The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org/license


Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Achter Band: enthaltend Kapitel 15 und 16.

Author: Thomas Babington Macaulay

Release Date: October 19, 2014 [EBook #47152]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND ***




Produced by Peter Becker and the Online Distributed
Proofreading Team at http://www.pgdp.net





  +--------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                |
  |                                                              |
  | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ markiert, Text in Antiqua |
  | als +Antiqua+.                                               |
  | Eine Liste der nderungen befindet sich am Ende des Buchs.   |
  +--------------------------------------------------------------+


                      Thomas Babington Macaulay's




                        Geschichte von England
                               seit der
                 Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.

                          Aus dem Englischen.

                     Vollstndige und wohlfeilste

                         +Stereotyp-Ausgabe+.


                             Achter Band:
                     enthaltend Kapitel 15 und 16.

                            Leipzig, 1856.
                           G. H. Friedlein.




Funfzehntes Kapitel.

Wilhelm und Marie.


Inhalt.

                                                                   Seite
  Zusammenkunft des Parlaments. -- Rcktritt Halifax'                  5
  Geldbewilligungen                                                    6
  Die Rechtsbill angenommen                                            6
  Untersuchung der Uebelstnde bei der Marineverwaltung                8
  Untersuchung wegen der Fhrung des irlndischen Kriegs               8
  Walker's Empfang in England                                          9
  Edmund Ludlow                                                       11
  Heftigkeit der Whigs                                                13
  Anklagen                                                            14
  Johann Hampden's Bswilligkeit                                      16
  Die Corporationsbill                                                18
  Debatten ber die Indemnittsbill                                   22
  Der Fall Sir Robert Sawyer's                                        23
  Der Knig beabsichtigt sich nach Holland zurckzuziehen             26
  Er wird zur Aenderung seiner Absicht bestimmt                       27
  Die Whigs widersetzen sich seiner Reise nach Irland.                27
  Er prorogirt das Parlament                                          28
  Freude der Tories                                                   29
  Auflsung und allgemeine Wahl                                       30
  Vernderungen in den executiven Verwaltungszweigen                  32
  Caermarthen erster Minister                                         33
  Sir Johann Lowther                                                  34
  Ursprung und Fortschreiten der parlamentarischen Bestechung in
    England                                                           35
  Sir Johann Trevor                                                   39
  Godolphin tritt ab                                                  40
  Vernderungen bei der Admiralitt                                   40
  Vernderungen bei den Milizen                                       40
  Stimmung der Whigs                                                  42
  Verkehr einiger Whigs mit Saint-Germains. Shrewsbury; Ferguson      43
  Hoffnungen der Jakobiten                                            44
  Zusammentritt des neuen Parlaments                                  44
  Feststellung des Staatseinkommens                                   45
  Jahrgeld der Prinzessin von Dnemark                                47
  Bill, welche die Acte des vorhergehenden Parlaments fr gltig
    erklrte                                                          52
  Debatten ber die Vernderungen bei den Milizen                     53
  Abschwrungsbill                                                    53
  Begnadigungsacte                                                    57
  Das Parlament prorogirt                                             59
  Rstungen fr den ersten Krieg                                      60
  Jakob's Verwaltung in Dublin                                        60
  Ein Hlfscorps von Frankreich nach Irland gesandt                   62
  Plan der englischen Jakobiten; Clarendon, Aylesbury, Dartmouth      64
  Penn                                                                64
  Preston                                                             65
  Die Jakobiten von Fuller verrathen                                  66
  Crone verhaftet                                                     67
  Schwierigkeiten Wilhelm's                                           69
  Benehmen Shrewsbury's                                               69
  Der Neunerrath                                                      71
  Clarendon's Verhalten                                               72
  Penn mu Caution erlegen                                            73
  Unterredung zwischen Wilhelm und Burnet                             73
  Wilhelm reist nach Irland ab                                        74
  Crone's Proze                                                      74
  Gefahr einer Invasion und Insurrection. Tourville's Flotte im
    Kanal                                                             76
  Verhaftung verdchtiger Personen                                    76
  Torrington erhlt Befehl, Tourville eine Schlacht zu liefern        77
  Schlacht bei Beachy Head                                            79
  Aufregung in London                                                 80
  Schlacht bei Fleurus                                                80
  Geist der Nation                                                    80
  Verhalten Shrewsbury's                                              82


[_Zusammenkunft des Parlaments. -- Rcktritt Halifax'._] Whrend die
Convention auf der einen Seite von Old Palace Yard debattirte,
debattirte das Parlament auf der andren Seite noch heftiger. Die beiden
Huser hatten sich, nachdem sie am 20.August auseinandergegangen, am
19.October wieder versammelt. Am Tage des Zusammentritts fiel Jedermann
eine wichtige Vernderung auf: Halifax sa nicht mehr auf dem Wollsack.
Er hatte Grund zu erwarten, da die Verfolgung, der er whrend der
vorigen Session mit genauer Noth entgangen war, jetzt erneuert werden
wrde. Die whrend der Ferien eingetretenen Ereignisse und ganz
besonders der unglckliche Verlauf des Feldzugs in Irland hatte seinen
Verfolgern neue Mittel in die Hand gegeben, ihm zu schaden. Seine
Verwaltung war nicht glcklich gewesen, und wenn dies auch zum Theil
Ursachen zugeschrieben werden mute, gegen welche keine menschliche
Einsicht htte ankmpfen knnen, so war es doch theilweis auch den
Eigenthmlichkeiten seines Characters und seines Geistes zuzuschreiben.
Da eine zahlreiche Partei im Hause der Gemeinen versuchen wrde, ihn zu
beseitigen, war ausgemacht, und auf den Schutz seines Gebieters konnte
er sich nicht mehr verlassen. Es war sehr natrlich, da ein Prinz, der
durch und durch ein Mann der That war, eines Ministers berdrssig
wurde, der ein Mann der Spekulation war. Karl, der in den Staatsrath
ging, wie er ins Theater ging, lediglich zu seiner Unterhaltung, war
ganz entzckt ber einen Rathgeber, der ber jede Frage nach beiden
Seiten hin hundert angenehme und geistreiche Dinge zu sagen wute.
Wilhelm aber war kein Freund von philosophischen Untersuchungen und
Disputationen, mochten sie auch noch so lebhaft und scharfsinnig gefhrt
werden, weil sie viel Zeit kosteten und zu nichts fhrten. Man erzhlte
sich und es klingt nicht unwahrscheinlich, da er einmal sich nicht habe
enthalten knnen, am Rathstische seinen Unwillen ber das was er eine
krankhafte, gewohnheitsmige Unentschiedenheit nannte, in scharfen
Worten zu uern.[1] Aergerlich ber sein Migeschick im ffentlichen
Leben, durch husliche Schicksalsschlge gebeugt, durch die Furcht vor
einer Anklage beunruhigt und nicht mehr durch die knigliche Gunst
gehalten, wurde Halifax des ffentlichen Lebens mde und begann sich
nach der Stille und Einsamkeit seines Landsitzes in Nottinghamshire zu
sehnen, einer alten, in Wldern tiefvergrabenen Cistercienserabtei.
Anfangs October wurde es bekannt, da er nicht lnger im Oberhause
prsidiren wolle; zu gleicher Seit raunte man sich als ein groes
Geheimni zu, da er sich gnzlich von den Geschften zurckzuziehen
gedenke und da er das Geheimsiegel nur bis zur erfolgten Ernennung
eines Nachfolgers noch behalte. Der erste Baron Atkyns ward zum Sprecher
der Lords erwhlt.[2]


[_Geldbewilligungen._] Ueber einige wichtige Punkte schien in der
gesetzgebenden Versammlung keine Meinungsverschiedenheit zu herrschen.
Die Gemeinen beschlossen einstimmig, den Knig in dem Werke der
Wiedereroberung Irland's krftig zu untersttzen und ihn in den Stand zu
setzen, den Krieg gegen Frankreich mit Energie fortzufhren.[3] Mit der
nmlichen Einhelligkeit votirten sie eine auerordentliche Verwilligung
von zwei Millionen.[4] Es wurde beschlossen, da der grere Theil
dieser Summe durch eine Besteuerung des Grundeigenthums aufgebracht
werden solle. Der Rest sollte theils durch eine Kopfsteuer, theils durch
neue Abgaben auf Thee, Kaffee und Chokolade gedeckt werden. Es wurde
auch vorgeschlagen, hunderttausend Pfund von den Juden zu erheben, und
das Haus nahm diesen Vorschlag anfangs gnstig auf; dann aber tauchten
Schwierigkeiten auf. Die Juden reichten eine Petition ein, worin sie
erklrten, da sie auer Stande seien eine solche Summe zu bezahlen und
da sie lieber das Knigreich verlassen als darin zu Grunde gehen
wrden. Einsichtsvollen Politikern konnte es nicht entgehen, da eine
specielle Besteuerung einer nicht zahlreichen Klasse, welche zufllig
reich, unpopulr und wehrlos ist, in Wirklichkeit Confiscation genannt
werden und schlielich den Staat eher rmer als reicher machen mu. Nach
einiger Discussion wurde die Judensteuer aufgegeben.[5]


[_Die Rechtsbill angenommen._] Die Rechtsbill, die man in der vorigen
Session, nachdem sie viel Streit zwischen den beiden Husern verursacht,
hatte fallen lassen, wurde aufs neue eingebracht und rasch angenommen.
Die Peers bestanden jetzt nicht mehr darauf, da ein Nachfolger auf dem
Throne mit Namen bezeichnet werden msse, wenn Marie, Anna und Wilhelm
alle Drei ohne Nachkommenschaft sterben sollten. Elf Jahre lang hrte
man nichts mehr von den Ansprchen des Hauses Braunschweig.

Die Rechtsbill enthielt einige Bestimmungen, welche besondere Erwhnung
verdienen. Die Convocation hatte erklrt, da es dem Interesse des
Knigreichs zuwider sei, von einem Papisten regiert zu werden, hatte
aber keine Maregel vorgeschrieben, durch welche ermittelt werden
konnte, ob ein Frst ein Papist war oder nicht. Diese Lcke wurde jetzt
ausgefllt durch die Verordnung, da jeder englische Souverain in
vollem Parlament und bei der Krnung die Erklrung gegen die
Transsubstantiation wiederholen und unterschreiben solle.

Auerdem wurde verordnet, da Niemand, der einen Papisten oder eine
Papistin heirathete, fhig sein sollte, in England zu regieren und
da, wenn der Souverain oder die Souverainin eine Papistin oder einen
Papisten heirathete, der Unterthan seines Treuschwures entbunden
sein sollte. Burnet rhmte sich, da dieser Theil der Rechtsbill
sein Werk sei. Doch hatte er wenig Ursache, stolz darauf zu sein,
denn ein erbrmlicheres Stck legislativer Arbeit wird es so leicht
nicht geben. Erstens ist keine Prfungsmaregel vorgeschrieben. Ob
der Gemahl einer Souverainin oder die Gemahlin eines Souverains den
Suprematseid geleistet, die Erklrung gegen die Transsubstantiation
unterschrieben, nach dem Ritual der englischen Kirche communicirt hat,
sind sehr einfache factische Fragepunkte. Ob aber der Gemahl einer
Souverainin oder die Gemahlin eines Souverains Papist ist oder nicht,
ist eine Frage, ber welche die Leute ewig streiten knnen. Was ist ein
Papist. Das Wort hat weder juristisch noch theologisch eine definitive
Bedeutung. Es ist nichts weiter als ein gebruchlicher Spottname und
hat im Munde verschiedener Leute einen ganz verschiedenen Sinn. Ist
jeder ein Papist, der dem Bischof von Rom unter den christlichen
Prlaten ein Primat zugesteht? Wenn das ist, so waren Jakob I., Karl
I., Laud und Heylyn Papisten.[6] Oder beschrnkt sich die Benennung
nur auf Personen, welche den ultramontanen Doctrinen bezglich der
Autoritt des heiligen Stuhles huldigen? Wenn das ist, so war weder
Bossuet noch Pascal ein Papist.

Was ist ferner der legale Sinn der Worte, welche den Unterthan eines
Unterthaneneides entbinden? Ist damit gemeint, da ein des Hochverraths
Angeklagter als Zeuge auftreten knne, um zu beweisen, da der Souverain
eine papistische Person geheirathet habe? Wrde zum Beispiel Whistlewood
ein Recht auf Freisprechung gehabt haben, wenn er htte beweisen knnen,
da Knig GeorgIV. mit Mrs. Fitzherbert vermhlt und da Mrs.
Fitzherbert eine Papistin war? Es ist schwer zu glauben, da irgend ein
Gerichtshof sich auf eine solche Frage eingelassen haben wrde. Wozu
aber dann verordnen, da der Unterthan in einem gewissen Falle seines
Unterthaneneides entbunden sein solle, wenn das Tribunal, vor das er
wegen Verletzung seines Unterthaneneides gestellt wird, gar nicht auf
die Frage eingeht, ob jener Fall stattgefunden hat?

Die Angelegenheit des Dispensationsrechts wurde ganz anders behandelt,
reiflich erwogen und schlielich auf die einzige Art erledigt, auf die
sie erledigt werden konnte. Die Rechtserklrung war nicht weiter
gegangen, als da sie das Dispensationsrecht so wie es unlngst ausgebt
worden, fr ungesetzlich erklrte. Da der Krone eine gewisse
Dispensationsbefugni zustand, war eine Behauptung, welche durch
Autoritten und Prcedenzflle sanctionirt war, von denen selbst
whiggistische Juristen nicht ohne Achtung sprechen konnten; ber die
Ausdehnung dieser Befugni aber waren nicht zwei Juristen gleicher
Meinung, und jeder Versuch eine bestimmte Definition festzustellen, war
gescheitert. Durch die Rechtsbill endlich wurde die anomale Prrogative,
welche so viel heftigen Streit verursacht hatte, unbedingt und fr immer
aufgehoben.[7]


[_Untersuchung der Uebelstnde bei der Marineverwaltung._] Im Hause der
Gemeinen fand, wie dies kaum anders zu erwarten war, eine Reihe scharfer
Debatten ber das Migeschick des Herbstes statt. Die Nachlssigkeit
oder Bestechlichkeit der Marinebeamten, die Betrgereien der
Lieferanten, die Habgier der kniglichen Schiffskapitains, die Verluste
der londoner Kaufleute, waren Themata fr viele heftige Reden. Grund zu
Unwillen war in der That vorhanden. Eine strenge Untersuchung, von
Wilhelm persnlich im Schatzamte geleitet, hatte so eben die Thatsache
constatirt, da ein groer Theil des Salzes, mit welchem das der Flotte
gelieferte Fleisch eingepkelt worden, zufllig mit Gallus, wie er zur
Tintenfabrikation gebraucht wird, vermischt gewesen war. Die Lieferanten
schoben die Schuld auf die Ratten und behaupteten, da die so gewrzten
Speisen allerdings unangenehm schmeckten, der Gesundheit aber nicht
nachtheilig seien.[8] Die Gemeinen waren jedoch nicht in der Stimmung,
um solche Entschuldigungen gelten zu lassen. Mehrere Personen, welche an
dem gegen die Regierung verbten Betruge und an dem Vergiften der
Seeleute Theil genommen, wurden durch den Sergeanten ins Gefngni
abgefhrt.[9] Dem Hauptsnder Torrington aber wurde ein Tadelsvotum
zuerkannt, und es scheint nicht, da nur eine einzige Stimme sich gegen
ihn erhob. Er hatte unter beiden Parteien Freunde, besa viele populre
Eigenschaften, und selbst seine Fehler waren keine solchen, welche
ffentlichen Ha erwecken. Das Volk verzieh es einem tapferen und
treuherzigen Seemanne gern, da er seine Flasche, seine Zechgenossen und
seine Maitressen zu sehr liebte, und bedachte nicht hinreichend, wie
gro die Gefahren eines Landes sein muten, dessen Wohl und Wehe von
einem in sorglose Trgheit versunkenen, durch den Wein abgestumpften,
durch Ausschweifungen entnervten, durch Verschwendung ruinirten und
durch Schmarotzer und Buhlerinnen beherrschten Manne abhing.


[_Untersuchung wegen der Fhrung des irlndischen Kriegs._] Die Leiden
der Armee in Irland riefen laute Aeuerungen der Theilnahme und des
Unwillens hervor. Die Gemeinen lieen der Energie und Umsicht, womit
Schomberg den schwierigsten aller Feldzge geleitet hatte, Gerechtigkeit
widerfahren. Da er nicht mehr erreicht, wurde hauptschlich den
Schurkereien des Kriegscommissariats Schuld gegeben. Die Epidemie, sagte
man, wrde kein groes Unglck gewesen sein, wenn sie nicht durch die
Schlechtigkeit der Menschen verschlimmert worden wre. Die Krankheit
habe in der Regel Diejenigen verschont, welche mit warmer Kleidung und
Betten versehen gewesen, habe aber Die, welche leicht gekleidet gewesen
und auf dem feuchten Erdboden geschlafen, zu Tausenden hingerafft.
Ungeheure Summen seien aus dem Schatze gezogen worden und doch sei der
Sold der Truppen in Rckstand. Der Staat habe Hunderte von Pferden,
viele Tausend Paar Schuhe angeschafft, und doch sei die Bagage wegen
Mangel an Zugvieh zurckgelassen worden und die Soldaten seien barfu
durch den Schlamm gewatet. Siebzehnhundert Pfund Sterling seien der
Regierung fr Arzeneien angerechnet, und doch habe es in dem mit Kranken
angefllten Lager an den einfachsten Medicamenten gefehlt, die jede
Apotheke in dem kleinsten Marktflecken fhre. Drohende Stimmen erhoben
sich gegen Shale. Es wurde dem Throne eine Adresse berreicht, welche
verlangte, da er nach England geschickt und seine Rechnungen und
Papiere mit Beschlag belegt werden sollten. Der Knig sagte dies
bereitwilligst zu, die whiggistische Majoritt aber war nicht
zufriedengestellt. Von wem war Shales fr einen so wichtigen Posten wie
der des Generalcommissars empfohlen worden? Er war in den schlimmsten
Zeiten ein Gnstling des Hofes und ein eifriger Vertheidiger der
Indulgenzerklrung gewesen. Warum hatte man dieser Creatur Jakob's die
Verproviantirung der Armee Wilhelm's anvertraut? Einige von Denen,
welche gern alle Tories und Trimmers aus dem Staatsdienste vertreiben
wollten, schlugen vor, Se. Majestt zu fragen, auf wessen Rath ein das
Vertrauen des Knigs so wenig verdienender Mann angestellt worden sei.
Die gemigteren und einsichtsvolleren Whigs wiesen darauf hin, wie
taktlos und unhflich es sein wrde, den Knig zu befragen und ihn in
die Nothwendigkeit zu versetzen, entweder seine Minister anzuklagen oder
sich mit den Vertretern seines Volks zu veruneinigen. Rathen Sie Se.
Majestt, wenn Sie wollen, sagte Somers, da er Denen, welche ihm
diese unglckliche Wahl empfohlen, sein Vertrauen entziehe. Wird dieser
Rath so gegeben, wie wir ihn wahrscheinlich geben wrden, das heit
einstimmig, so mu derselbe groes Gewicht bei ihm haben. Aber legen Sie
ihm nicht eine Frage vor, die kein Privatmann gern beantworten wrde,
zwingen Sie ihn nicht, zur Wahrung seines persnlichen Ansehens die
Mnner in Schutz zu nehmen, die Sie beseitigt zu sehen wnschen. Nach
einem zweitgigen harten Kampfe und mehreren Abstimmungen wurde die
Adresse mit hundertfnfundneunzig Stimmen gegen hundertsechsundvierzig
angenommen.[10] Wie vorauszusehen war, weigerte sich der Knig, zum
Angeber zu werden und das Haus drang nicht weiter in ihn.[11] Auf eine
andre Adresse, welche darum ansuchte, da eine Commission abgesandt
werden mchte, um die Lage der Dinge in Irland zu untersuchen, gab
Wilhelm hingegen eine sehr gndige Antwort und bat die Gemeinen, selbst
die Mitglieder der Commission zu ernennen. Um dem Knige an Artigkeit
nicht nachzustehen, lehnten die Gemeinen dies ab und stellten es der
Weisheit Sr. Majestt anheim, die geeignetsten Personen auszuwhlen.[12]


[_Walker's Empfang in England._] Inmitten der heftigen Debatten ber den
irlndischen Krieg erregte ein erfreulicher Zwischenfall auf einen
Augenblick gute Laune und Einmthigkeit. Walker war in London angekommen
und daselbst mit grenzenloser Begeisterung empfangen worden. Sein
Portrait prangte in jedem Bilderladen, Neuigkeitsbriefe, in denen seine
Persnlichkeit und seine Haltung beschrieben waren, wurden in jeden
Winkel des Reichs gesandt, Flugbltter, die ihn in Prosa und in Versen
priesen, wurden in jeder Strae ausgeboten. Die Gilden London's
veranstalteten ihm zu Ehren glnzende Festmhler in ihren Hallen, das
Volk drngte sich danach ihn zu sehen wo er sich blicken lie, und
erdrckte ihn fast mit unsanften Liebkosungen. Beide Universitten
verliehen ihm den Grad eines Doctors der Theologie. Einige von seinen
Bewunderern riethen ihm, sich in der Uniform im Palaste vorzustellen, in
welcher er die mehrmaligen Ausflle seiner Mitbrger commandirt hatte.
Doch mit richtigerem Takt als er zuweilen an den Tag gelegt, erschien er
in Hampton Court in dem friedlichen Kleide seines Standes, wurde sehr
gut aufgenommen und mit einer Anweisung auf fnftausend Pfund beschenkt.
Und glauben Sie nicht, Herr Doctor, sagte Wilhelm mit liebenswrdiger
Freundlichkeit zu ihm, da diese Summe eine Bezahlung fr Ihre Dienste
sein soll. Ich versichere Ihnen, da ich Ihre Ansprche an mich
keineswegs als im geringsten vermindert betrachte.[13]

Doch inmitten des allgemeinen Beifalls lie sich auch die Stimme der
Verleumdung hren. Die Vertheidiger Londonderry's waren Leute von zwei
verschiedenen Nationen und Religionen gewesen. Whrend der Belagerung
hatte der Ha gegen die Irlnder alle Sachsen und der Ha gegen den
Papismus alle Protestanten zusammengehalten. Als aber die Gefahr vorber
war, begannen Englnder und Schotten, Episkopalen und Presbyterianer
ber die Vertheilung des Lobes und der Belohnungen zu mkeln. Die
Dissentergeistlichen, welche Walker in der Stunde der Gefahr krftig
untersttzt hatten, beklagten sich darber, da er in den von ihm
verffentlichten Bericht ber die Belagerung zwar anerkannt, da sie
gute Dienste geleistet, aber unterlassen habe, ihre Namen zu nennen. Die
Klage war begrndet und wrde auch wahrscheinlich einen merklichen
Eindruck auf die ffentliche Meinung gemacht haben, wre sie in einer
Sprache erhoben worden, wie sie sich fr Christen und Gentlemen ziemte.
Aber Walker's Anklger setzten in ihrem Grolle Wahrheitsliebe und
Schicklichkeit aus den Augen, bedienten sich unanstndiger Ausdrcke,
brachten verleumderische Beschuldigungen vor, welche siegreich widerlegt
wurden, und verscherzten sich so den Vortheil wieder, den sie gehabt
hatten. Walker vertheidigte sich mit Migung und Freimthigkeit. Seine
Freunde stritten tapfer fr ihn und bten nachdrckliche
Wiedervergeltung gegen seine Angreifer. In Edinburg mag die ffentliche
Meinung gegen ihn gewesen sein; in London aber scheint der Streit seinen
Ruf nur gehoben zu haben. Er wurde als ein anglikanischer Geistlicher
von groen Verdiensten betrachtet, der, nachdem er seine Religion gegen
ein Heer papistischer Rapparees heldenmthig vertheidigt, von einem
Haufen schottischer Covenanters gemihandelt wurde.[14]

Er berreichte den Gemeinen eine Petition, welche die traurige Lage
schilderte, in der sich die Wittwen und Waisen einiger whrend der
Belagerung gefallenen tapferen Mnner jetzt befanden. Die Gemeinen
erkannten ihm auf der Stelle ein Dankvotum zu und beschlossen eine
Adresse an den Knig, worin er ersucht wurde, zehntausend Pfund unter
die Familien vertheilen zu lassen, deren Leiden so ergreifend
geschildert waren. Am folgenden Tage verbreitete sich unter der
Versammlung das Gercht, Walker sei im Vorzimmer. Er ward hereingerufen
und der Sprecher theilte ihm mit groer Wrde und Freundlichkeit mit,
da das Haus sich beeilt habe, seinem Gesuche zu willfahren, belobte ihn
in den schmeichelhaftesten Ausdrcken, da er es auf sich genommen habe,
eine von ihren eigenen Behrden und Vertheidigern verlassene Stadt zu
verwalten und zu vertheidigen, und trug ihm auf, Denen, welche unter ihm
gefochten, zu sagen, da ihre Treue und Tapferkeit den Gemeinen
England's stets in dankbarer Erinnerung bleiben werde.[15]


[_Edmund Ludlow._] Um die nmliche Zeit brachte eine andre merkwrdige
und interessante Episode, welche, wie die erstere, aus den Ereignissen
des irischen Kriegs entsprang, eine kleine Diversion in den
parlamentarischen Geschftsgang. Im vergangenen Frhjahr, als jeder Bote
aus Irland schlimme Nachrichten brachte und als Jakob's Autoritt in
allen Theilen des Knigreichs anerkannt war, ausgenommen hinter den
Wllen von Londonderry und an den Ufern des Ernesee's, war es natrlich,
da die Englnder sich erinnerten, mit welcher furchtbaren Energie die
groen puritanischen Krieger der vorigen Generation den Aufstand des
celtischen Stammes niedergeworfen hatten. Die Namen Cromwell's, Ireton's
und der anderen Heerfhrer der siegreichen Armee waren in aller Munde.
Einer von diesen Heerfhrern, Edmund Ludlow, war noch am Leben. Mit
zweiundzwanzig Jahren war er als Freiwilliger in die Parlamentsarmee
eingetreten und in seinem dreiigsten Lebensjahre war er zum
Generalleutnant befrdert worden. Jetzt war er alt, seine geistige Kraft
aber war noch ungeschwcht. Sein Muth war vom besten Schlage, sein
Verstand scharf, aber beschrnkt. Was er sah, das sah er klar, aber er
sah nicht viel auf einen Blick. Zu einer Zeit der Treulosigkeit und
Unbestndigkeit hatte er trotz mannichfacher Versuchungen und Gefahren
fest an den Grundstzen seiner Jugend gehalten. Selbst seine Feinde
konnten nicht in Abrede stellen, da sein Leben consequent gewesen und
da er mit dem nmlichen Muthe, mit dem er gegen die Stuarts
aufgetreten, auch gegen die Cromwells aufgetreten war. Nur ein Flecken
haftete auf seinem Ruhme, und dieser Flecken war in den Augen der groen
Mehrheit seiner Landsleute einer von denen, welche kein Verdienst
aufwiegen und keine Zeit verwischen konnte. Sein Name und sein Siegel
standen unter dem Todesurtheile Karl's I.

Nach der Restauration fand Ludlow ein Asyl an den Ufern des Genfer Sees,
wohin ihn ein andres Mitglied des hohen Gerichtshofes, Johann Lisle,
der Gatte jener Alice Lisle, deren Tod einen unauslschlichen
Schandfleck auf das Gedchtni Jakob's II. geworfen, begleitete. Doch
selbst in der Schweiz waren die beiden Knigsmrder nicht sicher. Es
wurde ein hoher Preis auf ihre Kpfe gesetzt, und eine Reihe irischer
Abenteurer, durch nationalen und religisen Ha entflammt, versuchte es,
den Blutpreis zu verdienen. Lisle fiel von der Hand eines dieser Mrder,
Ludlow aber entrann glcklich allen Machinationen seiner Feinde. Ein
kleines Huflein heftiger und entschlossener Whigs zollte ihm eine
Verehrung, die sich mit den Jahren steigerte, und lie ihn als den fast
einzigen, sicherlich als den berhmtesten Ueberlebenden eines mchtigen
Stammes von Mnnern, den Siegern in einem furchtbaren Brgerkriege, den
Richtern eines Knigs und Grndern einer Republik, zurck. Mehr als
einmal war er von den Feinden des Hauses Stuart eingeladen worden, sein
Asyl zu verlassen, ihr Feldherr zu werden und das Signal zum Aufstande
zu geben, er aber hatte es weislich abgelehnt, sich an den verzweifelten
Unternehmungen zu betheiligen, ber welche die Wildman und Ferguson
unablssig brteten.[16]

Die Revolution erffnete ihm eine neue Aussicht. Das Recht des Volks,
sich der Tyrannei zu widersetzen, ein Recht, das viele Jahre hindurch
Niemand geltend machen konnte, ohne sich kirchlichen Anathemen und
brgerlichen Strafen auszusetzen, war von den Stnden des Reichs
feierlich anerkannt und durch Herolde auf der nmlichen Stelle
proklamirt worden, wo man vierzig Jahre frher das denkwrdige Schaffot
errichtet. Jakob war zwar nicht, wie Karl, den Tod des Verrthers
gestorben, doch schien die Strafe des Sohnes sich mehr dem Grade als dem
Prinzipe nach von der des Vaters zu unterscheiden. Die, welche krzlich
Krieg gegen einen Tyrannen gefhrt, ihn aus seinem Palaste vertrieben,
ihn aus seinem Lande verstoen, ihn seiner Krone beraubt hatten, meinten
wahrscheinlich, da das Verbrechen, noch einen Schritt weiter gegangen
zu sein, durch eine dreiigjhrige Verbannung hinlnglich geshnt sei.
Ludlow's Verehrer, von denen einige sehr hohe ffentliche Stellungen
bekleideten, versicherten ihm, da er es getrost wagen knne, ber den
Kanal zu kommen, da er sogar erwarten drfe, mit einem hohen Commando
nach Irland geschickt zu werden, wo sein Name bei seinen Soldaten und
deren Kindern noch immer in liebevollem Andenken stehe.[17] Er kam, und
zu Anfang Septembers erfuhr man, da er in London war.[18] Allein es
zeigte sich bald, da er und seine Freunde sich in der Stimmung des
englischen Volks geirrt hatten. Alle, mit Ausnahme einer kleinen
extremen Section der Whigpartei, betrachteten den Act, in welchem er
eine unvergeliche Rolle gespielt hatte, nicht nur mit der einer groben
Verletzung des Gesetzes und der Gerechtigkeit gebhrenden Mibilligung,
sondern mit einem Abscheu, wie ihn selbst die Pulververschwrung nicht
erregt hatte. Das alberne und fast gottlose Gebet, das noch heute am
30.Januar in unseren Kirchen verlesen wird, hatte in den Gemthern
des groen Haufens eine wunderliche Ideenverbindung hervorgerufen.
Die Leiden Karl's wurden den Leiden des Erlsers der Menschheit
gleichgestellt, und jeder Knigsmrder war ein Judas, ein Kaiphas
oder ein Herodes. Allerdings war Ludlow, als er in dem Tribunal zu
Westminster Hall sa, ein heibltiger Enthusiast von achtundzwanzig
Jahren, und jetzt kehrte er als ein siebzigjhriger Greis aus dem
Exil zurck. Htte er sich demnach damit begngt, in strenger
Zurckgezogenheit zu leben und die Oeffentlichkeit zu meiden, so wrden
vielleicht selbst eifrige Royalisten dem alten Republikaner ein Grab in
seinem heimathlichen Boden nicht mignnt haben. Allein er dachte gar
nicht daran, sich zu verbergen. Man erzhlte sich bald, da einer von
den Mrdern, welche auf England eine Schuld gebracht htten, wegen der
es alljhrlich im Bugewande Gott bitte, da er darber nicht mit ihm
richten mge, in den Straen seiner Hauptstadt einherstolzire und sich
rhme, da er ber kurz oder lang seine Armee commandiren werde, seine
Wohnung sollte angeblich das Hauptquartier der angesehensten Feinde
der Monarchie und des Episkopats sein.[19] Die Sache kam vor das Haus
der Gemeinen. Die toryistischen Mitglieder forderten laut, da an dem
Verrther Gerechtigkeit gebt werde, und keiner der Whigs wagte es,
ein Wort zu seiner Vertheidigung zu sagen. Einige wenige uerten zwar
schchtern Zweifel, ob die Thatsache seiner Zurckkunft durch solche
Zeugen bewiesen sei, die ein parlamentarisches Verfahren rechtfertigen;
aber der Einwand wurde nicht beachtet und ohne Abstimmung beschlossen,
da der Knig ersucht werden solle, einen Fahndungsbefehl gegen Ludlow
zu erlassen. Seymour berreichte die Adresse und der Knig versprach,
dem Verlangen zu willfahren. Es vergingen jedoch einige Tage, ehe
die Bekanntmachung erschien.[20] Ludlow hatte Zeit, zu entkommen und
er verbarg sich wieder in seinem Alpenschlupfwinkel, um nie wieder
hervorzukommen. Englische Reisende besuchen noch heute sein dicht
am See gelegenes Haus und sein Grab in einer Kirche zwischen den
Weingrten, welche die kleine Stadt Vevay umgeben. An dem Hause war
frher eine Inschrift zu lesen, welche besagte, da Demjenigen, der
Gott zum Vater habe, jedes Land ein Vaterland sei,[21] und das Epitaph
auf dem Grabe bezeugt noch die Gefhle, mit denen der strenge alte
Puritaner das irische Volk und das Haus Stuart betrachtete.


[_Heftigkeit der Whigs._] Tories und Whigs hatten dazu beigetragen,
Walker zu ehren und Ludlow ein Brandmal aufzudrcken, oder sie hatten
wenigstens so gethan. Aber die Fehde zwischen den beiden Parteien war
heftiger als je. Der Knig hatte die Hoffnung genhrt, da die
Animositten, welche in der vorhergehenden Session die Annahme einer
Indemnittsacte verhindert hatten, whrend der Ferien sich einigermaen
gelegt haben wrden. An dem Tage, an welchem die beiden Huser wieder
zusammentraten, hatte er sie dringend aufgefordert, der Angst und
Uneinigkeit ein Ende zu machen, welche nothwendig fortbestehen muten,
so lange eine groe Anzahl Leute ihres Eigenthums und ihrer Freiheit,
nicht wenige selbst ihres Lebens nicht sicher seien. Seine Ermahnung
blieb jedoch fruchtlos. October, November und December vergingen, und
noch war nichts gethan. Es war zwar eine Indemnittsbill eingebracht und
einmal verlesen worden; seitdem aber hatte sie bestndig vernachlssigt
auf dem Tische des Hauses gelegen.[22] So erbittert die Stimmung gewesen
war, in der die Whigs Westminster verlassen hatten, die Stimmung, in der
sie zurckkehrten, war noch erbitterter. Den Schmerz frherer Leiden
noch fhlend, von neuerem Glcke berauscht, von unvershnlichem
Rachedurst erfllt und auf ihre unwiderstehliche Kraft bauend, waren sie
nicht weniger heftig und starrsinnig als in den Tagen der
Ausschlieungsbill. Das Jahr 1680 war noch einmal wiedergekehrt.
Abermals wurde jede Verstndigung zurckgewiesen. Abermals wurden die
Stimmen der einsichtsvolleren und rechtschaffeneren Freunde der Freiheit
durch das Geschrei der hitzkpfigen und hinterlistigen Agitatoren
bertubt. Abermals wurde Migung als Feigheit verachtet oder als
Verrath verabscheut. Alle Lehren, die eine schmerzliche Erfahrung
gegeben, waren vergessen. Die nmlichen Mnner, welche durch Jahre der
Demthigung, der Einsperrung, der Entbehrung und der Verbannung die
Thorheit gebt hatten, mit der sie der ihnen durch die papistische
Verschwrung in die Hand gegebenen Vortheil gemibraucht hatten,
mibrauchten jetzt mit gleicher Thorheit den ihnen durch die Revolution
gegebenen Vortheil. Die zweite Thorheit wrde aller Wahrscheinlichkeit
nach, wie die erste, mit ihrer Proscription, Vertreibung und Decimirung
geendet haben, htte nicht die Weisheit und Hochherzigkeit des groen
Frsten, der nur auf die Erfllung seiner Mission bedacht und gegen
Schmeicheleien wie gegen Beleidigungen gleich unempfindlich war, sie
kalt und unbeugsam wider ihren Willen gerettet.


[_Anklagen._] Es schien als ob nur Blut sie zufriedenstellen knnte. Das
Aussehen und die Stimmung des Hauses der Gemeinen erinnerte an die Zeit
des Einflusses Oates', und um die Aehnlichkeit vollkommen zu machen, war
Oates selbst anwesend. Als Zeuge konnte er zwar jetzt nicht dienen, aber
er hatte Blut gerochen und war gekommen, um das Gemetzel, an dem er
nicht mehr thtigen Antheil nehmen konnte, wenigstens mit anzusehen. Man
sah wieder tglich sein widerliches Gesicht, und tglich hrte man in
den Vorzimmern und auf der Galerie sein wohlbekanntes +Ah Laard, ah
Laard!+ (O Herr, o Herr!)[23] Das Haus fiel zuerst ber die Renegaten
der vorigen Regierung her. Unter diesen Renegaten standen die Earls von
Peterborough und Salisbury im Range am hchsten, hinsichtlich des
Verstandes aber am tiefsten, denn Salisbury war von jeher ein
Schwachkopf gewesen und Peterborough war schon lngst ein kindischer
Greis. Gleichwohl erklrten die Gemeinen, da Beide durch ihren Anschlu
an die rmische Kirche sich des Hochverraths schuldig gemacht htten und
da sie deshalb in Anklagestand versetzt werden sollten.[24] Zu dem Ende
wurde den Lords eine Benachrichtigung zugesandt. Der alte Peterborough
ward alsbald verhaftet und an einer Krcke wankend und in wollene
Kleider eingehllt in den Tower geschickt. Am folgenden Tage wurde
Salisbury vor die Schranken seiner Peers gestellt. Er stammelte einige
Worte von seiner Jugend und seiner auslndischen Erziehung hervor und
wurde dann abgefhrt, um Peterborough Gesellschaft zu leisten.[25] Die
Gemeinen waren mittlerweile zu Verbrechern bescheideneren Standes und
hherer Geistesbildung bergegangen. Sir Eduard Hales wurde vor sie
gebracht. Er hatte allerdings, indem er der Testacte zum Trotz ein Amt
bekleidete, schwere Geldstrafe verwirkt. Aber diese Geldstrafen gengten
dem rachschtigen Character der siegreichen Partei bei weitem nicht und
er wurde daher als Verrther eingezogen.[26] Nach ihm wurde Obadja
Walker eingefhrt. Er benahm sich mit einer Kleinmthigkeit und
Falschheit, die ihm jeden Anspruch auf Achtung oder Mitleid entzogen. Er
betheuerte, da er nie seine Religion gewechselt habe, da seine
Glaubensansichten stets die einiger hochachtbaren Geistlichen der Kirche
von England gewesen seien und da er in mehreren Punkten von den
Papisten abweiche. Trotz dieses Wortschwalls wurde er des Hochverraths
schuldig erklrt und ins Gefngni geschickt.[27] Nach ihm wurde
Castlemaine vor die Schranke gefordert, verhrt und kraft eines
Verhaftsbefehls, der ihn des Kapitalverbrechens beschuldigte, eine
Ausshnung des Knigreichs mit der rmischen Kirche versucht zu haben,
in Gewahrsam gebracht.[28]

Inzwischen hatten die Lords einen Ausschu ernannt, welcher untersuchen
sollte, wer fr den Tod Russell's, Sidney's und einiger anderer
angesehener Whigs verantwortlich sei. Prsident dieses Ausschusses, der
allgemein der Mordausschu genannt wurde, war der Earl von Stamford, ein
Whig, der in die von seiner Partei gegen die Stuarts geschmiedeten
Complots tief verwickelt gewesen war.[29] Die Bcher des Geheimraths
wurden untersucht, die Schriftfhrer befragt und einige Thatsachen
ermittelt, welche den Richtern, den Prokuratoren des Schatzes, den
Kronzeugen und den Kerkermeistern der Staatsgefngnisse keine Ehre
machten; fr die Bestechung der Geschwornen aber fand man keine Beweise.
Die Sheriffs bewahrten ihr Geheimni. Sir Dudley North insbesondere
bestand ein strenges Verhr mit characteristischer Besonnenheit und
Festigkeit und behauptete standhaft, da er sich niemals um die
politischen Ansichten der Leute gekmmert, die er auf eine
Geschwornenliste gesetzt, sondern sich nur danach erkundigt habe, ob sie
wohlhabende Brger seien. Er sprach allerdings nicht die Wahrheit und
einige von den Whigpeers sagten ihm das in sehr verstndlichen Worten
und mit sehr lauter Stimme; aber obgleich sie moralisch von seiner
Schuld berzeugt waren, konnten sie doch keine Beweise entdecken, auf
die sie eine Criminalklage gegen ihn htten basiren knnen. Der
unauslschliche Schandfleck bleibt jedoch auf einem Gedchtni haften
und wird immer noch schmerzlich beklagt von Denen, welche bei allem
Abscheu vor seiner Ehrlosigkeit und Grausamkeit nicht vergessen knnen,
da er einer der originellsten, grndlichsten und accuratesten Denker
seiner Zeit war.[30]

Halifax war glcklicher als Dudley North, denn er reinigte sich
vollkommen von jeder nicht blos legalen, sondern auch moralischen
Schuld. Er war die Hauptzielscheibe des Angriffs, und doch brachte die
strenge Untersuchung nichts zu Tage, was ihm nicht zur Ehre gereicht
htte. Tillotson wurde als Zeuge aufgerufen. Er schwor, da er das
Verbindungsglied zwischen Halifax und Russell gewesen sei, als Russell
Gefangener im Tower war. Mylord Halifax, sagte der Doctor, zeigte ein
sehr theilnehmendes Interesse fr Mylord Russell, und Mylord Russell
beauftragte mich, Mylord Halifax fr seine Menschenfreundlichkeit und
Gte zu danken. Es wurde ferner bewiesen, da der unglckliche Herzog
von Monmouth ein hnliches Zeugni fr Halifax' Gutherzigkeit abgegeben
habe.


[_Johann Hampden's Bswilligkeit._] Doch auch ein feindlicher Zeuge trat
auf: Johann Hampden, der durch kriechende Bitten und enorme Bestechungen
seinen Hals vom Strange gerettet hatte. Er war jetzt ein mchtiger und
angesehener Mann, gehrte zu den Huptern der dominirenden Partei im
Hause der Gemeinen und war bei alledem einer der unglcklichsten
Menschen auf Gottes Erde. Die Erinnerung an die jmmerliche Figur, die
er vor den Schranken der Old Bailey gespielt, verbitterte sein Gemth
und trieb ihn an, sich ohne Gnade an Denen zu rchen, welche direct oder
indirect etwas zu seiner Demthigung beigetragen hatten. Er war von
allen Whigs der intoleranteste und allen Amnestieplnen am
hartnckigsten opponirende. Das Bewutsein, sich eine Ble gegeben zu
haben, machte ihn eiferschtig auf seine Wrde und ungemein empfindlich.
Er paradirte bestndig mit seinen Diensten und seinen Leiden, als ob er
durch diese prahlerische Darlegung den Schandfleck, den nichts vor
seinen eigenen Augen verbergen konnte, wenigstens vor Andern zu
verbergen gehofft htte. Nachdem er schon seit mehreren Monaten im Hause
der Gemeinen heftig gegen Halifax haranguirt hatte, trat er jetzt auf,
um vor den Lords gegen ihn den Zeugeneid zu leisten. Die Scene war
interessant. Der Zeuge sagte von sich selbst, er habe sein Vaterland
gerettet, habe die erste Idee der Revolution gehabt und habe Ihre
Majestten auf den Thron gesetzt. Dann versuchte er zu beweisen, da
durch die Machinationen des Lord Geheimsiegelbewahrers sein Leben
gefhrdet worden sei, ein Versuch, der sein Ziel gnzlich verfehlte und
auf Den zurckfiel, von dem er ausgegangen. Hampden mute eingestehen,
da er seine Gattin zu dem Manne, gegen den er jetzt auftrat, geschickt
hatte, um seine Frsprache zu erbitten. Ist es nicht sonderbar, sagte
Halifax, da Sie die Verwendung eines Mannes nachsuchten, dessen
Machinationen Ihren Kopf in Gefahr gebracht hatten? -- Keineswegs,
erwiederte Hampden, denn an wen anders htte ich mich wenden sollen als
an die Mnner, welche am Ruder waren? Ich wendete mich an Lord Jeffreys,
ich wendete mich an Pater Petre und zahlte ihnen sechstausend Pfund fr
ihre Dienste. -- Nahm Lord Halifax ebenfalls Geld? -- Nein, das
kann ich nicht sagen. -- Und sandten Sie nicht Ihre Gemahlin zu ihm,
Mr. Hampden, um ihm fr seine Gte zu danken? -- Ja, ich glaube,
dies that ich, antwortete Hampden; aber ich wte nicht da diese
Gte einen reellen Nutzen fr mich gehabt htte. Wre dem nicht so, so
wrde ich Mylord verbunden sein, wenn er mir sagen wollte, worin dieser
Nutzen bestanden htte. So schmhlich das Auftreten dieses entarteten
Erben eines berhmten Namens vor den Schranken der Old Bailey gewesen
war, vor dem Mordausschusse spielte er eine noch schmhlichere
Figur.[31] Es ist eine erfreuliche Erscheinung, da eine Person, die
viel schwerere Unbill erfahren hatte, deren Character aber von dem
seinigen weit verschieden war, die hochherzige Lady Russell, gegen
die Ungerechtigkeit remonstrirte, mit der die extremen Whigs Halifax
behandelten.[32]

Johann Hampden's Bosheit war indessen weder ermdet noch beschmt.
Wenige Tage spter hielt er in einem Ausschusse des gesammten Hauses der
Gemeinen zur Inbetrachtnahme der Lage der Nation eine hmische Rede, in
der er alles Migeschick des Jahres dem Einflusse der Mnner zuschrieb,
welche in den Tagen der Ausschlieungsbill vom Parlamente getadelt
worden seien, der Mnner, die zwischen Jakob und Wilhelm die Vermittler
htten spielen wollen. Der Knig, sagte er, msse smmtliche drei
Cavaliere, welche nach Hungerford gesandt worden seien, um mit ihm zu
unterhandeln, aus seinem Staatsrathe und aus seiner Nhe entfernen.
Hierauf sprach er von der Gefahr, Mnner von republikanischen
Grundstzen anzustellen. Dies sollte ohne Zweifel eine Anspielung auf
den Hauptgegenstand seiner unvershnlichen Bosheit sein, denn es war
wohlbekannt, da Halifax, obwohl von Natur gewaltsamen Vernderungen
abgeneigt, in seinen politischen Ansichten ein Republikaner war und oft
sehr geistreich und humoristisch gegen die erbliche Monarchie sprach.
Die einzige Wirkung des gegen ihn gerichteten Ausfalls bestand jedoch
darin, da er ein hhnisches Gelchter hervorrief. Wie konnte ein
Hampden, der Enkel des groen Fhrers des Langen Parlaments, ein Mann,
der sich rhmte, mit Algernon Sidney gegen das knigliche Haus
conspirirt zu haben, das Wort Republikaner als einen Ausdruck des
Vorwurfs gebrauchen! Als der Sturm des Gelchters sich gelegt hatte,
standen mehrere Mitglieder auf, um den angeklagten Staatsmann zu
rechtfertigen. Seymour erklrte, da, so sehr er auch die Art und Weise,
wie die Verwaltung in der letzten Zeit gefhrt worden sei, mibillige,
er dem vom Johann Hampden vorgeschlagenen Beschlusse doch nicht
beitreten knne. Blicken Sie wohin Sie wollen, sagte er, auf Irland,
auf Schottland, auf die Flotte, auf die Armee, berall werden Sie
reichliche Beweise von schlechter Verwaltung finden. Wenn der Krieg von
den nmlichen Hnden fortgefhrt wird, so haben wir nichts Besseres als
eine Wiederholung der nmlichen Unflle zu erwarten. Aber ich bin nicht
geneigt, Mnner wegen der besten Handlung, die sie in ihrem Leben
gethan, zu verdammen, Mnner deshalb zu verdammen, weil sie versuchten,
durch rechtzeitiges Vermitteln einer Revolution vorzubeugen. Ein andrer
Sprecher sagte ganz richtig, da Halifax und Nottingham ins hollndische
Lager gesandt worden seien, weil sie das Vertrauen der Nation besessen
und weil sie allgemein als Feinde der Dispensationsgewalt, der
papistischen Religion und des franzsischen Einflusses bekannt gewesen
seien. Es wurde endlich beschlossen, da der Knig in allgemeinen
Ausdrcken ersucht werden solle, die Urheber der neuerlichen Migriffe
ausfindig zu machen und zu entfernen.[33] Es wurde ein Ausschu zur
Entwerfung der Adresse ernannt, und Johann Hampden, als Prsident
desselben, setzte eine Vorstellung in so hmischen Ausdrcken auf, da
bei Verlesung derselben im Hause der Gemeinen sein eigner Vater sich
mibilligend darber uerte und ein Mitglied ausrief: Das soll eine
Adresse sein? Ein Libell ist es! Nach einer heien Debatte wurde die
Adresse wieder an den Ausschu verwiesen und nicht wieder erwhnt.[34]

Die Erbitterung, welche ein groer Teil des Hauses gegen Halifax
empfunden, begann in der That nachzulassen. Es war bekannt, da er
bereits aufgehrt hatte, ein vertrauter Rathgeber der Krone zu sein,
obgleich er das Geheimsiegel noch nicht frmlich abgegeben. Die Macht,
die er whrend der ersten Monate der Regierung Wilhelm's und Mariens
besessen, war auf den khneren, minder skrupulsen und praktischeren
Caermarthen bergegangen, gegen dessen Einflu Shrewsbury vergebens
ankmpfte. Persnlich stand Shrewsbury sehr hoch in der kniglichen
Gunst; aber er war ein Oberhaupt der Whigs und wurde, wie alle
Parteifhrer, oft wider seinen Willen von Denen vorwrts getrieben, die
ihm folgen zu wollen schienen. Er selbst war zu einer milden und
gemigten Politik geneigt, aber er besa nicht die nthige Festigkeit,
um der geruschvollen Zudringlichkeit, mit der Politiker wie Johann Howe
und Johann Hampden Rache an ihren Feinden verlangten, Widerstand zu
leisten. Sein Rath hatte daher zu dieser Zeit wenig Gewicht bei seinem
Gebieter, der die Tories zwar weder liebte noch ihnen traute, aber fest
entschlossen war, sie nicht zu proscribiren.

Unterdessen beschlossen die Whigs, die sich bewut waren, neuerdings in
der Meinung des Knigs sowohl wie der Nation gesunken zu sein, einen
khnen und schlauen Versuch zu machen, von Beiden unabhngig zu werden.
Ein genauer Bericht ber diesen Versuch kann aus dem sprlichen und weit
verstreuten Material, das auf uns gekommen ist, nicht zusammengestellt
werden. Doch ist die Geschichte auch so wie sie auf uns gekommen,
immerhin interessant und lehrreich.


[_Die Corporationsbill._] Eine Bill zur Wiederherstellung der Rechte
derjenigen Corporationen, welche unter den beiden letzten Regierungen
ihre Gemeindeverfassungen der Krone zurckgegeben hatten, war im Hause
der Gemeinen eingebracht, von Mnnern aller Parteien mit allgemeinem
Beifall begrt, zweimal verlesen und einem gewhlten Ausschu
berwiesen worden, dessen Prsident Somers war. Am 2.Januar erstattete
Somers seinen Bericht. Die Tories waren nur in geringer Zahl anwesend,
denn da keine wichtige Discussion in Aussicht stand, hatten viele
Landgentlemen die Stadt verlassen, um am Kamin ihrer Schlsser das
Weihnachtsfest heiter zu feiern. Die eifrigen Whigs dagegen waren stark
vertreten. Sobald der Bericht ber die Bill erstattet war, erhob sich
Sacheverell, der in den strmischen Parlamenten Karl's II. als einer der
Talentvollsten und Heftigsten unter den Exclusionisten berhmt gewesen
war, und beantragte die Hinzufgung einer Klausel, welche bestimmte, da
jeder Municipalbeamte, der in irgend einer Weise an der Abtretung der
Gerechtsame eines Burgfleckens Theil gehabt, sieben Jahre lang unfhig
sein sollte, ein Amt in diesem Burgflecken zu bekleiden. Die Verfassung
fast jeder incorporirten Stadt in England war whrend des glhenden
Anfalls von Loyalitt, der auf die Entdeckung des Ryehousecomplots
gefolgt war, umgestaltet worden, und in fast jeder solchen Stadt hatten
die Tories dafr gestimmt, den Freibrief zurckzugeben und Alles der
vterlichen Frsorge des Souverains zu berlassen. Die Wirkung von
Sacheverells Klausel war daher die, da einige Tausend der reichsten und
angesehensten Mnner des Knigreichs sieben Jahre hindurch unfhig
waren, an der Verwaltung ihrer Wohnorte irgend welchen Antheil zu
nehmen, und da der Whigpartei auf sieben Jahre ein berwiegender
Einflu bei den Burgfleckenwahlen gesichert wurde.

Die Minoritt protestirte laut gegen die grobe Ungerechtigkeit, zu
einer Zeit wo London verdet war, mit hastiger Eil und wie durch
Ueberrumpelung ein Gesetz von hchster Wichtigkeit zu erlassen,
ein Gesetz, das rckwirkend eine harte Strafe ber viele hundert
achtbare Gentlemen verhngte, ein Gesetz, als in jeder Stadt, von
Berwick bis St. Ives die heftigsten Leidenschaften aufregen und das
einen sehr ernsten Einflu auf die Zusammensetzung des Hauses selbst
haben mute. Die einfachsten Schicklichkeitsrcksichten verlangten
wenigstens einen Aufschub. Dieser wurde beantragt, der Antrag aber
mit hundertsiebenundzwanzig gegen neunundachtzig Stimmen verworfen.
Hierauf wurde die Frage gestellt, ob Sacheverell's Klausel einen
Bestandtheil der Bill bilden solle, und mit hundertdreiunddreiig gegen
sechsundsechzig Stimmen bejaht. Sir Robert Howard stellte nun sofort
den Antrag, da Jeder, der, nachdem er nach der Sacheverell'schen
Klausel zur Bekleidung eines stdtischen Amtes unfhig geworden, sich
dennoch erkhne, ein solches Amt zu bernehmen, eine Geldbue von
fnfhundert Pfund verwirken und fr seine ganze Lebenszeit unfhig
sein sollte, irgend ein ffentliches Amt, welcher Art es auch sei, zu
bekleiden. Die Tories wagten es nicht, darber abstimmen zu lassen.[35]
Nach den Regeln des Hauses stand es in der Macht einer Minoritt,
den Gang einer Bill zu hemmen, und dies war gewi eine von den sehr
seltenen Gelegenheiten, wo die Ausbung dieser Befugni ganz am rechten
Orte gewesen wre. Die parlamentarischen Taktiker der damaligen Zeit
scheinen jedoch nicht gewut zu haben, in wie weit eine kleine Anzahl
Mitglieder den Gang eines Geschfts aufhalten kann, ohne irgend eine
Form zu verletzen.

Es wurde auf der Stelle beschlossen, da die durch Sacheverell's und
Howard's Klauseln erweiterte Bill mundirt werden solle. Die heftigsten
Whigs htten sie am liebsten binnen achtundvierzig Stunden definitiv
angenommen. Es stand allerdings nicht zu erwarten, da die Lords sie mit
gnstigen Augen ansehen wrden; aber einige desperate Mnner schienen
sich vorgenommen zu haben, die Geldbewilligungen vorzuenthalten, bis sie
angenommen war, ja sogar sie der Bewilligungsbill einzuverleiben und so
das Oberhaus in die Nothwendigkeit zu versetzen, entweder in eine
umfassende Proscription der Tories zu willigen, oder der Regierung die
Mittel zur Fortsetzung des Kriegs zu verweigern.[36] Viele Whigs waren
jedoch so rechtschaffen, da sie der Gegenpartei offenes Spiel gnnen
wollten, und klug genug, um zu wissen, da ein durch Gewalt und List
erlangter Vortheil nicht von Dauer sein konnte. Diese Mnner bestanden
darauf, da man bis zur dritten Lesung mindestens acht Tage verstreichen
lassen solle, und sie setzten dies auch durch. Ihre minder skrupulsen
Verbndeten beklagten sich bitter, da die gute Sache verrathen werde.
Was seien dies fr neue Kriegsgesetze? Warum wolle man gegen Feinde, die
keine Kriegslist fr unmoralisch hielten und welche nie Pardon gegeben
htten, eine chevalereske Courtoisie beobachten? Und sei etwas
geschehen, was nicht in genauester Uebereinstimmung mit der
Parlamentsordnung stehe? Diese Ordnung wisse nichts von kurzen und
langen Notificationen, von schwach besetzten und vollen Husern. Es sei
Pflicht des Volksvertreters an seinem Platze zu sein. Wenn es ihm
beliebe, auf seinem Landsitze zu jagen und zu zechen, whrend zu
Westminster wichtige Dinge berathen wrden, mit welchem Rechte knne er
dann darber murren, da redlichere und fleiigere Diener der
Oeffentlichkeit in seiner Abwesenheit eine Bill annahmen, die ihnen fr
das Gemeinwohl nothwendig erschienen war? Da sich indessen ein Aufschub
von einigen Tagen als unvermeidlich herausstellte, so leugneten
Diejenigen, welche beabsichtigt hatten, den Sieg durch eine List zu
erringen, jetzt diese Absicht. Sie versicherten dem Knige, der nicht
umhin konnte, einiges Mifallen an ihrer Handlungsweise zu uern und
dessen Unwillen viel strker war als er ihn blicken lie, auf das
Feierlichste, da sie der Ueberraschung nichts verdankten und da sie
auch in dem geflltesten Hause einer Majoritt ganz gewi seien.
Sacheverell soll mit groer Lebhaftigkeit erklrt haben, da er seinen
Sitz verwetten und nie wieder sein Gesicht im Parlamente zeigen wolle,
wenn er sich geirrt habe. Anfangs war man in der That allgemein der
Ansicht, da die Whigs den Sieg davon tragen wrden. Bald aber zeigte es
sich klar, da ein harter Kampf bevorstehe. Die Briefposten hatten nach
allen Richtungen hin die Nachricht mitgenommen, da die Gemeinen am
2.Januar ein rckwirkendes Strafgesetz gegen die ganze Torypartei
bewilligt htten und da dieses Gesetz am 10. zum letzten Male in
Erwgung genommen werden solle. Das ganze Knigreich von Northumberland
bis Cornwall gerieth in Aufruhr. Hundert Ritter und Squires verlieen
ihre mit Mistel- und Stechpalmenzweigen geschmckten Hallen und ihre
unter der Last der Bratenteller und Suppenschsseln zusammenbrechenden
Tafeln und eilten, die kurzen Tage, das kalte Wetter, die schlechten
Wege und die schurkischen Whigs verwnschend, nach der Hauptstadt. Auch
die Whigs zogen Verstrkung an sich, doch nicht in gleichem Umfange,
denn die Klauseln waren im allgemeinen unpopulr, und das nicht ohne
guten Grund. Kein Billigdenkender, welcher Partei er auch angehren
mge, wird leugnen, da die Tories einen groen Fehler begingen,
indem sie alle Municipalgerechtsame des Landes und damit zugleich die
Befugni, die Verfassung des Hauses der Gemeinen zu ndern, der Krone
zurckgaben. Doch hatte die Nation an diesem Fehler selbst mit Schuld.
Wenn die Mayors und Aldermen, deren Bestrafung jetzt beantragt wurde,
sich zu der Zeit, als die Loyalittsfluth am hchsten stand, trotzig
geweigert htten, dem Willen ihres Souverains nachzukommen, so wrde
man sie auf offener Strae als schurkische Rundkpfe bezeichnet haben,
der Rector wrde auf der Kanzel vor ihnen gewarnt haben, sie wrden
in Spottliedern verhhnt und wahrscheinlich vor ihren eigenen Thren
+in effigie+ verbrannt worden sein. Es ist allerdings ein groer
Uebelstand, da eine Gesellschaft abwechselnd durch die Furcht vor
Tyrannei und durch die Furcht vor Anarchie zu Verirrungen getrieben
werden kann. Aber diesem Uebelstande ist nicht dadurch abzuhelfen, da
man wegen solcher Verirrungen einige Personen bestraft, welche mit den
Uebrigen fehlten und spter ihren Fehler mit den Uebrigen bereueten.
Auch htte man nicht vergessen sollen, da die Uebelthter, gegen
welche Sacheverell's Klausel gerichtet war, die Snden, die sie 1683
begangen, im Jahre 1688 reichlich wieder gut gemacht hatten. Sie hatten
sich, als Gesammtheit, energisch gegen das Dispensationsrecht erhoben,
und die meisten von ihnen waren wirklich von Jakob ihrer stdtischen
Aemter entsetzt worden, weil sie sich geweigert hatten, seine Politik
zu untersttzen. Es ist daher kein Wunder, da der Versuch, ber alle
diese Mnner ohne Ausnahme eine schimpfliche Strafe zu verhngen,
einen Sturm des ffentlichen Unwillens heraufbeschwor, dem viele
whiggistische Mitglieder des Parlaments nicht geneigt waren zu trotzen.

Mit dem Herannahen des entscheidenden Kampfes und dem Anwachsen der
zurckkehrenden Tories vermehrte sich die Besorgni Sacheverell's und
seiner Verbndeten. Sie sahen ein, da sie kaum auf einen vollstndigen
Sieg hoffen durften, da sie ein Zugestndni machen, die Zurckweisung
der Bill an den Ausschu vorschlagen und sich bereit erklren muten zu
erwgen, ob zwischen den Hauptsndern und den Vielen, welche durch bses
Beispiel verleitet worden waren, ein Unterschied zu machen sei. Aber in
dem Mae wie der Muth der einen Partei sank, stieg der Muth der andren.
Die von nur zu gerechtem Unwillen erfllten Tories beschlossen, auf
keine Vergleichsvorschlge zu hren.

Der 10.Januar erschien und noch vor dem spten Tagesanbruch dieser
Jahreszeit war das Haus gedrngt voll. Mehr als hundertsechzig
Mitglieder waren binnen einer Woche nach der Hauptstadt gekommen. Von
der Morgendmmerung an bis die Lichter tief herabgebrannt waren, blieben
die Reihen dicht geschlossen, und nur wenige Mitglieder verlieen ihre
Pltze, auer auf einige Augenblicke, um ein Stck Brod oder ein Glas
Wein zu sich nehmen. Boten standen bereit, um das Resultat nach
Kensington zu bringen, wo Wilhelm trotz eines heftigen Hustens in
gespannter Erwartung bis Mitternacht aufsa und an Portland schrieb, den
er in einer wichtigen Angelegenheit nach dem Haag geschickt hatte.

Der einzige noch vorhandene Bericht ber die Debatte ist unvollstndig
und verworren. Doch lt sich soviel daraus erkennen, da die Aufregung
gro war und da sehr starke Aeuerungen fielen. Ein junges
whiggistisches Mitglied fhrte eine so heftige Sprache, da er in
Gefahr war, vor die Schranke gefordert zu werden. Der Sprecher wurde
mehrmals getadelt, da er seinen Freunden zuviel Freiheit gestatte. Es
kam jedoch eigentlich nicht viel darauf an, ob er die Uebertreter zur
Ordnung rief oder nicht. Das Haus war schon lngst vllig unlenksam, und
alte Mitglieder vermiten schmerzlich den wrdevollen Anstand der
Debatte und die Autoritt des Prsidentenstuhls vergangener Zeiten.[37]
Da Somers die Heftigkeit der Partei, der er angehrte, nicht billigte,
kann man sowohl aus dem ganzen Laufe seines ffentlichen Lebens, wie aus
dem sehr bezeichnenden Umstande schlieen, da er, obgleich ihm die
Durchsetzung der Corporationsbill oblag, die Strafklauseln nicht
beantragte, sondern dieses unangenehme Amt ungestmeren und minder
scharfsinnigen Mnnern als er war berlie. Doch lie er seine
Bundesgenossen deshalb nicht im Stich, sondern sprach fr sie und
versuchte aus einer schlechten Sache so viel als mglich zu machen. Das
Haus stimmte mehrere Male ab. Bei der ersten Abstimmung waren
hundertvierundsiebzig Stimmen fr Sacheverell und hundertneunundsiebzig
gegen ihn. Der Kampf wurde hartnckig fortgesetzt; aber die Majoritt
stieg von fnf auf zehn, von zehn auf zwlf, und von zwlf auf achtzehn
Stimmen. Jetzt endlich gaben sich die Whigs nach einer vierzehnstndigen
strmischen Sitzung fr besiegt. Es war kurz vor Mitternacht, als der
Sekretr zum unaussprechlichen Jubel und Triumphe der Tories von dem
Pergamente, auf welches die Bill abgeschrieben worden war, die
gehssigen Klauseln Sacheverell's und Howard's abri.[38]


[_Debatten ber die Indemnittsbill._] Durch diesen groen Sieg dreist
gemacht, versuchten die Tories nun, die Indemnittsbill, welche seit
vielen Wochen unbeachtet bei Seite gelegen hatte, wieder zur Sprache zu
bringen.[39] Aber die Whigs bildeten trotz ihrer eben erlittenen
Niederlage noch immer die Majoritt des Hauses, und viele Mitglieder,
welche die Unpopularitt gescheut hatten, die sie sich durch
Untersttzung der Sacheverell'schen und Howard'schen Klauseln zugezogen
haben wrden, waren vollkommen bereit, zur Verzgerung einer allgemeinen
Amnestie beizutragen. Sie brachten noch immer ihre Lieblingsalternative
vor. Wie, fragten sie, sei es mglich, diesen Amnestieplan zu
vertheidigen, ohne die Revolution zu verdammen? Knne man behaupten, da
Verbrechen, welche schwer genug gewesen waren, um Widerstand zu
rechtfertigen, nicht schwer genug gewesen seien, um Bestrafung zu
verdienen? Und wenn diese Verbrechen von solcher Gre wren, da sie
mit Recht an dem Souverain heimgesucht werden drften, den die
Verfassung von jeder Verantwortlichkeit entbinde, nach welchem Prinzip
knne seinen Rathgebern und Werkzeugen, welche doch ohne Zweifel
verantwortlich seien, Straflosigkeit gewhrt werden? Ein joviales
Mitglied kleidete dieses Argument in eine eigenthmliche Form. Er wute
auf den Stuhl des Prsidenten ein Papier zu bringen, das sich bei der
Untersuchung als eine Indemnittsbill fr Knig Jakob herausstellte, mit
einer spttischen Einleitung ber die Milde, welche seit der Revolution
gegen schwere Verbrecher gebt worden sei, und ber die Nachsicht,
welche einem Knige gebhre, der sein Volk nur tyrannisirt habe, weil
alle Knige es thten.[40]

An dem nmlichen Tage, an welchem diese persiflirte Indemnittsbill die
Heiterkeit der Gemeinen erregte, wurde der Antrag gestellt, da das Haus
sich zur Berathung der wirklichen Bill zu einem Ausschusse erklren
sollte. Die Whigs verwarfen den Antrag durch eine Majoritt von
hundertdreiundneunzig Stimmen gegen hundertsechsundfunfzig. Hierauf
beschlossen sie, da eine Strafbill gegen Delinquenten unverzglich
eingebracht und mit der Indemnittsbill verbunden werden sollte.[41]


[_Der Fall Sir Robert Sawyer's._] Wenige Stunden spter ging ein
Beschlu durch, welcher deutlicher als irgend etwas bis dahin
Geschehenes bewies, wie wenig Aussicht vorhanden war, da die
ffentliche Meinung durch eine Amnestie schnell begtigt werden wrde.
Wenige Personen standen in der Achtung der Torypartei hher als Sir
Robert Sawyer. Er war ein Mann von groem Vermgen und aristokratischen
Verbindungen, von orthodoxen Glaubensansichten und regelmigem Wandel,
ein talentvoller und erfahrener Jurist, ein tchtiger Gelehrter und, ein
wenig Prahlsucht abgerechnet, ein guter Redner. Er war zur Zeit der
Entdeckung des Ryehousecomplots Generalfiscal gewesen, war bei den
darauffolgenden Untersuchungen im Interesse der Krone verwendet worden,
und hatte diese Untersuchungen mit einer Energie betrieben, welche
heutzutage von allen Parteien Grausamkeit genannt werden wrde, die aber
seiner Zeit und seiner Partei nur als ein lobenswerther Eifer erschien.
Seine Freunde behaupteten zwar, er sei in Dingen, wo es sich um Leben
und Tod handle, peinlich gewissenhaft,[42] doch ist dies ein Lob, das
Mnner, welche die Staatsprozesse des 17.Jahrhunderts mit Augen des
19.Jahrhunderts prfen und studiren, nicht recht begreifen werden. Die
einzige Entschuldigung, die sich fr diese Periode seines Lebens geltend
machen lt, ist, da er den Schandfleck unschuldigen Blutes mit fast
allen ausgezeichneten Staatsmnnern jener schlimmen Zeit gemein hatte.
Wenn wir ihn tadeln, weil er den Proze Russell's gefhrt, so drfen wir
nicht vergessen, da Russell den Proze Stafford's gefhrt hatte.

So gro Sawyer's Vergehen waren, er hatte sie groentheils wieder gut
gemacht. Er war mit Entschiedenheit gegen Papismus und Despotismus
aufgetreten, hatte sich im Audienzzimmer selbst auf das Bestimmteste
geweigert, im Widerspruch mit Parlamentsacten Verhaftsbefehle zu
erlassen, hatte lieber sein eintrgliches Amt niedergelegt, als da er
in Westminster Hall als Verfechter des Dispensationsrechts erschienen
wre, war der erste Rechtsbeistand fr die sieben Bischfe gewesen und
hatte am Tage ihres Prozesses seine Pflicht mit Gewandtheit,
Rechtschaffenheit und Unerschrockenheit gethan. Er war daher ein
Liebling der Hochkirchlichen, und man htte denken sollen, da auch die
Whigs ihm wohl verzeihen konnten. Aber die Whigs waren jetzt nicht zum
Vergeben gestimmt und Sawyer wurde wegen seines Verfahrens bei dem
Prozesse Sir Thomas Armstrong's zur Verantwortung gezogen.

Wenn Armstrong nicht verleumdet worden ist, so war er in die
schlimmsten Geheimnisse des Ryehousecomplots tief eingeweiht und
einer von Denen, die es bernommen hatten, die beiden kniglichen
Brder zu ermorden. Als die Verschwrung entdeckt war, floh er auf den
Continent und wurde auerhalb des Gesetzes erklrt. Die Behrden der
Stadt Leyden lieen sich durch Bestechung bewegen ihn auszuliefern;
er wurde schleunigst auf ein englisches Schiff gebracht, nach London
transportirt und vor die Kings Bench gestellt. Sawyer trug darauf
an, da der Gerichtshof auf Vollziehung der Acht erkenne, wogegen
Armstrong geltend machte, da seit seiner Aechtung noch kein Jahr
verstrichen sei und da, laut einer unter der Regierung Eduard'sVI.
erlassenen Verordnung, ein Gechteter, der sich binnen Jahresfrist
stellte, berechtigt sei, auf Cassation seines Urtels anzutragen und an
sein Vaterland zu appelliren. Darauf wurde erwiedert, da Armstrong
sich nicht selbst gestellt habe, sondern als Gefangener vor Gericht
gefhrt worden sei und da er daher keinen Anspruch auf ein Recht habe,
welches offenbar nur Denjenigen zuzugestehen sei, die sich freiwillig
den Hnden der Gerechtigkeit berlieferten. Jeffreys und die anderen
Richter verwarfen einstimmig Armstrong's Einwand und genehmigten den
Vollziehungsantrag. Nun ereignete sich eine der entsetzlichsten von
den vielen entsetzlichen Scenen, welche damals unsere Gerichtshfe
schndeten. Die Tochter des Unglcklichen stand an seiner Seite.
Mylord, rief sie aus, Sie werden meinen Vater nicht morden! Denn
dies wre ein Mord! Was soll das heien? brllte der Oberrichter.
Wer ist dieses Weib? Ergreift sie, Kerkermeister, und fhrt sie fort!
Sie wurde mit Gewalt hinausgefhrt und rief im Fortgehen: Gott der
Allmchtige wird Euch richten! -- Gott der Allmchtige wird die
Verrther richten! sagte Jeffreys. Solch' Geschrei kann mich Gott sei
Dank nicht beirren. Als sie fort war, berief sich ihr Vater nochmals
auf sein vermeintliches Recht. Ich verlange nichts weiter, sagte er,
als die Wohlthat des Gesetzes. -- Und die soll Euch, bei der Gnade
Gottes zu Theil werden, versetzte der Richter. Herr Sheriff, Sie
werden dafr sorgen, da die Execution nchsten Freitag stattfindet.
Das ist die Wohlthat des Gesetzes fr Euch! Am darauf folgenden
Freitage wurde Armstrong gehngt, geschleift und geviertheilt und sein
Kopf auf Westminster Hall ausgesteckt.[43]

Jeffrey's Rcksichtslosigkeit und Grausamkeit erregen, selbst noch nach
einer so langen Reihe von Jahren, einen Unwillen, der es einem schwer
macht, gerecht gegen ihn zu sein. Einem vollkommen vorurtheilsfreien
Richter wird es indessen vielleicht durchaus nicht klar scheinen, da
das Executionsurtheil gesetzwidrig war. Einen Prcedenzfall gab es
nicht, und der Wortlaut der Acte Eduard'sVI. kann, ohne ihm Gewalt
anzuthun, so ausgelegt werden, wie der Gerichtshof ihn auslegte. Htte
die Strafe nur in einer Geldbue oder in Gefngnihaft bestanden, so
wrde in der That Niemand in dem Verfahren etwas Verwerfliches erblickt
haben. Aber einen Menschen als Hochverrther an den Galgen zu schicken,
ohne ihn mit seinen Anklgern zu confrontiren, ohne seine Vertheidigung
zu hren, einzig und allein deshalb, weil eine Verzagtheit, die mit der
Unschuld wohl vereinbar ist, ihn getrieben hatte, sich zu verbergen, ist
sicherlich eine Verletzung, wenn nicht eines geschriebenen Gesetzes, so
doch der groen Prinzipien, mit denen alle Gesetze in Einklang stehen
mssen. Der Fall wurde vor das Haus der Gemeinen gebracht. Die verwaiste
Tochter Armstrong's erschien vor der Schranke, um Rache zu fordern, und
es folgte eine heie Debatte. Sawyer wurde heftig angegriffen und
krftig vertheidigt. Die Tories erklrten, ihrer Ansicht nach habe er
nur das gethan, wozu er als Anwalt der Krone verbunden war, und seine
Pflicht gegen Gott, gegen den Knig und gegen den Gefangenen erfllt.
Wenn das Erkenntni gesetzlich sei, knne man Niemandem einen Vorwurf
machen, und sei es ungesetzlich, so treffe der Vorwurf nicht den
Generalfiskal, sondern die Richter. Es wrde mit aller Redefreiheit vor
Gericht vorbei sein, wenn ein Advokat deshalb bestraft werden solle,
weil er ein streng ordnungsmiges Gesuch an einen Gerichtshof gestellt
und dargethan habe, da gewisse Worte eines Gesetzes in einem gewissen
Sinne zu verstehen seien. Die Whigs hingegen nannten Sawyer einen
Mrder, einen Bluthund, einen Henker. Wenn mit der von den Advokaten
beanspruchten Redefreiheit die Freiheit gemeint sei, die Leute an den
Galgen zu haranguiren, so sei es hohe Zeit, da die ganze Nation
aufstnde und das ganze Geschlecht der Juristen vertilge. Es wird nicht
eher besser werden, sagte ein Redner, als bis an einigen Mitgliedern
dieses Standes ein Exempel statuirt wird. -- Es soll kein Verbrechen
sein, Execution zu verlangen! rief Johann Hampden. Nchstens wird man
uns sagen, da es kein Verbrechen von den Juden gewesen sei zu rufen
'Kreuziget ihn.' Ein einsichtsvoller und gerechter Mann wrde
wahrscheinlich der Meinung gewesen sein, da dies kein Fall war, wo
Strenge gebt werden durfte. Sawyer's Verfahren mochte bis zu einem
gewissen Punkte wohl strafbar gewesen sein; aber wenn eine
Indemnittsacte berhaupt erlassen wurde, so wurde sie doch im Interesse
solcher Personen erlassen, deren Verhalten strafbar gewesen war. Es
fragte sich nicht, ob er schuldlos war, sondern ob seine Schuld so
absonderlich schwer war, da er trotz aller seiner Opfer und Dienste
speciell von der Amnestie ausgenommen werden mute, welche vielen
Tausenden von Uebelthtern zu Theil werden sollte. Besonnene und
unparteiische Richter wrden diese Frage wahrscheinlich zu seinen
Gunsten entschieden haben. Es wurde jedoch beschlossen, da er von der
Amnestie ausgenommen und aus dem Hause gestoen werden solle.[44]

Am folgenden Morgen wurde die nunmehr in eine Straf- und Bubill
verwandelte Amnestiebill nochmals berathen. Die Whigs willigten ein, da
sie einem Ausschusse des ganzen Hauses berwiesen werde, schlugen aber
vor, dem Ausschusse zu bedeuten, da er seine Arbeiten mit der
Anfertigung einer Liste der zu proscribirenden Uebelthter beginnen
solle. Die Tories beantragten die vorlufige Frage. Das Haus stimmte ab,
und die Whigs trugen mit hundertneunzig gegen hundertdreiundsiebzig
Stimmen den Sieg davon.[45]


[_Der Knig beabsichtigt sich nach Holland zurckzuziehen._] Der Knig
verfolgte diese Ereignisse mit einer peinlichen Spannung. Er war seiner
Krone mde. Er hatte es versucht, beiden streitenden Parteien gerecht zu
werden; aber mit der Gerechtigkeit war keine von beiden zufrieden. Die
Tories haten ihn, weil, er die Dissenters protegirte, und die Whigs
haten ihn, weil er die Tories protegirte. Die Amnestie schien in
weitere Ferne hinausgerckt, als sie es vor zehn Monaten war, da er sie
zuerst vom Throne herab empfahl. Der letzte Feldzug in Irland war
unglcklich ausgefallen, und es konnte wohl sein, da der nchste noch
unglcklicher ausfiel. Die Mibruche in der Verwaltung, welche mehr als
die Ausdnstungen der Smpfe von Dundalk dazu beigetragen hatten, die
Wirksamkeit der englischen Truppen zu neutralisiren, waren aller
Wahrscheinlichkeit nach so monstrs als je. Jeder Verwaltungszweig war
grndlich desorganisirt, und die Leute wunderten sich und rgerten sich
darber, da ein vor Kurzem zu ihnen gekommener Auslnder, der sie nur
unvollkommen kannte und bestndig in seinen Bewegungen von ihnen
behindert wurde, in einem Jahre nicht die ganze Regierungsmaschine in
Ordnung gebracht hatte. Die meisten seiner Minister bemhten sich,
anstatt ihn zu untersttzen, Adressen und Anklagen gegen einander
aufzubringen. Und doch brachen alle englischen Factionen in ein
allgemeines Wuthgeschrei aus, wenn er sich seiner Landsleute bediente,
auf deren Treue und Anhnglichkeit er sich verlassen konnte. Die
Schurkerei des englischen Kriegscommissariats hatte eine Armee
vernichtet, und doch hatte das Gercht, da er beabsichtige, einen
geschickten, erfahrenen und zuverlssigen Commissar aus Holland
anzustellen, allgemeine Unzufriedenheit erregt. Der Knig sah ein, da
er unter solchen Umstnden der groen Sache, der er mit ganzer Seele
zugethan war, keine Dienste leisten knne. Schon begann der Ruhm, den er
sich durch glckliche Durchfhrung des wichtigsten Unternehmens jener
Zeit erworben, zu erbleichen, und selbst seine Freunde fingen an zu
zweifeln, ob er wirklich den Scharfblick und die Energie besitze, welche
einige Monate zuvor seinen Feinden unwillkrliche Bewunderung
abgenthigt hatten. Aber er wollte seine glnzende Sklaverei nicht
langer ertragen. Er wollte in sein Geburtsland zurckkehren und sich
damit begngen, der erste Brger einer Republik zu sein, der der Name
Oranien theuer war. Als solcher konnte er noch immer eine bedeutende
Rolle spielen unter Denen, die sich zur Vertheidigung der Freiheiten
Europa's verbndet hatten. Was die unruhigen und undankbaren Insulaner
betraf, die ihn verabscheuten, weil er es nicht zulassen wollte, da sie
sich gegenseitig in Stcken zerrissen, so sollte Marie zusehen, wie sie
mit ihnen fertig wrde. Sie war auf ihrem Boden geboren, sie sprach ihre
Sprache, sie war einigen Theilen ihrer Liturgie, die sie fr wesentlich
hielten und die ihm im besten Falle harmlos erschienen, nicht abhold.
Verstand sie auch wenig von Politik und Krieg, so besa sie dafr
Eigenschaften, die ihr ntzlicher werden konnten: weibliche Anmuth und
Takt, ein sanftes Gemth und fr Jedermann ein Lcheln und ein
freundliches Wort. Ihr gelang es vielleicht, die Streitigkeiten zu
schlichten, welche Staat und Kirche zerrtteten, und Holland unter
seiner und England unter ihrer Verwaltung konnten in herzlichem
Einvernehmen zusammen gegen den gemeinsamen Feind agiren.


