The Project Gutenberg EBook of Franzsische Lyrik alter und neuer Zeit in
deutschen Versen, by Various

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Title: Franzsische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen

Author: Various

Translator: Joseph Jaff

Release Date: March 5, 2016 [EBook #51360]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZSISCHE LYRIK ALTER UND ***




Produced by Jana Srna, Alexander Bauer, Jens Sadowski, and
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                          Franzsische Lyrik
                         in deutschen Versen




                          Franzsische Lyrik
                         alter und neuer Zeit
                         in deutschen Versen


                                 von
                             Joseph Jaff

                               Hamburg
                         Im Gutenberg-Verlag
                          Dr. Ernst Schultze
                                 1908

                             Alle Rechte
                              vom Verlag
                             vorbehalten

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   und kostet 8 Mark




                          Inhalts-bersicht

                                             Seite
   Vorbemerkung                                 11

   Franois Villon:
      Aus dem groen Testament                  13

   Clment Marot:
      Lied                                      19
      An den Knig, als ich bestohlen wurde     20

   Pierre Corneille:
      Stanzen                                   25

   Pierre-Jean de Branger:
      Meine Berufung                            27
      Die Dachkammer                            28
      Der alte Korporal                         30
      Des Volkes Erinnerungen                   32

   Grard de Nerval:
      Herren und Knechte                        35
      Phantasie                                 35
      La mich                                  36
      Goldene Verse                             37

   Alfred de Musset:
      An Juana                                  39
      An Julie                                  41
      An Pepa                                   42
      Lilla                                     43
      Ballade an den Mond                       44
      Dezembernacht                             50
      An Frau M.                                54
      Lebewohl                                  55

   Victor Hugo:
      Der Abend des Smanns                     56
      Abend auf dem Meere                       57
      Aus den Orientalen                        62
      Der Kaisermantel                          64
      Die Ordnung ist wieder hergestellt        65
      Lied                                      67
      Lied                                      68
      Ein Spiel                                 69
      Des Kaisers Zeitvertreib                  69
      Die Shne                                 72

   Thophile Gautier:
      Pastell                                   84
      Trost                                     85
      Die Alten von der alten Garde             86

   Charles Baudelaire:
      Migeschick                               91
      Das Ideal                                 92
      Der Vampyr                                92
      Die Katze                                 93
      Ganz und gar                              94
      Nachmittagslied                           95
      Das Gespenst                              97
      Die Eulen                                 98
      Trauriges Madrigal                        99
      Der Mahner                               100
      Lsegeld                                 101
      Der Mensch und das Meer                  102
      Klage eines Icarus                       103
      Heauton timoroumenos                     103
      Abel und Kain                            105
      Nachschrift fr ein verbotenes Buch      106

   Paul Verlaine:
      An Eugen Carrire                        108
      Nevermore                                109
      Drei Jahre spter                        109
      Sentimentaler Spaziergang                110
      Herbstlied                               111
      Schferstunde                            111
      Mondschein                               112
      Auf dem Spaziergang                      113
      Aufzug                                   114
      Der Faun                                 115
      Halblaut                                 115
      Sentimentales Zwiegesprch               116
      Frau und Katze                           117
      Serenade                                 118
      avitri                                  119
      Guter Sang
           I.                                  120
          II.                                  121
         III.                                  121
      Vergessene Weisen
           I.                                  122
          II.                                  123
      Bilder aus Belgien
           I. Walcourt                         123
          II. Charleroi                        124
         III. Brssel                          125
          IV. Schlopark                       126
           V. Karussel                         126
          VI. Mecheln                          127
      Aquarell von Spleen                      128
      Weisheit
           I.                                  129
          II. Caspar Hauser                    130
         III.                                  131
      Prolog                                   132
      Pierrot                                  133
      Die Kunst des Dichters                   133
      Schlaff                                  135
      Liebe                                    136
      Allegorie                                137
      Hirngespinste
           I.                                  138
          II.                                  139
      Der Schamlose                            140
      Hnde                                    141
      Nrrischer Rat                           143
      Lieder fr sie
           I.                                  145
          II.                                  146
      An Knig Ludwig den Zweiten              148
      Meine Bste                              149

   Jos-Maria de Hrdia:
      Vergessen                                150
      Pan                                      150
      Der Ziegenhirt                           151
      Weihe                                    152
      Des Toten Bitte                          153
      Der Sklave                               153
      An der Trebia                            154
      Nach der Schlacht bei Cannae             155
      Villula                                  156
      Tranquillus                              156
      Lupercus                                 157
      Die Dogaressa                            158
      Der alte Goldschmied                     159
      Die Conquistadoren                       159
      Jungbrunnen                              160
      Auf eine tote Stadt                      161
      Antike Medaille                          161
      Bretagne                                 162
      Maris stella                             163
      An Ernesto Rossi                         164

   Jacques Normand:
      Nach dem Essen                           165
      Taubenschieen                           169
      Aufrichtig                               171
      Um den Ruhm                              172

   Jean Richepin:
      Unsere Vergngungen                      173
      Unsere Rache                             175
      Mein Glas ist leer                       176
      Moderne Studie nach der Antike           178
      Auf Wache                                179
      Die Kste                                180
      Trockene Kiesel                          182

   Jean-Arthur Rimbaud:
      Mein Zigeunerleben                       184
      Lebenstiefe                              184
      Faunskopf                                185
      Aufregung                                185
      Der Schlfer im Tal                      187
      Der Schrank                              188

   Jules Jouy:
      Lied der Bergarbeiter                    189
      Der bleiche Mann                         190

   Emile Verhaeren:
      Vlmische Kunst                          192
      Artevelde                                195
      Die Bauern                               196
      Kato                                     198
      Des Mnches Tod                          200
      Betrachtung                              202
      Die Bume                                203
      Die Trnke                               204
      Der Schrei                               204
      Die Nacht                                205
      Die Straen                              206
      Das Idol                                 207
      Unkraut                                  208
      Gebet                                    209
      Das Schwert                              210
      Ein Abend                                211

   Albert Giraud:
      Katharina von Medici                     213
      An eine vierzigjhrige Frau              214

   Henri de Rgnier:
      Unsichtbare Gegenwart                    215
      Vor der Prgung                          216
      Wechselstrophen                          218
      Ein Traum von Stunden und von Jahren     220
      Ein Traum von Morgenrot und Schatten     222
      Der Raufbold                             222
      Chrysilla                                223

   Fernand Gregh:
      Prfung                                  225
      Abend in der Grostadt                   227
      Musik in der Ferne                       228
      Zweifel                                  230
      Dmmerstunde                             231
      Betrachtung                              232




                            Vorbemerkung.


In dieser Sammlung ist der Grundsatz genauer Nachbildung von Versma und
Reimverschlingung streng durchgefhrt. Wer bersetzungen eine Mitgift
aus eigenem geben kann, mag sich freier bewegen; der bescheidene
Dolmetsch soll die Gebrde des Kunstwerks ehren und deshalb den Vorteil
verwandter Formen selbst auf die Gefahr einer gelinden Beengung
ausnutzen. Es ist keineswegs richtig, da bersetzungen durchaus den
Eindruck von Originalen machen mssen, der Geruch der Muttererde darf
sich nicht verflchtigen. Unsere Bhne kann den Trochaeus des spanischen
Dramas, den Alexandriner des franzsischen getrost preisgeben, ihre
Mittel leisten tausendfltigen Ersatz und ermglichen Treue der
Stimmung; die redlichste bertragung eines Gedichtes hat dagegen immer
noch genug Verluste zu beklagen. Gewi wird alle Lyrik durch dieselben
Stimmungen ausgelst, doch die Seelen der Vlker und Zeiten sind so
verschieden, wie die der Sprachen.

Der Leitsatz rechtfertigt die Verwendung des oft verketzerten
Alexandriners. Was ihn uns unbehaglich macht, ist zumeist die starre
Csur, die ihn im Deutschen -- viel schrfer als im Franzsischen -- wie
mit einem Beilschlage zerhackt; sie ist frei behandelt, wie dies ja auch
die jngeren Franzosen belieben.

Dem ^vers libre^ ist peinliche Gerechtigkeit widerfahren; Meister wie
Rgnier und Verhaeren knnen dies beanspruchen, sie sind gegen den
Verdacht gespreizter Unfhigkeit geschtzt, die sich nur zu oft solcher
Tracht bedient.

Es bedarf keiner Erwhnung, da das Bchlein weder bestimmte
Zeitabschnitte noch Schulen erschpfen will; nicht einmal dem Reichtum
der vertretenen Dichter wird es auch nur annhernd gerecht.

_Lugano_, im Herbst 1907

                                                          Joseph Jaff




                           Franois Villon


                              geb. 1431




                       Aus dem groen Testament


   Mich reut, da ich in jungen Tagen
   Gescheut hab jede ernste Pflicht,
   Das Alter naht, wer kann es sagen,
   Wie bald dies wilde Herz schon bricht.
   Zu Fu enteilt die Zeit ja nicht,
   Sie sitzt zu Rosse! ach, mein Glck
   War immer leicht nur von Gewicht,
   Mir rmsten blieb auch nichts zurck.

   Die Jahre sind dahin gegangen,
   Nichts ernstes habe ich erstrebt,
   Mit Schrecken seh ich und mit Bangen,
   Ich bin nicht reif, bin nur verlebt.
   Eh' noch mein Sein ins Nichts entschwebt,
   Hat mich der letzte Freund vergessen,
   Kein Herz, das um mich zagt und bebt ...!
   Ich habe nie ein Glck besessen.

   Nie hab ich schweres Geld gezahlt
   Fr Leckerbissen und fr Wein,
   Bei Frauen nie damit geprahlt,
   Davon ist mein Gewissen rein.
   Wer dies nicht glaubt, der lt es sein,
   Mag seinen Glauben er genieen!
   Wirft einer deshalb einen Stein,
   Wird er von sich auf andere schlieen.

   Geliebt hab ich natrlich auch
   Und liebte gerne noch viel mehr,
   Doch volles Herz und leerer Bauch,
   Die helfen dabei nicht zu sehr.
   Wer Sorgen hat, trgt alles schwer,
   Der wei nicht viel von Feiertagen,
   Mein Magen war ja meistens leer,
   Musik macht nur ein voller Magen.

   Htt ich bekmpft die wilde Sucht
   Und was gelernt in jungen Jahren,
   Mich fromm befleiigt guter Zucht,
   Ich wrde heute besser fahren.
   Doch bse Buben, wie wir waren,
   Die schwnzen, wenn's zur Schule geht!
   Jetzt kann ich mir die Worte sparen,
   Die Reue kommt ja stets zu spt.

   Geschrieben steht -- nur habe ich
   Gedeutet es nach meinem Sinn --
   Mein Sohn, freu' in der Jugend dich!
   Ja, davon hatte ich Gewinn.
   Nun ist die Jugend lngst dahin!
   Was weiter folgt, schien mir nicht wichtig,
   Die Jugend, heit es dann darin,
   Und ihre Freuden, die sind nichtig.

   Die Tage sind mir voller Hast
   Enteilt, kann ich mit Hiob sagen,
   Schnell wie am Webstuhl ohne Rast
   Das Schifflein gleitet. Darf ich klagen?
   Wer Hoffen nicht mehr kennt noch Zagen,
   Erschrickt nicht, wenn das Ende droht,
   Mich wird kein Migeschick mehr schlagen,
   Denn alles schwindet mit dem Tod.

   Wo sind sie hin, die Burschen all',
   Mit denen einst ich mich ergtzt,
   Die hoch des freien Wortes Schall,
   Noch hher khne Tat geschtzt?
   Die meisten sind zu Tod gehetzt,
   Gott, der die Snder nicht verlt,
   Schenk ihnen ewige Ruhe jetzt
   Und schirme gndiglich den Rest.

   Gar mancher hat es weit gebracht
   Und kann auf stolzem Rosse reiten,
   Gar mancher bettelt nackt und lacht,
   Brot sieht er hchstens mal vom weiten.
   Noch andere traten klug beizeiten
   Ins Kloster ein und beten brav,
   Ich seh sie in Sandalen schreiten,
   Wie es nun grade jeden traf.

   Die groen Herren knnen lachen,
   Sie haben immer gute Zeit,
   Gott braucht sich Sorgen nicht zu machen
   Um dieser Leute Frhlichkeit.
   Dem Armen, der vor Hunger schreit
   Wie ich, o Herr, erweis dich gndig,
   Im Kloster kennen sie kein Leid,
   Die Mnche sind der Sorgen ledig.

   Sie lieben wohlbestellten Tisch
   Und trinken gerne guten Wein
   Zum Braten, Kuchen und zum Fisch,
   Stets mu er frisch vom Zapfen sein.
   Die Arbeit macht den Brdern Pein,
   Der Tag soll sorgenfrei verflieen,
   Doch schenken sie sich selber ein,
   Dess' lassen sie sich nicht verdrieen.

   Des Urteils harr ich in Geduld,
   Mein Fall ist einfach, klar und schlicht,
   Vergebung hoff ich meiner Schuld,
   Was andere taten, richt ich nicht.
   Ein Snder bin ich und ein Wicht,
   Gelobt seist du, o Jesuchrist,
   Du fhrst mich ein zum ewigen Licht!
   Doch was ich schrieb, bleibt, wie es ist.

   Jetzt lassen wir die Kirche ruhn
   Und reden mal von andern Dingen,
   Man hat nicht gern damit zu tun,
   Vergngen kann es auch nicht bringen.
   Die Menschen, die mit Sorgen ringen,
   Gebrauchen Worte leicht, die krnken,
   Und wenn sie schon den Mund bezwingen,
   Verhindert nichts sie, hart zu denken.

   Wir, die von armen Leuten stammen,
   Wir knnen nur von Not erzhlen,
   Mein Vater brachte nichts zusammen,
   Und auch sein Vater mut sich qulen.
   Es tat an allem stets uns fehlen,
   Und auf den Grbern meiner Ahnen
   -- Der Herr erbarm sich ihrer Seelen --
   Erblickt man weder Helm noch Fahnen.

   Lie mir der Hunger keine Ruh,
   Hat oft mein armes Herz gesagt:
   Weshalb, o Menschlein, jammerst du?
   Verachte, was dich qult und plagt!
   Jacques Coeur[1] hat alle berragt
   An Reichtum und litt niemals Not,
   Wenn auch dein Los dir nicht behagt,
   So lebst du doch, und er ist tot.

   Jacques Coeur hat alle berragt,
   Ein Herr ...! jetzt ein erloschnes Licht.
   Es gilt von ihm, was David sagt:
   Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
   Im brigen hat mein Gedicht
   Fr eine Predigt keinen Raum,
   Ich leiste gern darauf Verzicht,
   Nur Pfaffen schlagen solchen Schaum.

   Nie habe ich, sagt's allen Leuten,
   Fr einen Engel mich gehalten,
   Ich wollte niemals was bedeuten,
   Nie konnt ich aus dem vollen schalten.
   Still in der Erde, in der kalten,
   Ruht lngst mein Vater, und Freund Hain
   Naht schon dem Mtterlein, dem alten,
   Der Sohn wird auch zu finden sein.

   Ich habe Toren, habe Weise,
   Hab Priester, Laien wohl gekannt,
   Hofleute, Brger, Kinder, Greise,
   Geringe, groe Herrn im Land,
   Und Damen auch im Prachtgewand,
   Geschmckt mit Halsgeschmeid und Ring,
   Jedwede Art und jeden Stand,
   Dem Tode keiner noch entging.

   Der Tod fand Paris und Helenen,
   Er packt uns unter Qual und Schmerz,
   Wenn wir zum letzten Schlaf uns dehnen,
   Steigt uns die Galle in das Herz.
   Der Atem stockt, im Busen zerrt's,
   Der Schwei bricht aus, da hilft kein Beten,
   O Gott, das Sterben ist kein Scherz,
   Kein Brge kann uns da vertreten.

   Der Tod macht alle bleich und gleich,
   Das Auge bricht, die Sinne schwinden,
   Der Hals schwillt an, das Fleisch wird weich,
   Die Bnder wollen nicht mehr binden.
   Die Frauen selbst, die zarten, linden,
   Ihr ser, liebenswerter Scho,
   Er wird zu Staub, ein Spiel den Winden,
   Denn allen fllt das gleiche Los.

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[Funote 1: Jacques Coeur, Bankier der franzsischen Krone unter Karl
VII. (1422-1461), der reichste Mann seiner Zeit.]




                            Clment Marot


                              1495-1539




                                 Lied


   Willst du dein Herz erquicken,
   Mut einen einzigen Blick
   Du meiner Liebsten schicken,
   Gott schenk ihr Gunst und Glck!
   So hold wirst du sie finden,
   Da dir zur selben Stund
   Wohl tausend Schmerzen schwinden,
   Ihr Gru macht dich gesund.

   Die Gaben meiner Schnen
   Erfreuen Herz und Sinn,
   Die Sehnsucht lt mich sthnen,
   Wenn ich nicht bei ihr bin.
   Ihr Liebreiz macht mich beben,
   Bleich werd ich, wie der Tod,
   Doch ihre Huld schenkt Leben,
   Verscheucht, was mich bedroht.




                An den Knig, als ich bestohlen wurde


   Ein Unglck, Sire, alleine, das kommt selten!
   Euch, Herr, wird dieses Wort als Wahrheit gelten;
   Es kommt zu zweit, zu dritt, in ganzen Scharen,
   Ihr habt es leider selber ja erfahren.
   Und ich, ich bin kein Frst, bin berhaupt
   Vor Euch ein Nichts. Doch wenn Ihr es erlaubt,
   Erzhle ich die schnste der Geschichten.

   Von meinem Diener will ich Euch berichten
   Aus der Gascogne, ein Lgner und ein Dieb,
   Er soff und fra und wute, wo er blieb,
   Ein Lmmel, wie vom Galgen abgeschnitten,
   Im brigen bei allen wohl gelitten,
   Ein Bursch, in den die Dirnen sich vernarrten,
   Ein flotter Kerl bei Kegeln und bei Karten.

   Der ehrenwerte Herr bekam nun Wind
   Von jener Summe, die Ihr mild gesinnt
   Mir jngst gemacht zur gndigen Verehrung,
   Von meines Beutels pltzlicher Beschwerung.
   Des Nachts -- er pflegte lnger sonst zu liegen --
   Ist er in meine Kammer eingestiegen
   Und nahm das schne Geld noch vor dem Morgen.
   Ich glaube kaum, er wollte es nur borgen,
   Denn keinem hat er was davon gesagt.
   Um wenig hat er sich grad nicht geplagt,
   Mein Hut, mein Wams, mein Gurt fiel ihm zum Raube,
   Die Stiefel und der Mantel und die Schaube;
   Das beste, was ich nur bei Hofe trug,
   War diesem Kenner grade gut genug.
   Ihr httet ihn, es fehlte wohl nur wenig,
   Fr mich genommen, hoher Herr und Knig.

   Zum Schlu begab sich dann mein Seneschall
   Des graden Wegs in seines Herren Stall.
   Das schlechte Pferd mifiel dem guten Jungen,
   Flugs hat er auf das bessere sich geschwungen,
   Den Sattel nahm er und das Terzerol
   Und nichts verga er als das Lebewohl.
   Er sprte um den Hals vielleicht ein Wrgen,
   Doch war der Held beritten wie Sankt Jrgen.
   Den Herrn hat er nicht aus dem Schlaf geweckt,
   Der war nicht gut gelaunt, als er's entdeckt.
   Der Herr war ich. Ihr werdet es verstehen,
   Der Morgen hat mich nicht vergngt gesehen,
   Fort waren alle meine schnen Kleider
   Und auch das beste meiner Rosse leider.

   Da auch das liebe Geld so schnell verschwand,
   Begriff schon etwas eher mein Verstand,
   Denn Euer Geld, vermeld ich untertnig,
   Wird niemals bei mir warm, mein Herr und Knig.

   Doch damit ist das wenigste erzhlt.
   Es ist noch etwas, was mich hrter qult,
   Was mich bei Tag und Nacht nicht mehr verlt
   Und mir in Krze sicher gibt den Rest,
   Was in die Erde bringt mich armen Mann,
   Wo ich dann lustig weiter reimen kann.
   Mein armer Krper windet sich und leidet,
   Mein Leib ist manchmal schier wie ausgeweidet,
   Drei Monat ist der Kopf schon eingezwngt,
   Die Brust ist stets beklommen und beengt,
   Die Beine knnen kaum den Rumpf noch tragen,
   Ganz ausgemergelt ist mein armer Magen.
   Die Krankheit scheint mich langsam aufzuzehren,
   Sie peinigt mich -- ich sag's in allen Ehren --
   Sie peinigt mich, mein Knig, ganz genau,
   Wie den Pariser seine liebe Frau.

   Was sag ich noch! geschwunden ist der Leib
   Fast ganz, und nur zu Eurem Zeitvertreib
   Blieb etwas noch von meinem Geist am Leben,
   Viel kann er freilich nicht zum Besten geben.
   Um diesen kargen Rest, der vor Euch steht,
   Bemht sich, Herr, die halbe Fakultt,
   Betastet meinen Puls, hlt weisen Rat
   Und kndet als gewisses Resultat,
   Der Frhling heilt bestimmt mein bitteres Weh.
   Sehr gut gesagt! Was ich davon versteh,
   Ist dies: soll ich den Frhling nicht mehr sehn,
   Werd ich im Winter schon zu Grunde gehn;
   Bin ich dagegen schon im Winter tot,
   Dann hab ich um den Frhling keine Not.

   So qul ich mich neun lange Monat schon.
   Verkauft ist alles, was mir der Cujon
   Nicht stahl. Ich hab mich kmmerlich gepflegt,
   Das ganze in Latwergen angelegt.
   Doch, gndiger Herr, deshalb drft Ihr nicht meinen,
   Da ich mit Bitten will vor Euch erscheinen;
   Verwechselt mich nicht etwa mit dem Pack,
   Das ewig nur die Taschen fllen mag.
   So manchen gab es, der nur immer nahm,
   Dazu, mein Frst, besitz ich zuviel Scham,
   Auf Ehre, Sire, ich nehme nichts geschenkt!
   Doch wenn Ihr etwas mir zu leihen denkt,
   Sag ich nicht nein. Denn wie es geht, so geht's,
   Ein Glubiger macht einen Schuldner stets.

   Und wit Ihr, Herr, wie ich die Schuld will zahlen?
   Das wei noch keiner, Sire! ich will nicht prahlen,
   Ihr ahnt ja nicht, wie glcklich Ihr es trefft,
   Ihr macht dabei ein glnzendes Geschft,
   Es ist wahrhaftig keine bertreibung!

   Ich geb Euch eine sichere Verschreibung
   -- Verlangt Ihr Zinsen, Herr? -- auf jene Frist,
   Wo einmal alle Welt zufrieden ist,
   Und wenn Ihr lieber wollt, mein Frst, vielleicht
   Auf jenen Tag, da Euer Ruhm verbleicht.
   Traut Ihr Euch nicht, die Forderung so zu buchen,
   Will ich mir ein paar gute Brgen suchen,
   Wenn Euch die Frsten von Lothringen passen,
   Knnt Ihr ja die im Notfall fr mich fassen.
   Doch wei ich wohl, Euch kommt's nicht in den Sinn,
   Da ich nicht sicher und nicht ehrlich bin.
   Indessen hat man gerne was in Hnden,
   Deshalb will ich den Schuldbrief daran wenden,
   Der ist im Todesfall, bei meiner Ehr,
   So gut, wie wenn ich, Sire, unsterblich wr.

   Falls etwas mir zu leihen Ihr geruht,
   Lat mich's in Gnaden wissen, seid so gut;
   Auf meinen Gtern -- kennt Ihr sie nicht, Sire? --
   Erbaut ich jngst ein neues Luftschlo mir,
   Das mu ich jetzt bezahlen. Nur ein Tor
   Sorgt nicht bei Zeiten fr die Zukunft vor.

   Das wre alles so in groen Zgen,
   Ich habe weiter nichts hinzuzufgen.
   Wollt ich noch eine Zeile niederschreiben,
   Ich frchte, Sire, ich knnte bertreiben.
   Dann schrieb' ich: Herr und Knig der neun Musen,
   Der alle ihre Weisheit trgt im Busen,
   Du Knig, mehr als Mars an Ehren reich,
   Du Knig, dem kein anderer jemals gleich,
   Gott gebe Dir und Deinem stolzen Thron
   Des Erdballs ganzen Umkreis noch zum Lohn,
   Sowohl zum Heil der rollenden Maschine,
   Wie auch, da Dir zum Ruhme solches diene.




                           Pierre Corneille


                              1606-1684




                               Stanzen


   Lt mein Angesicht auch sehen,
   Grfin, da die Zeit verstrich,
   Euch wird es nicht besser gehen,
   Seid Ihr erst so alt wie ich.

   All und jedem drckt ihr Zeichen
   Auf die Zeit, eh' sie entweicht,
   Eure Rosen wird sie bleichen,
   Wie sie mir das Haar gebleicht.

   In denselben Bahnen gleiten
   Ewig die Planeten hin,
   Was Ihr seid, war ich vor Zeiten,
   Und Ihr werdet, was ich bin.

   Immerhin darf khn ich sagen,
   Etwas, Grfin, nenn ich mein,
   Was vielleicht in spten Tagen
   Noch wird unvergessen sein.

   Sind auch holde Reize Euer,
   Wit, ein Reiz, den Ihr jetzt hat,
   Strahlt einst noch in hellem Feuer,
   Wenn der Eure lngst verblat.

   Er nur wird den Ruhm bewahren
   Euren Augen, Eurem Haar,
   Er erzhlt nach tausend Jahren,
   Was an Euch mir teuer war.

   Bei den Brgern jener Welten
   Hat mein Wort noch guten Klang,
   Werdet Ihr fr schn dann gelten,
   Schuldet mir Ihr dafr Dank.

   Wollet gndigst drum bedenken:
   Ist ein Graukopf keine Zier,
   Mu man ihm doch Achtung schenken,
   Gleicht er, schne Grfin, mir.




                       Pierre-Jean de Branger


                              1780-1857




                            Meine Berufung


   Ich kam auf diese Erde
   Gengstigt und verzagt,
   Kaum htte aus der Herde
   Ich je mich vorgewagt.
   Mein Weinen und mein Klagen
   Verhauchte fast im Wind,
   Da hrte Gott ich sagen:
   So singe doch, mein Kind!

   Der Reichtum fhrt mit vieren,
   Verlacht des Armen Not,
   Wenn sie vorbei kutschieren,
   Bespritzt uns nur der Kot.
   Euch habe ich im Magen!
   Doch macht der Zorn mich blind,
   Dann hre Gott ich sagen:
   So singe doch, mein Kind!

   Weich bin ich nicht gebettet,
   Zum Einerlei verdammt,
   Gefesselt und gekettet
   An mein bescheiden Amt.
   Mu ich zu sehr mich plagen,
   Da Brot mein Arm gewinnt,
   Dann hre Gott ich sagen:
   So singe doch, mein Kind!

   Manch Glck hab ich gefunden
   In meines Lebens Mai,
   Die Jahre sind entschwunden,
   Es ist damit vorbei.
   Doch will mein Herz mal fragen,
   Warum das Glck zerrinnt,
   Dann hre Gott ich sagen:
   So singe doch, mein Kind!

   So will ich ewig singen,
   Will singen bis zuletzt,
   Will jedem Freude bringen,
   Den mein Gesang ergtzt.
   Wo frohe Herzen schlagen,
   Die freundlich mir gesinnt,
   Da hre Gott ich sagen:
   So singe doch, mein Kind!




                            Die Dachkammer


   Die Bude unterm Dach! Ich seh sie wieder,
   Wo frohe Armut Lehrerin mir war,
   Ich hatte meine Freunde, meine Lieder,
   Mein Mdchen hatte ich und zwanzig Jahr.
   Der Narren lachte keck ich und der Weisen,
   Da ich des Lenzes Bltentraum geno,
   Sechs Treppen hoch durft ich mich glcklich preisen
   Mit zwanzig Jahren hier im Dachgescho.

   Ein Bodenloch! Ich kann es nicht bestreiten;
   Hier war's, wo meine harte Bettstatt stand,
   Dort seh ich noch die Verse, die vor Zeiten
   Mit Kohle ich gekritzelt an die Wand.
   Doch ach, die Freuden, die sind lngst entschwunden,
   Die meine Uhr mir mitleidvoll erschlo,
   So oft den Weg ins Leihamt ich gefunden,
   Mit zwanzig Jahren aus dem Dachgescho.

   Wie gern ist Liese mit vergngter Miene
   Hier oben einst erschienen zum Besuch!
   Vorm Fenster hat die Gute als Gardine
   Flink aufgehngt ihr schnes neues Tuch.
   Am Boden lag der Hut. Nie mocht ich fragen,
   Wer ihn bezahlt hat, weil sie dies verdro;
   Wer wird sich auch um solche Fragen plagen
   Mit zwanzig Jahren hier im Dachgescho.

   Hier haben wir begeistert und verwegen
   Die ganze Nacht gesungen und gezecht,
   Da bei Marengo Bonapartes Degen
   Die schlug, die ihm zu trotzen sich erfrecht.
   Viktoria schossen sie! Wir aber dachten,
   Nie kehrt zurck in unseres Helden Schlo
   Die Sippe Ludwigs, die wir stolz verlachten
   Mit zwanzig Jahren hier im Dachgescho.

   Hinweg! hinweg! Ich knnte mich berauschen,
   Wo der Erinnerung Zauber mich umschwebt ....
   Ach, drfte meiner Tage Rest ich tauschen
   Fr einen Monat, den ich hier gelebt,
   Fr Liebe, Leichtsinn, Torheit, fr Sekunden,
   Daraus im Traum ein Leben mir entspro,
   Fr alle Hoffnung, die ich einst gefunden
   Mit zwanzig Jahren hier im Dachgescho!




                          Der alte Korporal


   Jetzt also vorwrts, Kameraden,
   Die Stunde schlgt, noch einen Ku,
   Mein Pfeifchen brennt, Ihr habt geladen,
   Kommt, Kinder, machen wir nun Schlu.
   Die Jahre sind im Dienst geschwunden,
   Den ich Euch allen beigebracht,
   Doch niemals hab ich Euch geschunden!
         Nun gebet Acht,
         Heult nicht, gebt Acht,
         Heult nicht, gebt Acht,
         Nehmt Tritt, gebt Acht,
   Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!

   Ein Leutnant denkt, er darf mich krnken,
   Ich wisch ihm eine aus, dem Wicht;
   Es tat ihm nichts, doch sowas schenken ....
   Mein Urteil sprach das Kriegsgericht.
   Wer nicht so rasch ist, handelt weiser,
   Am lngsten hab ich's nun gemacht,
   -- -- Ach was, ich diente meinem Kaiser!
         Nun gebet Acht,
         Heult nicht, gebt Acht,
         Heult nicht, gebt Acht,
         Nehmt Tritt, gebt Acht,
   Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!

   An Arm und Bein darf Euch nichts liegen,
   Das Kreuz ist ein paar Knochen wert,
   Das meine holt ich in den Kriegen,
   Da wir die Knige ausgekehrt.
   Manch Glschen gabt Ihr mir zum besten,
   Wenn ich erzhlte auf der Wacht
   Von Schlachtenruhm und Siegesfesten,
         Nun gebet Acht,
         Heult nicht, gebt Acht,
         Heult nicht, gebt Acht,
         Nehmt Tritt, gebt Acht,
   Gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht, gebt Acht!

   Wer fngt dahinten an zu flennen?
   Die Tambourswitwe, dacht mirs schon!
   Hab Anno zwlf beim tollen Rennen
   Die Frau gerettet sammt dem Sohn.
   Der Vater liegt im Schnee begraben,
   Den Jungen schleppt ich Tag und Nacht ...
   Kannst beten fr mich alten Knaben!
         :|: Nun gebet Acht, :|:

   Die Pfeife will nicht ziehen heute ...
   Jetzt hat sie Luft, was das nur war!
   Da sind wir. Wollt ihr etwa, Leute,
   Die Augen mir verbinden gar?
   Hier an der Bschung lat mich stehen,
   Zielt nicht zu tief, hbsch mit Bedacht ...
   Mgt Ihr die Heimat wieder sehen!
         :|: Nun gebet Acht, :|:




                       Des Volkes Erinnerungen


   Unterm Strohdach der Geringen,
   In den Htten stirbt er nicht,
   Noch nach fnfzig Jahren spricht
   Kaum einer dort von andern Dingen.
   Abends sitzen am Kamin
   Um die Alte junge Leute,
   Mutter, ruft die Buerin,
   Kannst von ihm erzhlen heute!
   Viele schelten jetzt den Mann,
   Knnte er nur wiederkehren,
      Ja, wiederkehren!
   La uns also von ihm hren,
      Gromutter, fang an!

   Kinder, hier sah ich ihn reiten,
   Hier durch unser Dorf, ganz nah,
   In dem Jahr, da dies geschah,
   Machte ich Hochzeit ... alte Zeiten!
   Knige bildeten den Zug,
   Heut noch glaube ich, den grauen
   Mantel, den er damals trug,
   Und den kleinen Hut zu schauen.
   Ich erschrak und wurde bleich.
   Guten Morgen, rief er heiter,
      Vergngt und heiter.
   Wie, gegrt hat Euch der Reiter,
      Ei, er sprach mit Euch?

   Ein Jahr spter ist's geschehen,
   Da ich nach Paris mal kam,
   Vor der Tr von Notre Dame
   Hab ich ihn wiederum gesehen.
   Menschen drngten ohne Zahl
   Sich in festlichem Gewimmel,
   Alle meinten: Seht einmal,
   Schnes Wetter schickt der Himmel.
   Mild und gtig war sein Blick,
   Grad war ihm ein Sohn geboren,
      Ein Sohn geboren.
   Ei, der Tag war nicht verloren,
      Mutter, das war Glck!

   Als dann seiner Feinde Scharen
   Sich ergossen bers Land,
   Trotzte er mit starker Hand
   Beinah alleine den Gefahren.
   Einmal klopft's an meine Tr,
   Eines Abends, just wie heute,
   Pltzlich steht er da vor mir,
   Im Gefolg nur wenig Leute.
   Setzt sich auf den Sessel hier,
   Niemals werd ich es vergessen,
      Niemals vergessen!
   Mutter, wo hat er gesessen,
      Auf dem Stuhl, sagt Ihr?

   Ich hab Hunger, sprach er. Leider
   Hatte ich nur Brot und Wein.
   Hier am Feuer schlief er ein,
   Schnell trockneten die nassen Kleider.
   Beim Erwachen sagte er,
   Als er schaute meine Zhren:
   Mut, noch habe ich ein Heer,
   Vor Paris will ich mich wehren.
   Ich verwahre heute noch
   Jenes Glas im Schrank da droben,
      Im Schrank da droben.
   Wie, Ihr habt es aufgehoben?
      Bitte, zeigt es doch!

   Hier ...! dann zog er ins Verderben!
   Er, den einst ein Papst gekrnt,
   Mut verlassen und verhhnt
   Auf jener den Insel sterben!
   Dran zu glauben ward uns schwer,
   Alle meinten: Er kehrt wieder,
   Heimwrts eilt er bers Meer,
   Schlgt den frechen Fremdling nieder.
   Als ich hrte, es sei wahr,
   Bin ich fast dem Schmerz erlegen,
      Dem Schmerz erlegen.
   Schtz Euch Gott auf allen Wegen,
      Mutter, vor Gefahr.




                           Grard de Nerval


                              1808-1855




                          Herren und Knechte


   Wenn jene Herrn, die aus den Mren wohl bekannt,
   Mit Stieresnacken und mit erzgeprgten Mienen,
   Mit Leibern, die im Boden fest gewurzelt schienen,
   Mit grimmig hochgemutem Sinn und harter Hand,

   Wenn heute wieder sie auf diese Erde kmen,
   Den Erben ihrer stolzen Namen nachzusphn,
   Die winselnd vor den Tren der Minister stehn,
   Der Sippe, die schon lngst verlernt hat, sich zu schmen,

   Dem falschen Volk, an dem die Waden kaum noch echt,
   Dann merkten jene Ritter ohne Furcht und Tadel
   Sehr bald, da, dank den Tchtern, ihrem guten Adel
   Verdorben ward das Blut von manch gemeinem Knecht.




                              Phantasie


   Es tnt mir eine Weise stets, fr die
   Ich Mozart, Weber und Rossini schenke,
   Wenn ich in ihren Klang das Ohr versenke,
   Bezaubert mich die alte Melodie.

   Sie singt so md von Trauer und von Wehe,
   Ich fhle mich zweihundert Jahr verjngt,
   Ludwig der Dreizehnte regiert, ich sehe
   Den Hgel, hinter dem die Sonne sinkt,

   Ein Schlo von Ziegeln, Trme in den Ecken,
   Gemalte Fenster und ein Giebeldach,
   Darum ein Park mit immergrnen Hecken,
   Durch bunte Blumen fliet ein stiller Bach.

