The Project Gutenberg eBook, Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs, by
Robert Musil


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Title: Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs
       Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwrde


Author: Robert Musil



Release Date: September 18, 2014  [eBook #46896]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK BEITRAG ZUR BEURTEILUNG DER LEHREN
MACHS***


E-text prepared by Iris Schrder-Gehring, Jana Srna, Alexander Bauer, and
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BEITRAG ZUR BEURTEILUNG DER LEHREN MACHS

Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwrde

Genehmigt von der Philosophischen Fakultt
der Friedrich-Wilhelms-Universitt zu Berlin

von

ROBERT MUSIL

Aus Klagenfurt (Krnten).




Tag der Promotion: 14. Mrz 1908.




Referenten:

%Professor Dr. Paul Stumpf,%
%Professor Dr. Alois Riehl.%


Dissertationenverlag ~Carl Arnold~, Berlin-Wilmersdorf,
Hohenzollerndamm 3.
Preussische Strasse 8.




Abkrzung der zitierten Buchtitel.


  E. d. A.    Die Geschichte und die Wurzel des Satzes der Erhaltung
              der Arbeit (Prag 1872).

  W. L.       Die Prinzipien der Wrmelehre. 2. Aufl. Leipzig 1900.

  P. V.       Populrwissenschaftliche Vorlesungen. 3. Aufl. Leipzig 1903.

  A. d. E.    Die Analyse der Empfindungen und das Verhltnis des
              Physischen zum Psychischen. 4. Aufl. Jena 1903.

  M.          Die Mechanik in ihrer Entwicklung. 5. Aufl. Leipzig 1904.

  E. u. J.    Erkenntnis und Irrtum.




Einleitung.

1. Stellung der Aufgabe.


Das Wort des Naturforschers wiegt schwer, wo immer heute
erkenntnistheoretische oder metaphysische Fragen von einer exakten
Philosophie geprft werden. Die Zeiten sind vorbei, wo das Bild der Welt
in Urzeugung dem Haupte des Philosophen entsprang. Die Philosophie sucht
heute ihr Verhltnis zu der in so weitem Bereiche aufgedeckten
Gesetzlichkeit der Natur, ihre Stellungnahme zu dem alten Suchen nach
einer richtigen Fassung des Substanzbegriffes und des Begriffs der
Kausalitt, zu den Beziehungen zwischen Psychischem und Physischem usw.
mit Bercksichtigung aller Mittel und Ergebnisse der exakten Forschung
neu zu gestalten.

Man kann daraus ermessen, was es bedeutet, wenn nun gerade ein
Naturforscher mit der Behauptung auftritt, da in diesem Streben nach
philosophischer Orientierung--(wenigstens in der Gestalt, die es
meistens annimmt)--trotz seines Anschlusses an die Naturwissenschaft
fast ebenso viele Verkehrtheiten wie philosophische Fragestellungen
liegen, und dies ungefhr durch folgende Thesen erhrtet, die eine Wand
zwischen der Naturwissenschaft aufzurichten streben, welche die
Philosophen meist ihren Untersuchungen zugrunde legen, und der
Naturwissenschaft, die wirklich existiert.

1. Alle Naturwissenschaft beschreibt blo das Geschehene, statt es zu
erklren. Zumal sind Naturgesetze nichts weiter als tabellarische
Beschreibungen der Tatsachen bezw. mathematische Symbole, die solchen
Tabellen quivalent sind, und naturwissenschaftliche Theorien nichts als
Zusammenhnge, in die wir solche Tabellen untereinander setzen;
unter dem Gesichtspunkt der Erklrung nichts als umfassendere
Unverstndlichkeiten anstelle speziellerer. Weder das einzelne Gesetz
noch die Theorie sagt mehr als auch die Kenntnis der zugrundeliegenden
Erfahrungen fr sich schon sagen wrde.

2. Wie es berhaupt keine Erklrungen gibt, so gibt es insbesondere
keine kausalen. Gbe es selbst kausale Zusammenhnge, so wrde man mit
ihrer Hilfe bestenfalls doch nur eine Verkettung der Ereignisse
konstatieren, ohne in die Grnde dieser Verkettung blicken zu knnen.
Ueberdies zeigt aber die exakte Naturforschung, da es selbst kausale
Zusammenhnge nicht gibt. Das Suchen nach solchen war in frheren
Entwicklungsstadien der Naturwissenschaft aufgentigt worden, heute hat
sie sich bis auf wertlose und hinderliche Reste davon frei gemacht. Ihr
wirkliches Ziel ist die Aufstellung funktionaler Beziehungen, welche
nicht eine Tatsache als die Ursache einer anderen hinstellen, sondern
lediglich die Berechnung einer Tatsache aus einer anderen gestatten,
welches Verhltnis durchaus umkehrbar ist.

3. Mit der Kausalitt fllt auch ein wesentlicher Teil der Bedeutung der
Ding- bezw. Substanzbegriffe dahin, und die philosophische Hoffnung, aus
Substanzbegriffen vermittelst der kausalen Beziehungen zwischen den
Dingen die Welt der Erfahrung aufzuklren, wird durch den Wegfall der
Kausalrelation gewissermaen mitten entzwei geschnitten.

Aber auch an und fr sich sind die Substanzbegriffe der Vernichtung
verfallen. Denn was sich von Substanzen aussagen liee, wre nur ihr
gesetzliches Verhalten; die Gesetze, die dieses ausdrcken sollen, haben
sich aber zu lediglich funktionalen Beschreibungen entwickelt, zu dem
Ausdruck viel allgemeinerer Beziehungen, aus denen die Substanzbegriffe
wie gegenstandslos gewordene Zwischensubstitutionen ausgefallen sind.

4. Indem so die Wissenschaft sich von den frher in ihr gesuchten Zielen
abgewendet hat, entbehrt sie doch keineswegs letzter Gesichtspunkte.
Alles bisherige wird verstndlich und alle falschen Voraussetzungen
schwinden, sobald man in der Wissenschaft nicht mehr als ein im Kampf
ums Dasein notwendig gewordenes Mittel zur Beherrschung der Tatsachen
sieht, d.h. sie dem Entwicklungsgedanken unterstellt. Alle ihre
Gesetze, Begriffe und Theorien erscheinen dann als konomische
Hilfsmittel, uns mit unserer Umgebung in ein praktisch hinreichendes
Verhltnis zu setzen. Versteht man diesen ihren Zweck, so versteht man
alles, was es an ihrer Existenz berhaupt zu verstehen gibt.

5. Diese Auffassung leistet berdies unschtzbare Dienste, indem sie das
verzweifelte Problem des Verhltnisses zwischen Psychischem und
Physischem als sinnlos ergibt. Die Vorstellungen von einer Welt der
Krper und einer geistigen Welt sind instinktiv entstanden und sind
fr eine primitive Orientierung auch von praktischem Werte. Als
wissenschaftliche Vorstellungen darf man sie aber nicht hher bewerten
als andere und darf ihren Zweck nur in ihrer Eignung zu konomischer
Orientierung suchen. Erfllen sie diesen nicht mehr, wie jetzt, wo sie
zu dem Stande der Wissenschaft nicht mehr passen und so zu einer Quelle
der Verwirrungen werden, ist es eine methodische Forderung, sie fallen
zu lassen.

6. Dies wird durch die Erkenntnis ermglicht, da die funktionalen
Beziehungen, die den Gleichungen der Naturwissenschaft zugrunde liegen,
ohnedies schon Beziehungen zwischen Empfindungen seien, oder wie Mach
dies, um jeden dualistischen Anklang zu vermeiden, nennt, zwischen
Elementen.

Ein Zusammenhang von Elementen, wie Rot, Grn, Druck, Bewegung, liegt
unseren Vorstellungen von Krpern zugrunde, und nur ein anderer, weit
prziserer und fruchtbarerer, aber zwischen prinzipiell ebensolchen
Elementen bestehender Zusammenhang ist es, der durch die Naturgesetze
ausgedrckt wird.

Unsere wissenschaftliche Orientierung in der Auenwelt besteht also in
nichts anderem als in dem Aufsuchen von Gleichungen zwischen Elementen.
Dies ist somit das aus der hochentwickelten Physik abstrahierte Ideal
der Erkenntnis.

Dann kann aber auch die Psychologie, soferne sie wissenschaftliche
Festigkeit anstrebt, nur nach der Aufstellung funktionaler Beziehungen
trachten, und ihr Substanzbegriff, das Ich, die Seele, fllt dabei
ebenso fr die wissenschaftliche Bearbeitung weg, wie es mit dem Begriff
einer physischen Substanz geschah. Nun sieht Mach als die psychischen
Grund-Elemente, in deren funktionaler Abhngigkeit voneinander das
wissenschaftliche Bild des Seelenlebens erfat wird, die Empfindungen
an. Empfindungen waren aber auch die Elemente des physischen Geschehens:
also zeigt sich, da Physik und Psychologie ein und dasselbe Objekt
haben.

Das berhaupt Gegebene sind somit Elemente in mannigfachen Zusammenhngen;
indem man auf bestimmte dieser Zusammenhnge achtet, treibt man Physik,
indem man auf andere achtet, Psychologie,--das ist aber lediglich ein
Unterschied in der Betrachtungsweise, und ein solcher bringt so wenig
eine Kluft zwischen Physischem und Psychischem mit sich, wie etwa eine
Kluft zwischen den Reaktionen eines Gases besteht, wenn sie sich, je nach
dem beachteten Zusammenhange, bald durch das Boyle'sche, bald durch das
Mariotte-Gay-Lussac'sche Gesetz ausdrcken lassen.

Auf diesem Punkte hrt fr eine zu voller geistiger Freiheit gelangte
und kritisch scharfe Methodologie der Dualismus auf, als Problem zu
existieren, und alle seine Schwierigkeiten erweisen sich als Folgen des
unberechtigten Festhaltens an einer primitiven, berholten Fragestellung.

Wir haben hiermit in freier Wiedergabe die bezeichnendsten Leitstze aus
den Schriften des Physikers Ernst Mach dargestellt. Man sieht schon aus
dieser vorlufigen Zusammenstellung, da einzelne Bestandteile dieser
Lehre nicht neu sind. Sie finden ihre Verwandtschaft in lteren
Schriften sensualistischer und positivistischer Richtung, zumal in den
Arbeiten von Condillac und Comte, und bei der Behandlung des Kausal- und
Substanzproblems wird man an den Einflu von Hume erinnert. Das
Kennzeichnendste, der Schlssel zu dem Uebrigen und zugleich das der
historischen Situation nach Irritierendste ist aber die, sich auf die
genauere Einheit berufende, starke Betonung des methodologischen
Standpunktes und die damit zusammenhngende Behauptung, da Mach mit
allen seinen Konsequenzen, so einschneidend sie sind, rein und lediglich
auf dem gesicherten Boden der exakten Naturwissenschaft bleibe: Ich
wnsche nur in der Physik einen Standpunkt einzunehmen, den man nicht
sofort verlassen mu, wenn man in das Gebiet einer anderen Wissenschaft
hinber blickt,[1] heit es an einer Stelle.

Nun ist ja auch diese Berufung auf die Naturwissenschaft sowohl wie die
Beschrnkung der Erkenntnis auf den Zusammenhang der Erscheinungen ein
Charakteristikum der positivistischen Philosophie seit Comtes Tagen.
Aber teils schon zur Zeit, als Comtes Hauptwerk erschien (1830--42),
teils wenig spter, wirkten Faraday, R. Mayer, Joule, Rankine, Clausius,
W. Thomson, Krnig, Grassmann, Redtenbacher u.a., deren Ziel ein ganz
anderes als das von Comte gesteckte war, und auch heute scheint die
Mehrzahl der Physiker nicht vom Positivismus durchdrungen zu sein. (Ein
Beweis hierfr ist der Widerstand, den Machs Ansichten gerade auch in
diesen Kreisen fanden.) So blieb der Positivismus trotz gelegentlicher
Exkurse stets eine mehr philosophische Angelegenheit, und die
erkenntnistheoretische Errterung des Verhltnisses von Subjekt und
Objekt blieb seine Hauptfrage, die Verwerfung alles Extramentalen seine
Grundposition bis auf Avenarius, Laas, Schuppe, Rehmke und die anderen
gleichgerichteten Forscher unserer Tage.

Dadurch aber ist unser Interesse an Mach bestimmt. Denn er, heute wohl
der Vertreter des Positivismus, der in die breitesten Kreise wirkt, ist
zugleich derjenige, der wirklich (und zwar als Forscher von Bedeutung)
von der Naturwissenschaft herkommt, und der--ein Alleingnger (denn
das Fhlungsuchen mit der geistigen Verwandtschaft ist spt und sprlich
in seinen Werken), dem die Anregungen zu seinen Gedanken hauptschlich
aus seiner Spezialwissenschaft erwachsen sind,--als der erste mit der
Behauptung Ernst machte, da seine (positivistischen) Ueberzeugungen nur
durch Uebertragung der in der Naturwissenschaft bewhrten Anschauungen
gewonnen und nichts als ein Ergebnis der Entwicklung der exakten
Forschung seien. Damit lst Mach in seiner Person das ein, was vor ihm,
mehr oder weniger, nur behauptet wurde, und gibt dadurch Gelegenheit,
dieses blendendste und lockendste Versprechen des Positivismus, da
nmlich nur die Rckstndigkeit der Philosophen verkenne, wie sehr die
exakte, fruchtbare Wissenschaft lngst schon in den Bahnen der
positivistischen Philosophie gehe, auf seine Haltbarkeit zu prfen.

Es wird also unsere Aufgabe sein, uns zu berzeugen, ob Mach zu seinen
Behauptungen tatschlich in logischer Folge von einer richtigen oder
wenigstens widerspruchslosen Auffassung der Naturwissenschaft aus
gelangt. Dadurch wird gleichzeitig die beunruhigende Erscheinung
aufgeklrt, da ein Naturforscher der an der Naturwissenschaft Halt
suchenden gegenwrtigen Philosophie so gnzlich abweisend entgegentritt,
da er mit Bezugnahme auf deren wichtigste Positionen sagen kann: Ihre
(vorliegender Schrift) Tendenz ist vielmehr eine aufklrende oder, um es
noch deutlicher zu sagen, eine antimetaphysische[2] und: Ich habe
getrachtet, eine alte, abgestandene Philosophie aus der Naturwissenschaft
zu entfernen[3].

Eines besonderen Umstandes ist noch zu erwhnen: Machs
erkenntnistheoretische und selbst die eigentlichen metaphysischen
Ausfhrungen sind in seinen Schriften nicht in strengem methodischen
Gefge gegeben, sondern tragen einen aphoristischen Charakter und sind
mitunter, wie in den Schriften ber Mechanik und Wrmelehre, auch blo
gelegentlich eingestreut. Daraus erwchst in erster Linie die Forderung
einer systematischen Herauslsung und Zusammenfassung der zu einander
gehrenden Gedanken, und ich mchte betonen, da ich damit auch schon
das wesentlichste unserer eigentlichen Aufgabe fr geleistet erachte, da
ja dann die Begrndungszusammenhnge offen liegen und einen ganz anderen
Einblick in ihre Tragfhigkeit gestatten, als es mglich ist, solange
die einzelnen Gedanken, von einander isoliert, das gewissermaen
verantwortungslose Leben des Aphorismus fhren.

Ein anderes Ziel aber als dieses einer mglichst genauen Einsicht in die
innere Festigkeit der Machschen Darlegungen wird hier nicht angestrebt.
Wollte man statt der Stringenz ihrer Begrndung die Richtigkeit der
Resultate selbst erwgen, so wre dazu eine erkenntnistheoretische
Arbeit auf weit umfassenderer Grundlage ntig. Zu einer solchen soll
diese Schrift nur ein Beitrag sein, der sich nach Tunlichkeit aller
Stellungnahme dort enthlt, wo eine solche die Begrndung durch
persnliche Ansichten erfordern wrde, und sich darauf beschrnkt, in
immanenter Kritik nachzuweisen, da in den Darlegungen Machs, trotz
ihrer zahlreichen Vorzge, doch so viele Widersprche oder wenigstens
Unklarheiten enthalten sind, da es nicht mglich ist, ihnen eine
entscheidende Bedeutung zuzuerkennen.


Funoten:

[1] A. d. E. 2. Aufl. 21 u. hnl.: Diese Auffassung wird dem temporren
Gesamtwissen am konomischsten gerecht; eine Philosophie fr die
Ewigkeit will sie nicht sein, a. a. O. 23. Ob es mir jemals gelingen
wird, den Philosophen meine Grundgedanken plausibel zu machen, mu ich
dahingestellt sein lassen. Bei aller Hochachtung vor der riesigen
Geistesarbeit der Philosophen aller Zeiten ist mir dies zunchst auch
weniger wichtig. Aufrichtig und lebhaft wnschte ich aber eine
Verstndigung mit den Naturforschern, und diese halte ich auch fr
erreichbar. Ich mchte denselben nur zu bedenken geben, da meine
Auffassung alle metaphysischen Fragen ausschaltet, gleichgltig ob sie
nur als gegenwrtig nicht lsbar oder berhaupt und fr immer als
sinnlos angesehen werden. A. d. E. 287. ... Es soll hiermit keine
neue Philosophie, keine neue Metaphysik geschaffen, sondern einem
augenblicklichen Streben der positiven Wissenschaften nach gegenseitigem
Anschlu entsprochen werden. A. d. E. 259. Es gibt vor allem keine
Machsche Philosophie, sondern hchstens eine naturwissenschaftliche
Methodologie und Erkenntnispsychologie, und beide sind wie alle
naturwissenschaftlichen Theorien vorlufige, unvollkommene Versuche. Fr
eine Philosophie, die man mit Hilfe fremder Zutaten aus diesen
konstruieren kann, bin ich nicht verantwortlich. E. u. J. Vorwort.
Meine Darlegungen gehen stets von physikalischen Einzelheiten aus und
erheben sich von da zu allgemeineren Erwgungen. E. u. J. 141.

[2] M. 1. Aufl. Vorwort.

[3] E. u. J. Vorwort.




2. Die erkenntnispsychologische und konomische Betrachtungsweise.


Der aphoristische Charakter von Machs Schriften bringt mit sich, da
manche seiner Aussprche, je nach dem Zusammenhang, in den man sie
stellt, verschieden zu beurteilen sind, so da manchmal dieselben
Aeuerungen unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert werden
mssen.

Wir beginnen mit dem in der Einleitung unter 4) erwhnten Gesichtspunkte
Machs, die Wissenschaft als eine Erscheinung konomischer Anpassung
anzusehen, welcher Gesichtspunkt berdies eng mit einer
erkenntnispsychologischen Betrachtungsweise zusammenhngt.

Diese Art, die Erkenntnis zu betrachten, ist wichtig; sie gibt Machs
Ausfhrungen gewissermaen von vornherein einen scharfen Reiz; sie berhrt
sich auch mit bekannten skeptischen Strmungen der neueren Zeit und ist
durch all dies geeignet, zu allererst den Blick auf sich zu ziehen und
festzuhalten. Es ist daher fr uns von Wichtigkeit, festzustellen, ob ihre
erkenntnistheoretische Bedeutung dem entspricht, und ich glaube, es lt
sich ohne weiteres sehen, da dies nicht der Fall ist. Man kann dann sehr
wohl mit groem Interesse Machs eigentmliche, plastische und belebende
Art, das Werden und Wesen der Naturwissenschaft zu betrachten, verfolgen,
ohne sich versucht zu fhlen, anzunehmen, da mit dieser Auffassung schon
irgendwie gegen die Ergebnisse der von Mach bekmpften Erkenntnistheorie
und Metaphysik entschieden sei; mit anderen Worten: die Erfolge einer
biologisch-psychologischen Betrachtungsweise beweisen gar nichts fr das
Uebrige.

Grundlegend fr diese Betrachtungsweise ist die Annahme,--eben die
wir noch in weiteren Zusammenhngen untersuchen werden,--da nur die
Kenntnis der Tatsachen fr den Physiker Wert habe, da sie das
wesentliche Ziel seiner Wissenschaft ausmache und alles brige nur ein
intellektueller Umweg zu ihrer Gewinnung und Darstellung sei.[4] So
heit es: Wenn uns alle einzelnen Tatsachen unmittelbar zugnglich
wren, so wie wir nach der Kenntnis derselben verlangen, so wre nie
eine Wissenschaft entstanden. Nur weil das Gedchtnis des Einzelnen ein
beschrnktes ist, mu das Material geordnet werden.[5] Diese Ordnung
ist das Ziel der Wissenschaft.[6] Ursprnglich ist dieses Ziel rein
praktisch im Laufe der Entwicklung erwachsen dann auch spezifisch
theoretische Interessen, doch lassen auch sie sich auf praktische
reduzieren und als ein bloer Umweg zu deren Erreichung auffassen. Wir
knnen jedes wissenschaftliche Interesse als ein mittelbares biologisches
Interesse auffassen, heit es an einer anderen Stelle.[7]

Dieses starke Betonen der praktischen Aufgabe der Wissenschaft ergibt sich
dabei als eine direkte Folge dessen, da Mach die Wissenschaft, wie
berhaupt die ganze Ttigkeit des Menschen, unter den Gesichtspunkt der
Selbsterhaltung[8] stellt, nicht anders wie die des niedersten Organismus:
Die gesamten Lebensvorgnge des Individuums sind Reaktionen im Interesse
der Lebenserhaltung, und die Wandlungen im Vorstellungsleben sind nur
ein Teil der ersteren.[9] Wendet man aber einmal den allgemeinen
Entwicklungsgedanken auf die Wissenschaft an,[10] so folgt daraus von
selbst, da die Wissenschaft unter die Gesichtspunkte der Kontinuitt und
der Oekonomie gehrt, da diese beiden ja integrierende Bestandteile der
Entwicklungslehre sind; andererseits ist die Anwendbarkeit dieser
Gesichtspunkte auf das Denken selbst wieder rckwirkend ein Beweis fr die
Berechtigung, die Entwicklungslehre hier hereinzuziehen.

Was das erstere betrifft, ist es fr die Entwicklungslehre
charakteristisch, da sie die Eigenschaften und Reaktionen der Lebewesen
aus einer selektiven Anpassung an die Vorgnge in der Umgebungswelt heraus
zu begreifen sucht. Dabei erweist es sich als eine Erfahrungstatsache, da
diese Anpassung kontinuierlich und konomisch erfolgt, d.h. da einmal
vorhandene Eigenschaften unter neuen Lebensbedingungen nicht einfach
abgeworfen und durch andere ersetzt werden, sondern vielmehr einer
allmhlichen Umbildung unterliegen, welche sich zudem, konomischer Weise,
nicht weiter erstreckt, als unbedingt ntig ist.[11] Was aber das Zweite
betrifft, so ist zu sagen, da Machs Arbeit fast in ihrer Gesamtheit
gerade dafr einen Nachweis zu liefern trachtet, da diese zuletzt
entwickelten Konsequenzen der Entwicklungslehre sich bei Betrachtung des
wissenschaftlichen Denkens und seines Werdens tatschlich erfllt finden.