[_Er wird zur Aenderung seiner Absicht bestimmt._] Er lie in aller
Stille die Vorbereitungen zu seiner Abreise treffen. Nachdem er dies
gethan, berief er eine kleine Anzahl seiner vornehmsten Rthe zusammen
und theilte ihnen sein Vorhaben mit. Ein Geschwader, sagte er, liege in
Bereitschaft, um ihn in sein Vaterland zurck zu bringen. Er habe nichts
mehr mit ihnen zu thun und hoffe, da die Knigin glcklicher sein
werde. Die Minister waren wie vom Donner gerhrt. Alle Streitigkeiten
waren mit einem Male bei Seite gesetzt. Der Tory Caermarthen auf der
einen, der Whig Shrewsbury auf der andren Seite, baten und beschworen
ihn mit einer rhrenden Eindringlichkeit, wie sie in den Conferenzen von
Staatsmnnern selten vorkommt. Es wurde manche Thrne vergossen. Endlich
lie der Knig sich bewegen, seinen Plan, die Regierung niederzulegen,
wenigstens fr den Augenblick aufzugeben. Zugleich aber kndigte er eine
andre Absicht an, die er sich fest vorgenommen hatte nicht aufzugeben.
Da er noch an der Spitze der englischen Verwaltung bliebe, wollte er
selbst nach Irland gehen und versuchen, ob die ganze knigliche
Autoritt, auf dem Punkte, wo das Geschick des Reichs entschieden werden
sollte, mit Nachdruck geltend gemacht, hinreichen wrde, um Betrgereien
zu verhindern und die Disciplin aufrecht zu erhalten.[46]


[_Die Whigs widersetzen sich seiner Reise nach Irland._] Da er
ernstlich im Sinne gehabt hatte, sich nach Holland zurckzuziehen, blieb
nicht allein der Menge, sondern selbst der Knigin noch lange ein
Geheimni.[47] Da er aber beschlossen hatte, das Commando seiner Armee
in Irland zu bernehmen, wurde bald in ganz London bekannt. Man wute,
da sein Lagergerth angefertigt wurde und da Sir Christoph Wren mit
der Construction eines hlzernen Hauses beschftigt war, das der Knig,
auf zwei Wagen gepackt, mit sich nehmen und das berall aufgeschlagen
werden sollte, wo er sein Hauptquartier zu nehmen gedachte.[48] Die
Whigs schrieen Zeter ber den ganzen Plan. Da sie nicht wuten oder
wenigstens vorgaben es nicht zu wissen, da Wilhelm und Wilhelm ganz
allein diesen Plan gefat und da keiner seiner Minister es gewagt
hatte, ihm zu rathen, da er sich den irischen Schwertern und dem
irischen Klima aussetzen solle, so behauptete die ganze Partei mit
Zuversicht, irgend ein Verrther im Cabinet, ein Tory der die Revolution
und alles aus der Revolution Hervorgegangene hasse, habe ihn dazu
berredet. Wrde ein wahrer Freund Seiner Majestt bei seiner
schwankenden Gesundheit wohl gerathen haben, sich nicht allein den
Gefahren des Kriegs, sondern auch dem bsartigen Einflusse eines Klima's
auszusetzen, das neuerdings Tausenden von weit krftigeren Leuten
verderblich geworden war? Im Familienkreise lchelte der Knig spttisch
ber diese ngstliche Besorgni um seine Gesundheit, denn in seinen
Augen war sie nichts weiter als die Besorgni eines harten Herrn,
welcher frchtet, da seine Sklaven arbeitsunfhig werden mchten. Die
Whigs, schrieb er an Portland, frchteten ihr Werkzeug zu verlieren,
bevor ihr Werk fertig sei. Was ihre Freundschaft anlangt, setzte er
hinzu, so wissen Sie was diese werth ist. Er sagte seinem Freunde, da
sein Entschlu unwiderruflich feststehe. Es stehe Alles auf dem Spiele
und gehen msse er, selbst wenn das Parlament ihn durch eine Adresse
bitten sollte zu bleiben.[49]


[_Er prorogirt das Parlament._] Er erfuhr bald, da unverzglich in
beiden Husern eine solche Adresse beantragt und durch die ganze Macht
der Whigpartei untersttzt werden sollte. Diese Nachricht berzeugte
ihn, da es Zeit war, einen entscheidenden Schritt zu thun. Er wollte
die Whigs nicht von sich stoen, aber ihnen eine Lection geben, die
ihnen sehr Noth that. Er wollte die Kette zerreien, in die sie ihn
geschmiedet zu haben glaubten. Sie sollten nicht im ausschlielichen
Besitz der Macht sein und die besiegte Partei nicht verfolgen. Ihnen zum
Trotz wollte er das Commando seiner Armee in Irland bernehmen. Er
entwarf seinen Plan mit der ihm eigenen Besonnenheit, Festigkeit und
Verschwiegenheit. Einen einzigen Englnder mute er ins Vertrauen
ziehen, denn er war unsrer Sprache nicht hinreichend mchtig, um in
derselben mit seinen eigenen Worten die beiden Huser vom Throne herab
anzureden, und er pflegte deshalb bei wichtigen Gelegenheiten seine Rede
franzsisch niederzuschreiben und sie dann ins Englische bersetzen zu
lassen. Es steht fest, da der Knig den bedeutungsvollen Entschlu, den
er gefat hatte, wirklich nur einer einzigen Person mittheilte, und es
kann kaum einem Zweifel unterliegen, da diese Person Caermarthen war.

Am 27.Januar klopfte der schwarze Stab an die Thr des Hauses der
Gemeinen, und Sprecher und Mitglieder begaben sich in das Haus der
Lords. Der Knig war bereits auf dem Throne. Er ertheilte der
Bewilligungsbill seine Genehmigung, dankte den beiden Husern dafr,
kndigte seine Absicht an, nach Irland zu gehen, und prorogirte das
Parlament. Niemand konnte zweifeln, da der Prorogation sehr bald die
Auflsung folgen werde. Bei den Schluworten: Ich habe es fr
zweckdienlich gehalten, jetzt dieser Session ein Ziel zu setzen,
brachen die Tories sowohl diesseits als jenseits der Schranke in einen
strmischen Jubel aus, und der Knig berschaute inzwischen sein
Auditorium vom Throne herab mit dem scharfen Adlerblicke, dem nichts
entging. Man kann es ihm wohl verzeihen, wenn er ein wenig Schadenfreude
darber empfand, Diejenigen qulen zu knnen, die ihn so grausam geqult
hatten. Ich sah ellenlange Gesichter, schrieb er den Tag darauf an
Portland. Einige wechselten vor Aerger wohl zwanzigmal die Farbe,
whrend ich sprach.[50]


[_Freude der Tories._] Wenige Stunden nach der Prorogation vereinigte
ein Abschiedsmahl hundertfunfzig toryistische Mitglieder des Parlaments
in der Apollo-Taverne in Fleetstreet. Sie waren jetzt besser auf Wilhelm
zu sprechen als zu der Zeit, da sein Schwiegervater aus Whitehall
vertrieben worden war. Sie hatten sich noch kaum von dem freudigen
Erstaunen erholt, mit der sie vom Throne herab die Ankndigung
vernommen, da die Session zu Ende sei. Die Erinnerung an ihre Gefahr
und das Gefhl der Befreiung war noch frisch in ihnen. Sie sprachen
davon, sich in Pleno in den Palast zu begeben, um ihren Dank
auszusprechen, gaben diese Absicht aber aus triftigen Grnden wieder
auf, denn eine Schaar Squires, welche von einem Gastmahle kamen, bei dem
weder Ale noch Claret gespart worden war, wrde gewi einiges unpassende
Gerusch im Audienzzimmer gemacht haben. Sir Johann Lowther, der an
Reichthum und Einflu keinem Landgentleman der damaligen Zeit nachstand,
wurde mit dem Danke der Versammlung in den Palast gesandt. Er spreche,
sagte er zum Knige, die Gesinnung einer groen Anzahl loyaler Gentlemen
aus. Seine Majestt drfe berzeugt sein, da sie in ihren Grafschaften
ihr Mglichstes thun wrden, um ihm zu dienen, und sie lieen ihm von
Herzen eine glckliche Reise nach Irland, einen vollstndigen Sieg, eine
baldige Zurckkunft und eine lange und glckliche Regierung wnschen. Im
Laufe der folgenden Woche gingen Viele, die sich seit der Revolution
nicht im Zirkel von St. James hatten blicken lassen, zum Handku. Die,
welche bis dahin als halbe Jakobiten betrachtet worden waren, drckten
ihre Billigung der Politik der Regierung mit solcher Wrme aus, da die
entschiedenen Jakobiten sehr entrstet waren und sich bitter ber die
traurige Verblendung beklagten, welche ber die Shne der Kirche
England's gekommen zu sein scheine.[51]

Alle damaligen Handlungen Wilhelm's verriethen seinen Entschlu, die
Heftigkeit der Whigs fortdauernd, wenn auch mild zu zgeln und sich wo
mglich die Zuneigung der Tories zu erwerben. Mehrere Personen, welche
die Whigs wegen Hochverraths ins Gefngni geworfen hatten, wurden gegen
Caution in Freiheit gesetzt.[52] Die Prlaten, welche der Ansicht waren,
da sie Jakob noch Unterthanentreue schuldeten, wurden mit einer in der
Geschichte der Revolutionen seltenen Schonung behandelt. Innerhalb einer
Woche nach der Prorogation kam der 1.Februar, der Tag, an welchem
diejenigen Geistlichen, die sich weigerten, den Eid zu leisten,
definitiv ihrer Aemter entsetzt werden sollten. Mehrere von den
suspendirten Geistlichen schwuren noch in den letzten Augenblicken, um
sich vor dem Bettelstab zu retten. Der Primas und fnf seiner Suffragane
aber blieben unbeugsam. Sie verwirkten demnach ihre Bisthmer, aber
Sancroft wurde benachrichtigt, da der Knig noch nicht die Hoffnung
aufgegeben habe, da es ihm gelingen werde, ein Arrangement zu treffen,
welches ihn der Nothwendigkeit berhebe, Nachfolger zu ernennen, und da
die nichtschwrenden Prlaten fr jetzt in ihren Palsten wohnen bleiben
knnten. Ihre Einnehmer wurden zu Einnehmern fr die Krone ernannt und
erhoben nach wie vor die Einknfte der erledigten Sitze.[53] Gleiche
Nachsicht wurde einigen Geistlichen untergeordneten Ranges bewiesen. So
bewohnte Sherlock auch nach seiner Entsetzung fortwhrend ungestrt sein
Amtshaus nahe der Templekirche.


[_Auflsung und allgemeine Wahl._] Jetzt erschien eine Proklamation,
welche das Parlament auflste. Es wurden Ausschreiben zu einer
allgemeinen Wahl erlassen und bald war das ganze Knigreich in Ghrung.
Van Citters, der eine Reihe von ereignivollen Jahren in England
zugebracht hatte, erklrte, er habe London nie heftiger bewegt
gesehen.[54] Die Aufregung wurde durch Schriften aller Art, von
Predigten in sechzehn Abschnitten bis herab zu leiernden
Straenballaden, genhrt. Stimmlisten wurden, zum ersten Male in unsrer
Geschichte, zur Benachrichtigung der Wahlbrger gedruckt und verbreitet.
Zwei von diesen Listen kann man noch heute in allen Bibliotheken sehen.
Die eine davon, welche von den Whigs in Circulation gesetzt war,
enthielt die Namen derjenigen Tories, welche gegen die Erklrung der
Thronerledigung gestimmt hatten. Die andre von den Tories in Umlauf
gesetzte Liste enthielt die Namen derjenigen Whigs, welche die
Sacheverell'sche Klausel untersttzt hatten.

Es zeigte sich bald, da die ffentliche Meinung im Laufe des seit dem
Zusammentritt der Convention verflossenen Jahres einen groen Umschwung
erfahren hatte, und man kann nicht leugnen, da dieser Umschwung,
wenigstens zum Theil, die natrliche Folge und die gerechte Strafe des
malosen und rachschtigen Gebahrens der Whigs war. Der City von London
glaubten sie gewi zu sein. Die Brgerschaft hatte im vergangenen Jahre
vier eifrige Whigs ohne Kampf gewhlt; aber alle vier hatten fr die
Sacheverell'sche Klausel gestimmt, und durch diese Klausel wrden viele
von den Handelsfrsten von Lombard Street und Cornhill, Mnner von
groem Gewicht, neben denen die Goldschmiede mit gezogenem Hute unter
den Arkaden der Brse auf und ab gingen, mit allen Unehren aus dem
Collegium der Aldermen und aus dem Gemeinderathe gestoen worden sein.
Es war ein Kampf auf Leben und Tod; keine Anstrengungen, keine
Kunstgriffe wurden gespart. Wilhelm schrieb an Portland, da die Whigs
der City in ihrer Verzweiflung sich aus nichts ein Gewissen machten und
da sie, wenn sie es so fort trieben, eine Indemnittsacte eben so
nthig brauchen wrden als die Tories. Es wurden jedoch vier Tories
gewhlt, und zwar mit einer so entschiedenen Majoritt, da der Tory,
welcher die wenigsten Stimmen hatte, dem Whig, der die meisten hatte, um
vierhundert Stimmen berlegen war.[55] Die Sheriffs, welche den Triumph
ihrer Feinde so weit als mglich hinauszuschieben wnschten, bewilligten
ein Scrutinium; aber obwohl die Majoritt sich verminderte, blieb das
Resultat unverndert.[56] Zu Westminster wurden zwei Gegner der
Sacheverell'schen Klausel ohne Kampf gewhlt.[57] Nichts aber bewies
schlagender das durch die Proceduren des letzten Hauses der Gemeinen
erregte Mifallen, als die Vorgnge an der Universitt Cambridge. Newton
zog sich in sein stilles Observatorium ber dem Thore von Trinity
College zurck. Zwei Tories wurden mit berwiegender Majoritt gewhlt.
Die meisten Stimmen hatte Sawyer, der erst wenige Tage vorher von der
Indemnittsbill ausgenommen und aus dem Hause der Gemeinen gestoen
worden war. Die Acten der Universitt enthalten interessante Beweise
dafr, da die unkluge Hrte, mit der er behandelt worden, ein
enthusiastisches Gefhl fr ihn geweckt hatte. Newton stimmte ebenfalls
fr Sawyer, und dieser bemerkenswerthe Umstand berechtigt uns zu der
Annahme, da auch der groe Philosoph, auf dessen Genie und Tugend die
Whigpartei mit Recht stolz ist, das starrsinnige und rachschtige
Benehmen dieser Partei mit Schmerz und Mifallen betrachtet hatte.[58]

Es stellte sich bald klar heraus, da die Tories im neuen Hause der
Gemeinen das Uebergewicht haben wrden.[59] Indessen erlangten alle
leitenden Whigs, bis auf einen einzigen, einen Sitz darin. Johann
Hampden blieb ausgeschlossen und seine Abwesenheit wurde nur von den
intolerantesten und unvernnftigsten Mitgliedern seiner Partei
bedauert.[60]


[_Vernderungen in den executiven Verwaltungszweigen._] Unterdessen traf
der Knig in fast jedem Zweige der ausbenden Verwaltung Aenderungen,
welche der durch die allgemeine Wahl in der Beschaffenheit des
gesetzgebenden Krpers bewirkten entsprachen. An die Bildung eines
Ministeriums nach unseren jetzigen Begriffen dachte er jedoch nicht.
Insbesondere behielt er sich die Leitung der auswrtigen Angelegenheiten
noch immer selbst vor und berwachte mit grter Aufmerksamkeit alle
Anstalten fr den bevorstehenden Feldzug in Irland. In seinen
vertraulichen Briefen beklagte er sich, da er mit wenig oder gar keinem
Beistande die Organisation der desorganisirten militrischen
Einrichtungen bewerkstelligen msse. Es sei ein schweres Stck Arbeit,
sagt er; aber es msse durchgefhrt werden, denn Alles hnge davon
ab.[61] Im Allgemeinen war die Verwaltung noch immer in unabhngige
Departements eingetheilt und in jedem Departement waren noch immer Whigs
und Tories mit einander vermischt, wenn auch nicht ganz in dem frheren
Verhltnisse. Im Jahre 1689 war das whiggistische Element entschieden
vorherrschend gewesen; im Jahre 1690 herrschte das toryistische Element
vor, obwohl nicht so entschieden.

Halifax hatte das Geheimsiegel abgegeben und es wurde Chesterfield
angetragen, einem Tory, der in der Convention fr eine Regentschaft
gestimmt hatte. Chesterfield aber weigerte sich, sein Landhaus und seine
Grten in Derbyshire mit dem Hofe und dem Berathungszimmer zu
vertauschen, und das Siegel wurde daher einer Commission anvertraut.[62]
Caermarthen war jetzt der Hauptrathgeber der Krone in allen auf die
innere Verwaltung und auf die Leitung der beiden Parlamentshuser
bezglichen Angelegenheiten. Den weien Stab und die damit verbundene
ungeheure Macht aber war Wilhelm noch immer entschlossen niemals einem
einzelnen Unterthan zu bertragen.


[_Caermarthen erster Minister._] Caermarthen blieb daher nach wie vor
Lordprsident, bezog aber eine Reihe von Gemchern in St. James Palace,
was fr eine nur dem Premierminister zustehende Bevorzugung galt.[63] Er
hatte whrend des vorhergehenden Jahres sein seltenes Erscheinen im
Staatsrathe mit schwankender Gesundheit entschuldigt, und die
Entschuldigung war nicht unbegrndet, denn seine Verdauungsorgane hatten
einige krankhafte Eigenthmlichkeiten, welche das ganze Collegium der
Aerzte auer Fassung brachten; seine Gesichtsfarbe war bla, seine
Gestalt hager und sein Gesicht, obgleich hbsch und geistvoll, hatte
einen verstrten Ausdruck, der eben so wohl ein fortwhrendes Leiden wie
einen rastlosen Ehrgeiz verrieth.[64] Sobald er jedoch wieder Minister
war, widmete er sich eifrig den Staatsgeschften und arbeitete tglich
vom frhen Morgen bis zum Abend mit einer Energie, welche Jedermann, der
seine geisterhaften Zge und seinen unsicheren Gang sah, in Erstaunen
setzte.

Hatte er nun auch fr sich selbst das Schatzmeisteramt nicht erlangen
knnen, so war doch sein Einflu im Schatzamte gro. Monmouth, der erste
Commissar, und Delamere, der Kanzler der Schatzkammer, zwei der
heftigsten Whigs in England, gaben ihre Sitze auf. Bei dieser, wie bei
vielen anderen Gelegenheiten zeigte es sich, da sie nichts als ihren
Whiggismus mit einander gemein hatten. Der oberflchliche Monmouth, der
sich wohl bewut war, da er keine von den Eigenschaften eines
Finanzmannes besa, scheint sich nicht persnlich verletzt gefhlt zu
haben, da er von einem Posten entfernt wurde, den er nie htte
einnehmen sollen. Er nahm mit Dank eine Pension an, die er bei seinen
verschwenderischen Gewohnheiten sehr gut brauchen konnte, und fuhr fort,
den Staatsrathssitzungen beizuwohnen, den Hof zu frequentiren und die
Functionen eines Kammerherrn zu versehen.[65] Auch versuchte er sich in
militrischen Angelegenheiten ntzlich zu machen, die er wenn nicht gut,
doch besser verstand als die meisten seiner vornehmen Standesgenossen,
und er bezeigte einige Monate lang Caermarthen groe Achtung. Delamere
war dagegen in ganz andrer Stimmung. Umsonst bezahlte man ihm seine
Dienste berreichlich mit Ehren und Reichthmern. Er wurde zum Earl von
Warrington creirt und erhielt alle Jesuiten gehrenden Lndereien,
welche in fnf oder sechs Grafschaften entdeckt werden konnten. Eine von
ihm geltend gemachte Forderung wegen Ausgaben, die er zur
Revolutionszeit gehabt, wurde ihm ebenfalls zugestanden und er nahm als
Lohn fr seine patriotischen Anstrengungen eine Summe mit sich in seine
Zurckgezogenheit, die der Staat schwer entbehren konnte. Doch sein
Unmuth war dadurch nicht zu beschwichtigen und er beklagte sich bis an
sein Ende bitter ber den Undank, mit dem man ihm und seiner Partei
gelohnt habe.[66]


[_Sir Johann Lowther._] Sir Johann Lowther wurde erster Lord des
Schatzes und er war Derjenige, dem Caermarthen hauptschlich die Leitung
der ostensiblen Geschfte im Hause der Gemeinen berlie. Lowther war
ein Mann von altem Adel, von bedeutendem Vermgen und von groem
parlamentarischen Einflu. Obwohl noch kein alter Mann, war er doch
schon ein alter Senator, denn er war noch vor erreichter Volljhrigkeit
seinem Vater als Parlamentsmitglied fr die Grafschaft Westmoreland
gefolgt. Die Vertretung von Westmoreland war in der That fast eben so
gut ein Erbtheil der Familie Lowther, wie ihr Stammschlo. Sir John
besa hchst achtungswerthe Talente, sein Benehmen war, obwohl es in
gleichzeitigen Schmhschriften zu ceremonis genannt wird, ungemein
artig, sein persnlicher Muth war nur zu bereit sich durch die That zu
dokumentiren und seine Moralitt war tadellos. Seine Zeit war zwischen
ntzlicher Thtigkeit und anstndigen Vergngungen getheilt, seine
Hauptbeschftigungen bestanden im Besuche des Hauses der Gemeinen und im
Prsidiren auf der Richterbank; seine Hauptvergngungen waren Lectre
und Gartenbau. Seiner politischen Meinung nach war er ein sehr
gemigter Tory. Er war der erblichen Monarchie und der Staatskirche
zugethan, hatte aber an der Revolution Theil gehabt und hegte keine
Skrupel wegen Wilhelm's und Mariens Rechtstitel; er hatte ihnen ohne
stillschweigenden Vorbehalt Treue geschworen und scheint seinen Eid
streng gehalten zu haben. Mit Caermarthen war er nahe befreundet. Sie
hatten bei dem Aufstande im Norden in herzlichem Einvernehmen gewirkt
und stimmten in ihren politischen Ansichten soweit berein, als ein
schlauer Staatsmann und ein ehrlicher Landgentleman in diesem Punkte
bereinstimmen konnten.[67] Durch Caermarthen's Einflu wurde Lowther
jetzt auf einen der wichtigsten Posten im Knigreiche erhoben.
Unglcklicherweise war es ein Posten, der ganz andere Eigenschaften
erheischte, als man braucht, um ein schtzbares Parlamentsmitglied und
ein tchtiger Prsident bei Quartalsitzungen zu sein. Der neue erste
Lord des Schatzes besa weder die fr sein Amt nthige Beredtsamkeit,
noch war sein Character dazu hinreichend gesthlt. Er hatte weder die
nthige Gewandtheit, um die Sptteleien und Vorwrfe, denen er in seiner
neuen Eigenschaft als Hofmann und Staatsbeamter ausgesetzt war, zu
pariren, noch die nthige Kraft, dieselben zu ertragen. Und dann hatte
er etwas zu thun, wozu er zu gewissenhaft war, etwas, was Wolsey oder
Burleigh nie gethan hatten, etwas, was kein englischer Staatsmann unsrer
Generation je gethan hat, was aber von den Zeiten Karl'sII. bis zu den
Zeiten Georg'sIII. eine der wichtigsten Obliegenheiten eines Ministers
war.


[_Ursprung und Fortschreiten der parlamentarischen Bestechung in
England._] Die Geschichte des Ursprungs, der Zunahme und Abnahme der
parlamentarischen Bestechung in England ist noch von Niemandem
geschrieben worden. Kein Gegenstand hat eine grere Menge beredtsamen
Tadels und beiender Sarkasmen veranlat. Drei Generationen ernster und
humoristischer Schriftsteller haben ber die Feilheit des Senats geweint
und gelacht. Diese Feilheit wurde auf der Wahlbhne getadelt, auf der
Kanzel mit dem Bannfluche belegt und auf der Bhne verspottet, von Pope
in glnzenden Versen und von Bolingbroke in eleganter Prosa, von Swift
mit wildem Hasse und von Gay mit launiger Bosheit angegriffen. Die
Stimmen von Tories und Whigs, von Johnson und Akenside, von Smollett und
Fielding verstrkten das Geschrei. Aber keiner der Scheltenden oder
Scherzenden nahm sich die Mhe die Erscheinung zu erklren, oder sie auf
ihre wirklichen Ursachen zurckzufhren.

Zuweilen wurde das Uebel der Verderbtheit eines einzelnen Ministers
zugeschrieben; wenn er aber vom Ruder verdrngt war und wenn Diejenigen,
die ihn laut beschuldigt, an seiner Statt regierten, ergab es sich, da
der Wechsel der Personen keine Vernderung des Systems herbeigefhrt
hatte. Anderemale wurde das Uebel der Ausartung des Nationalcharacters
zugeschrieben. Verschwendungssucht und Habgier, sagte man, htten in
unsrem Vaterlande die nmliche Wirkung erzeugt, die sie vor Alters in
der rmischen Republik erzeugten. Der moderne Englnder verhalte sich zu
dem Englnder des 16.Jahrhunderts wie Verres und Curio zu Dentatus und
Fabricius. Diejenigen welche diese Sprache fhrten, waren so unwissend
und oberflchlich wie Leute, welche die Vergangenheit auf Kosten der
Gegenwart herausstreichen, es in der Regel sind. Ein einsichtsvoller
Mann wrde bemerkt haben, da, wenn die Englnder aus der Zeit Georg's
II. wirklich schmutziger und ehrloser gewesen wren als ihre Vorfahren,
die Verschlechterung sich nicht an einer Stelle allein gezeigt haben
wrde. Die Feilheit der Justiz und die Feilheit der Beamten wrde mit
der Feilheit des Parlaments gleichen Schritt gehalten haben. Allein es
ist nichts gewisser als da die Gerichtshfe und die ffentlichen
Behrden immer reiner und reiner wurden, whrend die Feilheit der
Legislatur zunahm. Die Vertreter des Volks waren zu den Zeiten
Hardwicke's und Pelham's unzweifelhaft kuflicher als zu den Zeiten der
Tudors. Aber die Kanzler der Tudors machten sich kein Gewissen daraus
von Rechtsuchenden Silbergeschirr und Juwelen anzunehmen, und Hardwicke
wrde jeden Rechtsuchenden, der es gewagt htte, ihm ein Geschenk zu
bringen, haben verhaften lassen. Die Schatzmeister der Tudors erwarben
sich durch den Verkauf von Stellen, Titeln und Begnadigungen frstliches
Vermgen, und Pelham wrde Jedem, der ihm fr eine Pairie oder ein
Zollcommissariat Geld geboten hatte, durch seine Dienerschaft aus dem
Hause haben werfen lassen. Es liegt somit auf der Hand, da das
Vorherrschen der Bestechlichkeit im Parlament nicht einer allgemeinen
Sittenverderbni zugeschrieben werden darf. Die Krankheit war eine
rtliche, wir mssen uns daher nach einer rtlichen Ursache umsehen, und
eine solche wird nicht schwer zu finden sein.

Unter unseren frheren Regenten hatte das Haus der Gemeinen mit der
ausbenden Verwaltung wenig zu thun; der Sprecher war beauftragt es
nicht zu dulden, da die Mitglieder sich in Staatsangelegenheiten
mischten. War einer der Herren gar nicht zur Ruhe zu bringen, so wurde
er vor den Geheimen Rath gefordert und zur Rede gesetzt, erhielt einen
Verweis und wurde in den Tower geschickt, um dort ber sein
pflichtwidriges Benehmen nachzudenken. Die Gemeinen suchten sich zwar
nach Mglichkeit zu schtzen, indem sie ihre Berathungen geheim hielten,
Fremden keinen Zutritt gestatteten und die Wiedererzhlung dessen was
hinter den Thren geschah, zu einem Verbrechen stempelten. Aber diese
Vorsichtsmaregeln halfen nicht viel. In einer so zahlreichen
Versammlung gab es immer Ohrenblser, weiche bereit waren, ihre Collegen
im Palaste anzuschwrzen. Dem Hofe zu opponiren war daher ein
gefhrliches Ding. Von Kaufen der Stimmen war damals natrlich noch
wenig oder gar nicht die Rede. Ein ehrlicher Mann lie sich nicht
erkaufen, und ein Schurke war wohlfeiler einzuschchtern oder zu
zwingen, als zu erkaufen.

Aus einem ganz andren Grunde hat in neuerer Zeit, so weit die Erinnerung
der gegenwrtigen Generation zurckreicht, kein directes Kaufen von
Stimmen stattgefunden. Das Haus der Gemeinen ist jetzt die hchste
Behrde im Staate; aber es ist der Nation verantwortlich. Selbst
diejenigen Mitglieder, welche nicht durch groe Wahlkrper gewhlt sind,
werden durch die ffentliche Meinung in Schranken gehalten. Alles wird
gedruckt. Alles wird diskutirt, jedes im Laufe der Debatte gesprochene
Wort wird am nchsten Morgen von einer Million Menschen gelesen. Wenige
Stunden nach einer wichtigen Abstimmung werden die Listen der Majoritt
und der Minoritt in jeder Stadt, von Plymouth bis Inverne, kritisirt
und analysirt. Findet man einen Namen da, wo er nicht sein sollte, so
kann der Apostat gewi sein, da er sehr nachdrcklich an die
Versprechungen und Versicherungen, denen er untreu geworden, erinnert
werden wird. Heutzutage kann sich daher eine Regierung die Majoritt des
reprsentativen Krpers am besten dadurch sichern, da sie das Vertrauen
der Nation gewinnt.

Zwischen der Zeit aber, wo unsere Parlamente aufhrten, durch die
knigliche Prrogative gezgelt zu werden, und der Zeit, wo sie
andauernd und wirksam durch die ffentliche Meinung gezgelt zu werden
begannen, lag ein langer Zwischenraum. Nach der Restauration wagte keine
Regierung wieder zu den Mitteln zu greifen, durch welche vor dem
Brgerkriege die Redefreiheit beschrnkt worden war. Kein Mitglied
konnte mehr wegen seiner Reden oder seiner Vota zur Rechenschaft gezogen
werden. Er konnte die Annahme von Bewillungsbills hintertreiben, er
konnte die ganze auswrtige Politik des Landes angreifen; er konnte
Anklageschriften gegen smmtliche erste Minister auf den Tisch des
Hauses niederlegen, und er lief nicht die mindeste Gefahr, so behandelt
zu werden, wie Morrice von Elisabeth, oder Eliot von Karl I. behandelt
worden war. Der Senator frchtete den Hof nicht mehr. Dessenungeachtet
wurden alle Schutzwehren, hinter denen sich die schwachen Parlamente des
16.Jahrhunderts gegen die Angriffe der Prrogative verschanzt hatten,
nicht nur aufrecht erhalten sondern noch erweitert und verstrkt. Kein
Politiker scheint erkannt zu haben, da diese Schutzwehren ihrem
ursprnglichen Zwecke nicht mehr dienten und angefangen hatten, einem
ganz andren Zwecke zu dienen. Die Regeln, welche ursprnglich dazu
bestimmt gewesen waren, treue Volksvertreter gegen das Mifallen des
Souverains zu schtzen, dienten jetzt dazu, treulose Volksvertreter
gegen das Mivergngen der Nation zu schtzen und erwiesen sich zu dem
letzteren Zwecke als viel wirksamer als sie es zu dem ersteren gewesen
waren. Da in einem gesetzgebenden Krper, der von den Beschrnkungen
des 16.Jahrhunderts befreit, aber noch nicht den Beschrnkungen des
19.Jahrhunderts unterworfen war, in einem gesetzgebenden Krper, der
weder den Knig noch das Volk frchtete, Bestechlichkeit herrschte, war
natrlich, ja unvermeidlich.

Die Pestbeule begann in den Tagen der Cabale sichtbar und greifbar zu
werden. Clifford, der Khnste und Heftigste von den bsen Fnf, hatte
das Verdienst, die Entdeckung zu machen, da ein lrmender Patriot, der
nicht mehr eingesperrt werden durfte, durch eine Goldschmiedsnote in
einen Hfling verwandelt werden knne. Es wurde bald ein Sprchwort,
da das Parlament einer Pumpe gleiche. Wenn eine Pumpe ausgetrocknet
sei, sagten die Witzlinge, brauche man nur eine kleine Quantitt Wasser
hineinzuschtten, damit sie eine groe Quantitt Wasser von sich gebe;
ebenso bedrfe es bei einem sich knauserig zeigenden Parlamente oft nur
der zweckmigen Vertheilung von zehntausend Pfund, um eine Million
bewilligt zu erhalten. Durch die Revolution, welche unser Land von
so manchem andren Uebel befreit, wurde das Uebel nicht vermindert,
sondern sogar verschlimmert. Das Haus der Gemeinen war jetzt der Krone
gegenber mchtiger als je und doch war es der Nation nicht strenger
verantwortlich als frher. Die Regierung hatte einen neuen Beweggrund,
die Mitglieder zu erkaufen, und die Mitglieder hatten keinen neuen
Beweggrund, sich nicht erkaufen zu lassen. Wilhelm hatte zwar einen
Widerwillen gegen die Bestechung; er beschlo, sich derselben zu
enthalten, und whrend des ersten Jahres seiner Regierung fhrte er
diesen Vorsatz auch durch. Leider aber ermuthigten die Ereignisse
dieses Jahres ihn nicht, in seiner guten Absicht zu beharren. Sobald
Caermarthen an die Spitze der inneren Verwaltung des Reichs gestellt
war, trat eine vollstndige Aenderung ein. Er war in der That kein
Neuling in der Kunst des Stimmenkaufens. Vor sechzehn Jahren war er
Clifford's Nachfolger im Schatzamte geworden, hatte Clifford's Taktiken
geerbt, sie verbessert und sie in einer Ausdehnung angewendet, die den
Erfinder in Erstaunen gesetzt haben wrde. Von dem Tage, an welchem
Caermarthen zum zweiten Male zur Oberleitung der Staatsangelegenheiten
berufen wurde, ward die parlamentarische Bestechung fortwhrend fast
ohne Unterbrechung von einer langen Aufeinanderfolge von Staatsmnnern
bis zur Beendigung des amerikanischen Kriegs ausgebt. Keine der
beiden groen englischen Parteien kann der andren in diesem Punkte
speciell die Schuld beimessen. Die Tories waren die Ersten, die das
System einfhrten, und die Letzten, die daran festhielten, seinen
grten Umfang aber erreichte es zur Zeit des Uebergewichts der Whigs.
In welchem Umfange die Untersttzung des Parlaments mit Geld erkauft
wurde, lt sich nicht genau ermitteln. Doch ist es wahrscheinlich, da
die Anzahl der Sldlinge durch das Gercht sehr bertrieben wurde und
niemals gro, wenn auch oft betrchtlich genug war, um bei wichtigen
Abstimmungen den Ausschlag zu geben. Ein gewissenloser Minister nahm
die Dienste dieser Sldlinge mit eifriger Bereitwilligkeit an, und ein
rechtschaffener Minister unterwarf sich im Interesse des Gemeinwohls
einem Gebrauche, den er als eine schmachvolle Erpressung betrachtete.
Aber viele Jahre hindurch verstand sich jeder Minister, mochte sein
persnlicher Character sein welcher er wollte, wohl oder bel dazu das
Parlament auf die einzige Manier zu behandeln, auf die es behandelt
werden konnte. Es wurde endlich eben so notorisch, da im Schatzamte
ein Stimmenmarkt, wie da in Smithfield ein Viehmarkt gehalten ward.
Zahlreiche Demagogen die nicht im Amte waren, eiferten gegen diesen
schmhlichen Handel, jeder von diesen Demagogen aber sah sich, sobald
er ans Ruder kam, durch eine Art von Fatalitt getrieben, an dem Handel
Theil zu nehmen, oder ihn wenigstens stillschweigend zu gestatten.
Hin und wieder weigerte sich vielleicht ein Mann, der romanhafte
Begriffe von Staatsdienertugend hatte, selbst der Zahlmeister der
bestochenen Schaar zu sein und wendete den Blick ab, whrend seine
minder skrupulsen Collegen thaten was er als unerllich kannte,
obwohl er fhlte, da es erniedrigend war. Doch waren Flle solcher
Prderie nur selten. Das allgemein, selbst unter rechtschaffenen und
ehrenwerthen Politikern angenommene Prinzip war, da es schimpflich
sei, Bestechungen zu nehmen, aber nothwendig, solche zu vertheilen.
Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, da das Uebel seinen Hhepunkt
whrend der Verwaltung Heinrich Pelham's erreichte, eines Staatsmannes
vom besten Willen, von makelloser Moralitt in seinem Privatleben und
von exemplarischer Uneigenntzigkeit. Es ist nicht schwer zu errathen,
durch welche Argumente er und andere wohlmeinende Mnner, welche die
Mode ihres Zeitalters mitmachten, ihr Gewissen beruhigten. Kein noch so
strenger Casuist hat geleugnet, da es eine Pflicht sein kann, etwas zu
geben, was zu nehmen eine Snde ist. Es war schndlich von Jeffreys,
fr das Leben der unglcklichen Gefangenen, die er in Dorchester und
Taunton verurtheilte, Geld zu verlangen. Aber es war nicht schndlich,
nein es war sogar lobenswerth von den Verwandten und Freunden eines
Gefangenen, nach ihren Krften beizusteuern, um fr Jeffreys eine
Brse zu fllen. Der Corsar von Sallee, der einen gefangenen Christen
zu Tode zu prgeln drohte, wenn er kein Lsegeld herbeischaffte, war
ein nichtswrdiger Schurke. Aber einen gefangenen Christen von einem
Sallee Corsaren loskaufen, war nicht nur eine unschuldige, sondern
eine hchst verdienstliche Handlung. In solchen Fllen wrde die
Anwendung des Wortes Bestechung ganz unpassend sein. Diejenigen,
welche den schmutzigen Gewinn annehmen, sind schon verdorben; wer sie
besticht, macht sie nicht erst schlecht, er findet sie bereits so,
und er verhindert nur, da ihre bsen Neigungen schlimme Wirkungen
erzeugen. Konnte nicht dasselbe Argument zur Entschuldigung eines
Ministers geltend gemacht werden, der, weil kein andres Mittel etwas
ntzte, habschtige und niedrigdenkende Mnner bezahlte, damit sie ihr
Vaterland nicht ruinirten?

Durch ein hnliches Raisonnement wurden auch Wilhelm's Skrupel
beschwichtigt. Der ehrliche Burnet nahm sich mit dem unhfischen Muthe,
der ihn auszeichnete, die Freiheit, dem Knige Vorstellungen deshalb zu
machen. Niemand, antwortete Wilhelm, hat die Bestechung mehr als
ich. Aber ich habe es mit einer Art Menschen zu thun, mit denen nur auf
diesem unedlen Wege etwas anzufangen ist. Ich mu mich wohl oder bel
dazu entschlieen, oder das Land ist verloren.[68]


[_Sir Johann Trevor._] Der Lordprsident mute im Hause der Gemeinen
einen Agenten fr das Erkaufen der Mitglieder haben, und Lowther war fr
ein solches Geschft zu unbeholfen und zu gewissenhaft. Aber ein Mann,
der Klugheit und Verworfenheit in hohem Grade in sich vereinigte, ward
ohne Mhe gefunden. Es war der Staatsarchivar Sir Johann Trevor, der in
dem einzigen Parlamente, welches Jakob gehalten, Sprecher gewesen war.
So hoch Trevor sich in der Welt emporgeschwungen hatte, es gab Leute,
die ihn gekannt hatten, als er noch ein wunderlich aussehender
Advokatenschreiber im innern Temple gewesen war. In der That, wer ihn
einmal gesehen hatte, konnte ihn so leicht nicht vergessen, denn seine
grotesken Gesichtszge und sein abscheuliches Schielen machten ihn zu
einer lebenden Karrikatur. Seine nicht gewhnlichen natrlichen Anlagen
hatten ihn befhigt, es in der Kunst der Chikane schon frhzeitig zur
Meisterschaft zu bringen. Spiel und Wetten waren sein Vergngen und er
wute daraus viel praktischen Nutzen fr seinen Beruf zu ziehen. Denn
seine Ansicht ber eine aus einer Wette oder einem Hazardspiele
entsprungene Streitfrage hatte eben so viel Autoritt als der Ausspruch
irgend eines Gerichtshofes in Westminster Hall. Er erhob sich bald zu
einem der heiteren Gesellschafter, welche Jeffreys am Abend bei der
Flasche in frhlicher Weinlaune umarmte und am andren Morgen im
Gerichtssaale verwnschte und heruntermachte. Unter einem solchen
Lehrmeister machte Trevor rasche Fortschritte in der eigenthmlichen Art
von Rhetorik, die sich in den Prozessen Baxter's und der Alice Lisle
entfaltet hatte. Man erzhlte sich in der That von einigen
Schimpfwettkmpfen zwischen dem Kanzler und seinem Freunde, in denen der
Schler keine geringere Zungenfertigkeit und Gemeinheit an den Tag
gelegt hatte als der Meister. Diese Znkereien fanden jedoch erst statt,
als der jngere Glcksritter sich soviel Reichthmer und Wrden erworben
hatte, da er der Protection, die ihn emporgehoben, nicht mehr
bedurfte.[69] Unter den Hochkirchlichen geno Trevor trotz seines
notorischen Mangels an Grundstzen damals eine gewisse Popularitt, die
er hauptschlich ihrer Ueberzeugung verdankt zu haben scheint, da, wie
falsch er im allgemeinen auch sein mochte, sein Ha gegen die Dissenters
wenigstens wahr und aufrichtig sei. Es stand kaum zu bezweifeln, da er
in einem Hause der Gemeinen, in welchem die Tories das Uebergewicht
hatten, mit Untersttzung des Hofes leicht zum Sprecher gewhlt werden
konnte. Er wnschte sehnlichst, seinen frheren Posten wieder zu
erhalten, den er vortrefflich zu einem der eintrglichsten im
Knigreiche zu machen verstand, und er bernahm daher bereitwillig das
geheime und schmachvolle Amt, fr welches Lowther ganz untauglich war.

Richard Hampden wurde zum Kanzler der Schatzkammer ernannt. Diese
Ernennung sollte wahrscheinlich ein Beweis von der Dankbarkeit des
Knigs fr sein gemigtes Verhalten und fr seine Bemhungen sein, die
Heftigkeit seiner whiggistischen Freunde, und besonders seines Sohnes,
zu brechen.


[_Godolphin tritt ab._] Godolphin verlie freiwillig das Schatzamt,
warum, wissen wir nicht. Wir knnen kaum daran zweifeln, da die
Auflsung des Parlaments und das Ergebni der allgemeinen Wahl ihm
Freude gemacht haben muten; denn seine politischen Ansichten neigten
sich zum Toryismus hin und er hatte unter der vorigen Regierung Manches
gethan, was zwar kein groes Verbrechen war, aber doch einer Amnestie
sehr bedurfte. Er hielt es wahrscheinlich nicht fr vereinbar mit seiner
persnlichen Wrde, im Staatsrathe unter Lowther zu sitzen, der ihm im
Range nachstand.[70]


[_Vernderungen bei der Admiralitt._] Es wurde eine neue
Admiralittscommission ernannt, und an die Spitze der Marineverwaltung
wurde Thomas Herbert, Earl von Pembroke, gestellt, ein Mann von
vornehmer Geburt und ausgezeichneter Bildung, der zur Torypartei gehrt,
fr eine Regentschaft gestimmt und die Tochter Sawyers geheirathet
hatte. Da Pembroke's Toryismus jedoch nicht engherziger und illiberaler
Art war, wird hinreichend durch den Umstand bewiesen, da Johann Locke
ihm unmittelbar nach der Revolution seinen +Essay on the Human
Unterstanding+ widmete, zum Zeichen der Dankbarkeit fr in schlimmen
Zeiten geleistete freundliche Dienste.[71]

Es wurde nichts unterlassen, um Torrington ber diese Vernderung zu
trsten. Denn wenn er sich auch als ein unfhiges Verwaltungsmitglied
erwiesen hatte, stand er doch als Seemann in der allgemeinen Achtung so
hoch, da die Regierung seine Dienste nicht verlieren wollte. Man
versicherte ihm, da er durchaus nicht habe zurckgesetzt werden sollen.
Er knne dem Vaterlande nicht zu gleicher Zeit auf dem Meere und in
Westminster dienen, und man habe es fr minder schwer gehalten, ihn im
Amte zu ersetzen, als auf dem Verdeck seines Flaggenschiffs. Er war
anfangs hchlich entrstet und reichte wirklich seine Entlassung ein;
aber man machte seinem Stolze einige Zugestndnisse. Eine Pension von
dreitausend Pfund und zehntausend Acres Kronland in der Ebene von
Peterborough waren fr seine Habgier unwiderstehliche Kder, und in
einer fr England bsen Stunde willigte er ein, an der Spitze der
Seemacht zu bleiben, von der die Sicherheit unserer Ksten abhing.[72]


[_Vernderungen bei den Milizen._] Whrend diese Vernderungen in den
Aemtern um Whitehall vorgingen, wurden auch die Statthalterschaftsposten
im ganzen Knigreiche revidirt. Die Tories beklagten sich seit einem
Jahre, da ihr Antheil an der Verwaltung der Districte, die sie
bewohnten, in keinem Verhltni zu ihrer Anzahl, zu ihrem Reichthum und
zu dem Ansehen stehe, dessen sie in der Gesellschaft genssen. Zu ihrer
groen Freude erlangten sie jetzt ihre frhere Stellung in ihren
Grafschaften wieder. Die Whigs schrieen, der Knig sei schndlich
hintergangen und durch schlechte Rathgeber bewogen worden, das Schwert
Mnnern in die Hand zu geben, die es, sobald sich eine gnstige
Gelegenheit darbte, gegen ihn selbst kehren wrden. In einem Dialoge,
fr dessen Autor man den neu creirten Earl von Warrington hielt und
welcher damals sehr verbreitet war, der aber schon lngst vergessen ist,
sprach der redend eingefhrte Lordlieutenant einer Grafschaft die
Besorgni aus, da die Mehrzahl seiner Untergebenen im Herzen Verrther
seien.[73] Nirgends aber war die durch die neue Vertheilung der Gewalt
erregte Unzufriedenheit so gro als in der Hauptstadt. Durch eine
unmittelbar nach der Revolution verffentlichte Commission of
Lieutenancy waren die Milizen der City unter das Commando entschiedener
Whigs gestellt worden. Die mchtigen und reichen Brger,
welche bergangen waren, klagten, da die Liste mit Aeltesten
puritanischer Congregationen, mit Shaftesbury's Feuerkpfen, und mit
Ryehouseverschwrern angefllt sei und da es kaum mglich sei, unter
dieser Masse von Fanatikern und Gleichmachern (+Levellers+) einen
einzigen der Monarchie und der Staatskirche aufrichtig ergebenen Mann zu
finden. Jetzt erschien eine neue, von Caermarthen und Nottingham
zusammengestellte Liste. Sie hatten Compton, den Bischof der Dicese, zu
Rathe gezogen, und Compton war eben kein sehr vorsichtiger Rathgeber. Er
war ursprnglich ein Hochkirchlicher und ein Tory gewesen, die Hrte,
mit der man ihm unter der vorigen Regierung begegnet war, hatte ihn in
einen Latitudinarier und Rebellen verwandelt, und jetzt war er aus
Eifersucht auf Tillotson wieder Hochkirchlicher und Tory geworden. Die
Whigs beklagten sich, da sie undankbarerweise von einer Regierung, die
ihnen ihre Existenz verdanke, proscribirt, da einige von den besten
Freunden Knig Wilhelm's mit Schimpf und Schande entlassen worden seien,
um einigen seiner schlimmsten Feinde Platz zu machen, Mnnern, die des
Vertrauens eben so unwrdig seien wie ein irischer Rapparee, Mnnern,
welche den Freibrief und die uralten Privilegien der City einem Tyrannen
berliefert htten, Mnnern, die sich durch die Grausamkeit hervorgethan
htten, mit der sie die Strafgesetze gegen die protestantischen
Dissenters zur Anwendung gebracht, Mnnern, welche Mitglieder der Juries
gewesen seien, die Russell und Cornish schuldig befunden hatten.[74] Die
Mistimmung war so gro, da sie eine kurze Zeit lang dem Staate
Geldverlegenheit zu bereiten drohte. Die von dem vorigen Parlamente
bewilligten Steuern gingen langsam ein, und die Bedrfnisse des
ffentlichen Dienstes waren dringend. Unter solchen Umstnden wendete
sich die Regierung immer an die Brger London's um Beistand, und
Wilhelm's Regierung hatte sich bisher vorzugsweise an diejenigen Brger
gewendet, welche whiggistischen Ansichten huldigten. Jetzt sah es anders
aus. Einige angesehene Whigs weigerten sich in ihrem ersten Unmuth kurz
und mrrisch, Geld vorzustrecken; ja ein paar zogen sogar ganz
unerwartet bedeutende Summen aus der Schatzkammer zurck.[75] Die
finanziellen Verlegenheiten htten leicht sehr ernsthaft werden knnen,
htten nicht einige reiche Tories, die, wenn Sacheverell's Klausel zum
Gesetz erhoben worden wre, von allen municipalen Ehrenstellen
ausgeschlossen worden sein wrden, dem Schatze hunderttausend
Pfund vorgestreckt und versprochen, noch eine grere Summe
herbeizuschaffen.[76]

Whrend die City in diesem aufgeregten Zustande war, kam ein durch
knigliche Proklamation angeordneter allgemeiner Fasttag. Die zur
Motivirung dieses feierlichen Andachtsactes angefhrten Grnde waren der
beklagenswerthe Zustand Irland's und die bevorstehende Abreise des
Knigs. Es wurden Gebete fr das persnliche Wohl Sr. Majestt und fr
den Erfolg seiner Waffen zum Himmel emporgesandt. Die Kirchen London's
waren gedrngt voll, und die ausgezeichnetsten Kanzelredner der
Hauptstadt, welche fast ohne Ausnahme entweder gemigte Tories oder
gemigte Whigs waren, bemhten sich, das Volk zu beschwichtigen und
ermahnten ihre Heerden in diesem kritischen Zeitpunkte dem Frsten, mit
dessen Geschick das Geschick der ganzen Nation verkettet sei, eine
herzliche Untersttzung nicht vorzuenthalten. Burnet erzhlte einer
zahlreichen Gemeinde von der Kanzel herab, wie die Griechen, als der
Grotrke Anstalt machte, Constantinopel zu belagern, nicht bewogen
werden konnten, einen Theil ihres Reichthums der gemeinsamen
Vertheidigung zum Opfer zu bringen und wie bitter sie nachher ihren Geiz
bereueten, als sie gezwungen wurden, den siegreichen Unglubigen die
Schtze auszuliefern, die sie den Bitten des letzten christlichen
Kaisers abgeschlagen hatten.[77]


[_Stimmung der Whigs._] Die Whigs in ihrer Gesammtheit bedurften jedoch
einer solchen Mahnung nicht, denn bei all' ihrem Aerger und Unmuth
erkannten sie doch sehr wohl, da von der Stabilitt des Thrones
Wilhelm's Alles abhing, was ihnen am hchsten galt. Wozu einige von
ihnen sich vielleicht htten verleiten lassen, wenn sie einen andren
Fhrer htten finden knnen, wenn zum Beispiel ihr protestantischer
Herzog, ihr Knig Monmouth noch am Leben gewesen wre, mag dahin
gestellt bleiben. Jetzt hatten sie keine andre Wahl als zwischen dem
Frsten, den sie auf den Thron gesetzt, und dem Frsten, den sie vom
Throne gestoen hatten. Es wre wahrhaftig sehr sonderbar gewesen, wenn
sie fr Jakob Partei genommen htten, um Wilhelm zu bestrafen, dem sie
keinen schlimmeren Fehler zur Last legen konnten, als da er die
rachschtigen Gefhle nicht theilte, mit denen sie der Tyrannei Jakob's
gedachten. So sehr ihnen die Amnestiebill mifiel, sie hatten die
blutigen Assisen nicht vergessen. Sie blieben daher trotz ihrer
Verstimmung ihrem eigenen Knige treu und waren, obgleich sie ber ihn
murrten, bereit, ihm mit Gut und Blut wider seinen Gegner
beizustehen.[78]


[_Verkehr einiger Whigs mit Saint-Germains. Shrewsbury; Ferguson._] Es
gab allerdings Ausnahmen, aber es waren ihrer nur sehr wenige und sie
kamen fast nur in zwei Klassen vor, deren gesellschaftliche Stellung
zwar weit von einander verschieden war, die sich aber in Lauheit der
Grundstze sehr hnelten. Alle die Whigs, von denen man wei, da sie
mit Saint-Germains in Unterhandlung standen, gehrten nicht dem
Hauptkrper der Partei, sondern entweder dem Kopfe oder dem Schweife
derselben an. Es waren entweder Patrizier von hohem Range und hoher
amtlicher Stellung, oder Lumpe, die schon seit langer Zeit zu den
unsaubersten Parteizwecken benutzt wurden. Zur ersteren Klasse gehrte
Shrewsbury, die hervorragendste Persnlichkeit der letzteren war Robert
Ferguson. Von dem Tage, an welchem das Conventionsparlament aufgelst
wurde, fing Shrewsbury an in seiner Treue zu wanken; im Publikum aber
bekam man davon erst lange nachher eine Ahnung. Da Ferguson wenige
Monate nach der Revolution ein wthender Jakobit geworden, war Niemandem
ein Geheimni und konnte eigentlich auch Niemanden Wunder nehmen.
Er konnte fr seinen Abfall nicht einmal den erbrmlichen
Entschuldigungsgrund anfhren, da er zurckgesetzt worden sei. Die
schmachvollen Dienste, die er frher seiner Partei als Spion, als
Anstifter von Unruhen, als Vertheiler von Bestechungen, als Verfasser
von Libellen, als Einblser falscher Zeugen geleistet hatte, waren fr
die Ehre der neuen Regierung nur zu freigebig belohnt worden. Ein hohes
Amt konnte er daher unmglich bekleiden. Aber es war fr ihn eine
Sinekure mit fnfhundert Pfund jhrlichem Gehalte im Departement der
Accise creirt worden. Er besa daher was nach seinen Begriffen Reichthum
war; aber Reichthum befriedigte ihn nicht. Zwar hatte er nie Bedenken
getragen, fr Geld Betrgereien, welche durch Heuchelei noch erschwert
wurden, zu verben; doch war die Liebe zum Gelde nicht seine strkste
Leidenschaft. Lange Gewohnheit hatte in ihm einen moralischen
Krankheitszustand entwickelt, von dem Leute, welche die politische
Agitation zu ihrem Lebensberufe erwhlt haben, selten ganz frei sind. Er
konnte nicht Ruhe halten. Das Aufwiegeln, das ursprnglich sein Geschft
gewesen, war dadurch auch sein Vergngen geworden. Er konnte eben so
wenig leben, ohne Unheil zu stiften, wie ein alter Branntweintrinker
oder ein alter Opiumesser ohne seine tgliche Portion Gift leben kann.
Gerade die Unbequemlichkeiten und Gefahren eines gesetzwidrigen Lebens
hatten einen unwiderstehlichen Reiz fr ihn. Er konnte eben so wenig in
einen friedlichen und loyalen Unterthan verwandelt werden, wie der Fuchs
in einen Schferhund verwandelt werden oder wie die Weihe die
Gewohnheiten des Hausgeflgels erlernen kann. Wie der rothe Indianer
seine Jagdgrnde cultivirten Feldern und schnen Stdten vorzieht, wie
der Zigeuner, wenn er unter einem behaglichen Dache wohnt und eine
gesunde, frische Nahrung hat, sich noch immer nach dem zerrissenen Zelte
auf dem Moor und nach der Mahlzeit von verdorbenem Fleisch zurcksehnt,
eben so wurde Ferguson des Ueberflusses und der Sicherheit, seines
Gehalts, seines Hauses, seiner Tafel und seiner Equipage mde und sehnte
sich danach, wieder der Prsident von Gesellschaften, in welche Niemand
ohne die Parole eingelassen wurde, der Vorsteher geheimer Druckereien,
der Verbreiter aufrhrerischer Flugschriften zu sein, die Mauern mit
Signalements seiner Person und mit Belohnungsanerbietungen fr seine
Festnehmung bedeckt zu sehen, sechs bis sieben Namen mit einer andren
Perrcke und einem andren Rocke fr jeden derselben zu fhren und drei
Mal die Woche mitten in der Nacht die Wohnung zu wechseln. Seine
Feindschaft galt nicht dem Papismus oder dem Protestantismus, dem
monarchischen oder dem republikanischen System, dem Hause Stuart oder
dem Hause Nassau, sondern berhaupt allem zur Zeit Bestehenden.


[_Hoffnungen der Jakobiten._] Den Jakobiten war dieser neue Verbndete
sehr willkommen, denn sie beschftigten sich gerade mit Plnen, bei
denen sie der Hlfe eines alten erfahrenen Verschwrers dringend
bedurften. Von dem Tage, an welchem bekannt gemacht worden war, da
Wilhelm beschlossen habe, das Commando in Irland zu bernehmen, war
eine groe Bewegung unter ihnen entstanden und sie sahen seiner Abreise
mit ungeduldiger Hoffnung entgegen. Er war ein Frst, gegen den man es
nicht leicht wagte, die Fahne der Emprung aufzupflanzen. Sein Muth,
sein Scharfblick, die Verschwiegenheit seiner Rthe, der Erfolg, der
bis dahin alle seine Unternehmungen gekrnt hatte, imponirten der
Menge, und selbst seine erbittertsten Feinde frchteten ihn mindestens
eben so sehr als sie ihn haten. So lange er noch in Kensington war,
bereit, jeden Augenblick zu Pferde zu steigen, begngten sich die
Uebelgesinnten, denen ihr Kopf und ihr Vermgen lieb war, damit,
ihrem Hasse dadurch Luft zu machen, da sie auf den Untergang seiner
Habichtsnase tranken und mit bedeutungsvoller Energie die Orange,
das Emblem seines Hauses, zusammendrckten. Aber ihr Muth stieg bei
dem Gedanken, da nun bald das Meer zwischen ihm und unsrer Insel
liegen wrde. Bei den militrischen und politischen Berechnungen der
damaligen Zeit hatten dreiig Meilen Wasser ebenso viel zu bedeuten
wie jetzt dreihundert Meilen. Wind und Wellen unterbrachen hufig
alle Communication zwischen England und Irland. Es geschah zuweilen,
da zwei bis drei Wochen lang keine Nachricht von London nach Dublin
gelangte. Zwanzig englische Grafschaften konnten unter den Waffen
stehen, bevor man in Ulster nur erfuhr, da ein Aufstand befrchtet
werde. Zu Anfang des Frhjahrs versammelten sich daher die dirigirenden
Mivergngten in London, um einen umfassenden Operationsplan zu
entwerfen, und correspondirten eifrig sowohl mit Frankreich als mit
Irland.


[_Zusammentritt des neuen Parlaments._] So war die Stimmung der
englischen Parteien, als das neue Parlament am 20.Mrz seine Sitzungen
erffnete. Das erste Geschft welches die Gemeinen vorzunehmen hatten,
war die Wahl eines Sprechers. Lowther schlug Trevor vor, der auch ohne
Opposition gewhlt und mit dem herkmmlichen Ceremoniell vorgestellt und
besttigt wurde. Hierauf hielt der Knig eine Rede, in der er den beiden
Husern ganz besonders zwei wichtige Gegenstnde zur Berathung
anempfahl: die Feststellung der Staatseinknfte und die Bewilligung
einer Amnestie. Er hob nachdrcklich die Nothwendigkeit der
Beschleunigung hervor. Jeder Tag sei kostbar, der Augenblick zum
Handeln rcke heran. Lassen Sie uns nicht, sagte er, die Zeit mit
Debatten hinbringen, whrend unsere Feinde im Felde stehen.[79]


[_Feststellung des Staatseinkommens._] Der erste Gegenstand, den die
Gemeinen in Berathung nahmen, war der Stand des Staatseinkommens. Ein
groer Theil der Steuern war seit der Thronbesteigung Wilhelm's und
Mariens unter der Autoritt von auf kurze Zeit erlassenen Acten erhoben
worden, und es war jetzt Zeit, endgltige Anordnungen zu treffen. Es
wurde dem Hause ein Verzeichni der Besoldungen und Pensionen vorgelegt,
fr welche Deckung zu beschaffen war, und der Betrag der dafr
ausgeworfenen Summen rief wohlbegrndete Klagen seitens der unabhngigen
Mitglieder hervor, unter denen sich Sir Karl Sedley durch seinen
sarkastischen Humor auszeichnete. Eine geistreiche Rede, die er gegen
die Stelleninhaber hielt, wurde heimlich gedruckt und weit verbreitet;
sie ist seitdem oft neu aufgelegt worden und beweist, da seine
Zeitgenossen sich nicht irrten, indem sie ihn fr einen Mann von Talent
und lebendigem Geiste hielten, was man bei Lesung seiner Gedichte und
Schauspiele versucht wird zu bezweifeln. Leider verpuffte die ble
Laune, welche der Anblick der Civilliste erregte, in Spen und
Invectiven, ohne irgend eine Reform herbeizufhren.

Das ordentliche Einkommen, welches der Regierung vor der Revolution zur
Verfgung gestanden hatte, war theils erblich gewesen, theils aus
Steuern gezogen worden, welche jedem Souverain auf Lebenszeit bewilligt
waren. Das erbliche Einkommen war mit der Krone auf Wilhelm und Marien
bergegangen. Es flo aus den Ertrgnissen der kniglichen Domainen, aus
Sporteln, Geldbuen und Weinlicenzen, aus den Erstlingen und Zehnten der
Pfrnden, aus den Einnahmen des Postamts und aus demjenigen Theile der
Accise, welcher unmittelbar nach der Restauration KarlII. an Stelle der
unseren frheren Knigen schuldigen Lehndienste fr alle Zeiten
bewilligt worden war. Das Einkommen aus allen diesen Quellen wurde auf
vier- bis fnfhunderttausend Pfund geschtzt.[80]

Die Accis- und Zolleinnahmen, welche Jakob auf Lebenszeit bewilligt
worden waren, hatten am Schlusse seiner Regierung die Summe von ungefhr
neunhunderttausend Pfund erreicht. Wilhelm wnschte natrlich dieses
Einkommen in derselben Weise zu beziehen, wie sein Oheim es genossen
hatte, und seine Minister thaten ihr Mglichstes, um seine Wnsche zu
befriedigen. Lowther beantragte, da die Bewilligung fr des Knigs und
der Knigin gemeinschaftliche und fr jedes Einzelnen Lebenszeit gelten
solle, und er sprach wiederholt und nachdrcklich zur Vertheidigung
dieses Antrags. Er hob Wilhelm's Ansprche auf die ffentliche
Dankbarkeit und das ffentliche Vertrauen hervor, die Befreiung der
Nation von Papismus und Willkrherrschaft, die Befreiung der Kirche von
Verfolgung und die der Verfassung gegebene feste Grundlage. Knnten die
Gemeinen einem Frsten gegenber knausern, der mehr fr England gethan
habe, als irgend einer seiner Vorgnger in so kurzer Zeit fr dasselbe
gethan, mit einem Frsten, der jetzt im Begriff stehe, sich feindlichen
Waffen und einem ungesunden Klima auszusetzen, um die englische Colonie
in Irland zu erhalten, mit einem Frsten, fr den man in jedem Winkel
der Welt bete, wo sich eine protestantische Gemeinde zum Gottesdienste
versammeln drfe?[81] Doch ber diesen Gegenstand sprach Lowther
umsonst. Sowohl Whigs als Tories waren der festen Meinung, da die
Freigebigkeit der Parlamente die Hauptursache des Unheils der letzten
dreiig Jahre sei; da der Freigebigkeit des Parlaments von 1660 die
schlechte Verwaltung der Cabale, der Freigebigkeit des Parlaments von
1685 die Indulgenzerklrung zugeschrieben werden msse und da es
unverantwortlich von dem Parlamente von 1690 sein wrde, wenn es eine
lange, schmerzliche und unvernderliche Erfahrung nicht benutzte. Nach
langer Discussion kam ein Vergleich zu Stande. Der Theil der Accise,
welcher Jakob auf Lebenszeit bewilligt gewesen war und den man auf
dreihunderttausend Pfund jhrlich schtzte, wurden Wilhelm und Marien
auf gemeinschaftliche und auf jedes Einzelnen Lebenszeit bewilligt. Man
nahm an, da Ihre Majestten mit dem erblichen Einkommen und mit den
dreihunderttausend Pfund aus der Accise, unabhngig von
parlamentarischer Controle zwischen sieben- und achthunderttausend Pfund
jhrlich haben wrden. Von diesem Einkommen waren die Kosten des
kniglichen Haushaltes und diejenigen Civilmter zu bestreiten, von
denen dem Hause eine Liste vorgelegt worden war. Daher wurde dieses
Einkommen die Civilliste genannt. Jetzt ist der Aufwand fr den
kniglichen Haushalt von den Kosten der Civilverwaltung vllig getrennt;
aber durch eine sonderbare Sinnverdrehung ist der Name Civilliste dem
zur Bestreitung des kniglichen Haushalts bestimmten Theile der
Einknfte geblieben. Noch sonderbarer ist es, da mehrere Nachbarvlker
diesen unpassendsten Namen von der Welt der Entlehnung werth gehalten
haben. Diejenigen Zollgebhren, welche Karl und Jakob nach einander auf
Lebenszeit zuerkannt worden waren und die sich in dem Jahre vor der
Revolution auf sechshunderttausend Pfund belaufen hatten, wurden der
Krone nur auf vier Jahre bewilligt.[82]

Wilhelm gefiel dieses Arrangement keineswegs. Es schien ihm ungerecht
und undankbar, da ein Volk, welches er gerettet hatte, die Hhe seines
Einkommens von seinem guten Verhalten abhngig machte. Die Herren
Englnder, sagte er zu Burnet, trauten Jakob, der ein Feind ihrer
Religion und ihrer Gesetze war, und mir, dem sie die Erhaltung ihrer
Religion und ihrer Gesetze verdanken, wollen sie nicht trauen. Burnet
erwiederte ihm sehr richtig, da es keinen Beweis von persnlichem
Vertrauen gebe, den Se. Majestt nicht zu verlangen berechtigt wre,
da aber die hier vorliegende Frage keine Frage des persnlichen
Vertrauens sei. Die Stnde des Reichs wnschten ein allgemeines Prinzip
festzustellen; sie wnschten einen Prcedenzfall zu haben, der die
spte Nachwelt gegen Uebel sichere, wie sie die sorglose Freigebigkeit
frherer Parlamente erzeugt habe. Von diesen Uebeln hat Eure Majestt
die gegenwrtige Generation befreit. Durch Annahme der Gabe der
Gemeinen unter den offerirten Bedingungen wird Eure Majestt auch ein
Befreier zuknftiger Generationen sein. Wilhelm war nicht berzeugt,
aber er besa zuviel Weltklugheit und Selbstbeherrschung, um seiner
blen Laune freien Lauf zu lassen und er nahm mit freundlicher Miene,
an was er nicht umhin konnte als unfreundlich gegeben zu betrachten.[83]


[_Jahrgeld der Prinzessin von Dnemark._] Die Civilliste war mit einer
Annuitt von zwanzigtausend Pfund fr die Prinzessin von Dnemark
belastet, als Zuschu zu den dreiigtausend Pfund, die ihr zur Zeit
ihrer Vermhlung ausgesetzt worden waren. Dieses Arrangement war das
Resultat eines Vergleichs, der mit vieler Mhe und nach langen heftigen
Streitigkeiten zu Stande gebracht worden war. Der Knig und die Knigin
hatten seit dem Antritte ihrer Regierung niemals auf besonders gutem
Fue mit ihrer Schwester gestanden. Da Wilhelm einer Frau nicht
gefallen konnte, die eben nur so viel Verstand hatte, um zu bemerken,
da ihm ein mrrisches Wesen und ein abstoendes Benehmen eigen waren,
und die seine hheren Eigenschaften durchaus nicht zu wrdigen
vermochte, ist nicht zu verwundern. Fr Marien aber war es ein Bedrfni
geliebt zu werden. Eine so liebenswrdige und geistvolle Frau konnte
nicht viel Vergngen an dem Umgange mit Anna finden, die, wenn bei guter
Laune, heiter einfltig, wenn bei schlechter Laune mrrisch einfltig
war. Indessen wrde die Knigin, die auch der geringste ihrer
Dienstleute wegen ihrer Herzensgte liebte, sich schwerlich eine Person
zum Feinde gemacht haben, deren Freundschaft zu gewinnen ihre Pflicht
und ihr Interesse erheischte, wre nicht ein ungewhnlich mchtiger und
ungewhnlich bsartiger Einflu unablssig bemht gewesen, den Frieden
des kniglichen Hauses zu stren. Die Zuneigung der Prinzessin Anna zu
Lady Marlborough war so stark, da man dieselbe in einem aberglubischen
Zeitalter einem Talisman oder einem Zaubertranke zugeschrieben haben
wrde. Nicht nur da die beiden Freundinnen in ihrem vertraulichen
Verkehr mit einander alle Ceremonien und Titel bei Seite geworfen hatten
und schlechtweg Mrs. Morley und Mrs. Freeman geworden waren, selbst
Prinz Georg, der sich um das Ansehen seiner Geburt eben so wenig
kmmerte wie um irgend etwas Andres auer Claret und marinirten Lachs,
lie es sich gefallen, Mr. Morley genannt zu werden. Die Grfin rhmte
sich, den Namen Freeman deshalb gewhlt zu haben, weil er der Offenheit
und Keckheit ihres Characters ganz besonders entspreche, und man mu ihr
die Gerechtigkeit widerfahren lassen, da sie ihre despotische
Herrschaft ber die schwache Prinzessin nicht durch gewhnliche
Hflingsknste begrndete und lange behauptete. Sie besa wenig von dem
Takte, der das characteristische Talent ihres Geschlechts ist, und sie
war viel zu heftig, um schmeicheln oder sich verstellen zu knnen; aber
ein seltener Zufall hatte sie einem Character entgegengefhrt, auf den
gebieterisches Wesen und Widerspruch wie Zaubertrnke wirkten. In dieser
grotesken Freundschaft waren Hingebung, Geduld und Selbstverleugnung
ganz auf Seiten der Herrin, whrend die Launen, der bermthige Stolz
und die Ausbrche von Heftigkeit auf Seiten der Dienerin waren.

Hchst merkwrdig ist das Verhltni, in welchem die beiden Frauen zu
Mr. Freeman standen, wie sie Marlborough nannten. Im Auslande wute fast
Jedermann, da Anna von den Churchill geleitet wurde. Ebenso bekannt war
es, da der Mann, der sich ihrer Gunst in so hohem Grade erfreute,
nicht nur ein groer Feldherr und Staatsmann, sondern auch einer der
schnsten Cavaliere seiner Zeit war, da er von Gesicht und Gestalt
auffallend hbsch, da sein Character zugleich sanft und entschlossen,
seine Manieren zugleich gewinnend und edel waren. Nichts war
natrlicher, als da krperliche und geistige Vorzge wie die seinigen
ein weibliches Herz leicht erobern muten. Viele Leute auf dem Festlande
glaubten daher auch, er sei Anna's begnstigter Anbeter, und er wurde in
gleichzeitigen franzsischen Libellen, welche lngst vergessen sind, als
solcher dargestellt. In England jedoch fand diese Verleumdung selbst bei
dem groen Haufen niemals Glauben, und man findet selbst in dem
gemeinsten Gassenhauer, der in unseren Straen gesungen wurde, keine
Spur davon. Die Prinzessin scheint sich in der That nie eines mit ihren
ehelichen Pflichten unvertrglichen Gedankens schuldig gemacht zu haben.
In ihren Augen war Marlborough mit all' seiner Genialitt und
Tapferkeit, seiner Schnheit und Liebenswrdigkeit nichts weiter als der
Gatte ihrer Freundin. Einen directen Einflu auf Ihre Knigliche Hoheit
besa er nicht; nur durch Vermittelung seiner Gattin konnte er auf sie
einwirken, und seine Gattin war kein passives Werkzeug. Obgleich es
nicht mglich ist, in irgend etwas was sie gethan, gesagt oder
geschrieben hat, das geringste Anzeichen von hherer Verstandesbildung
zu entdecken, setzten ihre heftigen Leidenschaften und ihr starker Wille
sie doch oftmals in den Stand, einen Gatten zu beherrschen, der zum
Gebieter ber ernste Senate und ber mchtige Heere geboren war. Sein
Muth, ein Muth, den die gefahrvollsten Situationen des Kriegs nur noch
klter und unerschtterlicher machten, verlie ihn beim Anblick der
leichtflieenden Thrnen und wortreichen Vorwrfe, der schmollenden
Lippen und des traurig gesenkten Hauptes seiner Sara. Die Geschichte
fhrt uns wenige Schauspiele vor, welche merkwrdiger waren, als das
eines groen und gelehrten Mannes, der, wenn er weitumfassende und
tiefdurchdachte politische Plne entworfen hatte, dieselben nur dadurch
ins Werk setzen konnte, da er ein oft unlenksames, thrichtes Weib
vermochte, ein andres noch thrichteres Weib zu lenken.