   Am hohen Fenster sehe ich vom weiten
   In alter Tracht die blonde Dame stehn ....
   Ich kenne sie. Ich habe sie vor Zeiten
   In einem andern Leben schon gesehn.




                              La mich!


   La ab von mir, es ist vergebens,
   Du prangst im Lenze deines Lebens,
   Mir kehrt er nimmermehr zurck!
   Kannst du in meinem Gram nicht lesen,
   Da dieser Stirn, die jung gewesen,
   Zu lcheln lngst verga das Glck?

   Wenn durch den Winterfrost, den harten,
   Die bunte Blumenpracht im Garten
   Gebleicht ist und der Baum entlaubt,
   Wer gibt dem toten Blatt die Farben
   Zurck, die mit dem Sommer starben,
   Den Duft, den ihm der Nord geraubt?

   Ach, htte meines Schicksals Gnade
   Mich kreuzen lassen deine Pfade,
   Da mir noch solche Gunst getaugt,
   Ich htte trunken vor Entzcken
   Dein Lcheln khn gewagt zu pflcken
   Und neue Kraft daraus gesaugt.

   Heut leuchtest du mir nur von Ferne,
   Du junges Blut, dem hellen Sterne
   Vergleichbar, der dem Schiffer winkt,
   Dess' schwanken Kahn die List der Wogen,
   Wenn schon der Sturm vorbei gezogen,
   Zerbricht und mitleidlos verschlingt.

   La ab von mir, es ist vergebens,
   Du prangst im Lenze deines Lebens,
   Mir kehrt er nimmermehr zurck!
   Lt diese Stirn, die jung gewesen,
   Lt dich ihr stiller Gram nicht lesen,
   Da nichts mehr sie erhofft vom Glck?




                            Goldene Verse


   Mensch, freier Denker, whnst du, da nur du allein
   Gedankenmchtig bist in dieser Welt voll Leben?
   Du bist nur Herr der Kraft, die dir zum Lehn gegeben,
   Jedoch das All ist frei, dein Witz ist ihm zu klein.

   Hab Ehrfurcht! Jedes Tier nennt eigene Krfte sein,
   Der Kelch, der sich erschliet, ahnt einer Seele Beben,
   Kein Stein, in dem nicht unbekannte Mchte weben,
   Dies alles fhlt und dringt ins Innerste dir ein.

   Vermeide Blicke, die aus blinden Fenstern sphen,
   An jegliches Atom gebunden ist das Wort,
   In deinem Munde darf es Snde nie begehen.

   Oft wohnt ein Gott versteckt an einem niedern Ort,
   Das Auge wchst vom Lid bedeckt in heiliger Stille,
   Es sprot aus hartem Fels hervor ein reiner Wille.




                           Alfred de Musset


                              1810-1857




                               An Juana


   Du bist's, fr die ich einst entbrannte,
   Die erste, welche mein ich nannte,
   Der ich geweiht mein ganzes Sein!
   Erinnerst du dich auch noch dessen?
   Ich habe es noch nicht vergessen,
   Im letzten Sommer warst du mein.

   Wie rasch entschwinden doch die Zeiten,
   Die wir mit tausend Nichtigkeiten
   Vergeuden, schnell sind sie entflohn.
   Fast zwanzig Jahre sah ich schwinden,
   Und du, Gefhrtin meiner Snden,
   Hast ihrer beinah achtzehn schon.

   Scheint auch die rote Rose bleicher,
   Ist ihre Pracht nur um so reicher,
   Ich schmeichle nicht, schn bist du doch!
   Kein liebend Weib war liebevoller,
   Kein spanisch Kpfchen jemals toller,
   Denkst du des letzten Sommers noch?

   Des Abends noch, da du mich krnktest
   Und dann dein Halsgeschmeid mir schenktest,
   Da ich ob deines Zorns geschmollt;
   Drei Nchte fand ich keinen Schlummer,
   In bittersem Liebeskummer
   Hab ich gekt das rote Gold.

   Und die verrterische Schne!
   Denkst du noch an die tolle Szene,
   O Andalusiens holder Stern?
   Dein Liebster wollt vor Lachen sterben,
   Und Eifersucht schien zu verderben
   Den Gatten fast, den alten Herrn.

   Nimm dich in acht, hr was ich sage,
   Von neuem kehren jene Tage
   Der Liebe bald vielleicht zurck.
   Ein Herz, das dich einmal besessen,
   Kann deiner nimmermehr vergessen,
   Das Herz begehrt kein besser Glck.

   Ach was! ich mag den Strom nicht dmmen,
   Ich kann das Rad der Zeit nicht hemmen,
   Ich halte seinen Gang nicht auf;
   Was kmmern uns entschwundene Freuden,
   Das Lied ist aus, wir wollen scheiden,
   Das ist einmal der Welten Lauf.

   Die Zeit entfhrt auf ihren Schwingen
   Den Lenz, die Lerche und ihr Singen,
   Ach, unser Dasein gleicht dem Rauch;
   Karg ist die Frist uns zugemessen,
   Was frommt mir, da ich dich besessen,
   Und dir, da meiner du vergessen ....
   Mein Leben schwindet, deines auch!




                               An Julie


   Da mich die Leute auf den Gassen
   Nicht mal in Frieden rauchen lassen!
   Mich fragt ein jeder dumme Wicht,
   Woran ich seit drei Jahren schreibe,
   Was ich in meinen Nchten treibe,
   Denn da ich schlafe, glaubt man nicht.

   Willst du mir deine Lippen reichen?
   Die tollen Nchte, die dich bleichen,
   Sie trocknen die Korallen auch.
   Da diese Wunder nicht verderben,
   Mein schwarzes Lieb, mut du sie frben
   Mit deines Atems heiem Hauch.

   Mein Drucker glaubt sich lngst vergessen,
   Er meint, es warten seine Pressen
   Auf meine! Und ein ganzer Trupp
   Honetter Herren hlt die Wette,
   Da mich mein Glck verlassen htte,
   Man schwatzt davon in jedem Klub.

   Hast du noch deinen Muskateller?
   Wir waren gestern erst im Keller,
   Vielleicht blieb noch ein Rest zurck.
   Wie glht dein Mund! Ich will geschwinde
   Mal sehen, ob ich was erfinde,
   Natrlich ein verrcktes Stck.

   Sie sagen, da ich keine Lieder
   Mehr pfeifen kann und da ich wieder
   Mich werfe in den vollen Strom.
   Es lohnt nur nicht, sonst schickten heute
   Nach Sankt Helena mich die Leute
   Mit einem Magen-Karzinom.

   Wenn ich am Feuer weiter nasche,
   Verbrenn ich sicher noch zu Asche,
   Auch Herkules ist ja verbrannt;
   Soll in den Gluten ich verderben,
   Will ich bei Dejanira sterben,
   Drum ffne schleunigst dein Gewand!




                               An Pepa


   Pepita, wenn die Sonne scheidet,
   Wenn deine Mutter schlafen geht,
   Wenn bei der Lampe halb entkleidet
   Du knieend sprichst dein Nachtgebet,

   Zur Stunde, wo du Frieden findest,
   Wo dich erwartet se Rast,
   Wo du die Abendhaube bindest
   Und unters Bett geleuchtet hast,

   Wenn all die Deinen, die Familie,
   Der Schlummer hlt in seinem Bann,
   Pepita, meine schlanke Lilie,
   Gestehe, woran denkst du dann?

   An eine Heldin aus Romanen,
   Die ihr zerbrochnes Glck beweint,
   An alles, was der Traum lt ahnen
   Und was die Wirklichkeit verneint,

   An Berge, die nach schwerem Kreisen
   Das Leben geben einer Maus,
   An Andalusiens wilde Weisen,
   An einen Mann, ein Zuckerhaus,

   An Rosen, die du einmal pflanztest,
   An Blicke jenes faden Wichts,
   Mit dem du den Fandango tanztest,
   Vielleicht an mich, vielleicht an nichts!




                                Lilla


   O liee Lilla sich bewegen,
   Da sie mir ffnete bei Nacht,
   Dann braucht ich keines Pfaffen Segen!
   Durchs Fenster sprng ich, nie verlegen,
   Wenn ihre Frau Mama erwacht.

   Die Angst mag alte Schachteln qulen
   Um das Genick! Solch drres Kraut
   Wird keiner wohl dem Teufel stehlen,
   Der wartet, bis die lieben Seelen
   Sich langsam ekeln aus der Haut.

   Auf einer Planke mcht ich zechen
   Mit Lilla, niemals wr ich satt!
   Kein Papst kann so mich selig sprechen,
   Der Mann darf dreist sein Glas zerbrechen,
   Der diesen Wein getrunken hat.




                         Ballade an den Mond


   Hoch auf dem Turme glitzt er,
   Der Mond, so gelb wie nie,
      Da sitzt er,
   Wie's Tpferl auf dem I.

   Welch Elf hat auf den Faden
   Dich mit geschickter Hand
      Geladen,
   Du naseweiser Fant?

   Du Maske der Gespenster,
   Was guckt fr ein Gesicht
      Durchs Fenster
   Herein, du blasser Wicht?

   Bist du, der Nacht Begleiter,
   Nur rund geformtes Gold,
      Das weiter
   Sich ohne Beine trollt?

   Bist du es gar, Geselle,
   Bist du es, dessen Lauf
      Der Hlle
   Die trge Uhr zieht auf?

   Ein Zeiger, der die Stunden
   Verdammten Seelen weist,
      Sekunden
   Der Ewigkeit umkreist?

   Ist es ein Wurm, der witternd
   Sich anzuschleichen wagt
      Und zitternd
   Die Sichel dir benagt?

   Wer hat dich halb geblendet?
   Hat gestern dich im Traum
      Geschndet,
   Vielleicht ein spitzer Baum?

   Auf meines Zimmers Wnde
   Trgt mir dein fahler Schein
      Behende
   Des Gitters Netzwerk ein.

   Es hat der Sonne Gnade,
   Da sie ins Meer getaucht,
      Dich gerade
   Ein wenig angehaucht.

   Einst wirst du ganz erkalten,
   Dein Angesicht verrt
      Durch Falten,
   Wie schlimm es um dich steht.

   Die Gttin gib uns wieder,
   Die keusch und nie besiegt
      Die Glieder
   An ihre Hirschkuh schmiegt,

   Die einst in der Platane
   Gehege sich gefiel,
      Diane
   Und ihrer Meute Spiel.

   Hoch flchtig sind gesprungen
   Die Rehe, wenn voll Macht
      Gedrungen
   Das Hifthorn durch die Nacht,

   Wenn auf der Spur der Beute
   Ringsum durch Wald und Feld
      Die Meute
   Zur Hetze hat gebellt.

   Als eines Abends linde
   Durch ihren Hain gerauscht
      Die Winde,
   Hat Phoebus sie belauscht,

   Der Gott, der nchtlich schwrmend
   Die Hirtin und den Hirt
      Keck lrmend
   Im Vogelflug umschwirrt.

   Durch jedes Abenteuer,
   Dem still du beigewohnt,
      Bleibst teuer
   Du alle Zeit uns, Mond.

   Wem immer du begegnet,
   Dem bist fr ewig du
      Gesegnet,
   Ob ab du nimmst, ob zu.

   Du bist es jedem Schfer,
   Wenn auch zu nchtiger Stund
      Dich Schlfer
   Hat angebellt sein Hund.

   Du bist es jedem Schiffe,
   Das hart vom Sturm bedrngt
      Durch Riffe
   Der Lotse sicher lenkt.

   Und jedem schnen Kinde,
   Das mal in dunkler Nacht
      Geschwinde
   Sich aus dem Staub gemacht.

   Tief unter dir gebettet
   Und wie ein wilder Br
      Gekettet
   Trumt das gezhmte Meer.

   Wenn ich bei Wind und Wetter
   Nicht aus der Stube kann,
      Herr Vetter,
   Dann schaue ich dich an,

   Seh auf dem Turm dich glitzen,
   Seh dich vergngt wie nie
      Dort sitzen,
   Wie's Tpferl auf dem I.

   Wenn manches wider Hoffen
   Ein Ehemann zu Haus
      Getroffen,
   Dann lachst du ihn noch aus.

   Und wenn der junge Gatte,
   Nachdem die Mutter zach
      Ihm hatte
   Entriegelt das Gemach,

   In Schlafrock und Pantoffel
   Die Kerze lscht im Nu,
      Du Stoffel,
   Dann siehst du spttisch zu.

   Bang harrt sie mit dem Ringe
   Am Finger, der sie mahnt
      An Dinge,
   Die sie nur zitternd ahnt.

   Der Herr Gemahl fngt Feuer,
   Sie wird in ihrer Qual
      Nur scheuer
   Und wehret dem Gemahl.

   Er blickt mit heien Augen
   Und ruft: Mein Kind, was soll
      Das taugen?
   Bei Gott, du machst mich toll!

   Kaum kann er es noch tragen,
   Da lt ihn ein Gesicht
      Nichts wagen,
   Und er, er wagt es nicht.

   Es zittert und es zuckt ja,
   Wir sind hier nicht allein,
      Man guckt ja
   Ins Zimmer uns herein!

   Hoch auf dem Turme blitzt er,
   Der Mond, so frech wie nie,
      Dort sitzt er,
   Wie's Tpferl auf dem I.




                            Dezembernacht


   Als Schler hab ich eine Nacht
   In meinem Zimmer mal durchwacht,
   Die Stunden wollten kaum entweichen;
   Da pltzlich mir zur Seite stand
   Ein Knabe, schwarz war sein Gewand,
   Er glich mir, wie sich Brder gleichen.

   Bleich war sein schnes Angesicht,
   Bei meiner Lampe trautem Licht
   Hat er gelesen und geschrieben;
   Mild lchelnd und gedankenschwer
   Und trumend blickte er umher,
   Die ganze Nacht ist er geblieben.

   Grad war ich fnfzehn Jahre alt,
   Und wollte einmal durch den Wald,
   Quer durch die braune Haide streichen.
   Da pltzlich an dem Raine stand
   Ein Jngling, schwarz war sein Gewand,
   Er glich mir, wie sich Brder gleichen.

   Ich suchte aus dem Wald nach Haus,
   Der fremde Gast hielt einen Strau
   Und eine Laute in den Hnden;
   Er grte freundlich mich, doch stumm,
   Dann drehte er sich halb nur um,
   Des rechten Weges mich zu senden.

   Als dann mein Herz zum erstenmal
   Verraten ward und sich in Qual
   Gewunden unter schweren Streichen,
   Da pltzlich an dem Herde stand
   Ein Fremdling, schwarz war sein Gewand,
   Er glich mir, wie sich Brder gleichen.

   Stumm stand er dort, in sich gekehrt,
   Die Rechte trug ein blankes Schwert,
   Die Linke zeigte starr nach oben;
   Als htt er um mein Leid gewut,
   Rang sich ein Seufzer aus der Brust,
   Dann ist er wie ein Traum zerstoben.

   Als ich in der Gesellen Kreis
   Von edlem Weine einmal hei
   Zu kecker Rede gab das Zeichen,
   Da pltzlich mir vor Augen stand
   Ein Zecher, schwarz war sein Gewand,
   Er glich mir, wie sich Brder gleichen.

   Ein Purpurlappen, ganz geflickt,
   Hat unterm Mantel vorgeblickt,
   Die magere Hand hat ihm gezittert;
   Stumm hob das Glas der fremde Mann
   Und schweigend stie er mit mir an,
   Da ist mein Glas im Nu zersplittert.

   Ein Jahr darauf, die Zeit entflieht,
   Hab ich an einem Bett gekniet,
   Des Vaters Mund sah ich erbleichen.
   Da pltzlich ihm zu Hupten stand
   Ein Waisenkind, schwarz sein Gewand,
   Es glich mir, wie sich Brder gleichen.

   Ein Engel, der dem Schmerz erliegt,
   Erschien er dort, vom Leid besiegt,
   Gleich mir, des teuren Toten Sohne;
   Die frohe Laute war umflort,
   Das Herz von einem Schwert durchbohrt,
   Das Haupt trug eine Dornenkrone.

   Noch oftmals hab ich ihn gesehn
   An meiner Seite schweigend stehn
   In meines Lebens schwersten Stunden,
   Die rtselhafteste Vision!
   Ist er ein Engel, ein Dmon?
   Ich hab ihn berall gefunden.

   Da spter, mde und verzagt,
   Ich Frankreich Lebewohl gesagt,
   Der bittern Qual mich zu entwinden,
   Da all mein Hoffen war verdorrt,
   Da ich an einem fremden Ort
   Wollt sterben oder Leben finden,

   Zu Pisa und im goldnen Mainz,
   Zu Cln, im Angesicht des Rheins,
   Zu Nizza unter grnen Myrten,
   In den Palsten von Florenz,
   Im Wintersturm, im jungen Lenz,
   Hoch in den Alpen, bei den Hirten,

   Zu Genua, wo wild die See
   Das Ufer peitscht, und zu Vevey,
   Zu Havre an der Klippe Wnden,
   Dort wo Venedig schlft und trumt,
   Die Adria am Lido schumt,
   Um in Lagunen feig zu enden,

   Wo ich auch immer ohne Mut
   Gewandert bin, wo mir das Blut
   Gestrmt aus meines Herzens Wunden,
   Wohin mich meine Unrast trieb,
   Wo mich durch ihr verdammtes Sieb
   Gepret die ewig gleichen Stunden,

   Wo nur das Rtsel dieser Welt
   Des Daseins Freude mir vergllt,
   Wenn ich dem Durste wollt gengen,
   Wo immer, was ich lngst gesehn,
   Ich wieder sah vorbergehn,
   Den kleinen Menschen mit den Lgen,

   Wohin auf meiner Fahrt ich kam,
   Wo in die Hand das Haupt ich nahm,
   Um mich am Wege auszuweinen,
   Wo ich durch das Gestrpp gehetzt
   Und wie ein Lamm zerzaust, zerfetzt
   Dann niedersank auf kalten Steinen,

   Wo immer mir ein Leid gedroht,
   Wo ich verzweiflungsvoll dem Tod,
   Dem letzten Freund, die Hand wollt reichen,
   Stets pltzlich mir zur Seite stand
   Der rmste, schwarz war sein Gewand,
   Er glich mir, wie sich Brder gleichen.




                              An Frau M.


   Selbst wenn die Qual, die meine Seele leidet,
   In ihr entfachte noch einmal die Glut,
   Selbst wenn das Schicksal, das dies Glck mir neidet,
   Mir rmsten gnnte solch ein seltenes Gut,

   Selbst wenn die Scham, die jetzt dich von mir scheidet,
   Mir alles schenkte, was still in dir ruht,
   Selbst dann, du Kind, von Unschuld fromm bekleidet,
   Htt ich zur Liebe weder Witz noch Mut.

   Doch wenn dereinst die mden Sinne schwinden,
   Wenn diese Welt nichts mehr in dir bewegt,
   Wird die Erinnerung dich mir verbinden.

   Magst du dich freuen, dich in Schmerzen winden,
   In deiner Hand wirst du die meine finden,
   Du hrst mein Herz, das an dem deinen schlgt.




                              Lebewohl!


   Lebwohl! Gott heit dich weiter gehen,
   Nur dich, da meiner er vergit,
   Auf Erden gibt's kein Wiedersehen ...
   Jetzt wei ich, was du mir gewesen bist.

   Nur keine Trnen, keine Klagen,
   Ich beuge mich, das Schicksal spricht,
   Mag dich dein Schiff von dannen tragen,
   Ich sehe lchelnd zu und weine nicht.

   Die Hoffnung lt dich sorglos scheiden,
   Voll Hochmut kehrst du wieder her,
   Und jene, die beim Abschied bitter leiden,
   Die kennst du dann gewi nicht mehr.

   Lebwohl, zieh deinem Traum entgegen,
   Da du im Rausche nach Gefahr nicht fragst,
   Noch blendet dich der Stern auf deinen Wegen,
   Noch lockt das Irrlicht dich, nach dem du jagst.

   Einst lernst du, magst du jetzt auch prahlen,
   Welch reiches Glck ein Herz gewhrt,
   Das uns versteht, und welche Qualen
   Wir dulden, wenn sich's von uns kehrt.




                             Victor Hugo


                              1802-1885




                        Der Abend des Smanns


   Nun will der mde Tag entweichen,
   Still liegt vor mir das weite Tal;
   Die Sonne sendet im Erbleichen
   Hernieder einen letzten Strahl.

   Dem armen Alten dort, der schweigend
   Sich durch die graue Flur bewegt
   Und in die Furchen, tief sich neigend,
   Der Zukunft frohe Ernten legt.

   Und wie der lange schwarze Schatten
   Des alten Mannes Werk durchmit,
   Wei der, dies Werk ging gut von statten
   Am Tage, der gesegnet ist.

   So geht er send auf und nieder,
   Er schreitet durch die weite Flur,
   Er kommt und geht und streuet wieder,
   Stumm folgt mein Sinnen seiner Spur.

   Verschleiert ruhen alle Fernen,
   Der Schatten wchst, er rauscht und schwillt,
   Er reckt empor bis zu den Sternen
   Des Smanns knigliches Bild.




                         Abend auf dem Meere


   Komm, das Segel fllt sich wieder,
   Dieser Abend ist so schn,
   Steig mit mir zum Ufer nieder,
   La dem Fischer seine Lieder,
   La der Welle ihr Gesthn.

   Wollen hier im Schatten sitzen,
   Hinterm Segel, das sich bauscht;
   Wenn die Wogen uns bespritzen,
   Seh ich deine Augen blitzen,
   Hre, wie die Brandung rauscht.

   Komm, wir wollen stumm verehren
   Dieser Schpfung hehre Pracht.
   Sprich, mein Lieb, kannst du erklren,
   Da mein Auge stets voll Zhren,
   Da das deine immer lacht?

   Sprich, wie kommt es, da mein Denken
   Gallenbitter in mir haust,
   Da mich selbst die Augen krnken,
   Die sich stets zur Erde senken,
   Whrend du den Himmel schaust?

   Wo ich mich im finstern qule,
   Strahlt dir silbern jeder Stern,
   Whrend ich die Schatten zhle,
   Leuchten deiner frommen Seele
   Tausend Welten nah und fern.

   Bis zum Ende unsres Lebens
   Brllt um uns die Flut und drut;
   Keiner lebt, der seines Strebens
   Frucht stets pflckt, der nicht vergebens
   Saaten in den Boden streut.

   Unbekannt mit unserm Ziele
   Rudern durch die Flut wir keck,
   Ach, in frevelhaftem Spiele!
   Bald flieht aus dem leichten Kiele
   Mut und Hoffnung, wir sind leck.

   Weh, die Ruder, sie zerschellen,
   Sturmwind fegt die Segel fort,
   Laute Hilferufe gellen,
   Haushoch trmen sich die Wellen,
   Wlzen wild sich ber Bord.

   Gott hat Mhsal uns als Lehen
   berreichlich zugeteilt,
   Wohin wir uns immer drehen,
   Einen werden stets wir sehen,
   Der in Hast vorbereilt.

   Welchen Weg? Stets den der Ehren!
   Wohin du? In meine Schmach!
   Du? Dem Zweifel will ich wehren!
   Du? Nach Ruhm steht mein Begehren!
   Du? Der Liebe lauf ich nach!

   Hastet nicht auf allen Wegen,
   Hastet nicht zu jeder Frist,
   Mgt Euch plagen, mhen, regen --
   Eilt ja nur dem Land entgegen,
   Daraus keine Rckkehr ist.

   Jenem Land, wo alles endet,
   Ob Ihr weinet, ob Ihr lacht,
   Keinen Duft die Blume spendet,
   Wo kein Sonnenstrahl Euch blendet,
   Jenem Lande ewiger Nacht.

   Weshalb alle diese Mhen,
   Dieser Neid und diese Pein?
   Trinkt Euch satt, die Wasser sprhen,
   Seht im Laub die Frchte glhen,
   Lebt und liebt und dann schlaft ein.

   Ob Ihr emsig wie die Bienen
   Nur der Arbeit wart gewohnt,
   Ob Euch je ein Glck erschienen,
   Ob Ihr mit zufriednen Mienen
   Tag und Nacht habt schwer gefrohnt,

   Allem ist ein Ma gemessen,
   Alle Blten fallen ab,
   Ihr verliert, was Ihr besessen,
   Aller Dinge harrt Vergessen,
   Aller Menschen harrt das Grab.

   Gott wird einst zurck uns fodern,
   Fllt den Baum mit einem Streich,
   Heit der Flamme Glut verlodern,
   Schiffe auf dem Grund vermodern,
   Spricht zur Blume: Werde bleich!

   Spricht zum khnen Schlachtensieger:
   Mensch, das letzte Wort ist mein!
   Wate nur im Blute, Tiger,
   Steige hher, stolzer Krieger,
   Tiefer wird dein Fall nur sein.

   Spricht zum Weib von Evas Stamme:
   Schmcke dich, nutz deine Zeit,
   Staub vom Staube, Schlamm vom Schlamme,
   Einen Augenblick sei Flamme,
   Asche dann in Ewigkeit!

   Dulden mut du's und ertragen,
   Ausgelscht bist du im Nu;
   Willst den Herren du verklagen,
   Dich zu berheben wagen?
   Gro ist er und klein bist du.

   Jedem ist der Kampf beschieden,
   Ob er zweifelt, ob er glaubt;
   Not und Elend sind hinieden,
   Doch der Herr im ewigen Frieden
   Schttelt lchelnd nur das Haupt.

   Alles was wir hier erstreben,
   Alles schwindet und zerstiebt.
   Ach, die Schatten, sie entschweben,
   Und es bleibt von deinem Leben
   Nichts, wenn niemals du geliebt.

   Will das Haupt in Demut neigen,
   Leise, leise, str mich nicht!
   Blicke nach der Sterne Reigen,
   Whrend ich in tiefem Schweigen
   Hre, was die Woge spricht.

   Bangend und mit bleichem Munde
   Frag ich, mit gespanntem Ohr
   Horch ich .... wehe, aus dem Schlunde,
   Von des Meeres tiefem Grunde
   Quillt nur trber Schlamm empor.

   Nimmer folge meinen Blicken,
   Sie versenken sich in Nacht,
   Sollst das Auge aufwrts schicken,
   An dem Sterne dich erquicken,
   Der dir froh entgegenlacht.

   Sieh ihn hoch am Himmel stehen,
   Wie er glnzt und strahlt und scheint,
   Gottes Lcheln wirst du sehen,
   Mich la nach dem Menschen sphen,
   Der in seinen Qualen weint.




                          Aus den Orientalen


                                  I.

   Eine Bucht und grne Hgel,
   Die sich spiegeln in der Flut,
   Reiter steigen in den Bgel,
   Frohe Lieder, froher Mut!
   Hier die Zelte, dort die Rosse;
   Schlanke Mnner bei dem Trosse
   Schrfen Schwerter und Geschosse
   In des Feuers roter Glut.

   berall freut den Nomaden
   Seiner Sonne helles Licht,
   Und die Maid, zum Tanz geladen,
   Weigert sich dem Krieger nicht.
   Winde spielen mit dem Sande;
   Solch ein Reigen auf dem Strande
   Zeigt das Weib im Festgewande
   Schner als ein Traumgesicht.

   Spiegeln sich, dem Ebenholze
   Gleich, im Wasser diese Fraun,
   Lacht das Angesicht, das stolze,
   Jauchzen sie, wenn sie sich schaun.
   Melkt jetzt das Kamel, das schnelle!
   Weie Milch spritzt aus dem Quelle,
   Seltsam rinnt der Strahl, der helle,
   Durch der Hnde tiefes Braun.

   Munter pltschern sie im klaren
   Wasser, das von Salze schwer;
   Sagt, wo kamen diese Scharen,
   Diese fremden, gestern her?
   Pltzlich kreischen schrille Becken,
   Rosse wiehern, Kinder schrecken,
   Wellen, die das Ufer lecken,
   Strzen sich zurck ins Meer.


                                 II.

   Die Wste .... Furcht und Schrecken,
   Nur Sand und nichts als Sand,
   Wie weit mag sie sich strecken,
   Versengt, verdorrt, verbrannt!
   Nichts Lebendes will weilen,
   Die Hgel selbst zerteilen
   Im Winde sich, enteilen
   Wie Flugsand auf dem Strand.

   Es ziehen Karawanen
   Nach Mamre und Ophir,
   Frech kreuzen ihre Bahnen
   Das heilige Revier.
   Schwer schleppt durch heie Dnen,
   Wo keine Halme grnen,
   Verwegenheit zu shnen,
   Sich keuchend Mensch und Tier.

   Der Wste tiefes Schweigen
   Hrt Gott der Herr allein,
   Ihm ist sie erb und eigen,
   Er markt sie ohne Stein,
   Lt Dnste sich erheben,
   Die dieses Meer umschweben,
   Sie zittern und sie beben
   Und hllen alles ein.




                           Der Kaisermantel


   Ihr, deren Werke Labsal schaffen,
   Ihr, die um Beute zu erraffen
   Nach flchtigem Wohlgeruch nur strebt,
   Ihr, die Ihr den Dezember fliehet,
   Den Blumen ihren Duft entziehet
   Und uns den sen Honig gebt,

   Ihr, deren unbefleckte Lippen
   Am reinen Tau des Morgens nippen,
   Ihr, denen Keuschheit Lust und Pflicht,
   Der Blten liebliche Genossen,
   Ihr Bienen, die dem Licht entsprossen,
   Setzt Euch auf diesen Mantel nicht!

   Ihr hochgemuten, arbeitsfrohen,
   Die Ihr noch keinen Feind geflohen,
   Strzt Euch, Ihr Bienen, auf den Mann!
   Von Euer Flgel Gold getragen
   Sollt Ihr den Schuft mit Pfeilen jagen,
   Fragt ihn: Wofr siehst Du uns an?

   Verrter Du, wir sind die Bienen!
   Dem Frieden stiller Htten dienen
   Mit unseren Krben wir zur Zier.
   Wir schwrmen durch die klaren Lfte,
   Aus Rosen saugen wir die Dfte,
   Auf Platos Lippen wohnen wir.

   Zu Nero magst Du Dich gesellen,
   Dich neben Karl den Neunten stellen,
   Der nach des Volkes Blute lechzt.
   Nicht des Hymettus Biene habe
   Des Mantels Hut, sie hat der Rabe,
   Der auf dem Hochgerichte krchzt.

   Ihr sollt ihn peinigen, ihn lhmen,
   Das Volk, das vor ihm bangt, beschmen,
   Stecht ihm die Augen aus, dem Wicht!
   Sollt mitleidlos ihn jagen, hetzen,
   Wenn Menschen feige sich entsetzen,
   Hlt Euer Stachel das Gericht.




                  Die Ordnung ist wieder hergestellt


   Die treten uns mit frechem Hohne
   Und das Verbrechen trgt die Krone,
   Das Recht des Volkes wird gebeugt.
   An allen Grenzen unserer Lande
   Ragt heut ein Denkmal unserer Schande,
   Die Ehre ist erwrgt und schweigt.

   O edle Freiheit groer Ahnen,
   O Republik mit deinen Fahnen,
   Die einst geragt zum Himmelsblau,
   Du wurdest schnde berlistet,
   Des Kaiserreiches Snde nistet
   Verrterisch im stolzen Bau.

   Die Zeiten sind vom Fluch besessen,
   Mein Volk, du hast dich selbst vergessen,
   Du wurdest feiler Lge Raub.
   Gesetz und Recht ward dir zu nichte,
   Was kmmert dich die Weltgeschichte
   Und deiner Vter heiliger Staub?

   Willkommen seid ihr meinem Herzen,
   Verbannung, Armut, bittere Schmerzen,
   Willkommen, trnenreiche Zier.
   Es heult der Wind durch meine Htte,
   Die Trauer naht mit dsterm Schritte,
   Stumm setzt sie sich zur Seite mir.

   Im Unglck finde ich euch wieder,
   Gestalten meiner ersten Lieder,
   Fr die das Herz so hei entbrannt.
   O Freiheit, Mannesmut und Tugend,
   Geliebte meiner frohen Jugend,
   Auch euch hat schnde man verbannt.

   Sei mir gegrt, du Wasserwste,
   Sei mir gegrt, o Jerseys Kste,
   Wo Englands altes Banner weht!
   Dem Flutgebrause will ich lauschen,
   Den Wogen, die im Winde rauschen,
   Der Welle, die im Sturm vergeht,

   Den Mven, die sich schaukelnd wiegen,
   Die schaumbespritzt gen Himmel fliegen,
   Vergoldet von der Sonne Strahl;
   Wie sie sich aus der Flut erheben,
   So ringt empor zu neuem Leben
   Die Seele sich aus ihrer Qual.




                                 Lied


   Du Waldespfad mit schwanken Zweigen,
   Ihr Tler, Hgel, rings umher,
   Weshalb die Trauer und das Schweigen?
   -- Der einstmals kam, kommt nimmermehr.

   Am Fenster keiner von den Lieben,
   Verwelkt die Blumen und verdorrt,
   Sprich, Haus, wo ist dein Herr geblieben?
   -- Ich wei es nicht, mein Herr ist fort. --

   Sei wachsam, Hund! -- Wozu mich plagen?
   Das Haus ist leer, du siehst es ja! --
   Mein Kind, wem gelten deine Klagen?
   Und deine, Weib? -- Ihm, der nicht da.

   Wo weilt er? -- Jenseits ferner Meere.
   Was seufzt ihr, Wogen, um den Stein?
   Wo kommt ihr her? -- Von der Galeere.
   Was bringt ihr? -- Einen Totenschrein.




                                 Lied


   Tot sind die kleinen Tubchen,
   Das Mnnchen und das Weibchen,
   Die Katze fing sie ein;
   Zernagt sind ihre Reste,
   Wer kehrt zurck zum Neste?
   O arme Vgelein!

   Vom Hirten keine Kunde,
   Tot sind die treuen Hunde,
   Der Wolf bringt Euch Gefahr.
   Es zittern Eure Leiber,
   Wer scheucht den feigen Ruber?
   O arme Lmmerschaar!

   Er mu im Kerker sterben,
   Sie im Spital verderben,
   Im Hause pfeift der Wind;
   Kein Freund betritt die Stiege,
   Wer schaukelt deine Wiege,
   O armes, armes Kind?




                              Ein Spiel


   Einst machte, lat es Euch sagen,
   Der Herrgott voller Behagen
   Mit Satan eine Partie.
   Jedweder hielt seine Karte,
   Der setzte Bonaparte,
   Der andere Mastai.

   Ein armer winziger Pfaffe,
   Ein kleiner prinzlicher Laffe,
   Welch jmmerliches Spiel!
   Gott machte es, ohne Zweifel
   Mit Absicht, da dem Teufel
   Der ganze Einsatz verfiel.

   Dein sind sie, rief mit Lachen
   Der Herr, was wirst du nun machen?
   Der Teufel blickte voll Hohn;
   Er packte die beiden Kleinen,
   Auf Petri Stuhl setzt er einen,
   Den andern auf Frankreichs Thron.




                       Des Kaisers Zeitvertreib


      Dumpf tnen der Verbannten Klagen,
      Das Grab ist nah und Frankreich fern.
      Du schwelgst bei festlichen Gelagen,
      Kannst Frauen im Theater jagen,
      Das Hifthorn ruft zur Hatz den Herrn.
      Rom wird dich salben und dich krnen,
      Die Knige duzen Dich erfreut ...
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!

      Des Schicksals Groll trifft nur die Besten,
      Nur Mnnerseelen das Exil.
      Du wohnst in ragenden Palsten,
      Hast Grten, Wlder, bei den Festen
      Treibt Venus ihr verbuhltes Spiel.
      Frech rasen die bekrnzten Schnen,
      Der Dienst des Bacchus wird erneut ...
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!

      In Ketten schleppen hinter Gittern
      Gefangene keuchend Stein auf Stein.
      Hallali tnt es, Wlder zittern,
      Fanfaren schmettern, Rden wittern,
      Die Birke glnzt im Mondenschein,
      Dort schwimmt der Hirsch! Hrt Ihr ihn sthnen?
      Die Meute folgt, der Herr gebeut ...
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!

      Im Kerker leert des Elends Schale
      Ein Mann, vor Hunger stirbt sein Sohn.
      Der Wolf fllt Tigern die Pokale,
      Der Pfaffenkaiser zecht beim Mahle
      Aus der Monstranz. Es blickt voll Hohn
      Ein Faun auf ihre Schmach, sie frnen
      Gelsten, die sein Ekel scheut ...
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!