Das Wichtigste lautet zusammengefat:

1. Das Bewutseinsleben hat schon seiner Entstehung nach die Rolle eines
konomischen Instruments: Fordert nmlich die Selbsterhaltung die
Anpassung der Reaktionen eines Lebewesens an die Vorgnge der Auenwelt,
so kommt es bei einer gewissen Kompliziertheit der Lebensbedingungen
dahin, da die Mannigfaltigkeit des Tatschlichen weit grer wird, als
die Zahl der biologisch wichtigen Reaktionen, so da ohne Bercksichtigung
noch bestehender Unterschiede auf eine ganze Gruppe blo verwandter
Tatsachen in einer Weise reagiert wird; reicht diese undifferenzierte
Reaktion fr die praktischen Bedrfnisse eben noch hin, so trgt der ganze
Vorgang den Charakter der Sparsamkeit und Oekonomie. Dem Bilde dieses
Vorganges entsprechen aber die ersten Anfnge des Begriffslebens. Es
beginnt damit, da die Tatsachen gleicher Reaktion unter eine
Vorstellung gefat werden, mit einem Zeichen verknpft werden, wobei das
Bewutsein den Typus eines nicht sehr vollkommenen physikalischen
Apparates trgt, der auf die Vorgnge der Auenwelt nur in einem
beschrnkten Spielraum und nach wenigen Richtungen antwortet.[12]

2. Das Bewutsein trgt auch seiner weiteren Funktion nach den Charakter
eines konomischen Instruments: denn hat es einmal einen gewissen
Bestand an Vorstellungen erworben und treten ihm dann neue Tatsachen
entgegen, so bildet es nicht auch neue Vorstellungen aus, sondern pat
die bereits vorhandenen den neuen Aufgaben an. Und zwar bildet es sie
dabei mit einem mglichst geringen Aufwande um, indem es die
ursprnglichen Gedanken auch weiterhin festhlt und nur um ein
Mindestma modifiziert, so viel gerade ntig ist, um auch den neuen
Anforderungen gerecht zu werden. Ein solches Verhalten nennt Mach dem
Prinzip der Kontinuitt oder auch der Permanenz und zureichenden
Differenzierung entsprechend.[13]

Dabei unterscheidet Mach: a) die Anpassung der Gedanken an die Tatsachen,
von der bisher die Rede war; er spricht von ihr speziell als von einem
Abbilden und Vorbilden der Tatsachen in Gedanken. Denn diese ermglicht
uns erst die hinreichende Anpassung, das erhaltungsgeme Verhltnis zur
Umgebung; um uns mit unserer Umgebung in irgend ein Verhltnis zu setzen,
bedrfen wir eben eines Weltbildes, sagt Mach.[14] b) Die Anpassung der
Gedanken aneinander: Die Vorstellungen passen sich zwar den Tatsachen so
an, da sie ein den biologischen Bedrfnissen entsprechendes, hinreichend
genaues Abbild der ersteren darstellen,[15] aber natrlich reicht die
Genauigkeit der Abbildung nicht weiter als die augenblicklichen Interessen
und Umstnde es forderten, unter welchen dieselbe stattfand. Da aber diese
Interessen und Umstnde von Fall zu Fall wechseln, so stimmen die
Anpassungsergebnisse verschiedener Umstnde nicht genau untereinander
berein. Das biologische Interesse treibt nun wieder zur Korrektur
verschiedener Abbildungsergebnisse durcheinander, zu dem bestmglichsten
Ausgleich der Abweichungen.[16] Anpassung der Gedanken aneinander ist also
die weitere Aufgabe, welche das Denken zu seiner vollen Befriedigung lsen
mu, und auch, diese Forderung wird erfllt durch Vereinigung des
Prinzips der Permanenz mit jenem der zureichenden Differenzierung der
Vorstellungen.[17]

3. Ist das bisher skizzierte Verhalten im allgemeinen der Typus des
menschlichen Denkens, so mu daraus schon die Anwendbarkeit der
Prinzipien der Oekonomie und der Kontinuitt auch auf die Wissenschaft
folgen. Trotzdem wird Mach nicht mde, gerade diesen wichtigsten Punkt
durch immer wiederholte Hinweise zu sttzen, von denen wir einige
charakteristische Beispiele wiedergeben wollen.

a) Auch das wissenschaftliche Denken zeigt den Typus der Oekonomie und der
Kontinuitt. So denkt sich Newton die Planeten als geworfene Krper und
modifiziert blo die konstante Schwere zur von der Entfernung abhngigen
Gravitation;[18] Fourier bildet eine Theorie der Wrmestrmung aus, indem
er eine Theorie der Saitenschwingungen fr seine Zwecke modifiziert; seiner
Theorie wird dann eine Theorie der Diffusion nachgebildet usw.[19] So hatte
man die Vorstellung einer geradlinigen Fortpflanzung des Lichtes
angenommen, als man die Beugung und Brechung entdeckte; man hielt die
ursprngliche Vorstellung fest und erweiterte sie durch die Annahme eines
Brechungsexponenten; diese wiederum mute man durch die Annahme besondern,
da fr jede Farbe ein eigner Brechungsexponent ntig sei. So wute man,
da Licht zu Licht gefgt die Helligkeit vergrere, als man pltzlich
einen Fall der Verdunkelung bemerkte usw. Schlielich erkennt man aber in
der berwltigenden Mannigfaltigkeit der Lichterscheinungen berall die
Tatsache der rumlichen und zeitlichen Periodizitt des Lichtes und dessen
von dem Stoffe und der Periode abhngige Fortpflanzungsgeschwindigkeit.
Dieses Ziel, ein Gebiet mit dem geringsten Aufwand zu berschauen und alle
Tatsachen durch einen Gedankenproze nachzubilden, kann mit vollem Recht
ein konomisches genannt werden.[20] Ueberhaupt entspricht das
wissenschaftliche Fortschreiten durch Hypothesenbildung in seiner
Gesamtheit dem Typus der Kontinuitt und ist konomisch. Denn Hypothesen
werden zunchst immer aus dem augenblicklichen Vorrat an bekannten
Erfahrungen hergenommen, ihre deduktiven Folgen werden dann mit der neuen
Tatsache verglichen und endlich wird die Hypothese dem Ergebnis dieses
Vergleiches entsprechend modifiziert.[21]

b) Alle Hilfsmittel der Naturforschung dienen ihrer Oekonomie. Vor allem
die mathematischen, deren Fruchtbarkeit auf der grten Sparsamkeit der
Denkoperationen beruht.[22] Aber auch alle heuristischen Methoden. Ihre
Grundmethode ist die der Vernderung.[23] Die Methode der Vernderung
fhrt uns gleichartige Flle von Tatsachen vor, welche teilweise
gemeinschaftliche, teilweise verschiedene Bestandteile enthalten. Nur bei
der Vergleichung verschiedener Flle der Lichtbrechung mit wechselnden
Einfallswinkeln kann das Gemeinsame, die Konstanz des Brechungsexponenten
hervortreten, und nur bei Vergleichung der Brechung verschiedener Farben
kann auch der Unterschied, die Ungleichheit der Brechungsexponenten die
Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die durch die Vernderung bedingte
Vergleichung leitet die Aufmerksamkeit zu den hchsten Abstraktionen und
zu den feinsten Distinktionen zugleich.[24] Dadurch, da die
Vergleichung[25] den Kern alles induktiven Verfahrens[26], zumal den des
Experimentes bildet, arbeitet diese ganze Methodik auf Kontinuitt hin,
denn die Vergleichung bezweckt ja nur, das Neue als aus den, eventuell
modifizierten, Bestandteilen des Alten bestehend zu erkennen, und ist in
demselben Sinne konomisch, wie er von der Hypothesenbildung vorhin
konstatiert wurde.

c) Die Resultate der Naturforschung, Begriff, Gesetz, Theorie,
entsprechen der Oekonomie und der Kontinuitt.--Naturgesetze haben
die konomische Aufgabe, die Kenntnis bloer Einzeltatsachen zu
ersparen.[27] Diese mte man sich in jedem individuellen Falle merken,
das Gesetz verknpft typische Flle durch einen Gedanken. Wenn gewisse
Bedingungen gegeben sind, ist die Erwartung durch das Gesetz geregelt
und eingeschrnkt[28], das Gesetz fungiert als ein Schema, in das man
nur die speziellen Bedingungen einzusetzen braucht; indem man ein Gesetz
als den Spezialfall eines allgemeineren Gesetzes erkennt, ersetzt man
ein Schema durch ein noch umfassenderes;[29] indem man sich nur ein
solches zu merken braucht, ist das Gedchtnis entlastet und hat eine
Anweisung, die ganze Mannigfaltigkeit speziellerer Gesetze und einzelner
Tatsachen daraus abzuleiten. Und was vom Gesetze gesagt ist, gilt auch
vom Begriff. Der naturwissenschaftlich przisierte Begriff enthlt
fertige Arbeit konomisch in sich verdichtet,[30] in seine Definition
werden die in Betracht kommenden Merkmale aufgenommen, und da sie
gesetzlich aneinandergeknpft sind, gengt die Angabe eines einzigen von
diagnostischer Bedeutung, um den ganzen Komplex zu reprsentieren; man
kann also sagen: Alle physikalischen Gesetze und Begriffe sind gekrzte
Anweisungen, die oft selbst wieder andere Anweisungen eingeschlossen
enthalten, auf konomisch geordnete, zum Gebrauch bereit liegende
Erfahrungen,[31] und die ganze rtselhafte Macht der Wissenschaft
liegt in dieser konomischen Ordnung.[32]

Gleichzeitig entsprechen diese Gebilde aber auch dem Bedrfnis der
Permanenz. Denn in ihnen,--in den bestndigen Gesetzen und Gleichungen
wie in den festen Merkmalen des Begriffs,--sucht das Denken die
Vorstellungen zu erfassen, die bei allem Wandel im einzelnen bleibend
festgehalten werden knnen und ohne die die Vernderung zusammenhanglos
und unfabar wre.[33]

~Stellungnahme~: Soweit wir ohne Vermengung mit speziellen Gedankengngen,
die spter gesondert untersucht werden sollen, zu diesen Ausfhrungen
Stellung nehmen knnen, ist folgendes zu sagen:

Eine solche entwicklungsgeschichtliche, erkenntnispsychologische und
denkkonomische Betrachtungsweise kann in erkenntnistheoretischer
Hinsicht indifferent oder skeptisch sein. Ich nenne sie indifferent,
solange sie blo eine Betrachtungsweise neben der eigentlich
erkenntnistheoretischen Untersuchung der Grnde und Kriterien der
Erkenntnis sein will; ich wrde sie skeptisch nennen, sobald
behauptet wird, da diese zweite Untersuchung aus irgend einem Grunde
undurchfhrbar sei und was Erkenntnis ist, nur nach konomischen
Gesichtspunkten oder aus biologischen und psychologischen Grnden
entschieden werden knne. In dem bisherigen liegen nun Keime zu beiden
Auffassungen:

a) Zur Indifferenz der Prinzipien; was schon daraus hervorgeht, da man
diesen anregenden Betrachtungen zustimmen kann, wenn man dadurch auch
die Aufgaben der Erkenntnistheorie nicht fr erledigt, vielleicht nicht
einmal fr berhrt ansieht. Der Unterschied lt sich schon durch die
Fragestellung ausdrcken. Soweit man derartiges nmlich in solcher
Allgemeinheit berhaupt wird sagen wollen, ist zuzugeben, da alles
Denken, richtiges und falsches, Urteil und Vorurteil, psychologisch
nach dem Prinzip der Kontinuitt verluft, wenn nicht besondere
Umstnde dies hindern. Die Fragen aber, wann ein Gedankenverlauf als
kontinuierlich anzusehen sei oder unter welchen ueren und inneren
Umstnden es zu einer kontinuierlichen Gedankenentwicklung komme, und
die Frage, wann das Resultat eines Gedankenablaufes, gleichgltig ob
dieser kontinuierlich oder diskontinuierlich (also auch konomisch oder
nicht konomisch) sich entwickelt habe, als richtig anzuerkennen sei,
drcken so viele innere Verschiedenheiten aus, da die Annahme, es seien
dies zwei einander gewissermaen kreuzende, gegeneinander indifferente
Fragestellungen, gewi als mglich zugestanden werden mu. Dann hat aber
auch die Einsicht, da Naturgesetze gut sind, um das Gedchtnis von der
Kenntnis einzelner Tatsachen zu entlasten, und naturwissenschaftliche
Begriffe dem gleichen Zweck dienen, nichts mit der Frage zu tun, wie
solche Gesetze und Begriffe, um diesen Zweck auch wirklich zu erfllen,
gebildet sein mssen oder welche Dignitt bezw. Adquatheit ihnen in
Anbetracht der sie fundierenden Tatsachen zukommt. Und ebenso ist der
Umstand, da solche Gesetze berdies untereinander zusammenhngen, zwar
gewi von praktischem Werte und seine Ausntzung konomisch, die Fragen
aber, wie es sich etwa mit dem Verhltnis der Sicherheiten solcher in
einem Klimax stehender Gesetze zueinander verhalte, oder welche realen
Beziehungen zugrunde liegen mgen, wenn zwischen zwei sonst getrennten
Tatsachengruppen eine Aehnlichkeit der Gesetze besteht, die es erlaubt,
sie unter allgemeine, gemeinsame Gleichungen zu fassen (etwa Licht,
Elektrizitt und Magnetismus), diese Fragen sind, gleichgltig ob und
wie man sie fr beantwortbar hlt, natrlich nicht damit erledigt,
da man sagt, die Tatsache, da wir Naturgesetze in theoretische
Zusammenhnge einordnen knnen, sei angenehm. Dasselbe gilt aber auch
fr die Begriffe des Dings, der Kausalitt, der Kraft u. dgl. Entweder
ist ihre Bildung durch die Tatsachen gefordert oder die Tatsachen
widerstreiten ihr, bezw. man fragt, ob sich das eine oder das andre
erweisen lasse; aber unabhngig davon und vor der Beantwortung dieser
Frage wird man sich ber die instinktive Entstehung und den konomisch
orientierenden Wert dieser Begriffe einigen knnen.

b) Doch es findet auch eine radikalere, skeptische Auffassung
Anhaltspunkte. Betrachtet man etwa das Prinzip der Permanenz, so sagt es
nmlich, da gewisse instinktive Urannahmen ursprnglich gegeben sind[34],
die dann den Tatsachenkenntnissen mit einem Minimum von Modifikation
angepasst werden. So werden wir hren, da die Bewegungstheorie der Wrme
wie die stoffliche Auffassung der Elektrizitt nur einem historischen
Zufall den Schein von Berechtigung verdanken, auf den sich ihre Existenz
grndet. Aber auch die gar nicht bildlich hypothetischen, sondern rein
begrifflichen, quantitativen Darstellungen sind, weil sie sich aus der
Differenzierung bereits vorgebildeter Vorstellungen entwickelt haben,
durch ihre Vorbilder gefrbt.[35] Ja man kann hinzufgen, da mitunter der
Entwicklungsgang einer ganzen Disziplin, wenn ein verhltnismig
geringfgiger historischer Umstand nicht gewesen wre, einen anderen Weg
genommen htte, da man zu ganz anderen Begriffen und Begriffssystemen
gelangt wre[36] u. dgl., so da, so betrachtet, selbst die exaktesten
Begriffsbildungen zufllig und konventionell erscheinen.

Und man knnte sich nun einem solchen Nachweise gegenber,--und ich
habe keinen Grund, an seiner Richtigkeit zu zweifeln,--versucht
fhlen, von der Wissenschaft recht skeptisch zu denken und auch die
Prinzipien mit dieser Auffassung in Zusammenhang zu bringen. Es ist ja
nahegelegt: wenn die Gebilde der Wissenschaft in ihrem Werden von
psychologischen, individuellen Einflssen und Zuflligkeiten abhngig
sind und wenn selbst der durch die Tatsachen gegebene Faktor der
Anpassung je nach der zuflligen Konstellation (d.h. je nach den
Tatsachen und Seiten der Tatsachen, die gerade fr die Vergleichung zur
Verfgung stehen) die Entwicklung in voneinander ganz verschiedene
Richtungen lenken kann[37], es ist nahegelegt, da dann das Produkt
solcher Anpassung, die Wissenschaft, nichts sei, das etwa nur so und
nicht anders sein knnte. Vielmehr lt die Anpassung, ohne da sie
deswegen schon ihren praktischen Zweck zu verfehlen brauchte,
erfahrungsgem ihren Ergebnissen einen gewissen Spielraum; ist nun all
das, was unser Naturwissen ausmacht, blo ein solches Anpassungsprodukt,
dann ist es nichts eindeutig Bestimmtes, vielmehr nur ein, lediglich
historisch verstndliches, Ergebnis neben anderen mglichen; dies aber
knnte man in Widerspruch mit der gewhnlichen Meinung zu setzen
versuchen, die von den Ergebnissen der Naturwissenschaft Wahrheit
verlangt, d.h. eben jene sachlich (in gewissen genau zu przisierenden
Hinsichten) mit objektiver Notwendigkeit begrndete eindeutige
Bestimmtheit, die hier geleugnet wird. Fr eine solche Auffassung gbe
es dann keine feste, sozusagen absolute Wahrheit, sondern nur eine in
dem Sinne relative, da irgend eine Meinung gerade als so wahr zu gelten
hat, als sie ihren Zweck, praktisch hinreichend zu orientieren, erfllt.
Mit anderen Worten: es gibt berhaupt keine Wahrheit im eigentlichen
Sinne, sondern nur eine praktische, erhaltungsfrderliche Konvention.

Fr diese skeptische Interpretation ist nun in erster Linie der
Umstand anzufhren, da Mach von einem Buche H. Kleinpeters, Die
Erkenntnistheorie der Naturforschung der Gegenwart, sagt, da dieses eine
Darstellung sei, der er in allem Wesentlichen zustimmen knne[38], wobei
dieses Buch in seinen allgemein erkenntnistheoretischen Darlegungen voll
von Gedankengngen ist, wie wir sie zuletzt skizziert haben[39]. Wollte
man diese Zustimmung Machs aber vielleicht noch als eine Voreiligkeit
deuten, so mu doch gesagt werden, da auch in seinen eigenen Schriften
viele Aeuerungen nach dieser radikalen Richtung neigen oder mindestens
zweifelhaft sind.[40] Eine solche Auffassung ist also keineswegs eine
freie Phantasie ber mgliche Interpretationen der Machschen Prinzipien,
sondern bleibt ernsthaft in Erwgung zu ziehen.

Fr beide hier skizzierten Auffassungen finden sich also nicht nur
Anhaltspunkte, sondern auch Belegstellen. Von unserer Aufgabe aus ist
dann aber folgendes zu sagen: Wir wollen wissen, welche Fhigkeit diesen
Errterungen zukommt, speziellen Einschrnkungen, die Mach an der
induktiven Erkenntnis vollzieht, eine allgemeine Grundlage zu bieten.
Die indifferente Interpretation kommt dafr ihrer Natur nach berhaupt
nicht in Betracht. An der skeptischen Interpretation interessiert uns
aber nicht, ihre Existenz oder Mglichkeit der Existenz als Machsche
Meinung, sondern lediglich die Frage, ob sie dem Spteren wirklich als
Grundlage oder nur als Hintergrund dienen kann, mit anderen Worten, ob
die allgemeinen erkenntnistheoretischen Gesichtspunkte selbst so
begrndet sind, da die skeptische Haltung in speziellen Fllen einfach
aus ihnen gefolgert werden kann, oder nicht.

Ueber diese Frage besteht aber gar kein Zweifel.

Denn erstens mten die Prinzipien, sollten sie fr sich schon
entscheidend sein, in scharfer Zuspitzung auf diesen Zweck formuliert
und ihre Tragweite genau abgegrenzt sein; in konsolidierter Weise wre
zu zeigen, da sie hinreichen, um eine wenigstens praktisch gengende
Induktion zu sichern, und endlich wren Grnde beizubringen, die jede
andere, auf ein hheres Erkenntnisideal gerichtete Induktionstheorie
ausschlieen.[41] Von einer solchen allgemeinen Untersuchung findet sich
aber in Machs Schriften durchaus nichts. Die Belegstellen, die da sind,
zeigen nur, da Mach in gewissen Fllen geneigt ist, seine Prinzipien
erkenntnistheoretisch aggressiv zu verwenden,--z.B. wo er sagt, da
die Frage, ob man die physikalischen Erscheinungen auf Dinge und deren
Beziehungen zurckfhre oder nicht, lediglich nach der dadurch
gewhrleisteten Oekonomie zu entscheiden sei, wobei es dann fr gewisse
Probleme von ihm fr zweckmiger befunden wird, dies nicht zu
tun,--sie zeigen nicht, worin die Berechtigung dazu liegt.
(Beziehungsweise, wo sie sich diese nachzuweisen bemhen, sttzen sie
sich auf spezielle Grnde, die in jedem einzelnen Fall fr sich zu
erwgen sind.) Solange aber nicht die ausschlieliche Berechtigung der
konomischen, biologischen Beurteilung nachgewiesen ist, bleibt jede
Berufung auf sie gegenber anderen methodischen Grnden belanglos und es
entstehen Irrtmer, wo so geschlossen wird, als ob sie allein in
Betracht kme, whrend allgemein nachgewiesen nur ist, da sie auch in
Betracht kommt.

Zweitens zeigt sich berdies, da die Prinzipien fr sich allein
nicht hinreichen, um auch nur den von Mach selbst geforderten Grad
wissenschaftlicher Festigkeit zu erzielen, und da andererseits, wenn
man von diesem ausgeht und die Prinzipien auf ihn hin interpretiert,
ihre ganze vermeintlich skeptische Bedeutung zerfliet, so da die
Stellen, die uns zu ihrer Erwhnung zwangen, als isolierte Widersprche
zurckbleiben.

Einerseits sagt Mach, da jede Entwicklung eines wissenschaftlichen
Gedankens, soferne sie kontinuierlich erfolgt, auch konomisch sei.
Andererseits sagt er aber selbst, da man bei gleichem Grade von
Kontinuitt doch zu ganz verschiedenen Resultaten gelangen knne, so
da er selbst verlangt, da des weiteren erst zwischen Resultaten
verschiedener Anpassungen ein bestmglichster Ausgleich geschaffen
werden msse.[42] Dann ist aber die bloe Kontinuitt und die blo durch
sie verbrgte Oekonomie auch fr ihn nicht schon entscheidend, und wo
dies dennoch solchen Anschein htte, geriete er in Widersprche mit
sich selbst. Denn er will mit seiner Erkenntnistheorie, so zeigt er
wiederholt, durchaus keinem erkenntnistheoretischen Nihilismus das Wort
reden. Alle wertvollen Gesichtspunkte der Einzelwissenschaften bleiben
erhalten, heit es ausdrcklich an einer Stelle,[43] und wo immer man
eine seiner eigenen fachwissenschaftlichen Arbeiten aufschlgt, berall
zeigt er sich selbst um jene feste eindeutige Bestimmtheit bemht, die
durch alles mgliche hinreichend verbrgt werden kann, nur nicht durch
die bloe Kontinuitt, denn kontinuierlich entwickeln sich, wie er
selbst zugibt, Erkenntnis wie Irrtum.[44] Und whrend zugestandenermaen
diese Kontinuitt keine eindeutig bestimmende Forderung ist, verlangt
Mach von der Wissenschaft ausdrcklich gerade Eindeutigkeit[45], und an
einer Stelle wird diese Eindeutigkeit geradezu als Ziel der
kontinuierlichen Anpassung bezeichnet.[46]

Beachtet man dies, so findet man nun allerdings eine dementsprechende
Einschrnkung in das Prinzip der Kontinuitt durch die Forderung der
zureichenden Differenzierung aufgenommen. Sie ist jetzt das eigentlich
bestimmende Moment, eine Anpassung, die nicht zureichend ist, ist
keine Anpassung, und dadurch erscheint zwischen Machs Ansichten die
Einstimmigkeit wieder hergestellt. Aber was bedeutet die Betonung dieses
zureichend? Sie kann sagen wollen, wie wir es ja auch gehrt haben,
da die Anpassung niemals genauer erfolgt als gerade notwendig ist, das
heit aber nichts anderes als da in den induktiven Wissenschaften die
Erkenntnis gewissermaen von unten herauf erarbeitet werden mu, da,
was heute als wahr gilt, morgen als ein Irrtum eingesehen werden kann,
da die Induktion der Erkenntnis sozusagen nur asymptotisch zustrebt;
aber dies ist eine allgemein zugestandene Tatsache und hngt durchaus
nicht spezifisch mit der biogenetischen Betrachtung zusammen. Nun bemht
sich die gewhnliche Induktionstheorie des weiteren, festzustellen, was
wenigstens augenblicklich als zureichend zu gelten hat. Aber auch hierin
stimmen die Konsequenzen der Machschen Anpassungsprinzipien mit ihr
berein. Denn nach Mach ist eine Anpassung doch nur dann zureichend,
wenn sie gestattet, die Tatsache nachzubilden und vorzubilden, d.h.
wenn zwischen den Intentionen des Denkens und den Tatsachen, auf die sie
sich beziehen, Widerspruchslosigkeit herrscht. Nichts anderes als solche
Uebereinstimmung verlangt aber auch die gewhnliche Anschauung. Und
ebenso knnte die-- als ideale Grenze zu betrachtende--schlechthin
zureichende Anpassung nur die sein, welche berhaupt nie auf
Widersprche fhrt, welche allen in ihren Bereich fallenden bekannten
und neu entdeckten Tatsachen entspricht,--das ist aber wiederum
nichts anderes als was man in der gewhnlichen Terminologie eine
Wahrheit oder eine Erkenntnis nennt. Und nur eine solche Anpassung ist
auch schlechtweg konomisch, denn jede andere mu vor gewissen Fllen
versagen, unzureichend sein, das Denken irre leiten, also unkonomisch
werden. Dabei ist dann das Kriterium der Oekonomie berdies erst das
sekundre, denn erst mu man wissen, ob eine Annahme mit der gesamten
Erfahrung bereinstimmt, d.h. aber nichts anderes, als wissen, ob sie
wahr ist, und dann erst kann man sagen, da sie auch vorbehaltlos
konomisch ist. Damit ist aber alle gegenstzliche Bedeutung gegenber
der gewhnlichen Induktionstheorie aufgegeben.