In einem Punkte stimmten der Earl und die Grfin vollkommen berein: sie
liebten Beide den Geldgewinn, nur da er das gewonnene gern aufhufte,
sie aber nicht abgeneigt war, es wieder auszugeben.[84] Die Gunst der
Prinzessin betrachteten sie Beide als ein werthvolles Besitzthum. Schon
unter der Regierung ihres Vaters hatten sie angefangen, durch Anna's
Freigebigkeit reich zu werden. Sie war von Natur zur Sparsamkeit geneigt
und selbst als sie auf dem Throne sa, waren ihre Equipagen und ihre
Tafel keineswegs prchtig.[85] Man sollte daher meinen, da, whrend sie
noch Unterthanin war, dreiigtausend Pfund jhrlich und eine Wohnung im
Palaste fr alle ihre Bedrfnisse mehr als ausreichend htte sein
mssen. Es gab vielleicht im ganzen Knigreiche nicht zwei Edelleute,
die ein solches Einkommen besaen. Aber um den Gelddurst Derer zu
stillen, die sie beherrschten, war kein Einkommen gro genug. Sie hatte
zu wiederholten Malen Schulden gemacht, welche Jakob immer bezahlte,
doch nicht ohne sein Erstaunen und Mifallen darber zu uern.

Die Revolution erffnete den Churchill eine neue und unbegrenzte
Aussicht auf Gewinn. Das ganze Verhalten ihrer Gebieterin bei dieser
groen Krisis hatte bewiesen, da sie keinen andren Willen, kein
andres Urtheil, keine andre Ueberzeugung hatte als die ihrigen.
Ihnen hatte sie Neigungen, Vorurtheile, Gewohnheiten und Interessen
aufgeopfert. Auf ihren Befehl hatte sie an der Verschwrung gegen
ihren Vater Theil genommen, war mitten im Winter durch Eis und Koth
in einem Miethwagen von Whitehall in's Lager der Rebellen geflohen und
hatte eingewilligt, ihre Stelle in der Thronfolgeordnung dem Prinzen
von Oranien abzutreten. Sie sahen mit Vergngen, da das Weib, auf
das sie einen so unbegrenzten Einflu ausbten, wieder auf Andere
einen nicht gewhnlichen Einflu ausbte. Die Revolution war kaum
vollbracht, so zeigten viele Tories, denen der neue Knig so wenig
gefiel wie der vertriebene, und die in Zweifel waren, ob ihre Religion
von den Jesuiten oder von den Latitudinariern mehr zu frchten hatte,
eine entschiedene Neigung, sich um Anna zu schaaren. Die Natur hatte
sie zur Bigotten geschaffen. Ihre Seelenverfassung war von der Art,
da sie, ohne zu prfen und ohne zu zweifeln, fest an der Religion
ihrer Kindheit hing bis sie in ihren Sarg gelegt wurde. Am Hofe
ihres Vaters war sie taub gegen Alles gewesen, was zu Gunsten der
Transsubstantiation und der Ohrenbeichte geltend gemacht werden konnte.
Diese Apathie und Hartnckigkeit gaben ihr eine gewisse Bedeutung.
Es war etwas Wichtiges, das einzige Glied der kniglichen Familie
zu sein, das Papisten und Presbyterianer mit gleichem Widerwillen
betrachtete. Whrend eine zahlreiche Partei geneigt war, sie zu
vergttern, betrachteten ihre beiden schlauen Diener sie lediglich als
eine Puppe. Sie wuten, da sie es in ihrer Macht hatte, der Regierung
ernste Ungelegenheiten zu bereiten, und sie beschlossen, diese Macht zu
benutzen, um dem Namen nach fr sie, factisch aber fr sich selbst Geld
zu erpressen. Whrend Marlborough die englischen Streitkrfte in den
Niederlanden befehligte, war die Ausfhrung des Planes natrlich seiner
Gattin berlassen, und sie ging dabei nicht wie er ohne Zweifel gethan
haben wrde, mit Vorsicht und Migung zu Werke, sondern, wie aus ihrer
eignen Erzhlung deutlich hervorgeht, mit abscheulicher Heftigkeit und
Schamlosigkeit. Allerdings hatte sie Leidenschaften zu befriedigen,
von denen er gnzlich frei war. Er war zwar einer der habschtigsten,
aber auch einer der mindest boshaften Menschen; bei ihr dagegen war die
Bosheit eine viel strkere Leidenschaft als die Habsucht. Sie hate
leicht und ihr Ha war grndlich, unvershnlich. Zu den Gegenstnden
ihres Hasses gehrten alle Verwandten ihrer Gebieterin, sowohl von
vterlicher als von mtterlicher Seite. Niemand, der ein natrliches
Interesse an der Prinzessin nahm, konnte ohne Besorgni die sonderbare
Verblendung mit ansehen, die sie zum Sklaven eines herrschschtigen und
rcksichtslosen Zankteufels machte. Das wute die Grfin sehr wohl. In
ihren Augen waren die knigliche Familie und die Familie Hyde, wie sehr
sie auch in anderen Punkten differiren mochten, gegen sie verbndet,
und sie verabscheute sie alle, Jakob, Wilhelm und Marien, Clarendon und
Rochester. Jetzt war der rechte Augenblick gekommen, um dem seit Jahren
aufgesammelten Groll Luft zu machen. Es war nicht genug, fr Anna ein
groes, ein knigliches Einkommen zu erlangen, dieses Einkommen mute
durch Mittel und Wege erlangt werden, welche die von der Favoritin
verabscheuten Personen krnkten und demthigten. Es durfte nicht als
ein Zeichen brderlicher Gte erbeten und angenommen, sondern es mute
in trotzigem Tone gefordert und widerstrebenden Hnden mit Gewalt
entrissen werden. Ein directes Gesuch wurde weder an den Knig noch
an die Knigin gerichtet, aber sie erfuhren mit Erstaunen, da Lady
Marlborough die toryistischen Mitglieder des Parlaments unermdlich
bearbeitete, da sich eine Prinzessinpartei bilde und da im Hause der
Gemeinen beantragt werden solle, Ihrer Kniglichen Hoheit ein von der
Krone unabhngiges bedeutendes Einkommen auszusetzen. Marie fragte
ihre Schwester, was dieses Verfahren bedeute. Ich hre, antwortete
Anna, da meine Freunde beabsichtigen, mir ein festes Einkommen
zu sichern. Die Knigin soll hierauf, schwer verletzt durch einen
Ausdruck, mit dem man sagen zu wollen schien, da sie und ihr Gemahl
nicht zu den Freunden ihrer Schwester gehrten, mit ungewohnter Hrte
entgegnet haben: Von was fr Freunden sprichst Du? hast Du andere
Freunde als den Knig und mich?[86] Der Gegenstand wurde dann zwischen
den beiden Schwestern nie wieder erwhnt. Marie sah wahrscheinlich
ein, da sie einen Migriff gethan, indem sie sich an eine Person
gewendet, die nur ein passives Werkzeug in den Hnden Anderer war. Es
wurde ein Versuch gemacht, mit der Grfin zu unterhandeln. Nachdem
einige untergeordnete Agenten ihr umsonst Vorstellungen gemacht hatten,
begab sich Shrewsbury zu ihr. Man konnte wohl erwarten, da seine
Intervention den gewnschten Erfolg haben werde, denn wenn man der
damaligen +chronique scandaleuse+ glauben darf, so hatte er hoch, nur
zu hoch in ihrer Gunst gestanden.[87] Er war vom Knige ermchtigt,
der Prinzessin zu versprechen, da, wenn sie davon abstehen wolle, das
Haus der Gemeinen um Untersttzung ihrer Sache anzugehen, ihr Einkommen
von dreiigtausend auf funfzigtausend Pfund erhht werden solle. Die
Grfin schlug dieses Anerbieten rund ab. Sie war schamlos genug, die
Andeutung fallen zu lassen, da das Wort des Knigs keine gengende
Sicherheit biete. Ich bin fest berzeugt, sagte Shrewsbury, da
Seine Majestt seine Verpflichtungen pnktlich erfllen wird. Thut er
dies nicht, so will ich ihm keine Stunde lnger dienen. -- Das wrde
Ihnen zu groer Ehre gereichen, fr die Prinzessin aber ist es ein sehr
armseliger Trost, entgegnete das hartnckige Weib. Nachdem Shrewsbury
sich vergebens bemht hatte, die Dienerin zu bewegen, erlangte er
endlich eine Audienz bei der Gebieterin. Anna sagte ihm mit Worten, die
ihr wahrscheinlich von ihrer Freundin Sara in den Mund gelegt waren,
die Sache sei bereits zu weit gediehen, als da sie rckgngig gemacht
werden knnte, und msse der Entscheidung der Gemeinen berlassen
bleiben.[88]

Das Wahre an der Sache war, da die Einblser der Prinzessin vom
Parlamente eine viel grere Summe als die vom Knig angebotene zu
erlangen hofften. Sie wollten nur mit siebzigtausend Pfund zufrieden
sein. Doch sie gingen zu weit in ihrer Geldgier. Das Haus der Gemeinen
schien zwar geneigt, Ihre Knigliche Hoheit zu befriedigen; als aber
ihre allzu eifrigen Freunde die Summe zu nennen wagten, die sie
bewilligt zu sehen wnschten, erhob sich lautes Murren. Siebzigtausend
Pfund jhrlich zu einer Zeit, wo die nothwendigen Ausgaben des Staats
sich tglich mehrten, wo der Ertrag der Zlle sich tglich verminderte,
wo jeder Gutsherr und jeder Pchter den Aufwand fr seine Tafel und
seinen Keller beschrnkte! Die allgemeine Ansicht des Hauses war, da
die Summe, die der Knig, wie man wute, zu bewilligen geneigt war,
vollkommen hinreichend sei.[89] Endlich wurde von beiden Seiten etwas
zugestanden. Die Prinzessin mute sich mit funfzigtausend Pfund jhrlich
begngen und Wilhelm willigte darein, da ihr diese Summe durch eine
Parlamentsacte gesichert werde. Sie belohnte die Dienste der Lady
Marlborough mit einem Jahrgelde von tausend Pfund;[90] doch ist dies
aller Wahrscheinlichkeit nach nur ein sehr kleiner Theil dessen, was die
Churchill bei diesem Geschft verdienten.

Nachdem diese Angelegenheit geordnet war, lebten die beiden kniglichen
Schwestern viele Monate hindurch auf einem artigen und sogar anscheinend
freundschaftlichen Fue. Marie aber empfand, obwohl sie gegen Anna
keinen Groll gehegt zu haben scheint, unzweifelhaft gegen Lady
Marlborough einen so starken Ha, wie ihn ein sanftes Gemth berhaupt
zu fhlen vermag. Marlborough hatte einen groen Theil der Zeit, whrend
der seine Gattin die Tories bearbeitet, im Auslande zugebracht, und war,
obgleich er unzweifelhaft im Einvernehmen mit ihr gehandelt, doch wie
immer mit Migung und Anstand zu Werke gegangen. Er erhielt daher nach
wie vor von Wilhelm mancherlei Gunstbezeigungen, die von keiner
Mifallensuerung begleitet waren.

In der Debatte ber die Feststellung des Einkommens trat der Unterschied
zwischen Whigs und Tories nicht sehr auffallend hervor. In der That,
wenn die beiden Parteien in irgend etwas bereinstimmten, so war es
darin, da sie es fr zweckmig hielten, die Zlle der Krone auf nicht
mehr als vier Jahre zu bewilligen. Aber es gab andere Fragen, welche die
alte Feindschaft in aller Strke wieder hervorriefen. Die Whigs bildeten
jetzt die Minoritt, aber eine durch ihre Anzahl furchtbare und durch
ihre Talente noch furchtbarere Minoritt. Sie fhrten den
parlamentarischen Krieg mit nicht geringerer Erbitterung, als da sie die
Majoritt bildeten, aber noch etwas geschickter. Sie stellten mehrere
Antrge, die ein Hochkirchlicher nicht wohl untersttzen, denen aber ein
Diener Wilhelm's und Marien's nicht wohl opponiren konnte. Der Tory, der
fr diese Antrge stimmte, lief groe Gefahr von den starrsinnigen
Cavalieren seiner Grafschaft als ein Abtrnniger bezeichnet zu werden;
der Tory, der gegen dieselben stimmte, lief groe Gefahr in Kensington
unfreundlich empfangen zu werden.


[_Bill, welche die Acte des vorhergehenden Parlaments fr gltig
erklrte._] Augenscheinlich in Verfolgung dieser Politik legten die
Whigs auf den Tisch der Lords eine Bill nieder, welche alle durch das
vorige Parlament erlassenen Gesetze fr gltig erklrte. Diese Bill war
nicht sobald gelesen, als auch die Polemik des vergangenen Frhjahrs
sich erneuerte. Die Whigs hatten bei dieser Gelegenheit fast alle
diejenigen Cavaliere zu Bundesgenossen, welche mit der Regierung in
Connection standen. Die strengen Tories, mit Nottingham an der Spitze,
erklrten sich bereit zu verordnen, da jedes im Jahre 1689 erlassene
Gesetz dieselbe Kraft haben solle, die es gehabt haben wrde, wenn es
von einem in regelmiger Weise einberufenen Parlamente erlassen worden
wre; nichts aber wrde sie bewegen anzuerkennen, da eine ohne
Autoritt des groen Siegels zusammengetretene Versammlung von Lords und
Gentlemen verfassunggem ein Parlament sei. Wenige Fragen scheinen
strkere Leidenschaften erregt zu haben, als die in praktischer
Beziehung ganz unwichtige Frage, ob die Bill declaratorisch sein sollte
oder nicht. Nottingham, stets rechtschaffen und ehrenwerth, aber ein
Bigotter und Formalist, war in diesem Punkte ganz besonders obstinat und
unbeugsam. Bei einer Debatte verlor er seine Selbstbeherrschung, setzte
die Schicklichkeit aus den Augen, die er sonst streng zu beobachten
pflegte, und wre bei einem Haare unter Aufsicht des schwarzen Stabes
gestellt worden.[91] Nach langem Kampfe behaupteten die Whigs mit einer
Majoritt von sieben Stimmen das Feld.[92] Viele Peers unterzeichneten
einen von Nottingham entworfenen energischen Protest. In diesem Protest
war die Bill, welche in der That der sprachlichen Kritik Blen darbot,
unhflicherweise als weder in gutem Englisch noch in verstndlichem
Style abgefat bezeichnet. Die Majoritt fate den Beschlu, da der
Protest gestrichen werden solle, und gegen diesen Beschlu protestirten
Nottingham und seine Anhnger abermals.[93] Dem Knige mifiel die
Hartnckigkeit seines Staatssekretrs, sie mifiel ihm so sehr, da
Nottingham erklrte, er gedenke die Siegel abzugeben; doch der Streit
wurde bald geschlichtet. Wilhelm war zu einsichtsvoll, als da er den
Werth eines redlichen Mannes in einem unredlichen Zeitalter nicht zu
schtzen gewut htte, denn gerade die Gewissenhaftigkeit, welche
Nottingham zum Widerspenstigen machte, war eine Gewhr dafr, da er nie
ein Verrther werden wrde.[94]

Die Bill kam ins Unterhaus und man erwartete mit Gewiheit, da der
Kampf dort lang und heftig sein wrde; aber eine einzige Rede brachte
die Sache ins Reine. Somers setzte mit einer logischen Schrfe und
Beredtsamkeit, ber welche selbst ein Auditorium erstaunte, das
gewohnt war, ihn mit Vergngen anzuhren, die Ungereimtheit des
von den Hochtories festgehaltenen Prinzips auseinander. Wenn die
Convention, -- so argumentirte er, -- kein Parlament war, wie
knnen wir ein Parlament sein? Eine Verordnung Elisabeth's bestimmt,
da Niemand in diesem Hause Sitz und Stimme haben solle, bis er den
alten Suprematseid geleistet habe. Nicht Einer von uns hat diesen Eid
geleistet. Anstatt dessen haben wir Alle den neuen Eid geleistet, den
das vorige Parlament an die Stelle des alten gesetzt hat. Es ist sonach
ein Widerspruch, wenn man sagt, da die Acte des vorigen Parlaments
jetzt nicht mehr gltig seien, und gleichwohl von uns verlangt, da
wir ihre fortdauernde Gltigkeit dekretiren sollen. Denn entweder sind
sie schon gltig, oder wir knnen sie nicht gltig machen. Dieses
Raisonnement, das in der That so unwiderleglich war wie das des Euklid,
machte der Debatte sehr bald ein Ende. Die Bill wurde von den Gemeinen
achtundvierzig Stunden nach ihrer ersten Lesung angenommen.[95]


[_Debatten ber die Vernderungen bei den Milizen._] Dies war der
einzige Sieg, den die Whigs whrend der ganzen Session errangen. Im
Unterhause beschwerten sie sich laut ber die Vernderung, welche in der
militrischen Verwaltung der City vorgenommen worden war. Die Tories,
sich ihrer Strke bewut und durch Rachedurst erhitzt, weigerten sich
nicht allein, das Geschehene zu tadeln, sondern beschlossen sogar, dem
Knige ffentlich und feierlich dafr zu danken, da er so viele
Schismatiker entfernt und so viele Mitglieder der Staatskirche an deren
Stelle gesetzt habe. Clarges, Mitglied fr Westminster, der als Freund
Caermarthen's bekannt war, beantragte eine Dankadresse. Die
Vernderungen, welche in der City vorgenommen worden sind, sagte
Clarges, beweisen die warme Frsorge Sr. Majestt fr uns. Ich hoffe er
wird in allen Grafschaften des Landes hnliche Vernderungen vornehmen.
Die Minoritt wehrte sich tapfer. Wollen Sie dem Knige dafr danken,
sagte sie, da er das Schwert seinen gefhrlichsten Feinden in die Hand
giebt? Einige von Denen, die man ihm gerathen hat mit einem
militrischen Commando zu betrauen, haben sich noch nicht einmal
entschlieen knnen, ihm Treue zu schwren. Andere waren zu einer
schlimmen Zeit als zuverlssige Geschworene bekannt, die gewi waren,
einen Exclusionisten auf jeden Beweis oder auch auf gar keinen Beweis
hin schuldig zu finden. Auch unterlieen die whiggistischen Redner
nicht, solche Themata zur Sprache zu bringen, ber welche alle Parteien
in der Stunde der Gefahr mit Beredtsamkeit sprechen, die aber jede in
der Stunde des Glcks nur zu bereit ist leicht zu nehmen. Fassen wir
nicht einen Beschlu, sagten sie, welcher einen Tadel gegen einen
groen Theil unserer Landsleute enthlt, die gute Unterthanen und gute
Protestanten sind. Der Knig mu das Oberhaupt seines ganzen Volkes
sein. Machen wir ihn nicht zum Oberhaupte einer Partei. Das war eine
ganz vortreffliche Doctrin; nur klang sie sonderbar im Munde von
Mnnern, die sich wenige Wochen frher der Indemnittsbill widersetzt
und fr die Sacheverell'sche Klausel gestimmt hatten. Die Adresse wurde
mit hundertfnfundachtzig gegen hundertsechsunddreiig Stimmen
angenommen.[96]


[_Abschwrungsbill._] Sobald die Zahlen verkndet waren, stellten die
Whigs im Aerger ber ihre Niederlage einen Antrag, der die toryistischen
Staatsdiener in nicht geringe Verlegenheit setzte. Der Huldigungseid,
sagten die Whigs, sei in viel zu laxen Ausdrcken abgefat. Er halte
wohl einige wenige ehrenwerthe Jakobiten, die viel zu unbedeutend seien,
um schdlich werden zu knnen, von ffentlichen Aemtern fern, vermge
aber durchaus nicht, die biegsamen und glatten Gewissen schlauer
Priester zu binden, die sich zwar stellten, als ob sie die Jesuiten
verabscheuten, es aber in der unmoralischen Casuistik, welche den
schlimmsten Theil des Jesuitismus bilde, sehr weit gebracht htten.
Einige angesehene Geistliche htten ffentlich ausgesprochen, andere
sogar es zu schreiben gewagt, da sie Wilhelm in einem ganz andren Sinne
Treue geschworen htten als Jakob. Jakob htten sie die ganze Treue
geschworen, die ein loyaler Unterthan einem rechtmigen Souverain
schuldet; als sie aber versprochen, Wilhelm zu gehorchen, htten sie nur
gemeint, da sie, so lange es in seiner Macht liege, sie wegen
Rebellirens und Conspirirens gegen ihn aufhngen zu lassen, sich nicht
der Gefahr aussetzen wrden, gehngt zu werden. Niemand drfe sich
darber wundern, da die Vorschriften und das Beispiel der mivergngten
Geistlichen die mivergngten Laien verdorben habe. Wenn Domherren und
Rectoren sich nicht schmten zu gestehen, da sie das Neue Testament mit
zweideutigen Gedanken gekt, drfe man schwerlich erwarten, da
Advokaten und Steuereinnehmer gewissenhafter sein wrden. Die Folge
davon sei, da es in jedem Verwaltungszweige von Verrthern wimmele, da
Mnner, die das Brot des Knigs en, Mnner, denen die Eintreibung und
Abfhrung seiner Revenuen, die Verproviantirung seiner Schiffe, die
Bekleidung seiner Soldaten, die Ausrstung seiner Artillerie fr den
Felddienst anvertraut sei, ihn einen Usurpator zu nennen und auf seinen
baldigen Sturz zu trinken pflegten. Knne wohl eine Regierung sicher
sein, die von ihren eigenen Dienern gehat und betrogen wrde? Und sei
nicht die englische Regierung Gefahren ausgesetzt, die ernste
Besorgnisse erwecken mten, selbst wenn alle ihre Diener treu wren?
Eine angefochtene Thronfolge, Krieg mit Frankreich, Krieg in Schottland,
Krieg in Irland, sei dies Alles nicht schon genug, auch ohne Verrath in
jedem Arsenale und in jedem Zollhause? Es bedrfe eines Eides, der in zu
bestimmte Ausdrcke gefat sei, um hinwegerklrt werden zu knnen, in
Ausdrcken, die kein Jakobit nachsprechen knne, ohne sich eines
Meineids bewut zu sein. Wenn auch die Eiferer fr das unveruerliche
erbliche Recht im allgemeinen kein Bedenken trgen, Wilhelm Treue zu
schwren, so wrden sie doch wahrscheinlich nicht Lust haben, Jakob
abzuschwren. Auf diese Grnde hin wurde eine Abschwrungsbill von
uerster Strenge im Hause der Gemeinen eingebracht. Es wurde beantragt,
zu verordnen, da Jeder, der ein brgerliches, militrisches oder
geistliches Amt bekleide, bei Strafe der Entlassung den verbannten Knig
feierlich abschwren solle, da jeder Friedensrichter den
Abschwrungseid von jedem Unterthan verlangen knne und da, wenn
derselbe verweigert wrde, der Widerspenstige ins Gefngni geworfen
werden und so lange darin bleiben solle, bis sein Starrsinn gebrochen
sei.

Die Hrte dieser letzten Bestimmung wurde allgemein und mit vollem
Rechte getadelt. Jeden unwissenden, dienstfertigen Magistratsbeamten in
einen Staatsinquisitor zu verwandeln, darauf zu bestehen, da ein
schlichter Mann, der ruhig und in Frieden lebte, der den Gesetzen
gehorchte, der seine Abgaben bezahlte, der nie ein ffentliches Amt
bekleidet und keine Aussicht hatte, jemals ein solches zu bekleiden,
der sich nie ber Probleme der Staatswissenschaft den Kopf zerbrochen
hatte, unter eidlicher Bekrftigung eine bestimmte Ansicht ber einen
Gegenstand abgeben sollte, ber den die gelehrtesten Doctoren des
Jahrhunderts ganze Bibliotheken polemischer Werke geschrieben hatten,
und ihn in einem Kerker verfaulen zu lassen, wenn er sich nicht
entschlieen konnte zu schwren: dies wre gewi der hchste Grad von
Tyrannei gewesen. Die Klausel welche von den ffentlichen Beamten
verlangte, den entthronten Knig abzuschwren, war nicht den nmlichen
Einwendungen ausgesetzt. Doch auch gegen diese Klausel wurden einige
gewichtige Argumente geltend gemacht. Wer, sagte man, einen
rechtschaffenen Character und einen gesunden Verstand hat, ist durch den
jetzigen Eid hinreichend gebunden. Indem ein solcher Mann dem Knige
Wilhelm Treue und Gehorsam schwrt, schwrt er selbstverstndlich Knig
Jakob ab. Es mag allerdings unter den Dienern des Staats und selbst
unter den Dienern der Kirche einige geben, die weder Ehrgefhl noch
Religion haben und welche bereit sind, fr Geld meineidig zu werden. Es
mag Andere geben, welche die verderbliche Gewohnheit haben, die
heiligsten Pflichten der Moral wegzuphilosophiren, und die der
Ueberzeugung sind, da sie ohne zu sndigen mit einem stillschweigenden
Vorbehalt ein Versprechen geben knnen, das ohne solchen Vorbehalt
sndhaft sein wrde. Gegen diese beiden Klassen von Jakobiten gewhrt
der gegenwrtige Eid allerdings keine Sicherheit. Aber wird der neue
Test, wird berhaupt irgend ein Test wirksamer sein? Wird Jemand, der
kein Gewissen hat, oder Jemand, dessen Gewissen sich durch unmoralische
Sophismen beschwichtigen lt, Bedenken tragen, jedwede Phrase, die man
ihm vorsagt, nachzusprechen? Der erstere wird die Heilige Schrift ohne
jeden Gewissensscrupel kssen, und die Scrupel des Andren werden sehr
leicht zu heben sein. Heute schwrt er dem einen Knige mit einem
stillschweigenden Vorbehalt Treue, morgen wird er dem andren Knige mit
einem stillschweigenden Vorbehalt Treue schwren. Man hoffe nicht, da
der Scharfsinn der Gesetzgeber jemals einen Eid ersinnen wird, den der
Scharfsinn der Casuisten nicht zu umgehen wte. Welchen Werth hat
berhaupt irgend ein Eid in solchen Dingen? Unter den vielen Lehren,
welche die Unruhen der vorigen Generation uns hinterlassen haben, ist
keine einleuchtender als die, da keine noch so genau bestimmte
Wortformel, kein noch so feierlicher Schwur jemals eine Regierung vom
Untergange gerettet hat noch jemals retten wird. Wurde nicht der
Feierliche Bund und Covenant unter dem Hurrahgeschrei vieler Tausende,
die ihn selbst unterschrieben, vom Henker verbrannt? Wie viele von den
Staatsmnnern und Kriegern, welche die Hauptrolle bei der
Wiedereinsetzung Karl'sII. spielten, hatten ihn nicht zu wiederholten
Malen abgeschworen? Ist es sogar nicht wohlbekannt, da einige von
diesen Mnnern prahlend versicherten, da sie ihn nie htten
wiedereinsetzen knnen, wenn sie ihn nicht abgeschworen htten?

Die Debatten waren heftig und der Ausgang schien kurze Zeit zweifelhaft,
denn einige von den im Amte befindlichen Tories hatten keine Lust, ein
Votum abzugeben, das ihnen als ein Zeichen von Lauheit in der Sache des
Knigs, dem sie dienten, ausgelegt werden konnte. Wilhelm erklrte
jedoch, da er nicht wnsche, seinen Unterthanen einen neuen Eid
aufzudringen. Einige Worte aus seinem Munde entschieden den Ausgang des
Kampfes. Die Bill wurde sechsunddreiig Stunden nachdem sie eingebracht
worden, mit hundertzweiundneunzig gegen hundertfnfundsechzig Stimmen
verworfen.[97]

Selbst nach dieser Niederlage kehrten die Whigs hartnckig zum Angriffe
zurck. Da sie in dem einen Hause geschlagen worden waren, erneuerten
sie den Kampf in dem andren. Fnf Tage nach Verwerfung der
Abschwrungsbill bei den Gemeinen, wurde eine andre, etwas mildere, aber
immer noch sehr harte Abschwrungsbill auf den Tisch der Lords
gelegt.[98] Der nunmehrige Vorschlag ging dahin, da Niemand in einem
der beiden Parlamentshuser Sitz und Stimme haben noch ein brgerliches,
militrisches oder richterliches Amt bekleiden solle, der nicht die
Erklrung abgebe, Wilhelm und Marien gegen Jakob und seine Anhnger
beizustehen. Jeder mnnliche Bewohner des Knigreichs, der das
sechzehnte Lebensjahr erreicht hatte, sollte bis zu einem bestimmten
Tage die nmliche Erklrung abgeben, that er es nicht, so sollte er
doppelte Steuern bezahlen und des Wahlrechts verlustig gehen.

An dem zur zweiten Lesung festgesetzten Tage kam der Knig ins Haus der
Peers. Er gab seine formelle Zustimmung zu mehreren Gesetzen, legte
seinen Knigsmantel ab, lie sich auf einen fr ihn bereit gestellten
Sessel nieder und hrte der Debatte mit groer Aufmerksamkeit zu. Zum
allgemeinen Erstaunen sprachen zwei Cavaliere, die sich durch ihren
Eifer fr die Revolution ausgezeichnet hatten, gegen den vorgeschlagenen
Huldigungseid. Lord Wharton, ein Puritaner, der fr das Lange Parlament
gefochten, sagte mit ergtzlicher Naivitt, er sei ein sehr alter Mann,
habe viel unruhige Zeiten durchlebt, habe seiner Zeit eine groe Menge
Eide geleistet und frchte sehr, da er sie nicht alle gehalten habe. Er
bat den Himmel, da ihm dies nicht als Snde angerechnet werden mchte,
und erklrte, da er sich nicht dazu verstehen knne, seiner eignen
Seele wie den Seelen seiner Nchsten noch mehr Schlingen zu legen. Der
Earl von Macclesfield, der Anfhrer der englischen Freiwilligen, welche
Wilhelm von Helvoetluys nach Torbay begleitet hatten, erklrte, da er
sich ganz in dem nmlichen Falle befinde wie Lord Wharton. Marlborough
untersttzte die Bill und sagte, er wundre sich, da Macclesfield, der
eine so hervorragende Rolle bei der Revolution gespielt habe, dagegen
sei. Gereizt durch die Beschuldigung der Inconsequenz, erwiederte
Macclesfield mit rcksichtsloser Heftigkeit: Der edle Earl bertreibt
die Bedeutsamkeit der Rolle, die ich bei der Befreiung unsres
Vaterlandes gespielt habe. Ich war allerdings bereit und werde stets
bereit sein, zur Vertheidigung der Gesetze und Freiheiten desselben mein
Leben zu wagen. Aber es giebt Grenzen, ber die ich, selbst um seiner
Gesetze und Freiheiten willen, nie hinausgehen knnte. Ich lehnte mich
nur gegen einen schlechten Knig auf: ich kenne Leute, die weit mehr
thaten. Obwohl Marlborough nicht leicht aus der Fassung zu bringen war,
die Spitze dieses Sarkasmus mute er nothwendig fhlen. Wilhelm sah
ungehalten aus und die Stimmung des ganzen Hauses war verdstert. Mit
einundfunfzig gegen vierzig Stimmen wurde beschlossen, die Bill an den
Ausschu zu verweisen, und sie kam auch wirklich in den Ausschu, allein
es wurde kein Bericht darber erstattet. Nach vielen harten Kmpfen
zwischen den Whigs unter Leitung Shrewsbury's und den Tories unter
Leitung Caermarthen's war sie so verstmmelt, da wenig mehr als der
Name von ihr brig blieb und da Die, welche sie eingebracht hatten, sie
eines weiteren Streites nicht fr werth hielten.[99]


[_Begnadigungsacte._] Die Niederlage der Whigs wurde durch eine
Mittheilung von Seiten des Knigs vervollstndigt. Caermarthen erschien
im Hause der Lords mit einem von Wilhelm unterzeichneten Pergament in
der Hand. Es war eine Begnadigungsacte fr politische Vergehen.

Eine vom Souverain ausgehende Begnadigungsacte und eine von den Stnden
des Reichs ausgehende Indemnittsacte unterscheiden sich in einigen
wesentlichen Punkten von einander. Eine Indemnittsacte geht durch alle
Stadien, die andere Gesetze durchlaufen mssen und kann auf diesem Wege
von beiden Husern abgendert werden. Eine Begnadigungsacte wird mit
besonderer Ehrerbietung aufgenommen, wird nur einmal bei den Lords und
einmal bei den Gemeinen gelesen und mu entweder ganz verworfen oder so
wie sie ist angenommen werden.[100] Dem vorigen Parlamente hatte Wilhelm
eine solche Acte nicht vorzulegen gewagt. In dem neuen Parlamente aber
war er der Majoritt gewi und die Minoritt gab keinen Grund zu
Besorgnissen. Der Starrsinn, der zwei Sessionen hindurch den Fortschritt
der Indemnittsbill gehemmt hatte, war endlich durch Niederlagen und
Demthigungen gebrochen. Beide Huser hrten die Lesung der
Begnadigungsacte stehend und entblten Hauptes an und genehmigten sie
ohne eine einzige dissentirende Stimme.

Diese Einstimmigkeit wrde nicht stattgefunden haben, wren nicht einige
groe Verbrecher von der Amnestie ausgeschlossen gewesen. Unter diesen
standen in erster Reihe die noch lebenden Mitglieder des hohen
Gerichtshofes, der Karl I. verurtheilt hatte. Ihnen reihten sich die
beiden namenlosen Scharfrichter an, welche mit maskirten Gesichtern auf
dem Schaffot vor dem Bankethause ihr Henkeramt verrichtet. Niemand wute
wer und welchen Standes sie waren. Vielleicht lebten sie schon lngst
nicht mehr. Dennoch hielt man es fr nothwendig zu erklren, da, wenn
sie jetzt, nach einem Zeitraum von einundvierzig Jahren entdeckt wrden,
sie noch immer der Strafe fr ihr groes Verbrechen unterliegen sollten.
Vielleicht wrde es kaum nthig gewesen sein, diese Mnner zu erwhnen,
wren nicht durch das krzliche Erscheinen Ludlow's in England die
Animositten der vorhergehenden Generation wieder angefacht worden.
Auerdem wurden etwa dreiig von den Werkzeugen der Tyrannei Jakob's dem
Gesetz berlassen. Mit diesen wenigen Ausnahmen wurden alle bis zu dem
Tage, an welchem der Acte die knigliche Namensunterschrift beigefgt
worden, mit dem Mangel der Vergessenheit bedeckt.[101] Selbst diejenigen
Verbrecher, welche mit Namen ausgenommen waren, hatten wenig zu
frchten. Viele von ihnen lebten im Auslande, und die in England
befindlichen waren berzeugt, da man sie nicht behelligen wrde, wenn
sie sich keines neuen Vergehens schuldig machten.

Die Begnadigungsacte verdankte die Nation Wilhelm allein und sie ist
einer seiner reinsten und edelsten Ruhmestitel. Vom Beginn der
brgerlichen Unruhen des 17.Jahrhunderts bis zur Revolution war auf
jeden von der einen oder der andren Partei gewonnenen Sieg eine blutige
Proscription gefolgt. Als die Rundkpfe ber die Cavaliere siegten, als
die Cavaliere ber die Rundkpfe siegten, als die Fabel von der
papistischen Verschwrung den Whigs das Uebergewicht gab, als die
Entdeckung des Ryehousecomplots das Uebergewicht den Tories zurckgab,
war Blut, wieder Blut und immer wieder Blut geflossen. Jeder groe
Ausbruch und jeder groe Umschwung des Volksgeistes war von strengen
Maregeln begleitet gewesen, denen die herrschende Partei seiner Zeit
lauten Beifall zollte, welche aber die Geschichte und die Nachwelt bei
ruhiger Betrachtung gemibilligt haben. Kein einsichtsvoller und humaner
Mann, welcher politischen Meinung er auch huldigen mag, spricht jetzt
ohne Tadel von dem Tode Laud's oder Vane's, Stafford's oder Russell's.
Von den wechselseitigen Schlchtereien ist die letzte und schlimmste
die, welche untrennbar mit den Namen Jakob und Jeffreys verbunden ist.
Sie wrde aber sicherlich nicht die letzte, und vielleicht auch nicht
die schlimmste gewesen sein, htte Wilhelm nicht soviel Tugend und
Festigkeit besessen, dem Drngen seiner eifrigsten Anhnger entschieden
zu widerstehen. Diese Mnner wollten fr Alles was sie whrend sieben
unheilvoller Jahre erduldet hatten, furchtbare Wiedervergeltung ben.
Das Schaffot Sidney's, der Galgen Cornish's, der Scheiterhaufen, auf
welchem Elisabeth Gaunt in den Flammen umgekommen war, weil sie einen
Flchtling beherbergt, die Portale der Kirchen von Somersetshire, ber
denen die Kpfe und Gliedmaen ermordeter Landleute ausgesteckt waren,
die Kielrume der Jamaikaschiffe, aus denen jeden Tag der Leichnam eines
vor Durst und verdorbener Luft umgekommenen Gefangenen den Haifischen
vorgeworfen worden war: dies Alles war bei der Partei, welche der
Revolution auf einige Zeit die Herrschaft im Staate verschafft hatte,
noch in frischem Andenken. Einige Oberhupter dieser Partei hatten ihr
Leben durch hohe Lsegelder erkauft; Andere hatten lange in Newgate
geschmachtet; noch Andere hatten Winter auf Winter in den Mansarden von
Amsterdam gedarbt und gefroren. Es war ganz natrlich, da sie zur Zeit
ihrer Macht und ihres Glcks einen Theil der ertragenen Leiden ihren
Feinden zurckzugeben wnschten. Ein ganzes Jahr lang verfolgten sie
ihren Racheplan. Es gelang ihnen, eine Indemnittsbill nach der andren
zu Schanden zu machen, und nichts stand zwischen ihnen und ihren Opfern
als Wilhelm's unerschtterlicher Entschlu, da der Ruhm der groen
Befreiung, die er bewerkstelligt, nicht durch Grausamkeiten befleckt
werde. Seine Milde war eine nur ihm eigene. Es war nicht die Milde eines
damit Prahlenden, oder eines Sentimentalen, oder eines Sanftmthigen.
Sie war kalt, schroff, unbeugsam. Sie brachte keine schnen
theatralischen Effecte hervor, sie zog ihm heftige Schmhungen von
Seiten Derjenigen zu, deren bswillige Leidenschaften er nicht
befriedigen wollte, und trug ihm keinen Dank von Seiten Derer ein, die
ihm Vermgen, Freiheit und Leben verdankten. Whrend die heftigen Whigs
ber seine Nachsicht spttelten, machten ihm die Agenten der gestrzten
Regierung, sobald sie ihre Stellungen gesichert sahen, anstatt ihre
Verpflichtungen gegen ihn anzuerkennen, in beleidigender Sprache
Vorwrfe wegen der Milde, die er auf sie ausgedehnt hatte. Seine
Begnadigungsacte, sagten sie, habe seine Erklrung vollstndig
widerlegt. Knne man wohl glauben, da er, wenn an den Beschuldigungen,
die er gegen die vorige Regierung erhoben, etwas Wahres sei, den
Schuldigen Straflosigkeit gewhrt haben wrde? Er selbst gestehe jetzt
mit seiner eigenhndigen Unterschrift ein, da die Geschichten, durch
welche er und seine Freunde die Nation getuscht und die knigliche
Familie vertrieben htten, bloe Verleumdungen seien, die er zur
Erreichung seines Zweckes ersonnen. Jetzt, nachdem dieser Zweck erreicht
sei, wrden die Beschuldigungen, durch die er den Volksgeist bis zum
Wahnsinn erhitzt habe, kalt zurckgenommen.[102] Doch er lie sich durch
nichts von dem Allen irre machen. Er hatte wohl gethan. Er hatte seine
Popularitt bei Leuten, die seine wrmsten Verehrer gewesen waren, aufs
Spiel gesetzt, um Leuten, die seinen Namen nie anders als mit einer
Verwnschung nannten, Ruhe und Sicherheit zu verschaffen, und hatte
Denen, die er beschtzt, keine geringere Wohlthat erwiesen als Denen,
die er um ihre Rache gebracht. Die eine Partei hatte er vor einer
Proscription, die andre vor einer Reaction bewahrt, die eine solche
Proscription unvermeidlich erzeugt haben wrde. Schlimm genug fr sein
Volk, wenn es seine Politik nicht gebhrend wrdigte. Er hatte seine
Pflicht gegen dasselbe erfllt, und er scheute weder Tadel, noch
verlangte er Dank.


[_Das Parlament prorogirt._] Am 20.Mai wurde die Begnadigungsacte
angenommen. Der Knig kndigte hierauf den beiden Husern an, da er
seine Reise nach Irland nicht lnger aufschieben knne, da er daher
beschlossen habe, sie zu prorogiren, und da, wenn nicht ein
unerwartetes Ereigni ihm ihren Rath und Beistand nthig machte, er sie
bis zum nchsten Winter nicht von ihren Wohnsitzen zurckrufen wrde.
Dann, sagte er, hoffe ich, so Gott will, auf ein glckliches
Wiedersehen.

Das Parlament hatte eine Acte erlassen, welche bestimmte da, sobald er
England verliee, Marie berechtigt sein sollte, die Regierung des
Knigreichs in seinem und ihrem Namen zu verwalten. Nichtsdestoweniger
aber sollte er whrend seiner Abwesenheit seine ganze Autoritt
behalten. Es wurden gegen diese Anordnung einige Einwendungen erhoben.
In diesem Falle, sagte man, gebe es also zwei oberste Gewalten im
Staate; ein ffentlicher Beamter knne vom Knig und der Knigin
einander direct widerstreitende Befehle erhalten und nicht wissen,
welchen er nachkommen solle. Der Einwurf war ohne allen Zweifel
theoretisch wohl begrndet; allein es bestand ein so vollkommenes
Vertrauen und eine so innige Zuneigung zwischen dem kniglichen Paare,
da ein praktischer Nachtheil nicht zu befrchten war.[103]


[_Rstungen fr den ersten Krieg._] In Bezug auf Irland waren die
Aussichten Wilhelm's jetzt viel erfreulicher, als sie es einige Monate
frher gewesen. Die Thtigkeit, mit der er die Rstungen fr den
nchsten Feldzug persnlich betrieben, hatte Auerordentliches bewirkt.
Die Nerven der Regierung waren neu gesthlt, in jedem Zweige der
Militrverwaltung war der Einflu eines energischen Geistes zu erkennen.
Reiche Vorrthe von Lebensmitteln, Bekleidungsstcken und Arzeneien von
ganz andrer Qualitt als die, welche Shales geliefert hatte, wurden ber
den St. Georgskanal geschickt. Tausend Bagagewagen waren mit groer Eil
angefertigt oder herbeigeschafft worden, und einige Wochen lang war die
Strae zwischen London und Chester mit denselben bedeckt. Massen von
Rekruten wurden abgesandt, um die Lcken auszufllen, welche Krankheit
in die englischen Reihen geschlagen hatte; frische Regimenter aus
Schottland, Cheshire, Lancashire und Cumberland wurden in der Bai von
Belfast ausgeschifft, und die Uniformen und Waffen der Neuankommenden
verriethen deutlich den mchtigen Einflu des Auges des Gebieters.
Zugleich mit den britischen Bataillonen trafen auch mehrere khne
Schaaren deutscher und skandinavischer Sldlinge ein, und so belief sich
vor Ende Mai die in Ulster versammelte englische Streitmacht auf
dreiigtausend kampffhige Mnner. Eine weitere kleine Anzahl Truppen
und eine ungeheuere Masse von Kriegsvorrthen befanden sich an Bord
einer Flotte, welche in der Mndung des Dee lag und bereit war die Anker
zu lichten, sobald der Knig sich eingeschifft haben wrde.[104]


[_Jakob's Verwaltung in Dublin._] Jakob htte die Zeit, whrend seine
Truppen in ihren Winterquartieren lagen, eben so gut anwenden sollen.
Strenge Disciplin und regelmige Waffenbungen htten die athletischen
und begeisterten Landleute, die unter seinem Banner versammelt waren, in
gute Soldaten verwandeln knnen. Aber man lie die Gelegenheit unbenutzt
vorbergehen. Der Hof von Dublin beschftigte sich whrend dieser Zeit
der Unthtigkeit mit Spiel und Wein, mit Liebesbriefen und
Herausforderungen. Die Hauptstadt gewhrte zwar keinen sehr glnzenden
Anblick, denn die Gesammtzahl der Equipagen, welche daselbst aufgebracht
werden konnten, die des Knigs und der franzsischen Gesandtschaft mit
eingerechnet, betrug keine vierzig.[105] Aber trotz des geringen Glanzes
herrschte doch groe Ausschweifung. Ernste Katholiken schttelten die
Kpfe und sagten, das Schlo sehe nicht aus wie der Palast eines Knigs,
der sich rhme der Vorkmpfer einer Kirche zu sein.[106] Die
militrische Verwaltung war noch eben so traurig bestellt als je. Die
Cavallerie wurde zwar durch die Bemhungen einiger tapferer Offiziere
auf einer hohen Stufe der Tchtigkeit erhalten; aber ein
Infanterieregiment unterschied sich durch nichts als den Namen von einer
starken Bande Rapparees. Ja, eine Bande Rapparees belstigte sogar die
friedlichen Brger weniger und fgte dem Feinde mehr Schaden zu als ein
Regiment Infanterie. Avaux schilderte in einer Denkschrift, die er Jakob
berreichte, mit nachdrcklichen Worten die Mibruche, welche das
irische Fuvolk zu einem Fluche und zu einer Schmach fr Irland machten.
Ganze Compagnien, sagt der Gesandte, verlassen auf dem Marsche ihre
Fahnen und machen Abstecher nach Rechts und Links, um zu plndern und zu
verwsten; der Soldat sorgt nicht fr Instandhaltung seiner Waffen, der
Offizier kmmert sich nie darum, ob die Waffen in gutem Stande sind und
die Folge davon ist, da jeder dritte Mann sein Gewehr verloren hat und
jeder andre dritte Mann ein Gewehr besitzt, das nicht losgeht. Avaux
beschwor den Knig, das Maraudiren zu verbieten, anzubefehlen, da die
Truppen regelmig exercirt wrden und jeden Offizier zu bestrafen, der
es duldete, da seine Leute ihre Waffen und Monturen vernachlssigten.
Wenn dies geschehe, drfe Se. Majestt hoffen, zum bevorstehenden
Frhjahr eine Armee zu commandiren, mit der der Feind sich gar nicht
werde messen knnen. Der Rath war ganz gut, Jakob aber so weit entfernt,
denselben anzunehmen, da er ihn kaum geduldig anhren wollte. Noch ehe
ihm acht Zeilen vorgelesen waren, gerieth er in Zorn und beschuldigte
den Gesandten der Uebertreibung. Diese Schrift, Sire, ist nicht fr die
Oeffentlichkeit geschrieben, sagte Avaux, sondern nur zur Aufklrung
Eurer Majestt, und in einer Schrift, welche den Zweck hat, Eure
Majestt aufzuklren, sind Schmeichelei und Beschnigung nicht
angewandt. Doch ich will nicht darauf bestehen, etwas vorzulesen, was
Ihnen so unangenehm ist. -- Lesen Sie weiter, versetzte Jakob
rgerlich, ich will das Ganze hren. Er wurde nach und nach ruhiger,
nahm die Denkschrift an sich, und versprach einige der darin enthaltenen
Winke zu benutzen. Aber sein Versprechen war bald wieder vergessen.[107]

Seine Finanzverwaltung war das genaue Ebenbild seiner Militrverwaltung.
Seine einzige fiskalische Hlfsquelle war directe oder indirecte
Beraubung. Jeder Protestant, der in irgend einem Theile der drei
sdlichen Provinzen Irland's zurckgeblieben war, wurde direct beraubt
durch den einfachen und kurzen Proze, da man ihm sein Geld aus dem
Kasten, seinen Wein aus dem Keller, sein Brennmaterial vom Hofe und
seine Kleider aus der Garderobe nahm. Indirect wurde er durch eine neue
Verausgabung von Mnzen beraubt, welche kleiner und geringhaltiger waren
als irgend welche die bisher das Bildni und die Legende Jakob's
getragen hatten. Selbst das Kupfergeld begann in Dublin selten zu
werden, und man sah sich genthigt, Ludwig um Untersttzung anzugehen,
der seinem Verbndeten gromthig eine alte geborstene Kanone schenkte,
um Kronen und Schillinge daraus prgen zu lassen.[108]


[_Ein Hlfscorps von Frankreich nach Irland gesandt._] Doch der
franzsische Knig hatte beschlossen, einen Succurs ganz andrer Art
hinberzuschicken. Er erbot sich vier irische Regimenter in seinen
Dienst zu nehmen und durch die beste damals in der Welt bekannte
Disciplin ausbilden zu lassen. Sie sollten von Macarthy commandirt
werden, der bei Newton Butler schwer verwundet und gefangen genommen
worden war. Er war von seinen Wunden genesen und hatte durch Wortbruch
seine Freiheit wieder erlangt. Diesen schimpflichen Wortbruch hatte er
durch erbrmliche Winkelzge und sophistische Entschuldigungen, die
einem Jesuiten besser angestanden haben wrden als einem Edelmann und
Soldaten, noch schimpflicher gemacht. Ludwig wollte es sich gefallen
lassen, da ihm die Leute in Lumpen gehllt und unbewaffnet zugeschickt
wrden, nur bestand er darauf, da die Gemeinen krftige Burschen und
die Offiziere keine bankerottirten Kaufleute und fortgejagte Lakaien,
sondern womglich Leute von guter Familie wren, die Pulver gerochen
htten. Fr diese Truppen, deren Zahl sich auf nicht ganz viertausend
Mann belief, verpflichtete er sich, zwischen sieben- und achttausend
vortreffliche franzsische Infanteristen nach Irland zu schicken, welche
in einer Schlacht voraussichtlich von grerem Nutzen sein wrden,
als smmtliche Kernes von Leinster, Munster und Connaught
zusammengenommen.[109]

Einen groen Fehler beging er dabei. Die Armee, die er Jakob zur
Untersttzung sandte, war zwar klein im Vergleich zu der Armee in
Flandern oder zu der Rheinarmee, aber sie war zu einem Dienste bestimmt,
von welchem das Schicksal Europa's abhngen konnte, und htte daher von
einem ausgezeichneten General befehligt werden sollen. Es fehlte in
Frankreich nicht an solchen Generlen; aber Jakob und seine Knigin
baten dringend um Lauzun, und sie setzten seine Ernennung durch, trotz
Avaux' energischer Gegenvorstellungen, trotz Louvois' Rath und trotz
Ludwig's gegentheiliger Meinung.

Als Lauzun sich in Louvois' Cabinet begab, um seine Instructionen in
Empfang zu nehmen, fhrte der kluge Minister eine Sprache, welche
deutlich bewies, wie wenig Vertrauen er in den eitlen und excentrischen
fahrenden Ritter setzte. Lassen Sie Sich um des Himmels willen nicht
durch Ihre Kampflust hinreien. Setzen Sie Ihren ganzen Ruhm darein, die
Englnder zu ermden und vor Allem halten Sie strenge Mannszucht.[110]


Lauzun's Ernennung war nicht nur an sich ein Migriff, sondern man mute
auch, um einen Mann an einen Posten zu stellen, dem er nicht gewachsen
war, zwei andere Mnner von Posten entfernen, fr die sich beide ganz
vorzglich eigneten. So unmoralisch und hartherzig Rosen und Avaux immer
sein mochten, so war doch Rosen ein geschickter Feldherr und Avaux ein
gewandter Diplomat. Obwohl es nicht wahrscheinlich ist, da sie im
Stande gewesen wren, Irland's Schicksal abzuwenden, so wrden sie doch
wahrscheinlich den Kampf haben in die Lnge ziehen knnen, und da der
Kampf in die Lnge gezogen wurde, lag offenbar im Interesse
Frankreich's. Es wrde jedoch eine Beleidigung fr den greisen General
gewesen sein, wenn man ihn unter Lauzun's Oberbefehl gestellt htte, und
zwischen Lauzun und dem Gesandten bestand eine so heftige Feindschaft,
da ein herzliches Zusammenwirken von ihnen nicht zu erwarten gewesen
wre. Rosen und Avaux wurden daher Beide unter vielen besnftigenden
Versicherungen der kniglichen Zufriedenheit und Gunst nach Frankreich
zurckberufen. Zu Anfang des Frhjahrs segelten sie mit der Flotte,
welche Lauzun nach Irland gebracht hatte, von Cork ab.[111] Lauzun war
nicht sobald gelandet, als er sich berzeugte, da nichts zu seinem
Empfange vorbereitet war, obgleich man ihn seit lngerer Zeit erwartet
hatte. Es waren keine Quartiere fr seine Leute, keine Magazine zur
Aufnahme seiner Vorrthe, keine Pferde, keine Fuhrwerke besorgt.[112]
Seine Truppen muten die Beschwerden eines langen Marsches durch eine
Wste ertragen, ehe sie nach Dublin gelangten. Hier fanden sie
allerdings leidliche Verpflegung. Sie erhielten freies Quartier bei
Protestanten, hatten reichlich Brot und drei Pence tglich. Lauzun wurde
zum Oberbefehlshaber der irischen Armee ernannt und nahm seine Residenz
im Schlosse.[113] Sein Gehalt war der nmliche wie der des Viceknigs,
achttausend Jakobus, gleich zehntausend Pfund Sterling jhrlich. Diese
Summe erbot sich Jakob nicht in Kupfermnze mit seinem Bildni, sondern
in franzsischem Golde zu bezahlen. Lauzun aber, zu dessen Fehlern die
Habsucht nicht gehrte, weigerte sich, seine Kasse aus einem fast leeren
Schatze zu fllen.[114]

Auf ihn und die ihn begleitenden Franzosen machten das Elend des
irischen Volks und die Verkehrtheit der irischen Regierung einen
Eindruck, den sie schwer beschreiben konnten. Lauzun schrieb an Louvois,
der Hof und das ganze Land befnden sich in einem Zustande, von welchem
sich derjenige, der immer in wohlgeordneten Staaten gelebt habe, keinen
Begriff machen knne. Es sei, sagte er, ein Chaos wie das, von dem er im
ersten Buche Mosis gelesen habe. Die ffentlichen Beamten thten weiter
nichts, als da sie sich mit einander stritten und die Regierung und das
Volk ausplnderten. Nachdem er etwa einen Monat im Schlosse zugebracht,
erklrte er, da er um Alles in der Welt keinen zweiten solchen Monat
durchleben mchte, und seine tchtigsten Offiziere besttigten seine
Aussage.[115] Einer von ihnen war allerdings so ungerecht, das irische
Volk nicht nur als unwissend und trge, was es in der That war, sondern
auch als hoffnungslos dumm und gefhllos zu schildern, was es sicherlich
nicht war. Die englische Politik, sagte er, habe sie so vollkommen
verthiert, da man sie kaum noch menschliche Geschpfe nennen knne. Sie
seien unempfindlich gegen Lob und Tadel, gegen Versprechungen und
Drohungen; und doch sei es schade um sie, denn sie seien in physischer
Hinsicht der schnste Menschenschlag in der Welt.[116]


[_Plan der englischen Jakobiten; Clarendon, Aylesbury, Dartmouth._]
Inzwischen hatte Schomberg den Feldzug unter gnstigen Auspicien
erffnet. Mit geringer Mhe hatte er Charlemont, die letzte wichtige
Festung, welche die Irlnder noch in Ulster behaupteten, genommen; aber
das groe Werk der Wiedereroberung der drei sdlichen Provinzen der
Insel verschob er bis zu Wilhelm's Ankunft. Wilhelm beschftigte sich
unterdessen mit den Anordnungen zur Regierung und Vertheidigung
England's whrend seiner Abwesenheit. Er wute sehr wohl, da die
Jakobiten auf ihrer Hut waren. Bis vor ganz Kurzem waren sie noch keine
zusammenhngende und organisirte Faction gewesen. Es hatte, um Melfort's
Ausdruck zu gebrauchen, zahlreiche Trupps gegeben, welche alle entweder
mit Jakob im Dubliner Schlosse, oder mit Marien von Modena in
Saint-Germains in Verbindung standen, unter einander aber keine
Connection hatten und sich gegenseitig nicht trauten.[117] Seitdem es
aber bekannt geworden war, da der Usurpator ber den Kanal zu gehen
beabsichtige und da er sein Scepter in weiblichen Hnden zurcklassen
wolle, hatten sich diese Trupps eng aneinander angeschlossen und eine
ausgedehnte Verbindung zu bilden begonnen. Clarendon, der die Eide
verweigert, und Aylesbury, der sie ehrloser Weise geleistet hatte,
gehrten zu den Hauptverrthern. Dartmouth war, obgleich er den im
Besitz der Macht befindlichen Souverainen Treue geschworen, einer ihrer
thtigsten Feinde und er bernahm was man das Marinedepartement des
Complots nennen kann. Sein Geist war bestndig mit einem englischen
Seemann eben nicht zur Ehre gereichenden Plnen zur Zerstrung der
englischen Flotten und Arsenale beschftigt. Er stand in enger
Verbindung mit einigen Seeoffizieren, welche der neuen Regierung zwar
dienten, aber doch nur ungern und mit halbem Herzen, und er schmeichelte
sich, da er diese Mnner durch das Versprechen groer Belohnungen und
durch geschicktes Anschren des neidischen Hasses, mit dem sie die
hollndische Flagge betrachteten, dazu bewegen werde, zu desertiren und
ihre Schiffe in einen franzsischen oder irlndischen Hafen zu
bringen.[118]


[_Penn._] Penn's Benehmen war kaum minder schndlich. Er war ein
eifriger und geschftiger Jakobit, und seine neue Lebensbahn war der
moralischen Reinheit noch ungnstiger, als es die vorige gewesen war.
Es war kaum mglich, zu gleicher Zeit ein consequenter Quker und ein
Hfling zu sein; ganz und gar unmglich aber war es, ein consequenter
Quker und ein Verschwrer zu sein. Es ist schmerzlich es sagen zu
mssen, da Penn, whrend er selbst den Vertheidigungskrieg fr sndhaft
zu halten erklrte, doch Alles that was in seiner Macht stand, um eine
fremde Armee ins Herz seines eignen Landes zu bringen. Er schrieb Jakob,
da die Anhnger des Prinzen von Oranien nichts so sehr frchteten als
einen Aufruf zu den Waffen, und da, wenn jetzt von Frankreich oder
Irland aus ein Einfall in England unternommen wrde, die Zahl der
Royalisten sich grer herausstellen werde als sie je gewesen. Avaux
hielt diesen Brief fr so wichtig, da er Ludwig eine Abschrift davon
einsandte.[119] Diese und hnliche Mittheilungen, schrieb der schlaue
Gesandte, htten auf die Stimmung Knig Jakob's einen guten Eindruck
gemacht, Se. Majestt sei endlich berzeugt, da er seine Lande nur mit
dem Schwerte in der Hand wieder erlangen knne. Es ist ein interessanter
Umstand, da es dem groen Friedensprediger vorbehalten sein sollte,
diese Ueberzeugung im Geiste des alten Tyrannen hervorzurufen.[120]
Penn's Verfahren war der Aufmerksamkeit der Regierung nicht entgangen.
Man hatte Verhaftsbefehle gegen ihn erlassen und er war eingezogen
worden; es hatten aber keine Beweise gegen ihn aufgebracht werden
knnen, die eine Anklage auf Hochverrath begrndet htten; er hatte bei
jeder Partei viele Freunde, die er auch trotz aller seiner Fehler zu
haben verdiente, und er wurde daher bald wieder in Freiheit gesetzt, um
zu seinen Comploten zurckzukehren.[121]


[_Preston._] Der Hauptverschwrer war jedoch Richard Graham, Viscount
Preston, der unter der vorigen Regierung Staatssekretr gewesen war.
Obgleich schottischer Peer, war er doch nur englischer Baronet. Er hatte
zwar von Saint-Germains ein englisches Hochadelsdiplom erhalten; aber
das Diplom war von einem spteren Datum als die Flucht, welche die
Convention fr eine Abdankung erklrt hatte. Die Lords hatten sich
deshalb nicht nur geweigert, ihn ihrer Privilegien theilhaftig werden zu
lassen, sondern sie schickten ihn sogar ins Gefngni, weil er sich
unbefugterweise einen der Ihrigen genannt habe. Da er indessen klein
beigegeben und seinen Anspruch zurckgezogen, hatte er seine Freiheit
wieder erlangt.[122] Obgleich die demthige Sprache, die er bei dieser
Gelegenheit zu fhren sich herabgelassen, keineswegs einen Mrtyrersinn
verrieth, so betrachtete ihn doch seine Partei und die Welt berhaupt
als einen Mann von Muth und Ehre. Er fhrte noch die Siegel seines Amtes
und wurde von den Anhngern des unveruerlich erblichen Rechts noch
immer als der wirkliche Staatssekretr angesehen. Er stand in hoher
Gunst bei Ludwig, an dessen Hofe er frher gelebt, und die franzsische
Regierung hatte ihm seit der Revolution bedeutende Geldsummen zu
politischen Zwecken anvertraut.[123]

Whrend Preston in der Hauptstadt mit den anderen Huptern der Partei
Berathungen pflog, huften die auf dem Lande wohnenden Jakobiten Waffen
auf, hielten Musterungen und formirten sich in Compagnien, Schwadronen
und Regimenter. In Worcestershire zeigten sich beunruhigende Symptome.
In Lancashire hatten viele Gentlemen von Jakob ausgestellte
Offizierpatente erhalten, nannten sich Obersten und Hauptleute und
entwarfen lange Listen von Unteroffizieren und Gemeinen. Briefe aus
Yorkshire brachten die Nachricht, da starke Mnnerschaaren, die sich in
keiner guten Absicht versammelt zu haben schienen, auf den Smpfen bei
Knaresborough gesehen worden seien. Briefe aus Newcastle berichteten von
einem groen Wettballspiele, das in Northumberland gehalten worden sei
und von dem man stark vermuthe, das es nur als Vorwand zu einer
Versammlung der Mivergngten gedient habe. Es sollten sich unter der
Menge hundertfunfzig wohl berittene und bewaffnete Reiter befunden
haben, von denen viele Papisten gewesen wren.[124]

Unterdessen gingen Briefpackete voll Verrath zwischen Kent und der
Picardie und zwischen Wales und Irland bestndig hin und her. Einige der
Boten waren aufrichtige Fanatiker, andere aber waren bloe Miethlinge,
welche aus den ihnen zur Besorgung anvertrauten Geheimnissen Gewinn
zogen.


[_Die Jakobiten von Fuller verrathen._] Der interessanteste unter diesen
zweifachen Verrthern war Wilhelm Fuller. Dieser Mann hat uns selbst
erzhlt, da ihm in seiner Kindheit ein Buch in die Hnde gefallen sei,
das eine Beschreibung des verbrecherischen Lebens und des entsetzlichen
Todes Dangerfield's enthielt. Die Phantasie des Knaben wurde dadurch
erhitzt; er verschlang das Buch und lernte es fast auswendig; eine
seltsame Ahnung stieg in ihm auf und verfolgte ihn seitdem bestndig,
da sein Schicksal dem des schndlichen Abenteurers gleichen werde,
dessen Geschichte er so eifrig gelesen hatte.[125] Man htte meinen
sollen, da die Aussicht, mit zerfleischtem Rcken und ausgeschlagenem
Auge in Newgate zu sterben, eben nicht viel Lockendes gehabt haben
knnte; allein die Erfahrung lehrt, da es berspannte Kpfe giebt, fr
welche eine gewisse Berhmtheit, selbst wenn sie mit Schmerz und Schande
begleitet ist, einen unwiderstehlichen Reiz hat. Von diesem
verwerflichen Ehrgeize beseelt, erreichte Fuller sein Vorbild und
bertraf es vielleicht noch. Er war im rmisch-katholischen Glauben
erzogen und war Page bei Lady Melfort gewesen, als Lady Melfort als eine
der schnsten Frauen im Hofstaate Mariens von Modena in Whitehall
glnzte. Nach der Revolution begleitete er seine Gebieterin nach
Frankreich, wurde wiederholt zu delikaten und gefhrlichen Auftrgen
verwendet und galt in Saint-Germains fr einen treuen Diener des Hauses
Stuart. In Wirklichkeit aber hatte er sich auf einer seiner Reisen nach
London der neuen Regierung verkauft und den Glauben abgeschworen, in
welchem er erzogen war. Die Ehre, wenn man es so nennen darf, aus einem
werthlosen Papisten einen werthlosen Protestanten aus ihm gemacht zu
haben, schrieb er mit characteristischer Unverschmtheit der klaren
Logik und dem tadellosen Wandel Tillotson's zu.

Im Frhjahr 1690 wnschte Marie von Modena ihren Correspondenten in
London einige sehr wichtige Depeschen zukommen zu lassen. Da diese
Depeschen zu volumins waren um in den Kleidern eines einzelnen Boten
verborgen werden zu knnen, mute man sich zweier Vertrauten bedienen.
Der Eine war Fuller, der Andre war ein eifriger junger Jakobit, Namens
Crone. Vor ihrer Abreise erhielten sie noch genaue Instructionen von der
Knigin selbst. Bei einer gewhnlichen Untersuchung war an ihnen kein
Schnitzchen Papier zu entdecken; aber ihre Knpfe enthielten mit
unsichtbarer Tinte geschriebene Briefe.

Das Paar reiste nach Calais. Der Gouverneur dieser Stadt lieferte ihnen
ein Boot, das sie unter dem Schutze der Nacht an der flachen und
sumpfigen Kste von Kent unweit des Leuchtthurmes von Dungene absetzte.
Von hier gingen sie nach einer Meierei, verschafften sich Pferde und
schlugen verschiedene Wege nach London ein. Fuller eilte nach Schlo
Kensington und berreichte dem Knige die ihm anvertrauten Papiere. Der
erste Brief, den Wilhelm entfaltete, schien nur berschwengliche
Complimente zu enthalten; aber es wurden Holzkohlen angezndet und eine
den damaligen Diplomaten wohlbekannte Flssigkeit auf das Papier
gebracht; das Zimmer fllte sich mit einem belriechenden Dampfe und
Zeilen sehr ernsten Inhalts begannen sichtbar zu werden.


[_Crone verhaftet._] Die Hauptsache war jetzt vor Allem, da man Crone's
habhaft zu werden suchte. Unglcklicherweise hatte er Zeit gehabt, seine
Briefe abzugeben, bevor er festgenommen wurde; aber man hatte ihm eine
Schlinge gelegt, in die er leicht ging. Die aufrichtigen Jakobiten waren
im Allgemeinen sehr unzuverlssige Verschwrer; es gab unter ihnen eine
ungewhnlich groe Anzahl Dummkpfe, Prahler und Schwtzer, und dazu
gehrte auch Crone. Wre er klug und vorsichtig gewesen, so wrde er
ffentliche Orte gemieden, seine Zunge streng bewacht und sich bei
Tische mit einer Flasche begngt haben. Anstatt dessen sahen die Agenten
der Regierung, wie er an einer Wirthshaustafel in Gracechurch Street auf
die Gesundheit Knig Jakob's trank und bombastisch von der kommenden
Restauration, von der franzsischen Flotte und den Tausenden
rechtschaffener Englnder sprach, welche nur das Zeichen erwarteten, um
sich fr ihren rechtmigen Souverain bewaffnet zu erheben. Er wurde in
das Sekretariatsbureau nach Whitehall gebracht. Anfangs schien er ganz
ruhig und unbefangen zu sein; als er aber unter den Umstehenden Fuller
in Freiheit und elegant gekleidet, mit einem Degen an der Seite
erblickte, sank dem Gefangenen der Muth und er war kaum im Stande ein
Wort hervorzubringen.[126]

Die Nachricht, da Fuller als Knigszeuge aufgetreten, Crone verhaftet
und Wilhelm wichtige Briefe aus Saint-Germains in die Hnde gefallen
seien, flog rasch durch ganz London und verbreitete Schrecken unter
Allen, die sich schuldig fhlten.[127] Allerdings war die Aussage eines
Zeugen, wre dieser Zeuge auch ein achtbarerer Mann als Fuller gewesen,
gesetzlich nicht hinreichend, um Jemanden des Hochverraths zu
berfhren. Aber Fuller hatte die Sache so einzurichten gewut, da
mehrere Zeugen vorgefhrt werden konnten, die seine Aussage gegen Crone
bestrkten, und wenn Crone in der Todesangst Fuller's Beispiel
nachahmte, so fielen die Kpfe der Oberhupter der Verschwrung in die
Gewalt der Regierung. Der Muth der Jakobiten wuchs jedoch, als sie
erfuhren, da Crone, obgleich zu wiederholten Malen von Denen verhrt,
die ihn in ihrer Gewalt hatten, und obgleich berzeugt, da nichts als
ein offenes Gestndni ihm das Leben retten konnte, ein entschlossenes
Stillschweigen bewahrt habe. Welchen Eindruck eine Verurtheilung und die
nahe Aussicht des Todes auf ihn machen wrde, stand noch zu erwarten.
Seinen Complicen war durchaus nichts daran gelegen, da seine
Standhaftigkeit auf eine so harte Probe gestellt werde, und sie wendeten
daher eine Menge erlaubter und unerlaubter Kunstgriffe an, um eine
Ueberfhrung zu hintertreiben. Eine Frau, Namens Clifford, bei der er
gewohnt hatte und die einer der thtigsten und schlauesten Agenten der
jakobitischen Partei war, wurde mit dem Geschft betraut, ihn standhaft
zu erhalten und ihm Dienste zu leisten, vor denen skrupulse oder
ngstliche Agenten zurckgeschreckt sein wrden. Als der gefrchtete Tag
kam, war Fuller zu unwohl, um in der Zeugenloge zu erscheinen und die
Sitzung wurde daher verschoben. Er behauptete, da seine Krankheit keine
natrliche sei, da man ihm in einer Speise etwas Schdliches
beigebracht habe, da seine Ngel sich entfrbt htten, da ihm die
Haare ausfielen und da geschickte Aerzte ihn fr vergiftet erklrten.
Aber solche Geschichten mssen, selbst wenn sie sich auf eine bessere
Autoritt als auf die eines Fuller grnden, stets mit groem Mitrauen
aufgenommen werden.

Whrend Crone seiner Untersuchung entgegensah, wurde auf dem Wege
zwischen Dover und London ein zweiter Agent des Hofes von
Saint-Germains, Namens Tempest, verhaftet, und er erwies sich als der
Ueberbringer zahlreicher Briefe an Mivergngte in England.[128] Es
stellte sich mit jedem Tage klarer heraus, da der Staat von Gefahren
umgeben war, und doch war es durchaus nothwendig, da das geschickte und
entschlossene Staatsoberhaupt in diesem kritischen Augenblicke seinen
Posten verlie.


[_Schwierigkeiten Wilhelm's._] Mit peinlicher Besorgni, die nur ein
Mann wie er unter dem Anschein stoischer Heiterkeit zu verbergen
vermochte, traf Wilhelm seine Anstalten zur Abreise. Marie war tief
bekmmert, und ihr Kummer ging ihm mehr zu Herzen als Diejenigen
ahneten, die aus seinem Benehmen auf den Zustand seines Innern
schlossen.[129] Er wute auch, da er sie umringt von Schwierigkeiten,
mit denen zu kmpfen ihre Gewohnheiten sie nicht befhigt hatten,
zurcklassen sollte. Sie bedurfte gewi bestndig einsichtsvollen und
wohlmeinenden Rathes; und wo war solcher Rath zu finden? Es gab zwar
unter seinen Dienern viel tchtige und auch einige tugendhafte Mnner;
aber selbst wenn er anwesend war, hatten ihre politischen und
persnlichen Animositten nur zu oft sowohl ihre Talente wie ihre
Tugenden nutzlos fr ihn gemacht. Konnte man also wohl erwarten, da die
sanfte Marie im Stande sein werde, den Parteigeist und die
Eiferschteleien zu zgeln, welche ihr energischer und kluger Gemahl nur
sehr unvollkommen hatte in Schranken halten knnen? Htte man das innere
Cabinet, das die Knigin untersttzen sollte, ausschlielich aus Whigs
oder aus Tories zusammengesetzt, so wrde die halbe Nation unzufrieden
gewesen sein. Bestand es aus Whigs und Tories, so konnte man wieder
gewi sein, da bestndige Uneinigkeit herrschen werde. Wilhelm befand
sich in einer Lage, die ihm nur die Wahl zwischen verschiedenen Uebeln
lie.


[_Benehmen Shrewsbury's._] Alle diese Schwierigkeiten wurden noch
vermehrt durch das Benehmen Shrewsbury's. Das Studium des Characters
dieses Mannes ist hchst interessant. Er schien das verwhnte Schookind
der Natur wie des Glcks zu sein. Vornehme Geburt, hoher Rang, groe
Besitzungen, schne Talente, umfassende Kenntnisse, angenehme
Persnlichkeit, ungemein anmuthige und gewinnende Manieren vereinigten
sich bei ihm, um ihn zu einem Gegenstande der Bewunderung und des Neides
zu machen. Aber trotz aller dieser Vorzge hatte er einige moralische
und intellectuelle Eigenheiten, die ihn sich selbst und Allen, welche
mit ihm in Berhrung kamen, zur Last machten. Sein Benehmen zur Zeit der
Revolution hatte der Welt eine hohe Meinung nicht nur von seinem
Patriotismus, sondern auch von seinem Muthe, seiner Energie und seiner
Entschiedenheit beigebracht. Doch wahrscheinlich hatten damals seine
jugendliche Begeisterung und die durch ffentliche Sympathie und Beifall
verursachte Freude ihn ber sich selbst erhoben. Fast keine andre Epoche
seines Lebens war mit diesem glnzenden Anfang aus einem Gusse. Er war
kaum Staatssekretr geworden, als es sich auch schon zeigte da seine
Krfte fr einen solchen Posten nicht ausreichten. Die tgliche
Anstrengung, die schwere Verantwortlichkeit, die Tuschungen, die
Krnkungen und der Tadel, welche von der Macht unzertrennlich sind,
brachen seinen Muth, verbitterten seine Gemthsstimmung und untergruben
seine Gesundheit. Naturen wie die seinige scheinen der aufrechthaltenden
Kraft starker religiser Grundstze ganz besonders zu bedrfen, und
leider hatte Shrewsbury, indem er das Joch des Aberglaubens
abschttelte, in dem er erzogen war, sich auch von heilsameren Banden
befreit, welche seinen von Haus aus schwachen Character vielleicht zur
Festigkeit und Rechtschaffenheit gesthlt haben wrden. Da er dieser
Sttze entbehrte, war er bei all' seinen ausgezeichneten Gaben ein
schwacher Mensch und konnte trotz vieler liebenswrdiger und gewinnender
Eigenschaften ein braver Mann nicht genannt werden. Um glcklich zu sein
htte er entweder viel besser oder viel schlechter sein mssen. So wie
er war, kannte er weder den edlen Seelenfrieden, der der Lohn der
Rechtschaffenheit ist, noch den verchtlichen Seelenfrieden, der aus
Schamlosigkeit und Unempfindlichkeit entspringt. Wenige Leute, die so
wenig Kraft hatten, der Versuchung zu widerstehen, haben von Reue und
Scham so grausam gelitten wie er.

