kamen zu dem Schlusse, da ein entscheidender Schritt gethan werden
msse. Dundee und Balcarras sollten sich der ihnen ertheilten
Vollmachten bedienen; die Minoritt sollte sofort Edinburg verlassen und
sich in Stirling versammeln. Athol stimmte bei und nahm es auf sich, ein
starkes Corps seiner Clansleute aus den Hochlanden zum Schutze der
Berathungen der royalistischen Convention herbeizuziehen. Alles war fr
den Austritt vorbereitet; aber die Langsamkeit eines Mannes und die
Uebereilung eines andren zerstrten in wenigen Stunden den ganzen Plan.


Dundee's Flucht.

Der Montag kam. Die jakobitischen Lords und Gentlemen waren
eben im Begriff nach Stirling aufzubrechen, als Athol einen
vierundzwanzigstndigen Aufschub verlangte. Er fr seine Person habe
keinen Grund, sich zu beeilen. Wenn er bliebe, liefe er nicht Gefahr
ermordet zu werden. Wenn er aber ginge, setze er sich den von einem
Brgerkriege unzertrennlichen Gefahren aus. Da die Mitglieder seiner
Partei sich nicht von ihm trennen wollten, willigten sie in den von ihm
verlangten Aufschub und begaben sich noch einmal in das
Parlamentsgebude. Nur Dundee weigerte sich, noch lnger zu bleiben. Er
sagte, sein Leben sei in Gefahr. Die Convention habe sich geweigert, ihn
zu beschtzen, und er wolle nicht bleiben, um der Zielpunkt fr die
Pistolen und Dolche von Meuchelmrdern zu sein. Balcarras machte
vergebliche Vorstellungen. Wenn Sie allein abreisen, sagte er, so
wird das Aufsehen machen, und den ganzen Plan vereiteln. Aber Dundee
blieb bei seinem Vorsatze. Tapfer, wie er unzweifelhaft war, schien er,
gleich vielen anderen tapferen Mnnern, gegen die Gefahr eines
Meuchelmords weniger gesthlt zu sein als gegen jede andre Form der
Gefahr. Er kannte den Ha der Covenanters, er wute wie sehr er ihren
Ha verdient hatte, und er wurde von dem Bewutsein unshnbarer Schuld
und von der Furcht vor einer entsetzlichen Wiedervergeltung geqult,
welche die Polytheisten des Alterthums unter dem furchtbaren Namen der
Furien personificirten. Seine alten Reiter, die Satans und Beelzebubs,
die seine Verbrechen getheilt hatten und die jetzt seine Gefahren
theilten, waren bereit, ihn auf seiner Flucht zu begleiten.


Tumultuarische Sitzung der Stnde.

Inzwischen hatte sich die Convention wieder versammelt. Mackenzie hatte
sich erhoben, und beklagte in pathetischen Ausdrcken die schlimme Lage
der Stnde, welche zu gleicher Zeit von den Kanonen einer Festung und
von einem fanatischen Pbel bedroht wrden, als er durch einige
Schildwachen unterbrochen wurde, die von den Posten in der Nhe des
Schlosses herbeikamen. Sie hatten Dundee an der Spitze von funfzig
Reitern auf der Strae nach Stirling gesehen. Diese Strae fhrte dicht
an dem mchtigen Felsen vorbei, auf dem die Citadelle erbaut ist. Gordon
war auf den Wllen erschienen und hatte durch ein Zeichen zu verstehen
gegeben, da er etwas zu sagen habe. Dundee war nun so hoch
hinaufgeklommen, da er hren und gehrt werden konnte, und so besprach
er sich eben jetzt mit dem Herzoge. Bis diesen Augenblick war der Ha,
mit dem die presbyterianischen Mitglieder der Versammlung den
unbarmherzigen Verfolger ihrer Glaubensbrder betrachteten, durch die
schicklichen Formen der parlamentarischen Berathung gedmpft worden.
Jetzt aber erfolgte ein furchtbarer Ausbruch. Hamilton selbst, der, wie
sogar seine Gegner zugaben, die Pflichten eines Prsidenten bisher mit
Wrde und Unparteilichkeit versehen hatte, war der Lauteste und
Heftigste im Saale. Es ist hohe Zeit rief er aus, da wir auf uns
selbst denken. Die Feinde unsrer Religion und unsrer brgerlichen
Freiheit sammeln sich rings um uns, und wir drfen wohl argwhnen, da
sie selbst hier Complicen haben. Man verschliee die Thren und lege die
Schlssel auf den Tisch. Niemand soll hinaus als diejenigen Lords und
Gentlemen, die wir beauftragen werden, die Brger zu den Waffen zu
rufen. Es sind einige wackere Mnner aus dem Westen in Edinburg, Mnner,
fr die ich stehen kann. Die Versammlung erhob einen allgemeinen Ruf
der Zustimmung. Mehrere Mitglieder der Majoritt rhmten sich, da auch
sie zuverlssige Anhnger mitgebracht htten, die auf den ersten Wink
gegen Claverhouse und seine Dragoner ziehen wrden. Alles was Hamilton
vorschlug, wurde sofort ins Werk gesetzt. Die Jakobiten gaben sich
schweigend und ohne Widerstand zu Gefangenen. Leven ging hinaus und gab
Befehl Alarm zu schlagen. Die Covenanters von Lanarkshire und Ayrshire
leisteten dem Aufrufe sofort Folge. Die so zusammengebrachte Streitmacht
hatte zwar kein sehr militrisches Aussehen, gengte aber vollkommen, um
die Anhnger des Hauses Stuart im Schach zu halten. Von Dundee war
nichts zu hoffen oder zu frchten. Er war schon den Schloberg wieder
herabgeklommen, zu seinen Reitern zurckgekehrt und in westlicher
Richtung davongesprengt. Hamilton lie nun die Thren ffnen und es
stand den verdchtigen Mitgliedern frei sich zu entfernen. Gedemthigt
und niedergeschmettert, aber doch froh, so wohlfeilen Kaufs
davongekommen zu sein, stahlen sie sich durch den Haufen finstrer
Fanatiker, welcher High Street fllte. An eine Lostrennung war nun nicht
mehr zu denken.[39]

Am folgenden Tage wurde beschlossen, da das Knigreich in
Vertheidigungsstand gesetzt werden solle. Die Einleitung zu diesem
Beschlusse enthielt eine strenge Rge der Perfidie des Verrthers, der
wenige Stunden nachdem er durch eine eigenhndig unterschriebene
Erklrung sich verpflichtet, seinen Posten in der Convention nicht zu
verlassen, das Beispiel der Desertion und das Signal zum Brgerkriege
gegeben hatte. Alle Protestanten vom sechszehnten bis zum sechzigsten
Lebensjahre erhielten die Weisung sich bereit zu halten, um beim ersten
Aufrufe unter die Waffen zu treten, und damit sich Niemand mit
Unkenntni entschuldigen konnte, wurde die ffentliche Verlesung des
Edicts auf allen Marktpltzen des ganzen Knigreichs angeordnet.[40]

Die Stnde beschlossen hierauf, ein Danksagungsschreiben an Wilhelm zu
richten. Diesem Briefe waren die Unterschriften vieler Edelleute und
Gentlemen beigefgt, die zur Partei des verbannten Knigs gehrten. Die
Bischfe aber weigerten sich einstimmig, ihre Namen darunter zu setzen.


Ein Ausschu zur Entwerfung eines Regierungsplanes ernannt.

Es war bei den schottischen Parlamenten seit langer Zeit Brauch, die
Entwerfung von Gesetzen und Verordnungen einer Auswahl von Mitgliedern
zu bertragen, welche die Artikellords genannt wurden. In Gemheit
dieses Brauchs wurde jetzt ein Ausschu von Vierundzwanzig beauftragt,
einen Entwurf zur Feststellung der Regierung auszuarbeiten. Von diesen
Vierundzwanzig waren Acht Peers, Acht Vertreter von Grafschaften und
Acht Abgeordnete von Stdten. Die Majoritt des Ausschusses waren Whigs
und es befand sich kein einziger Prlat darin.

Der durch eine Reihenfolge von Unfllen gebrochene Muth der Jakobiten
wurde durch die Ankunft des Herzogs von Queensberry aus London auf einen
Augenblick wieder gehoben. Er war ein Mann von hohem Range und groem
Einflusse und sein Character war gut im Vergleich zu dem Character
Derer, die ihn umgaben. Als der Papismus die Oberhand hatte, war er der
Sache der protestantischen Kirche treu geblieben, und seitdem der
Whiggismus das Uebergewicht erlangt, war er ein treuer Anhnger der
erblichen Monarchie geblieben. Einige waren der Meinung, da er dem
Hause Stuart wichtige Dienste htte leisten knnen, wenn er frher auf
seinem Platze gewesen wre.[41] Selbst jetzt brachten die
Belebungsmittel, die er bei seiner erstarrten und schwachen Partei
anwendete, einige matte Symptome wiederkehrenden Muthes hervor. Man fand
Mittel, um sich mit Gordon in Verbindung zu setzen und er wurde dringend
aufgefordert, auf die Stadt zu feuern. Die Jakobiten hofften, da,
sobald die Kanonenkugeln einige Schornsteine zertrmmert, die Stnde
nach Glasgow bersiedeln wrden. So wurde Zeit gewonnen und die
Royalisten konnten vielleicht ihren alten Plan, zu einer
Separatconvention zusammenzutreten, noch ausfhren. Gordon weigerte sich
jedoch entschieden, auf keine bessere Gewhr als die Aufforderung einer
kleinen Kabale, eine so schwere Verantwortlichkeit auf sich zu
nehmen.[42]

Inzwischen hatten die Stnde eine Schutzmacht, auf die sie sich fester
verlassen konnten als auf die undisciplinirten und ungestmen
Covenanters aus dem Westen. Ein Geschwader englischer Kriegsschiffe aus
der Themse war in der Mndung des Forth angekommen. Dieses Geschwader
hatte die drei schottischen Regimenter an Bord, welche Wilhelm aus
Holland herber begleitet. Er hatte sie mit weiser Einsicht ausgewhlt,
die Versammlung zu beschtzen, welche die Regierung ihres Vaterlandes
feststellen sollte, und damit dem im Punkte der Nationalehre ungemein
empfindlichen Volke kein Grund zur Eifersucht gegeben werden mge, hatte
er alle hollndischen Soldaten aus den Gliedern entfernt und dadurch die
Zahl der Mannschaften auf ungefhr elfhundert reducirt. Dieses kleine
Truppencorps wurde commandirt von Andreas Mackay, einen Hochlnder von
vornehmer Abkunft, der lange auf dem Continent gedient hatte und der
sich durch einen unerschtterlichen Muth und durch eine Frmmigkeit
auszeichnete, wie man sie bei Soldaten des Zufalls selten findet. Die
Convention fate einen Beschlu, durch den sie Mackay zum
Oberbefehlshaber ihrer Streitkrfte ernannte. Als ber diesen Beschlu
die Vorfrage gestellt wurde, bat der Erzbischof von Glasgow, der
wahrscheinlich nicht Lust hatte, sich an einer solchen widerrechtlichen
Anmaung von Befugnissen zu betheiligen, welche dem Knige allein
zustanden, da man die Prlaten von der Abstimmung entbinden mchte.
Geistliche, sagte er, htten mit militrischen Maregeln nichts zu
schaffen. Die Vter der Kirche, entgegnete ein Mitglied in sehr
nachdrcklichem Tone, sind seit kurzem mit einen neuem Lichte beglckt
worden. Ich habe selbst militrische Befehle gesehen, welche von dem
Hochwrdigen unterzeichnet waren, der jetzt pltzlich so scrupuls
geworden ist. Allerdings waltete ein Unterschied ob: jene Befehle hatten
den Zweck die Protestanten dem Sbelregimente preis zu geben, whrend
der vorliegende Beschlu uns gegen die Papisten schtzen soll.[43]

Die Ankunft der Truppen Mackay's und der Entschlu Gordon's, unthtig zu
bleiben, brach den Muth der Jakobiten. Es blieb ihnen in der That nur
noch eine Aussicht. Durch Anschlu an diejenigen Whigs, welche zu einer
Union mit England geneigt waren, konnten sie die Festsetzung der
Regierung vielleicht noch um lngere Zeit verzgern. Es wurde zu dem
Ende wirklich eine Unterhandlung eingeleitet, aber bald wieder
abgebrochen. Denn es zeigte sich bald, da die fr Jakob eingenommene
Partei in Wirklichkeit der Union abgeneigt und da die fr die Union
eingenommene Partei in Wirklichkeit Jakob feindlich gesinnt war. Da
somit diese beiden Parteien kein gemeinsames Ziel verfolgten, so konnte
aus einer Coalition zwischen ihnen nichts weiter hervorgehen, als da
eine von beiden das Werkzeug der andren geworden wre. Die Unionsfrage
kam daher gar nicht zur Sprache.[44] Einige Jakobiten zogen sich auf
ihre Landsitze zurck, andere blieben zwar in Edinburg, zeigten sich
aber nicht mehr im Parlamentsgebude, viele schlugen sich auf die
berwiegende Seite, und als endlich die von den Vierundzwanzig
entworfenen Beschlsse der Convention vorgelegt wurden, zeigte es sich,
da die Partei, die sich am ersten Sessionstage um Athol geschaart
hatte, auf Null zusammengeschmolzen war.


Vom Ausschu vorgeschlagene Beschlsse.

Die Beschlsse waren so weit mglich in Einklang mit dem krzlich zu
Westminster gegebenen Beispiele entworfen. In einem wichtigen Punkte
jedoch mute die Copie nothwendig von dem Originale abweichen. Die
Stnde von England hatten zwei Anklagen gegen Jakob erhoben: seine
schlechte Verwaltung und seine Flucht, und hatten durch Anwendung des
milderen Wortes Abdankung zu einigem Nachtheil fr die Genauigkeit im
Ausdruck die Frage umgangen, ob Unterthanen gesetzlich befugt sind,
einen schlechten Frsten abzusetzen. Diese Frage konnten die Stnde
Schottland's nicht umgehen. Sie konnten nicht sagen, Jakob habe seinen
Posten verlassen, denn er hatte seit seiner Thronbesteigung nie in
Schottland residirt. Seit vielen Jahren wurde dieses Knigreich von
Souverainen regiert, die in einem andren Lande wohnten. Die ganze
Verwaltungsmaschine war nach der Voraussetzung construirt, da der Knig
abwesend sein wrde und sie wurde daher durch die Flucht, welche im
Sden der Insel alle Regierung aufgelst und den ordentlichen Gang der
Rechtspflege unterbrochen hatte, nicht nothwendigerweise in Unordnung
gebracht. Wenn der Knig in Whitehall war, konnte er nur schriftlich mit
dem Staatsrathe und dem Parlamente zu Edinburg verkehren, und das konnte
er auch, wenn er in Saint-Germains oder Dublin war. Die Vierundzwanzig
waren daher gezwungen, den Stnden eine Resolution vorzuschlagen, welche
bestimmt erklrte, da Jakob VII. durch sein Miverhalten die Krone
verwirkt habe. Viele Schriftsteller haben aus dem Wortlaute dieser
Resolution gefolgert, da gesunde politische Prinzipien in Schottland
weiter vorgeschritten gewesen seien als in England. Aber die ganze
Geschichte der beiden Lnder von der Restauration bis zur Union beweist,
da dieser Schlu falsch ist. Die schottischen Stnde bedienten sich
ganz einfach deshalb einer offenen Sprache, weil es ihnen in ihrer Lage
unmglich war, sich einer ausweichenden Sprache zu bedienen.

Der Mann, der bei Entwerfung des Beschlusses und bei der Vertheidigung
desselben die Hauptrolle spielte, war Sir Johann Dalrymple, der vor
kurzem das hohe Amt des Lord Advokaten bekleidet und der an mehreren von
den Uebelthaten Theil genommen hatte, ber die er jetzt mit groer
logischer und rhetorischer Schrfe den Stab brach. Er wurde krftig
untersttzt durch Sir Jakob Montgomery, Mitglied fr Ayrshire, einem
Manne von bedeutendem Talent, aber lockeren Grundstzen, ungestmem
Wesen, unersttlicher Habgier und unvershnlicher Bosheit. Der
Erzbischof von Glasgow und Sir Georg Mackenzie sprachen auf der andren
Seite, aber sie bewirkten durch ihre Beredtsamkeit nichts weiter als da
sie ihre Partei des Vortheils beraubten, geltend machen zu knnen, da
die Stnde unter einem Zwange stnden und da die Redefreiheit den
Vertheidigern der erblichen Monarchie versagt worden sei.

Als die Vorfrage gestellt wurde, entfernten sich Athol, Queensberry und
einige ihrer Freunde. Nur fnf Mitglieder stimmten gegen den Beschlu,
welcher erklrte, da Jakob sein Recht auf die Treue seiner Unterthanen
verwirkt habe. Als der Antrag gestellt wurde, da mit der Krone von
Schottland ebenso verfahren werden sollte, wie mit der Krone von
England, erschienen Athol und Queensberry wieder im Sitzungssaale. Sie
sagten, sie seien im Zweifel gewesen, ob sie fglicherweise den Thron
fr erledigt erklren knnten. Da er aber fr erledigt erklrt worden
sei, zweifelten sie nicht, da Wilhelm und Marie Diejenigen waren, die
ihn einnehmen mten.


Wilhelm und Marie proklamirt.

Die Convention begab sich hierauf in Procession in die High Street.
Mehrere vornehme Edelleute bestiegen in Begleitung des Lord Provost und
der Herolde den achteckigen Thurm, von welchem das Stadtkreuz mit dem
schottischen Einhorn auf der Spitze emporragte.[45] Hamilton verlas den
Beschlu der Convention und ein Wappenherold proklamirte unter
Trompetenschall die neuen Souveraine. An demselben Tage erlieen die
Stnde eine Verordnung des Inhalts, da die Parochialgeistlichen, bei
Strafe der Amtsentsetzung, von ihren Kanzeln herab die Proklamation,
welche so eben am Stadtkreuze verlesen worden, bekannt machen und fr
Knig Wilhelm und Knigin Marien beten sollten.


Die Rechtsforderung.

Noch war das Interregnum nicht vorber. Obwohl die neuen Souveraine
proklamirt waren, waren sie doch noch nicht durch ein formelles
Anerbieten und durch eine formelle Annahme in den Besitz der kniglichen
Autoritt gesetzt worden. Es wurde in Edinburg, wie in Westminster, fr
nthig gehalten, da die Urkunde ber die Feststellung der Regierung die
Volksrechte, welche die Stuarts ungesetzlicherweise miachtet hatten,
klar definiren und feierlich bekrftigen solle. Die Vierundzwanzig
entwarfen daher eine Rechtsforderung ^(Claim of Right)^, welche die
Convention annahm. Dieser Rechtsforderung, welche nichts weiter als eine
Erklrung des bestehenden Gesetzes bezweckte, war eine Ergnzungsschrift
beigefgt, die eine Liste von Mistnden enthielt, denen nur durch neue
Gesetze abgeholfen werden konnte.


Abschaffung des Episkopats.

Einen hochwichtigen Artikel, den wir naturgem an der Spitze einer
solchen Liste zu sehen erwarten sollten, nahm die Convention mit groer
praktischer Einsicht, aber notorischen Thatsachen und unwiderleglichen
Argumenten zum Trotz, in die Rechtsforderung selbst auf. Niemand konnte
leugnen, da die Prlatur durch eine Parlamentsacte eingefhrt war. Die
Gewalt, welche die Bischfe ausbten, konnte schdlich, schriftwidrig,
antichristlich sein, aber ungesetzlich war sie gewi nicht, und sie fr
ungesetzlich erklren, hie dem gesunden Verstande ins Gesicht schlagen.
Die Whigfhrer wnschten jedoch viel sehnlicher, das Episkopat
loszuwerden, denn sich als ausgezeichnete Publicisten und Logiker zu
erweisen. Wenn sie die Abschaffung des Episkopats zu einem Artikel des
Vertrags machten, kraft dessen Wilhelm die Krone tragen sollte, so
erreichten sie ihren Zweck, wenn auch ohne Zweifel auf eine Weise,
welche der Kritik starke Blen gab. Begngten sie sich dagegen zu
beschlieen, da das Episkopat eine schdliche Institution sei, welche
frher oder spter abzuschaffen die Legislatur wohl thun werde, so
konnten sie finden, da ihr Beschlu zwar in formeller Hinsicht keine
Einwendung zulie, doch unfruchtbar an Consequenzen war. Sie wuten, da
Wilhelm keineswegs mit ihrer Abneigung gegen die Bischfe sympathisirte
und da, selbst wenn er fr das calvinistische Vorbild weit mehr
eingenommen gewesen wre, als er es war, sein Verhltni zu der
anglikanischen Kirche es fr ihn schwierig und gefhrlich gemacht haben
wrde, sich zum Feinde eines Grundbestandtheils der Verfassung dieser
Kirche zu erklren. Wenn er Knig von Schottland wurde, ohne in diesem
Punkte durch eine Zusicherung gebunden zu sein, so konnte man wohl
frchten, da er zgern wrde, eine Acte zu erlassen, welche von einem
groen Theile seiner Unterthanen im Sden der Insel mit Abscheu
betrachtet werden wrde. Es war daher sehr zu wnschen, da die Frage
erledigt wurde, so lange der Thron noch unbesetzt war. In dieser Ansicht
stimmten viele Politiker berein, die zwar keinen Widerwillen gegen
Chorhemden und Bischofsmtzen hegten, die aber wnschten, da Wilhelm
eine ruhige und gedeihliche Regierung haben mchte. Das schottische Volk
-- so rsonnirten diese Leute -- hate das Episkopat. Das englische Volk
liebte es. Wilhelm eine Stimme in dieser Angelegenheit lassen, hiee ihn
in die Nothwendigkeit versetzen, die strksten Gefhle einer der
Nationen, die er regierte, zu verwunden. Es liege daher offenbar in
seinem eignen Interesse, da die Frage, die er selbst in keiner Weise
erledigen knnte, ohne sich schwere Vorwrfe zuzuziehen, anstatt seiner
durch Andere erledigt wrde, die einer solchen Gefahr nicht ausgesetzt
wren. Er sei noch nicht Beherrscher von Schottland. Whrend der Dauer
des Interregnums gehre die hchste Gewalt den Stnden und fr das was
die Stnde thun mchten, knnten die Prlatisten seines sdlichen
Knigreichs ihn nicht verantwortlich machen. Der ltere Dalrymple
schrieb aus London eindringlich in diesem Sinne, und es kann kaum einem
Zweifel unterliegen, da er die Gesinnungen seines Gebieters ausdrckte.
Wilhelm wrde sich aufrichtig gefreut haben, wenn die Schotten mit einem
modificirten Episkopat htten ausgeshnt werden knnen. Da dies aber
nicht sein knne, so sei es offenbar wnschenswerth, da sie, so lange
noch kein Knig ber ihnen stehe, selbst das unwiderrufliche
Verdammungsurtheil ber die Institution aussprchen, die sie
verabscheuten.[46]

Die Convention nahm daher wie es scheint, nach kurzer Debatte in die
Rechtsforderung eine Klausel auf, welche erklrte, da die Prlatur eine
unertrgliche Last fr das Knigreich, da sie der groen Masse des
Volks seit langer Zeit verhat sei und da sie abgeschafft werden msse.


Die Folter.

Nichts in den Vorgngen zu Edinburg setzt einen Englnder mehr in
Erstaunen, als das Verfahren der Stnde in Bezug auf die Tortur. In
England war die Folter stets gesetzwidrig gewesen. Selbst in den
servilsten Zeiten hatten die Richter sie einstimmig dafr erklrt. Die
Herrscher, welche gelegentlich ihre Zuflucht zu derselben genommen,
hatten sie so weit mglich im Geheimen angewendet, hatten nie behauptet,
da sie im Einklange mit dem Staatsgesetz oder mit dem gemeinen Recht
gehandelt und hatten sich damit entschuldigt, da sie sagten, die
auerordentliche Gefahr, der der Staat ausgesetzt sei, habe
sie gezwungen, die Verantwortlichkeit fr auerordentliche
Vertheidigungsmittel auf sich zu nehmen. Kein englisches Parlament hatte
es daher je fr nthig gehalten, eine Acte oder einen Beschlu in Bezug
auf diesen Gegenstand zu erlassen. Die Tortur war weder in der Bitte um
Recht noch in irgend einem von dem Langen Parlament entworfenen Gesetze
erwhnt. Kein Mitglied der Convention von 1689 dachte daran
vorzuschlagen, da die Urkunde, welche den Prinzen und die Prinzessin
von Oranien auf den Thron berief, eine Erklrung gegen die Anwendung von
Folterbnken und Daumenschrauben zu dem Zwecke, Gefangene zur
Selbstanklage zu zwingen, enthalten solle. Eine solche Erklrung wrde
mit Recht eher als eine Schwchung denn als Krftigung einer Regel
betrachtet worden sein, welche schon zu den Zeiten der Plantagenets von
den berhmteren Weisen von Westminsterhall mit Stolz fr einen
unterscheidenden Zug der englischen Rechtswissenschaft erklrt worden
war.[47] In der schottischen Rechtsforderung wurde die Anwendung der
Tortur, ohne Beweis, oder in gewhnlichen Fllen, fr gesetzwidrig
erklrt. Daraus ergiebt sich folgerichtig, da die Tortur in Fllen wo
starker Beweis vorhanden war oder wo ein auerordentliches Verbrechen
vorlag, fr gesetzmig erklrt war; auch fhrten die Stnde die Tortur
nicht unter den Mibruchen auf, welche gesetzliche Abhlfe erheischten.
In der That, sie konnten die Tortur nicht verdammen, ohne sich selbst zu
verdammen. Der Zufall wollte, da, whrend sie sich mit der Feststellung
der Regierung beschftigten, der beredte und gelehrte Lord-Prsident
Lockhardt, als er eines Sonntags aus der Kirche kam, auf offener Strae
ermordet wurde. Der Mrder ward ergriffen und erwies sich als ein
Elender, der, nachdem er seine Gattin barbarisch behandelt und aus dem
Hause geworfen, durch ein Decret des Court of Session gezwungen worden
war, fr ihren Unterhalt zu sorgen. Ein wthender Ha gegen die Richter,
die sie in Schutz genommen, hatte sich seiner bemchtigt und ihn zu
einem entsetzlichen Verbrechen und einem entsetzlichen Schicksale
getrieben. Es war natrlich, da eine von so erschwerenden Umstnden
begleitete Mordthat den Unwillen der Mitglieder der Convention erregte.
Gleichwohl htten sie den kritischen Ernst des Augenblicks und die
Wichtigkeit ihrer Mission bedenken sollen. Leider aber befahlen sie in
der Hitze der Leidenschaft dem Magistrate von Edinburg, den Gefangenen
die spanischen Stiefeln anzulegen, und ernannten einen Ausschu zur
Beaufsichtigung der Operation. Htte dieser unselige Vorfall nicht
stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, da das schottische Gesetz
bezglich der Tortur ohne weiteres dem englischen Gesetze assimilirt
worden wre.[48]

Nach Feststellung der Rechtsforderung schritt die Convention zur
Revision des Krnungseides. Als dies gethan war, wurden drei Mitglieder
ernannt, welche die Regierungsurkunde nach London bringen sollten.
Argyle, obwohl streng genommen dem Sinne des Gesetzes nach kein Peer,
wurde zum Vertreter der Peers gewhlt; Sir Jakob Montgomery
reprsentirte die Deputirten der Grafschaften, und Sir Johann Dalrymple
die der Stdte.

Hierauf vertagten sich die Stnde auf einige Wochen, nachdem sie noch
einen Beschlu gefat hatten, welcher Hamilton ermchtigte diejenigen
Maregeln zu ergreifen, die zur Aufrechthaltung der ffentlichen Ruhe
bis zum Schlusse des Interregnums nothwendig erscheinen knnten.


Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an.

Die Ceremonie der Inauguration unterschied sich von gewhnlichen
Feierlichkeiten dieser Art durch einige hchst interessante Umstnde. Am
11. Mai kamen die drei Commissare in das Berathungszimmer zu Whitehall
und begaben sich von dort, begleitet von fast allen zur Zeit in London
anwesenden vornehmen Schotten, nach dem Bankethause. Hier saen Wilhelm
und Marie unter einem Baldachin. Ein glnzender Kreis von englischen
Edelleuten und Staatsmnnern umgab den Thron; den Staatsdegen aber trug
ein schottischer Lord und der Amtseid wurde nach schottischem Brauch
abgenommen, Argyle sagte die Formel langsam vor und das knigliche Paar
sprach sie nach bis zu dem letzten Satze. Hier hielt Wilhelm inne.
Dieser Satz enthielt das Versprechen, da er alle Ketzer und alle Feinde
der wahren Gottesverehrung ausrotten wolle, und es war notorisch, da in
den Augen vieler Schotten nicht nur alle Katholiken, sondern auch alle
protestantischen Episkopalen, alle Independenten, Baptisten und Quker,
alle Lutheraner, ja selbst alle britischen Presbyterianer, die sich
durch den feierlichen Bund und Covenant nicht gebunden glaubten, Feinde
der wahren Gottesverehrung waren.[49] Der Knig hatte die Commissare
darauf aufmerksam gemacht, da er diesen Theil des Eides nicht ohne eine
bestimmte und ffentliche Erklrung leisten knne, und sie waren von der
Convention autorisirt worden, eine Erklrung zu geben, die ihn
befriedigen wrde. Ich mag mich, sagte er jetzt, in keiner Weise
verpflichten, ein Verfolger zu sein. -- Weder die Worte dieses Eides,
entgegnete hierauf einer der Commissare, noch die Gesetze Schottland's
legen Eurer Majestt eine solche Verpflichtung auf. -- In diesem Sinne
schwre ich denn, versetzte Wilhelm, und ich ersuche Sie alle, Mylords
und Gentlemen, zu bezeugen, da ich dies thue. Selbst seine Verleumder
haben allgemein zugegeben, da er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit
mit Freimthigkeit, Wrde und Weisheit handelte.[50]


Unzufriedenheit der Covenanters.

Als Knig von Schottland sah er sich bald bei jedem Schritte von allen
den Schwierigkeiten, mit denen er als Knig von England zu kmpfen
gehabt, und auch noch von anderen Schwierigkeiten umringt, die in
England glcklicherweise unbekannt waren. Im Norden der Insel war keine
Klasse unzufriedener mit der Revolution als die Klasse, die der
Revolution am meisten verdankte. Die Art und Weise, wie die Convention
die Frage der Kirchenverfassung entschieden, hatte den Bischfen selbst
nicht mehr mifallen als den heftigen Convenanters, welche trotz Schwert
und Carabiner, trotz Folter und Galgen ihren Schpfer lange nach ihrer
Art in Hhlen und auf Bergspitzen verehrt hatten. Habe man jemals,
riefen diese Zeloten aus, ein solches Schwanken zwischen zwei Meinungen,
eine solche Annherung zwischen dem Herrn und Baal gesehen? Die Stnde
htten sagen sollen, das Episkopat sei in den Augen Gottes ein Greuel
und sie seien aus Gehorsam gegen sein Wort und aus Furcht vor seiner
gerechten Strafe entschlossen, gegen diese groe nationale Snde und
Schmach so aufzutreten wie die heiligen Regenten, welche die Haine und
Altre Chamos' und Astarte's zerstrten. Leider werde Schottland nicht
durch fromme Josias, sondern durch sorglose Gallios regiert. Die
antichristliche Hierarchie msse abgeschafft werden, nicht weil sie eine
Beleidigung des Himmels sei, sondern weil sie auf Erden als eine
drckende Last gefhlt werde, nicht weil sie dem groen Oberhaupte der
Kirche, sondern weil sie dem Volke verhat sei. Sei denn die ffentliche
Meinung der Prfstein fr Recht und Unrecht in der Religion? Msse nicht
die Ordnung, welche Christus in seinem eigenen Hause eingefhrt, in
allen Lndern und durch alle Zeiten heilig gehalten werden? Und sei fr
die Festhaltung dieser Ordnung in Schottland kein andrer Grund vorhanden
als der, welcher mit gleichem Gewicht fr die Aufrechthaltung der
Prlatur in England, des Papstthums in Spanien und des Muhamedanismus in
der Trkei geltend gemacht werden knne? Warum erwhne man nichts von
den Convenants, welche die Nation so allgemein unterschrieben und so
allgemein verletzt habe? Warum erklre man nicht deutlich und bestimmt,
da die in diesen Urkunden niedergelegten Versprechungen noch immer fr
das Knigreich bindend seien und bis ans Ende aller Zeiten bindend
bleiben wrden? Sollten diese Wahrheiten aus Rcksicht gegen die Gefhle
und Interessen eines Frsten unterdrckt werden, der Alles fr Alle sei,
ein Bundesgenosse des gtzendienerischen Spaniers und des lutherischen
Dnen, ein Presbyterianer im Haag und ein Prlatist in Whitehall? Er
habe allerdings, wie einst Jehu, in soweit gut gethan, da er die Geiel
des gtzendienerischen Hauses Ahab's geworden sei. Aber auch er sei, wie
Jehu, nicht darauf bedacht gewesen, von ganzem Herzen den Pfad des
gttlichen Gesetzes zu wandeln, sondern habe Gottlosigkeiten geduldet
und verbt, die sich nur der Gre nach von denen unterschieden, zu
deren Feinde er sich erklrt habe. Es wrde gottesfrchtigen Senatoren
besser geziemt haben, ihm Vorstellungen zu machen ber die Snde, die er
begehe, indem er sich dem anglikanischen Ritus anschliee und die
anglikanische Kirchenverfassung aufrechterhalte, anstatt ihm durch
Anwendung von Phrasen zu schmeicheln, welche verriethen, da sie eben so
sehr vom Erastianismus angesteckt seien wie er. Viele von Denen, welche
diese Sprache fhrten, weigerten sich irgend einen Schritt zu thun, der
als eine Anerkennung der neuen Souveraine ausgelegt werden konnte, und
sie htten lieber ganze Glieder von Musketieren auf sich feuern oder
sich ber dem Niveau der Ebbe an Pfhle anbinden lassen, als da sie
Gott gebeten htten, Wilhelm und Marien zu segnen.


Ministerielle Einrichtungen in Schottland.

Indessen hatte der Knig von dem hartnckigen Festhalten dieser Leute an
ihren abgeschmackten Grundstzen weniger zu frchten als von dem Ehrgeiz
und der Habsucht einer andren Sorte von Menschen, welche gar keine
Grundstze hatten. Es war nothwendig, da er unverzglich Minister
ernannte, welche die Regierung Schottland's leiteten, und er mochte dazu
ernennen wen er wollte, so mute er nothwendig eine Menge von
Expectanten in ihren Erwartungen tuschen und sie dadurch erbittern.
Schottland war eines der rmsten Lnder Europa's; dennoch aber besa
kein Land in Europa eine grere Anzahl gewandter und selbstschtiger
Politiker. Die Krone hatte nicht genug Stellen zu vergeben, um nur ein
Zwanzigstel der Stellenjger zu befriedigen, von denen jeder glaubte,
da er hervorragende Dienste geleistet habe und da man sich seiner
vorzugsweise erinnern msse. Wilhelm that sein Mglichstes, um diese
zahllosen und unersttlichen Aspiranten zu befriedigen, indem er viele
Aemter Commissionen bertrug. Einige wichtige Posten konnte er jedoch
nicht theilen.


Hamilton.

Hamilton wurde zum Lord Obercommissar ernannt, in der Hoffnung, da ein
enormer Gehalt, eine Wohnung in Holyrood Palace und eine fast knigliche
Pracht und Wrde ihn zufriedenstellen wrden.


Crawford.

Der Earl von Crawford ward zum Prsidenten des Parlaments ernannt, und
man glaubte, da diese Ernennung die strengen Presbyterianer befriedigen
werde, denn Crawford war was sie einen Bekenner nannten. Seine Briefe
und Reden sind, um sich seines eignen Ausdrucks zu bedienen, ungemein
lieblich. Unter den hervorragenden Politikern der damaligen Zeit hatte
er allein, oder doch fast allein, den Styl beibehalten, der unter der
vorhergehenden Generation im Schwunge gewesen war. Er hatte fr jede
Gelegenheit eine Stelle aus dem Alten Testament bereit. Er fllte seine
Depeschen mit Anspielungen auf Ismael und Hagar, Hanna und Eli, Elisa,
Nehemia und Zerubabel und schmckte seine Reden mit Citaten aus Esra und
Haggai. Ein Umstand, der den Mann und die Schule, in der er gebildet
war, auffallend characterisirt, ist der, da in der ganzen Masse seiner
auf uns gekommenen Schriften nicht ein einziges Wort vorkommt, welches
darauf hindeutete, da er je in seinem Leben vom Neuen Testament etwas
gehrt htte. Selbst noch in unsrer Zeit sind Leute von eigenthmlicher
Geschmacksrichtung durch seine salbungsvolle Sprache so entzckt worden,
da sie ihn allen Ernstes fr einen Heiligen erklrt haben. In den Augen
Derer, welche die Menschen mehr nach ihren Thaten als nach ihren Worten
zu beurtheilen pflegen, wird Crawford als ein egoistischer und grausamer
Politiker erscheinen, der sich durch sein Gewinsel keineswegs dupiren
lie und dessen Eifer gegen die bischfliche Kirchenverfassung nicht
wenig durch das Verlangen nach bischflichen Gtern angespornt wurde.
Zur Entschuldigung seiner Habgier mu man sagen, da er der rmste
Adelige eines armen Adels war und da er vor der Revolution zuweilen
nicht wute, wo er eine Mahlzeit und einen Anzug hernehmen sollte.[51]


Die Dalrymple. -- Lockhart.

Der befhigtste der schottischen Politiker und Wettkmpfer, Sir Johann
Dalrymple, wurde zum Lord Advokaten ernannt. Sein Vater, Sir Jakob, der
grte schottische Jurist, wurde an die Spitze des Court of Session
gestellt. Sir Wilhelm Lockhart, ein Mann, dessen Briefe beweisen, da er
ein bedeutendes Talent besa, wurde Generalprokurator.


Montgomery.

Sir Jakob Montgomery hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt, erster
Minister zu werden. Er hatte sich in der Convention sehr ausgezeichnet
und war einer der Commissare gewesen, welche den neuen Souverainen die
Krone berreicht und den Eid abgenommen hatten. An parlamentarischer
Geschicklichkeit und Beredtsamkeit stand unter seinen Landsleuten Keiner
ber ihm, auer dem neuen Lord Advokaten. Das Staatssekretariat war,
wenn auch nicht in Ansehen, so doch dem wirklichen Einflusse nach das
hchste Amt bei der schottischen Regierung, und dieses Amt war der Lohn,
auf welchen Montgomery gerechten Anspruch zu haben glaubte. Aber die
Episkopalen und die gemigten Presbyterianer frchteten ihn als einen
Mann von extremen Ansichten und rachschtigem Character. Er war ein
Oberhaupt der Covenanters gewesen, war einmal wegen Conventikelhaltens,
ein andermal wegen Beherbergung von Rebellen zur Untersuchung gezogen
worden, war mit Geldbuen und Gefngni bestraft und fast dazu getrieben
worden, jenseit des atlantischen Meeres in der jungen Colonie New Jersey
eine Zuflucht vor seinen Feinden zu suchen. Man frchtete daher, da,
wenn er jetzt die ganze Gewalt der Krone in seine Hnde bekme, er
furchtbare Wiedervergeltung fr die erduldeten Leiden ben wrde.[52]


Melville.

Wilhelm zog deshalb Melville vor, der zwar kein Mann von ausgezeichneten
Talenten, aber von den Presbyterianern als ein entschiedener Freund und
doch von den Episkopalen nicht als ein unvershnlicher Feind betrachtet
wurde. Melville nahm seinen Wohnsitz am englischen Hofe und wurde das
ordentliche Communicationsorgan zwischen Kensington und den Autoritten
von Edinburg.


Carstairs.

Wilhelm hatte jedoch einen schottischen Rathgeber, der mehr Einflu
verdiente und besa als irgend einer der ostensiblen Minister. Dies war
Carstairs, einer der bedeutendsten Mnner der damaligen Zeit. Er verband
eine umfassende wissenschaftliche Bildung, eine groe Befhigung fr
Staatsgeschfte, und den festen Glauben und glhenden Eifer eines
Mrtyrers mit der Klugheit und Geschmeidigkeit eines vollendeten
Staatsmannes. In Bezug auf Muth und Treue glich er Burnet, aber er besa
das was Burnet fehlte: Urtheilsgabe, Selbstbeherrschung und eine seltene
Verschwiegenheit. Es gab keinen Posten, den er nicht htte erreichen
knnen, wenn er ein Laie oder ein Priester der englischen Kirche gewesen
wre. Aber ein presbyterianischer Geistlicher durfte nicht hoffen, weder
im Norden noch im Sden der Insel zu einer hohen Wrde zu gelangen.
Carstairs mute sich mit der factischen Macht begngen und den Anschein
derselben Anderen berlassen. Er wurde zum Kaplan Ihrer Majestten fr
Schottland ernannt; wo sich aber der Knig aufhalten mochte, ob in
England, oder in Irland, oder in den Niederlanden, da war auch dieser
zuverlssigste und klgste aller Hflinge. Des Knigs Gte gewhrte ihm
ein bescheidenes Auskommen, und mehr verlangte er nicht. Aber es war
wohl bekannt, da er ein eben so ntzlicher Freund und ein eben so
furchtbarer Feind sein konnte als irgend ein Mitglied des Cabinets, und
man hatte ihm in den Bureaux und in den Vorzimmern des Palastes den sehr
bezeichnenden Beinamen des Cardinals gegeben.[53]


Bildung des Clubs; Annandale, Ro.

Montgomery wurde das Amt des Lord Justice Clerk angeboten. Aber dieser
obgleich hohe und ehrenvolle Posten schien ihm seiner Verdienste und
seiner Talente unwrdig und er kehrte von London nach Schottland zurck,
das Herz von Ha gegen seinen undankbaren Gebieter und gegen seine
glcklichen Nebenbuhler erfllt. In Edinburg unterwarf sich ein Huflein
Whigs, welche durch die neuen Einrichtungen eben so schmerzlich in ihren
Erwartungen getuscht worden waren wie er selbst, bereitwillig der
Leitung eines so khnen und geschickten Fhrers. Unter seiner Direction
bildeten diese Mnner, unter denen der Earl von Annandale und Lord Ro
die bedeutendsten waren, einen Verein, der Club genannt, whlten einen
Schriftfhrer und kamen tglich in einer Taverne zusammen, um
Oppositionsplne zu berathen. Um diesen Kern schaarte sich bald eine
groe Anzahl ehrschtiger und erbitterter Politiker.[54] Mit diesen
unredlichen Unzufriedenen, die keinen andren Zweck hatten, als der
Regierung zu schaden und Stellen zu erhaschen, verbanden sich andere
Mivergngte, welche im Laufe eines langen Widerstandes gegen Tyrannei
so verderbt und reizbar geworden waren, da sie selbst unter der
mildesten und constitutionellsten Regierung nicht zufrieden leben
konnten.


Hume.

Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus dem Exil ebenso
streitschtig, ebenso unlenksam, ebenso neidisch auf jede hhere
Autoritt und als ein ebenso leidenschaftlicher Redner zurckgekehrt,
wie er vier Jahre frher gewesen, und er wnschte eben so sehr Wilhelm
zu einem blo nominellen Souverain zu machen, als er frher gewnscht
hatte, Argyle zu einem blo nominellen Anfhrer zu machen.[55]


Fletcher von Saltoun.

Ein in moralischer und geistiger Hinsicht hoch ber Hume stehender Mann,
Fletcher von Saltoun, gehrte ebenfalls zu dieser Partei. Obwohl nicht
Mitglied der Convention, war er doch ein sehr thtiges Mitglied des
Clubs.[56] Er hate die Monarchie und auch die Demokratie; sein
Lieblingsplan war, Schottland zu einer oligarchischen Republik zu
machen. Der Knig, wenn nun einmal ein Knig sein msse, sollte eine
bloe Puppe sein. Die niederste Klasse des Volks sollte leibeigen und
die ganze legislative wie executive Gewalt in den Hnden des Parlaments
sein. Mit anderen Worten: das Land sollte durch einen Erbadel, den
rmsten, stolzesten und streitschtigsten in Europa, unumschrnkt
regiert werden. Unter einer solchen Regierung konnte weder von Freiheit
noch von Ruhe die Rede sein. Handel, Industrie und Wissenschaft wrden
eingegangen und Schottland ein kleines Polen geworden sein mit einer
Puppe als Souverain, einem strmischen Reichstage und einem geknechteten
Volke. Mit unglcklichen Amtscandidaten und mit ehrlichen aber
verkehrten Republikanern waren Politiker vermischt, deren Haltung nur
durch die Furcht bestimmt wurde. Viele Schmarotzer, die sich bewut
waren, in der schlimmen Zeit Strafwrdiges gethan zu haben, wollten sich
gern mit dem mchtigen und rachschtigen Club ausshnen und waren froh,
da sie ihrer Servilitt gegen Jakob durch ihre Opposition gegen Wilhelm
wieder gut machen durften.[57] Die groe Masse der Jakobiten hielt sich
inzwischen entfernt, sah mit Wohlbehagen die Feinde des Hauses Stuart
uneinig unter einander und gab sich der Hoffnung hin, da die Verwirrung
mit der Wiedereinsetzung des verbannten Knigs enden werde.[58]


In den Hochlanden bricht Krieg aus.

Whrend Montgomery sich anstrengte, aus verschiedenen Elementen eine
Partei zu bilden, welche beim Wiederzusammentritt der Convention mchtig
genug sein konnte, um dem Throne Vorschriften zu machen, hatte ein noch
furchtbarerer Feind als Montgomery die Fahne des Brgerkriegs in einer
Gegend aufgesteckt, von der die Politiker von Westminster und selbst die
meisten Politiker von Edinburg nicht mehr wuten als von Abyssinien oder
Japan.


Zustand der Hochlande.

Ein moderner Englnder, der in einem Tage aus seinem Club in St. James
Street auf sein Jagdschlo in den Grampians gelangen kann und der in
seinem Jagdschlosse alle Bequemlichkeiten und Luxusgegenstnde seines
Clubs findet, wird kaum glauben knnen, da zur Zeit seiner Urgrovter
St. James Street mit den Grampians eben so wenig in Verbindung stand wie
mit den Anden. Und doch war dem so. Im Sden unsrer Insel wute man fast
gar nichts von dem celtischen Theile Schottland's, und was man etwa
wute, erweckte kein andres Gefhl als Verachtung und Widerwillen. Die
Klippen und Schluchten, die Wlder und Gewsser waren zwar die
nmlichen, welche gegenwrtig jeden Herbst von entzckten Beschauern und
Landschaftszeichnern wimmeln. Der Trosachs schlngelte sich wie heute
zwischen gigantischen, mit Ginster und wilden Rosen bewachsenen
Felswnden hin, der Foyers kam mit demselben Hpfen und demselben
Rauschen, mit dem er noch heute dem Nesee zueilt, durch den Birkenwald
herab, und der schneegekrnte Scheitel des Ben Cruachan erhob sich, der
Junisonne spottend, wie heute, ber die mit Weiden bedeckten Inselchen
des Awesees. Aber keine dieser Landschaften vermochte bis in die neuere
Zeit einen einzigen Dichter oder Maler aus wohlhabenderen und ruhigeren
Gegenden herbeizulocken. Gesetz und Polizei, Handel und Industrie haben
in der That viel mehr, als Leute von romantischen Ansichten bereitwillig
zugeben werden, dazu beigetragen, den Sinn fr die wilderen
Naturschnheiten in uns zu wecken. Ein Reisender mu frei von jeder
Besorgni sein, ermordet zu werden, oder vor Hunger umzukommen, ehe er
sich an den khnen Umrissen und an der Farbenpracht der Berge erfreuen
kann. Er wird so leicht nicht ber den Anblick eines steilen Abgrundes
entzckt sein, wenn er in Gefahr schwebt, zweitausend Fu tief in
denselben hinabzustrzen; ebenso wenig ber den Anblick kochender
Fluthen eines Waldstroms, der pltzlich sein Gepck mit fort schwemmt
und ihn zwingt, sein Heil in der Flucht zu suchen; oder ber den Anblick
der schauerlichen Majestt eines Gebirgspasses, wo er einen Leichnam
findet, den Ruber eben ausgeplndert und verstmmelt haben; oder ber
das Gekrchz der Adler, deren nchste Mahlzeit vielleicht eines seiner
eigenen Augen sein kann. Um's Jahr 1730 schrieb Capitain Burt, der erste
Englnder, der die Gegenden besuchte, welche jetzt Vergngungsreisende
aus allen Theilen der gebildeten Welt herbeiziehen, ein Buch ber seine
Wanderungen. Er war unverkennbar ein Mann von umsichtigem, beobachtendem
und gebildetem Geiste und wrde, wenn er in unsrer Zeit gelebt htte,
ohne Zweifel mit einem Gemisch von Ehrfurcht und Wonne die Berge von
Inverneshire betrachtet haben. Da er aber mit den zu seiner Zeit
allgemein vorherrschenden Ansichten schrieb, so erklrte er diese
Gebirge fr monstrse Auswchse. Er sagte, sie seien dermaen
migestaltet, da die nacktesten Ebenen im Vergleich mit ihnen lieblich
erscheinen mten. Schnes Wetter, meinte er, mache den traurigen
Anblick nur noch trauriger, denn je heller der Tag, um so unangenehmer
berhrten diese formlosen Massen von dstrem Braun und schmutzigem Roth
das Auge. Welch' ein Contrast, rief er aus, zwischen diesen grauenhaften
Gegenden und den Schnheiten von Richmond Hill![59] Manche Leute werden
glauben, Burt sei ein Mann von alltglichem und prosaischem Geiste
gewesen; aber sie werden es wohl schwerlich wagen, eine hnliche Ansicht
ber Oliver Goldsmith auszusprechen. Goldsmith war einer der wenigen
Sachsen, welche vor mehr als einem Jahrhunderte den Muth hatten, die
schottischen Hochlande zu bereisen. Die abschreckende Wildheit der
Gegenden machte einen widerlichen Eindruck auf ihn, und er erklrte, da
er die reizende Umgebung von Leyden, die weite Flche grner Wiesen und
die Landhuser mit ihren Statuen und Grotten, ihren sauberen
Blumenbeeten und geradlinigen Alleen bei weitem vorziehe. Es ist
indessen schwer zu glauben, da der Verfasser des ^Traveller^ und des
^Deserted Village^ den Tausenden von Handlungsdienern und
Putzmacherinnen, welche jetzt beim Anblick des Katrinesees und des
Lomondsees in Entzcken gerathen, an natrlichem Geschmack und Sinn fr
Naturschnheiten nachgestanden haben sollte. Seine Empfindungen sind
leicht zu erklren. Erst nachdem Straen durch die Felsen gehauen,
nachdem Brcken ber die Giebche geschlagen, nachdem Gasthuser an die
Stelle der Ruberhhlen getreten, nachdem man in den wildesten Pssen
von Badenoch oder Lochaber eben so wenig Gefahr lief ermordet zu werden
wie in Cornhill, konnten die blauen Gewsser der Seen und die ber den
Wasserfllen hngenden Regenbogen den Fremden bezaubern und ihn selbst
an den auf den Bergspitzen lauernden Wolken und Strmen ein feierliches
Vergngen finden lassen.

Die vernderten Empfindungen, mit denen die Bewohner des Niederlandes
die Scenerie des Hochlandes betrachteten, war eng verbunden mit einer
nicht minder auffallenden Vernderung der Gesinnungen, mit denen sie den
hochlndischen Menschenschlag betrachteten. Es ist kein Wunder, wenn die
wilden Schotten, wie man sie zuweilen nannte, im 17. Jahrhunderte von
den Sachsen als bloe Wilde angesehen wurden. Sonderbar aber ist es
gewi, da sie, obgleich sie als Wilde betrachtet wurden, nicht
Gegenstnde des Interesses und der Neugierde waren. Die Englnder
studirten damals mit bergroem Eifer die Sitten roher, durch groe
Continente und Meere von unsrer Insel getrennter Nationen. Es erschienen
zahlreiche Bcher, welche die Gesetze, den Aberglauben, die Htten, die
Mahlzeiten, die Trachten, die Hochzeiten und Bestattungsgebruche der
Lapplnder und Hottentotten, der Mohawks und Malayen beschrieben. Die
Theaterstcke und Gedichte aus jener Zeit sind reich an Anspielungen auf
die Gebruche der afrikanischen Schwarzen und der amerikanischen
Rothhute. Der einzige Barbar, nach dessen nherer Kenntni Niemanden
verlangte, war der Hochlnder. Fnf oder sechs Jahre nach der Revolution
verffentlichte ein unermdlicher Angler ein Werk ber Schottland. Er
rhmte sich, im Laufe seiner Wanderungen von See zu See und von Bach zu
Bach kaum einen Winkel des Knigreichs unerforscht gelassen zu haben.
Wenn wir aber seine Erzhlung nher prfen, so finden wir, da er sich
nicht ber die uersten Grenzen der celtischen Region hinausgewagt hat.
Er sagt uns, da er selbst von den Leuten, welche dicht bei den
Gebirgspssen wohnten, ber die glische Bevlkerung nichts habe
erfahren knnen. Wenige Englnder, schreibt er, htten Inverary je
gesehen, und jenseit Inverary sei Alles ein Chaos.[60] Unter der
Regierung Georg's I. erschien ein Werk, welches einen sehr genauen
Bericht ber Schottland zu geben behauptete und in diesem ber
dreihundert Seiten starken Werke waren zwei geringschtzende Paragraphen
als fr die Hochlande und die Hochlnder gengend erachtet.[61] Wir
drfen wohl zweifeln, ob im Jahre 1689 ein einziger von den zwanzig der
wohlbelesenen Gentlemen, welche Will's Kaffeehaus besuchten, wute, da
es innerhalb des Bereichs der vier Meere und in einer Entfernung von
weniger als fnfhundert Meilen von London viele Miniaturhfe gab, in
deren jedem ein kleiner Frst, umgeben von Leibgarden, Waffentrgern,
Musikern, einem erblichen Redner und einem erblichen Hofpoeten, einen
rohen Hofstaat unterhielt, eine rohe Justiz ausbte, Krieg fhrte und
Vertrge schlo. So lange die alten glischen Institutionen in voller
Kraft bestanden, war kein Bericht ber sie von einem zur richtigen
Beurtheilung derselben befhigten Beobachter erschienen. Htte ein
solcher Beobachter die Hochlnder studirt, so wrde er ohne Zweifel
darin ein inniges Gemisch der guten und schlechten Eigenschaften einer
uncivilisirten Nation gefunden haben. Er wrde gefunden haben, da das
Volk weder sein Vaterland noch seinen Knig liebte, da es keine
Anhnglichkeit an ein greres Gemeinwesen als den Clan, oder an eine
hhere Behrde als den Huptling hatte. Er wrde gefunden haben, da das
dortige Leben durch ein Gesetzbuch der Moral und Ehre geregelt wurde,
welches himmelweit verschieden war von dem in friedlichen und
prosperirenden Gesellschaften geltenden. Er wrde gelernt haben, da ein
Messerstich in den Rcken oder ein Schu hinter einem Felsblocke hervor
gebilligte Wege waren, um sich fr Beleidigungen Satisfaction zu
verschaffen. Er wrde Leute mit Stolz haben erzhlen hren, wie sie oder
ihre Vter an Erbfeinden in einem benachbarten Thale eine Rache
ausgebt, ber welche alte Soldaten des dreiigjhrigen Kriegs
geschaudert haben wrden. Er wrde gefunden haben, da das
Ruberhandwerk fr einen nicht nur unschuldigen, sondern sogar
ehrenvollen Beruf galt. Er wrde allenthalben, wohin er den Blick
wendete, die allen Wilden characteristische Abneigung gegen eine
geregelte Thtigkeit, und die Geneigtheit, den schwersten Theil der
Handarbeit auf das schwchere Geschlecht zu wlzen, gesehen haben. Er
wrde erstaunt sein ber den Anblick athletischer Mnner, die sich in
der Sonne wrmten, Lachse angelten oder Birkhhner schossen, whrend
ihre greisen Mtter, ihre schwangeren Frauen und ihre zarten Tchter die
drftige Haferernte einbrachten. Und die Weiber beklagten sich nicht
ber ihr hartes Loos. In ihren Augen war es ganz schicklich, da ein
Mann, besonders wenn er den aristokratischen Titel Duinhe Wassel fhrte
und seine Mtze mit einer Adlerfeder schmckte, der Ruhe pflog, wenn er
nicht focht, jagte oder plnderte. Den Namen eines solchen Mannes in
Verbindung mit dem Handel oder mit einer mechanischen Beschftigung zu
nennen, war eine Beleidigung. Der Landbau war zwar minder verachtet,
aber es war doch fr einen hochgebornen Krieger eine viel angemessenere
Beschftigung, fremdes Land zu plndern, als sein eignes zu bestellen.
Die Religion des greren Theils der Hochlande war ein rohes Gemisch von
Papismus und Heidenthum. Das Symbol der Erlsung war mit heidnischen
Opfern und Beschwrungsformeln verbunden. Getaufte Menschen brachten dem
einen Dmon Libationen von Ale und setzten fr einen andren Trankopfer
von Milch aus. Seher wickelten sich in Ochsenhute und erwarteten so die
Inspiration, welche die Zukunft enthllen sollte. Selbst unter den
Minstrels und Genealogen, deren erblicher Beruf es war, die Erinnerung
vergangener Ereignisse zu bewahren, wrde ein Forscher nur sehr wenige
gefunden haben, welche lesen konnten. Er htte in der That von einer
Kste zur andren reisen knnen, ohne eine Seite gedrucktes oder
geschriebenes Glisch zu entdecken. Er wrde seine Kenntni des Landes
theuer haben bezahlen mssen. Er wrde eben so groe Beschwerden zu
ertragen gehabt haben, als wenn er sich unter den Eskimos oder Samojeden
befunden htte. Hier und da im Schlosse eines vornehmen Lords, der einen
Sitz im Parlamente und im Geheimen Rathe hatte und der einen groen
Theil seines Lebens in den Stdten des Sdens zuzubringen pflegte, wrde
er wohl Perrcken und gestickte Leibrcke, Silbergeschirr und feines
Leinzeug, Spitzen und Juwelen, franzsische Speisen und franzsische
Weine gefunden haben. In der Regel aber htte er sich mit ganz anderen
Quartieren begngen mssen. In vielen Wohnungen wrden die Mbeln, die
Kost, die Kleidung, ja selbst das Haar und die Haut seiner Wirthe seine
Philosophie auf eine harte Probe gestellt haben. Er wrde sich zuweilen
mit einer Htte haben begngen mssen, in der jeder Winkel von
Ungeziefer wimmelte. Er wrde eine mit Torfrauch geschwngerte und durch
hunderterlei ekelhafte Dnste verpestete Luft eingeathmet haben. Zum
Abendessen wrde ihm Korn, das nur zu Pferdefutter taugte, nebst einem
Napfe voll Blut von einer lebenden Kuh vorgesetzt worden sein. Einige
seiner Tischgenossen wrden mit Hautausschlgen bedeckt, andere mit
Theer beschmiert gewesen sein wie die Schafe. Sein Lager wrde der
nackte Erdboden gewesen sein, trocken oder na, je nach dem Wetter, und
er wrde sich von diesem Lager halb vergiftet durch den Gestank, halb
blind vom Torfrauch und halb wahnsinnig vor Jucken erhoben haben.[62]

Dies ist gewi kein anziehendes Bild. Und doch wrde ein einsichtsvoller
und vorurtheilsfreier Beobachter in dem Character und den Sitten dieses
rohen Volks etwas gefunden haben, was wohl Bewunderung und gute
Hoffnungen erwecken konnte. Sie besaen einen Muth, der sich seitdem
durch Heldenthaten in allen vier Welttheilen erprobt hat. Ihre treue
Anhnglichkeit an ihren Stamm und an ihren Patriarchen war zwar vom
politischen Gesichtspunkte ein groes Uebel, hatte aber doch etwas von
dem Character einer Tugend. Das Gefhl war irregeleitet und regellos,
aber es war dennoch heroisch. Es mu eine gewisse Seelengre in einem
Menschen wohnen, der die Gesellschaft, welcher er angehrt und den
Fhrer, dem er folgt, mit einer Zuneigung liebt, welche strker ist als
die Liebe zum Leben. Es ist wahr, der Hochlnder machte sich kein
Gewissen daraus, das Blut eines Feindes zu vergieen, aber nicht minder
wahr ist es, da er hohe Begriffe von der Pflicht der Treue gegen
Bundesgenossen und der Gastfreundschaft gegen Gste hatte. Seine
ruberischen Gewohnheiten waren allerdings fr das Gemeinwesen von
groem Nachtheil; aber Diejenigen irrten sehr, die da glaubten, da er
irgend eine Aehnlichkeit mit den Schurken hatte, welche in reichen und
wohlgeordneten Staaten vom Diebstahle leben. Wenn er die Heerden von
Niederlandsfarmern vor sich her den Pa hinauf trieb, der in seine
heimathliche Schlucht fhrte, hielt er sich eben so wenig fr einen
Dieb, wie ein Raleigh oder Drake sich fr einen Dieb hielt, wenn er die
Ladungen der spanischen Galeonen theilte. Er war ein Krieger, der die
rechtmige Beute des Kriegs in Besitz nahm, eines Kriegs, der whrend
der fnfunddreiig Generationen, welche vorbergegangen waren, seitdem
die teutonischen Eroberer die Kinder des Bodens in die Gebirge getrieben
hatten, niemals unterbrochen worden war. Da er zum Schutze des
friedlichen Gewerbfleies mit der ganzen Strenge des Gesetzes bestraft
wurde, wenn man ihn bei einem Raube nach solchen Grundstzen ergriff,
war vollkommen gerecht. Ungerecht aber war es, ihn in moralischer
Beziehung in eine Kategorie mit den Taschendieben, welche im
Drurylanetheater ihr Unwesen trieben, oder mit den Straenrubern zu
werfen, welche auf Blackheath die Reisewagen anfielen. Sein maloser
Geburtsstolz und seine Verachtung der Arbeit und des Handels waren zwar
groe Schwchen und hatten weit mehr als die Rauhheit des Klima's und
die Unfruchtbarkeit des Bodens dazu beigetragen sein Vaterland arm und
uncultivirt zu erhalten. Doch auch dafr gab es einen Ersatz. Um gerecht
zu sein, mu man anerkennen, da die patrizischen Tugenden unter der
Bevlkerung der Hochlande nicht minder weit verbreitet waren als die
patrizischen Fehler. Wie es keinen andren Theil der Insel gab, wo die
Leute trotz drftiger Kleidung, Wohnung und Nahrung den migen
Schlaraffengewohnheiten einer Aristokratie in einem so hohen Grade
frhnten, so gab es auch keinen Theil der Insel, wo diese Leute in einem
so hohen Grade die besseren Eigenschaften einer Aristokratie, Anmuth und
Wrde des Benehmens, Selbstachtung und jenes edle Zartgefhl besaen,
welches die Entehrung mehr frchtet als den Tod. Ein Gentleman dieser
Art, dessen Kleider von jahrelangem Schmutze besudelt waren und in
dessen Htte es rger roch als in einem englischen Schweinestall, machte
hufig die Honneurs dieser Htte mit einem vornehmen Anstande, welcher
des glnzenden Hofzirkels von Versailles wrdig gewesen wre. Obwohl er
eben so wenig Bchergelehrsamkeit besa, wie der einfltigste
Ackerknecht England's, so wrde es doch ein grober Irrthum gewesen sein,
htte man ihn auf eine Stufe der Intelligenz mit diesen Ackerknechten
stellen wollen. Mit einer Wissenschaft kann der Mensch allerdings nur
durch Lesen genau bekannt werden. Aber die Knste der Poesie und der
Beredtsamkeit knnen in einem Zeitalter wo Bcher gnzlich oder doch
fast gnzlich unbekannt sind, der absoluten Vollkommenheit nahe gebracht
werden und einen groen Einflu auf den Volksgeist ausben. Der erste
groe Lebens- und Sittenmaler hat mit einer Lebendigkeit, welche keinen
Zweifel zulie, da er die Natur treu copirte, den Eindruck geschildert,
den Beredtsamkeit und Gesang auf Zuhrer machten, die nicht einmal das
Alphabet kannten. Es ist wahrscheinlich, da bei den Berathungen der
Hochlnder Mnner, welche dem Amte eines Dorfgerichtsschreibers nicht
gewachsen gewesen waren, Fragen ber Krieg und Frieden, ber Tribut und
Huldigung mit einem eines Halifax und Caermarthen wrdigen Scharfsinn
errterten, und da bei den Banketen der Hochlnder Minstrels, die nicht
lesen konnten, zuweilen Rhapsodien vortrugen, in denen ein verstndiger
Kritiker Stellen gefunden haben wrde, die ihn an die lieblichen Verse
Otway's oder an die krftigen Strophen Dryden's erinnert htten.

Es gab daher schon damals Beweise genug fr die Rechtfertigung des
Glaubens, da der Celte durch keine natrliche Inferioritt dem Sachsen
weit nachstand. Man htte mit Gewiheit voraussagen knnen, da, wenn
eine energische Polizei es dem Hochlnder unmglich gemacht htte, ihm
zugefgtes Unrecht durch Gewalt zu rchen und sich seine Bedrfnisse
durch Raub zu verschaffen, wenn seine Anlagen durch den bildenden
Einflu der protestantischen Religion und der englischen Sprache
entwickelt wrden, wenn er die Zuneigung und Achtung, mit denen er sein
kleines Gemeinwesen und seinen kleinen Frsten betrachten gelernt hatte,
auf sein Vaterland und dessen rechtmige Obrigkeit bertragen knnte,
das Knigreich einen groen Zuwachs an Kraft fr alle Zwecke des
Friedens wie des Kriegs erlangen wrde.

So wrde ohne Zweifel der Ausspruch eines unterrichteten und
unparteiischen Richters gelautet haben. Aber einen solchen Richter gab
es damals nicht. Die von den glischen Provinzen weit entfernt wohnenden
Sachsen konnten nicht gut unterrichtet sein, und die in der Nhe dieser
Provinzen wohnenden Sachsen konnten nicht unparteiisch sein. Zwischen
Grenzbewohnern sind nationale Feindschaften jederzeit am heftigsten
gewesen, und die Feindschaft zwischen den Grenzbewohnern des Hochlandes
und denen des Niederlandes lngs der ganzen Grenze war das Erzeugni von
Jahrhunderten und wurde durch bestndige Reibungen immer frisch
erhalten. Einmal wurden ganze Quadratmeilen Weideland von bewaffneten
Rubern aus dem Gebirge verwstet. Ein andermal hingen ein Dutzend
Plaids in einer Reihe an den Galgen von Crieff oder Stirling. Es wurden
zwar auf dem streitigen Gebiete Jahrmrkte zum nothwendigen Austausch
von Waaren gehalten. Aber zu diesen Jahrmrkten kamen beide Theile
kampfgerstet, und der Tag endete oftmals mit Blutvergieen. So war der
Hochlnder ein Gegenstand des Hasses fr seine schsischen Nachbarn, und
von seinen schsischen Nachbarn erfuhren die weiter von ihm entfernt
wohnenden Sachsen das Wenige, was sie ber seine Sitten und Gewohnheiten
zu erfahren wnschten. Wenn die Englnder sich einmal herablieen, an
ihn zu denken -- und dies geschah selten -- so betrachteten sie ihn als
einen schmutzigen, gemeinen Wilden, als einen Sklaven, einen Papisten,
einen Halsabschneider und Ruber.[63]

Diese geringschtzende Abneigung erhielt sich bis zum Jahre 1745, worauf
derselben fr kurze Zeit eine heftige Furcht und Wuth folgte. Das
ernstlich besorgte England bot seine ganze Macht auf und die Hochlnder
wurden rasch, vollstndig und fr immer unterworfen. Eine kurze Zeit
lang schnaubte die englische Nation, noch erhitzt von dem neuerlichen
Kampfe, nichts als Rache. Das Gemetzel auf dem Schlachtfelde und auf dem
Schaffote gengte nicht, um den ffentlichen Blutdurst zu stillen. Der
Anblick des Tartan reizte den Pbel von London zu einem Hasse, der sich
durch unmnnliche Mihandlungen an wehrlosen Gefangenen uerte. Eine
politische und sociale Umwlzung fand in der ganzen celtischen Region
statt. Die Macht der Huptlinge wurde gebrochen, das Volk entwaffnet,
der Gebrauch der alten Nationaltracht verboten, den alten ruberischen
Gewohnheiten wirksam Einhalt gethan, und kaum war diese Vernderung
durchgefhrt, so begann ein sonderbarer Umschwung der ffentlichen
Meinung. Mitleid trat an die Stelle des Widerwillens. Die Nation
verwnschte die an den Hochlndern verbten Grausamkeiten und verga,
da sie selbst fr diese Grausamkeiten verantwortlich war. Die nmlichen
Londoner, welche, so lange der Marsch Derby's noch in frischem Andenken
war, die gefangenen Rebellen verhhnt und mit Steinen geworfen hatten,
gaben jetzt dem Frsten, der den Aufstand niedergeworfen, den Spottnamen
des Schlchters. Die barbarischen Institutionen und Gebruche, die
kein Sachse zur Zeit ihres Bestehens einer ernsten Prfung werth
gehalten und von denen er nie anders als mit Verachtung gesprochen,
hatten nicht sobald aufgehrt zu existiren, als sie Gegenstnde der
Neugierde, des Interesses und selbst der Bewunderung wurden. Kaum waren
die Huptlinge einfache Grundherren geworden, so begann man auch schon
gehssige Vergleiche zwischen der Habgier des Grundherrn und der
Nachsicht des Huptlings anzustellen. Man schien vergessen zu haben, da
das alte glische Staatswesen fr unvereinbar mit der Autoritt des
Gesetzes befunden worden war, das Fortschreiten der Civilisation gehemmt
und mehr als einmal den Fluch des Brgerkriegs ber das Land gebracht
hatte. Wie man frher nur die abschreckende Seite dieses Staatswesens
gesehen hatte, so sah man jetzt nur die anziehende Seite desselben. Das
alte Band, sagte man, sei ein verwandtschaftliches gewesen, das neue sei
ein rein commercielles. Knne es etwas Beklagenswertheres geben, als da
der Huptling eines Stammes um eines geringfgigen Pachtrckstandes
willen Pchter vertreibe, die sein eigen Fleisch und Blut seien und
deren Vorfahren oftmals auf dem Schlachtfelde mit ihren Leibern seine
Vorfahren gedeckt htten? So lange es glische Ruber gab, waren sie von
der schsischen Bevlkerung als hassenswerthes Ungeziefer betrachtet
worden, das ohne Gnade vertilgt werden msse. Sobald aber die Vertilgung
bewerkstelligt, sobald das Vieh in den Engpssen von Perthshire eben so
sicher war als auf dem Markte zu Smithfield, wurde der Freibeuter zu
einem Romanhelden verherrlicht. So lange die glische Tracht getragen
wurde, hatten die Sachsen sie fr hlich, fr lcherlich, ja sogar fr
hchst unanstndig erklrt. Bald nachdem dieselbe verboten worden,
machten sie die Entdeckung, da sie das anmuthigste Gewand von Europa
war. Die glischen Bauwerke, die glischen Gebruche, der glische
Aberglaube, die glischen Dichtungen, seit vielen Jahrhunderten
geringschtzend vernachlssigt, begannen von dem Augenblicke an, wo die
glischen Eigenthmlichkeiten zu verschwinden anfingen, die
Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich zu ziehen. Dieser Impuls war so
stark, da, wo die Hochlande im Spiele waren, einsichtsvolle Mnner
unbewiesenen Geschichten bereitwillig Glauben schenkten und Mnner von
Geschmack ganz werthlosen Compositionen einen berspannten Beifall
zollten. Epische Gedichte, welche jeder gebte und vorurtheilsfreie
Kritiker auf den ersten Blick als fast gnzlich modern erkannt haben
wrde und die, wenn sie als moderne Erzeugnisse verffentlicht worden
wren, sofort den ihnen gebhrenden Platz neben Blackmore's ^Alfred^ und
Wilkie's ^Epigoniad^ gefunden haben wrden, wurden fr funfzehnhundert
Jahr alt erklrt und allen Ernstes der Iliade zur Seite gestellt.
Schriftsteller von ganz andrer Art als die Betrger, welche diese
Flschungen fabrizirten, sahen ein, welcher gewaltige Eindruck durch
geschickte Schilderungen des frheren Hochlandlebens hervorgebracht
werden knnte. Alles Widerwrtige wurde gemildert, alles Schne und Edle
mit besonderem Nachdruck hervorgehoben. Einige dieser Werke waren mit so
bewundernswerthem Geschick abgefat, da sie, wie die historischen
Stcke Shakespeare's, die Geschichte ersetzten. Die Phantasiegebilde des
Dichters wurden fr seine Leser zu Wirklichkeiten, die Orte, welche er
beschrieb, wurden geheiligte Sttten und das Ziel von Tausenden von
Pilgern. Bald war die Phantasie des Volks so ausschlieend beschftigt
mit Plaids, Tartschen und Claymores, da die meisten Englnder die Namen
Schotte und Hochlnder als gleichbedeutend betrachteten. Nur wenige
schienen zu wissen, da zu einer noch nicht fernen Zeit ein Macdonald
oder ein Macgregor in seinem Tartan einem Brger von Edinburg oder
Glasgow das war, was ein indianischer Jger in seinem Kriegsschmucke
einem Bewohner von Philadelphia oder Boston ist. Knstler und
Schauspieler stellten Bruce und Douglas in gestreiften kurzen Rcken
dar. Eben so gut htten sie Washington den Tomahawk schwingend und mit
einer Reihe Skalpen umgrtet darstellen knnen. Endlich erreichte diese
Mode einen Punkt, der nicht leicht berschritten werden konnte. Der
letzte britische Knig, der in Holyrood residirte, glaubte keinen
glnzenderen Beweis von seiner Achtung vor den Gebruchen, welche vor
der Union in Schottland geherrscht hatten, geben zu knnen, als indem er
sich in einen Anzug kleidete, den vor der Union neun Schotten unter zehn
fr die Tracht eines Banditen erklrt haben wrden.