Was dann noch von jener zweiten ber die bloe Kontinuitt
hinausgehenden Rolle der Oekonomie bleibt, ist vollends nichts
Spezifisches von gewhnlichen Auffassungen Unterscheidendes. Die
Anpassung der Gedanken an die Tatsachen braucht nicht nur in einer Weise
zu erfolgen, verschiedene Menschen fhren sie verschieden aus. Aber wir
werden diese verschiedenen wissenschaftlichen Versuche miteinander
vergleichen knnen und den einen konomischer finden als den anderen.
Die Oekonomie wird uns dabei einen wertvollen orientierenden
Gesichtspunkt bieten, nach dem wir unser wissenschaftliches Tun
einrichten.[47] So liefert die Gausche Dioptrik ein Beispiel
von Oekonomie gegenber der bloen wiederholten Anwendung des
Sinussatzes.[48] Erst die vollstndigste einfachste Beschreibung nennt
Mach in diesem Sinne konomisch, das ist der Zustand, wenn es gelungen
ist, die geringste Zahl einfacher unabhngiger Urteile zu finden, aus
welchen sich alle brigen als logische Folge ergeben.[49] Denn es gilt
nicht nur, wie er sagt, da jedes Erkennen des noch Unbekannten und
Neuen als Kombination des Altbekannten, jede Enthllung des scheinbar
Verschiedenartigen als eines Gleichartigen, als eine angenehme
Entlastung empfunden wird[50], sondern auch jede Verminderung der
zureichenden Zahl der leitenden Gedanken, jede organische Ordnung
der letzteren nach dem Prinzip der Permanenz und zureichenden
Differenzierung[51], so da das Oekonomisieren, Harmonisieren,
Organisieren der Gedanken, welches wir als ein biologisches Bedrfnis
fhlen, weit ber die Forderung der logischen Widerspruchslosigkeit
hinausgeht[52], und andererseits bedeutet jede vermeintliche
Inkongruenz, jede Unvollstndigkeit, jede logische Differenz
oder Abundanz der beschreibenden Gedanken einen Verlust, ist
unkonomisch.[53] Dies ist aber,--soweit es nicht blo eine
Besttigung des vor diesem errterten Gedankenganges ist,--nichts als
ein Hinweis auf die Tatsache, da jenseits von wahr und falsch noch ein
Spielraum bleibt, in dem sich die Unterschiede von einfachen und
schwerflligen, klaren und undurchsichtigen theoretischen Gebilden
bewegen und hnliche, die man mit Vorteil anwendet.[54]

Dann aber reduzieren sich die Konsequenzen der Machschen Prinzipien,
auf Grund des Gebrauches, den er selbst von ihnen macht, ihrer
sachlichen Tragweite nach auf die gewhnlichen Anschauungen, und ihr
spezifischer Wert ist kein eigener erkenntnisbegrndender, sondern ein
post festum illustrierender. Und in diesem Sinne sagt Mach selbst: Ich
bin als Naturforscher gewhnt, die Untersuchung an Spezielles
anzuknpfen ... und von diesem zum Allgemeineren aufzusteigen. Diese
Gewohnheit befolgte ich auch bei der Untersuchung der Entwicklung der
physikalischen Erkenntnis. Ich mute mich schon deshalb so verhalten,
weil eine allgemeine Theorie der Theorie fr mich eine zu schwierige
Aufgabe war... So richtete ich also meine Aufmerksamkeit auf
Einzelerscheinungen: Anpassung der Gedanken an die Tatsachen,
Anpassung der Gedanken aneinander, Denkkonomie, Vergleichung,
Gedankenexperiment, Bestndigkeit und Kontinuitt des Denkens usw.
Hierbei war es mir frderlich und ernchternd zugleich, das vulgre
Denken und die ganze Wissenschaft als eine biologische und organische
Erscheinung zu betrachten, wobei denn auch das logische Denken als ein
idealer Grenzfall angesehen wurde. Da man an beiden Enden anfangen
kann, zu untersuchen, will ich keinen Augenblick bezweifeln. Schon
hieraus kann man sehen, da ich zwischen psychologischen und logischen
Fragen wohl zu unterscheiden wei, wie ich dies brigens jedem zutraue,
der das Bedrfnis fhlt, logische Prozesse auch psychologisch zu
beleuchten. Schwerlich wird mir aber auch derjenige vorwerfen drfen,
da ich den Unterschied zwischen natrlichem, blindem und logischem
Denken nivellieren will, der sich einmal genau auch nur die logische
Analyse der Newtonschen Aufstellungen in meiner Mechanik angesehen hat.
Wenn auch die logische Analyse aller Wissenschaften schon vollstndig
fertig vor uns lge, so bliebe die biologisch-psychologische
Untersuchung ihres Werdens ... noch immer ein Bedrfnis, was nicht
ausschlieen wrde, da man diese letztere Untersuchung wieder logisch
analysiert.[55]

Damit sagt Mach aber alles, was auch wir im Prinzip ber diesen
Gegenstand gesagt wissen wnschen, und wir knnen nochmals feststellen,
da mit den Prinzipien nichts fr das Folgende bewiesen ist. Wo dies
dennoch bei Mach durchblickt, fehlt erstens die sachliche Begrndung und
zweitens gert er dort in Widersprche, mit eigenen Aussprchen und mit
den Konsequenzen wichtiger Bestandstcke seiner Aufstellungen.


Funoten:

[4] Vgl. A. D. E. 245.

[5] E. d. A. 31.

[6] Vgl. E. u. J. 83, 164/165; A. d. E. 244; M. 7.

[7] E. u. J. 443 Vgl. E. u. J. 229; A. d. E. 246; M. 210.

[8] W. L. 365.

[9] E. u. J. 107, 110. Vgl. dazu P. V. 218/219: Am besten werden die
bescheidenen Anfnge der Wissenschaft uns deren einfaches sich stets
gleichbleibendes Wesen enthllen. Halb bewut und unwillkrlich erwirbt
der Mensch seine ersten Naturerkenntnisse, indem er instinktiv die
Tatsachen in Gedanken nachbildet und vorbildet, indem er die trgere
Erfahrung durch den schnelleren beweglichen Gedanken ergnzt, zunchst
nur zu seinem materiellen Vorteile. Er konstruiert wie das Tier zum
Gerusch im Gestrpp den Feind, den er frchtet, zur Schale den Kern der
Frucht, welchen er sucht, nicht anders als wir zur Spektrallinie den
Stoff, zur Reibung des Glases den elektrischen Funken in Gedanken
vorbilden. Diese ersten psychischen Funktionen wurzeln in der Oekonomie
des Organismus nicht minder fest als Bewegung und Verdauung. Diese
ersten Erkenntnisakte bilden auch heute noch die strkste Grundlage
alles wissenschaftlichen Denkens. Vgl. auch: E. u. J. 2, 58, 182 f,
229, 257; W. L. 120, 365, 386; A. d. E. 41, 246.

[10] Die Erkenntnis ist eine Aeuerung der organischen Natur und der
allgemeine Zug der Entwicklung und Umbildung mu auch an den Gedanken
hervortreten. P. V. 247, auch W. L. 382.

[11] So wachsen dem im Wasser lebenden Suger keine neuen Extremitten,
sondern seine alten bilden sich um. P. V. 256; W. L. 388.

[12] E. u. J. 126, 134/135. Dieser konomischen Rolle der begrifflichen
Klassifikation lt sich die mit ihr zusammenhngende Entstehung von
Sprache und Schrift und deren Arbeit sparendes Funktionieren anreihen.
So wie der deutlich unterscheidbare Lockruf, Warnungsruf, Angriffsruf
der Herdentiere ein unwillkrlich entstandenes Zeichen fr eine
bereinstimmende gemeinsame Beobachtung oder Ttigkeit trotz der
Mannigfaltigkeit des Anlasses ist, sind auch die Worte nur Zeichen fr
allgemein bekannte, gemeinsam beobachtbare und beobachtete Tatsachen.
IV 265/266. Vgl. P. V. 220/221, 226; W. L. 119, 396, 412, 414; M. 522.

[13] E. u. J. 110, 134, 162, 298; A. d. E. 41, 248; P. V. 74/75, 245; M.
139, 531; W. L. 380, 381.

[14] W. L. 394.

[15] E. u. J. 162.

[16] E. u. J. 162.

[17] E. u. J. 3.

[18] P. V. 253/254.

[19] P. V. 276 f.

  Vgl. zu [18] und [19] E. u. J. 162--179.

[20] P. V. 223/224, vgl. E. u. J. 190, 162--179, speziell 171--174, 263
f, 99, 230, 282--298, spez. 284, 257; A. d. E. 249, 255; M. 27, 139,
196; W. L. 151, 385 ff, 402; P. V. 226, 253/254.

[21] Vgl. E. u. J. 243 f, 313; P. V. 256. Vgl. auch E. u. J. 109; P. V.
256; W. L. 387.

[22] P. V. 224; M. 526 f.

[23] P. V. 257 f; E. u. J. 180, 185 f., 188; W. L. 388.

[24] P. V. 258.

[25] Durch eine Vergleichung wird natrlich auch die vorhin erwhnte
Hypothesenbildung eingeleitet und getragen. Aber nicht nur dies:
schon dem elementaren Urteile und seiner Mitteilung liegt ein
Vergleichungsvorgang zugrunde (W. L. 396, 397; A. d. E. 248/249; P. V.
266; E. u. J. 240; M. 5, 6) und andererseits terminieren gerade wieder
die hchstentwickelten Stadien der Wissenschaft in Gebilden, deren Nerv
die Vergleichung ist, nmlich in mchtig ausgespannten Analogien (E. u.
J. 217--229). So ist es die Vergleichung, welche .. das mchtigste
innere Lebenselement der Wissenschaft darstellt, und man knnte im
Hinblick darauf geradezu von vergleichender Physik sprechen. (P. V.
266, vgl. W. L. 396--406).

[26] In der Tat lassen sich die mannigfaltigen von J. St. Mill
aufgezhlten Methoden der Naturforschung .. als Formen ... der Methode
der Vernderung erkennen, heit es P. V. 257.

[27] P. V. 222; M. 68, 131, 147; E. u. J. 201/202.

[28] E. u. J. 441.

[29] M. 315, 382, 507, 520, 530.

[30] P. V. 226, 279; E. u. J. 112, 127; W. L. 417/418; M. 192.

[31] P. V. 232/233.

[32] P. V. 226.

[33] M. 549.

[34] Die wichtigsten Fortschritte haben sich stets ergeben, wenn es
gelang, instinktiv lngst Erkanntes in mitteilbare Form zu bringen. P.
V. 220. Vgl. P. V. 218/219; M. 180, 210.

[35] Vgl. zu diesem Hervorgehen der Theorien aus einander das Bsp. P. V.
276 f.

[36] Vgl. M. 272/273, 28.

[37] Ueber den Einflu des Zufalls vgl. W. L. 440--444. Speziell ber
die Bedeutung des zuflligen Umstandes, da die Coulombsche Drehwage vor
dem Thermometer von Ries konstruiert wurde. Vgl. P. V. 198 f.; W. L. 322
f; E. d. A.

[38] E. u. J. Vorwort.

[39] Nur einige Beispiele: Was Erkenntnis ist, bedarf einer unserer
Willkr unterliegenden Festsetzung a. a. O. 5. Es gibt keine absolute,
unbedingte Erkenntnis, sondern nur eine relative a. a. O. 6. Es ist
durch die Logik klar, da keine Behauptung unbedingte Gltigkeit haben
kann a. a. O. 7. Subjektive Ueberzeugung nicht objektive Gewiheit ist
das einzig erreichbare Ziel aller Wissenschaft a. a. O. 9 usw., usw.

[40] Man vergleiche etwa A. d. E. 30: Kein Standpunkt hat eine absolute
bleibende Geltung. Jeder ist nur wichtig fr einen bestimmten Zweck.
Oder E. u. J. 114: Nur der Erfolg entscheidet zwischen Erkenntnis und
Irrtum. Man vgl. auch A. d. E. 257/258 und P. V. 235. Im brigen finden
sich namentlich dort, wo es den Ersatz der Dingvorstellung durch die
Elemententheorie gilt, stark skeptische Stellen. Solche werden wir aber
erst an dem ihnen im systematischen Zusammenhange zukommenden Orte
errtern, woselbst wir ihren Sinn viel genauer werden przisieren knnen
als hier.

[41] Betrachtet man, was eigentlich aus der Seite 21--23 angefhrten
Ueberlegung folgt, so ist es in Wirklichkeit nicht mehr als da
die--durch konomische und biologische Notwendigkeit geleitete--
tatschliche Entwicklung je nach Umstnden zu verschiedenen Zielen
fhrt. Vergegenwrtigt man sich dies, so folgt schon daraus, da die
angeknpfte skeptische Wendung unmotiviert ist. Denn die tatschliche
Entwicklung kann gewi verschieden ausfallen; daran besteht gar kein
Zweifel; da nun aber der Begriff einer zu richtigen Resultaten fhrenden
Entwicklung ein davon gnzlich verschiedener ist, so besagt gegen ihn
die ganze Ueberlegung garnichts. Erst die Behauptung, da auch solche
Resultate, die sonst als einander widerstreitende gelten, dennoch
gleichberechtigt sind, wrde eine Einschrnkung bedeuten und, wenn dies
blo durch die Berufung auf die je nach den Umstnden verschiedene
tatschliche Entwicklung gesttzt wrde, die Voraussetzung einschlieen,
da man bei Beurteilung der Wissenschaft nicht mehr tun knne als das
tatschlich Gewordene zu verstehen zu trachten und ber andere Kriterien
nicht verfge. Dieser Nachweis ist es aber, den wir hier vermissen.

[42] E. u. J. 162.

[43] A. d. E. 285.

[44] So bieten gerade die von Mach bekmpften Bilderhypothesen der
mechanischen Physik Beispiele von der Kontinuitt entsprechender
Gedankenbertragung, vgl. P. V. 187, 203; M. 562; W. L. 316, f. (an
einer Stelle M. 532 wird dem allerdings auch widersprochen, indem die
Atomistik als ein Versto gegen die Forderung der Kontinuitt bezeichnet
wird, doch zeigt dies nur die innere Unsicherheit dieses Prinzips). Und
auch sonst erweist sich manchmal die Permanenz gewohnter Vorstellungen
dem wissenschaftlichen Fortschritt hinderlich; vgl. P. V. 167, 257, 269,
271; W. L. 21, 36/37.

[45] Vgl. W. L. 452/453; E. u. J. 446, 449/450.

[46] A. d. E. 48.

[47] W. L. 393/394.

[48] W. L. 394; M. 530.

[49] E. u. J. 176.

[50] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.

[51] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.

[52] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.

[53] E. u. J. 282.

[54] Vgl. E. u. J. 446, wo ausdrcklich vorerst Eindeutigkeit und dann
erst konomische Ordnung gefordert wird.

[55] M. 537. Vgl. auch E. u. J. 282: So allgemein und wenig bestimmt
diese Charakteristik (ergnze durch Oekonomie usw.) der Forschung auch
erscheinen mag, drfte sie mehr zum Verstndnis der Ttigkeit des
Forschers beitragen, als speziellere, dafr aber einseitigere
Beschreibungen dieser Ttigkeit.




3. Die Stellungnahme gegen die mechanische Physik, Kritik einzelner
physikalischer Begriffe.


Meine Darlegungen gehen stets von physikalischen Einzelheiten aus und
erheben sich von da zu allgemeineren Erwgungen, sagt Mach[56], und da
wir im vorigen Abschnitt gesehen haben, da von den allgemeinen
Errterungen keine Klrung der Frage zu erhoffen ist, ob und inwiefern
die Naturerkenntnis bedeutenderen Einschrnkungen unterliegt, als
gewhnlich angenommen wird, wollen auch wir den Weg vom Einzelnen aus
einschlagen. Denn wenn sich auch aus der allgemeinen Betrachtung des
Wissens als eines Anpassungsprodukts keine Einschrnkungen des
Wissensbereiches, weder seiner Extensitt noch seiner Intensitt nach,
ableiten lieen, so bleibt doch noch das Umgekehrte mglich, nmlich da
die im einzelnen an der Naturwissenschaft vollzogenen Einschrnkungen
den Gesichtspunkten der allgemeinen Betrachtung einen bis zu gewissem,
eventuell hohem, Grade skeptischen Sinn verleihen.

Es sind zwei Gedankengnge, die wir in dieser Hinsicht zuerst besprechen
wollen, Machs Stellungnahme gegen die sogenannte mechanische Physik
und seine Kritik an einzelnen physikalischen Begriffen: Diese auf
mechanischen Grundlagen fuenden Theorien und diese Begriffe haben nach
Mach keinen selbstndigen Wert, keinen Erklrungswert; sie sind nur da
als an sich gewissermaen gleichgltige, konomische Reprsentanten der
Tatsachen, wie dies schon im bisherigen angedeutet wurde. Im Gegensatz
nun sowohl zu der Auffassung, die in den Hypothesen der mechanischen
Physik das hinter den Erscheinungen[57] liegende wahre Geschehen zu
erschlieen hofft, wie zu den (davon unabhngigen) Bemhungen, durch
fortschreitende Verschrfung der aus den Erscheinungen entnommenen
Begriffe, die wahre Struktur dieses Geschehens zu erfassen, bedeutet
dies eine Einschrnkung des Erkenntnisideals in dem Sinne, da etwas,
das bisher als Zweck galt, zum bloen Mittel herabgesetzt wird. Die
Theorie, das Begriffssystem sind nicht mehr Endzwecke der Forschung,
sondern nur Mittel zur Beherrschung der Tatsachen; und indem jede
darber hinausgehende Funktion als unmglich und widerspruchsvoll
nachgewiesen wird, erhlt die Behauptung, da es sich in der Wissenschaft
nur um ein konomisches Verhltnis zu den Tatsachen handle und mehr
nicht mglich sei, einen spezifischen Sinn.

Newton trennte das Ergebnis der analytischen Untersuchung der
Erscheinungen, das ist das, was aus den als sicher festgestellten
Tatsachen mit Gewiheit gefolgert werden kann, von den Hypothesen, die
zur Erklrung der Erscheinungen dienen, ohne aber selbst bewiesen zu
sein. In diesem Sinne galt ihm die verkehrt quadratische terrestrischen
Falls mit den kosmischen Bewegungen als Schwerebeschleunigung und die
Uebereinstimmung des Ergebnis der analytischen Untersuchung, die Frage,
wie die dabei unterlegte Fernwirkung nher erklrt werden knnte, als
Hypothese und Gegenstand bloer Spekulation.[58] Es gengt, da die
Schwere existiere, sagt er, da sie nach den von uns dargelegten
Gesetzen wirke und da sie alle Bewegungen der Himmelskrper und des
Meeres zu erklren imstande sei ... ich habe noch nicht dahin gelangen
knnen, aus den Erscheinungen den Grund dieser Eigenschaft der Schwere
abzuleiten und Hypothesen erdenke ich nicht.[59] Wo er aber dennoch
Hypothesen erdenkt, wie seine Emissionstheorie, da entschuldigt er seine
willkrlichen Annahmen damit, da seine Entdeckungen von der Theorie
unbeeinflut bleiben und da er selbst kein Interesse habe, ber das
Wesen der Erscheinung zu entscheiden, da er selbst seine Theorie nur
als bequemes Hilfsmittel zu Erklrung annehme, aber nicht als
Wirklichkeitlehre.[60]

Es ist schwer zu sagen, ob dieses Newton'sche hypotheses non fingo
blo ein methodisches Streben nach Abgrenzung der sicheren Ziele
physikalisch-analytischer Forschung von den ungewissen Ergebnissen der
darauf weiter bauenden physikalisch-philosophischen Ueberlegungen
bedeuten soll,--das wre eine dem damaligen Stande des Wissens
entsprechende Grenzlinie, die sich aber im Laufe der Entwicklung
immerhin bis zur Einbeziehung der >Hypothesen< in das Bewiesene
erweitern knnte,--oder ob es die Hypothesen ein fr allemal auf einen
untergeordneten Platz verweisen will.[61] Sei dem jedoch wie immer,
schon sein berhmter Zeitgenosse Huygens dachte ganz anders ber den
Wert der Hypothesen und die von diesem ausgedrckte Auffassung ist es,
die fast in der ganzen Folgezeit herrscht. Man darf nicht zweifeln, da
das Licht aus der Bewegung irgend eines Stoffes besteht, denn sei es,
da man seine Entstehung betrachtet, so findet man, da es hier auf
Erden vorzglich durch Feuer und Flamme erzeugt wird, welche ohne
Zweifel Krper in heftiger Bewegung enthalten, weil sie mehrere der
hrtesten Krper auflsen und schmelzen; sei es, da man dessen
Wirkungen betrachtet, so sieht man, da das durch Hohlspiegel gesammelte
Licht die Fhigkeit hat, wie Feuer zu brennen, d.h. da es die Teile
der Krper trennt, was sicherlich Bewegung andeutet, wenigstens in der
wahren Philosophie, welche alle natrlichen Wirkungen auf mechanische
Ursachen zurckfhrt. Denn das mu nach meiner Meinung geschehen, wenn
man nicht jede Hoffnung, etwas in der Physik zu begreifen, aufgeben
will, schrieb er in seinem Trait de la lumire[62] und tatschlich
blieb das damit gesetzte Ziel einer wahren Philosophie auf lange
Zeit hinaus fr alle bestimmend, die nach einem Begreifen der
Naturerscheinungen strebten.[63] Das ganze 18. und der grere Teil des
19. Jahrhunderts zeigt die meisten der hervorragenden Physiker mit der
gedanklichen Durchbildung solcher hinter den Erscheinungen liegender
Vorgnge beschftigt, die diese erklren sollen. Als Grundvorstellungen
dienten dazu Kraft, Bewegung und Materie, letztere in den verschiedenen
Gestalten der erst fr wgbar gehaltenen, spter als inponderabel
erkannten Fluida, in den mannigfachen Formen, die der Atomistik und der
Kontinuittshypothese entsprachen, als Weltther u. dgl.

Aber eben die groe Zahl dieser von einander verschiedenen Theorien
erschtterte die Glaubwrdigkeit der einzelnen. Zudem zeigt sich, wenn
man den Kampf dieser Gedanken miteinander betrachtet, die bemerkenswerte
Tatsache, da die unterliegenden viel seltener durch den Nachweis ihrer
Unmglichkeit zugrunde gingen, als da sie blo deswegen fallen gelassen
wurden, weil sich andere Vorstellungen besser als sie zu der vor allen
Dingen angestrebten mathematischen Durchbildung eigneten. Auerdem
litten aber auch die brig gebliebenen Theorien daran, da sie vor den
stets neu hinzukommenden Tatsachen immer komplizierter gerieten und
dennoch nicht imstande waren, alle diese Tatsachen hinreichend zu
erklren. Dadurch wurden einerseits die auf solche Theorien gesetzten
Hoffnungen herabgestimmt und damit der Blick fr ihrer aller
fundamentale Schwche, die eigene Ungeklrtheit der in ihnen zur
Erklrung des Uebrigen dienenden Begriffe von Kraft, Materie und
Bewegung, geschrft, andererseits lag es nahe, indem man rckblickend
die mathematische Durchbildbarkeit als das historisch ausschlaggebende
Motiv erkannte, statt des Erklrungswertes einzig das durch sie ja
tatschlich reprsentierte konomische Moment als magebend gelten zu
lassen. Auf diese Weise endeten dann die so zuversichtlich aufgetretenen
Bestrebungen frherer Zeiten in der sehr khlen Haltung der jetzigen.
Fr sie ist Maxwells Beispiel charakteristisch, der, obwohl er selbst
noch einer der grten Frderer der wissenschaftlichen Durchbildung
mechanischer Hypothesen war, dennoch bereits die dabei benutzten
anschaulichen Vorstellungen nur mehr als bloe Bilder betrachtet wissen
wollte, und noch prgnanter drckt dies Hertz aus, indem er die allein
noch bleibende Funktion der Hypothesen ausdrcklich in der Forderung
begrenzte, da sie nicht mehr als anschauliche Bilder der Tatsachen zu
sein brauchen, die dadurch, da auch die Folgen dieser Bilder Bilder der
Folgen der Tatsachen sind, eine einheitliche Darstellung der letzteren
gestatten.