Fr einen Mann von solchem Character mu die Stellung eines
Staatsministers whrend des auf die Revolution folgenden Jahres eine
bestndige Qual gewesen sein. Die Schwierigkeiten, von denen die
Regierung auf allen Seiten umlagert war, die Bswilligkeit ihrer Feinde,
die Unbilligkeit ihrer Freunde, die Erbitterung mit der die feindlichen
Parteien ber einander und ber jeden Vermittler, der sie zu trennen
versuchte, herfielen, htten allerdings auch einen entschlossenen
Character entmuthigen knnen. Shrewsbury war noch kein halbes Jahr im
Amte, als er Herz und Kopf vollstndig verloren hatte. Er begann Briefe
an Wilhelm zu schreiben, von denen sich kaum denken lt, da ein so
energischer Frst sie ohne ein Gemisch von Mitleid und Verachtung
gelesen haben kann. Ich fhle, -- dies war der stete Refrain dieser
Episteln -- da ich meinem Posten nicht gewachsen bin. Ich bin keiner
Anstrengung mehr fhig. Ich bin nicht mehr der Nmliche, der ich vor
einem halben Jahre war. Meine Gesundheit wird immer schwankender, meine
Seele leidet Folterqualen, mein Gedchtni ist geschwcht; nur Ruhe und
Zurckgezogenheit kann mich wiederherstellen. Wilhelm gab freundliche
und besnftigende Antworten, und eine Zeit lang beruhigten diese
Antworten das zerrttete Gemth seines Ministers.[130] Endlich aber
versetzten die Auflsung des Parlaments, die allgemeine Wahl, die
Vernderungen in den Friedensrichterstellen und in den Milizen, und
schlielich die Debatten ber die beiden Abschwrungsbills Shrewsbury in
einen an Wahnsinn grenzenden Zustand. Er zrnte den Whigs, da sie den
Knig schlecht behandelten, und doch zrnte er noch mehr dem Knige, da
er die Tories begnstigte. In welchem Augenblicke und durch welchen
Einflu der unglckliche Mann bewogen wurde, einen Verrath zu begehen,
dessen Bewutsein einen dunklen Schatten auf sein ganzes ferneres Leben
warf, ist nicht genau bekannt. Sehr wahrscheinlich aber ist es, da
seine Mutter, die, obgleich das verworfenste Weib von der Welt, groe
Gewalt ber ihn hatte, eine schwache Stunde, wo er erbittert darber
war, da man seinen Rath verschmht und den von Danby und Nottingham
vorgezogen hatte, in verderblicher Weise benutzte. Sie war noch Mitglied
der Kirche, von der ihr Sohn sich losgesagt, und meinte vielleicht
dadurch da sie ihn von seinen Emprungsgedanken zurckbrachte, die
Verletzung ihres Ehegelbdes und den Mord ihres Gemahls einigermaen
wieder gut zu machen.[131] Gewi ist soviel, da Shrewsbury noch vor
Ende des Frhjahrs 1690 Jakob seine Dienste angeboten und Jakob sie
angenommen hatte. Man verlangte einen Beweis von der Aufrichtigkeit des
Convertiten: er mute die Siegel aufgeben, die er aus der Hand des
Usurpators angenommen.[132] Es ist wahrscheinlich, da Shrewsbury seinen
Fehler kaum begangen hatte, als er ihn auch schon zu bereuen begann.
Aber er besa nicht Characterstrke genug, um auf dem Wege des Bsen
umzukehren. Seine eigne Schndlichkeit verabscheuend, eine Entdeckung
frchtend, die seiner Ehre verderblich werden mute, vor dem Weitergehen
eben so wohl wie vor dem Umkehren zurckschreckend, litt er Qualen, an
die man unmglich ohne Mitleid zurckdenken kann. Die wahre Ursache
seiner Seelenangst war noch ein tiefes Geheimni; seine inneren Kmpfe
und seine Ansichtswechsel aber waren allgemein bekannt und lieferten der
Stadt einige Wochen lang Stoff zur Unterhaltung. Eines Nachts, als er
eben in sehr aufgeregtem Gemthszustande mit den Siegeln in der Hand
sich in den Palast begeben wollte, wurde er durch Burnet berredet,
seine Demission noch um einige Stunden zu verschieben. Einige Tage
spter wurde Tillotson's Beredtsamkeit zu dem nmlichen Zwecke
angewendet.[133] Drei- oder viermal legte der Earl die Insignien seines
Amtes auf den Tisch des kniglichen Cabinets und eben so oft lie er
sich durch das freundliche Zureden des Gebieters, dem Unrecht gethan zu
haben er sich bewut war, bewegen, dieselben wieder mit sich zu nehmen.
So verzgerte sich sein Rcktritt bis zum letzten Tage vor der Abreise
des Knigs. Die fortwhrende Gemthsbewegung hatte Shrewsbury ein
schleichendes Fieber zugezogen, so da Bentinck, der noch einen letzten
Versuch machen wollte, ihn zur Fortfhrung seines Amtes zu bewegen, ihn
im Bett und zu unwohl fand, um mit ihm sprechen zu knnen.[134] Die so
oft eingereichte Entlassung wurde daher endlich angenommen und einige
Monate lang war Nottingham der einzige Staatssekretr.


[_Der Neunerrath._] Es war keine kleine Vermehrung der Sorgen Wilhelm's,
da in einem solchen Augenblicke seine Regierung durch diesen Austritt
geschwcht wrde. Er that indessen sein Mglichstes mit den ihm noch
verbleibenden Krften und whlte schlielich neun Mitglieder des
Geheimen Raths, deren Rathschlge Marie befolgen sollte. Vier davon,
Devonshire, Dorset, Monmouth und Eduard Russell, waren Whigs; die
brigen fnf, Caermarthen, Pembroke, Nottingham, Marlborough und
Lowther, waren Tories.[135]

Wilhelm beschied die Neun in das Bureau des Staatssekretariats. Als sie
hier versammelt waren, trat er mit der Knigin ein, ersuchte sie, sich
niederzusetzen und richtete einige ernste und gehaltvolle Worte an sie.
Es fehlt ihr an Erfahrung, sagte er; aber ich hoffe diesem Mangel
abgeholfen zu haben, indem ich Sie zu ihren Rathgebern erwhlt. Ich lege
mein Knigreich in Ihre Hnde. Nichts von den ueren wie von den
inneren Angelegenheiten soll vor Ihnen geheim gehalten werden. Ich
beschwre Sie, umsichtig und einig zu sein.[136] Privatim sagte er
seiner Gemahlin, wie er ber den Character der Neun dachte, und aus
ihren Briefen an ihn lt sich schlieen, da nur wenige darunter waren,
denen er eine hohe Achtung bezeigte. Marlborough sollte ihr Rathgeber in
militrischen Angelegenheiten sein und die Truppen in England
commandiren. Russell, welcher Admiral der blauen Flagge war und zum Lohn
fr die Dienste, die er zur Zeit der Revolution geleistet, den
eintrglichen Posten des Schatzmeisters der Flotte erhalten hatte,
eignete sich ganz zu ihrem Rathgeber in allen das Seewesen betreffenden
Fragen. Caermarthen aber war ihr als Derjenige bezeichnet, auf den sie
sich bei vorkommender Meinungsverschiedenheit hauptschlich verlassen
sollte. Caermarthen's Scharfblick und Erfahrung waren unbestreitbar;
seine Grundstze waren allerdings locker; aber wenn es eine Person in
der Welt gab, von der man annehmen durfte, da er ihr treu sein werde,
so war diese Person Marie. Er war seit langer Zeit ihr specieller Freund
und Diener; er hatte sich durch das Zustandebringen ihrer Verbindung mit
Wilhelm ihre Gunst in hohem Grade erworben und hatte in der Convention
seinen Eifer fr ihre Interessen bis zu einem Punkte getrieben, den sie
selbst als das rechte Ma berschreitend getadelt hatte. Es war daher
aller Grund zu der Hoffnung vorhanden, da er ihr in dieser kritischen
Zeitperiode mit aufrichtiger Ergebenheit dienen werde.[137]


[_Clarendon's Verhalten._] Einer ihrer nchsten Verwandten war dagegen
einer ihrer bittersten Feinde. Aus den in den Hnden der Regierung
befindlichen Beweismittel ging unbestreitbar hervor, da Clarendon in
die jakobitischen Insurrectionsplne tief verwickelt war. Die Knigin
aber wollte durchaus nicht, da man gegen einen ihrer Verwandten mit
Strenge verfuhr, und Wilhelm, der sich erinnerte, welche Bande sie um
seinetwillen zerrissen und welche Vorwrfe sie sich zugezogen hatte,
berlie bereitwillig Leben und Freiheit ihres Oheims ihrer persnlichen
Frsprache. Bevor aber der Knig nach Irland abreiste, sprach er sehr
ernsthaft mit Rochester. Ihr Bruder, sagte er zu ihm, hat gegen mich
conspirirt. Ich bin dessen gewi, denn ich habe schriftliche Beweise,
die von seiner eignen Hand herrhren. Man drang in mich, ihn nicht mit
in die Begnadigungsacte aufzunehmen, aber ich wollte nicht etwas thun,
was die Knigin tief bekmmert haben wrde. Um ihretwillen vergebe ich
das Geschehene, aber Mylord Clarendon wird wohl thun in Zukunft
vorsichtiger zu sein, sonst wird er erfahren, da solche Dinge kein Spa
sind. Rochester theilte Clarendon die Ermahnung mit. Clarendon, der in
fortwhrender Correspondenz mit Dublin und Saint-Germains stand,
betheuerte, da es sein einziger Wunsch sei, ruhig zu leben, und da die
bestehende Regierung, obwohl er wegen der Eide bedenklich gewesen sei,
doch keinen gehorsameren Unterthanen habe als er zu sein sich
vorgenommen.[138]


[_Penn mu Caution erlegen._] Unter den Briefen, welche die Regierung
aufgefangen, befand sich auch einer von Jakob an Penn. Dieser Brief war
zwar kein legaler Beweis dafr, da der Adressat sich des Hochverraths
schuldig gemacht; aber er erweckte Verdacht, der, wie wir jetzt wissen,
wohl begrndet war. Penn wurde vor den Geheimen Rath gestellt und
verhrt. Er sagte sehr richtig, da er Niemanden hindern knne an ihn zu
schreiben und da er fr das was man ihm schreibe, nicht verantwortlich
sei. Dagegen gab er auch zu, da er durch Bande der Dankbarkeit und
Zuneigung, die kein Wechsel des Glcks lsen knne, an den vorigen Knig
geknpft sei. Ich wrde mich freuen, wenn ich ihm in seinen
Privatangelegenheiten einen Dienst leisten knnte, aber ich habe eine
heilige Pflicht gegen mein Vaterland, und deshalb war ich nie so ehrlos,
da ich nur den Gedanken gehegt htte, ihn zurckzurufen. Dies war eine
Lge und Wilhelm wute das wahrscheinlich. Doch er wollte nicht streng
gegen einen Mann verfahren, der viele Ansprche auf Achtung hatte und
der schwerlich ein gefhrlicher Verschwrer wurde. Er erklrte sich
daher fr befriedigt und schlug vor, den Gefangenen von der Anklage zu
entbinden. Dagegen remonstrirten jedoch einige Mitglieder des Geheimen
Raths und Penn mute Caution stellen.[139]


[_Unterredung zwischen Wilhelm und Burnet._] Am Tage vor seiner Abreise
lie Wilhelm Burnet in sein Cabinet kommen und sprach in festem aber
wehmthigem Tone von den Gefahren, welche das Land von allen Seiten
bedrohten, von der Heftigkeit der streitenden Parteien und von dem
schlechten Geiste, der nur zu viele Mitglieder des Klerus zu beseelen
scheine. Doch ich vertraue auf Gott. Ich will mein Werk durchfhren
oder darin umkommen. Nur um die arme Knigin ist mir bange, und mit
ungewohnter Innigkeit wiederholte er noch einmal: Die arme Knigin!
Wenn Sie mich lieben, setzte er hinzu, so besuchen Sie sie recht oft
und helfen Sie ihr wo Sie knnen. Ich fr meine Person wrde mich, wenn
Eins nicht wre, darauf freuen, wieder zu Pferde steigen und unter dem
Zelte wohnen zu knnen. Denn ich bin berzeugt, da ich mich besser
dazu eigne, einen Feldzug zu dirigiren, als Eure Huser der Lords und
Gemeinen zu leiten. Obwohl ich aber wei, da ich den Weg der Pflicht
gehe, ist es doch hart fr meine Frau, da ihr Vater und ich einander im
Felde gegenberstehen mssen. Gott gebe, da ihm nichts zustt. Beten
Sie fr mich, Doctor. Burnet entfernte sich tief ergriffen und sprach
wahrscheinlich mit nicht gewhnlicher Inbrunst die Gebete, um die sein
Gebieter ihn ersucht hatte.[140]


[_Wilhelm reist nach Irland ab._] Am folgenden Tage, dem 4.Juni, reiste
der Knig nach Irland ab. Prinz Georg hatte seine Dienste angeboten,
hatte sich mit einem groen Kostenaufwande equipirt und erwartete mit
Gewiheit, einen Platz im Wagen des Knigs zu erhalten. Aber Wilhelm,
der sich von der Unterhaltung mit Sr. Kniglichen Hoheit wenig Vergngen
oder Nutzen versprach und der selten etwas auf Zuvorkommenheiten gab,
whlte Portland zum Reisegesellschafter und schien whrend dieses ganzen
ereignivollen Feldzuges von der Anwesenheit des Prinzen nicht die
geringste Notiz zu nehmen.[141] Wre Georg sich allein berlassen
gewesen, so wrde er die Krnkung schwerlich bemerkt haben. Aber wenn
auch er selbst zu stumpfsinnig war, um so etwas zu fhlen, so fhlte
seine Gemahlin fr ihn, und ihr Ha wurde durch Unheilstifter von nicht
gewhnlicher Geschicklichkeit fortwhrend angeschrt. Bei dieser, wie
bei mancher andren Gelegenheit erwiesen sich die Mngel von Wilhelm's
Character als sehr nachtheilig fr die hochwichtigen Interessen, die er
zu wahren hatte. Seine Regierung wrde viel glcklicher gewesen sein,
wenn er neben seinem Muthe, seiner Capacitt und seiner Seelengre ein
wenig von der ungezwungenen Heiterkeit und Courtoisie seines Oheims Karl
besessen htte.

Am vierten Tage traf der Knig in Chester ein, wo eine Flotte von
Transportschiffen das Zeichen zum Absegeln erwartete. Am 11.Juni
schiffte er sich ein und wurde von einem Geschwader von Kriegsschiffen
unter den Befehlen Sir Cloudesley Shovel's ber den St. Georgskanal
begleitet.[142]


[_Crone's Proze._] Der Monat, welcher auf Wilhelm's Abreise von London
folgte, war einer der ereignireichsten und angstvollsten in der ganzen
Geschichte England's. Wenige Stunden nachdem er aufgebrochen, wurde
Crone vor die Schranke der Old Bailey gestellt. Eine groe Anzahl
Richter sa auf der Bank. Fuller hatte sich wieder hinreichend erholt,
um vor Gericht erscheinen zu knnen, und der Proze begann. Die
Jakobiten waren unermdlich in ihren Anstrengungen gewesen, die
politische Meinung der Personen zu ermitteln, deren Namen auf der
Geschwornenliste standen. Es wurden so viele verworfen, da es einige
Mhe machte, die erforderliche Zahl von zwlfen zusammenzubringen, und
unter diesen zwlf war nur einer, auf den die Mivergngten sich
verlassen zu knnen glaubten. Sie irrten sich darin auch nicht ganz,
denn dieser Mann hielt sich gegen seine elf Collegen die ganze Nacht und
den halben folgenden Tag, und er wrde sie wahrscheinlich durch Hunger
zum Nachgeben gezwungen haben, wre nicht Mrs. Clifford, die mit ihm im
Einverstndni war, dabei betroffen worden, wie sie ihm Confect durch
das Fenster zuwarf. Da er nichts mehr zu essen bekam, gab er nach und es
erfolgte das Verdict Schuldig, das angeblich zweien von den Geschwornen
das Leben gekostet haben soll. Es wurde nun sofort auf Sistirung des
Urtheils angetragen, und zwar auf den Grund hin, weil ein auf der
Rckseite der Anklageschrift stehendes lateinisches Wort unrichtig
geschrieben war. Dies war allerdings ein nichtssagender Einwand.
Jeffreys wrde denselben ohne weiteres durch einen Strom von Flchen
verworfen haben und zu dem angenehmsten Theile seiner Amtspflicht
bergegangen sein: dem Gefangenen die ganze Procedur des Halbhngens,
Ausweidens, Verstmmelns und Viertheilens zu beschreiben. Aber Holt und
seine Collegen erinnerten sich, da sie jetzt zum ersten Male seit der
Revolution einen des Hochverraths Angeklagten aburtheilten. Es war daher
nthig, in einer nicht mizuverstehenden Weise zu zeigen, da eine neue
Aera begonnen hatte und da die Tribunale in Zukunft eher auf Seite der
Humanitt irren als das Beispiel der grausamen Eile und Leichtfertigkeit
nachahmen wrden, womit Cornish, als er vor Gericht um sein Leben
kmpfte, von servilen Richtern zum Schweigen gebracht wurde. Die
Verkndigung des Urtels wurde daher aufgeschoben, es wurde ein Tag zur
Erwgung des von Crone erhobenen Einwandes festgesetzt und der Anwalt
des Angeklagten bedeutet, seine Beschwerde einzureichen. Dies wrde
unter keiner der beiden letzten Regierungen geschehen sein, Mr. Crone,
sagte der Lord Oberrichter mit bedeutungsvoller Miene. Nach
vollstndiger Anhrung der Betheiligten erklrten die Richter einstimmig
den Schreibfehler fr unwesentlich, und der Gefangene wurde zum Tode
verurtheilt. Er erkannte an, da sein Proze unparteiisch gefhrt worden
sei, dankte den Richtern fr ihre Geduld und bat sie, sich bei der
Knigin fr ihn zu verwenden.[143]

Er wurde bald benachrichtigt, da sein Schicksal in seiner Hand liege.
Die Regierung war geneigt, ihn zu begnadigen, wenn er sich dessen durch
ein unumwundenes Gestndni wrdig machen wollte. Der Kampf in seinem
Innern war furchtbar und zweifelhaft. Einmal berichtete Mrs. Clifford,
welche Zutritt in seine Zelle hatte, den jakobitischen Oberhuptern, da
er in groer Seelenangst sei. Er knne nicht sterben, sollte er gesagt
haben, er sei zu jung, um ein Mrtyrer zu werden.[144] Am nchsten
Morgen fand sie ihn heiter und entschlossen.[145] Er hielt sich bis zum
Vorabende des zu seiner Hinrichtung festgesetzten Tages; da lie er
endlich um eine Unterredung mit dem Staatssekretr bitten. Nottingham
begab sich nach Newgate; aber noch ehe er daselbst ankam, war Crone
schon wieder andren Sinnes geworden und entschlossen nichts zu sagen.
Dann, sagte Nottingham, sehe ich Sie nicht wieder; denn der morgende
Tag ist ganz bestimmt Ihr letzter. Nachdem jedoch Nottingham sich
entfernt hatte, kam Monmouth in's Gefngni, und er schmeichelte sich,
den Entschlu des Gefangenen erschttert zu haben. Spt in dieser Nacht
kam der Befehl, die Execution um acht Tage zu verschieben.[146] Die
Woche verging jedoch, ohne da der Gefangene Enthllungen machte; der
Galgen und der Block zum Viertheilen waren in Tyburn bereit, Strang und
Beil harrten am Thore von Newgate, ganz Holborn Hill und die Strae nach
Oxford waren mit Schaulustigen bedeckt: da brachte ein Bote einen neuen
Aufschub, und Crone wurde, anstatt nach dem Richtplatze geschleift zu
werden, in das Berathungszimmer nach Whitehall gebracht. Seine
Standhaftigkeit war endlich durch die nahe Aussicht auf den Tod besiegt
worden, und er gab bei dieser Gelegenheit wichtige Aufschlsse.[147]


[_Gefahr einer Invasion und Insurrection. Tourville's Flotte im Kanal._]
Solcher Enthllungen wie er sie zu geben vermochte, bedurfte man
allerdings in diesem Augenblicke sehr dringend, denn man erwartete
stndlich eine Invasion und einen Aufstand.[148] Wilhelm war kaum von
London abgereist, als eine groe franzsische Flotte unter den Befehlen
des Grafen von Tourville den Hafen von Brest verlie und in den
britischen Kanal einlief. Tourville war der beste Marinecommandeur, den
sein Vaterland damals besa. Er hatte alle Zweige seines Berufs studirt.
Man sagte von ihm, da er befhigt sei, jeden Posten an Bord
auszufllen, vom Schiffszimmermann bis hinauf zum Admiral, sowie auch
da er mit dem unerschrockenen Muthe eines Seemannes die
Liebenswrdigkeit und Artigkeit eines vollendeten Cavaliers
verbinde.[149] Er segelte jetzt nach der englischen Kste und kam
derselben so nahe, da seine Schiffe auf den Wllen von Plymouth
deutlich gesehen werden konnten. Von Plymouth steuerte er langsam die
Kste von Devonshire und Dorsetshire entlang, und man hatte starken
Grund zu der Befrchtung, da seine Bewegungen mit den englischen
Mivergngten verabredet waren.[150]

Die Knigin und ihr Cabinetsrath beeilten sich Maregeln zur
Vertheidigung des Landes gegen fremde wie einheimische Feinde zu
treffen. Torrington bernahm das Kommando der in den Dnen liegenden
Flotte und segelte nach St. Helen, wo er sich mit einem hollndischen
Geschwader unter Evertsen's Commando vereinigte. Es hatte den Anschein
als wrden die Klippen der Insel Wight Zeugen eines der grten
Seetreffen werden, von denen uns die Geschichte erzhlt. Hundertfunfzig
Linienschiffe konnten auf dem Wachtthurme von St. Catharine gezhlt
werden. Oestlich von der westlichen Kstenwand von Black Gang Chine und
im Angesicht der reich bewaldeten Felsen von St. Lawrence und Ventnor
war die vereinigte Seemacht England's und Holland's aufgestellt.
Westlich bis zu dem weien Vorgebirge, wo die Wogen zwischen den Nadeln
brausen, lag die franzsische Flotte.


[_Verhaftung verdchtiger Personen._] Es war am 26.Juni, noch nicht
vierzehn Tage nachdem Wilhelm nach Irland abgesegelt war, als die
feindlichen Flotten diese Stellungen einnahmen. Wenige Stunden vorher
war in Whitehall eine wichtige und angstvolle Sitzung des Geheimen Raths
gehalten worden. Die mit Frankreich verbndeten Mivergngten waren
wachsam und voll der besten Hoffnung. Marie hatte auf ihrer Spazierfahrt
bemerkt, da es in Hydepark von ihnen wimmelte. Der ganze Staatsrath war
der Meinung, da es nothwendig sei, einige Personen, von deren Schuld
die Regierung Beweise habe, zu verhaften. Als Clarendon genannt wurde,
sprach sein Freund und Verwandter, Sir Heinrich Capel, einige Worte zu
seinen Gunsten. Die anderen Rthe stutzten, blieben aber still, denn es
war keine angenehme Aufgabe, einen Verwandten der Knigin in ihrer
Anwesenheit anzuklagen. Marie hatte bisher in den Sitzungen des Geheimen
Raths kaum ein Mal den Mund geffnet; jetzt aber, wo sie klare Beweise
von der Verrtherei ihres Oheims von seiner eignen Hand besa und wute,
da nur die Achtung vor ihrer Person ihre Rathgeber abhielt, etwas zu
beantragen, was das ffentliche Wohl erheischte, brach sie ihr
Stillschweigen. Sir Henry, sagte sie, ich wei, und jeder der hier
anwesenden wei so gut wie ich, da zuviel gegen Mylord Clarendon
vorliegt, als da man ihn frei ausgehen lassen knnte. Der
Verhaftsbefehl wurde aufgesetzt und Capel unterzeichnete ihn wie alle
Uebrigen. Ich bin besorgter um Lord Clarendon, schrieb Marie an ihren
Gemahl, als man vielleicht glaubt. Noch denselben Abend wurden
Clarendon und mehrere andere angesehene Jakobiten im Tower
einquartiert.[151]


[_Torrington erhlt Befehl, Tourville eine Schlacht zu liefern._] Als
der Geheimerath seine Sitzung aufgehoben, hatte die Knigin mit dem
Neunerrath eine Frage von grter Wichtigkeit zu erwgen. Welche Befehle
sollten Torrington bersandt werden? Das Wohl des Staats konnte von
seinem Urtheil und von seiner Geistesgegenwart abhngen, und einige von
Mariens Rathgebern frchteten, da er der Situation nicht gewachsen sei.
Ihre Besorgni nahm zu, als die Nachricht kam, da er die Kste der
Insel Wight den Franzosen preisgegeben habe und sich vor ihnen in der
Richtung der Meerenge von Dover zurckziehe. Der scharfsichtige
Caermarthen und der unternehmende Monmouth tadelten bereinstimmend
diese Vorsichtstaktik. Torrington hatte zwar nicht so viele Schiffe als
Tourville, aber Caermarthen war der Ansicht, da es in einem solchen
Augenblicke rathsam sei selbst gegen eine Uebermacht zu kmpfen, und
Monmouth war whrend seines ganzen Lebens dafr, zu jeder Zeit und gegen
jede Uebermacht zu kmpfen. Russell, der unbestreitbar einer der besten
Seeleute seines Jahrhunderts war, meinte, die Ungleichheit der Zahlen
sei nicht so gro, um einem Offizier, der englische und hollndische
Marinesoldaten befehligte, Besorgni einzuflen. Er schlug deshalb vor,
dem Admiral einen Verweis zukommen zu lassen, der in so nachdrcklichen
Worten abgefat war, da die Knigin sich nicht entschlieen konnte, ihn
zu unterschreiben. Die Ausdrcke wurden zwar bedeutend gemildert, in der
Hauptsache aber wurde Russell's Rath befolgt. Torrington erhielt
bestimmten Befehl, sich nicht weiter zurckzuziehen und unverweilt eine
Schlacht zu liefern. Devonshire war damit noch nicht zufriedengestellt.
Es ist meine Pflicht, Madame, sagte er, Ihrer Majestt unverhohlen zu
sagen, wie ich ber eine Angelegenheit von solcher Wichtigkeit denke,
und ich denke, da Mylord Torrington nicht der Mann ist, in dessen Hnde
man das Geschick dreier Knigreiche legen kann. Devonshire hatte Recht;
aber seine Collegen waren einstimmig der Meinung, da es sehr gefhrlich
sein wrde, einen Befehlshaber Angesichts des Feindes und am Vorabend
einer allgemeinen Schlacht abzusetzen, und man kann schwerlich sagen,
da sie Unrecht hatten. Sie mssen ihn entweder lassen wo er ist,
sagte Russell, oder ihn als Gefangenen zurckholen lassen. Es wurden
mehrere Auswege angedeutet. Caermarthen schlug vor, Russell zur
Untersttzung Torrington's abzusenden. Monmouth bat dringend um die
Erlaubni, zur Flotte abgehen zu drfen, gleichviel in welcher
Eigenschaft, als Kapitain oder als Freiwilliger. Lassen Sie mich nur
erst an Bord sein, sagte er, und ich setze meinen Kopf zum Pfande, da
es zur Schlacht kommt. Nach langem Hin- und Herreden und Zaudern wurde
beschlossen, da Russell und Monmouth nach der Kste abgehen
sollten.[152] Sie reisten ab, aber es war zu spt. Die Depesche welche
Torrington befahl zu kmpfen, war ihnen vorausgeeilt. Er erhielt
dieselbe, als er sich auf der Hhe von Beachy Head befand. Nachdem er
sie gelesen, war er in groer Verlegenheit. Lieferte er keine Schlacht,
so machte er sich eines directen Ungehorsams schuldig. Lieferte er eine
Schlacht, so lief er seiner Ansicht nach groe Gefahr, geschlagen zu
werden. Er vermuthete wahrscheinlich, -- denn er war argwhnischen und
neidischen Characters, -- da die Instructionen, die ihn in ein so
peinliches Dilemma brachten, von Feinden und Nebenbuhlern in der Absicht
entworfen waren, seinem Glcke und seinem Rufe zu schaden. Besonders
erbitterte ihn der Gedanke, da er sich von Russell hofmeistern lassen
sollte, der ihm im Range nachstand, gleichwohl aber als Mitglied des
Neunerraths eine Oberaufsicht ber alle Zweige des ffentlichen Dienstes
ausbte. Es scheint kein Grund vorhanden, Torrington des Mangels an
gutem Willen zu beschuldigen, und noch weniger kann man annehmen, da es
einem Offizier, der sein ganzes Leben unter Gefahren hingebracht und der
sich stets tapfer benommen, an dem persnlichen Muthe gefehlt haben
sollte, den Hunderte von Matrosen auf jedem von ihm befehligten Schiffe
besaen. Aber es giebt einen hheren Muth, der Torrington gnzlich
abging. Er scheute jede Verantwortlichkeit, die Verantwortlichkeit des
Kmpfens wie die Verantwortlichkeit des Nichtkmpfens, und es gelang
ihm, einen Mittelweg zu finden, der alle Nachtheile, denen er ausweichen
wollte, in sich vereinigte. Er wollte dem Buchstaben seiner
Instructionen nachkommen, wollte aber nicht Alles aufs Spiel setzen.
Einige von seinen Schiffen sollten mit dem Feinde scharmtzeln, die
Hauptmacht seiner Flotte aber sollte nicht gefhrdet werden. Es lag auf
der Hand, da die Schiffe, welche mit den Franzosen anbanden, in eine
hchst gefhrliche Situation kommen muten und groe Verluste zu
erwarten hatten, und man hat nur zu guten Grund zu glauben, da
Torrington schndlich genug war, seine Anordnungen so zu treffen, da
Gefahr und Verlust fast ausschlielich auf die Hollnder fielen. Er
konnte sie nicht leiden und sie waren in England so unpopulr, da die
Vernichtung ihres ganzen Geschwaders sehr wahrscheinlich geringeres
Murren erregt haben wrde als die Wegnahme einer von unseren eigenen
Fregatten.


[_Schlacht bei Beachy Head._] Es war am 29.Juni, als der Admiral den
Befehl zum Losschlagen erhielt. Am folgenden Tage, um vier Uhr Morgens
rckte er gegen die franzsische Flotte vor und formirte seine Schiffe
in Schlachtordnung. Er hatte keine sechzig Linienschiffe, whrend die
Franzosen deren mindestens achtzig hatten, aber seine Schiffe waren
strker bemannt als die des Feindes. Er placirte die Hollnder ins
Vordertreffen und gab ihnen das Zeichen zur Erffnung des Feuers. Diesem
Befehl wurde prompt Folge geleistet und Evertsen und seine Landsleute
kmpften mit einem Muthe, dem sowohl ihre englischen Verbndeten wie
ihre franzsischen Feinde trotz nationaler Vorurtheile volle
Gerechtigkeit widerfahren lieen. In keiner der Schlachten Van Tromp's
oder De Ruyter's war die Ehre der batavischen Flagge glnzender
behauptet worden. Mehrere Stunden lang hielt das Vordertreffen den
ungleichen Kampf mit sehr geringer Untersttzung von Seiten irgend eines
andren Theiles der Flotte aus, bis endlich der hollndische Admiral sich
zurck zog, dem Feinde einen zerschossenen und entmasteten Rumpf
berlassend. Sein Nchster im Commando und mehrere hohe Offiziere waren
gefallen. Nach diesem unglcklichen und schimpflichen Gefecht war es
unmglich, die See gegen die Franzosen zu behaupten. Die hollndischen
Schiffe, welche aus dem Treffen zurckkehrten, waren in einem klglichen
Zustande. Torrington lie einige derselben zerstren, nahm die brigen
ins Schlepptau und floh dann die Kste von Kent entlang, um in der
Themse eine Zuflucht zu suchen. Sobald er im Flusse war, lie er alle
Bojen entfernen und machte dadurch die Schifffahrt so gefhrlich, da
die Verfolger es nicht wagen durften ihm nachzukommen.[153]

Viele und insbesondere die franzsischen Minister, waren jedoch der
Meinung, da die alliirte Flotte htte vernichtet werden knnen, wenn
Tourville unternehmender gewesen wre. Er scheint in einem Punkte nur zu
groe Aehnlichkeit mit seinem besiegten Gegner gehabt zu haben. Obwohl
persnlich tapfer, war er doch ein ngstlicher Commandeur. Sein Leben
setzte er mit sorgloser Heiterkeit aufs Spiel, aber man sagte er sei
krankhaft ngstlich und kindisch vorsichtig, wenn sein Ruf als Seemann
gefhrdet sei. Diese Vorwrfe verdrossen ihn so sehr, da er zum Unglck
fr sein Vaterland bald bis zur Verwegenheit khn wurde.[154]


[_Aufregung in London._] London hat kaum jemals einen so traurigen Tag
erlebt als den, an welchem die Nachricht von der Schlacht bei Beachy
Head eintraf. Die Schande war unertrglich und die Gefahr drohend. Wie,
wenn der siegreiche Feind das that was De Ruyter gethan hatte? Wie, wenn
die Seemagazine von Chatham wieder zerstrt wurden? Wie, wenn der Tower
selbst bombardirt werden sollte? Wie, wenn der groe Wald von Masten und
Raaen unterhalb der Londonbrcke in Flammen aufging?


[_Schlacht bei Fleurus._] Und dies war noch nicht Alles. Auch aus
den Niederlanden waren so eben schlimme Nachrichten eingelaufen. Die
verbndeten Truppen unter Waldeck hatten in der Nhe von Fleurus die
Franzosen unter den Befehlen des Herzogs von Luxemburg angegriffen. Man
hatte lange und heftig um die Palme des Siegs gestritten; doch endlich
hatte die Geschicklichkeit des franzsischen Generals und die ungestme
Tapferkeit der franzsischen Cavallerie die Oberhand behalten.[155] So
war zu gleicher Zeit die Armee Ludwig's in Flandern siegreich und seine
Flotte im unbestrittenen Besitz des Kanals. Der Marschall Humieres lag
mit einer ansehnlichen Streitmacht nicht weit von der Meerenge von
Dover. Es war ausgesprengt worden, da er im Begriff stehe, sich mit
Luxemburg zu verbinden. Die Mittheilungen aber, welche die englische
Regierung von geschickten Militrs in den Niederlanden und von Spionen
unter den Jakobiten erhielt und die einem so groen Meister in der
Kriegskunst wie Marlborough ernster Beachtung werth schienen, lauteten
dahin, da die Armee Humieres' unverzglich nach Dnkirchen marschiren
und dort von der Flotte Tourville's an Bord genommen werden wrde.[156]
Zwischen der Kste von Artois und der Nore durfte kein einzelnes
Schiff, das das rothe Kreuz des Heiligen Georg in seiner Flagge
fhrte, sich zu zeigen wagen. Die Einschiffung konnte binnen wenigen
Stunden bewerkstelligt sein und ein paar weitere Stunden gengten zur
Ueberfahrt. So konnte London jeden Augenblick durch die Nachricht
erschreckt werden, da dreiigtausend franzsische Veteranen in Kent
gelandet seien und da die Jakobiten der Hlfte der Grafschaften des
Knigreichs unter den Waffen stnden. Smmtliche regulre Truppen,
welche zur Vertheidigung der Insel ausgebracht werden konnten, beliefen
sich auf nicht mehr als zehntausend Mann. Es darf bezweifelt werden, ob
unser Vaterland jemals eine beunruhigendere Krisis durchgemacht hat als
die der ersten Juliwoche des Jahres 1690.


[_Geist der Nation._] Doch das Uebel brachte sein Heilmittel selbst mit
sich. Der kannte England schlecht, der da glaubte, da es zu gleicher
Zeit von einem Aufstande und von einer Invasion bedroht sein knnte,
denn die Gefahr einer Invasion war eigentlich die beste Sicherheit gegen
die Gefahr eines Aufstandes. Die Sache Jakob's war die Sache
Frankreich's und obgleich in den Augen flchtiger Beobachter die
franzsische Allianz seine Hauptsttze zu sein schien, so war sie doch
in Wirklichkeit gerade das Hinderni, das seine Restauration unmglich
machte. In dem Patriotismus, dem nur zu oft unfreundlichen und
ungeselligen Patriotismus unserer Vorfahren lag zu gleicher Zeit das
Geheimni von Wilhelm's Schwche und von seiner Strke. Sie waren
eiferschtig auf seine Liebe zu Holland, aber sie sympathisirten
aufrichtig mit seinem Hasse gegen Ludwig. Ihrem starken Nationalgefhle
mssen fast alle die kleinen Widerwrtigkeiten zugeschrieben werden,
welche den Thron des Befreiers von seinem Regierungsantritte bis zu
seinem Tode zu einem so unbehaglichen Sitze machten. Dem nmlichen
Gefhle aber ist es auch zuzuschreiben, da sein Thron, obgleich
fortwhrend bedroht und oft erschttert, doch niemals umgestrzt wurde.
Denn so sehr auch sein Volk seine fremden Gnstlinge hate, seine
fremden Feinde hate es noch mehr. Die Hollnder waren Protestanten, die
Franzosen waren Papisten; die Hollnder wurden als selbstschtige,
habgierige, bermthige Alliirte betrachtet, die Franzosen waren
Todfeinde. Das Schlimmste was von den Hollndern zu befrchten stand,
war, da sie einen zu groen Antheil an dem Patronat der Krone erlangen,
da sie einen zu groen Theil der Kriegslasten auf uns wlzen, da sie
auf unsere Kosten commercielle Vortheile erlangen konnten. Die Franzosen
aber konnten uns besiegen; die Franzosen konnten uns zu Sklaven machen;
die Franzosen konnten Drangsale ber uns bringen gleich denen, welche
die schnen Gefilde und Stdte der Pfalz in eine Wste verwandelt
hatten. Es konnte den Hopfenpflanzungen von Kent ergehen wie es den
Weinbergen am Neckar ergangen war. Die High Street von Oxford und der
Domplatz von Salisbury konnten mit Trmmern bedeckt werden wie die,
welche die Sttten bedeckten, wo einst die Palste und Kirchen
Heidelberg's und Mannheim's gestanden hatten. Das von dem alten
Kirchthurm beschattete Pfarrhaus, die zwischen Bienenkrben und
blhenden Apfelbumen hervorblickende Pchterwohnung, das von hohen
Ulmen umgebene gutsherrliche Schlo konnten einer Soldateska
preisgegeben werden, die von Mitleid gegen gebrechliche Greise, gegen
zarte Frauen und gegen Suglinge nichts wute. Die Worte: Die Franzosen
kommen! unterdrckten sofort alles Murren ber Abgaben und Mibruche,
ber Wilhelm's unfreundliches Wesen und Portland's eintrgliche Stellen,
und erweckten einen eben so hohen und unbesiegbaren Muth, wie er hundert
Jahre frher die Reihen beseelte, welche Elisabeth bei Tilbury musterte.
Wre die Armee Humieres' gelandet, so wrde ihr sicherlich fast jedes
mnnliche Individuum, das fhig war, die Waffen zu tragen,
entgegengetreten sein. Nicht nur die Gewehre und Piken, sondern auch die
Sensen und Heugabeln wrden noch nicht hingereicht haben fr die
Hunderttausende, die sich, jeden Glaubens- und Parteiunterschied
vergessend, wie ein Mann erhoben haben wrden, um den englischen Boden
zu vertheidigen.

Die unmittelbare Folge der Niederlagen im Kanal und in Flandern war
daher, da sich die groe Masse des Volks fr einen Augenblick fest
zusammenschaarte. Die nationale Abneigung gegen die Hollnder schien
suspendirt zu sein. Ihr tapferes Benehmen bei Beachy Head fand lauten
Beifall und Torrington's Unthtigkeit wurde laut getadelt. London ging
mit dem Beispiele der Einigkeit und Kraftuerung voran, die durch die
letzte Wahl hervorgerufene Gereiztheit legte sich pltzlich, alle
Parteiunterschiede schwanden. Der Lordmayor wurde zur Knigin
beschieden. Sie ersuchte ihn so bald als mglich zu ermitteln, was die
Hauptstadt thun wrde, wenn der Feind es wagen sollte, eine Landung zu
unternehmen. Er rief die Vertreter der Stadtviertel zusammen, besprach
sich mit ihnen und kehrte nach Whitehall zurck, um zu berichten, da
sie sich einmthig verpflichtet htten, mit Gut und Blut der Regierung
beizustehen, da hunderttausend Pfund bereit lgen, um in die
Schatzkammer eingezahlt zu werden, da zehntausend wohlbewaffnete und
ausgerstete Londoner bereit seien, jeden Augenblick zu marschiren und
da ein Verstrkungsheer von sechs Infanterieregimentern, einem starken
Reiterregiment und tausend Dragonern augenblicklich ausgehoben werden
wrde, ohne da es der Krone einen Farthing kosten sollte. Von Ihrer
Majestt verlange die Stadt nichts weiter, als da sie geruhen mge,
diese Truppen unter die Befehle von Offizieren zu stellen, auf die sie
sich verlassen knne. Der nmliche Geist zeigte sich in allen anderen
Theilen des Landes. Obgleich in den sdlichen Grafschaften die Ernte
bevorstand, eilten die Landleute mit ungewhnlicher Freudigkeit zu den
Sammelpltzen der Miliz. Die jakobitischen Landgentlemen, welche seit
mehreren Monaten Vorbereitungen zu der allgemeinen Erhebung trafen,
welche stattfinden sollte, sobald Wilhelm abgereist und Beistand aus
Frankreich angelangt sein wrde, verbrannten jetzt, da Wilhelm gegangen
war und eine franzsische Invasion stndlich erwartet wurde, ihre von
Jakob unterzeichneten Offizierspatente und versteckten ihre Waffen in
verborgenen Wandschrnken oder in Heuschobern. Die Jakobiten in den
Stdten wurden insultirt wo sie sich blicken lieen und muten sich vor
dem erbitterten Pbel in ihre Huser einschlieen.[157]


[_Verhalten Shrewsbury's._] Nichts ist fr Diejenigen, welche gern die
Falten des menschlichen Herzens studiren, interessanter als die Wirkung,
welche die ffentliche Gefahr auf Shrewsbury hervorbrachte. Einen
Augenblick war er wieder der Shrewsbury von 1688. Sein Character war,
obwohl beklagenswerth unbestndig, doch nicht unedel, und der Gedanke,
da er durch entschlossenes Vorangehen in der Vertheidigung seines
Vaterlandes in so gefahrvoller Krisis seinen groen Fehler wieder gut
machen und sich wieder Achtung erwerben knne, verlieh seinem Krper und
seinem Geiste neue Energie. Er hatte sich nach Epsom zurckgezogen, in
der Hoffnung da Ruhe und reine Luft einen heilsamen Einflu auf seine
erschtterte Gesundheit und auf seinen geschwchten Geist ausben werde.
Aber wenige Stunden nach dem Eintreffen der Nachricht von der Schlacht
bei Beachy Head war er in Whitehall und bot der Knigin seine Brse und
seinen Degen an. Man hatte die Idee gehabt, die Flotte unter den
Oberbefehl eines vornehmen Edelmanns zu stellen, dem zwei erfahrene
Seeoffiziere als Rathgeber beigegeben werden sollten. Shrewsbury bat
darum, da er ernannt werden mchte, wenn ein solches Arrangement zu
Stande kme. Das Interesse und die Ehre jedes Bewohners des Knigreichs,
sagte er, sei dabei betheiligt, den Feind nicht siegreich im Kanale
umherfahren zu lassen, und er werde freudig sein Leben wagen, um den
verlornen Ruhm der englischen Flagge wiederherzustellen.[158]

Sein Anerbieten wurde nicht angenommen. Ueberhaupt wurde der Plan, das
Commando der Seemacht zwischen einem vornehmen Manne, der die Striche
des Compasses nicht kannte, und zwei wettergebrunten alten Seeleuten,
die vom Kajtenjungen bis zum Admiralsrange emporgestiegen waren,
wohlweislich bei Seite gelegt. Dagegen wurden energische Anstrengungen
gemacht, um die verbndeten Geschwader zum Dienste auszursten, und
nichts unterlassen, was den natrlichen Groll der Hollnder besnftigen
konnte. Die Knigin schickte ein Mitglied des Geheimen Raths mit einer
speciellen Mission an die Generalstaaten ab. Er war der Ueberbringer
eines Schreibens, in welchem sie den Muth von Evertsen's tapferem
Geschwader lobte. Sie versicherte ihnen, da ihre Schiffe auf den
englischen Werften ausgebessert und da die verwundeten Hollnder eben
so sorgsam verpflegt werden sollten wie verwundete Englnder. Es wurde
angekndigt, da eine strenge Untersuchung der Ursachen der letzten
Niederlage eingeleitet werden solle, und Torrington, der sich in der
That damals nicht ffentlich htte zeigen drfen, wenn er sich nicht der
Gefahr aussetzen wollte, in Stcken zerrissen zu werden, wurde in den
Tower geschickt.[159]

Whrend der ersten drei Tage nach dem Eintreffen der Unglcksbotschaften
von Beachy Head hatte London ein unheimliches und aufgeregtes Aussehen.
Am vierten Tage aber war Alles verndert. Die Glocken luteten, Flaggen
wurden aufgezogen, in die Fenster wurden Lichter zu einer Illumination
bereit gestellt, und die Leute in den Straen schttelten einander
freudig die Hnde. Es war an diesem Morgen ein Courier mit wichtigen
Nachrichten aus Irland angekommen.


Funoten.

[1] +Halifax a eu une reprimande svre publiquement dans le conseil
par le Prince d'Orange pour avoir trop balanc.+ -- Avaux an De
Croissy, Dublin, 16.(26.)Juni 1689. Sein quecksilberartiger Geist,
sagt Burnet, II. 4., vertrug sich nicht gut mit dem Phlegma des
Knigs.

[2] +Clarendon's Diary, Oct. 10. 1689; Lords' Journals, Oct. 19. 1689.+

[3] +Commons' Journals, Oct. 24. 1689.+

[4] +Commons' Journals, Nov. 2. 1689.+

[5] +Commons' Journals Nov. 7. 19., Dec. 30. 1689.+ Es war damals
Regel des Hauses, da keine Petition gegen die Auflegung einer Steuer
angenommen werden durfte. Diese Regel wurde nach einem sehr harten
Kampf im Jahre 1842 aufgehoben. Die Petition der Juden wurde nicht
angenommen und ist in den Protokollen nicht erwhnt. Etwas aber erfhrt
man darber in N. Luttrell's +Diary+ und in Grey's +Debates+ unterm
19.Nov. 1689.

[6] Jakob sagt in der nmlichen Schrift, in der er zu beweisen
versuchte, da der Papst der Antichrist sei: Ich fr meine Person
wrde, wenn dies jetzt noch ein fraglicher Punkt wre, von ganzem
Herzen darein willigen, da der Bischof von Rom den ersten Sitz habe.
Jakob schrieb einen interessanten Brief ber diesen Gegenstand an Karl
und Buckingham, als sie in Spanien waren. Heylyn sagt, als er von
Laud's Unterhandlung mit Rom spricht: So da also der Papst sich bei
uns in England mit einer Prioritt anstatt einer Superioritt ber die
Bischfe, und mit einem Primat anstatt einem Supremat in denjenigen
Theilen des Christenthums begngen sollte, welche meiner Ansicht nach
kein Mann von Bildung und Migung ihm zuzugestehen sich gestrubt
haben wrde.

[7] +Stat. 1 W. & M. sess. 2. c. 2.+

[8] +Treasury Minute Book, Nov. 3. 1689.+

[9] +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, Nov. 13. 14. 18. 19. 23.
28. 1689.+

[10] +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, Nov. 26. 27. 1689.+

[11] +Commons' Journals, Nov. 28., Dec. 2. 1689.+

[12] +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, Nov. 30., Dec. 2. 1689.+

[13] +London Gazette, Sept. 2. 1689.; Observations upon Mr. Walker's
Account of the Siege of Londonderry, licensed Oct. 4. 1689; Narcissus
Luttrell's Diary; Mr. J. Mackenzie's Narrative a False Libel, a Defence
of Mr. G. Walker written by his Friend in his Absence, 1690.+

[14] +Walker's True Account, 1689; An Apology for the Failures charged
on the True Account, 1689; Reflections on the Apology, 1689; A
Vindication of the True Account by Walker, 1689; Mackenzie's Narrative,
1690; Mr. Mackenzie's Narrative a False Libel, 1690; Dr. Walker's
Invisible Champion foyled by Mackenzie, 1690; Welwood's Mercurius
Reformatus, Dec. 4. 11. 1689.+ Der oxforder Herausgeber von Burnet's
Geschichte uert sein Erstaunen ber das Stillschweigen, das der
Bischof in Bezug auf Walker beobachtet. In dem Burnet'schen Manuscript,
Harl. 6584. befindet sich eine warme Lobrede auf Walker. Warum diese
nicht in der Geschichte vorkommt, vermag ich nicht zu sagen.

[15] +Commons' Journals Nov. 18. 19. 1689+ und +Grey's Debates.+

[16] +Wade's Confession, Harl. MS. 6845.+

[17] Siehe die Vorrede zur ersten Ausgabe seiner Memoiren, Vevay, 1698.

[18] Oberst Ludlow, ein alter Oliverianer und einer von den Richtern
Karl's I., ist krzlich aus der Schweiz in diesem Knigreiche
angelangt. +Narcissus Luttrell's Diary, Septbr. 1689.+

[19] +Third Caveat against the Whigs, 1702.+

[20] +Commons' Journals Nov. 6. 8. 1689.; Grey's Debates; London
Gazette, Nov. 18.+

[21] +Omnia solum forti patria, quia patris.+ Siehe Addison's
+Travels+. Es ist ein bemerkenswerther Umstand, da Addison, obgleich
ein Whig, von Ludlow in einem Tone spricht, der sich besser fr einen
Tory geziemt haben wrde, und ber die Inschrift als scheinheiliges
Geschwtz spottet.

[22] +Commons' Journals, Nov. 1. 7. 1689.+

[23] +Roger North's Life of Dudley North.+

[24] +Commons' Journals, Oct. 26. 1689.+

[25] +Lords' Journals, Oct. 26, 27. 1689.+

[26] +Commons' Journals Oct. 26. 1689.+

[27] +Commons' Journals, Oct. 26. 1689; Wood's Athenae Oxonienses;
Dodd's Church History VIII. II. 3.+

[28] +Commons' Journals, Oct 28. 1689+; die Prozeverhandlungen findet
man in der +Collection of State Trials+.

[29] +Lords Journals, Nov. 2. 6. 1689.+

[30] +Lords' Journals, Dec. 20. 1689; Life of Dudley North.+

[31] Der Bericht befindet sich in den Protokollen der Lords vom
20.Dec. 1689. Hampden's Vernehmung fand am 18.Nov. statt.

[32] Dies geht meiner Ansicht nach klar hervor aus einem Briefe von
Lady Montague an Lady Russell, datirt vom 23.Dec. 1689, drei Tage nach
der Berichterstattung des Mordausschusses.

[33] +Commons' Journals, Dec. 14. 1689; Grey's Debates; Boyer's Life of
William.+

[34] +Commons' Journals, Dec. 21; Grey's Debates; Oldmixon.+

[35] +Commons' Journals, Jan. 2. 1689/90.+

[36] So mssen, wie ich glaube, einige bedeutsame Worte in einem Briefe
verstanden werden, den Wilhelm den Tag nach Sacheverell's khnem und
unerwarteten Antrage an Portland schrieb. Wilhelm berechnet die Summe
der Geldbewilligungen und sagt dann: +S'il n'y mettent des conditions
que vous savez, c'est une bonne affaire: mais les Wigges sont si
glorieux d'avoir vaincu qu'ils entreprendront tout.+

[37] Da die Autoritt des Prsidentenstuhls, die Achtung und
Ehrfurcht vor der Ordnung und das geziemende Verfahren bei der Debatte
durch das ordnungswidrige und tumultuarische Benehmen des Hauses
unwiederbringlich verloren sind. Sir J. Trevor an den Knig, im
Anhange zu Dalrymple's Memoiren, II. Thl. 4. Buch.

[38] +Commons' Journals, Jan. 18. 1689/90.+ Ich habe mein Mglichstes
gethan, um aus sehr lckenhaften Materialien einen Bericht ber diesen
Kampf zusammenzustellen. Burnet's Erzhlung enthlt mehr Irrthmer als
Seiten. Er verlie sich offenbar auf sein Gedchtni, und dieses war
ihm vllig untreu. Meine Hauptautoritten sind die Protokolle; Grey's
Debatten; Wilhelm's Briefe an Portland; die Depeschen Van Citters';
+A Letter concerning the Disabling Clauses, lately offered to the
House of Commons, for regulating Corporations, 1690; The True Friends
to Corporations vindicated, in an answer to a letter concerning the
Disabling Clauses, 1690+; und +Some Queries concerning the Election
of Members for the ensuing Parliament 1690+. Letzterem Pamphlet ist
eine Liste Derer angehngt, welche fr Sacheverell's Klausel stimmten.
Siehe auch +Clarendon's Diary, Jan. 10. 1689/90+, und den dritten Theil
des +Caveat against the Whigs, 1712+. Wilhelm's Brief vom 10.Januar
schliet folgendermaen. (Es war erst die Nachricht von der ersten
Abstimmung nach Kensington gelangt.) +Il est  prsent onze eures de
nuit, et  dix eures la Chambre Basse estoit encore ensemble. Ainsi
je ne vous puis escrire par cette ordinaire l'issue de l'affaire. Les
previos questions les Tories l'ont emport de cinq vois. Ainsi vous
pouvez voir que la chose est bien dispute. J'ay si grand somiel, et
mon toux m'incomode que je ne vous en saurez dire davantage. Jusques 
mourir  vous.+

In der nmlichen Nacht schrieb Van Citters an die Generalstaaten. Er
sagt die Debatte sei sehr hei gewesen. Die Absicht der Whigs, die
er die Presbyterianer nennt, habe in nichts Geringerem bestanden,
als ihre Gegner von allen Aemtern auszuschlieen und sich in den
ausschlielichen Besitz der Macht zu bringen.

[39] +Commons' Journals, Jan. 11. 1689/90.+

[40] +Narcissus Luttrell's Diary, Jan. 16. 1690;+ Van Citters an die
Generalstaaten, 21. (31.) Januar.

[41] +Commons' Journals, Jan. 16. 1689/90.+

[42] +Roger North's Life of Guildford.+

[43] Siehe den Bericht ber den Proze in der +Collection of State
Trials.+

[44] +Commons' Journals, Jan. 20. 1689/90; Grey's Debates, Jan. 18. 20.+

[45] +Commons' Journals, Jan. 21. 1689/90.+ An dem nmlichen Tage
schrieb Wilhelm von Kensington an Portland: +C'est aujourd'hui le
grand jour  l'guard du Bill of Indemnit. Selon tout ce que je puis
aprendre, il y aura beaucoup de chaleur, et rien dterminer; et de
la manire que la chose est entourr, il n'y a point d'aparence que
cette affaire viene  aucune conclusion. Et ainsi il se pouroit que
la cession fast fort courte; n'ayant plus d'argent  esprer; et les
esprits s'aigrissent l'un contre l'autre de plus en plus.+ Drei Tage
spter schrieb Van Citters an die Generalstaaten, da die Aufregung
wegen der Indemnittsbill sehr gro sei.

[46] Burnet II. 39; Handschriftliches Memoir von dem ersten Lord
Lonsdale unter den +Mackintosh Papers+.

[47] +Burnet II. 40.+

[48] +Narcissus Luttrell's Diary+, Januar, Februar.

[49] Wilhelm an Portland, 10.(20.) Jan. 1690. +Les Wiges ont peur
de me perdre trop tost, avant qu'ils n'ayent fait avec moi ce qu'ils
veulent: car, pour leur amiti, vous savez ce qu'il y a  compter
l-dessus en ce pays icy.+

+14.(24.) Jan. -- Me voil le plus embarass du monde, ne sachant
quel parti prendre, estant toujours persuad que, sans que j'aille
en Irlande, l'on n'y faira rien qui vaille. Pour avoir du conseil en
cette affaire, je n'en ay point  attendre, personne n'ausant dire ses
sentimens. Et l'on commence dj  dire ouvertement que ce sont des
traitres qui m'ont conseill de prendre cette rsolution.+

+21.(31.) Jan. Je n'ay encore rien dit,+ -- dem Parlamente, meint
er, -- +de mon voyage pour l'Irlande. Et je ne suis point encore
dtermin si j'en parlerez, mais je crains que nonobstant j'aurez une
adresse pour n'y point aller; ce qui m'embarasserez beaucoup, puis que
c'est une ncessit absolue que j'y aille.+

[50] Wilhelm an Portland, 28.Jan. (7.Febr.) 1690. Van Citters an
die Generalstaaten von dem nmlichen Tage; +Evelyn's Diary; Lords'
Journals, Jan. 27.+ Ich will Wilhelm's eigene Worte anfhren: +Vous
voirez mon harangue imprime: ainsi je ne vous en direz rien. Et pour
les raisons qui m'y ont oblig je les reserverez  vous les dire
jusques  vostre retour. Il semble que les Tories en sont bien aise,
mais point les Wiggs. Ils estoient tous fort surpris quand je leur
parlois, n'ayant communiqu mon dessin qu' une seule personne. Je vis
de visages long comme une aune, chang de couleur vingt fois pendant
que je parlois. Tous ces particularits jusques  vostre heureux
retour.+

[51] +Evelyn's Diary; Clarendon's Diary, Feb. 9. 1690+; Van Citters an
die Generalstaaten 31.Jan. (10.Febr.); Lonsdale-Manuscript, citirt
von Dalrymple.

[52] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[53] +Clarendon's Diary, Febr. 11. 1690.+

[54] Van Citters an die Generalstaaten, 14.(24.) Febr. 1690; +Evelyn's
Diary+.

[55] Wilhelm an Portland, 28.Febr. (10.Mrz) 1690; Van Citters an die
Generalstaaten, 4.(14.) Mrz; +Narcissus Luttrell's Diary.+

[56] Van Citters, 11.(21.) Mrz; 1689/90; +Narcissus Luttrell's Diary.+

[57] Van Citters an die Generalstaaten 11.(21.) Mrz 1689/90.

[58] Die Stimmen waren: fr Sawyer 165, fr Finch 141, fr Bennet, von
dem ich vermuthe, da er ein Whig war, 87. An der Universitt giebt
jeder Abstimmende sein Votum schriftlich ab. Eines der bei dieser
Gelegenheit abgegebenen Voten lautete: +Henricus Jenkes, ex amore
justitiae, eligit virum consultissimum Robertum Sawyer.+

[59] Van Citters an die Generalstaaten, 18.(28.) Mrz 1690.

[60] Es ist ergtzlich, wie auslndische Tagesschriftsteller, welche
den wirklichen Zustand der Dinge in England nicht kannten, die
Wichtigkeit Johann Hampden's, dessen Namen sie nicht einmal richtig
schreiben konnten, bertrieben. In einem franzsischen Gesprch
zwischen Wilhelm und dem Schatten Monmouth's sagt Wilhelm: +Entre ces
membres de la Chambre Basse toit con certain homme hardy, opinitre
et zl  l'excs pour sa crance; on l'appelle Embden galement
dangereux par son esprit et par son crdit ... Je ne trouvay point de
chemin plus court pour me dlivrer de cette traverse que de casser le
parlement, en convoquer un autre, et empescher que cet homme, qui me
faisoit tant d'ombrages, ne fust nomm pour un des deputez au nouvel
parlement.+ -- +Ainsi,+ sagt hierauf der Geist, +cette cassation de
Parlament qui a fait tant de bruit et a produit tant de raisonnemens
et de spculations, n'estoit que pour exclure Embden. Mais s'il estoit
si adroit et si zl, comment as-tu pu trouver le moyen de le faire
exclure du nombre des deputez?+ Auf diese sehr verstndige Frage
antwortet der Knig: +Il m'a fallu faire d'tranges manoeuvres pour en
venir  bout.+ -- +L'Ombre de Monmouth, 1690.+

[61] +A prsent tout dpendra d'un bon succs en Irlande, et  quoy
il faut que je m'aplique entirement pour rgler le mieux que je puis
toutte chose ... Je vous asseure que je n'ay pas peu sur les bras,
estant aussi mal assist que je suis.+ Wilhelm an Portland, 28.Jan.
(7.Febr.) 1690.

[62] Van Citters, 14.(24.) Febr. 1689/90, +Memoir of the Earl
of Chesterfield, by himself+; Halifax an Chesterfield, 6.Febr.;
Chesterfield an Halifax, 8.Febr. Der Herausgeber der Briefe des
zweiten Earls von Chesterfield hat sich im Datum dieser Correspondenz
um ein Jahr geirrt, weil er die Vernderung der Zeitrechnung nicht
beachtete.

[63] Van Citters an die Generalstaaten, 11.(21.) Febr. 1690.

[64] Eine sonderbare Eigenthmlichkeit seiner Constitution wird in
einer wenige Monate nach seinem Tode erschienenen Schilderung von ihm
erwhnt. Siehe das Werk betitelt: +Lives and Characters of the most
Illustrious Persons, British and Foreign, who died in the year 1712.+

[65] Monmouth's Pension und das gute Einvernehmen zwischen ihm und dem
Hofe werden in einem Briefe von einem jakobitischen Agenten in England
erwhnt, der sich in den Archiven des franzsischen Kriegsministeriums
befindet. Er ist datirt vom 8.(18.) April 1690.

[66] Die Schenkungen von Grundeigenthum, welche Delamere erhielt,
werden von Narcissus Luttrell erwhnt. Aus dem Briefbuche des
Schatzamts geht hervor, da Delamere auch nach seinem Rcktritt noch
bestndig die Regierung um Geld anging. Bezglich seines allgemeinen
Characters darf man sich nicht auf die Schilderungen der Satyriker
verlassen. Seine eigenen Schriften aber sowie die Eingestndnisse des
Geistlichen, der seine Grabrede hielt, beweisen, da sein Character
nicht der sanfteste war. Clarendon bemerkt (17.Dec. 1688), da eine
Kleinigkeit hinreichte, um Lord Delamere aufzubringen. In einem
Gedicht, betitelt: +The King of Hearts+, wird Delamere geschildert als

  Nie zufrieden, selbst wenn Andren vorgezogen.

Sein Gedicht bot der Satyre Stoff:

  Sein Blick verrth ein schwaches Hirn,
  Es thront der blasse Neid auf seiner Stirn.

[67] Ich habe mein Urtheil ber Lowther hauptschlich nach zwei von
ihm verfaten Abhandlungen gebildet, von denen die eine zwar gedruckt,
meines Wissens aber nicht in den Buchhandel gekommen ist. Eine Copie
der andren befindet sich unter den Mackintosh-Handschriften. Einiges
habe ich auch gleichzeitigen Satyren entlehnt. Da Lowther nur zu
bereitwillig war, sein Leben in Zweikmpfen aufs Spiel zu setzen, wird
durch die Thatsache gengend bewiesen, da er, als er erster Lord des
Schatzes war, die Herausforderung eines Zollbeamten annahm, den er
abgesetzt hatte. Es fand ein Zweikampf statt und Lowther wurde schwer
verwundet. Der Vorfall ist in Luttrell's Tagebuche vom April 1690
erwhnt.

[68] Burnet II. 76.

[69] +Roger North's Life of Guildford.+

[70] Bis einige Jahre nach dieser Zeit war immer das vornehmste
Mitglied des Staatsraths erster Lord des Schatzes. So nahmen Monmouth,
Delamere und Godolphin ihre Stellen nach der Rangordnung ein, in der
sie als Peers standen.

[71] Die Dedication wurde jedoch fr zu berschwenglich gehalten. Das
Einzige, pflegte Pope zu sagen, was er seinem philosophischen Meister
nie vergeben konnte, war die Widmung zu dem Essay. -- +Ruffhead's Life
of Pope+.

[72] Van Citters an die Generalstaaten, 23.April (5.Mai) 1690;
+Narcissus Luttrell's Diary; Treasury Letter Book, Feb. 4. 1689/90.+

[73] Dieser +Dialogue between a Lord Lieutenant and his Deputies+
findet sich nicht in der Sammlung von Warrington's Schriften, welche im
Jahre 1694 wie es scheint mit Genehmigung seiner Familie erschien.

[74] Van Citters an die Generalstaaten 18.(28.) Mrz, 4.(14.) April
1690; +Narcissus Luttrell's Diary; Burnet II. 72.; The Triennial Mayor,
or the Rapparees, a Poem, 1691+. Der Dichter sagt von einem der neuen
Civilbeamten:

  Sein Anspruch auf Gewissen mu wohl schwinden,
  Da seinen Namen wir in einer blut'gen Jury finden
  Die einen Publius erwrgt wie einen Schurken.

[75] +Treasury Minute Book, Feb. 5. 1689/90.+

[76] Van Citters, 11.(21.) Febr., 14.(24.) Mrz, 18.(28.) Mrz 1690.

[77] Van Citters, 14.(24.) Mrz; 1690. Die Predigt ist noch vorhanden.
Sie wurde in der Bowkirche vor dem Collegium der Aldermen gehalten.

[78] +Welwood's Mercurius Reformatus, Febr. 12. 1690.+

[79] +Commons Journals', March 20, 21, 22. 1689/90.+

[80] +Commons Journals', March 28. 1690, March 1, 20. 1688/89.+

[81] +Grey's Debates, March 27, 28. 1690.+

[82] +Commons' Journals, March 28. 1690.+ Einen sehr klaren und genauen
Bericht ber die Art und Weise, wie das Einkommen festgestellt wurde,
bersandte Van Citters unterm 7, (17.) April 1690 den Generalstaaten.

[83] Burnet II. 43.

[84] In einem damaligen Spottgedicht kommen folgende Zeilen vor:

  O glcklich Paar, in ihrem Leben
  Wird's keine Spur von Zwietracht geben;
  Ihr Seelenheil verkaufen sie zur Stelle,
  Lohnt Geldgewinn dafr, der Hlle.
                +The Female Nine, 1690.+

[85] Swift erwhnt den Mangel an Gastfreundschaft und Prunk in ihrem
Haushalte. +Journal to Stella, Aug. 8. 1711.+

[86] +The Duchess of Marlborough's Vindication.+ Die Herzogin war
jedoch eine so freche Lgnerin, da man ihr nicht glauben darf, auer
wenn sie sich selbst anklagt.

[87] Siehe +The Female Nine.+

[88] +The Duchess of Marlborough's Vindication.+ Mit der
gewohnheitsmigen Ungenauigkeit, die es selbst da wo sie gar keinen
Grund zu lgen hat, nothwendig macht, jedes von ihr geschriebene Wort
mit Argwohn zu lesen, creirt sie Shrewsbury zum Herzog und titulirt ihn
Ew. Gnaden. Er wurde erst 1694 zum Herzog ernannt.

[89] +Commons' Journals, Dec. 17. 18. 1689.+

[90] +Duchess of Marlborough's Vindication.+

[91] Van Citters, 8.(18.) April 1690.

[92] Van Citters, 8.(18.) April; +Narcissus Luttrell's Diary.+

[93] +Lord's Journals, April 8. 10. 1690; Burnet II. 41.+

[94] Van Citters, 25.April (5.Mai) 1690.

[95] +Commons' Journals, April 8. 9. 1690; Grey's Debates; Burnet II.
42.+ Van Citters erwhnt in einem Briefe vom 8., da man einen heien
Kampf im Unterhause erwarte.

[96] +Commons' Journals, April 24. 1690; Grey's Debates.+

[97] +Commons' Journals, April 24, 25, 26; Grey's Debates; Narcissus
Luttrell's Diary.+ Narcissus ist ungewhnlich entrstet. Er nennt die
Bill einen arglistigen Streich der Fanatiker, die Bischfe und die
meisten Geistlichen der englischen Kirche zu vertreiben. In einem
whiggistischen Pasquill betitelt: +A speech intended to have been
spoken on the Triennial Bill on Jan. 28. 1692/93+, heit es vom
Knige, er sei hchst ungehalten ber die Abschwrungsbill gewesen.

[98] +Lords' Journals, May 1. 1690.+ Diese Bill befindet sich in den
Archiven des Hauses der Lords. Burnet verwechselt sie mit der Bill,
welche die Gemeinen in der vorhergehenden Woche verworfen hatten.
Ralph, der wohl sah, da Burnet einen Fehler gemacht, aber nicht
merkte, wo der Fehler lag, machte bei dem Versuche, denselben zu
verbessern, noch mehrere andere dazu, und der Oxforder Herausgeber des
Burnet ist durch Ralph confus geworden.

[99] +Lords' Journals, May 2., 3. 1690;+ Van Citters vom 2.Mai;
+Narcissus Luttrell's Diary;+ Burnet II. 44 und Dartmouth's Note. Die
von dem Ausschusse vorgenommenen Abnderungen kann man an der Bill
selbst in den Archiven des Oberhauses sehen.

[100] Diese Unterschiede wurden seiner Zeit viel besprochen. Van
Citters, 20.(30.) Mai 1690.

[101] +Stat. W. & M. sess. I. c. 10.+

[102] Roger North war einer von den vielen Mivergngten, welche nicht
mde wurden, diese Saite anzuschlagen.

[103] +Stat. 2. W. & M. sess. 1. c. 6; Grey's Debates, April29., May
1., 5., 6., 7., 1690.+

[104] +Story's Impartial History; Narcissus Luttrell's Diary.+

[105] Avaux, 15.(25.) Jan. 1690.

[106] +Macariae Excidium+. Dieses hchst interessante Werk ist unlngst
mit groer Sorgfalt und groem Fleie von Mr. O'Callaghan herausgegeben
worden. Ich verdanke seiner Gelehrsamkeit und seinem Fleie so viel,
da ich sehr gern die nationale Parteilichkeit entschuldige, welche
zuweilen, wie mir scheint, seinem Urtheile eine falsche Richtung giebt.
Wenn ich das +Macariae Excidium+ anfhre, so fhre ich stets den
lateinischen Text an. Die englische Lesart ist meiner Ueberzeugung nach
nichts als eine Uebersetzung aus dem Lateinischen, und zwar eine sehr
nachlssige und unvollstndige Uebersetzung.

[107] Avaux, 14.(24.) Nov. 1689.

[108] Louvois schreibt an Avaux unterm 26.Dec. (5.Jan.) 1689/90:
+Comme le Roy a veu par vos lettres que le Roy d'Angleterre craignoit
de manquer de cuivre pour faire de la monnoye, Sa Majest a donn ordre
qu'on mist sur le bastiment qui portera cette lettre une pice de canon
du calibre de deux qui est vente, de laquelle ceux qui travaillent
 la monnoye du Roy d'Angleterre pourront se servir pour continuer 
faire de la monnoye.+

[109] Louvois an Avaux, 1.(11.) Nov. 1689. Aus den Listen
im franzsischen Kriegsministerium geht hervor, da die Zahl
der Truppen, welche Ludwig nach Irland schickte, sich auf
siebentausendzweihunderteinundneunzig Mann aller Grade belief. Im
franzsischen Kriegsministerium befindet sich ein Brief vom Marschall
d'Estres, der die vier irischen Regimenter bald nach ihrer Landung in
Brest sah. Er schildert sie als +mal chausss, mal vtus, et n'ayant
point d'uniforme dans leurs habits, si ce n'est qu'ils sont tous
fort mauvais.+ Ein sehr genauer Bericht ber Macarthy's Wortbruch
findet sich in Mr. O'Callaghan's +History of the Irish Brigades+. Ich
mu bedauern, da ein Schriftsteller, dem ich so viel verdanke, ein
Benehmen zu vertheidigen sucht, das nach seiner eigenen Darstellung
desselben im hchsten Grade ehrlos war.

[110] Lauzun an Louvois, 28.Mai (7.Juni) und 16.(26.)Juni 1690 im
franzsischen Kriegsministerium.

[111] Siehe die spteren Briefe von Avaux.

[112] Avaux an Louvois, 14.(24.) Mrz 1690; Lauzun an Louvois,
23.Mrz (3.April).

[113] +Story's Impartial History;+ Lauzun an Louvois, 20. (30.) Mai
1690.

[114] Lauzun an Louvois, 28.Mai (7.Juni) 1690.

[115] Lauzun an Louvois, 2.(12.) April, 10.(20.) Mai 1690. La
Hoguette, der den Rang eines Marchal de Camp bekleidete, schrieb um
die nmliche Zeit in demselben Sinne an Louvois.

[116] +La politique des Anglois a t de tenir ces peuples cy comme
des esclaves, et si bas qu'il ne leur estoit pas permis d'apprendre 
lire et  crire. Cela les a rendu si bestes qu'ils n'ont presque point
d'humanit. Rien ne les esmeut. Ils sont peu sensibles  l'honneur; et
les menaces ne les estonnent point. L'interest mme ne les peut engager
au travail. Ce sont pourtant les gens du monde les mieux faites.+
Desgrigny an Louvois, 27.Mai (6.Juni) 1690.

[117] Siehe Melfort's Briefe an Jakob, geschrieben im October 1689.
Sie befinden sich unter den +Nairne Papers+ und wurden von Macpherson
gedruckt.

[118] +Life of James, II. 443. 450;+ Prozesse Ashton's und Preston's.

[119] Avaux schrieb unterm 5.Juni 1689 folgendermaen an Ludwig:
+Il nous est venu des nouvelles assez considrables d'Angleterre et
d'Escosse. Je me donne l'honneur d'en envoyer des mmoires  vostre
Majest, tels que je les ay receus du Roy de la Grande Bretagne.
Le commencement des nouvelles dattes d'Angleterre est la copie
d'une lettre de M. Pen, que j'ay veue en original.+ Das +Mmoire
des Nouvelles d'Angleterre et d'Escosse+, das mit dieser Depesche
eingesandt wurde, beginnt mit folgenden Stzen, welche Penn's Briefen
entnommen sein mssen: +Le Prince d'Orange commence d'estre fort
dgoutt de l'humeur des Anglois; et la face des choses change bien
viste, selon la nature des insulaires; et sa sant est fort mauvaise.
Il y a un nuage qui commence  se former au nord des deux royaumes,
o le Roy a beaucoup d'amis, ce qui donne beaucoup d'inquitude au
principaux amis du Prince d'Orange, qui, estant riches, commencent
 estre persuadez que ce sera l'espe qui dcidera de leur sort, ce
qu'ils ont tant tach d'viter. Ils apprhendent une invasion d'Irlande
et de France; et en ce cas le Roy aura plus d'amis que jamais.+

[120] +Le bon effet, Sire, que ces lettres d'Escosse et d'Angleterre
ont produit, est qu'elles ont enfin persuad le Roy d'Angleterre qu'il
ne recouvrera ses estats que les armes  la main; et ce n'est pas peu
de l'en avoir convaincu.+

[121] Van Citters an die Generalstaaten 1.(11.) Mrz 1689; Van Citters
nennt Penn +den bekenden Archquaker.+

[122] Siehe seinen Proze in der +Collection of State Trials+, und die
Protokolle der Lords vom 11. 12. und 27.Nov. 1689.

[123] Eine Sendung von zweitausend Pistolen ist in einem Schreiben
von Croissy an Avaux vom 16.(26.) Febr. 1689 erwhnt. Jakob befiehlt
Preston in einem vom 26.Jan. 1689 datirten Briefe, sich noch immer,
trotz Melfort's Ernennung, als Staatssekretr zu betrachten.

[124] +Narcissus Luttrell's Diary; Commons' Journals, May 14., 15., 20.
1690. Kingston's True History, 1697.+

[125] +The Whole Life of Mr. William Fuller, being an Impartial
Account of his Birth, Education, Relations and Introduction into
the Service of the late King James and his Queen, together with a
True Discovery of the Intrigues for which he lies now confined; as
also of the Persons that employed and assisted him therein, with his
Hearty Repentance for the Misdemeanours he did in the late Reign, and
all others whom he hath injured; impartially writ by Himself during
his Confinement in the Queen's Bench, 1703.+ Ich werde dieses Buch
natrlich mit Vorsicht benutzen.

[126] +Fuller's Life of himself.+

[127] +Clarendon's Diary, March 6, 1690; Narcissus Luttrell's Diary.+

[128] +Clarendon's Diary, May 10. 1690.+

[129] Er schrieb an Portland: +Je plains la povre reine, qui est en
des terribles afflictions.+

[130] Siehe die Briefe Shrewsbury's in Coxe's Correspondenz, Theil I.
Kap. 1.

[131] Da Lady Shrewsbury eine Jakobitin war und ihr Mglichstes that,
um auch ihren Sohn zu einem solchen zu machen, geht mit Gewiheit
aus einer Schrift Lloyd's vom Mai 1694 hervor, die sich unter den
Nairne'schen Manuscripten befindet und von Macpherson abgedruckt wurde.

[132] Dies wird durch einige Worte in einer Schrift bewiesen, welche
Jakob im November 1692 der franzsischen Regierung vorlegte. +Il y
a,+ sagt er, +le Comte de Shrusbery, qui, tant Secrtaire d'Etat du
Prince d'Orange, s'est dfait de sa charge par mon ordre.+ Eine Copie
dieser hchst werthvollen Schrift befindet sich in den Archiven des
franzsischen Kriegsministeriums, eine andre unter den Nairne'schen
Manuscripten in der Bodlejanischen Bibliothek. Eine englische
Uebersetzung findet man in Macpherson's Sammlung.

[133] Burnet II. 45.

[134] Shrewsbury an Somers, 22.Sept. 1697.

[135] Unter den +State Poems (vol. II. p. 211.)+ findet sich ein
Gedicht, dem ein unwissender Herausgeber den Titel gegeben hat: +A
Satyr written when the K-- went to Flanders and left nine Lords
Justices.+ Ich habe eine augenscheinlich gleichzeitige Abschrift von
dieser Satyre mit der Jahrzahl 1690. Es springt in der That auf den
ersten Blick in die Augen, da die neun Personen, welche den Gegenstand
der Satyre bilden, die neun Mitglieder des inneren Raths sind, welche
Wilhelm ernannte, um Marien zu untersttzen, als er nach Irland ging.
Einige von ihnen waren niemals Lords Justices.

[136] Aus einer von Lowther geschriebenen Erzhlung, die sich unter den
Mackintosh-Manuscripten befindet.

[137] Siehe Mariens Briefe an Wilhelm, verffentlicht von Dalrymple.

[138] +Clarendon's Diary, May 30. 1690.+

[139] Gerhard Croese.

[140] Burnet II. 46.

[141] +The Duchess of Marlborough's Vindication.+

[142] London Gazette vom 5., 12., 16.Juni 1690; Hop an die
Generalstaaten aus Chester vom 9.(19.)Juni. Hop begleitete Wilhelm
als Gesandter der Generalstaaten nach Irland.

[143] +Clarendon's Diary, June 7., 12. 1690; Narcissus Luttrell's
Diary;+ Baden, der hollndische Legationssekretr an Van Citters,
10.(20.)Juni, +Fuller's Life of himself; Welwood's Mercurius
Reformatus, June 11. 1690.+

[144] +Clarendon's Diary, June 8. 1690.+

[145] +Clarendon's Diary, June 10.+

[146] Baden an Van Citters, 20.(30.)Juni 1690; +Clarendon's Diary,
June 19.; Narcissus Luttrell's Diary.+

[147] +Clarendon's Diary, June 25.+

[148] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[149] Memoiren Saint-Simons.