So ist es gekommen, da die alten glischen Institutionen und Sitten nie
in dem einfachen Lichte der Wahrheit dargestellt worden sind. Bis in die
Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden sie durch ein falsches Medium
gesehen; seitdem sind sie durch ein andres gesehen worden. Frher
schimmerten sie nur undeutlich durch den verdunkelnden und entstellenden
Nebel des Vorurtheils, und dieser Nebel hatte sich kaum zerstreut, so
erschienen sie glnzend in den reichsten Farben der Poesie. Die Zeit, wo
ein vollkommen treues Bild htte entworfen werden knnen, ist jetzt
vorbei. Das Original ist lngst verschwunden, eine authentische Copie
existirt nicht und Alles was noch mglich, ist die Herstellung einer
unvollkommenen Aehnlichkeit mit Hlfe zweier Portraits, von denen das
eine eine plumpe Karrikatur, das andre ein Meisterstck der Schmeichelei
ist.


Eigenthmlicher Character des Jakobitismus in den Hochlanden.

Unter den falschen Begriffen, die sich in Bezug auf die Geschichte und
den Character der Hochlnder allgemein verbreitet haben, mu namentlich
einer berichtigt werden. Whrend des Jahrhunderts, das mit dem Feldzuge
Montrose's begann und mit dem Feldzuge des jungen Prtendenten schlo,
wurde jede im Interesse des Hauses Stuart auf britischem Boden
vollbrachte groe kriegerische That durch die Tapferkeit glischer
Stmme vollbracht. Die Englnder haben daher ganz natrlich diesen
Stmmen die Denkungsart englischer Cavaliere zugeschrieben: eine tiefe
Ehrfurcht vor der kniglichen Wrde und eine begeisterte Anhnglichkeit
an die knigliche Familie. Eine nhere Untersuchung wird jedoch ergeben,
da die Strke dieser Gefhle bei den celtischen Clans sehr berschtzt
worden ist.

Wenn wir die Geschichte unserer brgerlichen Zwistigkeiten studiren,
drfen wir nie vergessen, da dieselben Namen, Kennzeichen und
Kriegsrufe in verschiedenen Theilen der britischen Inseln eine ganz
verschiedene Bedeutung hatten. Wir haben bereits gesehen, wie wenig der
irische Jakobitismus und der englische Jakobitismus mit einander gemein
hatten. Der Jakobitismus des schottischen Hochlnders war, wenigstens im
17. Jahrhundert, eine dritte, von den beiden anderen ganz verschiedene
Variett. Die glische Bevlkerung war in der That weit davon entfernt,
die Prinzipien des passiven Gehorsams und des Nichtwiderstandes
anzuerkennen. Das ganze alltgliche Leben dieser Bevlkerung war
eigentlich aus Ungehorsam und Widerstand zusammengesetzt. Gerade einige
von denjenigen Clans, die man allgemein als so enthusiastisch loyal zu
schildern gewohnt war, da sie bereit sein wrden, bis zum Tode treu zu
Jakob zu halten, selbst wenn er im Unrecht wre, hatten, so lange er auf
dem Throne sa, seiner Autoritt nie die geringste Achtung gezollt,
selbst wenn er offenbar im Rechte war. Es war ihre Gewohnheit, ihr Beruf
gewesen, ihm ungehorsam zu sein und ihm zu trotzen. Einige von ihnen
waren wegen des Verbrechens der Widerspenstigkeit gegen seine
gesetzmigen Befehle wirklich unter Hrnerklang proscribirt worden und
wrden ohne Besinnen jeden seiner Beamten, der sich ber die
Gebirgspsse hinaus gewagt htte, um seinen Befehl zu vollziehen, in
Stcke zerrissen haben. Die englischen Whigs wurden von ihren Gegnern
beschuldigt, da sie bezglich des dem Staatsoberhaupte gebhrenden
Gehorsams gefhrlich lockeren Prinzipien huldigten. Indessen hat kein
ehrenwerther englischer Whig jemals den Aufruhr vertheidigt, auer als
ein seltenes und extremes Mittel gegen seltene und extreme Uebel. Aber
unter den celtischen Huptlingen, deren Loyalitt das Thema so vieler
feuriger Lobpreisungen gewesen ist, gab es mehrere, deren ganze Existenz
vom Knabenalter an ein einziger langer Aufruhr war. Von solchen Mnnern
durfte man offenbar nicht erwarten, da sie die Revolution in dem Lichte
betrachten wrden, in welchem dieselbe einem oxforder Eidverweigerer
erschien. Auf der andren Seite wurden sie nicht, wie die eingebornen
Irlnder, durch Widerwillen gegen die schsische Oberherrschaft zur
Ergreifung der Waffen gedrngt; der schottische Celte war dieser
Herrschaft niemals unterworfen gewesen. Er bewohnte sein eignes wildes
und unfruchtbares Gebiet und beobachtete seine eigenen nationalen
Gebruche. In seinem Verkehr mit den Sachsen war er eher der Bedrcker
als der Bedrckte. Er erprete Rubertribut von ihnen, entfhrte ihre
Schaf- und Rinderheerden, und selten wagten sie es, ihn in seine
heimathliche Wildni zu verfolgen. Sie hatten nie sein des Moos- und
Kiesland unter sich vertheilt. Er hatte nie den Thurm seiner erblichen
Huptlinge von einem Usurpator in Besitz nehmen sehen, der nicht glisch
sprach und der auf Alle die es sprachen, wie auf rohes Sklavenvolk
herabsah, auch waren seine nationalen und religisen Gefhle nie durch
die Macht und durch den Glanz einer Kirche beleidigt worden, die er als
eine auslndische und zugleich ketzerische betrachtete.

Der wahre Grund der Bereitwilligkeit, mit der ein groer Theil der
Bevlkerung der Hochlande im Laufe des 17. Jahrhunderts zweimal fr die
Stuarts das Schwert zog, ist in den inneren Zwistigkeiten zu suchen,
welche die Republik der Clans spaltete. Denn es gab eine Republik der
Clans, das verkleinerte Ebenbild der groen Republik der europischen
Nationen. In der kleineren von diesen beiden Republiken, wie in der
greren, gab es Kriege, Vertrge, Alliancen, Streitigkeiten wegen
Gebiet und Vorrang, ein System des ffentlichen Rechts und ein
Gleichgewicht der Macht. Dabei existirte eine unerschpfliche Quelle der
Unzufriedenheit und Zwietracht. Einige Jahrhunderte frher war das
Feudalsystem in das Gebirgsland eingefhrt worden, hatte aber das
patriarchalische System weder vernichtet, noch sich vollstndig mit
demselben amalgamirt. Gewhnlich war Derjenige, der nach der
normnnischen Verfassung Lord war, auch Huptling nach der celtischen
Verfassung, und in diesem Falle war kein Streit. Waren aber die beiden
Charactere getrennt, so concentrirte sich der ganze willige und loyale
Gehorsam auf den Huptling. Der Lord hatte nur das, was er durch Gewalt
erlangen und behaupten konnte. Wenn er mit Hlfe seines eignen Stammes
Pchter, die einem andren Stamme angehrten, sich unterthan zu erhalten
vermochte, so herrschte eine Tyrannei von Clan gegen Clan, vielleicht
die heftigste von allen Formen der Tyrannei.


Eifersucht auf den Einflu der Campbells.

Verschiedene Stmme hatten sich zu verschiedenen Zeiten zu einem Ansehen
erhoben, das allgemeine Furcht und Neid erweckt hatte. Die Macdonalds
hatten frher einmal auf den Hebriden und in dem ganzen Gebirgslande von
Argyleshire und Inverneshire ein Uebergewicht besessen hnlich dem,
welches das Haus Oesterreich einst in der Christenheit besa. Aber das
Uebergewicht der Macdonalds war, wie das des Hauses Oesterreich,
verschwunden, und die Campbell's, die Kinder Diarmid's, waren in den
Hochlanden das geworden, was die Bourbons in Europa geworden waren. Der
Vergleich knnte noch weiter fortgefhrt werden. Aehnliche
Beschuldigungen wie man sie der franzsischen Regierung zur Last zu
legen pflegte, wurden den Campbells zur Last gelegt. Eine besondere
Gewandtheit, ein besonderer uerer Schein von Eleganz, eine besondere
Verachtung aller eingegangenen Verpflichtungen wurden mit oder ohne
Grund dem gefrchteten Stamme zugeschrieben. Schn und falsch wie ein
Campbell wurde ein Sprichwort. Es hie, ein Mac Callum More nach dem
andren habe mit unermdlichem, gewissenlosem und unbeugsamem Ehrgeize
Berg auf Berg und Insel auf Insel zu den ursprnglichen Besitzungen
seines Hauses gehuft. Einige Stmme waren aus ihrem Gebiet vertrieben,
andere zur Zahlung eines Tributs gezwungen, noch andere den Eroberern
einverleibt worden. So war endlich die Zahl der waffenfhigen Mnner,
welche den Namen Campbell fhrten, stark genug, um den vereinten
Streitkrften aller brigen weltlichen Clans im Felde die Spitze zu
bieten.[64] Whrend der brgerlichen Unruhen, welche im Jahre 1638
begannen, erreichte die Macht dieser ehrgeizigen Familie ihren
Hhepunkt. Der Marquis von Argyle war ebensowohl das Oberhaupt einer
Partei wie der Huptling eines Stammes. Im Besitze zweier verschiedenen
Arten von Autoritt, bediente er sich jeder derselben in solcher Weise,
da er damit die andre erweiterte und verstrkte. Der notorische
Umstand, da er die Claymores von fnftausend halbheidnischen
Gebirgsbewohnern ins Feld bringen konnte, vermehrte seinen Einflu bei
den strengen Presbyterianern, welche den Geheimen Rath und die
Generalversammlung von Edinburg fllten, und sein Einflu in Edinburg
vermehrte wieder den Schrecken, den sein Name im Gebirge verbreitete.
Von allen Frsten der schottischen Hochlande, deren Geschichte uns nher
bekannt ist, war er der mchtigste und gefrchtetste. Whrend seine
Nachbarn die Zunahme seiner Macht mit einer Wuth beobachteten, welche
die Furcht kaum niederzuhalten vermochte, rief Montrose sie zu den
Waffen. Dem Aufrufe ward bereitwilligst Folge geleistet und eine
mchtige Coalition von Clans zog in den Krieg, dem Namen nach fr Knig
Karl, in Wirklichkeit aber gegen Mac Callum More. Wer die Geschichte
dieses Kampfes studirt hat, wird nicht leicht zweifeln knnen, da, wenn
Argyle die Sache der Monarchie untersttzt htte, seine Nachbarn sich
gegen dieselbe erklrt haben wrden. Achtbare Schriftsteller erzhlen
von dem Siege, den die Royalisten bei Inverlochy ber die Rebellen
erfochten. Aber die in der Nhe des Ortes wohnenden Landleute stellen
die Sache richtiger dar. Sie sprechen von der groen Schlacht, welche
dort die Macdonalds gegen die Campbells gewannen.

Die Gesinnungen, welche die Koalition gegen den Marquis von Argyle
hervorgerufen hatten, bestanden noch lange nach seinem Tode in ihrer
ganzen Strke fort. Sein Sohn, der Earl Archibald, erbte, obwohl er ein
Mann von vielen ausgezeichneten Tugenden war, mit der Macht seiner
Vorfahren zu gleicher Zeit auch die Unpopularitt, die eine fast
unausbleibliche Folge einer solchen Macht war. Im Jahre 1675 bildeten
mehrere kriegslustige Stmme eine Confderation gegen ihn, muten sich
aber der berlegenen Macht fgen, die ihm zu Gebote stand. Es herrschte
daher von einer Meereskste bis zur andren groe Freude, als er im Jahre
1681 auf eine geringfgige Anschuldigung hin vor Gericht gestellt, zum
Tode verurtheilt, ins Exil getrieben und seiner Titel beraubt wurde.
Gro war der Schrecken, als er 1685 aus der Verbannung zurckkehrte und
das feurige Kreuz aussandte, um seine Stammesgenossen unter seine Fahne
zu rufen, und wieder war groe Freude, als sein Unternehmen gescheitert,
als seine Armee zusammengeschmolzen, als sein Kopf auf das Tolbooth von
Edinburg gesteckt worden war und als die Huptlinge, die ihn als einen
Unterdrcker betrachtet, unter leichten Bedingungen von der Krone
Erlassung alter Verbindlichkeiten und Verleihung neuer Titel erlangt
hatten. Whrend England und Schottland allgemein Jakob's Tyrannei
verabscheuten, wurde er in Appin und Lochaber, in Glenroy und Glenmore
als ein Befreier verehrt.[65] Der durch die Macht und den Ehrgeiz des
Hauses Argyle erregte Ha war selbst dann noch nicht gekhlt, als das
Oberhaupt dieses Hauses hingeopfert, als seine Kinder landesflchtig
waren, als fremde Truppen die Besatzung des Schlosses Inverary bildeten
und als das ganze Ufer des Fynesees durch Feuer und Schwert verwstet
war. Man sagte, der schreckliche Prcedenzfall mit den Macgregors msse
wiederholt und es als ein Verbrechen erklrt werden, den verhaten Namen
Campbell zu tragen.

Da nderte sich pltzlich Alles. Die Revolution kam und der Erbe
Argyle's kehrte triumphirend zurck. Er war, wie seine Vorgnger es
gewesen, das Oberhaupt nicht nur eines Stammes, sondern auch einer
Partei. Der Richterspruch, der ihn seines Eigenthums und seiner Titel
beraubt hatte, wurde von der Majoritt der Convention fr null und
nichtig angesehen. Die Thren des Parlamentshauses wurden ihm geffnet,
er wurde unter dem ganzen schottischen Hochadel dazu auserwhlt, den
neuen Soverainen den Amtseid abzunehmen, und dazu ermchtigt, auf seinen
Besitzungen eine Armee fr den Dienst der Krone auszuheben. Jetzt war er
unzweifelhaft so mchtig wie der mchtigste seiner Vorfahren.
Untersttzt durch die Kraft der Regierung, verlangte er nun gewi die
Entrichtung aller der langjhrigen schweren Zins- und Tributrckstnde,
die seine Nachbarn ihm schuldeten und bte Rache fr alle Beleidigungen
und Schmhungen, die seine Familie erduldet hatte.


Die Stewarts und Macnaghtens.

Angst und Unruhe herrschte in den Schlssern von zwanzig
Miniaturknigen. Gro war die Besorgni der Stewarts von Appin, deren
Gebiet auf der einen Seite vom Meere und auf der andren vom Stamme
Diarmid's eingezwngt war. Noch grer war die Bestrzung bei den
Macnaghtens. Sie waren einst die Herren der schnen Thler gewesen,
durch welche die Ara und die Shira dem Fynesee zustrmen. Aber die
Campbells hatten die Oberhand behalten. Die Macnaghtens waren zur
Unterwerfung gezwungen worden und hatten von Geschlecht zu Geschlecht
mit Furcht und Abscheu zu dem benachbarten Schlosse Inverary
emporgeblickt. Neuerdings war ihnen eine vollkommene Emancipation
versprochen worden. Eine Urkunde, kraft welcher ihrem Huptlinge seine
Besitzungen als unmittelbares Kronlehen zugeschrieben wurden, war
ausgefertigt und harrte nur noch der kniglichen Siegel, als die
Revolution pltzlich eine Hoffnung zertrmmerte, welche nahe an
Gewiheit grenzte.[66]


Die Macleans.

Die Macleans erinnerten sich, da die Campbells vor nicht mehr als
vierzehn Jahren in ihr Gebiet eingefallen, den Stammsitz ihres
Huptlings genommen und eine Besatzung in denselben gelegt hatten.[67]
Noch ehe Wilhelm und Marie in Edinburg proklamirt worden, war ein
Maclean, ohne Zweifel vom Oberhaupte seines Stammes abgesandt, ber das
Meer nach Dublin gekommen und hatte Jakob versichert, da, wenn einige
Bataillone aus Irland in Argyleshire landen sollten, sich ihnen sofort
viertausendvierhundert Claymores anschlieen wrden.[68]


Die Camerons; Lochiel.

Ein hnlicher Geist beseelte die Camerons. Ihr Oberhaupt, Sir Ewan
Cameron von Lochiel, mit dem Beinamen der Schwarze, hatte in Bezug auf
persnliche Eigenschaften unter den celtischen Frsten nicht seines
Gleichen. Er war ein leutseliger Gebieter, ein zuverlssiger
Bundesgenosse und ein furchtbarer Feind. Sein Gesicht und seine Haltung
waren von seltenem Adel. Einige Personen, die in Versailles gewesen
waren, darunter der kluge und beobachtende Simon Lord Lovat, meinten,
da in Bezug auf Persnlichkeit und Manieren eine auffallende
Aehnlichkeit zwischen Ludwig XIV. und Lochiel stattfinde, und wer die
Portraits Beider mit einander vergleicht, wird bemerken, da in der That
einige Aehnlichkeit vorhanden war. In der Statur war jedoch ein groer
Unterschied. Ludwig erreichte trotz seiner Schuhe mit hohen Abstzen und
trotz einer mchtig hohen Perrcke kaum die Mittelgre. Lochiel war
lang und krftig gebaut. In Behendigkeit und Geschicklichkeit im
Gebrauche der Waffen kamen ihm wenige unter den Gebirgsbewohnern gleich.
Er hatte mehr als einmal im Einzelkampfe gesiegt und war ein weit und
breit berhmter Jger. Er fhrte einen energischen Krieg gegen die
Wlfe, welche bis zu seiner Zeit das Hochwild der Grampians zerrissen,
und von seiner Hand fiel der letzte des blutdrstigen Gezchts, das
bekanntermaen ber unsre ganze Insel verbreitet war. Auch zeichnete
sich Lochiel nicht weniger durch geistige wie durch krperliche Krfte
aus. Einem gebildeten und vielgereisten Englnder, der in Westminster
unter Busby und in Oxford unter Aldrich die Classiker studirt, der im
Umgange mit Mitgliedern der kniglichen Societt etwas von den
Wissenschaften und in den Galerien von Florenz und Rom etwas von den
schnen Knsten gelernt hatte, wrde er allerdings wohl unwissend
erschienen sein. Aber obwohl Lochiel wenig Bcherkenntnisse besa, so
war er doch ungemein verstndig bei Berathungen, beredtsam in der
Debatte, erfinderisch in Auskunftsmitteln und geschickt in der Leitung
des menschlichen Characters. Sein Verstand bewahrte ihn vor den
Thorheiten, zu denen sich seine Bruderhuptlinge oftmals durch Stolz und
Zorn hinreien lieen. Daher nannten Viele, die seine Bruderhuptlinge
als bloe Barbaren betrachteten, seinen Namen mit Achtung. Selbst bei
der hollndischen Gesandtschaft am St. James Square sprach man von ihm
als von einem Manne, der an Einsicht und Muth nicht leicht seines
Gleichen finden drfte. Als Beschtzer der Literatur kann er dem
freigebigen Dorset zur Seite gestellt werden. Wie Dorset aus seiner
Tasche Dryden eine Pension aussetzte, die seinem Einkommen als Hofpoet
gleichkam, so soll Lochiel einem berhmten Barden, der von Rubern
ausgeplndert worden und der in einer rhrenden glischen Ode um Almosen
bat, drei Khe und die kaum glaubliche Summe von fnfzehn Pfund Sterling
geschenkt haben. Der Character dieses groen Huptlings war in der That
schon zweitausendfnfhundert Jahre vor seiner Geburt geschildert worden,
und zwar -- so gro ist die Macht des Genies -- mit Farben, welche eben
so viele Jahre nach seinem Tode noch frisch sein werden. Er war der
Ulysses der Hochlande.[69]

Er war Herr ber ein groes Gebiet, bevlkert von einem Stamme, der
keinen andren Gebieter, keinen andren Gott verehrte als ihn. Fr dieses
Gebiet war er jedoch dem Hause Argyle lehnspflichtig. Er war
verpflichtet, seinem Lehnsherrn im Kriege beizustehen und ihm einen
hohen Grundzins zu bezahlen. Diese Vasallenschaft hatte er allerdings
schon in frher Jugend als erniedrigend und ungerecht betrachten
gelernt. Whrend seiner Minderjhrigkeit hatte er unter der
Vormundschaft des klugen Marquis gestanden und war auf dem Schlosse
Inverary erzogen worden. Mit dem achtzehnten Jahre aber ri sich der
Knabe von der Autoritt seines Vormundes los und focht tapfer fr Karl
I. wie fr Karl II. Er wurde daher von den Englndern als ein Cavalier
betrachtet, nach der Restauration in Whitehall gut aufgenommen und von
Jakob's Hand zum Ritter geschlagen. Das Compliment jedoch, welches ihm
bei einem seiner Besuche am englischen Hofe gemacht wurde, wrde einem
Sachsen nicht sehr schmeichelhaft erschienen sein. Nehmen Sie Ihre
Taschen in Acht, Mylords, rief Se. Majestt, hier kommt der Knig der
Diebe. Die Loyalitt Lochiel's ist fast sprichwrtlich, aber sie war
dem was man in England Loyalitt nannte, ganz unhnlich. In den
Protokollen des schottischen Parlaments war er zu den Zeiten Karl's II.
als ein gesetzloser und rebellischer Mann geschildert, der aus eigner
Machtvollkommenheit und mit souverainer Verachtung der kniglichen
Autoritt Lndereien besitze.[70] Einmal erhielt der Sheriff von
Inverneshire von Knig Jakob Befehl, in Lochaber einen Gerichtstag zu
halten. Lochiel, eiferschtig auf diese Einmischung in seinen
patriarchalischen Despotismus, erschien bei der Gerichtsverhandlung an
der Spitze von vierhundert bewaffneten Camerons. Er affectirte groe
Achtung vor dem kniglichen Befehl, lie aber einige Worte fallen,
welche von den Pagen und Waffentrgern, die jeden seiner Blicke scharf
beobachteten, vollkommen verstanden wurden. Ist keiner meiner Burschen
so gut, diesen Richter zum Teufel zu jagen? Ich habe sie schon Hndel
anfangen sehen, wo es weniger nthig war. Im nchsten Augenblicke
begann ein Zanken und Streiten unter der Menge, man wute nicht wie oder
wo. Hunderte von Dolchen blitzten, das Geschrei Hlfe! und Mrder!
ertnte von allen Seiten, es kamen zahlreiche Verwundungen vor, zwei
Menschen wurden getdtet, die Sitzung wurde in tumultuarischer
Verwirrung aufgehoben und der gengstigte Sheriff mute sich unter den
Schutz des Huptlings stellen, der ihn mit einem plausiblen Anschein von
Achtung und Theilnahme sicher nach seiner Wohnung geleitete. Man mu
lachen, wenn man daran denkt, da der Mann, der diese That verbte, von
Schriftstellern, welche Somers und Burnet als Verchter der legitimen
Autoritt der Landesherren tadeln, bestndig als der zuverlssigste und
pflichtgetreueste Unterthan gerhmt wird. Lochiel wrde allerdings die
Lehre vom Nichtwiderstande hhnend verlacht haben. Aber es gab kaum
einen andren Huptling in Inverneshire, der durch den Sturz des Hauses
Argyle mehr als er gewonnen oder triftigeren Grund gehabt htte, die
Restauration dieses Hauses zu frchten. Die Manahmen der Convention
konnten daher kaum einen andren Huptling in Inverneshire mehr
beunruhigen und rgern als ihn.


Die Macdonalds.

Doch unter allen den Hochlndern, welche die neueste Wendung des
Geschicks mit peinlicher Besorgni betrachteten, waren die Macdonalds
die heftigsten und mchtigsten. Mehr als einer von den Magnaten, welche
diesen weitverbreiteten Namen fhrten, machte Anspruch auf die Ehre, der
rechtmige Nachfolger der Lords der Inseln zu sein, die noch im 15.
Jahrhundert den Knigen von Schottland den Vorrang streitig gemacht
hatten. Dieser genealogische Streit, der bis auf unsre Zeit gewhrt hat,
verursachte viel Hader unter den Betheiligten. Alle aber stimmten darin
berein, da sie den frheren Glanz ihrer Dynastie zurckwnschten und
das emporgekommene Geschlecht Campbell verabscheuten. Die alte Fehde
hatte niemals geruht. Noch fortwhrend wurde in Versen wie in Prosa
wiederholt, da der schnste Theil des den ehemaligen Oberhuptern der
glischen Nation gehrenden Gebiets, Islay, wo sie mit kniglicher
Pracht gewohnt hatten, Jona, wo sie mit religisem Pomp bestattet worden
waren, die Berge von Jura, die reiche Halbinsel Kintyre, von den
rechtmigen Besitzern auf den unersttlichen Mac Callum More
bergegangen seien. Seit dem Sturze des Hauses Argyle konnten die
Macdonalds, wenn sie auch ihre sonstige Macht nicht wiedererlangt
hatten, sich wenigstens rhmen, da gegenwrtig ihnen Niemand berlegen
war. Von der Furcht vor ihrem mchtigen Feinde im Westen befreit, hatten
sie ihre Waffen gegen schwchere Feinde im Osten, gegen den Clan
Mackintosh und gegen die Stadt Inverne gerichtet.


Fehde zwischen den Macdonalds und den Mackintoshs. Inverne.

Der Clan Mackintosh, ein Zweig eines alten und berhmten Stammes, der
seinen Namen und sein Wappen von der wilden Katze der Wlder entlehnte,
hatte einen Streit mit den Macdonalds, der sich, wenn man der Tradition
glauben darf, aus den finsteren Zeiten herschrieb, wo die dnischen
Seeruber die Ksten Schottland's verwsteten. Inverne war eine
schsische Colonie unter den Celten, ein Bienenstock von Kaufleuten und
Handwerkern inmitten einer Bevlkerung von Miggngern und Plnderern,
ein einsamer Posten der Civilisation in einer Region von Barbaren.
Obgleich die Gebude nur einen kleinen Theil des Flchenraumes
bedeckten, den sie gegenwrtig einnehmen; obgleich die Ankunft einer
Brigg im Hafen ein seltenes Ereigni war; obgleich die Brse den
Mittelpunkt einer schmutzigen Strae bildete, in der ein Marktkreuz
stand, das groe Aehnlichkeit mit einem zerbrochenen Meilenzeiger hatte;
obgleich die Sitzungen des Gemeinderaths in einem armseligen Gebude mit
schmucklosen Wnden gehalten wurden; obgleich die besten Huser von der
Art waren, da sie jetzt bloe Htten genannt werden wrden; obgleich
die besten Dcher von Stroh waren; obgleich die besten Zimmerdecken aus
rohem Geblk bestanden; obgleich die besten Fenster wegen mangelnder
Scheiben bei schlechtem Wetter mit Lden verschlossen wurden; obgleich
die geringeren Wohnungen bloe Erdhtten waren, in denen Fsser mit
ausgeschlagenem Boden die Stelle der Kamine vertraten, so war doch diese
Stadt in den Augen des Gebirgsbewohners der Grampians wie ein Babylon
oder Tyrus. Nirgend anderwrts hatte er mehrere hundert Huser, zwei
Kirchen und ein Dutzend Malzdarren beisammengesehen. Nirgend anderwrts
war er durch den Glanz von Budenreihen geblendet worden, wo Messer,
Hornlffel, zinnerne Kessel und bunte Bnder zum Verkauf ausgestellt
waren. Nirgend anderwrts war er an Bord eines der gewaltigen Schiffe
gewesen, welche Wein und Zucker aus Lndern brachten, die weit ber die
Grenzen seiner Geographie hinaus lagen.[71] Es kann nicht Wunder nehmen,
da die stolzen und kriegerischen Macdonalds, welche zwar die friedliche
Industrie verachteten, denen aber nach den Frchten dieser Industrie
gelstete, mit den Bewohnern von Inverne eine Reihe von Hndeln
anfingen. Unter der Regierung Karl's II. hatte man gefrchtet, da die
Stadt von diesen rohen Nachbarn erstrmt und geplndert werden wrde.
Die Friedensbedingungen, welche sie anboten, bewiesen, wie wenig sie
nach der Autoritt des Frsten und des Gesetzes fragten. Sie verlangten,
da ihnen ein schwerer Tribut bezahlt werden, da die Municipalbehrden
sich eidlich verpflichten sollten, jeden Brger, der das Blut eines
Macdonald vergsse, der Rache des Clans auszuliefern, und da jeder
Brger, sobald er irgendwo Jemandem begegnete, der den Tartan der
Macdonalds trge, zum Zeichen seiner Unterwerfung die Waffen strecken
solle. Nie hatte Ludwig XIV., selbst nicht als er zwischen Utrecht und
Amsterdam lagerte, die Generalstaaten mit so despotischem Uebermuthe
behandelt.[72] Durch die Vermittelung des schottischen Geheimraths kam
ein Vergleich zu Stande; aber die alte Feindschaft verminderte sich
nicht.


Inverne wird von Macdonald von Keppoch bedroht.

Gemeinsame Feindschaften und gemeinsame Befrchtungen erzeugten ein
gutes Einvernehmen zwischen der Stadt und dem Clan Mackintosh. Der
Feind, den Beide am meisten haten und frchteten, war Colin Macdonald
von Keppoch, ein Musterexemplar von chtem hochlndischen Jakobiten.
Keppoch hatte Zeit seines Lebens die Autoritt der Krone verhhnt und
sich derselben widersetzt. Er war zu wiederholten Malen bei seiner
Unterthanenpflicht aufgefordert worden, von seinem gesetzwidrigen
Treiben abzulassen, hatte aber jede solche Ermahnung mit Verachtung
behandelt. Die Regierung wollte jedoch nicht zu extremen Maregeln gegen
ihn greifen, und er herrschte noch lange ungestrt ber die strmischen
Berggipfel von Coryarrick und ber die gigantischen Terrassen, welche
noch jetzt die Grenzen des einstigen Sees von Glenroy bezeichnen. Er war
berhmt wegen seiner Kenntni aller Schluchten und Hhlen dieser
traurigen Gegend, und seine Geschicklichkeit, eine Viehheerde bis in die
entlegensten Schlupfwinkel zu verfolgen, war so gro, da man ihm den
Beinamen Coll der Khe gegeben hatte.[73] Endlich zwangen seine
frechen Verletzungen des Gesetzes den Geheimrath, energische Maregeln
gegen ihn zu ergreifen. Er wurde fr einen Rebellen erklrt, Androhungen
von Feuer und Schwert wurden unter dem Siegel Jakob's gegen ihn
erlassen, und wenige Wochen vor der Revolution rckte ein knigliches
Truppencorps, untersttzt durch die gesammte Streitmacht der
Mackintoshs, in Keppoch's Gebiet ein. Er lieferte den Eingedrungenen
eine Schlacht und siegte. Die Truppen des Knigs wurden in die Flucht
geschlagen, ihr Anfhrer wurde getdtet, und zwar durch einen Helden,
dessen Loyalitt gegen den Knig viele Schriftsteller sehr wohlgefllig
dem factisen Ungestm der Whigs gegenbergestellt haben.[74]

Wenn Keppoch jemals die geringste Ehrfurcht vor der Regierung gehabt
hatte, so wurde dieses Gefhl durch die allgemeine Anarchie, welche auf
die Revolution folgte, vllig in ihm erstickt. Er verwstete das Gebiet
Mackintosh's, marschirte gegen Inverne und drohte der Stadt mit
Zerstrung. Die Gefahr war gro. Die Huser waren nur von einer Mauer
umgeben, auf welche Zeit und Wetter so verderblich eingewirkt hatten,
da sie bei jedem Sturme wankte. Dennoch zeigten die Einwohner einen
kecken Trotz und ihr Muth wurde durch ihre Prediger angefeuert. Sonntag
der 28. April war ein Tag der Angst und Verwirrung. Die Wilden streiften
um die kleine schsische Colonie herum wie eine Heerde hungriger Wlfe
um eine Schafhrde. Keppoch drohte und bramarbasirte, er werde mit allen
seinen Leuten in die Stadt dringen und sie plndern. Inzwischen
versammelten sich die Brger bewaffnet auf dem Marktplatze, um die Reden
ihrer Geistlichen anzuhren. Der Tag verging, ohne da ein Sturm
erfolgte, und der Montag und Dienstag verstrichen unter groer Angst. Da
erschien ein unerwarteter Vermittler.


Dundee erscheint in Keppoch's Lager.

Dundee hatte sich nach seiner Flucht von Edinburg auf seinen Landsitz in
dem Thale zurckgezogen, durch welches der Glamis dem ehemaligen
Schlosse Macbeth's zustrmt. Dort blieb er einige Zeit ruhig. Er
betheuerte, da er nicht die Absicht habe, sich der neuen Regierung zu
widersetzen, er erklrte sich bereit nach Edinburg zurckzukehren, wenn
er nur gewi sein drfe, gegen ungesetzliche Gewalt geschtzt zu werden,
und er erbot sich, sein Ehrenwort zu geben, oder, wenn dies nicht
genge, Caution zu erlegen, da er sich ruhig verhalten wolle. Einige
von seinen alten Soldaten hatten ihn begleitet und bildeten eine
Besatzung von hinreichender Strke, um sein Haus gegen die
Presbyterianer der Umgegend zu beschtzen. Hier htte er mglicherweise
unbehelligt und harmlos bleiben knnen, wenn nicht ein Vorfall, fr den
er nicht verantwortlich war, seine Feinde unvershnlich gemacht und ihn
zur Verzweiflung getrieben htte.[75]

Ein Emissr Jakob's war mit Briefen an Dundee und Balcarras von Irland
nach Schottland hinbergefahren. Dies erweckte Verdacht. Der Bote wurde
festgenommen, verhrt und durchsucht und die Briefe bei ihm gefunden.
Einige davon gingen von Melfort aus und waren seiner wrdig. Jede Zeile
verrieth die Eigenschaften, die ihn zu einem Gegenstande des Abscheus
fr sein Vaterland und zum Liebling seines Gebieters gemacht hatten. Er
verkndete jubilirend den nahen Anbruch des Tages der Rache und der
Beraubung, des Tages, an welchem das Eigenthum der Rebellen unter die
Loyalen vertheilt und wo Viele, welche angesehen und reich gewesen,
Verbannte und Bettler sein wrden. Der Knig, sagte Melfort, sei
entschlossen, Strenge zu ben. Die Erfahrung habe Seine Majestt endlich
zu der Ueberzeugung gebracht, da Milde Schwche sein wrde. Selbst die
Jakobiten ersahen mit Entrstung aus den Briefen, da eine Restauration
Confiscationen und Proscriptionen zur unmittelbaren Folge haben wrde.
Einige von ihnen nahmen keinen Anstand es auszusprechen, da Melfort ein
Schurke sei, da er Dundee und Balcarras hasse, da er sie verderben
wolle und da er zu dem Ende diese abscheulichen Depeschen geschrieben
und sich eines Boten bedient habe, der es sehr geschickt einzurichten
gewut, da er ergriffen wurde. Es ist jedoch ausgemacht, da Melfort
auch nach der Verffentlichung dieser Papiere so hoch als je zuvor in
Jakob's Gunst stand. Daher kann es kaum einem Zweifel unterliegen, da
der Sekretr selbst in den Stellen, welche die eifrigen Vertheidiger des
erblichen Rechts emprten, nur die Gesinnungen und Absichten seines
Gebieters treulich wiedergab.[76] Hamilton befahl kraft der Vollmachten,
welche die Stnde vor ihrer Vertagung ihm ertheilt hatten, Balcarras und
Dundee zu verhaften. Balcarras wurde festgenommen und zuerst in seinem
eigenen Hause und dann in dem Tolbooth von Edinburg internirt. Aber
Dundee's habhaft zu werden war nicht so leicht. Sobald er erfuhr, da
Verhaftsbefehle gegen ihn erlassen waren, ging er mit seinen Anhngern
ber den Dee und blieb kurze Zeit auf den unwirthbaren Besitzungen des
Hauses Gordon. Von hier aus setzte er sich mit den Macdonalds und
Camerons wegen eines Aufstandes in Communication. Er scheint jedoch
damals von den Hochlndern wenig gewut und sich wenig um sie gekmmert
zu haben. Gegen ihren Nationalcharacter empfand er wahrscheinlich die
Abneigung des Sachsen und gegen ihren militrischen Character die
Geringschtzung des Soldaten von Profession. Er kehrte bald in das
Niederland zurck und blieb dort bis er erfuhr, da ein starkes
Truppencorps ausgesandt war, um sich seiner zu bemchtigen.[77] Jetzt
zog er sich in die Gebirgsgegend, als seine letzte Zufluchtssttte,
eilte nordwrts durch Strathdon und Strathbogie, ging ber den Spey und
kam am Morgen des 1. Mai mit einem kleinen Reitertrupp in Keppoch's
Lager vor Inverne an.

Die neue Lage, in welche Dundee jetzt versetzt war, die neuen
Aussichten, die sich ihm erffneten, weckten in seinem erfinderischen
und unternehmenden Kopfe natrlich neue Plne. Die Hunderte von
athletischen Celten, die er in ihrer nationalen Schlachtordnung sah,
waren offenbar keine zu verachtenden Bundesgenossen. Wenn er eine groe
Koalition von Clans bilden, wenn er zehn- oder zwlftausend dieser
entschlossenen Krieger unter eine Fahne bringen, wenn er sie berreden
konnte, sich dem Zgel der Disciplin zu unterwerfen, welch' eine
Laufbahn stand ihm dann bevor!

Ein Patent von Knig Jakob war, selbst als Knig Jakob fest auf dem
Throne sa, vom Coll der Khe niemals sonderlich respectirt worden.
Dieser Huptling hate jedoch die Campbells mit der ganzen Gluth eines
Macdonald und erklrte sofort seinen Anschlu an die Sache des Hauses
Stuart. Dundee nahm es auf sich, den Streit zwischen Keppoch und
Inverne zu schlichten. Die Stadt willigte ein, zweitausend Dollars zu
bezahlen, eine Summe, die, so klein sie in den Augen der Goldschmiede
von Lombard Street erscheinen mochte, wahrscheinlich jeden Schatz
berstieg, der je in die Einden von Coryarrick gebracht worden war. Die
Hlfte der Summe wurde nicht ohne Mhe von den Einwohnern
zusammengebracht und fr den Rest soll Dundee sein Wort verpfndet
haben.[78]

Er versuchte nun zunchst, die Macdonalds mit den Mackintoshs
auszushnen und schmeichelte sich mit der Hoffnung, da die beiden
kriegerischen Stmme, welche noch unlngst einander feindlich
gegenbergestanden hatten, geneigt sein wrden, unter seinem Commando
nebeneinander zu kmpfen. Doch er berzeugte sich bald, da es kein
leichtes Ding war, eine Fehde zwischen Hochlndern zu schlichten. Von
den Rechten der streitenden Knige wute keiner der beiden Clans etwas,
noch kmmerte er sich darum. Das Benehmen beider mu rtlichen
Leidenschaften und Interessen zugeschrieben werden. Was Argyle fr
Keppoch war, das war Keppoch fr die Mackintoshs. Die Mackintoshs
blieben daher neutral, und ihrem Beispiele folgten die Macphersons, ein
andrer Zweig des Stammes der wilden Katze. Dies war nicht Dundee's
einzige Enttuschung. Die Mackenzies, die Frasers, die Grants, die
Munros, die Mackays, die Macleods wohnten in groer Entfernung von dem
Gebiete Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Streit mit ihm, schuldeten
ihm nichts und hatten keinen Grund, die Vergrerung seiner Macht zu
frchten. Daher sympathisirten sie nicht mit seinen beunruhigten und
aufgebrachten Nachbarn und konnten nicht dazu bewegen werden, dem
Bndnisse gegen ihn sich anzuschlieen.[79]


Aufstand der den Campbells feindlichen Clans.

Diejenigen Huptlinge hingegen, welche nher bei Inverary wohnten und
die den Namen Campbell seit langer Zeit frchteten und haten, hieen
Dundee freudig willkommen und versprachen, am 18. Mai an der Spitze
ihrer Leute zu ihm zu stoen. Whrend der letzten zwei Wochen vor diesem
Tage durchzog er Badenoch und Athol und forderte die Bewohner dieser
Districte zur bewaffneten Erhebung auf. Dann strmte er mit seinen
Reitern in das Niederland hinab, berrumpelte Perth und fhrte einige
Whiggentlemen als Gefangene mit sich ins Gebirge. Unterdessen waren die
Feuerkreuze von Ort zu Ort ber alle Haiden und Berge dreiig Meilen im
Umkreise von Ben Nevis gewandert, und als er den Sammelplatz in Lochaber
erreichte, sah er, da der Zuzug bereits begonnen hatte. Das
Hauptquartier war nahe bei Lochiel's Hause aufgeschlagen, einem groen,
ganz aus Tannenholz gezimmerten Gebude, das in den Hochlanden fr einen
prchtigen Palast galt. Hier empfing Lochiel, umgeben von sechshundert
Kriegern, seine Gste. Macnaghten von Macnaghten und Stewart von Appin
hatten sich mit ihren kleinen Clans eingefunden. Macdonald von Keppoch
fhrte die Krieger, welche einige Monate vorher unter seinem Commando
die Musketiere Knig Jakob's in die Flucht geschlagen hatten. Macdonald
von Clanronald stand noch in zartem Alter, aber sein Oheim, der whrend
seiner Minderjhrigkeit die Regentschaft fhrte, hatte ihn ins Lager
gebracht. Der Jngling war von einer auserlesenen Leibgarde begleitet,
bestehend aus seinen Vettern, lauter stattlichen Leuten und krftigen
Fusten. Macdonald von Glengarry, der sich durch seine dunklen Brauen
und durch seine hohe Gestalt auszeichnete, kam aus dem groen Thale, wo
eine Kette von Seen, welche auerhalb des Landes damals noch unbekannt
und auf keiner Karte angegeben waren, gegenwrtig die tgliche Strae
fr die Dampfschiffe bildet, die zwischen dem atlantischen und dem
deutschen Ocean hin und her fahren. Keiner von den Beherrschern der
Berge hatte eine hhere Meinung von seiner persnlichen Wichtigkeit und
lag hufiger mit anderen Huptlingen in Streit als dieser. Er pflegte in
seinen Manieren und in seinem Hauswesen eine Rohheit zur Schau zu
tragen, welche die seiner rohen Nachbarn noch bertraf, und erklrte,
da er die wenigen Luxusgegenstnde, welche aus den civilisirten Theilen
der Erde ihren Weg in die Hochlande gefunden, als Zeichen der
Verweichlichung und Entartung der glischen Race betrachte. Diesmal
hatte er es fr gut befunden, den Glanz der schsischen Krieger
nachzuahmen, denn er ritt an der Spitze seiner vierhundert mit Plaids
bekleideten Clansleute in einem sthlernen Kra und einem mit Gold
gestickten Rocke. Ein andrer Macdonald, der ein beklagenswerthes und
entsetzliches Ende nehmen sollte, hatte einen Trupp verwegener
Freibeuter aus dem traurigen Gebirgspasse Glencoe herbeigefhrt. Etwas
spter kamen die groen Potentaten von den Hebriden. Macdonald von
Sleat, der reichste und mchtigste von allen Groen, welche auf den
hohen Titel des Lords der Inseln Anspruch machten, kam von Sky an der
Spitze von siebenhundert Streitern. Eine Flotte von langen Bten brachte
fnfhundert Macleans von Mull unter dem Commando ihres Huptlings Sir
Johann von Duart. In alten Zeiten hatte eine weit strkere Streitmacht
seine Vorfahren in die Schlacht begleitet. Aber die Macht, wenn auch
nicht der Muth des Clans war durch die Arglist und durch die Waffen der
Campbells gebrochen worden. Eine andre Schaar Macleans kam unter einem
tapferen Anfhrer, der sich nach dem Lochbuy nannte, was so viel heit
als gelber See.[80]


Tarbet's Rath fr die Regierung.

Es scheint nicht, da ein einziger Huptling, der keinen speciellen
Grund hatte, das Haus Argyle zu frchten und zu hassen, Dundee's Aufruf
Folge leistete. Man hat sogar starken Grund zu glauben, da selbst die
Huptlinge, welche kamen, ruhig zu Haus geblieben sein wrden, wenn die
Regierung die Politik der Hochlande verstanden htte. Nur ein
talentvoller und erfahrener Staatsmann, welcher der vornehmen
hochlndischen Familie der Mackenzie entsprossen war, der Viscount
Tarbet, verstand diese Politik grndlich. Er setzte damals Melville
brieflich und Mackay mndlich nicht nur die Ursachen der krankhaften
Zustnde auseinander, welche die Calamitten des Brgerkriegs ber
Schottland zu bringen drohten, sondern gab auch die Heilmittel dagegen
an. Die Glen, sagt Tarbet, seien keineswegs allgemein fr einen
Aufstand eingenommen. Selbst von denjenigen papistischen Clans, welche
keinen Grund htten, die Unterwerfung unter das Joch der Campbells zu
frchten, sei wenig zu besorgen. Es sei notorisch, da auch die
talentvollsten und rhrigsten unter den mivergngten Huptlingen sich
um die zwischen den Whigs und Tories obschwebenden Streitfragen gar
nicht kmmerten. Lochiel insbesondere, den seine ausgezeichneten
persnlichen Eigenschaften zu dem bedeutendsten Manne unter den
Gebirgsbewohnern machten, frage nach Jakob eben so wenig etwas wie nach
Wilhelm. Wenn die Camerons, die Macdonalds und die Macleans berzeugt
werden knnten, da ihre Gter und Ehrenstellen ihnen unter der neuen
Regierung gesichert blieben, wenn Mac Callum More einige Zugestndnisse
mache und Ihre Majestten die Bezahlung einiger Pachtrckstnde
bernhmen, so wrde Dundee die Clans mit wenig Erfolg zu den Waffen
rufen. Fnftausend Pfund Sterling, meinte Tarbet, wrden hinreichen, um
alle celtischen Magnaten zu beschwichtigen, und in der That, obgleich
diese Summe den Politikern von Westminster lcherlich klein vorkommen
mochte, obgleich sie nicht grer war als der jhrliche Gehalt des
Oberkammerherrn oder des Kriegszahlmeisters, war sie doch enorm fr
einen rohen Potentaten, der zwar ber Hunderte von Quadratmeilen
herrschte und Hunderte von Kriegern ins Feld stellen konnte, aber
vielleicht niemals fnfzig Guineen auf einmal in seiner Geldkasse gehabt
hatte.[81]

Obwohl Tarbet von den schottischen Ministern der neuen Souveraine fr
einen sehr zweifelhaften Freund gehalten wurde, so verschmhte man
seinen Rath doch nicht ganz. Es wurde beschlossen, den Mivergngten
Propositionen zu machen, welche er angerathen hatte. Viel hing dabei von
der Wahl eines Agenten ab, und leider bewies die getroffene Wahl, wie
wenig die Vorurtheile der wilden Gebirgsstmme in Edinburg verstanden
wurden. Ein Campbell wurde dazu ausersehen, fr die Sache des Knigs
Wilhelm Mnner zu gewinnen, deren Groll gegen den Knig Wilhelm einzig
und allein den Grund hatte, da er die Campbells begnstigte.
Anerbietungen, welche durch eine solche Mittelsperson gemacht wurden,
muten natrlich als Schlinge und zugleich als Beleidigungen betrachtet
werden. Unter solchen Umstnden war es unntz, da Tarbet an Lochiel und
Mackay an Glengarry schrieb. Lochiel antwortete Tarbet gar nicht, und
Glengarry gab Mackay eine zwar artige, aber kalte Antwort, in welcher er
dem General rieth, das Beispiel Monk's nachzuahmen.[82]


Unentschiedener Feldzug in den Hochlanden.

Inzwischen vergeudete Mackay einige Wochen mit Mrschen, Contremrschen
und unentschiedenen Scharmtzeln. Spterhin gestand er ehrlich ein, da
die Kenntnisse, die er sich whrend seiner dreiigjhrigen
Militrdienste auf dem Continent erworben, ihm in seiner damaligen neuen
Stellung nichts ntzten. Es war schwer, in einem solchen Lande den Feind
zu verfolgen, und unmglich war es, ihn dahin zu bringen, da er eine
offene Schlacht annahm. Nahrung fr ein Invasionsheer war in der
waldigen und steinigen Wildni nicht zu finden; eben so wenig konnten
Lebensmittel fr viele Tage weit ber weiche Smpfe und steile Anhhen
transportirt werden. Der General berzeugte sich, da er seine Leute und
ihre Pferde fast zu Tode ermdet und doch nichts erreicht hatte.
Hochlndische Hlfstruppen wrden ihm von groem Nutzen gewesen sein;
allein er hatte wenig solche Hlfstruppen. Der Huptling der Grants, den
die vorige Regierung verfolgt und der Conspiration mit dem unglcklichen
Earl von Argyle angeklagt hatte, war zwar ein warmer Freund der
Revolution. Zweihundert Mackay's kamen, wahrscheinlich unter dem
Einflusse von verwandtschaftlichen Gefhlen, aus dem uersten Norden
unsrer Insel, wo es in der Mitte des Sommers keine Nacht giebt, um unter
einem Anfhrer ihres Namens zu kmpfen; im Allgemeinen aber erwarteten
die Clans, die sich nicht an dem Aufstande betheiligten, den Ausgang mit
kalter Gleichgltigkeit und schmeichelten sich mit der Hoffnung, da es
ihnen leicht werden wrde, sich mit den Siegern auszushnen und da sie
an der Plnderung der Besiegten wrden Theil nehmen drfen.

Eine Erfahrung von wenig mehr als einem Monat berzeugte Mackay, da es
nur ein Mittel gab, durch welches die Hochlande unterworfen werden
konnten. Es war nutzlos, die Gebirgsbewohner Berg auf Berg ab zu
verfolgen. Eine Reihe von Festungen mute an den wichtigsten Punkten
errichtet und mit starken Besatzungen versehen werden. Der Ort, mit dem
der General vorschlug den Anfang zu machen, war Inverlochy, wo die
gewaltigen Ueberreste eines alten Schlosse standen und noch stehen.
Dieser Posten lag nahe an einem Meeresarme und im Herzen des von den
mivergngten Clans bewohnten Landes. Ein dort stationirtes und
nthigenfalls durch Kriegsschiffe untersttztes starkes Truppencorps
htte zu gleicher Zeit die Macdonalds, die Camerons und die Macleans
wirksam in Schach halten knnen.[83]

Whrend Mackay in seinen Briefen an den Staatsrath zu Edinburg die
Nothwendigkeit vorstellte, auf diesen Plan einzugehen, hatte Dundee mit
Schwierigkeiten zu kmpfen, welche all' seine Energie und
Geschicklichkeit nicht vllig zu bewltigen vermochte.


Militrischer Character der Hochlnder.

So lange die Hochlnder noch eine Nation waren, die ihre eigenthmliche
Verfassung hatte, waren sie in einem Sinne brauchbarer und in einem
andren Sinne unbrauchbarer fr militrische Zwecke als irgend eine andre
Nation in Europa. Der Celte als Individuum eignete sich moralisch und
physisch trefflich fr den Krieg, und ganz besonders fr den Krieg in
einem so wilden und rauhen Lande wie das seine. Er war unerschrocken,
krftig, leichtfig und ertrug ohne Murren Klte, Hunger und
Anstrengungen. Ueber steile Felsen und verrtherische Smpfe bewegte er
sich eben so leicht wie die franzsischen Haustruppen auf der Strae von
Versailles nach Marly. Er war an den Gebrauch der Waffen und an den
Anblick des Blutes gewhnt; er war ein gebter Fechter und Schtze, und
bevor er jemals in Reih' und Glied gestanden, war er schon mehr als ein
halber Soldat.

Wie der einzelne Celte leicht in einen Soldaten zu verwandeln war,
ebenso war ein ganzer Stamm von Celten leicht in ein Bataillon Soldaten
zu verwandeln. Es bedurfte dazu nichts weiter, als da die militrische
Organisation mit der patriarchalischen Organisation in Einklang gebracht
wurde. Der Huptling mute Oberst, sein Oheim oder sein Bruder mute
Major, die Pchter, welche gleichsam die Peerschaft des kleinen Staates
bildeten, muten die Hauptleute sein und die Compagnie jedes Hauptmanns
mute aus denjenigen Bauern bestehen, die auf seinem Grund und Boden
wohnten und deren Namen, Gesichter, Verwandten und Charactere er genau
kannte; die Unteroffiziere muten aus den auf die Adlerfeder stolzen
Duinhe Wassels gewhlt sein, der Waffentrger war eine vortreffliche
Ordonnanz, der Erbpfeifer und seine Shne bildeten die Musikbande, und
der Clan wurde so mit einem Male ein Regiment. In einem solchen Regiment
herrschte vom ersten Augenblicke an die strenge Ordnung und der
pnktliche Gehorsam, worin die Strke regulrer Armeen besteht. Jeder
Mann, vom Hchsten bis zum Niedrigsten, war an seinem geeigneten Platze
und kannte diesen Platz vollkommen. Es war nicht nthig, den
neueingerichteten Truppen erst durch Drohungen oder Strafen die Pflicht
einzuschrfen, den Mann als ihr Oberhaupt zu betrachten, den sie von
jeher, so lange sie denken konnten, als ihr Oberhaupt betrachtet hatten.
Jeder Gemeine hatte von Kindheit an seinen Korporal sehr, seinen
Hauptmann noch mehr geachtet und seinen Obersten fast angebetet. An
Meuterei war daher nicht zu denken, ebenso wenig an Desertion, denn
gerade diejenigen Gefhle, welche andere Soldaten am mchtigsten
antreiben zu desertiren, hielten den Hochlnder bei seiner Fahne. Wohin
sollte er gehen, wenn er sie verlie? Alle seine Verwandten, alle seine
Freunde waren um dieselbe versammelt. Trennte er sich also von ihr, so
trennte er sich zugleich fr immer von seiner Familie und brachte den
ganzen Jammer des Heimwehs ber sich, das in regulren Armeen so viele
Rekruten antreibt, auf die Gefahr von krperlicher Zchtigung und Tod
hin zu entlaufen. Wenn man diese Umstnde erwgt, wird man sich nicht
darber wundern, da die hochlndischen Clans zuweilen groe
Kriegsthaten vollbracht haben.

Was aber diese Institutionen, welche einen Stamm von Hochlndern, die
alle dieselben Namen fhrten und alle demselben Oberhaupte unterthan
waren, im Kampfe so furchtbar machten, machte die Nation ungeeignet fr
den Krieg im Groen. Nichts war leichter als Clans in tchtige
Regimenter zu verwandeln; aber nichts war schwieriger als diese
Regimenter dergestalt zu vereinigen, da sie eine tchtige Armee
bildeten. Von den Schfern und Hirten, welche in den Reihen fochten, bis
hinauf zu den Huptlingen war Alles Harmonie und Ordnung. Jeder Mann
blickte empor zu seinem unmittelbaren Vorgesetzten und Alle blickten
empor zu dem gemeinsamen Oberhaupte. Aber mit dem Huptling schlo diese
Subordinationskette. Er verstand nur zu gebieten und hatte nicht gelernt
zu gehorchen. Selbst kniglichen Erlassen, selbst Parlamentsedicten
pflegte er nur dann Gehorsam zu bezeigen, wenn sie in vollkommenem
Einklang mit seinen Neigungen standen. Man durfte nicht erwarten, da er
einer delegirten Autoritt eine Achtung zollen werde, die er der
hchsten Autoritt zu verweigern gewohnt war. Er hielt sich fr
berechtigt, ber die Zweckmigkeit jedes ihm zukommenden Befehls zu
entscheiden. Von seinen Bruderhuptlingen waren einige seine Feinde,
andere seine Nebenbuhler. Es war kaum mglich, ihn abzuhalten, sie zu
beleidigen, oder ihn zu berzeugen, da sie ihn nicht beleidigten. Alle
seine Untergebenen sympathisirten mit allen seinen Animositten,
betrachteten seine Ehre wie ihre eigene und waren bereit auf seinen Ruf
sich um ihn gegen den Oberbefehlshaber zu schaaren. Es war daher sehr
wenig Aussicht, da durch irgend welche Mittel fnf Clans bewogen werden
konnten, whrend eines langen Feldzugs herzlich mit einander zu
cooperiren. Die meiste Hoffnung dazu war noch in dem Falle, wenn sie von
einem Sachsen angefhrt wurden. Es ist bemerkenswerth, da keine der
groen Thaten, welche die Hochlnder whrend unserer Brgerkriege
vollbrachten, unter dem Commando eines Hochlnders vollbracht wurde.
Einige Schriftsteller haben es als einen Beweis fr das auerordentliche
Genie Montrose's und Dundee's erwhnt, da diese Feldherren, obgleich
nicht glischen Stammes oder glischer Sprache, im Stande gewesen waren,
Bndnisse glischer Stmme zu bilden und zu leiten. Aber gerade weil
Montrose und Dundee keine Hochlnder waren, vermochten sie Armeen
anzufhren, welche aus hochlndischen Clans zusammengesetzt waren. Wre
Montrose Huptling der Camerons gewesen, so wrden die Macdonalds sich
niemals seiner Autoritt gefgt haben. Wre Dundee Huptling des
Clanronald gewesen, so wrde der Glengarry ihm nie gehorcht haben.
Stolze und empfindliche Mnner, welche kaum den Knig als ihren
Vorgesetzten anerkannten, wrden niemals die Superioritt eines
Nachbarn, eines von ihres Gleichen, eines Nebenbuhlers, ertragen haben.
Viel leichter konnten sie die Obergewalt eines ausgezeichneten Fremden
ertragen. Doch selbst einem solchen Fremden gestanden sie nur eine sehr
beschrnkte und sehr prekre Autoritt zu. Einen Huptling vor ein
Kriegsgericht zu stellen, ihn zu erschieen, ihn zu cassiren, ihn zu
degradiren, ihm ffentlich einen Verweis zu geben, war unmglich.
Macdonald von Keppoch oder Maclean von Duart wrde jeden Offizier
todtgeschlagen haben, der ihm sein Schwert abverlangt und ihm gesagt
htte, da er sich als Arrestanten zu betrachten habe, und Hunderte von
Claymores wrden augenblicklich aufgebrochen sein, um den Mrder zu
beschtzen. Es blieb dem Befehlshaber, unter dem diese Potentaten zu
dienen sich herablieen, nichts Andres brig als mit ihnen zu
berathschlagen, sie zu bitten, ihnen zu schmeicheln, sie zu bestechen,
und selbst durch diese Mittel vermochte menschliche Geschicklichkeit nur
auf kurze Zeit die Eintracht zu erhalten. Denn jeder Huptling glaubte
Anspruch auf besondere Bercksichtigung zu haben, und man durfte daher
keinem besondere Artigkeit erweisen, ohne die anderen zu verletzen. Der
General war nichts weiter als der Prsident eines Congresses kleiner
Knige. Er wurde bestndig aufgefordert, Streitigkeiten wegen
Stammbumen, wegen Vorrang, oder wegen Theilung von Beute anzuhren und
zu schlichten. Mochte sein Ausspruch lauten wie er wollte, Jemand mute
dadurch verletzt werden. Jeden Augenblick konnte er erfahren, da sein
rechter Flgel in Folge eines zweihundert Jahre alten Streites auf sein
Centrum gefeuert habe, oder da ein ganzes Bataillon nach seinem
heimathlichen Thale zurckgekehrt sei, weil ein andres Bataillon auf den
Ehrenposten gestellt worden war. Ein hochlndischer Barde wrde in der
Geschichte des Jahres 1689 leicht Sujets gefunden haben, ganz hnlich
denen, welche der trojanische Krieg den groen Dichtern des Alterthums
lieferte. Heute ist Achilles mimuthig, htet sein Zelt und kndigt die
Absicht an, mit allen seinen Leuten abzuziehen. Morgen strmt Ajax im
Lager umher und droht dem Ulysses den Hals abzuschneiden.

Daher kam es, da, obgleich die Hochlnder in den Brgerkriegen des 17.
Jahrhunderts einige groe Thaten vollbrachten, diese Thaten keine nach
wenigen Wochen noch erkennbare Spuren hinterlieen. Siege von seltenem
und fast ungeheuerlichem Glanze zogen alle Folgen einer Niederlage nach
sich. Kriegsveteranen und Soldaten waren ganz erstaunt ber diese
pltzlichen Glckswechsel. Es war unglaublich, da undisciplinirte Leute
solche Waffenthaten vollbracht haben sollten. Eben so unglaublich war
es, da solchen Waffenthaten, nachdem sie vollbracht waren, der Triumph
der Besiegten und die Unterwerfung der Sieger auf dem Fue gefolgt sein
sollte. Nachdem Montrose rasch hintereinander Sieg auf Sieg erfochten,
sah er sich mitten auf der Bahn des Glcks pltzlich von seinen
Untergebenen verlassen. Lokale Eiferschteleien und lokale Interessen
hatten seine Armee zusammengebracht. Lokale Eiferschteleien und lokale
Interessen lsten sie auf. Die Gordons verlieen ihn, weil sie sich
gegen die Macdonalds zurckgesetzt glaubten. Die Macdonalds verlieen
ihn, weil sie die Campbells plndern wollten. Die Streitmacht, die man
frher fr stark genug gehalten hatte, um das Schicksal eines
Knigreichs zu entscheiden, schmolz binnen wenigen Tagen zusammen, und
auf die Siege von Tippermuir und Kilsyth folgte die Niederlage von
Philiphaugh. Dundee lebte nicht lange genug, um einen hnlichen
Glcksumschlag zu erfahren, aber man hat allen Grund zu glauben, da,
wenn er nur vierzehn Tage lnger gelebt htte, seine Geschichte ein
Seitenstck zu der Geschichte Montrose's gewesen sein wrde.

Bald nachdem die Clans sich in Lochaber gesammelt hatten, machte Dundee
einen Versuch sie zu berreden, da sie sich der Disciplin einer
regulren Armee unterwarfen. Er berief einen Kriegsrath zusammen, um
diese Frage zu errtern. Seine Ansicht wurde von allen denjenigen
Offizieren untersttzt, welche aus dem Niederlande zu ihm gestoen
waren. Unter ihnen zeichneten sich Jakob Seton, Earl von Dunfermline,
und Jakob Galloway, Lord Dunkeld, aus. Die celtischen Huptlinge
vertraten die entgegengesetzte Meinung. Lochiel, der talentvollste unter
ihnen, war ihr Wortfhrer und verfocht die Sache mit groem Scharfsinn
und natrlicher Beredtsamkeit. Unser System, -- so lautete der
Hauptinhalt seines Raisonnements -- mag nicht das beste sein; aber wir
sind von Kindheit auf dazu erzogen worden, wir verstehen es vollkommen
und es steht mit unseren eigenthmlichen Institutionen, Gefhlen und
Sitten im Einklange. Wenn wir auf unsre Art Krieg fhren, so haben wir
die Erfahrung und die Kaltbltigkeit von Veteranen. Fhren wir auf andre
Art Krieg, so werden wir rohe und unbeholfene Rekruten sein. Soldaten
aus uns zu machen, wie die eines Cromwell und Turenne waren, dazu wrden
Jahre gehren, und wir haben nicht Wochen brig. Wir haben hinreichend
Zeit, unsre Disciplin zu verlernen, aber nicht Zeit genug, die eurige zu
erlernen. Dundee erklrte sich unter groen Schmeicheleien fr Lochiel
berzeugt, und er war es vielleicht auch, denn die Grnde des
verstndigen alten Huptlings waren durchaus nicht ohne Gewicht.[84]


Zwistigkeiten in der hochlndischen Armee.

Einige celtische Kriegsgebruche waren jedoch von der Art, da Dundee
sie nicht dulden konnte. So grausam er auch war, seine Grausamkeit hatte
immer eine Methode und einen Zweck. Er hoffte noch immer, da es ihm
gelingen werde, einige neutral gebliebene Huptlinge zu gewinnen und er
vermied daher sorgfltig Alles was sie zu offener Feindseligkeit htte
aufstacheln knnen. Dies war allerdings ein Verfahren, von dem sich
erwarten lie, da es dem Interesse Jakob's frderlich sein wrde; aber
Jakob's Interesse war den wilden Rubern, welche einzig und allein zu
dem Zwecke ersprieliche Raubzge unternehmen und alten Groll rchen zu
knnen, seinen Namen gebrauchten und sich um sein Banner schaarten, sehr
gleichgltig. Keppoch insbesondere, der die Mackintoshs weit mehr hate,
als er die Stuarts liebte, plnderte das Gebiet seiner Feinde nicht nur,
sondern verbrannte auch Alles was er nicht mit fortnehmen konnte. Dundee
gerieth beim Anblick der brennenden Wohnungen in heftigen Zorn. Lieber
mchte ich, sagte er, in einem anstndigen Regiment die Muskete
tragen, als Anfhrer einer solchen Ruberbande sein. Von Bestrafung war
natrlich keine Rede. Es darf in der That schon als ein auffallender
Beweis von dem Einflusse des Generals angesehen werden, da der Coll der
Khe es der Mhe werth hielt, sich wegen eines Benehmens zu
entschuldigen, um dessentwillen er in einer wohldisciplinirten Armee
erschossen worden wre.[85]

Da die Grants fr den Knig Wilhelm die Waffen ergriffen hatten, so
wurde ihr Eigenthum als gute Prise betrachtet. Eine Abtheilung der
Camerons fiel in ihr Gebiet ein, es kam zu einem Gefecht, es flo etwas
Blut, und eine Menge Vieh wurde in Dundee's Lager getrieben, wo man
Lebensmittel sehr gut brauchen konnte. Dieser Streifzug gab Anla zu
einem Streite, dessen Geschichte den Character einer Armee von
Hochlndern im richtigsten Lichte zeigt. Unter Denen, welche im Kampfe
mit den Camerons fielen, befand sich ein Macdonald von der Seitenlinie
der Glengarries, der lange unter den Grants gelebt hatte, in Gesinnungen
und Ansichten ein Grant geworden und beim Aufgebot seines Stammes nicht
erschienen war. Obgleich er sich gegen den glischen Codex der Ehre und
Moral schwer vergangen hatte, erinnerten sich doch seine Stammesgenossen
der geheiligten Bande, die er vergessen. Mochte er gut oder schlecht
sein, er war von ihrem Fleisch und Blut und er htte daher ihrer Justiz
aufgespart werden sollen. Der Name, den er trug, das Blut der Lords von
den Inseln htte ihn schtzen sollen. Glengarry begab sich wthend zu
Dundee und verlangte Rache an Lochiel und dem ganzen Geschlecht Cameron.
Dundee erwiederte, der unglckliche Gentleman, der gefallen sei, habe
den Clan wie auch den Knig verrathen. Sei es im Kriege wohl erhrt, da
die Person eines Feindes, eines unter den Waffen Kmpfenden wegen eines
Namens und seiner Abkunft fr unantastbar gehalten werden msse? Und
selbst wenn ein Unrecht geschehen sei, wie solle es wieder gut gemacht
werden? Die halbe Armee msse erst die andre Hlfte erschlagen, ehe
Lochiel ein Haar gekrmmt werden knne. Glengarry entfernte sich wieder,
tobend wie ein Besessener. Da seine Klagen von Denen, die ihm Recht
verschaffen sollten, nicht beachtet wrden, so wolle er sich selbst
Recht verschaffen; er wolle seine Leute aufbieten und mit dem Schwert in
der Hand ber die Mrder seines Vetters herfallen. Eine Zeit lang wollte
er auf keine Vorstellungen hren. Als man ihm zu bedenken gab, da
Lochiel's Anhnger den Glengarryleuten an Zahl um das Doppelte berlegen
seien, rief er aus: Das thut nichts; ein Glengarry ist soviel werth als
zwei Camerons. Wre Lochiel eben so heftig und grosprecherisch
gewesen, so ist es wahrscheinlich, da die hochlndische Insurrection
der Regierung wenig mehr zu schaffen gemacht und da die Rebellen ohne
viel Aufhebens einander gegenseitig in ihren Wildnissen erschlagen haben
wrden. Aber die Natur hatte ihm in reichem Mae die Eigenschaften eines
Staatsmannes verliehen, obwohl das Schicksal diese Eigenschaften in
einem unbekannten Winkel der Erde verborgen hatte. Er sah ein, da jetzt
keine Zeit zur Zwietracht sei; sein Muth war lngst anerkannt und sein
Temperament verstand er vollkommen zu beherrschen. Glengarry's Wuth,
durch keine neuen Provokationen gereizt, legte sich bald. Allerdings
vermutheten Manche, da er niemals ganz so kampflustig gewesen sei, als
er sich gestellt habe und da er mit seinem Toben nichts weiter
beabsichtigt habe, als sein eignes Ansehen in den Augen seiner Anhnger
aufrecht zu erhalten. Wie dem auch sein mge, der Streit wurde
geschlichtet und die beiden Huptlinge begrten sich mit dem ueren
Schein von Artigkeit an der Tafel des Generals.[86]


Dundee sucht bei Jakob um Untersttzung nach.

Die Erfahrungen, welche Dundee an seinen celtischen Bundesgenossen
machte, muten es ihm wnschenswerth erscheinen lassen, in seiner Armee
einige Truppen zu haben, auf deren Gehorsam er sich verlassen konnte und
welche nicht auf einen Wink von ihrem Obersten die Waffen gegen ihren
General und ihren Knig kehren wrden. In Folge dessen schrieb er
whrend der Monate Mai und Juni mehrere Briefe nach Dublin, worin er
dringend um Beistand bat. Wenn sechstausend, viertausend, dreitausend
regulre Soldaten jetzt nach Lochaber geschickt wrden, knne Se.
Majestt darauf rechnen, da er bald in Holyrood ein Hoflager halten
werde. Da ein solches Truppencorps entbehrlich war, unterlag kaum einem
Zweifel. Jakob's Autoritt war damals in allen Theilen Irland's
anerkannt, auer an den Ufern des Ernesees und hinter den Mauern von
Londonderry. Er hatte in diesem Knigreiche eine Armee von
vierzigtausend Mann. Ein Achtel von dieser Armee wre dort kaum vermit
worden und htte in Verbindung mit den aufstndischen Clans in
Schottland groe Dinge ausrichten knnen.

Die Antworten, welche Dundee auf seine Ansuchen erhielt, berechtigten
ihn zu der Hoffnung, da ihm bald ein starkes und wohlausgerstetes
Corps aus Ulster zugeschickt werden wrde. Vor der Ankunft dieser
Verstrkungen wollte er nicht das Glck einer Schlacht versuchen.[87]
Mackay auf der andren Seite war es mde, in einer Wildni
umherzumarschiren. Seine Leute waren erschpft und entmuthigt; er hielt
es fr wnschenswerth, da sie die Gebirgsgegend verlieen, und Wilhelm
war der nmlichen Meinung.


Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden.

So wurde im Juni der Brgerkrieg wie auf Verabredung zwischen den
beiderseitigen Generlen vllig eingestellt. Dundee blieb in
ungeduldiger Erwartung der Truppen und Zufuhren aus Irland in Lochaber.
Es war ihm indessen unmglich, seine Hochlnder in einem Zustande der
Unthtigkeit beisammenzuhalten, denn es bedurfte eines groen Gebiets
von Sumpf- und Gebirgsland, um eine so zahlreiche Mannschaft zu
unterhalten. Die Clans kehrten daher in ihre Schluchten zurck, nachdem
sie versprochen hatten, sich auf den ersten Aufruf wieder zu sammeln.