Ganz im Sinne dieser allgemeinen Entwicklung und historisch mitunter
ihre Grnde zu rechnen ist das, was Mach zu diesem Gegenstande sagt.
Allerdings finden sich bei ihm nicht viele ausschlielich gegen die
Bilderhypothesen gerichtete Ausfhrungen, weil dies fr ihn, der, wie
wir sehen werden, direkt die diesen Theorien zugrunde gelegten
physikalischen Begriffe angreift, eigentlich garnicht notwendig ist, mit
der Erschtterung der Grundlagen fllt auch das darauf Gebaute dahin.
Unter diesem Gesichtspunkte erhalten eine Reihe mehr gelegentlicher
Ausflle[64] erst den richtigen Hintergrund, seine brigen Ausfhrungen
lassen sich sachlich aber folgendermaen gruppieren: Das Wichtigste ist
wohl der an mehreren Stellen gegebene Nachweis, da ein und dieselbe
Gruppe von Tatsachen sich gleich gut durch verschiedene, eventuell
einander widersprechende bildlich-hypothetische Voraussetzungen erklren
lasse, so da zwischen solchen Hypothesen eigentlich garnicht auf wahr
und falsch entschieden werden kann.[65] Dadurch hat man aber ihnen
gegenber vllige Freiheit, und so schliet Mach an den gegebenen
Nachweis die Forderung, da man sich bei der Wahl der Hypothesen
tatschlich nur von ihrer Zweckdienlichkeit (fr eine Beschreibung der
Erscheinungen) leiten lasse, zumal ja die beliebten Modelle der
mechanischen Physik, auch wo andere garnicht mit ihnen in Konkurrenz
stehen, dennoch nicht das Geringste fr das Verstndnis der Erscheinungen
leisten.[66]

Dies vorausgeschickt, lassen sich die allgemeinen Ausfhrungen Machs
ber Wesen und Art der Bilderhypothesen ohne weiteres verstehen. Mach
gebraucht fr sie auch den Ausdruck indirekte Beschreibung und eine
solche ist nach ihm dann gegeben, wenn man sagt, die Tatsache A
verhalte sich nicht in einem einzelnen Merkmal, sondern in vielen oder
allen Stcken wie eine bereits bekannte Tatsache B, man beruft sich
dabei gewissermaen auf eine bereits anderwrts gegebene oder auch erst
genauer auszufhrende Beschreibung.[67] So sagt man, das Licht verhalte
sich wie eine Wellenbewegung oder elektrische Schwingung, der Magnet wie
mit gravitierenden Flssigkeiten beladen u. dgl.[68] Ihrem Wesen nach
sind dies also Analogien, da ja dabei in Gedanken an die Stelle einer
Tatsache A doch immer eine andere einfachere oder gelufigere B gesetzt
wird, welche die erstere gedanklich in gewisser Beziehung vertreten
kann, aber eben weil sie eine andere ist, in anderer Beziehung doch
wieder gewi nicht vertreten kann.[69] Darin liegt nun einerseits der
Vorzug, andererseits die Gefahr dieser Hypothesen. Entschiedene Vorzge
liegen bezglich der Darstellung in der ermglichten Einheitlichkeit der
Auffassung, bezglich des induktiven Vorschreitens in dem heuristischen
Werte. Welche Erleichterung mu es gewhren, wenn man einfach sagen
kann, eine in Betracht gezogene Tatsache A verhalte sich in vielen oder
allen Stcken wie eine bereits bekannte Tatsache B. Statt eines
einzelnen Zuges von Aehnlichkeit tritt uns ein ganzes System von Zgen,
eine wohlbekannte Physiognomie entgegen, durch welche die neue Tatsache
uns pltzlich zu einer wohl vertrauten wird. Ja die Idee kann mehr
bieten, als wir in der neuen Tatsache augenblicklich noch sehen, sie
kann dieselbe erweitern und bereichern mit Zgen, welche erst zu suchen
wir veranlat werden und die sich oft wirklich finden. Diese Rapiditt
der Wissenserweiterung ist es, welche der Theorie einen quantitativen
Vorzug vor der einfachen Beobachtung gibt.[70] Andererseits liegt aber
gerade darin, da zwei Gruppen von Tatsachen als im Wesen identisch
ausgesprochen werden, whrend sie nachweislich nur in Analogie stehen,
auch eine Gefahr. So heit es bei Mach: Auer den Elementen, welche zur
Darstellung der Tatsache, aus der eine Hypothese geschpft ist,
unerllich sind, enthlt dieselbe immer oder doch gewhnlich noch
andere, die zu dieser Darstellung nicht notwendig sind. Denn die
Hypothese wird nach einer Analogie gebildet, deren Aehnlichkeits- und
Differenzpunkte unvollstndig bekannt sind, da ja sonst nichts mehr
daran zu erforschen wre. Die Lichtlehre spricht z.B. von Wellen,
whrend nur die Periodizitt zum Verstndnis der Tatsachen notwendig
ist. Diese ber die Notwendigkeit hinausgehenden accessorischen Elemente
sind es, welche in der Wechselwirkung von Denken und Erfahrung von der
Umwandlung ergriffen werden. Dieselben werden allmhlig ausgeschieden
und durch notwendige Elemente ersetzt.[71] Wird nun darauf, wie es
leicht geschieht, nicht genug geachtet,[72] das heit vertraut man zu
sehr der Hypothese und lt sie widersprechenden Tatsachen gegenber
nicht bereitwillig genug fallen, so kann die fruchtbarste Theorie
gelegentlich auch ein Hemmnis der Forschung werden[73] und wird dies
auch tatschlich in einer Reihe historischer Flle.[74]

Hlt man sich aber von solchen Fehlern frei, so kommt im Laufe der
historischen Entwicklung von selbst das zustande, was Mach die teils
... sich selbst befestigende, verschrfende, teils sich selbst
zerstrende[75] Funktion der Hypothesen nennt, das heit von den
verschiedenen einander ablsenden Hypothesen bleibt nur das brig, worin
sie bereinstimmen, das Wesentliche, das ist aber der von jeder
Bildlichkeit befreite begriffliche Ausdruck der Tatsachen,[76] denn
alles was darber hinausgeht, luft, wie wir gehrt haben, Gefahr, mit
neuen Tatsachen in Widerspruch zu geraten. Einige Beispiele mgen diesen
Umwandlungsproze erlutern: Stehen zwei gleichartige Krper in
Wrmeaustausch, so gilt die Beziehung, da das Produkt der Masse und des
Temperaturverlustes bezw. Gewinnes bei jedem das gleiche ist. Dies gab
Black den Ansto, die Wrme als ein Fluidum zu betrachten; im Laufe der
Entwicklung mute diese stoffliche Vorstellung aber wieder bis auf einen
bleibenden Rest fallen gelassen werden, und dieser Rest ist nichts
anderes als die vorerwhnte Beziehung.[77] Ebenso ging Carnot bei
Betrachtung seines Kreisprozesses von der Black'schen Stoffvorstellung
aus, sein Resultat hat sich aber unabhngig davon erhalten.[78] Ebenso
erhielt sich der Gedanke, da die farbigen Lichter unabhngige,
unvernderliche, bestndige Komponenten des weien Lichtes sind, wie
dies Newton gefunden hatte, was er aber in Gedanken hinzutat, die
stoffliche Auffassung, fiel wieder davon ab.[79] Aber auch von der
Huygens'schen Undulationstheorie des Lichtes bleibt, wie wir schon
gehrt haben, eigentlich nichts ber als da die periodischen
Eigenschaften des Lichtstrahls sich wie geometrisch summierbare Strecken
in einem zweidimensionalen Raume verhalten.[80] Und ebenso haben sich
die Eigenschaften des Aethers, des lichtfortpflanzenden Raumes, der sich
teilweise wie eine Flssigkeit, teilweise aber wieder wie ein starrer
Krper verhlt, nach und nach begrifflich bestimmt.[81]

Eine solche lediglich begriffliche Fassung der Tatsachen, die nichts
Unwesentliches mehr enthlt, nennt Mach eine direkte Beschreibung.[82]
Hat man einmal den zu ihr strebenden Zug der Entwicklung erfat, so
empfiehlt es sich berhaupt, sobald man der heuristischen Dienste der
Hypothese entbehren kann, stets die indirekte Beschreibung durch eine
direkte zu ersetzen.[83] Wenn der Geometer die Form einer Kurve
erfassen will, so zerlegt er sie zuvor in kleine, geradlinige Elemente.
Er wei aber wohl, da dieselben nur ein vorbergehendes willkrliches
Mittel sind, stckweise zu erfassen, was auf einmal nicht gelingen
will. Ist das Gesetz der Kurve gefunden, denkt er nicht mehr an ihre
Elemente. So wrde es auch der Naturwissenschaft nicht ziemen, in ihren
selbstgeschaffenen vernderlichen konomischen Mitteln ... Realitten
hinter den Erscheinungen zu sehen ... mit dem Wachsen der intelektuellen
Erziehung an ihrem Stoff, verlt die Naturwissenschaft das Mosaikspiel
mit Steinchen und sucht die Grenzen und Formen des Bettes zu erfassen,
in welchem der lebendige Strom der Erscheinungen fliet. Den
sparsamsten, einfachsten begrifflichen Ausdruck der Tatsachen
erkennt sie als ihr Ziel.[84] Freilich bleibt, zumal an den groen
theoretischen Zusammenhngen, eine gewisse Frbung durch die
ursprnglichen Bilder zurck. Betont man aber mit hinreichender Schrfe,
da das Wesen solcher Theorie doch nur auf Analogien beruht, so birgt
dies keine Gefahr. Man stellt genau fest, worin das Bild begrifflich[85]
mit der Tatsache bereinstimmt[86] und worin nicht, wodurch man bewahrt
bleibt, es fr etwas Wirkliches zu halten.[87] So gebraucht, wird
dann die Analogie sogar zu einem vorzglichen Mittel, heterogene
Tatsachengebiete durch eine einheitliche Auffassung zu bewltigen, und
weist den Weg, auf dem sich eine allgemeine Phnomenologie entwickeln
kann. In der geforderten begrifflichen Przisierung vereinigt sie das
Wesen der direkten Beschreibung mit den Erleichterungen der
Bildlichkeit.[88]

Fr uns ist das Wichtigste an diesen Ausfhrungen, da sie uns scharf
betont eine Bedeutung des Oekonomieprinzips (bezw. des der Kontinuitt)
erkennen lassen. Was eingangs erwhnt wurde, ist nun deutlich geworden,
Mach hlt das ursprngliche Ziel der mechanischen Physik sowohl fr
unerreichbar wie fr zwecklos, so da von ihren theoretischen Gebilden
tatschlich nur deren konomische Eignung fr eine Darstellung der
Erscheinungen von Wert bleibt und in Betracht kommt. Als selbstverstndlich
ist dabei vorausgesetzt, da die Hypothesen in ihren Konsequenzen mit den
Tatsachen bereinstimmen mssen, und dies wird natrlich nicht
nach dem Gesichtspunkt der Oekonomie sondern nach den normalen
erkenntnistheoretischen Kriterien entschieden, darber hinaus bleibt aber
die Oekonomie das einzig Magebliche und darin liegt lteren Auffassungen
gegenber eine erhebliche Einengung des Erkenntnisideals. Dabei ist Machs
Standpunkt wohl der heute allgemein vorherrschende und wenn auch vielleicht
bezglich der mechanischen Physik damit noch nicht das letzte Wort
gesprochen ist, so ist die ganze Angelegenheit doch so beziehungsreich, da
wir im Rahmen unserer Aufgabe nicht weiter zu ihr Stellung nehmen knnen,
und steht derzeit so sehr zu Machs Gunsten, da wir dies einfach anerkennen
wollen.

Wir gehen daher zum zweiten Teil unserer Aufgabe ber, zur Besprechung
der von Mach an einzelnen physikalischen Begriffen gebten Kritik. Ueber
ihre Bedeutung sind einige Worte vorherzuschicken: Mach spricht, wie wir
gesehen haben, von indirekter Beschreibung und von direkter. Manchmal
wird dabei die direkte Beschreibung der indirekten als eine begriffliche
entgegengesetzt;[89] das ist miverstndlich, denn begrifflich sind
selbstverstndlich beide; der Ton liegt bei der direkten Beschreibung
vielmehr darauf, da sie die einfachste begriffliche Beschreibung ist,
d.h. eine, die keine unwesentlichen Zutaten mehr enthlt. Unter
unwesentlichen, accessorischen Zutaten sind dabei aber solche gemeint,
welche durch die Erfahrung nicht gewhrleistet sind, daher der
Erfahrung mglicherweise auch widersprechen knnen. Und deswegen trifft
man den Sinn dieser Unterscheidung am genauesten, wenn man sie auf die
Entgegensetzung des tatschlich Konstatierbaren als Inhalt der direkten
Beschreibung zu dem blo hypothetisch Zugrundegelegten oder nach
Analogie als unbewiesenes Plus Hinzugedachten bezieht, das den Inhalt
der indirekten Beschreibung ergnzt. Dabei liegt die Bedeutung der
Unterscheidung noch gnzlich in der Beweisbarkeit auf Seiten der
direkten Beschreibung; es deutet hier noch gar nichts darauf hin, da
Tatsachen etwa nur in der Bedeutung sinnlich wahrnehmbarer Realitten
den Inhalt einer direkten Beschreibung ausmachen sollen, ja im Gegenteil
ausdrcklich wird auch die exakte Konstatierung einer Analogie (man
erinnere sich deren wiedergebener Definition!) als Gegenstand direkter
Beschreibung bezeichnet,[90] z.B. der, da sich die Planeten wie Krper
verhalten, die an einem Faden von bestimmter Spannung geschwungen
werden.[91] Unter Tatsache ist hier also einfach jede gesicherte
Erkenntnis zu verstehen und unter direkter Beschreibung eine Aussage,
deren Bedeutung in nichts ber das tatschlich Gewhrleistete hinausgeht.

Hier aber setzt jetzt ein zweiter Gedankengang ein und verlegt den
Schwerpunkt um einiges mehr in das direkt Sinnlich-Anschauliche. Was
nmlich so gemeinhin als tatschlich konstatiert erachtet wird, hat nach
Mach in vielen Fllen keinen Anspruch darauf. Auch die direkte, von
hypothetischen Grundlagen frei begriffliche Beschreibung der Tatsachen
ist an sich noch nicht das, was er die einfache oder einfachste
begriffliche Beschreibung nennt; fr letztere mssen vielmehr auch noch
die verwendeten naturwissenschaftlichen Begriffe bestimmten Forderungen
gengen. Man denke etwa an das seit Hume aktuelle Problem der
Kausalitt; als tatschlich erwiesen gilt fr diesen nur die
zeitlich-rumliche Verknpfung gewisser Ereignisse, die Notwendigkeit
dieser Verknpfung und was sonst noch zur Bedeutung der Kausalitt
gehrt, ist nach ihm blo hinzugedacht. Diesen Humeschen Standpunkt
nimmt nun Mach auch gegenber anderen physikalischen Begriffen ein; so
sind Masse, Energie, Trgheit zu nennen, Raum, Zeit, Bewegung,
Temperatur, Wrmemenge u.a. Sie alle enthalten ihrer blichen Bedeutung
nach mehr als empirisch zu belegen ist; der Grund dazu liegt in
historischen, psychologischen und konomischen Motiven. Will man aber
mit solchen Begriffen ein Bild der Welt aufbauen, das richtig sein soll,
so mu man dieses unbewiesene Plus davon fernhalten. Diese Scheidung
fhrt Mach an einer Reihe von Beispielen durch und die Ergebnisse, zu
denen er gelangt, wollen wir nun in Krze wiedergeben.

Es sind in den folgenden Beispielen stets zwei Punkte, auf die sich
Machs Augenmerk richtet, erstens die Konstatierung der tatschlichen
Grundlagen der untersuchten Begriffe, zweitens der Nachweis, da jedes
Ueberschreiten dieser Grundlagen und jedes Argumentieren aus den
Produkten solcher Ueberschreitung zu Unklarheiten fhrt.[92]

So besteht bei dem Gesetze von der Erhaltung der Energie die tatschliche
Grundlage in der Beobachtung, da es unmglich ist, Arbeit aus nichts zu
schaffen, m. a. W. da die mannigfachsten physikalischen Zustandsnderungen
durch mechanische Arbeit hervorgebracht werden und dort, wo sie wieder
vollstndig rckgngig gemacht werden knnen, den zu ihrer Erzeugung
notwendig gewesenen Arbeitsbetrag wieder zurckliefern.[93] Die
Verwandelbarkeit der Energie in verschiedene Formen besagt aber nicht mehr
als solche Aequivalenz; da man die Beobachtung berdies dahin deutet, ein
unzerstrbares Etwas--die Energie--bleibe dabei im Grunde erhalten und
ndere nur die Form seiner Aeuerung, diese substantielle Interpretation,
entspricht lediglich einem Bedrfnis unseres Denkens nach Stabilitt der
Auffassung, sie wird an die Tatsachen von uns herangebracht, die sich ihr
zwar fgen, sie aber nicht als notwendig verlangen.[94] Und nicht einmal
die Mglichkeit der Interpretation darf man hoch bewerten; die sie
gewhrleistende Tatsache der Aequivalenz hngt ganz von zweckentsprechender
Wahl der Mabegriffe fr die neben der Arbeit in Betracht kommenden
physikalischen Zustandsgren ab; wrde man gewisse Gren anders messen
(was nur historisch bedingt erscheint), so wre nicht einmal diese
Aequivalenz vorhanden und jeder Anhalt fehlte.[95]

Ganz hnliches gilt aber von dem Begriffe der Wrmemenge; fr gewisse
verschwindende thermische Reaktionen treten Aequivalente auf,[96] d.h.
wiederum nur solche, die sich als quivalent auffassen lassen--, dies ist
das Tatschliche, fr eine substantielle Interpretation desselben fehlt
aber die notwendige Grundlage so sehr[97] wie fr die entgegenstehende
kinetische; beide sind also von der einfachen Wiedergabe des Tatschlichen
fernzuhalten. Um hierin klar zu sein, mu vor allem der Temperaturbegriff
sicher gestellt werden, dessen miverstndliche Auffassung vielfach die
Quelle nutzloser Ueberlegungen wurde. Dies wendet sich[98] gegen alles
Suchen nach einem natrlichen Temperaturma, nach einer wirklichen
Temperatur, fr die die abgelesene nur ein unvollkommener Ausdruck sei, und
betont, da das Ma des Wrmezustandes eines Krpers--d.i. dessen an die
Wrmeempfindung geknpftes physikalisches Verhalten--durch irgend eine
thermoskopische Methode nur ein konventionelles ist, so da Schlsse
daraus nur unter diesem Vorbehalt zu ziehen sind, wenn sie nicht auf
Sinnlosigkeiten fhren sollen.[99]

Von grter Wichtigkeit ist ferner die Klarstellung der Begriffe von
Raum, Zeit und Bewegung. Sie alle sind nach Mach durch die Erfahrung nur
in der Bedeutung von Relationen gesichert. Ob eine Bewegung gleichfrmig
sei, kann nur in Bezug auf eine andere beurteilt werden, die Frage, ob
sie an sich gleichfrmig sei, hat daher keinen Sinn.[100] Newtons
Versuch, zwischen absoluter und relativer Bewegung durch das Auftreten,
bezw. Fehlen von Fliehkrften zu entscheiden,[101] ist hinfllig, da er
doch nur zwischen zwei Gruppen relativer Bewegungen trennt.[102] Da
somit auch jedes dynamische Kriterium hinwegfllt und rein phoronomisch
ohnedies keine absolute Orientierung mglich ist, bleibt fr die
Erfahrung nur relative Bewegung gegeben.[103]

Damit ist aber auch dem Begriff eines absoluten Raumes der Boden
entzogen. Denn fr ihn wird zugegeben (Newton), da in der Erfahrung nur
relative Lagen gegeben seien, und blo aus den dynamischen Unterschieden
der Bewegung wird die Notwendigkeit gefolgert, einen absoluten Raum
als Korrelat der wirklichen Bewegung anzunehmen. Da Mach aber diese
Unterschiede fr hinfllig ansieht, finden sich in der Erfahrung keine
Anhaltspunkte fr den Begriff eines absoluten Raums; stellt man ihn
dennoch auf, so berschreitet man damit die Grenzen der Erfahrung.[104]

Dasselbe gilt aber auch von der Zeit. Auch sie schied Newton in eine
relative und eine absolute, wobei ihm die relative als das nicht ganz
genaue Ma (Stunde, Tag, Jahr) der absoluten, wahren oder mathematischen
Zeit galt, die in den physikalischen Gleichungen auftritt. Mach wendet
dagegen ein, da die tatschliche, physikalische Grundlage des
Zeitbegriffs einzig dies sei, da sich die Umstnde eines Dinges A mit
denen eines anderen Dinges B ndern und von diesen abhngig sind; so
bedeutet beispielsweise, da die Schwingungen eines Pendels in der Zeit
vor sich gehen, nichts anderes als da die Exkursion des Pendels von der
Lage der Erde abhngig sei.[105] Die Vernderungen der Dinge an der Zeit
schlechthin zu messen, ist man aber vllig auer Stande.[106] Ebenso
kann aber auch eine absolute Zeit--unabhngig von jeder Vernderung--
an nichts gemessen werden, ihre Vorstellung hat daher keinen
wissenschaftlichen Wert.[107] Eine absolute Bewegung, ein absoluter
Raum, eine absolute Zeit sind bloe Gedankendinge, die in der Erfahrung
nicht nachgewiesen werden knnen. Operiert man mit solchen Begriffen, so
berschreitet man die Grenzen der Erfahrung, was unstatthaft ist und
zudem sinnlos, weil man nichts ber diese transempirischen Dinge
auszusagen vermag.[108]

Wichtig fr das Sptere ist noch Machs Haltung gegenber den Begriffen
der Masse und Trgheit. Entgegen der Newtonschen, eng mit dem Begriff
Substanz zusammenhngenden Definition der Masse als Menge der Materie,
weist Mach nach, da die Bedeutung dieses Begriffes durchaus nicht aus
einer solchen Vorstellung zu gewinnen ist, sondern nur aus gewissen
experimentellen Erfahrungen.[109] Es lt sich nur sagen, da man dann
einem Krper die Masse m zuschreibt, wenn er einem als Einheit
angenommenen Vergleichskrper unter bestimmten Umstnden die m-fache
Beschleunigung erteilt als er von ihm erfhrt,[110] und da dann
erfahrungsgem zwei Krper, die sich im Verhltnis zu einem dritten als
von gleicher Masse erweisen, dies auch in ihrem gegenseitigen und in
ihrem Verhalten zu anderen Krpern tun.[111] In einem solchen
Massenbegriff liegt keine Theorie, die Quantitt der Materie ist
unntig, er enthlt blo die scharfe Fixierung einer Tatsache;[112]
ber die Anerkennung dieser Tatsache ist aber nicht hinauszukommen ohne
in Unklarheiten zu verfallen,[113] heit es bei Mach. Auf diesen selben
Kreis von Erfahrungen reduziert sich aber auch die ganze Bedeutung des
Trgheitsgesetzes.[114] Es sagt nicht mehr, als da es Beschleunigungen
sind, die Krper unter gewissen von der Experimentalphysik anzugebenden
Umstnden aneinander bestimmen,[115] da, wenn diese Umstnde fehlen,
auch die Beschleunigungen ausbleiben[116] und da beides gilt, nicht nur
wenn man die Beschleunigungen irdischer Krper relativ gegen die Erde
beurteilt, sondern auch wenn man das Verhalten der Erde gegen die fernen
Himmelskrper beachtet.[117] Dabei ist nach dem Frheren selbstverstndlich
berall nur von Relativbeschleunigungen die Rede.[118]

Diese Darlegungen bilden, obwohl in dem hier vorgezeichneten Rahmen
ihrer Wiedergabe nur wenig Raum gegeben werden konnte, vielleicht den
bedeutendsten Teil von Machs Leistungen. So interessant sie aber auch
sind und so sehr sie mitten in heute noch lebhaft in den beteiligten
Fachkreisen umstrittene Fragen fhren, wir haben es nur mit ihrer
erkenntnistheoretischen Bedeutung zu tun und dieser gegenber ist die
Stellungnahme kurz und klar vorgezeichnet.

Was ist nachgewiesen? Nachgewiesen ist, da gewisse physikalische
Begriffe den mageblichen Teil ihres Inhalts nur durch die Erfahrung
erhalten, und dies ist eine Selbstverstndlichkeit. Selbstverstndlich
ist dann auch, da die Definition eines solchen Begriffs eine Summe
von Erfahrungen konzentriert in sich enthlt[119], und da alle
physikalischen Begriffe gekrzte Anweisungen, die oft selbst wieder
andere Anweisungen eingeschlossen enthalten, auf konomisch geordnete,
zum Gebrauch bereitliegende Erfahrungen[120] sind. Nachgewiesen ist
ferner, da faktisch vorliegende Versuche, bestimmten physikalischen
Begriffen eine Bedeutung zu sichern, die zwar auch aus den Erfahrungen
gefolgert sein soll (und in diesem Sinne als deren Reprsentant gelten
kann), die aber nicht blo die Erfahrungen ausdrckt, sondern eben auch
das aus diesen Erschlossene (welches wie der absolute Raum selbst
durchaus nicht in die unmittelbare sinnliche Erfahrung zu fallen
braucht) fehlschlugen.[121]

Was strebt dieser Nachweis aber an? Und da ist zu sagen: Zunchst kann
er blo mit der Forderung zusammenwirken, da man nach voreiligen
Versuchen sich mit den Begriffsbildungen einstweilen wieder mglichst
eng an die Erfahrung anschliee, sich mglichst wenig ber die durch sie
gegebene sichere Basis erhebe. Eine solche Besonnenheit kann niemals
schaden und unter Umstnden kann sie auch zur methodischen Forderung
werden. Wir werden im spteren sehen, da dies tatschlich sich mit
bemerkenswerten Tendenzen der modernen Physik berhrt. Diese strebt
unter der Nachwirkung von Erfahrungen, deren einige in diesem Abschnitt
schon erwhnt wurden, danach, ihren Betrieb tunlichst vor den
Unsicherheiten der an ihre Resultate angrenzenden Metaphysik zu
sichern, indem sie mglichst scharf das, was von ihren Begriffen rein
physikalisch in Betracht kommt, von allem brigen abscheidet und sich
nur auf ersteres konzentriert. Wir werden ber die Schranken dieser
Tendenz noch zu sprechen haben, hier sei festgestellt, da ihr bei Mach
auch nur der Schlu aus dem Bisherigen auf derzeit gebotene Vorsicht
entsprche. Es mte heien, Erklrungen durch Hypothesen schlugen fehl,
Anstze zu Begriffssystemen, die sich ber das unmittelbar Erfahrene
erheben wollten, brachen zusammen, es bleibt uns daher nichts brig, als
unsere Begriffe einstweilen mglichst naiv empirisch zu gestalten. Ihre
konomische Reprsentanz der Erfahrungen ist der einzige Dienst, den wir
jetzt schon mit Sicherheit von ihnen beanspruchen knnen.--Damit wre
auch fr uns die Angelegenheit Mach gegenber erledigt.[122]

Aber dies ist nicht die einzige Tendenz der gebrachten Ausfhrungen. Aus
dem Zusammenhange des Ganzen, aus den Folgerungen, die Mach, wie wir
sehen werden, aus ihr zieht, ergibt sich ein zweiter Sinn seiner Kritik
mit Gewiheit, dahin zielend, da es berhaupt nicht mglich sei,
etwas aus den Erfahrungen zu erschlieen (und einen entsprechenden
physikalischen Begriff sinnvoll zu bilden), das nicht selbst unmittelbar
sinnlich erfahrbar ist. Und nur dies kann, wie gesagt, die mgliche
Interpretation seiner Ausfhrungen sein, wenn man diese in Zusammenhang
mit dem breiten Zuge seines Denkens betrachten will, der von vielen
Seiten her in jenen Sensualismus mndet, fr den nur die sinnlichen
Erscheinungen das Reale sind und fr den alle wissenschaftlichen
Begriffe nur dazu da sind um zwischen ihnen zu orientieren, ohne irgend
etwas mehr besagen zu knnen.[123]

Dies aber wiederum ist nicht das Bewiesene, selbst wenn man den Umfang des
letzteren mit noch so groer Konzilianz festsetzt. Denn Schwierigkeiten und
tatschliche Fehlschlge sind noch keine Unmglichkeiten, auf Grund
reiferer Erfahrungen knnten dieselben Versuche wieder aufgenommen und zum
Ziele gefhrt werden. So bleibt man in der Akustik ja auch nicht bei den
Tnen stehen, sondern erschliet die sie erregenden Schwingungen und
berall wo ein solches Ueberschreiten der unmittelbaren Erfahrung
einwandfrei begrndet werden kann, wird es auch statthaft sein,
gleichgltig ob das Erschlossene wie die Schwingungen tnender Krper, in
anderer Hinsicht wieder anschaulich gemacht werden kann oder nicht.[124]
Der Ratschlag, blo weil bisher Versuche fehlschlugen, einfach auch alle
knftigen fr sinnlos zu erklren, ist wissenschaftlich nicht berechtigt.