      Gespenster der Erschlagnen wimmern,
      Die Toten finden keine Ruh.
      In prchtig ausgeschmckten Zimmern
      Seh ich den Wein im Becher schimmern,
      Die Dame trinkt dem Sieger zu.
      Der Seele Ble zeigt ihr Hhnen,
      Des Leibes Ble zeigt ihr Kleid ...
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!

      Das Fieber endet Eure Klagen,
      Gefangene, bald seid Ihr frei.
      Es schwelgt bei ppigen Gelagen
      Der Tro mit lrmendem Behagen
      Und singt und lacht und kt dabei.
      Die edlen Ritter zu vershnen,
      Wird wahllos Huld und Gunst verstreut ...
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!

      Es wandelt Mnner in Skelette
      Cayennes heie Fieberglut.
      In unseres letzten Ludwig Bette
      Erwartet dich die Lagersttte,
      Wo auch dein Oheim einst geruht.
      Du wirst dich schnell daran gewhnen,
      Horch, wie der Pbel hurra schreit ...
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!

      O weint, die Freiheit ward erschlagen,
      Ein Dolchsto hat sie umgebracht.
      Doch jetzt ist keine Zeit zum Klagen,
      Der Brutigam steigt in den Wagen,
      Der Csar feiert Hochzeitsnacht.
      Singt Brautgesnge, Ihr Kamnen,
      Dem Mrder, der um Frankreich freit ....
   Lat heut von Notre Dame die Totenglocke tnen,
            Morgen drut
            Sturmgelut!




                              Die Shne


                                  I.

   Entglitten waren ihm zum ersten Mal die Zgel,
   Zum ersten Male hingen seines Adlers Flgel.
   Nur graue Tage. Langsam kehrte er zurck,
   In Moskaus Flammenmeer versank des Kaisers Glck.
   Es schneite. Und soweit die Ebene sich streckte,
   Soweit verschwand sie in dem Schnee, der sie bedeckte.
   Kein Banner fliegt und kein Kommandoruf gebeut,
   Das groe Heer von gestern eine Herde heut.

                   *       *       *       *       *

   Im Sattel sitzen die Trompeter traumverloren,
   Der bleiche Mund ist an die Hrner angefroren,
   Granaten, Bomben und Karttschen sind vereist,
   Die Grenadiere wissen jetzt, was zittern heit.
   Mechanisch trotten sie des Wegs, die alten Kerle,
   Im grauen Barte glnzt des Eises kalte Perle.
   Es schneit, es pfeift der Wind. Barfu ziehn sie einher,
   Auf Glatteis, ohne Brot, den Weg kennt keiner mehr.
   Soldaten sind es nicht, nicht Herzen, die empfinden,
   Es sind nur Trume, die sich durch den Nebel winden,
   Ein Zug von Schatten, matt, verblichen und erschlafft,
   Ringsum die Einsamkeit, unendlich, grauenhaft.

                   *       *       *       *       *

   Der Kaiser sieht die Not, stumm bleibt sein bleicher Mund.
   Noch steht der Baum, doch trgt er schon des Fllers Zeichen;
   Der Riese, dessen Wipfel keiner konnt erreichen,
   Der nie den Hieb der Axt, den Beilschlag nie gekannt,
   Er fhlte des Geschicks, des Meisters schwere Hand.
   Erschauernd hrte er die dumpfen Hiebe schallen
   Und sah rings um den Stamm die ste niederfallen,
   Sie alle sinken hin, ein jeder wird gefllt.
   Still schleichen bis zuletzt sie um des Kaisers Zelt,
   Um auf der Leinwand seinen Schatten nur zu sehen,
   Und wenn sie dort dann die Gestalt, sein Bild ersphen,
   Scheint ihnen noch sein Stern. Und all die Pein, das Leid
   Ist Majesttsbeleidigung, des Schicksals Neid.
   Doch er, den keine Kraft bis dahin bermannte,
   Er wandte sich zu Gott, dess' Zeichen er erkannte.
   Da dieses eine Bue war, das ahnte er,
   Doch nicht wofr. Gebeugt frug er und sorgenschwer
   Vor den Legionen, die im Schnee begraben waren:
   Ist dies die Zchtigung, Gewaltiger der Scharen?
   Da hrte seinen Namen er im Dmmerschein,
   Und eine Stimme quoll aus Nacht und Dunkel: Nein!


                                 II.

   Waterloo, Waterloo! still liegst du jetzt und trumend
   Im weiten Kessel, dem die Woge berschumend
   Mit wildem Sprung entquoll! In diesem grnen Tal
   Hielt der gefrige Tod ein frchterliches Mahl.

                   *       *       *       *       *

   Gemetzel, ein verhngnisschwangrer Tag. Der Mann
   Erkannte, da der Sieg ihm in der Hand zerrann.
   Noch stand als allerletzter Rckhalt seine alte
   Erprobte Garde unberhrt im Hinterhalte.
   Vorwrts! rief er, zum Kampf, die ganze Garde vor!
   Wie eine Springflut bumte es sich wild empor.
   Dragoner und Lanciers, die Helden aller Zonen,
   Die Grenadiere, tapferer als Roms Legionen,
   Der Donner und der Blitz im Rohr der Artillerie,
   Die letzten Helden von Friedland und Rivoli,
   Sie gingen in den Tod, ins sichere Verderben,
   Und jubelnd grten sie noch ihren Gott vorm Sterben.
   Ein einziger Ruf erscholl: Der Kaiser hoch! und dann
   Marschierten sie in festem Tritt, Musik voran,
   Die ganze Kaisergarde in den Hllenrachen,
   Der englischen Kanonen spottete ihr Lachen.

                   *       *       *       *       *

   Mit einem Mal durchlief Verzweiflung alle Glieder,
   Das grliche Gespenst schlug Mut und Hoffnung nieder,
   Die Bataillone wichen rckwrts, bleich, entsetzt,
   Die Fahnen waren ihnen nur noch Lumpen jetzt.
   Die blasse Furcht, das Riesenweib mit schwankem Schritte,
   Hob das verzerrte Haupt empor in ihrer Mitte,
   Die Mnnerherzen zwang sie pltzlich in den Bann,
   Von links, von rechts ein Schrei nur: Rette sich, wer kann!
   Zurck! schallt es aus tausend Kehlen. Alle wanken,
   Kein Widerstand, kein Halt, es sinken alle Schranken,
   Besinnungslos strmt alles hin, das Herz versagt ....
   Verdorrte Bltter, die der rauhe Herbststurm jagt!
   Im Graben liegen schon die Protzen und Lafetten,
   Ein jeder rennt, ein jeder will das Leben retten.
   Sie werfen ihre Adler fort, Helm und Gewehr,
   Die Veteranen fliehn, die Preuen hinterher.
   Verbranntes Stroh im Wind, was einst ein Heer gewesen,
   Jetzt flattert es wie Spreu, gefegt von Gottes Besen.

                   *       *       *       *       *

   Napoleon sah ihren Fall. Die Woge splte
   Geschtz und Ro und Mann und Banner fort. Da fhlte
   Er des Gewissens Not, die Schande und die Schmach.
   Er beugte sich: Ich bin besiegt, mein Schwert zerbrach,
   Mein stolzes Heer entfloh wie vor dem Wolf die Schafe,
   Gib Antwort, strenger Gott, ist dieses meine Strafe?
   Da drang ein Laut wie Stahl ihm kalt durch Mark und Bein.
   Im Donner der Geschtze rief die Stimme: Nein!


                                 III.

   Er strzte. Gott hat fr Europa andere Ruten.
   Im fernen Meere liegt umwogt von wilden Fluten
   Erloschenen Vulkans ein abgesprengter Teil.
   Das Schicksal nahm den Hammer, Ngel, Eisen, Seil,
   Es packte ihn, den bleichen Ruber seiner Blitze,
   Und kettete ihn lachend an des Felsens Spitze.
   Es lockte Englands Geier an; in ekler Gier
   Zernagte ihm das Herz das widerliche Tier.

   Erloschen ist der Sonne mrchenhafter Schimmer,
   Vom Morgen bis zur Nacht dieselbe de immer,
   Der Kerker und die Einsamkeit und Schmerz und Weh,
   Die Wache an der Tr, am Horizont die See,
   Der nackte Fels, das Einerlei, endlose Rume,
   Die Segel ziehn vorbei wie hoffnungslose Trume,
   Die Woge braust, es pfeift der Wind, er heult und gellt ...
   Leb wohl, mein Wappenschild, leb wohl, mein Purpurzelt,
   Leb wohl, du Ro, das stolz den Csar einst getragen,
   Das Diadem zerbrach und keine Trommeln schlagen!
   Kein Knig liegt im Staub und kt des Mantels Saum
   Verzerrten Angesichts ..., vorbei der Kaisertraum!

                   *       *       *       *       *

   Den Bildern denkt er nach, die aus dem Nebel steigen,
   O Ruhm, o Glanz, o leeres Nichts, o ewiges Schweigen!
   Der Adler kennt ihn nicht, der seine Schwingen reckt,
   Die Knige haben ihm den Kerker abgesteckt,
   Entrinnen kann er nie den Blicken seiner Spher.
   Und seine Stunde kam. Der Tod rckt immer nher,
   Er wuchs in seines Lebens tiefe Nacht hinein
   Wie in den Wintertag des bleichen Morgens Schein,
   Die Seele frstelte schon lngst auf dunkeln Wegen.
   Da eines Tages legt er auf das Bett den Degen
   Und flstert: es ist Zeit! Still hat er sich gestreckt,
   Der Mantel von Marengo hat ihn zugedeckt,
   All seine Schlachten standen an des Kaisers Bette.
   Er aber sprach: Jetzt endlich ist gesprengt die Kette,
   Sieg, Sieg, dort fliegt mein Aar, ich sehe ihn, er steigt!
   Zum Sterben hatte er das mde Haupt geneigt,
   Da sah er durch die Schatten, die auf's Auge fielen,
   Herrn Hudson Lowe ber seine Schwelle schielen.
   Laut schrie der Riese, den der Knige Fu zertrat:
   Das Ma ist voll, mir ist vergolten, was ich tat,
   O Herr, genug des Zorns, la ab von deinem Grimme.
   Ich habe schwer gebt! Noch nicht ...! rief eine Stimme.


                                 IV.

   Das schwarze Migeschick ist wie die Nacht entflohn,
   Im Tode stieg der Kaiser wieder auf den Thron.

                   *       *       *       *       *

   Die Schlacken fielen ab, in hellem Glorienschein
   Erstrahlte jetzt sein Bild, von dunkeln Flecken rein.
   Des Ruhmes Glanz hat die Gerechtigkeit bestochen,
   Verstummt ist sie, sein Urteil hat sie nicht gesprochen,
   Arcole lebte nur und Ulm und Austerlitz.
   Wie in die Grber alter Zeit stie Menschenwitz
   In jener groen Jahre tiefen Schutt den Spaten.
   Die Vlker jubelten, die Zeugen seiner Taten,
   So oft darin des Konsuls Marmorbild sich fand,
   So oft daraus des Csars Erzgestalt erstand.


                                  V.

   Es steigt der Ruhm, wenn Helden fallen!
   Er hrte in des Grabes Nacht
   Das Lied durch alle Lande schallen,
   Das ihm Unsterblichkeit gebracht.

   Die Erde sprach: Im Sturmeswehen
   Ist ihm der Sieg gefolgt, das Glck,
   Noch niemals sah vorbergehen
   Die Weltgeschichte solch Geschick.

   Auf dieses Mannes Sarg der Hgel
   Sei hher noch als je getrmt,
   Den Erdball leitete sein Zgel,
   Den Himmel hat er fast gestrmt.

   Bezwungen hat er diese Erde,
   Zu eng war ihm der weite Raum,
   Da er des Schicksals Meister werde
   Verlangte seiner Seele Traum.

   Im Trotz hat er mit allen Sinnen
   Sich wider Gottes Schlu gebumt,
   Wenn seinem herrischen Beginnen
   Das Ende je zu lang gesumt.

   Er, der mehr als ein Mensch gewesen,
   Sprach laut zu Rom: Die Welt war dein,
   Du fllst. So hab ich es gelesen
   Im Schicksalsbuch. Das Reich ist mein.

   Ein Priesterknig! zwei Idole
   In einem, Leuchtturm und Vulkan!
   Der Louvre ward zum Kapitole
   Und St. Cloud ward zum Vatikan.

   Als Csar htte vor dem Volke
   Stolz zu Pompejus dieser Mann
   Gesagt: Siehst in der Feuerwolke
   Mein Schwert Du? trag es mir voran!

   In seinen wilden Phantasieen,
   In seiner Seele heiem Traum
   Sah er Nationen vor sich knieen,
   Sie kten seines Mantels Saum.

   Die Rume wollte er, die Zeiten
   Im Sturme durcheinander wehn,
   Paris durch alle Welten breiten
   Und in Paris die Welten sehn.

   Er wollte in der Erde Mitten
   Errichten seinen hohen Thron,
   Zu einem Volk die Menschheit kitten
   Wie Cyrus einst in Babylon.

   Er wollte in vermenem Prahlen
   Auf ewig grnden seinen Ruhm,
   Jehovah sollte berstrahlen
   Des neuen Gottes Heiligtum.


                                 VI.

   Er kehrte im Triumph zurck zu Frankreichs Strande,
   Der Ozean gab seinen Sarg dem Vaterlande.

   Zwlf Jahre lag er dort, erreicht hat er das Ziel,
   Geheiligt durch den Tod, geheiligt durchs Exil;
   Und alle, die an seiner Gruft vorbergehen,
   Sie whnen dort im Schatten wieder ihn zu sehen,
   Im Kaisermantel mit den goldenen Bienen, stumm,
   Im hohen Marmordom, und Schweigen rings herum,
   Ihn, jenen Mann, dem einst zu eng des Erdballs Weite,
   Das Szepter in der Hand, den Degen an der Seite,
   Zu Fen sitzt mit halb geschlossnem Aug der Aar.
   So schlft den Todesschlaf der, welcher Csar war.


                                 VII.

   Des Nachts -- im Grabesschweigen herrscht ja immer Nacht --
   Ist pltzlich um die Geisterstunde er erwacht.
   Seltsame Schatten sieht er durch das Dunkel irren,
   Ein schrilles Lachen hrt er durch die Halle schwirren,
   Er richtet schreckensbleich sich auf in seiner Gruft,
   O Grausen ... eine wohlbekannte Stimme ruft:

   Steh auf jetzt! Moskau, Waterloo und alle Leiden
   St. Helenas, und was Du fhltest, als im Scheiden
   Am Sterbebett Du Albions hhnendes Gesicht
   Erblicktest, das ist nichts. Jetzt erst naht das Gericht.
   Hart klang die Stimme, zischend, schneidend und zersetzend,
   Sarkastisch finster war der Ton, ironisch tzend,
   Ein bitteres, scharfes Lachen, eines Halbgotts Hohn.

   Sire, sie schleppen Dich aus Deinem Pantheon,
   Sire, sie holen von der Sule Dich herunter,
   Blick um Dich! Ruberpack, ein widerlicher bunter
   Schwarm von Zigeunern, die am Aase sich geletzt,
   Die haben Dich, und Du bist ihr Gefangener jetzt.
   Sie winden sich um Deines Fues Erz, die Schlangen!
   Stolz wie die Sonne bist Du unter einst gegangen,
   Napoleon der Groe, in der wilden See,
   Jetzt stehst Du auf als Clown im Cirkus Beauharnais.
   Sie putzen Dich, Du bist, wenn sie die Leute locken,
   Der Groe, doch ein Narr, wenn sie zusammenhocken.
   Der Degen rasselt auf dem Pflaster laut und scharf,
   Die Bande kann ihn auch verschlucken nach Bedarf.
   Sie laden alle ein, die vor der Bude stehen:
   Hereinspaziert, hier ist ein Kaiserreich zu sehen,
   Der Papst ist engagiert ..! Ihr zweifelt? es ist wahr,
   Und etwas feines noch, es tritt auch auf der Zar!
   Doch der ist ein Sergeant, der Papst ist nur ein Bonze,
   Als Extranummer haben wir den Mann von Bronze!
   Fould und Magnan sieht man beliebig sich verwandeln,
   Und Automaten, die wie ein Senat verhandeln,
   Wir sind vom groen Kaiser die berhmten Neffen ...!
   Hrst Du das Diebsgesindel schrein, hrst Du sie klffen?
   Der Kaiseradler, der sich in die Lfte froh
   Geschwungen einst, der ist jetzt ausgestopft mit Stroh,
   Er, der das Schlachtfeld hat geschaut mit freien Blicken,
   Sieht auf dem Jahrmarkt Deinen Thron zusammenflicken.
   Sie haben Frankreich ausgeraubt, die feige Brut,
   Du siehst ja, ihre Lumpen sind noch voller Blut,
   Im Weihekessel wscht den Trdelkram der Pfaffe,
   Du, Lwe, folgst als Knecht, ihr Meister ist der Affe.
   Dein Name ist ihr Bett, sie nutzen ihn mit List,
   Sie dngen Austerlitz sogar mit ihrem Mist.
   Dein Ruhm, Napoleon, ist Wein fr ihre Schande,
   Den grauen Mantel probt der Huptling dieser Bande,
   Sie sammeln Bettelgroschen in dem kleinen Hut,
   Dein stolzes Banner ist zum Tischtuch grade gut.
   Und an dem Spieltisch, wo die Gauner alle lauern,
   Da suft das Bettelpack und plndert frech die Bauern;
   Du stehst Gevatter bei dem schnden Beutezug,
   Die Hand, die einst bei Lodi die Standarte trug,
   Die Blitz und Donner hielt, die Hand, o Bonaparte,
   Betrgt beim Wrfelspiel und mischt die falsche Karte.
   Mit ihnen mut Du zechen, und sie stoen dann
   Dich hchst gemtlich mit dem Ellenbogen an.
   Pietri duzt Deine Majestt, der Jammerlappen,
   Herr Maupas darf vertraulich auf den Bauch Dich tappen.
   Falschmnzer, Mrder, Schufte, Ruber ... jeder denkt,
   Es wird, wie Dir, was er verbrach, ihm nicht geschenkt,
   Doch vorher hoffen sie den Becher noch zu leeren,
   Poissy trinkt auf St. Helena, um Dich zu ehren!
   Ein ewiger Sonntag, Blle, Feste frh und spt,
   Der Pbel stt und drngt, der vor dem Cirkus steht.
   Du steigst auf das Gerst, um das die bunte Menge
   Sich dreht, sie schreit und johlt im lrmenden Gedrnge,
   Laut klingelt neben Dir Rouher, der Hampelmann -- --
   So endet bei Callot, was bei Homer begann,
   O welche Epopoe, o welches Schlukapitel ...!
   Troplong, der Hanswurst im gestreiften Narrenkittel,
   Ist obenauf. Vor dieser Bude, wo ein Wicht
   Den Csar spielt mit schlecht gewaschenem Gesicht,
   Mit einem Schnurrbart, wie ihn die Banditen tragen,
   Mut Du, Gespenst im Hermelin, die Pauke schlagen!

   Die grliche Vision verstummte und versank.
   Der Kaiser taumelte, ein lauter Angstschrei drang
   Aus seiner Brust, der Blick war starr. Verstohlen tauschten
   Die Siegesgttinnen, die an der Pforte lauschten,
   Und heimlich Winke aus, da sie ihn zittern sahn.
   In blasser Furcht erhob die Hnde der Titan,
   Dumpf klang sein Sthnen in den grauen Finsternissen.
   Verzweifelnd schrie er auf: Wer bist Du, la mich's wissen,
   Der Du mir ewig folgst, den nie geschaut mein Blick! --
   Ich ....? Dein Verbrechen bin ich, tnte es zurck.
   Ein geisterhaftes Licht war ringsum ausgebreitet,
   So klar, wie Gott, wenn er den Pfad der Rache schreitet,
   Und eine Flammenschrift hob hell sich von der Wand,
   Wie einst sie lohend vor Belsazars Auge stand,
   Er las sie. Kalt und starr fiel er zurck ins Leere,
   Geschrieben stand: Ich bin der achtzehnte Brumaire.




                          Thophile Gautier


                              1811-1872




                               Pastell


   Ich liebe euch in den ovalen Rahmen,
   Vergilbte Bilder einer fernen Zeit,
   Euch, lngst verblichne Rosen, und euch, Damen,
   Die ihr verwelkt seit hundert Jahren seid.

   Die Lilie schwand, die Rose und die Aster
   Im Wintersturm, im Regen und im Schnee,
   Der Spritzfleck ist jetzt euer Schnheitspflaster,
   Verstaubt und rissig liegt ihr auf dem Kai.

   Die Erde sah das Reich der Schnen schwinden,
   Die Pompadour, sie wrde heute kaum
   Ergebene Sklaven, Untertanen finden,
   In ihrer Gruft schlft sie und dieser Traum.

   Doch ihr, vergessene Bilder mit den Blten,
   Aus denen Leben lngst und Duft entschwand,
   Ihr lchelt! Die Erinnerung wollt ihr hten
   An alles, was einst leuchtend vor euch stand.




                                Trost


   Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen,
   Du trgest an demselben Platz,
   Wo andere die Herzen tragen,
   Nur eine Uhr, mein lieber Schatz.

   O nein! Dein junger Busen dehnt sich,
   Schwillt wie das Meer zur Zeit der Flut,
   Dein junges Herz, es bangt und sehnt sich,
   Und feurig kreist dein junges Blut!

   Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen,
   Der Blick, mit dem du mich entzckst,
   Du wtest ihn nur aufzuschlagen,
   Wenn du auf eine Feder drckst.

   O nein! in mancher bangen Stunde
   Hab ich die Trne, se Frau,
   Dir fortgekt mit heiem Munde,
   In dunkeln Wimpern hing der Tau.

   Die Welt ist schlecht! Die Leute sagen,
   Mein Kind, dein Kpfchen wre hohl,
   Die Verse, die ich vorgetragen,
   Die hieltest du fr Sanskrit wohl.

   O nein! mit siegessicherer Miene
   Blickst du mich an, dein Grbchen lacht ...
   Du liebe, se, kluge Biene,
   Wer hat nur solches Zeug erdacht?

   Weil du mich liebst, la dir es sagen,
   Verfolgt dich bser Muler Neid,
   Brauchst mich zum Teufel nur zu jagen,
   Dann hast du Herz und bist gescheit!




                   Die Alten von der alten Garde[2]


   Mich hat aus meinem warmen Zimmer
   Die Langeweile aufgescheucht,
   Es war, wie im Dezember immer,
   Im Freien neblig, kalt und feucht.

   Ich sah, kaum konnt ich es begreifen,
   Wie so etwas passieren mag,
   Gespenster durch die Straen streifen,
   Gespenster hier am hellen Tag.

   Ist dies die Nacht ruchloser Helden,
   Wo unerlste Seelen stumm,
   Wie dies die deutschen Mrchen melden,
   In alten Trmen gehen um?

   Ist dies die Nacht, wo Elfen schwrmen,
   Wo sie geheimnisvoll und bleich
   Im Totentanze seltsam lrmen
   Rings um den traumverlornen Teich?

   Ist dies die Nacht, die schaurig helle,
   Die Er zur Heerschau ausgewhlt,
   Wo Er inmitten der Marschlle
   Die Schatten der Getreuen zhlt?

   Doch Geister auf Pariser Gassen,
   Zwei Schritt nur von den Variets,
   Wie knnen die sich sehen lassen
   Im Straenkot, im feuchten Schnee?

   Ein Anblick, wahrlich, ein aparter!
   Kein Zahn, nur Runzeln im Gesicht,
   So zeigt der Boulevard Montmartre
   Das tolle Volk im Mittagslicht.

   So etwas sang noch nie ein Barde!
   Den Tschako schwenkt die kleine Schar ...
   Die Uniform der alten Garde,
   Dazwischen schleicht auch ein Husar.

   Sie kommen langsam angezogen,
   Mit mden Schritten, ohne Laut,
   Ein jeder kennt die Bilderbogen,
   Worauf man diese Alten schaut.

   Der Tod gab sie nicht wieder heute,
   Kein Trommler hat sie aufgeschreckt,
   Es hat nur ein paar alte Leute
   Des Kaisers Heimkehr aufgeweckt.

   Seit sie die letzten Schlachten schlugen
   Nahm dieser zu und jener ab,
   Die Kleider, die sie damals trugen,
   Sind dem zu weit und dem zu knapp.

   Armseliger Trdel, heilige Fetzen,
   Ihr Lumpen mit dem roten Band,
   In keines Knigs reichsten Schtzen
   Trifft man ein schneres Gewand!

   Ein Haarbusch, der sich mhsam fristet,
   Ein Pallasch mit zerbeultem Griff,
   Die Motte hat sich eingenistet
   Im Loch, durch das die Kugel pfiff.

   Die Hosen schlagen tausend Falten,
   Die Sporen fra beinah der Rost,
   Es schlottert mancher dieser Alten
   Erbrmlich bei dem harten Frost.

   Und wieder andere sieht man keuchen,
   In ihren Dolman eingezwngt,
   Mit wohlgepflegten dicken Buchen,
   Die Nhte werden fast gesprengt.

   Kein Spott! es wre jammerschade,
   Nehmt eure Hte in die Hand,
   Seht Helden einer Iliade,
   Wie kein Homer sie je erfand.

   Habt Ehrfurcht! diese Bronzefarbe
   Hat aller Zonen Hauch gebeizt,
   Die Stirn zeigt manch verharschte Narbe,
   Die vieler Jahre Furchen kreuzt.

   gyptens Wste, hei und trocken,
   Sie drrte jenen schwachen Greis,
   Dem Rulands kalte Winterflocken
   Die braunen Haare frbten wei.

   Es zittern ihre mden Hnde ...
   Die Beresina wei, wovon!
   Die Fe hinken ... welch ein Ende
   Von Moskau bis nach Lissabon!

   Der geht gebckt ... in hundert Nchten
   Hielt ihn das Fahnentuch nur warm!
   Dem fliegt der rmel an der rechten ...
   Gewi, ihm fehlt der rechte Arm!

   Drum keinen Spott! lat sie nur gehen,
   Die jeder Bube heut verlacht,
   Den Morgen haben sie gesehen,
   Wir aber sehen nur die Nacht.

   Was ihr verlort, hier blieb's erhalten!
   Die Grenadiere, der Husar,
   Seht vor der Sule diese Alten,
   Da steht ihr Gott, ragt sein Altar.

   Stolz auf das Leid, das sie getragen,
   So hren Frankreichs Herz sie jetzt
   Laut unter ihren Lumpen schlagen,
   Die lngst die Zeit zernagt, zerfetzt.

   In Trnen wandelt sich das Lachen,
   Rings wird es still mit einem Mal,
   Entschlafene Zeiten, sie erwachen,
   Das ist ein heiliger Carneval.

   Und ber diesem Maskenzuge
   Und ber dieser bunten Schar,
   Da breitet noch einmal im Fluge
   Den Fittich aus der Kaiseraar.

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[Funote 2: Am 15. Dezember 1840 wurde Napoleons Leiche in Paris
beigesetzt. Seitdem zogen alljhrlich an diesem Tage die Veteranen der
groen Armee nach dem Invalidendom.]




                          Charles Baudelaire


                              1821-1867




                             Migeschick


   Zu schwer wiegt dieser Last Gewicht,
   Kaum kann ein Sisyphus sie heben,
   Die Kunst whrt lang und kurz das Leben,
   Selbst wenn es nicht an Mut gebricht.

   Nie hab an ruhmbekrnzten Srgen
   Ich aufgeschluchzt, mich packt das Weh,
   Der Gram, wenn ich an Grbern steh,
   Die namenlose Tote bergen.

   Manch Kleinod ward in Nacht versenkt
   Und Finsternis, kein Spaten denkt
   Nach dem vergessenen Schatz zu schrfen;

   Still haucht manch Blte in die Luft
   Wie ein Geheimnis ihren Duft,
   Den tiefe Einsamkeiten schlrfen.




                              Das Ideal


   O nein, sie sind es nicht, die leicht umrissnen Fratzen,
   Die tauben Frchte dieser Zeit, vermorscht, verrucht,
   Die hohlen Puppen, die geschmeidig falschen Katzen,
   Sie sind es nicht, o nein, die meine Seele sucht.

   Ich gnne Gavarni,[3] dem Dichter der Chlorosen,
   Dies Volk und sein Gekreisch, ihm und dem Hospital,
   Nie blht in wilder Pracht bei diesen bleichen Rosen,
   Nie blht auf diesem Beet mein rotes Ideal.

   Es lebt ein andres Bild auf meines Herzens Grunde,
   Der Lady Macbeth gleicht's in ihrer Schicksalsstunde,
   Dem Traum, der Aeschylus gro vor der Seele stand.

   Dir gleicht es, ewige Nacht, wie einst in stolzen Tagen
   Dich Michelangelo hat aus dem Stein geschlagen,
   Dir, deren dsterer Reiz Giganten zwingt und bannt.

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[Funote 3: Zeichner von Karrikaturen und modernen Typen, 1804-1866.]




                              Der Vampyr


   Die du gleich einem scharfen Stahl
   Mir in das zage Herz gedrungen,
   Die du, ein Dmon, mir zur Qual
   Hast gleiend meinen Sinn bezwungen,
   Du, die der Seele Schwung mir brach,
   Die sie entweiht zum Lotterbette,
   Die mich gefesselt an die Schmach,
   Wie den Verbrecher an die Kette,

   Wie Spieler an des Teufels Buch,
   Wie Sufer an die vollen Glser,
   Wie ekle Maden an die ser ...
   Verfluchte, dafr meinen Fluch!

   Ich bat das Schwert: Hilf schnell und ehrlich
   Mit einem Hieb, der offen trifft!
   Verzweifelnd heischte und begehrlich
   Erlsung ich vom feigen Gift.

   Umsonst! sie hhnen und versagen,
   Das schlechte Gift, das gute Schwert:
   Du sollst die Ketten ewig tragen,
   Du bist der Freiheit nicht mehr wert.

   Fg Feigling dich! du wirst es mssen,
   Denn brchten wir Erlsung dir,
   Erwecktest du mit deinen Kssen
   Zu neuem Leben den Vampyr.




                              Die Katze


   Mein Ktzchen, zieh die scharfen Krallen ein,
   Du liebes Ding darfst mich nicht krnken,
   Ich will in deiner schnen Augen Schein,
   In Stahl mich und Achat versenken.

   Wenn meiner Finger Spiel dich niederzwingt,
   Wenn aus dem Rcken, der sich windet,
   Ein Funken in die Hand mir berspringt,
   Den sie gleich einem Blitz empfindet,

   Seh ich mein Weib. Ihr Blick trifft wie ein Pfeil,
   Dem deinen hnlich, scharf und frostig,
   Er schneidet und er spaltet wie ein Beil;

   Des leisen Duftes Zauber kost ich,
   Der so gefhrlich ist, so sicher siegt,
   Der ihren braunen Leib umschmiegt.




                             Ganz und gar


   Heut morgen, als die Hhne krhten,
   Hat der Versucher mich beehrt,
   Mit List ist er herangetreten,
   Zu wissen hat er schlau begehrt:

   Von allen Reizen, die sie schmcken,
   Von Farben, die an ihrem Leib
   Dich so bezaubern und bercken,
   Sag mir, was ist an diesem Weib

   Das seste? La mich's erkennen.
   Da sprachst du, liebe Seele mein:
   Ich kann nicht scheiden, kann nicht trennen,
   Denn Balsam ist ihr ganzes Sein.

   Da alles siegt, mag ich nicht sorgen,
   Welch Zauber mich zum Sklaven macht,
   Sie leuchtet, wie der helle Morgen,
   Sie trstet, wie die dunkle Nacht.

   Wie knnte ich von tausend Liedern,
   Die meines Ohres Muschel fing,
   Die Harmonieen je zergliedern?
   Mein Witz ist dafr zu gering.

   Ein Traum erscheint mir ihre Nhe,
   Doch welchem Sinn, ich wei es nicht,
   Musik ist alles, was ich sehe,
   Ein Bltenhauch ist, was sie spricht.




                           Nachmittagslied


   Sonderbar ist dein Gesicht,
   Hexe mit den bsen Brauen,
   Mit den Augen, mit den schlauen,
   Einem Engel gleichst du nicht.

   Doch du reizest mich, Frivole,
   Schreckliche, weckst meine Gier,
   Schauernd nahe ich mich dir,
   Wie der Priester dem Idole.

   Balsam strmt aus deinem Haar,
   Strmt aus des Gewandes Falten,
   Deine Art, den Kopf zu halten,
   Zeigt mir, wie die Sphinx einst war.

   Schwlen Weihrauchduftes Wellen
   Hllen deinen Krper ein,
   Schmeichelnd, wie im Dmmerschein
   Warme Abendlfte schwellen.

   Ha! kein Liebestrnklein schmeckt
   Wie der Trank aus deinen Hnden,
   Knste weit du anzuwenden,
   Deren jede Tote weckt.

   Liebe ist es, die dein Rcken,
   Die dein Busen wild ersehnt,
   Wenn dein Leib sich lssig dehnt,
   Lacht das Kissen vor Entzcken.

   Wenn dich Lsternheit zerreit,
   Ihre Flammen dich verzehren,
   Suchst du wtend dich zu wehren,
   Und dein Mund, er kt und beit.

   Lchelst du, dann grbt ein Stichel,
   Senkt ein Dolch sich in mein Herz,
   Doch dein Auge heilt den Schmerz,
   Milde wie des Mondes Sichel.

   Meine Zukunft zwngest du,
   Meinen Genius, du se,
   Siegreich unter deine Fe,
   Unter deinen Atlasschuh.

   Bin durch dich gesund geworden!
   Aus dem kalten Erdreich sprot
   Leben, du bezwingst den Frost
   Wie die Geiser fern im Norden.




                             Das Gespenst


   Ein Engel, dessen Blick erblichen,
   Komm ich in dein Gemach geschlichen,
   Geruschlos nahe ich und sacht
   Als Schatten dir in tiefer Nacht.

   Mein Lieb, du wirst gewi erschrecken,
   Wenn Ksse, kalt wie Eis, dich wecken,
   Wenn einer Schlange feuchter Glast
   Den braunen Leib umspielt, umfat.

   Naht dann des Morgens blasser Schimmer,
   Du findest deinen Liebsten nimmer,
   Der Platz bleibt bis zum Abend kalt.

   Was liebend andere erringen,
   Soll Furcht und Schrecken mir erzwingen,
   In meinem Reiche herrscht Gewalt.




                              Die Eulen


   Die Eulen sitzen stumm, versenken
   Den Blick in Nacht, ihr Auge flieht
   Des Lichtes Strahl. In Reih und Glied
   Wie Hexen hocken sie und ... denken.

   Bewegungslos ist ihre Rast,
   Die Augen blinzeln md, die matten,
   Bis in der Dmmerung die Schatten
   Sich recken, bis das Licht verblat.

   Der Weisheit Vogel will uns lehren,
   Die wir uns ruhelos verzehren,
   Was unserm wilden Leben fehlt.

   Ein Tropfen schon kann uns berauschen,
   Wir stoen uns, gehetzt, geqult,
   Begierig stets, den Platz zu tauschen.




                          Trauriges Madrigal


   Bist du nur klug? Taugt das den Frauen?
   Sei traurig und sei schn, mein Kind!
   Die Zhren, die den Blick betauen,
   Sie schmcken, wie der Bach die Auen,
   Wie Regen, der auf Blten rinnt.

   Ich hab es gern, wenn dsteres Schweigen
   Die Stirne dir umkrnzt und Leid,
   Wenn pltzlich in gespenstigem Reigen
   Empor die finstern Schatten steigen,
   Die Schatten der Vergangenheit.

   Ich hab es gern, wenn deine Wangen
   Die Trne, warm wie Blut, verschnt,
   Wenn deine Brust, von mir umfangen,
   In ngsten keucht, wenn voller Bangen
   Sie wie im Todeskampfe sthnt.

   Ich trinke sie in vollen Zgen,
   Die Seufzer ...., Gtter, welch ein Fest ....
   Mehr, mehr, ich kenne kein Gengen,
   Wie sie zum Diadem sich fgen,
   Die Perlen, die sie fallen lt!

   Ich kenne es, das alte Feuer,
   Das dir noch tief im Busen flammt,
   An Manen zahlst du Zoll und Steuer,
   Den Stolz, ihn kenn ich auch, der teuer
   Nur solchen ist, die Gott verdammt!

   So lang dein Herz im Traum nicht fhlte
   Der ganzen Hlle heie Last,
   So lang das Schwert darin nicht whlte,
   Nicht Gift die Pulse dir durchsplte,
   So lang du dies erlebt nicht hast,

   So lang vom Albdruck, der dich qulte,
   Dich nicht erlst ein wilder Schrei,
   So lang die Qual dein Herz nicht sthlte,
   Sich nicht der Ekel ihr vermhlte,
   So lange bist du noch nicht frei.