Inzwischen erholten sich die durch harte Strapatzen und Entbehrungen
erschpften Soldaten Mackay's in Quartieren, welche ber das ganze
Niederland von Aberdeen bis Stirling zerstreut waren. Mackay selbst war
in Edinburg und drang in die dortigen Minister, ihm die Mittel zur
Errichtung einer Fortifikationskette in den Grampians zu bewilligen. Die
Minister hatten sich, wie es scheint, in ihren militrischen
Hlfsmitteln verrechnet. Man hatte erwartet, da die Campbells eine
Streitmacht ins Feld stellen wrden, welche hinreichend war, um die
ganze Strke der unter Dundee marschirenden Clans aufzuwiegen. Ebenso
hatte man erwartet, da die westlichen Covenanters sich beeilen wrden,
die Reihen der Armee Knig Wilhelm's zu verstrken. Beide Erwartungen
wurden getuscht. Argyle hatte sein Frstenthum verwstet und seinen
Stamm entwaffnet und desorganisirt gefunden. Es mute eine betrchtliche
Zeit darber hingehen, ehe sein Banner von einer Streitmacht umgeben
sein wrde, wie seine Vter sie in den Kampf gefhrt hatten.


Bedenklichkeiten der Covenanters, fr Knig Wilhelm die Waffen zu
ergreifen.

Die Covenanters des Westens waren im allgemeinen nicht geneigt, sich
einreihen zu lassen. An Muth fehlte es ihnen sicherlich nicht, und sie
haten Dundee mit tdtlicher Erbitterung. Seine Grausamkeit war in ihrem
Theile des Landes noch in frischem Andenken. Jedes Dorf hatte seine
blutige Geschichte. In dem einen Hause fehlte der greise Vater, in dem
andren der hoffnungsvolle Sohn. Man erinnerte sich nur zu gut, wie die
Dragoner in die Htte des Landmanns eingedrungen waren, bei jedem Worte
ihn, sich selbst und Einer den Andren verfluchend und verwnschend, wie
sie die achtzigjhrige Gromutter hinter dem warmen Ofen hervorgerissen
und mit roher Hand den Busen seiner sechzehnjhrigen Tochter betastet
hatten; wie ihm die Abschwrungsformel vorgehalten worden war, wie er
die Arme ber der Brust gekreuzt und gesagt hatte: der Wille Gottes
geschehe; wie der Oberst ein Piket mit geladenen Gewehren herbeigerufen
und wie drei Minuten spter der brave Hausvater vor seiner eigenen Thr
in einer Blutlache gelegen hatte. Der Platz des Mrtyrers am Herde war
noch leer und jedes Kind konnte seinen noch grnen Grabhgel auf der
Haide zeigen. Wenn die Leute dieser Gegend ihren Unterdrcker einen
Diener des Teufels nannten, so sprachen sie nicht in bildlichem Sinne;
sie glaubten wirklich, da zwischen dem bsen Menschen und dem bsen
Geiste ein enges Bndni mit bestimmten Bedingungen bestehe, da Dundee
sich verpflichtet habe, das Werk der Hlle auf Erden zu verrichten und
da die Hlle zu hheren Zwecken ihren Sklaven beschtzen drfe, bis das
Ma seiner Schuld voll sein wrde. Aber so grndlich diese Leute auch
Dundee verabscheuten, so erhoben doch die meisten von ihnen Bedenken
dagegen, fr Wilhelm das Schwert zu ziehen. Es wurde in der Pfarrkirche
zu Douglas ein groes Meeting gehalten und die Frage vorgelegt, ob es zu
einer Zeit, wo Krieg im Lande wthe und eine irische Invasion erwartet
werde, nicht Pflicht sei, zu den Waffen zu greifen. Die Debatte war
heftig und tumultuarisch. Die Redner der einen Seite beschworen ihre
Brder, nicht den Fluch auf sich zu laden, der gegen die Bewohner von
Meros geschleudert worden, weil sie dem Herrn nicht gegen den Mchtigen
zu Hlfe kamen. Die Redner der andren Seite donnerten gegen sndige
Bndnisse. Es seien Schlechtgesinnte in Wilhelm's Heere, Mackay's eigne
Rechtglubigkeit sei problematisch; mit solchen Kameraden und unter
einem solchen General Kriegsdienste zu leisten, wrde ein sndiges
Bndni sein. Nach langem Hin- und Herstreiten und unter groer
Verwirrung wurde endlich eine Abstimmung vorgenommen und die Majoritt
erklrte sich dahin, das es ein sndiges Bndni sein wrde,
Kriegsdienste zu nehmen.


Aushebung des Cameron'schen Regiments.

Es gab jedoch eine starke Minoritt und aus den Mitgliedern dieser
Minoritt gelang es dem Earl von Angus ein Infanteriecorps zu bilden,
das noch heute, nach Verlauf von mehr als hundertsechzig Jahren, unter
dem Namen des Cameron'schen Regiments bekannt ist. Der erste
Oberstleutnant desselben war Cleland, der unerbittliche Blutrcher, der
Dundee aus der Convention getrieben hatte. Es machte keine geringe
Schwierigkeit, die Reihen zu fllen, denn viele westlndische Whigs, die
es nicht fr absolut sndhaft hielten, einzutreten, stellten
Bedingungen, welche alle militrische Disciplin untergraben muten.
Einige wollten nicht unter einem Obersten, Major, Hauptmann, Sergeanten
oder Korporal dienen, der nicht bereit sei, den Covenant zu
unterschreiben. Andere bestanden darauf, da, wenn es durchaus nthig
befunden wrde, den und jenen Offizier anzustellen, welcher die unter
der vorigen Regierung vorgeschriebenen Testeide geleistet habe, er sich
wenigstens durch ffentliches Eingestndni seiner Snde vor der Fronte
des Regiments zum Commando qualificiren sollte. Die Mehrzahl der
Enthusiasten, welche diese Bedingungen gestellt hatten, wurde durch
geschickte Bearbeitung bewogen, ihre Forderungen bedeutend
herabzustimmen. Doch hatte das Regiment immerhin einen ganz
eigenthmlichen Character. Die Soldaten waren smmtlich strenge
Puritaner. Einer ihrer ersten Schritte war eine Petition an das
Parlament, da alle Trunksucht, Ausschweifung und Gottlosigkeit streng
bestraft werden mchte. Ihr eignes Verhalten mu musterhaft gewesen
sein, denn das schlimmste Verbrechen, das die berspannteste Bigotterie
ihnen zur Last legen konnte, bestand darin, da sie dem Knige zu seinem
Geburtstage Hurrahs brachten. Man hatte ursprnglich beabsichtigt, mit
der militrischen Organisation des Corps die Organisation einer
presbyterianischen Gemeinde zu verweben. Jede Compagnie sollte einen
Aeltesten liefern und die Aeltesten sollten mit dem Kaplan ein
geistliches Tribunal zur Unterdrckung der Unsittlichkeit und Ketzerei
bilden. Es wurden inde keine Aeltesten ernannt; aber ein angesehener
Bergprediger, Alexander Shields, wurde zu dem Amte eines Kaplans
berufen. Es lt sich schwer denken, da der Fanatismus eine hhere
Gluth erreichen knnte, als er aus den Schriften Shields'
hervorleuchtet. Nach seinen Ansichten wrde es die erste Pflicht jedes
christlichen Herrschers sein, jeden heterodoxen Unterthan bis zum Tode
zu verfolgen, und ebenso die erste Pflicht jedes christlichen
Unterthanen, einen heterodoxen Frsten zu ermorden. Doch es herrschte
damals in Schottland eine fanatische Begeisterung, im Vergleich zu
welcher selbst die Begeisterung dieses Mannes noch lau war. Die extremen
Covenanters protestirten gegen seinen Abfall eben so heftig als sie
gegen die Schwarze Indulgenz und gegen den Suprematseid protestirt
hatten und erklrten Jeden, der in Angus' Regiment eintrat, eines
ruchlosen Bndnisses mit Uebelgesinnten schuldig.[88]


Uebergabe des Schlosses von Edinburg.

Mittlerweile war das Edinburger Schlo gefallen, nachdem es sich lnger
als zwei Monate gehalten hatte. Die Vertheidigung sowohl wie der Angriff
waren sehr lau betrieben worden. Der Herzog von Gordon, der keine Lust
hatte, sich den tdtlichen Ha Derer zuzuziehen, in deren Gewalt seine
Besitzungen und sein Leben bald sein konnten, fand es nicht fr
gerathen, die Stadt zu beschieen. Auf der andren Seite betrieben die
Belagerer ihre Operationen mit so wenig Energie und Umsicht, da die
Jakobiten in der Citadelle mit den drauen befindlichen Jakobiten in
fortwhrender Communication standen. Man erzhlte sich sonderbare
Geschichten von den artigen und kurzweiligen Botschaften, welche
zwischen den Belagerten und den Belagerern gewechselt wurden. Einmal
lie Gordon den stdtischen Behrden sagen, da er wegen einiger ihm aus
Irland zugekommenen Nachrichten eine Geschtzsalve geben werde, da aber
die gute Stadt sich nicht zu beunruhigen brauche, denn er werde seine
Kanonen nicht mit Kugeln laden. Ein andermal wirbelten seine Trommeln
das Zeichen zum Parlamentiren; die weie Fahne wurde ausgesteckt, es
fand eine Unterredung statt und er benachrichtigte den Feind ganz
ernsthaft, da alle seine Spielkarten bis zum Zerfallen abgegriffen
seien und da er ihm doch einige frische Packete zukommen lassen mchte.
Seine Freunde errichteten einen Telegraphen, vermittelst dessen sie sich
ber die Linien der Schildwachen hinweg mit ihm unterhielten. An einem
Fenster im obersten Stock eines der hchsten der gigantischen Huser,
von denen noch jetzt einige wenige High Street verdunkeln, wurde, wenn
Alles gut ging, ein weies Tuch, und wenn die Sachen schlecht standen,
ein schwarzes Tuch ausgehangen. Hatte man ausfhrlichere Meldungen zu
machen, so wurde eine Tafel emporgehalten, auf der die Nachricht mit so
groen Buchstaben geschrieben stand, da sie mit Hlfe eines Fernrohrs
von den Wllen der Citadelle aus gelesen werden konnte. Boten mit
Briefen und frischen Lebensmitteln gelangten in verschiedenen
Verkleidungen und durch mannichfache Kunstgriffe ber den Wassergraben,
der sich damals auf der Nordseite der Festung befand, und erklommen den
steilen Abhang. Der Knall einer Muskete auf einem bestimmten Auenwerke
war das Signal, welches den Freunden des Hauses Stuart anzeigte, da
wieder einer ihrer Emissre glcklich den Felsen erklettert hatte.
Endlich aber waren die Vorrthe erschpft und man mute kapituliren.
Vortheilhafte Bedingungen wurden bereitwillig zugestanden, die Garnison
zog ab und die Schlssel wurden unter den Acclamationen einer groen
Menge Brger bergeben.[89]


Parlamentssession in Edinburg.

Doch die Regierung hatte im Parlamentshause viel erbittertere und
hartnckigere Feinde als im Schlosse. Als die Stnde nach ihrer
Vertagung wieder zusammentraten, wurden die Krone und das Scepter
Schottland's als Symbole des abwesenden Souverains mit gewohntem Pomp im
Saale ausgestellt. Hamilton ritt als Lord Obercommissar mit groem
Geprnge von Holyrood aus durch High Street, und Crawford nahm seinen
Sitz als Prsident ein. Zwei Edicte, von denen das eine die Convention
in ein Parlament verwandelte, das andre Wilhelm und Marien als Knig und
Knigin anerkannte, wurden rasch angenommen und mit dem Scepter berhrt,
und nun begann der Kampf der Parteien.[90]


Einflu des Clubs.

Es zeigte sich bald, da die von Montgomery organisirte Opposition
unberwindlich stark war. Obgleich aus vielen heterogenen Elementen, aus
Republikanern, Whigs, Tories, eifrigen Presbyterianern und bigotten
Prlatisten zusammengesetzt, agirte sie eine Zeit lang wie ein Mann und
zog eine Menge jener unbedeutenden und kleinmthigen Politiker an sich,
welche sich naturgem zu der strkeren Partei hinneigen. Die Freunde
der Regierung waren gering an Zahl und nicht verbunden. Hamilton ging
nur mit halbem Herzen an die Erfllung seiner Pflichten. Unbestndig war
er jederzeit gewesen; jetzt war er auch noch unzufrieden. Er bekleidete
zwar den hchsten Posten, den ein Unterthan erreichen konnte; aber er
bildete sich ein, da er nur den Schein der Macht habe, whrend Andere
die wirkliche Macht besen, und es war ihm daher nicht unlieb, wenn er
Diejenigen, auf die er eiferschtig war, belstigt und beunruhigt sah.
Er hinterging den Frsten, den er reprsentirte, nicht geradezu, aber er
intriguirte zuweilen mit den Fhrern des Clubs und spielte Denen, die
ihm im Dienste der Krone zur Seite standen, mitunter arglistige
Streiche.

Seine Instructionen schrieben ihm vor, Gesetze zur Milderung oder
Beseitigung zahlreicher Mistnde und besonders einem die Macht des
Artikelausschusses beschrnkenden und die Verfassung desselben
reformirenden Gesetze, sowie ferner einem das presbyterianische
Kirchenregiment einfhrenden Gesetze die knigliche Genehmigung zu
ertheilen.[91] Doch es war gleichgltig, wie seine Instructionen
lauteten. Die Fhrer des Clubs legten es darauf an, eine Ursache zur
Uneinigkeit zu finden. Die Vorschlge der Regierung bezglich der
Artikellords wurden verchtlich zurckgewiesen. Hamilton schrieb um neue
Instructionen nach London und bald wurde ihm ein zweiter Plan, welcher
dem einst despotischen Ausschusse nicht viel mehr als den Namen lie,
zugeschickt. Aber auch dieser zweite Plan theilte das Schicksal des
ersten, obgleich er von der Art war, da er vernnftige und gemigte
Reformers htte befriedigen knnen. Unterdessen legten die Oberhupter
des Clubs ein Gesetz vor, welches dem Knige verbot, jemals irgend
Jemanden in einem ffentlichen Amte anzustellen, der an irgend einer mit
der Rechtsforderung unvertrglichen Maregel Antheil gehabt oder irgend
einem guten Plan der Stnde hindernd oder verzgernd entgegengetreten
sei. Dieses Gesetz, das in einem sehr kleinen Rahmen fast alle Fehler
vereinigte, die ein Gesetz nur haben kann, war, wie man sehr wohl wute,
auf den neuen Lordprsidenten des Court of Session und auf seinen Sohn,
den neuen Lord Advokaten, abgesehen. Ihr Glck und ihre Macht hatte
ihnen den Neid jedes in seinen Hoffnungen getuschten Amtscandidaten
zugezogen. Da sie Neulinge waren, die Ersten ihres Geschlechts, die
sich zur Auszeichnung emporgeschwungen, und da sie dessenungeachtet
lediglich durch die Kraft der Befhigung eben so wichtige Personen im
Staate geworden waren wie der Herzog von Hamilton oder der Earl von
Argyle, war ein Gedanke, der vielen bedrftigen und stolzen Patriziern
das Herz zernagte. In den Augen der schottischen Whigs waren die
Dalrymple das was Halifax und Caermarthen in den Augen der englischen
Whigs waren. Weder die Verbannung Sir Jakob's, noch der Eifer, mit dem
Sir Johann die Revolution untersttzt hatte, wurden als eine Shne fr
alte Vergehen angenommen. Sie hatten Beide dem blutdrstigen und
gtzendienerischen Hause gedient. Sie hatten Beide das Volk Gottes
unterdrckt. Ihre spte Reue konnte ihnen vielleicht einen billigen
Anspruch auf Verzeihung geben, gab ihnen aber gewi kein Recht auf Ehren
und Belohnungen.

Die Freunde der Regierung versuchten es vergebens, die Aufmerksamkeit
des Parlaments von der Verfolgung der Familie Dalrymple auf die wichtige
und dringliche Frage der Kirchenverfassung zu lenken. Sie sagten, das
alte System sei abgeschafft, es sei noch kein andres System an dessen
Stelle gesetzt, man wisse nicht mehr, welches eigentlich die
Staatsreligion des Landes sei, und es sei die erste Pflicht der
Legislatur, einer Anarchie ein Ende zu machen, welche tglich Unheil und
Verbrechen hervorrufe. Die Fhrer des Clubs lieen sich damit nicht von
ihrem Ziele abbringen. Es wurde beantragt und beschlossen, da die
Inbetrachtnahme der kirchlichen Angelegenheiten so lange aufgeschoben
werden solle, bis die weltlichen Angelegenheiten geordnet seien. Die
ungerechte und absurde Incapacittsacte wurde mit vierundsiebzig gegen
vierundzwanzig Stimmen angenommen. Ein andrer noch augenscheinlicher auf
das Haus Stair abzielender Beschlu folgte unmittelbar darauf. Das
Parlament machte Anspruch auf ein Veto bei der Ernennung von Richtern
und mate sich die Befugni an, die Untersiegelung zu verhindern, mit
anderen Worten, die ganze Justizverwaltung zu suspendiren, bis dieser
Anspruch zugestanden wre. Aus dem Verlaufe der Debatte ging klar
hervor, da, wenn die Fhrer des Clubs auch mit dem Court of Session
begonnen hatten, sie nicht damit aufzuhren gedachten. Die von Sir
Patrick Hume und Anderen angefhrten Argumente fhrten direct zu dem
Schlusse, da dem Knige die Ernennung keines wichtigen Staatsbeamten
zustehen solle. Sir Patrick sprach in der That in Rede wie in Schrift
seine Meinung dahin aus, da das ganze Ernennungsrecht im Reiche von der
Krone auf die Stnde bertragen werden sollte. Wenn die Stelle des
Schatzmeisters, des Kanzlers, des Sekretrs erledigt sei, msse das
Parlament Sr. Majestt einige Namen vorlegen, und Se. Majestt solle
verbunden sein von diesen Namen einen zu whlen.[92]

Whrend dieser ganzen Zeit verweigerten die Stnde beharrlich jede
Geldbewilligung, bis ihre Acte mit dem Scepter berhrt sein wrden. Der
Lord Obercommissar ward endlich ber ihre Verkehrtheit so aufgebracht,
da er nach langem Temporisiren selbst solche Acte zu berhren
verweigerte, gegen die an sich nichts einzuwenden war, und welche zu
genehmigen ihn seine Instructionen ermchtigten. Dieser Stand der Dinge
wrde mit einer groen Erschtterung geendigt haben, wenn der Knig von
Schottland nicht zugleich Knig eines viel greren und reicheren Landes
gewesen wre. Karl I. hatte nie irgend ein Parlament zu Westminster
unlenksamer gefunden, als Wilhelm whrend dieser Session das Parlament
zu Edinburg fand. Aber es lag nicht in der Macht des Parlaments von
Edinburg, einen solchen Zwang auf Wilhelm auszuben, wie das Parlament
von Westminster ihn auf Karl ausgebt hatte. Eine Verweigerung von
Geldern war zu Westminster eine ernsthafte Sache und lie dem Souverain
keine andre Wahl als nachzugeben, oder durch verfassungswidrige Mittel
Geld zu erheben. In Edinburg brachte ihn eine derartige Verweigerung in
kein solches Dilemma. Die grte Summe, die er aus Schottland in einem
Jahre zu erhalten hoffen konnte, betrug weniger, als was er aus England
alle vierzehn Tage bezog. Er hatte sich daher nur in die Grenzen seiner
unbestreitbaren Prrogative einzuschlieen und hier in der Defensive zu
verharren, bis eine gnstige Conjunctur eintrat.[93]


Unruhen in Athol.

Whrend diese Dinge im Parlamentshause vorgingen, brach der Brgerkrieg
in den Hochlanden, der einige Wochen unterbrochen gewesen war, heftiger
als zuvor wieder aus. Seit der Glanz des Hauses Argyle verblichen war,
konnte kein glischer Huptling an Macht sich mit dem Marquis von Athol
messen. Der Bezirk, von dem er seinen Titel herleitete und dessen
Souverain er fast genannt werden konnte, war an Flchenraum grer als
eine gewhnliche Grafschaft, und war fruchtbarer, besser angebaut und
dichter bevlkert als der grere Theil der Hochlande. Die Mnner, die
seinem Banner folgten, wurden fr nicht minder zahlreich gehalten als
smmtliche Macdonalds und Macleans zusammengenommen, und standen an
Kraft und Muth keinem Stamme im Gebirge nach. Aber der Clan war durch
die Unbedeutendheit des Huptlings unbedeutend gemacht worden. Der
Marquis war der falscheste, unbestndigste, kleinmthigste Mensch von
der Welt. In dem kurzen Zeitraum von sechs Monaten war er bereits
mehrere Male ein Jakobit und mehrere Male Wilhelmit gewesen. Sowohl
Jakobiten als Wilhelmiten betrachteten ihn mit Verachtung und Mitrauen,
welche sie nur aus Respect vor seiner ungeheuren Macht nicht rckhaltlos
uerten. Nachdem er zu wiederholten Malen beiden Parteien Treue gelobt
und zu wiederholten Malen Beide verrathen hatte, begann er zu berlegen,
da er am besten fr seine Sicherheit sorgen werde, wenn er sowohl die
Functionen eines Peers, als die eines Huptlings niederlegte, wenn er
sich sowohl von dem Parlamentshause zu Edinburg, als von seinem Schlosse
im Gebirge fern hielte, und wenn er das Land verliee an das er gerade
bei dem Wendepunkte seines Geschickes durch alle Bande der Pflicht und
der Ehre gekettet war. Whrend ganz Schottland mit Ungeduld und
ngstlicher Spannung zu sehen erwartete, in welches Heer seine
zahlreichen Anhnger eintreten wrden, schlich er sich fort nach
England, nahm seinen Aufenthalt in Bath und gab vor die dortige Kur zu
brauchen.[94] Sein Frstenthum, somit ohne Oberhaupt, war gegen sich
selbst gespalten. Die Leute von Athol waren im allgemeinen Knig Jakob
zugethan. Denn er hatte sich ihrer noch vor vier Jahren als Diener
seiner Rache gegen das Haus Argyle bedient. Sie hatten Inverary besetzt;
sie hatten Lorn verwstet; sie hatten Huser demolirt, Obstbume
umgehauen, Fischerbte verbrannt, Mhlsteine zerschlagen, Campbells
aufgehngt, und es war daher nicht zu erwarten, da sie sich ber die
Aussicht auf Mac Callum More's Restauration freuen wrden. Ein Wort von
dem Marquis wrde zweitausend Claymores ins jakobitische Lager gesendet
haben. Dieses Wort aber wollte er nicht aussprechen, und in Folge dessen
war die Haltung seiner Anhnger ebenso unentschlossen und inconsequent
wie seine eigene.

Whrend sie auf eine Andeutung seiner Wnsche warteten, wurden sie
gleichzeitig von zwei Fhrern zu den Waffen gerufen, von denen jeder mit
einem Schein von Grund darauf Anspruch machen konnte, als Reprsentant
des abwesenden Huptlings betrachtet zu werden. Lord Murray, des Marquis
ltester Sohn, der mit einer Tochter des Herzogs von Hamilton vermhlt
war, erklrte sich fr Knig Wilhelm. Stewart von Ballenach, der
vertraute Agent des Marquis, erklrte sich fr Knig Jakob. Das Volk
wute nicht, welcher Aufforderung es folgen sollte. Der, dessen
Autoritt die hchste Achtung gezollt worden sein wrde, hatte beiden
Parteien sein Wort verpfndet, und war dann aus Furcht sich einer von
beiden anschlieen zu mssen davongelaufen; auch war es nicht leicht zu
sagen, ob der Platz, den er leer gelassen, seinem Haushofmeister oder
seinem muthmalichen Erben gebhrte.

Der wichtigste militrische Posten in Athol war Blair Castle. Das Haus,
welches gegenwrtig diesen Namen fhrt, unterscheidet sich durch nichts
Auffallendes von anderen Landsitzen der Aristokratie. Das alte Gebude
war ein hoher Thurm von roher Bauart, der ein vom Garry bewssertes Thal
beherrschte. Die Mauern wrden einer Geschtzbatterie nicht lange
widerstanden haben, waren aber vollkommen stark genug, um die Hirten der
Grampians in Schach zu halten. Ungefhr fnf Meilen sdlich von dieser
Veste verengerte sich das Thal des Garry zu der berhmten Schlucht von
Killiecrankie. Gegenwrtig fhrt eine Heerstrae so eben wie irgend eine
Strae in Middlesex in sanfter Steigung aus dem Niederlande zu dem
Gipfel des Gebirgspasses hinauf. Weie Villas blicken durch den
Birkenwald, und an einem schnen Sommertage giebt es kaum eine Krmmung
des Passes, wo man nicht einen Angler, der seine Fliege in den Schaum
des Flusses wirft, einen Knstler, der eine Felsenspitze zeichnet, oder
eine auf einer Landpartie begriffene Gesellschaft she, die auf dem
Rasen in Schatten und Sonnenschein schmauset. Zu den Zeiten Wilhelm's
III. aber wurde Killiecrankie von den friedlichen und betriebsamen
Bewohnern des Niederlands von Perthshire nur mit Schaudern genannt. Sie
galt fr die gefhrlichste der finsteren Schluchten, durch welche die
Ruber aus dem Gebirge hervorzustrzen pflegten. Das fr moderne Ohren
so wohlklingende Rauschen des an den bemoosten Felsen und ber die
glatten Kiesel dahin strmenden Flusses, die des Pinsel's eines Wilson
wrdigen dunklen Fels- und Laubmassen, die phantastischen Bergspitzen,
bei Sonnenauf- und Untergang in ein Meer von Licht gebadet, wie es auf
Claude's Bildern glht, erweckten in unseren Vorfahren nur Gedanken von
mrderischen Hinterhalten und von ausgeplnderten, verstmmelten und den
Raubvgeln preisgegebenen Leichnamen. Der einzige Pfad war schmal und
rauh; nur mit Mhe konnte ein Pferd hinaufgefhrt werden; zwei Menschen
konnten kaum neben einander gehen, und an einigen Stellen lief der Weg
so dicht am Abhange hin, da der Reisende eines sicheren Auges und Fues
dringend bedurfte. Viele Jahre spter erbaute der erste Herzog von Athol
eine Strae, die eben gut genug war, damit er sie mit seinem Wagen
befahren konnte. Aber selbst diese Strae war so steil und so schmal,
da eine Handvoll entschlossener Mnner sie gegen eine Armee htte
vertheidigen knnen.[95] Kein Sachse betrachtete denn auch einen Besuch
in Killiecrankie als ein Vergngen, bis die Erfahrung die englische
Regierung gelehrt hatte, da die Spitzhacke und der Spaten diejenigen
Waffen waren, durch welche die Hochlnder am wirksamsten unterworfen
werden konnten.


Der Krieg bricht in den Hochlanden wieder aus.

Die Gegend, welche gerade ber diesem Passe lag, war jetzt der
Schauplatz eines Krieges, wie ihn die Hochlande nicht hufig gesehen
hatten. Mnner, die den nmlichen Tartan trugen und dem nmlichen Herrn
unterthan waren, standen einander gegenber. Der Name des abwesenden
Huptlings wurde, mit einem Anschein von Grund, auf beiden Seiten
gebraucht. Ballenach hielt an der Spitze einer Anzahl Vasallen, die ihn
als den Vertreter des Marquis betrachteten, Blair Castle besetzt. Murray
erschien mit zwlfhundert Mann vor den Mauern und verlangte, in das
Schlo seiner Familie, das Schlo, das dereinst sein Eigen werden
sollte, eingelassen zu werden. Die Besatzung weigerte sich die Thore zu
ffnen. Die Belagerer sandten Boten nach Edinburg, die Belagerten nach
Lochaber.[96] An beiden Orten rief die Nachricht groe Aufregung hervor.
Mackay und Dundee waren beide der Ansicht, da die Krisis rasches und
krftiges Einschreiten erfordere. Von dem Schicksal von Blair Castle
hing wahrscheinlich das Schicksal von ganz Athol ab, und von dem
Schicksal Athol's konnte das Schicksal Schottland's abhngen. Mackay
eilte nach dem Norden und befahl seinen Truppen, sich in dem Niederlande
von Perthshire zu sammeln. Einige von ihnen lagen an so entfernten
Orten, da sie nicht zeitig genug anlangten. Er hatte jedoch bald die
drei schottischen Regimenter bei sich, welche in Holland gedient hatten
und die Namen ihrer Obersten, Mackay's selbst, Balfour's und Ramsay's,
fhrten. Auch ein tapferes Infanterieregiment aus England war da,
welches damals das Regiment Hastings hie, aber jetzt als das dreizehnte
der Linie bekannt ist. Zu diesen alten Truppen kamen dann noch zwei im
Niederlande neu angeworbene Regimenter. Das eine davon wurde von Lord
Kenmore, das andre, das im Grenzlande ausgehoben worden und das noch
jetzt des Knigs Leibgrenzer genannt wird, von Lord Leven befehligt.
Zwei Reitertrupps, commandirt von Lord Annandale und Lord Belhaven,
brachten die Armee wahrscheinlich auf die Zahl von ber dreitausend
Mann. Belhaven ritt an der Spitze seines Trupps; aber Annandale, der
factiseste von allen Anhngern Montgomery's, zog den Club und das
Parlamentshaus dem Felde vor.[97]

Dundee hatte mittlerweile alle Clans, die seine Ernennung anerkannten,
aufgefordert, sich zu einer Expedition nach Athol zu versammeln. Seine
Bemhungen wurden von Lochiel krftig untersttzt. Die Feuerkreuze
wurden wieder in aller Eile durch Appin und Ardnamurchan, nach Glenmore
hinauf und den Levensee entlang ausgesandt. Aber der Aufruf kam so
unerwartet und die verstattete Frist war so kurz, da das Aufgebot kein
ganz vollstndiges war. Die ganze Streitmacht scheint nicht dreitausend
Mann stark gewesen zu sein. Mit diesem Corps rckte Dundee aus. Auf
seinem Marsche zog er Verstrkungen an sich, die eben aus Ulster
angekommen waren. Sie bestanden aus wenig mehr als dreihundert schlecht
bewaffneten, schlecht gekleideten und schlecht disciplinirten irischen
Fusoldaten. Ihr Anfhrer war ein Offizier, Namens Cannon, der in den
Niederlanden gedient hatte und der vielleicht auf einem untergeordneten
Posten und in einer regulren Armee an seinem Platze gewesen sein wrde,
aber der ihm jetzt bertragenen Rolle durchaus nicht gewachsen war.[98]
Er hatte sich bereits so lange zwischen den Hebriden aufgehalten, da
einige mit ihm zugleich abgeschickte und mit Vorrthen befrachtete
Schiffe von englischen Kreuzern genommen worden waren. Er und seine
Soldaten waren mit Mhe dem nmlichen Schicksale entgangen. Trotz dieses
Mangels an Befhigung bekleidete er eine Stelle, die ihm in Schottland
den hchsten militrischen Rang nchst Dundee einrumte.

Die Enttuschung war bitter. Jakob htte in der That besser gethan, wenn
er den Hochlndern allen Beistand verweigert htte, anstatt da er sie
gleichsam zum Besten hatte, indem er ihnen an Stelle der erbetenen und
erwarteten wohlorganisirten Armee ein an Zahl und Aussehen
verachtungswerthes Gesindel schickte. Es war nun klar, da alles was fr
ihn in Schottland geschah, durch schottische Hnde geschehen mute.[99]

Whrend Mackay von der einen und Dundee von der andren Seite gegen Blair
Castle vorrckte, hatten wichtige Ereignisse daselbst stattgefunden.
Murray's Anhnger fingen bald an, in ihrer Treue fr ihn zu wanken. Sie
sahen eine groe Zahl ihrer Stammesgenossen, unter der Anfhrung eines
Gentleman, von dem man vermuthete, da er das Vertrauen des Marquis
besitze, sich gegenbergestellt. Die Belagerungsarmee schmolz daher
rasch zusammen. Viele kehrten unter dem Vorgeben heim, da sie ihre
Familien und ihr Vieh in Sicherheit bringen mten, da die Nachbarschaft
auf dem Punkte stehe, der Schauplatz eines Kriegs zu werden. Andere
erklrten freimthiger, da sie in einem solchen Kampfe nicht fechten
mochten. Eine starke Truppe ging an einen Bach, fllte die Mtzen mit
Wasser, trank auf die Gesundheit Knig Jakob's und zerstreute sich
dann.[100]

Ihr Eifer fr Knig Jakob bewog sie jedoch nicht, sich der Fahne seines
Generals anzuschlieen. Sie legten sich unter den Felsen und Dickichten
lngs des Garry auf die Lauer, in der Hoffnung, da es bald eine
Schlacht geben werde und da, welchen Ausgang dieselbe auch nehmen
mchte, Flchtlinge und Leichname zu plndern sein wrden.

Murray war in arger Bedrngni. Seine Streitmacht war auf einige hundert
Mann geschmolzen, selbst diesen Leuten konnte er nicht recht trauen, und
die Macdonalds und Camerons rckten rasch vor. Er hob daher die
Belagerung von Blair Castle auf und zog sich mit wenigen Anhngern in
den Engpa von Killiecrankie zurck. Hier stie bald eine Abtheilung von
zweihundert Fselieren zu ihm, welche Mackay vorausgeschickt hatte, um
den Pa zu besetzen. Das Hauptcorps der Armee vom Niederlande folgte
bald nach.[101]

Am frhen Morgen des 27. Juli, einem Sonnabend, kam Dundee bei Blair
Castle an. Hier erfuhr er, da Mackay's Truppen bereits in der Schlucht
von Killiecrankie waren. Man mute rasch zu einem Entschlu kommen. Es
wurde Kriegsrath gehalten. Die schsischen Offiziere waren allgemein
dagegen eine Schlacht zu wagen; die celtischen Huptlinge aber waren
andrer Meinung. Glengarry und Lochiel waren jetzt beide eines Sinnes.
Schlagen Sie los, Mylord, sagte Lochiel mit seiner gewohnten Energie;
schlagen Sie unverzglich los, wenn Sie auch nur Einer gegen Drei sind.
Unsere Leute sind guten Muthes, sie frchten weiter nichts, als da der
Feind entkommen mchte. Lassen Sie ihnen ihren Willen und sein Sie
versichert, da sie entweder umkommen, oder einen vollstndigen Sieg
erfechten werden. Wenn Sie sie aber zurckhalten, wenn Sie sie nthigen
in der Defensive zu verharren, so stehe ich fr nichts. Wenn wir nicht
kmpfen, so thten wir besser, wir brchen auf und zgen uns in unsere
Berge zurck.[102]

Dundee's Zge heiterten sich auf. Sie hren es, Gentlemen, sagte er zu
seinen Offizieren; Sie hren die Meinung eines Mannes, der den
hochlndischen Krieg besser versteht als irgend Einer von uns. Keine
Stimme erhob sich dagegen. Es wurde beschlossen zu kmpfen, und die
verbndeten Clans rckten guten Muthes vorwrts dem Feinde entgegen.

Der Feind hatte inzwischen den Engpa erstiegen. Der Marsch bergauf war
langwierig und mhsam gewesen; denn selbst die Fusoldaten konnten nur
zwei bis drei Mann hoch marschiren und die Bagagepferde, zwlfhundert an
Zahl, muten einzeln hintereinander gehen. Kein Wagen war jemals diesen
steilen Pfad hinaufgezogen worden. Die Spitze der Colonne war bereits
oben angelangt und befand sich auf dem Plateau, whrend die Nachhut noch
in der Ebene war. Endlich war der Uebergang bewerkstelligt, und die
Truppen befanden sich in einem Thale von nicht bedeutender Ausdehnung.
Ermdet von der Anstrengung des Morgens warfen sie sich ins Gras, um
einige Ruhe und Erfrischung zu genieen.

Frh am Nachmittag wurden sie durch den Alarmruf aufgeschreckt, da die
Hochlnder sich nherten. Ein Regiment nach dem andren stand auf und
ordnete sich. In einer kleinen Weile war der Gipfel einer Anhhe, die
etwa einen Bchsenschu vor ihnen lag, mit schottischen Mtzen und
Plaids bedeckt. Dundee ritt in der Absicht vor, die Strke der
Streitmacht, mit der er es zu thun haben sollte, zu recognosciren, und
stellte dann seine Leute mit so viel Geschick auf, als ihr
eigenthmlicher Charakter ihm zu bethtigen gestattete. Es war
wnschenswerth, die Clans getrennt zu halten. Jeder Stamm, ob gro oder
klein, bildete eine Colonne, welche von der nchsten durch einen weiten
Zwischenraum geschieden war. Das eine dieser Bataillone mochte
siebenhundert Mann stark sein, whrend ein andres blo aus
hundertzwanzig Mann bestand. Lochiel hatte vorgestellt, da es unmglich
sei, Mnner von verschiedenen Stmmen zu vermischen, ohne Alles zu
zerstren, was die eigenthmliche Strke eines Hochlandsheeres
bilde.[103]

Auf der rechten Flanke, dicht am Garry standen die Macleans. Ihnen
zunchst Cannon mit seinem irischen Fuvolke. Dann kamen die Macdonalds
von Clanronald, von dem Vormunde ihres jungen Frsten befehligt. Auf der
Linken standen andere Schaaren von Macdonalds. An der Spitze eines
starken Bataillons erhob sich die stattliche Figur Glengarry's, der die
knigliche Standarte Knig Jakob's VII. trug.[104] Noch weiter links
stand die Reiterei, eine kleine Schwadron, bestehend aus einigen
jakobitischen Gentlemen, die aus dem Niederlande ins Gebirge geflchtet
waren, und aus etwa vierzig von Dundee's alten Reitern. Jenseit
derselben kam Lochiel mit seinen Camerons, und die uerste Linke
bildeten die Mnner von Sky unter Anfhrung Macdonald's von Sleat.[105]

In den Hochlanden wie in allen Lndern, wo der Krieg nicht zu einer
Wissenschaft geworden ist, hielt man es fr die wichtigste Pflicht eines
Befehlshabers, das Beispiel persnlichen Muthes und krperlicher
Anstrengung zu geben. Lochiel war besonders berhmt wegen seiner
physischen Tapferkeit. Seine Clansleute erzhlten mit Stolz, wie er
feindliche Reihen selbst durchbrochen und riesenhafte Krieger
niedergehauen habe. Er verdankte diesen Thaten vielleicht einen eben so
groen Theil seines Einflusses wie den ausgezeichneten Eigenschaften,
die ihn, htte das Schicksal ihn in das englische Parlament oder an den
franzsischen Hof versetzt, zu einem der hervorragendsten Mnner seines
Jahrhunderts gemacht haben wrden. Er war jedoch verstndig genug, um
einzusehen, wie irrig die Meinung war, welche seine Landsleute gefat
hatten. Er wute, da es nicht das Amt eines Generals war, Schlge
auszutheilen und zu empfangen. Er wute, wie schwer es Dundee geworden
war, nur wenige Tage ein aus verschiedenen Clans bestehendes Heer
zusammenzuhalten, und er wute, da das was einem Dundee Mhe gekostet
hatte, einem Cameron geradezu unmglich sein wrde. Ein Leben, von dem
so viel abhing, durfte nicht einem barbarischen Vorurtheile geopfert
werden. Lochiel beschwor daher Dundee, sich nicht unnthiger Gefahr
auszusetzen. Ew. Lordschaft Amt ist es, sagte er, Alles zu
beaufsichtigen und Ihre Befehle zu ertheilen, und an uns ist es, diese
Befehle auszufhren. Dundee erwiederte mit ruhiger Hochherzigkeit, da
in den Worten seines Freundes Sir Ewan viel Wahres liege, da aber kein
General etwas Groes vollbringen knne, ohne das Vertrauen seiner Leute
zu besitzen. Ich mu mir den Ruf der persnlichen Tapferkeit erwerben.
Ihre Leute erwarten ihre Anfhrer im dichtesten Kampfgewhl zu sehen,
und heute sollen sie mich da sehen. Ich verspreche Ihnen jedoch bei
meiner Ehre, da ich in knftigen Gefechten mich mehr schonen werde.

Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer unterhalten,
von den regulren Soldaten aber geschickter und nachhaltiger als von den
Gebirgsleuten. Der Raum zwischen den beiden Heeren war eine einzige
Rauchwolke. Nicht wenige Hochlnder fielen, und die Clans wurden
ungeduldig. Die Sonne stand jedoch schon tief im Westen, als Dundee
endlich den Befehl gab, sich kampffertig zu machen. Seine Leute erhoben
ein groes Jubelgeschrei. Der Feind, wahrscheinlich erschpft durch die
Anstrengungen des Tages, antwortete mit einem nur schwachen und
vereinzelten Hurrah. Jetzt frisch ans Werk! sagte Lochiel. Das ist
nicht der Ruf von Mnnern, die zum Siege gehen. Er war durch alle seine
Reihen gegangen, hatte an jeden Cameron einige Worte gerichtet, und
jedem das Versprechen abgenommen, zu siegen oder zu sterben.[106]

Es war sieben Uhr vorber. Dundee gab das Losungswort. Die Hochlnder
lieen ihre Plaids fallen. Die Wenigen, die so luxuris waren, rohe
Socken von ungegerbter Haut zu tragen, warfen sie weg. Man erinnerte
sich noch lange in Lochaber, da Lochiel seine Schuhe, wahrscheinlich
das einzige Paar in seinem Clan, auszog und barfu an der Spitze seiner
Leute kmpfte. Die ganze Linie rckte feuergebend vor. Der Feind
erwiederte das Feuer mit guter Wirkung. Als nur noch ein kleiner Raum
zwischen den beiden Heeren war, warfen die Hochlnder pltzlich ihre
Gewehre weg, zogen ihre Breitschwerter und strzten mit einem
furchtbaren Geschrei vorwrts. Die Niederlnder machten sich bereit, den
Angriff zurckzuweisen; doch dies war damals eine langwierige und
schwerfllige Procedur, und die Soldaten hanthierten noch an den
Mndungen ihrer Gewehre und an den Griffen ihrer Bajonette herum, als
der ganze Strom der Macleans, Macdonalds und Camerons auf sie anstrmte.
In zwei Minuten war die Schlacht verloren und gewonnen. Die Reihen von
Balfour's Regiment ffneten sich. Er wurde niedergehauen, whrend er im
Gedrnge kmpfte. Ramsay's Leute machten kehrt und warfen die Waffen
weg. Mackay's eignes Fuvolk wurde durch den wthenden Angriff der
Camerons auseinandergesprengt. Sein Bruder und sein Neffe bemhten sich
vergebens, die Leute zu sammeln. Ersterer wurde durch einen Hieb mit
einem Claymore todt zu Boden gestreckt. Der Andre arbeitete sich, mit
acht Wunden bedeckt, durch das Getmmel und Blutvergieen bis an die
Seite seines Oheims. Selbst in dieser uersten Bedrngni behielt
Mackay seine ganze Geistesgegenwart. Er hatte noch eine Hoffnung. Ein
Reiterangriff konnte das Kriegsglck wenden, denn vor Reitern frchteten
sich, wie man glaubte, selbst die tapfersten Hochlnder. Doch er rief
umsonst nach den Reitern. Belhaven benahm sich zwar als ein tapferer
Gentleman; aber seine Reiter, ber die Niederlage des Fuvolks
erschrocken, sprengten in Verwirrung davon; Annandale's Leute folgten;
Alles war vorber und der wirre Strom von Rothrcken und Tartans wlzte
sich das Thal hinunter in die Schlucht von Killiecrankie.

Mackay, von einem treuen Diener begleitet, sprengte muthig durch das
dichteste Gewhl der Claymores und Tartschen und erreichte einen Punkt,
von wo er einen Ueberblick ber das Schlachtfeld hatte. Seine ganze
Armee war verschwunden, mit Ausnahme einiger Grenzer, welche Leven
zusammengehalten hatte, und des Regiments Hastings, das ein mrderisches
Feuer in die celtischen Reihen gesandt hatte und das noch in
ungebrochener Ordnung Stand hielt. Die Leute welche gesammelt werden
konnten, beliefen sich auf nur wenige Hunderte. Der General beeilte
sich, sie ber den Garry zu fhren, und nachdem er diesen Flu zwischen
sie und den Feind gebracht hatte, machte er einen Augenblick Halt, um
ber seine Lage nachzudenken.

Er konnte kaum begreifen, wie die Sieger so unklug sein konnten, ihm
auch nur diesen Augenblick zur Ueberlegung zu lassen. Sie htten mit
Leichtigkeit seine ganze Mannschaft niederhauen oder gefangen nehmen
knnen, bevor die Nacht einbrach. Aber die Energie der celtischen
Krieger hatte sich in einem wthenden Angriff und einem kurzen Kampfe
erschpft. Der Engpa war von den zwlfhundert Lastthieren, welche die
Lebensmittel und das Gepck der besiegten Armee trugen, verstopft. Eine
solche Beute war eine unwiderstehliche Versuchung fr Leute, die
ebensowohl durch das Verlangen nach Raub, wie durch das Verlangen nach
Ruhm zum Kriege getrieben wurden. Es ist wahrscheinlich, da sogar
wenige Huptlinge geneigt waren um Knig Jakob's willen eine so reiche
Beute im Stich zu lassen. Dundee selbst wrde in diesem Augenblicke
nicht im Stande gewesen sein, seine Anhnger dazu zu bewegen, da sie
von den Beutehaufen ablieen und das groe Werk des Tages vollendeten,
und Dundee war nicht mehr.


Dundee's Tod.

Beim Beginn des Gefechts hatte er seinen Platz vor der Fronte seiner
kleinen Reiterschaar genommen. Er befahl ihr ihm zu folgen und ritt
vorwrts. Doch es schien beschlossen zu sein, da an diesem Tage die
Schotten des Niederlandes in beiden Armeen sich in nachtheiligem Lichte
zeigen sollten. Die Reiter zgerten. Dundee wendete sich um, erhob sich
in den Steigbgeln und forderte sie seinen Hut schwenkend auf,
herbeizukommen. Als er seinen Arm erhob, lftete sich sein Harnisch und
entblte den unteren Theil seiner linken Seite. Eine Musketenkugel traf
ihn, sein Pferd sprang vorwrts und strzte sich in eine Wolke von Rauch
und Staub, welche beiden Armeen den Fall des siegreichen Generals
verbarg. Ein Mann, Namens Johnstone, war in seiner Nhe und fing ihn
auf, als er aus dem Sattel herabsank. Wie steht die Schlacht? fragte
Dundee. Gut fr Knig Jakob, antwortete Johnstone, aber ich bin
besorgt um Ew. Lordschaft. -- Wenn die Schlacht gut fr ihn steht,
erwiederte der Sterbende, so ist an mir um so weniger gelegen. Dies
waren seine letzten Worte; als aber eine halbe Stunde darauf Lord
Dunfermline und einige andere Freunde zur Stelle kamen, glaubten sie
noch einige schwache Lebenszeichen zu erkennen. Der in zwei Plaids
gehllte Leichnam wurde nach Blair Castle gebracht.[107]


Mackay's Rckzug.

Mackay, der von Dundee's Schicksal nichts wute, wohl aber Dundee's
Geschicklichkeit und Thtigkeit kannte, erwartete augenblicklich und
heftig verfolgt zu werden, und machte sich wenig Hoffnung, auch nur die
sprlichen Ueberreste der besiegten Armee retten zu knnen. Durch den
Engpa konnte er sich nicht zurckziehen, denn die Hochlnder waren
bereits dort. Er beschlo daher, ber die Berge in das Thal des Tay
vorzudringen. Er holte bald einige Hundert seiner Ausreier ein, welche
dieselbe Richtung eingeschlagen hatten. Die meisten von ihnen gehrten
zu Ramsay's Regiment und muten gediente Soldaten sein. Aber sie waren
ohne Waffen, durch die erlittene Niederlage demoralisirt, und der
General konnte bei ihnen keinen Ueberrest von militrischer Disciplin
ober kriegerischem Muthe entdecken. Seine Lage war von der Art, da sie
auch den Strksten auf eine harte Probe stellen mute. Die Nacht war
hereingebrochen; er befand sich ohne Fhrer in einer Wste; ein
siegreicher Feind war ihm aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Fersen,
und er hatte fr die Sicherheit eines Haufens von Menschen zu sorgen,
welche Kopf und Herz verloren hatten. Er hatte eben die schmerzlichste
und demthigendste Niederlage erlitten. Seine Privatgefhle waren nicht
weniger tief verwundet worden als seine Berufsgefhle. Ein theurer
Verwandter war eben vor seinen Augen todt niedergestreckt worden. Ein
andrer bewegte sich, aus vielen Wunden blutend, nur noch schwach neben
ihm. Doch der Muth des unglcklichen Generals wurde durch einen festen
Glauben an Gott und durch ein hohes Pflichtgefhl fr den Staat
aufrechterhalten. Bei all' seinem Elend und Migeschick trug er das
Haupt noch stolz erhoben und fand Muth nicht allein fr sich, sondern
fr Alle die ihn umgaben. Seine erste Sorge war, des Weges gewi zu
sein. Ein einsames Licht, das durch die Dunkelheit schimmerte, fhrte
ihn zu einer kleinen Htte. Die Bewohner sprachen nur glisch, und waren
anfangs durch das Erscheinen von Uniformen und Waffen gengstigt. Doch
Mackay's Leutseligkeit zerstreute ihre Besorgni. Ihre Sprache war ihm
in der Jugend gelufig gewesen, und er hatte genug davon behalten, um
sich mit ihnen verstndigen zu knnen. Nach ihren Anweisungen und mit
Hlfe einer Taschenkarte, auf welcher die Straen jenes wilden Landes
oberflchlich angegeben waren, gelang es ihm sich zurecht zu finden. Er
marschirte die ganze Nacht. Als der Tag anbrach, war seine Aufgabe
schwieriger als je. Hasting's und Leven's Leute benahmen sich zwar noch
wie Soldaten. Aber die Ramsay'schen Ausreier waren ein bloer
Pbelhaufen. Sie hatten ihre Musketen weggeworfen, und die
Breitschwerter, vor denen sie geflohen waren, blitzten bestndig vor
ihren Augen. Jeder neue Gegenstand jagte ihnen einen neuen Schrecken
ein. Ein Huflein Hirten in Plaids, welche ihr Vieh trieben, wurde durch
die Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrert.
Einige der Ausreier verlieen das Hauptcorps und entflohen ins Gebirge,
wo ihre Feigheit die verdiente Strafe fand. Sie wurden um ihrer Rcke
und Schuhe willen erschlagen, und ihre nackten Leichname den Adlern von
Ben Lawers preisgegeben. Die Desertion wrde noch viel rger gewesen
sein, htten nicht Mackay und seine Offiziere mit dem Pistol in der Hand
jeden Mann niederzuschieen gedroht, den sie bei dem Versuche sich
fortzustehlen betreffen wrden.

Endlich kamen die ermdeten Flchtlinge vor Weems Castle an. Der
Besitzer des Schlosses war ein Freund der neuen Regierung und er erwies
ihnen soviel Gastfreundschaft als in seinen Krften stand. Sein Vorrath
von Hafermehl wurde herbeigebracht, es wurden einige Rinder geschlachtet
und den zahlreichen Gsten eine eilig zubereitete kunstlose Mahlzeit
vorgesetzt. So gestrkt brachen sie wieder auf und marschirten den
ganzen Tag ber Sumpf, Moor und Berg. So dnn bevlkert die Gegend auch
war, konnten sie doch deutlich sehen, da die Nachricht von ihrem
Migeschick sich schon weit verbreitet hatte und da die Bevlkerung
allenthalben in groer Aufregung war. Spt in der Nacht erreichten sie
das Schlo Drummond, das durch eine kleine Besatzung fr Knig Wilhelm
vertheidigt wurde, und am folgenden Tage marschirten sie unter
geringeren Beschwerden weiter nach Stirling.[108]


Eindruck der Schlacht von Killiecrankie.

Das Gercht von ihrer Niederlage war ihnen vorausgeeilt. Ganz Schottland
war in Ghrung. Der Schlag war allerdings hart, aber er wurde durch die
hochfliegenden Hoffnungen der einen und durch die malosen Befrchtungen
der andren Partei bertrieben. Man glaubte anfangs, da die ganze Armee
Knig Wilhelm's umgekommen, da Mackay selbst gefallen, da Dundee an
der Spitze eines siegberauschten und beutegierigen zahlreichen
Barbarenheeres bereits vom Gebirge herabgekommen, da er Herr des ganzen
Landes jenseits des Forth, da Fife aufgestanden sei, um sich ihm
anzuschlieen, da er in drei Tagen in Stirling und in acht Tagen in
Holyrood sein werde. Es wurden Booten ausgesandt, um ein in
Northumberland liegendes Regiment aufzufordern, eiligst ber die Grenze
zu rcken. Andere Boten brachten das dringende Gesuch an Seine Majestt
nach London, sofort alle entbehrlichen Soldaten zu schicken und am
liebsten selbst mitzukommen, um sein nordisches Reich zu retten.


Vertagung des schottischen Parlaments.

Die Factionen im Parlamentshause vergaen in ihrem Schrecken ber die
gemeinsame Gefahr allen Streit. Die Anhnger des Hofes wie die
Mivergngten beschworen einstimmig den Lordstatthalter, die Session zu
schlieen und sie von einem Orte zu entlassen, wo ihre Berathungen bald
durch die Gebirgsbewohner unterbrochen werden knnten. Es wurde
ernstlich in Erwgung gezogen, ob es nicht rathsam sei, Edinburg
aufzugeben, die im Schlosse und im Tolbooth befindlichen zahlreichen
Staatsgefangenen auf ein vor Leith liegendes Kriegsschiff zu bringen und
den Sitz der Regierung nach Glasgow zu verlegen.

Der Nachricht von Dundee's Sieg folgte aller Orten sehr bald die
Nachricht von seinem Tode, und es ist ein schlagender Beweis fr den
Umfang und das Ma seiner Fhigkeiten, da sein Tod berall als ein
Ereigni betrachtet wurde, das seinen Sieg vollstndig aufwog. Ehe
Hamilton die Stnde vertagte, theilte er ihnen mit, da er gute
Nachrichten fr sie habe, da Dundee wirklich todt sei und da daher die
Rebellen im Grunde eine Niederlage erlitten htten. In verschiedenen
Briefen, welche damals von einsichtsvollen und erfahrenen Staatsmnnern
geschrieben wurden, spricht sich eine gleiche Ansicht aus. Dem Boten,
der mit der Nachricht von der Schlacht an den englischen Hof eilte,
folgte ein andrer auf dem Fue, der eine Depesche fr den Knig brachte
und, da er Se. Majestt im St. Jamespalaste nicht anwesend fand, nach
Hampton Court sprengte. Niemand in der Hauptstadt wagte es das Siegel zu
erbrechen; glcklicherweise aber hatte eine befreundete Hand, nachdem
der Brief verschlossen war, auf die Auenseite desselben die trstenden
Worte geschrieben: Dundee ist gefallen, Mackay ist in Stirling
angelangt, und diese Worte beruhigten die Gemther der Londoner.[109]

Aus dem Engpasse von Killiecrankie hatten sich die Hochlnder, stolz auf
ihren Sieg und mit Beute beladen, nach dem Schlosse Blair zurckgezogen.
Sie rhmten sich, da das Schlachtfeld mit Haufen gefallener schsischer
Soldaten bedeckt sei, und da das Aussehen der Leichname deutlich
beweise, was ein gutes glisches Breitschwert in einer guten glischen
Hand auszurichten vermge. Man habe Kpfe gefunden, welche bis an den
Hals gespalten, und Hirnschdel, welche dicht ber den Ohren glatt
abgehauen gewesen seien. Indessen hatten auch die Sieger ihren Sieg
theuer erkauft. Auf ihrem Marsche waren sie durch das Feuer des Feindes
sehr beunruhigt worden, und selbst nach dem entscheidenden Angriffe
hatten Hastings' Englnder und ein Theil von Leven's Grenzern noch immer
ein wohlgenhrtes Feuer unterhalten. Hundertzwanzig Camerons waren
getdtet worden; der Verlust der Macdonalds war noch bedeutender und
mehrere vornehme und angesehene Gentlemen waren geblieben.[110]

Dundee ward in der Kirche von Blair Athol beigesetzt, aber kein Denkmal
ber seiner Gruft errichtet, und die Kirche selbst existirt schon lange
nicht mehr. Ein roher Stein auf dem Schlachtfelde bezeichnet, wenn
anders man der lokalen Ueberlieferung glauben darf, die Stelle wo er
fiel.[111] In den letzten drei Monaten seines Lebens hatte er sich als
ein groer Feldherr und Staatsmann gezeigt, und sein Name wird daher von
der zahlreichen Klasse von Leuten, welche der Ansicht sind, da es kein
auch noch so groes Ma von Schlechtigkeit giebt, welches durch Muth und
Talent nicht aufgewogen werden knnte, mit Achtung genannt.

Es ist merkwrdig, da die beiden bedeutendsten Schlachten, welche
vielleicht jemals irregulre Truppen ber regulre gewannen: die
Schlacht von Killiecrankie und die Schlacht von Newton Butler, in einer
und der nmlichen Woche stattfanden. In beiden Schlachten war der Sieg
der irregulren Truppen ungemein rasch und vollstndig. In beiden
Schlachten war der panische Schrecken der regulren Truppen, trotz des
glnzenden Beispiels von Muth, das ihre Generle gaben, ganz besonders
schimpflich. Auch ist zu bemerken, da der eine dieser beiden
auerordentlichen Siege von Celten ber Sachsen, der andre von Sachsen
ber Celten erfochten wurde. Allerdings ist der Sieg von Killiecrankie,
obgleich er weder glnzender noch wichtiger war als der von Newton
Butler, in viel weiteren Kreisen berhmt, und der Grund davon liegt auf
der Hand. In Schottland sind die Angelsachsen und die Celten ausgeshnt
worden, in Irland sind sie nie ausgeshnt worden. In Schottland werden
alle Grothaten beider Racen ohne Unterschied zusammengeworfen und
werden als den Ruhm des ganzen Landes bildend betrachtet. Die alte
Antipathie ist so vollkommen verschwunden, da es etwas ganz
Gewhnliches ist, einen Bewohner des Niederlandes mit Selbstgeflligkeit
und sogar mit Stolz von der demthigendsten Niederlage sprechen zu
hren, die seine Vorfahren je erlitten. Es drfte schwer sein, einen
berhmten Mann zu nennen, bei welchem das Nationalgefhl und das
Clansgefhl strker gewesen waren als bei Sir Walter Scott. Wenn jedoch
Sir Walter Scott Killiecrankie erwhnte, schien er gnzlich zu
vergessen, da er ein Sachse, da er von demselben Blute war und die
nmliche Sprache sprach wie Ramsay's Fuvolk und Annandale's Reiter.
Sein Herz schwoll von Siegesstolz, wenn er erzhlte, wie seine
Stammverwandten gleich Hasen vor einer geringen Anzahl Krieger eines
andren Stammes und einer andren Zunge die Flucht ergriffen hatten.

In Irland ist die Fehde heute noch nicht getilgt. Der von einer
Minderzahl in hhnender Weise wiederholte Name Newton Butler ist der
groen Mehrheit der Bevlkerung verhat. Wenn man ein Denkmal auf dem
Schlachtfelde errichtete, wrde es wahrscheinlich verstmmelt werden;
wenn man in Cork oder Waterford den Jahrestag der Schlacht feiern
wollte, so wrde die Feier wahrscheinlich gewaltsam gestrt werden. Der
berhmteste irische Dichter unsrer Zeit wrde es als einen Verrath an
seinem Vaterlande betrachtet haben, das Lob der Sieger zu singen. Einer
der gelehrtesten und eifrigsten irischen Alterthumsforscher unsrer Zeit
hat, allerdings nicht mit besonderem Glck, zu beweisen versucht, da
der Ausgang der Schlacht durch einen reinen Zufall entschieden worden
sei, aus welchem kein Ruhm fr die Englnder hervorgehen knne. Wir
drfen uns nicht wundern, da der Sieg der Hochlnder mehr gefeiert wird
als der Sieg der Enniskillener, wenn wir bedenken, da der Sieg der
Hochlnder ein Gegenstand des Ruhmes fr ganz Schottland, der Sieg der
Irlnder aber ein Gegenstand der Schmach fr drei Viertheile von Irland
ist.

So weit die groen Interessen des Staats dabei in Betracht kamen, war es
ganz gleichgltig, ob die Schlacht von Killiecrankie gewonnen oder
verloren wurde. Es ist sehr unwahrscheinlich, da selbst Dundee, wenn er
den glorreichsten Tag seiner Laufbahn berlebt htte, die
Schwierigkeiten berwunden haben wrde, welche aus dem eigenthmlichen
Character seiner Armee entsprangen und die sich verzehnfacht haben
wrden, sobald der Krieg auf das Niederland bertragen worden wre.


Die hochlndische Armee verstrkt.

Gewi ist jedoch, da sein Nachfolger der Aufgabe durchaus nicht
gewachsen war. Einige Tage lang konnte sich der neue General zwar mit
der Hoffnung schmeicheln, da Alles gut gehen werde, denn seine Armee
hatte sich rasch um fast die doppelte Anzahl Claymores verstrkt, welche
Dundee befehligt. Die Stewarts von Appin, welche, obgleich voll Eifers,
nicht zur rechten Zeit hatten eintreffen knnen, um an der Schlacht
Theil zu nehmen, waren unter den Ersten, die jetzt ankamen. Mehrere
Clans, welche bisher gewartet hatten, um erst zu sehen, welcher Theil
der strkere sein wrde, wnschten jetzt sehnlichst unter dem Banner
Knig Jakob's VII. ins Niederland hinab zu ziehen. Die Grants hielten
zwar treu zu Wilhelm und Marien und die Mackintosh's blieben wegen ihrer
unberwindlichen Abneigung gegen die Keppochs neutral. Aber Macphersons,
Farquharsons und Frasers kamen massenhaft ins Lager bei Blair. Jetzt war
die Unschlssigkeit der Mnner von Athol zu Ende. Viele von ihnen
hatten whrend des Kampfes hinter den Felsen und Birken der
Killiecrankieschlucht auf der Lauer gelegen und kamen, sobald der
Ausgang der Schlacht entschieden war, aus ihren Schlupfwinkeln hervor,
um die Flchtlinge, welche durch den Engpa zu entkommen versuchten,
auszuplndern und niederzumachen. Die Robertsons, ein glischer Stamm,
obgleich er einen schsischen Namen fhrte, erklrten damals ihren
Beitritt zur Sache des verbannten Knigs. Ihr Huptling Alexander, der
sich nach seiner Herrschaft Struan nannte, war ein noch sehr junger Mann
und Student auf der St. Andreas Universitt. Dort hatte er sich eine
oberflchliche wissenschaftliche Bildung angeeignet, war aber desto
tiefer in die Torypolitik eingeweiht worden. Jetzt schlo er sich der
hochlndischen Armee an und blieb whrend seines langen Lebens der
jakobitischen Sache unwandelbar treu. Er spielte jedoch eine so
unbedeutende Rolle bei den ffentlichen Angelegenheiten, da sein Name
jetzt vergessen sein wrde, htte er nicht einen Band durchgehends
abgeschmackter und oft hchst unsittlicher Gedichte hinterlassen. Wre
dieses Buch in Grub Street fabricirt worden, so wrde es in der
Dunciade kaum mit einer Viertelzeile beehrt worden sein. Wegen der
Stellung seines Autors aber machte es einiges Aufsehen, denn vor
hundertzwanzig Jahren war eine Ekloge oder ein Schmhgedicht aus der
Feder eines hochlndischen Huptlings ein literarisches Wunder.[112]

Obgleich indessen die numerische Strke von Cannon's Truppen zunahm,
verminderte sich dennoch ihre Wirksamkeit. Jeder neue Stamm, der im
Lager ankam, brachte eine neue Ursache zu Zwietracht mit. In der Stunde
der Gefahr fgen sich oftmals die bermthigsten und widerspenstigsten
Kpfe der Leitung eines berlegenen Genies. Die celtischen Huptlinge
aber hatten selbst in der Stunde der Gefahr und selbst dem Genie
Dundee's nur einen sehr prekren und unvollkommenen Gehorsam
zugestanden. Sie zu zgeln, wenn sie vom Kriegsglck berauscht waren und
sich auf ihre Strke verlassen zu knnen glaubten, wrde wahrscheinlich
auch fr Dundee eine eben so schwere Aufgabe gewesen sein, als sie es
unter der vorhergehenden Generation fr Montrose gewesen war. Der neue
General war fortwhrend unschlssig und machte nichts als Fehler. Eine
seiner ersten Maregeln war, da er ein starkes Truppencorps,
hauptschlich aus Robertsons bestehend, ins Niederland schickte, um
Lebensmittel herbeizuschaffen. Er glaubte wahrscheinlich, da dieses
Detachement ohne Schwierigkeit Perth besetzen werde. Aber Mackay hatte
die Ueberreste seiner Armee schon wieder geordnet, hatte auerdem einige
Truppen an sich gezogen, welche die Schmach der krzlichen Niederlage
nicht getheilt, und war wieder kampfgerstet. So schmerzlich er auch den
erlittenen Schlag empfunden, hatte er doch mit weiser Gromuth
beschlossen, das Vergangene nicht zu bestrafen. Es war nicht leicht, die
verschiedenen Grade der Schuld zu unterscheiden, und die Schuldigen zu
decimiren wre eine grausame Schlchterei gewesen. In Folge seiner
gewohnten Frmmigkeit erblickte er in dem beispiellosen Schrecken, der
sich seiner Soldaten bemchtigt hatte, auch weniger einen Beweis von
Feigheit ihrerseits, als vielmehr von gttlichem Unwillen. Mit
heroischer Demuth erkannte er an, da die auerordentliche Festigkeit,
die er selbst inmitten der Verwirrung und des Gemetzels an den Tag
gelegt, nicht sein Verdienst sei und da er sich ohne den Beistand einer
hheren Macht wohl eben so kleinmthig benommen haben wrde wie irgend
einer der feigen Ausreier, die ihre Waffen fortgeworfen und die
barbarischen Marodeurs von Athol vergebens um Pardon angefleht hatten.
Sein Gottvertrauen hielt ihn jedoch nicht ab, so weit es in menschlichen
Krften stand, sein Mglichstes zu thun, um der Wiederholung eines
Unglcks, wie er es eben erfahren, vorzubeugen. Die unmittelbare Ursache
seiner Niederlage war die Schwierigkeit des Bajonnetaufsteckens gewesen.
Das Feuergewehr des Hochlnders war streng gesondert von der Waffe,
deren er sich im Handgemenge bediente. Er feuerte seinen Schu ab, warf
sein Gewehr weg und hieb mit seinem Schwerte ein. Dies war das Werk
eines Augenblicks. Dem regulren Infanteristen kostete es zwei bis drei
Minuten Zeit, ehe er sein Schiegewehr in eine Waffe verwandelte, mit
der er einen Feind Mann gegen Mann bekmpfen konnte, und diese wenigen
Minuten hatten den Ausgang der Schlacht von Killiecrankie entschieden.
Mackay lie daher alle seine Bajonnette so einrichten, da sie auf den
Lauf gesteckt werden konnten, ohne die Mndung zu verschlieen, und da
seine Leute unmittelbar nachdem sie gefeuert, einem Angriff begegnen
konnten.[113]


Gefecht bei St. Johnston's.

Sobald er erfuhr, da ein Detachement gegen Perth anrckte, eilte er
demselben an der Spitze einer Dragonerabtheilung entgegen, welche noch
nicht im Feuer gewesen und deren Kraft daher noch ungeschwcht war.
Mittwoch den 31. Juli, nur vier Tage nach seiner Niederlage, traf er
unweit St. Johnston's mit den Robertsons zusammen, griff sie an, schlug
sie, tdtete Hundertzwanzig von ihnen und nahm Dreiig gefangen, dies
Alles mit Verlust eines einzigen Soldaten.[114] Dieses Scharmtzel
machte einen Eindruck, der in keinem Verhltni zu der Zahl der
Kmpfenden wie der Gefallenen stand. Das Ansehen der celtischen Waffen
sank fast eben so rasch als es gestiegen war. Noch vor wenigen Tagen
hatte man berall geglaubt, da diese Waffen unberwindlich seien. Jetzt
trat eine Reaction ein. Man erkannte, da der Vorfall bei Killiecrankie
eine Ausnahme von den gewhnlichen Regeln und da die Hochlnder, wenn
nicht ganz besondere Umstnde obwalteten, guten regulren Soldaten nicht
gewachsen seien.


Unordnung in der hochlndischen Armee.

Inzwischen nahm die Unordnung in Cameron's Lager mehr und mehr zu. Er
berief einen Kriegsrath zusammen, um zu erwgen, was zu thun sei. Sobald
aber der Kriegsrath versammelt war; wurde eine Vorfrage aufgeworfen. Wer
war dazu berechtigt, consultirt zu werden? Die Armee war fast
ausschlielich eine hochlndische. Der neuerliche Sieg war
ausschlielich durch hochlndische Krieger erfochten worden. Mchtige
Huptlinge, welche sechs- bis siebenhundert kampffhige Mnner ins Feld
gestellt hatten, hielten es nicht fr recht und billig, da sie durch
Gentlemen aus Irland und dem Niederlande berstimmt werden sollten,
welche zwar in Knig Jakob's Diensten standen und Obersten und
Hauptleute genannt wurden, aber Obersten ohne Regimenter und Hauptleute
ohne Compagnien waren. Lochiel sprach energisch im Interesse der Klasse,
der er angehrte; Cannon aber beschlo, da die Stimmen der schsischen
Offiziere mitgezhlt werden sollten.[115]

Es wurde nun zunchst in Erwgung gezogen, welcher Feldzugsplan zu
befolgen sei. Lochiel war dafr, vorzurcken, Mackay entgegen zu
marschiren, wo er auch sein mge, und abermals eine Schlacht zu liefern.
Es ist kaum anzunehmen, da das Glck dem klugen Huptling der Camerons
den Kopf dergestalt verrckt haben sollte, da er die Gefhrlichkeit des
Verfahrens nicht erkannte, zu dem er gerathen. Aber er sah
wahrscheinlich ein, da ihm nur die Wahl zwischen verschiedenen Gefahren
blieb. Er war der Meinung, da energisches Handeln fr das Bestehen
einer Hochlnderarmee berhaupt nothwendig sei und da die Coalition der
Clans nur so lange dauern werde, als sie hastig von Schlachtfeld zu
Schlachtfeld eilten. Er wurde abermals berstimmt. Alle seine
Siegeshoffnungen waren nun zertrmmert. Sein Stolz fhlte sich tief
gekrnkt. Er hatte sich dem Uebergewicht eines groen Feldherrn gefgt,
aber an einem kniglichen Patent lag ihm so wenig wie irgend einem Whig.
Er hatte sich bereit finden lassen, die rechte Hand Dundee's zu sein,
von einem Cannon aber wollte er sich nicht befehlen lassen. Er verlie
das Lager und zog sich nach Lochaber zurck. Seinem Clan befahl er zwar
zu bleiben, aber der Clan, des angebeteten Fhrers beraubt und wohl
wissend, da er sich in unmuthiger Stimmung entfernt hatte, war nicht
mehr die furchtbare Colonne, welche das Gelbde, zu sterben oder zu
siegen, vor einigen Tagen so gut gehalten hatte. Macdonald von Sleat,
dessen Streitkrfte der Zahl nach die jedes andren der verbndeten
Huptlinge bertrafen, folgte Lochiel's Beispiel und kehrte nach Sky
zurck.[116]


Mackay's Rath wird von den schottischen Ministern nicht beachtet.

Mackay hatte inzwischen seine Anordnungen vollendet und er hegte wenig
Zweifel, da, wenn die Rebellen ihn angreifen sollten, die regulre
Armee ihre bei Killiecrankie verlorne Ehre wiedergewinnen wrde. Seine
Hauptschwierigkeiten entsprangen aus der unklugen Einmischung der
Minister der Krone zu Edinburg in Dinge, welche seiner alleinigen
Leitung htten berlassen bleiben sollen. Die Sache war die, da sie
nach der gewhnlichen Art solcher Leute, welche ohne militrische
Erfahrung ber militrische Operationen urtheilen, den Erfolg als
einzigen Prfstein fr die Tchtigkeit eines Oberbefehlshabers
betrachteten. Wer eine Schlacht gewinnt, ist in den Augen dieser Leute
ein groer General, wer geschlagen wird, ist ein schlechter General, und
nie war ein General vollstndiger geschlagen worden als Mackay. Wilhelm
dagegen schenkte seinem unglcklichen Leutnant nach wie vor das
vollkommenste Vertrauen. Auf die Verunglimpfungen der Kritiker, welche
nie ein Gefecht gesehen hatten, erwiederte Portland auf Befehl seines
Gebieters, da Mackay volles Vertrauen verdiene, da er tapfer sei, da
er den Krieg besser verstehe als irgend ein andrer Offizier in
Schottland und da es sehr zu bedauern sei, wenn man gegen einen so
guten Menschen und einen so guten Soldaten ein Vorurtheil hege.[117]


Die Camerons werden nach Dunkeld verlegt.