Denn darber mu man sich klar sein, da das danach noch Zurckbleibende
etwas Unzureichendes ist. Man betrachte etwa die blo nach den Tatsachen
gegebene Definition der Masse; die Masse ist in ihr freilich etwas, das
nur in Relation zu anderen Krpern sich uert, aber diese anderen
Krper knnen wechseln und das Verhalten des untersuchten Krpers
bleibt doch so, da ihm stets dieselbe Masse zuzuschreiben ist. Ist
diese individuelle Masse dann dem untersuchten Krper oder den
Vergleichskrpern eigentmlich? Ich mchte diese Frage, die in den
Bereich des Substanzbegriffes gehrt, nicht so einfach beantworten; aber
aufwerfen wollte ich sie, denn, wie immer die Antwort ausfllt, das ist
klar, da die Reaktion, die man unter der Bedeutung von der Masse X
befat, enger mit dem Krper zusammenhngt, an dem sie stets gefunden
wird, als mit den Vergleichskrpern, die dabei nur in einem beliebigen,
nicht in einem individuellen Exemplar vorhanden zu sein brauchen; dann
liegt aber auch in den Erfahrungen, auf die sich Mach beruft, zumindest
schon der Ansto zur Bildung eines Eigenschaftsbegriffes. Und ein ganz
hnlicher Fall ist bei Raum und Zeit gegeben. Weil man verschiedene
Vergleichskrper benutzen kann, sagt Mach, und dadurch von dem einzelnen
unabhngig ist, scheinen Raum und Zeit etwas Besonderes zu sein; darin
liegt ein Fehler, denn unabhngig von Vergleichskrpern kann rumliches
und zeitliches Verhalten nicht beurteilt werden und man wei auch nicht,
wie es in solchem Falle ausfiele.[125] Aber auch dem gegenber gilt das
Gleiche wie vorhin: gerade der Umstand, da trotz verschiedener
Vergleichskrper (gemeint ist, da man beispielsweise die Zeit an einer
Uhr, nach dem Drehungswinkel der Erde, nach einem Temperaturabfall usw.
beurteilen knne) von dem gleichen rumlichen oder zeitlichen Verhalten
gesprochen werden kann, spricht auch dafr, da dieses Verhalten etwas
von den Vergleichskrpern Unabhngiges ist.[126] (Da aber bei vlliger
Abwesenheit anderer Krper das ursprngliche Verhalten nicht mehr
vorausgesetzt werden drfe, gehrt berhaupt nicht hierher sondern zur
Besprechung der induktiven Methodik ganz im allgemeinen.) Und so steht
es auch in anderen Fllen.

Dann sind aber berall Impulse zum Weiterschreiten tatschlich vorhanden
und was Mach verlangt, wre einfach ein Ignorieren derselben und als
letztes Resultat etwas hchst Unbefriedigendes. Es knnte ja sein, da
so etwas bei genauer Einsicht hingenommen werden mte, aber man wird
dies niemandem zumuten, wenn nicht zwingende Grnde vorhanden sind
oder--wenn als Ersatz eine andere, die Schwierigkeiten ausschaltende
erkenntnistheoretische Haltung zu Gebote steht. Gerade dies ist aber
Machs Fall; die Auffassung, da es sich um einen allgemeinen,
wechselseitigen Zusammenhang der Erscheinungen handle, der nirgends fest
sondern da und dort nur fester als anderswo ist, spielt hier bereits
herein, die Hoffnung, unter Bercksichtigung dieses Umstandes trotzdem
ein in sich gefestigtes Erkenntnisideal aufstellen zu knnen, die
Aussicht, da von diesem aus gesehen ein Bedrfnis, in den vorhin
angedeuteten Richtungen weiter zu schreiten, berhaupt fehlen werde, u.a.

Damit hat sich dann aber das Gesamtverhltnis umgekehrt: die gebte
Kritik macht solche Anschauungen nicht in dem Sinne notwendig, da sie
irgendwie aus ihr schon folgen wrden, sondern vielmehr in dem Sinn, da
die Kritik sie notwendig hat, wenn ihr Resultat ein definitives sein
soll. Und wir knnen auch am Schlusse dieses Abschnittes sagen: kommen
anderswoher noch Argumente fr die Mach eigentmlichen Positionen, so
knnen die hier besprochenen Ausfhrungen ihre Tragweite vergrern,
einen selbstndigen, entscheidenden Beweiswert haben sie aber nicht.


Funoten:

[56] E. u. J. 141. Vgl. M. 537.

[57] Das Wort Erscheinung soll hier und bis auf weiteres noch
keineswegs wie in seiner prgnanten Bedeutung fr Sinnesinhalt
gebraucht werden, sondern steht hier nur in dem Sinne, in dem man
zwischen physikalischen und chemischen oder elektrischen und
magnetischen Erscheinungen unterscheidet, meint also die der
wissenschaftlichen Bearbeitung zugrundegelegten Beobachtungsergebnisse.

[58] E. u. J. 235.

[59] F. Rosenberger, Die Geschichte der Physik in Grundzgen,
Braunschweig 1882, II. 236/237. Vgl. M. Kap. II. 3; E. u. J. 233.

[60] Rosenberger a. a. O. II. 201; E. u. J. 235.

[61] Fr letzteres spricht beispielsweise das schrfere Wort: hypotheses
pro nihilo sunt habendae (vgl. E. u. J. a. a. O.), fr ersteres seine
Gedanken im Briefwechsel mit Bentley (vgl. E. u. J. 234; M. 200), der
Umstand, da schon seine direkten Schler die actio in distans zu einer
Eigenschaft der Materie stempelten (vgl. Rosenberger a. a. O. II, 237),
die erschtternde Beschrnktheit, mit der er die Undulationstheorie
bekmpfte (vgl. P. V. 255), was doch auch schlieen lt, da ihm die
Emissionstheorie mehr als eine bloe Anschauungshilfe war u. dgl. mehr.

[62] Vgl. P. V. 185.

[63] Uebrigens war dem auch schon vor Huygens und Newton so. Die
Vorstellung magnetischer Fluida kam durch Gilbert (1540--1603) auf und
selbst Galilei bediente sich in gewissen Fllen Aristotelischer und
atomistischer Vorstellungen. (Vgl. Rosenberger a. a. O. II, 32 und E.
Goldbeck, Galileis Atomistik, Bibl. mathem. 3. Folge Bd. III, Heft 1).

[64] Man vgl. etwa: E. u. J. 104, wo sich Mach ber den Hexensabbat
von Atomen, Ionen, Elektronen, Wirbeln, Stoffen usw. lustig macht, A. d.
E. 242, wo es als ein Gewinn bezeichnet wird, da sich der Forscher
von den herkmmlichen intelektuellen Mitteln der Physik nicht mehr
imponieren lt, A. d. E. 261, wo aus der Erkenntnis der psychologischen
Genesis solcher Vorstellungen auf deren nur relativen Wert geschlossen
wird, W. L. 317, wo sie als sehr knstlich bezeichnet werden, u.a.m.

[65] Hauptschlich bezieht sich dies auf die Theorie, da die Wrme in
ihrem Wesen Bewegung sei, statt, wie man frher annahm, ein Stoff. Mach
weist nach, da die Grnde, auf die sich diese Entscheidung sttzt, nicht
hinreichend sind. Ihre scheinbare Berechtigung beruht nur auf dem
zuflligen Umstande, da bei Festsetzung des Mengenmaes der Wrme gerade
das gewhlt wurde, was spter als Arbeitswert wichtig wurde; dadurch
verschwindet nun freilich Wrmemenge bei gewissen (arbeitsleistenden)
Prozessen, man darf daraus aber nicht, wie es geschieht, schlieen, da die
Wrme kein Stoff sein knne, weil ihre Menge nicht konstant bleibt, da ja
die Existenz dieser Erscheinung von der Wahl des Mengenmaes abhngt und
diese eine lediglich historisch bedingte ist. Mach erlutert dies noch
durch Hinweis auf hnliche Verhltnisse in der Elektrizittslehre, wo man
ebenso gut zu zwei entgegengesetzten Resultaten ber die Natur des Agens
gelangen kann, und schlielich zeigt er, wie man auch auf Grund der heute
gegebenen Situation selbst in der Wrmelehre noch zu einer stofflichen
Auffassung zurckkehren knnte. Aber freilich scheint ihm dies nicht
zwingender als es schon J. Black einstens in folgenden Worten ausdrckte:
Eine geschickte Anwendung gewisser Bedingungen wird fast jede Hypothese
mit den Erscheinungen bereinstimmend machen: Dies ist der Einbildungskraft
angenehm, aber vergrert unsere Kenntnisse nicht.--Vgl. E. d. A.; P. V.
196--201; W. L. 321--324, 179 f.

[66] In der Fortsetzung des S. 39 Anm. 2 wiedergegebenen Gedankenganges
heit es: Es ist vollstndig gleichgltig und hat nicht den geringsten
wissenschaftlichen Wert, ob wir uns die Wrme als einen Stoff denken
oder nicht. Allein nehmen wir einen Augenblick an, alle physikalischen
Vorgnge lieen sich auf Molekularbewegungen zurckfhren. Was tun wir
damit? Wir nehmen damit an, da Dinge, die nie gesehen, nie getastet
werden knnen, die berhaupt nur in unserer Phantasie und unserem
Verstande existieren, da diese nur mit den Eigenschaften und
Beziehungen des Tastbaren behaftet sein knnen. Wir legen dem Gedachten
die Beschrnkungen des Gesehenen und Getasteten auf. Warum stellen wir
uns aber die Molekularvorgnge nicht musikalisch vor? Wirklich knnte es
sogar Vorteile bieten, die chemischen Vorgnge in einem mehr als
dreidimensionalen Raum zu denken. Die Resultate lassen sich also auch
ohne mechanische Theorie festhalten, letztere ist also nicht notwendig,
hufig sogar hindernd. Vgl. P. V. 189: Wissen wir denn im Grunde
genommen mehr davon, warum ein Krper einen Ort verlt und an einem
anderen auftaucht, als wieso ein kalter Krper warm wird? und das W. L.
215/216 bei der Besprechung der Leistungen Carnots Gesagte.

[67] P. V. 268; vgl. E. u. J. 231 f.

[68] P. V. 268; vgl. E. u. J. 231 f.

[69] P. V. 269.

[70] P. V. 267 ff. Neben diesem heuristischen Werte hat die Hypothese,
wie oben erwhnt, auch den Vorzug der Einheitlichkeit in der
Darstellung. Darin, da diese Vorstellung alle nach und nach durch
mhsame Beobachtung gefundenen Tatsachen anschaulich und wie von selbst
reproduziert, liegt ihr Vorteil und ihr wissenschaftlicher Wert, heit
es P. V. 141. Vgl. zu beiden Funktionen auch: P. V. 138; E. u. J. 223
ff, 229--247; W. L. 123, 318. Speziell mechanische Bilderhypothesen
bieten den Vorteil, da sie sehr gelufige und theoretisch bereits gut
durchgearbeitete Vorstellungen heranziehen. P. V. 187, 203; M. 552; W.
L. 316 f.

[71] E. u. J. 241 f.

[72] P. V. 269; P. V. 257.

[73] P. V. 269; P. V. 257.

[74] So kann Huygens, in der Analogie mit dem Schall befangen, die
Polarisation nicht verstehen (P. V. 269)--die Nachfolger Blacks werden
durch die Wrmestoffvorstellung an einer fruchtbaren Wrdigung der
Tatsache gehindert, da Wrme durch Reibung erzeugt wird (P. V. 167,
271)--Dalton belastet seine Arbeiten mit fragwrdigen hypothetischen
Vorstellungen (W. L. 21, 36/37) u.a.m.

[75] E. u. J. 223 f.

[76] P. V. 275, 267; E. u. J. 244/245.

[77] P. V. 272, 196/197; W. L. 185/186, 193.

[78] P. V. 192.

[79] E. u. J. 267.

[80] E. u. J. 244.

[81] E. u. J. 244/245.

[82] P. V. 267; E. u. J. 244/245 Die Auffassungen, welche sich so
ergeben haben, sind keine Hypothesen mehr, sondern Forderungen der
Denkbarkeit der Tatsachen, Ergebnisse der analytischen Untersuchung. Wir
knnen an denselben als sicher feststellen, auch wenn wir gar keine
Analogie dafr finden...

[83] P. V. 275.

[84] P. V. 235/236.

[85] Die Uebereinstimmung braucht nicht in wahrnehmbaren Merkmalen zu
bestehen, sie kann auch begrifflich sein, in einer Uebereinstimmung
begrifflicher Beziehungen bestehen. Mach definiert die Analogie als eine
Beziehung von Begriffssystemen, in welcher sowohl die Verschiedenheit je
zweier homologer Begriffe als auch die Uebereinstimmung in den logischen
Verhltnissen je zweier homologer Begriffspaare zum klaren Bewutsein
kommt. E. u. J. 217, 218; P. V. 277.

[86] E. u. J. 246.

[87] E. u. J. 227.

[88] Vgl. P. V. 277; E. u. J. 226/227.

[89] So P. V. 267, 275; E. u. J. 244/245.

[90] So P. V. 277; E. u. J. 226/227.

[91] E. u. J. 312; A. d. E. 263.

[92] Die diesbezglichen Ausfhrungen finden sich in den
naturwissenschaftlichen Schriften, aus deren Zusammenhang sie nicht ohne
Entstellung einzeln herausgelst werden knnen. Als Ergnzung der in der
Folge gebrachten Verweise vergleiche man daher: Beim Begriff der Energie
E. d. A.; W. L. besonders 315--347, doch finden sich wichtige Hinweise
auch im brigen Text; M., besonders Kap. III; P. V. besonders XII. Fr
die Begriffe Masse, Trgheit, Raum, Zeit, Bewegung M., besonders Kapitel
II, fr den Begriff der Temperatur und der Wrmemenge W. L., besonders
39--58, 153--195 und 211 bis 347. Fr die Grundbegriffe der Elektrostatik
P. V. XI und XII.

[93] W. L. 315/316; E. d. A.; P. V. 208--214.

[94] W. L. 321.

[95] P. V. 205, 213; W. L. 340. Vgl. S. 39, Anm. 2.

[96] W. L. 343.

[97] Vgl. den schon mehrfach erwhnten Nachweis W. L. 321 bis 324,
ferner W. L. 335; P. V. 196 ff.

[98] W. L. 39 ff.

[99] W. L. 46, 48, 63.

[100] M. 238. So bedeutet der Begriff: Beschleunigung von 9.81 Met./Sek.^2
eines freifallenden Krpers, da seine Geschwindigkeit gegen den
Erdmittelpunkt auf 9.81 Met. grer ist, wenn die Erde 1/86.400 ihrer
Umdrehung mehr vollfhrt hat, was selbst wieder nur durch ihre Beziehung
zu anderen Himmelskrpern erkannt werden kann.

[101] M. 242/243.

[102] M. 252 f. nmlich zwischen Bewegungen relativ gegen die Fixsterne
und Bewegungen relativ gegen andere Krper bei Ruhe gegen die Fixsterne.

[103] M. 243/244.

[104] M. 243.

[105] M. 237.

[106] M. 238.

[107] M. 238.

[108] M. 243/244.

[109] M. 230--270.

[110] M. 231.

[111] M. 233.

[112] M. 232.

[113] M. 236.

[114] M. 143, 247, ff. Hierzu ist zu bemerken, da Versuche bestehen, in
dem Satz der Trgheit ein a priori deduzierbares Naturgesetz zu sehen.
Dem gegenber verweist Mach M. 143 darauf, da man mit demselben Schein
von Berechtigung auch das Gegenteil des Trgheitsgesetzes folgern knne,
so lange man sich etwa nur auf das allgemeine cessante causa cessat
effectus sttzt; es kommt eben nur darauf an, was man als effectus
ansieht, Geschwindigkeit oder Beschleunigung. Wir erwhnen dies
gleichzeitig wegen der spter zu besprechenden Behauptung der Nutzlosigkeit
kausaler Betrachtungen in der Physik.

[115] M. 268.

[116] M. 140.

[117] M. 247 d.i. das Verhalten im scheinbar absoluten Raum.

[118] M. 250 f.

[119] E. u. J. 112.

[120] P. V. 232/233. Weitere Ausfhrungen werden wir erst nach
Besprechung von Machs Haltung zu einer Anzahl weiterer wichtiger
naturwissenschaftlicher Begriffe bringen.

[121] Wobei wir billigerweise diesen Nachweis als gelungen behandeln,
weil wir auf seine Kritik nicht eingehen knnen; es sei jedoch erwhnt,
da die fachliche Diskussion seines Gegenstandes durchaus noch nicht fr
abgeschlossen gelten kann.

[122] Tatschlich heit es bei Mach in diesem Sinne: Wollen wir der
Methode treu bleiben, welche die bedeutendsten Naturforscher zu ihren
groen Erfolgen gefhrt hat, so beschrnken wir unsere Physik auf den
Ausdruck des Tatschlichen, ohne hinter diesem, wo nichts Fabares und
Prfbares liegt, Hypothesen aufzubauen. Wir haben dann einfach den
wirklichen Zusammenhang der Massenbewegungen, Temperaturnderungen,
Aenderungen der Werte der Potentialfunktion, chemischen Aenderungen zu
ermitteln, ohne uns unter diesen Elementen anderes zu denken als
mittelbar oder unmittelbar durch Beobachtung gegebene physikalische
Merkmale oder Charakteristiken. M. 541.

[123] Vgl. damit auch S. 40 Anm. 1, wo die Bemhungen der mechanischen
Physik dadurch diskreditiert werden, da die von ihr zugrundegelegten
Vorgnge nicht wahrgenommen werden knnen.

[124] Es fhrt dies freilich auf die Frage, wann etwas als aus der
Erfahrung einwandfrei erschlossen gelten darf, die hier noch nicht
behandelt werden kann. Hier sei bemerkt, da Mach in diesem Punkte nicht
konsequent ist. So finden sich Stellen, wo sogar der von uns zum
Beispiel gewhlte Schlu auf das Schwingen tnender Krper nur als
praktisch gerechtfertigt nicht als sachlich einwandfrei begrndet
hingestellt wird (Vgl. M. 531/532). Wir werden aber bei weiterer
Betrachtung der aus Machs Schriften folgenden Induktionslehre sehen, da
diese Haltung in Widerspruch zu ihr steht; auch wird sich aus ihr ganz
allgemein die Notwendigkeit und Berechtigung ergeben, die unmittelbare
Erfahrung zu berschreiten.

[125] M. 237, 238, 244.

[126] Man vergl. A. d. E. 274: Wenn wir den Temperaturberschu
durch den Fallraum bestimmt denken, so ist die Abhngigkeit keine
unmittelbare. Die Abhngigkeit ist aber ebenfalls keine unmittelbare,
wenn wir den Temperaturberschu durch den Drehungswinkel der Erde
bestimmt setzen. Denn niemand wird glauben, da noch dieselben
Temperaturwerte auf dieselben Winkelwerte entfallen wrden, wenn die
Erde etwa durch einen Sto ihre Rotationsgeschwindigkeit ndern wrde.
Gerade aus solchen Betrachtungen scheint mir aber doch zu folgen, da
unsere Aufstellungen blo provisorische sind, welche auf teilweiser
Unkenntnis gewisser magebender, uns unzugnglicher unabhngiger
Variablen beruhen.-- Merkwrdigerweise folgere nicht nur ich dies,
sondern a. a. O. auch Mach; bei ihm ist aber diese Einsicht nicht mit
der Behauptung vereinbar, da dann trotzdem jeder Versuch, diese
provisorische, unvollstndige Erfahrung zu berschreiten, sinnlos sei.
Vgl. auch M. 261.




4. Die Polemik gegen den Begriff der Kausalitt; sein Ersatz durch den
Funktionsbegriff.


Die Angriffe des vorigen Abschnitts richteten sich gegen bestimmte
theoretische Gebilde, der, den wir jetzt darzustellen beginnen, ist
geeignet, diese Ziele des wissenschaftlichen Denkens insgesamt in der
Wurzel zu entwerten. In der Tat geschieht dies, sobald die Hoffnung auf
eine kausale Erklrung fallen gelassen werden mu, da diese es ist, der
Begriffssystem und Theorie dienen, wenigstens nach der Auffassung der
meisten. Wir berufen uns auf das Zeugnis von Helmholtz: der Grundsatz,
da jede Vernderung in der Natur eine zureichende Ursache haben msse,
ntigt uns nach ihm, die unbekannten Ursachen der Vorgnge aus ihren
sichtbaren Wirkungen zu erschlieen. Dabei knnen die nchsten
Ursachen, welche wir den Naturerscheinungen unterlegen, selbst
unvernderlich sein oder vernderlich; im letzteren Falle ntigt uns
derselbe Grundsatz, nach anderen Ursachen wiederum dieser Vernderung zu
suchen usw., bis wir zuletzt zu letzten Ursachen gekommen sind, welche
nach einem unvernderlichen Gesetz wirken, welche folglich zu jeder Zeit
unter denselben ueren Verhltnissen dieselbe Wirkung hervorbringen.
Das endliche Ziel der Naturwissenschaften ist also, die letzten
unvernderlichen Ursachen der Vorgnge in der Natur aufzufinden.[127]

Dieses Ziel erklrt Mach fr unerreichbar und unsachgem. Die ihn
bewegenden Grnde sind mannigfach und zu ihrer Aufklrung sollen sie im
folgenden nach den wichtigsten Gesichtspunkten zusammengefat werden.

1. Das Helmholtz'sche Ideal kausaler Analyse erstrebt das Aufsuchen letzter
Ursachen, welchen unter denselben Umstnden mit eindeutiger Gesetzlichkeit
die gleichen Wirkungen folgen; dies setzt voraus, da solche Ursachen
berhaupt vorhanden sind, oder, um es mit Fechners Worten zu sagen, da
tatschlich in gewissen Fllen berall und zu allen Zeiten, insoweit
dieselben Umstnde wiederkehren, auch derselbe Erfolg wiederkehrt, und
soweit nicht dieselben Umstnde wiederkehren, auch nicht derselbe Erfolg
wiederkehrt.[128]--Dagegen wendet nun Mach ein, da die vorausgesetzten
gleichen Erfolge unter gleichen Umstnden berhaupt nur in der Abstraktion
existieren, d.h. nur bei Vernachlssigung anderer Seiten der Tatsachen,
whrend in der Wirklichkeit genaue Wiederholungen gleicher Flle nicht zu
finden sind. Wenn wir von Ursache und Wirkung sprechen, heit es[129],
so heben wir willkrlich jene Momente heraus, auf deren Zusammenhang wir
bei Nachbildung einer Tatsache in der fr uns wichtigen Richtung zu achten
haben. In der Natur gibt es keine Ursache und keine Wirkung. Die Natur ist
nur einmal da. Wiederholungen gleicher Flle, in welchen A immer mit B
verknpft wre, also gleiche Erfolge unter gleichen Umstnden, also das
Wesentliche des Zusammenhanges von Ursache und Wirkung, existieren nur in
der Abstraktion, die wir zum Zweck der Nachbildung der Tatsachen
vornehmen.

Die eigentliche Bedeutung dieses Einwandes greift tief in die Machsche
Erkenntnistheorie ein, denn wenn dieser Einwand Recht hat, dann gibt es
in der Natur nicht nur kein Kausalgesetz, sondern berhaupt kein
Gesetz, da ja jedes Naturgesetz auf den Ausdruck bestndiger Verknpfung
zielt. Wie es damit steht, zumal die Rolle, die Mach dabei der Abstraktion
zuweist, knnen wir aber erst an spterer Stelle errtern.

2. Eine Teilbedeutung dieses Einwandes liegt jedoch schon in der
Behauptung, da die Rede von Ursache und Wirkung deswegen auf ungenauer
Beobachtung beruhe, weil eine genauere Analyse die sogenannte Ursache
stets nur als ein Komplement eines die sogenannte Wirkung bestimmenden
Komplexes von Tatsachen erweist. Je nachdem man diesen oder jenen
Bestandteil des Komplexes beachtet oder bersehen hat, ist das fragliche
Komplement sehr verschieden.[130] Als Beispiel diene die Erwrmung eines
Krpers durch Bestrahlung von der Sonne. Die Erwrmung folgt auf die
Bestrahlung; letztere ist daher Ursache, erstere Wirkung. Analysiert man
aber genauer, so sind auch Zwischenmedium und Umgebung als auf die
Erwrmung des Krpers Einflu habend in Rechnung zu stellen; die
Bestrahlung durch die Sonne ist also gar nicht die vollstndige Ursache
der Erwrmung des Krpers, sie ist nur ein Komplement derselben.