   So lange ist dir's nicht gegeben,
   Die du mich liebst, vor Schrecken bleich,
   Dich, Sklavin, Herrin, zu erheben,
   Zu jauchzen in verjngtem Leben:
   Mein Knig du, ich bin dir gleich!




                              Der Mahner


   Wer wirklich wert ist, Mensch zu sein,
   Fhlt ewig eine Schlange nagen,
   Sie hemmt sein Hoffen und sein Wagen,
   So oft er ja sagt, sagt sie nein.

   Wenn Nixenaugen dich bercken,
   Wenn sie dich locken und umstricken,
   Mahnt stechend sie: Denk an die Pflicht.

   Sei Dichter, trume Liebestrume,
   Belebe Marmor, pflanze Bume,
   Sie hhnt: Du siehst den Abend nicht.

   Beginne du nur und verlange!
   In der Minute mahnt sie dich,
   Und schaudernd fhlst du ihren Stich,
   Den Stich der widerlichen Schlange.




                               Lsegeld


   Zwei Felder sind es, die nach Fug
   Und Recht, um Lsegeld zu zahlen,
   Wir dngen unter Mh und Qualen,
   Und die Vernunft ist unser Pflug.

   Damit nur ein paar Rosen sprieen,
   Vielleicht gar nur ein krglich Reis,
   Mu unsere Trne, unser Schwei
   Den Acker immerfort begieen.

   Es ist die Liebe und die Kunst!
   Wenn einst des jngsten Tages Licht
   Erstrahlt, wenn einst das Weltgericht
   Beginnt, dann wird des Richters Gunst

   Nur dem zu Teil, der dann inmitten
   Der Scheuern reiche Ernten weist,
   Denn wenn die Frucht den Smann preist,
   Dann werden Engel fr ihn bitten.




                       Der Mensch und das Meer


   O Mensch, du liebst das Meer, wie trotzig, frei und gro
   Liegt es zu Fen dir! in seinen Wellenhgeln,
   In seinen Tlern siehst du sich die Seele spiegeln,
   Die in dir wohnt, gleich ihm unendlich, ruhelos.

   Du suchst in Not und Qual, o Mensch, dein eigen Bildnis,
   Du hltst es in der Hand, dein scharfes Ohr, es lauscht
   Der Flut, die in dir selber wogt und schumt und rauscht,
   Dem ungestillten Schmerz in dieser grausen Wildnis.

   Was ihr nicht zeigen wollt, das ruht in guter Hut,
   Ihr seid ja alle beide finster und verschwiegen!
   Du hllst die Schtze ein, die in der Tiefe liegen,
   Und du verbirgst, was tief dir in der Seele ruht.

   Trotzdem bekmpft ihr euch seit Anbeginn der Zeiten,
   Ihr, die ihr doch so ganz einander hnlich seid,
   Gemetzel liebt ihr, Mord und grimmen Ha und Neid,
   Geschwister eines Bluts, mt ihr denn ewig streiten?




                          Klage eines Icarus


   Wer klug ist, mu die Liebe kaufen,
   Dann wei er sicher, was er hat;
   Was mich betrifft, bin ich es satt,
   Den leeren Schatten nachzulaufen.

   Dank wenigen Sternen hell und klar,
   Die mir das Auge einst geblendet,
   Wird heut der Blick, zurck gewendet,
   Nur Sonnen berall gewahr.

   Vergebens wollt empor ich dringen,
   Im Flug durchmessen Zeit und Raum,
   Ein heies Auge streift mich kaum,
   Und schon sind mir gelhmt die Schwingen.

   Versengt hat mich der Schnheit Glut,
   Ihr Flammenstrahl hat mich erschlagen,
   Ach, nie wird meinen Namen tragen
   Der Abgrund, wo mein Leichnam ruht!




                         Heauton timoroumenos


   Ich will dich schlagen, doch nicht hassen,
   Wie Metzger schlagen, ohne Zorn,
   Will, wie einst Moses jenen Born
   Aus Fels schlug, Wasser springen lassen,

   Die Flut, die deinem Aug entquillt,
   Will meine Wsten damit trnken,
   Mein Schiff durch Trnenmeere lenken,
   Dem voller Gier das Segel schwillt,

   Will deinem Schluchzen jauchzend lauschen,
   Dem Sthnen, das mit wilder Macht
   Mich lockt, wie Trommelschall zur Schlacht,
   Den Seufzern, die mein Herz berauschen.

   Bin ich ein schriller Miakkord
   Im reinen Klange ewiger Sphren,
   Soll Selbstgesptt den Geist verzehren?
   Die Ironie, sie wird zum Mord!

   Sie kreischt in mir und beit und wiegelt,
   Sie, die mein Blut vergiftet hat,
   Der Spiegel bin ich, trb und matt,
   In dem sich die Megre spiegelt.

   Ich bin die Wunde und der Pfeil,
   Das Opfer und der berwinder,
   Der Henker und der arme Snder,
   Ich bin der Hals und bin das Beil.

   Der Vampyr bin ich meines Lebens!
   Verdammt bin ich, durch alle Zeit
   Zu lachen bis in Ewigkeit,
   Und will ich lachen, ist's vergebens.




                            Abel und Kain


   Sohn Abels, du darfst essen, trinken,
   Gott schaut dir wohlgefllig zu,

   Brut Kains, du sollst im Schlamm versinken,
   Ersticken wirst im Kote du.

   Sohn Abels, Liebling deines Herrn,
   Dein Opfer duftet s vor Gott,

   Brut Kains, verjhrte Snden zerren
   Dich tglich wieder aufs Schaffot.

   Sohn Abels, sieh die Saat gedeihen,
   Rund ist das Vieh, die Traube schwer,

   Brut Kains, hrst du den Hunger schreien?
   Sind deine Eingeweide leer?

   Sohn Abels, wrme dich am Herde,
   Fll deinen Wanst mit warmer Kost,

   Brut Kains, du schlfst auf kalter Erde,
   Der Schakal, horch, er heult vor Frost!

   Sohn Abels, du darfst dich vermehren,
   Dieweil dein Geld sich auch vermehrt,

   Brut Kains, bezhme dein Begehren,
   Solch Appetit ist dir verwehrt.

   Sohn Abels, saug dich voll an andern,
   Du Wanze, stets willkommner Gast,

   Brut Kains, du sollst im Staube wandern,
   Du findest nirgends Ruh noch Rast.

                   *       *       *       *       *

   Sohn Abels, Mist nur auf den Saaten,
   Zerstieb zu Dung, du und dein Wahn!

   Brut Kains, von allen deinen Taten
   Sind erst die wenigsten getan.

   Sohn Abels, sieh die Schmach sich trmen,
   Vergeh in Schanden und in Spott,

   Brut Kains, du wirst den Himmel strmen,
   Hinab zur Erde schleudere Gott!




                 Nachschrift fr ein verbotenes Buch


   Mein Leser, der du voll Behagen,
   Der du naiv und nchtern bist,
   Wirf dieses Buch voll Gram und List
   Ins Feuer, ohne viel zu fragen.

   Falls du, als Satan vorgetragen,
   Nicht das Kolleg gehrt, ermit
   Du nie, was hier geschrieben ist,
   Ich bin hysterisch, wirst du sagen.

   Doch wenn mit unbestochnem Ernst
   In meine Tiefen du kannst dringen,
   Lies mich, da du mich lieben lernst;

   Du Seele, die in heiem Ringen
   Ihr Paradies verzweifelnd sucht,
   Beklage mich ..., sonst sei verflucht.




                            Paul Verlaine


                              1844-1896




                          An Eugen Carrire


   Die alten Weisen, die wahrhaftig viel mehr wert
   Als die von heute, meinten -- noch nicht ganz geklrt
   Ist dieser Punkt -- ein jedes Menschenschicksal htte
   Zum Leiter seinen Stern, dem es mit einer Kette
   Verbunden. Diese Ansicht hat man oft verlacht
   Und dabei, wie gewhnlich, nicht daran gedacht,
   Da Lachen nur beirrt, ein Merkmal stets des Toren!
   Dem Menschen, der im Zeichen des Saturn geboren,
   Ihm kndet dieser gelblich strahlende Planet,
   -- Wie es schon in der Nekromanten Bchern steht --
   Ein vollgerttelt Ma von Unglck und von Galle.
   Die Phantasie ist seine Herrscherin, zu Falle
   Kommt die Vernunft, die sie mit Listen ttlich trifft,
   In seinen Adern wird das Blut zu heiem Gift,
   Wie Lava brennt der Strom, die Ideale stumpfen
   Sich in der Schwle ab, bis sie zusammen schrumpfen.
   So dulden des Saturnus Kinder, bis zuletzt
   Sie sterben -- da wir sterblich sind, vorausgesetzt. --
   Was sie erstreben, was sie hoffen und beginnen,
   Nie knnen ihrem bsen Sterne sie entrinnen.




                              Nevermore


   Erinnerung, warum steigst du aus dunkelm Schachte ....?
   Es war im spten Herbst, die letzte Drossel machte
   Sich auf den Weg gen Sd, ein stiller Lichtstrahl brachte
   Dem Walde Trost, dess' kahl Gest im Sturme krachte.

   Wir gingen ganz allein, ein traumversunken Paar,
   Mit den Gedanken flatterte im Wind das Haar,
   Da blickte sie mich an, so tief und gro und wahr:
   Was war dein schnster Tag? vernahm ich golden klar.

   Ein Laut von Engeln, die durch lichte Sphren schweben!
   Ein stilles Lcheln nur hat Antwort ihr gegeben,
   In Demut stumm hab ich gekt die weie Hand.

   O Bltenpracht, o Mai, wie ist dein Duft berauschend,
   O hchstes Glck, das je ein Menschenherz empfand,
   Das erste Ja aus dem geliebten Mund erlauschend.




                          Drei Jahre spter


   Und wieder bin durchs enge Pfrtchen ich gegangen,
   Im kleinen Garten wandle still ich wie zuvor,
   Die Morgensonne kt den bunten Blumenflor,
   Darin des Taus verlorene Silbertropfen hangen.

   Es ist noch ganz wie einst. Die weinumrankten Stangen,
   Die Laube mit dem Tisch, die Sthle drum von Rohr,
   Des Springbronns Wasser murmeln leise wie zuvor
   Die ewige Klage, die sie dazumal schon sangen.

   Ich kenne jede einzige Lerche, die hier fliegt,
   Die Rosen zittern immer noch, vom Wind gewiegt,
   Der durch das Geiblatt rauscht, das in die Hhe klettert;

   Dort hinten steht die alte Velleda sogar,
   Der Gips ist nur ein wenig mehr noch abgeblttert,
   Und die Reseden duften noch -- --, ganz wie es war.




                      Sentimentaler Spaziergang


   Die allerletzten Sonnenstrahlen kosen
   Mit winddurchhauchten bleichen Wasserrosen,
   Mit groen Wasserrosen, die im Rohr
   So traurig leuchten aus dem See hervor.

   Allein mit meinem Schmerz will dort ich gehen,
   Wo lngs des Ufers stille Weiden stehen,
   Wo hinterm Nebelvorhang riesengro
   Gespenster schwanken, grau und hoffnungslos,

   Die schwerer Last erliegend qualvoll chzen,
   Die flgelschlagend mit einander krchzen.
   Dort bei den Weiden sind wir ganz allein,
   Ich und mein Schmerz. Schon hllt die Dmmerung ein

   Mit ihrem dichten Leichentuch das Kosen
   Der mden Strahlen und der Wasserrosen,
   Der groen Wasserrosen, die im Rohr
   So traurig leuchten aus dem See hervor.




                              Herbstlied


   Ein Schluchzen klingt,
   Der Herbst er singt
   Seine Lieder;
   Mein Herz ist bang,
   Der mde Sang
   Drckt es nieder.

   Die Uhr schlgt, gleich
   Wird alles bleich,
   Farblos scheinen;
   Einst war ich jung,
   Erinnerung
   Lt mich weinen.

   Aus meinem Haus
   Mu ich hinaus,
   Wind und Wetter
   Treibt mich umher,
   Mich und noch mehr
   Tote Bltter.




                            Schferstunde


   Rot glnzt der Mond, der tief am Himmel steht,
   Die Wolken ziehn dahin, im Nebelschleier
   Trumt schon das Tal, das Froschkonzert im Weiher
   Schallt aus dem Schilf, durch das ein Windhauch weht.

   Die Wasserblumen schlieen sich, die feuchten,
   Vom Horizonte hebt sich das Profil
   Der leicht umrissnen Pappel wie ein Spiel,
   Indes die Kfer durch die Bsche leuchten.

   Das Kuzchen ist aus seinem Schlaf erwacht,
   Auf trgem Fittich rudert's durch das Dunkel,
   In ferner Wetter zuckendem Gefunkel
   Steigt Venus hell empor. Das ist die Nacht.




                              Mondschein


   Ein seltsam Bild ist deiner Seele Grund,
   Das Spiel der Masken kann ich unterscheiden,
   Die dort den Reigen schreiten, doch wie bunt
   Das Kleid auch ist, es tuscht mich nicht, sie leiden.

   Zur Laute singen sie ein Lied in Moll
   Von Amors Sieg, ein Lied zu seinem Preise,
   Des frohen Glaubens scheinen sie nicht voll,
   Der Silbermondschein trinkt die zarte Weise,

   Der stille Mondschein, welcher im Gest
   Die Vgel schaukelt, die dort mde trumen,
   Der schlanke Wasserstrahlen schluchzen lt,
   Die trunken aus dem Marmorbecken schumen.




                         Auf dem Spaziergang


   Dem bleichen Himmel und den drren Zweigen
   Sind unsere hellen Kleider nur zum Spott,
   Die mit vergngten Mienen keck und flott
   Sich bauschen und sich leicht beflgelt zeigen.

   Des Windes Atem kruselt still den Teich,
   Der Sonne zarter Strahl fllt durch die Linden,
   Die Schatten werden schwcher und sie schwinden
   Im fahlen Licht ersterbend blau und bleich.

   Wir losen Schnen, wir geschmeidigen Ritter,
   Mit Herzen, zrtlich zwar, doch niemals treu,
   Wir plaudern und wir scherzen ohne Scheu,
   Und unsere Liebe ist nur Tand und Flitter.

   Es fllt wohl auch einmal von Zeit zu Zeit
   Ein leichter Schlag zur Abwehr, darauf mssen
   Die Herren schnell den kleinen Finger kssen,
   Ganz vorn am letzten Glied. Geht man zu weit,

   Dann wehe! wehe! dann ist's kein Vergngen,
   Dann zuckt ein Blick, vernichtend, scharf und kalt,
   Jedoch das kleine Mulchen straft gar bald
   In gnadenreicher Huld das Auge Lgen.




                              Ein Aufzug


   Possierlich mu und hchst galant
   Ein Affe vor der Dame schreiten,
   Ein Spitzentchlein lt sie gleiten
   Durch ihre wohlgepflegte Hand.

   Stolz trgt der Schleppe leichte Brde
   Ein kleiner Neger, ganz in rot;
   Wo nur ein falsches Fltchen droht,
   Wehrt er mit Eifer und voll Wrde.

   Der Affe hat sich umgedreht,
   Den weien Hals frech anzustieren,
   Der Torso mte Gtter zieren,
   Den dieser stolze Hals verrt.

   Der Neger hebt die Schleppe hher,
   Als es erlaubt, schlau gibt er Acht
   Auf Dinge, die in stiller Nacht
   Der Traum ihm zeigt, der lose Spher.

   Die Treppe aufwrts schreitet sie,
   Es kann sie weiter nicht erregen,
   Was an Bewunderung entgegen
   Der Herrin bringt das liebe Vieh.




                               Der Faun


   Ein alter Faun grinst mit Behagen
   Im Park uns an. Es prophezeit
   Ein Ende voller Traurigkeit
   Der dreiste Wicht den heitern Tagen,

   Die dich und mich hierher geleitet.
   Wir zweifeln in Melancholie
   Auf unserm Pilgerweg ja nie,
   Da trotz des Lrms die Zeit entgleitet.




                               Halblaut


   Tiefer Waldesschatten hlt
   Jetzt im Dunkel Moos und Strauch,
   Tiefer Waldesschatten fllt
   Jetzt auf unsere Liebe auch.

   Und die Seele und der Sinn
   Und das Herz, es bebt und lauscht,
   Gibt sich mdem Traume hin,
   Der im Pinienwipfel rauscht.

   Schliee deine Augen halb,
   Hemme der Gedanken Lauf,
   Schttle von der Brust den Alb,
   Hre ganz zu denken auf.

   Leise wiegt vom Wind durchhaucht
   Grner Teppich unsern Schritt,
   Meine bange Seele taucht
   Still ins Nichts, sie wiegt sich mit.

   Steigt der Abendstern empor,
   Mahnt der Nachtigallen Schlag
   Mich an das, was ich verlor,
   An der Hoffnung letzten Tag.




                      Sentimentales Zwiegesprch


   Der alte Park liegt schweigend da, nur zwei
   Gestalten schleichen schemenhaft vorbei

   Mit toten Augen, schlaffen, mden Fratzen,
   Kaum hrt man, was die beiden leise schwatzen.

   Der alte Park liegt schweigend da, die zwei,
   Herauf beschwren sie, was lngst vorbei.

   Besinnst du dich der Zeit voll ser Minne?
   ... Weshalb verlangst du, da ich mich besinne? --

   Schlgt noch dein treues Herz fr mich allein?
   Siehst du mich noch im Traum? So sprich doch! .... Nein. --

   Ach, unser Glck erschien uns fast unsglich,
   Und wie wir wild uns kten ...! Das ist mglich. --

   Wie war die Hoffnung gro, der Himmel blau!
   ... Die Hoffnung ist entflohn, der Himmel grau. --

   Gegangen sind sie ganz wie sie gekommen,
   Die Nacht allein hat ihr Geschwtz vernommen.




                            Frau und Katze


   Die Katze -- nein, die Dame drohte,
   Oft sieht man sowas, glaub ich, nicht.
   Die weie Hand, die weie Pfote,
   Sie neckten sich im Dmmerlicht.

   Die eine barg -- ha, die Verdammte,
   Verdammt sei alle Zeit ihr Witz --
   In ihres rmels dunkelm Samte
   Die langen Ngel scharf und spitz,

   Die andere wollte gern gefallen;
   Da eingezogen sie die Krallen,
   Verlor der Teufel wirklich nichts.

   Er lachte, denn er sah im Dunkeln,
   Wie Flackern eines fahlen Lichts,
   Vier gelbe Phosphorflecke funkeln.




                               Serenade


   O Herrin, hr mein Lied! ein Toter singt,
            Lngst liegt er im Grabe,
   Es krchzt die Stimme, die das Stndchen bringt,
            Wie ein heiserer Rabe.

   Die Seele ffne, ffne auch das Ohr,
            Lausche meiner Zither,
   Das Lied ist dein, nur dir trag ich es vor,
            S klingt es und bitter.

   Dein Auge preis ich und das Gold des Blicks,
            Seine Pracht, die klare,
   Die Lethe deines Busens und den Styx
            Deiner dunkeln Haare.

   O Herrin, hr mein Lied, ein Toter singt,
            Lngst liegt er im Grabe,
   Es krchzt die Stimme, die das Stndchen bringt,
            Wie ein heiserer Rabe.

   Gesegnet sei dein Fleisch, wie sich's gebhrt,
            Auch der Duft des Leibes,
   Hab schlaflos manche Nacht ihn noch gesprt,
            Diesen Duft des Weibes.

   Und jetzt besing ich noch zum guten Schlu
            Deine blasse Wange,
   Die heien roten Lippen und den Ku,
            Engel du, du Schlange.

   Die Seele ffne, ffne auch das Ohr,
            Lausche meiner Zither,
   Das Lied ist dein, nur dir trag ich es vor,
            S klingt es und bitter.




                               avitri


                                                          Maha-Barata.

   Einst schwor avitri, um zu retten den Gemahl,
   Da sie drei ganze Nchte und drei ganze Tage,
   Wie es Vyaa ihr befohlen, ohne Klage
   Sich unbeweglich halten wolle wie ein Pfahl.

   Nicht hat Curyas sengend heie Mittagsglut,
   Nicht hat der schlaffe Traum, der in der Nchte Mitte
   Auf Tschandras Wink erscheint mit geisterhaftem Schritte,
   Den festen Willen ihr bezwungen und den Mut.

   Ob uns Vergessenheit zum bittern Lose fiel,
   Ob schwarzer Neid und Migunst uns umtosen tglich,
   Wir harren gleich avitri stumm und unbeweglich,
   Steht vor der Seele uns, wie ihr, ein hohes Ziel.




                              Guter Sang


                                  I.

   Ah dein letzter Funken schillernd,
   Bleicher Morgenstern, verglht,
      Schmettern trillernd
   Tausend Lerchen schon ihr Lied.

   Strahle einmal noch hernieder
   Und vergi den Snger nicht,
      Das Gefieder
   Reckt der Fink empor zum Licht.

   Strahlst dem Morgenrot entgegen,
   Das die Erde bald erhellt,
      Froher Segen
   Wogt im reifen hrenfeld.

   Strahle mild auf meine Sorgen,
   Mir auch lacht des Himmels Blau,
      Durch den Morgen
   Blitzt der silberhelle Tau.

   Noch ist aus den sen Trumen
   Die Geliebte nicht erwacht,
      Darfst nicht sumen,
   Sieh, die goldne Sonne lacht.


                                 II.

   Silbergefunkel
   Leuchtet im Wald,
   Horch, durch das Dunkel
   Raunt es und schallt
   Rings von den Zweigen ...
   O du mein eigen.

   Still und bescheiden
   Schaun in den See
   Trauernde Weiden,
   Zitterndes Weh
   Rauscht durch die Bume ...
   Stunde der Trume.

   Wunschloses Schweigen
   Scheint gro und sacht
   Niederzusteigen,
   Welten voll Pracht
   Messen die Runde ...
   Selige Stunde.


                                 III.

   An einem Sommertage wird's geschehn:
   Die lichte Sonne, Zeuge meiner Freude,
   Sie wird, Geliebte, dann in Samt und Seide
   Noch schner deine holde Schnheit sehn.

   Des Himmels tiefes Blau ist in Bewegung,
   Ein Baldachin, leicht schwankend, faltenreich;
   Dein Antlitz und das meine werden bleich,
   Erwartungsvoll in seliger Erregung.

   Und wenn der Abend naht, spielt leis und lind
   Sein Hauch mit deinem Schleier, und die Sterne
   Sie lcheln gut und friedlich aus der Ferne
   Die Gatten an, die dann vereinigt sind.




                          Vergessene Weisen


                                  I.

   Mir ist es oft, mein Lieb, wie wenn ich Chren
   Aus lngst verklungnen Zeiten knnte lauschen,
   Dazwischen whne ich das helle Rauschen
   Des Morgens, welcher kommen wird, zu hren.

   Zwei Augen sind auch meiner Seele eigen,
   Und alle Tne schwingen in den Saiten,
   Die leise oder laut vorbergleiten
   In meiner Tage unruhvollem Reigen.

   O strbe ich von diesem Spiel umgaukelt!
   Du frchtest dich, der Horen Tanz zu sehen,
   Ich aber mchte enden und vergehen,
   Wenn sich Vergangenheit und Zukunft schaukelt.


                                 II.

   Still gleiten zarte Finger durch die Tasten,
   Ein letzter Strahl vergoldet Turm und Dach,
   Die alte Weise zwingt den Tag zu rasten,
   Entschlafne Zeiten werden wieder wach,
   Verschchtert suchen Tne im Gemach
   Nach ihres Atems Hauch, dem lngst verblaten.

   Was ist es nur, das mich zur Ruhe wiegt,
   Mag noch ein Glck mein armes Sein umwerben?
   Was will das Lied, das schmeichelnd mich umschmiegt,
   Die Melodie, die pltzlich mich besiegt,
   Die in den kleinen Garten, um zu sterben,
   Durch das halboffne Fenster zitternd fliegt?




                          Bilder aus Belgien


                             I. Walcourt

   Huschen und Lauben,
   Fast wie zum Spiel,
   Fr Turteltauben
   Welch ein Asyl.

   Ziegel und Dcher,
   Hopfen und Wein,
   Tapfere Zecher
   Stellen sich ein.

   Bier wird von drallen
   Dirnen geschafft,
   Ei, die gefallen!
   Alle Welt pafft.

   Dort bei der Bude
   Hlt gleich der Zug ....
   Ewiger Jude,
   Ist dir's genug?


                            II. Charleroi

   Kobolde schwrzlich
   Schaffen geschwind,
   Warum, o Wind,
   Sthnst du so schmerzlich?

   Giftiger Hauch,
   Willst du mich beizen?
   Sollst mich nicht reizen,
   Stinkender Rauch!

   Lcher im Kote,
   Nirgends ein Haus,
   Welch ein Gebraus,
   Qualmende Schlote!

   Rollt dort ein Rad,
   Hrst du ein Fauchen,
   Siehst du es rauchen,
   Wo liegt die Stadt?

   Gruliche Dfte!
   Wie es mich pret,
   Rauscht denn die Pest
   Hier durch die Lfte?

   Dunst berall,
   Schwitzende Leiber,
   Hetzende Treiber,
   Knirschend Metall.

   Kobolde schwrzlich
   Schaffen geschwind,
   Warum, o Wind,
   Sthnst du so schmerzlich?


                             III. Brssel

   Rtlich grne Tne mischen
   In den Hgeln sich, den fernen,
   Whrend trbe Gaslaternen
   Alle Formen schon verwischen.

   Langsam scheint das Gold der Hnge
   Tief in rotes Blut zu tauchen,
   Aus entlaubten Kronen hauchen
   Vgel schchterne Gesnge.

   Trbe Bilder, sie verfliegen,
   Ach, der Herbst nur kann so malen,
   Mde will ich meine Qualen
   In den mden Lften wiegen.


                          IV. Im Schlopark

   Weit, so weit ich seh,
   Streckt sich die Allee,
   Wie das Auge reicht.
   Dieser grne Pfad
   Wei nichts von Verrat,
   Ach, hier lebt sich's leicht.

   Ernste alte Herrn
   Gehn mit Kreuz und Stern
   In das Schlo hinein -- --
   Biedermeierstil!
   Geben wrd' ich viel,
   Knnt' ich einer sein.

   Blendend wei das Schlo,
   Hoch das Dachgescho,
   Frieden rings und Ruh.
   Welch ein selig Fest,
   Fnden hier ein Nest
   Einmal ich und du.


                        V. Brsseler Karussell

   Dreht euch, wackere Pferdchen, dreht euch schnell,
   Dreht euch hundert, tausend mal im Kreis,
   Munter, Pferdchen, dreht euch flott, mit Flei,
   Pfeifen quieken, Hrner schmettern grell.

   Plumpe Infanteristen, dralle Besen
   Sind auf eurem Rcken heut zu Hause,
   In der Kirmes frhlichem Gebrause
   Treiben sie als Meister keck ihr Wesen.

   Dreht euch, Pferdchen, eurer Reiter Stolz,
   Um die Orgel, die so glorreich singt;
   Wenn ein Gaffer mit den Augen plinkt,
   Dreht euch weiter, Pferdchen ihr von Holz.

   Das ist eine Lust, berauschend, sndlich,
   Solch ein Karussell zum Zeitvertreibe!
   Schdelbrummen, Hochgefhl im Leibe,
   Wohl und bel macht's, und beides grndlich.

   Dreht euch schnell, ihr tut ja eure Pflicht
   Ungespornt, nie wird der Reiter grob,
   Ohne Hlfen sprengt ihr im Galopp
   Lustig weiter, Hafer gibt es nicht.

   Aber jetzt heit's, bald den Tanz erledigen,
   Es wird Nacht, und wie ich beinah glaube,
   Will der Tuberich zu seiner Taube,
   Fern vom Jahrmarkt, fern auch von der Gndigen.

   Dreht Euch flink, des Himmels Samt ist hell,
   Reich mit goldnen Sternen schon bestickt,
   Manches Prchen hat sich lngst gedrckt ...
   Trommelwirbel! Pferdchen, dreht euch schnell!


                             VI. Mecheln

   Die Wetterfahnen ldt zum Tanze
   Der Wind -- --, an diesem stolzen Bau
   Des alten Schffen fgt genau
   Sich jede Einzelheit ins Ganze,
   Die Ziegel rot, der Schiefer blau -- --,

   Dann pfeift er durch die grnen Wiesen;
   Die Eschen schaffen die Idee
   Von Horizonten, eine Fee
   Hat sie gestaffelt, diese Riesen,
   Luzerne gibt es, bunten Klee.

   Und durch den tiefen Frieden gleiten
   Die Zge selbst in stiller Ruh.
   Schlaf ungestrt, du brave Kuh,
   Ihr Stiere, denen diese Weiten
   Gehren, macht die Augen zu!

   Geruschlos rollen alle Wagen,
   Die Zeit der Reisenden verfliet,
   Man plaudert oder man geniet
   Das Bild der Landschaft mit Behagen,
   Die wie der Fenelon sich liest.




                         Aquarell von Spleen


   Die Rose hltst du in den Hnden,
   Es rankt sich um dich wilder Wein,
   Und scheinst du dich nur abzuwenden,
   Strmt die Verzweiflung auf mich ein.

   Zu blau ist dieses Himmels Schimmer,
   Zu zrtlich fast, das Meer zu grn,
   Geliebte Frau, ich frchte immer,
   Du knntest jhlings mir entfliehn.

   Die dunkeln Rosen, die so glhten,
   Der Buchsbaum, lngst verblat sind sie,
   Wie mde bin ich aller Blten ....
   Nur deiner mde werd' ich nie!




                               Weisheit


                                  I.

   Lauscht jetzt des Friedens stillem Sange!
   Ein Hauch ist er, zart und verschwiegen,
   Ein Grashalm, den die Winde wiegen,
   Er weint, doch deshalb seid nicht bange.

   Die Stimme war euch einmal teuer,
   Seit langer Zeit hat sie gefeiert;
   Wie eine Witwe dicht verschleiert
   Verrt sie doch noch Stolz und Feuer.

   Was vordem heilig ihr gewesen
   Verbirgt sich keusch. Den Schleier heben
   Die Lfte, die vorber schweben,
   Die klare Wahrheit knnt ihr lesen.

   Und solches wird euch dann verkndet:
   Das Gute nur wird ewig bleiben,
   Von allem eurem wilden Treiben
   Bleibt nichts, denn Ha und Neid entschwindet.

   Ein einziger Ruhm nur ist erquicklich,
   Zu kmpfen und nichts zu erstreben,
   Nehmt dankbar hin, was euch gegeben,
   Nur Frieden ohne Sieg macht glcklich.

   Ihr drft Gehr der Stimme gnnen,
   Sie will nicht locken noch bercken;
   Ach, eine Seele zu beglcken
   Ist ja das beste, was wir knnen.

   Doch eilt, die Stunde whrt nicht lange,
   Wir mssen leiden und nicht klagen,
   Nicht zrnen, wenn wir Schmerz ertragen,
   Lauscht jetzt der Weisheit stillem Sange.


                                 II.
                         Kaspar Hauser singt:

   In Stdte voller Lug und Trug,
   Zu Menschen kam ich, eine Waise
   Mit stillen Augen, scheu und leise,
   Die Mnner fanden mich nicht klug.

   Im Frhling lie der warme Fhn
   Des Herzens kalte Decke tauen,
   Schn fand mit einmal ich die Frauen,
   Die Frauen fanden mich nicht schn.

   Kein Knig zahlte je mir Sold,
   Kein Vaterland hat meine Wiege
   Geschirmt, trotzdem sucht ich im Kriege
   Den Tod, er hat mich nicht gewollt.

   Kam ich zu frh, kam ich zu spt?
   Weshalb bin ich auf dieser Erde?
   Wie drckt mich meines Seins Beschwerde ...
   Sprecht fr den Kaspar ein Gebet.


                                 III.

   Lang gestreckte Hecken wogen
   Wie ein Meer in feuchter Luft,
   Voll an schwerem Bltenduft
   Hat der Nebel sich gesogen.

   Mhlen stehen auf dem Plan,
   Bume, die sich aufwrts recken,
   Fohlen tummeln sich und necken
   Munter sich in freier Bahn.

   Sonntag! frohe Lmmer grasen,
   Schwankend wie ein zarter Hauch
   Lsen sich im Morgenrauch
   Weie Vliee von dem Rasen.

   Leise kruselt sich ein Meer
   Grner Auen, grner Wellen,
   Durch die Nebelschleier schwellen
   Glockenklnge ferneher.




                                Prolog


   Vorwrts jetzt, verruchte Truppe!
   Habt zu lange schon geweilt,
   Was euch zukommt, ward euch, eilt,
   Die Chimre streckt die Kruppe.

   Schwingt euch auf, sprengt durch den Raum,
   Durch die Zeit, verlorne Kinder,
   Dieser Renner fliegt geschwinder,
   Als das kranke Hirn im Traum.

   Endlich, endlich fand ein Ende
   Meines Fiebers toller Wahn,
   Tastend suchen heie Hnde
   Einem Leben neue Bahn.

   Doch sie segnen euch, ihr schrillen
   Schreie wilder Angst, habt Acht,
   Meiner schwarzen Sonne Grillen,
   Grillen meiner weien Nacht.

   Geht jetzt! ich versto euch heute,
   Was auch gestern noch geschah,
   Denn mein Herz sucht andere Beute,
   Packt euch, aegri somnia!




                               Pierrot


   Das ist der Mondscheinschwrmer nicht, der frech und frank
   Den Vtern durch die Tr gelacht in alten Tagen;
   Wie seine Kerze starb sein Witz, mit bldem Zagen
   Geht sein Gespenst nur schlotternd um, bleich, hager, krank.

   Im rauhen Wind beim Schein des Blitzes flattert bang
   Die weie Jacke wie ein Leichentuch. Lngst nagen
   Die Wrmer an dem Hirn. Der welke Mund will klagen,
   Er grinst breit aufgesperrt, verzerrt von Schmerz und Zwang.

   Die rmel winken links und rechts verrckte Zeichen
   Gleich Fledermusen, die durch's Abenddunkel streichen,
   Doch keiner nimmt Notiz von dem erfrornen Witz.

   Aus leeren Augenhhlen zucken Phosphorstrahlen,
   Und grlich steht in dem Gesicht, dem blutlos fahlen,
   Die mehlbestaubte Totennase, starr und spitz.




                        Die Kunst des Dichters


   Erst Musik, Musik vor allen Dingen!
   Dazu braucht es keine Symmetrie,
   Wie ein Lufthauch steigt die Melodie,
   Nichts darf wuchtig, nichts geknstelt klingen.

   Sorge nicht, wenn auch das Wort verfehlt,
   Dem Begriff sich ngstlich anzupassen;
   Kannst du's, dann versuch dich so zu fassen,
   Da dem Sinn das Rtsel sich vermhlt.

   Sahst du Augen nie durch Schleier sphen,
   Nie den Mittag zittern hei und schwer,
   Nie der Sterne unentwirrbar Heer
   Klar am lauen Herbsteshimmel stehen?

   Nur Nuancen, leise abgestimmt!
   Decke stets mit Tnen, die sich brechen,
   Nur Nuancen gltten so die Flchen,
   Da die Flte und das Horn verschwimmt.

   berma an Geist geht in die Brche,
   Lach nicht immer, sei nicht gar zu spitz,
   Weint der Himmel ber deinen Witz,
   Ist es Knoblauch aus der Sudelkche.

   Schnen Worten brich nur das Genick,
   Ntig ist es auch den Reim zu zhmen,
   Deiner Fhrung mu er sich bequemen,
   Er geht durch, drum halte ihn am Strick.

   Wie wird dieser Reim gerhmt, verhimmelt!
   Welcher Nigger, welcher taube Fant
   Prgte diesen hohlen Jahrmarktstand,
   Der vergngt wie falsches Kleingeld bimmelt?

   Nur Musik und davon nie genug!
   Verse tnen wie befreite Seelen,
   Die den Weg zu andern Sternen whlen,
   Die zu anderer Liebe trgt ihr Flug.

   Verse mut du in den Frhwind sen,
   Auf gut Glck verstreuen, wenn er leicht
   Durch die Minze, durch den Thymian streicht,
   Sonst kann nur Literatur entstehen.




                               Schlaff


   Ich bin das Rmerreich, das seine Zeit vollendet,
   An blonder Nordlandvlker Heerfahrt lngst gewhnt,
   Das Verse drechselnd eitlen Nichtigkeiten frhnt,
   Voll Pomp und Prunk, vom trben Sonnenlicht geblendet.

   Nur seine Seele ahnt, wie dieses Spiel sie schndet,
   Sie hrt den Schlachtenlrm, der in der Ferne drhnt;
   O Ohnmacht, die sich feig und wunschlos selbst verhhnt,
   O Willenlosigkeit, dem Leben abgewendet!