Die ungerechte Geringschtzung, mit der die schottischen Staatsrthe
Mackay betrachteten, verleitete sie zu einem groen Fehler, der leicht
ein groes Unglck htte nach sich ziehen knnen. Das Cameron'sche
Regiment wurde nach Dunkeld in Garnison gelegt. Diese Maregel
mibilligte Mackay entschieden. Er wute, da diese Truppen in Dunkeld
dem Feinde nahe, da sie von jedem Beistande entfernt, da sie in einer
offenen Stadt und von einer feindlichen Bevlkerung umgeben sein wrden,
da sie, obgleich unzweifelhaft tapfer und voll Eifers, doch sehr
unvollkommen disciplinirt waren, da sie von der ganzen jakobitischen
Partei in Schottland mit besonderem Mifallen betrachtet wurden und da
aller Wahrscheinlichkeit nach groe Anstrengungen gemacht werden wrden,
sie zu beschimpfen und zu vernichten.[118]

Die Ansicht des Generals wurde nicht beachtet und die Camerons besetzten
den ihnen angewiesenen Posten. Es zeigte sich bald, da seine Ahnungen
gegrndet waren. Die Bewohner der Umgegend von Dunkeld versahen Cannon
mit Kundschaft und drangen in ihn einen khnen Schlag zu versuchen. Das
beutelustige Landvolk von Athol schlo sich in groer Anzahl seiner
Armee an. Das Regiment erwartete stndlich angegriffen zu werden, und
wurde mimuthig und unruhig. Die Mannschaften, welche von Natur sowohl
wie aus Enthusiasmus unerschrocken, aber noch nicht an militrische
Subordination gewhnt waren, beschwerten sich ber Cleland, der sie
befehligte. Sie glaubten rcksichtslos, wenn nicht arglistigerweise
einem sicheren Untergange entgegengeschickt worden zu sein. Sie seien,
meinten sie, durch keine Wlle geschtzt, htten nur geringen
Munitionsvorrath und seien von Feinden umgeben. Ein Offizier knne
aufsitzen und in einer Stunde auer dem Bereiche der Gefahr sein; der
gemeine Soldat aber msse bleiben und sich niedermachen lassen. Weder
ich, sagte Cleland, noch irgend ein andrer meiner Offiziere wird Euch
verlassen, was auch geschehen mge. Fhrt mein Pferd vor, fhrt alle
unsere Pferde vor, sie sollen todtgeschossen werden. Diese Worte
bewirkten eine vollstndige Sinnesnderung. Die Mannschaften erwiederten
darauf, da die Pferde nicht todtgeschossen werden sollten, da das Wort
ihres tapferen Obersten die beste Brgschaft fr sie sei und da sie mit
ihm das Aeuerste wagen wrden. Sie hielten ihr Versprechen treulich.
Das puritanische Blut war jetzt grndlich aufgeregt, und was dieses Blut
vermochte, wenn es aufgeregt war, hatte es auf vielen Schlachtfeldern
bewiesen.


Die Hochlnder greifen das Regiment Cameron an.

Das Regiment blieb diese Nacht unter den Waffen, und am Morgen des
folgenden Tages, des 21. August, wimmelte es auf allen Anhhen um
Dunkeld von schottischen Mtzen und Plaids. Cannon's Armee war viel
strker als die, welche Dundee befehligt hatte. Mehr als tausend
Bagagepferde begleiteten ihn auf dem Marsche. Die Pferde sowohl, wie das
Gepck, welches sie trugen, waren wahrscheinlich ein Theil der
Kriegsbeute von Killiecrankie. Die Gesammtmacht der Hochlnder wurde von
Augenzeugen auf vier bis fnftausend Mann geschtzt. Sie kamen wthend
herangestrmt, warfen die Vorposten des Cameron'schen Regiments zurck
und drangen von allen Seiten in die Straen. Die Kirche hielt sich
jedoch hartnckig. Der grere Theil des Regiments aber stand hinter
einer Mauer, welche ein dem Marquis von Athol gehrendes Haus umgab.
Diese Mauer, welche einige Tage zuvor mit Holz und losen Steinen eiligst
ausgebessert worden war, vertheidigten die Soldaten tapfer mit Muskete,
Pike und Hellebarde. Ihr Kugelvorrath war bald erschpft, aber einige
von der Mannschaft muten das Blei vom Dache des Hauses des Marquis
losschneiden und es zu Geschossen formen. Mittlerweile wurden alle
benachbarten Huser von oben bis unten mit Hochlndern besetzt, welche
aus den Fenstern ein wirksames Feuer unterhielten. Cleland wurde
getdtet, whrend er seine Leute anfeuerte, und Major Henderson bernahm
das Commando. In der nchsten Minute fiel auch Henderson, von drei
Kugeln getroffen. Hauptmann Munro trat an seine Stelle und der Kampf
ward mit unverminderter Wuth fortgesetzt. Eine Abtheilung des
Cameron'schen Regiments machte einen Ausfall, steckte die Huser, aus
denen die verderblichen Schsse kamen, in Brand und verschlo die
Thren. In einem einzigen Hause verbrannten sechzehn Mann lebendig.
Theilnehmer an dem Gefecht schilderten es als eine furchtbare Feuertaufe
fr Rekruten. Die halbe Stadt stand in Flammen und mit dem
unaufhrlichen Knattern der Schsse vermischte sich das durchdringende
Geschrei der Unglcklichen, welche im Feuer umkamen. Der Kampf dauerte
vier Stunden. Das Cameron'sche Regiment war jetzt fast bis auf das
letzte Pulverhorn reducirt, aber der Muth der Leute wankte nicht. Der
Feind wird bald die Mauer erstrmen. Es sei. Wir werden uns dann in das
Haus zurckziehen, es bis aufs Aeuerste vertheidigen und, wenn sie
hereindringen sollten, es ber ihren und unseren Kpfen anznden.
Whrend sie jedoch mit diesen verzweifelten Plnen umgingen, bemerkten
sie, da die Heftigkeit des Angriffs nachlie. Die Hochlnder begannen
bald zurckzuweichen, es verbreitete sich sichtbare Unordnung unter
ihnen und ganze Schaaren marschirten dem Gebirge zu. Umsonst befahl
ihnen ihr General zum Angriff zurckzukehren; Beharrlichkeit gehrte
nicht zu ihren militrischen Tugenden. Die Camerons luden inzwischen
Amalek und Moab mit herausforderndem Geschrei ein zurckzukommen und
noch einmal gegen das auserwhlte Volk ihr Heil zu versuchen. Aber diese
Aufforderungen hatten ebenso wenig Erfolg wie die Cannon's. In kurzer
Zeit war die ganze glische Armee in vollem Rckzuge gegen Blair. Jetzt
wirbelten die Trommeln, die siegreichen Puritaner warfen ihre Mtzen in
die Luft, stimmten aus einem Munde einen Psalm des Triumphes und des
Dankes an und schwenkten ihre Fahnen, welche an diesem Tage zum ersten
Male angesichts eines Feindes entrollt wurden, die aber seitdem stolz
nach allen Welttheilen getragen worden und die jetzt mit einer Sphinx
und einem Drachen, den Emblemen der in Egypten und China vollbrachten
Heldenthaten, geschmckt sind.[119]


Auflsung der hochlndischen Armee.

Das Cameron'sche Regiment hatte guten Grund, erfreut und dankbar zu
sein, denn es hatte dem Kriege ein Ende gemacht. Im Lager der Rebellen
herrschte nichts als Uneinigkeit und Entmuthigung. Die Hochlnder
tadelten Cannon, Cannon tadelte die Hochlnder, und das Heer, welches
der Schrecken Schottland's gewesen war, ging rasch seiner Auflsung
entgegen. Die verbndeten Huptlinge unterzeichneten einen
gemeinschaftlichen Vertrag, durch den sie sich fr treue Unterthanen
Knig Jakob's erklrten und sich verpflichteten, spter wieder
zusammenzutreten. Nachdem sie diese Formalitt -- denn weiter war es
nichts -- beobachtet hatten, begab sich jeder in seine Heimath. Cannon
kehrte mit seinen Irlndern auf die Insel Mull zurck, und die
Niederlnder,[120] welche Dundee ins Gebirge begleitet hatten, sorgten
fr sich so gut sie konnten. Am 24. August, gerade vier Wochen nachdem
die glische Armee die Schlacht von Killiecrankie gewonnen, hatte diese
Armee aufgehrt zu existiren. Sie hatte aufgehrt zu existiren wie die
Armee Montrose's ber vierzig Jahre frher aufhrte zu existiren, nicht
in Folge eines vernichtenden Schlages von Auen, sondern durch eine
natrliche Auflsung, das Resultat innerer Mibildung. Die Besiegten
ernteten alle Frchte des Sieges. Das Schlo Blair, welches das
unmittelbare Streitobject gewesen war, ffnete Mackay seine Thore, und
eine Kette von Militrposten, die sich nrdlich bis Inverne erstreckte,
schtzte die Landleute in der Ebene gegen die ruberischen Einflle der
Gebirgsbewohner.


Intriguen des Clubs, Zustand des Niederlandes.

Whrend des Herbstes machten die Whigs des Niederlandes der Regierung
viel mehr zu schaffen, als die Jakobiten des Hochlandes. Der Club, der
zur Zeit der letzten Parlamentssession das Land in eine oligarchische
Republik zu verwandeln versucht und die Stnde dazu vermocht hatte,
Geldzuschsse zu verweigern und die Justizverwaltung zu sistiren, hielt
auch whrend der Suspension des Parlaments nach wie vor seine Sitzungen
und peinigte die Minister der Krone durch systematische Agitation. So
verchtlich die Organisation dieses Vereins der Generation erscheinen
mag, welche die rmischkatholische Association und die Ligue gegen die
Korngesetze gesehen hat, damals galt sie fr ausgezeichnet und
furchtbar. Die Hupter der Verbindung rhmten sich laut, da sie den
Knig zwingen wrden, ihnen gerecht zu werden. Sie brachten Petitionen
und Adressen zu Stande, suchten mit Hlfe der Presse und der Kanzel die
Waffen aufzuregen, bearbeiteten die Soldaten durch Emissre und sprachen
davon, ein starkes Heer Covenanters aus dem Westen herbeizuziehen, um
den Geheimen Rath einzuschchtern. Trotz aller Kunstgriffe aber legte
sich die Ghrung des Volks allmlig. Nach kurzem Zaudern wagte es die
Regierung, die von den Stnden geschlossenen Gerichtshfe wieder zu
ffnen, die vom Knig ernannten Sessionslords nahmen ihre Pltze ein,
und Sir Jakob Dalrymple prsidirte. Der Club bemhte sich nun, die
Advokaten von der Barre zurckzuhalten und hegte einige Hoffnung, da
der Pbel die Richter von der Bank verjagen werde. Allein es zeigte sich
sehr bald deutlich, da eher Mangel an Gebhren als an Anwlten, um
dieselben einzustreichen, zu erwarten stand; das Volk sah sehr gern
wieder ein Tribunal fungiren, das in seinen Augen ein nothwendiges
Attribut des Ansehens und Gedeihens seiner Stadt war, und aus vielen
Anzeichen lie sich erkennen, da die falsche und habgierige Partei,
welche die Majoritt der Legislatur beherrscht hatte, nicht auch die
Majoritt der Nation beherrschte.[121]

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[Funote 1: ^Act. Parl. Scot., Aug. 31. 1689.^]

[Funote 2: ^Balcarras's Memoirs; Short History of the Revolution in
Scotland in a letter from a Scotch gentleman in Amsterdam to his friend
in London, 1712.^]

[Funote 3: ^Balcarras's Memoirs; Life of James, II. 341.^]

[Funote 4: ^A Memorial for His Highness the Prince of Orange in
relation to the Affairs of Scotland, by two Persons of Quality, 1689.^]

[Funote 5: ^Rabbled^ sagte man in der Landessprache, ein aus ^rabble^,
Pbel, gebildetes Zeitwort, da sich im Deutschen nicht erschpfend
wiedergeben lt. -- D. Uebers.]

[Funote 6: Siehe Calvin's Brief an Haller, ^IV. Non. Jan. 1551.^
^Priusquam urbem unquam ingrederer, nullae prorsus erant feriae.^]

[Funote 7: In ^The Act, Declamation and Testimony of the Seceders,
dated in December 1736^, heit es, da unter Autoritt des Parlaments
der Beobachtung der Feiertage in Schottland durch Suspension der
Thtigkeit unserer angesehensten Gerichtshfe Vorschub geleistet wird.
Dies wird fr eine Nationalsnde und fr einen Grund des Unwillens
Gottes erklrt. Im Mrz 1758 richtete die Vereinigte Synode eine
Feierliche Warnung an die Nation, worin die nmliche Klage wiederholt
wird. Ein einfltiger Mensch, dessen Unsinn sogar in unseren Tagen fr
werth gehalten worden ist, neu gedruckt zu werden, sagt: Ich
hinterlasse mein Zeugni gegen die abscheuliche Acte der Knigin Anna
und ihres angeblichen britischen, in Wirklichkeit aber viehischen
(^brutish^) Parlaments, welche die Beobachtung der sogenannten
Yul-Ferien (^Yule Vacancy^) vorschreibt. ^The Dying Testimony of
William Wilson, sometime Schoolmaster in Park in the Parish of Douglas,
aged 68, who died in 1757.^]

[Funote 8: ^An Account of the Present Persecution of the Church in
Scotland, in several Letters, 1690; The Case of the afflicted Clergy in
Scotland truly represented, 1690; Faithful Contendings Displayed; Burnet
I. 805.^]

[Funote 9: Die Formel dieser Benachrichtigung findet man in dem Buche:
^Faithful Contendings Displayed.^]

[Funote 10: ^Account of the Present Persecution, 1690; Case of the
afflicted Clergy, 1690; A true Account of that Interruption that was
made of the Service of God on Sunday last, being the 17th of February
1689, signed by James Gibson, acting for the Lord Provost of Glasgow.^]

[Funote 11: ^Balcarras's Memoirs; Mackay's Memoirs.^]

[Funote 12: ^Burnet II. 21.^]

[Funote 13: Scobell 1654, Kap. 9 und Olivers Verordnung vom 12. April
des nmlichen Jahres.]

[Funote 14: Burnet und Fletcher von Saltoun sprechen von dem
Aufschwunge Schottland's unter dem Protector, schreiben es aber einer
Ursache zu, welche eine solche Wirkung keineswegs hervorzubringen
vermochte. Es wurde, sagte Burnet, eine ansehnliche Truppenmacht von
etwa sieben- bis achttausend Mann in Schottland unterhalten. Der Sold
dieser Armee brachte soviel Geld ins Land, da es whrend dieser ganzen
Zeit in einem, sehr blhenden Zustande blieb ... Wir werden diese acht
Jahre der Usurpation stets als eine Zeit groen Friedens und Gedeihens
betrachten. Zur Zeit des Usurpators Cromwell, sagt Fletcher,
glaubten wir uns bezglich des letzteren Punktes (Handel und Geld) in
einer ertrglichen Lage zu befinden in Folge des Aufwandes, den die
Truppen machten, welche uns in Unterwrfigkeit erhielten. Die richtige
Erklrung der Erscheinung, ber welche Burnet und Fletcher in so groem
Irrthum waren, findet man in einer Flugschrift betitelt: ^Some
reasonable and modest Thoughts partly occasioned by and partly
concerning the Scotch East India Company, Edinburgh, 1696.^ Siehe auch
die Verhandlungen des Mittwochsclubs in Friday Street ber eine Union
mit Schottland vom December 1705. Siehe ferner das 7. Kapitel von
Burton's vortrefflicher Geschichte Schottland's.]

[Funote 15: Siehe die Schrift, in welcher die Forderungen der
schottischen Commissare aufgestellt sind. Man findet sie im Anhange zu
De Foe's ^History of de Union^, Nr. 13.]

[Funote 16: ^Act. Parl. Scot.^, 30. Juli 1670.]

[Funote 17: ^Burnet II. 23.^]

[Funote 18: Man sehe zum Beispiel eine Flugschrift betitelt: ^Some
questions resolved concerning episcopal and presbyterian Government in
Scotland, 1690.^ Eine der Fragen ist die, ob das schottische
Presbyterium den allgemeinen Neigungen dieses Volks entspreche. Der
Verfasser verneint diese Frage, weil die hheren und mittleren Stnde
sich schon vor der Revolution grtentheils der bischflichen Kirche
conformirt htten.]

[Funote 19: Die Instructionen befinden sich in den ^Leven and Melville
Papers^ und sind vom 7. Mrz 1688/89 datirt. Bei der ersten Gelegenheit,
wo ich diese werthvolle Sammlung auffhre, kann ich nicht umhin es
anzuerkennen, zu wie groem Danke ich und Alle, die sich fr die
Geschichte unsrer Insel interessiren, dem Herrn verpflichtet sind, der
da Amt eines Herausgebers so vortrefflich erfllt hat.]

[Funote 20: Ueber die Dalrymple sehe man des Lord Prsidenten eigene
Schriften und darunter seine ^Vindication of the Divine Perfections;^
ferner ^Wodrow's Analecta; Douglas's Peerage; Lockhardt's Memoirs;
Satyre on the Family of Stairs; Satyric Lines upon the long wished for
and timely Death of the Right Honorable Lady Stairs; Law's Memorials^
und die ^Hyndford Papers,^ geschrieben 1704/5 und zugleich mit den
Briefen von Carstairs gedruckt. Lockhardt, obgleich ein Todfeind Johann
Dalrymple's, sagt: Es war Keiner im Parlament, der es mit ihm aufnehmen
konnte.]

[Funote 21: Ueber Melville sehe man die ^Leven and Melville Papers^ an
verschiedenen Stellen, und die Vorrede; die ^Act. Parl. Scot.^ vom 16.
Juni 1685 und den Anhang unterm 13. Juni; ^Burnet II. 24^, und das
^Burnet M. S. Harl. 6584^.]

[Funote 22: ^Creichton's Memoirs.^]

[Funote 23: ^Mackay's Memoirs.^]

[Funote 24: ^Memoirs of the Lindsays.^]

[Funote 25: Ueber das frhere Verhltni zwischen Wilhelm und Dundee
haben einige Jakobiten viele Jahre nach dem Tode Beider eine Geschichte
erfunden, welche durch successive Ausschmckungen zu einem Roman wurde,
bei dessen Lesung man sich wundern mu, wie nur ein Kind ihn fr wahr
halten konnte. Die letzte Ausgabe lautet wie folgt. Bei Seneff wurde
Wilhelm das Pferd unter dem Leibe getdtet und sein Leben war in der
grten Gefahr. Dundee, damals Kapitain Graham, gab Seiner Hoheit ein
andres Pferd. Wilhelm versprach, diesen Dienst durch Befrderung zu
belohnen, brach aber sein Wort und gab einem andren das Patent, auf
welches er Graham Hoffnung gemacht hatte. Der beleidigte Held ging nach
Loo. Dort traf er seinen glcklichen Rivalen und gab ihm eine Ohrfeige.
Die auf Thtlichkeiten innerhalb des Palastes gesetzte Strafe war der
Verlust der schuldigen rechten Hand; aber der Prinz von Oranien erlie
diese Strafe in ungromthiger Weise. Sie haben mir, sagte er, das
Leben gerettet, ich lasse Ihnen Ihre rechte Hand, so sind wir quitt.

Diejenigen, welche bis auf unsre Zeit diesen Unsinn wiederholt haben,
mssen erstens in dem Wahne gewesen sein, da die Acte Heinrich's VIII.
zur Bestrafung von Mord und bswilligem Blutvergieen innerhalb des
kniglichen Hoflagers (^Stat. 33 Hen. VIII. c. 2.^) in Geldern Gesetz
war, und zweitens da Wilhelm 1674 Knig und sein Haus ein knigliches
Hoflager war. Ebenso mssen sie nicht gewut haben, da er Loo erst
lange nachdem Dundee die Niederlande verlassen hatte, kaufte. Siehe
Harris' ^Description of Loo, 1699.^

Diese Fabel, von der ich in der umfangreichen jakobitischen Literatur
aus Wilhelm's Regierungszeit nicht die geringste Spur habe entdecken
knnen, scheint etwa ein Vierteljahrhundert nach Dundee's Tode
entstanden zu sein und im Laufe eines weiteren Vierteljahrhunderts sich
zu ihrer vollen Absurditt ausgebildet zu haben.]

[Funote 26: ^Memoirs of the Lindsays.^]

[Funote 27: ^Memoirs of the Lindsays.^]

[Funote 28: ^Balcarras's Memoirs.^]

[Funote 29: ^Burnet II. 22; Memoirs of the Lindsays.^]

[Funote 30: ^Act. Parl. Scot. March 14. 1689; History of the late
Revolution in Scotland, 1690; An Account of the Proceedings of die
Estates of Scotland, fol. London 1689.^]

[Funote 31: Balcarras' Erzhlung stellt sowohl Hamilton als Athol in
einem sehr ungnstigen Lichte dar. Siehe auch ^Life of James, II. 338,
339.^]

[Funote 32: ^Act. Parl. Scot. March 14. 1688/89; Balcarras's Memoirs;
History of the late Revolution in Scotland; Life of James, II. 342.^]

[Funote 33: ^Balcarras's Memoirs; History of the late Revolution in
Scotland, 1690.^]

[Funote 34: ^Act. Parl. Scot. March 14, 15. 1689; Balcarras's Memoirs;
London Gazette, March 25; History of the late Revolution in Scotland
1690; Account of the Proceedings of the Estates of Scotland, 1689.^]

[Funote 35: Siehe Cleland's Gedichte und die in demselben Bande
enthaltenen Loblieder, Edinburg 1697. Es ist wiederholt behauptet
worden, dieser Wilhelm Cleland sei der Vater des Steuercommissars
gleichen Namens gewesen, der zwanzig Jahre spter in den literarischen
Kreisen London's wohl bekannt war, welcher Pope einige eben nicht sehr
lobenswerthe Dienste leistete und dessen Sohn Johann der Verfasser eines
nur zu weit berhmten Schandbuches war. Dies ist ein vollstndiger
Irrthum. Der Wilhelm Cleland, welcher bei der Bothwellbrcke focht, war
noch nicht achtundzwanzig Jahr alt, als er im August 1689 fiel, und der
Steuercommissar Wilhelm Cleland starb in seinem siebenundsechzigsten
Lebensjahre im September 1741. Ersterer kann daher nicht der Vater des
letzteren gewesen sein. Siehe die ^Exact Narrative of the Battle of
Dunkeld,^ das Gentleman's Magazine von 1740 und Warburton's Anmerkung zu
dem Briefe an den Verleger der Dunciade, ein Brief, der mit W. Cleland
unterzeichnet, in Wirklichkeit aber von Pope verfat ist. In einem
Aufsatze von Sir Robert Hamilton, dem Orakel der extremen Covenanters
und einem blutdrstigen Wthrich, wird Cleland's als eines ehemaligen
Bundesgenossen dieser Fanatiker, aber nachmaligen heftigen Widersachers
derselben erwhnt. Cleland stimmte wahrscheinlich nicht mit Hamilton
darin berein, die Abschlachtung von Kriegsgefangenen, die sich auf
Pardon ergeben hatten, als eine heilige Pflicht anzusehen. Siehe
Hamilton's ^Letter to the Societies^ vom 7. December 1685.]

[Funote 36: ^Balcarras's Memoirs.^]

[Funote 37: ^Balcarras's Memoirs.^ Den vollstndigsten Bericht ber
diese Verhandlungen geben jedoch einige handschriftliche Notizen, welche
sich in der Bibliothek der Advokatenfacultt befinden. Balcarras'
Angaben sind nicht ganz genau. Er verlie sich wahrscheinlich zu sehr
auf sein Gedchtni. Ich habe dieselben nach den Parlamentsacten
berichtigt.]

[Funote 38: ^Act. Parl. Scot. March 16. 1688/89; Balcarras's Memoirs;
History of the late Revolution in Scotland, 1690; Account of the
Proceedings of the Estates of Scotland, 1689; London Gazette, March 25.
1689; Life of James II. 342.^ Burnet irrt sonderbar in Bezug auf diese
Vorgnge.]

[Funote 39: ^Balcarras's Memoirs;^ Manuscript in der Bibliothek der
Advokatenfacultt.]

[Funote 40: ^Act. Parl. Scot. March 19. 1688/89; History of the late
Revolution in Scotland.^]

[Funote 41: Balcarras.]

[Funote 42: Balcarras.]

[Funote 43: ^Act. Parl. Scot; History of the late Revolution, 1690;
Memoirs of North Britain 1715.^]

[Funote 44: Balcarras.]

[Funote 45: Jeder Leser wird sich der Verwnschung erinnern, welche Sir
Walter Scott im fnften Gesange des Marmion ber die Dummkpfe
aussprach, welche dieses interessante Denkmal entfernten.]

[Funote 46: Es wird weder sicher noch gut fr den Knig sein, es nach
der Thronbesteigung von einer Parlamentsacte zu erwarten, die es vor
seine Thr legen wird. Dalrymple an Melville, 5. April 1689; ^Leven and
Melville Papers^.]

[Funote 47: Eine interessante Stelle ber diesen Gegenstand findet sich
bei Fortescue.]

[Funote 48: ^Act. Parl. Scot. April 1. 1689; Orders of Committee of
Estates, Mai 16. 1689; London Gazette, April 11.^]

[Funote 49: Da es krzlich in Abrede gestellt worden ist, da die
extremen Presbyterianer eine ungnstige Meinung von den Lutheranern
hegten, so will ich zwei entscheidende Beweise fr meine oben
aufgestellte Behauptung beibringen. In dem Buche: ^Faithful Contendings
Displayed^ befindet sich ein Bericht ber die Vorgnge bei der
Generalversammlung der Vereinigten Covenantergesellschaften vom 24.
October 1688. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob eine Verbindung mit den
Hollndern stattfinden solle. Es ward einstimmig beschlossen, sagt der
Sekretr der Gesellschaften, da wir uns mit den Hollndern nicht zu
einem Krper vereinigen, noch frmlich unter ihre Leitung kommen
knnten, da sie ein Gemisch von reformirten lutherischen Uebelgesinnten
und Sectirern seien, mit denen gemeinschaftliche Sache zu machen dem
Zeugni der Kirche von Schottland widerstreiten wrde. In dem am 2.
October 1707 aufgesetzten Protest und Testimonium beschweren sich die
Vereinigten Gesellschaften darber, da die Krone dem Prinzen von
Hannover verliehen worden sei, der in der lutherischen Religion erzogen
und aufgewachsen ist, welche, wie allgemein bekannt, nicht allein
abweicht von der Reinheit in Lehre, Reformation und Glauben, die wir in
diesen Nationen erreicht hatten, sondern derselben in vielen Dingen
sogar zuwiderluft. Sie setzen hinzu: Die Annahme einer solchen Person
zum Herrscher ber uns widerstreitet nicht nur unserm feierlichen Bund
und Covenant, sondern dem Worte Gottes selbst: 5. Buch Mosis XVII.]

[Funote 50: ^History of the late Revolution in Scotland; London
Gazette, Mai 16. 1689.^ Der officielle Bericht ber die Vorgnge war
offenbar mit groer Sorgfalt abgefat. Siehe auch das ^Royal Diary,
1702^. Der Verfasser dieses Werks versichert, da er seine Angaben den
Mittheilungen eines Geistlichen verdanke, welcher anwesend war.]

[Funote 51: Siehe Crawford's Briefe und Reden an verschiedenen Stellen.
Seine Art und Weise, um eine Stelle anzusuchen, war eigenthmlich.
Nachdem er, nicht ohne Grund, zugegeben hatte, da sein Herz voller
Arglist und verzweifelt sndig sei, fuhr er fort: Das nmliche
allmchtige Wesen, welches gesagt hat: Wenn die Armen und Bedrftigen
Wasser suchen und es ist keins da und ihre Zunge verschmachtet vor
Durst, wird Er sie nicht verlassen, -- kann mir trotz meiner jetzigen
drftigen Umstnde ein Haus bauen, wenn es dies fr gut findet. --
Brief an Melville vom 28. Mai 1689. Ueber Crawford's Armuth und sein
Verlangen nach bischflichen Lndereien sehe man seinen Brief an
Melville vom 4. December 1690. Ueber seine Humanitt siehe seine Briefe
an Melville vom 11. December 1690. Alle diese Briefe findet man in den
^Leven and Melville Papers^. Der Verfasser von: ^An Account of the Late
Establishment of Presbyterian Government^ sagt von Jemandem, der sich
mit zehn oder zwlf Pfund Sterling hatte bestechen lassen: Wre er so
arm gewesen wie Mylord Crawford, so wrde er vielleicht eher zu
entschuldigen gewesen sein. Siehe auch die Dedication der berhmten
Schrift: ^Scotch Presbyterian Eloquence Displayed.^]

[Funote 52: ^Burnet II. 23. 24; Fountainhall Papers,^ 13. Aug. 1684,
14., 15. Oct. 1684, 3. Mai 1685; Montgomery an Melville, 23. Juni 1689
in den ^Leven and Melville Papers; Pretences of the French Invasion
Examined, licensed May 25. 1692.^]

[Funote 53: Siehe ^The Life and Correspondence of Carstairs^ und die
interessanten Abhandlungen ber ihn in den 1854 gedruckten ^Caldwell
Papers^. Ferner seine Characteristik von Mackay und Swift's Note.
Swift's Wort kann gegen einen Schotten und Presbyterianer kein Gewicht
haben. Ich glaube jedoch, da Carstairs, obgleich im Wesentlichen ein
rechtschaffener und frommer Mann, sein gutes Theil von der Klugheit der
Schlange besa.]

[Funote 54: Sir Johann Dalrymple an Lord Melville, 18., 20., 25. Juni
1689; ^Leven and Melville Papers^.]

[Funote 55: In dem 1704 geschriebenen und in den ^Carstairs Papers^
abgedruckten Hyndford-Manuscripte kommt eine ergtzliche Beschreibung
Sir Patrick's vor: Er liebt wohleinstudirte Reden und kann selbst
Privatfreunden ohne solche kaum Audienz geben.]

[Funote 56: Niemand ist thtiger als Saltoun, obgleich nicht
Mitglied. Lockhart an Melville, 11. Juli 1689; ^Leven and Melville
Papers^. Siehe Fletcher's eigene Werke und die Beschreibungen von ihm in
Lockhart's und Mackay's Memoiren.]

[Funote 57: Dalrymple sagt in einem Briefe vom 5. Juni: Alle
Uebelgesinnten sind aus Furcht in den Club gekommen, und sie stimmen
Alle gleich.]

[Funote 58: Balcarras.]

[Funote 59: Soll ich Sie mit einer Schilderung dieses unfruchtbaren
Landes langweilen, wo ich Sie ber Berge, ganz braun von Haidekraut,
oder durch Thler fhren mu, welche kaum Futter genug fr ein Kaninchen
enthalten? ... Jeder Punkt des Landes bietet die nmliche reizlose
Landschaft dar. Kein Gehlz oder Bach erfreut den Fremden durch seine
trauliche Musik. -- Goldsmith an Bryanton, Edinburg, 26. September
1753. In einem bald nachher aus Leyden an den ehrwrdigen Thomas
Contarine geschriebenen Briefe sagt Goldsmith: Ich war ganz versunken
in das Anschauen der Gegend. Nichts kann der Schnheit derselben
gleichkommen. Wohin ich den Blick wendete, berall zeigten sich schne
Huser, anmuthige Grten, Statuen, Grotten und Fernsichten. Schottland
bildet mit diesem Lande den grellsten Contrast: dort versperren Hgel
und Felsen jede Aussicht; hier ist Alles eine ununterbrochene Ebene.
Siehe den Anhang C. zum ersten Bande von Mr. Forster's ^Life of
Goldsmith^.]

[Funote 60: ^Northern Memoirs, by R. Franck Philanthropus, 1694.^ Der
Verfasser hatte etwas von der Scenerie der Hochlande gesehen, und er
spricht davon fast ganz so wie Burt unter der folgenden Generation: Es
ist ein verwahrloster Theil der Schpfung, Schutt, der beim Prachtbau
der Welt bei Seite geworfen wurde, und eben so arm an Form und Gestalt
wie die Eingebornen an Moral und guten Sitten.]

[Funote 61: ^Journey through Scotland, by the author of the Journey
through England, 1723.^]

[Funote 62: Fast alle diese Umstnde sind Burt's Briefen entlehnt.
Bezglich des Theers ist meine Quelle Cleland's Poesie. In seinen Versen
ber den ^Highland Host^ sagt er:

   Dieweil sie sind beschmiert mit Theer,
   Der ihren Kopf und Hals beschtzt,
   Ganz wie bei ihren Schafen.]

[Funote 63: Ein schlagender Beleg fr die Meinung, welche der Bewohner
des Niederlandes von dem Hochlnder hegte und die sich von jenem auch
den Englndern mittheilte, findet man in einem Bande ^Miscellanies^, von
Afra Behn im Jahre 1685 herausgegeben. Eines der interessantesten Stcke
dieser Sammlung ist ein rohes und profanes schottisches Gedicht
betitelt: Wie der erste Hochlnder gemacht wurde. Wie und aus welchen
Stoffen er gemacht wurde, wage ich nicht zu erzhlen. Das unmittelbar
auf seine Schpfung folgende Gesprch aber wird, wie ich hoffe, hier
ohne groen Ansto einen Platz finden drfen.

   Spricht Gott zum Hochlandsmann: Wohin willst Du?
   Ich will ins Niederland hinab, o Herr, zu stehlen eine Kuh.
   Pfui! sagt St. Peter, wirst ein arger Snder werden,
   Wenn Du schon stehlen willst, kaum angelangt auf Erden.
   Hm! drauf der Hochlandsmann mit einem Schwure spricht,
   So lang ich stehlen kann, arbeit' ich nicht.

Ein andrer schottischer Niederlnder, der tapfre Oberst Cleland,
beschreibt den Hochlnder um die nmliche Zeit in gleicher Weise

   Ein einz'ges ihr mifll'ges Wort
   Kann treiben sie zu einem Mord.
   Und wollt Ihr wissen was sie thut?
   Sie lebt nur von gestohlnem Gut.

Ganz in hnlichem Sinne sind die wenigen Worte, welche Franck
Philanthropus (1694) den Hochlndern widmet: Sie leben wie groe Herren
und sterben wie Taugenichtse, hassen die Arbeit und haben keinen Kredit,
um zu borgen; sie unternehmen Raubzge und bestehlen ihre Nachbarn. In
der 1690 in Edinburg gedruckten ^History of the Revolution in Scotland^
kommt folgende Stelle vor: Die schottischen Hochlnder sind Elende, die
sich nur in so weit um Ehre, Freundschaft, Gehorsam und Regierung
kmmern, als sie sich durch eine Aenderung in den Angelegenheiten oder
durch eine Revolution in der Regierung Gelegenheit verschaffen knnen,
ihre Grenznachbarn zu bestehlen oder auszuplndern.]

[Funote 64: Nachdem diese Stelle geschrieben war, fand ich mit groem
Vergngen, da Lord Fountainhall im Juli 1676 ganz den nmlichen
Vergleich anwendete, der mir aufgestoen ist. Er sagt, da Argyle's
ehrgeiziges Streben nach der Oberherrschaft ber die Hochlande und ber
die westlichen Inseln Mull, Ila &c. andere Clans zu einem Bndnisse
aufreizte, um ihn zu demthigen, wie die Mchte Deutschland, Spanien,
Holland &c. sich gegen die Vergrerung der franzsischen Macht
verbndeten.]

[Funote 65: In der Einleitung zu den Memoiren Sir Ewan Cameron's findet
sich eine sehr verstndige Bemerkung: Es mag paradox klingen, aber der
Herausgeber kann nicht umhin, die Vermuthung auszusprechen, da die
Beweggrnde, welche die Hochlnder veranlaten, den Knig Jakob zu
untersttzen, im Wesentlichen dieselben waren die diejenigen, unter
deren Einflusse die Anstifter der Revolution handelten. Die ganze
Einleitung verdient berhaupt gelesen zu werden.]

[Funote 66: ^Skene's Highlanders of Scotland; Douglas's Baronage of
Scotland.^]

[Funote 67: Siehe ^The Memoirs of the Life of Sir Ewan Cameron^, und
^The Historical and Genealogical Account of the Clan Maclean, by a
Senachie^. Obgleich das letztgenannte Werk erst 1838 erschien, so
scheint doch der Verfasser desselben von einem eben so heftigen Hasse
beseelt gewesen zu sein als der, mit welchem die Macleans des 17.
Jahrhunderts die Campbells betrachteten. Auf dem kleinen Raume einer
einzigen Seite wird der Marquis von Argyle der diabolische schottische
Cromwell, der gemeine, rachschtige Verfolger, der nichtswrdige
Verrther, und der Betrger Argyle genannt. Auf einer andren Seite
ist er der heimtckische, an Schurkereien furchtbare Campbell, der
habgierige Sklave, der feige Argyle und der schottische Verrther.
Auf der nchsten Seite heit er der niedrige und rachschtige Feind des
Hauses Maclean, der heuchlerische Covenanter, der unverbesserliche
Verrther, der feige und boshafte Feind. Es ist ein Glck, da so
heftige Leidenschaften sich heutzutage nur noch in Schmhungen Luft
machen knnen.]

[Funote 68: Brief von Avaux an Ludwig vom 6. (16.) April 1689, dem eine
Abhandlung beigeschlossen ist, betitelt: ^Mmoire du Chevalier
Macklean^.]

[Funote 69: Siehe die hchst interessanten Memoiren Sir Ewan Cameron's
von Lochiel, 1842 in Edinburg fr den Abbotsfordclub gedruckt. Das
Manuscript mu mindestens hundert Jahre lter gewesen sein. Man
vergleiche auch in dem nmlichen Werke die Erzhlung des Todes Sir
Ewan's, den ^Balhadie Papers^ entlehnt. Ich mu bemerken, da der
Herausgeber der Memoiren Sir Ewan's zwar ber die Angelegenheiten der
Hochlande und ber den Character der vornehmsten Huptlinge gut
unterrichtet, in Bezug auf englische Politik und Geschichte aber sehr
unwissend war. Ich will anfhren, was Van Citters unterm 26. Nov. (6.
Dec.) 1689 ber Lochiel an die Generalstaaten schrieb: ^Sir Evan
Cameron, Lord Locheale, een man -- soo ick hoor van die hem lange gekent
en dagelyk hebben mede omgegaan, -- van so groot verstant, courage, en
beleyt, als weyniges syns gelycke syn.^]

[Funote 70: ^Act. Parl. July 5. 1661.^]

[Funote 71: Siehe Burt's dritten und vierten Brief. In den ersten
Ausgaben befindet sich eine Abbildung von dem Marktkeuze von Inverne
und von dem Straentheile, wo die Kaufleute ihre Zusammenknfte hielten.

Ich mu hier bemerken, wie sehr ich Mr. Robert Carruthers verpflichtet
bin, der so freundlich war, mir manche interessante Auskunft ber
Inverne zu geben und mir einige Auszge aus den stdtischen Acten zu
liefern.]

[Funote 72: Ich verdanke Mr. Carruthers eine Abschrift von den
Forderungen der Macdonalds und von der Antwort des Stadtraths.]

[Funote 73: Colt's Aussage im Anhange zu den Parlamentsacten vom 14.
Juli 1690.]

[Funote 74: Siehe die Biographie Sir Ewan Cameron's.]

[Funote 75: ^Balcarras's Memoirs; History of the late Revolution in
Scotland.^]

[Funote 76: Unter den ^Nairne Papers^ in der Bodlejanischen Bibliothek
befindet sich ein interessantes Manuscript, betitelt: ^Journal de ce
qui c'est pass en Irlande depuis l'arrive de sa Majest.^ Es finden
sich in diesem Tagebuche englische und franzsische Anmerkungen und
Correcturen, die englischen von Jakob's Hand, die franzsischen von
Melfort's Hand. Die von Hamilton aufgefangenen Briefe sind darin
erwhnt, und zwar in einer Weise, welche deutlich zeigt, da sie cht
waren; auch findet man nirgends die geringste Andeutung, da Jakob sie
gemibilligt htte.]

[Funote 77: Der Viscount von Dundee, schreibt Balcarras an Jakob,
dachte auch nicht daran, ohne weitere Befehle von Ihnen nach den
Hochlanden zu gehen, bis eine Truppenabtheilung zu seiner Verhaftung
ausgesandt wurde.]

[Funote 78: Siehe den an Jakob nach Irland gesandten Bericht, den er am
7. Juli 1689 empfing. Er befindet sich unter den ^Nairne Papers^. Ferner
sehe man die Memoiren Dundee's, 1714, Sir Ewan Cameron's, Balcarras' und
Mackay's. Diese Erzhlungen stimmen jedoch weder mit einander noch mit
den Mittheilungen, die ich aus Inverne erhielt, vllig berein.]

[Funote 79: Memoiren Dundee's; Tarbet an Melville von 1. Juni 1689 in
den ^Leven and Melville Papers^.]

[Funote 80: Erzhlung in den ^Nairne Papers^, Aussagen Colt's,
Osburne's, Malcolm's und Stewart's von Ballachan im Anhange zu den
Parlamentsacten vom 14. Juli 1690; ^Memoirs of Sir Ewan Cameron^. Einige
wenige Zge habe ich einer englischen Uebersetzung einiger Stellen aus
einem verloren gegangenen epischen Gedicht in lateinischer Sprache, die
Grameis genannt, entnommen. Der Verfasser desselben war ein eifriger
Jakobit, Namens Philipps. Die im Jahre 1714 erschienenen Memoiren
Dundee's habe ich nur selten und nie ohne Mitrauen benutzt. Der
Herausgeber derselben war gewi nicht, wie er vorgiebt, einer von
Dundee's Offizieren, sondern ein einfltiger und unwissender Scribent
aus Grub Street. Seine Angaben in Betreff des Schauplatzes wie des
Datums der Schlacht von Killiecrankie sind ganz falsch. Er sagt, sie sei
an den Ufern des Tummell und am 13. Juni geschlagen worden. Aber sie
wurde an den Ufern des Garry und am 27. Juli geschlagen. Nachdem ich ein
solches Beispiel von Ungenauigkeit angefhrt, wrde es unntz sein,
kleinere Fehler nachzuweisen.]

[Funote 81: Aus einem Briefe von Archibald, Earl von Argyle, an
Lauderdale, datirt vom 25. Juni 1664, ist ersichtlich, da
hunderttausend schottische Mark, das heit wenig mehr als fnftausend
Pfund Sterling, damals alle Ansprche Mac Callum More's an seine
Nachbarn so ziemlich befriedigt haben wrden.]

[Funote 82: ^Mackay's Memoirs^; Tarbet an Melville vom 1. Juni 1689 in
den ^Leven and Melville Papers^; Dundee an Melfort vom 27. Juni in den
^Nairne Papers^.]

[Funote 83: Siehe Mackay's Memoiren und seinen Brief an Hamilton vom
14. Juni 1689.]

[Funote 84: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 85: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 86: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 87: Dundee an Melfort, 27. Juni 1689.]

[Funote 88: Siehe ^Faithful Contendings Displayed^, namentlich die
Verhandlungen vom 29. und 30. April und vom 13. und 14. Mai 1689; die
Petition des Regiments an das Parlament vom 18. Juli 1689; den Protest
Sir Robert Hamilton's vom 6. November 1689, und die ermahnende Epistel
an das Regiment vom 27. Mrz 1690. Die Societtsleute, wie sie sich
nannten, scheinen besonders ber die Art und Weise entrstet gewesen zu
sein, wie der Geburtstag des Knigs begangen worden war. Wir hoffen,
schrieben sie, da Ihr ebenso gegen die Feier von Geburtstagen seid wie
wir, und da Ihr bereuen werdet, was Ihr gethan habt. Ueber die
Meinungen und den Character Alexander Shield's sehe man sein ^Hind Let
Loose^.]

[Funote 89: ^Siege of the Castle of Edinburgh, printed for the
Bannatyne Club London Gazette, June 10. (20.) 1689.^]

[Funote 90: ^Act. Parl. Scot. June 5., 17. 1689.^]

[Funote 91: Die Instructionen findet man in den Somers'schen
Schriften.]

[Funote 92: Ueber Sir Patrick's Ansichten siehe seinen Brief vom 7.
Juni und Lockhart's Brief vom 11. Juli, in den ^Leven and Melville
Papers^.]

[Funote 93: Meine Hauptmaterialien fr die Geschichte dieser Session
waren die Acten, die Protokolle und die ^Leven and Melville Papers^.]

[Funote 94: Athol, sagt Dundee verchtlich, ist nach England
gegangen, da er nicht wute, was er thun sollte. Dundee an Melfort, 27.
Juni 1689. Siehe Athol's Briefe an Melville vom 21. Mai und 8. Juni, in
den ^Leven and Melville Papers^.]

[Funote 95: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 96: ^Mackay's Memoirs.^]

[Funote 97: ^Mackay's Memoirs.^]

[Funote 98: Van Odyck an den Greffier der Generalstaaten, 2. (12.)
August, 1689.]

[Funote 99: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 100: ^Balcarras's Memoirs.^]

[Funote 101: ^Mackay's Short Relation, Aug. 17, 1689.^]

[Funote 102: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 103: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron, Mackay's Memoirs.^]

[Funote 104: ^Douglas's Baronage of Scotland.^]

[Funote 105: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 106: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 107: Ueber die Schlacht siehe Mackay's Memoiren und Briefe und
seine ^Short Relation^; ferner die Memoiren Dundee's und Sir Ewan
Cameron's, Nisbet's und Osburne's Aussagen im Anhange zu den
Parlamentsacten vom 14. Juli 1690. Auch sehe man den Bericht ber die
Schlacht in einem von Burt's Briefen. Macpherson druckte einen vom Tage
nach der Schlacht datirten Brief von Dundee an Jakob. Ich brauche nicht
zu sagen, da dies eine eben so schamlose Flschung ist wie Fingal. Der
Herausgeber der Memoiren Dundee's sagt, Lord Leven sei durch den Anblick
der hochlndischen Waffen erschreckt worden und habe das Beispiel der
Flucht gegeben. Dies ist eine abscheuliche Lge. Da Leven sich ganz
vorzglich gut benahm, beweisen Mackay's Memoiren, Briefe und ^Short
Relation^.]

[Funote 108: ^Mackay's Memoirs; Life of General Hugh Mackay by Mackay
of Bockfield.^]

[Funote 109: Brief der auerordentlichen Gesandten an den Greffier der
Generalstaaten vom 2. (12.) August 1689 und ein Brief von Van Odyck, der
sich in Hampton Court befand, von dem nmlichen Datum.]

[Funote 110: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron; Memoirs of Dundee.^]

[Funote 111: Die Tradition ist bestimmt ber hundertzwanzig Jahr alt.
Der Stein wurde Burt gezeigt.]

[Funote 112: Siehe die Geschichte, welche den Gedichten Alexander
Robertson's vorausgeschickt ist. In dieser Geschichte heit es von ihm,
er habe sich vor der Schlacht von Killiecrankie angeschlossen. Aus einer
Zeugenaussage im Anhange zu den ^Act. Parl. Scot.^ vom 14. Juli 1690
aber ergiebt sich, da er erst am folgenden Tage eintraf.]

[Funote 113: ^Mackay's Memoirs.^]

[Funote 114: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 115: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 116: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 117: Siehe Portland's Briefe an Melville vom 22. April und 15.
Mai 1690 in den ^Leven and Melville Papers^.]

[Funote 118: ^Mackay's Memoirs; Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Funote 119: ^Exact Narrative of the Conflict at Dunkeld between the
Earl of Angus's Regiment and the Rebels, collected from several
Officiers of that Regiment who were Actors in or Eyewitnesses of all
that's here narrated. In Reference to those Actions^; Brief von Leutnant
Blackader an seinen Bruder, datirt Dunkeld, 21. August 1689; ^Faithful
Contendings Displayed^; Protokoll des schottischen Geheimraths vom 28.
August, citirt von Mr. Burton.]

[Funote 120: Die schottischen natrlich. -- Der Uebers.]

[Funote 121: Die Geschichte Schottland's whrend dieses Herbstes lt
sich am besten in den ^Leven and Melville Papers^ studiren.]




                         Vierzehntes Kapitel.
                          Wilhelm und Marie.


Inhalt.

                                                                   Seite
   Zwistigkeiten im englischen Parlament                               5
   Russell's Todesurtheil umgestoen                                   5
   Umstoung anderer Verurtheilungen                                   7
   Das Erkenntni gegen Samuel Johnson                                 7
   Das Erkenntni gegen Devonshire                                     8
   Das Erkenntni gegen Oates                                          8
   Rechtsbill                                                         14
   Streitigkeiten wegen einer Indemnittsbill                         16
   Die letzten Tage Jeffreys'                                         18
   Die Whigs unzufrieden mit dem Knige                               21
   Malose Heftigkeit Howe's                                          22
   Angriff gegen Caermarthen                                          22
   Angriff auf Halifax                                                23
   Vorbereitungen zu einem Feldzuge in Irland                         26
   Schomberg                                                          27
   Unterbrechung der Parlamentssitzungen                              28
   Zustand Irland's -- Rath Avaux'                                    28
   Entlassung Melfort's                                               32
   Schomberg landet in Ulster                                         32
   Carrickfergus genommen                                             32
   Schomberg rckt weiter nach Leinster                               33
   Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander     33
   Schomberg lehnt eine Schlacht ab                                   34
   Betrgereien des englischen Kriegscommissariats                    34
   Verschwrung unter den in englischen Diensten stehenden            36
      franzsischen Truppen
   Pestilenz in der englischen Armee                                  36
   Die englische und die irische Armee beziehen ihre                  38
      Winterquartiere
   Verschiedene Meinungen ber Schomberg's Verfahren                  39
   Marineangelegenheiten                                              40
   Torrington's schlechte Verwaltung                                  41
   Die festlndischen Angelegenheiten                                 42
   Gefecht bei Walcourt                                               43
   Anschuldigungen gegen Marlborough                                  44
   Alexander VIII. folgt Innocenz XI. auf dem ppstlichen Stuhle      45
   Der Klerus der Hochkirche ber die Angelegenheit der Eide          45
      gespalten
   Argumente fr Leistung der Eide                                    46
   Argumente gegen die Eidesleistung                                  48
   Die groe Mehrheit des Klerus leistet die Eide                     52
   Die Eidverweigerer                                                 53
   Ken                                                                54
   Leslie                                                             55
   Sherlock                                                           56
   Hickes                                                             57
   Collier                                                            58
   Dodwell                                                            59
   Kettlewell. Fitzwilliam                                            60
   Allgemeiner Character des eidverweigernden Klerus                  61
   Der Comprehensionsplan. Tillotson                                  64
   Eine kirchliche Commission ernannt                                 65
   Maregeln der Commission                                           66
   Die Convocation der Provinz Canterbury einberufen. Stimmung        70
      des Klerus
   Die Geistlichkeit unzufrieden mit dem Knig                        70
   Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer     72
      gegen die Dissenters erbittert
   Einrichtung der Convocation                                        74
   Wahl der Convocationsmitglieder                                    75
   Verleihung geistlicher Aemter                                      75
   Compton ist unzufrieden                                            76
   Zusammentritt der Convocation                                      77
   Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation berwiegend      78
   Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Husern der            79
      Convocation
   Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam           80
   Die Convocation prorogirt                                          81


Zwistigkeiten im englischen Parlament.

Vierundzwanzig Stunden vor dem Augenblicke, wo der Krieg in Schottland
durch die Niederlage der celtischen Armee bei Dunkeld beendigt wurde,
ging das Parlament zu Westminster auseinander. Die beiden Huser waren
seit dem Monat Januar ununterbrochen versammelt gewesen. Die in einen
engen Raum eingepferchten Gemeinen hatten viel von der Hitze und
Unbehaglichkeit zu leiden gehabt und die Gesundheit manches Mitgliedes
war erschttert worden. Das Ergebni stand jedoch in keinem Verhltni
zu der gehabten Arbeit. Die letzten drei Monate der Session waren fast
ganz mit Streitereien vergeudet worden, welche im Gesetzbuche keine Spur
zurckgelassen haben. Das Fortschreiten heilsamer Gesetze war durch
Hkeleien bald zwischen den Whigs und Tories, bald zwischen den Lords
und den Gemeinen gehemmt worden.

Die Revolution war kaum vollbracht, so zeigte es sich auch schon, da
die Freunde der Ausschlieungsbill ihre Leiden whrend des Uebergewichts
ihrer Feinde nicht vergessen hatten und da sie sowohl Genugthuung
erlangen als Rache ben wollten. Schon vor der Wiederbesetzung des
Thrones ernannten die Lords einen Ausschu, um zu untersuchen, was an
den grauenvollen Geschichten, welche ber den Tod Essex' circulirten,
Wahres sei. Der aus eifrigen Whigs bestehende Ausschu setzte seine
Untersuchungen so lange fort, bis alle vernnftigen Mnner die
Ueberzeugung gewonnen hatten, da er durch seine eigne Hand gefallen
war, und bis seine Gattin, seine Brder und seine intimsten Freunde die
Nachforschungen nicht weitergefhrt zu sehen wnschten.[1]


Russell's Todesurtheil umgestoen.

Das Gedchtni und die Familien, einiger anderer Opfer, welche dem
Bereiche menschlicher Macht entrckt waren, wurden ebenfalls, ohne
Opposition von Seiten der Tories, rehabilitirt. Bald nachdem die
Convention in ein Parlament verwandelt worden war, wurde den Peers eine
Bill zur Umstoung des Todesurtheils Lord Russell's vorgelegt, rasch von
ihnen angenommen, in's Unterhaus geschickt und hier mit ungewhnlichen
Zeichen von Bewegung begrt. Viele von den Mitgliedern hatten mit
Russel in dieser Kammer gesessen. Er hatte darin lange einen Einflu
ausgebt, hnlich dem, welchen der wackere und menschenfreundliche
Althorpe, dessen sich Leute dieser Generation noch erinnerten, einst
ausbte, einen Einflu, der seinen Grund nicht in berlegener
Gewandtheit in der Debatte oder im Vortrage, sondern in einer makellosen
Rechtschaffenheit, in einem schlichten gesunden Verstande und in jener
Freimthigkeit, Einfachheit und Gutherzigkeit hatte, welche bei einem
durch Geburt und Vermgen hoch ber seinen Nebenmenschen stehenden Manne
ganz besonders einnehmend und gewinnend sind. Die Whigs hatten in
Russell ein Oberhaupt verehrt und seine politischen Gegner hatten
zugegeben, da er, wenn er nicht durch minder achtungswerthe und
schlauere Genossen als er irregeleitet wrde, ein so braver und
gutherziger Gentleman sei wie irgend einer in England. Die mnnliche
Festlichkeit und christliche Ergebung, womit er in den Tod gegangen war,
die Trauer seines edlen Hauses, der Schmerz seines der Sttze beraubten
Vaters, die vernichtete Zukunft seiner verwaisten Kinder,[2] und vor
Allem der Verein von weiblicher Zrtlichkeit und engelgleicher Geduld in
der Frau, die dem wackeren Dulder das Theuerste gewesen war, die vor den
Schranken des Gerichts mit der Feder in der Hand an seiner Seite
gesessen, die dstre Einsamkeit seines Kerkers erheitert und an seinem
letzten Tage die Denkwrdigkeit des groen Opfers mit ihm getheilt,
hatten die Herzen vieler gerhrt, welche sonst nicht gewohnt waren,
einen Gegner zu bemitleiden. Da Russell viele gute Eigenschaften
besessen, da er den besten Willen gehabt hatte und da man hart gegen
ihn verfahren war, wurde jetzt selbst von hfischen Juristen, welche
sein Blut hatten vergieen helfen, und von hfischen Theologen
zugegeben, welche ihr Mglichstes gethan hatten, um seinen Ruf zu
verunglimpfen. Als daher das Pergament, welches sein Todesurtheil
annullirte, auf den Tisch der Versammlung gelegt wurde, in der noch vor
acht Jahren seine Zge und seine Stimme so wohl bekannt gewesen, war die
Aufregung gro. Ein bejahrtes whiggistisches Mitglied versuchte zu
sprechen, wurde aber von seinen Gefhlen berwltigt. Ich kann, sagte
er, den Namen Mylord Russell's nicht aussprechen, ohne tief ergriffen
zu werden. Es gengt ihn zu nennen. Mehr vermag ich nicht zu sagen.
Viele Blicke richteten sich nach der Gegend des Saales, wo Finch sa.
Die hchst ehrenwerthe Art und Weise, wie er ein eintrgliches Amt
niedergelegt, sobald er sich berzeugt hatte, da er es nicht behalten
konnte, ohne das Dispensationsrecht zu untersttzen, und die bedeutende
Rolle, die er bei der Vertheidigung der Bischfe gespielt, hatten viel
dazu beigetragen, seine Fehler wieder gut zu machen. Doch an diesem Tage
konnte man sich der Erinnerung nicht erwehren, da er eifrig bemht
gewesen war als Kronanwalt das Urtheil auszuwirken, das jetzt feierlich
widerrufen werden sollte. Er erhob sich und versuchte sein Verfahren zu
rechtfertigen, aber weder sein juristischer Scharfsinn, noch der
flieende und wohlklingende Vortrag, der eine erbliche Gabe in seiner
Familie war und dessen sich kein Mitglied seiner Familie in reicherem
Mae erfreute als er, halfen ihm bei dieser Gelegenheit etwas. Das Haus
war nicht in der Stimmung ihn anzuhren und unterbrach ihn mehrmals mit
dem Rufe zur Ordnung. Er sei, sagte man ihm, mit groer Nachsicht
behandelt und nicht in Anklagestand versetzt worden. Warum versuche er
jetzt, unter dem Vorwande, sich zu rechtfertigen, entehrende
Beschuldigungen auf einen berhmten Namen zu werfen und einen Justizmord
zu entschuldigen? Er mute sich wieder setzen, nachdem er erklrt hatte,
da er sich nur von der Anschuldigung habe reinigen wollen, die Grenzen
seiner Amtspflicht berschritten zu haben, da er jede Absicht, das
Gedchtni Lord Russell's zu verunglimpfen, zurckweise, und da ihn die
Umstoung des Urtels aufrichtig freuen werde. Ehe das Haus
auseinanderging, wurde die Bill noch einmal verlesen, und sie wrde auf
der Stelle zum dritten Male verlesen und angenommen worden sein, wren
nicht einige Zustze und Auslassungen vorgeschlagen worden, von denen
man glaubte, da sie die Genugthuung vollstndiger machen wrden. Die
Amendements wurden mit groer Eil entworfen, die Lords stimmten
denselben bei, und der Knig gab mit Freuden seine Genehmigung.[3]


Umstoung anderer Verurtheilungen.

Dieser Bill folgten bald drei andere, welche drei abscheuliche und
emprende Todesurtheile annullirten: das Todesurtheil Sidney's, das
Todesurtheil Cornish's und das Todesurtheil der Alice Lisle.[4]


Das Erkenntni gegen Samuel Johnson.

Einige noch lebende Whigs erlangten ohne Mhe Genugthuung fr Unbilden,
die sie unter der vorigen Regierung erlitten hatten. So wurde das
Erkenntni gegen Samuel Johnson von den Gemeinen in Erwgung gezogen.
Die Resolution lautete dahin, da die ihm zuerkannte krperliche
Zchtigung grausam sei und da seine Degradation keine Rechtskraft habe.
Der letztere Punkt konnte nicht bestritten werden, denn Johnson war
durch die Prlaten degradirt worden, welche die Dicese London whrend
Compton's Suspension verwaltet hatten. Compton aber war durch ein Decret
der Hohen Commission suspendirt worden, und die Decrete der Hohen
Commission wurden allgemein als ungltig anerkannt. Johnson war daher
seines Priesterrocks durch Personen beraubt worden, welche keine
Jurisdiction ber ihn hatten. Die Gemeinen ersuchten den Knig, da er
den Dulder durch ein geistliches Amt entschdigen mchte.[5] Wilhelm
berzeugte sich jedoch, da er diesem Gesuche ohne groe Inconvenienz
nicht willfahren knne. Denn Johnson war, obgleich muthig, rechtschaffen
und religis, doch stets heftig, widersetzlich und streitschtig
gewesen, und seitdem er um seiner Meinungen willen Qualen erduldet
hatte, welche schrecklicher waren als der Tod, hatten sich die Schwchen
seines Characters und seines Verstandes dergestalt verschlimmert, da er
den Niederkirchlichen eben so unangenehm war als den Hochkirchlichen.
Gleich vielen anderen Menschen, welche durch Vergngen, Gewinn oder
Gefahr nicht vorn Pfade des Rechts abgebracht werden knnen, hielt er
die Regungen seines Stolzes und seines Hasses irrig fr die Mahnungen
des Gewissens und betrog sich in den Glauben hinein, da er, indem er
Freunden wie Feinden ohne Unterschied mit Anmaung und Bitterkeit
begegnete, nur seinen christlichen Glauben und Muth beweise. Burnet
machte ihn sich zum Todfeinde, weil er ihn zur Geduld und zum Vergeben
von Ungerechtigkeiten ermahnte. Sagt Sr. Lordschaft, antwortete der
unbeugsame Priester, er mge sich um seine Angelegenheiten kmmern und
mich fr die meinigen selbst sorgen lassen.[6] Man begann bald zu
munkeln, da Johnson den Verstand verloren habe. Er beschuldigte Burnet
der Urheberschaft dieses Gerchts und rchte sich durch Schmhschriften,
deren malose Heftigkeit die Behauptung, die sie widerlegen sollten, nur
besttigten. Der Knig hielt es daher fr besser, aus seiner
Privatchatulle eine freigebige Entschdigung fr das Unrecht zu
bewilligen, von dem die Gemeinen ihn in Kenntni gesetzt hatten, als
einem berspannten und reizbaren Manne eine angesehene des ffentlichen
Vertrauens bedrfende Stellung zu bertragen. Johnson erhielt ein
Geschenk von tausend Pfund und eine jhrliche Pension von dreihundert
Pfund fr sich und seinen nchsten Leibeserben. Sein Sohn wurde berdies
im Dienste angestellt.[7]


Das Erkenntni gegen Devonshire.

Whrend die Gemeinen das Urtheil Johnson's in Erwgung zogen,
untersuchten die Lords mit Strenge das Prozeverfahren, welches unter
der vorigen Regierung gegen ein Mitglied ihres eignen Standes, den Earl
von Devonshire, eingeleitet worden war. Die Richter, welche ber ihn
abgeurtheilt hatten, wurden umstndlich ausgefragt und eine Resolution
angenommen, welche erklrte, da in seinem Falle die Vorrechte der
Pairie verletzt und da der Gerichtshof der Kings Bench, indem er einen
bereilten Schlag mit einer Geldbue von dreiigtausend Pfund bestraft,
der gemeinen Justiz und der groen Charte Gewalt angethan habe.[8]


Das Erkenntni gegen Oates.

In den vorerwhnten Fllen scheinen alle Parteien in der Ansicht
bereingestimmt zu haben, da eine ffentliche Genugthuung angemessen
sei. Bald aber wurden die heftigsten Leidenschaften der Whigs wie der
Tories durch die geruschvollen Ansprche eines Schurken erregt, dessen
Leiden, so hart sie auch scheinen mochten, im Vergleich mit seinen
Verbrechen unbedeutend gewesen waren. Oates war zurckgekommen, wie ein
Geist von der Richtsttte, um die Orte heimzusuchen, die er durch seine
Verbrechen befleckt hatte. Die ersten vierthalb Jahre nach seiner
Zchtigung hatte er in einer Zelle von Newgate zugebracht, die er nur
verlassen, wenn er an den Jahrestagen seiner Meineide an den Pranger
gestellt wurde. Viele Fanatiker sahen jedoch immer noch einen Mrtyrer
in ihm, und man sagte sie htten seine Kerkermeister in so weit zu
bestechen vermocht, da seine Leiden, trotz der bestimmtesten Befehle
von Seiten der Regierung, durch manche Begnstigungen gemildert worden
seien. Whrend andere Gefangene, welche im Vergleich zu ihm unschuldig
waren, bei der Gefngnikost abmagerten, wurde sein Tisch mit
Truthhnern und Lendenbraten, mit Kapaunen und Spanferkeln, mit
Wildpasteten und Krben Claret, den Spenden eifriger Protestanten
besetzt.[9] Als Jakob von Whitehall geflchtet und London in Bestrzung
war, wurde in dem Rathe der Lords, welche die Leitung der Geschfte
provisorisch bernommen hatten, die Freilassung des Oates beantragt. Der
Antrag wurde verworfen,[10] aber die Kerkermeister, welche nicht wuten,
wem sie in dieser Zeit der Anarchie gehorchen sollten und die es mit
einem Manne nicht verderben wollten, der einst ein furchtbarer Feind
gewesen war und es vielleicht wieder werden konnte, erlaubten ihrem
Gefangenen, frei in der Stadt umherzugehen.[11] Seine migestalteten
Beine und sein hliches Gesicht, das durch den Verlust der
abgeschnittenen Ohren noch mehr entstellt worden, waren jetzt wieder
tglich in Westminsterhall und im Court of Requests zu sehen.[12] Er
hing sich an seine alten Gnner und gab ihnen in der schleppenden
Sprache, die er als ein Zeichen von Vornehmheit affectirte, die
Geschichte seiner Leiden und seiner Hoffnungen. Es sei unmglich, sagte
er, da jetzt, wo die gute Sache gesiegt habe, der Entdecker des
Complots bergangen werden knne. Karl gab mir neunhundert Pfund
jhrlich. Gewi, Wilhelm wird mir mehr geben.[13]

In wenigen Wochen brachte er sein Erkenntni durch eine
Nichtigkeitsbeschwerde in das Haus der Lords. Dies ist ein
Appellationsact, welcher keine Thatbestandsfrage zur Errterung bringt.
Whrend die Lords ber die Nichtigkeitsbeschwerde zu Gericht saen,
waren sie nicht berechtigt zu untersuchen, ob das Verdict, welches Oates
fr schuldig erklrte, den Beweisen entsprach oder nicht. Sie hatten nur
zu erwgen, ob das Erkenntni, angenommen auch, da das Verdict den
Beweisen entsprach, gesetzmig war. Aber es wrde selbst einem aus
altgedienten Magistratsbeamten bestehenden Tribunal schwer geworden
sein, und war einer Versammlung von Edelleuten, die sich alle stark zu
dieser oder jener Seite hinneigten und unter denen sich damals nicht ein
einziger befand, dessen Geist durch das Studium der Jurisprudenz
gebildet gewesen wre, fast unmglich, unverwandt auf den bloen
Rechtspunkt zu blicken und von den speciellen Umstnden des Falles
gnzlich zu abstrahiren. In den Augen einer Partei, die allerdings
selbst unter den whiggistischen Peers wahrscheinlich eine Minoritt
bildete, war der Appellant ein Mann, der der Sache der Freiheit und der
Religion unschtzbare Dienste geleistet und der dafr mit einer
langjhrigen Haft, mit entehrender Ausstellung und mit einer Tortur
belohnt worden war, an die man nicht ohne Schaudern zurckdenken konnte.
Die Majoritt des Hauses betrachtete ihn jedoch richtiger als das
falscheste, bswilligste und schamloseste Geschpf, das je den Namen
Mensch geschndet hatte. Bei dem Anblicke dieser frechen Stirn, bei dem
Tone dieser lgnerischen Zunge verloren sie alle Selbstbeherrschung.
Viele von ihnen erinnerten sich ohne Zweifel mit Beschmung und Reue,
da sie sich von ihm hatten tuschen lassen und da er sie noch das
letzte Mal wo er vor ihnen stand, durch einen Meineid bewogen hatte, das
Blut eines Mitglieds ihres eigenen hohen Standes zu vergieen. Es lie
sich nicht erwarten, da eine von solchen Gefhlen beseelte Versammlung
von Gentlemen mit der kalten Unparteilichkeit eines Gerichtshofes
verfahren werde. Ehe sie zu einer Entscheidung der Rechtsfrage kamen,
welche Titus ihnen vorgelegt hatte, hingen sie ihm eine Reihe von
Prozessen an. Er hatte eine Schrift drucken lassen, die seine Verdienste
und seine Leiden verherrlichte. Die Lords fanden einen Vorwand, um diese
Publikation eine Privilegiumsverletzung zu nennen und schickten ihn in
das Marschallgefngni. Er petitionirte um seine Freilassung, aber es
wurde gegen sein Gesuch ein Einwurf geltend gemacht. Er hatte sich als
Doctor der Theologie gerirt, und ihre Lordschaften wollten ihn als
solchen nicht anerkennen. Er wurde vor ihre Schranken gefhrt und
gefragt, wo er graduirt worden sei. Seine Antwort lautete: Auf der
Universitt Salamanca. Dies war ein neues Beispiel von seiner
Lgenhaftigkeit und Frechheit. Sein Salamanca-Doctortitel war viele
Jahre lang ein Lieblingsthema fr alle toryistischen Satyriker von
Dryden abwrts, und selbst auf dem Festlande wurde der Salamancadoctor
ein allgemein gebruchlicher Spottname.[14] Die Lords vergaen in ihrem
Hasse gegen Oates die Wrde ihres Standes so weit, da sie diese
lcherliche Geschichte ernsthaft behandelten. Sie befahlen ihm, die
Worte Doctor der Theologie in seiner Petition zu streichen, er
entgegnete darauf, da er dies mit gutem Gewissen nicht thun knne, und
in Folge dessen wurde er ins Gefngni zurckgeschickt.[15]

Diese Prliminarien lieen unschwer errathen, welches Schicksal die
Nichtigkeitsbeschwerde haben wrde. Oates' Vertheidiger war gehrt
worden, und es trat kein Advokat gegen ihn auf. Die Richter wurden
aufgefordert, ihre Meinung abzugeben. Es waren neun von ihnen anwesend
und unter diesen neun befanden sich die Prsidenten der drei
Gerichtshfe des gemeinen Rechts. Der einstimmige Ausspruch dieser
erfahrenen, gelehrten und rechtschaffenen Magistratspersonen lautete
dahin, da der Gerichtshof der Kings Bench nicht befugt sei, einen
Priester seines heiligen Amtes zu entsetzen oder auf lebenslngliche
Haft zu erkennen und da daher das Urtheil gegen Oates gesetzwidrig sei
und umgestoen werden msse. Die Lords htten sich unzweifelhaft durch
diesen Ausspruch fr gebunden erachten sollen. Da sie Oates als den
schlechtesten Menschen von der Welt kannten, that nichts zur Sache. Fr
sie, in ihrer Eigenschaft als Gerichtshof, mute er ein Apellant sein
wie jeder andre. Aber ihr Unwille war heftig erregt und ihre
Gewohnheiten waren nicht von der Art, um sie zur Erfllung richterlicher
Pflichten tauglich zu machen. Die Debatte drehte sich fast
ausschlielich um Dinge, welche gar nicht hatten erwhnt werden sollen.
Nicht ein einziger Peer hatte den Muth zu behaupten, da das Urtheil
rechtskrftig sei; dagegen wurde viel von dem abscheulichen Character
des Apellanten, von der frechen Beschuldigung, die er gegen Katharine
von Braganza erhoben, und von den schlimmen Consequenzen gesprochen,
welche daraus hervorgehen mten, wenn ein so schlechter Mensch als
Zeuge auftreten drfe. Es giebt nur eine Bedingung, sagte der
Lordprsident, unter der ich mich dazu verstehen kann, das Urtel dieses
Menschen umzustoen. Er ist von Aldgate nach Tyburn gepeitscht worden:
er mu von Tyburn nach Aldgate zurck gepeitscht werden. Die Fragen
wurden gestellt. Zwanzig Peers stimmten fr Umstoung des Urtels,
fnfunddreiig fr Besttigung desselben.[16]

Diese Entscheidung machte groes Aufsehen, und nicht ohne Grund. Jetzt
wurde eine Frage erhoben, welche mit Recht die Besorgni Jedermann's im
ganzen Knigreiche erwecken mute. Die Frage war die, ob es dem hchsten
Tribunale, dem Tribunale, von welchem in letzter Instanz die
werthvollsten Interessen jedes englischen Unterthanen abhingen,
freistehe, Rechtsfragen nach anderen als Rechtsgrnden zu entscheiden
und einem Rechtsuchenden wegen der Verderbtheit seines moralischen
Characters sein anerkanntes gesetzliches Recht vorzuenthalten. Da dem
hchsten Appellhofe nicht gestattet sein drfe, unter den Formen einer
ordentlichen Justiz eine willkrliche Gewalt auszuben, das fhlten die
talentvollsten Mnner im Hause der Gemeinen tief, und Niemand tiefer als
Somers. Ihm und Denen, welche wie er argumentirten, stimmten in diesem
Falle eine Menge schwacher und hitzkpfiger Zeloten bei, welche Oates
noch immer als einen Volkswohlthter betrachteten und glaubten, die
Existenz des papistischen Complots in Zweifel ziehen heie eben so viel
als die Wahrheit der protestantischen Religion in Zweifel ziehen. Noch
denselben Morgen, nachdem die Peers ihre Entscheidung abgegeben hatten,
hrte man im Hause der Gemeinen sehr nachdrckliche Aeuerungen ber die
Gerechtigkeit Ihrer Lordschaften. Drei Tage darauf wurde der Gegenstand
durch ein whiggistisches Mitglied des Geheimrath, Sir Robert Howard,
Abgeordneter fr Castle Rising, zur Sprache gebracht. Er gehrte der
Berkshirelinie seiner vornehmen Familie an, einer Linie, die sich damals
der nicht beneidenswerthen Auszeichnung erfreute, ungemein fruchtbar an
schlechten Versmachern zu sein. Die Poesie der Howards von Berkshire war
der Spott dreier Generationen von Satyrikern. Der Spa begann mit der
ersten Auffhrung der Rehearsal und dauerte bis zur letzten Ausgabe
der Dunciade.[17] Aber trotz seiner schlechten Verse und einiger
Schwchen und Eitelkeiten, wegen denen er unter dem Namen Sir Positive
Atall auf die Bhne gebracht wurde, besa Sir Robert im Parlamente das
Gewicht, das ein standhafter Parteimann von groem Vermgen, angesehenem
Namen, gewandtem Vortrage und entschlossenem Geiste fast immer
besitzt.[18] Als er sich erhob, um die Aufmerksamkeit der Gemeinen fr
den Rechtsfall Oates' in Anspruch zu nehmen, begrten ihn einige
Tories, die von den nmlichen Leidenschaften beseelt waren, welche in
dem andren Hause vorherrschend gewesen, mit lautem Zischen. Trotz dieser
hchst unparlamentarischen Beleidigung beharrte er in seinem Vorhaben,
und es zeigte sich bald, da er die Majoritt fr sich hatte. Einige
Redner priesen Oates' Patriotismus und Muth, andere sprachen ausfhrlich
ber ein umlaufendes Gercht, da die Anwlte, deren sich die Krone
gegen ihn bedient, bedeutende Summen Geldes unter die Geschwornen
vertheilt htten. Dies waren jedoch Dinge, in Bezug auf welche groe
Meinungsverschiedenheit herrschte. Da aber das Erkenntni ungesetzlich
war, lie sich nicht bestreiten. Die ausgezeichnetsten Juristen im Hause
der Gemeinen erklrten, da sie in diesem Punkte mit dem Ausspruche, den
die Richter im Hause der Lords abgegeben, vollkommen bereinstimmten.
Die, welche gezischt hatten, als der Gegenstand zur Sprache gebracht
wurde, waren so wirksam eingeschchtert, da sie nicht auf Abstimmung
anzufragen wagten, und eine das Urtel annullirende Bill wurde ohne
Opposition eingebracht.[19]

Die Lords befanden sich in einer kritischen Lage. Den Ausspruch zu
widerrufen, wre unangenehm gewesen, und sich in einen Streit mit dem
Unterhause ber einen Gegenstand einzulassen, bezglich dessen dieses
Haus klar im Rechte war und zu gleicher Zeit durch die Ansichten der
Rechtskundigen wie durch die Leidenschaften des Pbels untersttzt
wurde, konnte gefhrlich werden. Man hielt es daher fr passend, einen
Mittelweg einzuschlagen. Es wurde eine Adresse an den Knig gerichtet,
die ihn ersuchte, Oates zu begnadigen.[20] Diese Concession aber machte
das Uebel nur schlimmer. Titus hatte, wie jeder andre Mensch, Anspruch
auf Gerechtigkeit, aber er war kein geeigneter Gegenstand fr Gnade. War
das gegen ihn gefllte Urtel gesetzwidrig, so mute es umgestoen
werden; war es gesetzmig, so war kein Grund vorhanden, es irgendwie zu
mildern. Die Gemeinen blieben geziemenderweise fest, nahmen ihre Bill an
und schickten sie den Lords zu. Der einzige Theil dieser Bill, der einen
Einwurf zulie, war der Eingang, worin nicht allein behauptet war, da
das Urtel gesetzwidrig sei, eine Behauptung, die sich bei Einsicht der
Acten als richtig ergab, sondern auch da das Verdict durch Bestechung
corrumpirt sei, eine Behauptung, die, mochte sie nun wahr oder falsch
sein, durch gar nichts bewiesen war.