3. Statt der einfachen Verknpfung besteht also eine sehr komplizierte,
eine ganze Mannigfaltigkeit von Beziehungen. Die Beziehung zwischen Sonne
und Krper kann faktisch nicht isoliert werden; das Medium und die
umgebenden Krper bestimmen gleichfalls Aenderungen an dem betrachteten
und empfangen ihrerseits wieder solche von ihm; gleichzeitig stehen sie
aber berdies in hnlichen mit hereinspielenden Beziehungen zu einer
Unzahl anderer Krper.[131] Das gleiche gilt, wenn zwei Krper in
Wrmeaustausch durch Leitung stehen[132] oder im Falle gegeneinander
gravitierender Massen.[133] Auch hier ist, wenn man nur zwei gravitierende
Massen oder zwei wrmeaustauschende Krper fr sich betrachtet, die
Geschwindigkeitsnderung der einen die Ursache der Geschwindigkeitsnderung
der anderen und umgekehrt, die Temperaturnderung des einen Ursache der
Temperaturnderung des anderen und umgekehrt. Sowie man aber den stets
vorhandenen Einflu anderer Massen und Krper bercksichtigt, hrt zwar
die Umkehrbarkeit auf, aber auch die Einfachheit der Beziehung. Selbst in
den einfachsten Fllen erhlt man dann ein System simultaner
Differentialgleichungen.[134]

4. Die Beziehungen, auf die man durch solche exakte Behandlung gefhrt
wird, sind im Gegensatz zu den Charakteristiken der kausalen Relation
umkehrbar und drcken keine Succession aus. So in dem eben erwhnten
Beispiele, wenn man nur die unmittelbare Beziehung zweier Massen oder
Krper bercksichtigt; sie wird durch eine Gleichung ausgedrckt und
jedes Element ergibt sich als Funktion des anderen. Ursache und Wirkung
wren in solchem Falle vertauschbar, also gar nicht als Ursache und
Wirkung charakterisiert.[135] Wohl sagt man, tritt einer Masse A eine
Masse B gegenber, so folgt hierauf eine Bewegung von A gegen B hin,
dies ist aber ungenau, und genauer betrachtet zeigt sich, da Massen A B
C D aneinander gegenseitig Beschleunigungen bestimmen, welche also mit
der Setzung der Massen zugleich gegeben sind.[136] Ebenso wren in dem
Beispiel der Bestrahlung eines Krpers durch die Sonne die Aenderungen
simultan und einander gegenseitig bestimmend, wenn die beiden in
unmittelbarer Wechselwirkung stnden, die Temperaturnderung des Krpers
knnte dann auch umgekehrt als Ursache der Temperaturnderung der Sonne
angesehen werden.[137] Ebenso lt sich scheinbar die einem Gase
zugefhrte Wrme als die Ursache seiner Spannkraft ansehen, in exakter
Beleuchtung sind aber beide Variablen einer Zustandsgleichung und die
Aenderung der einen Variablen bedingt so gut die Aenderung der anderen
wie umgekehrt.[138] Mach fat dies in den Worten zusammen: Betrachtet
man die physikalischen Vorgnge genau und im Einzelnen, so scheint es,
da man alle unmittelbaren Abhngigkeiten als gegenseitige und simultane
ansehen kann. Fr die vulgren Begriffe Ursache und Wirkung gilt das
gerade Gegenteil, weil sie eben in ganz unanalysierten Fllen vielfach
vermittelter Abhngigkeit Anwendung finden.[139] Und er illustriert
dies im Anschlu daran noch an den Beispielen eines Schusses und der
Wahrnehmung eines leuchtenden Objektes. Zwischen Explosion und
Einschlagen des Projektils, zwischen Leuchten und Lichtempfindung liegen
in beiden Fllen Zwischenglieder, Ketten von vermittelter Abhngigkeit.
Der getroffene Krper restituiert nicht die Arbeit des Pulvers, die
empfindende Netzhaut nicht das Licht; beide sind nur Glieder der Kette
der Abhngigkeiten, die sich auf anderen Wegen fortsetzen, als sie
eingefhrt worden sind. Der Krper liefert etwa fliegende Sprengstcke,
der Wahrnehmende greift vielleicht nach dem leuchtenden Objekt. Der
ganze Vorgang braucht nicht deshalb momentan und umkehrbar zu sein, weil
er sich auf eine vielfache Kette simultaner und umkehrbarer
Abhngigkeiten grndet.

Sieht man von der vollen Tragweite des an erster Stelle erhobenen
Einwandes vorlufig ab, so fllt das Bleibende unter das Schlagwort:
Ersatz der kausalen Darstellung durch eine funktionale.

In den hher entwickelten Naturwissenschaften wird der Gebrauch der
Begriffe Ursache und Wirkung immer mehr eingeschrnkt, immer seltener.
Es hat dies seinen guten Grund darin, da diese Begriffe nur sehr
vorlufig und unvollstndig einen Sachverhalt bezeichnen, da ihnen die
Schrfe mangelt... Sobald es gelingt, die Elemente der Ereignisse durch
mebare Gren zu charakterisieren, was bei Rumlichem und Zeitlichem
sich unmittelbar, bei anderen sinnlichen Elementen[140] aber doch auf
Umwegen ergibt, lt sich die Abhngigkeit der Elemente von einander
durch den Funktionsbegriff viel vollstndiger und prziser darstellen,
als durch so wenig bestimmte Begriffe wie Ursache und Wirkung.[141] Dies
gilt nicht nur dann, wenn mehr als zwei Elemente in unmittelbarer
Abhngigkeit,[142] sondern noch viel mehr, wenn die betrachteten
Elemente nicht in unmittelbarer sondern in mittelbarer, durch mehrfache
Ketten von Elementen vermittelter Abhngigkeit stehen. Die Physik mit
ihren Gleichungen macht dieses Verhltnis deutlicher, als es Worte tun
knnen.[143] In diesen Worten Machs drckt sich das Ergebnis der
erhobenen Einwnde aus; kausale sind unvollstndig analysierte,
vollstndig analysierte sind funktionale Beziehungen.

Fragt man weiter, was eigentlich funktionale Beziehungen seien, so ist
die Antwort, wie wir gehrt haben: solche, welche die quantitative
gegenseitige Abhngigkeit der mebaren Bestimmungsstcke der
Erscheinungen voneinander ausdrcken, und zur Erluterung wird auf die
Gleichungen der Physik verwiesen. Betrachten wir nun eine solche, etwa
die zwischen Druck und Volumen bei einem vollkommenen Gase konstanter
Temperatur bestehende, so enthlt sie in der Tat nichts von Succession,
also auch nichts von Kausalitt. Statt zu sagen: Die Tatsache B folgt
auf die Tatsache A und aus der Tatsache A, ermglicht eine solche
Gleichung nur, die Tatsache B aus der Tatsache A zu berechnen, d.h. aus
der funktionalen Beziehung und der metrischen Charakteristik der einen
Tatsache folgt die Charakteristik der anderen und umgekehrt, denn im
allgemeinen ist dann ebenso B mgliche Prmisse fr die Berechnung von
A. In diesem Sinne sind dann funktionale Beziehungen, wie wir gehrt
haben, gegenseitig und simultan und drcken nichts als die Abhngigkeit
der begrifflichen Bestimmungselemente einer Tatsache einfach in dem
rein logischen Sinne aus, wie dies der Mathematiker, etwa Geometer
tut.[144]

Ohne hier noch auf sein Verhltnis zur Kausalitt einzugehen, ist nun die
weite Geltung ohne weiteres zuzugestehen, die dem von Mach dergestalt
hervorgehobenen Funktionsbegriff zukommt. In der Tat zeigt sie jede
physikalische Gleichung. Dem vorhin als Beispiel herangezogenen Boyle'schen
Gesetz knnte noch der Vorwurf gemacht werden, da es berhaupt keine
kausale Verknpfung ausdrcke, sondern auch nach der gewhnlichen
Auffassung eine simultane der Koexistenz, aber auch Gesetze wie die
Richmann'sche Mischungsregel, wie das Galilei'sche Fall- oder das
Kepler'sche Brechungsgesetz, ja selbst so spezifisch kausal interpretierte
Gleichungen, wie die von Newton zur Erklrung der Planetenbahnen fr die
Gravitation aufgestellte,[145] lassen sich in funktionalem Sinne auffassen.
Zumal aber scheint die in der Physik immer mehr in den Vordergrund tretende
Darstellung durch Differentialgleichungen in diese Richtung zu drngen.
Denn wie immer man im brigen ber den Sinn dieser Darstellungsweise denke,
eines ist nicht zu bersehen: ihre groe Abstraktheit und ihre--doch sei
dies durchaus nicht absprechend gesagt--metaphysische Unbekmmertheit.
Wenn in frheren Darstellungen etwa Kraftgesetze eine beherrschende
Stellung einnahmen, die sich durch individuelle Konstanten der beteiligten
Krper zu den jeweiligen Wirkungen spezialisierten und so die einzelnen
Erscheinungen erklren lieen, so schien dies eine sehr direkte Beziehung
auf die Wirklichkeit zu haben und metaphysische Folgerungen unmittelbar
nahe zu legen. Diese Distanz hat sich heute entschieden vergrert. Die
alten Kraftgesetze u. dgl. erscheinen heute meist nur als sehr spezielle
Flle allgemeinerer Gesetze und diese allgemeinen, vielfach durch
Systeme von Differentialgleichungen ausgedrckten Gesetze haben wieder
gewissermaen eine viel geringere metaphysische Berhrungsflche. Denn sie
hngen in unmittelbarer Sichtlichkeit eigentlich nur an einem Punkte mit
der Wirklichkeit zusammen, nmlich dadurch, da ihre Konsequenzen mit ihr
bereinstimmen; so bedeutende Physiker wie Kirchhoff und Hertz gestanden
ihnen keine andere Bedeutung zu, und jedenfalls ist die Versuchung, ihren
eigenen begrifflichen Inhalt auer in diese indirekte auch noch darber
hinaus in direkte Beziehung zur Wirklichkeit zu setzen, geringer als bei
lteren Theorien, denn sie bieten weit weniger Anhaltspunkte dazu,--man
denke beispielsweise an das Strmen jenes Vektors, der als das Produkt
einer Kraft mit einer stofflichen Konstante charakterisiert wird und eine
der fundamentalsten Vorstellungen der Elektrizittslehre bildet. Was
~zunchst~ brig bleibt, ist dann aber wirklich nichts als ihre Eignung zur
Darstellung der Erscheinungen, die sie in weitem Umfange miteinander
verknpfen, und zwar wieder nur so, da sie ohne etwas von Succession u.
dgl. zu enthalten, lediglich die Berechnung ermglichen, also gleichfalls
unter den errterten Begriff des funktionalen Zusammenhanges fallen. Die
Berufung auf sie fehlt denn auch nicht bei Mach.[146]

Fr ihn und fr das Verstndnis seiner Darlegungen ist diese Sachlage aber
von grter Bedeutung, ich mchte sogar behaupten, da ihr in dem Gefge
seiner Gedanken eine ganz zentrale Stellung zukommt. Denn in ihr findet
zunchst der errterte Gesichtspunkt der Oekonomie seinen strksten und
eigentlichen Halt: Hertz hatte, entgegen der frheren Gepflogenheit,
einzelne Stze (z.B. Kraftgesetze, Erhaltungsgesetze u. dgl.) teils
axiomatisch, teils als Ausdruck fundamentaler Erfahrungen voranzustellen
und das Uebrige aus ihnen abzuleiten,--die Aufmerksamkeit auf den darin
liegenden Selbstbetrug gelenkt, der dann entsteht, wenn man glaubt, den an
sich nur durch ein paar Fundamentalversuche gesttzten Grundgleichungen
komme eine andere Dignitt zu als die durch die Richtigkeit der aus ihnen
deduktiblen speziellen Erfahrungsstze gewhrleistete; er empfahl, die
grundlegenden Gleichungen (und heute sind es die erwhnten differentiellen
Ausdrcke), wenn man sie einmal besitze, nicht weiter abzuleiten, sondern
einfach hinzunehmen und blo in ihrer Fhigkeit zur Darstellung der
Tatsachen ihre Berechtigung zu sehen: hlt man dies mit ihrem vorhin
erwhnten abstrakten, nicht unmittelbar auf die Wirklichkeit bezogenen
begrifflichen Gehalte zusammen, so hat man hierin den gesuchten Kern des
Oekonomieprinzips. Denn konstatierten wir frher blo, da die konomische
Betrachtung neben anderen auch ins Spiel komme und da es auch eine Aufgabe
der Wissenschaft sei, Erfahrungen zu ersetzen oder zu ersparen durch
Nachbildung und Vorbildung der Tatsachen in Gedanken,[147] so ist durch
das zuletzt Gehrte ein nur an die Stelle des auch gerckt; funktionale
Beziehungen gestatten nur die logische Bestimmung der Abhngigkeit der
Merkmale der Tatsachen voneinander,[148] und die sie einschlieenden
allgemeinsten Gleichungen sind nichts als gekrzte Anweisungen auf
konomisch geordnete Erfahrungen;[149] die Nachbildung ist Ziel und Zweck
der Physik, die Atome, Krfte, Gesetze hingegen sind nur die Mittel, welche
uns jene Nachbildung erleichtern, ihr Wert reicht nur so weit als ihre
Hilfe.[150] Das heit: jede andere Rolle ist mit ihrer heutigen subtilen
Durchbildung unvertrglich.[151]

Denn auch die im vorigen Abschnitt dargestellte Begriffskritik (und
durch sie wiederum die Oekonomie) verschrft sich durch diese
Situation.--Naturwissenschaftliche Begriffe schpfen ihren Gehalt aus
der Erfahrung, aus den durch die Erfahrung gegebenen Gesetzlichkeiten.
Man spricht zwar von Masse, Kraft, von Wrmezustand u. dgl., darunter
ist aber nichts anderes zu verstehen, als die Gesamtheit des
erfahrungsgem zu erwartenden Verhaltens. Man gibt dem einen Namen oder
verknpft ein Bild damit, aber mehr als eine Reprsentation der
bekannten Vorgnge leistet das nicht. Man kann daraus nichts ableiten
oder folgern, was die Erfahrung nicht gelehrt htte.[152] So sagt Mach,
und ohne weiteres war ihm zuzugeben, da in einer Erfahrungswissenschaft
die Orientierung der Begriffe in erster Linie sich nach diesen
Grundlagen zu richten habe; nicht bewiesen fanden wir aber, da damit
alles zu Ende sein msse, da die Bedeutung der Begriffe nur in einem
schlichten Hinweis auf die reprsentierten Erfahrungen bestnde, ja im
Gegenteil, wir fanden diese Forderung unhaltbar, wenn sie nicht noch
anderweitig gesttzt werde. Nun aber erwchst ihr aus dem zuletzt
Gehrten tatschlich eine solche Sttze:

Von seiner Definition der Masse sagt Mach[153], sie soll die Abhngigkeit
der Erscheinungen voneinander ermitteln und alle metaphysischen
Unklarheiten beseitigen, ohne darum weniger zu leisten als irgend eine
andere bisher bliche Definition, und ganz dasselbe gilt von denen der
anderen Begriffe. Diese Abhngigkeit der Erscheinungen voneinander ist nun
aber die funktionale. Und ihr fehlt, nach Mach, berhaupt jene Tendenz,
ber die bloe Beschreibung der Erscheinungen hinauszugehen, die wir am
Ende des vorigen Abschnitts gegen ihn anfhren konnten. Denn drcken die
Gleichungen nichts als eine Verknpfung aus, die die Berechnung gewisser
Merkmale der Erscheinungen aus anderen gestattet, und liegen die
Definitionen der Begriffe in diesen Gleichungen, so ist scheinbar auch ihre
Bedeutung damit abgeschlossen, da sie eine solche Verknpfung der
Erscheinungen ausdrcken oder ihr dienen.

Besonders hervorzuheben ist dies fr die Begriffe der Kraft und des
Dings, denn auf den zu Kraftbegriffen verfeinerten Eigenschaften der
Dinge beruht ja deren kausales Wirken; fallen diese dahin, lsen sie
sich in die Reprsentation funktionaler Beziehungen auf, die zudem mehr
enthalten, schrfer Gefates enthalten als sie, die dieses nur
unvollstndig zusammenfassen und auf einer primitiveren Stufe des
Wissens gebildet wurden, so ist der Bildung von kausalen Relationen
gleichzeitig der Boden entzogen und der Zweck genommen.--Und Mach
zgert natrlich durchaus nicht, seine Anschauung auch auf diese
Begriffe zu bertragen.

Schon im ursprnglichen (mechanischen) Sinne ist die Kraft einfach als
beschleunigungsbestimmender Umstand zu definieren[154], mit den
unbekannten Ursachen der Naturvorgnge hat dieser Begriff nichts zu
schaffen, er bedeutet nichts in den Vorgngen Verborgenes, sondern einen
mebaren tatschlichen Bewegungsumstand, das Produkt aus Masse und
Beschleunigung.[155] Ein Krper bt auf einen anderen eine Kraft aus,
heit nichts anderes als da der zweite Krper sofort eine gewisse
Beschleunigung gegen den ersten zeigt, sobald er diesem gegenbertritt;
der Begriff der Kraft drckt also nichts als eine gewisse Bestndigkeit
der Verbindung aus.[156] (Und die brigen Kraftbegriffe sind nur
Uebertragungen des ursprnglichen.)

Eine solche Bestndigkeit der Verbindung macht aber auch den ganzen Kern
des Substanzbegriffes aus; das bedingungslos Bestndige nennen wir
Substanz.[157] Nun gibt es aber eine wirklich bedingungslose Bestndigkeit
nicht, sondern alle vorkommenden Flle von Bestndigkeit sind
Bestndigkeiten der Verbindung oder Beziehung.[158] Wenn es beispielsweise
heit, derselbe Krper, welcher mit Chlor Kochsalz erzeugt, bildet mit
Schwefelsure Glaubersalz, so bedeutet dies eine Bestndigkeit des
Zusammenhanges oder der Abhngigkeit gewisser Reaktionen voneinander; eine
Klasse von Objekten A gibt die Reaktionen a b c, weitere Beobachtung lehrt
etwa noch die Reaktionen d e f kennen; wenn es sich nun zeigt, da a b c
das Objekt A fr sich allein eindeutig charakterisieren und ebenso d e f
dasselbe Objekt eindeutig charakterisieren, so ist damit die Verbindung der
Reaktionen a b c mit den Reaktionen d e f an dem Objekt festgestellt.[159]
Diese Bestndigkeiten der Verbindung der Reaktionen aber, welche die
physikalischen Stze darlegen, sind die hchste Substanzialitt, welche die
Forschung bisher enthllen konnte;[160] wenn eine Gleichung erfllt ist,
so liegt hierin eine erweiterte, verallgemeinerte substanzielle Auffassung.
Es kommt im allgemeinen wenig darauf an, ob wir die Gleichungen der Physik
als den Ausdruck von Substanzen (Gesetzen oder Krften) ansehen, jedenfalls
drcken sie funktionale Abhngigkeiten aus.[161]

Dies ist also der naturwissenschaftlich verfeinerte Substanzbegriff;
in ihm findet der gewhnliche Dingbegriff erst seine gedankliche
Durchbildung, und das Resultat gilt daher rckwirkend auch fr diesen.
Drckt also schon der wissenschaftliche Substanzbegriff keine wirkliche
Bestndigkeit aus, keine eigentlich substantielle,--d.h. ist die von
ihm ausgedrckte nur die Bestndigkeit einer Gruppe von funktionellen
Abhngigkeiten, von Reaktionen, die da und dann auftreten, und keine
Bestndigkeit einer rumlich-zeitlich individuierten Einheit[162],
so gilt dies selbstverstndlich noch viel mehr von dem vulgren
Dingbegriff. Auch er drckt nur eine relative Bestndigkeit aus. Es gibt
in der Natur kein unvernderliches Ding; das Ding ist eine Abstraktion,
ein Symbol fr einen relativ stabilen Komplex, von dessen dennoch
bestehender Vernderlichkeit abstrahiert wird[163]; in Wahrheit
verschwindet bald dieses, bald jenes Glied, erscheint verndert und
kehrt eigentlich in voller Gleichheit niemals wieder, und nur weil der
Uebergang stetig erfolgt, weil die Summe der bestndigen Glieder in
jedem Augenblick die der vernderlichen berwiegt, kann man glauben, da
auch bei Ausscheidung aller noch etwas brig bliebe, und so zu dem
Gedanken einer von ihren Merkmalen verschiedenen Substanz, eines Dinges
an sich kommen.[164]

So gilt also, was wir im vorigen Abschnitt hrten, alle physikalischen
Begriffe sind gekrzte Anweisungen, die oft selbst wieder andere
Anweisungen eingeschlossen enthalten, auf konomisch geordnete, zum
Gebrauch bereit liegende Erfahrungen,[165] auch hier, und wenn es
einmal hier im Sinne von bloer Oekonomie gilt, so infolge der
gekennzeichneten Bedeutung dieser Angriffsstelle berhaupt.[166]

Verstrkt wird dies noch dadurch, da auch die Gleichungen, auf denen die
Begriffsbildung ruht, nur etwas relativ Abgeschlossenes darstellen, wie
sich zeigt, wenn man ihre Bedeutung auflst. Zunchst indem man dies fr
die in ihnen auftretenden substanziellen Konstanten tut. Die Gleichung
pv/T = konst., sagt Mach, gilt fr einen gasfrmigen Krper von
unvernderlicher Masse, fr welchen Druck, Volumen und Temperatur fr alle
Teile denselben Wert haben, und nur bei hinreichender Entfernung von
den Bedingungen der Verflssigung. Die Beschrnkung, welche im
Berechnungsgesetz sina/sinb = n liegt, wird weiter eingeengt durch die
Beziehung auf ein bestimmtes Paar von homogenen Stoffen, auf eine bestimmte
Temperatur, auf eine bestimmte Dichte oder einen gewissen Druck, auf das
Fehlen jeder magnetischen und elektrischen Potentialdifferenz innerhalb
dieser Stoffe. Wenn wir ein physikalisches Gesetz auf einen bestimmten
Stoff beziehen, so bedeutet dies, da das Gesetz fr einen Raum gelten
soll, in welchem noch die bekannten Reaktionen dieses Stoffes nachweisbar
sind. Diese ergnzenden Bestimmungen werden gewhnlich durch den bloen
Namen des Stoffes gedeckt und verdeckt. Die physikalischen Gesetze, welche
fr den leeren Raum gelten, beziehen sich eben auch nur auf bestimmte Werte
der elektrischen und magnetischen Konstanten usw.; durch Anwendung
eines Satzes auf einen Stoff fhren wir weitere Bestimmungen
(Bedingungsgleichungen) ein, gerade so, als wenn wir von einem
geometrischen Satz sagen, da derselbe fr ein Dreieck, fr ein
Parallelogramm oder fr einen Rhombus gilt.[167]

Sodann--in gleichfalls schon errtertem Sinne-- fr die Krfte. Es
liegt im Sinne der Galilei-Newtonschen Mechanik, heit es, die
frheren Ausfhrungen ergnzend, alle Verbindungen durch Krfte ersetzt
zu denken, welche die von den Verbindungen geforderten Bewegungen
bestimmen. Man kann sich also auch umgekehrt vorstellen[168], da alles,
was uns als Kraft erscheint, von einer Verbindung herrhrt. Bedenkt man
nun, da in beiden Fllen, ob Krfte oder Verbindungen vorausgesetzt
werden, die tatschliche Abhngigkeit der Massenbewegungen voneinander
fr jede augenblickliche Konformation des Systems durch lineare
Differentialgleichungen zwischen den Coordinaten der Massen gegeben ist,
so kann man das Bestehen letzterer Gleichungen als das Wesentliche
ansehen.[169]

Die heutige Physik strebt also danach, jede Erscheinung als Funktion
anderer Erscheinungen und gewisser Raum- und Zeitlagen darzustellen.[170]
Nun haben wir aber gehrt, da Raum und Zeit selbst wieder nur Begriffe fr
einen gewissen Zusammenhang von Erscheinungen sind; die Schwingungen eines
Pendels beispielsweise gehen dann in der Zeit vor sich, wenn dessen
Exkursion von der Lage der Erde abhngt[171], die Zeitmessung luft also
hier auf eine Winkel- oder Bogenmessung hinaus.[172] Denkt man sich nun den
Verlauf verschiedener Tatsachen durch Gleichungen dargestellt, welche die
Zeit enthalten, so kann aus ihnen die Zeit eliminiert (und etwa ein
Temperaturberschu bei solcher Elimination durch den Fallraum bestimmt)
werden; die Erscheinungen stellen sich dann einfach als abhngig
voneinander dar[173]; die besondere Betonung von Raum und Zeit ist also
berhaupt berflssig, da Raum und Zeitbeziehungen wieder nur auf
Abhngigkeiten der Erscheinungen hinauslaufen.[174]

Dadurch verweisen die Gleichungen der Physik aber auf einen ganz
allgemeinen Zusammenhang. Denn eine Funktion der Zeit sein, heit dann
nur, von bestimmten Raumlagen abhngen, und alle Raumlagen sind
Funktionen der Zeit, heit: fr das Weltall hngen alle Raumlagen
voneinander ab; da aber die Raumlagen nur an den Zustnden erkannt
werden knnen, knnen wir auch sagen, alle Zustnde hngen voneinander
ab.[175] In unseren Zeitvorstellungen drckt sich also der tiefgehendste
und allgemeinste Zusammenhang der Dinge aus[176], ebenso aber auch in
den rumlichen Vorstellungen, denn jede Bewegung eines Krpers K ist
eine Beziehung zu anderen Krpern A B C ...[177] und schon, wenn man
sagt, ein Krper behalte seine Richtung und Geschwindigkeit im Raume
bei, liegt darin eine Anweisung auf Beachtung der ganzen Welt.[178]

Fassen wir zusammen: Wir haben bereits zugegeben, da der Funktionsbegriff
das eigentliche Vehikel der modernen Physik ist; wir gestanden zu, da das
Fundament der Begriffe in der Erfahrung gesucht werden msse, da die
Gleichungen, die diese Erfahrungen beschreiben, in erster Linie funktional
sind, und wir knnen uns nicht dagegen verschlieen, da Kraft, Ding,
Kausalitt in der wissenschaftlichen Darstellung stark in den Hintergrund
treten oder, wenigstens ihrer ursprnglichen Form nach, aus ihr
verschwinden.