[150] London Gazette, 26.Juni 1690; Baden an Van Citters, 24.Juni
(4.Juli).

[151] Marie an Wilhelm, 26.Juni 1690; +Clarendon's Diary+ von
demselben Datum; +Narcissus Luttrell's Diary.+

[152] Marie an Wilhelm, 28.Juni und 2.Juli 1690.

[153] Bericht der Commission der Admiralitt an die Knigin, datirt
aus Sheerne vom 18.Juli 1690; Aussagen der Kapitains Cornwall,
Jones, Martin und Hubbard, und des Viceadmirals Delaval; Burnet II.
52, und Sprecher Onslow's Note; +Mmoires du Marchal de Tourville;
Memoirs of Transactions at Sea by Josiah Burchett Esq., Secretary
to the Admiralty, 1703; London Gazette, July 3.; Historical and
Political Mercury for July 1690;+ Marie an Wilhelm vom 2.Juli;
Torrington an Caermarthen, 1.Juli. Den Bericht ber die Schlacht in
der Pariser Gazette vom 15.Juli 1690 kann man nicht ohne Beschmung
lesen: +On a sceu que les Hollandois s'estoient trs bien battus et
qu'ils s'estoient comportez en cette occasion en braves gens, mais
que les Anglois n'en avoient pas agi de mme.+ In der franzsischen
offiziellen Darstellung der Schlacht auf der Hhe von Cap Bevzier --
eine sonderbare Corruption von Pevensey -- lauten einige Stellen in dem
nmlichen Sinne: +Les Hollandois combattirent avec beaucoup de courage
et de fermet; mais ils ne furent pas bien secondez par les Anglois.
-- Les Anglois se distingurent des vaisseaux de Hollande par le peu
de valeur qu'ils montrrent dans le combat.+

[154] +Life of James, II. 409; Burnet, II. 5.+

[155] +London Gazette, June 30. 1690; Historical and Political Mercury
for July 1690.+

[156] Nottingham an Wilhelm vom 15.Juli 1690.

[157] +Burnet II. 53. 54.; Narcissus Luttrell's Diary, July 7., 11.,
1690; London Gazette, July 14. 1690.+

[158] Marie an Wilhelm, 3., 10.Juli 1690; Shrewsbury an Caermarthen,
15.Juli.

[159] Marie an die Generalstaaten, 12.Juli; +Burchett's Memoirs; An
important Account of some remarkable Passages in the Life of Arthur,
Earl of Torrington, 1691.+




Sechzehntes Kapitel.

Wilhelm und Marie.


Inhalt.

                                                                   Seite
  Wilhelm landet in Carrickfergus und begiebt sich nach Belfast        5
  Zustand Dublin's                                                     6
  Wilhelm's militrische Maregeln                                     6
  Wilhelm marschirt sdwrts                                           8
  Die irlndische Armee zieht sich zurck                              8
  Die Irlnder halten am Boyne Stand                                   9
  Die Armee Jakob's                                                   10
  Die Armee Wilhelm's                                                 11
  Walker, nunmehriger Bischof von Derry, begleitet die Armee          12
  Wilhelm recognoscirt die Stellung der Irlnder                      13
  Wilhelm wird verwundet                                              13
  Schlacht am Boyne                                                   14
  Jakob's Flucht                                                      18
  Verlust der beiden Armeen                                           20
  Fall von Drogheda                                                   20
  Zustand von Dublin                                                  20
  Jakob's Flucht nach Frankreich                                      22
  Dublin wird von den franzsischen und irischen Truppen gerumt      22
  Wilhelm's Einzug in Dublin                                          23
  Eindruck der Nachrichten aus Irland in Frankreich                   23
  Eindruck der Nachrichten aus Irland in Rom                          24
  Eindruck der Nachrichten aus Irland in London                       25
  Jakob's Ankunft in Frankreich; sein Empfang daselbst                26
  Tourville versucht eine Landung in England                          27
  Teignmouth wird zerstrt                                            30
  Erbitterung der englischen Nation gegen die Franzosen               31
  Die jakobitische Presse                                             32
  Die jakobitische Gebets- und Demthigungsformel                     33
  Entrstung gegen die eidverweigernden Bischfe                      34
  Militrische Operationen in Irland; Waterford genommen              36
  Die irische Armee bei Limerick zusammengezogen. Lauzun erklrt,
    da der Platz nicht zu halten sei                                 37
  Die Irlnder bestehen auf der Vertheidigung von Limerick            38
  Tyrconnel ist gegen die Vertheidigung von Limerick                  39
  Limerick wird von den Irlndern allein vertheidigt                  40
  Sarsfield berrumpelt die englische Artillerie                      41
  Ankunft Baldearg O'Donnel's in Limerick                             42
  Die Belagerer leiden vom Regen                                      44
  Erfolgloser Sturm auf Limerick; die Belagerung aufgehoben           44
  Tyrconnel und Lauzun gehen nach Frankreich                          45
  Wilhelm kehrt nach England zurck                                   46
  Wilhelm's Empfang in England                                        46
  Expedition nach dem Sden Irland's                                  47
  Marlborough nimmt Cork                                              47
  Marlborough nimmt Kinsale                                           48
  Die schottischen Angelegenheiten                                    49
  Intriguen Montgomery's mit den Jakobiten                            49
  Krieg in den Hochlanden                                             50
  Fort William erbaut                                                 51
  Zusammentritt des schottischen Parlaments                           52
  Melville Lord Obercommissar                                         52
  Die Regierung erlangt die Majoritt                                 52
  Kirchliche Gesetzgebung                                             54
  Auflsung der Coalition zwischen dem Club und den Jakobiten         58
  Die Hupter des Clubs verrathen einander                            59
  Allgemeine Ergebung in die neue Kirchenverfassung                   62
  Klagen der Episkopalen                                              62
  Die presbyterianischen Eidverweigerer                               63
  Wilhelm unzufrieden mit den kirchlichen Einrichtungen in
    Schottland                                                        66
  Zusammentritt der Generalversammlung der schottischen Kirche        67
  Lage der Dinge auf dem Continent                                    68
  Der Herzog von Savoyen schliet sich der Coalition an               68
  Steuerbewilligungen                                                 69
  Mittel und Wege                                                     70
  Verfahren gegen Torrington                                          71
  Torrington's Proze und Freisprechung                               72
  Erbitterung der Whigs gegen Caermarthen                             73
  Ein jakobitisches Complot                                           75
  Zusammenkunft der Hauptverschwrer                                  76
  Die Verschwrer beschlieen, Preston nach Saint-Germains zu
    schicken                                                          77
  Die Preston anvertrauten Papiere                                    77
  Caermarthen von dem Complot unterrichtet                            79
  Verhaftung Preston's und seiner Begleiter                           79


[_Wilhelm landet in Carrickfergus und begiebt sich nach Belfast._]
Wilhelm war das ganze Frhjahr mit Ungeduld in Ulster erwartet worden.
Falsche Gerchte von seiner Ankunft hatten im Laufe des Monats Mai die
protestantischen Niederlassungen lngs der Kste dieser Provinz zu
wiederholten Malen in Bewegung gesetzt. Erst am Nachmittag des 14.Juni
landete er in Carrickfergus. Die Bewohner der Stadt hatten sich in der
Hauptstrae versammelt und begrten ihn mit lautem Jubel, aber sie
sahen ihn nur auf einen Augenblick. Sobald er festen Boden unter seinen
Fen hatte, stieg er in seinen Wagen und reiste nach Belfast. Unterwegs
begegnete er Schomberg. Das Zusammentreffen fand dicht bei einem weien
Hause statt, der einzigen menschlichen Wohnung, welche damals auf einer
Strecke von vielen Meilen an dem den Strande der Bucht des Laggan zu
sehen war. Gegenwrtig erheben sich auf der Stelle, wo damals das weie
Haus stand, ein Dorf und eine Baumwollenfabrik und das ganze Ufer ist
mit Landhusern, Parkanlagen und Grten besumt. Belfast ist einer der
grten und blhendsten Sitze des Gewerbfleies auf den britischen
Inseln geworden und hat jetzt eine betriebsame Bevlkerung von
achtzigtausend Seelen. Die Zlle, welche jhrlich im Zollhause bezahlt
werden, bersteigen die, welche in den gnstigsten Jahren der Regierung
Karl'sII. im Zollhause zu London entrichtet wurden. Andere irische
Stdte mgen dem Auge einen malerischeren Anblick darbieten; aber
Belfast ist die einzige groe Stadt Irland's, in der der Reisende nicht
durch den widerlichen Anblick und Geruch langer Reihen menschlicher
Hhlen abgeschreckt wird, welche an Comfort und Sauberkeit den in
glcklicheren Lndern fr das Vieh bestimmten Wohnungen bei weitem
nachstehen. In keiner andren groen irischen Stadt herrscht eine solche
Reinlichkeit, keine andre ist so gut gepflastert und so glnzend
erleuchtet. Anstatt der Kuppeln und Thrme sieht man Gebude, welche dem
Geschmack zwar weniger zusagen, aber nicht minder von Wohlstand zeugen,
gewaltige Fabriketablissements, die um mehrere Stockwerke ber die
Schornsteine der Wohnhuser emporragen und die Luft mit dem Getse ihrer
Maschinen erfllen. Das Belfast, in welches Wilhelm einzog, war eine
kleine englische Niederlassung von ungefhr dreihundert Husern, von
einem lngst verschwundenen stattlichen Schlosse beherrscht, dem
Stammsitze der edlen Familie Chichester. In diesem Schlosse, das einige
Aehnlichkeit mit dem Palaste von Whitehall gehabt haben soll und das
durch seine sich auf der Fluseite weit hinab erstreckenden Terrassen
und Gartenanlagen berhmt war, hatte man Vorbereitungen zum Empfange des
Knigs getroffen. Am nrdlichen Eingange wurde er von den Behrden und
Gemeinderthen in ihrer Amtstracht bewillkommnet, und die Menge drngte
sich mit dem Rufe: Gott segne den protestantischen Knig! um seinen
Wagen. Denn die Stadt war eines der Bollwerke des reformirten Glaubens,
und als zwei Generationen spter die Einwohner zum ersten Male gezhlt
wurden, ergab es sich, da die Katholiken nicht mehr als ein Funfzehntel
der Bevlkerung bildeten.[1]

Die Nacht brach herein, aber die protestantischen Grafschaften waren
wach und auf den Beinen. Eine Geschtzsalve vom Schlosse zu Belfast
hatte die Ankunft des Knigs verkndet. Sie wurde wiederholt durch
Kanonen, welche Schomberg in weiten Entfernungen von einander
aufgepflanzt hatte, um von einem Posten zum andren Signale geben zu
knnen. Ueberall wo die Schsse gehrt wurden, wute man, da Knig
Wilhelm angekommen war, und noch vor Mitternacht loderten auf allen
Hhen von Antrim und Down Freudenfeuer. Der Feuerschein wurde am andren
Ufer der Buchten von Carlingford und Dundalk gesehen und verkndete den
Vorposten des Feindes, da die entscheidende Stunde herannahte. Am
zweiten Tage nach Wilhelm's Landung reiste Jakob von Dublin ins irische
Lager ab, das unweit der nrdlichen Grenze von Leinster aufgeschlagen
war.[2]


[_Zustand Dublin's._] In Dublin war die Aufregung furchtbar. Niemand
konnte mehr daran zweifeln, da die entscheidende Krisis bevorstand, und
die Qual der Ungewiheit steigerte die Leidenschaften der beiden
feindlichen Racen auf den Hhepunkt. Die Mehrheit konnte in den Blicken
und Reden der unterdrckten Minderheit unschwer Zeichen entdecken,
welche die Hoffnung auf eine baldige Befreiung und eine furchtbare Rache
verriethen. Simon Luttrell, unter dessen Obhut die Hauptstadt gestellt
war, beeilte sich die Vorsichtsmaregeln zu ergreifen, welche Angst und
Ha ihm eingaben. Es erschien eine Proklamation, welche allen
Protestanten einschrfte, von Einbruch der Dunkelheit bis zum
Tagesanbruch zu Hause zu bleiben, und ihnen bei Todesstrafe verbot, sich
an irgend welchem Orte und zu irgend welchem Zwecke in Gruppen von mehr
als fnf Personen zu versammeln. Selbst gegen diejenigen Geistlichen der
Landeskirche, welche nie aufgehrt hatten, die Lehre vom
Nichtwiderstande zu predigen, wurde keine Nachsicht gebt. Doctor
Wilhelm King, der, nachdem er lange standhaft geblieben, seit kurzem in
seinem politischen Glauben wankend zu werden begann, wurde gefnglich
eingezogen. Kein Gefngni war gro genug, um nur die Hlfte von Denen
aufzunehmen, welche der Gouverneur in Verdacht schlimmer Absichten
hatte. Das Collegium und mehrere Pfarrkirchen wurden dazu benutzt, und
in diesen Gebuden waren Leute, denen nichts zur Last gelegt werden
konnte als ihre Religion, in solchen Massen zusammengepfercht, da sie
kaum athmen konnten.[3]


[_Wilhelm's militrische Maregeln._] Inzwischen betrieben die beiden
rivalisirenden Frsten eifrig die Zusammenziehung ihrer Truppen.
Loughbrickland war der Ort, den Wilhelm zum Sammelplatz fr die
zerstreuten Divisionen seiner Armee bestimmt hatte. Whrend seine
Truppen sich sammelten, arbeitete er unermdlich darauf hin, ihre
Disciplin zu verbessern und fr ihren Unterhalt zu sorgen. Er hatte aus
England zweihunderttausend Pfund Sterling baares Geld und eine groe
Menge Kriegsbedarf und Lebensmittel mitgebracht. Alles Plndern wurde
bei strenger Strafe verboten. Zu gleicher Zeit wurden reichlich
Lebensmittel vertheilt und alle Regimentszahlmeister waren angewiesen,
ihre Rechnungen immer sofort einzureichen, damit keine Rckstnde
blieben.[4] Thomas Coningsby, Parlamentsmitglied fr Leominster, ein
thtiger und nicht skrupulser Whig, begleitete den Knig und fungirte
als Generalzahlmeister. Es verdient besonders erwhnt zu werden, da
Wilhelm zu dieser Zeit den Zolleinnehmer von Belfast ermchtigte, jedes
Jahr zwlfhundert Pfund an einige der angesehensten dissentirenden
Geistlichen von Down und Antrim zu zahlen, als Untersttzung fr sie und
ihre Amtsbrder. Der Knig erklrte, da er diese Summe den
nonconformistischen Geistlichen theils als Belohnung fr ihre ihm
bewiesene ausgezeichnete Loyalitt, theils als eine Entschdigung fr
ihre neuerlichen Verluste aussetze. Dies ist der Ursprung der Schenkung,
welche die Regierung noch jetzt alljhrlich den presbyterianischen
Geistlichen von Ulster zukommen lt.[5]

Wilhelm war wieder ganz er selbst. Seine Lebensgeister, zu Boden
gedrckt durch eine anderthalbjhrige Existenz in unerfreulichen
Verhltnissen und inmitten von Factionen und Intriguen, welche er nur
halb verstand, hoben sich wieder beim Anblick der Zelte und Fahnen.[6]
Es war merkwrdig, wie rasch dieser in Westminster so unpopulre Mann
eine vollkommene Herrschaft ber die Herzen seiner Waffenbrder
erlangte. Sie sahen mit Bewunderung, da er trotz seiner Krnklichkeit
alle Mhen und Beschwerden theilte, die sie selbst ertragen muten, da
er mehr an ihre Bequemlichkeit als an die seinige dachte, da er einigen
Offizieren, die ber ihren Eifer, ihm Leckerbissen fr seine Tafel zu
verschaffen, die Bedrfnisse der gemeinen Soldaten vernachlssigten,
nachdrcklich tadelte; da er von dem Augenblicke an wo er ins Feld
rckte, nicht ein einziges Mal in einem Hause wohnte, sondern selbst in
der Nhe von Stdten und Palsten in seiner kleinen transportabeln
Bretterhtte schlief; da keine Bitten ihn bewegen konnten, sich an
einem heien Tage und bei heftigem Winde aus der erstickenden Staubwolke
zu entfernen, die ber der marschirenden Colonne hing und minder zarte
Lungen als die seinige auf eine harte Probe stellte. Jeder unter seinen
Befehlen Dienende wurde mit seiner Persnlichkeit und mit seiner Stimme
vertraut, denn es gab kein Regiment, das er nicht mit der sorgfltigsten
Aufmerksamkeit inspicirt htte. Seine freundlichen Mienen und Reden
blieben lange in der Erinnerung. Ein wackerer Soldat hat in seinem
Tagebuche der liebenswrdigen Freundlichkeit gedacht, mit der der Knig
einen Korb mit den ersten Kirschen des Jahres von ihm annahm, so wie der
Heiterkeit, mit der Se. Majestt sich beim Abendessen mit Denen
unterhielt, welche um die Tafel herum standen.[7]


[_Wilhelm marschirt sdwrts._] Am 27.Juni, dem zehnten Tage nach
seiner Landung, marschirte Wilhelm mit allen seinen Truppen von
Loughbrickland in sdlicher Richtung ab. Er hatte sich fest vorgenommen,
die erste Gelegenheit zu einer Schlacht zu ergreifen. Schomberg und
einige andere Offiziere empfahlen Vorsicht und Aufschub; der Knig aber
entgegnete ihnen, da er nicht nach Irland gekommen sei, um Gras unter
seinen Fen wachsen zu lassen. Der Ausgang des Feldzugs scheint zu
beweisen, da er als General richtig urtheilte, und da er als
Staatsmann richtig urtheilte, kann nicht bezweifelt werden. Er wute,
da die englische Nation mit der Art der bisherigen Kriegfhrung
unzufrieden war, da nur ein rascher und glnzender Erfolg den
Enthusiasmus seiner Freunde wieder beleben und den Muth seiner Feinde
brechen und da eine Niederlage seinem Rufe und seinen Interessen kaum
nachtheiliger sein konnte als ein langwieriger und unentschiedener
Feldzug.

Die Gegend, durch die er marschirte, war seit achtzehn Monaten von
Soldaten und von Rapparees entsetzlich verwstet worden. Alles Vieh
war geschlachtet, die Anpflanzungen niedergehauen, die Umzunungen und
Huser in Trmmern. Kein menschliches Wesen war lngs der Marschroute
zu sehen, auer einigen wenigen halbnackten und ausgehungerten
Jammergestalten, die keine andre Nahrung hatten als Haferhlsen, welche
sie, wie die Hhner, aus Schmutz und Asche heraussuchten.[8] Gleichwohl
konnten die natrliche Fruchtbarkeit des Bodens, das ppige Grn der
Erde, die fr den Handel so vortheilhaft gelegenen Buchten und Flsse,
trotz des nachtheiligen Lichtes, in welchem sich Alles darstellte,
dem aufmerksamen Blicke des Knigs nicht entgehen. Er mochte wohl bei
sich denken, wie ganz anders diese Gegend ausgesehen haben wrde, wenn
sie mit einer Regierung und einer Religion gesegnet gewesen wre,
welche sein heimisches Holland zu einem Weltwunder gemacht hatten;
welche endlose Reihe von Landhusern, Blumengrten und Meierhfen die
Strae von Lisburn nach Belfast besumt, wie viele Hunderte von Barken
bestndig den Laggan auf und ab gefahren sein, welcher Wald von Masten
den den Hafen von Newry belebt, und welche riesigen Waarenmagazine und
stattlichen Wohnhuser den Boden bedeckt haben wrden, den jetzt die
schmutzigen Gassen von Dundalk einnahmen. Das Land, hrte man ihn
sagen, ist werth, da man darum kmpft.


[_Die irlndische Armee zieht sich zurck._] Jakob scheint ursprnglich
beabsichtigt zu haben, an der Grenze zwischen Leinster und Ulster das
Glck einer Schlacht zu versuchen. Dieser Plan wurde jedoch, wie es
scheint auf Lauzun's Vorstellungen hin, wieder aufgegeben, denn ihm
klangen Louvois' Ermahnungen noch immer in den Ohren, obgleich er sehr
wenig geneigt und sehr wenig geschickt dazu war, einen Feldzug nach dem
Fabianischen System zu fhren.[9] Obwohl Jakob entschlossen war, Dublin
nicht ohne eine Schlacht aufzugeben, willigte er doch ein sich bis zu
einer Stelle zurckzuziehen, wo er den Vortheil des Terrains fr sich
hatte. Als daher Wilhelm's Vorhut Dundalk erreichte, war von der
irlndischen Armee nichts als eine groe Staubwolke zu sehen, die sich
langsam in sdlicher Richtung gegen Ardee hin wlzte. Die Englnder
campirten eine Nacht in der Nhe des Ortes, wo Schomberg im vorigen
Jahre sein Lager aufgeschlagen hatte, und manche schmerzliche
Erinnerungen wurden durch den Anblick des den Sumpfes geweckt, der das
Grab vieler tausend tapferer Mnner geworden war.[10]

Wilhelm rckte jedoch weiter vor und die Irlnder zogen sich fortwhrend
vor ihm zurck, bis seine Armee, in drei Colonnen marschirend, am Morgen
des 30.Juni den Kamm eines Hhenzuges unweit der Sdgrenze der
Grafschaft Louth erreichte. Zu ihren Fen lag ein Thal, jetzt so
fruchtbar und lieblich, da der hinabsehende Englnder sich in einen der
bevorzugtesten Theile seines bevorzugten Vaterlandes versetzt glauben
kann. Weizenfelder, Waldungen und blumige Wiesen ziehen sich sanft
abfallend bis ans Ufer des Boyne hinunter. Dieser schne und ruhige
Strom, der die Grenze von Louth und Meath bildet, ergiet sich, nachdem
er viele Meilen zwischen grnen, mit modernen Palsten und mit den
verfallenen Burgen der unter englischer Oberhoheit gestandenen
normnnischen Barone bedeckten Ufern dahin gestrmt ist, nicht weit von
hier in das Meer. Fnf Meilen westlich von der Stelle, wo Wilhelm auf
den Flu hinabsah, erhebt sich jetzt am grnenden Ufer, von stolzen
Forsten umgeben, Slane Castle, das Schlo des Marquis von Conyngham.
Zwei Meilen stlich lagert eine Rauchwolke aus den Schornsteinen der
Fabriken und Dampfschiffe ber der lebhaften Stadt und dem Hafen von
Drogheda. Auf der Meather Seite des Boyne steigt der Boden, noch immer
allenthalben mit Kornfeldern, Wiesen, Blumen und Bumen bedeckt, sanft
zu einer Anhhe auf, die mit einer Gruppe von Eschen gekrnt ist, welche
die verfallene Kirche und den verdeten Gottesacker von Donore
beschatten.[11]

Im 17.Jahrhundert gewhrte die Landschaft einen ganz andren Anblick.
Von Kunst und Industrie waren nur wenige Spuren vorhanden. Auf dem
Flusse sah man kaum ein andres Fahrzeug als die rohen Fischerbte von
mit Pferdehuten berzogenem Flechtwerk, deren sich das celtische
Landvolk zum Forellen- und Lachsfang bediente. Drogheda, das gegenwrtig
zwanzigtausend betriebsame Einwohner zhlt, war damals ein kleiner
Knuel enger und schmutziger Gassen, von einem Graben und einem Walle
umgeben. Die Huser waren von Holz, mit hohen Giebeln und vorspringendem
Obergestocke. Auerhalb der Stadtmauer war kaum eine menschliche Wohnung
zu sehen, auer an einer Stelle Namens Oldbridge. Bei Oldbridge war der
Flu passirbar und sdlich von der Furth standen einige Lehmhtten und
ein einziges aus festeren Materialien erbautes Haus.


[_Die Irlnder halten am Boyne Stand._] Als Wilhelm das Thal des Boyne
erblickte, konnte er einen Ausruf und eine Bewegung der Freude nicht
unterdrcken. Er hatte gefrchtet, da der Feind eine entscheidende
Schlacht vermeiden und den Krieg so lange hinziehen wrde, bis die
Herbstregen mit ihrem Gefolge von Krankheiten wiederkehrten. Diese
Besorgni schwand jetzt, und er hatte die Gewiheit, da der Kampf hei
und kurz sein wrde. Jakob's Zelt war auf der Hhe von Donore
aufgeschlagen und die Fahnen des Hauses Stuart und des Hauses Bourbon
wehten nebeneinander herausfordernd auf den Wllen von Drogheda. Das
ganze sdliche Fluufer war mit den Lagerzelten und Batterien der
feindlichen Armee bedeckt. Tausende von Kriegern bewegten sich durch die
Zeltgassen und jeder Soldat, ob Reiter oder Infanterist, ob Franzos oder
Irlnder, hatte ein weies Feldzeichen am Hut. Diese Farbe war aus
Artigkeit gegen das Haus Bourbon gewhlt worden. Ich bin erfreut Euch
zu sehen, Gentlemen, sagte der Knig, als sein scharfes Auge die
irischen Reihen berblickte. Wenn Ihr mir jetzt entkommt, so ist es
meine eigne Schuld.[12]


[_Die Armee Jakob's._] Jeder der beiden einander feindlich
gegenberstehenden Frsten hatte einige Vortheile ber seinen Rivalen.
Jakob hatte, in der Defensive, hinter Verschanzungen und mit einem
Flusse vor sich, die strkere Position;[13] aber seine Truppen standen
hinsichtlich der Anzahl wie der Brauchbarkeit denen seines Gegners nach.
Er mochte ber etwa dreiigtausend Mann zu verfgen haben. Ungefhr ein
Drittel dieser Streitmacht bestand aus vortrefflicher franzsischer
Infanterie und vortrefflicher irischer Cavallerie; der Rest seiner Armee
aber war das Gesptt von ganz Europa. Die irischen Dragoner waren
schlecht; die irische Infanterie noch schlechter. Man sagte damals, ihre
gewhnliche Art zu fechten bestehe darin, da sie ihre Gewehre einmal
abfeuerten und dann mit dem Geheul Pardon! und Mord! davonliefen.
Ihre Unbrauchbarkeit wurde damals von ihren Feinden wie von ihren
Verbndeten allgemein natrlicher Feigheit Schuld gegeben. Wie
ungegrndet diese Beschuldigung war, ist seitdem durch viele
Heldenthaten in allen Weltgegenden glnzend bewiesen worden. Es htte in
der That selbst im 17.Jahrhundert verstndigen Mnnern wohl einleuchten
knnen, da ein Volk, das mit die beste Reiterei von der Welt lieferte,
bei richtiger Ausbildung gewi auch gute Fusoldaten liefern wrde. Der
grte unserer Feldherren erklrte zu wiederholten Malen und ganz
entschieden, da selbst die herrliche Armee, die sich unter seinen
Befehlen von Torres Vedras bis Toulouse durchschlug, binnen wenigen
Wochen zu allen militrischen Zwecken untauglich geworden sein wrde,
wenn man ihr gestattet htte, sich das Plndern anzugewhnen. Was konnte
man also wohl von Truppen erwarten, denen man vom ersten Tage ihres
Eintritts in die Armee nicht nur erlaubt, sondern die man sogar
aufgefordert hatte, sich fr den geringen Sold durch Plndern zu
entschdigen? Sie waren, wie es kaum anders sein konnte, ein bloer
Haufen Gesindel, zwar wthend und lrmend in ihrem Eifer fr die Sache,
der sie sich geweiht hatten, aber unfhig einem wohlorganisirten
Truppencorps beharrlichen Widerstand zu leisten. In der That, die
Disciplin, wenn man es so nennen darf, der Armee Jakob's hatte fr den
celtischen Kerne weiter nichts gethan als da sie ihn erniedrigte und
entnervte. Nach einem anderthalbjhrigen nominellen Soldatendienste war
er factisch noch eben so weit davon entfernt, ein Soldat zu sein, wie an
dem Tage, da er seine Htte mit dem Feldlager vertauschte.


[_Die Armee Wilhelm's._] Wilhelm hatte unter seinen Befehlen nahe an
sechsunddreiigtausend Mann, die aus vieler Herren Lnder stammten und
vielerlei Sprachen redeten. Kaum eine einzige protestantische Kirche,
kaum eine einzige protestantische Nation war nicht vertreten in dieser
Armee, welche durch eine wunderbare Kette von Ereignissen dahin gebracht
worden war, auf der entlegensten Insel des Westens fr den
protestantischen Glauben zu kmpfen. Ungefhr die Hlfte der Truppen
waren geborene Englnder. Unter ihnen befand sich Ormond mit den
Leibgarden und Oxford mit den Blauen. Sir Johann Lanier, ein Offizier,
der sich auf dem Continent militrische Erfahrung erworben hatte und
dessen kluge Umsicht hoch geschtzt wurde, stand an der Spitze des
Reiterregiments der Knigin, jetzt das elfte der Dragonergarden. Ferner
war Beaumont's Infanterie dabei, die sich Jakob's Befehl zum Trotz
geweigert hatte, irische Papisten in ihre Reihen aufzunehmen, und
Hastings' Infanterie, die an dem unglcklichen Tage von Killiecrankie
den militrischen Ruf des schsischen Stammes gerettet hatte. Ferner die
beiden Tangerschen Bataillone, bis dahin nur durch Gewaltthtigkeiten
und Rubereien bekannt, aber dazu bestimmt, am folgenden Morgen eine
lange Ruhmeslaufbahn zu beginnen. Die schottischen Garden kmpften unter
dem Commando ihres Landsmannes Jakob Douglas. Zwei schne englische
Regimenter, welche im Dienste der Generalstaaten gestanden und unter
Wilhelm's Anfhrung schon oft dem Tode ins Angesicht geblickt hatten,
begleiteten ihn in diesem Feldzuge nicht nur als ihren General, sondern
auch als ihren vaterlndischen Knig. Sie heien gegenwrtig das fnfte
und sechste der Linie. Das erstere wurde von einem Offizier gefhrt, der
nur geringe Kenntni von den hheren Zweigen der Kriegswissenschaft
hatte, den aber die ganze Armee als den Tapfersten der Tapferen
anerkannte, von Johann Cutts. Unter den hollndischen Truppen zeichneten
sich Portland's und Ginkell's Reiter und Solms' blaues Regiment, aus
zweitausend Mann der schnsten Infanterie von Europa bestehend,
namentlich aus. Deutschland hatte einige seinen vornehmsten Familien
entsprossene Krieger ins Feld geschickt. Prinz Georg von
Hessen-Darmstadt, ein tapferer Jngling, der seine Lehrzeit in der
Kriegskunst bestand, ritt zur Seite des Knigs. Eine starke Brigade
dnischer Sldlinge wurde vom Herzog Karl Friedrich von Wrtemberg
befehligt, einem nahen Verwandten des Oberhauptes seiner erlauchten
Familie. Man sagte, da die Irlnder unter allen Soldaten Wilhelm's
diese an meisten frchteten. Denn Jahrhunderte schsischer Oberhoheit
hatten die Erinnerung an die Gewaltthtigkeit und Grausamkeit der
skandinavischen Seeknige nicht verwischt, und eine alte Prophezeiung,
da die Dnen dereinst die Kinder des Landes vernichten wrden, wurde
noch immer mit aberglubischem Entsetzen wiederholt.[14] Unter den
fremden Hlfstruppen befanden sich ein brandenburgisches und ein
finnlndisches Regiment. Doch in diesem groen, aus so verschiedenen
Elementen zusammengesetzten Heere waren zwei Corps von einem ganz
besonders wilden und unvershnlichem Geiste beseelt: die franzsischen
Hugenotten, welche nach dem Blute der Franzosen lechzten, und die
irischen Englnder, die es nicht erwarten konnten, die eingeborenen
Irlnder niederzutreten. Die Reihen der Refugis waren von Spionen und
Verrthern wirksam gesubert worden und bestanden aus Mnnern, wie sie
im vorhergehenden Jahrhundert gegen die Macht des Hauses Valois und
gegen das Genie des Hauses Lothringen gekmpft hatten. Alle furchtlosen
Mnner der unbesiegbaren Colonie hatten sich in Wilhelm's Lager begeben;
so Mitchelburne mit den hartnckigen Vertheidigern Londonderry's, und
Wolseley mit den Kriegern, welche am Tage von Newton Butler einstimmig
Vorrcken gerufen hatten. Sir Albert Conyngham, der Ahnherr der edlen
Familie, deren Stammschlo jetzt auf den Boyne herniedersieht, hatte aus
der Umgegend des Ernesees ein tapferes Dragonerregiment herbeigefhrt,
das noch heute stolz ist auf den Namen Enniskillen und das an den Ufern
des Schwarzen Meeres bewiesen hat, da es seit der Schlacht am Boyne
noch nicht ausgeartet ist.[15]


[_Walker, nunmehriger Bischof von Derry, begleitet die Armee._] Walker
begleitete trotz seines vorgerckten Alters und seines friedlichen
Berufs die Mnner von Londonderry und suchte durch Wort und Beispiel
ihren Eifer anzuspornen. Er war jetzt ein angesehener Prlat. Hesekiel
Hopkins war vor den papistischen Verfolgern und presbyterianischen
Rebellen nach London geflchtet, hatte es ber sich gewonnen, der
Regierung Treue zu schwren, hatte eine Pfarre erhalten und war in der
Ausbung der bescheidenen Amtspflichten eines Pfarrgeistlichen
gestorben.[16] Wilhelm erfuhr auf seinem Marsche durch Louth, da das
reiche Bisthum Derry zu seiner Verfgung stand, und er ernannte sofort
Walker zum neuen Bischofe. Der wackere Greis wurde whrend der wenigen
Stunden, die ihm noch zu leben vergnnt waren, mit Huldigungen und
Beglckwnschungen berhuft. Unglcklicherweise war bei ihm von der
Belagerung her, in der er sich so glnzend ausgezeichnet, eine
Leidenschaft fr das Kriegshandwerk zurck geblieben, und er redete sich
leicht ein, da er eine Pflicht gegen sein Vaterland und gegen seine
Religion erflle, wenn er sich dieser Leidenschaft hingebe. Er htte
bedenken sollen, da die auergewhnlichen Umstnde, die ihn damals
berechtigt hatten, die Waffen zu ergreifen, nicht mehr existirten und
da ein kmpfender Priester in einer disciplinirten Armee, welche von
erfahrenen und berhmten Generlen gefhrt wird, viel wahrscheinlicher
im Wege ist als etwas ntzen kann. Der neuerwhlte Bischof hatte sich
vorgenommen, berall zu sein wo die Gefahr am grten war, und die Art
und Weise, wie er sich der Gefahr aussetzte, erregte das uerste
Mifallen seines kniglichen Gnners, der einen Zudringlichen eben so
wenig leiden konnte wie einen Feigling. Ein Soldat, der aus der Schlacht
davonlief, und ein Geistlicher, der sich in die Schlacht drngte, waren
die beiden Dinge, welche Wilhelm am meisten verdrossen.


[_Wilhelm recognoscirt die Stellung der Irlnder._] Es war noch frh am
Tage. Der Knig ritt langsam am nrdlichen Ufer des Flusses hin und
beobachtete aufmerksam die Stellung der Irlnder, von denen er zuweilen
nur durch einen Zwischenraum von wenig mehr als zweihundert Fu getrennt
war. Er war begleitet von Schomberg, Ormond, Sidney, Solms, Prinz Georg
von Hessen, Coningsby und Anderen. Ihre Armee ist nur klein, sagte
einer der hollndischen Offiziere. Sie schien in der That aus nicht mehr
als sechzehntausend Mann zu bestehen. Aus dem Munde von Ueberlufern
wute man aber, da viele Regimenter durch die Erhabenheiten des
Terrains verborgen wurden. Sie sind vielleicht strker als sie
aussehen, bemerkte Wilhelm; aber mgen sie schwach oder stark sein,
ich werde bald ins Reine darber kommen.[17]

Endlich stieg er an einer Stelle, Oldbridge fast gerade gegenber, ab,
setzte sich ins Gras nieder, um auszuruhen und rief nach dem Frhstck.
Die Saumrosse wurden ihrer Brde entledigt, die Feldflaschen geffnet
und ein Tischtuch auf den Rasen gebreitet. Der Ort wird durch einen
Obelisk bezeichnet, der zu einer Zeit errichtet wurde, als viele
Veteranen, die sich der Ereignisse jenes Tages erinnern konnten, noch am
Leben waren.


[_Wilhelm wird verwundet._] Whrend Wilhelm das Frhstck einnahm,
zeigte sich auf dem andern Ufer dicht am Wasser ein Trupp Reiter. Man
konnte darunter einige erkennen, die einst bei den Revuen in Hydepark
und auf den Bllen in der Gallerie von Whitehall geglnzt hatten: den
jugendlichen Berwick, den kleinen Lauzun mit seinen schnen Haaren,
Tyrconnel, vor Zeiten von den Hoffrulein als das Ideal mnnlicher Kraft
und Schnheit bewundert, jetzt aber vom Alter gebeugt und vom Podagra
gelhmt, und ber Alle emporragend das stolze Haupt Sarsfield's.

Die Anfhrer der irischen Armee entdeckten bald, da der Mann, der, von
einer glnzenden Suite umgeben, am entgegengesetzten Ufer frhstckte,
der Prinz von Oranien war, und sie schickten sofort nach Artillerie.
Zwei Feldstcke, durch einen Reitertrupp maskirt, wurden fast bis an den
Rand des Flusses gebracht und hinter einer Hecke aufgefahren. Wilhelm,
der eben aufgestanden und wieder zu Pferde gestiegen war, war der
Zielpunkt fr beide Geschtze. Der erste Schu traf eines der
Pistolenholster des Prinzen Georg von Hessen und ri sein Pferd zu Boden
O, rief der Knig, der arme Prinz ist todtgeschossen! Kaum waren
diese Worte ber seine Lippen, so traf ihn selbst eine zweite Kugel, ein
Sechspfnder. Sie zerri ihm den Rock, streifte seine Schulter und
entzog ihm einige Unzen Blut. Beide Armeen sahen, da der Schu
getroffen hatte, denn der Knig sank einen Augenblick auf den Hals
seines Pferdes nieder. Im irischen Lager erscholl ein lautes
Jubelgeschrei; die Englnder und ihre Verbndeten erschraken. Solms
warf sich auf die Erde nieder und brach in Thrnen aus. Wilhelm's
Haltung beruhigte jedoch seine Freunde bald wieder. Es ist mir nichts
geschehen, sagte er; aber die Kugel kam gerade nahe genug. Coningsby
legte sein Taschentuch auf die Wunde, es wurde nach einem Wundarzt
geschickt, der einen Verband anlegte, und sobald dies geschehen war,
ritt der Knig unter lauten Zurufen durch alle Posten seiner Armee. Die
Energie seines Geistes war so gro, da er trotz seiner Krnklichkeit
und trotz der eben erhaltenen Verletzung an diesem Tage neunzehn Stunden
auf dem Pferde zubrachte.[18]

Die Kanonade wurde auf beiden Seiten bis zum Abend unterhalten. Wilhelm
beobachtete mit besonderer Aufmerksamkeit den Eindruck, den die irischen
Schsse auf diejenigen englischen Regimenter machten, welche noch nie im
Feuer gestanden hatten, und er erklrte sich mit dem Resultate seiner
Beobachtungen zufrieden. Es geht Alles gut, sagte er, sie halten
Stand im Feuer. Lange nach Sonnenuntergang inspicirte er seine Truppen
noch einmal bei Fackelschein und gab Befehl, da alle nthigen
Vorkehrungen getroffen wurden, um am nchsten Morgen den Uebergang ber
den Flu zu erzwingen. Jeder Soldat sollte einen grnen Zweig am Hute
tragen, das Gepck und die Ueberrcke wurden unter der Obhut einer Wache
zurckgelassen, die Parole war Westminster.

Der Entschlu des Knigs, die Irlnder anzugreifen, wurde nicht von
allen seinen Unteranfhrern gebilligt. Schomberg insbesondere erklrte
das Unternehmen fr zu gewagt und zog sich, da er berstimmt wurde,
nicht in der besten Laune in sein Zelt zurck. Als ihm der Befehl zum
Kampfe berbracht wurde, brummte er vor sich hin, er sei mehr gewhnt,
solche Befehle zu geben, als zu empfangen. Diese kleine Anwandlung von
Verdru, welche man einem General, der groe Siege erfochten hatte, als
sein Gebieter noch ein Kind war, wohl verzeihen konnte, machte der
tapfere Veteran am folgenden Morgen glnzend wieder gut.


[_Schlacht am Boyne._] Der 1.Juli brach an, ein Tag, der seitdem nie
wiedergekehrt ist, um in den beiden Vlkerstmmen, die sich in Irland
theilen, die verschiedenartigsten Gefhle zu erwecken. Die Sonne ging
strahlend an einem wolkenlosen Himmel auf. Bald nach vier Uhr waren
beide Armeen in Bewegung. Wilhelm befahl seinem rechten Flgel unter den
Befehlen Meinhart Schomberg's, eines Sohnes des Herzogs, nach der Brcke
von Slane, einige Meilen stromaufwrts, zu marschiren, den Flu zu
passiren und den linken Flgel der irischen Armee zu umgehen. Meinhart
Schomberg hatte Portland und Douglas zur Seite. Jakob, der eine solche
Absicht vermuthete, hatte schon ein Dragonerregiment unter dem Commando
Sir Neill's O'Neill nach der Brcke abgesandt. O'Neill benahm sich als
tapferer Offizier, wurde aber bald tdtlich verwundet; seine Leute
ergriffen die Flucht, und der rechte Flgel der Englnder ging ber den
Flu.

Diese Bewegung beunruhigte Lauzun. Wie, wenn der englische rechte
Flgel in den Rcken der Armee Jakob's gelangte? Ungefhr vier Meilen
sdlich vom Boyne lag ein Ort Namens Duleek, wo die Strae nach Dublin
so schmal war, da nicht zwei Wagen einander ausweichen konnten, und wo
zu beiden Seiten der Strae ein Sumpf war, der dem Fue keinen festen
Halt bot. Wenn Meinhart Schomberg diese Stelle besetzte, so war den
Irlndern der Rckzug abgeschnitten und sie muten entweder siegen oder
sich bis auf den letzten Mann niederhauen lassen. In Folge dieser
Befrchtung brach der franzsische General mit seinen Landsleuten und
mit Sarsfield's Reitern nach der Brcke von Slane auf, und die
Vertheidigung der Furthen bei Oldbridge blieb den Irlndern allein
berlassen.

Es war jetzt bald zehn Uhr. Wilhelm stellte sich an die Spitze seines
linken Flgels, der ausschlielich aus Reiterei bestand, und traf
Anstalten, nicht weit oberhalb Drogheda den Flu zu passiren; das
Centrum seiner Armee, das fast lediglich aus Infanterie bestand, wurde
dem Commando Schomberg's anvertraut und Oldbridge gegenber aufgestellt.
Bei Oldbridge war die ganze irische Infanterie versammelt, das Meather
Ufer wimmelte von Piken und Bayonetten. Die franzsischen Ingenieurs
hatten aus den Hecken und Gebuden eine Fortificationslinie gebildet und
dicht am Wasser eine Brustwehr aufgeworfen.[19] Hier befand sich
Tyrconnel; unter ihm commandirten Richard Hamilton und Antrim.

Schomberg gab die Parole und Solms' Blaue setzten sich zuerst in
Bewegung. Unter Trommelwirbel rckten sie muthig bis an den Rand des
Flusses vor. Dann schwiegen die Trommeln und die Leute gingen zehn Mann
hoch ins Wasser. Nach ihnen stiegen die Regimenter Londonderry und
Enniskillen ins Wasser. Ein wenig links von diesen beiden Regimentern
durchwatete Caillemot an der Spitze einer langen Colonne franzsischer
Refugis den Strom. Zur Linken Caillemot's und seiner Refugis arbeitete
sich das Gros der englischen Infanterie, bis unter die Arme im Wasser,
durch den Flu. Noch weiter stromabwrts fanden die Dnen noch eine
Furth. Binnen wenigen Minuten war der Boyne eine Viertelmeile weit mit
Gewehren und grnen Zweigen bedeckt.

Erst als die Angreifenden die Mitte des Flusses erreicht hatten,
erkannten sie die ganze Schwierigkeit und Gefahr des begonnenen
Unternehmens. Sie hatten bisher noch wenig mehr als die Hlfte der
feindlichen Armee gesehen; jetzt schienen ganze Infanterie- und
Cavallerieregimenter aus der Erde zu wachsen. Ein wildes
herausforderndes Geschrei ertnte das ganze Ufer entlang und einen
Augenblick schien der Ausgang zweifelhaft; aber die Protestanten drangen
entschlossen vorwrts und im nchsten Augenblicke wich die ganze irische
Schlachtlinie zurck Tyrconnel sah in rathloser Verzweiflung zu. Es
fehlte ihm nicht an persnlicher Tapferkeit, aber seine militrischen
Kenntnisse waren so gering, da er kaum einmal sein Regiment im
Phnixpark die Revue passiren lie, ohne einen Fehler zu machen, und die
rings umher sich ffnenden Reihen wieder zu sammeln, war keine Aufgabe
fr einen General, der die Energie seines Krpers und seines Geistes
berlebt und doch noch die Anfangsgrnde seiner Berufswissenschaft zu
lernen hatte. Mehrere von seinen besten Offizieren fielen, whrend sie
umsonst ihre Soldaten dahin zu bringen versuchten, den hollndischen
Blauen ins Angesicht zu blicken. Richard Hamilton beorderte eine
Abtheilung Fuvolk, ber die franzsischen Refugis herzufallen, welche
noch tief im Wasser standen. Er trat selbst an ihre Spitze und ging,
begleitet von mehreren tapferen Offizieren mit gezogenem Degen ins
Wasser. Aber weder seine Befehle, noch sein Beispiel konnten diesem
Haufen von Viehdieben Muth einhauchen. Er wurde fast allein gelassen und
zog sich in Verzweiflung vom Ufer zurck. Weiter stromabwrts lief
Antrims' Division gleich einer Heerde Schaafe beim Anrcken der
englischen Colonne davon. Ganze Regimenter warfen Waffen, Fahnen und
Monturstcke fort und flohen ins Gebirge, ohne einen Schlag gethan oder
einen Schu abgefeuert zu haben.[20]

Es bedurfte vieler Jahre und vieler Heldenthaten, um den Vorwurf
zu verwischen, den diese schimpfliche Flucht an dem irischen Namen
zurcklie. Und doch wurde es noch vor dem Ende des Tages glnzend
bewiesen, da der Vorwurf ungerecht war. Richard Hamilton stellte sich
an die Spitze der Cavallerie und sie machte unter seinem Commando
einen tapferen, wenn auch fruchtlosen Versuch, die Ehre des Tags zu
retten. Sie bestand einen verzweifelten Kampf im Flusse mit Solms'
Blauen, trieb die dnische Brigade ins Wasser zurck und fiel ungestm
ber die hugenottischen Regimenter her, welche zu weichen begannen, da
sie nicht mit Piken versehen waren, deren sich die Infanterie damals
gewhnlich bediente, um einen Reiterangriff zurckzuschlagen. Caillemot
erhielt, whrend er seine Mitverbannten anfeuerte, eine tdtliche Wunde
in den Schenkel. Vier von seinen Leuten trugen ihn durch die Furth
zurck in sein Zelt. Auf diesem traurigen Wege trieb er die letzten
Reihen, welche noch bis in die Brust im Wasser standen, noch immer zum
Vorrcken an. Weiter, weiter, meine Burschen! zum Ruhm, zum Ruhm!
Schomberg, der am nrdlichen Ufer geblieben war und von hier aus das
Vorrcken seiner Truppen mit dem Auge eines Generals berwacht hatte,
meinte jetzt, da die Lage der Dinge die persnliche Anstrengung des
Soldaten von ihm verlange. Seine Umgebung drang vergebens in ihn, da
er den Kra anlegen mchte. Ohne die schtzende Rstung ritt er durch
den Flu und sammelte die Refugis wieder, welche Caillemot's Fall in
Verwirrung gebracht hatte. Vorwrts, meine Herren, vorwrts! rief er,
auf die papistischen Schwadronen zeigend, in franzsischer Sprache,
dort sind Ihre Verfolger! dies waren seine letzten Worte. Whrend er
sprach, drang ein Trupp irischer Reiter auf ihn ein und umringte ihn
auf einen Augenblick. Als sie sich wieder entfernten, lag er am Boden.
Seine Freunde hoben ihn auf, aber er war schon eine Leiche. Er hatte
zwei Sbelhiebe am Kopfe und eine Carabinerkugel im Halse. Fast in dem
nmlichen Augenblicke wurde Walker, als er eben die Colonisten von
Ulster ermahnte, sich als Mnner zu zeigen, todtgeschossen. Ziemlich
eine halbe Stunde lang wthete der Kampf am sdlichen Fluufer fort.
Rauch, Staub und Getse erfllten die Luft. Alte Soldaten hrte man
sagen, da sie selten in den Niederlanden heiere Arbeit gesehen
htten. Gerade in diesem Augenblicke kam Wilhelm mit dem linken Flgel
an. Die Passage durch den Flu hatte ihn wegen der starken Strmung
viel Mhe gekostet. Sein Pferd hatte schwimmen mssen und war fast im
Schlamme stecken geblieben. Sobald der Knig wieder auf festem Boden
stand, nahm er sein Schwert in die linke Hand, -- denn den rechten Arm
konnte er wegen seiner Wunde und wegen des Verbandes nicht gebrauchen,
-- und fhrte seine Leute dahin wo das Gefecht am hitzigsten war.
Seine Ankunft entschied den Ausgang der Schlacht. Die irischen Reiter
zogen sich jedoch nur hartnckig fechtend zurck. Man erinnerte sich
noch lange unter den Protestanten von Ulster, da Wilhelm inmitten
des Getmmels an die Spitze der Enniskillener ritt. Was wollt Ihr
fr mich thun? rief er aus. Er wurde nicht gleich erkannt und ein
Reiter, der ihn fr einen Feind hielt, wollte schon auf ihn feuern.
Wilhelm schob den Carabiner sanft zur Seite und sagte: Wie? kennt Ihr
Eure Freunde nicht? -- Es ist Seine Majestt! rief der Oberst. Ein
freudiges Hurrah erscholl in den Reihen der standhaften Protestanten.
Gentlemen, sagte Wilhelm, Ihr sollt heute meine Garden sein. Ich
habe viel von Euch gehrt, lat mich einmal etwas sehen. Es war
eine der merkwrdigsten Eigenthmlichkeiten dieses fr gewhnlich so
finsteren und schweigsamen Mannes, da die Gefahr eine hnliche Wirkung
wie der Wein auf ihn uerte, ihm das Herz ffnete, die Zunge lste
und seinem Benehmen jeden Anschein von Gezwungenheit entzog. An diesen
denkwrdigen Tagen sah man ihn berall wo die Gefahr am grten war.
Eine Kugel traf die Kappe seines Pistols, eine andre ri den Absatz
seines Stiefels fort; aber seine Leutnants drangen vergeblich in ihn,
da er sich auf einen Posten zurckziehen mchte, von wo er seine
Befehle ertheilen konnte, ohne ein fr ganz Europa so kostbares Leben
zu gefhrden. Durch sein Beispiel angespornt, gewannen seine Truppen
sehr bald Boden. Die irische Reiterei machte zum letzten Male Halt bei
einem Hause Namens Plottin Castle, ungefhr anderthalb Meilen sdlich
von Oldbridge. Hier wurden die Enniskillener mit einem Verluste von
funfzig Mann geworfen und hitzig verfolgt, bis Wilhelm sie wieder
sammelte und die Verfolgung umkehrte. In diesem Gefecht wurde Richard
Hamilton, der Alles gethan hatte was Tapferkeit thun konnte, um
seinen durch Treulosigkeit verwirkten Ruf wieder zu erlangen, schwer
verwundet, gefangen genommen und auf der Stelle durch Pulverdampf und
Gemetzel vor den Frsten gefhrt, gegen den er so schwer gesndigt
hatte.[21] Bei keiner Gelegenheit zeigte sich Wilhelm's Character
augenflliger. Sind wir fertig, sagte er zu ihm, oder werden Ihre
Reiter noch lnger kmpfen? -- Bei meiner Ehre, Sire, antwortete
Hamilton, ich glaube sie werden es. -- Ihre Ehre! murmelte Wilhelm;
Ihre Ehre! Dieser halbunterdrckte Ausruf war die einzige Rache, die
er fr eine Beleidigung zu nehmen sich herablie, fr welche mancher in
seinem gewhnlichen Umgange viel freundlichere und huldreichere Frst
eine furchtbare Wiedervergeltung gebt haben wrde. Hierauf befahl er,
sich gewaltsam bezwingend, seinem eignen Wundarzte, die Verletzungen
des Gefangenen zu untersuchen.[22]

Die Schlacht war vorber. Hamilton irrte sich, indem er glaubte seine
Reiter wrden den Kampf fortsetzen. Ganze Corps waren zusammengehauen
worden. Ein schnes Regiment hatte nur noch dreiig nicht verwundete
Leute. Es war genug, da diese tapferen Soldaten das Feld behauptet, bis
sie keine Untersttzung, keine Hoffnung, keine Leitung mehr hatten, bis
ihr tapferster Anfhrer gefangen und ihr Knig geflohen war.


[_Jakob's Flucht._] Ob Jakob seinen frheren Ruf der Tapferkeit dem
Zufalle und der Schmeichelei verdankte, oder ob sein Character mit den
vorgerckten Jahren sich vernderte, ist ungewi. Gewi ist, da man in
seiner Jugend von ihm glaubte, er besitze nicht nur das gewhnliche Ma
von Tapferkeit, das einen Soldaten befhigt, einen Feldzug ohne Schande
zu bestehen, sondern auch die hhere und heitere Unerschrockenheit,
welche den groen Feldherrn characterisirt.[23] Eben so gewi ist aber,
da er in seinen spteren Jahren zu wiederholten Malen bei
Gelegenheiten, wie sie oftmals zaghafte und schwache Frauen mit einem
heroischen Muthe beseelt haben, eine kleinmthige Besorgni um seine
persnliche Sicherheit an den Tag legte. Die Blicke seiner Zeitgenossen
und der Nachwelt, von Freunden, die seiner Sache treu ergeben waren, und
von Feinden, die seine Demthigung mit Ungeduld erwarteten, waren auf
ihn gerichtet. Er hatte seiner Meinung nach geheiligte Rechte zu
behaupten und schwere Unbilden zu rchen. Er war ein Knig, der gekommen
war, um drei Knigreiche zu kmpfen. Er war ein Vater, der gekommen war,
um das Geburtsrecht seines Kindes zu kmpfen. Er war ein eifriger
Katholik, der gekommen war, im heiligsten aller Kreuzzge zu fechten.
Wenn alles dies noch nicht genug war, so hatte er von der sicheren
Stellung, die er auf der Anhhe von Donore einnahm, einen Anblick vor
sich, von dem man htte denken sollen, da er den stumpfsinnigsten
Menschen htte zum Wetteifer anspornen mssen. Er sah seinen Nebenbuhler
schwach, krnklich und verwundet durch den Flu schwimmen, sich durch
den Schlamm kmpfen, den Angriff leiten, die Flucht aufhalten, das
Schwert in die linke Hand nehmen und die Zgel mit einem verbundenen
Arme fhren. Aber nichts von dem Allen machte einen Eindruck auf diese
schwerfllige und unedle Natur. Aus sicherer Entfernung beobachtete er
den Anfang der Schlacht, von welcher sein und seines Hauses Schicksal
abhing. Als es klar wurde, da die Schlacht einen fr Irland ungnstigen
Ausgang nahm, bemchtigte sich seiner die Befrchtung, da ihm die
Flucht abgeschnitten werden knnte, und er brach daher im Galopp nach
Dublin auf. Er war begleitet von einer Leibgarde unter dem Commando
Sarsfield's, der an diesem Tage keine Gelegenheit gehabt hatte, die
Geschicklichkeit und den Muth zu entfalten, welche selbst seine Feinde
ihm nicht absprechen.[24] Die franzsischen Hlfstruppen, welche den
ganzen Morgen dazu verwendet worden waren, Wilhelm's rechten Flgel in
Schach zu halten, deckten die Flucht der geschlagenen Armee. Sie waren
in der That in Gefahr, durch den Strom der Fliehenden, von denen jeder
zuerst den Engpa von Duleek erreichen wollte, durchbrochen und mit
fortgerissen zu werden, und sie mute deshalb zu wiederholten Malen auf
diese verachtungswerthen Bundesgenossen feuern.[25] Indessen wurde der
Rckzug mit geringerem Verlust bewerkstelligt, als man htte erwarten
sollen. Denn selbst Wilhelm's Bewunderer gestanden zu, da er die
Verfolgung nicht mit der Energie betrieben, die er, wie selbst seine
Verleumder anerkannten, in der Schlacht gezeigt halte. Vielleicht hatten
seine Krnklichkeit, seine Wunde und die bestandenen Strapatzen ihn zu
krperlicher und geistiger Anstrengung unfhig gemacht. Er hatte von
den letzten vierzig Stunden fnfunddreiig auf dem Pferde zugebracht,
und Schomberg, der ihn htte ersetzen knnen, war nicht mehr. Man sagte
im Lager, da der Knig nicht Alles thun knne und da was er nicht
thte, berhaupt gar nicht gethan wrde.


[_Verlust der beiden Armeen._] Das Gemetzel war geringer gewesen als auf
irgend einem andren Schlachtfelde von gleicher Wichtigkeit und
Berhmtheit. Von den Irlndern waren nur etwa funfzehnhundert Mann
gefallen; aber fast lauter Cavaliere, die Elite der Armee, tapfere und
wohl disciplinirte Leute, die so leicht nicht zu ersetzen waren. Wilhelm
gab strenge Ordre, da kein unnthiges Blutvergieen stattfinden solle,
und verlieh diesem Befehle durch einen Act lobenswerther Strenge
Nachdruck. Einer seiner Soldaten hieb, nachdem der Kampf vorber war,
noch drei wehrlose Irlnder nieder, die um Pardon baten. Der Knig
befahl, den Mrder auf der Stelle zu hngen.[26]

Der Verlust der Sieger berstieg nicht fnfhundert Mann; aber der grte
Feldherr Europa's war darunter. Seinem Leichname wurde jede erdenkliche
Ehre erwiesen. Die einzige Ruhesttte, die einem so berhmten Krieger,
der im Kampfe fr die Freiheiten und die Religion England's gefallen
war, gebhrte, war die durch den Staub vieler Generationen von Frsten,
Helden und Dichtern geheiligte und ehrwrdige Abtei. Es wurde bekannt
gemacht, da der tapfere Veteran ein ffentliches Leichenbegngni zu
Westminster haben solle. Einstweilen wurde sein Leichnam mit soviel
Geschicklichkeit als im Lager zu finden war, einbalsamirt und in einen
bleiernen Sarg gelegt.[27]

Walker wurde minder ehrerbietig behandelt. Wilhelm betrachtete ihn als
einen unruhigen Kopf, der gebhrend dafr bestraft worden war, da er
sich ohne einen Ruf der Pflicht in Gefahr begeben, und er uerte diese
Gesinnung auf dem Schlachtfelde mit characteristischer Derbheit. Sire,
sagte einer von seinen Begleitern, der Bischof von Derry ist bei der
Furth durch eine Kugel getdtet worden. -- Wer hie ihn hingehen?
brummte der Knig.


[_Fall von Drogheda._] Die siegreiche Armee marschirte diesen Tag noch
bis Duleek und brachte hier die warme Sommernacht unter freiem Himmel
zu. Die Zelte und die Bagagewagen befanden sich noch auf der Nordseite
des Flusses. Wilhelm's Wagen war herbergeholt worden, und er schlief
darin, umgeben von seinen Soldaten. Am folgenden Tage ergab sich
Drogheda ohne Schwertstreich und die dreizehnhundert Mann starke
Besatzung zog ohne Waffen ab.[28]


[_Zustand von Dublin._] Inzwischen hatte in Dublin eine heftige
Aufregung geherrscht. Am 30.Juni wurde es bekannt, da die beiden
Armeen, durch den Boyne getrennt, einander gegenber standen und da
eine Schlacht fast unvermeidlich war. Am Abend desselben Tages kam die
Nachricht, da Wilhelm verwundet war. Es hie zuerst, die Wunde sei
tdtlich. Man glaubte und erzhlte es mit Zuversicht weiter, da der
Usurpator nicht mehr sei, und Couriere wurden abgeschickt, um die frohe
Botschaft von seinem Tode den in den Hfen von Munster liegenden
Schiffen zu berbringen. Am 1.Juli waren die Straen Dublin's vom
frhen Morgen an mit Leuten angefllt, welche begierig nach Neuigkeiten
fragten und solche erzhlten. Tausend tolle Gerchte circulirten unter
der Menge. Von dem Berge Howth wollte man eine Flotte von Kriegsschiffen
unter weier Flagge gesehen haben. In Kent sollte ein Armeecorps unter
den Befehlen eines Marschalls von Frankreich gelandet sein. Der Kampf am
Boyne sollte hei gewesen sein, die Irlnder aber sollten gesiegt haben;
der englische rechte Flgel sei geschlagen und der Prinz von Oranien
gefangen genommen worden. Whrend die Katholiken diese Geschichten an
allen ffentlichen Orten anhrten und wiedererzhlten, schlossen sich
die wenigen noch auf freiem Fue befindlichen Protestanten in ihre
Wohnungen ein, denn sie frchteten in Stcke zerrissen zu werden. Gegen
fnf Uhr Nachmittags aber kamen einige Deserteurs auf ermdeten Pferden
an und brachten schlimme Nachrichten. Um sechs Uhr wute man, da Alles
verloren war. Bald nach Sonnenuntergang ritt Jakob, von zweihundert
Reitern begleitet, in das Schlo ein. Auf der Schwelle kam ihm
Tyrconnel's Gattin, einst die lebensfrohe und schne Fanny Jennings, die
reizendste Kokette in dem glnzenden Whitehall der Restauration,
entgegen. Der besiegte Knig hatte ihr den Untergang ihres und seines
eignen Glckssternes anzukndigen. Inzwischen kam der Strom der
Fliehenden rasch heran. Bis Mitternacht waren alle nrdlichen Zugnge
der Hauptstadt durch Wagenzge und durch Schaaren von erschpften und
mit Staub bedeckten Dragonern verstopft. Einige hatten ihre
Feuergewehre, Andere ihre Sbel verloren, noch Andere waren durch
frische Wunden entstellt. Um zwei Uhr Morgens war es still in Dublin,
aber noch vor dem frhen Anbruch des Sommertages wurden die Schlafenden
durch Trompetenste geweckt: die Reiter, welche am vorhergehenden Tage
die Ehre ihres Vaterlandes so wacker gerettet hatten, ergossen sich mit
furchtbar gelichteten Reihen, aber doch noch immer einen Schein von
militrischer Ordnung beobachtend, durch die Straen. Zwei Stunden
spter lieen sich Lauzun's Trommeln vernehmen, und die franzsischen
Regimenter rckten in ungebrochener Ordnung in die Stadt ein.[29] Viele
glaubten, da mit einer solchen Streitmacht noch immer Widerstand
geleistet werden knne. Aber noch vor sechs Uhr wurden der Lord Mayor
und einige der angesehensten katholischen Brger eiligst ins Schlo
beschieden, und hier nahm Jakob mit einer Rede, die ihm wenig Ehre
machte, Abschied von ihnen. Er sei oft, sagte er, darauf aufmerksam
gemacht werden, da die Irlnder trotz ihres guten und krftigen
Aussehens sich auf dem Schlachtfelde niemals gut halten wrden, und er
habe sich jetzt berzeugt, da die Warnung nur zu gegrndet gewesen sei.
Er habe das Unglck gehabt, sich binnen weniger als zwei Jahren von zwei
Armeen verlassen zu sehen. Seinen englischen Truppen habe es nicht an
Muth, aber an Loyalitt gefehlt. Seine irischen Truppen seien ohne
Zweifel seiner Sache ergeben, da es auch die ihrige sei; aber sobald sie
einem Feinde gegenber gestellt wrden, liefen sie davon. Der Verlust
sei allerdings gering gewesen; aber desto schimpflicher sei es fr
Diejenigen, welche bei so unbedeutendem Verlust schon die Flucht
ergriffen htten. Ich werde nie wieder eine irische Armee commandiren.
Ich mu jetzt auf meine Sicherheit bedacht sein, und auch Sie mssen fr
Sich selbst sorgen. Nachdem er so seine Soldaten heruntergemacht, da
sie der Pbel waren, zu welchem seine eigne verkehrte Behandlung sie
gemacht hatte, und da sie das Beispiel der Feigheit nachgeahmt, das er
selbst ihnen gegeben, sprach er noch einige eines Knigs wrdigere
Worte. Er wisse, sagte er, da einige seiner Anhnger erklrt htten,
sie wrden Dublin eher niederbrennen als es in die Hnde der Englnder
fallen lassen. Eine solche That wrde ihn in den Augen der ganzen
Menschheit entehren, denn Niemand wrde glauben, da seine Freunde ohne
seine Einwilligung so weit gehen knnten. Auch wrde eine solche That
Denen, die sie begingen, eine strenge Behandlung zuziehen, welche sie
auerdem nicht zu befrchten htten, denn Unmenschlichkeit gegen
besiegte Feinde gehre nicht zu den Fehlern des Prinzen von Oranien. Aus
diesen Grnden forderte Jakob seine Zuhrer bei ihrer Unterthanenpflicht
auf, die Stadt weder zu plndern noch zu zerstren.[30]


[_Jakob's Flucht nach Frankreich._] Er reiste hierauf ab, ging eiligst
ber das Wicklowgebirge und hielt nicht eher an als bis er funfzig
Meilen von Dublin entfernt war. Kaum war er abgestiegen, um etwas zu
sich zu nehmen, so wurde er durch das alberne Gercht erschreckt, da
die Verfolger ihm dicht auf den Fersen seien. In Folge dessen reiste er
sofort weiter, ritt die ganze Nacht durch und gab Befehl, da die
Brcken hinter ihm abgebrochen werden sollten. Am Morgen des 3.Juli
erreichte er den Hafen von Waterford und ging von hier zu Wasser nach
Kinsale, wo er sich auf einer franzsischen Fregatte einschiffte und
nach Brest segelte.[31]


[_Dublin wird von den franzsischen und irischen Truppen gerumt._]
Nach seiner Abreise nahm die Verwirrung in Dublin mit jeder Stunde
zu. Whrend des ganzen Tages nach der Schlacht kamen bestndig
fliehende Fusoldaten, ermdet und mit Staub bedeckt, in die Stadt, und
katholische Brger verlieen dieselbe mit ihren Frauen, ihren Kindern
und ihrem Hausgerth. In einigen Theilen der Hauptstadt herrschte
noch ein Ueberrest von militrischer Ordnung und Kriegsbereitschaft.
Die Thore waren bewacht, das Schlo von einem starken Truppencorps
besetzt, und man glaubte allgemein, da der Feind nicht ohne Kampf
hereingelassen werden wrde. Einige Grosprecher, die wenige Stunden
zuvor von dem Brustwerke bei Oldbridge weggelaufen waren, ohne einen
Hahn zu spannen, schworen in der That jetzt, da sie die Stadt eher
in Asche legen als sie dem Prinzen von Oranien berliefern wrden.
Aber gegen Abend sammelten Tyrconnel und Lauzun alle ihre Truppen und
verlieen die Stadt auf der Strae, welche nach der groen Weidestrecke
fhrte, die die ganze Hochebene am Kildare umfat. Die Gestalt der
Dinge in Dublin gewann augenblicklich ein andres Aussehen. Allenthalben
kamen die Protestanten aus ihren Verstecken hervor. Einige von ihnen
gingen in die Huser ihrer Verfolger und verlangten Waffen. Die Thore
der Gefngnisse wurden geffnet. Die Bischfe von Meath und von
Limerick, Doctor King und Andere, welche lange an der Doctrin des
passiven Gehorsams festgehalten, die aber endlich durch die Tyrannei in
gemigte Whigs verwandelt worden waren, bildeten eine provisorische
Regierung und schickten einen Boten in Wilhelm's Lager, um ihm sagen
zu lassen, da Dublin bereit sei, ihn willkommen zu heien. Noch
denselben Abend um acht Uhr rckte eine Schwadron englischer Dragoner
ein. Die ganze Bevlkerung ging ihr bis College Green entgegen, wo
jetzt die Statue des Befreiers steht. Hunderte umarmten die Soldaten
und die Hlse der Pferde und liefen, einander die Hnde schttelnd,
freudetrunken umher. Am andren Morgen traf ein starkes Cavalleriecorps
ein und von allen Seiten kamen Nachrichten von dem Eindrucke, den
der Sieg am Boyne gemacht hatte. Jakob hatte die Insel verlassen;
Wexford hatte sich fr Knig Wilhelm erklrt; in einem Umkreise von
fnfundzwanzig Meilen von der Hauptstadt gab es keinen bewaffneten
Papisten mehr. Fast smmtliche Bagage und Vorrthe der geschlagenen
Armee waren den Siegern in die Hnde gefallen. Die Enniskillener hatten
nicht weniger als dreihundert Wagen weggenommen und hatten unter der
Beute zehntausend Pfund baares Geld, eine Menge Silbergeschirr und
Schmucksachen, sowie die ganze prchtige Feldequipage Tyrconnel's und
Lauzun's gefunden.[32]


[_Wilhelm's Einzug in Dublin._] Wilhelm nahm sein Hauptquartier in
Ferns, ungefhr zwei Meilen von Dublin. Von da ritt er am Morgen des
6.Juli, einem Sonntage, mit groem Geprnge nach der Kathedrale
und richtete dort, mit der Krone auf dem Haupte, in dem Chore, das
jetzt mit den Bannern der Ritter von St. Patrick behangen ist, ein
ffentliches Dankgebet zu Gott. King predigte mit dem ganzen Feuer
eines Neophyten ber die groe Befreiung, mit der Gott die Kirche
beglckt habe. Die protestantischen Behrden der Stadt erschienen nach
langer Zeit wieder mit dem Prunke ihres Amtes. Wilhelm lie sich nicht
bewegen, im Schlosse zu bernachten, sondern er kehrte am Abend ins
Lager zurck und schlief dort in seiner hlzernen Htte.[33]


[_Eindruck der Nachrichten aus Irland in Frankreich._] Die Kunde von
diesen wichtigen Ereignissen verbreitete sich rasch und brachte ganz
Europa in heftige Aufregung. Die Nachricht von Wilhelm's Verwundung
ging berall der Nachricht von seinem Siege um einige Stunden voraus.
Paris wurde mitten in der Nacht durch die Ankunft eines Couriers
geweckt, der die frohe Botschaft brachte, da der Ketzer, der
Vatermrder, der Todfeind der Gre Frankreich's, im Angesicht beider
Armeen von einer Kanonenkugel tdtlich getroffen worden sei. Die
Polizeicommissare liefen in der Stadt umher, klopften an die Hausthren
und forderten die Leute auf zu illuminiren. In Zeit von einer Stunde
strahlten die Straen, die Quais und die Brcken in hellem
Lichterglanze, Trommeln wirbelten und Trompeten schmetterten; die
Glocken von Notre-Dame luteten und Kanonenschsse donnerten von den
Batterien der Bastille. In den Straen wurden Tafeln aufgeschlagen und
allen Vorbergehenden Wein gereicht. Eine Strohpuppe, welche den Prinzen
von Oranien darstellte, wurde durch den Koth geschleift und schlielich
den Flammen bergeben. Sie war begleitet von einem widerlichen Abbilde
des Teufels, der einen Zettel trug, auf dem geschrieben stand: Ich habe
Dich seit zwei Jahren erwartet. Die Lden mehrerer Hugenotten, welche
durch Einquartierung gezwungen worden waren, sich fr Katholiken zu
erklren, die aber in dem Verdachte standen, im Herzen noch immer Ketzer
zu sein, wurden vom Pbel geplndert. Es war gefhrlich, die Wahrheit
der Nachricht, welche die Menge so freudig willkommen geheien hatte, in
Zweifel zu ziehen. Bald jedoch wagten es einige nchterne Leute zu
bemerken, da das Factum des Todes des Tyrannen noch nicht so ganz
ausgemacht sei als man wohl wnschen knnte. Da entspann sich eine
heftige Polemik ber die Wirkung solcher Verwundungen, denn der groe
Haufe meinte, da Jemand, der von einer Kanonenkugel an der Schulter
getroffen worden sei, nicht wieder aufkommen knne. Die Streitenden
appellirten an medizinische Autoritten, und die Thren der
renommirtesten Chirurgen und Aerzte wurden belagert, als ob, wie man
scherzhaft sagte, eine Epidemie in Paris geherrscht htte. Die Frage
wurde bald durch ein Schreiben von Jakob entschieden, worin er seine
Niederlage und seine Ankunft in Brest meldete.[34]


[_Eindruck der Nachrichten aus Irland in Rom._] In Rom machten die
Nachrichten aus Irland eine Sensation ganz andrer Art. Auch dort
fand die Kunde von Wilhelm's Tode eine kurze Zeit lang Glauben.
Im franzsischen Gesandtschaftshotel herrschte nichts als Freude
und Triumph; die Gesandten des Hauses Oesterreich aber waren in
Verzweiflung, und das Aussehen des ppstlichen Hofes verrieth
nichts weniger als Jubel.[35] Melfort schrieb in einem Anfall von
Freudentaumel einen Beglckwnschungsbrief an Marie von Modena. Dieser
Brief ist noch vorhanden und wrde allein hinreichen zu erklren,
warum er der Gnstling Jakob's war. Herodes -- so war Wilhelm genannt
-- sei nicht mehr. Es msse eine Restauration stattfinden und diese
Restauration msse eine furchtbare Rache und die Herstellung des
Despotismus nach sich ziehen. Die Macht der Geldbewilligung msse den
Gemeinen entzogen werden. Politische Verbrecher drften nicht durch
Juries, sondern durch Richter abgeurtheilt werden, auf die sich die
Krone verlassen knne. Die Habeascorpusacte msse aufgehoben, die
Urheber der Revolution mit schonungsloser Strenge bestraft werden.
Wenn, schrieb der gefhllose Apostat, der Knig gezwungen ist zu
begnadigen, so mgen es so wenig Schurken sein als mglich.[36]
Nach Verlauf einiger angstvoller Stunden stieg ein Bote, der neuere
und authentischere Nachrichten brachte, in dem Palaste ab, den der
Vertreter des katholischen Knigs bewohnte. In einem Augenblicke war
Alles verndert, die Feinde Frankreich's -- und das war die ganze
Bevlkerung mit Ausnahme der Franzosen und der britischen Jakobiten
-- wnschten einander von Herzen Glck. Die smmtlichen Sekretre
und Schreiber der spanischen Gesandtschaft reichten nicht hin, um
Abschriften der Depeschen fr die Cardinle und Bischfe zu fertigen,
die es nicht erwarten konnten, Ausfhrlicheres ber den Sieg zu
erfahren. Die erste Abschrift wurde dem Papste zugesandt und sie war
ihm ohne Zweifel willkommen.[37]


[_Eindruck der Nachrichten aus Irland in London._] Die guten Nachrichten
aus Irland trafen in London in einem Augenblicke ein, wo gute
Nachrichten dort sehr nthig waren. Die englische Flagge hatte in den
englischen Meeren keine Ehre eingelegt, ein auswrtiger Feind bedrohte
die Ksten, Verrther bearbeiteten das Land im Innern. Marie hatte sich
ber ihre Krfte angestrengt. Ihre zarte Constitution war den heftigen
Gemthsbewegungen ihrer Stellung nicht gewachsen, und sie beklagte sich,
da sie von den Geschften keinen Augenblick Zeit erbrigen knne, um
sich durch Gebet zu beruhigen. Ihre Angst stieg aufs Hchste, als sie
erfuhr, da die beiden Lager ihres Vaters und ihres Gatten nahe bei
einander aufgeschlagen seien und da man stndlich die Nachricht von
einer Schlacht zu gewrtigen habe. Sie stahl sich die Zeit zu einem
Ausfluge nach Kensington und brachte drei ruhige Stunden in dem Garten
zu, welcher damals noch eine lndliche Einsamkeit war.[38] Aber die
Erinnerung an die Tage, die sie dort mit dem Manne verlebt, den sie
vielleicht nie wiedersehen sollte, berwltigte sie. Der Ort, schrieb
sie an ihn, erinnert mich daran, wie glcklich ich war, als ich hier in
Ihrer theuren Gesellschaft zubrachte. Doch ich will nicht mehr sagen,
denn ich wrde meinen Augen schaden, die ich jetzt nthiger brauche als
je. Leben Sie wohl. Denken Sie an mich und lieben Sie mich so wie ich
Sie, den ich mehr liebe als mein Leben.[39]

Frh am Morgen nachdem diese zrtlichen Zeilen abgeschickt waren, wurde
Whitehall durch die Ankunft einer Post aus Irland geweckt. Nottingham
wurde aus dem Bett geholt. Man benachrichtigte die Knigin, welche eben
in die Kapelle gegangen war, wo sie tglich dem Gottesdienst beiwohnte,
da Wilhelm verwundet worden sei. Sie hatte viel geweint, aber bis
diesen Augenblick hatte sie nur in der Stille geweint und sich bemht,
ihrem Hofe und ihrem Staatsrathe ein heiteres Antlitz zu zeigen. Als
aber Nottingham ihr den Brief ihres Gemahls berreichte, brach sie in
Thrnen aus. Sie zitterte noch vor heftiger Bewegung und hatte kaum
einen Brief an Wilhelm beendigt, in welchem sie mit der natrlichen
Beredtsamkeit ihres Geschlechts ihre Liebe, ihre Besorgnisse und ihre
Dankbarkeit ausdrckte, als ein andrer Bote mit der Nachricht ankam, da
die englische Armee den Uebergang ber den Boyne erzwungen habe, da die
Irlnder in wilder Flucht begriffen seien und da der Knig sich wohl
befinde. Doch war sie sichtbar unruhig, bis Nottingham ihr versichert
hatte, da auch Jakob unversehrt sei. Der ernste Staatssekretr, der sie
wirklich geachtet und geliebt zu haben scheint, schilderte nachmals mit
viel Gefhl diesen Kampf zwischen der Kindespflicht und Gattenliebe.
Noch den nmlichen Tag schrieb sie an ihren Gemahl und beschwor ihn
dafr zu sorgen, da ihrem Vater kein Leid geschehe. Ich wei, sagte
sie, ich brauche Sie nicht erst zu bitten, darauf zu sehen, da man
seiner schont, denn ich bin berzeugt, Sie werden dies schon um
Ihretwillen thun. Aber erweisen Sie mir die Gte und lassen Sie die
Leute um meinetwillen noch besonders wissen, Sie wnschten nicht, da
seiner Person das geringste Leid zugefgt werde.[40] Diese Frsorge
war, so sehr man sie loben mu, berflssig. Ihr Vater wute selbst am
besten fr seine Sicherheit zu sorgen. Er hatte sich whrend der
Schlacht nicht ein einziges Mal der Mglichkeit ausgesetzt, verwundet zu
werden, und whrend seine Tochter bei dem Gedanken an die Gefahren
schauderte, von denen sie ihn in Irland umgeben glaubte, war er schon
auf halbem Wege nach Frankreich.