   Kein Wollen, keine Kraft, zum Sterben fehlt der Mut ...
   Bathyll, der Becher ist geleert, hr auf zu lachen,
   Vorber ist der Schmaus, jetzt heit's ein Ende machen!

   Nur ab und zu ein Vers, frs Feuer grade gut,
   Nur Lste, die vor frechen Sklaven sich entschleiern,
   Nur Langeweile, unerklrlich, dumpf und bleiern.




                                Liebe


   Jawohl, geqult bin ich, geplagt,
   Bin wie ein Wolf gehetzt, gejagt,
   Der nirgends eine Freistatt findet,
   Den schon die Meute fast umringt,
   Den seine Wunde niederzwingt,
   Da er in Angst und Not sich windet.

   Die drei, der Ha, das Gold, der Neid,
   Sprhunde sind's, sie wittern weit,
   Ich bin gestellt, kann mich nicht wehren;
   Des Morgens Schreck, des Abends Qual,
   Das ist seit Jahr und Tag mein Mahl,
   Davon kann sich kein Bettler nhren.

   Lngst grinst er mich von weitem an,
   Der widerliche Jgersmann,
   Die Krallen an den drren Hnden;
   Halb hat er mich, er hhnt und sperrt
   Die Wege mir und zieht und zerrt
   Am Herzen und will doch nicht enden.

   Ihr Wlfe, seht, so schleppe ich
   Zum finstern Strome blutend mich,
   Lat, Brder, endlich das Gelster,
   Gebt mir zu sterben freie Bahn,
   Ihr seid ja alle untertan
   Dem Weibe, meiner grimmen Schwester.




                              Allegorie


   Ein alter Tempel, dessen Bau schon weicht,
   Der vormals stolz von sonniger Hhe ragte,
   Schaut wie ein Knig, den der Feind verjagte,
   Sein Bild im Strom, der trg vorber schleicht.

   Mit einer Weidengerte zchtigt leicht
   Den Faun, der lstern sie zu necken wagte,
   Die schlfrige Najade, die betagte,
   Er lacht des Zorns, der ihn mit Ruten streicht.

   Der fade Vorwurf bringt mich um die Laune.
   Welch Dichter schuf dies Werk, das ich bestaune,
   Welch dsterer Stmper dachte dich nur aus,

   Verblichenes, zerschlissenes Gewebe?
   Wie ein Theatervorhang bld -- --, und kraus,
   Ach, wie das Leben, das ich rmster lebe!




                            Hirngespinste


                                  I.

   Dame Muschen trottet
   Schwarz in grauer Abendstund,
   Dame Muschen trottet
   Grau auf schwarzem Grund.

   Eine Glocke lutet
   Die Gefangnen in den Schlaf,
   Eine Glocke lutet,
   Schlaft und seid hbsch brav.

   Keine bangen Trume,
   Denket an die Liebste jetzt,
   Keine bangen Trume,
   Trumt was euch ergetzt.

   Strahlt der Mond vom Himmel,
   Schnarcht der mden Schlfer Schar,
   Strahlt der Mond vom Himmel,
   Ist es eben wahr.

   Wolken ziehn vorber,
   Finster wird es, wie im Loch,
   Wolken ziehn vorber,
   Und der Tag kommt doch.

   Dame Muschen trottet
   Rosig, ringsum ist es hell,
   Dame Muschen trottet,
   Auf, ihr Schlfer, schnell!


                                 II.

   Im Kreise trotten sie herum
      Und keiner spricht,
      Der Hof liegt stumm
      Im grellen Licht.
   Das Unkraut wuchert rings, es zaust
      Der Wind die Stirn,
      Und Unkraut haust
      In ihrem Hirn.

   O Simson, drehe nur den Stein!
      Was fr ein Korn
      Mag das wohl sein?
      Fragst Du im Zorn.
   Die Mhle, die das Schicksal treibt,
      Mahlt nicht zum Scherz,
      Du Narr, zerreibt
      Verstand und Herz.

   Sie kommen! klipp, klapp, geht der Schuh,
      Er ist von Holz,
      Jetzt hast Du Ruh,
      Verdammter Stolz!
   Da keiner seufzt und keiner zuckt,
      Ihr wit es doch:
      Wer auch nur muckt,
      Der fliegt ins Loch.

   Das ist mein Zirkel, Tag fr Tag
      Bin ich sein Gast,
      Auf jeden Schlag
      Schon lngst gefat.
   Gesellschaft, hab ich Dich verletzt,
      Dich keck bedroht,
      Gibst Du mir jetzt
      Kein Zuckerbrot.

   Genossen, Brder von der Zunft,
      Seid nicht erbost,
      Denn die Vernunft
      Gewhrt uns Trost.
   Es ist so s, im Sonnenbrand
      Sich auszuruhn
      Und mit Verstand
      Mal nichts zu tun.




                            Der Schamlose


   Der bse Blick, des Lebens Not,
   Sie haben ihn gejagt, gehetzt,
   Und er, der herrisch einst gedroht,
   Hat eines Knechtes Seele jetzt.

   Ein Jettatore, einer der
   Als Bettler rettungslos verdirbt,
   Die Feinde folgen hinterher,
   Die beiden Feinde, bis er stirbt.

   Sein Blick schon macht die Kinder klug!
   Zertreten trotzt er noch genug,
   Ein Vieh, doch Narr auf eigne Faust.

   Ihr schnen Damen, schenkt kein Geld
   Dem schlechten Kerle, der hier haust,
   Schenkt ihm euch selber, wenn's gefllt.




                                Hnde


   Das sind nicht Prinzenhnde, keines
   Prlaten Hnde, wohl gepflegt,
   Und doch ist etwas zartes, feines
   In diesen Hnden ausgeprgt.

   Auch keines Knstlers, oder ehrlich
   Auch keines Dichters. Dennoch steckt
   Etwas von Leid darin, das schwerlich
   Ein anderes Empfinden weckt.

   Nicht minder fhlen, nicht geringer
   Als Welten sie ihr Weh und Wohl,
   Der Daumen und der kleine Finger
   Bezeichnen dem Magnet den Pol.

   Und bricht das Herz im Sturme nieder,
   Und wird das Hirn vom Blitz erhellt,
   Es spiegelt alles treu sich wieder
   In dieser klugen kleinen Welt.

   Vom Steine sind sie nicht zerrieben,
   Nicht schwielig von des Beiles Hieb,
   Doch in den Linien steht geschrieben
   Von Arbeit, die nichts schuldig blieb.

   Lang sind sie, mager und von schmalen
   Gelenken, grau, die Ngel breit,
   Wie man sie in den Kathedralen
   Auf Bildern sieht aus frher Zeit.

   Wie man sie wohl bei Invaliden,
   Die nichts mehr aus dem Traume strt,
   Von Tagen, die lngst abgeschieden,
   Von schweren Kmpfen flstern hrt.

   Die trocknen Hnde fielen heute
   In dieses Abends dsterm Bann
   Gedankenschwerem Leid zur Beute,
   Ich seh es ihnen deutlich an.

   Die Sorge peinigt sie, die blasse,
   Auch ihnen bleibt sie nicht erspart,
   Der Alb drckt sie, und die Grimasse,
   Die es verrt, ist eigner Art.

   Ich habe Angst, ich mu mich hten!
   Auf meinem Tische seh ich sie
   In tiefem Schweigen finster brten,
   So furchtbar schienen sie noch nie.

   Rechts die, links die ..! bin ich bei Sinnen?
   Sind diese Hnde wirklich mein?
   Dort auf dem Bett das weie Linnen,
   Das mu ein Totenlaken sein!

   Da drauen geht der Tag zu Ende,
   Der Sturmwind heult in wilder Wut ...
   Ach, wren Traum nur diese Hnde!
   Das wre gut -- -- nein, schlecht -- -- nein, gut.




                            Nrrischer Rat


   Zeig Dich niemals schchtern,
   Wenn Du klug nur bist,
   Doch die Ehe ist
   Abgeschmackt und nchtern.

   Tapfer trinken lohnt!
   Guckst Du in die Flasche,
   Trgst Du in der Tasche
   Sonne bald und Mond.

   Blken dumme Klber,
   Fhle Dich geehrt,
   Unsern wahren Wert
   Kennen wir nur selber.

   Rotes Herzblut kreist
   Flammend durch die Adern,
   Brauchst nicht gleich zu hadern,
   Wenn ein Floh Dich beit.

   Wenn die Strme tosen,
   Nimm es in den Kauf,
   Pfeife ruhig drauf,
   Pflcke keck die Rosen.

   Nimm nur alles so,
   Wie es ist auf Erden,
   Besser wird's nicht werden,
   Also trag es froh.

   La die Leute sprechen,
   Ihnen macht es Spa,
   Oben der verga
   Lngst schon Dein Verbrechen.

   Deine Seele zagt,
   Doch zu neuer Blte
   Fhrt sie seine Gte,
   Wenn der Morgen tagt.

   Wenn des Schicksals Tcke
   Schwache auch zerbricht,
   Dich zerschlgt es nicht
   Gleich in tausend Stcke.

   Spotte Deiner Qual,
   Zwinge Deinen Jammer,
   Wirst ja unterm Hammer
   Hrter noch als Stahl,

   Mag der Ambo wimmern,
   Wenn er nieder saust;
   In Sankt Jrgens Faust
   Wird die Klinge schimmern.

   Und Sankt Michael
   Wird zum Licht Dich heben,
   Dort wirst neu Du leben
   Ohne Schuld und Fehl.

   Sieh, die Blumen sprieen
   Aus des Grabes Ruh,
   Lcheln sollst auch Du,
   Wenn die Trnen flieen.

   Sieh, aus dem Gestein
   Werden Funken sprhen,
   Bald wirst aller Mhen
   Du auch ledig sein.




                            Lieder fr sie


                                  I.

   Ich will nicht immer auf Dich zhlen,
   Doch bin von Eifersucht ich frei,
   Wozu mit dererlei sich qulen,
   Denn glcklich wird man nicht dabei.
   Die Liebe hoch und hoch wir zwei!

   Du bst mit kluger berlegung
   Praktiken von besonderer Art,
   Und Knste Deiner eignen Prgung
   Sind fr den Kenner aufgespart,
   Mir bleibt noch immer was verwahrt.

   La nur die lieben Leute bellen,
   Was geht mich Dein Geburtsschein an?
   Ich sehe Deinen Busen schwellen,
   Verstrickt in Deines Auges Bann,
   Und was Dein heier Ku erst kann ....

   Sei mir so treu wie irgend mglich,
   Besonders wenn es Dir mal pat;
   Begegne meinem Wunsch vertrglich,
   Er ist ja ein bescheidener Gast,
   Auf jede Laune stets gefat.

   Entschwunden sind die schnen Zeiten
   Hhnt mancher trichte Gesell.
   Dank Dir und Deinen Zrtlichkeiten
   Brennt immer noch die Lampe hell,
   Wir und die Liebe! Wein her, schnell!


                                 II.

   Du meines Lebens se Labe,
   Genossin meines armen Seins,
   Der ich mich ganz ergeben habe,
   Du allerletzte, wir sind eins.
   Komm her zu mir, ich will Dich kssen,
   Ich halte sicher Dich und fest,
   Wir lieben uns, weil wir es mssen,
   Bis zu des Bechers letztem Rest.
            Liebe mich,
            Ohne Dich
            Ist die Welt
            Mir vergllt.

   Du hast nur Deine beiden Hnde,
   Arm bin ich wie die Kirchenmaus,
   Wir sehen auf die kahlen Wnde
   Und fhren kein zu groes Haus.
   Und doch sprot immer uns das gleiche,
   Dasselbe Glck aus unserer Lust,
   Ein Knig bin ich, meine Reiche,
   Sie liegen tief in Deiner Brust.
            Liebe mich,
            Ohne Dich
            Ist die Welt
            Mir vergllt.

   Nach unsern groen Liebesnchten
   Erstrahlt mir heller stets der Tag,
   Du liebst mich mit der reichen, echten,
   Der Liebe, die nicht feilschen mag;
   Neu gieest Du in meine Sfte,
   In meine Adern Feuerwein,
   Es hauchen Deine Zauberkrfte
   Mir eines Gottes Odem ein.
            Liebe mich,
            Ohne Dich
            Ist die Welt
            Mir vergllt.

   Was Du einst warst, mich soll's nicht stren,
   Und was ich bin, geht keinen an,
   Dir will fr immer ich gehren,
   Nur Gutes hast Du mir getan.
   Das Leid, das wir gemeinsam tragen,
   Macht uns von Schuld und Snde frei,
   Die Welt verstt uns! was die sagen,
   Wenn Du mich liebst, ist's einerlei.
            Liebe mich,
            Ohne Dich
            Ist die Welt
            Mir vergllt.




                    An Knig Ludwig II. von Bayern


   Du einziger Knig dieser Zeit, den Purpur kleidet,
   Der Du im Sterben Deinen Genius hast gercht
   Am Wahnsinn jener Wissenschaft, die uns beneidet,
   Die breit an unserm Herd zu sitzen sich erfrecht,

   Die Gott gemordet hat und hmisch dem Geschlecht
   Des Menschen Freude, Kunst und Poesie verleidet,
   Im Tode gabst Du noch den Tod, Dein Stolz war echt,
   Ich gre Deine Majestt, die glorreich scheidet!

   In dem Jahrhundert, wo die Knige wie nie
   Zuvor verlernt die wirklich knigliche Pose,
   Warst Du ein Knig, Mrtyrer der Phantasie.

   Heil Dir und Deiner einzigen Apotheose,
   Der stolzen Seele, die befreit des Weges zieht,
   In Gold und Erz, umrauscht von Richard Wagners Lied!




                             Meine Bste


   Hm ... das ist also die Gestaltung,
   In der mein Bild zur Nachwelt spricht!
   Hchst imponierend ist die Haltung,
   An Wrde fehlt es wirklich nicht.

   Vor diesem Haupt, das jeden Morgen
   Um ein Erlebnis schwerer wiegt,
   Das dennoch seiner ewigen Sorgen
   Gewicht im bittern Kampf erliegt,

   Was urteilt einmal wohl die Clicque,
   Die schwatzend vor dem Marmor steht?
   Gewi, der harte Zug verrt,

   -- Man sieht es schon am finstern Blicke --
   Der Kerl war, was man bse nennt,
   Doch in der Bste steckt Talent.




                        Jos-Maria de Hrdia


                              1842-1905




                              Vergessen


   Der Tempel auf der steilen Klippe ist zerfallen,
   Die ehernen Heroen liegen tief im Sand,
   Die Marmorgttin, welche auf dem Altar stand,
   Ruht im Gestrpp, verdet sind die weien Hallen.

   Ein Rinderhirt lt seine Muschelflte schallen,
   Die Weise ist seit altersgrauer Zeit bekannt,
   Zur Trnke zieht der Stier im heien Sonnenbrand,
   Der Geier spht nach Raub fr seine scharfen Krallen.

   Die milde Erde, die die Gtter einst gesehn,
   Schmckt stets im Frhling, um fr alte Huld zu danken,
   Geborstene Kapitle mit Akanthusranken.

   Der Mensch will seiner Vter Traum nicht mehr verstehn,
   In hellen Nchten hrt er ohne frommen Schauer
   Des Meeres Klagelied und der Sirenen Trauer.




                                 Pan


   Quer durch des Waldes rtselhaftes Dickicht schweift
   Auf stillen Pfaden, die im tiefen Dunkel enden,
   Der Bocksfu, der die Nymphen mit den frechen Hnden,
   Wo sie sein heier Blick erspht, verlangend greift.

   Rings Girren und Geraun. Ein heller Lichtstrahl streift
   Das Dach, frohlockend tanzt er auf den grnen Wnden;
   Es lebt und webt im Holz, verborgene Quellen spenden
   Ihm junge Kraft, zur Hhe ist der Tag gereift.

   Verloren hat sich eine Nymphe. Unentschlossen
   Lauscht sie der Trne, die vom Morgentau vergossen
   Im Moose schluchzt. Das junge Herz bangt ahnungsvoll.

   Ein Sprung! Da hlt sie schon der Gott, von Wollust trunken,
   Im Arm, sein Lachen peitscht die weiche Luft wie toll ...
   Fort ist er. Und in Schweigen liegt der Wald versunken.




                            Der Ziegenhirt


   Verfolge nicht den Bock auf diesem Kletterpfad,
   Ein Fehltritt, und Du kommst zu Schaden und zu Leide!
   Am Hang des Menalos, wo wir die Sommerweide
   Beziehn, gewahrst Du kaum, wie schnell das Dunkel naht.

   Ich habe Wein und Obst. Wir harren, durch den Grat
   Geschtzt, des Morgens hier, doch laut zu sein vermeide,
   Allgegenwrtig sind die Himmlischen, uns beide
   Hat Hekate schon lngst erspht. Deshalb mein Rat.

   Der Satyr, der als Herr auf diesen Hhen schaltet,
   Haust dort im tiefen Loch, wo das Gestein sich spaltet,
   Er kommt hervor, wenn jemand ihn zu schrecken wagt.
   Horch, die Schalmei! la flink uns in den Schatten schlpfen ...
   Sieh, wie der Mondschein sich an seine Hrner hakt,
   Zum Tanze spielt er auf, und meine Ziegen hpfen.




                                Weihe


   Dem grimmen Ares weihe ich die treuen Waffen!
   Hilf mir, ich bin zu alt. Hier vor das Gottes Bild
   Hng an den Pfeiler meinen Helm, den schweren Schild
   Und dieses schartige Schwert ..., ich kann es nicht mehr schaffen.

   Und auch den Bogen. Meinst Du, da er mit der straffen
   Sehne hier hngen soll? Ich wr es gern gewillt,
   Doch meine Kraft versagt, wenn solcher Kunst es gilt,
   Das harte Holz gehorcht nicht mehr dem Arm, dem schlaffen.

   Nimm jetzt den Kcher. Wunderst Du Dich etwa, weil
   Er leer ist? Ja, mir scheint, Dein Auge sucht den Pfeil,
   Damit er Dir von blutigem Mnnerstreit erzhle!

   Es ist umsonst, Du findest keinen mehr davon,
   Sie schwirrten zischend durch das Feld von Marathon
   Und stecken alle in des toten Persers Kehle.




                           Des Toten Bitte


   Halt, Wanderer, ein Wort! Wenn je Dein froher Mut
   Nach Kypsela Dich fhrt am Hebrosstrand, so frage
   Dem greisen Hyllos nach, er soll die Totenklage
   Dem Erben weihn, der nie mehr an des Herdes Glut

   Sich wrmen wird. Zernagt vom Wolf und seiner Brut
   Vermodert der erschlagne Leib im finstern Hage,
   Vergebens harrt, da ihn das Boot hinber trage,
   Am Styx der Schatten. Rache heischt vergossenes Blut.

   Jetzt geh. Des Abends, wenn der Sonne Strahlen bleichen,
   Siehst Du vielleicht ein Weib zu einem Denkmal schleichen,
   Der schwarze Schleier hllt das weie Haupt ihr ein.

   Da nchtigen Spuk die rmste treibt, darfst Du nicht whnen,
   Es ist mein Mtterchen. Sie beugt sich auf den Stein
   Und fllt die leere Urne nur mit ihren Trnen.




                              Der Sklave


   Ein Sklave bin ich jetzt, zerlumpt, gehetzt, gejagt,
   Mein Rcken kennt den Schmerz, mein Auge kennt die Trnen,
   Geboren bin ich frei, am Strande der Sirenen,
   Dort wo die blaue Hybla froh gen Himmel ragt.

   Htt ich Sicilien nie Lebewohl gesagt,
   Ach wrde noch einmal erfllt der Seele Sehnen!
   Wenn Du zur Winterszeit nach Sden folgst den Schwnen,
   O Gastfreund, geh zu ihr, nach der mein Kummer fragt.

   Noch einmal mchte ich die Augen schaun, die feuchten,
   Daraus der Sonne Glanz und alle Sterne leuchten,
   Und ihrer dunkeln Brauen sieggewohntes Joch.

   Such Cleariste auf! ich fleh Dich an, erbarme
   Dich gndig, sage ihr, ich lebe, liebe noch,
   An ihrer tiefen Trauer kennst Du sie, die arme.




                            An der Trebia


   Auf kahlen Hhen flammt des bleichen Morgens Pracht,
   Numidische Geschwader fhren, um zu trnken,
   Die Rosse schnell hinab, wo sich die Ufer senken,
   Die Hrner schmettern grell, das Lager ist erwacht.

   Sempronius nmlich, der die Augurn keck verlacht,
   Trotzt dem geschwollnen Strom und Scipios Bedenken,
   Die seines Consulates junge Wrde krnken ...
   Lictoren, hebt das Beil, Cohorten, auf zur Schlacht!

   Der dunkle Horizont steht rings umher in Flammen,
   Des Insubrers armselige Htte bricht zusammen,
   Laut in Trompetentnen klagt ein Elefant.

   Dort unterm Brckenbogen lehnt ein Mann. Ein dumpfes
   Gerusch vom Taktschritt der Legionen naht. Gespannt
   Lauscht Hannibal mit einem Lcheln des Triumphes.




                     Nach der Schlacht bei Cannae


   Der eine Consul tot, der andere verschollen,
   Der Aufidus schwillt an, es wlzt die trbe Flut
   Zum Meer die Waffen und die Leichen. Rot wie Blut
   Wlbt sich der Himmel ber Rom, die Donner grollen.

   Vergebens fllt der Opferstier, die Gtter wollen
   Nicht sprechen, keine Vogelschau schafft neuen Mut,
   Die Bcher der Sibylle schweigen. Schrecken ruht
   Und Trauer auf der Stadt, des Schicksals Wrfel rollen.

   Am Abend steht die Menge auf dem Aquduct,
   Die Vter und das Volk. Nur ein Gedanke zuckt
   Durch Tausende. Sie sphn hinaus in bangem Schweigen.

   Sie sehen schon im letzten Abendsonnenstrahl
   Auf seinem Elephanten jenen Hannibal
   Von den Sabinerbergen klirrend niedersteigen.




                               Villula


   Du bist am Ort, Du brauchst nicht weiter erst zu gehen!
   Dem alten Gallus eignet dieses kleine Gut,
   Das so bescheiden an dem niedern Hange ruht,
   Und dieses Schindeldach, kaum kann man drunter stehen.

   Im Huschen mag er einen Freund schon bei sich sehen;
   Ein Weinberg ist dabei, des alten Herdes Glut
   Backt reichlich Brot, und wie die Bohnensuppe tut,
   Frag ihn ...! Soll von den Gttern er noch mehr erflehen?

   Des Wldchens Reisig kommt im Winter ihm zu Nutz,
   Im heien Sommer bietet ihm das Laubdach Schutz,
   Der Herbst bescheert wohl eine Drossel, ein paar Meisen.

   Hier lebt er an der Sttte, die des Knaben Spiel
   Geschaut, zufrieden mit dem Lose, das ihm fiel.
   Jetzt kennst Du Gallus, Freund. Du findest einen Weisen.




                             Tranquillus


                                       C. Plinii Secundi Epist. I. 24.

   Hier hat Sueton gelebt! stets fhrte das Verlangen
   Nach seines Tibur tiefer Ruh ihn wieder her;
   Noch steht ein Bogen von der Villa aufrecht, der
   Die Ranken sttzt, die an den alten Ulmen hangen.

   In jedem Herbst ist er von Rom hierher gegangen,
   Aus jenem groen, glutdurchwogten Husermeer,
   Hier leuchtete die rote Traube, reif und schwer,
   Dies Fleckchen Erde nahm ihn immer neu gefangen.

   Und in dem Frieden waren sie ihm alle nah,
   Des Claudius Spukgestalt, Nero, Caligula,
   Der Messalina frevelhaft verbuhltes Lieben,

   Das grause Spiel, das einst auf Capri ward getrieben ...
   Dies alles hat in Wachs geritzt, ganz wie's geschah,
   Sein Griffel hier, der unerbittlich wahr geblieben.




                               Lupercus


                                 M. Val. Martialis Lib. I. Epigr. 118.

   Lupercus hlt mich eifrig an, der Bcherjger:
   Dein neues Epigramm ist kstlich, Meister, fein!
   Du borgst mir -- tadellos ist wirklich das Latein --
   Die ganze Rolle, morgen schick ich meinen Neger.

   Den der so humpelt und so keucht? Das ist ein trger
   Gesell, der schlft auf meiner steilen Treppe ein.
   Du wohnst am Palatin? bequemer kann's nicht sein,
   Im Argiletum haust Atrectus, mein Verleger.

   Sein Lager ist auf's reichste assortiert, ich kenn's:
   Vergil und Silius, Plinius, Phdrus und Terenz,
   Du magst nach Lebenden, Du magst nach Toten fragen.

   Dort steht, und nicht im letzten Fach, im Futteral
   Von Cedern, fein gefalzt, in Purpur eingeschlagen,
   -- Fr fnf Denare hast Du ihn -- auch der Martial.




                            Die Dogaressa


   Die Herren plaudern in den lichten Sulengngen,
   So malte sie des gttlichen Vecellio Hand;
   Noch rter leuchtet heut das rote Prachtgewand
   Im Glanz der schweren Ketten, die darber hngen.

   Sie blicken in die trbe Flut, die in der engen
   Lagune, aus der weiten Adria verbannt,
   Vorberrauscht, sie sehn den Himmel, lachend spannt
   Er sich ob buntem Volk, ob frhlichen Gesngen.

   Die stolzen Nobili im purpurfarbenen Kleid,
   Mit kaltem Herrenblick und blitzendem Geschmeid
   Bewegen ernst sich auf der weien Marmortreppe.

   Die Dame dehnt im Sessel lssig sich und stumm,
   Sie dreht sich langsam zu dem kleinen Neger um
   Und lchelt. Dieser Wicht trgt die brokatne Schleppe.




                         Der alte Goldschmied


   Trotz manchem Namen, der ins Meisterbuch geschrieben,
   Trotz Ruiz, Becerril, Ximenez und Arphee
   Hab ich den Stein gefat, die Perle, die Kamee,
   Der Vase Griff gedreht, ihr Fries herausgetrieben.

   Den Mrtyrer, der auf dem Roste treu geblieben,
   Ihn bildete ich nie, ich malte, Schmach und Weh,
   Dionysos im Rausch, den Fall der Danae
   Auf Silber und Email, statt meinen Herrn zu lieben.

   Ich habe mehr als eine Klinge damasziert,
   Bei diesem Teufelswerk, das frecher Stolz gebiert,
   Verga ich um der Seele Seeligkeit zu werben.

   Dem dunkeln Abend neigt sich meines Tages Glanz,
   Ich will wie Fra Juan von Segovia sterben,
   Mein letztes Werk sei eine goldene Monstranz.




                          Die Conquistadoren


   Ein wilder Geierflug aus Horsten kahl und leer,
   Des stolzen Elends satt sind sie der Not entflohen,
   Von wstem Traum berauscht, Banditen und Heroen,
   So stieen sie hinaus von Palos de Moguer.

   Zipango war ihr Ziel, des roten Goldes schwer,
   Gold sah die heie Gier im tiefen Schachte lohen;
   Die Passatwinde, welche schreckenvoll sonst drohen,
   Geleiteten sie durch das unbekannte Meer.

   Die Tropennacht verheit schon morgen Abenteuer,
   Ein blauer Phosphorglanz ringsum, ein Meer in Feuer,
   Durchfurcht von leichtem Kiel auf rtselhafter Bahn;

   Sie beugen sich hinab von ihren Caravellen,
   Da steigt ein neuer Stern tief aus dem Ozean
   Zum fremden Himmel auf, die Pfade zu erhellen.




                             Jungbrunnen


   Juan Ponce de Leon erlag des Teufels Spiel,
   Als mit den Jahren er das dichte Haar sah bleichen;
   Von alten Schriften voll und kraft geheimer Zeichen
   Lenkt nach dem Bronnen ewiger Jugend er den Kiel.

   Er kreuzt, des Traumes Knecht, dem all sein Witz verfiel,
   Drei Jahre durch die Fluten, die sich endlos gleichen;
   Da taucht, vom Licht umrahmt, und alle Nebel weichen,
   Ein Mrchen, Florida, empor. Er steht am Ziel.

   Nun segnet er den Wahn, der ihn hierher geleitet,
   Sein Banner pflanzt er auf, die mden Hnde breitet
   Er nach dem Strande aus, der ihm zum Grabe wird.

   Beneidenswerter Greis, Dein Sehnen und Dein Streben
   Hat Dir der Tod erfllt, und ob Du schon geirrt,
   Hat er des Ruhmes ewige Jugend Dir gegeben.




                         Auf eine tote Stadt


                               Cartagena de Indias, 1533-1585-1697.[4]

   Vertrumte Stadt, voreinst die Knigin der Meere!
   Heut tummelt in der Bucht sich ungestraft der Hai,
   Die Schatten dehnen sich in dem Einerlei
   Dort wo die Flut gewiegt Galione und Galeere.

   Franz Drakes Eisenfaust brach Deine stolze Wehre,
   Die Mauer und den Turm schlug Englands Neid entzwei,
   Und Wunden klaffen noch, die Spur von Pointis' Blei,
   Ein dsterer Perlenkranz der Trauer und der Ehre.

   Die Sonne kocht das Meer, das sich nur trge kruselt,
   Die Knigin, sie schlft, vom Windeshauch umsuselt,
   Sie trumt von altem Ruhm und vom Conquistador,

   Von ihrem jhen Fall, die Trmmer sieht sie qualmen;
   In heien Nchten schreckt sie angsterfllt empor ....
   Dann schlft sie wieder ein, umrauscht von schlanken Palmen.




                           Antike Medaille


   Noch immer kocht den Purpursaft, der Theokrit
   Berauscht, der tna an den glhend heien Lehnen,
   Doch sphte heut umsonst des Sngers Blick nach jenen
   Gestalten, welche einst gepriesen hat sein Lied.

   Ach, Arethusa hat als Sklavin feig gekniet
   Vorm Grimm des Anjou, und der Lust des Sarazenen
   Hat sie gedient, das Griechenblut in ihren Venen
   Verdarb gleich dem Profil, das Gtterhuld verriet.

   Der Zahn der Zeit hat selbst den Marmor angefressen,
   Zum Schatten wurde Agrigent, und halb vergessen
   Trumt unterm Blau des milden Himmels Syrakus.

   Das sprde Erz nur, dem sich Liebe anvertraute,
   Bewahrt den keuschen Abglanz und den letzten Gru
   Der Mdchenschnheit, welche einst Sizilien schaute.

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[Funote 4: Cartagena de las Indias, Hafenstadt in Sdamerika, 1533 von
einem Vorfahren des Dichters gegrndet, 1585 von den Englndern und 1697
von den Franzosen zerstrt.]




                               Bretagne


   Die Unrast schwindet, Deine Seele wird sich weiten,
   Wenn Dir die salzige Seeluft durch die Lungen zieht;
   Zu Arvors Klippe klimm empor! Dein Auge sieht
   Tief unter Dir den weien Ozean sich breiten.

   Die Erika, der Ginster blht. In grauen Zeiten
   Sang der Druide hier dem Clan das Zauberlied
   Von Zwergen und Dmonen. Hart wie der Granit
   Sah auch der Mensch Jahrtausende vorber schreiten.

   So komm und schau Dich um! Zum dstern Himmel ragt
   Des Menhir altes Mal, das um die Helden klagt,
   Die unter rotem Haidekraut vergessen liegen;

   Die ewige See, die Is und Occismor umschmiegt,
   Die sie in einem Bett von goldnen Algen wiegt,
   Wird flsternd auch Dein Herz, das kummervolle, wiegen.




                             Maris stella


   Von Tannenholz der Schuh, die Haube wei wie Schnee,
   Aus Wollenstoff das Kleid, die Schrze von Perkale,
   Sie liegen auf den Knien, ach, zum wievielten Male,
   Am steilen Klippenrand, in Bangen und in Weh.

   Die Mnner, Vter, Shne, Brder sind auf See
   Mit denen von Paimpol, Audierne und Cancale,
   Im Norden stellen sie dem Hering nach, dem Wale,
   Hart ist des Fischers Los und hart war es von je.

   Fromm tnet bers Meer, das sich unendlich weitet,
   Der Bittgesang zum Stern, der jeden Schiffer leitet,
   Und die bewegte See wird mhlich wieder still;

   Der Abendglocken Ruf lt alle Hupter neigen,
   Sie schallen von Roscoff, vom Turm von Sybiril,
   Der Himmel frbt sich rot, sie schwellen an und schweigen.




                           An Ernesto Rossi


                                         Nach einer Dante-Deklamation.

   O Rossi, ich hab Dich gesehn, da Du gelassen
   Opheliens Herz zertratst wie eine Blume, Dir
   Hab zitternd ich gelauscht, da Du, ein wildes Tier,
   Desdemona erwrgt -- --, ich konnte es nicht fassen.

   Den Macbeth habe ich bewundert und den Lear,
   Ich sah Dich letzten, der zu lieben wei, zu hassen
   Auf Italienerart, wie Juliens Mund, den blassen,
   Du ktest. Grer schienst Du eines Abends mir.

   Da hab ich es erlebt, erschttert und begeistert,
   Zum ersten Mal, wie die Terzinen Du gemeistert,
   Sie schmetterten gleich ehernem Drommetenklang.

   Und meine Seele whnte bebend, voller Grauen,
   Umzuckt von roter Lohe Dante selbst zu schauen,
   Leibhaftig, wie der Hohe den Inferno sang.




                           Jacques Normand


                              geb. 1848




                            Nach dem Essen


   In dem Ledersessel friedlich,
      Hchst gemtlich,
   Sitzt der Gastfreund. Wie ein Schlauch
   Blst er aufwrts im Verdauen
      Dichten blauen
   Leicht gewellten Tabaksrauch.

   Nach der glnzenden Verpflegung,
      Der Erregung,
   Dem Geschwtz beim Mittagsmahl
   ^ l'anglaise^ sich zu strecken,
      Sich zu recken,
   Das ist einfach ideal.

   Und dann sitzt man so vertraulich
      Und beschaulich
   Unter uns, nicht jedermann
   Will im Bilde ngstlich bleiben
      Und umschreiben,
   Was man deutlich sagen kann.

   Nein, wir sprechen frei! O Wunder,
      Der Burgunder
   Lst die Zunge. Manchem schon
   Hngt der Himmel voller Geigen,
      Weshalb schweigen?
   Jetzt riskiert man einen Ton.

   Nur nicht Politik, nicht Wahlen,
      Keine Zahlen,
   Solche Themen sind zu fein,
   Sowas darf man sich nicht leisten,
      Denn die meisten
   Schlummern dabei friedlich ein.

   Lieber so ein Anekdtchen,
      So ein Ztchen,
   Das die Laune nicht verdirbt,
   Das im enggeschlossnen Kreise
      Seine Reise
   Frhlich antritt und auch stirbt.

   Man erfhrt von Eingeweihten
      Neuigkeiten,
   Das Ballett wird durchgesiebt,
   Dankbar hrt man Jagdgeschichten
      Neu berichten,
   Die der Ahnherr schon geliebt.

   Was nach einem guten Essen
      Angemessen,
   Wird mit Wichtigkeit erzhlt,
   So gewhrt des Geists Entfaltung
      Unterhaltung,
   Die das ernste Haupt nicht qult.

                   *       *       *       *       *

   Einsam sitzen unterdessen,
      Fast vergessen,
   Schne Damen. Edler Stil
   Sind sie alle und Vollendung,
      Jede Wendung
   Zeigt beim Plaudern Halbprofil.

   Jeder kann von diesen Sternen
      Etwas lernen,
   Was ihn mit der Welt vershnt,
   Von dem Wetter oder lieber
      Noch vom Fieber
   Und wie Baby man entwhnt.

   Eine Schneiderin empfehlen
      Gute Seelen,
   Andere wissen andern Rat;
   Diesen Winter trgt man Loden,
      Nein, die Moden
   Sind abscheulich, in der Tat.

   Manches lt man sich wohl bieten,
      Doch Visiten
   Nicht erwidern ist nicht fein,
   Bleibt man selber welche schuldig,
      Soll geduldig
   Immer hbsch der andere sein.

   Ein Roman, den jedes Wesen
      Schon gelesen
   Oder augenblicklich liest,
   Wird bewundert. Sehr erquicklich
      Und auch schicklich
   Ist es, was man da geniet.

   Der Tenor ... um Gottes Willen!
      Meine Pillen
   Tuen glcklich ihre Pflicht,
   Ach, die Leute .., alle Tage
      Solche Plage,
   Nein, man glaubt es wirklich nicht.

   Unser Doktor ist sehr peinlich.
      Hchst wahrscheinlich
   Gehn wir diesmal an die See.
   Vom Theater wird gesprochen.
      In die Wochen
   Kommt sie wieder mal ... o weh!