Allein was bedeutet dies?--Man kann solche Begriffe nicht gut
vermeiden, zumindest verhindert dies die Umstndlichkeit einer anderen
Ausdrucksweise; auch Mach bedient sich ihrer fr den Hand- und
Hausgebrauch.[179] Andererseits liegen diese Begriffe nicht nur in der
physikalischen, sondern auch in der philosophischen Interessensphre.
Von den ungleichen Erfolgen beider Wissenschaften ganz abgesehen, drngt
daher schon das methodische Interesse nach einer Scheidung der Anteile.
Es ist also ganz natrlich, da der Physiker strebt, das von ihm
Erreichte vor philosophischen Ueberraschungen zu sichern, seine Gesetze,
Krfte, stofflichen Konstanten usw. von ihrer weiteren philosophischen
Verarbeitung und Fundierung unabhngig zu machen. Das natrliche Mittel
dazu ist eine scharfe Abgrenzung. Etwa so, da man sagt: Mag dieses X
zuletzt sein, was es wolle, fr mich, den Physiker, ist es nur das, als
was es in meinen Gleichungen fungiert.--

Dieses Streben ist alt. Schon Newton gebraucht in seinem Sinne das Wort
Kraft nur fr die unbekannte Ursache bekannter Vorgnge; weiter geht er
nicht; er will mit dieser Begriffsbildung jedoch nicht der Diskussion
vorgreifen, sondern nur die bisher erhaltenen Resultate so fixieren, da
sie fr sich bestehen bleiben, gleichgltig, welche Fundamente ihnen
spterhin noch unterlegt werden. Ebenso schreibt Fechner: Kraft ist der
Physik berhaupt weiter nichts als ein Hilfsausdruck zur Darstellung der
Gesetze des Gleichgewichts und der Bewegung, welche beim Gegenber von
Materie und Materie gelten; nichts als das Gesetz kennt der Physiker von
der Kraft, durch nichts sonst wei er sie zu charakterisieren. Und aus
der letzten Zeit ist Kirchhoff zu nennen, der, ermdet von dem
unfruchtbaren Streit ber Kraft und Materie, ihre Natur, ihr
gegenseitiges Verhltnis u. dgl., diese Fragen von der Mechanik (ihrem
Mutterboden) dadurch ausschlo, da er als die Aufgabe dieser
Wissenschaft die einfachste unzweideutigste Beschreibung der Bewegungen
der Krper hinstellte und das Wort Kraft statt fr eine metaphysische
Bewegungsursache lediglich als Namen fr gewisse algebraische Ausdrcke
gebrauchte, die bei der Beschreibung der Bewegungen stndig vorkommen.
In dieselbe Richtung fllt dann die Hertzsche Darstellung der Mechanik,
z.T. die energetische Behandlungsweise der Physik, die Maxwellsche
Elektrizittstheorie u.a.

Allein so sehr dies fr Mach zu sprechen scheint und obwohl er sich nicht
nur auf die modernen Darstellungsweisen beruft, sondern sogar auf direkte
Aussprche von Kirchhoff und anderen Physikern[180], so ist dies alles
tatschlich doch noch sehr von seinen Bestrebungen zu unterscheiden. Denn
wenn man sagt: ich als Physiker kann mich mit diesem Gegenstande nur in
dieser Bedeutung befassen, so ist das blo eine Wandlung der Aufgabe, aber
noch keine der Sache, es schliet andere Interessen keineswegs aus, das
Betonen des spezifisch physikalischen Standpunkts enthlt durchaus noch
keine antimetaphysische Tendenz.

Damit kommen wir aber auf das eigentlich Entscheidende, auf das
Spezifische der Machschen Position, auf das, was nicht mehr der modernen
Physik schlechtweg, sondern speziell nur ihm eigentmlich ist. Er sagt,
die besprochenen Begriffe verschwinden nicht nur von der Oberflche,
sondern sie fallen berhaupt aus; sie sind auf Grund der Sachlage sowohl
unmglich als auch berflssig, denn das wissenschaftliche Weltbild ist
auch ohne sie vollstndig in sich geschlossen.

Das alles soll in den funktionalen Gleichungen liegen. Aber, fragen wir
uns, was ist ihnen denn eigentlich zu entnehmen? Sie zielen auf die
Berechnung gewisser Merkmale auseinander; Mach wendet dies so, da diese
Abhngigkeit nur als logische erscheint, da statt der Ursache nur die
Rolle des Erkenntnisgrundes bleibt. Aber dies ist eine unvollstndige
Betrachtungsweise. Denn selbstverstndlich entspricht auch der in einer
funktionalen Gleichung ausgedrckten Verknpfung eine reale Abhngigkeit
in der Natur, und wenn es gelingt, die Begriffe Kraft, Substanz, Kausalitt
u. dgl. auf Grund solcher funktionaler Gleichungen auszugestalten, so wird
fr diese Begriffe das gleiche gelten. Dabei tut es gar nichts zur Sache,
ob diese Begriffe in den speziellen historischen Formen, die Mach angreift,
unhaltbar sind oder nicht, denn wir haben es hier nicht mit den Resultaten
spezieller Bemhungen zu tun, sondern mit deren Existenzberechtigung
berhaupt, und man mu zudem bedenken, da diese Begriffe sehr
wandlungsfhig sind und ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist.

Aus diesem Grunde ist auch der Gedanke, dem wir bei Besprechung des
Substanzbegriffes begegneten, da diesem in der Natur keine wirkliche
Bestndigkeit entspreche, nicht entscheidend. Denn wenn wir den Inhalt
dieses Einwandes prfen, so kommt er darauf hinaus, da das vom
Substanzbegriff mit den modernen Mitteln Festgestellte nicht das
Verharren einer zeitlich-rumlich individuierten Einheit, sondern das
einer Gruppe funktioneller Abhngigkeiten sei, die als Reaktionen da
und dann auftreten; es besteht aber gar keine Ntigung (zumindest weist
Mach keine nach), den philosophischen Substanzbegriff gerade auf die von
ihm angegriffene Form festzulegen. Ist dadurch allein schon dem Angriff
die Spitze genommen, so schwindet seine Berechtigung noch weiter durch
die Ueberlegung, da ja schon in jener Bestndigkeit der Reaktionen, von
der Mach selbst spricht, ein Hinweis auf ein Beharrendes und in der
stndigen Zusammengehrigkeit und Wechselbeziehung einer Gruppe von
Gleichungen ein Hinweis auf ein die durch sie ausgedrckten Beziehungen
einigendes reales Moment liegt, um so mehr, wenn man, wie Mach, das
Wesen der Gleichungen in einer Nachbildung der Tatsachen erblickt.
Gleichgltig, wie dieses korrespondierende Reale bei genauerer
erkenntnistheoretischer Analyse der ganzen Beziehung zu denken sein
wird, darf man es also auch schon jetzt nicht vernachlssigen, ohne
einfach eine Frage unbercksichtigt zu lassen, deren Stellung durch die
Tatsachen gefordert ist.

Und das gleiche gilt fr den zweiten angegriffenen Fundamentalbegriff,
den der Kausalitt; auch auf ihn wird man schon durch die Tatsachen
selbst verwiesen. Beispielsweise ist durch die betreffende Gleichung
rein funktional ein gewisser Arbeitsbetrag an einen bestimmten
Wrmebetrag geknpft; daneben gilt aber auch, was sich allerdings nicht
in der Gleichung ausdrckt, wohl aber zu ihrer Diskussion gehrt, da
etwa Reibung Wrme erzeugt, Wrme aber nicht--bezw. nur auf einem ganz
anderen, indirekten Wege--Reibung. Die Voraussetzung, da sich alle
solchen einsinnigen, gerichteten Zusammenhnge in simultane, invertible
auflsen lassen, ist vorlufig Zukunftsmusik, aber auch wenn der genau
erforschte Zusammenhang so sein sollte, wie es Mach in dem Beispiel des
Schusses voraussetzt, so wrde dies noch nicht ausschlieen, da kausale
Relationen zwischen Gliedern solcher Prozesse bestehen, die eben nicht
unmittelbar benachbart sind. Das ist Sache der Durchbildung der
Kausalitt. Mach selbst erwhnt die Tatsache, da, wenn zwei
physikalische Gren zusammenhngen, wohl der Aenderung der einen eine
der anderen entsprechen knne, da dies aber nicht immer auch umgekehrt
der Fall sein msse.[181] Wertnderungen physikalischer Gren finden
unter Umstnden nur in einem bestimmten Sinne statt. Von den beiden
analytischen Mglichkeiten ist nur die eine wirklich. Ein metaphysisches
Problem brauchen wir hierin nicht zu sehen, sagt Mach.[182] Aber
zweifellos liegt in der Tatsache, da hier nur die eine analytische
Mglichkeit wirklich ist, in anderen Fllen aber beide einen
physikalischen Sinn haben, etwas, das ber die blo funktionale
Abhngigkeit hinausweist.[183] Eine tatschliche Grundlage der so
einfach ausgemerzten Begriffe ist also jedenfalls doch vorhanden. Und
diese tatschliche Grundlage ist es, die Mach nirgends gengend in
Rechnung stellt. Er behandelt die Gleichungen lediglich als rechnerische
Hilfen, als denkkonomische Mittel, die nur logische Abhngigkeit
behandelt er, wie wir im nchsten Abschnitt noch deutlicher sehen
werden, wie eine willkrliche. Dann freilich erscheinen auch die auf
solchen Gleichungen ruhenden Begriffe ohne sachliche Unterlage,
gleichsam nur als fliegende Sttzen, die man aufstellt und abbricht, wo
es einem gut erscheint. Aber das ist eine Ueberspannung der Sachlage.

Oder sollte der Hinweis auf den allgemeinen Zusammenhang sie retten? Alle
Zustnde hngen voneinander ab, haben wir gehrt. Ohnedies setzen die
Begriffe die Gleichungen, die Gleichungen aber die Begriffe voraus. Liegt
es da nicht nahe, da beides nur Provisorien sind, da wir mit beiden
nichts tun, als gewisse dennoch nicht vllig loslsbare Momente aus dem
allgemeinen Zusammenhang herauszugreifen?[184] In der Tat ist dies der
Sinn; eine Art pantarei. Er spielte schon in den vorigen Abschnitt
hinein, wir haben aber dort schon und in der Folge hervorgehoben, da
in dem allgemeinen Flusse der Erscheinungen gleichfalls sehr
bestimmte Anhaltspunkte zur Bildung gewisser--sehr wohl durch
die Erfahrungen kontrollierbarer[185], weil auf ihnen als Grundlage
aufgebauter--Begriffe liegen. Um im Herakliteischen Gleichnis zu
bleiben: der Flu der Erscheinungen zeigt gewisse Eigentmlichkeiten der
Strmung, die die Annahme fester, richtunggebender Gefge erschlieen
lassen, auch wenn diese nicht unmittelbar sichtbar sind. Dem entgegen
betont Mach Anhaltspunkte, die auf eine immer weitere Auflsung
hinweisen. Aber man kann es wenden, wie man will, bercksichtigt man die
Schwierigkeiten, auf die wir bei jedem Schritt dieses Weges Machs
verweisen konnten, und die stets brig gebliebenen Mglichkeiten des
Andersseins, so ergeben sich aus seinen Ausfhrungen wohl Einwnde,
Direktiven, Anhaltspunkte, aber keine stringenten Nachweise.

Andrerseits muten auch wir uns in dem gegebenen Rahmen mit Hinweisen
und Andeutungen begngen. Alles in Allem stehen sich daher hier zwei
Ansichten gegenber. Beide glauben sich nach den Erfahrungen zu richten,
aber die eine weist nach links, die andere nach rechts. Auf eine
Widerlegung Machs durch Ausbau der entgegenstehenden Ansicht mssen wir
verzichten, denn wir wollen hier weder mit eigenen Untersuchungen
einsetzen, noch auch uns blo auf fremde berufen, die Mach vielleicht
gar nicht anerkennt. Also bleibt uns nur brig nachzuprfen, ob die
Machsche Anschauungsweise zumindest in sich selbst gengend gefestigt
und in wenigstens widerspruchsfreier Weise ausgebaut sei.

Da dem nicht so ist, werden wir durch noch eingehendere Betrachtung im
nchsten Abschnitt feststellen knnen.


Funoten:

[127] Ueber die Erhaltung der Kraft 1847.

[128] Vgl. E. u. J. 272.

[129] M. 524, vgl. P. V. 228.

[130] E. u. J. 272.

[131] A. d. E. 75.

[132] E. u. J. 273.

[133] A. d. E. 74; E. u. J. 273.

[134] E. u. J. 273/274.

[135] E. u. J. 273/274.

[136] A. d. E. 74. Man denke an die frher wiedergegebene Definition der
Masse.

[137] A. d. E. 75.

[138] M. 524.

[139] E. u. J. 274/275. Vgl. A. d. E. 74.

[140] Von dem hier schon mitsprechenden Phnomenalismus ist vorlufig
noch abzusehen. Man substituiere: sobald es gelingt, die elementaren
Bestimmungsstcke der Ereignisse begrifflich durch mebare Gren zu
charakterisieren. In der Tat werden wir sehen, da bei Machs Behauptung
eines funktionalen Zusammenhanges zwischen Elementen nur diese Bedeutung
mglich, wenn auch nicht stets von ihm gemeint ist.

[141] Darin liegt fr mich der Vorzug des Funktionsbegriffs vor dem
Ursachenbegriff, da ersterer zur Schrfe drngt und da demselben die
Unvollstndigkeit, Unbestimmtheit und Einseitigkeit des letzteren nicht
anhaftet. Der Begriff Ursache ist in der Tat ein primitiver vorlufiger
Notbehelf, heit es A. d. E. 75. Vgl. P. V. 281; W. L. 435/436; E. u. J.
273, 277.

[142] Ein Beispiel hierzu E. u. J. 133.

[143] E. u. J. 273. Vgl. zu den Vorzgen des Funktionsbegriffs und zu
seiner Stellung als tatschliches Resultat der wissenschaftlichen
Entwicklung noch: A. d. E. 74--78, 80, 262--264; E. d. A. 35 f; M. 282 f.

[144] P. V. 281; W. L. 435/436; A. d. E. 74.

[145] A. d. E. 262--264.

[146] Vgl. E. u. J. 273/274; A. d. E. 262/264; M. 282 f.

[147] M. 521.

[148] E. u. J. 3.

[149] P. V. 232/233.

[150] A. d. E. 245.

[151] Natrlich soll hierdurch nur Machs Standpunkt verstndlich gemacht
werden, eine persnliche Stellungnahme liegt in diesen Ausfhrungen nicht.

[152] W. L. 436/437, vgl. W. L. 379.

[153] M. 232.

[154] M. 139 f.

[155] M. 270 f.

[156] A. d. E. 259. Vgl. M. 84; E. u. J. 104; W. L. 400.

[157] A. d. E. 256.

[158] A. d. E. 258.

[159] E. u. J. 133 f.

[160] E. u. J. 134.

[161] E. u. J. 277.

[162] Der Physiker, welcher einen Krper sich biegen, ausdehnen,
schmelzen und verdampfen sieht, zerlegt ihn in kleinere bleibende Teile,
der Chemiker spaltet ihn in Elemente. Allein auch ein solches Element, wie
das Natrium, ist nicht unvernderlich. Aus der weichen, silberglnzenden
Masse wird bei Erwrmung eine flssige, die bei grerer Hitze unter
Luftabschlu in einen vor der Natriumlampe violetten Dampf sich verwandelt
und bei weiterer Erwrmung selbst mit gelbem Lichte glht. Der Dampf kann
sich kondensieren, und das weie Metall ist wieder da. Ja, sogar nachdem
das Metall, auf Wasser gelegt, in Natriumhydroxid bergegangen, knnen bei
geeigneter Behandlung die gnzlich verschwundenen Eigenschaften wieder zum
Vorschein kommen, wie ein Krper, der bei der Bewegung eine Zeitlang
hinter einer Sule verborgen war, wieder sichtbar werden kann. Es ist nun
ohne Zweifel sehr zweckmig, den Namen und Gedanken fr eine Gruppe von
Eigenschaften, wo dieselben hervortreten knnen, stets bereit zu halten.
Mehr als ein konomisch abkrzendes Symbol fr alle jene Erscheinungen ist
aber dieser Name und Gedanke nicht. P. V. 231.

[163] M. 523.

[164] P. V. 229.

[165] P. V. 232.

[166] Um das Bild zu vervollstndigen, seien hier noch einige an
verschiedene Begriffe anknpfende Ausfhrungen wiedergegeben: da der
Begriff Beschleunigung eines freifallenden Krpers von 9:81 Met./Sek.^2
bedeutet, da die Geschwindigkeit des Krpers gegen den Erdmittelpunkt um
9:81 Met. grer ist, wenn die Erde 1/86400 ihrer Umdrehung mehr vollfhrt
hat (P. V. 232--233), haben wir bereits gehrt. Von dem gleichfalls schon
erwhnten Begriffe Natrium ist zu sagen, da er nur dann auf einen Krper
mit Bestimmtheit angewendet werden kann, wenn dieser wachsweich,
schneidbar, auf der Schnittflche silberglnzend, bald anlaufend, auf
Wasser schwimmend und das letztere rasch zersetzend, vom spezifischen
Gewichte 0:972, entzndet mit gelber Flamme brennend, vom Atomgewicht 23
usw. gefunden wird. Ebenso wird unter den Begriff Walfisch ein Tier
subsumiert, das uerlich die Fischform zeigt, eingehend anatomisch
untersucht aber doppelten Kreislauf, Lungenatmung und alle brigen
Klassencharaktere der Suger aufweist. Ebenso subsumiert der Physiker
unter dem Begriff elektromagnetische Stromstrke Eins den galvanischen
Strom, welcher bei der magnetischen Horizontalkompente H=O:2 durch einen
im magnetischen Meridian aufgestellten kreisfrmigen Draht vom Radius
31:41 cm geleitet, die im Mittelpunkt desselben aufgehngte Magnetnadel um
45 aus dem Meridian ablenkt. Dies setzt noch eine Reihe von Operationen
zur Bestimmung von H als ausgefhrt voraus. (W. L. 417/418). Und weil auch
Sauerstoff ein Begriff ist, der nicht durch eine anschauliche Vorstellung,
sondern nur durch eine Definition, die eine Summe von Erfahrungen
konzentriert, enthlt, erschpft wird und dasselbe von allen anderen
physikalischen Begriffen gilt (E. u. J. 112), so lt sich sagen, da der
Begriff nichts als eine Anweisung ist, eine Vorstellung von bestimmten
Eigenschaften herzustellen (W. L. 419). In seine Definition werden die
Reaktionen aufgenommen, welche zur Bestimmung des Begriffes hinreichen;
andere Reaktionen, von denen es schon bekannt ist, da sie an die in der
Definition enthaltenen unabnderlich gebunden sind, braucht man nicht
besonders anzufhren (E. u. J. 127). Charakteristisch fr den Begriff ist
dann das Ergebnis der durch die Definition vorgezeichneten prfenden oder
konstruktiven, manuellen oder intellektuellen Reaktionen; so ist es
elektrisch ein Krper, der auf bestimmte Reaktionen bestimmte sinnliche
Merkmale zeigt, Kupfer ein Krper, dessen blaugrne Lsung in verdnnter
Schwefelsure bei bestimmter Behandlung ein bestimmtes Verhalten zeigt,
usw. (W. L. 419--421.) Nur allmhlig und nacheinander knnen aber diese
Reaktionen und die oft komplizierten Ttigkeiten, durch welche sie
hervorgerufen werden, hervortreten. Ob ein mechanisches System einen
Gleichgewichts- oder Bewegungsfall vorstellt, kann nur durch eine
komplizierte Ttigkeit entschieden werden. Wer aber das Bewutsein hat,
da er die genannte Prfung jederzeit korrekt ausfhren kann, der wei,
da der Gleichgewichtsfall mit der Summe Null (der virtuellen Arbeit), der
dynamische Fall mit einer positiven Summe auf diese Prfung reagiert, der
besitzt den Begriff Arbeit und kann durch denselben den statischen vom
dynamischen Fall unterscheiden. So lt sich jeder physikalische oder
chemische Begriff darlegen. Das Objekt entspricht dem Begriff, wenn es auf
Ausfhrung einer Prfung die erwartete Reaktion gibt. Die Prfung kann je
nach den Umstnden im bloen Beschauen oder in einer verwickelten
physischen oder technischen Operation, die hierauf erfolgende Reaktion in
einer einfachen Sinnesempfindung oder in einem komplizierten Vorgang
bestehen. (E. u. J. 131/132.)

[167] E. u. J. 445.

[168] Wie dies in der Hertzschen Mechanik geschieht.

[169] M. 282 f.

[170] E. d. A. 35; M. 547.

[171] M. 237.

[172] A. d. E. 267 f.

[173] A. d. E. 273. Vgl. P. V. 233; E. u. J. 426 f; E. d. A. 57.

[174] M. 547 f.

[175] E. d. A. 57.

[176] M. 238.

[177] M. 244.

[178] M. 247. Vgl. M. 249.

[179] A. d. E. 258.

[180] z.B. E. u. J. 282.

[181] M. 548.

[182] A. d. E. 275.

[183] Vgl. auch P. V. 234.

[184] Vgl. E. u. J. 435; M. 524.

[185] A. d. E. Vorwort.




5. Ergnzung der Bedeutung des Begriffs funktionale Verknpfung durch
Leugnung der Naturnotwendigkeit. Die Elemententheorie. Endgltige
Widersprche.


Wir gelangten im vorigen Abschnitt zu der Ansicht, da Mach die
funktionale Verknpfung ausschlielich unter dem Gesichtspunkt von
Erkenntnisgrund und -Folge betrachtet und zudem bersieht, da auch eine
logische Verknpfung nur dann einen Erkenntnisgrund abgeben kann, wenn
sie durch eine sachliche Grundlage gerechtfertigt ist.

Wir werden diese Interpretation, die uns zum Verstndnis der Machschen
Haltung notwendig schien, nun weiter untersuchen und werden sehen, da
sie tatschlich zutrifft.

Man hre zunchst folgende Ausfhrungen, die die im vorigen Abschnitt
bereits wiedergegebenen ber Kausalitt ergnzen: Mach knpft dabei an
Humes Satz an, da der Grund aller kausalen Urteile nur in einer
gewohnheitsmigen Erwartung liege. Er fgt dem hinzu, da wir daher
auch je nach den Umstnden ber die Verknpfung zweier Tatsachen sehr
verschieden urteilen: manchmal denken wir kaum an ihre Mglichkeit,
manchmal stehen wir geradezu unter einem psychischen Zwang, erscheint
sie uns notwendig. Und er interpretiert dies so: es erscheint z.B. eine
bestimmte Wurfbahn mit Notwendigkeit an die Anfangsgeschwindigkeit und
-Richtung geknpft. In der Tat nun ist der Vorgang damit gegeben, wenn
er den bekannten phoronomischen Gesetzen entspricht; dann wird die
gerichtete Anfangsgeschwindigkeit zum Erkenntnisgrund, aus dem sich die
Bahnelemente als logisch notwendige Folge ergeben. Diese logische
Notwendigkeit fhlt man nun freilich, man mu aber auch daran denken,
da sie nur unter der angegebenen Bedingung besteht und da deren
Erflltsein einfach durch die Erfahrung gegeben ist, ohne im geringsten
auf einer Notwendigkeit zu beruhen.[186]

Man kann schon hieraus entnehmen, wie ausschlielich Mach blo die
Notwendigkeit der logischen Abfolge hervorhebt und eine andere gar nicht
gelten lt. Und ebenso heit es an anderen Stellen: Wenn ich finde, da
eine physikalische Tatsache sich so verhlt wie meine Rechnung oder meine
Konstruktion, so kann ich nicht zugleich das Gegenteil annehmen. Ich mu
also den physikalischen Erfolg mit derselben Sicherheit erwarten, mit
welcher ich das Ergebnis der Rechnung oder Konstruktion als richtig
ansehe. Diese logische Notwendigkeit ist aber selbstredend wohl zu
unterscheiden von der Notwendigkeit der Voraussetzung des Parallelismus
zwischen der physikalischen Tatsache und der Rechnung, welche letztere
stets auf einer gewhnlichen sinnlichen Erfahrung beruht. Auf der Uebung
die Vorstellung der Tatsachen mit jener ihres allseitigen Verhaltens fest
zu verbinden, beruht die starke Erwartung eines bekannten Erfolges, der dem
Naturforscher wie eine Notwendigkeit erscheint. So bildet sich das heraus,
was man gewhnlich als Gefhl fr die Kausalitt bezeichnet.[187] Ferner:
Der physikalische Tatsachenkomplex ist einfach oder lt sich wenigstens
in vielen Fllen durch das Experiment so einfach gestalten, da die
unmittelbaren Zusammenhnge sichtbar werden. Haben wir uns nun durch
gengende Beschftigung mit diesem Gebiete Begriffe von der Art dieser
Zusammenhnge erworben, die wir fr den Tatsachen allgemein entsprechend
halten, so mssen wir mit logischer Notwendigkeit erwarten, da auch jede
vorkommende Einzeltatsache diesen Begriffen entspricht. Hierin liegt aber
keine Naturnotwendigkeit. Das ist das kausale Verstndnis.[188] Endlich
wird aber direkt gesagt: Es gibt nur die logische Notwendigkeit: wenn der
Tatsache A gewisse Eigenschaften zukommen, so kann ich nicht zugleich davon
absehen. Da sie ihr aber zukommen, ist einfach eine Erfahrungstatsache.
Eine physikalische Notwendigkeit existiert nicht.[189]

Sucht man die Bedeutung dieser Aussprche zu fassen, so kann daher gar
kein Zweifel herrschen, da Mach--wie schon erwhnt--fr eine
Notwendigkeit nur die logische hlt und da er in dieser berdies
anscheinend nur eine psychologische sieht, denn, heit es, wenn man
finde, da A das Verhalten B zeige, da A B sei usw., so knne man
nicht zugleich davon absehen, msse man mit Notwendigkeit erwarten
u. dgl.[190] Weniger klar ist es, was Mach eigentlich zu dieser
Einschrnkung und zu dieser Verwechslung bewegt und welchen Sinn er
selbst damit verbindet.