Die erfreulichen Nachrichten trafen zufllig an dem Tage in Whitehall
ein, bis zu welchem das Parlament prorogirt worden war. Der Sprecher und
mehrere in London anwesende Mitglieder des Hauses der Gemeinen
versammelten sich nach der hergebrachten Form um zehn Uhr Morgens und
wurden durch den schwarzen Stab vor die Schranken der Peers entboten.
Hierauf wurde das Parlament in Auftrag des Knigs von neuem prorogirt.
Sobald diese Ceremonie vorber war, berreichte der Kanzler der
Schatzkammer dem Sekretr die eben aus Irland angelangte Depesche und
der Sekretr las sie den anwesenden Lords und Gentlemen mit lauter
Stimme vor.[41] Die frohe Botschaft verbreitete sich rasch von
Westminster Hall durch alle Kaffeehuser und wurde mit Jubel
aufgenommen. Denn diejenigen Englnder, welche durch die Franzosen und
Irlnder eine englische Armee geschlagen und eine englische Colonie
vertilgt zu sehen wnschten, bildeten selbst unter der jakobitischen
Partei die Minderzahl.


[_Jakob's Ankunft in Frankreich; sein Empfang daselbst._] Am neunten
Tage nach der Schlacht am Boyne landete Jakob in Brest mit
vortrefflichem Appetit und in heiterer, sehr gesprchiger Laune. Er
erzhlte die Geschichte seiner Niederlage Jedem, der sie hren wollte.
Aber franzsische Offiziere, welche den Krieg verstanden und seine
Erzhlung mit anderen Berichten verglichen, erklrten, da Se.
Majestt, obgleich er die Schlacht mit angesehen habe, doch nichts
weiter davon wisse, als da seine Armee geschlagen worden sei.[42] Von
Brest begab er sich nach Saint-Germains, wo ihn Ludwig einige Stunden
nach seiner Ankunft besuchte. Der Knig von Frankreich besa zu viel
Takt und Edelsinn als da er ein Wort htte uern sollen, das wie ein
Vorwurf klang. Er erklrte, da es der kniglichen Familie von England,
soweit seine Krfte reichten, an nichts fehlen solle, was zu ihrem
Comfort beitragen knne. Von den politischen und militrischen Plnen
seines unglcklichen Gastes aber wollte er durchaus nichts hren. Jakob
empfahl eine sofortige Landung in England. Dieses Knigreich sei durch
die Anforderungen Irland's von Truppen entblt, und die noch daselbst
befindlichen sieben- oder achttausend Mann knnten einer groen
franzsischen Armee keinen Widerstand leisten. Die Bevlkerung schme
sich ihrer Verirrung und wnsche sehnlichst, dieselbe wieder
gutzumachen. Sobald ihr rechtmiger Knig sich zeige, wrde sie sich in
Massen um ihn schaaren.[43] Ludwig war zu artig und gutherzig um
auszusprechen was er gefhlt haben mu. Er begngte sich kalt zu
erwiedern, da er sich ber keinen Plan in Bezug auf die britischen
Inseln entscheiden knne, bevor er Mittheilungen von seinen Generlen in
Irland erhalten habe. Jakob wurde zudringlich und schien sich dadurch
verletzt zu fhlen, da man ihm vierzehn Tage nachdem er von einer Armee
weggelaufen, nicht schon eine andre anvertrauen wollte. Ludwig lie sich
nicht verleiten, ein unfreundliches oder unhfliches Wort zu uern;
aber sein Entschlu stand fest, und um weiterem ihm peinlichen Andringen
aus dem Wege zu gehen, schtzte er Unplichkeit vor. Eine Zeit lang
erhielt Jakob, so oft er nach Versailles kam, den ehrerbietigen
Bescheid, Seine Allerchristlichste Majestt sei jetzt nicht im Stande,
sich mit Geschftsangelegenheiten zu befassen. Die tapferen und
geistreichen Edelleute, welche tglich die Vorzimmer fllten, konnten
sich eines hhnischen Lchelns nicht erwehren, wenn sie sich bis zur
Erde vor dem kniglichen Gaste verbeugten, den seine Feigheit und
Beschrnktheit zum zweiten Male zu einem Verbannten und Bettler gemacht
hatten. Sie flsterten sogar ihre Sarkasmen laut genug, um das stolze
Blut der Guelphen in die Wangen Mariens von Modena zu treiben. Aber
Jakob's Unempfindlichkeit war nicht gewhnlicher Art; sie hatte sich
schon lngst gegen Vernunftgrnde wie gegen das Mitleid bewhrt. Jetzt
bestand sie noch eine hrtere Probe und sie erwies sich selbst gegen die
Verachtung gesthlt.[44]


[_Tourville versucht eine Landung in England._] Whrend er so mit
unwrdiger Standhaftigkeit den hflichen Spott der franzsischen
Aristokratie ertrug und sein Mglichstes that, die Geduld und Artigkeit
seines Wohlthters zu ermden, indem er bestndig wiederholte, da dies
der gnstige Augenblick zu einem Einfall in England sei und da die
ganze Insel ihre fremden Befreier mit Sehnsucht erwarte, ereigneten sich
Dinge, welche deutlich bewiesen, wie wenig der verbannte Despot den
Character seiner Landsleute kannte.

Tourville war nach der Schlacht bei Beachy Head ungehindert im Kanal
umher gefahren. Am 21.Juli wurden seine Masten auf den Felsen von
Portland gesehen. Am 22. ankerte er im Hafen von Torbay angesichts der
nmlichen Hhen, welche nicht viele Monate frher die Flotte Wilhelm's
geschtzt hatten. Die franzsische Flotte, die jetzt eine betrchtliche
Anzahl Truppen an Bord hatte, bestand aus hundertelf Segeln. Die
Galeeren, welche einen groen Theil dieser Streitmacht bildeten, glichen
eher den Schiffen, mit denen Alcibiades und Lysander sich die Herrschaft
im gischen Meere streitig machten, als denen, welche am Nil und bei
Trafalgar kmpften. Die Galeere war sehr lang und sehr schmal, das
Verdeck nicht mehr als zwei Fu ber dem Wasserspiegel. Jede Galeere
wurde durch funfzig bis sechzig mchtige Ruder in Bewegung
gesetzt, an deren jedem fnf bis sechs Sklaven arbeiteten.
Die volle Sklavenbemannung eines solchen Fahrzeugs betrug
dreihundertsechsunddreiig, die volle Zahl der Offiziere und Matrosen
hundertfunfzig Mann. Von den unglcklichen Ruderknechten waren einige
Verbrecher, welche verdientermaen zu einem Leben harter Arbeit und
Gefahren verurtheilt worden; einige andere hatten sich weiter nichts zu
Schulden kommen lassen, als da sie beharrlich der hugenottischen
Gottesverehrung anhingen; die groe Mehrzahl aber waren gekaufte
Sklaven, meist Trken und Mohren. Sie brteten natrlich fortwhrend
ber Plnen, wie sie ihre Tyrannen ermorden und aus der Knechtschaft
entspringen knnten, und waren nur durch bestndige Zchtigungen und
durch hufige Todesstrafen von den qualvollsten Formen in Ordnung zu
halten. Ein Englnder, der einmal zufllig unter zwlfhundert dieser
unglcklichen und verzweifelten Geschpfe gerieth, welche auf dem Wege
von Marseille waren, um zu Tourville's Geschwader zu stoen, hrte wie
sie schwuren, da, wenn sie einem Kriegsschiffe zu nahe kommen sollten,
das das St. Georgskreuz trge, sie nie wieder einen franzsischen Hafen
sehen wrden.[45]

Im mittellndischen Meere waren die Galeeren allgemein in Gebrauch, aber
noch nie waren sie auf dem strmischen Ocean gesehen worden, der unsre
Insel umtobt. Ludwig's Schmeichler sagten, da das Erscheinen eines
solchen Geschwaders im atlantischen Meere eines von den Wundern sei, die
seiner Regierung vorbehalten wren, und in Paris wurde zum Gedchtni
dieses khnen Versuchs im Seekriege eine Denkmnze geprgt.[46]
Englische Seeleute prophezeiten mit mehr Grund, da der erste Windsto
diese ganze Schnwetterflotte auf den Grund des Kanals schicken werde.
Die Galeere hielt sich in der That, wie die alte Trireme, im
allgemeinen dicht am Ufer und wagte sich nur bei ganz ruhigem Wasser
und heiterem Himmel in die offene See. Aber die Eigenschaften, welche
diese Art Schiffe untauglich zum Kampfe gegen Sturm und Wogen machten,
machten sie ganz besonders brauchbar zum Landen von Soldaten. Tourville
beschlo zu versuchen, welche Wirkung eine Landung hervorbringen wrde.
Die englischen Jakobiten, die sich nach Frankreich geflchtet hatten,
glaubten alle zuversichtlich, da die ganze Bevlkerung der Insel bereit
sei, sich einer Invasionsarmee anzuschlieen, und er traute ihnen
wahrscheinlich zu, da sie die Stimmung ihrer Landsleute kannten.

Doch es konnte keinen greren Irrthum geben. Auch soll der
franzsische Admiral der Sage nach schon als er sich noch auf offener
See befand, eine Lection bekommen haben, die ihn htte lehren knnen,
auf die Versicherungen von Verbannten nicht allzu viel zu geben. Er
nahm ein Fischerboot weg und befragte den Eigenthmer, einen schlichten
Sussexer, ber die Gesinnungen der Nation. Seid Ihr, sagte er zu
ihm, fr Knig Jakob. -- Davon verstehe ich nicht viel, antwortete
der Fischer. Ich habe nichts gegen Knig Jakob, er ist gewi ein
sehr wrdiger Herr. Gott segne ihn! -- Ein braver Mann! sagte
Tourville. Ihr werdet also gewi nichts dagegen einzuwenden haben,
bei uns Dienste zu nehmen. -- Wie? rief der Gefangene, mit den
Franzosen gegen Englnder sollen wir kmpfen? Euer Ehren mge es mir
nicht bel nehmen, aber ich knnte das nicht, und wenn es mich mein
Leben kostete.[47] Dieser arme Fischer, mochte er nun eine wirkliche
oder fingirte Person sein, sprach die Gesinnung der Nation aus. Die
Feuerwarte auf dem Bergrcken, welcher Teignmouth beherrschte, wurde
angezndet; der High Tor und Cansland antworteten und bald loderten
Feuer auf allen Bergspitzen des Westens. Reitende Boten eilten
die ganze Nacht hindurch von einem Vicestatthalter zum andren. Am
folgenden Morgen in der Frhe versammelten sich, ohne Anfhrer und
ohne Aufforderung, fnfhundert bewaffnete und berittene Gentlemen und
Freisassen auf dem Gipfel des Haldon, und binnen vierundzwanzig Stunden
hatte sich ganz Devonshire erhoben. Jede Strae in der Grafschaft
von einer Meereskste zur andren war mit Massen kampffhiger Mnner
bedeckt, die alle nach der Torbaybucht zogen. Die Besitzer von hundert
Schlssern, stolz auf ihre langen Stammbume und auf ihre alten
Wappen, rckten an der Spitze ihrer Vasallen ins Feld: die Drake, die
Prideaux und die Rolle, Fowell von Fowelscombe und Fulford von Fulford,
Sir Bourchier Wray von Tawstock Park und Sir William Courtenay von
Powderham Castle. Briefe von mehreren der Vicestatthalter, welche in
dieser angstvollen Woche am thtigsten waren, sind noch vorhanden.
Alle diese Briefe rhmen einstimmig den Muth und die Begeisterung des
Volks. Aber alle uern auch einstimmig die schmerzlichste Besorgni
hinsichtlich des Resultats eines Zusammenstoes zwischen einer
ungebten Miliz und Veteranen, welche unter Turenne und Luxemburg
gedient hatten, und alle verlangen den Beistand regulrer Truppen
in einer Sprache, die ganz anders klingt als sie die damaligen
Landgentlemen ber stehende Heere zu fhren pflegten, so lange sie das
Andringen der Gefahr nicht fhlten.


[_Teignmouth wird zerstrt._] Als Tourville sah, da die ganze
Bevlkerung wie ein Mann gegen ihn aufgestanden war, begngte er sich
damit seine Galeeren abzuschicken, um Teignmouth, jetzt ein freundlicher
Badeort von zwlfhundert Husern, damals aber noch ein unbekanntes Dorf
von etwa vierzig Htten, zu zerstren. Die Einwohner waren geflohen.
Ihre Huser wurden angezndet, die ehrwrdige Pfarrkirche geplndert,
die Kanzel und der Altar zertrmmert, die Bibeln und Gebetbcher
zerrissen und auf den Straen umhergestreut, alles Vieh geschlachtet und
einige kleine Fahrzeuge, welche zum Fischfang oder zum Kstenhandel
benutzt wurden, vernichtet. Unterdessen hatten sechzehn- bis
siebzehntausend Mnner von Devonshire nahe an der Kste ein Lager
aufgeschlagen und alle benachbarten Grafschaften hatten sich erhoben.
Die Zinngruben von Cornwall hatten eine groe Anzahl rauher und khner
Mnner, Todfeinde des Papismus, geschickt. Zehntausend von ihnen hatten
eben eine Adresse an die Knigin unterzeichnet, worin sie versprachen,
ihr gegen jeden Feind beizustehen, und sie hielten jetzt ihr Wort.[48]
In der That, die ganze Nation war in Aufruhr. Zweiundzwanzig
Reitertrupps aus Suffolk, Essex, Hertfordshire und Buckinghamshire
passirten bei Hounslow vor Marien Revue und wurden von Marlborough wegen
ihres kriegerischen Aussehens belobt. Die Milizen von Kent und Surrey
campirten auf Blackheath.[49] Van Citters berichtete an die
Generalstaaten, da ganz England sich zu Fu und zu Ro bewaffnet
erhoben habe, da der unglckliche Ausgang der Schlacht von Beachy Head
das Volk keineswegs entmuthigt, sondern noch mehr erbittert habe und da
jede Compagnie Soldaten, der er auf der Strae begegnet, wie aus einem
Munde gerufen habe: Gott segne Knig Wilhelm und Knigin Marie.[50]

Charles Granville, Lord Lansdowne, der lteste Sohn des Earl von Bath,
kam mit einigen Truppen der Garnison von Plymouth an, um das Commando
der tumultuarischen Armee, die sich um das Wasserbecken von Torbay
versammelt, zu bernehmen. Lansdowne war kein Neuling. Er hatte mehrere
beschwerliche Feldzge gegen den gemeinsamen Feind der Christenheit
mitgemacht und war zum Lohn fr die Tapferkeit, die er an dem von
Filicaja und von Waller besungenen denkwrdigen Tage entfaltet, an
welchem die Unglubigen von den Mauern Wien's abzogen, zum Grafen des
Rmischen Reichs creirt worden. Er traf Vorbereitungen zum Gefecht, aber
die Franzosen hielten es nicht fr gerathen ihn anzugreifen und
wnschten sogar sehnlichst wieder abzuziehen. Durch Hindernisse
verzgerte sich ihr Weggang. Einmal war der Wind den Segelschiffen
ungnstig; ein andermal ging die See zu hoch fr die Galeeren. Endlich
stach die Flotte in See. Als die Reihe der Schiffe das hohe Vorgebirge
umsegelte, welches Torquay beherrscht, ereignete sich ein Vorfall, der,
obwohl an sich unbedeutend, die Tausende, welche am Ufer versammelt
waren, sehr interessirte. Zwei unglckliche Sklaven machten sich von
einem Ruder los und sprangen ber Bord. Der eine kam um; der andre aber
erreichte, nachdem er ber eine Stunde mit den Wellen gekmpft,
glcklich den englischen Boden und wurde von der Bevlkerung, in deren
Augen die Galeerendisciplin etwas Fremdartiges und Widerliches war,
herzlich willkommen geheien. Er war ein Trke und wurde gromthig in
sein Vaterland zurckgeschickt.


[_Erbitterung der englischen Nation gegen die Franzosen._] In der
Gazette de Paris erschien eine pomphafte Beschreibung der Expedition. In
Wahrheit aber waren Tourville's Thaten ruhmlos und noch weniger ruhmlos
als unpolitisch gewesen. Der Schaden, den er zugefgt, stand in keinem
Verhltni zu dem Hasse, den er erweckt hatte. Bisher hatten die
Jakobiten sich bemht, die Nation zu berreden, da die Franzosen als
Freunde und Befreier kommen, strenge Mannszucht halten, die Tempel und
Gebruche der Landesreligion achten und wieder abziehen wrden, sobald
der hollndische Despot vertrieben und die alte Verfassung des Reichs
wiederhergestellt war. Der kurze Besuch Tourville's an unsrer Kste
hatte bewiesen, wie wenig man von Ludwig's Soldaten eine solche Migung
erwarten durfte. Sie waren nur einige Stunden auf unsrer Insel gewesen
und hatten nur wenige Acker Bodenflche innegehabt. Aber in diesen
wenigen Stunden und auf diesem kleinen Raume hatten sie die Verwstung
der Pfalz im Kleinen wiederholt. Das Geschehene wurde dem ganzen
Knigreiche viel schneller mitgetheilt als es durch Zeitungen und
Neuigkeitsbriefe mglich gewesen wre. Eine Bitte um Untersttzung der
Bewohner von Teignmouth wurde in smmtlichen zehntausend Kirchen des
Landes verlesen. Keine Gemeinde konnte ohne schmerzliche Bewegung hren,
da die papistischen Raubhorden die Wohnungen friedlicher und
bescheidener Landsleute zerstrt, die Altre des Herrn geschndet, das
Evangelium und die Gebetbcher in Stcke zerrissen hatten. Eine Strae,
welche von den Beitrgen der Mildthtigen auf der Stelle der von den
Eingedrungenen zerstrten Wohnungen erbaut wurde, fhrt noch heute den
Namen der franzsischen Strae.[51]

Das Geschrei des Unwillens gegen Diejenigen, von denen man mit gutem
Grunde argwhnte, da sie den Feind aufgefordert htten, eine Landung an
unseren Ksten zu versuchen, war heftig und allgemein und wurde durch
viele Stimmen verstrkt, welche noch krzlich laut gegen Wilhelm's
Regierung gemurrt hatten. Die Frage hatte aufgehrt eine Frage zwischen
zwei Dynastien zu sein, und war eine Frage zwischen England und
Frankreich geworden. Das nationale Gefhl war so stark, da
Eidverweigerer und Papisten es theilten oder sich wenigstens stellten
als theilten sie es. Nicht lange nach der Einscherung von Teignmouth
legte Dryden ein Schauspiel mit einer hchst geistreichen, kunstvollen
und beredten Widmung Halifax zu Fen. Der Dichter gratulirte seinem
Gnner, da er sich aus den Strmen des ffentlichen Lebens in einen
ruhigen Hafen zurckgezogen, und pries in krftiger und schner Sprache
das Glck des Staatsmannes, der das geruschvolle Treiben des
Staatsdienstes und den Ruhm der Rednerbhne mit philosophischen Studien
und huslichen Genssen vertauschte. England drfe sich nicht darber
beklagen, da ihm Dienste entzogen wrden, auf die es ein Recht habe.
Selbst die strenge Zucht des alten Rom habe einem Soldaten gestattet,
nach einer Reihe von Feldzgen um seine Entlassung zu bitten, und
Halifax habe gewi genug fr sein Vaterland gethan, um das nmliche
Recht beanspruchen zu drfen. Aber der Dichter setzte hinzu, da es
einen Fall gegeben habe, in welchem der rmische Veteran selbst nach
seiner Entlassung seinen Schild und sein Pilum wieder ergreifen mute,
und dieser eine Fall war eine Invasion der Gallier. Da ein
Schriftsteller, der Jakob's Gunst durch Apostasie erkauft hatte, der von
Wilhelm's Hofe verstoen worden war, der ein greres Interesse an der
Restauration des exilirten Knigshauses hatte als irgend ein andrer
berufsmiger Schriftsteller, eine solche Sprache fhrte, ob aufrichtig
oder unaufrichtig, ist gleich, dies ist ein Factum, welches uns
berzeugen mu, da der Entschlu, sich nie durch Fremdlinge unterjochen
zu lassen, im Herzen des Volks feststand.[52]


[_Die jakobitische Presse._] Es gab zwar eine jakobitische Literatur,
in der keine Spur von diesem patriotischen Geiste zu entdecken
ist, eine Literatur, deren Ueberreste beweisen, da es Englnder
gab, welche sehr geneigt waren, die englische Flagge entehrt, den
englischen Boden in fremder Gewalt, die englische Hauptstadt geplndert
und die englische Krone auf dem Haupte eines Vasallen Ludwig's zu
sehen, wenn sie sich nur an ihren Feinden und speciell an Wilhelm
rchen konnten, den sie mit einer zum Theil furchtbaren, zum Theil
lcherlichen Erbitterung haten. Aber diese Literatur war durchaus
ein Werk der Finsterni. Das Gesetz, durch welches das Parlament
Jakob's die Presse der Ueberwachung von Censoren unterworfen hatte,
war noch in Kraft, und obgleich die Beamten, denen es oblag, die
Uebertretung dieses Gesetzes zu verhten, nicht allzu streng jede
Unregelmigkeit von Seiten eines Buchhndlers aufstachen, der die
Kunst verstand, einen Hndedruck durch eine Guinee zu versen,
konnten sie doch den offenen Verkauf uncensirter Pamphlets, die voll
roher Insulten gegen den Souverain und directer Aufforderungen zur
Emprung waren, nicht ruhig mit ansehen. Aber schon seit langer Zeit
verbargen die Dachstuben London's eine Klasse von Buchdruckern, welche
unverdrossen und mit einer Vorsicht, wie nur Falschmnzer und Flscher
sie beobachten knnen, in ihrem Berufe thtig waren. Frauen waren als
Wachen ausgestellt, um durch ihr Geschrei Alarm zu geben, sobald ein
Beamter sich in der Nhe der Werksttte zeigte. Die Presse wurde dann
sogleich in ein hinter dem Bett angebrachtes Kabinet geschoben, die
Lettern wurden in den Ofenkasten geworfen und mit Asche bedeckt, und
der Setzer verschwand durch eine Fallthr im Dache und entkam ber die
Dcher der Nachbarhuser. In diesen Hhlen wurden hochverrtherische
Werke aller Art und von jedem Umfange fabricirt, von Halbpennyblttern
mit Knittelversen bis zu dickleibigen Quartanten voll hebrischer
Citate. Solche Preerzeugnisse offen auszulegen war natrlich nicht
rathsam, und sie wurden nur durch zuverlssige Agenten ganz im Geheimen
verkauft. Einige Flugschriften, von denen man sich eine groe Wirkung
versprach, wurden auf Kosten reicher Jakobiten in Massen von Exemplaren
vertheilt. Eine solche Schrift wurde bald unter eine Thr geschoben,
bald unbemerkt auf den Tisch eines Kaffeehauses gelegt. Einmal gingen
tausend Exemplare eines gemeinen Pamphlets mit den Briefbeuteln fort,
ein andermal sahen die Krmer, wenn sie am frhen Morgen ihre Laden
ffneten, ganz Fleetstreet und den Strand mit aufrhrerischen Zetteln
beschneit.[53]


[_Die jakobitische Gebets- und Demthigungsformel._] Von den
zahlreichen Schriften, welche auf solchen Schleichwegen unter die
Leute gebracht wurden, machte keine greres Aufsehen als ein kleines
Buch, welches eine Gebets- und Demthigungsformel zum Gebrauche der
verfolgten Kirche enthielt. Es unterlag keinem Zweifel, da eine
bedeutende Summe auf dieses Werk verwendet worden war. Zehntausend
Exemplare waren durch allerhand Mittel und Wege im ganzen Lande
verbreitet worden. Es wurde nie ein lgenhafteres, hmischeres und
gottloseres Libell geschrieben. Obgleich die Regierung ihre Feinde
bisher mit einer in der Geschichte unsres Landes beispiellosen Milde
und Nachsicht behandelt, obgleich seit der Revolution kein Mensch wegen
eines politischen Vergehens die Todesstrafe erlitten hatte, schmten
sich die Verfasser dieser Liturgie doch nicht, Gott zu bitten, da
er den unersttlichen Blutdurst ihrer Feinde stillen oder, wenn noch
mehr von ihnen durch das rothe Meer in das gelobte Land gehen sollten,
er sie fr die Reise vorbereiten solle.[54] Sie beklagten sich, da
die englische Kirche, einst das Schne in hchster Vollendung, zum
Spott und Gelchter, ein Trmmerhaufen, ein Weinberg mit wilden Reben
geworden sei; da ihre Uebungen nicht mehr den Namen des ffentlichen
Gottesdienstes verdienten; da das Brot und der Wein, die sie spende,
keine sakramentliche Kraft mehr habe; da ihre Priester, indem sie dem
Usurpator Treue gelobt, den geheiligten Character verloren htten,
den die Ordination ihnen verliehen.[55] Jakob wurde profanerweise
der Stein genannt, den thrichte Baumeister verworfen htten, und
es wurde die inbrnstige Bitte ausgesprochen, da die Vorsehung ihn
wieder zum Schlustein machen mge. Die Segnungen, die auf unser
Vaterland herabgerufen wurden, waren ganz absonderlicher Art. Es kam
etwas darin vor, was groe Aehnlichkeit mit der Bitte um eine neue
blutige Rundreise hatte: Gieb dem Knige die Hlse seiner Feinde;
etwas Andres klang ganz wie eine Bitte um eine franzsische Invasion:
Verschaffe ihnen auswrts Freunde; und endlich enthielt das Buch
ein noch mysteriseres Gebet, dessen besten Commentar spter das
Ermordungscomplot lieferte: Thue etwas Groes fr ihn, was wir nicht
nher zu bezeichnen wissen.[56]


[_Entrstung gegen die eidverweigernden Bischfe._] Diese Liturgie wurde
geschrieben, verbreitet und soll in einigen Gemeinden jakobitischer
Schismatiker verlesen worden sein, bevor Wilhelm nach Irland aufbrach,
erregte aber erst dann allgemeine Aufmerksamkeit, als das Erscheinen
einer fremden Flotte an unsrer Kste den Nationalgeist aufgerttelt
hatte. Da erhob sich ein Geschrei des Unwillens gegen die Englnder,
welche unter dem scheinheiligen Vorwande des Gebets Flche ber England
herabzurufen gewagt hatten. Man hatte, nicht ohne einen Anschein von
Grund, die abgesetzten Prlaten in Verdacht, denn die Eidverweigerer
waren ohne eine einzige Ausnahme eifrige Episkopalen. Ihr Prinzip war,
da in kirchlichen Angelegenheiten von wichtiger Bedeutung ohne die
Sanction des Bischofs nichts zweckmig gethan werden knne. Konnte man
also glauben, da Jemand, der es mit diesem Grundsatze hielt, ohne die
Genehmigung Sancroft's, den die ganze Partei nicht allein als den wahren
Primas von ganz England, sondern auch als einen Heiligen und als einen
Bekenner verehrte, eine Liturgie verfassen, drucken, verbreiten und beim
ffentlichen Gottesdienste wirklich benutzen wrde? Es war bekannt, da
die Prlaten, welche die Eidesleistung verweigert, unlngst zu Lambeth
mehrere Berathungen gepflogen hatten. Der Gegenstand dieser Berathungen,
sagte man jetzt, sei leicht zu errathen. Die heiligen Vter htten sich
damit beschftigt, Gebete um die Vernichtung der protestantischen
Colonie in Irland, um die Niederlage der englischen Flotte im Kanal und
um die baldige Ankunft seiner franzsischen Armee in Kent zu entwerfen.
Die extreme Section der Whigpartei betrieb diese Anschuldigung mit
rachschtigem Eifer. Das, sagten diese unvershnlichen Politiker, sei
also die Frucht von Knig Wilhelm's Nachsicht und Milde. Nie habe er
sich vollstndiger geirrt, als indem er die Hoffnung genhrt, da die
Herzen des Klerus durch Milde und Migung zu gewinnen seien. Er habe es
nicht fr gut befunden, Mnnern Glauben zu schenken, welche durch
langjhrige und bittere Erfahrungen gelernt htten, da keine Gte die
finstre Grausamkeit einer Priesterschaft besnftigen knne. Er habe
gestreichelt und gefttert, wo er die Wirkung von Ketten und Hunger
htte versuchen sollen. Er habe durch Protegirung seiner schlimmsten
Feinde die Zuneigung seiner besten Freunde aufs Spiel gesetzt. Die
Bischfe, die sich ffentlich geweigert, ihn als ihren Souverain
anzuerkennen, und welche durch diese Weigerung ihre Wrden und Einknfte
verwirkt htten, lebten noch immer ungestrt in Palsten, die von
besseren Mnnern bewohnt sein sollten, und welchen Dank habe er fr
diese Nachsicht, eine in der Geschichte der Revolutionen beispiellose
Nachsicht, geerntet? Keinen andren als den, da die Mnner, die er mit
so groer Schonung vor verdienter Strafe geschtzt, noch die Frechheit
htten, ihn in ihren Gebeten als einen mit dem Blute Gerechter
Befleckten zu bezeichnen; sie bten Gott um die Kraft, seine blutige
Tyrannei standhaft zu ertragen; sie erflehten vom Himmel eine fremde
Flotte und Armee, um sie von seinem Joche zu erlsen; ja, sie deuteten
sogar einen Wunsch an, der so abscheulich sei, da sie selbst nicht die
Stirn htten, ihn offen auszusprechen. Ein Schriftsteller drckte in
einem Pamphlet, das groes Aufsehen machte, seine Verwunderung aus, da
das Volk, als Tourville siegreich in den Kanal einfuhr, die
eidverweigernden Prlaten nicht dewittet[57] habe. Bei der damaligen
gereizten Stimmung des Volks stand zu befrchten, da diese Andeutung
einen wthenden Pbelhaufen nach Lambeth fhren wrde. In Norwich stand
das Volk auch wirklich auf, griff den Palast an, den der Bischof noch
bewohnen durfte, und wrde ihn zerstrt haben, wenn die Milizen nicht
zur rechten Zeit eingeschritten wren.[58] Die Regierung zog den
Verfasser des Werks, das einen so beunruhigenden Landfriedensbruch
veranlat hatte, gebhrenderweise in Criminaluntersuchung.[59]
Whrenddem verffentlichten die abgesetzten Prlaten eine Vertheidigung
ihres Benehmens. In dieser Schrift erklrten sie auf das Feierlichste
und im Angesicht Gottes, da sie keinen Antheil an der neuen Liturgie
hatten, da sie nicht wten wer sie verfat habe, da sie dieselbe nie
gebraucht, da sie nie weder in directem noch indirectem Verkehr mit dem
franzsischen Hofe gestanden htten, da sie in kein Complot, gegen die
bestehende Regierung verwickelt seien und da sie bereitwillig eher ihr
Blut vergieen als England durch einen fremden Frsten unterjocht sehen
wrden, der in seinem eignen Lande ihre protestantischen Brder grausam
verfolgt habe. Was den Verfasser anlange, der sie durch ein
entsetzliches, nur zu wohl verstandenes Wort der ffentlichen Rache
bezeichnet habe, so empfhlen sie ihn der gttlichen Gnade und beteten
aus vollem Herzen, da seine groe Snde ihm vergeben werden mge. Die
meisten von Denen, welche diese Schrift unterzeichneten, thaten es ohne
Zweifel mit vollkommener Aufrichtigkeit; aber es zeigte sich bald, da
wenigstens einer von ihnen dem Verbrechen des Verraths an seinem
Vaterlande das Verbrechen hinzugefgt hatte, seinen Gott zum Zeugen
einer Lge anzurufen.[60]


[_Militrische Operationen in Irland; Waterford genommen._] Die im
Kanale und auf dem Continent vorgehenden Ereignisse nthigten Wilhelm
wiederholte Abnderungen in seinen Plnen zu treffen. Im Laufe der
Woche, welche auf seinen triumphirenden Einzug in Dublin folgte, kamen
Boten mit schlimmen Nachrichten rasch hintereinander aus England. Zuerst
kam die Nachricht von Waldeck's Niederlage bei Fleurus. Der Knig war
tief betrbt darber. Alle Freude ber seinen eigenen Sieg, sagte er,
werde ihm dadurch verleidet. Gleichwohl setzte er sich mit der hinter
seiner finstren Auenseite verborgenen Hochherzigkeit noch im
Augenblicke des ersten Unmuths nieder und schrieb einen freundlichen und
ermuthigenden Brief an den unglcklichen General.[61] Drei Tage darauf
kamen noch beunruhigendere Nachrichten. Die verbndete Flotte war
schimpflich geschlagen. Das Meer von den Dnen bis Land's End war im
Besitz des Feindes. Die nchste Post konnte die Nachricht von einem
feindlichen Einfall in Kent bringen. Ein franzsisches Geschwader konnte
im St. Georgskanal erscheinen und mit Leichtigkeit alle in der Bai von
Dublin vor Anker liegenden Transportschiffe verbrennen. Wilhelm beschlo
nach England zurckzukehren; zuvor aber wnschte er sich einen guten
Hafen an der Ostkste von Irland zu sichern. Waterford war der seinem
Zwecke am besten entsprechende Platz und er richtete denn auch
unverzglich seinen Marsch dahin. Clonmel und Kilkenny wurden von den
irischen Truppen verlassen, sobald es bekannt ward, da er heranrckte.
In Kilkenny wurde er am 19.Juli vom Herzoge von Ormond in dem alten
Schlosse der Butler bewirthet, das vor nicht langer Zeit von Lauzun
bewohnt gewesen war und das daher trotz der allgemeinen Verwstung noch
Tische und Sthle in den Zimmern, Tapeten an den Wnden und Claret im
Keller hatte. Am 21. bequemten sich zwei in Waterford liegende
Regimenter nach einem schwachen Anschein von Widerstand zum Abzuge;
einige Stunden spter wurde das Fort Duncannon bergeben, das sich am
Eingange des Hafens auf einem felsigen Vorgebirge erhob, und Wilhelm war
Herr des ganzen sicheren und gerumigen Beckens, das von den vereinigten
Gewssern des Suir, des Nore und des Barrow gebildet wird. Er kndigte
hierauf seine Absicht an, sofort nach England zurckzukehren, und
nachdem er den Grafen Solms zum Oberbefehlshaber der Armee in Irland
ernannt hatte, reiste er nach Dublin ab.[62]

Unterwegs trafen ihn jedoch gute Nachrichten. Tourville war an der Kste
von Devonshire erschienen, hatte einige Truppen ans Land gesetzt und
Teignmouth zerstrt; allein er hatte damit nichts weiter erreicht, als
da die ganze Bevlkerung der westlichen Grafschaften sich bewaffnet
gegen die Eingedrungenen erhoben. Der Feind war wieder abgezogen,
nachdem er gerade so viel Schaden angerichtet, um die Sache Jakob's den
Tories sowohl als den Whigs eine Zeit lang verhat zu machen. Wilhelm
nderte daher abermals seinen Plan und eilte zu seiner Armee zurck, die
sich whrend seiner Abwesenheit westwrts bewegt hatte und bei der er in
der Nhe von Cashel wieder eintraf.[63]

Um diese Zeit erhielt er einen Brief von Marien, worin sie ihn ersuchte,
eine wichtige Frage zu entscheiden, ber welche der Rath der Neun
getheilter Meinung war. Marlborough war der Ansicht, da jede Gefahr
einer Invasion fr dieses Jahr vorber sei. Das Meer, sagte er, sei
frei, denn die franzsischen Schiffe seien nach Hause zurckgekehrt, wo
sie ausgebessert wrden. Jetzt sei es Zeit, eine englische Flotte mit
fnftausend Mann Truppen an Bord nach dem sdlichen Ende von Irland zu
schicken. Eine solche Streitmacht knne Cork und Kinsale, zwei der
wichtigsten Pltze, die sich noch in der Gewalt der Truppen Jakob's
befnden, ohne Schwierigkeit nehmen. Nottingham untersttzte Marlborough
krftig; eben so energisch aber opponirten ihm die brigen Mitglieder
des Staatsraths mit Caermarthen an ihrer Spitze. Die Knigin berichtete
die Sache ihrem Gemahl. Er billigte den Plan entschieden und gab Befehl,
da er von dem General, der ihn entworfen, ausgefhrt werden solle.
Caermarthen fgte sich, wenn auch mit Widerstreben und ber die
ausnehmende Parteilichkeit Sr. Majestt fr Marlborough murrend.[64]


[_Die irische Armee bei Limerick zusammengezogen. Lauzun erklrt,
da der Platz nicht zu halten sei._] Inzwischen rckte Wilhelm gegen
Limerick vor. In diese Stadt hatte die am Boyne geschlagene Armee sich
geworfen, zwar entmuthigt und mit Schande bedeckt, der Zahl nach aber
nur unbedeutend geschwcht. Er wrde nicht die Mhe gehabt haben, sie
zu belagern, wenn der Rath Lauzun's und seiner Landsleute befolgt
worden wre. Sie lachten ber den Gedanken, solche Festungswerke
vertheidigen zu wollen und gestanden berhaupt gar nicht zu, da man
den Namen Befestigungswerke Erdhaufen geben knne, die allerdings wenig
Aehnlichkeit mit den Werken von Valenciennes und Philipsburg hatten.
Die Englnder, sagte Lauzun mit einem Schwure, brauchen nicht erst
Kanonen gegen eine Festung wie diese auffhren zu lassen. Was Ihr Eure
Wlle nennt, knnte man mit gebratenen Aepfeln zusammenschieen.
Er stimmte daher fr die Rumung Limerick's und erklrte da er
entschlossen sei, auf keinen Fall das Leben der Tapferen, die sein
Gebieter seiner Obhut anvertraut habe, in einem nutzlosen Widerstande
aufzuopfern.[65] Die persnlichen Neigungen des glnzenden und
khnen Franzosen hatten allerdings nicht geringen Einflu auf seinen
Ausspruch. Er und seine Waffengefhrten waren Irland's mde. Sie
waren bereit, muthig, ja freudig auf einem Schlachtfelde dem Tode ins
Angesicht zu schauen; aber das unthtige, schmutzige und barbarische
Leben, das sie nun schon seit mehreren Monaten fhrten, war mehr
als sie ertragen konnten. Sie waren der civilisirten Welt eben so
weit entrckt, als wenn sie nach Dahomey oder Spitzbergen verbannt
gewesen wren. Das Klima untergrub ihre Gesundheit und ertdtete
ihre Lebensgeister. In diesem durch einen jahrelangen Raubkrieg
ausgesogenen unglcklichen Lande vermochte die Gastfreundschaft wenig
mehr zu bieten als ein Strohlager, ein Stck halb rohes und halb
verbranntes Fleisch und einen Schluck saure Milch. Eine Brotrinde und
eine Flasche Wein waren kaum fr schweres Geld zu erlangen. Ein Jahr
solcher Strapatzen und Entbehrungen war eine Ewigkeit fr Mnner,
welche von jeher gewohnt waren, allen Luxus von Paris mit ins Feld zu
nehmen: weiche Betten, kostbare Decken, Silbergeschirr, Krbe voll
Champagner, Operntnzerinnen, Kche und Musiker. Besser ein Gefangener
in der Bastille, besser ein Mnch in La Trappe, als Generalissimus der
halbnackten Wilden, die sich im Schlamme der den Smpfe von Munster
wlzten. Jeder Vorwand war willkommen, der als Entschuldigung fr die
Rckkehr in das Land der Kornfelder und Weingrten, der vergoldeten
Karossen und der Spitzenkragen, der Ballsle und Theater dienen
konnte.[66]


[_Die Irlnder bestehen auf der Vertheidigung von Limerick._] Ganz
anders war die Gesinnung der Shne des Landes. Die Insel, welche in den
Augen franzsischer Hofleute ein trostloser Verbannungsort war, war des
Irlnders Heimath. Hier waren alle Gegenstnde seiner Liebe und seines
Ehrgeizes vereinigt und hier hoffte er, da sein Staub sich einst mit
dem Staube seiner Vter vermischen werde. Fr ihn hatten selbst der
durch die Dnste des Oceans verschleierte Himmel, die schwarzen
Binsendickichte und stehenden Gewsser, die Lehmhtten, in denen die
Landleute ihre Wurzelmahlzeit mit den Schweinen theilten, einen Reiz,
der den sonnigen Tagen, den wogenden Feldern und den stattlichen
Palsten der Seine fehlte. Er konnte sich keine schnere Wohnsttte
denken als sein Vaterland, wenn es erst einmal von der Tyrannei der
Sachsen erlst sein wrde; und jede Hoffnung, sein Vaterland von dem
Tyrannenjoche der Sachsen erlst zu sehen, mute schwinden, wenn
Limerick bergeben wurde.

Das Verhalten der Irlnder whrend der letzten zwei Monate hatte ihren
militrischen Ruf auf die tiefste Stufe herabgezogen. Sie waren, mit
Ausnahme einiger tapferer Cavallerieregimenter, am Boyne schimpflich
geflohen und hatten sich dadurch die Verachtung ihrer Feinde sowohl wie
ihrer Verbndeten zugezogen. Die Englnder, die sich in Saint-Germains
befanden, nannten die Irlnder nie anders als ein Volk von Memmen und
Verrthern.[67] Die Franzosen waren so erbittert gegen die unglckliche
Nation, da irische Kaufleute, die schon seit vielen Jahren in Paris
etablirt waren, sich nicht in den Straen zeigen durften, wenn sie vom
Pbel nicht insultirt werden wollten.[68] Das Vorurtheil war so stark,
da alberne Geschichten erfunden wurden, um die Unerschrockenheit, mit
der die Reiter gefochten, zu erklren. Bald sagte man, die Reiter seien
nicht Mnner von celtischem Geblt, sondern Nachkommen der alten
Englnder des Sachsengebiets;[69] bald wieder, sie seien kurz vor der
Schlacht mit Branntwein berauscht worden.[70] Nichts ist jedoch
gewisser, als da sie zum grten Theil irischer Abstammung gewesen sein
mssen; auch hatte der sich gleichbleibende Muth, den sie in einem
langen und fast hoffnungslosen Kampfe entfalteten, nicht die mindeste
Aehnlichkeit mit der Wuth eines durch geistige Getrnke zu momentaner
Tapferkeit erhitzten Feiglings. Selbst bei der Infanterie, so
undisciplinirt und desorganisirt sie war, fand sich viel Muth, nur wenig
Ausdauer. Anflle von Begeisterung und Anflle von Entmuthigung
wechselten mit einander ab. Das nmliche Bataillon, das jetzt in
panischem Schrecken die Waffen wegwarf und um Pardon bat, focht bei
einer andren Gelegenheit mit groer Tapferkeit. In der Schlacht am Boyne
war der Muth der ungebten und schlecht commandirten Kernen auf den
Nullpunkt gesunken. Als sie sich in Limerick wieder gesammelt hatten,
war ihr Blut in Aufruhr. Patriotismus, Fanatismus, Scham, Rachedurst und
Verzweiflung hatten sie ber sich selbst erhoben. Offiziere und
Mannschaften verlangten einstimmig, da die Stadt bis aufs Aeuerste
vertheidigt werde. An der Spitze Derer, welche fr den Widerstand waren,
stand der tapfere Sarsfield, und seine Ermahnungen erweckten in allen
Reihen einen Muth, der dem seinigen gleichkam. Sein Vaterland zu retten,
lag auer seiner Macht. Er konnte nichts weiter thun, als den letzten
Todeskampf um ein blutiges und unheilvolles Jahr verlngern.[71]


[_Tyrconnel ist gegen die Vertheidigung von Limerick._] Tyrconnel
war vollkommen unfhig, die Frage, ber welche die Franzosen und
die Irlnder getheilter Meinung waren, zu entscheiden. Die einzigen
militrischen Tugenden, die er jemals besessen, waren persnliche
Tapferkeit und Geschicklichkeit im Gebrauche des Degens. Diese
Eigenschaften hatten ihn in frherer Zeit befhigt, Nebenbuhler von den
Thren seiner Maitressen fern zu halten und bei Hahnenkmpfen und am
Spieltische den Hektor zu spielen. Um aber ber die Mglichkeit einer
Vertheidigung von Limerick sich ein Urtheil zu bilden, dazu gehrte
mehr. Wre sein Blut noch so hei gewesen wie in den Tagen, da er mit
Grammont wrfelte und dem alten Herzoge von Ormond den Hals zu brechen
drohte, wrde er wahrscheinlich dafr gestimmt haben, das Aeuerste zu
wagen. Aber Alter, Mhen und Krankheit hatten von dem bramarbasirenden,
polternden und rauflustigen Dick Talbot der Restauration wenig mehr
brig gelassen. Er war sehr schwach geworden und einer energischen
Anstrengung nicht mehr fhig. Die franzsischen Offiziere erklrten
ihn fr gnzlich unwissend in der Kriegskunst. Sie hatten bemerkt,
da er am Boyne ganz bestrzt ausgesehen, unfhig selbst Anordnungen
zu treffen, ja sogar unfhig, sich ber die von Anderen gemachten
Vorschlge zu entscheiden.[72] Die Niederlagen, welche seitdem rasch
aufeinander gefolgt, waren nicht geeignet, die Lebenskraft eines so
klglich geschwchten Geistes wieder zu heben. Seine Gattin war mit
den sprlichen Ueberresten seines einst groen Vermgens schon in
Frankreich, er wnschte ihr dahin zu folgen, und daher stimmte er fr
das Aufgeben der Stadt.


[_Limerick wird von den Irlndern allein vertheidigt._] Schlielich
wurde ein Uebereinkommen getroffen. Lauzun und Tyrconnel zogen sich mit
den franzsischen Truppen nach Galway zurck, und die Hauptmacht der
eingebornen Armee, etwa zwanzigtausend Mann, blieb in Limerick. Das
Obercommando wurde hier Boisseleau bertragen, der den Character der
Irlnder besser kannte und sie in Folge dessen gnstiger beurtheilte als
irgend einer ihrer Landsleute. Im Allgemeinen sprachen die franzsischen
Offiziere von ihren Verbndeten mit grenzenloser Verachtung und Abscheu,
wodurch sie sich bei ihnen ebenso verhat machten wie die Englnder.[73]

Lauzun und Tyrconnel waren kaum abgezogen, als die Vorhut von Wilhelm's
Armee sichtbar wurde. Bald kam der Knig selbst, von Auverquerque und
Ginkell nebst einer Eskorte von dreihundert Reitern begleitet,
herangeritten, um die Festungswerke in Augenschein zu nehmen. Die Stadt,
damals die zweite in Irland, hat, obwohl weniger verndert, als die
meisten anderen groen Stdte auf den britischen Inseln, seitdem doch
eine groe Umgestaltung erfahren. Die Neustadt existirte damals noch
nicht. Der Boden, der jetzt mit den schn gepflasterten breiten Straen,
den reizenden Grten und den eleganten Lden bedeckt ist, welche von
rothen Backsteinen glnzen und in deren Auslagen Shawls und
Porzellanwaaren das Auge erfreuen, war damals eine auerhalb der Mauern
liegende unbebaute Wiese. Die alte Stadt bestand aus zwei Theilen,
welche seit mehreren Jahrhunderten die englische und die irische Stadt,
genannt wurden. Die englische Stadt liegt auf einer vom Shannon
gebildeten Insel und besteht aus einem Knuel alterthmlicher Huser mit
Giebelenden, welche dicht zusammengedrngt eine ehrwrdige Kathedrale
umgeben. Das Aussehen der Straen ist von der Art, da der Reisende der
sie durchwandert, sich leicht in die Normandie oder nach Flandern
versetzt glauben kann. Nicht weit von der Kathedrale blickt ein altes,
von Unkraut und Epheu berwuchertes Schlo auf den Flu hernieder. Ein
schmaler und reiender Strom, ber den im Jahre 1690 nur eine einzige
Brcke fhrte, scheidet die englische Stadt von dem Stadttheile, den
ehemals die Htten der eingebornen Bevlkerung bedeckten. Die Aussicht
vom Thurme der Kathedrale erstreckt sich jetzt meilenweit ber ein
groes Gebiet von Feldern und Grten, durch das sich der grte der
irischen Strme zwischen knstlichen Ufern dahin schlngelt. Im
17.Jahrhundert aber waren diese Ufer noch nicht gebaut, und die weite
Ebene, deren Gras, ppiger noch als selbst das von Munster, gegenwrtig
Viehheerden der schnsten Art in Europa nhrt, war damals fast
bestndig ein Sumpf und oft ein See.[74]

Als es bekannt wurde, da die franzsischen Truppen Limerick verlassen
hatten und da nur die irischen zurckgeblieben waren, erwartete man im
englischen Lager allgemein, da die Stadt leicht zu nehmen sein
werde.[75] Diese Erwartung war auch keine berspannte, denn selbst
Sarsfield verzweifelte. Nur eine Mglichkeit gab es nach seiner Ansicht
noch. Wilhelm hatte nur kleine Kanonen mitgebracht. Mehrere groe
Belagerungsgeschtze, eine groe Menge Proviant und Munition und eine
Brcke von zinnernen Booten, deren man in der wasserreichen Ebene des
Shannon hufig bedurfte, folgten langsam von Cashel. Wenn die Kanonen
und das Schiepulver weggenommen und vernichtet werden knnten, meinte
Sarsfield, so drfe man einige Hoffnung hegen. Wenn nicht, so sei Alles
verloren, und ein tapferer, hochherziger irischer Gentleman knne dann
nichts Besseres thun als das Vaterland, das er vergebens zu vertheidigen
versucht habe, vergessen und in einem fremden Lande eine Heimath oder
ein Grab suchen.


[_Sarsfield berrumpelt die englische Artillerie._] Wenige Stunden
nachdem die englischen Zelte vor Limerick aufgeschlagen waren, brach
Sarsfield demgem unter dem Schutze der Dunkelheit mit einem starken
Trupp Reiter und Dragoner auf. Er schlug die Strae nach Killaloe ein
und ging dort ber den Shannon. Den Tag ber hielt er sich mit seiner
Schaar in einem wilden Gebirgszuge versteckt, der nach den Silberminen,
welche er enthlt, benannt wird. Diese Gruben waren vor vielen Jahren
durch englische Unternehmer mit Hlfe von Ingenieuren und Arbeitern, die
sie vom Festlande mit herbergebracht, ausgebeutet worden. Aber in dem
Aufstande von 1641 hatte die eingeborne Bevlkerung die Werke zerstrt
und die Arbeiter niedergemacht, und die damals angerichteten
Zerstrungen waren nicht wieder reparirt worden. In dieser wsten Gegend
fehlte es Sarsfield nicht an Kundschaftern und Fhrern, denn das ganze
Landvolk von Munster war entschieden auf seiner Seite. Am Abend erfuhr
er, da das Detachement, welches die englische Artillerie eskortirte,
etwa sieben Meilen von Wilhelm's Lager auf einem grnen Wiesenplan unter
den verfallenen Mauern eines alten Schlosses fr die Nacht Halt gemacht
habe, da Offiziere und Mannschaften sich anscheinend vollkommen sicher
glaubten, da die Pferde abgezumt worden seien, um zu weiden, und da
selbst die Schildwachen schliefen. Als es dunkel geworden, verlieen
die irischen Reiter ihr Versteck und wurden von den Leuten der Gegend
nach dem Orte gefhrt, wo die Eskorte um die Kanonen herum im Schlafe
lag. Der Ueberfall gelang vollkommen. Einige von den Englndern sprangen
zu ihren Waffen und machten einen Versuch zum Widerstande, aber
vergebens. Etwa sechzig Mann fielen, ein einziger wurde lebend gefangen
genommen, die brigen ergriffen die Flucht. Die siegreichen Irlnder
schoben die Wagen und Geschtze zu einem ungeheuren Haufen zusammen,
jeder Kanonenlauf wurde voll Pulver gepfropft und mit der Mndung in die
Erde befestigt und so die ganze Masse in die Luft gesprengt. Der einzige
Gefangene, ein Leutnant, wurde von Sarsfield mit groer Artigkeit
behandelt. Wenn mir dieser Versuch milungen wre, sagte der tapfere
Irlnder, wrde ich nach Frankreich gegangen sein.[76]

In Wilhelm's Lager war die Nachricht gelangt, da Sarsfield sich
heimlich aus Limerick entfernt habe und in der Gegend umherstreife. Der
Knig errieth die Absicht seines tapferen Feindes und schickte
fnfhundert Reiter zum Schutze der Kanonen ab. Unglcklicherweise
entstand eine Verzgerung des Abmarsches, welche die Englnder,
jederzeit geneigt von den hollndischen Hflingen das Schlimmste zu
denken, der Nachlssigkeit oder dem Eigensinne Portland's zuschrieben.
Um ein Uhr Morgens brach das Detachement auf, hatte aber das Lager kaum
verlassen, als ein blitzhnlicher Lichtschein und ein donnerhnliches
Krachen dem breiten Thale des Shannon verkndete, da Alles vorber
war.[77]

Sarsfield war schon lngst der Liebling seiner Landsleute, und diese zur
rechten Seit klug ersonnene und energisch ausgefhrte Waffenthat hob ihn
noch hher in ihrer Achtung. Ihr Muth wuchs, whrend der der Belagerer
zu sinken begann, Wilhelm that sein Mglichstes, um den erlittenen
Verlust zu ersetzen. Zwei von den in die Luft gesprengten Kanonen wurden
noch brauchbar befunden, zwei andere wurden von Waterford geholt und
Batterien aus kleinen Feldstcken gebildet, die zwar gegen eine Festung
des Hennegau oder Brabant's nichts ausgerichtet haben wrden, auf die
schwachen Vertheidigungswerke von Limerick aber doch einige Wirkung
uerten. Mehrere Auenwerke wurden mit Sturm genommen und es begann
sich in dem Walle der Stadt eine Bresche zu zeigen.


[_Ankunft Baldearg O'Donnel's in Limerick._] Whrend dieser Operation
wurde die englische Armee durch einen Vorfall in Staunen und Heiterkeit
versetzt, der zwar keine sehr erheblichen Folgen hatte, aber auf das
Treffendste das wahre Wesen des irischen Jakobitismus characterisirt. In
der ersten Reihe der vornehmen celtischen Familien, welche bis zu Ende
der Regierung Elisabeth's in Ulster den Ton angaben, standen die
O'Donnel. Das Oberhaupt dieses Hauses hatte sich der Gewandtheit und
Energie Mountjoy's gefgt, hatte Jakob I. die Hand gekt und sich dazu
bequemt die rohe Unabhngigkeit eines Miniaturfrsten mit einer sehr
angesehenen Stellung unter den britischen Unterthanen zu vertauschen.
Eine kurze Zeit lang bekleidete der besiegte Huptling den Rang eines
Earls und war Gutsherr einer ungeheuren Besitzung, deren Souverain, er
einst gewesen. Bald aber begann er zu argwhnen, da die Regierung gegen
ihn conspirire, und aus Rache oder Nothwehr conspirirte er gegen die
Regierung. Seine Plne scheiterten, er flchtete auf den Continent, sein
Titel und seine Gter wurden eingezogen und auf dem Gebiete, das er
beherrscht hatte, ward eine angelschsische Colonie gegrndet.
Inzwischen suchte er am spanischen Hofe eine Freisttte. Zwischen diesem
Hofe und den eingebornen Irlndern hatte whrend des langen Kampfes
zwischen Philipp und Elisabeth ein freundschaftliches Verhltni
bestanden. Der verbannte Huptling wurde daher in Madrid als ein vor
seinen ketzerischen Verfolgern geflohener guter Katholik in Madrid
freundlich aufgenommen. Seine vornehme Abkunft und sein frstlicher
Rang, die den Englndern lcherlich erschienen, sicherte ihm die Achtung
der castilischen Granden. Seine Ehren und Wrden erbte eine Reihenfolge
verbannter Nachkommen, welche fern von dem Lande lebten und starben, wo
das Gedchtni seiner Familie bei dem rauhen Landvolke in Liebe bewahrt
und durch die Lieder der Minstrels und die Erzhlungen der Bettelmnche
aufgefrischt wurde. Endlich, im dreiundachtzigsten Jahre der Verbannung
dieser alten Dynastie wurde es in ganz Europa bekannt, da die Irlnder
wieder fr ihre Unabhngigkeit kmpften. Baldearg O'Donnel, der sich
der O'Donnel nannte, ein in den Augen seines Geschlechts viel
vornehmerer Titel als der eines Marquis oder eines Herzogs, war in
Spanien aufgewachsen und stand im Dienste der spanischen Regierung. Er
suchte bei dieser Regierung um die Erlaubni nach, sich nach Irland zu
begeben, die ihm aber verweigert wurde, weil das Haus Oesterreich jetzt
durch enge Bande mit England verknpft war. Der O'Donnel entwich daher
heimlich und gelangte auf einem weiten Umwege, auf dem er die Trkei
besuchte, nach Kinsale, wenige Tage nachdem Jakob von dort nach
Frankreich abgesegelt war. Der Eindruck, den die Ankunft dieses einsamen
Wanderers auf die eingeborne Bevlkerung machte, war wunderbar. Seit der
Wiedereroberung Ulster's durch die Englnder waren groe Massen der
irischen Bewohner dieser Provinz nach dem Sden ausgewandert und fhrten
jetzt in Connaught und Munster ein nomadisirendes Leben. Diese Leute,
von Kindheit auf daran gewhnt, von der guten alten Zeit erzhlen zu
hren, wo der O'Donnel durch den Nachfolger St. Columban's auf den
Felsen von Kilmacrenan feierlich eingesetzt, den Fremden des schsischen
Gebiets zum Trotz ber die Gebirge von Donegal regiert hatte, schlossen
sich dem Banner des zurckgekehrten Verbannten an. Er stand bald an der
Spitze von sieben- bis achttausend Rapparees oder Creaghts, wie sie in
Ulster genannt wurden, und seine Anhnger hielten zu ihm mit einer
Hingebung, welche auffallend mit dem lauen Gefhle contrastirte, das der
schsische Knig Jakob einzuflen vermocht hatte. Priester und sogar
Bischfe sah man in dem Gefolge des Abenteurers. Der ihm zu Theil
gewordene Empfang machte ihn so stolz, da er Agenten nach Frankreich
schickte, welche den Ministern Ludwig's versicherten, da der O'Donnel,
wenn man ihm Waffen und Munition lieferte, dreiigtausend Celten aus
Ulster ins Feld stellen wrde und da die Celten von Ulster in allen
militrischen Eigenschaften denen von Leinster, Munster und Connaught
bei weitem berlegen seien. Baldearg bediente sich keines Ausdrucks,
welcher verrathen htte, da er sich als einen Unterthan betrachtete. Er
war offenbar der Meinung, das Haus O'Donnel sei eben so cht und
unveruerlich kniglich wie das Haus Stuart, und nicht wenige von
seinen Landsleuten waren der nmlichen Ansicht. Er hielt einen
pomphaften Einzug in Limerick und sein Erscheinen steigerte die
Hoffnungen der dortigen Besatzung auf eine unglaubliche Hhe. Man
erinnerte sich zahlreicher Prophezeiungen oder erfand solche. Ein
O'Donnel mit einem rothen Maale sollte der Befreier seines Vaterlandes
werden, und der Name Baldearg bedeutete ein rothes Maal. Ein O'Donnel
sollte bei Limerick eine groe Schlacht ber die Englnder gewinnen, und
der O'Donnel stand jetzt in Limerick den Englndern gegenber.[78]


[_Die Belagerer leiden vom Regen._] Whrend diese Prophezeiungen von den
Vertheidigern der Stadt eifrig wiederholt wurden, begannen schlimme
Vorzeichen, die sich aber nicht auf barbarische Orakel, sondern auf
gewichtige militrische Grnde sttzten, Wilhelm und seine erfahrensten
Offiziere zu beunruhigen. Der von Sarsfield gefhrte Schlag hatte
empfindlich getroffen; die Artillerie hatte nur langsam gewirkt und
nichts Vollkommenes erreicht; der Pulvervorrath war zusammengeschmolzen
und die Herbstregen stellten sich ein. Die in den Laufgrben arbeitenden
Soldaten standen bis an die Knie im Schlamme. Keine Vorsichtsmaregel
wurde verabsumt; aber obgleich Kanle zur Ableitung des Wassers
gegraben wurden und Kessel voll Usquebaugh und Brandy die ganze Nacht in
den Zelten ber Feuer standen, waren doch schon Fieberflle vorgekommen
und man hatte allen Grund zu befrchten, da, wenn die Armee nur noch
einige Tage auf diesem sumpfigen Boten zubrachte, eine verheerendere
Seuche ausbrechen wrde als die, welche ein Jahr frher unter den Mauern
von Dundalk gewthet hatte.[79] Es wurde ein Kriegsrath gehalten. Man
beschlo eine groe Anstrengung zu machen und, falls diese Anstrengung
nicht gelang, die Belagerung aufzuheben.


[_Erfolgloser Sturm auf Limerick; die Belagerung aufgehoben._] Am
27.August um drei Uhr Nachmittags, wurde das Zeichen zum Angriff
gegeben. Fnfhundert Grenadiere strmten aus den Laufgrben gegen die
Contrescarpe, feuerten ihre Geschtze ab und warfen ihre Granaten. Die
Irlnder flohen in die Stadt und wurden von den Angreifenden verfolgt,
die in ihrem Siegestaumel auf keine Befehle warteten. Hier entspann
sich nun ein furchtbarer Straenkampf. Sobald die Irlnder sich von dem
ersten Schrecken erholt hatten, hielten sie tapfer Stand, und die durch
die Uebermacht erdrckten Englnder wurden mit groem Verlust nach der
Contrescarpe zurckgetrieben. Hier fand ein langer und verzweifelter
Kampf statt. Wann htte auch der katholische Celte kmpfen sollen, wenn
er nicht an diesem Tage kmpfte? Selbst die Frauen von Limerick nahmen
am Kampfe Theil, hielten im heftigsten Feuer aus und warfen Steine
und zerbrochene Flaschen auf den Feind. In dem Augenblicke wo der
Kampf am heftigsten war, explodirte eine Mine und sprengte ein schnes
Grenadierbataillon in die Luft. Vier Stunden dauerte das Gemetzel und
Schlachtgetmmel. Die dicke Rauchwolke, die von der Bresche aufstieg,
wurde Meilen weit vom Winde fortgetragen und verschwand hinter den
Bergen von Clare. Spt am Abend zogen sich die Belagerer langsam und
mimuthig in ihr Lager zurck. Sie hofften, da am nchsten Morgen
ein zweiter Angriff gemacht werden wrde, und die Soldaten schwuren,
die Stadt zu nehmen oder zu sterben. Aber der Pulvervorrath war jetzt
fast gnzlich erschpft und der Regen fiel in Strmen; die schwarzen
Wolkenmassen welche aus Sdwesten herangezogen, drohten mit mehr Tod
und Verderben als das Schwert, und man hatte mehr Grund zu befrchten,
da die schon jetzt mit tiefem Kothe bedeckten Straen bald in einem
Zustande sein wrden, der das Fortkommen von Rderfuhrwerken unmglich
machte. Der Knig beschlo die Belagerung aufzuheben und seine Truppen
in eine gesndere Gegend zu bringen. Er war in der That schon lange
genug geblieben, denn nur mit groer Anstrengung konnten seine Kanonen
und Wagen durch lange Ochsengespanne fortbewegt werden.[80]

Die Geschichte der ersten Belagerung von Limerick hat in mancher
Beziehung groe Aehnlichkeit mit der Geschichte der Belagerung von
Londonderry. Die Stadt des Sdens war, wie die des Nordens, das letzte
Asyl einer Kirche und einer Nation. Beide Orte waren mit Flchtlingen
aus allen Theilen Irland's angefllt. Beide schienen Mnnern, welche die
Kriegswissenschaft regelrecht studirt hatten, unfhig einem Feinde
Widerstand zu leisten. Beide wurden im Augenblicke der hchsten Gefahr
von den Befehlshabern verlassen, die sie htten vertheidigen sollen.
Lauzun und Tyrconnel gaben Limerick preis, wie Cunningham und Lundy
Londonderry preisgegeben hatten. In beiden Fllen kmpften religise und
patriotische Begeisterung ohne Beistand gegen eine groe Uebermacht, und
in beiden Fllen erreichten religise und patriotische Begeisterung was
erfahrene Krieger nur zu versuchen fr Wahnsinn erklrt hatten.


[_Tyrconnel und Lauzun gehen nach Frankreich._] Es war keine
angenehme Ueberraschung fr Lauzun und Tyrconnel, als sie in Galway
den glcklichen Ausgang des Kampfes erfuhren, an welchem sie Theil
zu nehmen sich geweigert hatten. Sie hatten Irland satt, und da
sie berdies frchteten, da ihr Benehmen in Frankreich ungnstig
beurtheilt werden mchte, beschlossen sie ihren Anklgern zuvorzukommen
und schifften sich zusammen nach dem Continent ein.

Bevor Tyrconnel abreiste, bertrug er seine Civilautoritt einem
Collegium, seine militrische Autoritt einem andren. Der junge Herzog
von Berwick wurde zum Oberbefehlshaber erklrt; doch war diese Wrde
blos nominell. Sarsfield, der unbestreitbar der erste irische Soldat
war, nahm in der Liste des Rathes, dem die Leitung des Kriegs bertragen
war, die letzte Stelle ein, und Manche glaubten, da er gar nicht in
derselben figurirt haben wrde, htte der Viceknig nicht gefrchtet,
durch Weglassung eines so populren Mannes eine Meuterei herbeizufhren.


[_Wilhelm kehrt nach England zurck._] Wilhelm war inzwischen in
Waterford angekommen und von hier nach England gesegelt. Vor seiner
Einschiffung bertrug er die Verwaltung Irland's drei Lords Justices.
Heinrich Sidney, jetzt Viscount Sidney, war der erste Commissar, und ihm
standen Coningsby und Sir Karl Porter zur Seite. Porter hatte frher das
groe Siegel bewahrt, es war ihm aber, lediglich weil er Protestant war,
von Jakob abgenommen worden, und jetzt erhielt er es von Wilhelm wieder.


[_Wilhelm's Empfang in England._] Am 6.September landete der Knig nach
einer vierundzwanzigstndigen Ueberfahrt in Bristol. Von da reiste er
nach London, unterwegs in den Schlssern einiger vornehmen Lords
einsprechend, und man bemerkte, da Alle, denen diese Auszeichnung
widerfuhr, Tories waren. Den einen Tag wurde er in Badminton vom Herzoge
von Beaufort bewirthet, von dem man vermuthete, da es ihm groe
Ueberwindung gekostet habe, die Eide zu leisten; an einem der folgenden
Tage in einem groen Hause unweit Marlborough, das in unsrer Zeit, vor
der gewaltigen Revolution, welche die Eisenbahnen hervorgebracht, als
einer der besten Gasthfe England's berhmt war, das aber im
17.Jahrhundert ein Landsitz des Herzogs von Somerset war. Wilhelm
wurde allenthalben mit Zeichen der Achtung und Freude empfangen. Sein
Feldzug hatte zwar nicht ganz so glcklich geendet wie er begonnen,
im Ganzen aber war sein Erfolg ber Erwarten gro gewesen und hatte
deutlich gezeigt, wie weise er gehandelt, indem er sich selbst an die
Spitze seiner Armee stellte. Auch war die Plnderung von Teignmouth
bei den Englndern noch in frischem Andenken und hatte Alle, bis auf
die fanatischesten Jakobiten, sowohl mit einander als auch mit dem
Throne ausgeshnt. Die Magistratur und die Geistlichkeit der Hauptstadt
begaben sich nach Kensington, um dem Knige ihre Danksagungen und
Glckwnsche darzubringen. Das Volk lutete die Glocken und zndete
Freudenfeuer an. An die Stelle des Papstes, den die guten Protestanten
sonst zu verbrennen pflegten, trat bei dieser Gelegenheit der
franzsische Knig, wahrscheinlich zur Vergeltung fr die schimpfliche
Behandlung, welche der pariser Pbel dem Bilde Wilhelm's hatte zu Theil
werden lassen. Eine Wachspuppe, jedenfalls eine abscheuliche Carricatur
des liebenswrdigsten und majesttischesten Frsten, den es je gegeben,
wurde auf einem Karren nach Westminster gefahren. Darber waren in
groen Buchstaben die Worte zu lesen: Ludwig, von vierzehn Tyrannen
der grte. Nach der Prozession wurde die Figur unter lauten Hurrahs
in Coventgarden den Flammen bergeben.[81]


[_Expedition nach dem Sden Irland's._] Als Wilhelm in London ankam, war
die nach Cork bestimmte Expedition bereit, von Portsmouth abzusegeln,
und Marlborough war schon seit einiger Zeit an Bord in Erwartung
gnstigen Windes. Grafton begleitete ihn. Dieser junge Mann war
unmittelbar nach Jakob's Abreise und whrend der Thron noch unbesetzt
war, von Wilhelm zum Obersten des ersten Gardeinfanterieregiments
ernannt worden. Die Revolution war kaum vollbracht, als sich in diesem
Regimente, das wegen seines besonderen Dienstes wie auch wegen seiner
numerischen Strke das wichtigste von allen Regimentern der Armee war,
Zeichen von Mistimmung bemerklich zu machen begannen, und man glaubte,
der Oberst habe diesen schlechten Geist nicht mit der gehrigen Energie
unterdrckt. Man wute, da er mit der neuen Ordnung der Dinge nicht
ganz zufrieden war, denn er hatte fr eine Regentschaft gestimmt, und es
circulirte das vielleicht grundlose Gercht, da er mit Saint-Germains
in Verbindung stehe. Das ehrenvolle und eintrgliche Commando, zu dem er
eben erst ernannt worden war, wurde ihm wieder entzogen.[82] Obwohl tief
gekrnkt, benahm er sich doch als ein Mann von Einsicht und Takt. Um zu
beweisen, da der auf ihm ruhende Verdacht unbegrndet war, und von dem
ehrenwerthen Wunsche beseelt, sich in seinem Berufe auszuzeichnen, hatte
er die Erlaubni nachgesucht und erhalten, als Freiwilliger unter
Marlborough in Irland zu dienen.

Am 18.September sprang endlich der Wind um. Die Flotte ging in See und
erschien am 21. vor den Hafen von Cork. Die Truppen landeten und
vereinigten sich alsbald mit mehreren von der Armee, welche kurz zuvor
Limerick belagert hatte, detachirten hollndischen, dnischen und
franzsischen Regimentern unter den Befehlen des Herzogs von Wrtemberg.
Der Herzog machte sofort einen Anspruch geltend, der der Expedition sehr
nachtheilig htte werden knnen, wenn der englische General nicht ein
Mann von seltener Einsicht und Migung gewesen wre. Seine Hoheit
behauptete, da er als Prinz eines souverainen Frstenhauses zur Fhrung
des Obercommandos berechtigt sei. Marlborough setzte ihm mit aller Ruhe
und Artigkeit auseinander, da sein Anspruch unbillig sei. Es entspann
sich ein Streit, in welchem der Deutsche sich mit rcksichtsloser
Heftigkeit, der Englnder mit der ritterlichen Festigkeit benommen haben
soll, der er vielleicht mehr noch als seinen ausgezeichneten Talenten
seinen Erfolg im Leben verdankte. Endlich schlug ein hugenottischer
Offizier einen Vergleich vor. Marlborough verstand sich dazu, einen
Theil seiner Rechte nachzulassen und dem Herzoge einen Tag um den andern
den Vorrang einzurumen. Den ersten Morgen an welchem Marlborough das
Obercommando hatte, gab er die Parole Wrtemberg. Das Herz des Herzogs
wurde durch diese Artigkeit gewonnen, und am folgenden Tage gab er die
Parole Marlborough.


[_Marlborough nimmt Cork._] Doch wer auch die Parole geben mochte, das
Genie behauptete seine unveruerliche Ueberlegenheit. Marlborough war
jeden Tag der wirkliche General. Cork wurde mit Energie angegriffen und
ein Auenwerk nach dem andren rasch genommen. In achtundvierzig Stunden
war Alles vorber. Die Spuren des kurzen Kampfes sind heute noch
sichtbar. Das alte Fort, wo die Irlnder am hartnckigsten kmpften,
liegt in Trmmern. Die dorische Kathedrale, welche dem alten Thurme so
unschn angebaut ist, nimmt die Stelle eines gothischen Bauwerkes ein,
welches durch die englischen Kanonen zertrmmert wurde. Auf dem nahen
Kirchhofe zeigt man noch die Stelle, wo viele Jahrhunderte hindurch
einer jener runden Thrme stand, die den Alterthumsforschern viel
Kopfzerbrechens verursacht haben. Dieses ehrwrdige Baudenkmal theilte
das Schicksal der benachbarten Kirche. Eine andre Stelle, welche jetzt
die Mall heit und mit den stattlichen Husern von Bank-, Eisenbahn- und
Versicherungsgesellschaften besetzt ist, die abermals ein unter dem
Namen Rape Marsh bekannter Sumpf war, rckten vier englische Regimenter,
bis unter die Arme im Wasser watend, tapfer zum Sturme vor. Grafton,
stets der Erste in der Gefahr, wurde, whrend er sich durch den Schlamm
arbeitete, von einem feindlichen Schusse getroffen und sterbend
zurckgetragen. Die Stelle wo er fiel, damals etwa hundert Schritt weit
auerhalb der Stadt, gegenwrtig aber im Mittelpunkte des
Geschftsverkehrs und der Bevlkerung gelegen, heit noch jetzt Grafton
Street. Die Strmenden hatten den Sumpf durchwatet und der Kampf Mann
gegen Mann sollte eben beginnen, als das Zeichen zum Parlamentiren
gegeben wurde. Die Bedingungen der Kapitulation waren bald festgesetzt.
Die aus vier- bis fnftausend Mann bestehende Besatzung wurde als
gefangen betrachtet. Marlborough versprach, sich fr sie sowohl als auch
fr die Einwohner beim Knige zu verwenden und Gewaltthtigkeiten und
Plnderung nicht zu gestatten. Es gelang ihm seine Truppen im Zaume zu
halten; aber Schaaren von Matrosen und Lagertro drangen durch die
Bresche in die Stadt und die Huser vieler Katholiken wurden demolirt,
ehe die Ordnung wieder hergestellt werden konnte.


[_Marlborough nimmt Kinsale._] Kein Feldherr hat es jemals besser
verstanden einen Sieg zu benutzen als Marlborough. Wenige Stunden
nachdem Cork gefallen, war seine Reiterei schon auf dem Wege nach
Kinsale. Es wurde ein Trompeter abgesandt, um die Stadt zur Uebergabe
aufzufordern. Die Irlnder drohten ihn zum Lohn fr diese Botschaft
aufzuhngen, zndeten die Stadt an und zogen sich in zwei Forts, das
alte und das neue genannt, zurck. Die englische Reiterei kam gerade
noch zur rechten Zeit an, um das Feuer zu lschen. Ihr folgte
Marlborough mit seiner Infanterie auf dem Fue. Das alte Fort wurde
erstrmt und funfzig Mann, die es vertheidigten, smmtlich getdtet oder
gefangen genommen. Das neue Fort mute systematischer angegriffen
werden. Es wurden Batterien aufgefahren, Laufgrben erffnet und Minen
gesprengt; in wenigen Tagen waren die Belagerer Herren der Contrescarpe,
und Alles war zum Sturme bereit, als der Gouverneur sich erbot zu
kapituliren. Die zwlfhundert Mann starke Besatzung durfte sich nach
Limerick zurckziehen, aber die Sieger ergriffen Besitz von den
Vorrthen, welche einen bedeutenden Werth hatten. Von allen irischen
Hfen war Kinsale fr den Verkehr mit Frankreich am gnstigsten gelegen,
und es herrschte daher dort ein in allen anderen Theilen von Munster
unbekannter Ueberflu. In Limerick waren Brot und Wein ein Luxus, den
sich selbst Generle und Staatsrthe nicht immer verschaffen konnten. Im
neuen Fort von Kinsale aber fand Marlborough tausend Barrels Weizen und
achtzig Pipen Claret.