Die Lords waren in groer Verlegenheit. Sie wuten, da sie Unrecht
hatten, waren aber gleichwohl entschlossen, es in ihrer legislativen
Eigenschaft nicht auszusprechen, da sie sich in ihrer richterlichen
Eigenschaft einer Ungerechtigkeit schuldig gemacht htten. Sie
versuchten abermals einen Mittelweg. Der Eingang wurde gemildert, eine
Klausel hinzugesetzt, welche bestimmte, da Oates auch fernerhin zur
Zeugenschrift unfhig bleiben solle, und die so abgenderte Bill den
Gemeinen wieder zugesandt.

Die Gemeinen waren nicht befriedigt. Sie verwarfen die Amendements und
verlangten eine freie Conferenz. Zwei ausgezeichnete Tories, Rochester
und Nottingham, nahmen als Wortfhrer der Lords im gemalten Zimmer
ihre Sitze ein. Ihnen zur Seite stand Burnet, dessen wohlbekannter Ha
gegen den Papismus dem was er bei einer solchen Gelegenheit sagen
mochte, groes Gewicht zu geben verhie. Somers war der Hauptsprecher
auf der andren Seite, und seiner Feder verdanken wir einen ungemein
klaren und interessanten Auszug aus der Debatte.

Die Lords gestanden offen zu, da das Erkenntni des Gerichtshofes der
Kings Bench sich nicht vertheidigen lasse. Sie wten, da es
gesetzwidrig sei und htten dies auch gewut, als sie es besttigten.
Aber sie htten die beste Absicht dabei gehabt. Sie beschuldigten Oates,
eine schamlos falsche Anklage gegen die Knigin Katharine erhoben zu
haben, erwhnten noch andere Beispiele von seiner Schlechtigkeit und
fragten ob ein solcher Mensch noch befugt sein drfe, vor einem
Gerichtshofe Zeugni abzulegen. Die einzige Entschuldigung, welche ihrer
Ansicht nach zu seinen Gunsten angefhrt werden knne, sei die, da er
den Verstand verloren habe, und die unerhrte Frechheit und Albernheit
seines Benehmens, als er das letzte Mal vor ihnen gestanden, scheine in
der That die Annahme zu rechtfertigen, da er geisteskrank sei und da
man ihm das Leben Anderer nicht anvertrauen knne. Die Lords knnten
sich daher nicht durch ausdrckliche Zurcknahme dessen was sie gethan
erniedrigen und eben so wenig sich entschlieen, das Verdict auf keinen
andren Beweis hin als ein allgemeines Gercht, fr corrumpirt zu
erklren.

Die Replik war vollkommen siegreich. Oates bildet jetzt den kleinsten
Theil der Frage. Eure Lordschaften sagen, er habe die Knigin Wittwe und
andere unschuldige Personen flschlich angeklagt. Zugegeben. Diese Bill
gewhrt ihm keine Amnestie. Wir sind ganz dafr, da er, wenn er
schuldig ist, bestraft werden mu. Aber wir verlangen in seinem wie im
Interesse aller Englnder, da die Strafe durch das Gesetz und nicht
durch die Willkr eines Tribunals bestimmt werde. Wir verlangen, da,
wenn Eure Lordschaften eine Appellation vorliegt, Sie den bekannten
Gebruchen und Gesetzen des Reichs gem Ihr Urtheil darber abgeben.
Wir leugnen, da Sie in einem solchen Falle das mindeste Recht haben,
auf den moralischen Character eines Klgers oder auf die politischen
Folgen einer Entscheidung Rcksicht zu nehmen. Sie gestehen selbst zu,
da Sie lediglich deshalb, weil Sie eine nachtheilige Meinung von diesem
Manne hatten, ein Erkenntni besttigten, von dem Sie wuten, da es
gesetzwidrig war. Gegen diese Anmaung willkrlicher Gewalt protestiren
die Gemeinen, und sie hoffen, da Sie jetzt widerrufen werden, was Sie
als einen Irrthum erkennen mssen. Eure Lordschaften sprechen die
Vermuthung aus, da Oates wahnsinnig sei. Wahnsinn kann jedoch ein sehr
triftiger Grund sein, um einen Menschen gar nicht zu bestrafen. Wie aber
der Wahnsinn ein Grund sein kann, um eine Strafe ber ihn zu verhngen,
die selbst wenn er gesund wre, ungesetzlich sein wrde, das begreifen
die Gemeinen nicht. Eure Lordschaften meinen ferner, da Sie es nicht
verantworten knnten, ein Verdict corrumpirt zu nennen, von dem dies
nicht juristisch bewiesen sei. Erlauben Sie uns, Sie daran zu erinnern,
da Sie zwei verschiedene Funktionen haben. Sie sind Richter und Sie
sind Gesetzgeber. Wenn Sie richten, so ist es Ihre Pflicht, Sich streng
an das Gesetz zu halten. Wenn Sie Gesetze geben, kann es zweckmig
sein, auf allgemeine Gerchte Rcksicht zu nehmen. Sie kehren diese
Regel um. Sie sind am unrechten Orte lax und am unrechten Orte
scrupuls. Als Richter verletzen Sie um einer vermeintlichen Convenienz
willen das Gesetz. Als Gesetzgeber wollen Sie kein Factum ohne solche
technische Beweise gelten lassen, wie sie Gesetzgeber nur selten
erlangen knnen.[21]

Auf dieses Raisonnement wurde nichts erwiedert und konnte nichts
erwiedert werden. Die Gemeinen waren sichtlich stolz auf die Kraft ihrer
Beweisfhrung und auf das Auftreten Somers' im gemalten Zimmer. Sie
beauftragten ihn insbesondere, dafr zu sorgen, da der Bericht, den er
von der Conferenz erstattet hatte, genau in die Protokolle aufgenommen
werde. Die Lords dagegen unterlieen wohlweislich, einen Bericht ber
eine Debatte, in der sie eine so vollstndige Niederlage erlitten
hatten, in ihre Protokolle einzuzeichnen. Aber obgleich sie ihren Fehler
einsahen und sich desselben schmten, waren sie doch nicht dahin zu
bringen, es ffentlich zu bekennen, indem sie im Eingange zu der Acte
eingestanden, da sie sich einer Ungerechtigkeit schuldig gemacht
htten. Die Minoritt war indessen stark. Der Beschlu, beizutreten,
wurde mit nur zwlf Stimmen durchgebracht, wovon zehn auf abwesende
Mitglieder kamen, die ihre Stimmen Anderen bertragen hatten.[22]
Einundzwanzig Peers protestirten und die Bill fiel. Zwei Beisitzer
wurden abgeschickt, um die Gemeinen von dem definitiven Beschlusse der
Peers in Kenntni zu setzen. Die Gemeinen hielten dieses Verfahren in
substantieller Hinsicht fr unverantwortlich und in formeller Hinsicht
fr unhflich. Sie beschlossen, dagegen zu demonstriren, und Somers
entwarf ein vortreffliches Manifest, in welchem der verachtungswerthe
Name des Oates kaum erwhnt war und worin das Oberhaus sehr ernst und
eindringlich ermahnt wurde, richterliche Fragen richterlich zu behandeln
und nicht eigenmchtig ein neues Recht zu machen unter dem Vorwande, das
bestehende Recht anzuwenden.[23] Der Schurke, der jetzt zum zweiten Male
die politische Welt in Aufregung gebracht hatte, wurde begnadigt und in
Freiheit gesetzt. Seine Freunde im Unterhause beantragten nun eine
Adresse an den Thron, welche darum ansuchte, da ihm eine fr seinen
Unterhalt gengende Pension ausgesetzt werden mchte,[24] Es wurden ihm
in Folge dessen etwa dreihundert Pfund Sterling jhrlich bewilligt, eine
Summe, die er unter seiner Wrde hielt und die er nur mit der
verbissenen Wuth getuschter Habsucht annahm.


Rechtsbill.

Aus dem Streite ber Oates entsprang ein andrer Streit, der sehr ernste
Folgen htte haben knnen. Die Urkunde welche Wilhelm und Marien zum
Knig und zur Knigin erklrten, war eine revolutionre Urkunde. Sie war
das Werk einer Versammlung, von der das ordentliche Gesetz nichts wute,
und hatte nie die knigliche Sanction erhalten. Es war offenbar
wnschenswerth, da dieser hochwichtige Vertrag zwischen den Regierenden
und den Regierten, dieses Dokument, kraft dessen der Knig seinen Thron
und das Volk seine Freiheiten besa, in eine streng regelrechte Form
gebracht wurde. Die Rechtserklrung wurde deshalb in eine Rechtsbill
verwandelt und die Rechtsbill von den Gemeinen ohne weiteres angenommen.
Bei den Lords aber stie sie auf Schwierigkeiten.

Die Rechtserklrung hatte die Krone zuerst Wilhelm und Marien
gemeinschaftlich, dann dem Ueberlebenden von Beiden, dann Mariens
Nachkommenschaft, und endlich auch der Nachkommenschaft Wilhelm's von
irgend einer andren Gemahlin als Marien zuerkannt. Die Bill war mit der
Erklrung genau bereinstimmend abgefat. Wem aber der Thron zufallen
sollte, wenn Marie, Anna und Wilhelm alle drei ohne Nachkommen starben,
war in Ungewiheit gelassen. Dieser nicht vorgesehene Fall war indessen
keineswegs unwahrscheinlich. Er lag sogar wirklich vor. Wilhelm hatte
nie ein Kind gehabt. Anna war zwar mehrere Male Mutter gewesen, aber
keines ihrer Kinder war mehr am Leben. Es wre kein groes Wunder
gewesen, wenn Krankheit, Krieg oder Verrath binnen wenigen Monaten
smmtliche Personen, welche zur Thronfolge befhigt waren, aus der Welt
geschafft htte. In welche Lage wre das Land in diesem Falle gekommen?
Wem sollte dann gehuldigt werden? Die Bill enthielt zwar eine Klausel,
welche Papisten vom Throne ausschlo. Aber ersetzte eine solche Klausel
eine den Nachfolger mit Namen bezeichnende Bestimmung? wie dann, wenn
der nchste Thronerbe ein noch nicht drei Monat alter Prinz des Hauses
Savoyen war? Es wre absurd gewesen, ein solches Kind einen Papisten zu
nennen. Sollte es also zum Knig proklamirt werden? Oder sollte die
Krone so lange herrenlos bleiben, bis es ein Alter erreicht hatte, in
welchem es befhigt war, sich eine Religion zu whlen? Konnten nicht
auch die rechtschaffensten und verstndigsten Mnner in Zweifel sein, ob
sie es als ihren Souverain betrachten drften? Und wer sollte ihnen
diesen Zweifel lsen? Ein Parlament wrde es nicht geben, denn das
Parlament wrde mit dem Frsten, der es zusammenberufen hatte, aufhren
zu existiren. Es mute eine vollstndige Anarchie eintreten, eine
Anarchie, welche mit der Vernichtung der Monarchie oder mit der
Vernichtung der ffentlichen Freiheit enden konnte. Aus diesen
gewichtigen Grnden schlug Burnet auf Wilhelm's Veranlassung im Hause
der Lords vor, da die Krone in Ermangelung von Leibeserben Sr.
Majestt, auf eine unbezweifelte Protestantin, Sophie, Herzogin von
Braunschweig-Lneburg, einer Enkelin Jakob's I. und Tochter Elisabeth's,
Knigin von Bhmen, bergehen solle.

Die Lords genehmigten dieses Amendement einstimmig, die Gemeinen aber
verwarfen es einstimmig. Die Ursache der Verwerfung hat kein
Schriftsteller der damaligen Zeit gengend erklrt. Ein whiggistischer
Schriftsteller spricht von Machinationen der Republikaner, ein andrer
von Machinationen der Jakobiten. Es steht jedoch fest, da vier Fnftel
der Vertreter des Volks weder Jakobiten noch Republikaner waren.
Gleichwohl erhob sich im Unterhause nicht eine einzige Stimme zu Gunsten
der Klausel, welche im Oberhause mit Acclamation angenommen worden
war.[25] Die wahrscheinlichste Erklrung drfte die sein, da die grobe
Ungerechtigkeit, welche in der Angelegenheit Oates' begangen worden, die
Gemeinen dergestalt gereizt hatte, da sie mit Freuden eine Gelegenheit
ergriffen, den Peers zu opponiren. Es wurde eine Conferenz gehalten,
aber keine der beiden Versammlungen wollte nachgeben. Whrend der Streit
am heftigsten war, trat ein Ereigni ein, von dem man htte denken
sollen, da es die Eintracht wiederherstellen werde. Anna gebar einen
Sohn. Das Kind wurde mit groem Pomp und unter vielfachen ffentlichen
Freudenbezeigungen in Hampton Court getauft. Wilhelm, war der eine
Taufzeuge, der andre war der feingebildete Dorset, dessen Dach der
Prinzessin in ihrem Unglck eine Zuflucht gewhrt hatte. Der Knig gab
dem Kinde seinen eignen Namen und kndigte dem um den Taufstein
versammelten glnzenden Cirkel an, da der kleine Wilhelm von diesem
Augenblicke Herzog von Gloucester genannt werden solle.[26] Die Geburt
dieses Prinzen hatte die Gefahr, gegen welche die Lords auf ihrer Hut zu
sein fr nthig erachtet, sehr vermindert. Sie htten daher jetzt mit
Anstand widerrufen knnen. Aber ihr Stolz war durch die Strenge, mit der
man ihre Entscheidung ber Oates' Nichtigkeitsbeschwerde im gemalten
Zimmer getadelt hatte, verletzt worden. Man hatte ihnen geradezu ins
Gesicht gesagt, da sie ungerechte Richter seien, und diese
Beschuldigung war nur um so krnkender, weil sie sich bewut waren sie
verdient zu haben. Sie verweigerten jede Concession und die Rechtsbill
wurde fallen gelassen.[27]


Streitigkeiten wegen einer Indemnittsbill.

Die aufregendste Frage dieser langen und strmischen Session war jedoch
die, welche Strafe den Mnnern zuerkannt werden solle, die in der Zeit
zwischen der Auflsung des Oxforder Parlaments und der Revolution die
Rathgeber oder Werkzeuge Karl's und Jakob's gewesen waren. Es war ein
Glck fr England, da in dieser Krisis ein Frst, der keiner der beiden
Parteien angehrte, der keine von beiden weder liebte noch hate und der
zur Durchfhrung eines groen Planes beide zu benutzen wnschte, der
Vermittler zwischen ihnen war.

Die beiden Parteien waren jetzt in einer ganz hnlichen Lage wie vor
achtundzwanzig Jahren. Zwar war die Partei, welche damals im Nachtheil
gewesen, gegenwrtig im Vortheil, aber die Analogie zwischen den beiden
Situationen ist eine der vollkommensten, die man in der Geschichte
finden kann. Die Restauration wie die Revolution waren beide durch
Coalitionen herbeigefhrt worden. Bei der Restauration halfen diejenigen
Politiker, welche der Freiheit besonders zugethan waren, die Monarchie
wieder einsetzen; bei der Revolution halfen diejenigen Politiker, welche
der Monarchie mit besonderem Eifer anhingen, die Freiheit vertheidigen.
Der Cavalier htte, bei der ersteren Gelegenheit, ohne den Beistand der
Puritaner, welche fr den Covenant gefochten, nichts ausrichten knnen;
ebensowenig htte der Whig bei der letzteren Gelegenheit der
Willkrgewalt einen erfolgreichen Widerstand leisten knnen, wre er
nicht durch Mnner untersttzt worden, die noch vor ganz kurzer Zeit den
Widerstand gegen Willkrgewalt als eine Todsnde verdammt hatten. Die
Bedeutendsten unter Denen, durch welche im Jahre 1660 die knigliche
Familie zurckgebracht wurde, waren Hollis, der in den Tagen der
Tyrannei Karl's I. den Sprecher mit offener Gewalt auf seinem Stuhle
festhielt, whrend der schwarze Stab vergebens anklopfte, um Einla zu
erlangen; Ingoldsby, dessen Name unter dem denkwrdigen Todesurtheile
stand, und Prynne, dem Laud die Ohren abgeschnitten und der dafr den
Hauptantheil an Laud's Verurtheilung zum Tode gehabt hatte. Unter den
Sieben, welche 1688 die Einladung an Wilhelm unterzeichneten, waren
Campton, der lange die Pflicht eingeschrft hatte, einem Nero zu
gehorchen, Danby, der angeklagt worden war, weil er den
Militrdespotismus einzufhren versucht hatte, und Lumley, dessen
Bluthunde Monmouth bis in seinen traurigen letzten Versteck im Walde
verfolgt hatten. Sowohl 1660 als auch 1688 versprachen sich die beiden
feindlichen Parteien, so lange das Geschick der Nation unentschieden
war, gegenseitig Vergebung. Bei beiden Gelegenheiten erwies sich die
Vershnung, welche im Augenblicke der Gefahr aufrichtig geschienen
hatte, im Augenblicke des Sieges als falsch und hohl. Sobald Karl II.
wieder in Whitehall war, verga der Cavalier die Dienste, welche die
Presbyterianer krzlich geleistet, und erinnerte sich nur noch ihrer
alten Beleidigungen. Sobald Wilhelm Knig war, begannen nur zu viele
Whigs Rache zu fordern fr Alles was sie in den Tagen des
Ryehousecomplots von der Hand der Tories erduldet hatten. Bei beiden
Gelegenheiten wurde es dem Souverain schwer, die besiegte Partei vor der
Wuth seiner triumphirenden Anhnger zu schtzen, und bei beiden
Gelegenheiten murrten Die, deren Rache er vereitelt hatte, heftig gegen
die Regierung, die so schwach und undankbar gewesen war, ihre Feinde
gegen ihre Freunde in Schutz zu nehmen.

Schon am 25. Mrz machte Wilhelm die Gemeinen auf die Zweckmigkeit der
Maregel aufmerksam, die ffentliche Meinung durch eine Amnestie zu
beschwichtigen. Er sprach die Hoffnung aus, da eine Bill fr
allgemeines Vergeben und Vergessen so bald als mglich ihm zur
Genehmigung vorgelegt und da keine anderen Ausnahmen gemacht werden
wrden, als die fr die Aufrechthaltung der ffentlichen Gerechtigkeit
und fr die Sicherheit des Staats absolut nothwendig erschienen. Die
Gemeinen waren einstimmig dafr, ihm fr diesen Beweis seiner
vterlichen Gte zu danken; allein sie lieen viele Wochen vergehen,
ohne einen Schritt zur Erfllung seines Wunsches zu thun. Als der
Gegenstand endlich wieder zur Sprache gebracht wurde, geschah dies auf
eine Art, welche deutlich bewies, da die Majoritt nicht den ernsten
Willen hatte, der Ungewiheit ein Ende zu machen, welche allen
denjenigen Tories, die sich bewut waren, in ihrem Eifer fr die
Prrogative zuweilen die vom Gesetz gezogene strenge Grenze
berschritten zu haben, das Leben verbitterte. Es wurden zwlf
Kategorien gebildet, von denen einige so umfassend waren, da sie
Zehntausende von Delinquenten in sich schlossen, und das Haus beschlo,
da in jeder dieser Kategorien einige Ausnahmen gemacht werden sollten.
Dann kam die Prfung der einzelnen Flle. Zahlreiche Angeklagte und
Zeugen wurden vor die Schranken citirt. Die Debatten waren lang und
heftig, und es stellte sich bald heraus, da die Arbeit kein Ende nehmen
werde. Der Sommer verging und der Herbst rckte heran; die Session
konnte nicht viel lnger dauern, und von den zwlf einzelnen
Untersuchungen, welche die Gemeinen vorzunehmen beschlossen hatten,
waren erst drei beendigt. Es war demnach nthig, die Bill fr dieses
Jahr fallen zu lassen.[28]


Die letzten Tage Jeffreys'.

Unter den vielen Verbrechern, deren Namen im Laufe dieser Untersuchung
genannt wurden, befand sich einer, der an Schuld und Schande einzig und
unerreicht dastand und den sowohl Whigs als Tories der uersten Strenge
des Gesetzes zu berlassen geneigt waren. An dem frchterlichen Tage,
auf den die Irische Nacht folgte, hatte das Wuthgebrll einer um ihre
Rache betrogenen groen Stadt Jeffreys bis an die Zugbrcke des Towers
begleitet. Obwohl seine Einkerkerung nicht streng gesetzmig war, nahm
er doch anfangs mit Dank und Segenswnschen den Schutz an, den diese
dsteren, durch so viele Verbrechen und Leiden berchtigten Mauern ihm
vor der Wuth der Menge gewhrten.[29] Bald kam er jedoch zu der
Ueberzeugung, da sein Leben noch immer sehr gefhrdet sei. Eine Zeit
lang schmeichelte er sich mit der Hoffnung, da ein Habeascorpusbefehl
ihn aus seiner Haft befreien und da er im Stande sein werde, in ein
fremdes Land zu entkommen und sich mit einem Theile seines
belerworbenen Reichthums vor dem Hasse der Menschheit zu verbergen.
Aber bis zur Feststellung der Regierung gab es keinen Gerichtshof, der
zur Ausstellung eines Habeascorpusbefehls befugt gewesen wre, und
sobald die Regierung festgestellt war, wurde die Habeascorpusacte
suspendirt.[30] Ob Jeffreys des Mordes in legalem Sinne berfhrt werden
konnte, steht zu bezweifeln. Moralisch aber war er so vieler Mordthaten
schuldig, da, wenn es kein andres Mittel gegeben htte, seinem Leben
beizukommen, die ganze Nation eine retrospective Verurtheilungsacte
strmisch gefordert haben wrde. Die Neigung, ber einen Gefallenen zu
triumphiren, gehrte nie zu den vorwiegenden Untugenden der Englnder;
aber der Ha gegen Jeffreys war ohne Beispiel in unsrer Geschichte und
entsprach nur zu sehr dem Blutdurste seines eignen Characters. Das Volk
war in Bezug auf ihn eben so grausam als er selbst und frohlockte ber
seinen Schmerz, wie er gewohnt gewesen war, ber den Schmerz
Verurtheilter, die ihr Todesurtheil anhrten, und trauernder Familien zu
frohlocken. Der Pbel versammelte sich vor seinem verdeten Hause in
Duke Street und las unter schallendem Gelchter an seiner Thr die
Anschlge, welche den Verkauf seines Eigenthums verkndeten. Selbst
zarte Frauen, die fr Straenruber und Diebe Thrnen hatten, athmeten
nichts als Rache gegen ihn. Die Spottlieder auf ihn, welche in der Stadt
verkauft wurden, zeichneten sich durch eine selbst damals seltene
Heftigkeit aus. Der Henkertod sei viel zu mild, ein Grab unter dem
Galgen eine viel zu ehrenvolle Ruhesttte fr ihn, er msse an einen
Karren angebunden und zu Tode gepeitscht, er msse wie ein Indianer
gemartert, er msse lebendig verschlungen werden. Die Straendichter
zertheilten alle seine Glieder mit cannibalischer Grausamkeit und
berechneten wie viel Pfund Fleisch von seinem wohlgenhrten Corpus
losgeschnitten werden knnten. Die Wuth seiner Feinde ging sogar soweit,
da sie in einer in England selten gehrten Sprache den Wunsch
ausdrckten, er mge dahin gehen, wo Heulen und Zhnklappern sei, zu dem
Wurme, der niemals stirbt, zu dem Feuer, das nimmer verlscht. Sie
riethen ihm, sich mittelst seiner Kniebnder aufzuhngen und sich mit
seinem Rasirmesser den Hals abzuscheiden. Sie richteten das grliche
Gebet zum Himmel, da er der Reue unzugnglich sein und als der nmliche
herzlose, nichtswrdige Jeffreys sterben mge, der er im Leben gewesen
war.[31] Eben so feigherzig im Unglck wie bermthig und unmenschlich
im Glck, sank ihm unter der Last der ffentlichen Verachtung gnzlich
der Muth. Seine von Haus aus schlechte und durch Unmigkeit sehr
geschwchte Constitution wurde durch Verzweiflung und Angst vllig
zerrttet. Er wurde von einer schmerzhaften inneren Krankheit gepeinigt,
welche selbst die geschicktesten Aerzte der damaligen Zeit selten zu
heben vermochten. Nur ein Trost blieb ihm: der Branntwein. Selbst wenn
er Untersuchungen zu leiten und Berathungen beizuwohnen hatte, ging er
selten nchtern zu Bett. Jetzt, wo er seinen Geist mit nichts als
entsetzlichen Rckerinnerungen und entsetzlichen Ahnungen beschftigen
konnte, gab er sich rckhaltlos seinem Lieblingslaster hin. Viele
glaubten, er wolle durch Unmigkeit sein Leben verkrzen. Er hielte es
fr besser, meinten sie, im Zustande der Trunkenheit aus der Welt zu
gehen, als sich von Ketch zerhacken, oder vom Pbel zerreien zu lassen.

Einmal wurde er aus seiner jammervollen Verzagtheit durch eine angenehme
Empfindung aufgerttelt, der jedoch alsbald eine krnkende Enttuschung
folgte. Es war ein Packet fr ihn im Tower abgegeben worden, das ein
Fchen Colchesteraustern, sein Lieblingsgericht zu enthalten schien. Er
war tief bewegt, denn es giebt Augenblicke, wo Diejenigen, welche am
wenigsten Zuneigung verdienen, sich mit dem Gedanken schmeicheln, da
sie solche einflen. Gott sei Dank! rief er aus; ich habe doch noch
Freunde. Er ffnete das Fchen, und aus einem Haufen Austernschalen
fiel ein starker Strick.[32]

Es scheint nicht, da einer der Schmeichler oder Narren, die er mit dem
geraubten Gute seiner Schlachtopfer bereichert hatte, ihn in der Zeit
der Trbsal trstete. Doch war er nicht gnzlich verlassen. Johann
Tutchin, den er dazu verurtheilt hatte, sieben Jahre lang alle vierzehn
Tage ausgepeitscht zu werden, machte sich auf den Weg nach dem Tower und
besuchte den gestrzten Tyrannen. Der arme Jeffreys, obwohl bis in den
Staub gedemthigt, benahm sich mit verworfener Hflichkeit und bestellte
Wein. Ich freue mich, Sir, sagte er, Sie bei mir zu sehen. -- Und
ich, entgegnete der schadenfrohe Whig, freue mich, Eure Lordschaft
hier zu sehen. -- Ich diente meinem Herrn, versetzte Jeffreys, dies
war meine Gewissenspflicht. -- Wo hatten Sie Ihr Gewissen, als sie in
Dorchester jenes Urtheil ber mich verhngten? -- Meine Instructionen
lauteten dahin, antwortete Jeffreys gleinerisch, da ich gegen Mnner
wie Sie, Mnner von Talent und Muth, keine Nachsicht ben sollte. Als
ich an den Hof zurckkam, wurde ich wegen meiner Milde getadelt.[33]
Selbst Tutchin scheint trotz der Heftigkeit seines Grolls und trotz der
Gre der ihm widerfahrenen Unbilden durch das jammervolle Schauspiel,
das er anfangs mit rachschtiger Schadenfreude betrachtete, ein wenig
gerhrt worden zu sein. Er leugnete stets die Wahrheit des Gerchts, da
er Derjenige gewesen sei, der das Colchesterfa in den Tower geschickt
habe.

Auer diesem gewann ein menschenfreundlicher Mann, Johann Sharp, der
vortreffliche Dechant von Norwich, es ber sich, den Gefangenen zu
besuchen. Es war eine peinliche Aufgabe, aber Sharp war in frheren
Zeiten von Jeffreys so freundlich behandelt worden, wie Jeffreys
berhaupt seinem Character nach Jemanden behandeln konnte, und es war
ihm einige Male durch geduldiges Warten, bis der Sturm der Flche und
Verwnschungen ausgetobt hatte, und durch geschickte Benutzung eines
Augenblicks guter Laune gelungen, fr unglckliche Familien eine
Linderung ihrer Leiden zu erwirken. Der Gefangene war erstaunt und
erfreut. Was wagen Sie mir jetzt noch zuzugestehen? sagte er. Der
menschenfreundliche Geistliche bemhte sich jedoch vergebens, in diesem
verstockten Gewissen einen heilsamen Schmerz zu wecken. Anstatt seine
Schuld zu bekennen, ergo sich Jeffreys in heftige Schmhungen gegen die
Ungerechtigkeit der Menschen. Die Leute nennen mich einen Mrder, weil
ich das gethan, was Mancher, der jetzt hoch in Gunst steht, damals
vollkommen billigte. Sie nennen mich einen Trunkenbold, weil ich Punsch
trinke, um mir die Last meines Kummers zu erleichtern. Er wollte nicht
zugeben, da er als Prsident der Hohen Commission etwas Tadelnswerthes
gethan habe. Seine Collegen, sagte er, seien die eigentlichen
Schuldigen, und jetzt wlzten sie alle Schuld auf ihn. Mit besonderer
Bitterkeit sprach er von Sprat, der unbestreitbar das humanste und
gemigtste Mitglied der Behrde gewesen war.

Es zeigte sich bald klar und deutlich, da der abscheuliche Richter der
Last seiner krperlichen und geistigen Leiden rasch erliegen wrde.
Doctor Johann Scott, Prbendar von St. Paul, ein Geistlicher von groer
Frmmigkeit und Verfasser des Christian Life, eines einst weit und
breit berhmten Buches, wurde wahrscheinlich auf Anrathen seines intimen
Freundes Sharp, an's Bett des Sterbenden gerufen. Doch umsonst sprach
auch Scott, wie Sharp es bereits gethan, von den entsetzlichen
Schlchtereien von Dorchester und Taunton. Jeffreys blieb bis zum
letzten Augenblicke dabei, da Die, welche ihn fr blutdrstig hielten,
seine damaligen Befehle nicht kennten, da er eher Lob als Tadel
verdiene und da seine Milde ihm das hchste Mifallen seines Gebieters
zugezogen habe.[34]

Krankheit untersttzt durch starkes Trinken und durch tiefen Gram,
vollendete bald ihr Werk. Der Magen des Kranken nahm keine Speise mehr
an. Binnen wenigen Wochen magerte der stattliche und sogar corpulente
Mann zu einem Gerippe ab. Am 18. April starb er im einundvierzigsten
Jahre seines Lebens. Mit fnfunddreiig Jahren war er Oberrichter der
Kings Bench, mit siebenunddreiig Lordkanzler gewesen. In der ganzen
Geschichte der englischen Justizpflege findet sich kein zweites Beispiel
von einem so raschen Emporsteigen oder einem so heftigen Sturze. Der
abgezehrte Leichnam wurde in aller Stille neben der Asche Monmouth's in
der Kapelle des Tower beigesetzt.[35]

Der Sturz dieses einst so mchtigen und gefrchteten Mannes, der
Abscheu, mit dem er von allen ehrenwerthen Mitgliedern seiner eignen
Partei betrachtet wurde, die Art und Weise, wie die minder ehrenwerthen
Mitglieder dieser Partei in seinem Unglck jede Gemeinschaft mit ihm von
sich wiesen und die ganze Schuld der Verbrechen, zu denen sie ihn
aufgemuntert hatten, auf ihn wlzte, hatten den malosen Freunden der
Freiheit, welche nach einer neuen Proscription verlangten, zur Lehre
dienen sollen. Allein es war eine Lehre, die nur zu viele von ihnen
nicht beachteten.


Die Whigs unzufrieden mit dem Knige.

Der Knig hatte gleich beim Beginn seiner Regierung ihr Mifallen
erregt, indem er einige Tories und Trimmers zu hohen Aemtern berief und
die durch diese Ernennungen erweckte Unzufriedenheit war durch sein
Bemhen, eine allgemeine Amnestie fr die Besiegten zu erlangen, noch
verstrkt worden. Er war allerdings auch nicht der Mann, der sich bei
den rachschtigen Zeloten irgend einer Partei htte beliebt machen
knnen. Denn zu den Eigenthmlichkeiten seines Characters gehrte eine
gewisse schroffe Humanitt, durch die er seine Feinde selten gewann und
seine Freunde oftmals aufbrachte, in der er aber eigensinnig beharrte,
ohne sich weder um die Undankbarkeit Derer, die er vom Untergange
gerettet, noch um die Wuth Derer zu kmmern, deren Rachegelste er
vereitelt hatte. Einige Whigs sprachen jetzt ebenso hart ber ihn, als
sie je ber einen seiner beiden Oheime gesprochen hatten. Er sei im
Grunde auch ein Stuart und er sei dies nicht umsonst. Wie Alle dieses
Stammes liebe auch er die Willkrherrschaft. In Holland sei es ihm
gelungen, sich unter der Form einer republikanischen Staatseinrichtung
zu einem kaum minder absoluten Herrscher zu machen, als es die erblichen
Grafen gewesen seien. Durch eine sonderbare Verkettung von Umstnden
habe sein Interesse eine kurze Zeit lang dem Interesse des englischen
Volks entsprochen, aber obgleich er zufllig ein Befreier geworden, sei
er doch von Natur ein Despot. Er sympathisire nicht mit dem gerechten
Zorne der Whigs. Er habe Zwecke im Auge, welche die Whigs keinen
Souverain gutwillig erreichen lassen wrden, und er wisse auch recht
gut, da er nur die Tories als Werkzeuge dazu benutzen knne. Daher habe
er sie vom Augenblicke seiner Thronbesteigung an ungebhrlich
begnstigt. Jetzt wolle er den nmlichen Verbrechern, die er vor wenigen
Monaten in seiner Erklrung als eine exemplarische Strafe verdienend
bezeichnet habe, eine Amnestie erwirken. Im November habe er der Welt
gesagt, da die Verbrechen, an denen jene Mnner Theil genommen, es
Unterthanen zur Pflicht gemacht htten, ihren Huldigungseid zu brechen,
Soldaten, ihre Fahnen zu verlassen, Kinder, gegen ihre Eltern zu
kmpfen. Mit welcher Consequenz knne er jetzt dazu rathen, diese
Verbrechen mit dem Mantel allgemeiner Vergessenheit zu bedecken? und sei
nicht nur zu triftiger Grund zu der Besorgni vorhanden, da er die
Helfershelfer der Tyrannei vor dem verdienten Loose in der Hoffnung zu
retten wnsche, da sie ihm frher oder spter einmal eben so
gewissenslos dienen wrden, wie sie seinem Schwiegervater gedient
htten?


Malose Heftigkeit Howe's.

Unter den von diesen Gefhlen beseelten Mitgliedern des Hauses der
Gemeinen war Howe der Heftigste und Khnste. Er ging einmal so weit, da
eine Untersuchung der Manahmen des Parlaments von 1685 eingeleitet und
da allen Denen, die in diesem Parlament mit dem Hofe gestimmt hatten,
irgend ein Brandmal aufgedrckt werden solle. Dieser eben so absurde als
hmische Antrag wurde von allen ehrenwertheren Whigs gemibilligt und
von Birch und Maynard nachdrcklich bekmpft.[36] Howe mute nachgeben,
aber er war ein Mann, den kein Schlag niederwerfen konnte, und er wurde
durch den Beifall vieler hitzkpfiger Mitglieder seiner Partei
ermuthigt, welche nicht die entfernteste Ahnung hatten, da er, nachdem
er der hmischeste und characterloseste Whig gewesen, in nicht ferner
Zeit der hmischeste und characterloseste Tory werden wrde.


Angriff gegen Caermarthen.

Dieser scharfsinnige, ruchlose und boshafte Politiker hielt sich,
obgleich er selbst ein eintrgliches Amt im kniglichen Hofstaat
bekleidete, tagtglich ber die Art der Besetzung der hohen Staatsmter
auf und seine Declamationen wurden, wenn auch etwas weniger scharf und
heftig, von anderen Rednern wiederholt. Keiner, sagten sie, der ein
Minister Karl's oder Jakob's gewesen sei, drfe ein Minister Wilhelm's
sein. Der erste Angriff wurde gegen den Lordprsidenten Caermarthen
gerichtet. Howe stellte den Antrag, da dem Knige eine Adresse
berreicht werden solle, die ihn ersuchte, alle Diejenigen, welche je
einmal von den Gemeinen angeklagt worden seien, aus Sr. Majestt
Staatsrath und Angesicht, zu entfernen. Die Debatte ber diesen Antrag
wurde zu wiederholten Malen vertagt. Whrend der Ausgang noch
zweifelhaft war, schickte Wilhelm Dykvelt an Howe ab, um ihn zur Rede zu
setzen. Howe war unbeugsam. Er war was man im gewhnlichen Leben einen
uneigenntzigen Menschen nennt, das heit, er legte auf das Geld weniger
Werth als auf das Vergngen, seiner blen Laune Luft zu machen und
Aufsehen zu erregen. Ich erweise dem Knig einen Dienst, sagte er;
ich befreie ihn von falschen Freunden, und meine Stellung wird mich nie
abhalten, meine Gedanken auszusprechen. Der Antrag wurde gestellt,
scheiterte aber gnzlich. Der Satz, da eine bloe Anklage, ohne
Ueberfhrung, als ein entscheidender Beweis von Schuld betrachtet werden
solle, widerstritt in der That der natrlichen Gerechtigkeit.
Caermarthen hatte allerdings groe Fehler begangen, aber sie waren durch
Parteigeist bertrieben, durch harte Leiden geshnt und durch neuerliche
ausgezeichnete Dienste wiedergutgemacht worden. Zu der Zeit als er die
groe Grafschaft York gegen Papismus und Tyrannei zu den Waffen rief,
hatten ihm einige der ausgezeichnetsten Whigs versichert, da aller alte
Zwist vergessen sei. Howe behauptete zwar, da die Artigkeiten, welche
im Augenblicke der Gefahr erzeigt worden seien, nichts bedeuteten. Wenn
ich eine Viper in der Hand habe, sagte er, gehe ich sehr subtil mit
ihr um; sobald ich sie aber am Boden habe, zertrete ich sie. Aber der
Lordprsident wurde so krftig untersttzt, da nach einer dreitgigen
Discussion seine Feinde es nicht wagten, ber den gegen ihn gerichteten
Antrag die Meinung des Hauses zu sondiren. Im Laufe der Debatte wurde
beilufig eine wichtige Verfassungsfrage in Anregung gebracht. Die Frage
war, ob eine Begnadigung vor einer parlamentarischen Anklage schtzen
knne. Die Gemeinen resolvirten ohne Abstimmung, da eine Begnadigung
nicht davor schtzen knne.[37]


Angriff auf Halifax.

Der nchste Angriff galt Halifax. Er nahm eine viel verhatere Stellung
ein als Caermarthen, der sich unter dem Vorgeben, da seine Gesundheit
angegriffen sei, fast gnzlich von den Geschften zurckgezogen hatte.
Halifax wurde allgemein als der erste Rathgeber der Krone betrachtet und
fr alle in Bezug auf Irland begangenen Fehler speciell verantwortlich
gemacht. Die Uebel, sagte man, welche dieses Knigreich zu Grunde
gerichtet, htten durch rechtzeitige Vorsicht verhtet oder durch
krftige Anstrengung wiedergutgemacht werden knnen. Die Regierung aber
habe nichts vorgesehen; sie habe wenig gethan, und dieses Wenige sei
weder zur rechten Zeit noch in der rechten Weise geschehen. Zu einer
Zeit, wo einige wenige Truppen gengt haben wrden, habe man
Unterhandlungen anstatt Truppen angewendet. Als viele Truppen nthig
gewesen seien, habe man wenige geschickt, und diese wenigen seien
schlecht ausgerstet und schlecht commandirt gewesen. Dies, riefen die
heftigen Whigs, seien die natrlichen Frchte des groen Fehlers, den
Knig Wilhelm am ersten Tage seiner Regierung begangen habe. Er habe zu
Tories und Trimmers ein Vertrauen gehabt, das sie nicht verdienten.
Insbesondere habe er die Leitung der irischen Angelegenheiten dem
Trimmer der Trimmers anvertraut, einem Manne, dessen Talent Niemand
bestreite, der aber der neuen Regierung nicht treu ergeben, der
berhaupt gar nicht fhig sei, irgend einer Regierung treu ergeben zu
sein, der stets zwischen zwei Meinungen geschwankt und bis zum
Augenblicke der Flucht Jakob's die Hoffnung nicht aufgegeben habe, da
die Unzufriedenheit der Nation ohne einen Dynastiewechsel beschwichtigt
werden knnte. Howe bezeichnete bei zwanzig Gelegenheiten Halifax als
die Ursache aller Calamitten des Landes. Eine hnliche Sprache fhrte
Monmouth im Hause der Lords. Obgleich erster Lord des Schatzes, schenkte
er doch den Finanzgeschften, fr die er brigens ganz untauglich war
und deren er bald berdrssig geworden, seine Theilnahme. Seine ganze
Thtigkeit widmete er der Verfolgung der Tories. Er sagte dem Knige
rund heraus, da Niemand, der nicht ein Whig sei, im Staatsdienste
angestellt werden solle. Wilhelm's Antwort war kalt und entschieden.
Ich habe so viel fr Ihre Freunde gethan, als ich ohne Gefahr fr den
Staat thun kann, mehr aber werde ich nicht thun.[38] Die einzige
Wirkung dieses Verweises war, da Monmouth factiser wurde als je.
Besonders gegen Halifax intriguirte und haranguirte er mit unermdlicher
Animositt. Die anderen whiggistischen Lords des Schatzes, Delamere und
Capel, waren kaum weniger eifrig bestrebt, den Lordsiegelbewahrer aus
dem Amte zu vertreiben, und persnliche Eifersucht und Antipathie
bewogen den Lordprsidenten, mit seinen eignen Anklgern gegen seinen
Nebenbuhler zu conspiriren.

In wie weit die Beschuldigungen, welche damals gegen Halifax, erhoben
wurden, begrndet gewesen sein mgen, lt sich jetzt nicht mehr mit
Gewiheit ermitteln. Obwohl seine Feinde zahlreiche Zeugen befragten und
obgleich sie von Wilhelm die ungern gegebene Erlaubni erlangten, die
Protokolle des Geheimen Raths einzusehen, konnten sie doch keinen Beweis
entdecken, auf den sie eine bestimmte Anklage htten sttzen knnen.[39]
Es war indessen unleugbar, da der Lordsiegelbewahrer als Minister fr
Irland fungirt hatte und da Irland fast verloren war. Unnthig und
sogar widersinnig ist die Annahme vieler Whigs, da seine Verwaltung
deshalb unersprielich gewesen sei, weil er nicht gewollt habe, da sie
ersprielich sein solle. Das Wahre ist, da die Schwierigkeiten seiner
Stellung gro waren und da er bei all' seiner Genialitt und
Beredtsamkeit diesen Schwierigkeiten nicht gewachsen war. Die ganze
Regierungsmaschine war aus den Fugen, und er war nicht der Mann, der sie
wieder in Gang bringen konnte. Dazu gehrte nicht das was er in so
reichem Mae besa: Geist, Geschmack, glnzende Fassungskraft und
scharfe Unterscheidungsgabe, sondern das was ihm fehlte: rasches
Entscheiden, unermdliche Energie und unerschtterliche
Entschlossenheit. Sein Gemth war im Grunde zu weich fr eine Arbeit,
wie sie jetzt auf ihm lastete und es war neuerdings durch harte
Schicksalsschlge noch weicher gestimmt worden. Er hatte in Zeit von
nicht ganz einem Jahre zwei Shne verloren. Es existirt noch ein Brief,
in welchem er damals gegen seine hochverehrte Freundin, Lady Russell,
ber die Verdung seines Herdes und ber die herzlose Undankbarkeit der
Whigs klagt. Ebenso besitzen wir noch die Antwort darauf, worin sie ihn
freundlich ermahnt, da Trost zu suchen, wo sie denselben unter nicht
minder harten Prfungen gefunden habe.[40]

Der erste Angriff auf ihn erfolgte im Oberhause. Einige whiggistische
Lords, unter denen sich der launenhafte und ruchlose erste Lord des
Schatzes besonders hervorthat, schlugen vor, den Knig zu ersuchen, da
er einen neuen Sprecher ernenne. Halifax Freunde beantragten die
vorlufige Frage und brachten sie durch.[41] Ungefhr drei Wochen spter
beantragten seine Feinde in einem Comit des ganzen Hauses der Gemeinen
eine Resolution, die ihm keine specielle Unterlassungs- oder
Begehungssnde zur Last legte, sondern es einfach fr rathsam erklrte,
da er aus dem Dienste der Krone entlassen werde. Die Debatte war hei.
Die gemigten Politiker beider Parteien waren nicht geneigt, einem zwar
nicht fehlerfreien, aber durch Talent und Liebenswrdigkeit gleich
ausgezeichneten Mann ein Brandmal aufzudrcken. Als seine Anklger
sahen, da sie ihren Zweck nicht erreichen konnten, suchten sie sich
einer Entscheidung, welche gewi ungnstig fr sie gelautet haben wrde,
dadurch zu entziehen, da sie beantragten, der Vorsitzende solle die
Sache vertagen. Aber ihre Taktik wurde durch das umsichtige und muthige
Benehmen Lord Eland's, des Marquis' einzigem noch lebenden Sohne,
vereitelt. Mein Vater hat es nicht verdient, sprach der junge
Edelmann, da man solches Spiel mit ihm treibt. Wenn Sie ihn fr
strafbar halten, so sagen Sie es, und er wird sich ohne weiteres Ihrem
Urtheile unterwerfen. Entlassung vom Hofe hat nichts Schreckliches fr
ihn. Gottes Gte hat ihn der Nothwendigkeit berhoben, die Mittel zur
Aufrechthaltung seines Ranges in einem Amte zu suchen. Das Comit
stimmte ab und Halifax wurde mit einer Majoritt von vierzehn Stimmen
freigesprochen.[42]


Vorbereitungen zu einem Feldzuge in Irland.

Wre die Abstimmung um einige Stunden verschoben worden, so wrde die
Majoritt wahrscheinlich viel bedeutender gewesen sein. Die Gemeinen
stimmten unter dem Einflusse der Meinung, da Londonderry gefallen und
ganz Irland verloren sei. Kaum war das Haus auseinandergegangen, so traf
ein Courier mit der Nachricht ein, da der Sperrbaum im Foyle
durchbrochen sei. Ihm folgte bald ein zweiter, der die Aufhebung der
Belagerung meldete, und ein dritter, der die Nachricht von der Schlacht
bei Newton Butler brachte. Hoffnung und Jubel folgten auf Mimuth und
Besorgni.[43] Ulster war gerettet, und man erwartete zuversichtlich,
da Schomberg sehr bald auch Leinster, Connaught und Munster
wiedererobern werde. Er war jetzt bereit zum Aufbruch. Der Hafen von
Chester war der Punkt, von wo er abgehen sollte. Die seinem Commando
unterstellte Armee hatte sich dort versammelt, und der Dee wimmelte von
Kriegs- und Transportschiffen. Leider waren fast alle kriegserfahrene
englische Soldaten nach Flandern geschickt worden, und die groe
Mehrzahl der nach Irland bestimmten Truppen bestand daher aus Leuten,
welche eben vom Pfluge und von der Dreschtenne kamen. Es war indessen
eine vortreffliche hollndische Brigade unter dem Commando eines
erfahrnen Offiziers, des Grafen von Solms darunter. Auerdem waren vier
Regimenter, ein Cavallerieregiment und drei Infanterieregimenter, aus
den franzsischen Flchtlingen gebildet worden, von denen viele mit
Auszeichnung gedient hatten. Niemand that mehr fr die Aushebung dieser
Regimenter als der Marquis von Ruvigny. Er war viele Jahre ein
auerordentlich treuer und ntzlicher Diener der franzsischen Regierung
gewesen, und man schtzte in Versailles seine Verdienste so hoch, da
man ihn gebeten hatte, Begnstigungen anzunehmen, welche kaum ein andrer
Ketzer durch noch so dringende Bitten erlangt haben wrde. Htte er sich
entschlossen in seinem Vaterlande zu bleiben, so wrde man ihm und
seinen Angehrigen gestattet haben, privatim Gott auf ihre eigne Art zu
verehren. Aber Ruvigny wies alle Anerbietungen zurck, theilte das Loos
seiner Glaubensbrder und vertauschte in einem Alter von mehr als
achtzig Jahren Versailles, wo er noch immer ein Gnstling htte bleiben
knnen, mit einer bescheidenen Wohnung in Greenwich. Diese Wohnung war
whrend der letzten Monate seines Lebens der Sammelplatz aller
ausgezeichneten Persnlichkeiten unter seinen Mitverbannten. Seine
Talente, seine Erfahrung und seine freigebige Herzensgte machten ihn
zum unbestrittenen Oberhaupte der Refugis. Zu gleicher Zeit war er ein
halber Englnder, denn seine Schwester war eine Grfin von Southampton
gewesen und er war der Oheim von Lady Russell. Die Zeit des
selbstthtigen Handelns war fr ihn lngst vorber; aber seine beiden
Shne, beides Mnner von ausgezeichnetem Muthe, widmeten ihre Degen dem
Dienste Wilhelm's. Der jngere Sohn, der den Namen Caillemote fhrte,
wurde zum Obersten eines der hugenottischen Infanterieregimenter
ernannt. Die beiden anderen Infanterieregimenter wurden von La
Melloniere und Cambon, Offizieren von glnzendem Rufe, befehligt. Das
Cavallerieregiment war von Schomberg selbst errichtet und fhrte seinen
Namen. Ruvigny lebte gerade noch lange genug, um diese Rstungen
vollendet zu sehen.[44]


Schomberg.

Dem General, dem man die Oberleitung des Feldzugs gegen Irland
bertragen hatte, war es in seltenem Grade gelungen, sich die Zuneigung
und Achtung der englischen Nation zu erwerben. Er war zum Herzoge, zum
Ritter des Hosenbandordens und zum Feldzeugmeister ernannt worden, er
stand jetzt an der Spitze einer Armee, und doch erweckte seine Erhebung
nichts von dem Neide, der sich jedesmal kundgab, so oft Bentinck,
Zulestein oder Auverquerque ein Zeichen kniglicher Gunst zu Theil ward.
Schomberg's militrische Tchtigkeit war allgemein anerkannt. Er wurde
von allen Protestanten als ein Bekenner betrachtet, der fr die Wahrheit
Alles erduldet hatte, den Mrtyrertod ausgenommen. Um seines Glaubens
willen hatte er einem glnzenden Einkommen entsagt, hatte den
franzsischen Marschallsstab niedergelegt und hatte, in einem Alter von
beinahe achtzig Jahren, als ein armer Soldat des Zufalls seine Laufbahn
noch einmal von vorn angefangen. Da er in keiner Connection mit den
Vereinigten Provinzen stand und niemals dem kleinen Hofe im Haag
angehrt hatte, so wurde der ihm vor englischen Anfhrern gegebene
Vorzug mit Recht nicht nationaler oder persnlicher Parteilichkeit,
sondern lediglich seinen Tugenden und Fhigkeiten zugeschrieben. Sein
Benehmen war weit verschieden von dem der anderen Auslnder, welche so
eben zu englischen Peers creirt worden waren. Diese waren bei vielen
ehrenwerthen Eigenschaften in Geschmack, Sitten und Neigungen Hollnder
und konnten den Ton der Gesellschaft, in die sie versetzt worden, nicht
treffen. Er war ein Weltbrger, hatte ganz Europa durchwandert, hatte an
der Maas, am Ebro und am Tajo Armeen commandirt, hatte sich in dem
glnzenden Cirkel von Versailles bewegt und hatte am Berliner Hofe in
hoher Gunst gestanden. Franzsische Edelleute hatten ihn oft fr einen
franzsischen Edelmann gehalten. Er hatte einige Zeit in England
zugebracht, sprach sehr gut englisch, fand sich leicht in die englischen
Sitten und wurde oft in Begleitung von Englndern im Parke gesehen. In
seiner Jugend hatte er mig gelebt, und seine Migkeit geno jetzt den
ihr gebhrenden Lohn: ein ungemein rstiges und krftiges Alter. Als
achtzigjhriger Greis, hatte er noch Sinn fr unschuldige Vergngungen,
seine Conversation war auerordentlich elegant und lebhaft, man konnte
nichts Geschmackvolleres sehen als seine Equipagen und seine Tafel, und
jeder Cavalleriecornet beneidete die Anmuth und den wrdevollen Anstand,
womit der Veteran an der Spitze seines Regiments auf seinem
Schlachtrosse in Hydepark erschien.[45] Das Haus der Gemeinen hatte ihn
mit allgemeiner Zustimmung durch ein Geschenk von hunderttausend Pfund
Sterling fr seine Verluste entschdigt und fr seine geleisteten
Dienste belohnt. Vor seinem Abgange nach Irland bat er um die Erlaubni,
fr dieses gromthige Geschenk seinen Dank aussprechen zu drfen. Es
ward ein Stuhl fr ihn innerhalb der Schranke bereitgestellt. Er nahm,
mit dem Scepter zu seiner Rechten, auf demselben Platz, erhob sich dann,
sprach in kurzen freundlichen Worten seinen Dank aus und nahm Abschied
von der Versammlung. Der Sprecher erwiederte darauf, da die Gemeinen
die Verpflichtungen, welche sie schon gegen Se. Gnaden htten, nie
vergessen wrden, da sie ihn mit Vergngen an der Spitze der englischen
Armee shen, da sie volles Vertrauen in seinen Eifer und seine
Geschicklichkeit setzten und da sie sich seiner stets mit besonderer
Frsorge annehmen wrden. Das bei dieser interessanten Gelegenheit
gegebene Beispiel wurde hundertundfnfundzwanzig Jahre spter bei einer
noch interessanteren Gelegenheit mit strengster Genauigkeit nachgeahmt.
Genau auf derselben Stelle, wo Schomberg im Juli 1689 die Freigebigkeit
der Nation dankend anerkannt, stand im Juli 1814 ein Stuhl fr einen
noch berhmteren Krieger, der gekommen war, um sich fr ein noch
glnzenderes Zeichen der ffentlichen Anerkennung zu bedanken. Wenige
Dinge bezeichnen treffender den eigenthmlichen Character der englischen
Verfassung und Nation als der Umstand, da das Haus der Gemeinen, eine
aus dem Volke hervorgegangene Versammlung, selbst in einem Augenblicke
freudiger Begeisterung mit der ngstlichen Gewissenhaftigkeit eines
Wappencollegiums an althergebrachten Formen festhielt; da das
Niedersetzen und Aufstehen, das Bedecktbleiben und das Entblen des
Hauptes im 19. Jahrhundert noch genau nach der nmlichen Etikette
regulirt war wie im 17., und da das nmliche Scepter, welches zur
Rechten Schomberg's gehalten worden war, in gleicher Stellung zur
Rechten Wellington's gehalten wurde.[46]


Unterbrechung der Parlamentssitzungen.

Am 20. August ging das Parlament, nachdem es sieben Monate lang in
ununterbrochener Thtigkeit gewesen war, auf kniglichen Befehl fr
kurze Zeit auseinander. Dieselbe Nummer der Gazette, welche die
Ankndigung enthielt, da die beiden Huser ihre Sitzungen eingestellt,
brachte auch die Mittheilung, da Schomberg in Irland gelandet sei.[47]


Zustand Irland's -- Rath Avaux'.

Whrend der drei Wochen vor seiner Landung hatte im Schlosse von Dublin
die grte Angst und Bestrzung geherrscht. Schlag auf Schlag waren
einander so rasch gefolgt, da Jakob's nie sehr starker Muth vllig
gebrochen worden war. Zuerst hatte er erfahren, da Londonderry erlst
war; dann, da eine seiner Armeen von den Enniskillenern geschlagen
worden; hierauf, da eine andere von seinen Armeen stark
zusammengeschmolzen und entmuthigt sich aus Ulster zurckzog oder
vielmehr floh; und endlich, da Sligo, der Schlssel von Connaught, den
Englndern preisgegeben worden war. Er hatte sich von der Unmglichkeit
berzeugt, die Colonisten zu unterwerfen, selbst als sie fast ganz ohne
fremde Hlfe waren. Daher konnte er wohl zweifeln, ob es ihm mglich
sein wrde, gegen sie zu kmpfen, wenn sie durch eine englische Armee
unter den Befehlen des grten lebenden Feldherrn untersttzt wurden.
Der unglckliche Frst schien seit einigen Tagen der Verzweiflung
gnzlich anheimgefallen. Auf Avaux machte die Gefahr einen ganz andren
Eindruck. Jetzt, dachte er, sei es Zeit, den Krieg zwischen den
Englndern und Irlndern in einen Vertilgungskrieg zu verwandeln und
jede Vereinigung der beiden Nationen unter eine Regierung fr immer
unmglich zu machen. In diesem Sinne unterbreitete er kaltbltig dem
Knige einen Vorschlag von fast unglaublicher Abscheulichkeit. Er sagte,
es msse eine zweite Bartholomusnacht veranstaltet werden. Ein Vorwand
dazu werde sich leicht finden lassen. Schomberg's Ankunft in Irland
werde ohne Zweifel in denjenigen sdlichen Stdten, deren Bevlkerung
berwiegend englisch sei, einige Aufregung hervorrufen, und jede
Ruhestrung, wo immer sie stattfinden mge, werde einen
Entschuldigungsgrund fr eine allgemeine Niedermetzelung der
Protestanten von Leinster, Munster und Connaught darbieten.[48] Da der
Knig im ersten Augenblicke keinen Abscheu vor diesem Rathe an den Tag
legte,[49] so kam der Gesandte einige Tage spter auf den Gegenstand
zurck und drang in Se. Majestt, die nthigen Befehle zu erlassen.
Jetzt aber erklrte Jakob mit einer Entschiedenheit, die ihm zur Ehre
gereichte, da nichts ihn vermgen werde, ein solches Verbrechen zu
begehen. Diese Leute sind meine Unterthanen, und ich kann nicht so
grausam sein, sie zu ermorden, whrend sie friedlich unter meiner
Regierung leben. -- Es liegt nichts Grausames in meinem Vorschlage,
entgegnete der gefhllose Diplomat. Eure Majestt sollte bedenken, da
Milde gegen die Protestanten Grausamkeit gegen die Katholiken ist. Doch
Jakob war nicht zu bewegen, und Avaux entfernte sich in sehr bler
Laune. Er war der Meinung, da die Humanittsuerungen des Knigs
erheuchelt seien und da Se. Majestt den Befehl zum allgemeinen
Gemetzel nur deshalb nicht gebe, weil er berzeugt sei, die Katholiken
im ganzen Lande wrden auch ohne einen solchen Befehl ber die
Protestanten herfallen.[50] Avaux irrte sich inde vollstndig. Da er
Jakob fr eben so unmoralisch hielt als er selbst war, kann nicht Wunder
nehmen. Unbegreiflich aber ist es, wie ein so kluger Mann vergessen
konnte, da Jakob und er ganz verschiedene Zwecke verfolgten. Das Ziel
der Politik des Gesandten war, England und Irland fr alle Zeiten zu
trennen. Das Ziel der Politik des Knigs war die Vereinigung England's
und Irland's unter seinem Scepter, und er mute nothwendig einsehen, da
wenn in drei Provinzen ein allgemeines Niedermetzeln der Protestanten
stattfnde und er in den Verdacht kme, es autorisirt, oder nur
stillschweigend geduldet zu haben, binnen vierzehn Tagen selbst in
Oxford kein Jakobit mehr am Leben sein wrde.[51]

Gerade in diesem Augenblicke begann der Horizont Jakob's, welcher
hoffnungslos trbe geschienen hatte, sich aufzuhellen. Die Gefahr, die
ihn zu Boden drckte, hatte das irische Volk aufgerttelt. Es hatte sich
sechs Monate frher wie ein Mann gegen die Sachsen erhoben. Die Armee,
welche Tyrconnel ins Leben gerufen, war im Verhltni zu der
Bevlkerung, der sie entnommen war, die grte, welche Europa je
gesehen. Aber diese Armee hatte eine lange Reihe von Niederlagen und
Unfllen erlitten, die durch keine einzige glnzende Waffenthat
aufgewogen wurden. In England wie auf dem Continent war man gewohnt,
diese Niederlagen und Unflle der Zaghaftigkeit des irischen
Volksstammes zuzuschreiben.[52] Da dies aber ein groer Irrthum war,
wird durch die Geschichte jedes Krieges, der seit fnf Generationen in
irgend einem Theile der Christenheit gefhrt worden ist, genugsam
bewiesen. Das rohe Material, aus dem eine gute Armee gebildet werden
kann, war unter den Irlndern in reichem Mae vorhanden. Avaux schrieb
seiner Regierung, da sie ein auffallend schner, groer und
wohlgebauter Menschenschlag seien, da sie persnlich tapfer, der Sache,
fr die sie kmpften, aufrichtig zugethan und gegen die Colonisten
heftig erbittert seien. Nachdem er ihre Kraft und ihren Muth gepriesen,
erklrte er, wie es zugehe, da sie bei all ihrer Kraft und ihrem Muthe
doch bestndig geschlagen wurden. Es sei ganz falsch, sagte er, wenn man
glaube, da persnliche Tapferkeit, physischer Muth oder patriotische
Begeisterung am Tage der Schlacht die Disciplin ersetzen knne. Die
Infanterie sei schlecht bewaffnet und schlecht eingebt, man liee sie
allenthalben wohin sie komme plndern, und so habe sie alle Gewohnheiten
von Banditen angenommen. Es befinde sich kaum ein einziger Offizier
darunter, der fhig wre, sie ihre Pflicht zu lehren. Ihre Obersten
seien zwar im allgemeinen Leute aus guter Familie, aber ohne
militrische Erfahrung. Die Hauptleute seien Metzger, Schneider oder
Schuhmacher, und nicht einer unter ihnen kmmere sich um den Comfort,
die Ausrstung und Einbung der Leute, denen er vorgesetzt sei. Die
Dragoner seien nicht viel besser als die Infanterie. Nur die Reiter
seien, mit wenigen Ausnahmen, vortrefflich. Fast alle irischen
Gentlemen, die einige militrische Erfahrung besen, bekleideten
Offiziersstellen in der Cavallerie, und durch die Bemhungen dieser
Offiziere seien einige Regimenter gebildet und einexercirt worden,
welche Avaux allen, die er je gesehen, gleichstellte. Es liege daher auf
der Hand, da die Untchtigkeit der Fusoldaten und der Dragoner nicht
den Fehlern des irischen Characters, sondern den Mngeln der irischen
Verwaltung zugeschrieben werden msse.[53]

Die Ereignisse, welche im Herbst des Jahres 1689 eintraten, bewiesen zur
Genge, da der vom Unglck verfolgte Volksstamm, den seine Feinde wie
seine Bundesgenossen allgemein mit ungerechter Geringschtzung
betrachteten, mit den von Armuth, Unwissenheit und Aberglauben
unzertrennlichen Fehlern einige vortreffliche Eigenschaften verband, die
man auch bei blhenderen und civilisirteren Nationen nicht immer findet.
Die schlimmen Nachrichten, welche Jakob in Angst und Verzweiflung
strzten, rttelten die ganze Bevlkerung der sdlichen Provinzen auf
wie der Ton der Schlachttrompete. Von allen Altren von dreiundzwanzig
Grafschaften wurde dem Volke verkndet, da Ulster verloren sei, da die
Englnder kmen und da der Kampf auf Leben und Tod zwischen den beiden
feindlichen Nationen bevorstehe. Es sei nur noch eine Hoffnung, und wenn
diese fehlschlge, bleibe nichts mehr brig als die despotische,
erbarmungslose Herrschaft der schsischen Colonie und der ketzerischen
Kirche. Der katholische Priester, der eben erst Pfarrhaus und Kanzel in
Besitz genommen, der katholische Squire, der so eben auf den Schultern
seiner jubelnden Pchter in die Halle seiner Vter getragen worden sei,
wrden vertrieben werden, um von dem Almosen zu leben, das die selbst
unterdrckten und verarmten Landleute ihnen gewhren knnten. Eine neue
Vermgensconfiscation wrde das Werk der Ansiedlungsacte vollenden und
die Anhnger Wilhelm's wrden Alles wegnehmen, was die Anhnger
Cromwell's verschont htten. Diese Befrchtungen riefen einen Ausbruch
patriotischer und religiser Begeisterung hervor, welcher den
unvermeidlichen Augenblick der Unterjochung auf einige Zeit hinausschob.
Avaux war erstaunt ber die Energie, welche die Irlnder unter so
niederdrckenden Verhltnissen an den Tag legten. Es war allerdings die
wilde und unbestndige Energie eines halbbarbarischen Volks; sie war
vorbergehend und oft irregeleitet; aber wenn auch vorbergehend und
irregeleitet, that sie doch Wunder. Der franzsische Gesandte mute
bekennen, da die Offiziere, ber deren Unbrauchbarkeit und Unthtigkeit
er so oft geklagt, ihre Lethargie pltzlich abgeschttelt htten. Die
Rekruten strmten zu Tausenden herbei, und die unter den Mauern von
Londonderry gelichteten Reihen waren bald wieder bervoll. Es wurden
groe Anstrengungen gemacht, um die Truppen zu bewaffnen und
einzukleiden, und nach dem kurzen Zeitraum von vierzehn Tagen bot Alles
einen neuen und erfreulichen Anblick dar.[54]


Entlassung Melfort's.

Die Irlnder verlangten vom Knige zum Lohn fr die energischen
Anstrengungen in seinem Interesse ein Zugestndni, das ihm durchaus
nicht angenehm war. Melfort's Unpopularitt hatte in einem solchen Grade
zugenommen, da er kaum noch seines Lebens sicher war, und er besa
keinen Freund, der ein Wort zu seinen Gunsten htte sprechen knnen. Die
Franzosen haten ihn. In jedem Briefe, der aus England oder Schottland
in Dublin ankam, wurde er als der bse Genius des Hauses Stuart
bezeichnet. Es war um seiner selbst willen nothwendig ihn zu entlassen.
Man fand einen ehrenvollen Ausweg. Er erhielt Befehl, sich nach
Versailles zu begeben, den Stand der Dinge in Irland dort darzulegen und
die franzsische Regierung um schleunige Zusendung eines Hlfscorps von
sechs- bis siebentausend Mann gedienter Infanterie zu bitten. Er legte
die Siegel nieder und sie wurden zur groen Freude der Irlnder den
Hnden eines Irlnders Sir Richard Nagle anvertraut, der sich als
Generalfiskal und als Sprecher des Hauses der Gemeinen hervorgethan
hatte. Melfort reiste unter dem Schutze der Dunkelheit ab, denn die Wuth
des Volks gegen ihn war so gro, da er sich am Tage nicht ohne Gefahr
in den Straen von Dublin zeigen konnte. Am andren Morgen verlie Jakob
seine Hauptstadt in entgegengesetzter Richtung, um Schomberg
entgegenzurcken.[55]


Schomberg landet in Ulster.

Schomberg war in Antrim gelandet. Die Streitmacht, die er mitbrachte,
berstieg nicht zehntausend Mann. Aber er erwartete, da die bewaffneten
Colonisten und die von Kirke commandirten Regimenter zu ihm stoen
wrden. Die Kaffeehauspolitiker von London waren fest berzeugt, da ein
solcher General mit einer solchen Armee die Insel rasch wiedererobern
werde. Leider aber zeigte es sich bald, da die ihm gewhrten Mittel fr
das Werk, das er durchzufhren hatte, bei weitem nicht hinreichten; den
greren Theil dieser Mittel verlor er bald durch eine Reihe
unvorhergesehener Unflle, und der ganze Feldzug war nichts als ein
langer Kampf seiner Klugheit und Entschlossenheit gegen die uerste
Tcke des Schicksals.


Carrickfergus genommen.