   Unerschpflich quillt der Segen,
      Dauerregen
   Netzt in Strmen das Gestruch.
   Trotzdem sieht sofort der Kenner,
      Ohne Mnner
   Plagt die Langeweile euch.

   Arme Damen, seid bedauert,
      Denn ihr lauert
   Auf das strkere Geschlecht.
   Ach, Ihr knnt noch lange harren,
      Die Zigarren
   Fordern mitleidlos ihr Recht.

                   *       *       *       *       *

   Gott sei Dank, da sind sie endlich!
      Selbstverstndlich
   Duften alle nach Tabak,
   Nach dem Kraute der Havanna,
      Frisches Manna
   Hat ganz anderen Geschmack.

   Doch die Frauen sind ja alle
      Ohne Galle!
   Manches liebliche Duett
   Tnt sofort. Nein, was ich sage,
      Ohne Frage,
   Dieser Abend war zu nett.




                            Taubenschieen


   Nachmittag ist es, lau und linde,
   Kein Sonnenschein, kein Hauch im Winde.

   Des Himmels Blau ist nicht recht klar,
   Wie Seide glnzt es auf ein Haar.

   Die weiche Luft, die schwere, satte,
   Ist wie ein dichter Bausch von Watte.

   Behagen, Frieden ringsherum
   Und Schweigen, alles still und stumm.

   Ein kurzes Rollen nur, ein matter
   Halblauter Ton, Gewehrgeknatter.

   Ein Taubenschieen. Drben stehn
   Die Schtzen, deutlich kann man sehn,

   Wie von dem Hintergrund die Gruppen
   Sich lsen gleich bewegten Puppen.

   Sie treten nach der Reihe an,
   Korrekt und aufrecht jedermann.

   Von Zeit zu Zeit auf grnen Matten
   Ein flchtiger bewegter Schatten.

   Der Vogel flattert auf erschreckt,
   Schon ist er von dem Blei gestreckt.

   Ein scharfes, abgehacktes Knallen,
   Zu Boden sieht man etwas fallen.

   Der Hund springt zu, er packt es fest,
   Er gibt dem armen Tier den Rest.

   So geht es weiter ohne Gnade,
   Kein Ende nimmt die Fsillade.

   Durch blaue Lfte zuckt der Blitz,
   Ein Messerstich, kurz, scharf und spitz.

   Gemetzel, sinnlos, feig, emprend,
   Des Tages heiligen Frieden strend.

   In dieses Himmels reiner Luft
   Der Mensch allein ein Schelm, ein Schuft,

   Der Hekatomben, weil's ihn lstet,
   Zum Opfer bringt und sich noch brstet,

   Der rings des Todes Saaten st,
   Damit die Stunde schnell vergeht.




                              Aufrichtig


   Jngst las ein Buch ich, das ein Symbolist geschrieben,
   Ein hchst profunder Geist, ein starker Geist, mag sein,
   Jedoch so stark und tief, dabei so zart und fein,
   Da mir von der Lektre Kopfschmerz nur geblieben.

   Ich mu gestehn, ich hab sthetik nie getrieben,
   Fr diese Welten ist mein armes Hirn zu klein,
   Solch hoheitsvolle Denker gehen mir nicht ein,
   Mit einem Wort: Ich bin ein Schaf. Ganz nach Belieben.

   Ich bin ein Schaf. Gut. Abgemacht. Es bleibt dabei.
   Ich finde niemals, ob gezwungen oder frei,
   Die Schnheit, wo die Worte sich im Dunkeln balgen.

   Ich bin ein Spieer, ein Philister, einerlei,
   Darauf la ich mich hngen. Doch mein letzter Schrei
   Ist noch: Die Klarheit hoch! Jetzt schleppt mich hin zum Galgen.




                             Um den Ruhm


   Beerdigung allerersten Ranges. In den Hallen
   Der Madeleine ist heute ganz Paris zu sehn,
   Kunst, Presse, Parlament, kaum kann man sich noch drehn.
   Das war ein Mann! Kein Apfel kann zur Erde fallen.

   Er starb. Hat er gelebt? Er lief dem Ruhm nach, allen
   War er im Wege. Nichts ist ohne ihn geschehn,
   Da hie mit einem Mal der Tod ihn stille stehn,
   Es war vorbei. Er packte ihn mit Geierskrallen.

   Der greise Priester mit dem dnnen Silberhaar,
   Mit seinem schnen Kopf, mit Augen hell und wahr,
   Hebt die Monstranz. Kein Laut im weiten Heiligtume.

   Hier dieser Lebende und dort der Tote. Zwar
   Bin ich kein Groer, doch dies eine ist mir klar:
   Ein Schritt zu Gott gilt mehr als tausend Schritt zum Ruhme.




                            Jean Richepin


                              geb. 1849




                         Unsere Vergngungen


   Wenn uns mal, dieweil wir jung,
   Lustig stimmt ein guter Trunk,
   Klfft die ganze Meute.
   Ach, die Tage eilen so,
   Und nicht jeder Tag ist froh,
   Wir sind arme Leute.

   Narren nennt uns jedermann,
   Aber keiner denkt daran,
   Da, um muntere Lgen
   Durchzufhren, mancher friert
   Und vor Hunger fast krepiert,
   Das ist kein Vergngen.

   Klte, Durst und Hunger sind
   Untertan dem Knigskind,
   Das sie Dichter heien.
   Armer Knig, oft gb er
   Dreimal seine Krone her,
   Htt er was zu beien.

   Manchem, dem einst ferne Zeit
   Sicherlich ein Denkmal weiht,
   Blhen spte Rosen;
   Wit ihr, was ihm besser frommt,
   Bis es einmal dazu kommt?
   Ein Paar neue Hosen.

   Wenn uns heller Glanz bestrahlt,
   Mord und Tod! Der ist bezahlt,
   Ist's mit Wucherzinsen.
   Und der Magen, der uns zwackt,
   Schlgt zu der Musik den Takt,
   Hrt sie an mit Grinsen.

   Die ihr heimlich trinkt und zecht,
   Die ihr tglich regelrecht
   Dreimal findet Futter,
   Macht nicht immer gleich Skandal,
   Wenn auch unsereiner mal
   Kommt zu Brot und Butter.

   Wenn ihr schon ein Lied wo hrt,
   Das euch die Verdauung strt,
   Nur kein Donnerwetter!
   Trockne Kehle, leerer Bauch,
   Lieben Wein und Braten auch,
   Nicht blo Lorbeerbltter.

   Nehmt es drum nicht zu genau,
   Heute ist der Himmel blau,
   Also lustig heute!
   Ach, die Tage eilen so,
   Und nicht jeder Tag ist froh,
   Wir sind arme Leute.




                             Unsere Rache


   Der Bourgeois nhrt sich, still verdaut
   Der brave Bursche dreimal tglich,
   Und wenn er einen Dichter schaut,
   Dann lacht er, denn dem geht es klglich.

   Mitunter dreht der Spie sich um!
   Dann sieht der Dichter mit Behagen
   Vorm Schauspielhaus das Publikum
   Sich um die Eintrittskarten schlagen.

   Und wenn sodann das Spiel beginnt,
   Kann man sie leicht zu Trnen rhren;
   Wie selten merkt das groe Kind,
   Da wir es an der Nase fhren.

   Doch vom Theater abgesehn,
   So haben wir noch gegen Laffen,
   Die protzig stets im Wege stehn,
   Verschiedene andere gute Waffen.

   Wir haben Leben, Lieder, Lust,
   Den Geist, der schweres leicht erledigt,
   Den groen Stolz in unserer Brust,
   Der uns fr manches Leid entschdigt.

   Dann gab ein Gott uns zweierlei,
   Um dessentwegen sie uns hassen:
   Wir sind noch jung, wir sind noch frei,
   Keck drfen wir uns sehen lassen!

   So'n Kerl wirft sich in Positur:
   Oho, Ihr seid die rechten grade,
   Ihr lauft ja auf die Groschen nur,
   Mein Kind, das ist fr Euch zu schade.

   Wir mgen saure Frchte nicht,
   Dein Tchterlein ist drr zum Lachen,
   Das Geld verschnert kein Gesicht,
   Es kann auch keinen Busen machen.

   Die Vogelscheuche! neben ihr
   Sitzt Deine Frau, Du armer Schcher;
   Ein flchtiger Blick ..., hier sitzen wir,
   Und sie errtet hinterm Fcher.

   Das Mgdlein halte Dir getrost,
   Denn wir sind Kenner, unsere Zunge
   Verschmht solch kmmerliche Kost -- --
   Wir haben Deine Frau, mein Junge!




                          Mein Glas ist leer


   Einst go ich, ein froher Zecher,
   Meinen Lieblingswein
   In den hell geschliffnen Becher
   Ohne Sorgen ein.
   Wenig konnte nie gengen,
   War der Wein auch schwer,
   Trank ich doch in vollen Zgen ....
   Dieses Glas ist leer.

   Wein des Ruhms, an jedem Orte
   Wirst Du hoch gelobt!
   Auch ich htte diese Sorte,
   Ach, wie gern geprobt.
   Perlen sah ich ihn und schumen,
   Mehr und immer mehr
   Schlrfte ich -- -- in meinen Trumen ...!
   Dieses Glas ist leer.

   Liebe, brr! ein saurer Krtzer,
   Dem gar mancher flucht,
   Trotzdem hab ich harter Ketzer
   Oftmals ihn versucht,
   Danach stand in jungen Tagen
   Immer mein Begehr,
   Hab auch ziemlich viel vertragen ....
   Dieses Glas ist leer.

   lter ward ich und mein Sehnen,
   Einsam und allein
   Hab ich auch aus salzigen Trnen
   Schon gekeltert Wein.
   Um mein Kreuz, da standen alle,
   Mancher hob den Speer,
   Lachend trank ich bittere Galle ...
   Dieses Glas ist leer.

   Soll ich zrnen, soll ich hadern,
   Tut kein Wein mir gut?
   Ha, das Blut in meinen Adern
   Kreist noch, schlechtes Blut!

   Mu vom eignen Blute zehren,
   Bringt den Becher her,
   Lat mich auch noch diesen leeren ...
   Dieses Glas ist leer.




                    Moderne Studie nach der Antike


   Bah! Die Antike bleibt ein Bild von kalter Tugend,
   Wir respektieren sie .., ein Nachklang nur der Jugend!
   Ein Vorurteil, mein Freund, gleich andern ist auch dies;
   Nichts ist erlebt, nichts klar, nichts einfach, nichts praecis.
   Wir wollen heut Detail und keine leeren Phrasen,
   Die Alten ..., lieber Freund, da geht der Esel grasen.

   .... Die Htte steht am Strand, mit Binsen leicht gedeckt,
   Aus Weiden ist die Wand. Dort liegen ausgestreckt
   Zwei Fischer auf dem Bett von Grsern drr und trocken.
   Daneben Fanggert. Die Kder, welche locken,
   Die Angeln mit der Schnur, die Haken, etwas Tang,
   Die Netze, Krbe auch zu bergen ihren Fang.
   Geflochtne Reusen. Dann im Hintergrund, am Ende,
   Zwei Ruder mit den Spuren harter Schwielenhnde,
   Ein wackeliges Boot auf Rollen und auf Sttzen,
   Armselige Lumpen und zwei alte Fischermtzen.
   Als Decken noch ein paar ganz abgenutzte Matten,
   Dies alles, wie sie's grade hingeworfen hatten,
   Ihr ganzes Hab und Gut, ein Durcheinander bunt.
   Nichts weiter, keine Tr, ja nicht einmal ein Hund.
   Wozu denn auch? es wrde kaum der Mhe lohnen,
   Da beide ganz allein in dieser de wohnen.
   Die Htte liegt verlassen in der Einsamkeit,
   Denn ihre Armut schtzt sie vor der Menschen Neid.

   Jetzt, Freundchen, darfst Du die Kritik zum besten geben!
   Ist dieses Bild praecis, natrlich, hat es Leben,
   Zeigt es Dir das Detail ganz einfach, ohne Schwall?
   Sprich Dich nur offen aus, was sagst Du zu dem Fall?

   Die Studie findest Du, ich will den Zweifel stillen,
   Als einundzwanzigste in Theokrits Idyllen.




                             Auf Wache[5]


   Mein Junge, Du bist an der Reih,
   Du hast die Wache bis um drei,
   Wie willst Du Dir die Zeit vertreiben?
   Lang wird die Nacht Dir am Kompa,
   Willst schlafen Du? ein schlechter Spa!
   Und trumen? Junge, das la bleiben!

   Horch lieber, wie die Woge braust,
   Und horche, wie der Sturmwind saust,
   Horch auf der Winde tollen Reigen;
   Vielleicht gelingt Dir ein Gedicht,
   Das wie ihr Laut zum Herzen spricht,
   Das Herzen peinigt, wie ihr Schweigen.

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[Funote 5: Der Dichter war in seiner Jugend Schiffsjunge.]




                              Die Kste


   Eine Festung, dies Gestade!
   Lang gestreckt und wei und grade
   Liegt es da, ein fester Wall,
   Und die Wogen, die Schwadronen,
   Brechen sich in tiefem Fall
   Jhlings an den Mauerkronen,

   Wlzen sich umsonst heran,
   Strmen stets von neuem an,
   Um die Brstung zu erreichen.
   Vorwrts jetzt mit frischer Kraft,
   Die Besatzung kommt ins Weichen,
   Vorwrts jetzt, die Bresche klafft!

   Drauf und dran, ihr wilden Koppeln,
   Mt die Krfte jetzt verdoppeln,
   Horch, wie toll die Trommel schlgt!
   Hrt ihr nicht den Sturmwind pfeifen?
   Schnell die Bschung blank gefegt,
   Wagt nur mutig anzugreifen.

   Stcke Erde, gro und klein,
   Strzen ab und Felsgestein,
   So, jetzt wanken schon die Zinnen!
   Trmmer liegen berall,
   Hufen drauen sich und drinnen,
   Abgebrckelt ist der Wall.

   Dringt durch die gesprengte Mauer!
   Wtend flutet kalter Schauer,
   Immer grer wird die Not.
   Heulend nahen neue Gste,
   Reiche Ernte hlt der Tod
   In der fast erlegenen Veste.

   Leichen hufen sich zum Turm,
   Dmmen jetzt den wilden Sturm,
   Decken rings die feuchte Erde.
   Von Verstmmelten ein Hauf
   Packt die abgehetzten Pferde,
   Hemmt der mden Rosse Lauf.

   Eine Festung, dies Gestade,
   Lang gestreckt und wei und grade!
   Ohne Zagen wirft und baut
   Diese Festung ohne Gleichen,
   Da es allen Feinden graut,
   Barrikaden auf von Leichen.




                            Trockne Kiesel


   Ach, ihr enttuscht mich, meine Lieder,
   Ihr gebt die Farbenpracht nicht wieder!
   Sind auch die Worte noch so reich,
   Sie scheinen unecht und erlogen,
   Vergleiche ich sie mit den Wogen,
   Wie sind doch meine Farben bleich!

   Was aus dem Herzen mir geflossen,
   Das hab ich treu hinein gegossen
   In eines Mannes redlich Werk.
   Wie frhlich regte ich die Hnde!
   Jetzt da die Arbeit ging zu Ende
   Erscheine ich mir wie ein Zwerg.

   Du kannst nur leere Reime schmieden,
   Dir ist ja doch kein Sieg beschieden,
   Das freie Meer bezwingst Du nie.
   Der Vers, den mhsam Du erdachtest,
   Den zu Papier mit Flei Du brachtest,
   Hat eine andere Melodie.

   Sobald die Flut zurckgetreten,
   Dann leuchtet, wie aus Blumenbeeten,
   In aller Farben frohem Schein,
   In weiem, rotem, grnem Schimmer,
   In tausendfltig buntem Flimmer
   Aus nassem Sand der Kieselstein.

   Umrahmt von feuchter Tropfen Kranze
   Erstrahlt der Stein im hellsten Glanze,
   Er funkelt, wie in Gold gefat.
   Die Sonne und die Winde kommen,
   Schnell ist die Glut verlscht, verglommen,
   Schnell ist der Diamant verblat.

   So leuchten mir auch die Gedanken,
   Wenn meine Trume sie umranken,
   Wie Kiesel auf dem feuchten Strand;
   Doch ach, die Trume, sie verfliegen,
   Seh auf dem Tisch Papier ich liegen,
   Das nchtern allen Glanz verbannt.

   Was prchtig eben noch gefunkelt,
   Das ist verblichen und verdunkelt,
   Die bunten Farben halten nicht;
   Die Phantasien, die mich locken,
   Entschwinden, grau erscheint und trocken
   Der Kieselstein und mein Gedicht.




                         Jean-Arthur Rimbaud


                              1854-1891




                          Mein Zigeunerleben


   Ich bummelte, die Hnde in den leeren Taschen,
   Mein schner berzieher war lngst in Verfall,
   Der Himmel schien so hoch. O Muse, Dein Vasall
   Versuchte trumend Liebesgtter zu erhaschen.

   In meiner einzigen Hose war ein groes Loch.
   Ich Dumling, der die Reime aus den Hlsen schlte
   Und keck den groen Bren zum Quartier erwhlte,
   Vernahm das se Rauschen meiner Sterne noch,

   Als ich am Straenrand mich lauschend niedersetzte;
   Des Herbstes Abendtau, der meine Stirn benetzte,
   Hat mich wie starker Wein begeistert und erquickt.

   Zur Leier griff ich. Whrend rings die Schatten flogen,
   Hab ich den Gummi aus dem kranken Schuh gezogen
   Und flott drauf los gereimt, den Fu ans Herz gedrckt.




                             Lebenstiefe


   Wenn in des Abends Blau das hrenmeer sich wiegt,
   Streift mich der Halm, der mir sich neigt auf schmalen Pfaden,
   Die Khle fhl ich trumend, die den Fu umschmiegt,
   Und frei darf das entblte Haupt im Winde baden.

   Das Denken schlummert ein, dem Mund entflieht kein Wort,
   Empor steigt grenzenlos die Liebe, still, allmhlich;
   Wie ein Zigeuner wandere fort ich, immer fort,
   Allein mit der Natur ..., mit diesem Weibe selig.




                              Faunskopf


   Im Laub, dem grnen, goldgefleckten Schrein,
   In schwanken sten, die ihn zitternd hten,
   Schlief seines Mundes Ku, der bittere, ein;
   Jetzt hebt er wieder aus gewirkten Blten

   Den geilen Blick, der liebestolle Faun,
   Die groen Blumen schlingt sein offner Rachen,
   Dem Blut des alten Weines gleicht ihr Braun,
   Durch das Gebsch hallt sein verrcktes Lachen.

   Schon ist er weiter wie ein Eichhorn flink,
   Nur das Gelchter hngt noch in den Zweigen;
   Den goldnen Ku verscheucht ein frecher Fink,
   Stumm ist der Wald und berall ruht Schweigen.




                              Aufregung


   Im hellen Kellerfenster ducken
   Fnf Kinderchen sich still und gucken
      In kalter Nacht
   Mit langem Hals und offnem Munde,
   Wie man das Brot, das schne, runde,
      Da unten macht.

   Sie sehn den grauen Teig, es wenden
   Gesellen ihn mit flinken Hnden,
      Hoch aufgestreift,
   Sie hren, wie vergngt und lecker
   Das Brot backt, wie der dicke Bcker
      Ein Liedchen pfeift.

   Des Feuers milde Flammen locken
   Wie einer Mutter Scho; sie hocken
      Ganz still, kein Glied
   Bewegt sich, bis mit nacktem Arme
   Der Bursch das Brot heraus, das warme,
      Um ein Uhr zieht.

   Wenn dann zur Mitternacht, zur stillen,
   Der Brotgeruch, der Sang der Grillen
      Steigt mit dem Rauch,
   Dann spren die zerlumpten Kleinen
   Dort oben auf den kalten Steinen
      Des Lebens Hauch.

   Dann merken diese Kinderseelen
   Nicht mehr, wie Frost und Klte qulen,
      Und leise flieht
   Aus Mulchen, die heut kaum gegessen,
   Die sie ans kalte Gitter pressen
      Ein altes Lied.

   Dort unten lacht zu ihren Fen
   Der Himmel, den sie frierend gren,
      Es schmeckt und schmatzt
   Das kleine Volk, und alle bcken
   Sich so weit vor, da auf dem Rcken
      Das Hschen platzt.




                         Der Schlfer im Tal


   Ein grner Winkel, wo im engen Bette munter
   Das Bchlein singt und Silberfetzen aufgerumt
   An Grser hngt, wo von dem stolzen Berg herunter
   Die Sonne glnzt, ein Tal, das hell im Lichte schumt.

   Ein junger Krieger schlft barhaupt mit offnem Munde,
   Der Nacken badet tief im frischen blauen Kraut,
   Der bleiche Jngling dehnt sich auf dem weichen Grunde,
   Das grne Lager ist vom Sonnenlicht betaut.

   In Lilien ist der Fu gebettet, um die Wangen
   Spielt eines kranken Kindes Lcheln, das umfangen
   Vom Traume ruht. Natur, umhll ihn warm und gut,

   Denn ihm ist kalt. Die Brust trinkt nicht der Blumen Dfte,
   Er schlft im Sonnenbrand, die Hand auf seiner Hfte,
   Darunter sickert aus dem Herzen rotes Blut.




                             Der Schrank


   Ein reich geschnitzter groer Schrank in dunkel Eichen,
   Uralt, gleich alten Menschen blickt er gut und fein,
   Die Tr steht auf, die Dfte, die daraus entweichen,
   Umschmeicheln lockend Herz und Sinn wie alter Wein.

   Ganz vollgestopft ist er mit tausend Kinkerlitzen,
   Verblichner Wsche, Wohlgerchen, Weibertand,
   Verkramtem Kinderzeug, mit lngst verschlissnen Spitzen,
   Mit Tchern von der Gromama und buntem Band.

   Dort finden sich vergessne Medaillons und Locken,
   Wei oder blond, Portrts, auch Blumen, welk und trocken,
   Ihr Staubgeruch und Obst in stiller Harmonie.

   Von ihren Vtern knntest knden Du den Shnen,
   Du alter Schrank, Geschichten wtest Du ...! sowie
   Sich Deine Tren langsam ffnen, mut Du sthnen.




                              Jules Jouy


                              1855-1897




                        Lied der Bergarbeiter


      Woher kommt Ihr, sagt mir's doch!
      In der Erde schwarzem Schlunde
      Hausen wir, im finstern Loch,
      Auf verderbenschwangerm Grunde.
      Da unten strahlt die Sonne nicht,
   Im Schatten, bei der Grubenlampe Licht
   Entflieht in trbem Einerlei die Stunde.
   Das Leben jagt, des Schicksals Kugel rollt,
         Wenn es uns auch grollt,
         Ist's dem Reichen hold,
   Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.

      Warum flieht Ihr, sagt mir's doch!
      Sind dem Tode grad entsprungen,
      Unten erntet er im Loch
      Und vergiftet uns die Lungen,
      Wie schwarze Vgel durch die Nacht
   Rauscht das Verderben durch den dunkeln Schacht,
   Es rafft dahin die Alten und die Jungen,
   Wir fahren tglich ein um kargen Sold.
         Wenn das Schicksal grollt,
         Ist's dem Reichen hold,
   Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.

      Was verdient Ihr, sagt mir's doch,
      Wenn Ihr emsig schafft da drinne?
      Unsere Arbeit dort im Loch
      Bringt uns Elend zum Gewinne.
      Vom Morgen bis der Tag erblat
   Sitzt an dem Tisch der Hunger uns als Gast,
   Die Kinder gehn in Lumpen, Herz und Sinne
   Verdorren, unser Schicksal hat's gewollt!
         Wenn es uns auch grollt,
         Ist's dem Reichen hold,
   Die schwarze Kohle wird zu rotem Gold.




                           Der bleiche Mann


   Du bleicher Mann, kennst Du der Sonne Strahl?
   Wie alle Welt hab ich gehofft einmal,
   Er wrde leuchten mir in frohen Stunden,
   Ein Los vergolden auch fr mich vielleicht ...
   Des Elends Dmmerlicht hab ich gefunden,
   Das hat mein rotes Blut schon lngst gebleicht.

   Du bleicher Mann, ist Hunger Dir bekannt?
   Wie alle Welt hofft ich am Straenrand
   Das Brot zu finden zum bescheidnen Mahle,
   An Wein zu denken hab ich auch gewagt ...
   Geleert hab ich des Elends bittere Schale,
   Die Satten haben frech mein Brot zernagt.

   Du bleicher Mann, kennst Du der Liebe Macht?
   Wie alle Welt hab ich einmal gedacht,
   Auch meiner wrde sie sich noch erbarmen,
   Mir wrde auch ein Stckchen Glck beschert ...
   Das Elend prete mich mit starken Armen.
   Es hat mein Hirn, es hat mein Herz geleert.




                           Emile Verhaeren


                              geb. 1855




                           Vlmische Kunst


                                  I.

   Kunst Flanderns, Du hast sie gekannt,
   Die Dirnen waren Dein Entzcken!
   Den Busen hat, den breiten Rcken
   Verewigt Deiner Meister Hand.

   Ob Gttinnen der Pinsel malte,
   Ob Nymphen, die aus klarer Flut
   Emporgetaucht zur Sonnenglut,
   Zum Lichte, das sie frei umstrahlte,

   Ob ppige Formen er verlieh
   Der Jahreszeiten frohem Reigen,
   Wen immer uns die Bilder zeigen,
   Die Dirnen sind es, immer sie!

   Du schufst sie uns, die drallen Schnen,
   Ganz Sinnenlust, ein Feuer bricht
   Durch ihre Haut hervor, ein Licht
   Von ungekannten Farbentnen.

   Sie strahlen hell, das Auge glht
   Wie Sternenglanz, und ohne Hlle
   Schwillt ihres runden Busens Flle,
   Ein Strau, der auf der Leinwand blht.

   Um sie herum in frechen Schwrmen
   Des Waldes Gtter, liebestoll;
   Sie wlzen sich, des Wahnsinns voll,
   Im Dickicht, wo die Vgel lrmen.

   Sich selbst verspottend bohren dreist
   Den heien Blick sie durch das Dunkel,
   In seinem lsternen Gefunkel
   Erglnzt ihr Lcheln fett und feist.

   So wittern in der Brunst die Hunde!
   Die Schnen sperren sich, doch bald
   Zwingt sie der eignen Lust Gewalt,
   Es ist nur Trotz der ersten Stunde,

   Der Trotz, der keinen Sieg gewinnt!
   Sie bumen sich, die Hften schwellen,
   Der Nacken, ber den in Wellen
   Des Haares breiter Goldstrom rinnt,

   Verlockt den Feind, den Sturm zu wagen,
   Verheit den Sieg in kurzer Frist,
   Obschon die Weibchen voller List
   Den ersten Ku zum Schein versagen.


                                 II.

   Ihr hochgepriesenen Meister gabt
   Ein reiches Leben jenen Leibern,
   Den saft- und kraftgeschwellten Weibern,
   Die Ihr geliebt, bewundert habt.

   Chlorosen mochtet Ihr nicht schildern,
   Nie haben Fratzen fahl und bleich
   Wie Mondesschein im tiefen Teich
   Herumgespukt auf Euren Bildern,

   Mit Stirnen, dster wie die Nacht,
   Wie Klagelieder md und traurig,
   Mit Augen, daraus flackernd, schaurig
   Das Siechtum, die Verzweiflung lacht,

   Die Grazien, mit erlognen, ekeln,
   Geflschten Reizen, die geziert,
   Im Morgenkleide, parfmiert
   Und schlaff sich auf dem Sofa rkeln.

   Nie habt Ihr mit der Lust gespielt!
   Ihr, die Ihr keine Freude scheutet,
   Habt nie das Laster angedeutet,
   Das frech und lstern blinzelnd schielt.

   Ihr zeigtet nie im Schmutz der Gasse
   Frau Venus, die spazieren geht,
   Nie habt durchs Fenster Ihr gespht,
   Ob nacktes Fleisch sich sehen lasse.

   Wie Ohnmacht sich hysterisch spreizt,
   Der Schferin verbuhlte Knste,
   Des Schlafgemaches schwere Dnste,
   Sie haben niemals Euch gereizt.

   Nein! Eure Frauen, die im festen,
   Im groen Schritt, im leichten Tanz
   Sich frei bewegten, die im Glanz
   Gethront, in schimmernden Palsten,

   Sie waren anders anzuschauen,
   Sie fhrten, von Gesundheit strotzend,
   Mit kniglicher Miene, trotzend,
   Am Narrenseil den geilen Faun.




                              Artevelde


   Der Riese Tod zieht die Register, greift die Tasten,
   Aus seiner Orgel Tiefen quillt der Ruhm hervor,
   Der Name des Ruwaert von Flandern steigt empor,
   Er wchst noch, wieviel Jahre auch vorber hasten.

   Gold nur prgt hochgesinnt das Volk. Aus Feuerbrnden,
   Gemetzel, Brgerkrieg, Verzweiflung, Leidenschaft
   Hat's die Legende seines Helden aufgerafft,
   Es feiert ihn von neuem stets und will nicht enden.

   Von Strahlen warf er ein Geflecht mit dichter Masche
   Um Flandern. Wie den Blitz der Belfried zog die Faust
   Den Schrecken an. Und wo hernieder sie gesaust,
   Verbrannte ihre Glut die Kerker rings zu Asche.

   Die Knige beugten sich, vor seinem Anblick grausend,
   An seine Fersen heftete sich dicht der Schwarm
   Des Volkes, jauchzend gab es Herz ihm hin und Arm,
   Doch er war strker noch als alle, stark wie tausend.

   Und seine Seele sah sich durch die Zukunft schreiten,
   Was jemals sie gedacht, ward Leuchte und ward Brand,
   Die erste Fackel! eine fieberheie Hand
   Trug ihre Glut voran im Nebel ferner Zeiten.

   Er fhlte Zaubermacht in sich. Sein Wollen bumte
   Sich auf, die Schranke brach. Nichts blieb ihm unerfllt,
   Bis einst des Todes finstere Nacht das Haupt umhllt,
   Wo Zorn und Wetter schweigend bei einander trumte.

   Und bei der Nacht verschwand er wie ein blutiger Knig,
   Im Brand der Stadt, im wilden Aufruhr, bei der Nacht.




                              Die Bauern


   Wie Greuze Bauern einst geschildert, sind sie nicht,
   In zarten Farben hingehaucht beim Tanz im Freien,
   Schmuck angezogen und mit rosigem Gesicht,
   Ein heiteres Motiv, gleich andern Spielereien,
   Fr Rokoko-Salons, sehr zierlich in Pastell.
   Grob sind sie, viehisch, plump. Die Zeichnung ist reell.

   In ihrem Dorfe sind sie eingepfercht. Die Leute
   Im Flecken nebenan, die sind fr sie schon fremd,
   Eindringlinge, des Hasses wert, willkommene Beute,
   Die man betrgen darf und plndern bis aufs Hemd.

   Das Vaterland ...! o weh, soll das sie gar begeistern,
   Das ihre Shne nimmt und zu Soldaten macht?
   Das gilt die Erde ihnen nicht, die sie bemeistern,
   Die ihre Saaten bis zur Reife treu bewacht.

   Das Vaterland ist ihnen garnichts oder wenig;
   In einem Eckchen ihres dumpfen Hirnes wohnt
   Der Knig hchstens, eine Art von Mrchenknig,
   Der mit der Krone auf dem Haupt im Purpur thront.

   Ein bunter Flitterkram, ein Schlo, wo Fahnen wehen,
   Mit Wappenschildern, funkelnd in dem Glanz des Lichts,
   Wo die Soldaten mit Gewehren Posten stehen,
   Das wissen sie vom Staat, vom Vaterland. Sonst nichts.

   Im brigen beschwert sie keiner Weisheit Brde,
   Denn Bcher, bis auf den Kalender, sind vervehmt.
   Der Holzschuh knnte Freiheit, Recht und Menschenwrde
   Zertreten ohne Wahl. Instinkt ist's, was sie lhmt.

   Wenn in der Stadt des Aufruhrs rote Blitze zucken,
   Wenn ferner Donner grollt, sie bleiben unbewegt,
   Gewohnt, in dieses Lebens Schlachten sich zu ducken,
   Weil den, der aufrecht steht, das Wetter niederschlgt.




                                 Kato


   Den weiten Faltenrock bis hoch ans Knie gerafft
   Hat sie das rote Maul gewaschen ihren Khen,
   Die Streu zurecht gemacht, den Dung hinaus geschafft,
   Die Luken aufgesperrt beim ersten Morgenglhen.

   Jetzt darf die Kato, die grobknochige, dicke Magd,
   Sich auf den alten wackeligen Schemel setzen;
   Die Schatten drcken schwer, die Stalllaterne blakt,
   Den Nacken deckt ihr ein zerschlissenes Tuch, ein Fetzen.

   Im Holzschuh stecken ihre Fe nackt und blo,
   Ein grober, harter Lederschurz bedeckt die Lenden,
   Die Beine breit gespreizt hlt sie auf ihrem Scho
   Den Eimer, und den Euter streicht mit beiden Hnden

   Sie auf und nieder flink, ein Strahl spritzt blendend wei
   Ins zinnerne Gef, und Blase perlt an Blase,
   Wie von Ranunkeln steigt der Duft berauschend hei
   Empor, behaglich schlrft ihn Katos breite Nase.

   Beim ersten Dmmerschein und wenn der Tag verglimmt,
   Wenn er im Mittag steht, sitzt Kato bei den Khen,
   Das ist ihr Amt, sie melkt. Ihr leerer Blick verschwimmt,
   Sie trumt von ihrem Schatz, die roten Wangen glhen.

   Der Mllerbursche ist's, ein Junge, der's versteht,
   Ein derber, groer Kerl, so einer von den dreisten,
   Er pat ihr immer auf, wenn sie zur Mhle geht,
   Und schmatzt sie grndlich ab, sie wei, er kann was leisten.

   Doch ihre Khe halten sie zurck im Stall,
   Zehn, zwanzig, dreiig, die im Fette alle glnzen,
   Sie recken ihre breiten Kruppen, straff und prall,
   Die glatten Flanken peitschen sie mit langen Schwnzen.

   Sind sie gepflegt? nichts leuchtet heller, als ihr Fell!
   Und stark? an denen geht das Futter nicht verloren!
   Das Wasser peitscht im Trog ihr Hauch, wie Sturm den Quell,
   Mit ihren Hrnern knnen sie ein Brett durchbohren.

   Und jeder Bissen wird zermalmt, das Maul verschlingt
   Den Klee, die Esparsette, Rben, Kleie, Mhren,
   Der Hals ist langgestreckt, ein lautes Schnaufen dringt
   Zufrieden aus der Brust, behaglich anzuhren.

   Wenn Kato mit den Schwielenhnden Rben schabt,
   Dann stoen sie den Korb, wie um die Magd zu necken;
   Das trockne Heu, das auf dem Boden lagert, labt
   Sie schon, wenn durch das Loch dort oben sie's entdecken.

   Aus Fachwerk ist der Stall. Gar seltsam drollig reckt
   Auf seinem hohen Stuhl das alte Dach die Glieder,
   Schwer sitzt es da, mit Stroh und Binsen eingedeckt,
   Tief hangen die zerzausten Flgel seitwrts nieder.

   Die Sonne fllt von oben durch das Bodenloch,
   Sie wrmt das Vieh im Stand mit ihren Feuerduschen,
   Die letzten Strahlen hauchen auf die Riste noch
   Den leisen Rosaton, wenn sie vorber huschen.

   Doch drin im Stalle steigt ein Nebel feucht und warm
   Vom Dung und von der Streu empor und von den Raufen,
   Es qualmt der Mist, im heien Dampfe summt ein Schwarm
   Von groen Fliegen um den hochgetrmten Haufen.

   Das ist das Reich, wo die vierschrtige Kato haust,
   Fern von des Bauern Zorn und von des Pfarrers Predigt,
   Wo auf dem Heu der Mllerbursch sie zwackt und zaust,
   Wo er sie herzt, nachdem das Tagewerk erledigt.

   Verschlafen trumt der Stall, geschlossen ist das Tor,
   Der Nacht, die schweigend sie umgibt, gebhrt Vertrauen;
   Kein Laut schlgt jetzt an des verliebten Prchens Ohr,
   Als einer wachen Kuh Geschmatz beim Wiederkauen.