Sein Sieg war vollstndig und rasch gewesen, und rasch mute er auch
sein, sonst wre er nicht vollstndig gewesen. So kurz sein Feldzug war,
hatte er doch lange genug gedauert, um der feuchten Erde und Luft von
Irland Zeit zum Beginn des tdtlichen Werkes zu lassen, von welchem die
englischen Soldaten damals zur Herbstzeit selten verschont blieben. Die
Krankheit, welche die Reihen der Armee Schomberg's bei Dundalk gelichtet
und Wilhelm gezwungen hatte, sich eiligst von der Mndung des Shannon
zurckzuziehen, hatte sich in Kinsale zu zeigen begonnen. So rasch und
energisch Marlborough seine Operationen betrieb, verlor er doch viel
mehr Leute durch diese Krankheit, als durch das Feuer des Feindes. Nur
fnf Wochen nach seiner Abfahrt von Portsmouth machte er in Kensington
seine Aufwartung und wurde sehr freundlich empfangen. Kein lebender
Offizier, sagte Wilhelm, der so wenig Dienstjahre aufzuweisen hat wie
Mylord Marlborough, ist so wie er zu groen Commandos befhigt.[83]


[_Die schottischen Angelegenheiten._] In Schottland hatte sich die
Gestalt der Dinge, wie in Irland, whrend dieses denkwrdigen Sommers
bedeutend in gutem Sinne gendert. Der Club mivergngter Whigs, der im
vorhergehenden Jahre das Parlament beherrscht, die Minister
eingeschchtert, die Steuern verweigert und die Functionen des
Staatssiegels gehemmt hatte, war der allgemeinen Verachtung
anheimgefallen und hatte endlich aufgehrt zu existiren. Der Souverain
harmonirte mit den Stnden und der lange Kampf zwischen zwei Formen des
Kirchenregiments war auf dem einzigen, mit der Ruhe und dem Gedeihen des
Landes vereinbaren Wege beendigt worden.


[_Intriguen Montgomery's mit den Jakobiten._] Dieser glckliche
Umschwung der Dinge mu hauptschlich den Fehlgriffen des perfiden,
unruhigen und rachschtigen Montgomery zugeschrieben werden. Einige
Wochen nach dem Schlusse der Session, whrend der er eine unbegrenzte
Autoritt ber das schottische Parlament ausgebt hatte, begab er sich
mit seinen beiden Hauptverbndeten, dem Earl von Annandale und Lord Ro,
nach London. Die Drei hatten eine Audienz bei Wilhelm und berreichten
ihm ein Manifest, in welchem ihre Forderungen fr das Gemeinwohl
dargelegt waren. Sie wrden sehr bald einen andren Ton angenommen haben,
wenn er ihnen bewilligt htte, was sie fr sich selbst verlangten. Aber
er zrnte ihnen heftig wegen ihres Benehmens und war entschlossen, sie
dafr da sie ihm geschadet, nicht noch zu bezahlen. Der Empfang, der
ihnen zu Theil wurde, berzeugte sie, da sie keine Gunst von ihm zu
erwarten hatten. Montgomery war ein Mann von heftigen Leidenschaften, er
war arm und brauchte dringend Geld, und wenn er sich nicht bald in ein
eintrgliches Amt drngen konnte, so lief er Gefahr, im Gefngnisse zu
verfaulen. Da keine Aussicht mehr war, da Wilhelm seine Dienste kaufen
wrde, so muten sie Jakob angeboten werden. Ein Vermittler wurde bald
gefunden. Montgomery war ein alter Bekannter Ferguson's. Die beiden
Verrther verstndigten sich bald. Sie waren verwandte Geister, zwar
weit verschieden in Bezug auf Intelligenz, aber in gleichem Grade eitel,
ruchlos, falsch und bswillig. Montgomery wurde Neville Payne, einem der
gewandtesten und entschlossensten Agenten des verbannten Knigshauses,
vorgestellt. Payne war seit langer Zeit in der Stadt als ein Kannegieer
in Poesie und Politik bekannt. Er war ein intimer Freund des indiscreten
und unglcklichen Coleman gewesen und hatte als Theilnehmer an der
papistischen Verschwrung in Newgate gesessen. Sein moralischer
Character war nicht weit her; aber er hatte bald Gelegenheit zu
beweisen, da er einen Muth und eine Treue besa, die einer besseren
Sache als der Sache Jakob's und eines besseren Bundesgenossen als
Montgomery's wrdig gewesen wren.

Die Unterhandlung endete sehr bald in einen Allianzvertrag. Payne
versprach Montgomery mit Bestimmtheit nicht nur Verzeihung, sondern auch
Reichthum, Macht und Ehren. Mit eben so groer Zuversicht machte
Montgomery sich verbindlich, das schottische Parlament zur Zurckrufung
des rechtmigen Knigs zu bestimmen. Ro und Annandale genehmigten
bereitwillig Alles was ihr geschickter und thtiger College vorschlug.
Ein Abenteurer, der sich bald Simpson, bald Jones nannte, der stets
bereit war, fr Geld jeder Regierung zu dienen und jede Regierung zu
verrathen und der gleichzeitig von Portland und von Neville Payne
besoldet wurde, nahm es auf sich, Jakob die Anerbietungen des Clubs zu
berbringen. Montgomery und seine beiden edlen Complicen kehrten nach
Edinburg zurck und schritten dort zur Bildung einer Coalition mit
ihren alten Feinden, den Vertheidigern der Prlatur und der
Willkrherrschaft.[84]


[_Krieg in den Hochlanden._] Die schottische Opposition, ein
wunderliches Gemisch von zwei Parteien, deren eine aller Freiheit feind
war, whrend die andre von keiner Regierung etwas wissen wollte,
schmeichelte sich eine Zeit lang mit der Hoffnung, da der Krieg in den
Hochlanden mit verdoppelter Wuth wieder ausbrechen werde. Aber diese
Hoffnung wurde getuscht. Im Frhjahr 1690 kam ein Offizier Namens
Buchan aus Irland in Lochaber an. Er hatte ein Patent bei sich, das ihn
zum Oberbefehlshaber aller Truppen ernannte, die im ganzen Knigreiche
Schottland fr Knig Jakob unter den Waffen standen. Cannon, der seit
Dundee's Tode die erste Stelle bekleidet und sich derselben nicht
gewachsen gezeigt hatte, wurde der Zweite im Commando. Es wurde jedoch
durch diesen Wechsel nicht viel gewonnen. Es war keine leichte Aufgabe,
die glischen Frsten zur Wiederaufnahme des Kampfes zu bewegen. In der
That, ohne den Einflu und die Beredtsamkeit Lochiel's wrde nicht ein
einziges Schwert fr das Haus Stuart gezogen worden sein. Nicht ohne
Mhe berredete er die Huptlinge, welche das Jahr vorher bei
Killiecrankie gefochten hatten, zu dem Entschlusse zu kommen, da sie
vor Ende des Sommers alle ihre Anhnger aufbieten und in das Niederland
einrcken wollten. Inzwischen wurden zwlfhundert Bergschotten
verschiedener Stmme unter Buchan's Commando gestellt, der sich
verpflichtete, mit dieser Truppe die englischen Garnisonen bestndig
durch Scheinangriffe und Streifzge zu beunruhigen, bis die Zeit zu
wichtigeren Operationen gekommen sein wrde. Zu dem Ende rckte er in
Strathspey ein. Aber alle seine Plne wurden sehr bald durch die
Khnheit und Gewandtheit Sir Thomas Livingstone's vereitelt, der
Inverne fr Knig Wilhelm besetzt hielt. Unter der Fhrung und dem
Beistande der Grants, welche der neuen Regierung treu ergeben waren, kam
Livingstone mit einem starken Corps Reiterei und Dragonern in
Eilmrschen und ber steile Gebirgspsse zu der Stelle, wo die Jakobiten
ihre Quartiere aufgeschlagen hatten. Mitten in der Nacht erreichte er
die Lagerfeuer. Der erste Alarm wurde durch das Einstrmen der
Cavallerie ber die entsetzten Schildwachen hinweg mitten unter die
Celten gegeben, welche in ihre Plaids gehllt schliefen. Buchan entkam
im bloen Kopfe und ohne Degen. Cannon lief im Hemd davon. Vierhundert
Hochlnder wurden erschlagen oder gefangen genommen, und die brigen
flohen in ihre Berge und Nebel.[85]

Dieses Ereigni machte allen Gedanken an einen Brgerkrieg ein Ende, und
die fr den Sommer beabsichtigte Zusammenziehung der Mannschaften fand
nicht statt. Lochiel war, wenn er auch gewollt htte, nicht im Stande,
die im Fallen begriffene Sache lnger zu halten. Er war durch einen
Unfall aufs Krankenlager geworfen worden, der allein hinreichte, um zu
beweisen, wie wenig durch eine Confderation der kleinen Gebirgsknige
ausgerichtet werden konnte. Bei einer Berathung zwischen den
jakobitischen Anfhrern sprach ein Gentleman aus dem Niederlande sehr
hart von jenen Schmarotzern, die ihren Glauben gewechselt, um sich bei
Knig Jakob einzuschmeicheln. Glengarry war einer von Denen, die es fr
ehrenvoll halten anzunehmen, da Jedermann bestndig die Absicht habe,
sie zu beleidigen. Er setzte es sich in den Kopf, da man auf ihn habe
anspielen wollen. Ich bin ein eben so guter Protestant als Sie, rief
er aus, und setzte ein Wort hinzu, das ein Mann von Ehrgefhl nicht
ruhig hinnehmen konnte. In einem Nu waren beide Schwerter aus der
Scheide. Lochiel warf sich zwischen die Kmpfenden und whrend er sie
auseinander zu reien suchte, erhielt er eine Wunde, die man zuerst fr
tdtlich hielt.[86]


[_Fort William erbaut._] Der Muth der mivergngten Clans war so
wirksam gebrochen, da Mackay ohne auf Widerstand zu stoen von Perth
nach Lochaber marschirte, in Inverlochy sein Hauptquartier aufschlug
und zur Ausfhrung seines Lieblingsplanes schritt, hier eine Festung
zu erbauen, welche die aufstzigen Camerons und Macdonalds in Schach
halten konnte. Binnen wenigen Tagen waren die Mauern fertig, die
Grben angelegt und die Pallisaden eingeschlagen, die Brustwehren mit
Feldschlangen von einem Kriegsschiffe besetzt, und der General reiste
ab, einen Offizier Namens Hill als Commandant einer ausreichenden
Besatzung zurcklassend. Innerhalb der Mauern fehlte es nicht an
Hafermehl, Pcklingen und Rindfleisch, und an Branntwein war Ueberflu
vorhanden. Die neue Festung, welche, so eilig und kunstlos sie erbaut
war, den Bewohnern der Umgegend ohne Zweifel als das grte Wunderwerk
erschien, das die Macht im Verein mit der Wissenschaft je ins Leben
gerufen, wurde zu Ehren des Knigs Fort William genannt.[87]


[_Zusammentritt des schottischen Parlaments._] Mittlerweile war das
schottische Parlament in Edinburg wieder zusammengetreten. Wilhelm hatte
sich berzeugt, da es kein leichtes Ding sei zu entscheiden, wie er es
mit dieser launenhaften und unlenksamen Versammlung halten sollte. Die
Gemeinen England's hatten ihn zuweilen aufgebracht. Doch sie hatten ihm
Millionen bewilligt und von ihm niemals Concessionen verlangt, wie sie
die schottische Legislatur, die ihm wenig geben konnte und ihm gar
nichts gegeben hatte, gebieterisch gefordert. Die englischen
Staatsmnner standen im allgemeinen nicht hoch in seiner Achtung und sie
verdienten es auch nicht. Aber wenige unter ihnen waren so durch und
durch falsch und schamlos wie die leitenden Staatsmnner Schottlands.
Hamilton stand in Bezug auf Moralitt und Ehrgefhl eher ber als unter
seinen Collegen, und auch er war wankelmthig, falsch und habgierig.
Wilhelm lie sich einst zu der Aeuerung hinreien: Ich wollte
Schottland lge tausend Meilen weit von hier und der Herzog von Hamilton
wre Knig davon. Dann wre ich sie beide los.


[_Melville Lord Obercommissar._] Nach reiflicher Ueberlegung beschlo
Wilhelm, Melville als Lord Obercommissar nach Edinburg zu schicken.
Melville war weder ein groer Staatsmann, noch ein groer Redner; er sah
nicht aus wie der Reprsentant des Knigs, sein Character hatte nur das
Durchschnittsma der Reinheit, und dieses Durchschnittsma war bei den
schottischen Senatoren nicht gro; aber es fehlte ihm nicht an
Besonnenheit und Migung, und er reussirte im Ganzen besser, als ein
Mann von weit glnzenderen Eigenschaften reussirt haben wrde.


[_Die Regierung erlangt die Majoritt._] Whrend der ersten Tage der
Session waren die Freunde der Regierung muthlos und die Hupter der
Opposition gaben sich sanguinischen Hoffnungen hin. Die Triumphe des
vorhergehenden Jahres hatten Montgomery den Kopf verrckt, obwohl er
keineswegs zu den Schwachen gehrte. Er glaubte seine Intriguen und
seine schnen Reden htten die Stnde vollstndig besiegt. Nachdem er
eine unbegrenzte Herrschaft im Parlamente ausgebt hatte, als die
Jakobiten abwesend waren, schien es ihm unmglich, da er jetzt, wo sie
anwesend und bereit waren, jeden seiner Vorschlge zu untersttzen,
geschlagen werden knnte. Es war ihm allerdings nicht leicht geworden,
sie zum Erscheinen zu bewegen. Denn sie konnten ihre Sitze nicht
einnehmen, ohne die Eide zu leisten. Einige unter ihnen trugen ein wenig
Bedenken, meineidig zu werden, und Viele, die nicht wuten, was ein
Gewissensskrupel war, frchteten den rechtmigen Knig zu beleidigen,
wenn sie dem faktischen Knige Treue schwuren. Einige Lords aber, die
fr Vertraute Jakob's galten, versicherten, ihres Wissens wnsche er,
da seine Freunde falsch schwrten, und diese Versicherung bewog die
Mehrzahl der Jakobiten, mit Balcarras an der Spitze, sich einer durch
Gottlosigkeit erschwerten Treulosigkeit schuldig zu machen.[88]

Es stellte sich jedoch bald heraus, da Montgomery's Partei, selbst mit
dieser Verstrkung, nicht mehr die Majoritt in der gesetzgebenden
Versammlung bildete. Fr Jeden den er gewonnen, hatte er Zwei verloren.
Er hatte einen Fehler begangen, der in der britischen Geschichte mehr
als einmal groen parlamentarischen Fhrern verderblich geworden ist. Er
hatte geglaubt, da, sobald es ihm einfiele, sich mit Denen zu
verbinden, denen er vor kurzem noch feindlich gegenbergestanden hatte,
alle seine Anhnger seinem Beispiele folgen wrden. Allein er berzeugte
sich bald, da es viel leichter war, Erbitterung hervorzurufen als sie
zu beschwichtigen. Die groe Masse der Whigs und Presbyterianer scheute
sich davor, mit den Jakobiten gemeinschaftliche Sache zu machen. Einige
Unschlssige wurden von der Regierung erkauft, und zwar um einen sehr
migen Preis, denn eine Summe, die im englischen Staatsschatze kaum
vermit wurde, war fr die armen Barone des Nordens sehr bedeutend.[89]
So sank die Wagschale auf der andren Seite, und in den schottischen
Parlamenten der damaligen Zeit war das Sinken der Wagschale Alles; die
Majoritten hatten stets die Tendenz zu wachsen, die Minoritten die
Tendenz sich zu vermindern.

Die erste Frage, ber welche eine Abstimmung vorgenommen wurde,
bezog sich auf die Wahl fr einen Burgflecken. Die Minister trugen
mit sechs Stimmen den Sieg davon.[90] In einem Augenblicke war Alles
verndert, der Zauber war zerstrt, der Club wurde von einem Popanz
zur Zielscheibe des Spotts, die Aengstlichen und die Kuflichen
gingen massenhaft von der schwcheren zur strkeren Seite ber.
Umsonst versuchte die Opposition, die Streitigkeiten vom vorigen
Jahre wieder anzuregen. Der Knig hatte Melville wohlweislich
ermchtigt, den Artikelausschu aufzugeben. Die Stnde auf der
andren Seite bezeigten keine Lust, eine zweite Incapacittsacte zu
erlassen, die Regierung wegen Erffnung der Gerichtshfe zu tadeln,
oder das Recht des Souverains, Richter zu ernennen, in Frage zu
stellen. Es wurde eine auerordentliche Steuer bewilligt, die nach
den Begriffen der englischen Finanzmnner zwar klein, nach den
Hlfsquellen Schottland's aber bedeutend war. Die bewilligte Summe war
hundertzweiundsechzigtausend Pfund Sterling, binnen vier Jahren zu
entrichten.[91]

Die Jakobiten, welche nun sahen, da sie ohne Nutzen meineidig geworden
waren, schmten und rgerten sich, whrend Montgomery, der sich und sie
getuscht und der in seiner Wuth zwar nicht seine Talente und seinen
Redeflu, wohl aber alles Anstandsgefhl und alle Selbstbeherrschung
verloren hatte, wie ein Wassertrger schimpfte und von Sir Johann
Dalrymple mit gleicher Heftigkeit und mit mehr als gleicher Gewandtheit
ebenso behandelt wurde.[92]


[_Kirchliche Gesetzgebung._] Die wichtigsten Acte dieser Session waren
die, welche die kirchliche Verfassung Schottland's feststellten. Durch
die Rechtsforderung war erklrt worden, da die Autoritt der Bischfe
eine unertrgliche Last sei, und Wilhelm hatte sich durch Annahme der
Krone verpflichtet, eine Institution, welche durch das nmliche
Instrument, von dem sein Recht auf die Krone abhing, verurtheilt wurde,
nicht aufrecht zu erhalten. Aber die Rechtsforderung hatte die Form des
Kirchenregiments nicht bestimmt, welche an die Stelle des Episkopats
treten sollte, und whrend der strmischen Session im Sommer 1689 hatte
die Heftigkeit des Clubs alle Gesetzgebung unmglich gemacht. Viele
Monate lang war daher Alles in Verwirrung gewesen. Eine Verfassung war
umgestrzt, aber keine andre dafr aufgerichtet worden. In dem
westlichen Niederlande waren die Pfarrgeistlichen so wirksam
gemihandelt worden, da kaum einer von ihnen auf seinem Posten
geblieben war. In Berwickshire, den drei Lothians und Stirlingshire
waren die meisten Curaten durch den Geheimen Rath ihres Amtes entsetzt
worden, weil sie dem Beschlusse der Convention, der allen
Pfarrgeistlichen bei Strafe der Absetzung vorschrieb, Wilhelm und Marien
zum Knige und zur Knigin von Schottland zu proklamiren, nicht Folge
geleistet hatten. So wurde in einem groen Theile des Reichs kein
ffentlicher Gottesdienst gehalten, auer von presbyterianischen
Geistlichen, welche bald in Zelten predigten, bald ohne gesetzliche
Berechtigung von den Kirchen Besitz nahmen. Aber es gab auch groe
Districte, besonders nrdlich vom Tay, wo das Volk seinen so starken
Widerwillen gegen das Episkopat empfand, und viele Priester, die nicht
geneigt waren, ihre Huser und ihre Gehalte um Knig Jakob's willen zu
verlieren. Hunderte von alten Curaten, die weder vom Pbel gemihandelt,
noch vom Staatsrathe abgesetzt worden waren, verrichteten daher noch
ihre geistlichen Functionen. Whrend dieser Uebergangsperiode stand es
jedem Geistlichen frei, den Gottesdienst zu leiten und die Sakramente
darzureichen wie es ihm beliebte. Es gab keine Aufsichtsbehrde, denn
die Legislatur hatte die Jurisdiction der Bischfe aufgehoben, aber die
Jurisdiction der Synoden nicht eingefhrt.[93]

Dieser Anarchie ein Ende zu machen, war eine der ersten Pflichten des
Parlaments. Melville hatte mit dem mchtigen Beistande Carstairs', trotz
der Gegenvorstellungen englischer Tories, die Ermchtigung erlangt, zu
denjenigen kirchlichen Einrichtungen, welche die schottische Nation
befriedigen wrden, seine Zustimmung zu geben. Eines der ersten Gesetze,
das der Lord Commissar mit dem Scepter berhrte, hob die Sacramentsacte
auf. Hierauf ertheilte er die knigliche Genehmigung einem Gesetze,
welches anordnete, da diejenigen presbyterianischen Geistlichen, die
zur Zeit des Covenants Gemeindepfarrer gewesen und nach der Restauration
abgesetzt worden waren, weil sie sich geweigert die bischfliche
Autoritt anzuerkennen, wieder eingesetzt werden sollten. Die Zahl
dieser Pastoren hatte sich ursprnglich auf dreihundertfunfzig belaufen,
aber nicht mehr als sechzig waren noch am Leben.[94]

Die Stnde gingen nun zur Feststellung des nationalen Glaubens ber.
Das von der Theologenversammlung zu Westminster entworfene
Glaubensbekenntni, der groe und kleine Katechismus und das Directory
wurden von jedem guten Protestanten als die Richtschnuren der Orthodoxie
betrachtet, und man hoffte, da die Legislatur sie als solche anerkennen
werde.[95] Diese Hoffnung wurde jedoch theilweis getuscht. Das
Glaubensbekenntni wurde unter groer Theilnahmlosigkeit vom Anfang bis
zu Ende vorgelesen und unverndert angenommen. Als aber darauf
angetragen wurde, da auch die Katechismen und das Directory in Betracht
gezogen werden sollten, uerte sich der Unmuth der Versammlung durch
Murren. Denn die schottische Aristokratie fand nicht, wie das
schottische Volk, Gefallen an langen Sermonen. Das Parlament hatte schon
drei Stunden lang trockne Theologie angehrt und hatte nicht Lust, noch
mehr ber Erbsnde und Gnadenwahl zu hren. Der Herzog von Hamilton
sagte, die Stnde htten alles Wesentliche bereits gethan. Sie htten
einer Zusammenstellung der groen Prinzipien des Christenthums ihre
Genehmigung ertheilt, und das Weitere knne fglich der Kirche
berlassen bleiben. Die ermdete Majoritt stimmte bereitwillig bei,
trotz des Murrens einiger eifriger presbyterianischer Geistlichen,
welche zugezogen worden waren, um die Debatte mit anzuhren, und die
sich zuweilen kaum enthalten konnten, an derselben Theil zu nehmen.[96]

Das denkwrdige Gesetz, welches die Kirchenverfassung Schottland's
feststellte, wurde vom Earl von Sutherland eingebracht. Durch dieses
Gesetz wurde das Synodalsystem wieder eingefhrt und die Leitung der
kirchlichen Angelegenheiten den sechzig ausgestoenen Geistlichen,
welche eben wieder eingesetzt worden waren, und denjenigen Geistlichen
oder Kirchenltesten bertragen, welche die Sechzig zur Theilnahme an
der Gewalt fr geeignet erachten wrden. Die Sechzig und die von ihnen
Ernannten waren ermchtigt, smmtliche Kirchspiele des Landes zu
visitiren und alle Geistlichen zu entfernen, denen es an der Befhigung
fr ihr Amt fehlte, deren sittliche Fhrung anstig oder deren Glauben
unlauter war; diejenigen Pfarreien, welche whrend des Interregnums von
ihren Pastoren verlassen worden waren, oder richtiger gesagt diejenigen
Pfarreien, deren Pastoren der Pbel durch Mihandlungen vertrieben
hatte, wurden fr erledigt erklrt.[97]

Gegen die Klausel, welche die Synodalverfassung wieder einfhrte, wurde
keine ernstliche Opposition erhoben. Aber drei Tage verstrichen mit
Discussionen ber die Frage, ob der Souverain die Befugni haben solle,
kirchliche Versammlungen einzuberufen und aufzulsen, und dieser Punkt
wurde schlielich in gefhrlicher Ungewiheit gelassen. Einige andere
Klauseln wurden lange und heftig debattirt. Es ward gesagt, da die den
Sechzig verliehene groe Gewalt mit dem Grundprinzipe der Verfassung,
welche die Stnde eben feststellen sollten, unvereinbar sei. Dieses
Prinzip bestehe darin, da alle Presbyter einander gleich seien und da
keine Klasse von Dienern der Religion ber der der Presbyter stehen
solle. Was komme darauf an, ob die Sechzig Prlaten genannt wrden oder
nicht, wenn sie Gottes Erbe mit mehr als prlatistischer Autoritt
beherrschen drften? Auf das Argument, da das vorgeschlagene
Arrangement unter den ganz eigenthmlichen kirchlichen Verhltnissen das
zweckmigste sei, das getroffen werden knne, erwiederten die Gegner,
da ein solches Raisonnement wohl dem Munde eines Erastianers anstehe,
da aber alle orthodoxen Presbyterianer die Gleichheit der Geistlichen
als von Christus vorgeschrieben betrachteten und da, wo Christus
gesprochen habe, es Christen nicht zieme zu erwgen was zweckmig
sei.[98]

Mit noch viel grerer Heftigkeit und viel triftigerem Grunde griff die
Minoritt die Klausel an, welche das gesetzlose Treiben der Fanatiker
des Westens guthie. Ein vom Pbel vertriebener Curat, wurde gesagt,
knne doch gewi auch der strengen Prfung der sechzig Inquisitoren
berlassen werden. Fehle es ihm an der nthigen Begabung oder
wissenschaftlichen Bildung, fhre er einen lockeren Lebenswandel, oder
sei er heterodox in seinen Glaubensansichten, so wrden diese strengen
Richter nicht verfehlen, ihn zu entlarven und abzusetzen. Sie wrden
dann wahrscheinlich ein Kegelspiel, ein der englischen Liturgie
entlehntes Gebet oder eine Predigt, in welcher der leiseste Anflug von
Arminianismus zu entdecken sei, als einen gengenden Grund ansehen, um
seine Pfrnde fr erledigt zu erklren. Sei es, nachdem man ein Tribunal
errichtet, von dem er kaum die nackte Gerechtigkeit erwarten drfe,
nicht monstrs, ihn zu verurtheilen, ohne ihm nur zu gestatten, vor
diesem Tribunale zu erscheinen, ihn ohne Untersuchung, ja ohne alle
Anklage zu verurtheilen? Habe jemals so lange die Welt stehe, ein
ernster Senat einen Menschen blo deshalb als einen Verbrecher
behandelt, weil er ausgeplndert, mit Steinen geworfen, hin und her
gestoen, durch Schnee und Koth geschleift und mit dem Tode bedroht
worden sei, wenn er in das Haus zurckkehre, das sein gesetzlich
anerkanntes Eigenthum war? Der Herzog von Hamilton, der sich freute,
eine so gute Gelegenheit zu einem Angriff auf den neuen Lord Commissar
zu haben, sprach mit groer Heftigkeit gegen diese gehssige Klausel. Es
wird uns erzhlt, da Niemand versucht habe, ihm zu antworten, und
obgleich Diejenigen, die uns das sagen, eifrige Episkopalen waren, so
drfen wir doch ihrer Aussage Glauben schenken, denn war es berhaupt
mglich etwas darauf zu erwiedern? Melville, auf dem die
Hauptverantwortlichkeit ruhte, sa whrend dieser ganzen strmischen
Debatte stumm auf seinem Throne. Wahrscheinlich lie er sich bei seinem
Verhalten durch Betrachtungen leiten, welche auszusprechen Klugheit und
Scham ihm verboten. Der Zustand der sdwestlichen Grafschaften war von
der Art, da es nicht mglich gewesen wre, die vom Pbel vertriebenen
Geistlichen wieder in den Besitz ihrer Wohnungen und Kirchen zu setzen,
ohne eine Militrmacht aufzubieten, ohne in jedes Pfarrhaus eine
Besatzung zu legen, ohne jede Kanzel mit einer Wache zu umgeben und ohne
einige wilde Fanatiker dem Generalprofo zu berliefern, und es wrde
keine leichte Aufgabe fr die Regierung gewesen sein, zu gleicher Zeit
die Jakobiten des Hochlandes und die Covenanters des Niederlandes durch
Waffengewalt niederzuhalten. Die Majoritt, welche aus Grnden, die sich
nicht wohl aussprechen lieen, ihren Entschlu gefat hatte, verlangte
ungeduldig nach der Fragstellung. Keine Debatte mehr! war der
allgemeine Ruf; wir haben genug gehrt! zur Abstimmung! zur
Abstimmung! Die Frage wurde gestellt und lautete der schottischen Form
gem: Wird der Artikel gebilligt oder nicht? Hamilton bestand darauf,
da die Frage so gestellt werde: Wird die gewaltsame Vertreibung der
Geistlichen gebilligt oder nicht? Nach langem Hin- und Herreden wurde
er berstimmt und die Klausel wurde angenommen. Nur funfzehn oder
sechzehn Mitglieder stimmten mit ihm. Unter oftmaligen zornigen
Unterbrechungen rief er laut und nachdrcklich, er bedaure es
schmerzlich, da ein schottisches Parlament sich durch solche
Ungerechtigkeit entehren knne, und verlie dann mit mehreren seiner
Freunde das Haus. Man kann der Entrstung, die er aussprach, unmglich
seine Theilnahme versagen; allein man darf nicht vergessen, da es in
der Natur der Ungerechtigkeit liegt, neue Ungerechtigkeit zu erzeugen.
Es giebt Unbilden, die fast unmglich wieder gut zu machen sind ohne
neue Unbilden zu begehen, und eine solche Unbill war dem schottischen
Volke unter der vorigen Generation zugefgt worden. Weil das Parlament
der Restauration mit seinen Gesetzen der Ansicht der Nation bermthig
Trotz geboten hatte, mute sich das Parlament der Revolution vor dem
Pbel erniedrigen.

Als Hamilton und seine Anhnger sich entfernt hatten, rief einer von den
Predigern, welche in den Saal eingelassen worden waren, den ihm zunchst
sitzenden Mitgliedern zu: Pfui! Pfui! Verlieren Sie keine Zeit. Beeilen
Sie Sich und erledigen Sie Alles ehe er zurckkommt. Dieser Rath wurde
befolgt. Vier oder fnf unerschtterliche Prlatisten blieben, um ein
letztes Votum gegen den Presbyterianismus abzugeben. Eben so blieben
vier oder fnf unerschtterliche Covenanters, um ihr Mifallen an dem
was ihnen ein Vergleich zwischen dem Herrn und Baal dnkte, zu uern.
Doch die Acte wurde mit einer erdrckenden Majoritt angenommen.[99]

Zwei Ergnzungsacte folgten bald nach. Die eine derselben, welche jetzt
glcklicherweise wieder aufgehoben ist, verlangte von Jedem, der an
irgend einer Universitt Schottland's ein Amt bekleidete, da er das
Glaubensbekenntni unterzeichne und seinen Beitritt zur neuen Form des
Kirchenregiments erklre.[100] Die andre erledigte die wichtige und
delikate Frage des Patronats. Knox hatte im +First Book of Discipline+
behauptet, da jede christliche Gemeinde das Recht habe, sich ihren
Pastor selbst zu whlen. Melville war im +Second Book of Discipline+
nicht ganz so weit gegangen, hatte aber erklrt, da ein Pastor einer
Gemeinde wider ihren Willen gesetzlich nicht aufgedrungen werden knne.
Das Patronatsrecht war im Jahre 1649 durch ein Covenantsparlament
abgeschafft, und im Jahre 1661 durch ein royalistisches Parlament
wiederhergestellt worden. Es war nicht leicht zu entscheiden, was 1690
geschehen mute. Es gab kaum eine andre Frage, welche Wilhelm so groe
Sorge gemacht htte. Er hatte in seinen geheimen Instructionen den Lord
Commissar ermchtigt in die Abschaffung des Patronats zu willigen, wenn
die Stnde nicht anders zufrieden zu stellen wren. Aber diese
Ermchtigung wurde nur sehr ungern gegeben, und der Knig hoffte, da
kein Gebrauch davon gemacht werden wrde. Es heit, sagte er, den
Leuten ihr Eigenthum wegnehmen. Es gelang Melville, einen Vergleich zu
Stande zu bringen. Das Patronat wurde abgeschafft; aber es wurde
decretirt, da jeder Patron sechshundert schottische Mark, was ungefhr
so viel war als fnfunddreiig Pfund Sterling, als Entschdigung fr
seine Rechte bekommen sollte. Die Summe sieht lcherlich klein aus. Wenn
man indessen den Charakter des Eigenthums und die Armuth des Landes in
Betracht zieht, so darf man zweifeln, ob ein Patron bei freiem Verkauf
viel mehr bekommen haben wrde. Die grte Summe, welche ein Mitglied
vorzuschlagen wagte, war neunhundert Mark, etwas mehr als funfzig Pfund
Sterling. Das Recht, einen Geistlichen vorzuschlagen, wurde einem aus
den protestantischen Grundbesitzern und Kirchenltesten bestehenden
Gemeindeconcil verliehen. Die Gemeinde konnte gegen den in Vorschlag
Gebrachten Einwendungen erheben, und das Presbyterium hatte ber die
Einwendungen zu entscheiden. Diese Anordnung gab dem Volke nicht einmal
ganz diejenige Macht, die ihm das +Second Book of Discipline+ zuerkannt
hatte. Aber das verhate Wort Patronat war beseitigt; man dachte
wahrscheinlich, da die Aeltesten und Grundbesitzer selten auf der
Ernennung eines Mannes bestehen wrden, gegen den die Majoritt der
Gemeinde triftige Einwendungen erheben konnte, und in der That wurde, so
lange die Acte von 1690 in Kraft war, der Friede der Kirche nie durch
Streitigkeiten gestrt, wie die, welche die Schismen von 1732, von 1756
und von 1843 hervorriefen.[101]


[_Auflsung der Coalition zwischen dem Club und den Jakobiten._]
Montgomery hatte Alles was in seiner Macht stand gethan, um die
Feststellung der kirchlichen Verfassung des Reichs durch die Stnde zu
verhindern. Er hatte die eifrigen Covenanters angereizt, Forderungen zu
stellen, von denen er wute, da die Regierung sie nie bewilligen wrde.
Er hatte gegen jeden Erastianismus, gegen jeden Vergleich protestirt.
Der hollndische Presbyterianismus, sagte er, passe nicht fr
Schottland; es msse das System von 1649 wieder haben. Dieses System sei
dem Worte Gottes entlehnt; es sei der mchtigste Zgel, der jemals gegen
die Tyrannei schlechter Knige ersonnen worden, und es msse, ohne etwas
hinzuzufgen noch hinwegzunehmen, wieder eingefhrt werden. Seine
jakobitischen Verbndeten konnten ihr Mifallen und ihren Verdru, ihn
eine solche Sprache fhren zu hren, nicht verbergen, und waren mit den
Erklrungen, die er ihnen privatim gab, keineswegs zufrieden. Whrend
sie sich ber diesen Gegenstand mit ihm stritten, kam ein Bote mit
wichtigen Depeschen von Jakob und von Marien von Modena in Edinburg an.
Diese Depeschen waren in der zuversichtlichen Erwartung geschrieben, da
die groen Versprechungen Montgomery's erfllt werden und da die
schottischen Stnde unter seiner geschickten Leitung sich fr den
rechtmigen Souverain gegen den Usurpator erklren wrden. Jakob war
so dankbar fr den unerwarteten Beistand seiner frheren Feinde, da er
die Dienste seiner alten Freunde vllig verga und keine Rcksicht auf
ihre Gefhle nahm. Die drei Oberhupter des Clubs waren, obgleich
Rebellen und Puritaner, seine Lieblinge geworden. Annandale sollte
Marquis, Gouverneur des edinburger Schlosses und Lord Obercommissar
werden; Montgomery sollte Earl von Ayr und Staatssekretr, Ro ebenfalls
Earl und Commandant der Garden werden. Ein characterloser Jurist, Namens
Jakob Stewart, der bei der Insurrection Argyle's stark betheiligt
gewesen war, der die Farbe gewechselt und das Dispensationsrecht
untersttzt, der hierauf zum zweiten Male die Farbe gewechselt und an
der Revolution Theil genommen, und der jetzt zum dritten Male die Farbe
gewechselt hatte und eine Restauration herbeizufhren strebte, sollte
Lord Advokat werden. Der Geheime Rath, der Court of Session und die
Armee sollten mit Whigs gefllt werden. Ein Fnferrath wurde ernannt,
dem alle loyalen Unterthanen zu gehorchen hatten, und in diesem Rathe
bildeten Annandale, Ro und Montgomery die Majoritt. Marie von Modena
benachrichtigte Montgomery, da ihm fnftausend Pfund Sterling
angewiesen worden seien und da weitere fnftausend Pfund bald
nachfolgen wrden. Es war unmglich, da Balcarras und Diejenigen,
welche mit ihm agirt hatten, die ihnen zu Theil werdende Behandlung
nicht schmerzlich htten empfinden sollen. Ihre Namen waren gar nicht
erwhnt; Alles was sie gethan und gelitten hatten, schien aus der
Erinnerung ihres Gebieters verwischt zu sein. Er hatte ihnen jetzt
geradezu gesagt, da, wenn es ihnen mit Gefahr ihres Grundeigenthums und
ihres Lebens gelnge ihn wieder einzusetzen, Alles was er zu geben
hatte, Denen gegeben werden wrde, die ihn abgesetzt hatten. Als sie
seine Briefe lasen, wuten sie berdies, was er, als die Briefe
geschrieben wurden, nicht wute, da er durch die zuversichtlichen
Prahlereien und Versprechungen der abtrnnigen Whigs dupirt worden war.
Er glaubte, der Club sei in Edinburg allmchtig, und in Wirklichkeit war
derselbe ein Gegenstand der Verachtung geworden. Die toryistischen
Jakobiten fanden leicht Vorwnde, um den presbyterianischen Jakobiten,
denen der verbannte Knig seine Autoritt delegirt hatte, den Gehorsam
zu verweigern. Sie beschwerten sich, da Montgomery ihnen nicht alle
Depeschen gezeigt habe, die er erhalten, und uerten den Verdacht, da
er sich an den Siegeln vergriffen habe. Er rief Gott den Allmchtigen
zum Zeugen an, da dieser Verdacht ungegrndet sei, aber Eide wurden von
Mnnern, welche eben einem Knige Treue geschworen hatten, gegen den sie
conspirirten, ganz natrlich als ungengende Brgschaften betrachtet. Es
gab auf beiden Seiten heftige Ausbrche der Leidenschaft; die Coalition
wurde aufgelst, die Papiere ins Feuer geworfen, und binnen wenigen
Tagen wurden die schndlichen Triumvirn, welche in dem kurzen Zeitraum
von einem Jahre heftige Wilhelmiten und heftige Jakobiten gewesen waren,
abermals Wilhelmiten und versuchten durch gegenseitige Anschuldigungen
die Gunst der Regierung zu erlangen.[102]


[_Die Hupter des Clubs verrathen einander._] Ro war der Erste, der zum
Angeber wurde. Nach der Manier der Schule, in der er erzogen war, beging
er diese Nichtswrdigkeit mit allen Formen der Heiligkeit. Er gab vor,
sich in groer Seelenangst zu befinden, schickte nach einem berhmten
presbyterianischen Geistlichen, Namens Dunlop, und jammerte klglich:
Es liegt eine Last auf meinem Gewissen, ich wei ein Geheimni, das ich
enthllen sollte, aber ich kann es nicht ber mich gewinnen. Dunlop
betete lange und inbrnstig. Ro schluchzte und weinte, bis endlich der
Himmel durch das heftige Flehen erstrmt worden zu sein schien. Die
Wahrheit kam heraus, und mit ihr viele Lgen. Der Geistliche und der
Bufertige vereinigten dann ihre Dankgebete. Dunlop eilte mit der
Nachricht zu Melville, Ro begab sich nach England, um sich mit dem Hofe
auszushnen, und er kam wohlbehalten am Orte seiner Bestimmung an,
obgleich einige seiner Complicen, die von seinem reumthigen
Gestndnisse gehrt hatten, aber wenig davon erbaut worden waren,
Anschlge geschmiedet hatten, ihm unterwegs die Gurgel abzuschneiden. In
London betheuerte er bei seiner Ehre und auf sein Wort als Gentleman,
da er wider seinen Willen in das Complot gezogen worden sei, da er
dasselbe stets verabscheut habe und da Montgomery und Ferguson die
wirklichen Schuldigen seien.[103]

Inzwischen pries Dunlop berall wohin er kam, die gttliche Gte, die
durch ein so bescheidenes Werkzeug wie er eine vornehme Person auf den
rechten Weg zurckgefhrt habe. Kaum hrte Montgomery von diesem
wundervollen Gnadenwerke, so begann auch er Reue zu empfinden. Er ging
zu Melville, legte demselben ein mit dem Ro'schen nicht ganz
bereinstimmendes Gestndni ab und erhielt einen Pa nach England.
Wilhelm war damals in Irland und Marie regierte anstatt seiner. Ihr warf
sich Montgomery zu Fen. Er versuchte ihr Mitleid rege zu machen, indem
er von seinem zerrtteten Vermgen sprach, und sich bei ihr
einzuschmeicheln, indem er ihr liebreiches, huldvolles Wesen pries. Er
bezeichnete ihr die Namen seiner Mitverschwornen und gelobte sein ganzes
Leben ihrem Dienste zu weihen, wenn sie ihm eine Anstellung verschaffte,
die ihm eine anstndige Existenz sicherte. Sie wurde so gerhrt durch
seine Bitten und Schmeicheleien, da sie ihn der Nachsicht ihres Gemahls
empfahl; Wilhelm aber konnte das gerechte Mitrauen und den Abscheu,
womit er Montgomery betrachtete, nicht berwinden.[104]

Bevor der Verrther bei der Knigin vorgelassen wurde, hatte er die
Zusage erlangt, unbehindert wieder abreisen zu drfen. Diese Zusage
wurde gehalten. Er hielt sich noch mehrere Monate in London verborgen
und es gelang ihm in Unterhandlung mit der Regierung zu treten. Er erbot
sich unter der Bedingung, da er eine gute Stelle bekme, als Zeuge
gegen seine Mitschuldigen aufzutreten. Wilhelm aber wollte nichts weiter
als Begnadigung gewhren, und so wurden die Unterhandlungen endlich
abgebrochen. Montgomery ging auf einige Zeit nach Frankreich, kehrte
aber bald wieder nach London zurck und brachte den freudenleeren Rest
seines Lebens damit hin, da er Complote schmiedete, die nicht zur
Ausfhrung kamen, und Libelle schrieb, die sich durch einen eleganten
und krftigen Styl von den meisten Erzeugnissen der jakobitischen
Presse vortheilhaft unterscheiden.[105]

Als Annandale erfuhr, da seine beiden Complicen zu Angebern geworden
waren, zog er sich nach Bath zurck und gab vor, die dortige Kur zu
brauchen. Von da wurde er durch einen Verhaftsbefehl bald nach London
gebracht. Er gestand ein, da er sich zum Hochverrath habe verleiten
lassen, erklrte aber, da er zu den Plnen Anderer nur Amen gesagt habe
und da seine fast kindliche Einfalt von Montgomery, diesem
schndlichsten, falschesten und unruhigsten Menschen, den es gebe,
benutzt worden sei. Der edle Ber versuchte sodann seine eigne Schuld
durch Anklagen anderer Leute, Englnder und Schotten, Whigs und Tories,
Schuldiger und Unschuldiger, zu shnen. Einige klagte er auf eignes
Wissen hin, Andere nach bloem Hrensagen an. Unter Denen, die er auf
eignes Wissen hin anklagte, befand sich Neville Payne, der, wie es
scheint, weder von Ro, noch von Montgomery erwhnt worden war.[106]

Der durch Boten und Verhaftsbefehle verfolgte Payne war so bel
berathen, da er nach Schottland flchtete. Wre er in England
geblieben, so wrde ihm nichts geschehen sein, denn obwohl die
moralischen Beweise seiner Schuld vollkommen waren, lag doch kein
legaler Beweis gegen ihn vor, der eine Jury htte berzeugen knnen, da
er Hochverrath begangen; er konnte der Folter nicht unterworfen werden,
um ihn zur Selbstanklage zu zwingen, und eben so wenig durfte er lange
in Haft gehalten werden, ohne da man ihn vor Gericht stellte. Von dem
Augenblicke an aber, wo er die Grenze berschritt, befand er sich in der
Gewalt der Regierung, deren Todfeind er war. Die Rechtsforderung hatte
in Fllen wie der seinige die Folter als ein statthaftes Mittel,
Aufschlu zu erlangen, anerkannt, und keine Habeascorpusacte schtzte
ihn vor einer langen Detention. Der Unglckliche wurde festgenommen,
nach Edinburg gebracht und vor den Geheimen Rath gestellt. Man war
allgemein der Ansicht, da er ein Schurke und Feigling sei und da der
bloe Anblick der spanischen Stiefeln und Daumenschrauben ihm alle die
strafwrdigen Geheimnisse entlocken werde, die man ihm anvertraut hatte.
Aber Payne besa viel mehr Muth als die hochgebornen Verschwrer, mit
denen er zu seinem Unglck in Verbindung gestanden hatte. Zweimal wurde
er den frchterlichsten Martern unterworfen, aber nicht ein Wort, durch
das er sich selbst oder irgend jemand Andren angeklagt htte, konnte ihm
entrissen werden. Einige Rthe verlieen schaudernd den Sitzungssaal.
Aber der fromme Crawford prsidirte. Er lie sich, wo ein Amalekiter im
Spiele war, von der Schwche des Mitleids nicht leicht bermannen, und
zwang den Folterknecht, einen Keil nach dem andren zwischen die Knie des
Gefangenen einzutreiben, bis der Schmerz so gro war, als der
menschliche Krper ihn ertragen kann, ohne die Lebensfhigkeit zu
verlieren. Payne wurde dann in das edinburger Schlo gebracht, wo er
lange blieb, gnzlich vergessen von Denen, um derentwillen er, wie er in
rhrenden Worten beklagte, mehr als die Qual des Todes erduldet hatte.
Doch keine Undankbarkeit vermochte die Gluth seiner fanatischen Treue zu
dmpfen und noch Jahre lang entwarf er in seinem Kerker Insurrections-
und Invasionsplne.[107]


[_Allgemeine Ergebung in die neue Kirchenverfassung._] Vor Payne's
Verhaftung waren die Stnde nach einer der bedeutungsvollsten Sessionen,
welche Schottland je gesehen, vertagt worden. Die Nation fgte sich
allgemein in die neue kirchliche Verfassung. Die Indifferenten, welche
in jeder Gesellschaft einen betrchtlichen Theil bilden, freuten sich,
da die Anarchie vorber war, und bequemten sich der presbyterianischen
Kirche an, wie sie sich der bischflichen Kirche anbequemt hatten. Die
gemigten Presbyterianer waren mit der getroffenen Einrichtung im
Ganzen zufrieden, und auch die meisten strengen Presbyterianer gewannen
es ber sich, sie unter Protest als eine starke Abschlagszahlung auf die
ihnen zukommende Schuld anzunehmen. Sie vermiten zwar was sie als die
vollkommene Schnheit und Symmetrie der Kirche ansahen, welche vierzig
Jahre frher der Stolz Schottland's gewesen war. Obgleich aber der
zweite Tempel dem ersten nicht gleichkam, konnte sich das erwhlte Volk
nicht des Gedankens freuen, da es nach einer langen Gefangenschaft in
Babylon das Haus Gottes, wenn auch unvollkommen, auf den alten
Grundmauern wieder erbauen durfte; auch konnte es ihm nicht schlecht
anstehen, fr den latitudinarischen Wilhelm eine dankbare Zuneigung zu
fhlen, wie die zurckgefhrten Juden sie fr den heidnischen Cyrus
gefhlt hatten.


[_Klagen der Episkopalen._] Zwei Parteien jedoch betrachteten die
Ordnung von 1690 mit unvershnlichem Abscheu. Solcher Schotten, welche
aus Ueberzeugung und mit Begeisterung Episkopalen waren, gab es nur
wenige, aber es befanden sich darunter einige Personen, die wenn auch
vielleicht nicht in natrlicher Begabung, so doch in Gelehrsamkeit,
Geschmack und Schreibfertigkeit den Theologen der jetzt zur Herrschaft
gelangten Secte berlegen waren. Es wrde fr die abgesetzten Curaten
und Professoren nicht rathsam gewesen sein, ihrem Zorne in ihrem eignen
Lande Luft zu machen. Aber die englische Presse stand ihnen offen und
sie waren des Beifalls eines groen Theils des englischen Volkes gewi.
Mehrere Jahre hindurch peinigten sie ihre Feinde und unterhielten das
Publikum durch eine Reihe geistreicher und kecker Flugschriften. In
einigen dieser Schriften sind die Drangsale, welche die gemihandelten
Priester der westlichen Grafschaften erduldet hatten, mit einer
Eindringlichkeit geschildert, die unwiderstehlich Mitleid und Unwillen
erregt. In anderen ist die Grausamkeit, mit der die Covenanters unter
den Regierungen der beiden letzten Knige des Hauses Stuart behandelt
worden waren, durch alle erdenklichen Kunstgriffe der Sophistik
gemildert. Viel wird darin ber das schlechte Latein einiger
presbyterianischer Professoren gewitzelt, die auf Lehrsthlen saen,
welche vor kurzem groe Gelehrte innegehabt hatten. Auch wurde viel ber
die unwissende Geringschtzung gesprochen, welche die siegreichen
Barbaren gegen die Wissenschaft und Literatur an den Tag legten. Sie
wurden beschuldigt, da sie ber die modernen Systeme der
Naturwissenschaft als verwerflicher Ketzereien das Anathema
aussprchen, da sie die Mathematik als ein seelenverderbendes Studium
verdammten und selbst von dem Studium der Sprachen abriethen, in denen
die heiligen Bcher geschrieben seien. Gelehrsamkeit, wurde gesagt,
werde in Schottland bald nicht mehr zu finden sein; die Universitten
siechten unter ihren neuen Leitern dahin und mten bald zu Grunde
gehen. Die Buchhndler seien schon halb ruinirt, sie kmen zu der
Einsicht, da der ganze Ertrag ihres Geschfts die Ladenmiethe nicht
mehr decken werde, und schickten sich an, in ein Land auszuwandern, wo
die Wissenschaften von Denen, welche dazu berufen seien, das Volk zu
belehren, in Ehren gehalten wrden. Unter den Dienern der Religion gebe
es keinen Bcherkufer mehr. Der bischfliche Geistliche sei froh, wenn
er fr ein Stck Brot den Ueberrest seiner Bibliothek verkaufen knne,
der von den Pbelhaufen der letzten Weihnachtszeit nicht zerrissen oder
verbrannt worden sei, und die ganze Bibliothek eines presbyterianischen
Geistlichen bestehe aus einer Erklrung der Apokalypse und aus einem
Kommentar zum Hohen Liede.[108] Die Kanzelberedtsamkeit der siegreichen
Partei war ein unerschpflicher Stoff zu Sptteleien. Ein kleines
Bchlein betitelt: +The Scotch Presbyterian Eloquence Displayed+, machte
im Sden, bei den Hochkirchlichen sowohl wie bei den Spttern ungeheures
Aufsehen und ist noch jetzt nicht ganz vergessen. Es war in der That ein
Buch, das ganz fr den Lesetisch eines Squire pate, dessen Religion
darin bestand, da er extemporirte Gebete und nselndes Psalmensingen
hate. An einem regnerischen Tage, wenn es unmglich war, zu jagen oder
zu schieen, wrden weder Karten- noch Bretspiel in den Pausen zwischen
der Flasche und der Pastete eine so angenehme Unterhaltung gewhrt
haben. Man findet vielleicht nirgends eine so reichhaltige Sammlung
lcherlicher Citate und Anekdoten auf einem so kleinen Raume
zusammengedrngt. Einige ernste Mnner jedoch, die der calvinistischen
Lehre und Kirchenzucht nicht hold waren, schttelten den Kopf ber
dieses sprudelnde Witzbuch und uerten sich dahin, da der Verfasser,
indem er die absurde Rhetorik, durch welche niedrigdenkende und
unwissende Menschen dunkle theologische Fragen zu errtern und
religises Gefhl bei der Menge zu wecken versuchten, dem Spotte
preisgab, zuweilen die den heiligen Dingen gebhrende Ehrerbietung aus
den Augen gesetzt habe. Der Eindruck, den solche Schriften auf die
ffentliche Meinung in England machten, lie sich nicht vollkommen
wrdigen, so lange England und Schottland unabhngig von einander waren,
zeigte sich aber sehr bald nach der Vereinigung der beiden Knigreiche
in einer Weise, die zu beklagen wir noch jetzt Ursache haben und auch
wahrscheinlich unsere Nachkommen noch lange Ursache haben werden.


[_Die presbyterianischen Eidverweigerer._] Die extremen Presbyterianer
waren eben so mivergngt wie die extremen Prlatisten und eben so wenig
wie die extremen Prlatisten geneigt, Wilhelm und Marien den
Huldigungseid zu leisten. Und in der That, obgleich der jakobitische
Eidverweigerer und der cameronische Eidverweigerer ganz
entgegengesetzter Ansichten waren, obgleich sie einander mit tdtlicher
Aversion betrachteten, obgleich keiner von Beiden Bedenken getragen
haben wrde, den Andren zu verfolgen, hatten sie doch viel mit einander
gemein. Sie waren vielleicht die beiden auffallendsten Beispiele von
verkehrter Absurditt, welche die Welt aufzuweisen hatte. Jeder von
ihnen betrachtete seine Lieblingsform der Kirchenverfassung nicht als
ein Mittel sondern als einen Zweck, als das einzig Nothwendige, als die
Quintessenz der christlichen Religion. Jeder von ihnen glaubte
kindischerweise, in seiner Bibel eine Theorie der Civilregierung
gefunden zu haben, und Keiner von Beiden erschrak vor den furchtbaren
Consequenzen, zu denen seine Theorie fhrte. Auf alle Einwendungen
hatten Beide nur die eine Antwort: So spricht der Herr. Beide stimmten
in der prahlerischen Behauptung berein, da die Argumente, welche
atheistischen Politikern unwiderlegbar schienen, dem Heiligen keine
Schwierigkeit darboten. Es mge vollkommen wahr sein, da er durch
Milderung der Strenge seiner Grundstze sein Vaterland vor Knechtschaft,
Anarchie und allgemeinem Ruin retten knne, aber es sei nicht sein
Lebenszweck, sein Vaterland zu retten, sondern seine Seele. Er gehorche
den Geboten Gottes und stelle das Weitere Gott anheim. Die eine der
beiden fanatischen Secten war der Meinung, die Nation sei bis ans Ende
aller Zeiten verpflichtet, dem Erben der Stuarts zu gehorchen; die andre
glaubte, die Nation sei bis ans Ende aller Zeiten durch den feierlichen
Bund und Covenant gebunden, und in Folge dessen betrachteten Beide die
neuen Souveraine als Usurpatoren.

Von den presbyterianischen Eidverweigerern hat man auerhalb
Schottland's kaum etwas gehrt, und vielleicht ist es jetzt selbst
in Schottland nicht allgemein bekannt, wie lange sie noch eine
abgesonderte Klasse bildeten. Sie meinten ihr Vaterland stehe in einem
Vorvertrag mit dem Allerhchsten und knne niemals, so lange die Welt
existire, eine mit diesem Vorvertrage unvereinbare Verpflichtung
eingehen. Ein Erastianer, ein Latitudinarier, ein Mann, der das Brot
und den Wein knieend aus den Hnden von Bischfen empfange und der es
sich, wenn auch ungern, gefallen lie, in der Kirche Chorsnger in
weien Gewndern singen zu hren, knne nicht Knig eines unter dem
Covenant stehenden Reiches sein. Wilhelm habe berdies alles Anrecht
auf die Krone dadurch verloren, da er die Snde begangen, wegen der
in alter Zeit eine auf widernatrliche Weise auf den Thron erhobene
Dynastie auf widernatrliche Weise entthront worden sei. Er habe
seinen Schwiegervater, diesen Gtzendiener, diesen Mrder, diesen Mann
Belial's, der vor den Augen des Herrn htte in Stcken zerhackt werden
sollen, wie Agag, geflissentlich entkommen lassen. Wilhelm's Verbrechen
sei sogar noch schlimmer als das des Knigs Saul. Saul habe nur einen
Amalekiter verschont und habe die brigen alle erschlagen. Welchen
Amalekiter habe Wilhelm erschlagen? Die reine Kirche sei achtundzwanzig
Jahre der Verfolgung preisgegeben gewesen, ihre Kinder seien ins
Gefngni geworfen, transportirt, gebrandmarkt, erschossen, gehngt,
ersuft, gefoltert worden. Und doch habe Der, der sich ihren Befreier
nenne, ihr nicht gestattet, sich an ihren Feinden zu rchen.[109]
Der blutdrstige Claverhouse sei in St. James freundlich aufgenommen
worden. Der blutige Mackenzie habe bei den Uebelgesinnten in Oxford
eine sichere und glnzende Freisttte gefunden. Der jngere Dalrymple,
der die Heiligen angeklagt, und der ltere Dalrymple, der ber die
Heiligen zu Gericht gesessen, seien gro und mchtig. Sorglose Gallios
sagten, man habe nur die Wahl zwischen Wilhelm und Jakob und es sei
weise, von zwei Uebeln das kleinere zu whlen. Dies sei allerdings die
Weisheit dieser Welt. Aber die Weisheit, die von Oben komme, lehre
uns, da wir von zwei Dingen, welche beide in den Augen Gottes Uebel
seien, gar keines whlen sollten. Sobald Jakob wieder eingesetzt werde,
sei es Pflicht, ihn nicht anzuerkennen und sich ihm zu widersetzen.
Gegenwrtig sei es Pflicht, seinen Schwiegersohn nicht anzuerkennen
und sich ihm zu widersetzen. Es drfe nichts gesagt und nichts gethan
werden, was als eine Anerkennung der Autoritt des Mannes aus Holland
ausgelegt werden knne. Die Gottesfrchtigen drften ihm keine
Abgaben bezahlen, drften unter ihm kein Amt bekleiden, drften keine
Besoldungen von ihm annehmen, drften keine Dokumente unterzeichnen,
in denen er Knig genannt werde. Anna folgte Wilhelm auf dem Throne
und Anna wurde von Denen, die sich den Ueberrest der wahren Kirche
nannten, als die vermeintliche Knigin, als das schlechte Weib, als
die Jesabel bezeichnet. Georg I. folgte Anna auf dem Throne, und Georg
I. war der angebliche Knig, das deutsche Thier.[110] GeorgII. folgte
Georg I. auf dem Throne, und GeorgII. war ebenfalls ein angeblicher
Knig und wurde beschuldigt, die Ruchlosigkeit seiner ruchlosen
Vorgnger noch bertroffen zu haben, indem er ein dem gttlichen
Gesetze, welches befiehlt, da keine Hexe am Leben gelassen werden
drfe, Hohn sprechendes Gesetz genehmigt habe.[111] GeorgIII. folgte
GeorgII. auf dem Throne, und noch immer fuhren diese Leute fort, mit
unverminderter Beharrlichkeit, wenn auch in weniger heftiger Sprache
als frher, einem nicht unter dem Covenant stehenden Souverain jede
Anerkennung zu verweigern.[112] Noch im Jahre 1806 erklrten sie es
ffentlich fr eine Snde, die Regierung eines solchen Knigs durch
Entrichtung der Abgaben, durch Annahme von Accislicenzen, durch
Anschlu an die Freiwilligen oder durch Arbeiten bei ffentlichen
Werken anzuerkennen.[113] Die Zahl dieser Zeloten verminderte sich
immer mehr, bis sie endlich so dnn ber Schottland verstreut waren,
da sie nirgends mehr zahlreich genug waren, um ihr eignes Bethaus
haben zu knnen, weshalb man sie Nichthrer nannte. Sie versammelten
sich jedoch noch zu Andachtsbungen in Privathusern und betrachteten
sich fortwhrend als das auserwhlte Geschlecht, als die knigliche
Priesterschaft, als die heilige Nation, als das besondere Volk, das
inmitten der allgemeinen Entartung allein den Glauben an ein besseres
Zeitalter beibehalten hatte. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich,
da dieser Aberglaube, der unvernnftigste und ungeselligste, zu
welchem das protestantische Christenthum je durch menschliche
Vorurtheile und Leidenschaften verflscht worden, in einigen obscuren
Pchterwohnungen noch immer fortbesteht.


[_Wilhelm unzufrieden mit den kirchlichen Einrichtungen in Schottland._]
Der Knig war mit der Art und Weise, wie die kirchliche Verfassung
Schottland's geordnet worden, nur theilweis zufrieden. Er meinte die
Episkopalen seien hart behandelt worden, und frchtete sie knnten noch
hrter behandelt werden, wenn das neue System erst vollstndig
organisirt sei. Er hatte dringend gewnscht, da die Acte, welche die
presbyterianische Kirche als Staatsreligion einfhrte, von einer andren
Acte begleitet sei, welche Nichtmitgliedern dieser Kirche gestattete,
ihre religisen Versammlungen ungehindert zu halten, und er hatte
Melville speciell beauftragt, dafr zu sorgen.[114] Einige populre
Prediger aber haranguirten in Edinburg so heftig gegen die
Gewissensfreiheit, die sie das Mysterium der Unbilligkeit nannten, da
Melville den Instructionen seines Gebieters nicht nachzukommen wagte.
Der Entwurf einer Toleranzacte wurde dem Parlamente durch ein
Privatmitglied vorgelegt, aber kalt aufgenommen und fallen
gelassen.[115]


[_Zusammentritt der Generalversammlung der schottischen Kirche._]
Wilhelm war jedoch fest entschlossen es nicht zuzugeben, da die
herrschende Religionspartei ihre Verfolgungsgelste befriedigte und er
nahm sehr bald Gelegenheit, diesen seinen Entschlu kund zu thun. Die
erste Generalversammlung der neueingefhrten Landeskirche fand bald nach
seiner Zurckkunft aus Irland statt. Es war nothwendig, da er einen
Commissar ernannte und ein Handschreiben erlie. Einige eifrige
Presbyterianer hofften, da Crawford dieser Commissar werden wrde, und
die edinburger Geistlichen verffentlichten eine Schrift, in der sie
sehr verstndlich andeuteten, da dies ihr Wunsch sei. Wilhelm whlte
jedoch Lord Carmichael, einen Edelmann, der sich durch Einsicht,
Humanitt und Migung auszeichnete.[116] Das knigliche Schreiben an
die Versammlung war hchst verstndigen Inhalts und in sehr
eindringlicher Sprache abgefat. Wir hoffen, schrieb der Knig, Ihr
Benehmen wird von der Art sein, da wir keine Ursache haben zu bereuen
was wir gethan. Wir konnten nie der Meinung sein, da Gewaltthtigkeit
der Ausbreitung wahrer Religiositt frderlich sei; auch haben wir nicht
die Absicht, unsre Autoritt jemals zum Werkzeuge der zgellosen
Leidenschaften irgend einer Partei werden zu lassen. Migung ist es was
die Religion vorschreibt, was die Nebenkirchen von Ihnen erwarten und
was wir Ihnen anempfehlen. Die Sechzig und ihre Genossen wrden
wahrscheinlich gern in einer Sprache geantwortet haben, hnlich
derjenigen, welche, wie einige von ihnen sich noch recht wohl erinnern
konnten, der Klerus gegen KarlII. whrend seines Aufenthalts in
Schottland gefhrt hatte. Aber sie hatten eben erst erfahren, da man in
England entschieden fr die gemihandelten Curaten eingenommen sei und
da es unter solchen Umstnden von einer Krperschaft, welche die
presbyterianische Kirche reprsentirte, Wahnsinn gewesen sein wrde,
sich mit dem Knige zu verfeinden.[117] Die Versammlung gab daher eine
dankende und ehrerbietige Antwort auf das knigliche Schreiben und
versicherte Sr. Majestt, da sie zu viel von Unterdrckung gelitten
htten, um jemals Unterdrcker werden zu knnen.[118]


[_Lage der Dinge auf dem Continent._] Unterdessen bezogen die Truppen
auf dem ganzen Kontinent ihre Winterquartiere. Der Feldzug war berall
unentschieden geblieben. Der Sieg, den Luxemburg bei Fleurus erfochten,
hatte keinen erheblichen Eindruck gemacht. Am Oberrheine hatten groe
Armeen einander Monate lang gegenber gestanden, ohne einen Schlag zu
thun. In Catalonien waren einige kleine Festungen genommen worden. Im
Osten Europa's waren auf einigen Punkten die Trken, auf anderen die
Christen siegreich gewesen, und das Ende des Kampfes schien ferner zu
sein als je. Die Coalition hatte im Laufe des Jahres ein werthvolles
Mitglied verloren, und ein andres gewonnen. Der Herzog von Lothringen,
der geschickteste Feldherr in kaiserlichen Diensten, war nicht
mehr. Er war gestorben, wie er gelebt hatte: als ein umherirrender
Verbannter, und hatte seinen Kindern nichts als seinen Namen und seine
Rechte hinterlassen. Man pflegte zu sagen, die Coalition htte eher
dreiigtausend Soldaten entbehren knnen als einen solchen General.
Doch die verbndeten Hofe hatten kaum Trauer um ihn angelegt, als
sie durch die Nachricht getrstet wurden, da ein andrer Prinz, an
Macht ihm berlegen und weder an Feldherrntalent noch an Muth ihm
nachstehend, dem Bunde gegen Frankreich beigetreten sei.


[_Der Herzog von Savoyen schliet sich der Coalition an._] Dies war
Victor Amadeus Herzog von Savoyen. Er war noch jung, aber schon wohl
erfahren in den Knsten, in denen sich die Staatsmnner Italiens seit
dem 13.Jahrhunderte stets ausgezeichnet hatten, den Knsten, durch
welche Castruccio Castracani und Franz Sforza zu Macht und Ansehen
gelangten und welche Macchiavel in ein System brachte. Kein Souverain im
modernen Europa hat mit einem so kleinen Lndchen whrend eines so
langen Zeitraums einen so groen Einflu ausgebt. Mit einem Anschein
von Freudigkeit, aber mit geheimem Widerwillen und Groll hatte er sich
eine Weile dem franzsischen Einflusse gefgt. Als der Krieg ausbrach,
erklrte er sich fr neutral, knpfte aber in der Stille Unterhandlungen
mit dem Hause Oesterreich an. Wahrscheinlich wrde er sich noch lange
verstellt haben, bis sich ihm eine Gelegenheit dargeboten hatte, einen
unerwarteten Schlag zu fhren, wren seine schlauen Plne nicht durch
Ludwig's Entschiedenheit und Energie vereitelt worden. Ein franzsisches
Armeecorps unter den Befehlen Catinat's, eines Offiziers von groem
Talent und Muth, rckte in Piemont ein. Der Herzog erfuhr, da sein
Verhalten Verdacht erweckt habe, den er nur durch Zulassung fremder
Besatzungen in Turin und Vercelli beseitigen knne. Er berzeugte sich,
da er entweder der Sklave oder der offene Feind seines mchtigen und
herrschschtigen Nachbars sein mute. Seine Wahl war bald getroffen, und
es begann ein Krieg, der sieben Jahre lang einige der besten Generle
und besten Truppen Ludwig's beschftigte. Ein auerordentlicher
Gesandter Savoyen's begab sich nach dem Haag, ging von da nach London,
berreichte im Bankethause seine Accreditive und hielt an Wilhelm eine
Anrede, welche sofort in mehrere Sprachen bersetzt und in allen Theilen
Europa's gelesen wurde. Der Redner wnschte dem Knige Glck zu dem
Gelingen des groen Unternehmens, welches England seine frhere Stellung
unter den Nationen wiederverschafft und Europa aus seinen Ketten befreit
habe. Da mein Gebieter, sagte er, es endlich wagen darf, Gesinnungen
auszusprechen, die er seit langer Zeit in den Tiefen seines Herzens
verbarg, ist ein Theil der Schuld, die er Eurer Majestt abzutragen
hat. Sie haben ihm, nach so vielen Jahren der Knechtschaft, mit der
Hoffnung auf Freiheit beseelt.[119]

Es war beschlossen worden, da im Laufe des herannahenden Winters ein
Congre smmtlicher Frankreich feindlich gesinnten Mchte im Haag
gehalten werden sollte. Wilhelm konnte es kaum erwarten, sich dahin zu
begeben. Aber er mute zuvor eine Parlamentssession halten. Anfang
October versammelten sich die beiden Huser wieder in Westminster. Die
Mitglieder waren durchgehends in guter Stimmung gekommen. Diejenigen
Tories welche berhaupt zu gewinnen waren, waren durch die
Begnadigungsacte und durch den groen Antheil, den sie von den
Gunstbezeigungen der Krone erhalten hatten, gewonnen worden. Diejenigen
Whigs, welche berhaupt fr Lehren empfnglich waren, hatten aus der
Lection, welche Wilhelm ihnen gegeben, viel gelernt, und erwarteten
nicht mehr, da er vom Range eines Knigs zu dem eines Parteifhrers
herabsteigen werde. Whigs wie Tories waren mit wenigen Ausnahmen durch
die Aussicht auf eine franzsische Invasion beunruhigt und durch die
Nachricht von dem Siege am Boyne erfreut worden. Der Souverain, der fr
ihre Nation und ihre Religion sein Blut vergossen hatte, stand in diesem
Augenblicke in der ffentlichen Achtung hher als zu irgend einer Zeit
seit seiner Thronbesteigung. Seine Thronrede erzwang sich den lauten
Beifall der Lords und der Gemeinen.[120] Beide Huser votirten dem
Knige fr seine Thaten in Irland und der Knigin fr die Umsicht, mit
der sie whrend seiner Abwesenheit England regiert hatte, ihren
Dank.[121] So begann eine Session, die sich unter den Sessionen dieser
Regierung durch Eintracht und Ruhe auszeichnete. Es ist kein Bericht
ber die Debatten auf uns gekommen, man mte denn ein lngst
vergessenes Libell, in welchem einige von den am ersten Tage gehaltenen
Reden in Knittelversen persiflirt werden, einen Bericht nennen.[122]


[_Steuerbewilligungen._] Die Gemeinen scheinen ihre Zeit hauptschlich
mit der Errterung von Fragen hingebracht zu haben, welche aus den
Wahlen des vergangenen Frhjahrs erwuchsen. Die zur Bestreitung der
Kriegskosten nthigen Gelder wurden, obwohl sie sehr bedeutend waren,
gern bewilligt. Die Anzahl der regulren Truppen wurde fr das nchste
Jahr auf siebzigtausend festgesetzt, wovon zwlftausend Reiter oder
Dragoner sein sollten. Der Kostenaufwand fr diese Armee, der grten,
welche England je unterhalten hatte, betrug zwei Millionen
dreihunderttausend Pfund, die Unterhaltungskosten der Flotte ungefhr
achtzehnhunderttausend Pfund. Die Kosten der Artillerie waren in diesen
Summen mit inbegriffen und wurden auf ungefhr ein Achtel des Flotten-
und ein Fnftel des Militraufwandes geschtzt.[123] Die Gesammtsumme
der dem Knige bewilligten auerordentlichen Gelder belief sich auf mehr
als vier Millionen.

Die Gemeinen waren mit Recht der Ansicht, da die auergewhnliche
Liberalitt, mit der sie die Regierung untersttzt, sie auch
berechtige, auergewhnliche Sicherheiten gegen Verschwendung und
Unterschleif zu verlangen. Es wurde eine Bill eingebracht, welche neun
Commissare ermchtigte, die ffentlichen Rechnungen zu prfen und
festzustellen. Die Neun waren in der Bill genannt, und sie waren
smmtlich Mitglieder des Unterhauses. Die Lords traten der Bill ohne
Amendements bei und der Knig genehmigte sie.[124]


[_Mittel und Wege._] Die Debatten ber die Mittel und Wege zur
Aufbringung der bewilligten Summen fllten einen betrchtlichen Theil
der Session aus. Es wurde beschlossen, da sechshundert und
funfzigtausend Pfund durch eine directe monatliche Grundsteuer
aufgebracht werden sollten. Ferner wurden die Accisabgaben auf Ale und
Bier verdoppelt und die Eingangszlle auf rohe Seide, Leinwand, Bauholz,
Glaswaaren und einige andere Artikel erhht.[125] Soweit fand geringe
Meinungsverschiedenheit statt. Bald aber wurde der ruhige Geschftsgang
durch einen Vorschlag gestrt, der bei weitem populrer war als gerecht
und human. Obwohl Steuern von noch nicht dagewesener Hhe ausgeschrieben
waren, konnte man doch mit gutem Grunde zweifeln, ob diese Steuern
ausreichen wrden. Warum, fragte man, sollten nicht die irischen
Insurgenten die Kosten des irischen Kriegs tragen? Die ganze Welt wisse,
wie diese Insurgenten in ihrem Schattenparlamente gehandelt htten, und
es sei nicht mehr als recht und billig, da man ihnen mit ihrem eigenen
Maae messe. Sie mten so behandelt werden, wie sie die schsische
Colonie behandelt htten. Jeder Acker Land, den die Ansiedlungsacte
ihnen gelassen, mte vom Staate confiscirt werden, um die Geldausgaben
zu bestreiten, die ihr Ungestm und ihre Verkehrtheit nothwendig gemacht
htten. Es ist nicht zu verwundern, da ein Plan, der zu gleicher Zeit
den Nationalgroll befriedigte und eine pekunire Erleichterung hoffen
lie, mit groer Freude begrt wurde. Es ward eine Bill eingebracht,
die nur zu groe Aehnlichkeit mit einigen von den jakobitischen
Gesetzgebern in Dublin erlassenen Gesetzen hatte. Diese Bill bestimmte,
da das Eigenthum eines Jeden, der sich gegen den Knig und die Knigin
seit dem Tage ihrer Proklamation aufgelehnt, eingezogen und der Erls
desselben zur Fortfhrung des Kriegs verwendet werden sollte. Eine
Ausnahme war zu Gunsten derjenigen Protestanten gemacht, die sich nur
berlegener Gewalt gefgt hatten; gegen die Papisten aber wurde keine
Nachsicht gebt. Das knigliche Begnadigungsrecht wurde beschrnkt. Zwar
durfte der Knig, wenn es ihm gefiel, das Leben seiner besiegten Feinde
schonen; aber es war ihm nicht gestattet, den geringsten Theil ihres
Vermgens der allgemeinen Confiscation zu entziehen. Es sollte nicht in
seiner Macht stehen, eine Capitulation zu bewilligen, welche den
irischen Katholiken den Genu ihres erblichen Grundbesitzes sicherte.
Ja, er sollte sogar sein Wort gegen Diejenigen nicht halten drfen, die
er bereits zu Gnaden angenommen, die seine Hand gekt und aus seinem
Munde das Versprechen des Schutzes erhalten hatten. Es wurde ein Versuch
gemacht, eine Klausel zu Gunsten Lord Dover's einzuschalten. Dover, der
bei allen seinen Fehlern nicht ohne einige Gefhle fr England war,
hatte sich durch Vertheidigung der Interessen seines Geburtslandes in
Dublin sowohl den Irlndern als den Franzosen verhat gemacht. Nach der
Schlacht am Boyne war seine Lage traurig geworden. Weder in Limerick
noch in Saint-Germains durfte er hoffen gut aufgenommen zu werden. In
seiner Verzweiflung warf er sich Wilhelm zu Fen, versprach ruhig zu
leben und erhielt die gndige Zusicherung, da er nichts zu frchten
habe. Obgleich diesem unglcklichen Manne das knigliche Wort verpfndet
zu sein schien, beschlossen die Gemeinen dennoch mit hundertneunzehn
gegen hundertzwlf Stimmen, da sein Eigenthum von der allgemeinen
Confiscation nicht ausgenommen sein solle.