Er marschirte zuerst nach Carrickfergus. Diese Stadt wurde durch zwei
Regimenter Infanterie fr Knig Jakob vertheidigt. Schomberg bescho die
Mauern, und nachdem die Irlnder sich eine Woche gehalten hatten,
capitulirten sie. Er versprach sie ungehindert abziehen zu lassen; aber
es wurde ihm nicht leicht, sein Wort zu halten. Die Bewohner der Stadt
und Umgegend waren grtentheils Protestanten schottischer Abkunft. Sie
hatten whrend des kurzen Uebergewichts des eingebornen Stammes viel zu
leiden gehabt und brannten vor Begierde, fr die erduldeten Leiden Rache
zu ben. Sie rotteten sich zu zahlreichen Haufen zusammen und riefen,
da sie sich an die Capitulation nicht kehrten, sondern gercht sein
wollten. Von Worten gingen sie bald zu Schlgen ber. Die entwaffneten,
ausgezogenen und hin und her gestoenen Irlnder suchten Schutz bei den
englischen Offizieren und Soldaten. Mit Mhe gelang es Schomberg, dem
Blutvergieen vorzubeugen, indem er mit dem Pistol in der Hand durch die
Haufen der wthenden Colonisten sprengte.[56]

Von Carrickfergus marschirte Schomberg weiter nach Lisburn und von da
durch gnzlich verlassene Stdte und ber Ebenen, auf denen weder eine
Kuh, noch ein Schaf, noch ein Getreidefehm zu sehen war, nach
Loughbrickland. Hier stieen drei Regimenter Enniskillener zu ihm, deren
Kleidung, Pferde und Waffen einem an den Glanz von Revuen gewohnten Auge
wunderlich vorkamen, die aber an natrlichem Muthe keinen Truppen der
Welt nachstanden und die sich whrend mehrerer Monate bestndigen
Wachtdienstes und Scharmtzelns viele wesentliche Eigenschaften
regulrer Soldaten erworben hatten.[57]


Schomberg rckt weiter nach Leinster.

Schomberg setzte seinen Marsch durch eine Wste gegen Dublin fort. Die
wenigen noch im Sden von Ulster befindlichen irischen Truppen zogen
sich vor ihm zurck, indem sie Alles auf ihrem Wege zerstrten. Newry,
einst ein hbsch gebauter und wohlhabender protestantischer Flecken,
fand er als einen Haufen rauchender Trmmer. Carlingford war ebenfalls
zerstrt. Die Stelle, wo die Stadt einst gestanden, war nur noch durch
die massiven Ruinen des alten normnnischen Schlosses bezeichnet.
Diejenigen, welche es wagten, Ausflge aus dem Lager zu machen,
berichteten, da die Gegend, soweit sie dieselbe durchstreift htten,
eine Wildni sei. Es gbe wohl Htten, aber sie seien unbewohnt; es gebe
ppige Weiden, aber weder Rinder- noch Schafherden; es gebe
Getreidefelder, aber die Ernte liege, vom Regen durchnt, auf dem
Boden.[58]


Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander.

Whrend Schomberg durch eine unabsehbare Einde vorrckte, sammelten
sich die irischen Truppen rasch von allen Seiten. Am 10. September wurde
das knigliche Banner Jakob's auf dem Thurme von Drogheda entfaltet, und
unter demselben waren bald zwanzigtausend kampffhige Mnner versammelt,
die Infanterie im allgemeinen schlecht, die Cavallerie im allgemeinen
gut, beide aber voll Eifers fr ihr Vaterland und ihre Religion.[59] Die
Armee war wie gewhnlich von einem zahlreichen Tro Landvolk begleitet,
das mit Sensen, Halbpiken und Skeans bewaffnet war. Inzwischen hatte
Schomberg Dundalk erreicht. Die Entfernung zwischen beiden Heeren betrug
jetzt nicht mehr als einen starken Tagemarsch, und man erwartete daher
allgemein, da das Schicksal der Insel unverzglich durch eine offene
Schlacht entschieden werden wrde.

In beiden Lagern wnschten Alle, die vom Kriege nichts verstanden,
sehnlichst loszuschlagen, und die Wenigen, die sich eines hohen Rufes
militrischer Tchtigkeit erfreuten, waren in beiden Lagern gegen eine
Schlacht. Weder Rosen noch Schomberg wollten Alles auf einen Wurf
setzen. Beide kannten die Mngel ihrer Armee genau und keiner von ihnen
war ber die Mngel der Armee des Andren vollstndig unterrichtet. Rosen
wute sehr gut, da die irische Infanterie schlechter ausgerstet, mit
schlechteren Offizieren versehen und schlechter eingebt war, als irgend
eine Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum atlantischen
Ocean je gesehen, und er vermuthete, da die englischen Truppen gut
einexercirt und, was sie allerdings htten sein sollen, mit allem zu
einer erfolgreichen Thtigkeit Nthigem wohl versehen seien. Eine
numerische Uebermacht, urtheilte er sehr richtig, wrde gegen eine groe
Ueberlegenheit in der Waffenfhrung und Disciplin wenig ntzen. Er rieth
daher Jakob sich zurckzuziehen und lieber Dublin selbst dem Feinde
preiszugeben als eine Schlacht zu wagen, mit deren Verlust Alles
verloren sein wrde. Athlone sei der beste Platz im Knigreiche zu einem
entschlossenen Widerstande. Der Uebergang ber den Shannon knne so
lange vertheidigt werden, bis der Succurs, um den Melfort bitten solle,
aus Frankreich anlange, und dieser Succurs werde den ganzen Character
des Kriegs ndern. Aber die Irlnder, mit Tyrconnel an der Spitze, waren
einmthig gegen den Rckzug. Das Blut der ganzen Nation war in Ghrung.
Jakob freute sich ber die Begeisterung seiner Unterthanen und erklrte
auf das Bestimmteste, da er nicht die Schmach auf sich laden werde,
seine Hauptstadt dem Feinde ohne Schwertstreich zu berlassen.[60]


Schomberg lehnt eine Schlacht ab.

Binnen wenigen Tagen zeigte es sich klar, da Schomberg beschlossen
hatte, nicht loszuschlagen, und seine Grnde waren gewichtig. Er hatte
zwar einige gute hollndische und franzsische Truppen, und auch die
Enniskillener, die sich ihm angeschlossen, hatten eine militrische
Lehrzeit bestanden, wenn auch nicht in der regelrechtesten Weise. Die
groe Masse seiner Armee aber bestand aus englischen Landleuten, welche
eben erst aus ihren Htten kamen. Seine Musketiere hatten noch zu
lernen, wie sie ihre Gewehre laden muten, seine Dragoner hatten noch zu
lernen, wie sie mit ihren Pferden umgehen muten, und diese unerfahrenen
Soldaten waren zum grten Theil von Offizieren befehligt, welche eben
so unerfahren waren als sie selbst. Seine Truppen waren daher im
allgemeinen den irischen in der Disciplin nicht berlegen, und standen
ihnen an Zahl weit nach. Ja er berzeugte sich sogar, da seine Soldaten
eben so schlecht bewaffnet, eben so schlecht logirt und eben so schlecht
gekleidet waren, als die ihnen gegenberstehenden Celten.


Betrgereien des englischen Kriegscommissariats.

Der Reichthum der englischen Nation und die freigebigen Beschlsse des
englischen Parlaments hatten ihn zu der Erwartung berechtigt, da er mit
allem Kriegsbedarf reichlich versehen werden wrde. Aber er sah sich
bitter getuscht. Die Verwaltung war seit Oliver's Tode fortwhrend
unvernnftiger und verderbter geworden, und jetzt erntete die Revolution
was die Restauration geset hatte. Ein Heer nachlssiger oder
habschtiger Beamter, unter Karl und Jakob gebildet, plnderte die
Armeen und die Flotten Wilhelm's aus, lie sie darben und vergiftete
sie. Der Erste unter diesen Leuten war Heinrich Shales, der unter der
vorigen Regierung Generalcommissar des Lagers bei Hounslow gewesen war.
Man kann die neue Regierung kaum tadeln, da sie ihn auf seinem Posten
lie, denn seine Erfahrung in dem ihm anvertrauten Verwaltungszweige
bertraf bei weitem die jedes andren Englnders. Leider aber hatte er,
in der nmlichen Schule, in der er seine Erfahrungen gesammelt, auch die
ganze Kunst des Veruntreuens erlernt. Das Rindfleisch und der
Branntwein, welche er lieferte, waren so schlecht, da die Soldaten sich
davor ekelten; die Zelte waren verfault, die Bekleidung unzureichend,
die Musketen zerbrachen beim Gebrauch. Groe Massen Schuhe waren der
Regierung in Rechnung gestellt, aber zwei Monate nachdem der Schatz sie
bezahlt, waren sie noch nicht in Irland angekommen. Mittel zum Transport
des Gepcks und der Artillerie fehlten fast ganz. Eine groe Menge
Pferde waren mit ffentlichem Gelde in England angekauft und an die Ufer
des Dee geschickt worden. Aber Shales hatte sie zur Erntearbeit an die
Landwirthe von Cheshire vermiethet, hatte den Miethertrag in seine
Tasche gesteckt, und hatte es den Truppen in Ulster berlassen sich
fortzuhelfen so gut sie konnten.[61] Schomberg war der Meinung, da,
wenn er mit einer schlecht disciplinirten und schlecht ausgersteten
Armee eine Schlacht wagte, er nicht unwahrscheinlich geschlagen werden
wrde, und er wute, da eine Niederlage den Verlust eines Knigreichs,
vielleicht den Verlust dreier Knigreiche nach sich ziehen konnte. Er
beschlo daher, in der Defensive zu verharren, bis seine Leute eingebt
und Verstrkungen und Zufuhren angelangt sein wrden.

Er verschanzte sich bei Dundalk dergestalt, da er nicht gezwungen
werden konnte, gegen seinen Willen zu kmpfen. Jakob, ermuthigt durch
die Zurckhaltung seines Gegners, rckte, die Rathschlge Rosen's nicht
beachtend, gegen Ardee vor, erschien an der Spitze der ganzen irischen
Armee vor den englischen Linien, stellte Reiterei, Fuvolk und
Artillerie in Schlachtordnung auf, und entfaltete sein Banner. Die
Englnder htten gar zu gern losgeschlagen. Aber der Entschlu ihres
Generals stand fest und konnte weder durch das prahlerische Gebahren des
Feindes, noch durch das Murren seiner eignen Soldaten erschttert
werden. So blieb er einige Wochen sicher hinter seinen Schutzwllen,
whrend die Irlnder wenige Meilen davon lagen. Er sorgte nun eifrig fr
Einbung der Rekruten, aus denen seine Armee zum grten Theil bestand.
Seine Musketiere muten sich bestndig im Schieen ben, bald nach der
Scheibe, bald in Pelotons, und die Art und Weise, wie sie sich anfangs
dabei benahmen, bewies deutlich, da er sehr wohl daran gethan, sie
nicht zum Kampfe zu fhren. Es stellte sich heraus, da von vier
englischen Soldaten noch nicht einer sein Gewehr ordentlich zu behandeln
verstand, und wenn es gelang, dasselbe aufs Gerathewohl abzufeuern,
glaubte Wunder was er Groes vollbracht habe.


Verschwrung unter den in englischen Diensten stehenden franzsischen
Truppen.

Whrend der Herzog so seine Zeit anwendete, gafften die Irlnder sein
Lager an, ohne einen Angriff auf dasselbe zu wagen. Bald aber tauchten
in diesem Lager zwei Uebel auf, welche gefhrlicher waren als der Feind:
Verrath und Krankheit. Zu den besten Truppen, die er commandirte,
gehrten die franzsischen Verbannten. Jetzt entstanden sehr ernste
Zweifel an ihrer Treue. Den wirklichen hugenottischen Refugis konnte
allerdings unbedingtes Vertrauen geschenkt werden. Der Widerwille, mit
dem der eifrigste englische Protestant das Haus Bourbon und die rmische
Kirche betrachtete, war ein laues Gefhl im Vergleich zu dem
unauslschlichen Hasse, der in der Brust des verfolgten, mit
Einquartierung gequlten, aus seinem Vaterlande vertriebenen Calvinisten
des Languedoc glhte. Die Irlnder hatten schon bemerkt, da die
franzsischen Ketzer niemals Pardon weder gaben noch annahmen.[62] Jetzt
aber zeigte es sich, da mit diesen Emigranten, die dem reformirten
Glauben Alles aufgeopfert hatten, Emigranten ganz andrer Art vermischt
waren, Deserteurs, welche in den Niederlanden ihrer Fahne entlaufen
waren und ihr Verbrechen dadurch bemntelt hatten, da sie vorgaben, sie
seien Protestanten und ihr Gewissen gestatte ihnen nicht, fr den
Verfolger ihrer Kirche zu kmpfen. Einige von diesen Leuten setzten sich
in der Hoffnung, durch einen zweiten Verrath Verzeihung und zugleich
Belohnung zu erlangen, mit Avaux in Correspondenz. Die Briefe wurden
jedoch aufgefangen und ein furchtbares Complot ans Licht gebracht. Es
stellte sich heraus, da, wenn Schomberg schwach genug gewesen wre, dem
Andringen Derer, welche eine offene Schlacht wnschten, nachzugeben,
mehrere franzsische Compagnien in der Hitze des Gefechts auf die
Englnder gefeuert haben und zum Feinde bergegangen sein wrden. Ein
solcher Abfall wrde auch in einer besseren Armee als die bei Dundalk
lagernde, einen allgemeinen Schrecken hervorgerufen haben. Hier mute
mit Strenge verfahren werden. Sechs von den Verschwrern wurden
aufgehngt, und zweihundert ihrer Mitschuldigen in Eisen nach England
zurckgeschickt. Selbst nach dieser Ausmerzung wurden die Refugis von
der brigen Armee noch lange mit zwar ungerechtem, aber nicht
unnatrlichem Argwohn betrachtet. Einige Tage lang hatte man sogar allen
Grund zu frchten, der Feind werde mit dem Schauspiele eines blutigen
Kampfes zwischen den englischen Soldaten und ihren franzsischen
Verbndeten unterhalten werden.[63]


Pestilenz in der englischen Armee.

Einige Stunden vor der Hinrichtung der Hauptrdelsfhrer wurde eine
allgemeine Musterung der Armee vorgenommen, und man sah, da die Reihen
der englischen Bataillone stark gelichtet waren. Viel Kranke hatte es
vom ersten Tage des Feldzugs an unter den Rekruten gegeben, aber erst
zur Zeit des Aequinoctiums nahm die Sterblichkeit in beunruhigendem Mae
zu. Die Herbstregen sind in Irland gewhnlich stark, dieses Jahr aber
waren sie strker als sonst, das ganze Land war berschwemmt, und das
Lager des Herzogs wurde ein frmlicher Sumpf. Die Enniskillener waren an
das Klima gewhnt, und die Hollnder waren gewohnt in einem Lande zu
leben, das, wie ein Witzling der damaligen Zeit sagte, funfzig Fu
Wasser zieht. Sie hielten ihre Lagerhtten trocken und reinlich und sie
hatten erfahrene, aufmerksame Offiziere, welche die Unterlassung keiner
Vorsicht duldeten. Die Landleute von Yorkshire und Derbyshire aber
hatten weder Constitutionen, welche dem verderblichen Einflusse zu
widerstehen vermochten, noch verstanden sie es, sich gegen denselben zu
schtzen. Die schlechten Lebensmittel, welche das Commissariat lieferte,
verschlimmerte die durch die klimatischen Verhltnisse erzeugten
Krankheiten. An Heilmitteln fehlte es fast ganz, Aerzte waren nur wenige
vorhanden, und die Arzneiksten enthielten nicht viel mehr als Charpie
und Wundpflaster. Die Englnder erkrankten und starben zu Hunderten.
Selbst Diejenigen, welche nicht von der Seuche ergriffen wurden, waren
entkrftet und muthlos und erwarteten, anstatt die Energie zu entfalten,
welche das Erbtheil unsrer Nation ist, mit der hlflosen Apathie von
Asiaten ihr Schicksal. Umsonst versuchte Schomberg sie zu lehren, wie
sie ihre Quartiere verbessern und den feuchten Erdboden, auf dem sie
lagen, mit einem dicken Teppich von Farrnkrutern bedecken konnten.
Krperliche Anstrengung war ihnen noch schrecklicher geworden als selbst
der Tod. Es stand nicht zu erwarten, da Leute, die sich selbst nicht
helfen konnten, einander gegenseitig helfen wrden. Niemand beanspruchte
und Niemand bezeigte Theilnahme. Die Vertrautheit mit grauenvollen
Scenen erzeugte eine Gefhllosigkeit und eine verzweifelte
Gottlosigkeit, die selbst in der Geschichte ansteckender Krankheiten so
leicht nicht ihres Gleichen haben drften. Das Schmerzensgesthn der
Kranken wurde durch die Flche und unzchtigen Reden ihrer Kameraden
bertubt. Zuweilen konnte man auf dem Leichname eines am Morgen
gestorbenen Unglcklichen einen andren Unglcklichen sitzen sehen, der
die kommende Nacht nicht mehr erleben konnte und der fluchend und
Schandlieder singend auf die Gesundheit des Teufels Branntwein trank.
Wenn die Leichen weggetragen wurden, um begraben zu werden, murrten die
Ueberlebenden. Ein Todter, sagten sie, sei eine gute Decke und ein guter
Stuhl. Warum sollten die Leute, wenn ein so reichlicher Vorrath eines so
ntzlichen Mbels vorhanden sei, der kalten Luft ausgesetzt und
genthigt sein, sich auf die nasse Erde zu legen?[64]

Viele Kranke wurden von den englischen Schiffen, welche nahe der Kste
lagen, nach Belfast gebracht, wo ein groes Hospital errichtet war. Aber
kaum die Hlfte von ihnen erlebte das Ende der Reise. Mehr als ein
Schiff lag lange in der Bai von Carrickfergus, angefllt mit Leichen und
den Geruch des Todes ausstrmend, ohne ein lebendes, Wesen an Bord.[65]

Die irlndische Armee hatte viel weniger zu leiden. Der Kerne von
Munster oder Connaught befand sich im Lager ganz eben so wohl als wre
er in seiner eignen Lehmhtte gewesen und htte die Dnste seines
heimathlichen Sumpfes eingeathmet. Natrlich freute er sich ber das
Elend der schsischen Ketzer und hoffte, da sie ohne einen
Schwertstreich zu Grunde gehen wrden. Mit Entzcken hrte er den ganzen
Tag die Salven, welche ber den Grbern der englischen Offiziere
knatterten, bis endlich die Begrbnisse zu zahlreich wurden, als da sie
noch mit militrischem Pomp htten begangen werden knnen, und auf die
schauerlichen Tne ein noch schauerlicheres Schweigen folgte.

Die Ueberlegenheit an Streitkrften war jetzt so entschieden auf Seiten
Jakob's, da er es unbedenklich wagen konnte, fnf Regimenter von seiner
Armee zu detachiren und nach Connaught zu senden. Sarsfield befehligte
dieselben. Er stand allerdings nicht so hoch in der Achtung des Knigs,
als er es verdiente. Der Knig erklrte ihn mit einer Miene geistiger
Ueberlegenheit, welche Avaux und Rosen ein spttisches Lcheln
abgezwungen haben mu, fr einen wackeren Burschen, der aber sehr
stiefmtterlich mit Verstand bedacht sei. Nur mit groer Mhe bewog der
Gesandte Se. Majestt dazu, den besten Offizier der irischen Armee zum
Range eines Brigadiers zu befrdern. Sarsfield rechtfertigte jetzt
vollkommen die vortheilhafte Meinung, die sich seine franzsischen
Gnner von ihm gebildet hatten. Er vertrieb die Englnder aus Sligo und
sicherte mit gutem Erfolg Galway, das in ernster Gefahr gewesen war.[66]

Auf die englischen Verschanzungen vor Dundalk wurde jedoch kein Angriff
gemacht. Inmitten der sich stndlich mehrenden Schwierigkeiten und
Unflle zeigten sich die glnzenden Eigenschaften Schomberg's immer
deutlicher. Nicht im vollen Strome des Glcks, nicht auf dem
Schlachtfelde von Montes Claros, nicht unter den Mauern von Mastricht
hatte er die Bewunderung der Menschheit so wohl verdient. Seine
Entschlossenheit wankte nie; seine Umsicht schlummerte nie; trotz
vielfacher Verdrlichkeiten und Provocationen war er stets froher und
heiterer Laune. Der Effectivbestand seiner Mannschaften, selbst wenn man
alle die, welche nicht am Fieber darnieder lagen, als effectiv
mitrechnete, berstieg jetzt nicht mehr fnftausend. Diese waren kaum
noch dem gewhnlichen Dienste gewachsen, und sie muten jetzt zu
doppelten Dienstleistungen angetrieben werden. Dessenungeachtet traf der
alte Mann seine Dispositionen so meisterhaft, da er mit diesen geringen
Streitkrften mehrere Wochen lang einer von einer Menge bewaffneter
Banditen begleiteten Truppenmacht von zwanzigtausend Mann die Spitze
bot.


Die englische und die irische Armee beziehen ihre Winterquartiere.

Zu Anfang des November zerstreuten sich endlich die Irlnder und begaben
sich in ihre Winterquartiere. Der Herzog brach nun ebenfalls sein Lager
ab und zog sich nach Ulster zurck. In dem Augenblicke als die letzten
Reste seiner Armee sich in Bewegung setzen sollten, verbreitete sich das
Gercht, da der Feind in bedeutender Strke heranrcke. Htte dieses
Gercht auf Wahrheit beruht, so wre die Gefahr sehr gro gewesen.
Obgleich aber die englischen Regimenter auf den dritten Theil ihrer
Vollzhligkeit zusammengeschmolzen waren und obgleich die Leute, die
sich noch am wohlsten befanden, kaum das Gewehr zu schultern vermochten,
so legten sie doch bei der Aussicht auf eine Schlacht eine
auerordentliche Freude und Munterkeit an den Tag und schwuren, da die
Papisten fr alles Elend der letzten Monate bezahlen sollten. Wir
Englnder, sagte Schomberg, sich heiter mit der Nation des Landes, das
ihn adoptirt hatte, identificirend, wir Englnder sind immer
kampflustig; schade da wir nicht eben so viel Lust zu einigen anderen
Zweigen des Soldatenhandwerks haben.

Der Alarm erwies sich als grundlos. Die Armee des Herzogs zog
unbelstigt ab, aber die Strae, auf der sie dahin marschirte, bot einen
eben so beklagenswerthen als abschreckenden Anblick dar. Ein langer Zug
von mit Kranken beladener Wagen bewegte sich langsam ber das holprige
Pflaster. Bei jedem Stoe gab ein Unglcklicher den Geist auf und der
Leichnam wurde hinausgeworfen und unbeerdigt den Fchsen und Krhen
preisgegeben. Die Gesammtzahl Derer, welche im Lager vor Dundalk, im
Hospital von Belfast, auf der Strae und auf der See starben, belief
sich auf mehr als sechstausend Mann. Die Ueberlebenden wurden fr den
Winter in den Stdten und Drfern von Ulster untergebracht. Der General
nahm sein Hauptquartier in Lisburn.[67]


Verschiedene Meinungen ber Schomberg's Verfahren.

Sein Verfahren wurde verschieden beurteilt. Einsichtsvolle und
aufrichtige Mnner sagten, er habe sich selbst bertroffen und es gebe
keinen zweiten Feldherrn in Europa, der, mit ungebten Truppen,
unwissenden Offizieren und sprlichen Vorrthen, zu gleicher Zeit gegen
ein feindliches Heer von groer Uebermacht, gegen ein betrgerisches
Commissariat, gegen ein Nest von Verrthern im eignen Lager und gegen
eine Krankheit, mrderischer als das Schwert, ankmpfend, den Feldzug
ohne Verlust einer Fahne oder einer Kanone zu Ende gefhrt haben wrde.
Auf der andren Seite murrten viele von den neuernannten Majors und
Hauptleuten, deren Unerfahrenheit seine Verlegenheiten vermehrt hatte
und die keine andre Qualification fr ihren Posten besaen als
persnliche Tapferkeit, ber die Geschicklichkeit und Geduld, die sie
vom Untergang gerettet. Ihre Beschwerden fanden jenseit des St.
Georgskanals Wiederhall. Zum Theil war das Murren, wenn auch ungerecht,
doch zu entschuldigen. Den Eltern, die einen tapfern Sohn in seiner
ersten Uniform geschickt hatten, damit er sich den Weg zum Ruhm
erkmpfe, konnte man es wohl verzeihen, wenn ihr Schmerz sie zur
Heftigkeit und Unbilligkeit hinri, als sie erfuhren, da der
unglckliche Jngling auf einem Bund Stroh ohne rztlichen Beistand
gestorben und ohne religise oder militrische Ceremonie in einem Sumpfe
begraben worden war. Aber in den Weheruf verwaister Familien mischte
sich ein andres minder achtungswerthes Geschrei. Alle Die, welche gern
Neuigkeiten hrten und wiedererzhlten, schmhten den General, der ihnen
so wenig Neuigkeiten zu hren und zu erzhlen gab. Diese Art Leute haben
eine solche Sucht nach Aufregung, da sie viel eher einem Feldherrn
verzeihen, der eine Schlacht verliert, als einem, der eine Schlacht
ablehnt. Die Politiker, welche ihre Orakelsprche im dicksten
Tabaksrauche bei Garroway von sich gaben, fragten, ohne weder vom Kriege
im allgemeinen noch von dem irischen Kriege im besondern das Geringste
zu verstehen, sehr ernsthaft, warum Schomberg denn nicht losschlage. Da
er sein Handwerk nicht verstehe, wagten sie nicht zu sagen. Er sei ohne
Zweifel ein vortrefflicher Offizier, aber er sei sehr alt. Er trage die
Last seiner Jahre zwar mit Ehren, aber seine Geisteskrfte seien nicht
mehr das was sie frher gewesen; sein Gedchtni werde schwach und
Jedermann wisse, da er zuweilen am Nachmittag vergessen habe, was er am
Vormittag gethan. Es drfte wohl schwerlich je einen Menschen gegeben
haben, dessen Geist im achtzigsten Lebensjahre noch eben so frisch und
lebendig gewesen wre als im vierzigsten; da aber Schomberg's
Geisteskrfte durch die Jahre wenig geschwcht waren, das beweisen zur
Genge seine Depeschen, welche noch existiren und Muster von officieller
Schreibweise sind: abgerundet, klar, voll bedeutender Facta und
gewichtiger Grnde und in die mglichst geringe Wortzahl
zusammengedrngt. In diesen Depeschen spielt er zuweilen, nicht hmisch,
sondern mit ruhiger Verachtung, auf den Tadel an, den sein Verhalten von
Seiten hohler Schwtzer, die in ihrem Leben keine wichtigere
militrische Operation als das Ablsen der Wache in Whitehall gesehen
und die sich einbildeten, es sei nichts leichter als in jeder Lage und
gegen jede Uebermacht groe Siege zu erkmpfen, sowie von Seiten
vierschrtiger Patrioten erfahren, welche berzeugt seien, da ein
einziger englischer Fuhrmann oder Drescher, der noch nicht gelernt habe,
ein Gewehr zu laden oder eine Pike zu tragen, es mit fnf Musketieren
von Knig Ludwig's Haustruppen aufnehmen knne.[68]


Marineangelegenheiten.

So unbefriedigend die Resultate des Feldzugs in Irland gewesen waren,
die Ergebnisse der Seeoperationen dieses Jahres waren noch weniger
befriedigend. Man hatte zuversichtlich erwartet, da zur See England im
Bunde mit Holland der Macht Ludwig's mehr als ebenbrtig sein werde;
allein es ging Alles unglcklich. Herbert war nach dem unbedeutenden
Scharmtzel in der Bantrybai mit seinem Geschwader nach Portsmouth
zurckgekehrt. Hier sah er, da er die gute Meinung weder des Publikums
noch der Regierung verloren hatte. Das Haus der Gemeinen dankte ihm fr
seine Dienste und er erhielt sprechende Beweise von der Gunst der Krone.
Er war nicht bei der Krnung gewesen und hatte daher keinen Theil an den
Belohnungen gehabt, welche bei Gelegenheit dieser Feierlichkeit unter
die Hauptactoren der Revolution vertheilt worden waren. Dies wurde jetzt
nachgeholt und er zum Earl von Torrington erhoben. Der Knig begab sich
nach Portsmouth, speiste an Bord des Admiralschiffes, sprach sein
vollstes Vertrauen zu der Tapferkeit und Loyalitt der Flotte aus,
schlug zwei tchtige Kapitains, Cloudesley Shovel und Johann Ashby, zu
Rittern und lie ein Geschenk unter die Mannschaften vertheilen.[69]


Torrington's schlechte Verwaltung.

Wir knnen Wilhelm keinen begrndeten Vorwurf deshalb machen, da er
eine hohe Meinung von Torrington hatte, denn Torrington galt allgemein
fr einen der tapfersten und geschicktesten Offiziere der Flotte. Jakob,
der die Marineangelegenheiten besser verstand als irgend etwas Andres,
hatte ihn zum Contreadmiral von England befrdert. Diesen Posten, wie
noch andere eintrgliche Stellen hatte Torrington aufgegeben, als er
sah, da er sie nur behalten konnte, wenn er sich zum Werkzeug der
jesuitischen Cabale hergab. Niemand hatte eine thtigere, gewagtere und
ntzlichere Rolle in der Revolution gespielt als er. Daher schien
Niemand gegrndeteren Anspruch darauf zu haben, an die Spitze der
Marineverwaltung gestellt zu werden. Und doch eignete sich Niemand
weniger fr einen solchen Posten. Seine Moralitt war stets locker, ja
so locker gewesen, da die Festigkeit, mit der er unter der vorigen
Regierung seinem Glauben treu blieb, groes Erstaunen erregt hatte.
Seine ruhmvolle Ungnade schien zwar einen heilsamen Einflu auf seinen
Character ausgebt zu haben, denn in seiner Armuth und Verbannung erhob
sich der Wstling zu einem Helden. Sobald aber das Glck wiederkehrte,
sank der Held wieder zum Wstling herab, und dieser Fall war tief und
hoffnungslos. Die Fden seines Geistes, welche auf kurze Zeit straffer
angespannt gewesen, waren jetzt durch das Laster dermaen erschlafft,
da er zur Selbstverleugnung oder zu einer angestrengten Thtigkeit
vollkommen unfhig war. Den rohen Muth des Seemanns besa er wohl noch,
aber als Admiral wie als erster Lord der Admiralitt war er durchaus
ungengend. Monat auf Monat lag die Flotte, welche der Schrecken der
Meere htte sein sollen, unthtig im Hafen, whrend er sich in London
amsirte. Die Matrosen gaben ihm in spttelnder Anspielung auf seinen
neuen Titel den Namen Tarry-in-town.[70] Als er endlich an Bord kam, war
er von einem Schwarme von Courtisanen begleitet. Es gab kaum eine Stunde
des Tages wie der Nacht, wo er frei von den Dnsten des Claret gewesen
wre. Sein unersttlicher Hang zum Vergngen machte ihn naturgem auch
unersttlich nach Reichthum. Doch liebte er die Schmeichelei fast eben
so sehr als Reichthum und Vergngen. Er war seit langer Zeit gewohnt,
von seinen Untergebenen die kriechendsten Huldigungen zu verlangen. Sein
Admiralschiff war ein kleines Versailles. Er erwartete, da seine
Kapitains sich sowohl des Abends, wenn er zu Bett ging, als auch des
Morgens beim Aufstehen in seiner Kajte versammelten; ja er lie sich
sogar von ihnen ankleiden. Der Eine kmmte ihm seine wallende Perrcke,
ein Andrer stand mit dem gestickten Rocke bereit. Unter einem solchen
Befehlshaber konnte von Disciplin nicht die Rede sein. Seine Theerjacken
verbrachten ihre Zeit in Saus und Braus unter dem Pbel von Portsmouth,
und diejenigen Offiziere, die sich durch Servilitt und Speichelleckerei
seine Gunst erworben hatten, erhielten leicht Urlaub und blieben
wochenlang in London, wo sie in den Wirthshusern schwelgten, durch die
Straen schlenderten oder den maskirten Damen im Theater den Hof
machten. Die Proviantlieferanten merkten bald, mit wem sie es zu thun
hatten und schickten der Flotte Fsser Fleisch, das kein Hund angerhrt
haben wrde, und Tonnen Bier, das schlimmer roch als fauliges Wasser.
Whrenddem war der britische Kanal den franzsischen Seerubern
preisgegeben. Unsere Kauffahrteischiffe wurden angesichts der Wlle von
Plymouth gekapert; die Zuckerflotte aus Westindien verlor sieben
Schiffe. Der Gesammtwerth der Prisen, welche in unmittelbarer Nhe
unsrer Insel von den Kreuzern des Feindes weggenommen wurden, whrend
Torrington sich mit seiner Flasche und seinem Harem beschftigte, wurde
auf sechsmalhunderttausend Pfund Sterling geschtzt. Das Geleit eines
Kriegsschiffes war, auer wenn man groe Summen auf Bestechung
verwendete, so schwer zu erlangen, da unsere Kaufleute sich gezwungen
sahen, zu diesem Zwecke hollndische Kaper zu miethen, die sie weit
ntzlicher und minder geldgierig fanden, als die Offiziere unsrer eignen
kniglichen Flotte.[71]


Die festlndischen Angelegenheiten.

Das einzige Departement, an dem sich nichts aussetzen lie, war das der
Auswrtigen Angelegenheiten. Hier war Wilhelm sein eigner Minister, und
wo er sein eigner Minister war, da gab es keine Verzgerungen, keine
Migriffe, keine Betrgereien und Verrthereien. Die Schwierigkeiten,
mit denen er zu kmpfen hatte, waren jedoch gro. Selbst im Haag stie
er auf einen Widerstand, den seine ganze Klugheit und Festigkeit,
untersttzt durch Heinsius' krftigen Beistand, kaum zu bewltigen
vermochte. Die Englnder ahneten nicht, da, whrend sie ber die
Parteilichkeit ihres Souverains fr sein Geburtsland murrten, eine
starke Partei in Holland ber seine Parteilichkeit fr sein
Adoptivvaterland murrte. Die hollndischen Gesandten zu Westminster
beschwerten sich darber, da die Allianzbedingungen welche er
vorschlug, erniedrigend fr die Wrde und nachtheilig fr die Interessen
der Republik seien, da er berall wo die Ehre der englischen Flagge ins
Spiel komme, bertrieben streng und obstinat sei; da er peremtorisch
auf einem Artikel bestehe, der allen Handelsverkehr mit Frankreich
verbiete und der an der amsterdamer Brse schmerzlich empfunden werden
msse; da er, als sie die Hoffnung ausgesprochen, da die
Navigationsacte aufgehoben werden wrde, in ein Gelchter ausgebrochen
sei und ihnen gesagt habe, daran sei nicht zu denken. Er setzte alle
seine Bedingungen durch und es wurde ein feierlicher Vertrag
geschlossen, durch den England und der batavische Bund sich
verpflichteten, fest zu einander gegen Frankreich zu halten und nur mit
beiderseitigem Einverstndni Frieden zu schlieen. Aber einer der
hollndischen Bevollmchtigten erklrte, da er frchte, dereinst als
Verrther betrachtet zu werden, weil er soviel zugestanden habe, und die
Unterschrift eines andren verrieth deutlich, da sie mit vor innerer
Bewegung zitternder Hand geschrieben worden war.[72]

Inzwischen war unter Wilhelm's geschickter Leitung ein Allianzvertrag
zwischen den Generalstaaten und dem Kaiser geschlossen worden. Spanien
und England traten diesem Tractate bei, und so waren die vier
Gromchte, welche schon lngst durch ein freundschaftliches
Einverstndni mit einander verbunden gewesen, durch einen frmlichen
Vertrag an einander gekettet.[73]

Bevor aber dieser frmliche Vertrag unterzeichnet und besiegelt war,
standen alle contrahirenden Theile unter den Waffen. Zu Anfang des
Jahres 1689 wthete der Krieg ber dem ganzen Kontinent vom Hmus bis zu
den Pyrenen. Das von allen Seiten zu gleicher Zeit angegriffene
Frankreich vertheidigte sich auf allen Seiten nachdrcklich, und seine
trkischen Alliirten gaben einer groen deutschen Truppenmacht in
Serbien und Bulgarien vollauf zu thun. Im Ganzen genommen waren die
Resultate der militrischen Operationen des Sommers den Verbndeten
nicht ungnstig. Jenseit der Donau erfochten die Christen unter dem
Prinzen Ludwig von Baden eine Reihe von Siegen ber die Muselmnner. In
den Gebirgen von Roussillon kmpften die franzsischen Truppen ohne
irgend einen entscheidenden Vortheil gegen das kriegerische Landvolk
Cataloniens. Eine deutsche Armee unter Anfhrung des Kurfrsten von
Baiern hielt das Erzbisthum Cln besetzt. Eine andre wurde von Karl,
Herzog von Lothringen, befehligt, einem Frsten, der, nachdem die Waffen
Frankreich's ihn aus seinen Landen vertrieben, ein Soldat des Zufalls
geworden war und als solcher sowohl Auszeichnung erlangt als auch Rache
gebt hatte. Er marschirte gegen die Verwster der Pfalz, zwang sie sich
ber den Rhein zurckzuziehen und nahm nach einer langen Belagerung die
wichtige und stark befestigte Stadt Mainz.

Zwischen der Sambre und der Maas standen die Franzosen unter Anfhrung
des Marschalls Humieres den Hollndern gegenber, welche der Frst von
Waldeck commandirte, ein Offizier, der den Generalstaaten lange mit
Treue und Umsicht, wenn auch nicht immer mit besonderem Glck gedient
hatte und den Wilhelm sehr hoch schtzte. Unter Waldeck's Befehlen
diente Marlborough, dem Wilhelm eine aus den besten Regimentern der
alten Armee Jakob's bestehende englische Brigade anvertraut hatte. Der
Zweite nach Marlborough im Commando wie auch in militrischer
Geschicklichkeit war Thomas Talmash, ein wackerer Soldat, aber zu einem
Schicksale bestimmt, dessen man sich nicht ohne Beschmung und Unwillen
erinnern kann.


Gefecht bei Walcourt.

Es kam zwischen der Armee Waldecks und der Armee Humieres' zu keiner
allgemeinen Schlacht; aber in einer Reihe von Gefechten war der Vortheil
auf Seiten der Verbndeten. Das bedeutendste von diesen Gefechten fand
am 5. August bei Walcourt statt. Die Franzosen griffen einen von der
englischen Brigade vertheidigten Vorposten an, wurden aber nachdrcklich
zurckgeschlagen, und muten sich mit Verlust einiger Feldstcke und
mehr als sechshundert Todten zurckziehen. Marlborough benahm sich bei
dieser wie bei jeder hnlichen Gelegenheit als ein tapferer und
geschickter Offizier. Die von Talmash commandirten Coldstreamgarden und
das Regiment, welches jetzt das 16. der Linie heit, unter dem Commando
des Obersten Robert Hodges, zeichneten sich besonders aus. Auch das
Regiment Royal, das wenige Monate frher in Ipswich die Fahne der
Emprung aufgepflanzt, bewies an diesem Tage, da Wilhelm eben so weise
als gromthig gehandelt hatte, indem er dieses schwere Vergehen
vollstndig verzieh. Das Zeugni, welches Waldeck in seinen Depeschen
dem tapferen Benehmen der Insulaner ausstellte, wurde von ihren
Landsleuten mit Entzcken gelesen. Das Gefecht war zwar nichts weiter
als ein Scharmtzel, aber ein heies und blutiges Scharmtzel. Seit
Menschengedenken hatte kein so ernster Zusammensto zwischen Englndern
und Franzosen stattgefunden, und unsere Vorfahren waren natrlich nicht
wenig stolz, als sie sahen, da viele Jahre der Unthtigkeit und
Vasallenschaft den Muth der Nation nicht geschwcht zu haben
schienen.[74]


Anschuldigungen gegen Marlborough.

Die Jakobiten fanden jedoch in dem Verlaufe des Feldzugs reichen Stoff
zu Schmhungen. Marlborough war, nicht ohne Grund, der Gegenstand ihres
erbittertsten Hasses. An seinem Benehmen auf dem Schlachtfelde konnte
selbst die Bswilligkeit wenig auszusetzen finden; andere Seiten seines
Verhaltens aber boten dem bsen Leumund ein ergiebiges Feld dar. Der
Geiz ist selten das Laster eines jungen Mannes, und eben so selten das
eines groen Mannes; Marlborough aber war einer von den Wenigen, die das
Geld in der Blthe der Jugend mehr als Wein oder Weiber, und auf dem
Gipfel der Gre mehr als Macht oder Ruhm liebten. Alle die herrlichen
Gaben, welche die Natur an ihn verschwendet, schtzte er hauptschlich
wegen des Gewinns, den sie ihm eintrugen. Im zwanzigsten Jahre zog er
Nutzen aus seiner Jugend und Krperkraft, als Sechziger zog er Nutzen
aus seinem Genie und seinem Ruhm. Der Beifall, der seinem Benehmen bei
Walcourt mit Recht gebhrte, konnte die Stimmen Derer nicht ganz
bertuben, welche munkelten, da dieser Held, wo es ein Goldstck zu
ersparen oder zu verdienen gebe, ein bloer Euklio, ein bloer Harpagon
sei, da er, obgleich er unter dem Vorgeben, offene Tafel zu halten,
einen bedeutenden Gehalt beziehe, doch niemals einen Offizier zu Tische
einlade, da seine Musterrollen betrgerisch abgefat seien, da er fr
Leute, welche lngst nicht mehr lebten, fr Leute, die vor vier Jahren
vor seinen eigenen Augen bei Sedgemoor gefallen seien, die Lhnung in
seine Tasche stecke, da sich in der einen Truppe zwanzig, in einer
andren sechsunddreiig solcher Namen befnden. Nur die Vereinigung von
furchtlosem Muth und imponierenden Geistesgaben mit einem leutseligen
Wesen und gewinnenden Manieren habe es ihm mglich gemacht, sich trotz
seiner hchst unsoldatischen Fehler die Zuneigung seiner Soldaten zu
erwerben und zu erhalten.[75]


Alexander VIII. folgt Innocenz XI. auf dem ppstlichen Stuhle.

Um die Zeit, wo die in allen Theilen Europa's kmpfenden Armeen ihre
Winterquartiere aufsuchten, bestieg ein neuer Papst den Stuhl St.
Peter's. Innocenz XI. war nicht mehr. Er hatte ein sonderbares Schicksal
gehabt. Seine gewissenhafte und innige Anhnglichkeit an die Kirche,
deren Oberhaupt er war, hatte ihn in einem der kritischesten Momente
ihrer Geschichte bestimmt, sich mit ihren Todfeinden zu verbnden. Die
Nachricht von seinem Ableben wurde daher, von den protestantischen
Frsten und Republiken mit Schmerz und Besorgni, in Versailles und
Dublin mit Freude und Hoffnung aufgenommen. Ludwig schickte
augenblicklich einen auerordentlichen Gesandten hohen Ranges nach Rom
und die in Avignon liegende franzsische Garnison wurde zurckgezogen.
Als die Stimmen des Conclaves sich zu Gunsten Peter Ottobuoni's geeinigt
hatten, eines ehemaligen Cardinals, der den Namen Alexander VIII.
annahm, wohnte der Vertreter Frankreichs der Einsetzung bei, trug die
Schleppe des neuen Papstes und berreichte Seiner Heiligkeit ein
Schreiben, in welcher der Allerchristlichste Knig erklrte, da er dem
schmachvollen Vorrechte, Ruber und Mrder zu beschtzen entsage.
Alexander drckte den Brief an seine Lippen, umarmte den Ueberbringer
und sprach mit Entzcken von der nahen Aussicht auf Vershnung. Ludwig
begann sich der Hoffnung hinzugeben, da der Vatikan seinen Einflu dazu
anwenden werde, die Allianz zwischen dem Hause Oesterreich und dem
ketzerischen Usurpator des englischen Thrones aufzulsen. Jakob war
sogar noch sanguinischer. Er war thricht genug zu hoffen, da der neue
Papst ihm Geld geben werde, und befahl Melfort, der sich jetzt seiner
Mission in Versailles entledigt hatte, nach Rom zu eilen und Se.
Heiligkeit um eine Beisteuer zu dem guten Werke der Aufrechthaltung der
wahren Religion auf den britischen Inseln zu bitten. Aber es zeigte sich
bald, da Alexander, obwohl er eine andre Sprache fhrte als sein
Vorgnger, doch entschlossen war, im Wesentlichen der Politik seines
Vorgngers zu folgen. Die Grundursache des Zerwrfnisses zwischen dem
heiligen Stuhle und Ludwig war nicht beseitigt. Der Knig ernannte noch
immer Prlaten, der Papst verweigerte noch immer ihre Anerkennung, und
die Folge davon war, da ein Viertheil der Dicesen Frankreich's
Bischfe hatten, welche nicht befugt waren, irgend eine bischfliche
Amtshandlung zu verrichten.[76]


Der Klerus der Hochkirche ber die Angelegenheit der Eide gespalten.

Die anglikanische Kirche war um diese Zeit nicht minder durch Spaltungen
zerrissen als die gallikanische Kirche. Der 1. August war durch ein
Parlamentsedict als der Tag festgesetzt, bis zu welchem alle
Pfarrgeistlichen und alle ein akademisches Amt bekleidenden Personen bei
Strafe der Suspension Wilhelm und Marien den Unterthaneneid schwren
muten. Whrend der ersten Hlfte des Sommers hofften die Jakobiten, die
Zahl der Nichtschwrenden werde bedeutend genug sein, um die Regierung
zu beunruhigen und in Verlegenheit zu setzen. Diese Hoffnung aber wurde
getuscht. Es gab zwar nur wenige Whigs unter der Geistlichkeit, und nur
wenige waren Tories jener gemigten Schule, welche mit Widerstreben und
Vorbehalt anerkannte, da groe Mibruche eine Nation zuweilen
berechtigen knnten, zu extremen Mitteln zu greifen. Die groe Mehrheit
des Standes hielt noch immer an dem Prinzip des passiven Gehorsams fest,
aber diese Mehrheit war jetzt in zwei Theile gespalten. Eine Frage,
welche vor der Revolution lediglich Sache der Spekulation gewesen und
daher, wenn sie auch zuweilen gelegentlich in Anregung kam, von den
Meisten nur sehr oberflchlich behandelt worden war, hatte jetzt eine
hohe praktische Bedeutsamkeit erlangt. Das Prinzip des passiven
Gehorsams als feststehend angenommen, wem gebhrte dieser Gehorsam? So
lange das erbliche Recht mit dem Besitz verbunden gewesen war, war kein
Zweifel mglich; aber das erbliche Recht und der Besitz waren jetzt
getrennt. Ein durch die Revolution auf den Thron erhobener Frst
regierte zu Westminster, gab Gesetze, ernannte Justizbeamte und Prlaten
und sandte Armeen und Flotten aus. Seine Richter entschieden
Rechtsflle, seine Sheriffs verhafteten Schuldner und bestraften
Verbrecher; ohne sein groes Siegel wrden Gerechtigkeit, Ordnung,
Eigenthum aufgehrt haben zu existiren und die Gesellschaft in einen
chaotischen Zustand gerathen sein. Ein andrer, durch die Revolution
abgesetzter Frst lebte im Auslande. Er konnte keines der Rechte eines
Regenten ausben und keine der Pflichten eines Regenten erfllen und
konnte, wie es schien, nur durch eben so gewaltsame Mittel als durch die
er vertrieben worden war, wieder eingesetzt werden. Welchem von diesen
beiden Frsten schuldeten die Christen nun Gehorsam?


Argumente fr Leistung der Eide.

Ein groer Theil der Geistlichkeit war der Meinung, da der klare
Wortlaut der Schrift ihnen gebiete, sich dem im factischen Besitz des
Thrones befindlichen Souverain zu unterwerfen, ohne nach seinem Recht
auf diesen Thron zu fragen. Die Obrigkeiten, von denen der Apostel in
dem den anglikanischen Theologen jener Zeit genau bekannten Evangelium
sagt, da sie von Gott eingesetzt seien, sind nicht diejenigen welche
auf einen rechtmigen Ursprung zurckgefhrt werden knnen, sondern die
eben bestehenden. Als Jesus gefragt wurde, ob das auserwhlte Volk Csar
rechtmigerweise Tribut zahlen drfe, antwortete er mit der Frage,
nicht ob Csar einen von dem alten Knigshause Juda abgeleiteten
Stammbaum aufweisen knnte, sondern ob das Geldstck, das die Fragenden
an den Schatz Csars zu zahlen Bedenken trugen, aus Csar's Mnze komme,
mit anderen Worten, ob Csar thatschlich die Autoritt eines Herrschers
besitze und die Functionen eines solchen ausbe.

Es wird gewhnlich, und mit vielem Anschein von Begrndung, angenommen,
da der zuverlssigste Commentar zu dem Text der Evangelien und Episteln
sich in der Praxis der ersten Christen findet, so weit diese Praxis
gengend zu ermitteln ist, und gerade jene Zeiten, zu welchen die Kirche
sich allgemein anerkanntermaen im Zustande der hchsten Reinheit
befand, waren Zeiten hufiger und heftiger politischer Umgestaltungen.
Einer der Apostel wenigstens erlebte es, da binnen wenig mehr als einem
Jahre vier Kaiser gestrzt wurden. Von den Mrtyrern des 3. Jahrhunderts
mu sich ein groer Theil zehn bis zwlf Revolutionen haben erinnern
knnen. Diese Mrtyrer mssen oft in der Lage gewesen sein zu erwgen,
welche Pflichten sie gegen einen Frsten hatten, der so eben durch einen
mit Erfolg gekrnten Aufstand zur Macht gelangt war. Da sie allesammt
durch die Furcht vor Strafe abgehalten worden seien das zu thun, was sie
fr Recht hielten, ist eine Beschuldigung, welche nicht einmal ein
rechtschaffener Unglubiger auf sie werfen wird. Wenn indessen irgend
eine Behauptung in Bezug auf die ersten Christen mit vlliger Gewiheit
aufgestellt werden kann, so ist es die, da sie nie und nimmer einem
factischen Regenten wegen der Unrechtmigkeit seines Titels den
Gehorsam verweigerten. Einmal wurde sogar die hchste Gewalt von zwanzig
bis dreiig Rivalen beansprucht. Jede Provinz von Britannien bis Egypten
hatte ihren Augustus. Diese Prtendenten konnten natrlich nicht alle
rechtmige Kaiser sein. Dennoch finden wir nirgends etwas erwhnt, da
die Glubigen an irgend einem Orte das geringste Bedenken getragen
htten, sich der Person zu unterwerfen, welche an diesem Orte die
kaiserlichen Functionen ausbte. Whrend die Christen von Rom Aurelian
gehorchten, gehorchten die Christen von Lyon Tetrikus und die Christen
von Palmyra der Zenobia. Tag und Nacht, -- waren die Worte, welche der
groe Cyprian, Bischof von Karthago, an den Reprsentanten Valerian's
und Gallienus richtete, -- Tag und Nacht beten wir Christen zu dem
einen wahren Gott fr das Wohl unserer Kaiser. Und doch hatten diese
Kaiser einige Monate vorher ihren Vorgnger Aurelianus gestrzt, der
seinen Vorgnger Gallus gestrzt hatte; dieser hatte auf den Trmmern
des Hauses seines Vorgngers Decius den Gipfel der Macht erstiegen,
Decius hatte seinen Vorgnger Philipp und dieser seinen Vorgnger
Gordianus erschlagen. Konnte man glauben, da ein Heiliger, der in dem
kurzen Zeitraum von dreizehn bis vierzehn Jahren dieser Reihe von
Rebellen und Knigsmrdern unverbrchliche Unterthanentreue bewahrt
hatte, lieber eine Spaltung in der Christenheit hervorgerufen, als Knig
Wilhelm und Knigin Marien anerkannt haben wrde? Hundertmal forderten
diejenigen anglikanischen Geistlichen, welche die Eide geleistet hatten,
ihre skrupulseren Amtsbrder auf, ihnen ein einziges Beispiel
anzufhren, da die ursprngliche Kirche einem glcklichen Usurpator den
Gehorsam verweigert htte, und hundertmal wich man der Aufforderung aus.
Die Eidverweigerer konnten ber diesen Punkt weiter nichts sagen, als
da Prcedenzflle Prinzipien gegenber kein Gewicht htten, eine
Behauptung, die sehr sonderbar klang aus dem Munde einer Schule, welche
stets eine fast aberglubische Ehrfurcht vor der Autoritt der
Kirchenvter an den Tag gelegt hatte.[77]

Prcedenzflle aus spteren und verderbteren Zeiten verdienten wenig
Beachtung. Aber selbst in der Geschichte spterer und verderbterer
Zeiten konnten die Eidverweigerer nicht leicht einen ihrem Zwecke
dienenden Prcedenzfall finden. In unsrem eignen Lande hatten viele
Knige, die kein erbliches Recht hatten, auf dem Throne gesessen, aber
es war nie fr unvereinbar mit der Pflicht eines Christen gehalten
worden, ein treuer Vasall dieser Knige zu sein. Die Usurpation
Heinrich's IV., die noch abscheulichere Usurpation Richard's III. hatten
kein Schisma in der Kirche hervorgerufen. Sobald der Usurpator auf
seinem Throne fest sa, hatten Bischfe ihm fr ihre Grundbesitzungen
gehuldigt; Convocationen hatten Adressen an ihn gerichtet und ihm Gelder
bewilligt, und kein Casuist hatte jemals behauptet, da diese
Unterwerfung unter einen sich im factischen Besitze der Macht
befindenden Frsten eine Todsnde sei.[78]

Mit der Verfahrungsweise der ganzen christlichen Welt stand die
Autorittslehre der englischen Kirche unverkennbar in genauem Einklange.
Die Homilie ber vorstzliche Emprung, eine Predigt, welche in malosen
Ausdrcken die Pflicht des Gehorsams gegen Regenten einschrft, spricht
nur von factischen Regenten. Es wird sogar in dieser Homilie den Leuten
gesagt, da sie nicht nur ihrem rechtmigen Landesherrn, sondern auch
jedem Usurpator, den Gott in seinem Zorne ihrer Snden halber ber sie
setzen werde, zu gehorchen verpflichtet seien. Es wrde gewi der
hchste Grad von Ungereimtheit sein, wollte man behaupten, da wir
diejenigen Usurpatoren, welche Gott im Zorne sendet, unterwrfig
hinnehmen, solchen aber, die er uns in Gnaden sendet, den Gehorsam
beharrlich verweigern mten. Zugegeben es war ein Verbrechen, den
Prinzen von Oranien nach England einzuladen, ein Verbrechen sich ihm
anzuschlieen, ein Verbrechen ihn zum Knig zu machen, was war die ganze
Geschichte der jdischen Nation und der christlichen Kirche Andres als
eine Reihenfolge von Fllen, in denen die Vorsehung aus Bsem Gutes
hervorgehen lie? Und welcher Theolog wird behaupten, da wir in solchen
Fllen aus Abscheu vor dem Bsen das Gute von uns weisen mten?

Aus diesen Grnden waren eine groe Anzahl Geistliche, welche noch an
dem Prinzipe festhielten, da Widersetzlichkeit gegen den Souverain
jederzeit sndhaft sein msse, der Ansicht, da Wilhelm jetzt der
Souverain sei, dem sich zu widersetzen eine Snde sein wrde.


Argumente gegen die Eidesleistung.

Auf diese Argumentation entgegneten die Eidverweigerer, da der Apostel
Paulus unter den bestehenden Obrigkeiten die bestehenden _rechtmigen_
Obrigkeiten gemeint haben msse und da es dem gesunden Verstande ins
Gesicht schlagen, die Religion schnden, den schwachen Glubigen
Aergerni und den Spttern Anla zum Triumphiren geben heien wrde,
wollte man seine Worte anders deuten. Die Gefhle der ganzen Menschheit
mten sich gegen die Behauptung empren, da, sobald ein Knig, wre
sein Recht auf den Thron noch so klar und seine Verwaltung noch so weise
und gut, durch Verrther vertrieben sei, alle seine Diener ihn verlassen
und zu seinen Feinden bergehen mten. Zu allen Zeiten und bei allen
Nationen sei treue Anhnglichkeit an eine gute Sache im Unglck als eine
Tugend betrachtet worden. Zu allen Zeiten und bei allen Nationen sei der
Politiker, der sich immer zu der Partei geschlagen, welche die Oberhand
gehabt, verachtet worden. Dieser neue Toryismus sei schlimmer als
Whiggismus. Die Bande der Unterthanentreue zerreien, weil der Souverain
ein Tyrann sei, das sei unstreitig eine groe Snde; aber es sei eine
Snde, fr die sich milde Bezeichnungen und plausible Vorwnde finden
lieen und in welche ein braver und hochherziger Mann, der nicht in der
gttlichen Wahrheit unterrichtet und durch gttliche Gnade beschtzt
sei, leicht verfallen knne. Aber alle Bande der Unterthanentreue blos
deshalb zu zerreien, weil der Souverain unglcklich sei, das sei nicht
nur schlecht, sondern gemein. Knne ein Unglubiger die heilige Schrift
rger beschimpfen, als durch die Behauptung, da die heilige Schrift den
Christen etwas als eine geheiligte Pflicht vorschreibe, was der
natrliche Verstand die Heiden als den hchsten Grad der Schlechtigkeit
zu betrachten gelehrt habe? In der Schrift finde sich die Geschichte
eines Knigs von Israel, der durch einen unnatrlichen Sohn aus seinem
Palaste vertrieben und gezwungen worden sei, ber den Jordan zu fliehen.
David habe, wie Jakob, das Recht, Absolom, wie Wilhelm, den factischen
Besitz gehabt. Wrde ein Schriftforscher zu behaupten wagen, da Simei's
Benehmen bei dieser Gelegenheit als ein Muster zur Nachahmung
hingestellt sei und da Barsillai, der treu zu seinem flchtigen
Gebieter gehalten, sich gegen die Vorschrift Gottes aufgelehnt und
Verdammni auf sich gezogen habe? Wrde ein wahrer Sohn der Kirche
England's im Ernst behaupten, da ein Mann, der bis nach der Schlacht
von Naseby ein entschiedener Royalist war, dann zum Parlament berging,
sobald das Parlament auseinandergesprengt war, ein willfhriger Diener
des Rumpfes wurde und sobald der Rumpf vertrieben war, sich fr einen
treuen Unterthan des Protectors erklrte, die Achtung der Christen mehr
verdiene, als der standhafte alte Cavalier, der Karl I. im Gefngni und
Karl II. im Exil unerschtterlich treu blieb und der bereit war, eher
Grundbesitz, Freiheit und Leben zu wagen als durch Wort oder That die
Autoritt einer der pltzlich aufgetauchten Regierungen anzuerkennen,
welche in jener schlimmen Zeit in den Besitz einer Macht gelangt waren,
die ihnen von Rechtswegen nicht gebhrte? Und welcher Unterschied sei
zwischen diesem und dem jetzt vorliegenden Falle? Da Cromwell
thatschlich eben so viel Macht, ja weit mehr Macht als Wilhelm besessen
habe, sei ausgemacht, und da Wilhelm's Macht so gut wie Cromwell's
Macht illegitimen Ursprungs sei, werde kein Geistlicher, der dem Prinzip
des Nichtwiderstandes huldige, bestreiten. Wie knne denn ein solcher
Geistlicher leugnen, da Cromwell Gehorsam gebhrt habe, und doch
behaupten, da Wilhelm solcher gebhre? Wollte man annehmen, da eine
solche Inconsequenz ohne Unredlichkeit existiren knne, so sei das nicht
Nachsicht sondern Schwche. Diejenigen welche entschlossen seien, sich
der Parlamentsacte zu fgen, wrden besser thun, wenn sie sich offen
darber aussprchen und sagten was Jedermann schon wisse: da sie sich
nur deshalb fgten, um ihre Pfrnden zu behalten. Allerdings sei dies
ein sehr starker Beweggrund. Da ein Geistlicher, der Gatte und Vater
sei, dem 1. August und 1. Februar mit ngstlicher Besorgni
entgegensehe, sei natrlich. Aber er solle nicht vergessen, da, wie
schrecklich auch der Tag der Suspension und der Tag der Amtsentsetzung
sein mge, zuverlssig zwei andere noch schrecklichere Tage kommen
wrden: der Tag des Todes und der Tag des jngsten Gerichts.[79]

Die schwrenden Geistlichen, wie man sie nannte, waren nicht wenig
betroffen ber dieses Raisonnement. Nichts setzte sie mehr in
Verlegenheit als die Parallele, welche die Eidverweigerer mit
unermdlicher Beharrlichkeit zwischen der Usurpation Cromwell's und der
Usurpation Wilhelm's zogen. Denn es gab damals keinen Hochkirchlichen,
der es nicht fr eine Ungereimtheit gehalten htte, zu behaupten da die
Kirche ihren Shnen befohlen habe, Cromwell zu gehorchen. Und doch war
es unmglich zu beweisen, da Wilhelm vollstndiger im Besitze der
hchsten Gewalt sei, als Cromwell es gewesen. Die Schwrenden hteten
sich daher eben so sorgfltig, mit den Nichtschwrenden ber diesen
Punkt zu streiten, wie die Nichtschwrenden es vermieden, mit den
Schwrenden ber die Frage bezglich der Praxis der frhesten Kirche zu
streiten.

Das Wahre ist, da die Regierungstheorie, welche der Klerus seit langer
Zeit lehrte, so unsinnig war, da sie zu nichts als Unsinn fhren
konnte. Mochte der Priester, der dieser Theorie huldigte, die Eide
leisten oder sie verweigern, er war in beiden Fllen nicht im Stande,
eine vernnftige Erklrung seines Verfahrens zu geben. Schwor er, so
konnte er dies nur durch Aufstellung von Behauptungen, gegen die sich
jedes redliche Herz instinktmig emprte, nur durch die Erklrung
rechtfertigen, da Christus der Kirche befohlen habe, die gerechte Sache
zu verlassen, sobald diese Sache aufhre zu prosperiren, und die Hnde
der vom Glck begnstigten Schlechtigkeit gegen die bedrngte Tugend zu
krftigen. So gewichtig indessen die Einwrfe gegen diese Doctrin waren,
die Einwrfe gegen die Doctrin des Nichtschwrenden waren wo mglich
noch gewichtiger. Nach ihm mute eine christliche Nation bestndig
entweder in einem Zustande von Knechtschaft oder in einem Zustande von
Anarchie sein. Etwas lt sich sowohl fr den Menschen sagen, der die
Freiheit opfert, um die Ordnung zu erhalten, als auch fr den Menschen,
der die Ordnung opfert, um die Freiheit zu erhalten. Denn Freiheit und
Ordnung sind zwei der grten Segnungen, deren sich eine Gesellschaft
erfreuen kann, und wenn sie sich unglcklicherweise als mit einander
unvertrglich herausstellen, da haben Diejenigen, welche die eine oder
die andre Seite ergreifen, Anspruch auf groe Nachsicht. Der
Eidverweigerer aber opferte nicht die Freiheit der Ordnung, nicht die
Ordnung der Freiheit auf, sondern Freiheit und Ordnung einem
Aberglauben, der eben so einfltig und erniedrigend war als die Anbetung
von Katzen und Zwiebeln bei den Egyptern. Wenn eine Person, die sich nur
durch den Zufall der Geburt von anderen unterschied, auf dem Throne sa,
mochte sie auch ein Nero sein, sollte kein Ungehorsam stattfinden; und
wenn eine andre Person auf dem Throne sa, mochte sie auch ein Alfred
sein, so sollte kein Gehorsam stattfinden. Es war gleichgltig, wie
unvernnftig und schlecht die Verwaltung der Dynastie, welche das
erbliche Recht hatte, oder wie weise und tugendhaft die Verwaltung einer
aus einer Revolution hervorgegangenen Regierung sein mochte. Auch konnte
keine Verjhrungszeit gegen den Anspruch der vertriebenen Familie
geltend gemacht werden. Der Zeitraum von Jahren, der Zeitraum von
Jahrhunderten nderte nichts. Bis an das Ende der Welt muten die
Christen ihr politisches Verhalten einfach nach der Genealogie ihrer
Landesherren reguliren. Das Jahr 1800, das Jahr 1900 knnte Frsten, die
ihre Rechtsansprche von den Beschlssen der Convention herleiteten,
ruhig und glcklich regieren sehen. Gleichviel, sie blieben deshalb
immer Usurpatoren, und wenn im 20. oder 21. Jahrhundert Jemand, der ein
besseres Gebltsrecht auf die Krone nachweisen konnte, eine sptere
Nachwelt auffordern sollte, ihn als Knig anzuerkennen, so mute der
Aufforderung bei Strafe ewiger Verdammni Folge geleistet werden.

Ein Whig konnte sich wohl ber den Gedanken freuen, da die unter seinen
Gegner entstandenen Controversen die Richtigkeit seines politischen
Glaubens festgestellt hatten. Die Streitenden, welche ihn lange
bereinstimmend eines gottlosen Irrthums beschuldigt, hatten ihn jetzt
wirksam gerechtfertigt und einander gegenseitig widerlegt. Der
Hochkirchliche, der die Eide leistete, hatte durch unwiderlegliche
Grnde aus den Evangelien und Episteln, aus der gleichmigen Praxis der
ersten Kirche und aus den deutlichen Erklrungen der anglikanischen
Kirche bewiesen, da die Christen nicht in allen Fllen verpflichtet
waren, dem Frsten, der das erbliche Recht besa, zu gehorchen. Der
Hochkirchliche, der die Eide leisten wollte, hatte eben so befriedigend
dargethan, da die Christen nicht in allen Fllen verpflichtet seien,
den Frsten, welcher thatschlich regierte, zu gehorchen. Daraus folgte,
da, um einer Regierung ein Recht auf die Treue der Unterthanen zu
geben, etwas Andres erforderlich war, als bloe Legitimitt oder bloer
Besitz. Was dieses Andre war wurde den Whigs nicht schwer zu sagen.
Ihrer Ansicht nach war der Zweck, um dessen willen alle Regierungen
eingesetzt worden, das Wohl der Gesellschaft. So lange der erste Beamte
im Staate, mochte er auch einige Fehler haben, das Gute frderte, gebot
die Vernunft den Menschen, ihm zu gehorchen und die Religion, welche dem
Gebote der Vernunft ihre feierliche Sanction ertheilt gebot den
Menschen, ihn als einen von Gott Gesandten zu verehren. Erwies er sich
aber als ein Befrderer des Bsen, auf welche Grnde hin war er dann als
ein von Gott Gesandter zu betrachten? Die Tories, welche die Eide
leisteten, hatten bewiesen, da er wegen des Ursprungs seiner Macht
nicht als ein solcher zu betrachten sei; die Tories, welche nicht
schwren wollten, hatten eben so klar bewiesen, da er wegen der
Existenz seiner Macht nicht als ein solcher zu betrachten sei.

Einige heftige und hmische Whigs triumphirten mit Ostentation und
rcksichtsloser Arroganz ber die bestrzte und in sich uneinige
Geistlichkeit. Den Eidverweigerer betrachteten sie im allgemeinen mit
geringschtzendem Mitleid als einen einfltigen und verschrobenen, aber
aufrichtigen Bigotten, dessen absurde Praxis seiner absurden Theorie
entsprach und der die Verblendung, welche ihn antrieb, sein Vaterland zu
ruiniren, damit entschuldigte, da die nmliche Verblendung ihn
getrieben habe, sich selbst zu ruiniren. Ihren schrfsten Tadel aber
sparten sie fr diejenigen Geistlichen auf, die jetzt bereit waren einem
Usurpator Treue zu schwren, nachdem sie sich in den Tagen der
Ausschlieungsbill und des Ryehousecomplots durch ihren Eifer fr das
gttliche und unveruerliche Recht des erblichen Souverains
ausgezeichnet hatten. Sei dies der wahre Sinn der sublimen Phrasen,
welche neunundzwanzig Jahre lang von unzhligen Kanzeln herab gepredigt
worden? Htten die Tausende von Geistlichen, die sich der unwandelbaren
Loyalitt ihres Standes so laut gerhmt, in Wirklichkeit nur gemeint,
da ihre Loyalitt nur bis zum nchsten Glckswechsel unwandelbar
bleiben solle. Es sei lcherlich, es sei unverschmt von ihnen, zu
behaupten, da Ihr gegenwrtiges Verfahren mit ihrer frheren Sprache in
Einklang stehe. Wenn ein Ehrwrdiger Doctor endlich berzeugt worden
sei, da er im Unrecht gewesen, so msse er doch gewi durch einen
offenen Widerruf den verfolgten, den verleumdeten, den gemordeten
Vertheidigern der Freiheit jede noch mgliche Genugthuung geben. Sei er
hingegen noch immer berzeugt, da seine ersten Ansichten die richtigen
seien, so msse er mannhaft das Loos der Eidverweigerer theilen. Achtung
gebhre sowohl Dem, der einen Irrthum offen eingestehe, wie auch dem,
der fr einen Irrthum muthig leide; schwerlich aber knne man einen
Diener der Religion achten, der da behaupte, da er es noch immer mit
den Grundstzen der Tories halte, und dabei seine Pfrnde durch Ablegung
eines Eides rette, welcher ehrenhafterweise nur nach den Grundstzen der
Whigs geleistet werden knne.

Diese Vorwrfe mochten vielleicht nicht ganz ungerecht sein, aber sie
waren unzeitig. Die vernnftigeren und gemigteren Whigs, welche
einsahen, da Wilhelm's Thron nicht feststehen knne, wenn er nicht eine
breitere Basis habe als ihre eigne Partei, enthielten sich bei dieser
Gelegenheit aller Sptteleien und Invectiven und trachteten danach die
Bedenken der Geistlichen zu heben und ihre verletzten Gefhle zu
beschwichtigen. Die Collectivmacht der Rectoren und Vikare England's war
ungeheuer, und es war immer besser sie schwuren aus dem nichtigsten
Grunde, den ein Sophist ersinnen konnte, als sie schwuren gar nicht.


Die groe Mehrheit des Klerus leistet die Eide.

Es wurde bald klar, da die Grnde fr die Eidesleistung, untersttzt
durch einige der strksten Motive, welche auf den menschlichen Geist
influiren knnen, berwogen hatten. Mehr als neunundzwanzig Dreiigstel
des Standes fgten sich dem Gesetz. Die Mehrzahl der Geistlichen der
Hauptstadt, welche damals eine besondere Klasse bildeten und die sich
vor den Landgeistlichen ebensowohl durch freisinnige Ansichten wie durch
Beredtsamkeit und Gelehrsamkeit auszeichneten, erklrten ihren Anschlu
an die Regierung zuerst und mit allen Zeichen aufrichtiger Ergebenheit.
Achtzig von ihnen begaben sich zusammen nach Westminster Hall und wurden
daselbst vereidigt. Die Ceremonie nahm soviel Zeit weg, da an diesem
Tage beim Kanzleigericht und der Kings Bench wenig mehr vorgenommen
wurde.[80] Im allgemeinen aber fgten sich die Geistlichen langsam und
mit Unmuth. Allerdings opferten viele wissentlich ihre Grundstze dem
Eigennutze auf. Ihr Gewissen sagte ihnen, da sie eine Snde begingen.
Aber sie besaen nicht Characterstrke genug, um das Pfarrhaus, den
Garten, das Landgtchen aufzugeben und in die Welt hinaus zu gehen, ohne
zu wissen, wo sie eine Mahlzeit oder ein Obdach fr sich und ihre
Kleinen finden wrden. Viele schwuren mit Zweifeln und bangen
Vorahnungen.[81] Einige erklrten im Augenblicke der Eidabnahme, es sei
nicht ihre Absicht zu versprechen, da sie sich Jakob nicht unterwerfen
wrden, wenn er je in die Lage kommen sollte, den Unterthaneneid von
ihnen zu verlangen.[82] Einige Geistliche im Norden waren am 1. August
in Gesellschaft zur Eidesleistung aufgebrochen, als sie unterwegs die
Nachricht von der Schlacht traf, welche vier Tage vorher in der Schlucht
von Killiecrankie geschlagen worden war. Sie kehrten sofort um und
verlieen ihre Wohnungen zu dem nmlichen Zwecke nicht eher wieder als
bis es klar war, da Dundee's Sieg keine Vernderung in dem Stande der
ffentlichen Angelegenheiten herbeigefhrt hatte.[83] Selbst von Denen,
welche fest berzeugt waren, da der bestehenden Regierung Gehorsam
gebhre, kten nur sehr Wenige das Evangelium mit der Innigkeit, mit
der sie frher Karl und Jakob Treue gelobt hatten. Doch die Sache war
geschehen. Zehntausend Geistliche hatten feierlich den Himmel zum Zeugen
ihres Versprechens angerufen, da sie treue Unterthanen Wilhelm's sein
wollten, und wenn auch dieses Versprechen ihn keineswegs zu der
Erwartung berechtigte, da sie ihn krftig untersttzen wrden, so hatte
es ihnen doch einen groen Theil ihrer Macht, ihm zu schaden, entzogen.
Wollten sie die ffentliche Achtung nicht verlieren, von der ihr Einflu
abhing, so durften sie den Thron Dessen, dem sie im Angesicht Gottes als
ihrem Knige zu gehorchen gelobt hatten, nicht anders als indirect und
mit ngstlicher Vorsicht angreifen. Einige von ihnen lasen allerdings
die Gebete fr das neue Herrscherpaar in einem eigenthmlichen Tone vor,
der nicht miverstanden werden konnte.[84] Andere lieen sich sogar noch
rgere Unanstndigkeiten zu Schulden kommen. So leerte ein Elender
unmittelbar nachdem er im feierlichsten Gottesdienste fr Wilhelm und
Marien gebetet, ein Glas auf ihr Verderben. Ein Andrer verzehrte an
einem durch ihre Autoritt angeordneten Fasttage nach dem Gottesdienste
eine Taubenpastete und sprach beim Zerschneiden derselben den Wunsch
aus, da es das Herz des Usurpators sein mchte. Doch so freche
Gottlosigkeit kam nur selten vor und schadete eher der Kirche als der
Regierung.[85]


Die Eidverweigerer.