                           Des Mnches Tod


   Des alten Mnches Stndlein schlgt. O Herr, erbarm
   Dich seiner Seele, nimm sie gndig in den Arm,

   Wenn Mhsal endlich ihn erkennen lt und ahnen,
   Da er nicht lnger sich den steilen Pfad kann bahnen;

   Wenn starr und glsern schon sein mattes Auge blickt,
   Ein letztes Lebewohl dem Sternenhimmel schickt;

   Wenn seine bleichen Lippen, die im Fieber brennen,
   Noch einmal Deinen heiligen Namen leise nennen;

   Wenn kalter Schauer Not das schwache Fleisch ergreift
   Im Augenblicke, da der Todeshauch es streift;

   Wenn schwere Finsternis schon auf dem Geiste lastet
   Und zitternd noch einmal die Hand zum Kreuze tastet;

   Wenn man ihm, da des letzten Kampfes Schrecken drut,
   Die Arme kreuzt und Asche auf die Stirne streut;

   Wenn sie zum Abschied Deinen Leib dem Mden reichen
   Als Zehrung fr den Weg und der Erlsung Zeichen;

   Wenn bitterer Todesschwei, der aus den Poren bricht,
   Das blasse Antlitz wscht beim Kerzenflackerlicht;

   Wenn sich die Brder betend zu der Leiche bcken,
   Fr alle Ewigkeit die Augen zuzudrcken;

   Wenn dieser abgezehrte Leib, im Tod erstarrt,
   Den Keim des Wurmes trgt, der seines Mahles harrt;

   Wenn er, bevor die Sonne noch zur Rste schreitet,
   Zur Ruhe bei den andern drauen wird geleitet;

   Wenn gleich darauf sein Grab Vergessenheit verschliet,
   Ein Schlo auf einem Buch, das keiner kennt noch liest;

   O Herr, empfange Deinen Diener dann in Gnaden,
   La seine Seele sich in Deinem Lichte baden.




                             Betrachtung


   Beglckt, o Herr, wer ruhig in Dir wohnt und still!
   Des Tages Qual wird niemals ihm den Frieden rauben,
   Der Tod erschreckt ihn nicht, nie frit an seinem Glauben
   Der finstere Wahn der Zeit, die Dich nicht kennen will.

   Der Ruhm ist eitel, Menschenwerk zhlt nur nach Tagen,
   Was ward aus jenen Spttern, die sich frech geblht?
   Ihr alle, die Ihr an der Gruft vorber geht,
   Fragt nur die Wrmer, die an ihrem Fleische nagen.

   Die Tage folgen sich in ruheloser Hast,
   Kurz whrt die Freude nur, ob Ihr auch klagt und jammert;
   Dieweil Ihr Euch an Euer Glck, das hohle, klammert,
   Fhlt Eure Hand den Moder nicht, den sie umfat.

   Kein Wissen, das den Zweifel nicht im Innern trge
   Gleich einer Frucht, erstorben schon im Mutterscho!
   Zieht Eures Weges nur und dnkt Euch frei und gro,
   An dieser Schranke enden Eures Geistes Flge.

   Das Fleisch vergeht, ach, seine Stunde naht gar schnell,
   Von Anbeginn setzt sich der Fluch auf seine Fhrte,
   Zerrissen ward noch jede Brust, die Hochmut nhrte -- --
   Denkt an die Hunde jener stolzen Jezebel!




                              Die Bume


   Des Abends, wenn im Herbst die Sonne rosig zart
   Im Untergehen frbt das bleichende Gelnde,
   Sieht man vom Kreuzweg aus in Fernen ohne Ende
   Die Bume alle wandern auf der Pilgerfahrt.

   Die Pilger brechen auf, in stiller Trauer wallen
   Sie durch den Abend fromm, gedankentief einher.
   Die Riesenpilger ziehn die Strae, langsam, schwer,
   Verdstert lassen sie des Laubes Trne fallen.

   Die Pilger schreiten fort im langen Doppelglied,
   Seit wieviel Jahren schon? kein Ruhen und kein Rasten
   Verzgert ihren Gang nach dem schon lngst verblaten,
   Verwelkten Ruhm, der sie zum Horizonte zieht.

   Die Pilger gehn des Wegs, im Dmmerlicht verlngert
   Der Mantel sich, er schleppt von goldnem Glanz getrnkt,
   Den ihm die Sonne in die dunkeln Falten hngt,
   Die Strae ist von Staub und Weihrauchdunst geschwngert.

   Die Pilger steigen an, wo es zur Hhe geht,
   Stumm blicken auf den Zug entlang der ganzen Strecke
   Verzckte Drfer, glut- und inbrunstvolle Flecke,
   Sie fallen auf die Knie und harren im Gebet.




                              Die Trnke


   In einer tiefen Falte der gewellten Erde
   Dehnt stille trumend sich des Teichs Melancholie,
   Als Schwemme dient der Ort dem bunt gefleckten Vieh,
   Im Wasser bis zum halben Leibe steht die Herde.

   Da sind sie, wo der Weg zur Trnke niedersteigt,
   Die Khe schreiten schwer, die muntern Rosse laufen,
   Die Ochsen schwarz und rot, die stets in dichten Haufen
   Den Hals zur Sonne blkend strecken, die sich neigt.

   Nun sinkt das All ins Nichts, mit jedem Tage sterben
   Den lngst gewohnten Tod die Dinge, es entfrben
   Sich Licht und junger Trieb und Glanz und Bltenduft;

   Ein Leichentuch legt auf die Saat sich feuchte Luft,
   Endlos versinkt der Weg in Wolken grauen Dampfes,
   Die Rinder rcheln wie im Schmerz des Todeskampfes.




                              Der Schrei


   Still liegt der Weiher, braune Wasser trumen trge,
   Im schwanken Schilfe hngt der Abendsonne Strahl,
   Ein schriller Vogelschrei hallt durch das mde Tal,
   Er kndet traurig eines Herzens letzte Schlge.

   Wie schwach und schchtern er aus tiefer Ferne taucht,
   Wie er verzweiflungsvoll und jammernd nher schreitet,
   Wie er sich dehnt, wie er im Flug sich streckt und weitet,
   Wie er am Horizont verschwindet und verhaucht!

   Sein Rcheln mit die Zeit im Gleichma der Sekunden,
   Ein kleiner, dnner Ton, der klagend weiter schwingt;
   Der matte Widerhall, der durch die Lfte hinkt,
   Erzhlt verzagt vom Schmerze trber Dmmerstunden.

   Kein Netz fngt diesen Schall, der trg vorber zieht,
   Dies unermdliche, gedehnte Abschiedsluten!
   Wer ihn auch immer hrt, wei diesen Klang zu deuten,
   Der einer Seele gilt, die aus dem Leben schied.

   Ist es die Rose, sind es bunte Schmetterlinge,
   Ist's weier Bltenduft, ein Kfer, ein Insekt,
   Ein ferner Flug, der khn zur Sonne sich gereckt,
   Und jetzt im Moose ausruht mit gebrochner Schwinge?




                              Die Nacht


   Die weite Ebene schlft, der mde Tag ergraut,
   Der Schatten wlzt den Stein, er schlgt ihn und er hmmert,
   Die Mauer wchst empor, und durch den Abend dmmert
   Ein Escurial, aus schwarzem Silber aufgebaut.

   Tief wlbt aus Ebenholz und Gold sich dieser Himmel,
   Die Pinie reckt sich hoch von Zaubermacht belebt,
   Dem schlanken Pfeiler gleich, der nach der Kuppel strebt,
   Die Sterne flammen auf, von Augen ein Gewimmel.

   Wie Leichentcher, die die Fackel grell erhellt,
   Erglnzen stille Seen, vom Mondschein bergossen,
   Die cker, durch das Licht umrissen und umschlossen,
   Sind ein gewaltiges, vertrumtes Grberfeld.

   Jetzt baut das Schlo, darinnen Furcht und Schrecken lauert,
   Geheimnisvoll die Nacht mit rtselhafter Hast,
   Fr einen unbekannten Kaiser den Palast,
   Der irgendwo in tiefen Finsternissen trauert.




                             Die Straen


   An Flmmchen, die durch endlos lange Gassen irren,
   Entznden die Laternen sich beim Straenbord,
   Jetzt die und dann die nchste, und so immerfort
   Den Schatten nach, die leise durch den Abend schwirren.

   Gradaus streckt sich die Strae, traurig eingefat
   Von Husern, die in dem Einerlei sich gleichen,
   Um drauen tief im Sand ihr Ende zu erreichen,
   Ein abgebrochner Stumpf. Dahinter ein Morast.

   Die dicken Nebel drcken nieder, sie bentzen
   Des Daches First, dort hakt das Leichentuch sich ein,
   Durch dunkle Wolken bricht des Mondes bleicher Schein,
   Er spiegelt zitternd sich in fulnisschwangern Pftzen.

   Ein Karren schwankt hinaus, der Rosse Atem dampft,
   Der Wagen chzt und kreischt, selbzweit mit steifen Beinen
   Keucht mde das Gespann auf abgetretenen Steinen,
   Die seiner Hufe abgetretenes Eisen stampft.

   Im grauen Dunst erwacht das Firmenschild am Laden,
   Das jetzt ein heller Strahl der Gaslaterne trifft,
   Wie Trnen glnzt der Riesenlettern goldne Schrift,
   Die Scheiben bluten rot, die Herzen der Fassaden.

   An Flmmchen, die durch endlos lange Gassen irren,
   Entznden die Laternen sich beim Straenbord,
   Jetzt die und dann die nchste, und so immerfort
   Den Schatten nach, die leise durch den Abend schwirren.




                               Das Idol


   Von Efeu eng umspannt und schwer bedrckt von Pinien
   Hebt von des Horizontes fahlem Dmmerschein
   Der Berg sich, einem schwarzen Riesenbild von Stein
   Vergleichbar sind die groen, feierlichen Linien.

   Die Sonne, die sich neigt, umkrnzt mit Strahlenpracht
   Die Stirn, ein Feuer loht von Bronze und Karfunkel,
   Und dieses goldene Geschmeide, das im Dunkel
   Den reichen Glanz verschwendet, lockt aus tiefem Schacht

   Die Schatten grauser, rtselhafter Gttersage,
   Erinnerung versunkner Zeiten, die erstarrt
   Auf ungeheurer Genien Werden einst geharrt,
   Aus deren Blick onen ihrer Schpfungstage

   Ins Leere schaun. Der Berg beherrscht den Raum, die Last
   Ruht wuchtig auf dem Wald, bedrckt das Blachgefilde;
   Das Haupt hebt sich vom Platz, nach seinem Spiegelbilde
   Umzuckt vom Wetterstrahl zu sphen im Morast.

   Und wenn die Tler, wenn des Waldes Wipfel schwinden,
   Wenn mit dem Nebel dieses Abends Klagelied
   Nach oben trauernd steigt, erwacht der Traum und sieht
   Das Opfer sich im Qualm der roten Flamme winden.




                               Unkraut


   Der Aberwitz sprot wie das Kraut der tauben Nessel
   Aus unseres Herzens Grund, aus Seele und Gehirn,
   Kein Heiland mehr steht auf, kein Held mit freier Stirn
   Und wir verkommen in des Khlerglaubens Fessel.

   Zum Stumpfsinn fhrt mein Weg, zur Sonne, die das Feld
   Bleich wie der Mond am Tag bestrahlt, zu seinem tollen,
   Verrckten Widerhall, das Echo hr ich rollen
   Und auch den roten Hund, wie er da unten bellt.

   Vom Schnee umrahmt ein See in tiefer Abendrte,
   Ein Vogel, der vom Sturm gewiegt zu nisten wagt,
   Im Dunkel ghnen Hhlen, unbeweglich nagt
   Davor an einem Stckchen Grn die goldne Krte.

   Um nichts sperrt sich des Reihers Schnabel auf, es loht
   Ein Strahl, die Fliege sitzt erstarrt im warmen Kreise,
   Frohsinn, der lngst sich selbst verga, tickt md und leise ...
   Ich wei es wohl, das ist des Narren stiller Tod.




                                Gebet


   Du Mond von Frost in goldner Grotten tiefer Stille,
   Silberne Schwerter, Klingen ihr von Erz und Stahl,
   Du Mitternacht, die du geheimnisvoll im Tal
   Emporsteigst wie ein stummer, zielgewisser Wille,

   Es harrt mein Herz des Dolchs, den ihm dein Schweigen wetzte,
   Der letzten Hlle harrt, des Grabes harrt die Gier,
   O helle Mitternacht, der Fackel weih ich hier
   Des Lebens groen Traum, den Speer und Spie zerfetzte.

   Mein heies Auge spht in deine tiefen Schauer,
   Es ringt die leere Hand, die zitternd allerwrts
   Gesucht, getastet hat, nach deines Rates Erz,
   O Mitternacht, wie kalt fllst du auf meine Trauer!

   So manch erstorbner Blick, so manches Auge graute
   Vor deinem Angesicht, verzweiflungsvoll gespannt,
   Vom Sonnenuntergang gefesselt und gebannt
   Dort, wo der Winter seine Leichenkammer baute.

   Nichts wird von dem was meine Klage war beharren,
   Denn alles Menschenwerk, es ist umsonst getan;
   O stille Mitternacht, la meines Herzens Wahn,
   Das Leid, das Lied und auch die Angst zu Eis erstarren.




                             Das Schwert


   Einst hat mir einer, der ein blankes Schwert getragen,
   Voll Hohn ob meines drren Stolzes prophezeit:
   Nichts wirst Du sein! in Deiner Zukunft leeren Tagen
   Harrt Deiner Reue nur um die Vergangenheit.

   Der Ahnen reines Blut wird in Dir schal und trocken,
   Dein schwacher, trger Leib bricht unter jeder Last,
   Gekrmmt vom Fieber wirst Du an dem Fenster hocken,
   Dieweil vorber wogt des goldnen Lebens Hast.

   Verdorrte Nerven ziehen Deinem Willen Schranken,
   Die Ngel werden weich und schlaff an Deiner Faust,
   Zum Grabe wird die Stirn ohnmchtigen Gedanken,
   Sie schreckt Dich, wenn des Nachts Du in den Spiegel schaust.

   Flieh vor Dir, wenn Du kannst. Es wird Dir nicht gelingen,
   Dir selbst und allen Menschen Knecht bist Du nicht frei,
   Dein Rcken ist gebeugt, Dein Fu verstrickt in Schlingen,
   Lngst ward Dein Haupt entthront, lngst fllt die Adern Blei.

   Da drauen wogt der Kampf, dort wird die Schlacht gewonnen,
   Es hat Dein bleicher Mund das Banner nie gekt,
   Dein Herz ist welk, in alte Texte eingesponnen,
   Die blder Witz wie Tuch zerschneidet und vermit.

   Du bleibst allein. Zurck zur Jugend sphn die Sterne
   Des Auges, doch vergebens lockt sie der Magnet,
   Verzweifelnd lauschst und einsam Du, wenn in der Ferne
   Der Siege frohes Wetter donnernd niedergeht.




                              Ein Abend


   Auf Smpfe, die verfault in Ha und Wut,
   Tropft hoch vom Himmel der zerfetzten Sterne Blut.

   Der Himmel schwarz und schwarz der Wald,
   Verzagte Wolken, na und kalt,
   Die voll Verzweiflung weiter streichen,
   Von Nord nach Sd im Flug entweichen.

   Du Land der niedern Htten, fern am blauen Strand,
   Du meiner Augen fromm ersehntes Land,
   Wo sie besiegt und ohne Waffen
   Jetzt meinen Trumen Obdach schaffen.

   Du Land von Blei, verdammtes Brack,
   In Tmpeln ekler Nachgeschmack,
   Wo trbe, widerliche Pftzen
   Des Denkens Leichen dreist bespritzen.

   Du Land, wo sie Erinnerung mit Kot umhllen,
   Wo sie den Ha in Fsser fllen,
   Wo Aussatz das Gesicht enthutet,
   Wo frech der Tod zur Vesper lutet.

   Die heisern Glocken zieht der Tod,
   Der dort im Hafen finster droht,
   Im Nebel schwingt er seine Hippe
   Am Glockenturme, ein Gerippe.

   Du Land, von meinem Blut benetzt,
   Mein Herz ist wund, zerfleischt, zerfetzt,
   Verfault in Ha, verfault in Wut ....
   Auch dieser Stern verspritzt sein Blut.




                            Albert Giraud


                              geb. 1860




                         Catharina von Medici


   Bleich, mit gesenktem Haupt, zerbrochen und zerspaltet
   Von Siechtum, das des Arztes spottet, matt und schwach,
   Sa Karl der Neunte trumend in dem Prunkgemach,
   Die welken Hnde ber einem Buch gefaltet.

   Die Mutter trat herein, die greise Medici,
   Mit kaltem Habichtsblick, sie kt ihn auf die Wangen:
   Wacht auf, mein Sohn, wacht auf, der Mrder ist gefangen,
   Gelobt sei Gott, ich habe den Montgomery,

   Der Euren Vater, Knig Heinrich, hat erschlagen!
   Der mde Valois aber, ohne nur zu fragen,
   Bat: Gnne mir den Schlaf, la mich, o Mutter, la!

   Die Trnen zwang sie stolz, es zuckten nur die Lippen,
   Sie wandte schweigend sich zu den erlauchten Sippen,
   Sie dachte: Weh, er stirbt, er kennt nicht mehr den Ha!




                     An eine vierzigjhrige Frau


   In Deinen groen Augen trumen tief und hei
   Geheime Schmerzen, die das Leben Dir verraten;
   Lngst schrfte meine Lust mit nimmer sattem Spaten
   Nach letzter Wissenschaft, von der sie noch nichts wei.

   Der reifen Frchte Duft berauscht. Ein Zauberkreis
   Umschliet mit hartem Zwang mein Fleisch. Mir sind die Saaten
   Nicht ausgereift. Im Staub vergangener Tage waten
   Gedanken ..., und sie sehn ein unberhrtes Reis.

   Wie oft schon blickte ich mit neidischem Begehren
   Den Schiffen nach, die md zum Hafen wiederkehren,
   Des Abends glitten feierlich sie durch den Schaum.

   Auf ihren Masten schien ein hoher Stolz zu wohnen,
   Und ihrem Kiele folgte wie ein schwerer Traum
   Der heie Atem ferner, unbekannter Zonen.




                           Henri de Rgnier


                              geb. 1864




                        Unsichtbare Gegenwart


   Schnell flieht die Zeit, unsichtbar schreitet
   Sie neben uns im tiefen Sande,
   Du hrst, wie sie durch Nesseln gleitet,
   Behend, im fliegenden Gewande.

   Wir ahnen sie an jeder Stelle,
   Gehorchen ihr, was sie auch heische,
   Es zeigt uns ihren Hauch die Welle,
   Es mahnt an sie der Wurm im Fleische.

   Ein leises Knistern in den Wnden,
   Schon ist der harte Stein zersprungen,
   Ein leichter Druck von frechen Hnden,
   Schon ist die Fulnis eingedrungen.

   Wir brauchen nicht bei Wind und Wetter
   In alle Tiefen erst zu reisen,
   Wir brauchen keine Zifferbltter,
   Darum die schnellen Zeiger kreisen.

   Und keine Glocke braucht zu schlagen,
   Die unerbittlich uns verkndet
   An hellen und an dunkeln Tagen,
   Da ewig sie enteilt und schwindet.

   Sie wandelt stumm auf Deinem Pfade,
   Doch nie wird sie Dein Blick erreichen,
   Wenn neben Dir sie am Gestade
   Den Mondschein pflckt aus stillen Teichen.




                           Vor der Prgung


   Wo sich die Wege kreuzen im Walde, bei der Nacht,
   Im Sturm mit meinem Schatten, bei der Nacht,
   Der Asche meiner Jahre md und meiner Herde
   Hab dessen was das Schicksal bringen werde
   Ich nachgedacht.

   Das sind die Wege, die mir offen stehn
   Zum Tage. Wenn ich will, kann ich noch immer jetzt
   Weiter gehn
   Zum Land, zum fernen Meer, nach meinem Traume sphn
   Und Sonnen sehn,
   Bis dann des Todes weiche, geduldige Hand zuletzt
   Mein Auge schliet und still darauf seines Friedens Siegel setzt.

   Du Weg der Einsamkeit in hohen Eichenhainen,
   Den Mden peinigst Du mit spitzen Steinen,
   Wo er auch schreitet, wo er ruht,
   Benetzt versunkene Zeit den Pfad mit ihrem Blut.
   Der Schritt wird schwer,
   Im Sturme hre ich die stolzen Wipfel weinen
   Und kann nicht mehr.

   Du Weg der Birken, wo die trocknen Bltter wehen,
   Durch Bume fhrst Du, bleich wie deiner Pilger Schande,
   Die keuchend durch den zhen Schlamm, durch Pftzen
   Zusammen gehen
   Und schmerzgebeugt sich vor den Blicken des Gefhrten schtzen.
   Du Weg, der durch den Kot sich windet,
   Durch Laub, darin der Wind flsternd verschwindet;
   Im grauen Dmmerlicht staut sich an deinem Ende
   Aus Mondenschein und Frost der silberne Morast,
   Stumm reicht das Einerlei die Hnde
   Dem trben Gast.

   Du trauter Weg der Eschen gehst durch leichten Sand,
   Die Spur verweht der Wind, ach, er verwischt jeden Strebens
   Erinnerung, er huscht von Baum zu Baum mit dem Wanderer,
   Die Honigblte zeigt des Sandes goldne Farbe.
   Auf dem gewundenen Pfad sucht der Blick das Ziel vergebens.
   Die gute Stadt, sie ist dem Fremden wohl bekannt,
   Am Tore wre s die Schwelle meinem Schritte,
   Doch weilte er zu lang auf Bahnen anderen Lebens
   Wo weinend Hoffnung wacht in bleicher Schatten Mitte.

   Ich gehe nicht durch die Eichen,
   Euch Birken und Euch Eschen will ich ausweichen,
   Ich wandere nicht zur Stadt, zum Meer, zum Sonnenball,
   O Wege!
   Schon hre ich das Blut vergangner Zeiten rinnen,
   Lngst whnte ich sie tot, doch kehren stets sie wieder,
   Sie eilen mir voraus in Eurem Widerhall,
   O Wege!
   Du leichter Pfad, Du Pfad, wo Schmach, Du Pfad, wo Ehre schreitet,
   berall
   Hr ich den Wind, der stets mich irrgeleitet,
   Der sthnend durch die Eichen gleitet.

   O Seele, diese Nacht klagt um den Tag, der ging,
   O Seele, diese Nacht bangt um den Tag, der kommt,
   O Seele, diese Nacht, Dir selbst wird sie Verhngnis.




                           Wechselstrophen


   Ein kleiner Garten nur ist mein,
   Vier Mauern drum, der Efeu bindet
   Und sprengt den morschen, grauen Stein,
   Um den er sich im Klettern windet.

   Am Borde winziger Beete spriet
   Der Buchsbaum, regelrecht geschnitten,
   Die schmalen Wege sind bekiest,
   Sie kreuzen sich nach wenig Schritten.

   Die Bume strecken ihren Ast
   Nach Dir in tppischem Verlangen,
   Bald wird zum Scherz die Hand gefat,
   Bald kratzen sie Dir grob die Wangen.

   Kein klarer Wasserstrahl wagt khn
   Im Sprunge hoch empor zu steigen,
   In herber Schnheit, schwarz und grn,
   Ruht auf dem Garten ernstes Schweigen.

   Aus keinem stillen Teiche quillt
   Der blaue Himmel Dir entgegen,
   Und keines Vogels Spiegelbild
   Siehst Du die Schwingen dort bewegen.

   Nie ist beim frohen Honigraub
   Ein Schwarm von Bienen zu entdecken,
   Es leuchtet wie Metall das Laub,
   Die scharfe Speise will nicht schmecken.

   Der schwere Duft macht md und matt,
   Nur Buchsbaum, Myrten und Cypressen,
   Hier findest Du kein totes Blatt,
   Doch auch die Blten sind vergessen.

                   *       *       *       *       *

   Ich habe hinter meinem Haus
   Ein Winkelchen. Der Sand, der gelbe,
   Sieht heller bald, bald dunkler aus,
   Das Einerlei bleibt stets dasselbe.

   Ein einziger Baum steht dort, er kann
   Mich mit dem Schatten grade decken,
   Ich liebe es, mich dann und wann
   Behaglich drunter auszustrecken.

   Das grne Laubdach ist so leicht,
   So luftig das Geblk, die Streben,
   Wenn kaum der Wind darber streicht,
   Lt er die Bltter alle beben.

   Mir ducht, des kleinsten Vogels Lied
   Mu diesem Baume Freude wecken,
   Sobald ich grade stehe, sieht
   Das Auge ber dichte Hecken.

   Da drauen zittert heie Luft,
   Doch meines Herzens Unrast schwindet,
   Denn einer einzigen Rose Duft
   Verrt ihm, da es Liebe findet.




                 Ein Traum von Stunden und von Jahren


                           Vergessene Stunden sehe ich vorber wallen.
                                                Francis Viel-Griffin.

   Die Schatten schmckte ich mit kalten
   Und blassen Blten, mit den Falten
   Versumter Tage meine Wand.
   Erstorbnen Abenden war ihre Farbe gleich,
   Und meiner Trume Land
   Erschien in dem Gewebe, schattenhaft und bleich,
   Die goldne Blume zitterte in reiner Hand.

   Und die Erinnerung irrt durch das stumme Haus im Dmmerlicht
   Von Stund zu Stund, von Raum zu Raume,
   Sie weint, sie lacht im Traume,
   Sie ist's mit ihrem alt vertrauten Angesicht.
   Doch die Sandale
   Schwebt still dahin, sie strt ja nie den Schlaf.
   Ein goldner Strahl aus ihrer Silberlampe traf
   Hellblitzend die getreue Wchterin, die Hand, die fahle,
   Die schirmend ihr Gewicht
   Auf die vergessne Zeit legt, die im Aschenkleide,
   Geschlossnen Auges und mit funkelndem Geschmeide
   Auf reichgeschnitztem Sessel ruht im weiten Saale.

   Und dieser dstere Raum ist meiner Seele Zelt,
   Wo von der Decke auf die Flieen
   Die Falte an den Wnden fllt.
   Versumter Tag, erstorbner Abend mahnt mich dort,
   Die Fenster, ach, sie schauen alle gegen Nord,
   Am Horizont sind Himmel, Straen und das Meer.

   Ihr Trume, tragt mich doch noch einmal fort,
   Wie einst, zur Welt,
   Auf fernen Straen bis ans Meer,
   Ihr Trume, fhrt mich wieder fort,
   In Eurer Hand die goldne Blume wei den Ort.




                 Ein Traum von Morgenrot und Schatten


   Die Zeit ist ewig, nur die Stunden, sie verflieen!
   Gar lieblich rinnt der Strom zum Meere, hell und klar,
   Noch steht die Pforte auf, doch schnell wird sie sich schlieen,
   Schon heut kann Asche sein, was gestern Leben war.

   Der Herbst zeigt mir die Frucht in seiner Grten Schatten
   Im Augenblick, da sie des Daseins Hhe mit,
   Geschwellt im Saft erscheint sie mir, dem bersatten,
   Wie bald, und sie fllt ab ...! noch eine kleine Frist.

   Mein Leben, Klinge in der Scheide, ruhmlos trumend!
   Hei glht der goldne Griff in meiner zagen Hand,
   Die mit der Waffe spielt, die Stunde feig versumend ...
   Und doch -- --, vielleicht ist dieses Abends blutiger Brand

   Das Bild des Tages, den das Schicksal morgen sendet!
   Geweint hab ich, da gestern freundlich mir's gelacht,
   Weh mir, weh, wenn es weint, dem Strom abgewendet,
   Der meinen Tag hinabschwemmt in die ewige Nacht!




                             Der Raufbold


   Mit stolz erhobnem Blick, gebrunt, keck und verwegen,
   Das Seidenwamms geschlitzt, hlt breit gespreizt und fest
   Er vor dem Lager Wacht, dem Teufel und der Pest
   Tritt ohne lang zu fragen trotzig er entgegen.

   Mit Feuer und mit Schwert spricht er den Erntesegen,
   Vom Appenin zum Alpenrand, von Ost nach West
   Schweift plndernd er, um frech bis auf den letzten Rest
   Die Lombardei, die Marken Mailands auszufegen.

   Den Fluch im Mund, den Zorn im Blick lechzt er nach Krieg,
   Ihm ist es gleich, ob Marignano ihm den Sieg,
   Gleich, ob Pavia ihm den Ruhm nur hat gegeben.

   Er lacht des Schicksals, das am Wege lauernd droht,
   Die offnen Nstern saugen aus dem vollen Leben
   Den Bluthauch knftiger Schlacht, sie wittern schon den Tod.




                              Chrysilla


   Ist einst der Becher voll, o Gttin reich an Gnaden,
   Erspar es mir die Zeit, die zgernde, zu sehn,
   Sie soll nicht trnenlos an meinem Lager stehn,
   Sie krzt mir viel zu spt des Lebens langen Faden.

   Schick Eros aus! er hat mit Ha mich stets beladen,
   Ich wei es nur zu gut, knnt es nach ihm geschehn,
   Im Sterben wrde ich der Qual noch nicht entgehn,
   In meinem Herzblut mte sich die Erde baden.

   Doch nein! ruf abends, wenn die frohe Sonne scheidet,
   Die Jugend an mein Bett, stumm, schn und unbekleidet,
   Wie sie den Reif auf bleiche Rosenblten haucht.

   Die Quelle weint ein Lebewohl, die Stunden neigen
   Das Haupt vor ihr, die weder Pfeil noch Sichel braucht,
   Gern will ich dann zum finstern Hades niedersteigen.




                            Fernand Gregh


                              geb. 1873




                               Prfung


   Zu Boden ward ich fast geschlagen,
   Ward heimgesucht und hart geqult,
   Doch meine Seele ward gesthlt,
   In Leid verjngt, ich darf nicht klagen.

   Ich hab ihn Tag und Nacht geschaut,
   Des Menschenlebens tiefen Jammer,
   Gefhlt hab ich des Schicksals Hammer,
   Jetzt ist mir erst der Schmerz vertraut.

   Nicht nur der Schmerz, der in den Wunden
   Der Seele haust, gern gnnt er ja
   Dem armen Leibe hier und da
   Ein Glck von sprlichen Sekunden.

   Nein! jener Schmerz, der dumm, brutal
   Den Krper schlgt, an dessen Plage
   Ich zu erinnern nie mich wage,
   Des Tieres ganz gemeine Qual,

   Die Pein, die unsere Tage stndlich
   Zur grlichen Tragdie macht,
   Die hhnisch aller Bitten lacht,
   Die tief uns packt und unergrndlich.

   Gesundheit freut sich ihres Seins
   Und schert sich nicht um fremde Leiden,
   Kaum kann sie Gte unterscheiden
   Von Schwche, beides scheint ihr eins.

   Wir pflcken gierig alle Trauben,
   Wir folgen strmisch unserer Lust,
   Schlecht sind wir, wir sind's unbewut,
   Solang wir an das Leben glauben.

   Der trotzig lebensfrohe Sinn
   Ist Klippe meinem Sein gewesen,
   Nun da im Buche ich gelesen
   Des Schmerzes, sank mein Stolz dahin.

   Des Nchsten Trauer beugt mich nieder,
   Ich friere mit dem nackten Kind,
   Mich schttelt jeder leise Wind
   Und jedes Leid hallt in mir wieder.

   Ich denke an den bleichen Mann,
   Der in des Kerkers kalten Schauern
   Den Frhling jenseits hoher Mauern
   Nur ahnt und ihn nicht sehen kann.

   Der Kranken denke ich, sie liegen
   Still auf dem Rcken, stumm, in Schwei,
   Inde die Augen fieberhei
   Durch der Tapete Muster fliegen.

   Ich denke des Rekruten, den
   Des Abends spt aus der Kaserne
   Das Heimweh trgt in weite Ferne,
   Dort wo im Dorf die Linden stehn.

   Ja selbst der Tiere mu ich denken,
   Der Rosse, die die Peitsche treibt,
   Die das Geschirr zerdrckt, zerreibt,
   Die mde ihre Kpfe senken.

   So lastet auf mir jede Not;
   Da fremde Schmerzen mich zerreien,
   Mag Klugheit immer Schwche heien.
   Doch tglich lt mich so der Tod

   Des eignen Lebens Tiefen sehen;
   Ich wei, da ich mir Erbe bin
   Und da ich wirklich bin, mein Sinn
   Beginnt den Weltgeist zu verstehen.




                        Abend in der Grostadt


   Halboffen saugt mein Mund den Lenz aus frischem Winde,
   Die Dmmerung senkt sich auf das Giebeldach herab,
   Die Kinder spielen froh im Schatten jener Linde,
   Des Frhlings Frieden lst den starren Winter ab.

   Das Volk der Vorstadt strmt nach Haus in hellen Haufen,
   Mein Kummer gleicht ihm ganz, verzweiflungsvoll, doch mild;
   Von harter Arbeit will's ein wenig nur verschnaufen,
   Manch Rotkopf eilt vorbei, des Heilands Ebenbild.

   Wie fremd erscheinen mir all diese Dinge heute!
   Ein Schwindel packt mich, seltsam kommt mir alles vor,
   Des Abends Stille, dieses Licht, die armen Leute,
   Das Rauschen der Unendlichkeit schlgt an mein Ohr.

   Von Trumen ist mein Herz bedrckt, die Leid nur bringen,
   Ich irre ohne Ziel verzagt umher und bla,
   Das Herz, der arme Narr, vor Liebe will's zerspringen,
   Mir scheint, ich weine gar noch ber alles das ....




                          Musik in der Ferne


   Im Dunkel pltschert kalter Regen
   Wie Kummer, der nicht sprechen will,
   Auf graue Bume stumm und still,
   Der Sturmwind wird sie trocken fegen.

   Dort unten in der finstern Nacht
   Erklingt ein Instrument vom weiten,
   Krchzt eine Weise, die vor Zeiten
   Vergngten Leuten Spa gemacht.

   Es sthnt und weint mit heiserer Kehle
   Das arme Instrument im Wind,
   Naiv und harmlos wie ein Kind,
   Wie eine Musikantenseele.

   Ein jeder Ton ist falsch, o Gott!
   Und solch ein Ding, das Harmonien
   Wie die zeugt, die vorber ziehen,
   Nennt sich Harmonika -- --, zum Spott.

   Es wimmert, wie die Kinder wimmern,
   Wenn Strafe ihnen ward als Lohn;
   Im Wind zerflatternd lockt sein Ton
   Die Trume, die im Dunkel flimmern.

   Wie klglich dnn ist die Musik!
   Und dennoch rhrt mich fast zu Trnen
   Der jmmerliche Klang, mein Sehnen
   Weckt armer Hnde Ungeschick.

   Das zage Herz zieht sich in Trauer
   Zusammen, mde, leer und hohl,
   Du Eckchen Himmel, lebe wohl!
   Es regnet, mich durchrieseln Schauer.

   Dort aus dem grauen Dunkel tnt
   Der Singsang, drftig und bescheiden,
   Ein Lied des Lebens, das in Leiden,
   Die niemals enden wollen, sthnt.

   In diesem Schluchzen weint die Klage
   Der ganzen Menschheit still und leis,
   Des ungelsten Rtsels Frage,
   Des bltenlosen Herbstes Tage,
   Der Schmerz, der nichts von Schnheit wei.




                               Zweifel


   Die mde Sonne geht zur Neige,
   Noch einmal streut sie im Verglhn
   Ihr Mrchengold durch alle Zweige
   Des Waldes, auf sein Rot und Grn.

   Des Abends Farben, sie ermatten,
   Des Himmels warme Pracht erbleicht,
   Schnell huscht wie eines Blitzes Schatten
   Der Vogel, der vorber streicht.

   Ein Zauber quillt in tiefem Strome
   Aus allen Dingen, leise rinnt
   Er durch das Leben, dess' Atome
   Beseligt, glcklich, gttlich sind.

   Aus weiter Ferne hallt begehrlich
   Der dumpfe Lrm der groen Stadt ...
   Woher der Schreck, der unerklrlich
   Die Seele mir benommen hat?

   O Gott, wie uns die Weisheit blendet,
   Wenn stumm wir vor den Dingen stehn,
   Den Bettlern wird ein Mahl gespendet,
   Die staunend diese Tafel sehn!

   Die wir in Einfalt nach Dir streben,
   Wir finden Dich zu jeder Frist,
   O Gott, in diesem reichen Leben,
   Der Du vielleicht nicht einmal bist.




                             Dmmerstunde


   Der Horizont wird grau, schon ist die Nacht erschienen,
   Du hrst das Schweigen, wie es durch die Zimmer schleicht,
   Still stirbt der matte Bernsteinton in den Gardinen
   Mit all dem Lrm, der aus dem alten Hause weicht,

   Und unterbrochen scheint des Lebens wildes Hasten
   Fr einen Augenblick, dem nie ein morgen naht,
   Tief Atem schpfend hlt es auf dem ewigen Pfad,
   Wie Pilger, welche mde auf der Hhe rasten.

   Im Kelchglas schlafen die vertrumten Blumen ein,
   Sie hauchen ihrer Seele Balsam in den Schatten,
   Und auf den Spiegel streut das Zwielicht, auf den matten,
   Wie feuchter Augen Schimmer seinen Widerschein.