Die Bill kam vor die Peers; aber die Peers waren nicht gemeint, sie ohne
erhebliche Abnderungen anzunehmen, und zu solchen Abnderungen war
jetzt keine Zeit. Zahlreiche Erben, Anwartschaftsinhaber und Glubiger
baten das Oberhaus flehentlich, Klauseln einzuschalten, welche den
Unschuldigen gegen jede Gefahr, mit dem Schuldigen zu leiden, sicher
stellten. Einige Bittsteller verlangten durch das Organ ihres Anwalts
gehrt zu werden. Der Knig hatte alle Vorbereitungen zu einer Reise
nach dem Haag getroffen, der Tag, ber welchen hinaus er seine Abreise
nicht verschieben konnte, rckte immer nher, und so wurde die Bill zum
Glck fr die Ehre der englischen Legislatur in das dunkle Repositorium
verwiesen, in welchem die abortiven Statuten vieler Generationen einen
Schlaf schlafen, der nur selten von dem Geschichtsschreiber oder
Alterthumsforscher gestrt wird.[126]


[_Verfahren gegen Torrington._] Eine andre Frage, welche die Ruhe dieser
kurzen Session vorbergehend, aber auch nur vorbergehend strte,
entsprang aus der unglcklichen und schimpflichen Schlacht von Beachy
Head. Torrington war unmittelbar nach dieser Schlacht in den Tower
geschickt worden und sa noch darin. Es hatte sich eine technische
Schwierigkeit bezglich des gegen ihn einzuleitenden Verfahrens erhoben.
Einen Lord Groadmiral gab es nicht, und ob die Commissare der
Admiralitt befugt waren, das Kriegsrecht auszuben, darber waren
manche Juristen nicht vllig im Klaren. Die Mehrzahl der Richter meinte,
die Commissare seien competent; um aber jeden Zweifel zu beseitigen,
wurde eine Bill im Oberhause eingebracht, und gegen diese Bill
opponirten mehrere Lords aus hchst nichtigen Grnden. Das
vorgeschlagene Gesetz, sagten sie, sei ein rckwirkendes Strafgesetz und
lasse deshalb Einwendungen zu. Wenn sie dieses Argument aus Ueberzeugung
geltend machten, so kannten sie die ersten Anfangsgrnde der
Gesetzgebungswissenschaft nicht. Ein Gesetz deshalb machen, um etwas zu
bestrafen, was zu der Zeit wo es gethan wurde, nicht strafbar war,
widerstreitet jedem gesunden Prinzipe. Ein Gesetz aber, das lediglich
das Strafverfahren nderte, kann vollkommen schicklicherweise auf
vergangene sowohl wie auf zuknftige Vergehen angewendet werden. Es
wrde die grbste Ungerechtigkeit gewesen sein, dem Gesetz, welches den
Sclavenhandel fr Felonie erklrte, eine rckwirkende Kraft zu geben.
Aber es lag nicht die geringste Ungerechtigkeit in der Verordnung, da
der Centralcriminalgerichtshof Felonien untersuchen solle, welche lange
vor dem Bestehen dieses Gerichtshofes begangen worden waren. In
Torrington's Falle blieb das substantielle Gesetz das was es stets
gewesen war; die Definition des Vergehens und das Strafma blieben
unverndert. Die einzige Aenderung bezog sich auf die Form des
Verfahrens, und die Legislatur war vollkommen berechtigt, diese
Aenderung rckwirkend zu machen. Man kann in der That kaum glauben, da
einige von Denen, die sich der Bill widersetzten, durch den Trugschlu
verblendet worden sein sollten, von dem sie Gebrauch zu machen sich
herablieen. Der Kastengeist war bei den Lords sehr stark und es dnkte
ihnen eine Erniedrigung ihres ganzen Standes, da einer der Ihrigen
durch einen aus Plebejern bestehenden Gerichtshof auf Tod und Leben
gerichtet werden sollte. Wenn ihr hochgeborner College sich vergangen
hatte, so muten Anklageartikel gegen ihn aufgesetzt werden; Westminster
Hall mute hergerichtet werden, seine Peers muten sich in ihrem
Richterornate versammeln und auf ihr Ehrenwort ihren Wahrspruch abgeben;
ein Lord Oberrichter mute das Urtel verkndigen und den Stab
zerbrechen. Es war vorbei mit dem Privilegium, wenn ein Earl durch
Theerjacken, welche um einen Tisch in einer Schiffskajte saen, zum
Tode verurtheilt werden konnte. Diese Gefhle uerten einen solchen
Einflu, da die Bill im Oberhause mit einer Majoritt von nur zwei
Stimmen durchging.[127] Im Unterhause, wo die Wrden und Immunitten des
hohen Adels nicht mit freundlichem Auge betrachtet wurden, herrschte nur
geringe Meinungsverschiedenheit. Torrington verlangte vor der Schranke
gehrt zu werden und sprach daselbst sehr ausfhrlich, aber schwach und
verworren. Er rhmte sich seiner Dienste, seiner Opfer und seiner Wunden
und schmhte die Hollnder, die Admiralitt und den Staatssekretr. Doch
die Bill durchlief ohne Abstimmung alle Stadien.[128]


[_Torrington's Proze und Freisprechung._] Zu Anfang Decembers wurde
Torrington unter Eskorte den Strom hinab nach Sheerne geschickt. Hier
versammelte sich das Kriegsgericht an Bord einer Fregatte, der Kent
genannt. Die Untersuchung dauerte drei Tage, und whrend dieser drei
Tage war die Aufregung in London gro. An der Brse, in den
Kaffeehusern und selbst an den Kirchthren hrte man von nichts als von
Torrington sprechen. Alle Parteien waren heftig aufgeregt, es wurden
ungeheure Wetten gemacht, jede Stunde kamen Gerchte zu Lande oder zu
Wasser, und jedes Gercht wurde unterwegs bertrieben oder entstellt.
Von dem Tage, an welchem die Nachricht von der schimpflichen Schlacht
eintraf, bis zum Vorabende der Prozeverhandlung war die ffentliche
Meinung dem Gefangenen sehr ungnstig gewesen. Gleichzeitige
Pamphletisten erzhlen uns, da sein Name fast nie ohne eine
Verwnschung genannt wurde. Als aber der Augenblick, in welchem sein
Schicksal sich entscheiden sollte, heranrckte, trat eine Reaction ein,
wie dies in unsrem Lande sehr hufig geschieht. Man erinnerte sich aller
seiner Verdienste, seines Muthes, seiner Gutherzigkeit, seiner treuen
Anhnglichkeit an den protestantischen Glauben in den schlimmen Zeiten.
Da er in Trgheit und Genusucht versunken war, da er um seiner
Vergngungen willen das wichtigste Geschft vernachlssigte und da er
einem Zechgenossen oder einer Maitresse nichts abschlagen konnte, war
unmglich zu leugnen; aber man fand Entschuldigungen und milde
Bezeichnungen fr diese Fehler. Seine Freunde wendeten ohne Bedenken
alle Mittel an, welche ein Nationalgefhl zu seinen Gunsten erwecken
konnten, und ihre Bemhungen erhielten eine mchtige Sttze durch die
Nachricht, da der Ha, den man in Holland gegen ihn empfand, sich in
Unanstndigkeiten gegen einige seiner Landsleute Luft gemacht habe. Das
allgemeine Geschrei war, ein tapferer, lebenslustiger, freigebiger
englischer Gentleman, dem man nichts Schlimmeres nachsagen knne als da
er Wein und Weiber liebte, sollte erschossen werden, um den Rachedurst
der Hollnder zu stillen. Der Verlauf des Prozesses war ganz geeignet,
das Volk in dieser Ansicht zu bestrken. Die meisten Zeugen, welche
gegen den Gefangenen auftraten, waren hollndische Offiziere. Der
hollndische Contreadmiral, der die Rolle des Anklgers bernahm, verga
sich soweit, da er die Richter der Parteilichkeit beschuldigte. Als
endlich Torrington am Abend des dritten Tages fr nicht schuldig erklrt
wurde, schienen Viele, die noch vor kurzem sein Blut verlangt hatten,
sich ber seine Freisprechung zu freuen. Er kehrte frei und mit dem
Degen an der Seite nach London zurck. Als er auf seiner Yacht die
Themse hinauffuhr, salutirte ihm jedes Schiff, an dem er vorberkam. Er
nahm seinen Sitz im Hause der Lords ein und wagte es sogar, bei Hofe zu
erscheinen. Aber die meisten Peers begegneten ihm mit Klte, Wilhelm
lie ihn nicht vor sich und befahl ihn seines Dienstes zu entheben.[129]


[_Erbitterung der Whigs gegen Caermarthen._] Es gab noch einen
Gegenstand, ber den von keinem der beiden Huser ein Beschlu gefat
wurde, ber den aber sehr wahrscheinlich in beiden eine lebhafte
Discussion stattfand. Waren auch die Whigs minder heftig als im
vorhergehenden Jahre, so konnten sie es doch nicht geduldig mit ansehen,
wie Caermarthen so nahe daran war Premierminister zu sein, als es ein
englischer Unterthan unter einem Frsten von Wilhelm's Character
berhaupt sein konnte. Obgleich Niemand eine hervorragendere Stelle in
der Revolution gespielt, und obgleich Niemand von einer Contrerevolution
mehr zu frchten hatte als der Lord Prsident, konnten doch seine alten
Feinde nicht glauben, da er im Herzen den Willkrdoctrinen entsagt
habe, denen er einst eifrig angehangen, oder da er einer aus dem
Widerstande hervorgegangenen Regierung wirklich treu sein knne. Whrend
der letzten Hlfte des Jahres 1690 wurde er in Spottliedern arg
mitgenommen. Bald war er Knig Thomas, bald Tom der Tyrann.[130] Man
beschwor Wilhelm, nicht nach dem Kontinent zu gehen und seinen
schlimmsten Feind als Rathgeber der Knigin zurckzulassen. Halifax, den
die Whigs im vorhergehenden Jahre ungromthig und undankbar verfolgt
hatten, wurde jetzt mit Achtung und Bedauern von ihnen genannt, denn er
war der Feind ihres Feindes.[131] Das Gesicht, die Gestalt, die
krperlichen Gebrechen Caermarthen's wurden lcherlich gemacht.[132] Der
Verkehr mit dem franzsischen Hofe, in den er vor zwlf Jahren mehr
durch sein Unglck als durch eigne Schuld verwickelt worden war, wurde
in den schwrzesten Farben geschildert. Sein Anklageproze und seine
Gefangenschaft wurden ihm vorgeworfen. Einmal sei er glcklich davon
gekommen; aber die Rache knne ihn immer noch ereilen und London das
lange hinausgeschobene Vergngen genieen, den alten Verrther an dem
blauen Bande, das er entehre, von der Leiter gestoen zu sehen.
Smmtliche Mitglieder seiner Familie, Gattin, Sohn und Tchter, wurden
mit wthenden Schmhungen und beleidigenden Sarkasmen berhuft.[133]
Jeder, von dem man vermuthete, da er durch politische Bande an ihn
geknpft war, erhielt seinen Theil von diesen Schmhungen, und Niemand
wurde reichlicher bedacht als Lowther. Die Gesinnung, die sich in diesen
Satyren aussprach, war unter den Whigs im Parlamente stark vertreten.
Mehrere von ihnen beriethen sich ber einen Angriffsplan und waren der
Hoffnung, da es ihnen gelingen werde, einen Sturm heraufzubeschwren,
der es ihm unmglich machte, an der Spitze der Geschfte zu bleiben.
Sein Einflu im kniglichen Cabinet scheint damals nicht mehr so gro
gewesen zu sein, als er frher war. Godolphin, den er nicht liebte und
ber den er keine Gewalt hatte, dessen finanziellen Kenntnisse aber
whrend des Sommers schmerzlich vermit worden waren, kehrte wieder ins
Schatzamt zurck und wurde zum ersten Commissar ernannt. Lowther, die
rechte Hand des Lord Prsidenten, sa zwar noch im Collegium, fhrte
aber nicht mehr den Vorsitz darin. Allerdings war damals kein solcher
Unterschied zwischen dem ersten Lord und seinen Collegen als jetzt. Doch
war die Aenderung immerhin wichtig und bezeichnend. Marlborough, dem
Caermarthen ebenfalls nicht gewogen war, geno in militrischen
Angelegenheiten nicht weniger Vertrauen als Godolphin in finanziellen
Dingen. Die Siegel, welche Shrewsbury im Sommer abgegeben hatte, lagen
seitdem in Wilhelm's geheimem Schubfache. Der Lordprsident erwartete
wahrscheinlich zu Rathe gezogen zu werden, ehe sie vergeben wurden;
allein er sah sich in dieser Erwartung getuscht. Man lie Sidney aus
Irland kommen und ihm wurden die Siegel bergeben. Die erste Anzeige,
welche der Lordprsident von dieser wichtigen Ernennung erhielt,
erfolgte nicht in einer Weise, welche geeignet gewesen wre, seine
Gefhle zu besnftigen. Begegneten Sie dem neuen Staatssekretr, als er
fortging? fragte Wilhelm. Nein, Sire, antwortete der Lordprsident,
ich begegnete Niemandem als Mylord Sidney. -- Er ist der neue
Sekretr, sagte Wilhelm. Er wird gengen, bis ich einen geeigneten
Mann finde, und sobald ich einen solchen Mann finde, wird er bereit sein
zu resigniren. Jeder Andre, den ich ernennen knnte, wrde sich
beleidigt halten, wenn ich ihn wieder entfernen wollte. Htte Wilhelm
Alles gesagt was er dachte, so wrde er wahrscheinlich hinzugesetzt
haben, da Sidney zwar kein groer Redner oder Staatsmann, wohl aber
einer von den wenigen englischen Politikern war, auf die man sich eben
so fest verlassen konnte, wie auf Bentinck oder Zulestein. Caermarthen
vernahm die Mittheilung mit einem bitteren Lcheln. Es sei etwas Neues,
sagte er spter, einen Edelmann in das Sekretariat gesetzt zu sehen, wie
man einen Bedienten in eine Theaterloge setze, nur um einen Platz so
lange einzunehmen, bis man einen Besseren gefunden habe. Doch hinter
diesem Scherze verbarg sich eine ernste Krnkung und Besorgni. Die
Stellung des Premierministers war unangenehm und selbst gefhrlich, und
die Dauer seiner Macht wrde wahrscheinlich kurz gewesen sein, htte das
Glck ihm nicht gerade in diesem Augenblicke die Mittel in die Hand
gegeben, seine Gegner durch einen wichtigen Dienst, den er dem Staate
leistete, zu beschmen.[134]


[_Ein jakobitisches Complot._] Im August hatte es geschienen, als ob die
Jakobiten vollstndig niedergeworfen worden wren. Der Sieg am Boyne und
der durch das Erscheinen von Tourville's Geschwader an der Kste von
Devonshire veranlate unwiderstehliche Ausbruch des Nationalgefhls
hatten auch die khnsten Vorkmpfer des erblichen Rechts entmuthigt. Die
Mehrzahl der Hauptverschwrer brachte einige Wochen in Haft oder in
Verstecken zu. Doch so weit die Verzweigungen der Verschwrung sich auch
erstreckten, nur ein Verrther erlitt die Strafe fr seine Verbrechen.
Dies war ein Mann, Namens Gottfried Cro; der am Strande unweit Rye
einen Gasthof besa und der Tourville mit Kundschaft versehen hatte, als
die franzsische Flotte an der Kste von Sussex lag. Als es sich zeigte,
da dieses einzelne Beispiel fr gengend erachtet wurde, als die Gefahr
einer Invasion vorber war, als die durch diese Gefahr entzndete
Begeisterung des Volks sich gelegt und als die Nachsicht der Regierung
einigen Verschwrern erlaubt, ihre Gefngnisse zu verlassen, und Andere
ermuthigt hatte, sich aus ihren Verstecken hervorzuwagen, begann die
Partei, welche zu Boden geworfen und betubt gewesen war, neue
Lebenszeichen von sich zu geben. Die alten Verrther hielten wieder
Zusammenknfte an den alten Versammlungsorten, wechselten
bedeutungsvolle Blicke und hastiges Geflster und zogen aus ihren
Taschen Pasquille auf den Hof von Kensington und mit Milch und
Citronensaft geschriebene Briefe vom Hofe von Saint-Germains. Preston,
Dartmouth, Clarendon, Penn gehrten zu den geschftigsten. Mit ihnen war
der eidverweigernde Bischof von Ely verbunden, den die Regierung noch
immer in dem ihm nicht mehr gehrenden Palaste zu wohnen erlaubte und
der noch vor kurzem den Himmel zum Zeugen angerufen hatte, da ihm der
Gedanke, Fremde zu einer Invasion in England aufzufordern ein Greuel
sei. Eine gnstige Gelegenheit sei versumt worden, aber es stehe eine
andre in Aussicht, und die drfe man sich nicht entgehen lassen. Der
Usurpator wrde bald wieder auerhalb England's sein und die Verwaltung
in den Hnden einer schwachen Frau und eines getheilten Rathes liegen.
Das zu Ende gehende Jahr sei allerdings ein unglckliches gewesen, aber
das neue knne glckbringender sein.


[_Zusammenkunft der Hauptverschwrer._] Im December wurde eine
Zusammenkunft der leitenden Jakobiten gehalten. [135] Die Ansicht
der Versammlung, welche ausschlielich aus Protestanten bestand, war
die, da etwas unternommen werden msse, da aber die Schwierigkeiten
gro seien. Keiner wagte dazu zu rathen, da Jakob ohne Begleitung
von fremden Truppen herberkommen solle. Dennoch aber frchteten
Alle, durch die Erfahrung des vergangenen Sommers belehrt, den
Eindruck, den der Anblick franzsischer Uniformen und Fahnen auf
englischem Boden machen wrde. Es wurde eine Schrift aufgesetzt,
von der man hoffte, da sie sowohl Jakob als Ludwig berzeugen
werde, da eine Restauration ohne die aufrichtige Mitwirkung der
Nation nicht bewerkstelligt werden knne. Frankreich -- dies war
der wesentliche Inhalt dieses interessanten Schriftstckes -- knne
die Insel mglicherweise in einen Trmmerhaufen, nie aber in eine
unterworfene Provinz verwandeln. Wer die Stimmung des Volksgeistes
nicht beobachtet habe, knne sich schwerlich einen Begriff von der
wilden und finstren Entschlossenheit machen, mit der die Leute aller
Klassen, Sekten und Parteien bereit seien, jedem fremden Potentaten,
der es versuchen sollte, das Land durch Waffengewalt zu erobern,
Widerstand zu leisten. Auch knne England nicht als ein katholisches
Land regiert werden. Es gebe fnf Millionen Protestanten und keine
hunderttausend Papisten im Knigreiche; da eine solche Minoritt eine
solche Majoritt niederhalten knne, sei physisch unmglich, und der
physischen Unmglichkeit mten alle anderen Rcksichten weichen. Jakob
werde daher wohlthun, wenn er unverzglich solche Maregeln ergriffe,
welche erkennen lieen, da er entschlossen sei, die bestehende
Landesreligion zu schtzen. Leider enthalte jeder Brief aus Frankreich
etwas, was darauf hinziele, Gefhle aufzureizen, deren Beschwichtigung
hchst wnschenswerth sei. Ueberall circulirten Geschichten von
Krnkungen, welche in Saint-Germains Protestanten erfahren htten, die
den hchsten Beweis von Loyalitt gegeben, indem sie einen Gebieter,
der sich zu einem andren Glauben als dem ihrigen bekenne, in die
Verbannung begleitet htten. Die gegen die Hugenotten erlassenen Edicte
knnten allenfalls durch die anarchischen Meinungen und Handlungen
dieser Sectirer gerechtfertigt werden, aber es sei ein Ueberma von
Ungerechtigkeit und Ungastfreundlichkeit, diese Edicte gegen Mnner
anzuwenden, welche einzig und allein wegen ihrer Anhnglichkeit an
einen katholischen Knig aus ihrem Vaterlande vertrieben worden seien.
Shnen der anglikanischen Kirche, die gehorsam ihrer Lehre Alles was
ihnen auf Erden theuer sei, der Sache des Knigs zum Opfer gebracht
htten, drfe man es doch sicherlich nicht lnger verwehren, sich
in einem bescheidenen Hause zu versammeln, um die Gebruche dieser
Kirche zu ben und ihre Trstungen zu empfangen. Eine Ankndigung,
da Ludwig auf Jakob's Ansuchen den englischen Verbannten gestattet
habe, Gott nach ihren nationalen Formen zu verehren, werde die beste
Einleitung zudem groen Versuche sein. Dieser Versuch msse zu Anfang
des Frhjahrs gemacht werden. Ein franzsisches Truppencorps msse
allerdings Se. Majestt begleiten; aber er msse erklren, da er diese
Truppen nur zum Schutze seiner Person und seiner getreuen Unterthanen
mitbringe und da, sobald die fremden Tyrannen vertrieben seien, die
fremden Befreier entlassen werden wrden. Auch msse er versprechen,
den Gesetzen gem zu regieren, und msse alle Punkte, welche zwischen
ihm und seinem Volke streitig gewesen seien, der Entscheidung eines
Parlaments anheimgeben.


[_Die Verschwrer beschlieen, Preston nach Saint-Germains zu
schicken._] Es wurde beschlossen, da Preston die Resolutionen und
Vorschlge der Verschwrer nach Saint-Germains bringen solle. Johann
Ashton, ein Mann, der Geheimsekretr Mariens von Modena gewesen, als sie
auf dem Throne sa, und den Interessen der verbannten Familie mit Leib
und Seele ergeben war, nahm es auf sich, fr die Befrderungsmittel zu
sorgen, und gewann zu dem Ende die Mitwirkung eines heibltigen jungen
Jakobiten Namens Elliot, der nur im Allgemeinen erfuhr, da der guten
Sache ein etwas gefhrlicher Dienst zu leisten sei.

Ein Schiff, dessen Eigenthmer sich wegen des Zweckes, zu dem es
verwendet werden sollte, keine Sorge machte, war im Hafen von London
nicht schwer zu finden. Ashton und Elliot wurden dem Kapitain einer
Schmacke vorgestellt, welche der Jakob und Elisabeth hie. Die
jakobitischen Agenten gaben sich fr Schmuggler aus und sprachen von
mehreren tausend Pfunden, welche durch eine einzige glckliche Fahrt
nach Frankreich und wieder zurck zu gewinnen seien. Das Geschft wurde
abgeschlossen, ein Sixpencestck zerbrochen und alle Anstalten zur Reise
getroffen.


[_Die Preston anvertrauten Papiere._] Preston hatte von seinen
Freunden ein Packet bekommen, das mehrere wichtige Papiere enthielt.
Darunter befand sich eine Liste der englischen Flotte, von Dartmouth
angefertigt, der mit einigen seiner alten Waffengefhrten in Verbindung
stand, ein Protokoll ber die Beschlsse, welche bei der Zusammenkunft
der Verschwrer angenommen worden waren, und die Hauptpunkte einer
Erklrung, deren Verffentlichung man fr wnschenswerth hielt, sobald
Jakob gelandet sein wrde. Auerdem befanden sich sechs bis sieben
Briefe von angesehenen Personen der jakobitischen Partei darunter.
Die meisten von diesen Briefen waren Parabeln, aber Parabeln, die
nicht schwer zu verstehen waren. Ein Verschwrer bediente sich des
juristischen Styls. Es sei Hoffnung vorhanden, da Mr. Jackson bald
wieder in den Besitz seines Gutes gelangen werde. Der neue Gutsherr sei
ein harter Mann und habe seine Pchter gegen sich aufgebracht. Eine
Kleinigkeit werde die Besitzung von ihrem Joche erlsen. Die Ansicht
der besten Advokaten sei zu Gunsten Mr. Jackson's. Es bedrfe weiter
nichts als seines persnlichen Erscheinens in Westminster Hall. Die
Schluverhandlung msse noch vor Ablauf des Ostertermins stattfinden.
Andere Briefschreiber affectirten den kaufmnnischen Geschftsstyl. Es
sei starke Nachfrage nach einer Ladung von der rechten Sorte. Man habe
Grund zu hoffen, da die alte Firma bald vortheilhafte Verbindungen
mit Husern anknpfen werde, mit denen sie bisher keine Geschfte
gemacht habe. Dies war offenbar eine Anspielung auf die mivergngten
Whigs. Aber, hie es weiter, die Verladungen drften nicht verzgert
werden. Nichts sei gefhrlicher als den Markt zu lange warten zu
lassen. Wenn die erwarteten Gter nicht bis zum 10.Mrz eintrfen,
sei der ganze Gewinn des Jahres verloren. Bezglich der Details
knne man dem vortrefflichen Geschftsfhrer, welcher das Schreiben
berbringe, volles Vertrauen schenken. Clarendon spielte die Rolle
eines Ehestifters. Es sei groe Hoffnung, da das Geschft, welches
er eingeleitet, zu Stande kommen und da die Aussteuer gut angelegt
werden wrde. Ihre Verwandten, schrieb er in Anspielung auf seine
krzliche Haft, haben mir vorigen Sommer hart zugesetzt; aber sobald
ich wieder ohne Gefahr ausgehen konnte, betrieb ich das Geschft.
Katharine Sedley vertraute Preston einen Brief an, in welchem sie
sich ohne Allegorie oder Umschreibung beklagte, da ihr Geliebter
ihr eine Tochter zurckgelassen habe, die sie erhalten msse, und
dringend um Geld bat. Die beiden wichtigsten Depeschen aber waren vom
Bischof Turner. Sie waren an Mr. und Mrs. Redding gerichtet, aber in
einem Tone geschrieben, der jedem Andren als einem Knige gegenber
eines Gentleman unwrdig gewesen wre. Der Bischof versicherte Ihren
Majestten, da er ihrer Sache treu ergeben sei, da er dringend
eine wichtige Gelegenheit herbeiwnsche, um seinen Eifer beweisen zu
knnen und da er von seiner Pflicht gegen sie eben so wenig abweichen
werde, wie er seiner Hoffnung auf den Himmel entsagen knne. In zwar
bildlicher, aber vollkommen verstndlicher Sprache setzte er hinzu, da
er das Organ mehrerer eidverweigernder Prlaten und speciell Sancroft's
sei. Ich spreche im Plural, Sir, -- dies sind die Worte des an Jakob
gerichteten Briefes, -- weil ich sowohl die Gesinnungen meines lteren
Bruders wie auch meine eigenen und die aller brigen Mitglieder unsrer
Familie ausdrcke. Der Brief an Marie von Modena ist in demselben
Sinne gehalten. Ich sage dies im Namen meines lteren Bruders und
aller meiner brigen nchsten Verwandten, wie in meinem eigenen
Namen.[136]

Smmtliche Preston anvertraute Briefe verwiesen den Hof von
Saint-Germains wegen nherer Auskunft an den Ueberbringer. Er hatte
eigenhndig geschriebene Notizen bezglich der Gegenstnde bei sich,
ber die er mit seinem Gebieter und mit den Ministern Ludwig's sprechen
wollte. Diese Notizen, obwohl kurz und flchtig, sind grtentheils
nicht schwer zu verstehen. Die verwundbaren Punkte der Kste sind
erwhnt. Gosport ist nur durch Pallisaden geschtzt. Die Besatzung von
Portsmouth ist klein. Die franzsische Flotte mu im April auslaufen und
losschlagen, bevor die Hollnder im Kanal sind. Es kommen einige
abgebrochene Worte vor, aus denen sich klar ergiebt, da wenigstens
einige von den eidverweigernden Bischfen eine Unwahrheit sagten, als
sie vor Gott erklrten, da sie den Gedanken, die Franzosen herber zu
rufen, verabscheuten.[137]


[_Caermarthen von dem Complot unterrichtet._] Alles war jetzt zu
Preston's Abreise bereit. Aber in dem Eigenthmer des Jakob und
Elisabeth war der Verdacht aufgestiegen, da die Expedition, zu deren
Behufe seine Schmacke gemiethet worden, mehr politischer als
commercieller Natur sein knne. Es fiel ihm ein, da er durch
Denuncirung seiner Passagiere vielleicht mehr verdienen werde als durch
sichere Befrderung derselben. In Folge dessen benachrichtigte er den
Lordprsidenten von dem Vorgange. Keine Nachricht konnte diesem
willkommener sein. Er sah zu seiner groen Freude, da es in seiner
Macht stand, einen glnzenden Beweis von seiner Anhnglichkeit an die
Regierung zu geben, welche zu verrathen seine Feinde ihn beschuldigten.
Mit gewohnter Energie und Umsicht traf er seine Maregeln. Sein ltester
Sohn, der Earl von Danby, ein verwegener, sorgloser und etwas
excentrischer junger Mann, der ein groer Freund des Seelebens war und
viel mit Seeleuten umging, besa eine kleine Yacht von auerordentlicher
Schnelligkeit. Dieses Fahrzeug wurde, wohl bemannt, unter das Commando
eines zuverlssigen Offiziers, Namens Billop gestellt und stromabwrts
gesandt, wie um Matrosen zu pressen.


[_Verhaftung Preston's und seiner Begleiter._] Mitten in der Nacht, der
letzten Nacht des Jahres 1690, begaben sich Preston, Ashton und Elliot
unweit des Tower an Bord ihrer Schmacke. Sie waren in groer Angst, da
sie entweder von einer vor Woolwich liegenden Fregatte oder von der beim
Blockhause von Gravesend postirten Wache angehalten und durchsucht
werden mchten; als sie aber die Fregatte und das Blockhaus hinter sich
hatten, ohne angerufen worden zu sein, faten sie wieder Muth; sie
bekamen starken Appetit, packten einen mit Roastbeef, Fleischpasteten
und Weinflaschen wohlgefllten Korb aus und hatten sich eben zur
Sylvestermahlzeit niedergesetzt, als ihnen gemeldet wurde, da ein von
Tilbury her kommendes Schiff sie verfolge. Sie hatten kaum Zeit gehabt,
sich in einer dunklen Hhlung unter dem Kies, den ihr Schiff als Ballast
mit sich fhrte, zu verbergen, als die Jagd schon vorber war und Billop
an der Spitze eines Militrpikets an Bord kam. Die Luken wurden
geffnet, die Verschwrer festgenommen und ihre Kleider genau
untersucht. Preston hatte in der Bestrzung sein Amtssiegel und das ihm
anvertraute Packet auf den Kies fallen lassen. Das Siegel wurde da
gefunden wohin es gefallen war. Ashton, der die Wichtigkeit der Papiere
kannte, hob sie auf und versuchte sie zu verbergen; aber sie wurden bald
auf seiner Brust entdeckt.

Die Gefangenen versuchten nun, Billop fr sich zu gewinnen und zu
bestechen. Sie lieen Wein bringen, stieen mit ihm an, lobten sein
cavaliermiges Benehmen und versicherten ihm, da, wenn er sie
begleiten oder ihnen nur gestatten wolle, eine kleine Papierrolle ber
Bord in die Themse zu werfen, sein Glck gemacht sei. Die politische
Fluth, sagten sie, sei im Fallen begriffen, die Dinge knnten nicht so
fortgehen wie bisher und es stehe in der Macht des Kapitains so hoch zu
steigen und so reich zu werden als er es nur wnschen knne. Billop aber
blieb, obwohl sehr artig, unbeugsam. Die Verschwrer begannen nun
einzusehen, da ihre Hlse in groer Gefahr schwebten. Der Drang der
Noth brachte den wahren Character aller Drei, der unter anderen
Umstnden vielleicht fr immer unbekannt geblieben wre, ans Tageslicht.
Preston hatte jederzeit fr einen muthigen und tapferen Cavalier
gegolten; aber die nahe Aussicht auf Kerker und Galgen raubte ihm alle
Energie; Elliot tobte und lsterte, schwur hoch und theuer, da, wenn er
je wieder frei wrde, er sich rchen wolle, und rief unter entsetzlichen
Flchen den Donner des Himmels an, da er die Yacht treffen, und die
Londonbrcke, da sie einstrzen und das Fahrzeug zerschmettern mge.
Ashton allein benahm sich wie ein Mann.

Spt am Abend erreichte die Yacht die Treppe von Whitehall, und die
Gefangenen wurden unter starker Bedeckung in das Staatssekretariat
gebracht. Nottingham und Caermarthen untersuchten noch diese Nacht die
auf Ashton's Brust gefundenen Papiere und Caermarthen hndigte dieselben
am folgenden Morgen dem Knige ein.

Bald war es in ganz London bekannt, da ein Complot entdeckt, da die
Boten, welche Jakob's Anhnger abgesandt, um den Beistand einer
Invasionsarmee von Frankreich zu erbitten, durch die Agenten des
wachsamen und energischen Lordprsidenten verhaftet worden seien und da
die Regierung schriftliche Beweise in Hnden habe, die das Leben einiger
hochgestellten Mnner in Gefahr bringen knnten. Die Jakobiten waren in
Todesangst; das Geschrei der Whigs gegen Caermarthen verstummte
pltzlich und die Session endete in vollkommener Eintracht. Am 5.Januar
dankte der Knig den beiden Husern fr ihre Untersttzung und
versicherte ihnen, da er kein verfallenes Eigenthum in Irland
anderweitig vergeben werde, bis sie wieder zusammentreten wrden. Er
spielte auf das so eben entdeckte Complot an und sprach die Hoffnung
aus, da die Freunde England's in einem solchen Augenblicke nicht minder
thtig und nicht minder eng verbunden sein wrden als seine Feinde. Dann
bedeutete er ihnen, da es sein Wunsch sei, das Parlament zu vertagen.
Am folgenden Tage reiste er, von einem glnzenden Gefolge von Edelleuten
begleitet, zum Congresse im Haag ab.[138]


Funoten.

[1] +London Gazette, June 19. 1690; History of the Wars in Ireland by
an Officer in the Royal Army 1690; Villare Hibernicum, 1690; Story's
Impartial History, 1691; Historical Collections relating to the town
of Belfast, 1817.+ Dieses Werk enthlt interessante Auszge aus
Handschriften des 17.Jahrhunderts. Im Britischen Museum befindet sich
ein Plan von Belfast vom Jahre 1685, der so genau ist, da man die
Huser zhlen kann.

[2] Lauzun an Louvois, 16.(26.)Juni. Der Bote welcher Lauzun die
Nachricht brachte, hatte die Kanonenschsse gehrt und die Freudenfeuer
gesehen. +History of the Wars in Ireland, by an Officer of the Royal
Army, 1690; Life of JamesII. 392. Orig. Mem.; Burnet II. 47.+ Burnet
irrt sich gewaltig, indem er sagt, Wilhelm sei bereits sechs Tage in
Irland gewesen, ehe Jakob seine Ankunft erfahren habe.

[3] +A True and Perfect Journal of the Affairs of Ireland by a Person
of Quality, 1690; King III. 18.+ Luttrell's Proklamation findet man im
Anhange zu King.

[4] +Villare Hibernicum, 1690.+

[5] Der Befehl an den Zolleinnehmer findet sich in Dr. Reid's +History
of the Presbyterian Church in Ireland.+

[6] +La gayet peinte sur son visage,+ sagt Dumont, der ihn in
Belfast sah, +nous fit tous esprer pour les heureux succs de la
campagne.+

[7] +Story's Impartial Account; MS. Journal of Colonel Bellingham; The
Royal Diary.+

[8] +Story's Impartial Account.+

[9] Lauzun an Louvois, 23.Juni (3.Juli) 1690; +Life of James, II.
393. Orig. Mem.+

[10] +Story's Impartial Account; Dumont MS.+

[11] Viele interessante Mittheilungen ber das Schlachtfeld und dessen
Umgebung findet man in Mr. Wilde's trefflichem Werke, betitelt: +The
Beauties of the Boyne and Blackwater.+

[12] Memorandum von der Hand Alexander's, Earl von Marchmont. Die
Quelle seiner Mittheilungen war Lord Selkirk, der in Wilhelm's Armee
diente.

[13] Jakob sagt (+Life of JamesII. 393. Orig. Mem.+) da die ganze
Gegend keine bessere Stellung dargeboten habe. King erzhlte in
einer Danksagungsrede, die er nach Beendigung des Feldzugs in Dublin
hielt, seinen Zuhrern, da der Vortheil der Position der Irlnder
sich nach der Ansicht aller Sachkundigen, zu der der Englnder wie
Drei zu Eins verhalten habe. Siehe King's Danksagungsrede, gehalten
am 16.Nov. 1690 vor den Lords Justices. Dies ist ohne Zweifel eine
absurde Uebertreibung. Aber Herr de la Hoguette, einer der vornehmsten
franzsischen Offiziere, welche der Schlacht am Boyne beiwohnten,
berichtete an Louvois, da die irische Armee eine gute Defensivstellung
einnehme. -- Brief von La Hoguette aus Limerick vom 31.Juli (10.Aug.)
1690.

[14] +Narcissus Luttrell's Diary, March 1690.+

[15] Siehe die +Historical Records+ von den Regimentern der britischen
Armee, und Story's Liste der Armee Wilhelm's, wie sie acht Tage vor der
Schlacht bei Finglas die Revue passirte.

[16] Siehe seine Gedchtnipredigt, gehalten am 24.Juni 1690 in der
Kirche von Saint Mary Aldermary.

[17] +Story's Impartial History; History of the Wars in Ireland by
an Officer of the Royal Army;+ Hop an die Generalstaaten, 30.Juni
(10.Juli) 1690.

[18] +London Gazette, July 7. 1690; Story's Impartial History; History
of the Wars in Ireland by an Officer of the Royal Army; Narcissus
Luttrell's Diary;+ Lord Marchmont's Memorandum; Burnet II. 50, und
Danksagungspredigt; Dumont Manuscript.

[19] La Hoguette an Louvois, 31.Juli (10.Aug.) 1690.

[20] Da ich der irischen Infanterie nicht unrecht thue, ergiebt
sich aus den Berichten, welche die bei der Armee Jakob's am Boyne
stehenden franzsischen Offiziere an ihre Regierung und an ihre
Familien einsandten. La Hoguette sagt in einem am 4.(14.) Juli
eilig geschriebenen Briefe an Louvois: +Je vous diray seulement,
Monseigneur, que nous n'avons pas est battus, mais que les ennemys ont
chausss devant eux les troupes Irlandoises comme des moutons, sans
avoir essay un seul coup de mousquet.+

In einem mehrere Wochen spter aus Limerick geschriebenen
ausfhrlicheren Briefe sagt er: +J'en meurs de honte.+ Er giebt zu,
da es im glcklichsten Falle nicht leicht gewesen sein wrde, die
Schlacht zu gewinnen. +Mais il est vray aussi,+ setzt er hinzu, +que
les Irlandois ne firent pas la moindre resistance, et plirent sans
tirer un seul coup.+ Zurlauben, Oberst eines der schnsten Regimenter
in franzsischen Diensten, schrieb in gleichem Sinne, lie aber dem
Muthe der irischen Reiterei Gerechtigkeit widerfahren, welche La
Hoguette gar nicht erwhnt.

Im franzsischen Kriegsministerium befindet sich ein Brief, den
Boisseleau, der Zweite im Commando nach Lauzun, nach der Schlacht
hastig an seine Gattin schrieb. Er sagt: +Je me porte bien, ma chre
feme. Ne t'inquieste pas de moy. Nos Irlandois n'ont rien fait qui
vaille. Ils ont tous lach le pi.+

Desgrigny, der unterm 10.(20.) Juli schrieb, giebt mehrere Grnde
fr die Niederlage an. +La premire et la plus forte est la fuite
des Irlandois qui sont en vrit des gens sur lesquels il ne faut pas
compter du tout.+ In dem nmlichen Briefe schreibt er: +Il n'est
pas naturel de croire qu'une arme de vingt cinq mille hommes qui
paroissoit de la meilleure vollont du monde, et qui  la veue des
ennemis faisoit des cris de joye, dt tre entirement dfaite sans
avoir tir l'pe et un seul coup de mousquet. Il y a eu tel regiment
tout entier qui a laiss ses habits, ses armes, et ses drapeaux sur le
champ de bataille, et a gagn les montagnes avec ses officiers.+

Ich habe mich vergebens nach der Depesche umgesehen, in welcher Lauzun
einen ausfhrlichen Rapport ber die Schlacht an Louvois erstattet
haben mu.

[21] Lauzun schrieb unterm 16.(26.) Juli 1690 an Seignelay: +Richard
Amilton a t fait prisonnier, faisant fort bien son devoir.+

[22] Meine Hauptmaterialien fr die Geschichte dieser Schlacht
sind +Story's Impartial Account+ und Fortsetzung dazu; +History
of the War in Ireland by an Officer of the Royal Army+; die
Depeschen im franzsischen Kriegsministerium; +Life of James,
Orig. Mem.+; Burnet II. 50. 60; +Narcissus Luttrell's Diary;+ die
London Gazette vom 10.Juli 1690; die Depeschen Hop's und Baden's;
eine Erzhlung, wahrscheinlich von Portland, welche Wilhelm den
Generalstaaten bersandte; Portland's Privatbrief an Melville; Capitain
Richardson's Erzhlung und Plan der Schlacht; das Dumont- und das
Bellingham-Manuscript. Auch habe ich einen Bericht von der Schlacht
in einem Tagebuche gelesen, das in schlechtem Latein und in kaum
zu entziffernder Schrift von einem Offizier der geschlagenen Armee
abgefat war, der ein verdorbener Schulmeister gewesen zu sein scheint.
Dieses Tagebuch wurde mir von Mr. Walker, dem es gehrt, freundlichst
geliehen. Der Verfasser erzhlt das Migeschick seines Vaterlandes in
einem Style von dem eine kleine Probe gengen mag. 1.Juli 1690. +O
diem illum infandum, cum inimici potiti sunt pass apud Oldbridge et nos
circumdederunt et fregerunt prope Plottin. Hinc omnes fugimus Dublin
versus. Ego mecum tuli Cap Moore et Georgium Ogle, et venimus hac nocte
Dub.+

[23] Siehe +Pepys's Diary, June 4. 1664.+ Er erzhlt mir vor Allem vom
Herzoge von York, da er inmitten eines verzweifelten Unternehmens mehr
er selbst und urtheilsfhiger ist als zu andern Zeiten. Clarendon sagt
zu wiederholten Malen das Nmliche. Swift schrieb an den Rand seines
Exemplars von Clarendon an einer Stelle: Wie alt war er (Jakob) als er
ein Papist und ein Feigling wurde? An einer andren: Er erwies sich
als ein feiger papistischer Knig.

[24] Der Pater Orlans erwhnt, da Sarsfield Jakob begleitete. Die
Schlacht am Boyne war kaum geschlagen, als sie auch schon den Stoff
zu einem Drama hergeben mute, betitelt: +The Royal Flight, or the
Conquest of Ireland, a Farce, 1690.+ Etwas Erbrmlicheres ist nie
geschrieben worden. Es verdient aber bemerkt zu werden, da, obgleich
die Irlnder allgemein als Feiglinge dargestellt werden, in diesem
elenden Stcke zu Gunsten Sarsfield's eine Ausnahme gemacht ist.
Dieser Bursche, sagt Jakob fr sich, wird mich am Ende wider meinen
Willen noch tapfer machen. -- Fluch meinem Unsterne, sagt Sarsfield
nach der Schlacht, da ich detachirt werden mute! Ich wrde den
Hnden der ketzerischen Fortuna den Sieg noch entrissen haben.

[25] Sowohl La Hoguette als auch Zurlauben berichteten ihrer Regierung,
da es nothwendig gewesen sei, auf die irischen Ausreier zu feuern, da
sie sonst die franzsischen Reihen in Verwirrung gebracht haben wrden.

[26] Baden an Van Citters, 8.(18.) Juli 1690.

[27] +New and Perfect Journal, 1690; Narcissus Luttrell's Diary.+

[28] Story; London Gazette vom 10.Juli 1690.

[29] +True and Perfect Journal; Villare Hibernicum; Story's Impartial
History.+

[30] Story; +True and Perfect Journal;+ London Gazette vom 10.Juli
1690; Burnet II. 51; +Leslie's Answer to King+.

[31] +Life of JamesII. 404. Orig. Mem.; Monthly Mercury, August 1690.+

[32] +True and Perfect Journal; London Gazette, July 10. 14. 1690;
Narcissus Luttrell's Diary.+ In dem +Life of James Bonnell, Accountant
General of Ireland, 1703+, kommt eine interessante religise
Betrachtung vor, aus der ich eine kurze Stelle anfhren will. Wir
sahen, wie die Protestanten an dem groen Tage unsrer Revolution,
Donnerstag den 3.Juli, einem Tage, dessen wir uns ewig mit der grten
Dankbarkeit erinnern werden, einander beglckwnschten und umarmten,
wenn sie sich begegneten, wie Leute, die vom Tode erstanden waren, wie
Brder und Schwestern, die nach langer Trennung wieder vereinigt werden
und von Haus zu Haus gehen, um sich ber Gottes groe Gnade zu freuen
und einander zu fragen, wie sie die vergangenen Tage der Noth und des
Schreckens verlebt, welche Befrchtungen sie gehabt, welche Angst und
Gefahren sie bestanden; Die, welche im Gefngni gesessen, wie sie ihre
Freiheit wiedererlangt hatten, wie sie behandelt worden waren und was
sie dann und wann von dem Stande der Dinge gedacht hatten.

[33] +London Gazette, July 14. 1690; Story; True and Perfect Journal;+
Dumont-Manuscript. Dumont ist der Einzige, der die Krone erwhnt. Da
er anwesend war, konnte er sich nicht irren. Es war wahrscheinlich die
Krone, welche Jakob zu tragen pflegte, wenn er auf dem Throne in King's
Inns erschien.

[34] Monthly Mercury, August 1690; Burnet, II. 50; Dangeau, 2.August
1690, und Saint Simon's Note; +The Follies of France, or a true
Relation of the extravagant Rejoicings etc.+ datirt Paris, 8.Aug. 1690.

[35] +Me tiene,+ sagt der Marquis von Cogolludo, spanischer Minister
in Rom, ber diese Nachricht, +en sumo cuidado y desconsuelo, pues
esta seria la ultima ruina de la causa comun.+ Cogolludo an Ronquillo,
Rom, 2.Aug. 1690.

[36] +Original Letters, published by Sir Henry Ellis.+

[37] +Del sucesso de Irlanda doy a v. Exca la enorabuena, y le
aseguro no ha bastado casi la gente que tengo en la Secretaria para
repartir copias dello, pues le he enbiado a todo el lugar, y la primera
el Papa.+ Cogolludo an Ronquillo, Nachschrift zu dem Briefe vom
2.August. Cogolludo bedient sich natrlich des neuen Styls. Daher
hatte die Nachricht von der Schlacht drei Wochen Zeit gebraucht, ehe
sie nach Rom gelangte.

[38] Evelyn nennt es (25.Febr. 1689/90) eine reizende Villa.

[39] Marie an Wilhelm, 5.Juli 1690.

[40] Marie an Wilhelm, 6. und 7.Juli 1690; Burnet II. 55.

[41] Baden an Van Citters, 8.(18.) Juli 1690.

[42] Siehe zwei Briefe, welche den Memoiren des Intendanten Foucault
angehngt und in dem Werke des Herrn von Sirtema des Grovestins
abgedruckt sind. Im franzsischen Kriegsministerium befindet sich ein
Schreiben des Grafen von Bouridal aus Brest vom 11.(21.) Juli 1690,
worin der Graf sagt: +Par la relation du combat que j'ay entendu faire
au Roy d'Angleterre et  plusieurs de sa suite en particulier, il ne
me paroit pas qu'il soit bien inform de tout ce qui s'est pass dans
cette action, et qu'il ne sait que la droute de ses troupes.+

[43] Jakob fhrte diese Sprache nicht bei dieser Gelegenheit allein.
Aus einem der in der vorigen Anmerkung erwhnten Briefe geht hervor,
da er auf seiner Reise von Brest nach Paris Jedermann sagte, die
Englnder erwarteten ihn mit Ungeduld. +Ce pauvre prince croit que ses
sujets l'aiment encore.+

[44] +Life of James, II. 411, 412.+ Burnet II. 57 und Dartmouth's Note.

[45] Siehe die Artikel +Galre+ und +Galrien+ in der +Encyclopdie+,
und die Abbildungen; +A True Relation of the Cruelties and Barbarities
of the French upon the English Prisoners of War, by R. Hutton, licensed
June 27, 1690.+

[46] Siehe die Sammlung von Denkmnzen Ludwig's XIV.

[47] Diese Anekdote, mag sie wahr oder erdichtet sein, circulirte
damals oder bald nachher. Im Jahre 1745 wurde sie als eine Geschichte
erwhnt, die alte Leute in ihrer Jugend gehrt. Im Gentleman's Magazine
des genannten Jahres wird sie aus einer periodischen Schrift citirt.

[48] London Gazette vom 7.Juli 1690.

[49] +Narcissus Luttrell's Diary.+

[50] Ich gebe diese interessante Stelle in Van Citters' eigenen Worten:
+Door geheel het zyk alles te voet en te paarde in de wapenen op was;
en't gene een seer groote gerustheyt gaf was dat alle en een yder even
seer tegen de Franse door de laatste voorgevallen bataille verbittert
en geanimeert waren. Gelyk door de troupes, dewelke ik op de weg alomme
gepasseert ben, niet anders heb konnen hooren als een eenparig en
general geluydt van God bless King William en Queen Mary.+ 25.Juli
(4.Aug.) 1690.

[51] Ueber diese Expedition habe ich zu Rathe gezogen: Die Londoner
Gazette vom 24., 28., 31.Juli und 4.Aug. 1690; +Narcissus Luttrell's
Diary; Welwood's Mercurius Reformatus+ vom 5.Sept.; die Gazette de
Paris; einen Brief von Mr. Duke, einem Vicestatthalter von Devonshire,
an Hampden vom 25.Juli; einen Brief von Mr. Fulford von Fulford an
Lord Nottingham, vom 26.Juli; einen Brief vom nmlichen Datum von den
Vicestatthaltern von Devonshire an den Earl von Bath; einen Brief vom
nmlichen Datum von Lord Lansdowne an den Earl von Bath. Diese vier
Briefe befinden sich unter den Handschriften der Royal Irish Academy.
Auszge aus der Frbitte sind in Lyson's +Britannia+ enthalten.
Dangeau schrieb unterm 16.Aug. eine Reihe extravaganter Unwahrheiten
in sein Tagebuch. Tourville sollte die Miliz geschlagen, ihre Kanonen
und Fahnen erobert, Kriegsfahrzeuge verbrannt, reich befrachtete
Kauffahrteischiffe weggenommen haben und im Begriff stehen, Plymouth zu
zerstren. Es ist dies ein hbsches Prbchen von Dangeau's englischen
Nachrichten. Er beklagt sich aber auch, da es kaum mglich sei,
Zuverlssiges aus England zu erfahren.

[52] Widmung zu Arthur.

[53] Siehe die Berichte ber Anderson's Proze, 1693; den Postman vom
12.Mrz 1695/96; die Flying Post vom 7.Mrz 1700; +Some Discourses
upon Dr. Burnet and Dr. Tillotson, by Hickes, 1695.+ Der Anhang zu
diesen Reden enthlt einen interessanten Aufsatz ber die Haussuchung
in den Druckereien unter dem Censurgesetz.

[54] Dies war die gewhnliche Phrase der Jakobiten. Ein whiggistischer
Schriftsteller hatte im vorhergehenden Jahre sehr richtig gesagt:
Sie nennen albernerweise unsren David einen Blutmenschen, obgleich
er bis diesen Augenblick noch nicht einen Tropfen vergossen hat. --
+Mephibosheth and Ziba, licensed Aug. 30. 1689.+

[55] Gieb uns die ffentliche Verehrung Deines Namens, die
ehrerbietige Darreichung Deiner Sacramente wieder. Stelle das frhere
Regiment in Kirche und Staat wieder her, damit wir nicht lnger ohne
Knig, ohne Priester und ohne Gott in der Welt stehen.

[56] +A Form of Prayer and Humiliation for God's Blessing upon His
Majesty, and for Removing and Avorting of God's Judgements from this
Church and State, 1690.+

[57] Anspielung auf das Schicksal der Gebrder De Witt. -- Der Uebers.

[58] Brief von Lloyd, Bischof von Norwich, an Sancroft in den
Tanner'schen Handschriften.

[59] +Narcissus Luttrell's Diary+.

[60] +A Modest Inquiry into the Causes of the present Disasters in
England, and who they are that brought the French into the English
Channel described, 1690; Reflections upon a Form of Prayer lately
set out for the Jacobites, 1690; A Midnight Touch at an Unlicensed
Pamphlet, 1690.+ Die von den eidverweigernden Bischfen verffentlichte
Schrift ist oft neugedruckt worden.

[61] Wilhelm an Heinsius, 4.(14.) Juli 1690.

[62] Story; London Gazette vom 4.Aug. 1690; Dumont-Manuscript.

[63] Story; Wilhelm an Heinsius, 31.Juli (10.Aug.) 1690; London
Gazette vom 11.August.

[64] Marie an Wilhelm, 7.(17.) Aug., 22.Aug. (1.Sept.), 26.Aug.
(5.Sept.) 1690.

[65] +Macariae Excidium; Mac Geoghegan; Life of James, II. 420; London
Gazette, Aug. 14. 1690.+

[66] Die Ungeduld Lauzun's und seiner Landsleute, aus Irland
fortzukommen, wird in einem in den Memoiren Jakob's, II. 421
angefhrten Briefe vom 21.Oct. 1690 erwhnt. +Asimo,+ sagt Oberst
Kelley, der Verfasser des +Macariae Excidium+, +diuturnam absentiam
tam aegre molesteque ferebat ut bellum in Cypro protrahi continuarique
ipso ei auditu acerbissimum esset. Nec incredibile est ducum in illius
exercitu nonnullos, potissimum qui patrii coeli dulcedinem impatientius
suspirabant, sibi persuasisse desperatas Cypri res nulla humana ope
defendi sustentarique posse.+ Asimo ist Lauzun und Cyprus Irland.

[67] +Pauci illi ex Cilicibus aulicis, qui cum regina in Syria
commorante, remanserant, ... non cessabant universam nationem foede
traducere, et ingestis insuper convitiis lacerare, pavidos et malefidos
proditores ac mortalium consceleratissimos publice appellando.+ --
+Macariae Excidium.+ Die Cilicier sind die Englnder. Syrien ist
Frankreich.

[68] +Tanta infamia tam operoso artificio et subtili commento in
vulgus sparsa, tam constantibus de Cypriorum perfidia atque opprobrio
rumoribus, totam, qua lata est, Syriam ita pervasit, ut mercatores
Cyprii, ... propter inustum genti dedecus, intra domorum septa clausi
nunquam prodire auderent; tanto eorum odio populus in universum
exarserat.+ -- +Macariae Excidium.+

[69] Ich habe diese Behauptung in einer gleichzeitigen Flugschrift
gelesen, deren Titel mir entfallen ist.

[70] Story; Dumont-Manuscript.

[71] +Macariae Excidium.+ Boisseleau bemerkte die Ebbe und Fluth der
Tapferkeit unter den Irlndern. Ich habe bereits einen seiner Briefe an
seine Gattin angefhrt. Es ist nicht mehr als billig auch einen andren
anzufhren. +Nos Irlandois n'avoient jamais vu le feu; et cela les
a surpris. Presentement, ils sont si fchs de n'avoir pas fait leur
devoir que je suis bien persuad qu'ils feront mieux pour l'avenir.+

[72] La Hoguette sagt in einem Briefe an Louvois, den er unterm
31.Juli (10.Aug.) 1690 aus Limerick schrieb, von Tyrconnel: +Il a
d'ailleurs trop peu de connoissance des choses de notre metier. Il a
perdu absolument la confiance des officiers du pays, surtout depuis le
jour de notre droute; et, en effet, Monseigneur, je me crois oblig
de vous dire que ds le moment o les ennemis parurent sur le bord de
la rivire le premier jour, et dans toute la journe du lendemain,
il parut  tout le monde dans une si grande lthargie qu'il toit
incapable de prendre aucun parti, quelque chose qu'on lui propost.+

[73] Desgrigny sagt von den Irlndern: +Ils sont toujours prts de
nous gorger par l'antipathie qu'ils ont pour nous. C'est la nation du
monde la plus brutale, et qui a le moins d'humanit.+ 12.(22.) Aug.
1690.

[74] +Story; Account of the Cities in Ireland that are still possessed
by the Forces of King James, 1690.+ Im Britischen Museum befinden sich
einige interessante alte Plne von Limerick.

[75] Story; Dumont-Manuscript.

[76] Story; JakobII. 416; Burnet II. 56; Dumont-Manuscript.

[77] Story; Dumont-Manuscript.

[78] Siehe die Abhandlung ber die O'Donnel in Sir Wilhelm Betham's
+Irish Antiquarian Researches+. Es ist sonderbar, da er Baldearg,
dessen Erscheinen in Irland das auerordentlichste Ereigni in der
ganzen Geschichte des Volks ist, gar nicht erwhnt. Siehe auch Story's
+Impartial History; Macariae Excidium+ und Mr. O'Callaghan's Note;
+Life of James, II. 434+; den Brief O'Donnel's an Avaux und die
Denkschrift: +Mmoire donne par un homme du Comte O'Donnel  M.
d'Avaux.+

[79] Der Leser wird sich der Erklrung des Corporals Trim von innerer
Wrme und innerer Feuchtigkeit erinnern. Sterne ist in diesen Dingen
eine nicht zu verachtende Autoritt. Er verlebte seine Jugendjahre in
den Kasernen, hrte bestndig die Erzhlungen alter Soldaten an, welche
unter Knig Wilhelm gedient hatten, und benutzte ihre Geschichten mit
wahrer Genialitt.

[80] Story; Wilhelm an Waldeck, 22.Sept. 1690; London Gazette vom
4.Sept. Berwick behauptet da, als die Belagerung aufgehoben wurde,
seit vier Wochen kein Tropfen Regen gefallen sei, da es auch die
darauffolgenden drei Wochen nicht geregnet habe und da Wilhelm
das schlechte Wetter nur vorgeschtzt habe, um die Schande seiner
Niederlage zu verdecken. Story, der mit an Ort und Stelle war, sagt:
Der ganze Himmel war mit Wolken umzogen und es regnete sehr stark, so
da Jedermann wegen der Folgen besorgt zu werden begann; dann wieder:
Der bisher gefallene Regen hatte die Straen durchweicht ... Das war
einer der Hauptgrnde fr die Aufhebung der Belagerung, denn htten wir
dies nicht gethan und das Wetter wre schlecht geblieben, so htten wir
entweder die Stadt nehmen oder unsere Kanonen im Stich lassen mssen.
Dumont, ebenfalls ein Augenzeuge, sagt, da es vor der Aufhebung der
Belagerung uerst heftig geregnet habe, da der Shannon angeschwollen,
die Erde durchweicht gewesen sei und da die Pferde keinen festen Grund
mehr gehabt htten.

[81] London Gazette vom 11.Sept. 1690; +Narcissus Luttrell's Diary.+
Ich habe eine damals erschienene Abbildung von Coventgarden mit der
Scene dieser Nacht gesehen.

[82] Van Citters an die Generalstaaten, 19.(29.) Mrz 1689.

[83] Ueber Marlborough's Expedition siehe Story's +Impartial History;
Life of JamesII. 419, 420;+ London Gazette vom 6., 13., 16., 27.,
30.Oct. 1690; Monthly Mercury, Nov. 1690; +History of King William,
1702; Burnet II. 60; The Life of Joseph Pike, a Quaker of Cork.+

[84] Balcarras; Annandale's Bekenntni in den +Leven and Melville
Papers+; Burnet II. 35. Ueber Payne siehe die +Second Modest Inquiry
into the Cause of the present Disasters+, 1690.

[85] +Balcarras; Mackay's Memoirs; History of the late Revolution in
Scotland, 1690;+ Livingstone's Rapport vom 1.Mai; London Gazette vom
12.Mai 1690.

[86] +History of the late Revolution in Scotland, 1690.+

[87] Mackay's Memoiren und Briefe an Hamilton vom 20. und 24.Juni
1690; Oberst Hill an Melville von 10. und 26.Juli; London Gazette vom
17. und 21.Juli. In Bezug auf Inverlochy siehe unter den +Culloden
Papers+ einen damals von dem Vater des Prsidenten Forbes entworfenen
Plan zur Aufrechthaltung der Ruhe in den Hochlanden.

[88] Balcarras.

[89] Siehe die Instructionen des Lord Obercommissars in den +Leven and
Melville Papers+.

[90] Balcarras.

[91] +Act. Parl. June 7. 1690.+

[92] Balcarras.

[93] +Faithful Contendings Displayed; Case of the present Afflicted
Episcopal Clergy in Scotland, 1690.+

[94] +Act. Parl. April 25. 1690.+

[95] Siehe die +Humble Address of the Presbyterian Ministers and
Professors of the Church of Scotland to His Grace His Majesty's High
Commissioner and to the Right Honourable the Estates of Parliament.+

[96] Siehe den +Account of the late Establishment of Presbyterian
Government by the Parliament of Scotland, Anno 1690+. Diese Darstellung
ist im bischflichen Sinne geschrieben. +Act. Parl. May 26. 1690.+

[97] +Act. Parl. June 7. 1690.+

[98] +An Historical Relation of the late Presbyterian General Assembly
in a Letter from a Person in Edinburgh to his Friend in London. London,
licensed April 20. 1691.+

[99] +Account of the late Establishment of the Presbyterian Government
by the Parliament of Scotland, 1690.+

[100] +Act. Parl. July 7, 1690.+

[101] +Act. Parl. July 19. 1690;+ Lockhart an Melville, 29.April 1690.

[102] Balcarras; Annandale's Bekenntni in den +Leven and Melville
Papers+.

[103] Balcarras; Anmerkungen zu Ro' Bekenntni in den +Leven and
Melville Papers+.

[104] Balcarras; Mariens Erzhlung ihrer Unterredung mit Montgomery,
gedruckt in den +Leven and Melville Papers+.

[105] Vergleiche Balcarras mit Burnet II. 62. Das Pamphlet: +Great
Britain's Just Complaint+ ist eine gute Probe von Montgomery's
Schreibweise.

[106] Balcarras; Annandale's Bekenntni.

[107] Burnet II. 62; Lockhart an Melville, 30.Aug. 1690, und Crawford
an Melville, 11.Dec. 1690 in den +Leven and Melville Papers+; Neville
Payne's Brief vom 3.Dec. 1692, gedruckt 1693.

[108] +Historical Relation of the late Presbyterian General Assembly,
1691; The Presbyterian Inquisition as it was lately practised against
the Professors of the College of Edinburgh, 1691.+

[109] Eine der interessantesten unter den vielen interessanten
Schriften, welche von den Covenanters der damaligen Generation
verffentlicht wurden, ist betitelt: +Nathaniel, or the Dying Testimony
of John Matthieson in Closeburn+. Matthieson starb erst 1709, sein
+Testimony+ aber wurde einige Jahre frher geschrieben, als er dem
Tode entgegensah. Und jetzt, sagt er, will ich, als ein Sterbender,
Euch, die Ihr nach mir leben sollt, mit wenigen Worten meine Gedanken
ber die jetzigen Zeiten sagen. Als ich sah, oder vielmehr hrte,
da der Prinz und die Prinzessin von Oranien auf den Thron erhoben
worden, da er aber allen Mrdern der Heiligen verziehen, da er alle
die blutigen Bestien, Soldaten und Andere, alle jene Beamten ihres
Staates und Heeres und alle die blutigen Rathgeber, brgerliche und
geistliche, wieder aufgenommen und da er jenen Sohn Belial's, seinen
Schwiegervater, der nach allen gttlichen und menschlichen Gesetzen
htte sterben sollen, habe entkommen lassen, da wute ich, da er die
Sache und das Werk Gottes nicht frdern werde.

[110] Siehe das +Dying Testimony of Mr. Robert Smith, Student of
Divinity, who lived in Douglas Town, in the Shire of Clydesdale,
who died about two o'clock in the Sabbath morning, Dec. 13. 1724,
aged 58 years+, und das +Dying Testimony of William Wilson, sometime
Schoolmaster of Park in the Parish of Douglas, aged 68, who died May 7.
1757.+

[111] Siehe das in der vorigen Anmerkung erwhnte +Dying Testimony
of William Wilson+. Es mu bemerkt werden, da die Theologen des
Vereinigten Presbyteriums bezglich des Hexenwesens ebenso verkehrte
Ansichten hatten wie dieser geistesschwache Pfarrer. Siehe ihre +Act,
Declaration and Testimony, published in 1773 by Adam Gib.+

[112] Im Jahre 1791 schrieb Thomas Henderson von Paisley zur
Vertheidigung einiger Separatisten, die sich die reformirten
Presbyterianer nannten, gegen einen Schriftsteller, der sie beschuldigt
hatte, da sie den gegenwrtigen vortrefflichen Souverain nicht als
den rechtmigen Knig von Grobritannien anerkennen wollten. Die
reformirten Presbyterianer und ihre Freunde sind gerade nicht gewohnt,
den Frsten schmeichelhafte Titel zu geben ... Sie empfinden jedoch
keinen Ha gegen die Person des jetzigen Gewalthabers noch gegen
irgend eine der guten Eigenschaften, die er besitzt. Sie wnschen
aufrichtig, da er sich durch andere Dinge als durch den bloen ueren
Knigstitel auszeichne, da er mit dem Ebenbilde Christi geschmckt
sei etc. etc. etc. Aber als rechtmigen Knig ber diese unter dem
Covenant stehenden Lande knnen sie weder ihn noch irgend Einen von
bischflicher Glaubensrichtung unter keinen Umstnden anerkennen.

[113] Ein Fanatiker, Namens Georg Calderwood, beschuldigt in seiner
Vorrede zu einer im Jahre 1806 erschienenen +Collection of Dying
Testimonies+ selbst die reformirten Presbyterianer verwerflicher
Nachgiebigkeit. Was die reformirten Presbyterianer betrifft, sagt
er, so haben sie, obgleich sie das Mrtyrerzeugni vollstndig
anzuerkennen behaupten, jetzt so viele neue Unterscheidungen angenommen
und die alten aufgegeben, da sie dadurch klar bewiesen haben, da
sie jetzt weder das Mrtyrerzeugni, noch selbst das, welches diese
Presbyterianer anfangs adoptirt hatten, aufrechterhalten. Als die
reformirten Presbyterianer noch in der Kindheit waren und einigen
Anschein von Aufrichtigkeit und Glubigkeit zeigten, wurden sie von
allen anderen Parteien deshalb getadelt, da sie Unterscheidungen
aufstellten, die kein Mensch rechtfertigen knne, das heit Diejenigen
nicht in ihre Gemeinschaft aufnehmen wollten, welche die Landsteuer
bezahlten oder sich schriftlich dazu verpflichteten; jetzt aber knnen
sie in ihre Gemeinschaften sowohl Vorgesetzte als auch Mitglieder
aufnehmen, welche freiwillig alle Steuern bezahlen und Steuercontracte
unterschreiben ... Wir verweisen nur auf die Bcher der Regierung,
wie viele ihrer Mitglieder seit dem Beginn des franzsischen Kriegs
Vertrauensstellen angenommen haben, um jeden Augenblick dem Rufe der
Regierung zu folgen, wie z.B. als Waffentrger, als Viehtreiber, zum
Wegesperren etc., und was ist ihre ganze Handelsfreiheit zu Wasser und
zu Lande Andres als ein Dienen unter einer Regierung?

[114] Der Knig an Melville, 22.Mai 1690 in den +Leven and Melville
Papers+.

[115] +Account of the Establishment of Presbyterian Government.+

[116] Carmichael's gute Eigenschaften werden von den Episkopalen
vollkommen anerkannt. Siehe die +Historical Relation of the late
Presbyterian General Assembly and the Presbyterian Inquisition.+

[117] Siehe in den +Leven and Melville Papers+ die Briefe, welche
Melville damals aus London an Crawford, Rule, Williamson und andere
heftige Presbyterianer schrieb. Er sagt: Die vertriebenen und zu
uns herbergekommenen Geistlichen beschweren sich laut, und Viele
hier ermuthigen sie dazu und freuen sich darber. Es bedarf jetzt der
grtmglichen Besonnenheit und Migung, wenn wir uns nicht der Gefahr
eines allgemeinen Umsturzes aussetzen wollen; nehmen Sie dies in vollem
Ernste und nicht als bloe Hirngespinnste und leere Befrchtungen.

[118] +Principal Acts of the General Assembly of the Church of
Scotland held in and begun at Edinburgh the 16the day of October 1690,
Edinburgh, 1691.+

[119] Monthly Mercury; London Gazette vom 3. und 6.Nov. 1690.

[120] Van Citters an die Generalstaaten, 3.(13.) Oct. 1690.

[121] +Lords' Journals, Oct. 6. 1690; Commons' Journals, Oct. 8.+

[122] Ich wei nicht, ob dieses Libell je gedruckt worden ist. Ich habe
es nur in zwei gleichzeitigen Handschriften gesehen. Es ist betitelt:
+The Opening of the Session, 1690.+

[123] +Commons' Journals, Oct. 9. 10. 13. 14. 1690.+

[124] +Commons' Journals+ vom December 1690, namentlich vom 26.; +Stat.
2 W. & M. sess. 2. c. 11.+

[125] +Stat. 2 W. & M. sess. 2. c. 1, 3, 4.+

[126] Burnet II. 67. Siehe die Protokolle beider Huser, besonders die
der Gemeinen vom 19.Dec. und die der Lords vom 30.Dec. und 1.Januar.
Die Bill selbst findet man in den Archiven des Hauses der Lords.

[127] +Lords' Journals, Oct. 30. 1690.+ Die Zahlen sind in den
Protokollen der Lords niemals angegeben. Da die Majoritt nur zwei
Stimmen betrug, wird von Ralph versichert, der vermuthlich eine Quelle
hatte, die ich nicht habe ausfindig machen knnen.

[128] Van Citters an die Generalstaaten, 14.(24.) Nov, 1690. Rede des
Earl von Torrington vor dem Hause der Gemeinen, 1710.

[129] Burnet II. 67, 68.; Van Citters an die Generalstaaten, 20.Nov.
(1.Dec.), 9.(19.), 12.(22.), 16.(26.) Dec. 1690; +An impartial
Account of some remarkable Passages in the Life of Arthur, Earl
of Torrington, together with some modest Remarks on the Trial and
Acquitment, 1691; Reasons for the Trial of the Earl of Torrington by
Impeachment, 1690; The Parable of the Bearbaiting, 1690; The Earl of
Torrington's Speech to the House of Commons, 1710.+ Da Torrington von
den Peers kalt aufgenommen wurde, ersah ich aus einem Artikel in den
+Noticias Ordinarias+ vom 6.Februar 1691, Madrid.

[130] In einem whiggistischen Spottgedicht von diesem Jahre kommen die
Strophen vor:

  Wir glaubten David folgte Saul,
  Als Wilhelm stieg nach Jakob's Falle;
  Doch Knig Thomas lenkt sie Alle.

In einem andren heit es:

  Als Karl den Thron schien einzunehmen,
  Mut England ber den Tyrannen Tom sich grmen.

Ein drittes sagt:

  Der Tom aus Yorkshire ward ein groer Mann
  Wie und warum Euch Niemand sagen kann;
  Falsch wie er gegen seinen Herrn und Knig war,
  Wird er auch gegen euch sein immerdar.

[131] Ein whiggistischer Dichter vergleicht die beiden Marquis, wie sie
oft genannt wurden und giebt Georg den Vorzug vor Thomas:

  Mu es durchaus ein Marquis sein
    So nehmt 'nen bessern an,
  Der, wenn du fehlst, uns kann erfreun
    und ist ein weis'rer Mann.

[132] Ein hagrer Geist den Knig in seinen Klauen hlt.

[133] Sein blaues Band schlingt ihm um Hals und Ohr
      Und zieht ihn an den Galgen hoch empor;
      Und fr Mylady einen Karren bringt herbei
      De Zugthier ihr Herr Sohn und Erbe sei.

[134] Ueber die Plne der Whigs gegen Caermarthen sehe man Burnet II.
68, 69, und einen sehr bedeutsamen Protest in den Protokollen der Lords
vom 30.October 1690. Ueber das Verhltni zwischen Caermarthen und
Godolphin siehe Godolphin's Brief an Wilhelm vom 20.Mrz 1691 bei
Dalrymple.

[135] Mein Bericht ber diese Verschwrung ist hauptschlich den
mndlichen und schriftlichen Aussagen entlehnt, welche bei dem Prozesse
der Verschwrer vorgebracht wurden. Siehe auch Burnet II. 69, 70,
und +Life of James, II. 441.+ Narcissus Luttrell bemerkt, da zu den
Berathungen der Verschwrer kein Katholik zugelassen worden sei.

[136] Die Aechtheit dieser Briefe wurde einmal aus sehr unhaltbaren
Grnden bestritten. Der Brief von Turner an Sancroft aber, der sich
unter den Tannerschen Papieren in der Bodlejanischen Bibliothek
befindet und den man in +The Life of Ken, by a Layman+ nachlesen kann,
mu auch den Unglubigsten berzeugen.

[137] Die Worte sind: Die +Modest Inquiry+ -- Des Bischofs Antwort --
Nicht ihr Erkalten -- Nur um Freunde zufriedenzustellen. Die +Modest
Inquiry+ war das Pamphlet, das vom Dewitten sprach.

[138] +Lord's and Commons' Journals, Jan. 5. 1690/91; London Gazette,
Jan. 8.+


    Stereotypie und Druck von Philipp Reclam +jun.+ in Leipzig.


  +--------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                |
  |                                                              |
  | Eigentmliche und falsche Schreibseisen des Autors wurden    |
  | belassen, wenn sie durchgngig benutzt wurden, wie           |
  | beispielsweise: Strapatzen, erwiedern, Schaffot.             |
  |                                                              |
  | Inkonsistenzen wurden nicht gendert, wenn beide             |
  | Schreibweisen gebruchlich waren, wie:                       |
  |                                                              |
  | andere -- andre                                              |
  | aufsssigen -- aufstzigen                                   |
  | blos -- blo                                                 |
  | Brod -- Brot                                                 |
  | Character -- Charakter                                       |
  | Edinburg -- Edinburgh                                        |
  | eigne -- eigene                                              |
  | eingeborenen -- eingebornen                                  |
  | Ernesees -- Ernesee's                                        |
  | factisch -- faktisch                                         |
  | Feldzuges -- Feldzugs                                        |
  | finstren -- finsteren                                        |
  | Galerie -- Gallerie                                          |
  | Generalfiscal -- Generalfiskal                               |
  | Geschworene -- Geschwornen                                   |
  | Gewissensskrupel -- Gewissensscrupel                         |
  | ins -- in's                                                  |
  | Offizierpatente -- Offizierspatente                          |
  | oxforder -- Oxforder                                         |
  | Sacramente -- Sakramente                                     |
  | Sclavenhandel -- Sklaven                                     |
  | Secten -- Sekten                                             |
  | Tanner'schen -- Tannerschen                                  |
  | ungeheuere -- ungeheure                                      |
  | unsere -- unsre                                              |
  | Urtel -- Urtheil                                             |
  | Werks -- Werkes                                              |
  |                                                              |
  | Die folgenden Korrekturen wurden vorgenommen:                |
  |                                                              |
  | Kapitel 15                                                   |
  | Die Whigs widersetzen sich seiner Reise nach Irland.      27 |
  |     (im Inhaltsverzeichnis ergnzt)                          |
  | Das Parlament prorogirt                                   95 |
  |     (falsche Seitennummer gendert in 59)                    |
  | XV.7  communicrt durch communicirt ersetzt.              |
  | XV.7  Thistlewood durch Whistlewood ersetzt.             |
  | XV.9  Baggage durch Bagage ersetzt.                      |
  | XV.10 Flugltter durch Flugbltter ersetzt.              |
  | XV.12 Anatemen durch Anathemen ersetzt.                  |
  | XV.12 Memorien durch Memoiren ersetzt (2. Funote).      |
  | XV.16 Verbingungsglied durch Verbindungsglied ersetzt.   |
  | XV.18 Royer's durch Boyer's ersetzt (1. Funote).        |
  | XV.22 unwiderbringlich durch unwiederbringlich ersetzt   |
  |       (1. Funote).                                          |
  | XV.28 l dessus durch l-dessus ersetzt (3. Funote).    |
  | XV.29 vairez durch voirez ersetzt (1. Funote).          |
  | XV.36 analisirt durch analysirt ersetzt.                 |
  | XV.38 Salee durch Sallee ersetzt.                        |
  | XV.45 Seitens durch seitens ersetzt.                     |
  | XV.45 unabngigen durch unabhngigen ersetzt.            |
  | XV.48 Fernale durch Female ersetzt (1. Funote).         |
  | XV.59 Verlumdungen durch Verleumdungen ersetzt.         |
  | XV.60 Baggagewagen durch Bagagewagen ersetzt.            |
  | XV.61 nonnoye durch monnoye ersetzt (2. Funote).        |
  | XV.65 Memoire durch Mmoire ersetzt (1. Funote).        |
  | XV.69 intellectulle durch intellectuelle ersetzt.        |
  | XV.72 Mitglider durch Mitglieder ersetzt (1. Funote).   |
  | XV.78 Russel durch Russell ersetzt.                      |
  |                                                              |
  | Kapitel 16                                                   |
  | Wilhelm's Einzug in Dublin                                33 |
  |       (falsche Seitennummer gendert in 23)                  |
  | Klagen der Episkopalen                                    63 |
  |       (falsche Seitennummer gendert in 62)                  |
  |                                                              |
  | XVI.12 Refugi's durch Refugis ersetzt.                 |
  | XVI.13 Fingla߫ durch Finglas ersetzt (2. Funote).       |
  | XVI.13 die eine Pistolenholster durch eines der           |
  |        Pistolenholster ersetzt.                             |
  |        (im engl. Original:  one of the holsters).          |
  | XVI.23 Neophiten durch Neophyten ersetzt.                |
  | XVI.23 Bonnel durch Bonnell ersetzt (erste Funote).     |
  | XVI.25 embiado durch enbiado ersetzt (2. Funote).       |
  | XVI.27 Bauridal durch Bouridal ersetzt (1. Funote).     |
  | XVI.31 zerrien durch zerrissen ersetzt.                 |
  | XVI.38 Cyro durch Cypro ersetzt (1. Funote).            |
  | XVI.38 centinuarique durch continuarique ersetzt         |
  |        (1. Funote).                                         |
  | XVI.38 mercatorus durch mercatores ersetzt (3. Funote). |
  | XVI.43 Reihefolge durch Reihenfolge ersetzt.             |
  | XVI.44 Granaden durch Granaten ersetzt.                  |
  | XVI.48 sichtbbar durch sichtbar ersetzt.                 |
  | XVI.55 Adress durch Address ersetzt (1. Funote).        |
  | XVI.65 Testymony durch Testimony ersetzt (2. Funote).   |
  | XVI.71 flehendlich durch flehentlich ersetzt.            |
  |                                                              |
  +--------------------------------------------------------------+





End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND ***

***** This file should be named 47152-8.txt or 47152-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/4/7/1/5/47152/

Produced by Peter Becker and the Online Distributed
Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org/license

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