Die Anzahl der Geistlichen und Universittsmitglieder, welche in die
gesetzlichen Strafen verfielen, belief sich auf ungefhr vierhundert. In
erster Reihe stand der Primas mit sechs seiner Suffragane: Turner von
Ely, Lloyd von Norwich, Frampton von Gloucester, Lake von Chichester,
White von Peterborough und Ken von Bath und Wells. Thomas von Worcester
wrde der siebente gewesen sein, aber er starb drei Wochen vor dem Tage
der Suspension. Auf dem Sterbebette beschwor er seinen Klerus, der Sache
des erblichen Rechts treu zu bleiben, und erklrte, da diejenigen
Geistlichen, welche zu beweisen versuchten, da die Eide ohne Abweichung
von den loyalen Doctrinen der englischen Kirche geleistet werden
knnten, ihm jesuitischer zu raisonniren schienen als die Jesuiten
selbst.[86]


Ken.

Ken, der in intellectueller wie in moralischer Hinsicht unter den
nichtschwrenden Prlaten am hchsten stand, war lange unschlssig. Es
gab wenige Geistliche, die sich der neuen Regierung unbedenklicher
htten unterwerfen knnen als er. Denn zu den Zeiten, als
Nichtwiderstand und passiver Gehorsam die Lieblingsthemata seiner
Amtsbrder waren, hatte er auf der Kanzel fast niemals auf die Politik
angespielt. Er gab zu, da die Argumente zu Gunsten des Schwrens sehr
gewichtig seien, ja er ging sogar so weit, da er sagte, seine Bedenken
wrden vollstndig schwinden, wenn er berzeugt werden knne, da Jakob
sich zur Abtretung Irland's an den Knig von Frankreich verbindlich
gemacht habe. Es ist daher augenscheinlich, da der Unterschied zwischen
Ken und den Whigs kein prinzipieller war. Er war, wie sie, der Ansicht,
da schlechte Verwaltung, wenn sie bis zu einem gewissen Punkte
getrieben wrde, eine Uebertragung der Lehnspflichtigkeit rechtfertige,
und zweifelte nur, ob Jakob's schlechte Regierung diesen Punkt erreicht
habe. Der gute Bischof begann sogar wirklich einen Hirtenbrief
vorzubereiten, in welchem er seine Grnde fr die Eidesleistung
entwickelte. Noch ehe er aber damit zu Ende war, erhielt er eine
Mittheilung, die ihn berzeugte, da Irland nicht an Frankreich verkauft
sei; eine Menge Zweifel stiegen nun wieder in ihm auf, er warf den
unvollendeten Brief ins Feuer und bat seine minder skrupulsen Freunde,
da sie nicht weiter in ihn dringen mchten. Er sei gewi, sagte er, da
sie aus aufrichtiger Ueberzeugung gehandelt htten, es freue ihn, da
sie mit reinem Gewissen einen Schritt thun knnten, vor dem er
zurckbebe, er fhle das ganze Gewicht ihrer Grnde, er sei fast
berzeugt und er wolle nichts weiter hren, um nicht noch vllig
berzeugt zu werden, denn wenn er sich fgte und seine Besorgnisse
kehrten dann zurck, so wrde er der unglcklichste Mensch von der Welt
sein. Nicht fr Schtze, nicht fr einen Palast, nicht fr einen
Peerstitel mchte er sich der geringsten Gefahr aussetzen, jemals die
Qualen der Reue zu empfinden. Es ist ein interessantes Factum, da der
einzige von den sieben Prlaten, dessen Name einen gewichtigen Klang
hat, nahe daran war zu schwren und nach seinem eignen Eingestndni
nicht durch die Kraft von Vernunftgrnden, sondern durch eine krankhafte
Skrupulositt davon abgehalten wurde, die er Anderen nicht nachzuahmen
rieth.[87]

Unter den Priestern, welche die Eide verweigerten, befanden sich einige,
die sich in der gelehrten Welt als Philologen, Chronologen, Canonisten
und Alterthumsforscher, sowie eine sehr kleine Anzahl, die sich durch
Geist und Beredtsamkeit auszeichneten; aber es kann kaum Einer angefhrt
werden, der im Stande gewesen wre, eine wichtige Frage der Moral oder
Politik zu errtern, kaum Einer, dessen Schriften nicht entweder eine
groe Schwche oder eine groe Flchtigkeit des Geistes verriethen.
Diejenigen, welche auf das Urtheil eines Whig ber diesen Punkt nichts
geben, werden der Ansicht, welche viele Jahre nach der Revolution ein
Philosoph aussprach, auf den die Tories mit Recht stolz sind,
hoffentlich einiges Gewicht zugestehen. Johnson erklrte, nachdem er die
berhmten Geistlichen, die es fr eine Snde gehalten, Wilhelm III. und
Georg I. Treue zu schwren, der Reihe nach aufgezhlt, da unter diesen
ganzen Eidverweigerern nur ein einziger gewesen sei, der ein logisches
Raisonnement habe anstellen knnen.[88]


Leslie.

Der Eidverweigerer, zu dessen Gunsten Johnson diese Ausnahme machte, war
Karl Leslie. Leslie war vor der Revolution Kanzler der Dicese Connor in
Irland gewesen. Er war in der Opposition gegen Tyrannei vorangegangen,
hatte sich als Friedensrichter fr Monoghan geweigert, einen Papisten
als Sheriff dieser Grafschaft anzuerkennen, und hatte den Muth gehabt,
einige Offiziere der irischen Armee wegen Maraudirens einsperren zu
lassen, das Prinzip des Nichtwiderstandes aber, wie es die
anglikanischen Theologen in den Tagen des Ryehousecomplots gelehrt,
stand unerschtterlich fest in seinem Geiste. Als der Zustand von Ulster
sich so gestaltete, da ein Protestant, welcher dort blieb, es kaum
vermeiden konnte, entweder ein Rebell oder ein Mrtyrer zu werden,
flchtete Leslie nach London. Seine Talente und seine Connectionen waren
von der Art, da er leicht eine hohe Anstellung in der englischen Kirche
htte erlangen knnen. Aber er nahm seinen Platz in der vordersten Reihe
der jakobitischen Partei und behauptete denselben durch alle Gefahren
und Wechselflle von dreiunddreiig unruhigen Jahren. Obgleich bestndig
mit Deisten, Juden, Socinianern, Presbyterianern, Papisten und Qukern
in theologische Streitigkeiten verwickelt, fand er doch noch Zeit und
Mue, einer der productivsten politischen Schriftsteller seines
Jahrhunderts zu werden. Von allen nichtschwrenden Geistlichen war er am
besten befhigt, Verfassungsfragen zu besprechen, denn er hatte vor
seiner Ordination lange im Temple gewohnt und die englische Geschichte
und Rechtswissenschaft studirt, whrend die meisten anderen Hupter des
Schismas ber den Acten von Chalcedon gebrtet, oder in dem Targum des
Onkelos nach Weisheit gesucht hatten.[89]


Sherlock.

Im Jahre 1689 jedoch war Leslie fast noch unbekannt in England. Unter
den Geistlichen, welche am 1. August des genannten Jahres suspendirt
wurden, stand Doctor Wilhelm Sherlock in der Achtung des Volks ohne
Widerrede am hchsten. Kein einfacher Priester der englischen Kirche hat
vielleicht je eine grere Autoritt ber seine Glaubensbrder besessen
als Sherlock sie zur Zeit der Revolution besa. Er nahm als Gelehrter,
als Prediger, als theologischer oder als politischer Schriftsteller zwar
nicht den ersten Rang unter seinen Zeitgenossen ein, aber in allen
diesen vier Eigenschaften hatte er sich ausgezeichnet. Die Klarheit und
Lebendigkeit seines Styls sind von Prior und Addison gerhmt worden, und
die Leichtigkeit mit der er schrieb, sowie sein Flei werden durch die
Menge und durch die Jahrzahlen seiner Werke genugsam bewiesen. Es gab
zwar unter dem Klerus Mnner von glnzenderem Genie und von
umfassenderer wissenschaftlicher Bildung, aber whrend einer langen Zeit
gab es keinen, der den Priesterstand vollkommener reprsentirte, keinen,
der ohne jeden Anflug von Latitudinarismus, Puritanismus oder Papismus
die Ansicht der anglikanischen Priesterschaft ber alle Gegenstnde
erschpfender aussprach. In den Tagen der Ausschlieungsbill, als die
Macht der Dissenters im Parlament und im Lande sehr gro war, hatte er
nachdrcklich gegen die Snde des Nonconformirens geschrieben. Als das
Ryehousecomplot entdeckt war, hatte er die Lehre vom Nichtwiderstande
mit Wort und Schrift eifrig vertheidigt. Seine der Sache des Episkopats
und der Monarchie geleisteten Dienste wurden so hoch geschtzt, da er
zum Vorsteher des Temple ernannt wurde. Auch wurde ihm von Karl eine
Pension ausgesetzt, die ihm aber Jakob bald wieder entzog, denn obgleich
Sherlock sich verpflichtet glaubte, der Civilgewalt passiven Gehorsam zu
leisten, so glaubte er sich doch nicht minder verpflichtet religise
Irrthmer zu bekmpfen und war der schrfste und rhrigste unter dem
Heere von Polemikern, welche am Tage der Gefahr den protestantischen
Glauben mannhaft vertheidigten. In wenig mehr als zwei Jahren
verffentlichte er sechzehn Schriften gegen die hohen Prtensionen Roms,
darunter einige umfangreiche Werke. Nicht zufrieden mit den Siegen, die
er ber so schwache Gegner, wie die Bewohner von Clerkenwell und des
Savoy errang, hatte er den Muth, sich mit keinem geringeren Kmpen als
Bossuet zu messen, aus welchem Kampfe er nicht mit Unehre hervorging.
Trotzdem blieb Sherlock nach wie vor bei dem Satze stehen, da keine
Tyrannei Christen berechtigen knne, sich der kniglichen Autoritt zu
widersetzen. Als die Convention im Begriff war zusammenzutreten, empfahl
er in einer Schrift, welche als das Manifest eines groen Theils der
Geistlichkeit betrachtet wurde, auf das Eindringlichste, da Jakob
eingeladen werden solle, unter Bedingungen, welche die Gesetze und die
Religion der Nation sichern wrden, zurckzukehren.[90] Der Beschlu,
welcher Wilhelm und Marien auf den Thron setzte, erfllte Sherlock mit
Kummer und Unwillen. Er soll ausgerufen haben da, wenn die Convention
zu einer Revolution entschlossen sei, der Klerus vierzigtausend Freunde
der Kirche finden wrde, um eine Restauration herbeizufhren.[91] Gegen
die neuen Eide sprach er offen und energisch seine Meinung aus. Er
erklrte, er begreife nicht, wie ein rechtschaffener Mann daran zweifeln
knne, da der Apostel Paulus mit den bestehenden Obrigkeiten die
rechtmigen Obrigkeiten gemeint habe und keine anderen. Kein Name wurde
1689 von den Jakobiten mit solchem Stolz und solcher Liebe genannt wie
der Name Sherlock's. Noch vor dem Schlusse des Jahres 1690 aber erweckte
dieser Name ganz andere Empfindungen.


Hickes.

Einige andere Eidverweigerer mssen noch besonders erwhnt werden. Einer
der Bedeutendsten unter ihnen war Georg Hickes, Dechant von Worcester.
Von allen Englndern seiner Zeit war er in den alten teutonischen
Sprachen am grndlichsten bewandert, und seine Kenntni der ersten
christlichen Literatur war eine umfassende. Hinsichtlich seiner
Befhigung zur politischen Discussion genge es zu sagen, da sein
Lieblingsargument zu Gunsten des passiven Gehorsams der Geschichte der
Thebanischen Legion entlehnt war. Er war der jngere Bruder des
unglcklichen Johann Hickes, der im Speicher der Alice Lisle verborgen
gefunden worden war. Jakob hatte, trotz aller Frsprache, sowohl Johann
Hickes als Alice Lisle hinrichten lassen. Leute, welche die Strke der
Grundstze des Dechanten nicht kannten, dachten er knne deshalb
mglicherweise einigen Groll hegen, denn er war eben nicht von sanftem
und vergebendem Character, und konnte sich einer unbedeutenden Krnkung
viele Jahre lang mit bitteren Gefhlen erinnern. Aber er war fest in
seinem religisen und politischen Glauben, er bedachte, da die Dulder
Dissenters waren, und er unterwarf sich dem Willen des Gesalbten des
Herrn nicht nur mit Geduld, sondern mit Freudigkeit. Er wurde sogar von
dem Augenblicke an wo sein Bruder aufgehngt und die Wohlthterin seines
Bruders enthauptet worden war, ein treuerer Unterthan als je. Whrend
fast alle anderen Geistlichen, durch die Indulgenzerklrung und durch
die Proceduren der Hohen Commission erschreckt, zu glauben begannen, da
sie die Lehre vom Nichtwiderstande ein wenig zu weit getrieben htten,
schrieb er eine Vertheidigung seines Lieblingsprinzips und bemhte sich
die bei Hounslow lagernden Truppen zu berzeugen, da, wenn es Jakob
gefallen sollte, sie alle zu massakriren, wie Maximian die Thebanische
Legion massakrirt hatte, weil sie sich geweigert, Abgtterei zu treiben,
es ihre Pflicht sein wrde, die Waffen auf einen Haufen zu werfen und
geduldig die Mrtyrerkrone zu empfangen. Um Hickes Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen, mu man sagen, da sein ganzes Verhalten nach der
Revolution bewies, da seine Servilitt weder aus Furcht, noch aus
Habsucht, sondern lediglich aus Bigotterie entsprang.[92]


Collier.

Jeremias Collier, der seiner Stelle als Prediger des Archivs entsetzt
worden, stand auf einer viel hheren Stufe. Er hat ein wohlbegrndetes
Recht auf dankbare und achtungsvolle Erwhnung, denn seiner
Beredtsamkeit und seinem Muthe ist die Reinigung unsrer leichteren
Literatur von der unsauberen Frbung, die sie whrend der
antipuritanischen Reaction angenommen hatte, hauptschlich
zuzuschreiben. Er war im vollen Umfange des Worts ein guter Mensch. Aber
er war auch ein Mann von eminenten Talenten, ein groer Meister des
Sarkasmus und ein ausgezeichneter Rhetoriker.[93] Desgleichen war seine
Belesenheit, wenn auch unverarbeitet, von groem Umfange. Sein Geist
aber war beschrnkt; seine Logik, selbst wenn er so glcklich war, eine
gute Sache zu vertheidigen, hchst nichtssagend und unbndig und sein
Verstand war nicht durch persnlichen, aber durch Berufsstolz fast
verwirrt. In seinen Augen war ein Priester das hchste menschliche Wesen
nchst einem Bischofe. Der beste und vornehmste Laie war dem geringsten
Geistlichen Ehrerbietung und Unterwrfigkeit schuldig. Mochte ein
Mitglied des geheiligten Standes sich noch so lcherlich machen, so war
es gottlos ber ihn zu lachen. Collier war in diesem Punkte so ungemein
empfindlich, da er es fr eine Profanation hielt, selbst ber die
Diener einer falschen Religion sich aufzuhalten. Er stellte es als Regel
hin, da auch Muftis und Auguren stets mit Achtung genannt werden
mten. Er tadelte Dryden, weil er ber die Hierophanten des Apis
gespttelt. Er lobte Racine, weil er dem Character eines Priesters des
Baal Wrde verliehen. Er lobte Corneille, weil er den gelehrten und
ehrwrdigen Gottesgelehrten Tiresias in seinem Oedipus nicht auf die
Bhne gebracht. Er gab zwar zu, da die Weglassung den dramatischen
Effect des Stckes beeintrchtigte, aber das heilige Amt war viel zu
feierlich, als da man eitles Spiel damit treiben durfte. Ja, er hielt
es sogar, so unglaublich dies scheinen mag, fr unpassend, wenn ein Laie
ber presbyterianische Prediger spttelte. Allerdings war sein
Jakobitismus nicht viel mehr als eine von den Formen, in denen sich sein
Eifer fr die Wrde seines Standes uerte. Er verabscheute die
Revolution weniger als einen Aufstand von Unterthanen gegen ihren Knig,
denn als einen Aufstand der Laienschaft gegen den Priesterstand. Die
seit dreiig Jahren von der Kanzel gepredigten Doctrinen, waren von der
Convention mit Verachtung behandelt worden. Eine neue Regierung war im
Widerspruch mit den Wnschen der geistlichen Peers im Hause der Lords
und der Priesterschaft des ganzen Landes eingesetzt worden. Eine
weltliche Versammlung hatte sich angemat, ein Gesetz zu erlassen, das
Erzbischfen und Bischfen, Rectoren und Vikaren bei Strafe der
Amtsentsetzung vorschrieb das abzuschwren, was sie Zeit ihres ganzen
Lebens gelehrt hatten. Was auch kleinmthigere Geister thun mochten,
Collier war entschlossen, sich von den siegreichen Feinden seines
Standes nicht im Triumphe fortfhren zu lassen. Bis zum letzten
Augenblicke wollte er mit der gebieterischen Haltung eines vom Himmel
Gesandten den Frsten und Mchtigen der Erde Trotz bieten.


Dodwell.

In Bezug auf geistige Begabung war Collier der Hervorragendste unter den
Eidverweigerern. Hinsichtlich der Gelehrsamkeit mu die erste Stelle
Heinrich Dodwell zuerkannt werden, der wegen des unverzeihlichen
Verbrechens, in Mayo ein kleines Gut zu besitzen, von dem papistischen
Parlament zu Dublin verurtheilt worden war. Er war Camdenianischer
Professor der alten Geschichte an der Universitt Oxford und hatte durch
chronologische und geographische Forschungen schon eine bedeutende
Celebritt erlangt; obgleich er aber nie dazu bewogen werden konnte,
sich ordiniren zu lassen, war doch die Theologie sein Lieblingsstudium.
Er war unbestreitbar ein frommer und redlicher Mann. Er hatte zahllose
Werke in verschiedenen Sprachen gelesen und dadurch einen greren
Schatz von Gelehrsamkeit gesammelt, als seine schwachen Geisteskrfte
festzuhalten vermochten. Der schwache geistige Funke, den er besa,
wurde durch das Material, das ihn nhren sollte, erstickt. Einige seiner
Werke scheinen in einem Irrenhause geschrieben zu sein und ziehen ihn,
obgleich von Beweisen seiner ungeheuren Belesenheit strotzend, auf das
Niveau eines Jakob Naylor und Ludwig Muggleton herab. Er begann eine
Dissertation, welche beweisen sollte, da das Vlkerrecht eine gttliche
Offenbarung sei, welche der in der Arche geretteten Familie gemacht
wurde. Er verffentlichte eine Abhandlung, in der er behauptete, da
eine Ehe zwischen einem Mitgliede der englischen Kirche und einem
Dissenter ungltig und da das Ehepaar in den Augen des Himmels des
Ehebruchs schuldig sei. Er vertheidigte den Gebrauch der
Instrumentalmusik beim ffentlichen Gottesdienste aus dem Grunde, weil
die Tne der Orgel die Macht htten, den Einflu der Teufel auf das
Rckenmark der Menschen zu paralysiren. In seiner Abhandlung ber diesen
Gegenstand bemerkte er, man habe gewichtige Autoritten fr die Ansicht,
da das Rckenmark, wenn es zersetzt wrde, eine Schlange werde. Ob
diese Ansicht richtig war oder nicht, hielt er fr unnthig zu
entscheiden. Vielleicht, sagte er, htten die ausgezeichneten Mnner, in
deren Werken sie sich finde, nur die groe Wahrheit figrlich
aussprechen wollen, da die alte Schlange hauptschlich durch das
Rckenmark auf uns einwirke.[94] Dodwell's Betrachtungen ber den
Zustand der Menschen nach dem Tode sind womglich noch wunderlicher. Er
sagt uns, da unsere Seelen von Natur sterblich sind. Vernichtung ist
das Loos des greren Theiles der Menschen, der Heiden, der Muhamedaner,
der ungetauften Kinder. Die Gabe der Unsterblichkeit wird in dem
Sakrament der Taufe mitgetheilt; zur Wirksamkeit des Sakraments aber ist
es durchaus nthig, da ein durch einen Bischof ordinirter Priester die
Taufhandlung verrichtet und die Einsetzungsworte spricht. Im natrlichen
Laufe der Dinge wrden demnach alle Presbyterianer, Independenten,
Baptisten und Quker aufhren zu existiren, wie die niederen Thiere.
Dodwell war jedoch ein viel zu guter Hochkirchlicher, als da er die
Dissenters so leichten Kaufs htte davonkommen lassen sollen. Er sagt
ihnen, da Gott, da sie Gelegenheit gehabt haben, das Evangelium
predigen zu hren, und die bischfliche Taufe htten empfangen knnen,
wenn sie nicht so verderbt wren, ihnen durch einen auerordentlichen
Machtspruch die Unsterblichkeit verleihen wird, damit sie bis in alle
Ewigkeit geqult werden knnen.[95]

Niemand verabscheute den zunehmenden Latitudinarismus mehr als Dodwell.
Gleichwohl hatte Niemand mehr Ursache, sich darber zu freuen, denn in
der ersten Hlfte des 17. Jahrhunderts wrde ein Denker, der zu
behaupten gewagt htte, die menschliche Seele sei von Natur sterblich
und hre in den meisten Fllen zugleich mit dem Krper auf zu existiren,
in Smithfield lebendig verbrannt worden sein. Noch zu einer Zeit, der
sich Dodwell wohl erinnern konnte, wrden Ketzer wie er sich glcklich
geschtzt haben, wenn sie, mit zerfleischtem Rcken, abgeschnittenen
Ohren und aufgeschlitzter Nase, die Zunge mit einem glhenden Eisen
durchbohrt und die Augen mit Steinen ausgeschlagen, mit dem Leben davon
gekommen wren. In den Augen der Eidverweigerer aber war der Urheber
dieser Theorie noch immer der groe Mr. Dodwell, und Einige, die es fr
strafbare Nachsicht hielten, eine presbyterianische Versammlung zu
dulden, hielten es zu gleicher Zeit fr eine grobe Illiberalitt, einen
gelehrten und frommen Jakobiten zu tadeln, weil er eine vom religisen
Gesichtspunkte so hchst unwichtige Lehre wie die von der
Unsterblichkeit der Seele, in Abrede stelle.[96]


Kettlewell. Fitzwilliam.

Zwei andere Eidverweigerer verdienen weniger ihrer Talente und ihrer
Gelehrsamkeit, als ihrer seltenen Rechtschaffenheit und ihrer nicht
minder seltenen Aufrichtigkeit wegen specielle Erwhnung. Dies sind
Johann Kettlewell, Rector von Coleshill, und Johann Fitzwilliam,
Canonicus von Windsor. Es ist bemerkenswerth, da diese Mnner beide
viel mit Lord Russell verkehrt und da beide, obgleich sie in
politischen Ansichten von ihm abwichen und den Antheil, den er an dem
whiggistischen Complot genommen, entschieden mibilligten, eine hohe
Meinung von seinem Character gehabt und seinen Tod aufrichtig betrauert
hatten. Er hatte Kettlewell noch eine freundliche Botschaft vom Schaffot
in Lincoln's Inn Fields gesandt. Lady Russell liebte, vertraute und
verehrte Fitzwilliam, der in ihrer Jugend der Freund ihres Vaters, des
tugendhaften Southampton gewesen war, bis an ihr Ende. Die beiden
Geistlichen stimmten in der Verweigerung der Eide berein, schlugen aber
von diesem Augenblicke an verschiedene Richtungen ein. Kettlewell war
eines der thtigsten Mitglieder seiner Partei; er scheute sich keiner
Anstrengung zum Besten der gemeinschaftlichen Sache, vorausgesetzt da
es keine solche war, die einem rechtschaffenen Mann Unehre machte, und
er vertheidigte seine Ansichten in mehreren Schriften, welche allerdings
eine viel hhere Meinung von seiner Aufrichtigkeit als von seiner
Urtheilsfhigkeit und seinem Scharfsinn begrnden.[97] Fitzwilliam
glaubte genug gethan zu haben, indem er sein anmuthiges Wohnhaus mit
Garten im Schatten der St. Georgs-Kapelle verlie und mit seinen Bchern
eine kleine Entresolwohnung bezog. Er konnte Wilhelm und Marien mit
ruhigem Gewissen nicht anerkennen, aber er hielt sich auch nicht fr
verpflichtet, bestndig zur Widersetzlichkeit gegen sie aufzustacheln,
und er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens unter dem mchtigen
Schutze des Hauses Bedford in harmloser, den Studien gewidmeter
Ruhe.[98]


Allgemeiner Character des eidverweigernden Klerus.

Unter den minder ausgezeichneten Geistlichen, welche ihre Pfrnden
verloren, befanden sich zweifelsohne viele gute Menschen; soviel aber
ist gewi, da der sittliche Character der Eidverweigerer im allgemeinen
auf keiner hohen Stufe stand. Es scheint hart, Leuten, welche
unbestreitbar einem Prinzipe ein groes Opfer brachten, Lauheit der
Prinzipien vorzuwerfen. Allein die Erfahrung beweist mehr als genugsam,
da Viele, die eines groen Opfers fhig sind, wenn ihr Blut vom Kampfe
erhitzt und die Blicke der Welt auf sie gerichtet sind, in der tglichen
Ausbung verborgener Tugenden nicht lange zu beharren vermgen. Es ist
durchaus nicht unwahrscheinlich, da Zeloten ihr Leben fr eine Religion
hingeben knnen, welche ihre rachschtigen oder ausschweifenden
Leidenschaften doch niemals wirksam gezgelt hatte. Wir erfahren sogar
von Kirchenvtern, welche das hchste Ansehen genieen, da selbst in
den reinsten Zeiten der Kirche einige Bekenner, die sich standhaft
geweigert hatten, durch Streuen von Weihrauch auf den Altar Jupiters den
Qualen der Folter und dem Tode zu entgehen, spter den christlichen
Namen durch Betrug und Ausschweifung schndeten.[99] Die
eidverweigernden Geistlichen haben inde Anspruch auf groe Nachsicht.
Sie befanden sich unbestreitbar in einer sehr versuchungvollen Lage. Ein
Schisma, das eine religise Gemeinschaft spaltet, spaltet in der Regel
den Laienstand ebenso wie den Klerus. Die sich lostrennenden
Seelenhirten ziehen einen groen Theil ihrer Heerden mit sich fort und
sind in Folge dessen ihres Unterhalts gewi. Aber das Schisma von 1689
erstreckte sich kaum weiter als auf den Klerus. Das Gesetz verlangte von
dem Rector, die Eide zu leisten, oder sein Amt niederzulegen; von dem
Gemeindemitgliede aber wurde kein Eid, keine Anerkennung des Titels des
neuen Herrscherpaares verlangt, um sich zur Theilnahme am Gottesdienste
oder zum Genusse des heiligen Abendmahls zu qualificiren. Daher hielt
sich von den Laien, welche die Revolution mibilligten, noch nicht einer
unter fnfzig fr verpflichtet, seinen Stuhl in der alten Kirche, wo
nach wie vor die alte Liturgie verlesen und die alten Gewnder getragen
wurden, zu verlassen und den ausgestoenen Priester zu einem Conventikel
zu begleiten, das noch obendrein durch das Toleranzedict nicht geschtzt
war. So war die neue Secte eine Secte von Predigern ohne Zuhrer und vom
Predigen konnten diese Prediger nicht leben. In London und in einigen
anderen groen Stdten waren die heftigen Jakobiten, welche durch nichts
zu befriedigen waren, als wenn sie fr Knig Jakob und den Prinzen von
Wales mit Namen beten hrten, allerdings zahlreich genug, um einige
kleine Gemeinden zu bilden, die sich im Geheimen und unter bestndiger
Furcht vor den Constablern in Rumen versammelten, welche so beschrnkt
waren, da die Bethuser der puritanischen Dissenters im Vergleich damit
Palste genannt werden konnten. Selbst Collier, der alle die
Eigenschaften besa, welche ein zahlreiches Auditorium herbeiziehen,
mute sich damit begngen, der Geistliche einer kleinen Schaar
Mivergngter zu sein, deren Betzimmer sich im zweiten Stock eines
Hauses der City befand. Aber die Zahl der nichtschwrenden Geistlichen,
die sich durch Gottesdiensthalten an solchen Orten auch nur einen
kmmerlichen Unterhalt zu erwerben vermochten, war sehr gering. Von den
brigen konnten einige unabhngig von ihrem Vermgen leben, andere
ernhrten sich durch literarische Arbeiten, ein paar praktizirten als
Aerzte. Thomas Wagstaffe zum Beispiel, der Kanzler von Lichfield gewesen
war, hatte viele Patienten und machte sich dadurch bemerkbar, da er sie
stets im vollen Domherrnornat besuchte.[100] Doch dies waren Ausnahmen.
Betriebsame Armuth ist ein der Tugendhaftigkeit keineswegs nachtheiliger
Zustand, gefhrlich aber ist es, arm und zugleich unthtig zu sein, und
die Mehrzahl der Geistlichen, die sich geweigert hatten zu schwren,
sahen sich ohne Subsistenzmittel und ohne Beschftigung in die Welt
hinausgestoen. Natrlich wurden sie Bettler und Miggnger. Da sie
sich als Mrtyrer fr eine ffentliche Sache betrachteten, so schmten
sie sich nicht, den ersten besten guten Hochkirchlichen um eine Guinee
anzusprechen. Die Meisten von ihnen verbrachten ihr Leben damit, da sie
aus einem Torykaffeehause ins andre gingen, die Hollnder schmhten,
Gerchte, nach denen Se. Majestt binnen einem Monate zuverlssig auf
englischem Boden sein wrde, anhrten und verbreiteten, und sich die
Kpfe darber zerbrachen, wer das Bisthum Salisbury bekommen wrde, wenn
Burnet gehngt wre. Whrend der Parlamentssession waren die Vorzimmer
und der Court of Requests mit abgesetzten Pfarrgeistlichen gefllt, die
sich erkundigten, wer die Oberhand habe und wie die letzte Abstimmung
ausgefallen sei. Viele der vertriebenen Geistlichen fanden in den
Husern reicher Jakobiten als Kaplane, Hauslehrer oder Seelsorger
Aufnahme. In einer derartigen Stellung kann ein Mann von reinem und
edlem Character, ein Mann wie Ken unter den Eidverweigerern und Watts
unter den Nonconformisten war, seine Wrde behaupten und durch sein
Beispiel und seine Belehrungen die Wohlthaten, die er empfngt, mehr als
vergelten. Fr Den aber, dessen Tugend nicht auf einer hohen Stufe
steht, ist dieser Lebensweg voller Gefahren. Besitzt er ein
phlegmatisches Temperament, so luft er Gefahr, zu einem servilen,
sinnlichen, trgen Schmarotzer herabzusinken. Hat er einen
thatkrftigen, aufstrebenden Geist, so steht zu befrchten, da er in
den schlimmen Kunstgriffen Erfahrung erlangt, durch welche dienende
Personen sich leichter als durch treue Dienste angenehm oder gefrchtet
machen. Die schwache Seite jedes Characters zu entdecken, jeder
Leidenschaft und jedem Vorurtheile zu schmeicheln, Zwietracht und Neid
zu sen, wo Liebe und Vertrauen herrschen sollten, den Augenblick
bereilter Offenherzigkeit zu ersphen, um Geheimnisse zu entlocken,
welche fr das Glck und die Ehre der Familien von Wichtigkeit sind:
dies sind die Gewohnheiten, durch welche sich scharfsinnige und unruhige
Geister nur zu oft fr das Demthigende einer abhngigen Stellung
gercht haben. Die ffentliche Stimme beschuldigte viele Eidverweigerer
laut, da sie die Gastfreundschaft ihrer Wohlthter mit eben so
schwarzem Undank verglten, wie der in Molire's Meisterwerk
geschilderte Heuchler. In der That als Cibber es unternahm, dieses
herrliche Lustspiel fr die englische Bhne zu bearbeiten, machte er aus
seinem Tartuffe einen Eidverweigerer, und Johnson, von dem man nicht
glauben kann, da er gegen die Eidverweigerer eingenommen gewesen sei,
gestand offen, da Cibber ihnen nicht Unrecht gethan habe.[101]

Es kann keinem Zweifel unterliegen, da das durch die Eide
herbeigefhrte Schisma noch weit schlimmer gewesen sein wrde, wenn in
dieser Krisis eine ausgedehnte Umgestaltung in der Verfassung oder dem
Ceremoniell der Staatskirche vorgenommen worden wre. Es ist ein sehr
lehrreiches Factum, da die aufgeklrten und toleranten Geistlichen,
welche eine solche Umgestaltung sehnlichst wnschten, nachher Grund
sahen, dankbar dafr zu sein, da ihr Lieblingsplan gescheitert war.


Der Comprehensionsplan. Tillotson.

Whigs und Tories hatten sich whrend der vorigen Session vereinigt,
Nottingham's Comprehensionsbill zu beseitigen, indem sie eine Adresse
beschlossen, welche den Knig ersuchte, die ganze Angelegenheit an die
Convocation zu verweisen. Burnet sah die Wirkung dieses Beschlusses
voraus. Der ganze Plan, sagte er, ist gnzlich zerstrt.[102] Viele von
seinen Freunden waren jedoch andrer Meinung, und zu ihnen gehrte auch
Tillotson. Von allen Mitgliedern der Niederkirchenpartei stand Tillotson
in der allgemeinen Achtung am hchsten. Als Kanzelredner bertraf er in
den Augen seiner Zeitgenossen alle lebenden und todten Rivalen. Die
Nachwelt hat dieses Urtheil nicht anerkannt; doch behauptet Tillotson
noch immer seinen Platz als ein legitimer englischer Classiker. Sein
hchster Gedankenflug stand zwar tief unter dem eines Taylor, eines
Barrow und eines South; aber sein Styl war correcter und flieender als
der ihrige. Keine wunderlichen Einfalle, keine pedantischen Citate aus
Talmudisten und Scholiasten, keine gemeinen Bilder, possenhaften
Geschichten oder unschicklichen Schmhungen beeintrchtigten die Wirkung
seiner ernsten und gemigten Reden. Seine Logik war gerade tief und
fein genug, damit ein volksthmliches Auditorium sie mit jenem leichten
Grade geistiger Anstrengung, der ein Genu ist, verfolgen konnte. Sein
Styl ist nicht brillant, aber er ist rein, durchsichtig klar und ebenso
frei von der Flchtigkeit, wie von der Schwerflligkeit, welche die
Predigten mancher ausgezeichneten Geistlichen des 17. Jahrhunderts
verunzieren. Er ist immer ernst, und doch hat seine Ausdrucksweise eine
gewisse elegante Ungezwungenheit, die ihn als einen Mann kennzeichnet,
der die Welt kennt, der in volkreichen Stdten und an glnzenden Hfen
gelebt und der sich nicht allein mit Bchern, sondern auch mit Juristen
und Kaufleuten, mit Literatur und Damen, mit Staatsmnnern und Frsten
unterhalten hat. Der Hauptreiz seiner Geistesproducte liegt jedoch in
der Herzensgte und Offenheit, welche aus jeder Zeile sprechen und in
seinem Lebenswandel nicht minder sichtbar hervortreten wie in seinen
Schriften.

Als Theolog war Tillotson gewi nicht weniger latitudinarisch als
Burnet. Dennoch sprachen viele von den Geistlichen, fr welche Burnet
ein Gegenstand unberwindlicher Abneigung war, von Tillotson mit
Zuneigung und Achtung. Es kann daher nicht Wunder nehmen, da die beiden
Freunde sich ein verschiedenes Urtheil ber die Gesinnung der
Priesterschaft gebildet hatten und von dem Zusammentritt der Convocation
ein verschiedenes Resultat erwarteten. Tillotson mifiel der Beschlu
der Gemeinen nicht. Er war der Ansicht, da Vernderungen, welche durch
eine rein weltliche Behrde in religisen Institutionen vorgenommen
wurden, vielen Kirchenmnnern unangenehm sein muten, die gleichwohl in
einer kirchlichen Synode fr noch umfassendere Aenderungen gestimmt
haben wrden, und seine Meinung hatte groes Gewicht beim Knige.[103]
Es ward beschlossen, da die Convocation zu Anfang der nchsten
Parlamentssession zusammentreten und da inzwischen eine Verordnung
erlassen werden sollte, welche einige ausgezeichnete Geistliche
ermchtigte, die Liturgie, die Kirchengesetze und das ganze von den
christlichen Gerichtshfen gehandhabte Rechtssystem zu prfen und ber
die sich als wnschenswerth herausstellenden Abnderungen Bericht zu
erstatten.[104]


Eine kirchliche Commission ernannt.

Die Mehrzahl der Bischfe, welche die Eide geleistet hatten, war in
dieser Commission, und ihnen waren zwanzig der angesehensten Priester
beigegeben. Der bedeutendste unter diesen Zwanzig war Tillotson, denn
man wute, da er die Ansicht des Knigs und der Knigin aussprach.
Unter den Commissionsmitgliedern, welche Tillotson als ihr Oberhaupt
betrachteten, befanden sich Stillingfleet, Dechant von St. Paul, Sharp,
Dechant von Norwich, Patrick, Dechant von Peterborough, Tenison, Rector
von St. Martin, und Fowler, dessen verstndiger Energie der Entschlu
der londoner Geistlichkeit, die Indulgenzerklrung nicht zu verlesen,
hauptschlich zuzuschreiben war.

Neben den genannten Mnnern standen einige der Hochkirchenpartei
angehrende Geistliche. Unter diesen zeichneten sich besonders zwei der
ersten Theologen von Oxford, Aldrich und Jane, aus. Aldrich war unlngst
zum Dechant von Christchurch ernannt worden, an Stelle des Papisten
Massey, den Jakob, in directem Widerspruch mit den Gesetzen, an die
Spitze dieses wichtigen Collegiums gestellt hatte. Der neue Dechant war
ein gebildeter, wenn auch nicht grndlicher Gelehrter und ein jovialer,
gastfreundlicher Herr. Er war der Verfasser einiger theologischer
Schriften, welche lngst vergessen sind, und eines Compendiums der
Logik, das noch in Gebrauch ist; die besten Werke aber, die er der
Nachwelt hinterlassen hat, sind seine Kanons. Jane, der knigliche
Professor der Theologie, war ein ernsterer, aber minder achtungswerther
Mann. Er hatte den Hauptantheil bei Abfassung des Decrets gehabt, durch
welches seine Universitt befahl, da die Werke Milton's und Buchanan's
in den Schulen ffentlich verbrannt werden sollten. Wenige Jahre spter
hatte er sich, gereizt und beunruhigt durch die Verfolgung der Bischfe
und durch die Confiscirung der Einknfte des Magdalenencollegiums, von
dem Prinzip des Nichtwiderstandes losgesagt, hatte sich in das
Hauptquartier des Prinzen von Oranien begeben und Sr. Hoheit versichert,
da Oxford bereitwillig sein Silbergeschirr zur Untersttzung des Kriegs
gegen seinen Unterdrcker in Geld verwandeln werde. Eine kurze Zeit lang
wurde Jane allgemein als ein Whig betrachtet und von einigen seiner
frheren Verbndeten in Schmhschriften arg mitgenommen. Er hatte das
Unglck einen Namen zu haben, der eine vortreffliche Zielscheibe fr die
gelehrten Witzlinge seiner Universitt war. Es erschienen mehrere
Epigramme auf den Janus mit dem Doppelgesicht, der durch Sehen nach der
einen Seite eine Professur erhalten, und der jetzt durch Sehen nach
einer andren Seite ein Bisthum zu erlangen hoffe. Da er ein Bisthum zu
erlangen hoffte, war vollkommen wahr. Er verlangte den Sitz von Exeter
als den seinen Diensten gebhrenden Lohn. Derselbe wurde ihm jedoch
abgeschlagen. Diese Verweigerung berzeugte ihn, da er vom
Latitudinarismus eben so viel zu frchten hatte wie vom Papismus, und er
wurde daher eiligst wieder ein Tory.[105]


Maregeln der Commission.

Zu Anfang des October versammelten sich die Mitglieder der Commission in
dem Jerusalemzimmer. Sie beschlossen in ihrer ersten Sitzung, darauf
anzutragen, da beim ffentlichen Gottesdienste die aus den Apokryphen
entnommenen Vorlesekapitel durch Kapitel aus den kanonischen Bchern der
heiligen Schrift ersetzt werden sollten.[106] In der zweiten
Zusammenkunft wurde eine Frage aufgeworfen, und zwar von Demjenigen, der
sie zu allerletzt htte in Anregung bringen sollen. Sprat, Bischof von
Rochester, war ohne den geringsten Gewissensskrupel zwei Jahre lang
Mitglied des verfassungswidrigen Tribunals gewesen, das unter der
vorigen Regierung die Kirche, zu deren Leitern er gehrte, unterdrckt
und geplndert hatte. Aber jetzt war er bedenklich geworden und uerte
Zweifel an der Gesetzmigkeit der Commission. Seine Einwendungen mssen
jedem gesunden Verstande als hohle Sophismen erscheinen. Das
Ernennungsdecret gab weder Vollmacht, Gesetze zu machen, noch Gesetze
anzuwenden, sondern lediglich zu untersuchen und zu berichten. Selbst
ohne knigliche Ermchtigung htten Tillotson, Patrick und Stillingfleet
unbedenklich zusammentreten knnen, um den Zustand und die Zukunft der
Kirche zu berathen und zu erwgen, ob es wnschenswerth war oder nicht,
den Dissenters ein Zugestndni zu machen. Wie konnte es ein Verbrechen
sein, wenn Unterthanen auf Verlangen ihres Souverains etwas thaten, was
unschuldig, ja lobenswerth gewesen wre, wenn sie es unaufgefordert
gethan htten? Sprat wurde jedoch durch Jane untersttzt. Es entspann
sich ein heftiger Wortwechsel, und Lloyd, Bischof von St. Asaph, der
neben vielen guten Eigenschaften ein reizbares Temperament besa, lie
sich so weit hinreien, von Spionen zu sprechen. Sprat entfernte sich
und kam nicht wieder. Jane und Aldrich folgten bald seinem
Beispiele.[107] Die Commission ging hierauf zur Errterung der Frage
wegen der Stellung beim Abendmahle ber, und es wurde beschlossen
anzuempfehlen, da ein Communikant, der nach Besprechung mit seinem
Seelsorger erklrte, sein Gewissen erlaube ihm nicht, das Brot und den
Wein kniend zu empfangen, dieselben sitzend empfangen drfe. Mew,
Bischof von Winchester, ein braver Mann, aber ohne wissenschaftliche
Bildung, der selbst in seinen besten Jahren schwach gewesen war und
jetzt immer kindischer wurde, protestirte gegen dieses Zugestndni und
verlie die Versammlung. Die anderen Mitglieder fuhren fort, sich emsig
mit ihrer Aufgabe zu beschftigen, und es fand kein weiterer Austritt
statt, obgleich groe Meinungsverschiedenheit herrschte und die Debatten
zuweilen ziemlich hei waren. Die entschiedensten Hochkirchlichen unter
den Zurckbleibenden waren Doctor Wilhelm Beveridge, Archidiakonus von
Colchester, der viele Jahre spter Bischof von St. Asaph wurde, und
Doctor Johann Scott, der Nmliche, der an Jeffreys' Sterbebett gebetet
hatte. Die Thtigsten unter den Latitudinariern waren Burnet, Fowler und
Tenison.

Die Taufhandlung wurde wiederholt discutirt. In Bezug auf Formalitten
waren die Commissionsmitglieder zur Nachsicht gestimmt. Sie waren
smmtlich geneigt, Kinder ohne Pathen und ohne das Zeichen des Kreuzes
in den Schoo der Kirche aufzunehmen. Die Majoritt aber weigerte sich
nach langer Debatte standhaft, die Worte zu entkrften oder
wegzuerklren, in denen nach der Ansicht aller unverdorbenen Gemther
die regenerirende Kraft des Sakraments liegt.[108]

Hinsichtlich des Chorhemds beschlo die Commission zu empfehlen, da den
Bischfen ein weiter Spielraum gelassen werde. Es wurden Auswege
ersonnen, durch welche Jemand, der die presbyterianische Ordination
empfangen, ein Priester der englischen Kirche werden konnte, ohne weder
ausdrcklich noch stillschweigend die Ungltigkeit dieser Ordination
zuzugeben.[109]

Der kirchliche Kalender wurde einer sorgfltigen Revision unterworfen.
Die groen Festtage wurden beibehalten. Aber es wurde nicht fr
wnschenswerth erachtet, da St. Valentin, St. Chad, St. Swithin, St.
Eduard Knig der Westsachsen, St. Dunstan und St. Alphage die Ehren St.
Johannes' und St. Paulus' theilten, oder da es den Anschein bekme, als
ob die Kirche die lcherliche Fabel von der Entdeckung des Kreuzes
Thatsachen von so hochwichtiger Bedeutung wie die Geburt, die
Leidensgeschichte, die Auferstehung und die Himmelfahrt des Herrn zur
Seite stellen wolle.[110]

Das Athanasische Glaubensbekenntni machte viel zu schaffen. Die meisten
Mitglieder der Commission waren eben so wenig geneigt, die doctrinellen
Stze aufzugeben, wie die damnatorischen Stze beizubehalten. Burnet,
Fowler und Tillotson wnschten dieses berhmte Symbolum ganz aus der
Liturgie zu streichen. Burnet machte dafr ein Argument geltend, das ihm
wahrscheinlich selbst kein groes Gewicht zu haben schien, das aber
vortrefflich darauf berechnet war, seine Gegner, Beveridge und Scott, in
Verlegenheit zu setzen. Das Concil von Ephesus war von den
anglikanischen Geistlichen stets als eine Synode verehrt worden, welche
die Gesammtheit der Glubigen wirklich reprsentirt hatte und von Gott
auf dem Wege der Wahrheit geleitet worden war. Die Stimme dieses Concils
war die Stimme der noch nicht durch Aberglauben verderbten oder durch
Spaltungen zerrissenen heiligen katholischen und apostolischen Kirche.
Seit mehr als zwlf Jahrhunderten hatte die Welt keine kirchliche
Versammlung wieder gesehen, welche gleichen Anspruch auf die Achtung der
Glubigen gehabt htte. Das Concil von Ephesus hatte in den klarsten
Ausdrcken und unter Androhung der furchtbarsten Strafen den Christen
verboten, ihren Brdern ein andres Glaubensbekenntni aufzudringen als
das von den Nicischen Vtern festgestellte. Man sollte daher denken,
da, wenn das Concil von Ephesus wirklich unter der Leitung des heiligen
Geistes stand, jeder der sich des Athanasischen Glaubensbekenntnisses
bedient, in dem Augenblicke da er ein Anathema gegen seine Nebenmenschen
ausspricht, ein Anathema ber sein eignes Haupt bringen mte.[111]
Trotz der Autoritt der ephesischen Vter beschlo die Majoritt der
Commissionsmitglieder das Athanasische Glaubensbekenntni im Gebetbuche
zu lassen, sie schlugen nur vor, eine von Stillingfleet entworfene
Rubrik beizufgen, welche erklrte, die damnatorischen Stze seien so zu
verstehen, da sie nur auf Diejenigen Anwendung fnden, welche das Wesen
des christlichen Glaubens hartnckig leugneten. Orthodoxe Glubige
durften daher hoffen, da der Ketzer, der aufrichtig und demthig nach
der Wahrheit gesucht, nicht zu ewiger Strafe verdammt werden wrde, weil
es ihm nicht gelungen war, sie zu finden.[112]

Tenison wurde beauftragt, die Liturgie zu prfen und alle diejenigen
Ausdrcke zu sammeln, gegen welche entweder von theologischen oder von
literarischen Kritikern Einwendungen gemacht worden waren. Einige
offenbare Mngel beschlo man zu beseitigen. Es wre vernnftig gewesen,
wenn es die Commissionsmitglieder dabei htten bewenden lassen;
unglcklicherweise aber beschlossen sie, einen groen Theil des
Gebetbuches umzuarbeiten. Dies war ein khnes Unternehmen, denn im
allgemeinen ist der Styl des Buches so, da er nicht verbessert werden
kann. Die englische Liturgie gewinnt in der That selbst bei einem
Vergleiche mit den schnen alten Liturgien, denen sie zum groen Theil
entlehnt ist. Die wesentlichen Eigenschaften der erbaulichen Eloquenz,
der Krze, der majesttischen Einfachheit, der pathetischen Innigkeit
des Gebets, durch tiefe Ehrfurcht gemigt, sind den Uebersetzungen und
den Originalen gemeinschaftlich eigen. In den untergeordneten
Schnheiten der Diction aber stehen die Originale den Uebersetzungen
unleugbar nach. Der Grund davon liegt auf der Hand. Die technischen
Ausdrcke des Christenthums wurden erst ein Bestandtheil der
lateinischen Sprache, als diese Sprache das Alter der Reife
berschritten hatte und in Barbarismus versank. Aber die technischen
Ausdrcke des Christenthums fanden sich in dem angelschsischen und
normnnischen Franzsisch schon lange bevor die Verschmelzung dieser
beiden Dialecte einen dritten, beiden berlegenen Dialect erzeugt hatte.
Das Latein, des rmisch-katholischen Gottesdienstes ist daher Latein im
letzten Stadium des Verfalls, whrend das Englisch unsres Gottesdienstes
Englisch in der vollen Kraft und Eleganz der ersten Jugend ist. Den
groen lateinischen Schriftstellern Terenz und Lucrez, Cicero und Csar,
Tacitus und Quintilian wrden die herrlichsten Compositionen Ambrosius'
und Gregor's nicht nur als schlecht geschrieben, sondern als sinnloses
Gewsch erschienen sein.[113] Die Diction unsers allgemeinen Gebetbuches
hingegen hat direct oder indirect dazu beigetragen, die Sprache fast
jedes groen englischen Schriftstellers zu bilden und hat die
Bewunderung der gebildetsten Unglubigen und der gebildetsten
Nonconformisten, die Bewunderung von Mnnern wie David Hume und Robert
Hall erweckt.

Der Styl der Liturgie befriedigte jedoch die Doctoren des
Jerusalemzimmers nicht. Sie erklrten die Collecten fr zu kurz und zu
trocken, und Patrick wurde beauftragt, sie zu erweitern und
auszuschmcken. In einer Hinsicht lie sich gegen diese Wahl nichts
einwenden, denn wenn wir danach urtheilen, wie Patrick die erhabenste
hebrische Poesie paraphrasirte, werden wir wahrscheinlich zu der
Ueberzeugung gelangen, da, mochte er sich nun dazu eignen, die
Collecten zu verbessern, oder nicht, wenigstens Niemand befhigter sein
konnte, sie zu erweitern.[114]


Die Convocation der Provinz Canterbury einberufen. Stimmung des Klerus.

Es kam inde wenig darauf an, ob die Empfehlungen der Commission gut
oder schlecht waren, denn verurtheilt waren sie alle, noch ehe man sie
kannte. Die Ausschreiben zur Einberufung der Convocation der Provinz
Canterbury waren erlassen und die Geistlichen waren allenthalben in
einem Zustande heftiger Aufregung. Sie hatten eben die Eide geleistet
und empfanden noch schmerzlich die harten Vorwrfe der Eidverweigerer,
die rcksichtslosen Schmhungen der Whigs und unzweifelhaft in vielen
Fllen auch die Mahnungen des Gewissens. Die Ankndigung, da eine
Convocation zusammentreten solle, um einen Comprehensionsplan zu
berathen, erweckte die strksten Leidenschaften des Priesters, der sich
so eben dem Gesetz gefgt hatte und der deshalb gar nicht oder nur halb
zufrieden mit sich war. Es bot sich ihm eine Gelegenheit, zur
Vereitelung eines Lieblingsplanes der Regierung beizutragen, welche bei
strenger Strafe eine Unterwerfung von ihm verlangt hatte, die sich mit
seinem Gewissen oder mit seinem Stolze schwer vereinigen lie. Es bot
sich ihm eine Gelegenheit, seinen Eifer fr die Kirche zu bethtigen,
deren characteristische Lehren er um materiellen Nutzens willen untreu
geworden zu sein beschuldigt war. Seiner Ansicht nach drohte ihr jetzt
eine eben so groe Gefahr als die des vorhergehenden Jahres. Die
Latitudinarier von 1689 seien nicht minder eifrig bestrebt, sie zu
demthigen und zu Grunde zu richten, wie die Jesuiten von 1688. Die
Toleranzacte habe fr die Dissenters soviel gethan, als sich mit der
Wrde und Sicherheit der Kirche vertrug, und es drfe nichts weiter
zugestanden werden, nicht der Saum eines Gewandes, nicht eine Sylbe vom
Anfang bis zum Ende der Liturgie. Alle die Vorwrfe, welche der
kirchlichen Commission Jakob's gemacht worden waren, wurden auf die
kirchliche Commission Wilhelm's bertragen. Die beiden Commissionen
hatten zwar nichts als den Namen mit einander gemein; aber bei dem Namen
dachte Jedermann an Ungesetzlichkeit und Bedrckung, an Verletzung des
Hausrechts und Confiscation von Grundeigenthum, und die Bswilligen
riefen ihn daher unermdlich und mit nicht geringem Erfolge in die Ohren
der Unwissenden.


Die Geistlichkeit unzufrieden mit dem Knig.

Auch dem Knig, sagte man, war nicht zu trauen. Er conformirte sich zwar
dem bestehenden Gottesdienste, aber es war bei ihm eine rtliche und
gelegentliche Conformitt. Denn gegen einige Ceremonien, fr welche die
Hochkirchlichen sehr eingenommen waren, empfand er einen Widerwillen,
den er gar nicht zu verhehlen suchte. Es war eine seiner ersten
Maregeln gewesen, zu befehlen, da der Gottesdienst in seiner
Privatkapelle gesprochen und nicht gesungen werden solle, und diese
Anordnung erregte viel Murren, obgleich die Rubrik sie guthie.[115] Es
war bekannt, da er so profan war, ber einen durch hohe kirchliche
Autoritt sanctionirten Gebrauch zu sptteln, ber den Gebrauch des
Hndeauflegens gegen die Skropheln. Diese Ceremonie hatte sich fast
unverndert seit dem grauesten Alterthum bis zu den Zeiten Newton's und
Locke's erhalten. Die Stuarts spendeten hufig die heilende Kraft im
Bankethause. Die Tage, an denen dieses Wunder verrichtet werden sollte,
wurden in Sitzungen des Geheimen Raths bestimmt, und dann in allen
Pfarrkirchen des Reichs von den Geistlichen feierlich verkndet.[116]
Wenn die bestimmte Zeit kam, standen mehrere Geistliche im vollen Ornate
um den Staatsbaldachin. Der knigliche Leibarzt fhrte die Kranken
herein, und es wurde hierauf eine Stelle aus dem 16. Kapitel des
Evangeliums Marci vorgelesen. Nach den Worten: Auf die Kranken werden
sie die Hnde legen, so wird's besser mit ihnen werden, wurde
innegehalten und einer der Kranken vor den Knig gebracht. Se. Majestt
berhrte die Geschwre und Beulen und hing ein weies Band, an dem eine
Goldmnze befestigt war, um den Hals des Patienten. Die Uebrigen wurden
so alle nacheinander vorgefhrt und wenn jeder berhrt war, wiederholte
der Kaplan die Worte; Auf die Kranken werden sie die Hnde legen, so
wird's besser mit ihnen werden. Dann kamen die Epistel, Gebete,
Wechselgesnge und ein Segen. Der Dienst findet sich noch in den
Gebetbchern aus der Regierungszeit der Knigin Anna. Erst einige Zeit
nach der Thronbesteigung Georg's I. hrte die Universitt Oxford auf,
das feierliche Amt der Heilung mit der Liturgie zusammen drucken zu
lassen. Theologen von ausgezeichneter Gelehrsamkeit, Bildung und
Tugendhaftigkeit sanctionirten dieses Blendwerk durch ihre Autoritt und
was noch aufflliger ist, hochberhmte Aerzte glaubten an die heilenden
Krfte der kniglichen Hand, oder stellten sich wenigstens als glaubten
sie daran. Wir drfen wohl annehmen, da jeder im Dienste Karl's II.
stehende Arzt ein Mann von hoher Berufstchtigkeit war, und mehr als
einer von den Aerzten Karl's II. hat uns das feierliche Bekenntni
seines Glaubens an die Wunderkraft des Knigs hinterlassen. Einer von
ihnen schmt sich nicht uns zu sagen, da die Gabe durch die bei der
Krnung stattfindende Salbung mitgetheilt werde, da die Heilungen so
zahlreich seien und zuweilen so rasch erfolgten, da sie keiner
natrlichen Ursache zugeschrieben werden konnten, da das Fehlschlagen
lediglich dem Mangel an Glauben auf Seiten des Kranken beigemessen
werden msse; da Karl einst einen skrophulsen Quker berhrt und ihn
in einem Augenblicke zu einem gesunden Menschen und wahren
Hochkirchenmann gemacht; da, wenn die Geheilten das ihnen um den Hals
gehngte Goldstck verlren oder verkauften, die Geschwre von neuem
aufbrchen und nur durch eine abermalige Berhrung und durch einen
zweiten Talisman geheilt werden knnten. Wenn Mnner der Wissenschaft
solchen Unsinn ernsthaft wiederholten, so drfen wir uns nicht darber
wundern, da der groe Haufe ihn glaubte. Noch weniger drfen wir uns
wundern, da Unglckliche, die von einer Krankheit geqult wurden, gegen
welche natrliche Heilmittel nichts vermochten, Geschichten von
bernatrlichen Kuren begierig verschlangen, denn nichts ist so
leichtglubig als das Unglck. Die Volksmassen, die sich an den
Heilungstagen nach dem Palaste drngten, waren ungeheuer. Karl II.
berhrte im Laufe seiner Regierung nahe an hunderttausend Personen. Die
Zahl war grer oder geringer je nachdem die Popularitt des Knigs
stieg oder sank. Whrend der toryistischen Reaction, welche auf die
Auflsung des Oxforder Parlaments folgte, drngte sich das Volk
massenhaft in seine Nhe. Im Jahre 1682 verrichtete er die Ceremonie
achttausendfnfhundert Mal. Im Jahre 1684 war das Gedrnge so arg, da
sechs oder sieben Kranke todtgetreten wurden. Jakob berhrte auf einer
seiner Reisen im Chore der Kathedrale von Chester achthundert Personen.
Die Kosten der Ceremonie beliefen sich auf nicht viel weniger als
zehntausend Pfund jhrlich und wrden ohne die Wachsamkeit des
kniglichen Leibarztes, der die Applikanten zu untersuchen und
Diejenigen, welche um der Heilung willen kamen, von Denen, welche des
Goldstcks wegen kamen, zu scheiden hatte, noch viel bedeutender gewesen
sein.[117]

Wilhelm war viel zu klug, als da er htte getuscht werden knnen, und
viel zu rechtschaffen, um an einer Handlung Theil zu nehmen, von der er
wute, da es Betrug war. Es ist ein kindischer Aberglaube, rief er
aus, als er hrte, da zu Ende der Fastenzeit sein Palast von einer
Menge Kranker belagert war; man gebe den armen Leuten etwas Geld und
schicke sie fort.[118] Einmal wurde er dringend gebeten, seine Hand auf
einen Patienten zu legen. Gott schenke Euch bessere Gesundheit, sagte
er, und mehr Verstand. Die Eltern skrophulser Kinder schrien Zeter
ber seine Grausamkeit; die Bigotten erhoben entsetzt ber seine
Gottlosigkeit Hnde und Augen zum Himmel; die Jakobiten lobten ihn
sarkastisch, da er nicht so anmaend sei, sich eine Kraft beizumessen,
die nur legitimen Souverainen zukomme, und selbst einige Whigs meinten,
es sei unklug von ihm, da er einen im Volke tief eingewurzelten
Aberglauben mit so auffallender Geringschtzung behandle. Wilhelm aber
war nicht zu bewegen und wurde deshalb von vielen Hochkirchlichen als
entweder ein Unglubiger oder ein Puritaner betrachtet.[119]


Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer gegen die
Dissenters erbittert.

Die Hauptursache jedoch, welche damals der Geistlichkeit selbst den
gemigtsten Comprehensionsplan verhat machte, ist noch nicht erwhnt
worden. Was Burnet vorhergesehen und vorhergesagt hatte, war
eingetroffen. Es herrschte in dem ganzen Priesterstande eine groe
Geneigtheit, die Unbilden der schottischen Episkopalen die englischen
Presbyterianer entgelten zu lassen. Es lie sich nicht leugnen, da
selbst die Hochkirchlichen im Sommer des Jahres 1688 sich im allgemeinen
bereit erklrt hatten, Vieles im Interesse der Union aufzugeben. Allein
man sagte, und nicht ohne einen Anschein von Begrndung, die Vorgnge
jenseit der Grenze bewiesen, da eine Union unter billigen Bedingungen
unmglich sei. Wie knnen, fragte man, Diejenigen, die uns keine
Concession machen wollen wo wir schwach sind, es uns verargen, da wir
ihnen keine Concession machen wollen, wo wir stark sind? Wir knnen die
Grundstze und Gesinnungen einer Secte nach den Erklrungen, die sie in
einem Augenblicke der Schwche und der Leiden abgiebt, nicht richtig
beurtheilen. Wenn wir den puritanischen Geist in seiner wahren
Beschaffenheit kennen lernen wollen, mssen wir den Puritaner
beobachten, wenn er die Oberhand hat. Unter der vorigen Generation hatte
er hier die Oberhand, und sein kleiner Finger war strker als die Lenden
der Prlaten. Er trieb Hunderte von friedlichen Studenten aus ihren
Collegien und Tausende von achtbaren Geistlichen aus ihren
Pfarrwohnungen, weil sie sich weigerten, seinen Covenant zu
unterschreiben. Weder Gelehrsamkeit, noch Genie, noch Frmmigkeit wurde
geschont. Mnner wie Hall und Sanderson, Chillingworth und Hammond
wurden nicht allein ausgeplndert, sondern ins Gefngni geworfen und
der ganzen Rohheit brutaler Kerkermeister preisgegeben. Es wurde fr ein
Verbrechen erklrt, schne Psalmen und Gebete zu lesen, welche Ambrosius
und Chrysostomus den Glubigen hinterlassen hatten. Endlich ward die
Nation der Herrschaft der Frommen mde. Die gestrzte Dynastie und die
gestrzte Hierarchie wurden wieder eingesetzt, der Puritaner wurde
seinerseits Ausschlieungen und Strafen unterworfen, und alsbald kam er
dahinter, da es grausam sei, Jemanden zu bestrafen, weil er
Gewissensskrupel wegen eines Gewandes, wegen einer Ceremonie, wegen
geistlicher Amtsverrichtungen hegte. Seine jammervollen Klagen und seine
Argumente zu Gunsten der Toleranz hatten endlich auf viele Gutmthige
Eindruck gemacht. Selbst eifrige Hochkirchliche hatten angefangen, sich
der Hoffnung hinzugeben, da die harte Lehre, die er bekommen, ihn
aufrichtig, gemigt und nachsichtig gemacht habe. Wre dem wirklich so
gewesen, so wrde es allerdings unsre Pflicht sein, seine Bedenken mit
zarter Rcksicht zu behandeln. Aber whrend wir berlegten, was wir thun
knnten, um seinen Wnschen in England zu entsprechen, hatte er in
Schottland das Uebergewicht erlangt, und in einem Augenblicke war er
wieder ganz er selbst: bigott, insolent und grausam. Pfarrwohnungen
wurden geplndert, Kirchen geschlossen, Gebetbcher verbrannt, heilige
Gewnder zerrissen, andchtige Versammlungen auseinandergetrieben,
Priester gemihandelt, mit Steinen geworfen, an den Schandpfahl gestellt
und mit Weib und Kind hinausgestoen, um zu betteln oder zu verhungern.
Da diese Gewaltthtigkeiten nicht einigen wenigen ruchlosen
Herumtreibern, sondern der Gesammtheit der schottischen Presbyterianer
zur Last fielen, ging klar aus dem Umstande hervor, da die Regierung es
weder gewagt hatte, die Uebelthter zu bestrafen, noch den Betroffenen
Abhilfe zu verschaffen. Sei es da nicht gerathen, da die englische
Kirche auf ihrer Hut sei? Knne man billigerweise von ihr verlangen, da
sie ihre apostolische Verfassung und ihr schnes Ritual aufgebe, um
Diejenigen auszushnen, denen nichts als die Macht fehlte, um sie zu
mihandeln, wie sie ihre Schwester gemihandelt hatten? Diese Leute
htten bereits eine Wohlthat erlangt, die sie nicht verdienten und die
sie niemals gewhrt haben wrden. Sie verehrten Gott in vollkommener
Sicherheit; ihre Bethuser genssen eines eben so wirksamen Schutzes wie
die Chre unserer Kathedralen. Whrend kein bischflicher Geistlicher
ohne Lebensgefahr in Ayrshire oder Renfrewshire Gottesdienst halten
knne, predigten in Middlesex hundert presbyterianische Geistliche
ungestrt jeden Sonntag. Die Legislatur habe mit einer vielleicht
unklugen Gromuth den intolerantesten Menschen Toleranz gewhrt, und mit
der Toleranz zieme es ihnen sich zu begngen.


Einrichtung der Convocation.

So vereinigten sich mehrere Ursachen, um die Parochialgeistlichen gegen
den Comprehensionsplan zu erbittern. Ihre Stimmung war von der Art, da
der im Jerusalemzimmer entworfene Plan, wenn er ihnen unmittelbar
vorgelegt worden wre, mit einer Majoritt von Zwanzig gegen Eins
verworfen worden sein wrde. In der Convocation aber stand ihr Gewicht
in keinem Verhltni zu ihrer Zahl. Die Convocation ist zum Glck fr
unser Vaterland seit langer Zeit so gnzlich ohne Bedeutung, da sich
bis vor Kurzem nur wibegierige Forscher um ihre Einrichtung gekmmert
haben, und doch glauben noch heutzutage sonst nicht ungebildete Leute,
sie sei ein die Kirche von England reprsentirendes Concil gewesen. Die
in unsrer Kirchengeschichte so hufig erwhnte Convocation ist jedoch
thatschlich nichts weiter als die Synode der Provinz Canterbury und war
nie berechtigt, im Namen des gesammten Klerus zu sprechen. Die Provinz
York hatte ebenfalls ihre Convocation; aber tiefe Provinz war bis tief
ins 18. Jahrhundert im allgemeinen so arm, so uncultivirt und so dnn
bevlkert, da sie hinsichtlich ihrer politischen Bedeutung kaum fr ein
Zehntel des Reichs gerechnet werden konnte. Die Ansicht des sdlichen
Klerus galt daher allgemein fr die Ansicht des ganzen Standes. Wo die
formelle Beistimmung des nrdlichen Klerus erforderlich war, wurde sie
als sich von selbst verstehend gegeben. Die von der Convocation von
Canterbury im Jahre 1604 erlassenen Kirchengesetze waren in der That
schon zwei Jahre bevor die Convocation von York die Formalitt ihrer
Zustimmungsertheilung erfllte, von Jakob I. besttigt und ihre genaue
Beobachtung im ganzen Knigreiche anbefohlen. Seitdem diese kirchlichen
Versammlungen bloe Namen geworden, hatte die Stellung der beiden
Erzbisthmer zu einander eine groe Vernderung erfahren. In allen
Elementen der Macht reprsentirt die Gegend jenseit des Trent jetzt
mindestens ein Drittheil England's. Als in unsrer Zeit das
Representativsystem dem vernderten Zustande des Landes angepat wurde,
gehrten fast smmtliche kleine Burgflecken, denen das Wahlrecht
entzogen werden mute, dem Sden an. Zwei Drittel der neuen
Parlamentsmitglieder, welche den groen Provinzialstdten bewilligt
wurden, kamen auf den Norden. Wenn daher eine englische Regierung die
Convocationen in ihrer gegenwrtigen Einrichtung zur Erledigung von
Geschften zusammentreten lassen wollte, so wrden zwei von einander
unabhngige Synoden gleichzeitig fr eine Kirche Gesetze geben, und es
ist durchaus nicht unwahrscheinlich, da die eine Versammlung
Kirchengesetze annhme, welche die andre verwerfen wrde, und da die
eine Versammlung Behauptungen als ketzerisch verdammen wrde, welche die
andre fr orthodox hielte.[120] Im 17. Jahrhundert war so etwas nicht zu
frchten. Die Convocation von York wurde damals in der That so wenig
beachtet, da die beiden Parlamentshuser in ihrer Adresse an Wilhelm
nur von einer Convocation gesprochen hatten, die sie die Convocation der
Geistlichkeit des Knigreichs nannten.

Die Krperschaft, die sie eben nicht besonders richtig so bezeichneten,
zerfllt in zwei Huser. Das Oberhaus besteht aus den Bischfen der
Provinz Canterbury. Das Unterhaus bestand 1689 aus hundertvierundvierzig
Mitgliedern. Zweiundzwanzig Dechanten und vierundfunfzig Archidiakonen
saen darin kraft ihrer Aemter; vierundzwanzig Geistliche saen als
Vertreter von eben so vielen Kapiteln darin und nur vierundvierzig
Abgeordnete wurden von den achttausend Pfarrgeistlichen der
zweiundzwanzig Kirchspiele gewhlt.


Wahl der Convocationsmitglieder.

Diese vierundvierzig Bevollmchtigten waren jedoch fast alle eines
Sinnes. Die Wahl derselben war in frheren Zeiten auf die ruhigste und
anstndigste Weise vor sich gegangen. Bei dieser Gelegenheit aber fanden
starke Wahlumtriebe und heftige Wahlkmpfe statt; Rochester, das Haupt
der Partei, die sich im Hause der Lords der Comprehensionsbill
widersetzt hatte, und sein Bruder Clarendon, der sich geweigert hatte,
die Eide zu leisten, waren nach Oxford, dem Hauptquartier dieser Partei,
gegangen, um die Opposition zu animiren und zu organisiren.[121] Die
Vertreter der Parochialgeistlichen mssen Mnner gewesen sein, deren
Hauptauszeichnung ihr Eifer war, denn in der ganzen Liste findet sich
nicht ein einziger berhmter Name und nur sehr wenige, die jetzt noch
dem eifrigen Geschichtsforscher bekannt sind.[122] Die officiellen
Mitglieder des Unterhauses, unter denen sich viele ausgezeichnete
Gelehrte und Kanzelredner befanden, scheinen nicht sehr ungleich
getheilt gewesen zu sein.


Verleihung geistlicher Aemter.

Whrend des Sommers 1689 kamen mehrere hohe kirchliche Aemter zur
Erledigung und wurden Geistlichen verliehen, welche im Jerusalemzimmer
saen. Es ist bereits erwhnt worden, da Thomas, Bischof von Worcester,
gerade vor dem zur Eidesleistung bestimmten Tage starb. Lake, Bischof
von Chichester, lebte eben noch lange genug, um sie zu verweigern, und
er erklrte mit seinem letzten Athemzuge, da er selbst auf dem
Scheiterhaufen die Lehre von dem unveruerlichen Erbrechte nicht
verleugnen wrde. Der Bischofsstuhl von Chichester wurde mit Patrick,
der von Worcester mit Stillingfleet besetzt, und die Dechanei von St.
Paul, welche Stillingfleet verlie, bekam Tillotson. Da Tillotson nicht
auf die bischfliche Bank erhoben wurde, erregte einige Verwunderung.
Aber gerade deshalb, weil die Regierung seine Dienste besonders hoch
schtzte, lie man ihn noch einige Zeit einfacher Pfarrgeistlicher
bleiben. Das wichtigste Amt in der Convocation war das des Wortfhrers
des Unterhauses. Den Wortfhrer hatten die Mitglieder zu whlen, und der
einzige gemigte Mann, der Aussicht hatte gewhlt zu werden, war
Tillotson. Es war factisch bereits festgesetzt, da er der nchste
Erzbischof von Canterbury werden sollte. Als er fr seine neue Dechanei
zum Handku ging, dankte er dem Knige herzlich und sagte: Eure
Majestt hat mich fr den Rest meiner Tage zur Ruhe gesetzt. -- Nicht
doch, Herr Doctor, ich versichere es Ihnen, entgegnete Wilhelm, worauf
er ihm sehr deutlich zu verstehen gab, da, wenn Sancroft einmal
aufhren werde, das hchste kirchliche Amt zu verwalten, Tillotson sein
Nachfolger sein sollte. Tillotson war ganz bestrzt, denn sein Character
war sanft und frei von Ehrgeiz, er begann die Schwchen des
Greisenalters zu empfinden, fragte wenig nach Geld und Gut, und
diejenigen weltlichen Vortheile, auf die er den meisten Werth legte,
waren ein guter Ruf und die allgemeine Zuneigung seiner Nebenmenschen.
Diese Vortheile besa er schon, und er konnte sich nicht verhehlen, da
er als Primas den unvershnlichen Ha einer mchtigen Partei auf sich
ziehen und eine Zielscheibe fr die Verleumdung werden wrde, vor der
sein mildes und gefhlvolles Naturell zurckschauderte, wie vor der
Folter oder dem Rade. Wilhelm sprach ernst und entschieden. Es ist
nothwendig im Interesse meiner Plne, sagte er, und Sie wrden es bei
Ihrem Gewissen nicht verantworten knnen, wenn Sie mir Ihren Beistand
verweigerten. Hiermit endigte die Unterredung. Es war auch in der That
nicht nthig, da die Sache auf der Stelle entschieden wurde, denn es
sollten noch mehrere Monate verstreichen, ehe das Erzbisthum zur
Erledigung kam.