   Nur nebenan die Wanduhr in der finstern Kammer
   Tickt unablssig ruhelos denselben Schlag,
   Die bleichen Schatten peinigt sie mit ihrem Hammer,
   Die Stunde nagelt sie an den versunkenen Tag.

   Ein letzter Strahl dringt durch das Fenster, durch die Falten
   Des halbgeschlossenen Vorhangs in den Saal, es scheint
   Hier drinnen alles zu ersterben, zu erkalten,
   Der Abend schweigt, und dennoch hr ich ihn: er weint.




                             Betrachtung


   Ich sah, ein ernstes, zartes Kind, im Traum ein Land,
   Wo goldene Morgen ich gelebt und einst gelacht;
   In meinen groen Augen starb die Mrchenpracht
   Wie Maiensonnenschein, der von dem Spiegel schwand.

   Die Sehnsucht hab ich und die Hoffnung wohl gekannt,
   Des Mittags schon gewi, da kaum ich noch erwacht;
   Das Paradies verblich, ach, eh' ich es gedacht,
   Ich hab ja nicht geahnt, da ich mich dort befand.

   Der Traum entfloh, die Hoffnung ist zu Gram verblat,
   Der heie Drang nach Glck, das trotzige Verlangen
   Versank, ich harrte noch verdstert und befangen

   Und wartete geqult. Da stand als einziger Gast
   Die Reue eines Abends zwischen kahlen Wnden -- --
   Vorbei, vorbei ...! ach, wie so bald mu alles enden.




                    Gutenberg-Verlag, Gesellschaft
                     mit beschrnkter Haftung, in
                         Hamburg-Groborstel.


   Smtliche Bcher in hervorragend schner _Ausstattung_ (holzfreies
   Papier, schner Druck, solider u. geschmackvoller Einband).

   Von fast allen deutschen Ministerien warm empfohlen!




                          Kunst-Wanderbcher
                      von Oskar Schwindrazheim.


   Eine Anleitung zu Kunststudien im Spazierengehen. Mit zahlreichen
   Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers.

   1. Bndchen: Unsere Vaterstadt. 126 Seiten Text und 12 Tafeln mit
   Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M.
   1.80.

   2. Bndchen: Stadt und Dorf. 111 Seiten Text und 12 Tafeln mit
   Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M.
   1.80.

   3. Bndchen: In der freien Natur. 71 Seiten Text und 12 Tafeln
   mit Abbildungen. Preis geheftet M. 1.20, in biegsamem Einband M.
   1.80.

   4. Bndchen: Wandern u. Skizzieren. 96 Seiten. Mit zahlreichen
   Abbildungen nach eigenen Skizzen des Verfassers. Preis geheftet
   M. 1.60, in biegsamem Einband M. 2.40.

   5. Bndchen: Von alter zu neuer Heimatkunst. 84 Seiten Text und
   32 Tafeln mit Abbildungen. Preis geheftet M. 2.--, in biegsamem
   Einband M. 3.--.

   Zur Erluterung und als Beispiele zum Text sind jedem Bndchen
   knstlerische Landschafts- und Stdtebilder nach eigenen
   Aufnahmen oder Skizzen des Verfassers, besonders auf
   Kunstdruckpapier gedruckt, beigegeben.

   _Vorzugs-Ausgabe_ auf sehr starkem, aber federleichtem hochweiem
   Elfenpapier in feinem biegsamem Ledereinband; die ersten 3 Bnde
   zusammen in einen Band gebunden 10 M., Band 4 M. 4.50, Band 5 M.
   6.--.


                   Inhalt der ersten vier Bndchen:


                  1. Bndchen: _Unsere Vaterstadt._

   Unsere Stadt und Kunst? Der Grundri unserer Stadt.
   Gesamtansichten. Stadteingnge: ltere Formen des Stadteinganges;
   Stadttor und Mauer; Neuere Stadteingnge. Unsere Straen: Straen
   der Altstadt; Straen des 18. Jahrhunderts; Moderne Straen.
   Unsere Pltze. Straen und Pltze bei besonderen Gelegenheiten.
   Unsere Brgerhuser: Alte Hausbauweise; Hausgrundrisse;
   Historische Stilarten im Brgerhaus; Hausinneres; Unsere Kritik
   des Gesehenen; Tren, Fenster; Der Laden, Ladenschild;
   Hauszeichen u. dgl. ffentliche Gebude. Denkmler. Brunnen.
   Grten. Friedhof. Wagen. Trachten.


                    2. Bndchen: _Stadt und Dorf._

   Vom Studium der Vaterstadt zum Studium der Fremde. Fhrer durch
   fremde Orte. Selbstndig Sehen. Der fremde Ort im allgemeinen.
   Hilfsmittel beim Studium des fremden Ortes. Kunstgebilde in
   freier Landschaft. Eigenart in den neuen Straen. Pltze. Alte
   Befestigungen. Hausstudien im Dorf: Das alte Bauernhaus,
   Einzelheiten am alten Bauernhause; Der Stil des Bauernhauses;
   das alte Bauernhaus und die Jetztzeit; Nebengebude des
   Bauernhauses, ffentliche Gebude des Dorfes; Dorfkirche und
   Friedhof. Erster Anblick eines fremden Ortes. Eintritt in den
   fremden Ort. Im Ort. Der Grundri. Straenstudien in der
   Altstadt: Eigenart in der alten Strae; Das Neue in der Altstadt.
   Straenstudien in der Neustadt; Hausstudien in der alten Stadt:
   Das alte Brgerhaus, Der Stil des alten Brgerhauses;
   Hauseinzelheiten; Die Kirche; Das Rathaus, Andere ffentliche
   Gebude. Hausstudien in der Neustadt. Studien in den Husern.
   Wagen, Schiffe u. dgl. Die Menschen im fremden Ort.


                 3. Bndchen: _In der freien Natur._

   Zwecke der Kunststudien im Freien. Perspektive. Spiegelung. Hell
   und dunkel. Unser Sehen. Vom Gedankenmittelpunkt. Die Linien der
   Landschaft. Licht und Schatten. Die Farbe. Einflu der Farbe auf
   unser Gefallen. Von der Eigenart des Knstlers und auch anderer
   Leute. Wahl des Standpunktes u. a. Menschen, Tiere u. dgl.
   Maltechnik. In ihren Mitteln beschrnkte Techniken. Einflu des
   Zweckes einer Landschaftsdarstellung. Naturstudien des
   Plastikers. Naturstudien des Kunstgewerblers. Naturstudien des
   Laien.


                4. Bndchen: _Wandern und Skizzieren._

   Vorwort. Wandern und Skizzieren. Skizzen: Ortsbilder,
   Ortsgrundrisse, Straen, Hausgrundrisse, Bauernhuser, Stadthuser,
   Hauseinzelheiten, Haus und Grn, Rathuser, Trme u. dgl.,
   Kirchen, Friedhfe u. dgl., In Dorf und Feld, Gert und Mbel,
   Wappen, Monogramme u. dgl.


            5. Bndchen: _Von alter zu neuer Heimatkunst._

   Die Entdeckung der alten Heimatkunst. Wie unsere alte Heimatkunst
   entstand und unterging. Heimat und Bauernhaus. Heimat und
   Brgerhaus, Kirche usw. Heimat und Hausinneres. Wie unsere alte
   Heimatkunst unterging. Reformgedanken der letzten Jahrzehnte. Der
   Gedanke der neuen Heimatkunst. Der Heimatkunstgedanke und die
   anderen Reformgedanken. Kann der Heimatkunstgedanke eine
   Modelaune sein? Der Weg zu neuer Heimatkunst. Ist neue
   Heimatkunst denkbar? Wie gehen wir den Weg zu neuer Heimatkunst?
   Heimatschutz. Unserer Vter Werke als Vorbilder. Wie lernen wir
   von alter Heimatkunst? Studium der heimatlichen Natur. Studium im
   heimatlichen Volkstum. Was ist zu erwarten und was ist schon
   geschehen? Bemerkungen zu den 73 Abbildungen.

   Die Gegenwart, Berlin:

   Als Anleitung zu Kunststudien beim Spazierengehen habe ich ein
   trefflicheres Werk noch nicht kennen gelernt, da keines so
   _durchsichtig in Aufbau und Methode_, keines so
   _leichtverstndlich_ und _wahrhaft unterhaltend_ und doch so
   _umfassend_ zugleich war. Ich mchte das handliche kleine
   Werkchen in keinem deutschen Hause missen. Besonders Lehrer und
   Volksbildner, wie alle, die irgendwo und wie einmal dazu kommen
   knnten, in Gemeinde und Staat ber Fragen der Baukunst und
   Heimatkunst mitzureden, zu raten und zu bestimmen, sollten das
   Lesen dieses Bndchens und das dringendste Weiterempfehlen nicht
   versumen; sie werden viel Segen damit stiften und sich um die
   Heimatschnheit verdient machen.

   Die Grenzboten, Leipzig:

   Die Kunstwanderbcher haben fr unsere Bestrebungen auf dem
   Gebiete der Heimatkunde und Heimatkunst einen _ganz besonderen
   Wert_, weil sie ohne jede Vorbereitung von jedem einzelnen auf
   ihre Richtigkeit geprft werden knnen. Man braucht nur auf die
   Strae oder vor die Stadt zu gehen, dies oder jenes Kapitel
   durchzulesen und dann selbst zu beobachten und die Augen richtig
   aufzumachen. Auf Schritt und Tritt stoen wir auf Gegenstnde,
   seien es Bauten oder Naturgebilde, die wir nach den
   Schwindrazheimschen Bemerkungen ganz anders zu beurteilen
   vermgen wie vielleicht bisher. Und darin liegt eben der groe
   Gewinn und die Freudigkeit, etwas selbst zu sehen und zu
   entdecken, was man frher nicht beobachtet hat.

   Tgliche Rundschau, Berlin:

   _Der besten einer_, die fr die Achtung vor unserer heimischen
   Kunst auch in ihren unscheinbarsten uerungen eintreten, ist
   Oskar Schwindrazheim. Nun will er in einer Folge von
   Kunstwanderbchern eine Anleitung geben zu Kunststudien im
   Spazierengehen. Wer in Deutschland reisen will, sollte sich von
   einem Cicerone wie Schwindrazheim zuvor sagen lassen, was es da
   alles zu sehen gibt.

   Die Lehrerin in Schule und Haus, Leipzig:

   Man wei nicht recht, wem man's am meisten ans Herz legen soll;
   dem Vater, der seinen Kindern Sonntags die Vaterstadt zeigt, um
   sie ihnen lieb und wert zu machen? dem Lehrer, der in Heimatkunde
   unterrichten soll? den Vtern der Stadt, die berufen sind, ihre
   alte Schnheit zu schtzen und neue Schnheit zu schaffen? oder
   dem jungen Menschenkinde, das gern auf eigene Faust
   Entdeckungsreisen macht? oder dem alternden Junggesellen, der
   einsamen alten Jungfer, um ein freundliches Licht in ihre Seele
   zu werfen? Ihnen allen, und all denen auch, die ich nicht
   genannt, mchte ich das Bchlein ans Herz legen.

   Wandern und Reisen, Freiburg i. Br.:

   Mit einer Flle neuer Anregung und geschrfter Genufhigkeit
   treten wir den Heimweg an und sind den drei Bndchen, die uns so
   sehr bereichert, _von Herzen dankbar_. Wir wnschen recht vielen
   unserer Leser ein gleiches und deshalb empfehlen wir ihnen warm
   den Ankauf derselben.




                            Goethes Faust.
                             Erster Teil.


                 Mit Bildern und reichem Buchschmuck
                                 von
                          Ernst Liebermann.

                 Gebunden in Geschenk-Einband M. 6.--
              Vorzugs-Ausgabe auf Bttenpapier M. 12.--
               Luxus-Ausgabe in Pergament-Band M. 20.--

   Die Klnische Zeitung schrieb ber die Ernst Liebermannsche
   Faust-Ausgabe:

   In Papier und Druck vollendet vornehm ausgestattet, erhlt diese
   Ausgabe einen ganz besonderen Wert durch die Bilder und den
   Buchschmuck von Ernst Liebermann. Sinnvoll und von einfacher
   Klarheit in den symbolischen Darstellungen und den altdeutschen
   Charakter in den realistischen Szenen mit krftigem Griffel
   kennzeichnend, sind diese Bildwerke ein glnzender Beweis fr den
   auerordentlichen Fortschritt der modernen graphischen Kunst. Im
   Vergleich mit anderen Faustdarstellungen, wie etwa denjenigen
   Kaulbachs oder Krelings, geben sie sowohl in ihrer rein
   knstlerischen Kraft des Ausdrucks, wie namentlich auch in der
   Tiefe der knstlerischen Phantasie, die dem Dichter bildend
   nachgeht, ein hchst bemerkenswertes und beraus lehrreiches Bild
   einer vllig verwandelten Kunstkultur.

   Die Neue Freie Presse, Wien, schrieb:

   Der >Faust< hat in dieser Ausgabe schon uerlich etwas
   Feierliches, Ernstes und Wrdiges. Er erscheint wie ein Brevier,
   wie eine literarische Hausbibel, der ein besonderer Platz im
   Bcherkasten angewiesen und die mit einer gewissen Andacht
   hervorgeholt wird. Diesem Charakter des Buches entsprechen auch
   die Bilder und Verzierungen, die der Mnchener Maler Ernst
   Liebermann gezeichnet hat und die durch ihre krftige
   Holzschnittmanier dem groen, starken Frakturdruck entsprechen.
   Zu der ueren Ausstattung stimmt auch der Leineneinband, der
   sehr einfach ist, aber dem Buche auch das Aussehen eines
   wertvollen Kodex gibt.




                   Bibliothek wertvoller Memoiren.


                    Lebensdokumente hervorragender
                  Menschen aller Zeiten und Vlker.

                   Herausgegeben in Verbindung mit

   Prof. Dr. Carl Brockelmann, Leipzig Hofrat Prof. Dr. August
   Fournier, Wien -- Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Karl Theodor
   von Heigel, Mnchen -- Geh. Hofrat Prof. Dr. Karl Lamprecht,
   Leipzig -- Prof. Dr. Karl Wenck, Marburg i./H.

                  von Dr. _Ernst Schultze_, Hamburg.

   Der allgemeine Wert guter Memoiren ist von keiner Zeit deutlicher
   empfunden worden als der unsrigen. Fr die Mehrzahl aller
   Gebildeten gilt heute mehr als je, was _Goethe_ von sich ber die
   starke Anziehungskraft berichtete, die alles wahrhaft
   Biographische auf ihn ausbte.

   Um so sonderbarer mag es anmuten, da in keinem Lande der Welt
   seither der Versuch unternommen wurde, die _wertvollsten Memoiren
   aller Zeiten und Vlker_ in einem Sammelwerke zu vereinigen. Wohl
   gibt es Memoiren-Sammlungen verschiedener Art, aber eine
   umfassende Sammlung aus der ganzen Weltliteratur existiert noch
   nicht. Sie ist nicht leicht herzustellen -- und je geringeren
   Umfang sie haben soll, desto schwerer. Aber sie kann von
   allergrtem Interesse fr jeden sein, fr den die lebendige
   Schilderung von Vorgngen aus Geschichte und Kulturgeschichte
   Reiz besitzt.

   _Welche Schtze in diesen vergessenen Memoiren schlummern_, das
   zeigen schon einige der ersten Bnde dieser Sammlung. Hoffentlich
   erregen sie das gewnschte Interesse und erfllen damit ihren
   Zweck: die Neigung fr die Beschftigung mit Geschichte und
   Kulturgeschichte zu strken und Hunderten Wissensdurstiger
   Stunden interessanter Belehrung zu verschaffen.




                               Von der
                    Bibliothek wertvoller Memoiren
                 erschienen bis jetzt folgende Bnde:


   Band 1: Reisen des Venezianers Marco Polo im 13. Jahrhundert.
   Bearbeitet von Dr. Hans Lemke, Berlin. 543 Seiten. 3.-5. Tausend.

   Band 2: Deutsches Brgertum und deutscher Adel im 16.
   Jahrhundert. Erinnerungen des Stralsunder Brgermeisters
   Bartholomus Sastrow und des schlesischen Ritters Hans von
   Schweinichen. Bearbeitet von Dr. Max Goos, Hamburg. 324 Seiten.

   Band 3: Aus der Dekabristenzeit. Erinnerungen hoher russischer
   Offiziere von der Militr-Revolution des Jahres 1825 (Jakuschkin,
   Obolenski, Wolkonski). Bearbeitet von A. Goldschmidt, Berlin. 382
   Seiten.

   Band 4: Die Eroberung von Mexico. Drei eigenhndige Berichte von
   Ferdinand Cortez an Kaiser Karl V. Bearbeitet von Dr. Ernst
   Schultze. Mit Bildern und Plnen. 645 Seiten.

   Band 5: Die Erinnerungen des Grafen Paul Philipp von Sgur,
   Adjutanten Napoleons I. Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen,
   Genf. Mit Kartenskizzen im Text. 472 Seiten.

   Band 6: Erinnerungen aus dem indischen Aufstand 1857/58. Von Lady
   Inglis und Sergeant Forbes-Mitchell. Bearbeitet von Elisabeth
   Braunholtz, Cambridge. Mit Bildern und Plnen. 376 Seiten.

   Band 7: Memoiren aus dem spanischen Freiheitskampfe 1808/11.
   Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, Genf. 506 Seiten.

   Band 8: Am Rande der Kulturwelt. Briefe und Tagebuchbltter des
   Generals Charles Gordon of Khartum. Ausgewhlt und bersetzt
   von Dr. Max Goos, Hamburg. 455 Seiten.

   Band 9: Die Memoiren Garibaldis. Ein Auszug aus seinen
   Tagebchern. Bearbeitet vom Kgl. Archivdirektor Prof. Dr. Walter
   Friedensburg, Stettin. 452 Seiten. Mit Portrt Garibaldis.

   Band 10: Feldzugserinnerungen aus dem Kriegsjahre 1809.
   Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, Genf. 387 Seiten.

   Band 11: Der Tiroler Volksaufstand des Jahres 1809. Erinnerungen
   des Priesters Joseph Daney. Bearbeitet von Joseph Steiner,
   Innsbruck. 400 Seit.

                        Preis und Vorzugspreis
                   siehe die nchstfolgende Seite.




                    Bibliothek denkwrdiger Reisen


                   Erzhlungen ber berhmte Reisen
                    aus der Feder von Teilnehmern.

                   Herausgegeben in Verbindung mit

   Wirkl. Geheimrat M. v. Brandt, Exzellenz, Weimar -- Prof. Dr.
   Siegmund Gnther, Mnchen -- Prof. Dr. Eugen Oberhummer, Wien
   -- Prof. Dr. Siegfried Passarge, Hamburg -- Hofrat Prof. Dr.
   Franz Ritter von Wieser, Innsbruck

                  von Dr. _Ernst Schultze_, Hamburg.

   Es ist eine auffallende Erscheinung, da trotz des groen
   Interesses, welches das deutsche Volk von jeher allen Reisen und
   Entdeckungen in fremden Lndern und Weltteilen entgegengebracht
   hat, dennoch im ganzen Laufe des 19. Jahrhunderts keine einzige
   grozgige Sammlung berhmter Reisen in Deutschland erschienen
   ist, whrend im 18. Jahrhundert mehrere solche Sammlungen einen
   groen und eifrigen Leserkreis fanden.

   Diesem Mangel in unserer Literatur soll nun durch die Bibliothek
   denkwrdiger Reisen abgeholfen werden. Eine _Anzahl der
   hervorragendsten Fachgelehrten_ hat dem Herausgeber der Sammlung
   ihre Untersttzung geliehen. Es ist daher wohl zu erwarten, da
   sie ihren wichtigen _Zweck_ erfllen wird: das Interesse fr
   denkwrdige Reisebeschreibungen anzuregen und die
   hervorragendsten Grotaten auf geographischem Gebiete in den
   Schilderungen der Teilnehmer selbst der Gegenwart lebendig vor
   Augen zu fhren.




                                In der
                    Bibliothek denkwrdiger Reisen
                  erschienen bisher folgende Bnde:


   Band 1: Die Weltumseglungsfahrten des Kapitns James Cook. Auszug
   aus seinen Tagebchern. 554 Seiten mit 8 Bildern und einer Karte.
   Bearbeitet von Dr. Edwin Hennig, Berlin.

   Band 2: Die Erschlieung Japans. Erinnerungen des Admirals Perry
   von der Fahrt der amerikanischen Flotte 1853/54. Bearbeitet von
   Privatdozent Dr. A. Wirth, Mnchen und Dr. Adolf Dirr, Tiflis.
   376 Seiten. Mit 6 Bildern.

   Band 3: Aus dem Lande der lebenden Buddhas. Die Erzhlungen von
   der Mission George Bogle's nach Tibet und Thomas Mannings
   Reise nach Lhasa (1774 und 1812). 480 Seit. Mit 4 Bildern und 1
   Karte. bersetzt und mit einer Einleitung und mit Anmerkungen
   versehen von M. von Brandt, Exzellenz, Weimar.

   Band 4: Auf der Suche nach dem Goldlande. Erzhlungen deutscher
   Sdamerikafahrer des 16. Jahrhunderts (Nicolaus Federmann,
   Philipp von Hutten, Ulrich Schmiedel, Hans Staden). Bearbeitet
   von Dr. Ernst Schultze, Hamburg. Mit Bildern. Erscheint 1911.

   Band 5: Die Reise des Arabers Ibn Batuta durch Indien und China.
   (14. Jahrhundert.) Bearbeitet von Dr. Hans von Mzik, Wien.
   Erscheint im Herbst 1910.

   Der Preis jedes Bandes der Bibliothek denkwrdiger Reisen
   sowohl wie der Bibliothek wertvoller Memoiren ist einheitlich
   auf M. 6.-- geheftet u. M. 7.-- gebunden festgesetzt.

   Vorzugspreis: Wer sich zur Abnahme von 4 Bnden verpflichtet,
   also ein Abonnement auf 4 Bnde nimmt (die vllig frei aus den
   schon erschienenen oder noch erscheinenden Bnden einer der
   beiden Sammlungen, auch gemischt, ausgewhlt werden knnen),
   erhlt einen besonderen Vorzugspreis.

                     Es kosten dann prnumerando:

   4  Bnde  gebunden  nur  M.  22.--  statt  M.  28.--
   4         geheftet           20.--             24.--

   In der Regel sollen die neuen Bnde jeder der beiden Sammlungen
   in Abstnden von etwa 4 Monaten erscheinen. Allen Abonnenten wird
   von dem Erscheinen eines neuen Bandes 14 Tage vorher Mitteilung
   gemacht; auch werden ihnen regelmig Zuschickungen ber die neu
   in Aussicht genommenen Bnde zugehen.

   ber die Luxus-Ausgaben einzelner Bnde befinden sich nhere
   Angaben in dem illustrierten Sonder-Prospekt ber die Bibliothek
   wertvoller Memoiren und Bibliothek denkwrdiger Reisen, der
   auch ausfhrliche Auszge aus Besprechungen enthlt und auf
   Wunsch gern kostenlos zugesandt wird.




                          Schne Literatur.


   _Aeckerle_, H.: _Stille Wasser._ Novellen. 170 Seiten. Preis
   geheftet 2 M., geb. 3 M.

   _Aeckerle_, H.: _Prismen._ Weihnachtl. Geschichten. 220 Seiten.
   Preis geheftet 3 M., geb. 4 M.

   _Korolenko_, Wladimir: _Im fremden Lande._ Auswanderer-Roman.
   Deutsch von Adda Goldschmidt und H. Aeckerle. 239 Seiten. Preis
   geheftet 2 M., geb. 3 M.

   _Loewenberg_, J.: _Stille Helden._ Novellen. 223 Seiten. Preis
   geheftet 2 M., geb. 3 M.

   [Illustration: Einbandzeichnung zu: Waltharilied. Der arme
   Heinrich. Lieder der alten Edda.]

   _Maurer_, Amalie: _Gedichte einer Mutter._ Mit Bildern von
   Ernst Liebermann. Pr. gb. 3 M.

   _Rosen_, Erwin: _Der Knig der Vagabunden._ Lustige
   Geschichten von amerikanischem Gelichter. 192 S. Pr. geh. 3
   M., geb. 4 M.

   _Scharlau_, Willy: _Hauptmann Althaus._ Roman eines Offiziers.
   360 S. Preis geheftet 4 M., geb. 5 M.

   [Illustration: Einbandzeichnung zu: Venezianische Novellen von
   Adolf Stern.]

   _Stern_, Adolf: _Venezianische Novellen_. Mit Einbandzeichnung
   von Richard Lipps, Mnchen. 245 S. Preis geheftet 2 M., geb.
   3 M.

   _Stern_, Adolf: _Die Sngerin von Santa Maria dell'Orto_ und
   andere Novellen. 346 Seiten. Preis geh. 3 M., geb. 4 M.

                  Als Einzeldruck aus diesem Bande:

   _Stern_, Adolf: _Maria vom Schiffchen._ Rmische Novelle. Mit
   Einbandzeichnung von Richard Lipps, Mnchen. 74 Seiten. Preis
   geheftet 1 M., geb. 1.50 M.

   _Waltharilied. Der arme Heinrich. Lieder der alten Edda._
   bersetzt von den Brdern _Grimm_. Mit Buchschmuck von Ernst
   Liebermann. 180 S. gr. 8. Preis gebunden 5 M. Luxus-Ausgabe
   in Pergament-Band 20 M.

   _Wei_, Hedwig: _Weihnachtsbuch_. Illustriert. Jedes Exemplar von
   der Knstlerin selbst durchgesehen. Preis geb. 5 M.

   _Wilda_, Johannes: _Kriegsflagge und Fischersegel_. Novellen aus
   dem Seeleben. Band 1: Kadetten- und Kapitns-Abenteuer. 184
   Seiten. Band 2: Boots- und Bord-Novellen. 188 Seiten. Jeder
   Band geheftet 2.50 M., gebunden 3.50 M.

   _Wister_, Owen: _Novellen aus dem Abenteurerleben des Wilden
   Westens_. Ins Deutsche bertragen von Adda Goldschmidt. 240
   Seiten. Geheftet 2 M., gebunden 3 M.




                           Plattdeutsches.


   _Garbe_, Robert: _Grnriek_. Gedichten fr Jungs un Deerns.
   Biller von Oskar Schwindrazheim. Preis geheftet 0.80 M., geb. 1
   M.

   _Meier_, Heinrich: _De rechte Schaul_. Erzhlung. Preis geheftet
   1.50 M., geb. 2.50 M.

   _Poeck_, Wilhelm: _De Herr Innehmer Barkenbusch_ und andere
   Geschichten von der Waterkant. Mit Buchschmuck von O.
   Schwindrazheim, Hamburg. 186 S. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M.

   _Poeck_, Wilhelm: _In de Ellernbucht_. En Geschicht von de
   Hamborger Waterkant. 448 Seiten. Preis geheftet 4 M., gebunden 5
   M.

   _Stavenhagen_, Fritz: _Grau und Golden_. Hamburger Geschichten
   und Skizzen. Mit Buchschmuck. 178 Seiten. Preis geheftet 2 M.,
   geb. 3 M.

   _Stavenhagen_, Fritz: _Mudder Mews_. Niederdeutsches Drama in 5
   Akten. 121 Seiten. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M.

   _Stavenhagen_, Fritz: _Jrgen Piepers_. Niederdeutsches
   Volksstck in 5 Akten. Mit Buchschmuck. 165 Seiten. Preis
   geheftet 3 M., geb. 4 M.

   _Stavenhagen_, Fritz: _Der Lotse_. Hamburger Drama in 1 Akt. 50
   Seiten. Preis geheftet 1 M., geb. 2 M.

   _Stavenhagen_, Fritz: _De dtsche Michel_. Niederdeutsche
   Bauernkomdie in 5 Akten. Mit Buchschmuck v. Oskar
   Schwindrazheim, Hamburg. 154 Seiten. gr. 8. Preis geheftet 3 M.,
   gebunden 4 M.

   _Stavenhagen_, Fritz: _De ruge Hoff_. Niederdeutsche
   Bauernkomdie in 5 Akten. 144 Seiten. Preis geheftet 2.50 M.,
   geb. 3.50 M.




         Allgemeinverstndliche wissenschaftliche Literatur.


   _Classen_, W. F.: _Grostadtheimat_. Beobachtungen zur
   Naturgeschichte des Grostadtvolkes. Mit Einbandzeichnung von O.
   Schwindrazheim, Hamburg. 244 Seiten. Preis geheftet 3 M., geb. 4
   M.

   _Classen_, W. F.: _Vom Lehrjungen zum Staatsbrger_. Zur
   Naturgeschichte unserer heranwachsenden Jugend. 114 Seiten.
   Geheftet 1.60 M., geb. 2.25 M.

   _Grimm_, Jakob: _Auswahl aus den Kleinen Schriften_.
   Herausgegeben und mit Einleitung versehen von Dr. Ernst Schultze.
   Mit Bildnis Grimms. 286 Seiten. Preis geh. 2 M., geb. 3 M.

                  Als Einzeldruck aus diesem Bande:

   _Grimm_, Jakob: _Rede auf Schiller_. Mit Bildnis Schillers von
   Gerhard von Kgelgen. 32 Seiten. Preis geheftet 50 Pf., geb. 1 M.

   _Hennig_, Dr. Richard: _Wunder und Wissenschaft_. Eine Kritik und
   Erklrung der okkulten Phnomene. 247 Seiten. Preis geheftet 3
   M., geb. 4 M.

   _Hennig_, Dr. Richard: _Der moderne Spuk- und Geisterglaube_.
   Eine Kritik und Erklrung der spiritistischen Phnomene. 2. Teil
   des Werkes Wunder und Wissenschaft. 367 Seiten. Preis
   geheftet 4 M., geb. 5 M.

   _Loewenberg_, Dr. J.: _Deutsche Dichter-Abende_. Eine Sammlung
   von Vortrgen ber neuere deutsche Literatur. Mit Bildnis
   Liliencrons. 200 Seiten. Preis geheftet 2 M., geb. 3 M.

                  Als Einzeldruck aus diesem Bande:

   _Loewenberg_, Dr. J.: _Detlev von Liliencron_. Mit Bildnis
   Liliencrons. 32 Seiten. Preis geheftet 50 Pf., geb. 1 M.

   _Schultze_, Dr. Ernst: _Aus dem Werden und Wachsen der
   Vereinigten Staaten_. (Kulturgeschichtliche Streifzge, Band 1.)
   224 Seiten. Preis geheftet 2 M., gebunden 3 M.

   Aus einer lngeren Besprechung in der Deutschen
   Literaturzeitung:

   Die Arbeit des Verfassers hat in einer der ersten, wenn nicht
   der besten amerikanischen Wochenschrift, dem Outlook, eine sehr
   gnstige Beurteilung gefunden, und der Kritiker empfiehlt sogar
   eine mglichst baldige bersetzung des Buches ins Englische, da
   es eine besonders interessante bersicht jetzt bestehender
   Zustnde gibt. Dies Lob ist verdient.

   In ihren einfachen, allen bertreibungen fernbleibenden
   Schilderungen tatschlicher Verhltnisse mssen diese Skizzen zu
   dem Besten gezhlt werden, was ber die Vereinigten Staaten in
   den letzten Jahren verffentlicht worden ist.

   _Weimar._

                              M. v. _Brandt_, Kaiserl. Gesandter a. D.




               Bcher ber Pdagogik und Volksbildung.


   _Archiv fr das Volksbildungswesen aller Kulturvlker._
   Herausgegeben von Dr. Ernst Schultze und Prof. G. Hamdorff. Band
   1. 352 Seiten. Preis geheftet 5 M., geb. 6 M.

   _Bilder aus dem Kinderleben des Pestalozzi-Frbelhauses zu
   Berlin._ Reich illustriert. 95 Seiten. Preis geheftet 1 M.

   _Lieder und Bewegungsspiele._ Fr das Pestalozzi-Frbelhaus zu
   Berlin gesammelt, bearbeitet und herausgegeben von Else Fromm.
   Mit Noten. 215 Seiten. 3. Auflage. Preis gebunden 2.50 M.

   _Loewenberg_, Dr. J.: _Geheime Miterzieher_. Studien und
   Plaudereien fr Eltern und Erzieher. 5. Auflage. Preis geheftet
   1.50 M., geb. 2.50 M.

   _Schultze_, Dr. Ernst: _Freie ffentliche Bibliotheken_
   (Volksbibliotheken und Lesehallen). Illustriert. 362 Seiten.
   Preis geh. 6 M., geb. 7 M.

   _Schultze_, Dr. Ernst. _Die Volksbildung im alten und im neuen
   Jahrhundert_. 28 Seiten. Preis geheftet 0.50 M.

   _Schultze_, Dr. Ernst: _Volksbildung und Kneipenleben_. 16
   Seiten. Preis geheftet 0.20 M.

   _Schultze_, Dr. Ernst: _Volksbildung und Volkswohlstand_. Eine
   Untersuchung ihrer Beziehungen. 84 Seiten. Preis geheftet 2 M.,
   geb. 3 M.

   Ausfhrliche illustrierte Prospekte mit Auszgen aus
   Besprechungen versendet der Verlag gern unberechnet und
   portofrei. Ebenso benachrichtigt er Interessenten mit Vergngen
   fortlaufend ber smtliche Neuerscheinungen.

   HAMBURG-GROSSBORSTEL.

                                                      GUTENBERG-VERLAG
                                Gesellschaft mit beschrnkter Haftung.

            Im Gutenberg-Verlag, Gesellschaft mit beschr.
               Haftung, Hamburg-Groborstel, erschien:




                       Die deutsche Landschaft.


         Deutsche Charakter-Landschaften in farbigen Bildern
                                 von
                        Prof. Ernst Liebermann

                               Inhalt:

   Lieferung I. Blatt 1: In den Vorbergen der bayerischen Alpen. 2:
   Alpenvorland. 3: Rheinlandschaft. 4: Eifellandschaft. 5:
   Burgruine im Mosellande.

   Lieferung II. Blatt 6: Buchenwald. 7: Thringer Landschaft. 8:
   Felder. 9: Landstrae. 10: Saalelandschaft.

   Lieferung III. Blatt 11: Felsenpartie im Elbsandsteingebirge. 12:
   Riesengebirgslandschaft (Schneekoppe). 13: Ein Tannenwald. 14:
   Aus dem frnkischen Jura; Motiv: Obereichsttt. 15:
   Donaulandschaft; Motiv: Bei Kelheim.

             Preis der Lieferung (enthaltend 5 Bltter):
              M. 5.--. Preis des Einzelblattes: M. 1.25.
              Bildgre 15:20 cm. Kartongre 25:30 cm.

   In unseren Wechselrahmen bilden die Liebermannschen Landschaften
                     den schnsten Zimmerschmuck.

   Die Wechselrahmen, die in zwei verschiedenen Ausfhrungen zu haben
   sind, ermglichen es, in _wechselnder Folge_ heute dies, morgen
   jenes Blatt vor sich zu sehen, so da der Beschauer sich je nach
   Laune und Stimmung heute an das rebenumkrnzte Ufer des Rheins
   oder auf schneebedeckte Bergeshhen, morgen in das liebliche
   Thringen oder die ernste Eifel versetzen kann.

   Urteile der Presse: Diese klaren und doch weichen Vierfarbendrucke
   gehren zu den vollkommensten Leistungen der in Deutschland
   hochentwickelten Reproduktionskunst. Man kann erwarten, da die
   Bilderserien Die deutsche Landschaft allgemein lebhaften
   Beifall finden werden.

                            Beilage der Mnchner Neuesten Nachrichten.

   Technisch ungemein gewandt, sicher und echt fhlend ...,
   Grozgig .... packende Farbigkeit.

                                                           Der Trmer.

       Wechselrahmen mit Rckwand und Federverschlu (fr Hoch-
                    und Querformate zu benutzen):

     Mahagonileiste mit Goldeinlage, Preis einschlielich Glas M.
      2.50. Weie gerippte Leiste, Preis einschlielich Glas M.
               2.--. Verpackung fr jedes Blatt 50 Pf.

              Feste Rahmung in prchtiger Altgoldleiste,
           Preis _mit_ Bild, einschlielich Glas, M. 2.--.

   Verpackung fr jedes Bild 25 Pf. -- Die Lieferung selbst erfolgt
   portofrei.

      Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Bei Voreinsendung des
         Betrages oder gegen Nachnahme liefern wie portofrei.

                Druck von Grimme & Trmel in Leipzig.





End of the Project Gutenberg EBook of Franzsische Lyrik alter und neuer
Zeit in deutschen Versen, by Various

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZSISCHE LYRIK ALTER UND ***

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Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

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editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
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