Tillotson klagte seine Noth mit ungeheuchelter Sorge und Betrbni Lady
Russell, der er unter allen menschlichen Wesen die hchste Achtung und
das meiste Vertrauen schenkte.[123] Er scheue zwar keinen Dienst der
Kirche, sagte er, aber er sei berzeugt, da er in seiner gegenwrtigen
Stellung am meisten ntzen knne. Wenn er gezwungen werden sollte, einen
so hohen und verhaten Posten wie das Primat anzunehmen, wrde er der
fr seine Krfte so schweren Last der Pflichten und Sorgen bald
erliegen. Es wrde ihm an Muth dazu und mithin auch an der nthigen
Befhigung fehlen. Er beschwerte sich dann mild ber Burnet, der ihn mit
einer wahrhaft hochherzigen Innigkeit liebte und verehrte und der sich
bemht hatte, den Knig und die Knigin zu berzeugen, da es in ganz
England nur einen einzigen Mann gebe, der sich fr die hchste
kirchliche Wrde eigne. Der Bischof von Salisbury, sagte Tillotson,
ist einer meiner besten und zugleich schlimmsten Freunde.


Compton ist unzufrieden.

Was Burnet kein Geheimni war, konnte Niemandem lange ein Geheimni
bleiben. Man begann sich sehr bald zuzuflstern, da der Knig Tillotson
zum Nachfolger Sancroft's bestimmt habe. Die Nachricht verdro Compton
heftig, denn er hatte nicht ohne Grund geglaubt, da er in seinen
Ansprchen keinen Rivalen habe. Er hatte die Knigin und ihre Schwester
erzogen, und der Erziehung, die sie von ihm empfangen, drfte sicherlich
wenigstens zum Theil die Festigkeit zugeschrieben, werden, mit der sie
trotz des Einflusses ihres Vaters der Landesreligion treu geblieben
waren. Compton war auerdem der einzige Prlat, der unter der vorigen
Regierung im Parlament seine Stimme gegen das Dispensationsrecht
erhoben, der einzige Prlat, der von der Hohen Commission suspendirt
worden war, der einzige Prlat, der die Einladung an den Prinzen von
Oranien unterzeichnet, der einzige Prlat, der wirklich die Waffen gegen
Papismus und Willkrgewalt ergriffen, der einzige Prlat, der mit noch
einem andren gegen eine Regentschaft gestimmt hatte. Unter den
Geistlichen der Provinz Canterbury, welche die Eide geleistet hatten,
war er dem Range nach der Erste. Er hatte daher einige Monate lang als
Stellvertreter des Primas fungirt; er hatte die neuen Souveraine
gekrnt, er hatte die neuen Bischfe geweiht, und er stand auf dem
Punkte, der Convocation zu prsidiren. Dazu kam noch, da er der Sohn
eines Earls war und da kein Mann von gleich vornehmer Geburt damals auf
der Bank der Bischfe sa, noch jemals seit der Reformation auf
derselben gesessen hatte. Da die Regierung einen Priester seiner
eigenen Dicese ber ihn stellen wollte, der der Sohn eines Tuchmachers
aus Yorkshire war und der sich durch nichts als durch Talente und
Tugenden auszeichnete, war krnkend, und Compton, obgleich er durchaus
kein schlechtes Herz hatte, fhlte sich tief gekrnkt. Vielleicht wurde
sein Verdru durch den Gedanken noch vermehrt, da er im Interesse
Derer, die ihn so zurcksetzten, Manches gethan, was sein Gewissen
gedrckt und seinen Ruf befleckt hatte, da er einmal die Winkelzge
eines Diplomaten ausgebt und ein andermal seinen Amtsbrdern, durch
Tragen des Bffelwamses und der Reiterstiefeln Aergerni gegeben hatte.
Malosen Ehrgeizes konnte er Tillotson nicht beschuldigen. Aber obgleich
Tillotson selbst an dem Erzbisthum gar nichts gelegen war, bot er doch
seinen Einflu nicht zu Gunsten Compton's auf, sondern empfahl dringend
Stillingfleet als das geeignetste Oberhaupt der englischen Kirche. Die
Folge davon war, da am Vorabend des Zusammentritts der Convocation der
Bischof, der an der Spitze des Oberhauses stehen sollte, der persnliche
Feind des Pfarrgeistlichen wurde, den die Regierung an der Spitze des
Unterhauses zu sehen wnschte. Dieser Streit hufte neue Schwierigkeiten
auf Schwierigkeiten, welche keiner Vermehrung bedurften.[124]


Zusammentritt der Convocation.

Erst am 20. November versammelte sich die Convocation zur Erledigung von
Geschften. Das Versammlungslokal war gewhnlich die Paulskirche
gewesen. Aber diese Kathedrale erhob sich nur langsam aus ihren
Trmmern, und wenn auch ihre Kuppel die hundert Kirchthrme der City
bereits hoch berragte, so waren doch die inneren Rume dem
Gottesdienste noch nicht geffnet. Die Versammlung hielt daher ihre
Zusammenknfte in Westminster.[125] In die schne Kapelle Heinrich's
VII. war ein Tisch gestellt und Compton nahm den Prsidentenstuhl ein.
Zu seiner Rechten und Linken saen in prunkenden Gewndern von Scharlach
und Grauwerk diejenigen Suffragane von Canterbury, welche die Eide
geleistet hatten, und am unteren Ende der Tafel war die Schaar der
Pfarrgeistlichen versammelt. Beveridge hielt eine lateinische Rede, in
der er das bestehende System zwar warm lobte, sich aber doch einer
gemigten Reform zugethan erklrte. Die Kirchengesetze, sagte er, seien
zweierlei Art. Einige Gesetze seien fundamental und ewig, ihre Autoritt
stamme von Gott, und keine religise Gemeinschaft knne sie umstoen,
ohne aufzuhren, einen Theil der Universalkirche zu bilden. Andere
Gesetze seien rtlich und temporr. Diese seien von menschlicher
Weisheit gemacht, und menschliche Weisheit knne sie daher abndern.
Allerdings drften sie nicht ohne triftige Grnde abgendert werden,
aber an solchen Grnden fehle es in diesem Augenblicke sicherlich nicht.
Eine zerstreute Heerde in eine Hrde und unter einen Schfer zu bringen,
Steine des Anstoes vom Pfade des Schwachen zu entfernen, lange
entfremdete Herzen mit einander auszushnen, die geistliche Zucht in
ihrer ursprnglichen Kraft wiederherzustellen, der besten und reinsten
der christlichen Gesellschaften eine Basis zu geben, breit genug, um
allen Angriffen der Erde und der Hlle zu widerstehen: dies seien
Zwecke, die wohl einige Modifikationen, nicht der katholischen
Institutionen, aber nationaler oder provincialer Gebruche
rechtfertigten.[126]


Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation berwiegend.

Nachdem das Unterhaus diese Rede angehrt, schritt es zur Wahl eines
Sprechers. Sharp, der wahrscheinlich von den einer Comprehension
gnstigen Mitgliedern als einer der Hochkirchlichsten unter ihnen
vorgeschoben worden war, schlug Tillotson vor. Jane, der sich geweigert
hatte, kraft der kniglichen Vollmacht zu handeln, wurde von der andren
Seite vorgeschlagen. Nach einer lebhaften Discussion ward Jane mit
fnfundfnfzig gegen achtundzwanzig Stimmen gewhlt.[127]

Der Wortfhrer wurde dem Bischof von London frmlich vorgestellt und
hielt nach altem Brauch eine lateinische Rede. In dieser Rede wurde die
anglikanische Kirche als die vollkommenste aller Institutionen gerhmt.
Der Redner deutete sehr verstndlich an, da weder in ihrer Doctrin,
noch in ihrer Disciplin, noch in ihrem Ritual eine Abnderung nthig
sei, und er schlo seinen Vortrag mit einem bedeutungsvollen Satze. Als
Compton einige Monate frher die etwas ungeistliche Rolle eines
Reiterobersten spielte, hatte er in die Fahnen seines Regiments die
wohlbekannten Worte sticken lassen: ^Nolumus leges Angliae mutari^,
und mit diesen Worten schlo Jane seine Rede.[128]

Die Niederkirchlichen gaben inde noch nicht alle Hoffnung auf. Sie
beschlossen wohlweislich, mit dem Vorschlage zu beginnen, da Kapitel
aus den kanonischen Bchern an die Stelle der aus den Apokryphen
entnommenen zum Vorlesen beim Gottesdienste bestimmt werden sollten. Man
sollte meinen, da dieser Vorschlag, selbst wenn es nicht einen einzigen
Dissenter im Knigreiche gegeben htte, wohl gnstig htte aufgenommen
werden mssen. Denn die Kirche hatte in ihrem sechsten Artikel erklrt,
da die kanonischen Bcher berechtigt seien, heilige Schriften genannt
und als Richtschnur des Glaubens betrachtet zu werden, die
apokryphischen Bcher aber nicht. Die Hochkirchlichen aber waren
entschlossen, sich selbst dieser Reform zu widersetzen. Sie fragten in
Flugschriften, welche die Ladentische von Paternoster Row und Little
Britain bedeckten, warum die Landgemeinden des Genusses beraubt werden
sollten, von der Pechkugel, mit welcher Daniel den Drachen erblickte,
und von dem Fische zu hren, dessen Leber einen Geruch verbreitete, vor
welchem der Teufel von Ekbatana bis nach Egypten floh. Und gebe es nicht
Kapitel von der Weisheit des Sohnes Sirach's, welche viel interessanter
und erbaulicher seien als die Genealogien und Namensverzeichnisse,
welche einen groen Theil der Chroniken der jdischen Knige und der
Erzhlung Nehemia's fllten? Kein ernster Geistlicher wrde jedoch in
der Kapelle Heinrich's VII. zu behaupten gewagt haben, da es unmglich
sei, in vielen hundert vom heiligen Geist eingegebenen Seiten funfzig
oder sechzig Kapitel zu finden, welche erbaulicher wren als irgend
etwas, was aus den Werken der angesehensten nicht inspirirten Moralisten
oder Historiker extrahirt werden knnte. Die Hupter der Majoritt
beschlossen daher, einer Debatte auszuweichen, in der sie in eine
unangenehme Alternative htten versetzt werden mssen. Ihr Plan war,
nicht die Vorschlge der Commissionsmitglieder zu verwerfen, sondern
einer Discussion ber dieselben vorzubeugen, und zu dem Ende wurde ein
System der Taktik adoptirt, das sich als erfolgreich erwies.

Das Gesetz, so wie es seit einer langen Reihe von Jahren interpretirt
worden war, verbot der Convocation, irgend welche kirchliche Verordnung
ohne vorherige Ermchtigung seitens der Krone auch nur in Berathung zu
nehmen. Diese Ermchtigung, mit dem groen Siegel versehen, brachte
Nottingham in aller Form in die Kapelle Heinrich's VII. Zu gleicher Zeit
berreichte er eine Botschaft vom Knige. Seine Majestt ermahnte die
Versammlung, ruhig und vorurtheilsfrei die Vorschlge der Commission zu
prfen, und erklrte, da er nur die Ehre und die Vortheile der
protestantischen Religion im allgemeinen und der englischen Kirche im
besonderen im Auge habe.[129]


Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Husern der Convocation.

Die Bischfe einigten sich schnell ber eine Dankadresse fr die
knigliche Botschaft und forderten das Unterhaus zum Beitritt auf. Jane
und seine Anhnger erhoben Einwendungen ber Einwendungen dagegen.
Zuerst beanspruchten Sie das Recht eine Separatadresse zu berreichen.
Als sie gezwungen wurden, darauf zu verzichten, verweigerten sie ihre
Zustimmung zu irgend einem Ausdrucke, mit welchem gesagt werde, da die
englische Kirche mit irgend einer andren protestantischen
Glaubensgesellschaft etwas gemein habe. Es wurden Amendements und
Beweisgrnde hin und her geschickt, Conferenzen gehalten, bei denen
Burnet fr die eine und Jane fr die andre Seite die Hauptwortfhrer
waren, und endlich mit groer Mhe ein Uebereinkommen zu Stande
gebracht, dessen Resultat eine, im Vergleich zu der von den Bischfen
entworfenen, kalte und unfreundliche Adresse war, welche dem Knige im
Bankethause berreicht wurde. Er verbi seinen Unmuth, gab eine
freundliche Antwort und sprach die Hoffnung aus, die Versammlung werde
nun endlich zur Berathung der wichtigen Comprehensionsfrage
schreiten.[130]


Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam.

Damit waren jedoch die Fhrer des Unterhauses nicht einverstanden.
Sobald sie sich wieder in der Kapelle Heinrich's VII. befanden,
veranlate einer von ihnen eine Debatte ber die eidverweigernden
Bischfe. Trotz des bedauerlichen Gewissensbedenkens, den diese Prlaten
hegten, seien sie doch gelehrte und heilige Mnner, und ihr Rath knne
unter den gegenwrtigen Umstnden der Kirche von grtem Nutzen sein.
Das Oberhaus sei in Abwesenheit des Primas und vieler seiner
angesehensten Suffragane kaum ein Oberhaus. Knne nichts geschehen, um
diesen Uebelstand zu beseitigen?[131] Ein andres Mitglied beklagte sich
ber einige unlngst erschienene Pamphlets, in denen nicht mit der
gebhrenden Achtung von der Convocation gesprochen werde. Die
Versammlung fing Feuer. Sei es nicht emprend, da dieses ketzerische
und schismatische Zeug in den Straen ffentlich ausgeboten und in den
Lden von Westminsterhall, hundert Schritt von dem Stuhle des
Wortfhrers, verkauft werden drfe? Das Werk der Verstmmelung der
Liturgie und der Verwandlung der Kathedralen in Conventikel knne gewi
so lange aufgeschoben werden, bis die Synode Maregeln zum Schutze ihrer
eignen Freiheit und Wrde getroffen habe. Es wurde nun darber
debattirt, wie das Drucken solcher anstiger Bcher verhindert werden
knne. Einige waren fr Klagerhebung, Andere fr eine geistliche
Censur.[132] Unter solchen Berathungen verstrich Woche auf Woche. Nicht
ein einziger auf eine Comprehension bezglicher Vorschlag war auch nur
discutirt worden. Weihnachten rckte heran, und zu dieser Zeit sollten
die Sitzungen unterbrochen werden. Die Bischfe wnschten, da whrend
der Ferien ein Ausschu beisammen bleibe, um die Geschfte
vorzubereiten. Das Unterhaus verweigerte seine Einwilligung.[133] Es war
jetzt augenscheinlich, da dieses Haus sich fest vorgenommen hatte,
nicht einmal einen Theil des von den Kniglichen Beauftragten
entworfenen Planes in Berathung zu nehmen. Die Abgeordneten der Dicesen
waren in schlechterer Stimmung als bei ihrer ersten Ankunft in
Westminster. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch niemals eine
Woche in der Hauptstadt zugebracht und hatten nicht geahnet, wie gro
der Unterschied zwischen einem Stadtgeistlichen und einem
Landgeistlichen war. Der Anblick des Luxus und der Bequemlichkeiten,
welche die beliebten Prediger der Hauptstadt, genossen, mute in einem
Vikar aus Lincolnshire oder Caernarvonshire, der gewohnt war, so einfach
wie ein kleiner Farmer zu leben, nothwendig einige wehmthige
Empfindungen erwecken. Gerade weil der Londoner Klerus durchgehends fr
eine Comprehension war, wollten die Vertreter der Landgeistlichkeit
nichts davon wissen.[134] Die Prlaten als Gesammtheit wnschten
aufrichtig, da den Nonconformisten ein Zugestndni gemacht werden
mchte. Aber die Prlaten waren durchaus nicht im Stande, die aufsssige
Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, einige von ihnen waren dem
Parochialklerus im hchsten Grade zuwider, der Prsident hatte nicht die
volle Autoritt eines Primas, und berdies war es ihm gar nicht unlieb,
die Mnner, die ihn seiner Meinung nach bel behandelt hatten, in ihren
Plnen behindert und gekrnkt zu sehen.


Die Convocation prorogirt.

Man mute nachgeben. Die Convocation wurde auf sechs Wochen prorogirt.
Nach Verlauf dieser sechs Wochen wurde sie aufs neue prorogirt und viele
Jahre vergingen, ehe sie ihre Thtigkeit wieder beginnen durfte.

So endete, und zwar fr immer, die Hoffnung, da die englische Kirche
bewogen werden knnte, den Bedenken der Nonconformisten ein Zugestndni
zu machen. Eine gelehrte und ehrenwerthe Minoritt des Priesterstandes
gab diese Hoffnung mit tiefem Bedauern auf. Sehr bald jedoch fanden
selbst Burnet und Tillotson Grund zu glauben, da ihre Niederlage
thatschlich ein glckliches Entrinnen war und da der Sieg ein Unglck
gewesen sein wrde. Eine Reform, wie sie zu den Zeiten der Knigin
Elisabeth die groe Gesammtheit der englischen Protestanten vereinigt
haben wrde, wrde zu Wilhelm's Zeiten mehr Herzen einander entfremdet
als vershnt haben. Das Schisma, welches die Eide herbeigefhrt hatten,
war bis jetzt noch ohne Bedeutung. Neuerungen wie die von der
Kniglichen Commission vorgeschlagenen wrden ihm eine gefhrliche
Wichtigkeit gegeben haben. Bis jetzt sa ein Laie, mochte er auch das
Verfahren der Convention fr unverantwortlich halten und die
Tugendhaftigkeit des eidverweigernden Klerus preisen, nach wie vor unter
der gewohnten Kanzel und kniete an dem gewohnten Altare. Wenn aber in
diesem Augenblicke, whrend seine Gemthsstimmung durch das seinen
Lieblingsgeistlichen zugefgte vermeintliche Unrecht gereizt und er
vielleicht in Zweifel war, ob er ihrem Beispiele folgen solle oder
nicht, seine Augen und Ohren durch Aenderungen in dem Gottesdienste, dem
er innig zugethan war, beleidigt worden, wenn die Compositionen der
Doctoren des Jerusalemszimmers an die Stelle der alten Collecten
getreten wren, wenn er Geistliche ohne Chorhemd Kelch und Hostienteller
sitzenden Communicanten htte darreichen sehen, so wrde das Band, das
ihn an die Landeskirche knpfte, zerrissen sein. Er wrde sich in eine
Versammlung von Eidverweigerern begeben haben, wo der Gottesdienst, den
er liebte, ohne Verstmmelungen abgehalten wurde, die neue Secte, welche
fr jetzt noch fast ausschlielich aus Priestern bestand, wrde bald
durch viele und zahlreiche Gemeinden verstrkt worden sein, und diese
Gemeinden wrden eine verhltnimig grere Menge Reicher, Vornehmer
und Gebildeter aufzuweisen gehabt haben, als irgend eine andre
Dissentergemeinde. Die so verstrkten episkopalen Schismatiker wrden
dem neuen Knige und seinen Nachfolgern wahrscheinlich eben so furchtbar
gewesen sein, wie die puritanischen Schismatiker es jemals den Frsten
des Hauses Stuart waren. Es ist eine unbestreitbare und hchst
lehrreiche Thatsache, da wir die brgerliche und religise Freiheit,
deren wir uns jetzt erfreuen, zum groen Theil der Beharrlichkeit
verdanken, mit der die hochkirchliche Partei in der Convocation von 1689
sich weigerte, irgend einen Comprehensionsplan auch nur in Berathung zu
nehmen.[135]

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[Funote 1: Siehe die Verhandlungen der Lords vom 5. Febr. 1688/89 und
mehreren darauffolgenden Tagen; Braddon's Pamphlet betitelt: ^The Earl
of Essex's Memory and Honour Vindicated, 1690^, und die London Gazette
vom 31. Juli und 4. und 7. August 1690, worin Lady Essex und Burnet
ffentlich Braddon widersprachen.]

[Funote 2: Ob die Verurtheilung Lord Russel's, wenn sie nicht
umgestoen worden wre, fr seinen Sohn ein Hinderni gewesen sein
wrde, ihm im Earlthum Bedford nachzufolgen, ist eine schwer zu
entscheidende Frage. Der alte Earl holte darber die Gutachten der
grten Juristen der damaligen Zeit ein, die man noch in den Archiven zu
Woburn sehen kann. Bemerkenswerth ist, da eines dieser Gutachten von
Pemberton herrhrt, der bei dem Prozesse den Vorsitz gefhrt hatte.
Dieser Umstand beweist, da die Familie ihn keiner Ungerechtigkeit oder
Grausamkeit beschuldigte, und er hatte sich auch in der That so gut
benommen, wie irgend ein andrer Richter sich vor der Revolution in einem
hnlichen Falle benommen hatte.]

[Funote 3: ^Grey's Debates, March 1688/89.^]

[Funote 4: Die Edicte, welche die Todesurtheile Russell's, Sidney's,
Cornish's und der Alice Lisle umstieen, waren Geheim-Edicte. In die
Gesetzsammlung sind daher nur die Titel derselben aufgenommen, die
Edicte selbst aber findet man in Howell's ^Collection of State Trials^.]

[Funote 5: ^Commons' Journals, June 24. 1689.^]

[Funote 6: Johnson erzhlt diese Geschichte selbst in seinem
sonderbaren Pamphlet, betitelt: ^Notes upon the Phoenix Edition of the
Pastoral Letter, 1694^.]

[Funote 7: Einige Nota des Ehrwrdigen Samuel Johnson, der Folioausgabe
seiner 1710 erschienenen Werke vorangestellt.]

[Funote 8: ^Lords' Journals, May 15. 1689.^]

[Funote 9: ^North's Examen, 224.^ North's Zeugni wird durch mehrere
zeitgenssische Pasquille in Prosa und in Versen besttigt. Siehe auch
das [Griechisch: eikn brotoloigou], 1697.]

[Funote 10: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]

[Funote 11: Dedicationsepistel zu Oates' [Griechisch: eikn basilik].]

[Funote 12: In einer Ballade aus der damaligen Zeit kommen folgende
Zeilen vor:

   Kommt her, Ihr Whigs, und leiht mir Eure Ohren,
   Habt Ihr nicht, wie der Doctor, sie verloren.

Diese Zeilen mssen Mason vorgeschwebt haben, als er das Couplet
schrieb:

   Merkt auf Ihr Hills, Ihr Johnsons, Scots, Shebbeares,
   Hrt meinen Ruf, denn mancher unter Euch hat Ohren.]

[Funote 13: ^North's Examen, 224, 234.^ North spricht von sechshundert
Pfund. Aber ich habe nach der unverschmten Petition, welche Oates
unterm 25. Juli 1689 an die Gemeinen richtete, die grere Summe
angenommen. Siehe die Verhandlungen.]

[Funote 14: Van Citters bedient sich dieses Spottnamens ganz ernsthaft
in seinen Depeschen an die Generalstaaten.]

[Funote 15: ^Lords' Journals, May 30. 1689.^]

[Funote 16: ^Lords' Journals, May 31. 1689; Commons' Journals, Aug. 2.;
North's Examen, 224; Narcissus Luttrell's Diary.^]

[Funote 17: Sir Robert war der ursprngliche Held der Rehearsal und
wurde Bilboa genannt. In die umgearbeitete Dunciade setzte Pope die
Zeilen:

   Und hochgeborner Howard, majestt'scher Sire.
   Ergnzt den Chorus mit den Narr'n von Stande.

Pope's hochgeborner Howard war Eduard Howard, der Autor der ^British
Princes^.]

[Funote 18: ^Key to the Rehearsal; Shadwell's Sullen Lovers; Pepys May
5., 8. 1668; Evelyn, Februar 16. 1684/85.^]

[Funote 19: ^Grey's Debates und Commons' Journals, June 4., 11. 1689.^]

[Funote 20: ^Lords' Journals, June 6. 1689.^]

[Funote 21: ^Commons' Journals, August 2. 1689^; die auerordentlichen
hollndischen Gesandten an die Generalstaaten vom 30. Juli (9. August).]

[Funote 22: ^Lords' Journals, July 30. 1689; Narcissus Luttrell's
Diary; Clarendon's Diary, July 31. 1689.^]

[Funote 23: ^Commons' Journals, July 31., August 13. 1689.^]

[Funote 24: ^Commons' Journals, August 20.^]

[Funote 25: Oldmixon klagt die Jakobiten, Burnet die Republikaner an.
Obwohl Burnet regen Antheil an der Discussion dieser Frage nahm, so ist
doch sein Bericht ber die dabei stattgehabten Vorgnge sehr ungenau. Er
sagt, die Klausel sei von den Gemeinen lebhaft debattirt worden und
Hampden habe nachdrcklich fr dieselbe gesprochen. Wir erfahren aber
aus den Protokollen (19. Juni 1689), da sie ^nemine contradicente^
verworfen wurde. Die hollndischen Gesandten bezeichnen sie als ^een
propositie 'twelck geen ingressie schynt te sullen vinden.^]

[Funote 26: ^London Gazette, August 1. 1689; Narcissus Luttrell's
Diary.^]

[Funote 27: Die Geschichte dieser Bill findet man in den Protokollen
der beiden Huser und in Grey's ^Debates^.]

[Funote 28: Siehe ^Grey's Debates^ und die ^Commons' Journals^ vom Mrz
bis Juli. Die zwlf Kategorien findet man in den Protokollen vom 23. und
29. Mai und vom 8. Juni.]

[Funote 29: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]

[Funote 30: ^The Life and Death of George Lord Jeffreys^; Finch's Rede
in Grey's ^Debates^, 1. Mrz 1688/89.]

[Funote 31: Siehe unter vielen anderen Schriften ^Jeffreys's Elegy;
Letter to the Lord Chancellor exposing to him the sentiments of the
people; Elegy of Dangerfield; Dangerfield's Ghost to Jeffreys; Humble
Petition of Widows and fatherless Children in the West; The Lord
Chancellors Discovery and Confession made in the time of his sickness in
the Tower; Hickeringill's Ceremonymonger;^ ein Flugblatt betitelt: ^O
rare show! O rare sight! O strange monster! The like not in Europe! To
be seen near Tower Hill, a few doors beyond the Lion's den.^]

[Funote 32: ^Life and Death of George Lord Jeffreys.^]

[Funote 33: Tutchin erzhlt dies selbst in den ^Bloody Assizes^.]

[Funote 34: Siehe die Biographie des Erzbischofs Sharp von seinem
Sohne. Was zwischen Scott und Jeffreys vorging, erzhlte Ersterer Sir
Joseph Jockyl. Siehe auch Tindal's Geschichte und Echard III. 932.
Echard's Berichterstatter, der nicht genannt ist, der aber gute
Gelegenheit gehabt zu haben scheint, die Wahrheit zu erfahren, sagte,
Jeffreys sei nicht, wie man allgemein glaube, an den Folgen der
Trunksucht, sondern am Stein gestorben. Diese Meinungsverschiedenheit
ist von geringer Bedeutung. Soviel ist gewi, da Jeffreys sehr unmig
war, und seine Krankheit war eine von denjenigen, welche durch
Unmigkeit notorisch verschlimmert werden.]

[Funote 35: Siehe ^A Full and True Account of the Death of George Lord
Jeffreys, licensed on the day of his death^. Der erbrmliche Le Noble
wurde nicht mde zu wiederholen, Jeffreys sei durch den Usurpator
vergiftet worden. Ich will eine kurze Stelle als Probe von den
Verleumdungen anfhren, deren Gegenstand Knig Wilhelm war. ^Il
envoya,^ sagt Pasquin, ^ce fin ragot de champignons au Chancelier
Jeffreys, prisonnier dans la Tour, qui les trouva du mme goust et du
mme assaisonnement que furent les derniers dont Agrippine regala le
bonhomme Claudius, son poux, et que Nron appella depuis la viande des
Dieux.^ Marforio fragt: ^Le Chancelier est donc mort dans la Tour?^
Pasquin antwortet: ^Il estoit trop fidle  son Roi lgitime et trop
habile dans les loix du royaume, pour chapper  l'Usurpateur qu'il ne
vouloit point reconnoistre. Guillemot prit soin de faire publier que ce
malheureux prisonnier estoit attaqu d'une fivre maligne: mais, 
parler franchement, il vivroit peutestre encore, s'il n'avoit rien mang
que de la main de ses anciens cuisiniers.^ -- ^Le Festin de Guillemot,
1689.^ Dangeau (7. Mai) erwhnt eines Gerchts, da Jeffreys sich selbst
vergiftet habe.]

[Funote 36: ^Grey's Debates, June 12. 1689.^]

[Funote 37: Siehe ^Commons' Journals^ und ^Grey's Debates, June 1., 3.,
4. 1689; Life of William 1704.^]

[Funote 38: ^Burnet MS. Harl. 6584^; Avaux an de Croissy, 16. (26.)
Juni 1689.]

[Funote 39: Bezglich der Protokolle des Geheimen Raths siehe die
^Commons' Journals^ vom 22. und 28. Juni und vom 3., 5., 13. und 16.
Juli.]

[Funote 40: Der Brief von Halifax an Lady Russell ist vom 23. Juli
1689, etwa vierzehn Tage nach dem Angriffe auf ihn bei den Lords und
etwa acht Tage vor dem Angriffe bei den Gemeinen, datirt.]

[Funote 41: Siehe die ^Lords' Journals^ vom 10. Juli 1689 und einen
Brief aus London vom 11. (21.) Juli, den Croissy an Avaux sendete. Don
Pedro de Ronquillo erwhnt des Angriffs der whiggistischen Lords auf
Halifax in einer Depesche, deren Datum ich nicht angeben kann.]

[Funote 42: Dies geschah Sonnabend den 3. August. Da die Abstimmung im
Comit stattfand, sind die Zahlen nicht in die Protokolle aufgenommen.
Clarendon sagt in seinem Tagebuche, die Majoritt habe elf Stimmen
betragen. Aber Narcissus Luttrell, Oldmixon und Tindal geben sie
bereinstimmend auf vierzehn an. Der grte Theil des Wenigen was ich
ber diese Debatte gefunden habe, ist in einer Depesche von Don Pedro de
Ronquillo enthalten. ^Se resolvio,^ sagt er, ^que el sabado, en
comity de toda la casa, se tratasse del estado de la nation para
representarle al Rey. Emperose por acusar al Marques de Olifax; y
reconociendo sus emulos que no tenian partido bastante, quisieron
remitir para otro dia esta motion: pero el Conde de Elan, primogenito
del Marques de Olifax, miembro de la casa, les dijo que su padre no era
hombre para andar peloteando con el, y que se tubiesse culpa lo acabasen
de castigar, que el no havia menester estar en la corte para portarse
conforme  su estado, pues Dios le havia dado abundamente para poderlo
hazer; con que por pluralidad de voces vencio su partido.^ Ich
vermuthe, da Lord Eland auf die Armuth einiger von den Feinden seines
Vaters und auf die Habgier anderer anspielen wollte.]

[Funote 43: Diese Vernderung in der Stimmung, welche unmittelbar auf
die Debatte ber den Antrag auf Halifax' Entlassung folgte, wird von
Ronquillo erwhnt.]

[Funote 44: Ueber Ruvigny siehe Sir Simon's Memoiren vom Jahre 1697 und
Burnet I. 366. Einige interessante Angaben ber Ruvigny und ber die
hugenottischen Regimenter findet man auch in einer Erzhlung aus der
Feder eines franzsischen Refugis Namens Dumont. Diese Erzhlung, ein
Manuscript, das ich bei Gelegenheit als das Dumont-Manuscript citiren
werde, wurde mir vom Dechanten von Ossory freundlichst geliehen.]

[Funote 45: Siehe das ^Abrg de la Vie de Frderic Duc de Schomberg^,
von Lunancy, 1690, die Memoiren des Grafen Dohna und die Anmerkung St.
Simon's zu Dangeau's Journal, 30. Juli 1690.]

[Funote 46: Siehe die Protokolle der Gemeinen vom 16. Juli 1689 und vom
1. Juli 1814.]

[Funote 47: Protokolle der Lords, und der Gemeinen vom 20. August 1689;
London Gazette vom 22. August.]

[Funote 48: ^J'estois d'avis qu', aprs que la descente seroit faite,
si on apprenoit que des Protestans se fussent soulevez en quelques
endroits du royaume, on fit main basse sur tous gnralement.^ --
Avaux, 31. Juli (10. Aug.) 1689.]

[Funote 49: ^Le Roy d'Angleterre m'avoit cout assez paisiblement la
premire fois que je luy avois propos ce qu'il avoit  faire contre les
Protestans.^ -- Avaux, 4. (14.) Aug.]

[Funote 50: Avaux, 4. (14.) Aug. Er schreibt: ^Je m'imnagine qu'il est
persuad que, quoiqu'il ne donne point d'ordre sur cela, la plupart des
Catholiques de la campagne se jetteront sur les Protestans.^]

[Funote 51: Ludwig tadelte unterm 22. Aug. (6. Sept.) Avaux, obwohl
viel zu mild, wegen seines Vorschlags, die ganze protestantische
Bevlkerung von Leinster, Connaught und Munster niederzumetzeln. ^Je
n'approuve pas cependant la proposition que vous faites de faire main
basse sur tous les Protestans du royaume, du moment qu', en quelque
endroit que ce soit, ils se seront soulevez: et, outre que la punition
d'une infinit d'innocens pour peu de coupables ne seroit pas juste,
d'ailleurs les represailles contre les Catholiques seroient d'autant
plus dangereuses, que les premiers se trouveront mieux armez et soutenus
de toutes les forces d'Angleterre.^.]

[Funote 52: Ronquillo drckt unterm 9. (19.) Aug., wo er von der
Belagerung von Londonderry spricht, sein Erstaunen aus, ^que una plaza
sin fortificazion y sin gentes de guerra aya hecho una defensa tan
gloriosa, y que los sitiadores al contrario ayan sido tan poltrones.^]

[Funote 53: Diese Angaben ber die irische Armee sind aus zahlreichen
Briefen von Avaux an Ludwig und an dessen Minister zusammengestellt. Ich
will einige der interessantesten Stellen anfhren. ^Les plus beaux
hommes,^ sagt Avaux von den Irlndern, ^qu'on peut voir. Il n'y en a
presque point au dessous de cinq pieds cinq  six pouces.^ Der
franzsische Fu ist bekanntlich lnger als der unsrige. ^Ils sont trs
bien faits: mais ils ne sont ny disciplinez ny armez, et de surplus sont
de grands voleurs. -- La plupart de ces rgimens sont levez par des
gentilhommes qui n'ont jamais est  l'arme. Ce sont des tailleurs, des
bouchers, des cordonniers, qui ont form les compagnies et qui en sont
les Capitaines. -- Jamais troupes n'ont march comme font celles-cy.
Ils vont comme des bandits, et pillent tout ce qu'ils trouvent en
chemin. -- Quoiqu'il soit vrai que les soldats paroissent fort rsolus
 bien faire, et qu'ils soient fort animez contre les rebelles,
nantmoins il ne suffit pas de cela pour combattre ... Les officiers
subalternes sont mauvais, et,  la reserve d'un trs petit nombre, il
n'y en a point qui ayt soin des soldats, des armes, et de la
discipline. -- On a beaucoup plus de confiance en la cavalerie, dont
la plus grande partie est assez bonne.^ -- Einige Reiterregimenter lobt
Avaux ganz besonders. Von zweien derselben sagt er: ^On ne peut voir de
meilleur rgiment.^ Die Richtigkeit des Urtheils, das er sich ber die
Infanterie wie ber die Cavallerie gebildet, zeigte sich nach seiner
Abreise deutlich am Boyne.]

[Funote 54: Ich will ein Paar Stellen aus den damals von Avaux
geschriebenen Depeschen anfhren. Unterm 7. (17.) September schreibt er:
^De quelque cost qu'on se tournt, on ne pouvoit rien prevoir que de
dsagrable. Mais dans cette extrmit chacun s'est vertu. Les
officiers ont fait leur recrues avec beaucoup de diligence.^ Drei Tage
spter sagt er: ^Il y a quinze jours que nous n'esprions gure de
pouvoir mettre les choses en si bon estat: mais my Lord Tyrconnel et
tous les Irlandais ont travaill avec tant d'empressement qu'on s'est
mis en estat de deffense.^]

[Funote 55: Avaux, 20. (30. Aug.), 25. Aug. (4. Sept.), 26. Aug. (5.
Sept.); ^Life of James II. 373^; Melfort's Selbstvertheidigung unter den
^Nairne Papers^. Avaux sagt: ^Il pourra partir ce soir  la nuit: car
je vois biens qu'il apprehende qu'il ne sera pas sur pour luy de partir
en plein jour.^]

[Funote 56: ^Story's Impartial History of the Wars of Ireland, 1693;
Life of James, II. 374.^; Avaux, 7. (17.) Sept. 1689; ^Nihell's
Journal^, gedruckt 1689 und neu herausgegeben von Macpherson.]

[Funote 57: ^Story's Impartial History.^]

[Funote 58: ^Story's Impartial History.^]

[Funote 59: Avaux, 10. (20.) Sept. 1689; ^Story's Impartial History;
Life of James, II. 377. 387. Orig. Mem.^ Story und Jakob schtzen die
irische Armee bereinstimmend auf etwa zwanzigtausend Mann. Siehe auch
Dangeau, 28. Oct. 1689.]

[Funote 60: ^Life of James, II. 377, 378. Orig. Mem.^]

[Funote 61: Siehe ^Grey's Debates^, Nov. 26., 27., 28. 1689 und den
^Dialogue between a Lord Lieutenant and one of his deputies, 1692.^]

[Funote 62: ^Nihill's Journal^. Ein franzsischer Offizier sagt in
einem bald nach Schomberg's Landung an Avaux geschriebenen Briefe: ^Les
Huguenots font plus de mal que les Anglois, et tuent force Catholiques
pour avoir fait rsistance.^]

[Funote 63: Story; Erzhlung, welche Avaux unterm 26. Nov. (6. Dec.)
1689 Seignelay bersandte; London Gazette vom 14. Oct. 1689. Merkwrdig
ist es, da, obgleich Dumont sich im Lager bei Dundalk befand, in seinem
Manuscripte von der Verschwrung unter den Franzosen nichts erwhnt
ist.]

[Funote 64: ^Story's Impartial History^; Dumont-Manuscript. Die
Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, welche whrend der Krankheit im Lager
herrschten, werden in vielen damaligen Pamphlets in Versen wie in Prosa
erwhnt. Man sehe insbesondere eine Satyre betitelt: ^Reformation of
Manners^, Theil II.]

[Funote 65: ^Story's Impartial History.^]

[Funote 66: Avaux, 11. (21.) Oct., 14. (24.) Nov. 1689; ^Story's
Impartial History; Life of James, II. 382, 383. Orig. Mem.; Nihell's
Journal.^]

[Funote 67: ^Story's Impartial History^; Schomberg's Depeschen;
^Nihell's Journal^ und ^Life of James; Burnet II. 20.^; Dangeau's
Tagebuch whrend dieses Herbstes; die Erzhlung, welche Avaux an
Seignelay einsandte, und das Dumont-Manuscript. Die Lgen der London
Gazette sind haarstrubend. Whrend des ganzen Herbstes sollen die
Truppen bestndig in guter Verfassung gewesen sein. In dem albernen
Drama, betitelt: ^The Royal Voyage^, welches zur Belustigung des
Londoner Pbels im Jahre 1689 aufgefhrt wurde, werden die Irlnder
dargestellt, wie sie einige von den kranken Englndern angreifen. Die
Englnder schlagen die Angreifenden in die Flucht und fallen dann todt
nieder.]

[Funote 68: Siehe seine Depeschen im Anhange zu Dalrymple's Memoiren.]

[Funote 69: London Gazette vom 20. Mai 1689.]

[Funote 70: Bleib' in der Stadt. -- D. Uebers.]

[Funote 71: ^Commons' Journals, Nov. 13. 23. 1689; Grey's Debates, Nov.
13. 14. 18. 23. 1689.^ Siehe unter vielen Schmhschriften die ^Parable
of the Bearbaiting; Reformation of Manners, a Satire; The Mock Mourners,
a Satire.^ Auerdem auch ^Pepys's Diary, Kept at Tangier, Oct. 15.
1683.^]

[Funote 72: Die beste Uebersicht ber diese Verhandlungen findet man in
Wagenaar, 61. Er hat die Witsen'schen Papiere zur Hand gehabt und
denselben zahlreiche Citate entnommen. Witsen war es, der in heftiger
Bewegung unterschrieb, ^zo als,^ sagt er, ^myne beevende hand
getuigen kan.^ Die Vertrge findet man in Dumont's ^Corps
Diplomatique^. Sie wurden im August 1689 unterzeichnet.]

[Funote 73: Der Vertrag zwischen dem Kaiser und den Generalstaaten ist
vom 12. Mai 1689 datirt. Er befindet sich in Dumont's ^Corps
Diplomatique^.]

[Funote 74: Siehe die Depesche Waldeck's in der London Gazette vom 26.
Aug. 1689. ^Historical Records of the First Regiment of Foot;^ Dangeau,
28. Aug.; Monthly Mercury, September 1689.]

[Funote 75: Siehe den ^Dear Bargain^, ein im Jahr 1690 heimlich
gedrucktes jakobitisches Pamphlet. Ich habe keine Geduld mehr, sagt
der Verfasser, nach diesem Schurken (Marlborough) noch einen andren zu
erwhnen. Alle sind im Vergleich zu ihm unschuldig, selbst Kirke.]

[Funote 76: Siehe den Monthly Mercury vom September 1689 und von den
vier folgenden Monaten; auch Welwood's ^Mercurius Reformatus^ vom 18.,
25. Sept. und 8. Oct. 1689. Melfort's Instructionen und seine
Denkschriften fr den Papst und den Cardinal von Este finden sich in den
^Nairne Papers^; einige Auszge hat Macpherson abgedruckt.]

[Funote 77: Siehe die Antwort eines Eidverweigerers auf die
Aufforderung des Bischofs von Sarum im Anhange zu ^The Life of
Kettlewell^. Unter den Tanner'schen Manuscripten in der Bodlejanischen
Bibliothek befindet sich ein Aufsatz, den ich anzufhren wage, da
Sancroft ihn der Aufbewahrung werth gehalten hat. Der Verfasser, ein
entschiedener Eidverweigerer, sagt, nachdem er durch allerhand leere
Ausflchte den von einem fgsameren Geistlichen aus der Praxis der
primitiven Kirche entlehnten Argumente auszuweichen versucht hat:
Angenommen die ersten Christen htten fortwhrend, seit den Zeiten der
Apostel, ihre frheren Frsten geleisteten Eide so wenig beachtet, als
er behauptet, wird er deshalb sagen wollen, da ihre Verfahrungsweise
als Regel gelten msse? Leute von brigens sehr orthodoxen Grundstzen
haben Bses gethan und allgemein dazu aufgemuntert. Die aus der Praxis
der ersten Christen hergeleitete Beweisfhrung ist sehr gut
zusammengestellt in einer Schrift, betitelt: ^The Doctrine of
Non-resistance or Passive Obedience No Way concerned in the
Controversies now depending between die Williamites and the Jacobites,
by a Lay Gentleman of the Communion of the Church of England, as by Law
establish'd, 1689.^]

[Funote 78: Eine der unterwrfigsten Adressen, welche je eine
Convocation votirt hat, war eine an Richard III. gerichtete. Sie findet
sich in Wilkin's ^Concilia^. Dryden stellt in seinem schnen
^Rifacimento^, einer der schnsten Stellen seiner ^Canterbury Tales^,
den guten Pfarrer dar, wie er lieber seine Pfrnde aufgiebt als den
Herzog von Lancaster als Knig von England anerkennt. Fr diese
Darstellung findet sich weder in Chaucer's Gedicht noch anderswo ein
Rechtfertigungsgrund. Dryden wollte etwas schreiben, was die
Geistlichen, welche die Eide geleistet hatten, verdro und deshalb
dichtete er einem katholischen Priester des 14. Jahrhunderts einen
Aberglauben an, der erst bei den anglikanischen Priestern des 17.
Jahrhunderts entstanden ist.]

[Funote 79: Siehe die Vertheidigung des Bekenntnisses, welches der
Ehrwrdige Vater in Gott, Johann Lake, Lord Bischof von Chichester, in
Bezug auf den passiven Gehorsam und die neuen Eide auf seinem Sterbebett
abgab. 1690.]

[Funote 80: ^London Gazette, June 30. 1689. Narcissus Luttrell's
Diary.^ Die ausgezeichnetsten Mnner, sagt Luttrell.]

[Funote 81: Siehe in Kettlewell's Leben, III. 72., den Widerruf, den er
fr einen Geistlichen aufgesetzt hatte, welcher die Eide geleistet hatte
und es nachher bereuete.]

[Funote 82: Siehe den Bericht ber Dr. Dove's Verhalten in Clarendon's
^Diary^, und den Bericht ber Dr. Marsh's Verhalten in Kettlewell's
Leben.]

[Funote 83: ^The Anatomy of a Jacobite Tory, 1690.^]

[Funote 84: ^Dialogue between a Whig and a Tory.^]

[Funote 85: ^Narcissus Luttrell's Diary, Nov. 1691, Feb. 1692.^]

[Funote 86: ^Life of Kettlewell III. 4.^]

[Funote 87: Siehe Turner's Brief an Sancroft vom Himmelfahrtstage 1689.
Das Original befindet sich unter den Tannerschen Manuscripten in der
Bodlejanischen Bibliothek. Der Brief ist jedoch nebst vielen andrem
interessanten Material in dem unlngst erschienenen ^Life of Ken, by a
Layman^, abgedruckt. Siehe auch ^The Life of Kettlewell, III. 95.^ und
Ken's Brief an Burnet vom 5. October 1689 in Hawkin's ^Life of Ken^.
Ich bin berzeugt, schrieb Lady Russel an Dr. Fitzwilliam, da der
Bischof von Bath und Wells Andere dazu aufmunterte, sich zu fgen;
whrend er selbst es nicht ber sich gewinnen konnte, freute er sich,
wenn Andere es thaten. Ken erklrte, da er Niemandem gerathen, die
Eide zu leisten, und Diejenigen, welche seinen Rath erbaten, auf ihre
eigenen Studien und Gebete verwiesen habe. Man wird finden, da Lady
Russell's Behauptung und Ken's Verwahrung ziemlich auf Eins hinaus
laufen, wenn man diejenigen Rcksichten nimmt, welche selbst bei
Beurtheilung der Aussagen der wahrheitliebendsten Zeugen auf Stellung
und Gesinnung genommen werden mssen. Nachdem Ken sich endlich
entschlossen hatte, auf Seite der Eidverweigerer zu treten, versuchte er
es natrlich, seine Consequenz in so weit zu rechtfertigen, als er dies
ehrenhafterweise konnte, und Lady Russel, welche ihren Freund zur
Leistung der Eide bewegen wollte, legte natrlich auf seine Geneigtheit,
sich zu fgen, soviel Gewicht als sie dies ehrenhafterweise thun durfte.
Sie ging inde zu weit, indem sie das Wort aufmunterte ^(excited)^
brauchte. Auf der andren Seite ist es klar, da Ken, indem er
Diejenigen, die ihn um Rath fragten, auf ihre eigenen Studien und Gebete
verwies, ihnen zu verstehen geben wollte, da seiner Ansicht nach die
Eidesleistung Denen gestattet sei, die sie nach reiflicher Erwgung als
statthaft erkannten. Hatten ihn die Leute gefragt, ob es ihnen gestattet
sei, einen Meineid zu schwren oder Ehebruch zu begehen, so wrde er
ihnen gewi nicht geantwortet haben, da sie die Sache reiflich erwgen
und die gttliche Entscheidung erflehen, sondern da sie bei Gefahr
ihres Seelenheils davon abstehen sollten.]

[Funote 88: Siehe das Gesprch vom 9. Juni 1784 in Boswell's ^Life of
Johnson^, und die Anmerkung. Boswell ist mit seiner gewohnten
Verkehrtheit berzeugt, da Johnson nicht daran gedacht haben knne,
da die wegen ihres hochherzigen Widerstandes gegen Willkrgewalt mit
Recht so hoch gefeierten sieben Bischfe, dennoch Eidverweigerer waren.
Nur fnf von den Sieben waren Eidverweigerer, und jeder Andre als
Boswell wrde gewut haben, da man sich der Willkrgewalt widersetzen
und dabei doch kein guter Logiker sein kann. Der Widerstand, den
Sancroft und die anderen nichtschwrenden Bischfe der Willkrgewalt
entgegensetzten, whrend sie nach wie vor an der Lehre vom
Nichtwiderstande festhielten, ist gerade der entscheidendste Beweis, da
sie unfhig waren, zu raisonniren. Man darf nicht vergessen, da sie
bereit waren, die ganze knigliche Macht Jakob zu entziehen und auf
Wilhelm mit dem Titel eines Regenten zu bertragen. Ihr Skrupel hatte
nur das Wort Knig zum Gegenstande.

Ich bin erstaunt, da Johnson Wilhelm Law fr keinen Logiker erklrte.
Law verfiel allerdings in groe Irrthmer, aber es waren Irrthmer,
gegen welche die Logik keinen Schutz gewhrt. In rein dialektischer
Gewandtheit bertrafen ihn sehr Wenige. Da er mehr als einmal ber
Hoadley den Sieg davon trug, wird kein aufrichtiger Whig leugnen. Doch
Law gehrt nicht der Generation an, mit der ich es jetzt zu thun habe.]

[Funote 89: Ware's ^History of the Writers of Ireland^, fortgesetzt von
Harris.]

[Funote 90: ^Letter to a member of the Convention 1689.^]

[Funote 91: ^Johnson's Notes on the Phoenix Edition of Burnet's
Pastoral Letter, 1692.^]

[Funote 92: Das beste Urtheil ber Hickes' Character kann man sich aus
seinen zahlreichen polemischen Schriften bilden, besonders aus seinem
^Jovian^, geschrieben 1684, seinem ^Thebaean Legion no Fable^,
geschrieben 1687, aber erst 1714 erschienen, und seinen Abhandlungen
ber Dr. Burnet und Dr. Tillotson, 1695. Sein literarischer Ruhm grndet
sich auf Werke ganz andrer Art.]

[Funote 93: Collier's Abhandlungen ber die Bhne sind im Ganzen
genommen seine besten Geistesproducte. Doch auch in seinen politischen
Flugschriften findet sich viel Treffendes. Seine ^Persuasive to
Consideration, tendered to the Royalists, particularly those of the
Church of England^ scheint mir eines der besten Erzeugnisse der
jakobitischen Presse.]

[Funote 94: Siehe Brokesby's ^Life of Dodwell^. Ich mu bemerken, da
ich die Abhandlung gegen gemischte Ehen nur aus Brokesby's ausfhrlichem
Extract kenne. Diese Abhandlung ist sehr selten. Sie wurde ursprnglich
als Vorrede zu einer von Leslie gehaltenen Predigt gedruckt. Als Leslie
seine Werke sammelte, lie er die Abhandlung weg, wahrscheinlich weil er
sich derselben schmte. Die Abhandlung ber die Statthaftigkeit der
Instrumentalmusik habe ich gelesen, und sie ist unglaublich absurd.]

[Funote 95: Dodwell sagt uns, da der Titel des Werkes, in welchem er
zuerst diese Theorie aufstellte, mit groer Sorgfalt und Prcision
abgefat worden sei. Ich will daher die Titelseite hier anfhren: ^An
Epistolary Discourse proving from Scripture and the First Fathers, that
the Soul is naturally Mortal, but Immortalized actually by the Pleasure
of God to Punishment or to Reward, by its Union with the Divine
Baptismal Spirit wherein is proved that none have the Power of giving
this Divine Immortalizing Spirit since the Apostles but only the
Bishops. By H. Dodwell.^ Dr. Clarke sagt in einem Briefe an Dodwell
(1706) da dieser ^Epistolary Discourse^ ein Buch sei, das alle guten
Menschen betrbe und alle profanen Menschen erfreue.]

[Funote 96: Siehe Leslie's ^Rehearsals, No. 286, 287.^]

[Funote 97: Siehe seine Werke und seine hchst interessante Biographie,
welche aus den Papieren seiner Freunde Hickes und Nelson
zusammengetragen worden ist.]

[Funote 98: Siehe Fitzwilliam's Korrespondenz mit Lady Russell und
seine Zeugenaussage in Ashton's Prozesse in den ^State Trials^. Das
einzige Werk, welches Fitzwilliam, soweit ich es habe entdecken knnen,
je verffentlichte, war eine Predigt ber das Ryehousecomplot, die er
einige Wochen nach Russell's Hinrichtung gehalten. Es kommen in dieser
Predigt einige Stellen vor, bei denen ich mich ein wenig wundern mu,
da die Wittwe und die Familie Russell's sie verzeihen konnten.]

[Funote 99: Cyprian spricht in einer seiner Episteln folgendermaen zu
den Bekennern: ^Quosdam audio inficere numerum vestrum, et laudem
praecipui nominis prava sua conversatione destruere ... Cum quanto
nominis vestri pudore delinquitur quando alius aliquis temulentus et
lasciviens demoratur; alius in eam patriam unde extorris est regreditur,
ut deprehensus non jam quasi Christianus, sed quasi nocens pereat.^ In
dem Buche: ^De Unitate Ecclesiae^ fhrt er eine noch strkere Sprache:
^Neque enim confessio immunem facit ab insidiis diaboli, aut contra
tentationes et pericula et incursus atque impetus saeculares adhuc in
saeculo positum perpetua securitate defendit; caeterum nunquam in
confessoribus fraudes et stupra et adulteria postmodum videremus, quae
nunc in quibusdam videntes ingemiscimus et dolemus.^]

[Funote 100: Viele interessante Mittheilungen ber die Eidverweigerer
findet man in den ^Biographical Memoirs^ des Buchdruckers Wilhelm
Bowyer, welche den ersten Band von Nichols' ^Literary Anecdotes of the
Eighteenth Century^ bilden. Eine Probe von Wagstaffe's Recepten befindet
sich in der Bodlejanischen Bibliothek.]

[Funote 101: Cibber's Stck, so wie er es schrieb, verlor seine
Popularitt, als die Jakobiten aufhrten mchtig zu sein, und ist jetzt
nur nach den Forschern bekannt. Im Jahre 1768 arbeitete Bickerstaffe es
zu dem Heuchler um und setzte an die Stelle des Eidverweigerers Dr.
Wolff den Methodisten Dr. Cantwell. Ich halte den Character des
Heuchlers, sagt Johnson, nicht fr ganz passend auf die Methodisten;
auf die Eidverweigerer aber pate er sehr gut. Boswell fragte ihn, ob
es wahr sei, da die eidverweigernden Geistlichen mit den Frauen ihrer
Gnner intriguirten. Ich frchte sehr, antwortete Johnson, da viele
von ihnen es getan haben. Dieses Gesprch fand am 27. Mrz 1775 statt.
Aber nicht nur in gleichgltiger Unterhaltung sprach Johnson eine
ungnstige Meinung ber die Eidverweigerer aus. In seiner Biographie
Fenton's, der ein Eidverweigerer war, kommen die bedeutsamen Worte vor:
Ich mu daran erinnern, da er seinen Namen unbefleckt erhielt und sich
niemals, wie nur zu Viele von der nmlichen Klasse, zu gemeinen Rnken
und ehrlosen Kunstgriffen erniedrigte. Siehe ^The Character of a
Jacobite, 1690.^ Selbst in Kettlewell's Biographie, aus den Papieren
seiner Freunde Hickes und Nelson zusammengetragen, findet man
Einrumungen, welche beweisen, da sehr bald nach dem Schisma einige der
eidverweigernden Geistlichen in Gewohnheiten des Migganges, der
Abhngigkeit und des Bettelns verfielen, welche den ganzen Stand in
Micredit brachten. Mehrere Unwrdige, welche immer die
zuversichtlichsten sind, schadeten durch ihr Umhertreiben den wahrhaft
Wrdigen, denen es die Bescheidenheit nicht zulie fr sich zu bitten
... Mr. Kettlewell empfand es ebenfalls schmerzlich, da manche von
seinen Collegen viel zu viel Zeit an Vergngungs- und Unterhaltungsorten
zubrachten, und sich wegen ihres Fortkommens auf Diejenigen verlieen,
deren Bekanntschaft sie dort machten.]

[Funote 102: ^Reresby's Memoirs 344.^]

[Funote 103: ^Birch's Life of Tillotson.^]

[Funote 104: Siehe den ^Discourse concerning the Ecclesiastical
Commission, 1689.^]

[Funote 105: ^Birch's Life of Tillotson; Life of Prideaux; Gentleman's
Magazine,^ Juni und Juli 1745.]

[Funote 106: ^Diary of the Proceedings of the Commissioners, taken by
Dr. Williams, afterwards Bishop of Chichester, one of the Commissioners,
every night after he went home from the several meetings.^ Dieses hchst
interessante Tagebuch wurde 1854 auf Befehl des Hauses der Gemeinen
gedruckt.]

[Funote 107: ^Williams's Diary.^]

[Funote 108: ^Williams's Diary.^]

[Funote 109: ^Williams's Diary.^]

[Funote 110: Siehe die ^Alterations in the Book of Common Prayer
prepared by the Royal Commissioners for the revision of the Liturgy in
1689, and printed by order of the House of Commons in 1854.^]

[Funote 111: Es lt sich kaum eine strkere oder klarere Sprache
denken als die, deren sich das Concil bediente: [Griechisch: Toutn
toinun anagnsthentn, hrisn h agia sunodos, heteran pistin mdeni
exeinai prospherein, goun suggraphein,  suntithenai, para tn
horistheisan para tn hagin patern tn en t Nikaen sunelthontn sun
hagi pneumati tous de tolmntas  suntithenai pistin heteran, goun
prokomizein,  prospherein tois ethelousin epistrephein eis epignsin
ts altheias,  ex Hellnismou,  ex Ioudaismou,  ex ahireses
ohiasdpotoun, toutous, ei men eien episkopoi  klrikoi, allotrious
einai tous episkopous ts episkops, kai tous klrikous tou klrou, ei
de laikoi eien, anathematizesthai.] ^Concil. Ephes. Actio VI.^]

[Funote 112: ^Williams's Diary; Alterations in the Book of Common
Prayer.^]

[Funote 113: Ich mchte das Erstaunen gesehen haben, in welches die
Gromeister der lateinischen Sprache, die mit Mcenas und Pollio zu
speisen pflegten, durch das ^Tibi Cherubim et Seraphim incessabili voce
proclamant, Sanctus, Sanctus, Dominus Deus Sabaoth,^ oder durch das
^Ideo cum angelis et archangelis, cum thronis et dominationibus^
versetzt worden wren.]

[Funote 114: Ich will zwei Proben von Patrick's Schreibweise anfhren.
Er macht mich niederlegen auf einer grnen Aue, sagt David, und
fhret mich zu den stillen Wassern. Patrick's Version lautet: Denn wie
ein guter Hirt seine Schafe bei heftiger Hitze an schattige Orte fhrt,
wo sie sich niederlegen und (nicht an verdorrter sondern) an frischer
und grner Weide laben knnen, und sie am Abend (nicht zu schlammigen
und aufgerhrten, sondern) zu klaren und ruhigen Wassern leitet: so hat
er bereits zweckmige und reichliche Vorsorge fr mich getroffen, die
ich in Frieden und ohne Strung geniee.

Im hohen Liede kommt ein wunderschner Vers vor: Ich beschwre Euch,
Ihr Tchter Jerusalems, findet Ihr meinen Freund, so saget ihm, da ich
vor Liebe krank liege. Patrick's Version lautet: So wendete ich mich
an Diejenigen meiner Nachbarn und vertrauten Bekannten, die durch mein
Geschrei geweckt worden waren und herbeikamen, um zu sehen was es gebe,
und beschwor sie, wie sie es vor Gott verantworten knnten, meinem
Geliebten, wenn sie mit ihm zusammentrfen, mitzutheilen -- Was soll ich
sagen? -- Was sollt Ihr ihm Andres sagen, als da ich jetzt, da ich
seinen Umgang entbehre, meines Lebens nicht froh werde, da mir nicht
eher wieder wohl sein wird, als bis ich seine Liebe wieder gewinne.]

[Funote 115: Wilhelm's Mifallen an dem Gottesdienste in der Kathedrale
wird von Leslie in ^No. 7.^ des ^Rehearsal^ erwhnt. Siehe auch ^A
Letter from a Member of the House of Commons to his Friend in the
Country 1689,^ und ^Bisset's Modern Fanatic 1710.^]

[Funote 116: Siehe ^Collier's Desertion discussed, 1689.^ Thomas Carte,
der ein Schler und eine Zeit lang Assistent Collier's war, setzte noch
im Jahre 1747 in eine voluminse Geschichte eine hchst alberne
Anmerkung, in der er der Welt versicherte, er wisse ganz bestimmt, da
der Prtendent die Skrophelkrankheit geheilt habe, und ganz ernsthaft
behauptete, die heilende Kraft sei erblich und von der Salbung ganz
unabhngig. Siehe Carte's ^History of England, vol. I. p. 291^.]

[Funote 117: Siehe die Vorrede zu ^A Treatise in Wounds, by Richard
Wiseman, Sergeant Chirurgeon to His Majesty, 1676.^ Den vollstndigsten
Nachweis ber diesen interessanten Gegenstand aber findet man in der
^Charisma Basilicon, by John Browne, Chirurgeon in ordinary to His
Majesty, 1684.^ Siehe auch ^The Ceremonies used in the Time of King
Henry VII. for the Healing of them that be Diseased with the King's
Evil, published by His Majesty's Command, 1686; Evelyn's Diary, March
28. 1684^ und ^Bishop Cartwright's Diary, Aug. 28, 29, 30. 1687.^ Es ist
unglaublich, da ein so groer Theil der Bevlkerung wirklich skrophuls
gewesen sein sollte. Ohne Zweifel wurden viele mit leichten und
vorbergehenden Krankheiten behaftete Personen zum Knige gebracht, und
die Genesung dieser Leute hielt den allgemein verbreiteten Glauben an
die Wirksamkeit seiner Berhrung aufrecht.]

[Funote 118: Pariser Gazette vom 23. April 1689.]

[Funote 119: Siehe Whiston's ^Life of himself.^ Der gute Whiston, der
an Alles glaubte, nur nicht an die Dreieinigkeit, erzhlt uns ganz
ernsthaft, die einzige Person, welche Wilhelm berhrt habe, sei trotz
der Unglubigkeit Sr. Majestt genesen. Siehe auch den ^Athenian
Mercury^ vom 16. Januar 1691.]

[Funote 120: In verschiedenen neueren Schriften ist die Befrchtung,
da Meinungsverschiedenheiten zwischen der Convocation von York und der
Convocation von Canterbury entstehen knnten, mit Geringschtzung fr
chimrisch erklrt worden. Aber es ist schwer zu begreifen, warum es
minder wahrscheinlich sein soll, da zwei selbststndige Convocationen
von einander abweichen, als zwei Huser der nmlichen Convocation, und
es ist notorisch, da unter der Regierung Wilhelm's III. und Anna's die
beiden Huser der Convocation von Canterbury fast niemals
bereinstimmten.]

[Funote 121: ^Birch's Life of Tillotson; Life of Prideaux.^ Aus
Clarendon's Tagebuche ergiebt sich, da er und Rochester am 23. Sept. in
Oxford waren.]

[Funote 122: Siehe die Liste in dem historischen Bericht ber die
gegenwrtige Convocation im Anhang zur zweiten Ausgabe der ^Vox Cleri,
1690.^ Der bedeutendste Name, den ich in der Liste der von dem
Parochialklerus gewhlten Beauftragten finde, ist der des Dr. Mill, des
Herausgebers des griechischen Testaments.]

[Funote 123: Tillotson an Lady Russell, 19. April 1690.]

[Funote 124: ^Birch's Life of Tillotson.^ Was Birch darin ber die
Gespanntheit zwischen Compton und Tillotson sagt, hatte er den
Manuscripten Heinrich Wharton's entlehnt, und wird durch viele Umstnde
besttigt, die man aus anderen Quellen kennt.]

[Funote 125: ^Chamberlayne's State of England,^ 18. Ausgabe.]

[Funote 126: ^Concio ad Synodum per Gulielmum Beveregium, 1689.^]

[Funote 127: ^Narcissus Luttrell's Diary; Historical Account of the
present Convocation.^]

[Funote 128: ^Kennet's History, III. 552.^]

[Funote 129: ^Historical Account of the Present Convocation, 1689.^]

[Funote 130: ^Historical Account of the Present Convocation; Burnet II.
58.; Kennet's History of the Reign of William and Mary.^]

[Funote 131: ^Historical Account of the Present Convocation; Kennet's
History.^]

[Funote 132: ^Historical Account of the Present Convocation; Kennet.^]

[Funote 133: ^Historical Account of the Present Convocation.^]

[Funote 134: Da eine solche Eifersucht, wie ich sie geschildert habe,
wirklich herrschte, besttigt das Pamphlet betitelt: ^Vox Cleri.^
Einige gegenwrtig der Convocation angehrende Landgeistliche sahen
jetzt, in welcher groen Behaglichkeit und Flle die Stadtgeistlichen
leben, die ihre Lectoren und Hlfsprediger haben, hufig Zuschsse
bekommen, zuweilen bis zum Schlusse des Gottesdienstes in der Sakristei
zubringen und auer ihren reichen Pfarreien in der Stadt auch noch hohe
kirchliche Wrden bekleiden. Der Verfasser dieser einst weit berhmten
Schrift war Thomas Long, Vertreter des Klerus der Dicese Exeter. Nach
einer andren damals erschienenen Flugschrift sollen die Landgeistlichen
mit groem Mivergngen bemerkt haben, da ihre Londoner Collegen sich
nach der Predigt mit Sect erfrischten. In mehreren Flugschriften jenes
Winters findet man Anspielungen auf die Fabel von der Stadtmaus und der
Landmaus.]

[Funote 135: ^Burnet II. 33, 34.^ Die besten Darstellungen der Vorgnge
in dieser Convocation geben der der zweiten Ausgabe der ^Vox Cleri^
angehngte historische Bericht und die Stelle in Kennet's Geschichte,
auf die ich den Leser schon verwiesen habe. Erstere Erzhlung ist von
einem eifrigen Hochkirchlichen, letztere von einem eifrigen
Niederkirchlichen. Wer Ausfhrlicheres darber erfahren wnscht, mu die
gleichzeitigen Flugschriften nachlesen, unter ihnen besonders folgende:
^Vox Populi; Vox Laici; Vox Regis and Regni; The Healing Attempt; Letter
to a Friend, by Dean Prideaux; Letter from a Minister in the Country to
a Member of the Convocation; Answer to the Merry; Answer to Vox Cleri;
Remarks from the Country upon Two Letters relating to the Convocation;
Vindication of the Letters in answer to Vox Cleri; Answer to the Country
Minister's Letter.^ Alle diese Schriften erschienen Ende 1689 oder
Anfang 1690.]

      Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.




Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original
g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren,
wurden ^so^ markiert.

Die variierende Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend
beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier
aufgefhrt (vorher/nachher):

   [S. XIII.5]:
   ... In Schotttland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ...
   ... In Schottland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ...

   [S. XIII.14]:
   ... machten, ihnen irgendwie ntzlich zu sein. Sie muen sich
       klar ...
   ... machten, ihnen irgendwie ntzlich zu sein. Sie muten sich
       klar ...

   [S. XIII.20]:
   ... Smaragdohringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr
       zum Geschenk ...
   ... Smaragdohrringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr
       zum Geschenk ...

   [S. XIII.21]:
   ... Ueber das frhere Verhltni zwischen Wilhelm und Dundee
       haben einige Jakobieten ...
   ... Ueber das frhere Verhltni zwischen Wilhelm und Dundee
       haben einige Jakobiten ...

   [S. XIII.33]:
   ... die Verantwortlichkeit fr auerordenliche
       Vertheidigungsmittel auf ...
   ... die Verantwortlichkeit fr auerordentliche
       Vertheidigungsmittel auf ...

   [S. XIII.34]:
   ... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, da das
       schotttische Gesetz bezglich ...
   ... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, da das
       schottische Gesetz bezglich ...

   [S. XIII.39]:
   ... Ein solcher Mann war Sir Patrik Hume. Er war aus ...
   ... Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus ...

   [S. XIII.40]:
   ... Siehe The Life and Correspondance of Carstairs und die
       interessanten ...
   ... Siehe The Life and Correspondence of Carstairs und die
       interessanten ...

   [S. XIII.57]:
   ... Coll der Khne gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ...
   ... Coll der Khe gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ...

   [S. XIII.60]:
   ... Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Steit mit ihm,
       schuldeten ...
   ... Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Streit mit ihm,
       schuldeten ...

   [S. XIII.71]:
   ... Telepraphen, vermittelst dessen sie sich ber die Linien der
       Schildwachen ...
   ... Telegraphen, vermittelst dessen sie sich ber die Linien der
       Schildwachen ...

   [S. XIII.80]:
   ... Mitterweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer
       unterhalten, ...
   ... Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer
       unterhalten, ...

   [S. XIII.83]:
   ... Einbildungkraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrert.
       Einige der ...
   ... Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger
       vergrert. Einige der ...

   [S. XIII.83]:
   ... den Bericht ber die Schlache in einem von Burt's Briefen.
       Macpherson druckte einen ...
   ... den Bericht ber die Schlacht in einem von Burt's Briefen.
       Macpherson druckte einen ...

   [S. XIV.26]:
   ... war indessen eine vorteffliche hollndische Brigade unter dem
       Commando ...
   ... war indessen eine vortreffliche hollndische Brigade unter
       dem Commando ...

   [S. XIV.26]:
   ... waren vier Regimenter, ein Cavalerieregiment und drei
       Infanterieregimenter, ...
   ... waren vier Regimenter, ein Cavallerieregiment und drei
       Infanterieregimenter, ...

   [S. XIV.34]:
   ... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum
       atlanischen Ocean ...
   ... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum
       atlantischen Ocean ...

   [S. XIV.36]:
   ... ihren franzschen Verbndeten unterhalten werden. ...
   ... ihren franzsischen Verbndeten unterhalten werden. ...

   [S. XIV.42]:
   ... ber seine Parteilichkeit fr sein Adoptivvaterland murrte.
       Die hollndschen ...
   ... ber seine Parteilichkeit fr sein Adoptivvaterland murrte.
       Die hollndischen ...

   [S. XIV.42]:
   ... sei; da er perremptorisch auf einem Artikel bestehe, der
       allen Handelsverkehr ...
   ... sei; da er peremtorisch auf einem Artikel bestehe, der allen
       Handelsverkehr ...

   [S. XIV.43]:
   ... Aliirten gaben einer groen deutschen Truppenmacht in Serbien ...
   ... Alliirten gaben einer groen deutschen Truppenmacht in
       Serbien ...

   [S. XIV.49]:
   ... der gttlichen Wahrheit unterrrichtet und durch gttliche
       Gnade beschtzt ...
   ... der gttlichen Wahrheit unterrichtet und durch gttliche
       Gnade beschtzt ...

   [S. XIV.62]:
   ... Auditorum herbeiziehen, mute sich damit begngen, der
       Geistliche ...
   ... Auditorium herbeiziehen, mute sich damit begngen, der
       Geistliche ...

   [S. XIV.63]:
   ... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der
       Tugenhaftigkeit ...
   ... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der
       Tugendhaftigkeit ...

   [S. XIV.67]:
   ... Hochkirchlichen unter den Zurckleibenden waren Doctor
       Wilhelm Beveridge, ...
   ... Hochkirchlichen unter den Zurckbleibenden waren Doctor
       Wilhelm Beveridge, ...

   [S. XIV.73]:
   ... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelhter zu
       bestrafen, noch ...
   ... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelthter zu
       bestrafen, noch ...

   [S. XIV.81]:
   ... Stande, die aufstzige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war
       gering, ...
   ... Stande, die aufsssige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war
       gering, ...






End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND  ***

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warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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