Wir betrachten daher zunchst einen ergnzenden Gedankengang, dessen Kern
etwa folgender ist: Erklren heit Zurckfhren komplizierter Tatsachen
auf mglichst wenige und einfache. Diese einfachsten Tatsachen sind an sich
immer unverstndlich, d.h. nicht weiter zerlegbar, z.B. die, da
eine Masse einer anderen eine Acceleration erteilt. Es ist nun nur
eine konomische Frage und eine Frage des Geschmacks, bei welchen
Unverstndlichkeiten man stehen bleiben will. Man tuscht sich gewhnlich
darin, da man meint, Unverstndliches auf Verstndliches zurckzufhren.
Allein das Verstehen besteht eben im Zerlegen. Man fhrt ungewhnliche
Unverstndlichkeiten auf gewhnliche Unverstndlichkeiten zurck. Man
gelangt schlielich immer zu Stzen von der Form, wenn A ist, ist B, also
Stzen, die aus der Anschauung folgen mssen, die also nicht weiter
verstndlich sind.[191] Das heit also, eine Erklrung, ein Verstehen, ist
nichts als ein Zurckfhren auf Bekanntes, ein Zerlegen in Einfaches. Es
handelt sich immer nur darum, in allen Tatsachen dieselben Elemente zu
erkennen, oder, wenn man will, in einer Tatsache die Elemente einer
anderen, schon bekannten wiederzufinden,[192] sagt Mach, denn, wenn wir
ein Gebiet von Tatsachen zum erstenmal berschauen, erscheint es uns
mannigfaltig, ungleichfrmig, verworren und widerspruchsvoll. Es gelingt
zunchst nur, jede einzelne Tatsache ohne Zusammenhang mit den brigen
festzuhalten. Das Gebiet ist uns, wie wir sagen, unklar. Nach und nach
finden wir die einfachen, sich gleich bleibenden Elemente der Mosaike, aus
welchen sich das ganze Gebiet in Gedanken zusammensetzen lt. Sind wir nun
soweit gelangt, berall in der Mannigfaltigkeit dieselben Tatsachen wieder
zu erkennen, so fhlen wir uns in diesem Gebiete nicht mehr fremd, wir
berschauen es ohne Anstrengung, es ist fr uns erklrt.[193] Denn in der
Tat halten wir einen Vorgang fr erklrt, wenn es uns gelingt, in
demselben bekannte einfache Vorgnge zu erblicken;[194] wird einmal die
Erfahrung die Tatsachen klargelegt und die Wissenschaft sie konomisch
bersichtlich geordnet haben, dann ist nicht zu zweifeln, da wir sie auch
verstehen werden; denn ein anderes Verstehen als Beherrschung des
Tatschlichen in Gedanken hat es nie gegeben. Die Wissenschaft schafft
nicht eine Tatsache aus der anderen, sie ordnet aber die bekannten.[195]
Mach sttzt sich dabei auf naturwissenschaftliche Beispiele, deren einige
wir nun wiedergeben, um zu sehen, in welcher Hinsicht er dies tun kann:
Archimedes leitete seinen allgemeinen Hebelsatz (Gleichheit des Produktes
von Last und Hebelarm beiderseits des Aufhngepunktes als charakteristisch
fr den Gleichgewichtsfall) aus dem von ihm als selbstverstndlich
hingestellten Satze ab, da gleich schwere Gren in gleicher Entfernung
vom Untersttzungspunkte wirkend im Gleichgewicht sein mssen. Er hlt also
tatschlich den Fall fr erklrt, wenn es gelingt, in demselben bekannte
einfachere Vorgnge zu erblicken.[196] In Wirklichkeit ist aber auch der
einfache Satz nicht selbstverstndlich, denn um ihn anzunehmen, mu man
schon eine Menge von Voraussetzungen machen, wie da die Stellung des
Beschauers, Vorgnge in der Nachbarschaft u. dgl. keinen Einflu ben.[197]
Er ist also tatschlich nur der Ausdruck einer Erfahrung, und die Erklrung
mit seiner Hilfe erscheint als eine Reduktion auf eine bekannte, aber an
sich ebenso uneinsichtige Tatsache, wie es die abgeleitete ist. Ebenso
steht es aber auch selbst mit den umfassendsten Gesetzen, die die Deduktion
ganzer Erfahrungsgebiete gestatten, wie etwa dem Prinzip der virtuellen
Verschiebungen. Es lt sich nachweisen, da auch diese nicht mehr
enthalten als die Anerkennung irgend einer fundamentalen Tatsache, hier
z.B. der, da bestimmte Naturvorgnge von selbst nur in einem und nicht im
entgegengesetzten Sinn ablaufen[198], speziell da schwere Krper sich von
selbst nur abwrts bewegen.[199] Des Beispiels der Erklrung der
Planetenbewegungen durch das Gravitationsgesetz gedachten wir schon frher,
es gehrt aber auch hieher. Zu erklren sind die durch Kepler beschriebenen
Bahnen der Planeten. Newton denkt sich ihre Bewegung so, wie wenn sie an
einem Faden kreisen wrden; da die Rechnung dann die dazu ntige
Fadenspannung ergibt, kann er konstatieren, da sich die Planeten so
bewegen wie schwere Krper, die man an einem Faden von bestimmter Spannung
umschwingt, da also die irdische Schwere auch auf sie Anwendung
findet.[200] Ersetzt man nun die Fadenspannung durch die Voraussetzung der
bloen Spannung bezw. Anziehung zwischen den einzelnen Massenteilchen, wie
sie durch die bekannte Formel fr die Gre der Gravitation ausgedrckt
wird, so ndert sich dadurch nichts an dem Charakter des ganzen
Zusammenhanges als der Konstatierung einer Tatsache, genauer als der
generellen Beschreibung einer Tatsache in den Elementen.[201]

Mach bemerkt ferner zu solchen Beispielen: Der Beweis der Richtigkeit
einer neuen Regel kann dadurch erbracht werden, da diese Regel oft
angewandt, mit der Erfahrung verglichen und unter den verschiedensten
Umstnden erprobt wird. Dieser Proze vollzieht sich im Lauf der Zeit
von selbst. Der Entdecker wnscht aber rascher zum Ziel zu kommen.
Er vergleicht das Ergebnis seiner Regel mit allen ihm gelufigen
Erfahrungen, mit allen lteren bereits vielfach erprobten Regeln, und
sieht nach, ob er auf keinen Widerspruch stt. Archimedes beweist in
der angedeuteten Art sein Hebelgesetz, Stevin sein Gesetz des schiefen
Druckes, Daniel Bernoulli das Krfteparallelogramm, Lagrange das Prinzip
der virtuellen Verschiebungen. Nur Galilei ist sich bei letzterem Satz
vollkommen klar darber, da seine neue Beobachtung und Bemerkung jeder
anderen lteren ebenbrtig sei, da sie aus derselben Erfahrungsquelle
stamme. Er versucht gar keinen Beweis. Es ist ganz in der Ordnung, da
bei Gelegenheit einer neuen Entdeckung alle Mittel herangezogen werden,
welche zur Prfung einer neuen Regel dienen knnen. Wenn aber die Regel
nach Verlauf einer entsprechenden Zeit gengend oft direkt erprobt
worden ist, geziemt es der Wissenschaft zu erkennen, da ein anderer
Beweis ganz unntig geworden ist, da es keinen Sinn hat, eine Regel fr
mehr gesichert zu halten, indem man sie auf andere sttzt, welche (nur
etwas frher) auf ganz demselben Wege der Beobachtung gewonnen worden
sind, da eine besonnene und erprobte Beobachtung so gut ist als
eine andere.... In der Tat fhrt diese Sucht, zu beweisen, in der
Wissenschaft zu einer falschen und verkehrten Strenge. Einige Stze
werden fr sicherer gehalten und als die notwendige und unanfechtbare
Grundlage anderer angesehen, whrend ihnen nur der gleiche oder zuweilen
sogar nur ein geringerer Grad der Sicherheit zukommt. Eben die
Klarlegung des Grades der Sicherheit, welchen die strenge Wissenschaft
anstrebt, wird hierbei nicht erreicht.[202] Wie kann nun, fragt sich
Mach weiter, der Eindruck entstehen, da eine Erklrung mehr leistet
als eine Beschreibung? Wenn ich zeige, da ein Vorgang A sich so verhlt
wie ein anderer mir besser vertrauter B, so wird mir A hiermit noch
vertrauter, ebenso wenn ich zeige, da A aus der Folge oder dem
Nebeneinander der mir bereits bekannten B C D besteht.[203] Hiermit ist
aber nur ein Tatschliches durch ein anderes Tatschliches, eine
Beschreibung durch andere und vielleicht schon besser bekannte
Beschreibungen ersetzt. Die Sache kann mir dadurch gelufiger werden, es
kann sich dadurch eine Vereinfachung ergeben, im Wesen derselben tritt
aber keine Aenderung ein. Fragen wir, wann uns eine Tatsache klar ist,
so mssen wir sagen, dann, wenn wir dieselbe durch recht einfache, uns
gelufige Gedankenoperationen nachbilden knnen.[204]

Wir wollen nun gleich ohne Unterbrechung einen dritten Gedankengang
anreihen, der mit den bisherigen zusammengehrt; Mach betrachtet die
Naturgesetze als bloe Tabellen einzelner Tatsachen, Ableitungsregeln,
Herstellungsregeln, kompendise Anweisungen fr das Gedchtnis. Eine
Reihe markanter Aeuerungen mge dies deutlich machen:

Wenn uns alle Tatsachen unmittelbar zugnglich wren, so wie wir nach
Kenntnis derselben verlangen, so wre nie eine Wissenschaft entstanden.
Weil das Gedchtnis des Einzelnen ein beschrnktes ist, mu das Material
geordnet werden. Dies geschieht durch eine Ableitungsregel. Diese
ersetzt die riesige Tabelle. Sie (diese Ableitungsregel, diese Formel,
dieses Gesetz) hat nun nicht im mindesten mehr sachlichen Wert als die
einzelnen Tatsachen zusammen. Ihr Wert liegt blo in der Bequemlichkeit
des Gebrauchs, ist ein konomischer.[205] Und ganz hnlich sind die
folgenden Ausfhrungen: Wenn ein Anatom, die bereinstimmenden und
unterscheidenden Merkmale der Tiere aufsuchend, zu einer immer feineren
Klassifikation gelangt, so sind die einzelnen Tatsachen, welche die
letzten Glieder des Systems darstellen, doch so verschieden, da
dieselben einzeln gemerkt werden mssen. Die Physik hingegen zeigt uns
ganze groe Gebiete qualitativ gleichartiger Tatsachen, die sich nur
durch die Zahl der gleichen Teile, in welche deren Merkmale zerlegbar
sind, also nur quantitativ unterscheiden. Hier ist die Klassifikation
eine so einfache Aufgabe, da sie als solche meist gar nicht zum
Bewutsein kommt und selbst bei unendlich feinen Abstufungen, bei einem
Kontinuum von Tatsachen, liegt das Zahlensystem im voraus bereit,
beliebig zu folgen. Die koordinierten Tatsachen sind hier sehr hnlich
und verwandt, ebenso deren Beschreibungen, welche in einer Bestimmung
der Mazahlen gewisser Merkmale mittels gelufiger Rechnungsoperationen,
d.i. Ableitungsprozessen bestehen. Hier kann also das Gemeinsame aller
Beschreibungen gefunden, damit eine zusammenfassende Beschreibung oder
eine Herstellungsregel fr alle Einzelbeschreibungen angegeben werden,
die wir eben das Gesetz nennen.[206] Isolierten Tatsachen gegenber
bleibt nichts brig, als dieselben einfach im Gedchtnis zu behalten.
Kennt man jedoch ganze Gruppen von untereinander verwandten Tatsachen
von der Art, da die beiden zusammengehrigen Merkmale A und B derselben
je eine Reihe bilden, deren Glieder sich nur durch die Zahl der gleichen
Teile unterscheiden, in welche sich dieselben zerlegen lassen, so kann
man eine bequemere Uebersicht und gedankliche Darstellung gewinnen.
Sowohl die Einfallswinkel (A) als auch die Brechungswinkel (B) einer
Reihe von einfallenden Strahlen, sowohl die Temperaturberschsse (A)
als die Temperaturverluste per Minute (B) abkhlender Krper lassen sich
in gleiche Teile zerlegen, und jedem Glied der Reihe A ist ein Glied
der Reihe B zugeordnet. Eine systematisch geordnete Tabelle kann nun die
Uebersicht erleichtern, das Gedchtnis untersttzen oder vertreten.
Hier beginnt die quantitative Forschung, welche, wie man sieht,
ein Spezialfall der qualitativen Untersuchung ist, der nur auf
Tatsachenreihen von einer besonderen Art der Verwandtschaft anwendbar
ist. Eine neue Erleichterung tritt ein, wenn die ganze Tabelle durch
eine kompendise Herstellungsregel ersetzt werden kann, wenn man z.B.
sagen kann: Multipliziere den Temperaturberschu des abkhlenden
Krpers mit dem Koeffizienten , so erhltst du den Temperaturverlust
. per Minute.[207] Es ist schon bemerkt worden, da quantitative
wissenschaftliche Aufstellungen als einfachere und zugleich umfassendere
Spezialflle qualitativer Aufstellungen anzusehen sind. Zink gibt in
verdnnter Schwefelsure eine farblose, Eisen eine blablaugrne, Kupfer
eine blaue Lsung, Platin gar keine. Ist ein Glas in einem mit Manometer
und Thermometer versehenen Gef eingeschlossen, so finde ich fr
verschiedene Thermometeranzeigen verschiedene Manometerstnde. Auch
hier habe ich zunchst eine Reihe verschiedener Flle, die jedoch
untereinander groe Aehnlichkeit haben und sich nur durch die Zahl der
Lngeneinheiten der Manometersule unterscheiden. Trage ich in einer
Tabelle zu jedem Thermometerstand den Manometerstand ein, so folge ich
eigentlich nur dem Schema bei obiger chemischer Aufstellung. Allein ich
habe schon den Vorteil, da die Thermometer- und Manometerstnde je eine
Reihe bilden, deren Glieder ich durch Anwendung des Zahlensystems ohne
neue Erfindung in beliebig feiner Weise unterscheiden kann. Ein weiterer
Blick lehrt mich, da die einzelnen in der Tabelle dargestellten Flle
untereinander die groe Aehnlichkeit zeigen, da jeder Manometerstand
aus dem Thermometerstand durch eine einfache Zhloperation gewonnen
werden kann, da diese Operation fr alle Flle in der Art bereinstimmt,
da demnach die ganze Tabelle durch eine zusammenfassende Herstellungsregel
derselben: p = p_{0}(1+t)/273 ersetzt und berflssig gemacht werden
kann. U.s.w.[208] Bei hher entwickelten Wissenschaften gelingt es,
die Nachbildungsanweisungen fr sehr viele Tatsachen in einen einzigen
Ausdruck zu fassen. Statt z.B. die verschiedenen vorkommenden Flle der
Lichtbrechung uns einzeln zu merken, knnen wir alle vorkommenden sofort
nachbilden oder vorbilden, wenn wir wissen, da der einfallende, der
gebrochene Strahl und das Loth in einer Ebene liegen und sina/sinb = n
ist. Wir haben dann statt der unzhligen Brechungsflle bei verschiedenen
Stoffkombinationen und Einfallswinkeln nur diese Anweisung und die Werte
derselben zu merken, was viel leichter angeht. Die konomische Tendenz ist
hier unverkennbar. In der Natur gibt es auch kein Brechungsgesetz, sondern
nur verschiedene Flle der Brechung. Das Brechungsgesetz ist eine
zusammenfassende konzentrierte Nachbildungsanweisung fr uns, und zwar
nur bezglich der geometrischen Seite der Tatsache.[209] Von der
Herstellungsregel oder Anweisung wird aber berdies noch bemerkt: Das
praktische Bedrfnis erfordert eine gelufige und sichere Anwendung der
wissenschaftlichen Aufstellungen. Diese wird gefrdert, indem man neue
Beziehungen auf bereits bekannte zurckfhrt. Weist man aus praktischen
Grnden darauf hin, da eine Tatsache A sich so verhlt wie eine uns
gelufigere B, so kann letztere auch eine persnliche Ttigkeit, eine
Rechnungsoperation oder geometrische Konstruktion sein. Die Fallrume
verhalten sich wie die Zahlen, die wir durch Quadrieren der Zeitmazahlen
erhalten, die Temperaturen von Mischungen wie arithmetische Mittel usw.
Je gelufiger uns solche Operationen und je einfacher sie sind, desto mehr
sind wir befriedigt, desto geringer ist das Bedrfnis nach weiterer
Aufklrung, desto besser verstehen wir die Aufstellung. Die ganze Eigenart,
Sicherheit und Gelufigkeit arithmetischer Operationen bertrgt sich
auf die Kenntnis der durch dieselben dargestellten Tatsachen.[210]

Ueberblicken wir nun diese drei zueinander gehrigen Gruppen von
Gedanken; wir haben sie mit Absicht ausfhrlich wiedergegeben, denn
erstens sind sie von grter Bedeutung fr das ganze System, dessen
erkenntnistheoretische Grundlagen durch sie vollendet werden mssen.
Zweitens lag uns daran, einfach durch sie selbst zu zeigen, da es ihnen
dazu an Klarheit und Geschlossenheit gebricht.

Klar ist eigentlich nur das eine, was wir schon lngst gesehen haben, da
sich berall die psychologische Betrachtungsweise vordrngt. Es wird von
dem Fhlen einer Notwendigkeit gesprochen, von gewohnheitsmigen,
starken Erwartungen, von denen man nicht absehen knne, als Erklrung
wird ein Zerlegen in Bekanntes betrachtet, weil wir dann nicht mehr
berrascht, erstaunt seien, weil wir dann mit herabgeminderter
Anstrengung das betr. Gebiet berschauen knnen, klar wird eine Tatsache
genannt, die durch recht einfache und gelufige Gedankenoperationen
nachgebildet werden kann, ein Beweis wird nur als ein Aequivalent fr
wiederholte Akte direkter Erprobung betrachtet u. dgl. Und vom Naturgesetz
wird eigentlich nur das algebraische Symbol, die Ableitungsregel, die
Nachbildungsanweisung, die wir eben das Gesetz nennen, betrachtet.

Nun ist die psychologische Betrachtung all dieser Gegenstnde ja sicher
statthaft, und was Mach darber sagt, da man eben auch von dieser Seite
mit einer Untersuchung einsetzen knne[211], ist ohne weiteres zuzugeben.
Es fragt sich aber, ob dies auch hier der Sinn ist? Und keinesfalls ist er
dies, wenigstens nicht der, den der Zusammenhang erfordert. Denn wir wollen
und mssen ja erfahren, warum es ~nur~ logische (= psychologischer)
Notwendigkeit, ~nur~ Ordnen statt Erklren, ~nur~ Tabellen fr uns statt
Gesetzen fr die Sache geben kann; einzig und allein der Nachweis solcher
Ausschlielichkeit kann fr uns von Bedeutung sein, whrend es ganz
irrelevant bleibt, ob neben dem sachlich notwendigen Zusammenhange auch
noch eine subjektive Seite und Funktion der Naturwissenschaft ins Spiel
kommt. Ueberlegt man sich dies, so ist aus den gehrten Ausfhrungen zwar
auch nicht ohne weiteres ein bestimmter Sinn zu entnehmen, wohl aber kommen
nur folgende Bedeutungen in Betracht:

1. Knnen sie sagen wollen, da es in der Natur nichts unserem Begriffe von
Notwendigkeit (zu ergnzen: der nur der inneren Wahrnehmung eigen und daher
ein logischer, bezw. psychologischer ist) Adquates gibt. Das wrde heien,
wir sehen zwar in der Natur Verknpfungen, die so regelmig sind, als ob
sie notwendig wren, aber eine weitere Einsicht in diese Naturnotwendigkeit
fehlt uns, jedes Verstehenwollen ist sinnlos, zumal jedes durch
Uebertragung des aus dem Innenleben gewonnenen Begriffs der Notwendigkeit.
Steht man einmal auf dem Standpunkt, nur diesen als Notwendigkeit zu
bezeichnen, so lt sich wohl sagen, da es in der Natur etwas gibt, das in
gewisser Hinsicht wie Notwendigkeit aussieht, aber nicht, da es
Notwendigkeit ist.--Vertrglich mit dieser Interpretation wre die
Auflsung der kausalen Beziehungen in funktionale, wodurch die
Kausalrelation gewissermaen veruerlicht wird, weil wiederum die
funktionale Verknpfung nichts ist als unser mathematisches in Beziehung
Setzen, dem in der Natur zwar etwas, aber nichts Adquates entsprechen mu.
Ebenso wrde vom Gesetz die Auffassung hieher gehren, da es nicht mehr
besagt als die Tatsachen zusammengenommen, da es nur die Tatsachen
wiedergibt, in dem Sinne etwa gemeint, da es nichts jenseits, ber den
Tatsachen Stehendes ist, das diese lenkt, aus dem ihnen Notwendigkeit
zufliet,[212] oder da auch nur irgendwie unserem Verstndnis nher stnde
als diese. Worauf es dann auch zurckkme, da das Erklren von Tatsachen
durch Gesetze und das Ableiten von Gesetzen aus allgemeineren lediglich
Erfahrungen zu einander in Beziehung setzt, die an sich gleich
unverstndlich sind.

2. Kann sich die Behauptung, da es Notwendigkeit nur im Gebiet des
Logischen gebe, blo auf den Grad der Sicherheit beziehen und besagen,
da wir einer wirklichen Notwendigkeit in der Natur nicht ~gewi~ sind,
weil unsere Annahmen dort, als durch Induktion gewonnene, Irrtmern
unterworfen sind. So heit es: Die Uebereinstimmung der Begriffe
untereinander ist eine logisch notwendige Forderung, und diese logische
Notwendigkeit ist auch die einzige, die wir kennen. Der Glaube an eine
Naturnotwendigkeit entsteht nur, wo unsere Begriffe der Natur
hinreichend angepat sind, um Folgerung und Tatsache in Uebereinstimmung
zu halten. Die Annahme einer gengenden Anpassung unserer Begriffe kann
aber jeden Augenblick durch die Erfahrung widerlegt werden.[213]

3. Es knnte der Sinn auch dahin zielen, da die Naturvorgnge, genau
betrachtet, gesetzlos und regellos seien und nur bis zu einem gewissen
(fr praktische Bedrfnisse eben hinreichenden) Grade den Anschein des
Gegenteils haben.

Der nchste Schritt mu nun der sein, unter diesen mglichen
Interpretationen, jene auszulesen, die auch in Hinsicht auf den
systematischen Zusammenhang des Ganzen in Betracht kommen, whrend die
anderen als gleichgltig ausscheiden. Diese Charakteristik bietet auf
Grund des reichlichen Materials, das wir kennen gelernt haben, keine
groen Schwierigkeiten.

Zunchst lt sich von 1) und 2) ohne weiteres feststellen, da sie fr
sich allein keine Bedeutung fr das Ganze haben. Denn da man der
Naturnotwendigkeit gewissermaen nicht von innen beikommen kann,
sondern nur von auen, da man nicht die Notwendigkeit sondern nur die
Regelmigkeit wahrnimmt und auch diese nicht mit Evidenz sondern nur
mit einer steigerbaren Wahrscheinlichkeit, das ist natrlich eine
Eigentmlichkeit jeder empirischen Wissenschaft, die nicht wegzuleugnen
ist, aber auch nie geleugnet wird. Wrde Mach aber nur dieses
meinen, so mten wir als folgenschwere Irrtmer alle jene gehrten
Aeuerungen bezeichnen, die mit direkten Worten sagen, da es eine
Naturnotwendigkeit berhaupt nicht gebe; Mach wrde da aus dem
Umstande, da im zweiten Fall die Notwendigkeit anders erfat wird,
schlieen, da sie berhaupt keine Notwendigkeit sei. (Davon ganz
abgesehen, da er eine in diesen Gegensatz zur Naturnotwendigkeit
gesetzte logische nicht als psychologische interpretieren drfte, ohne
einen Zirkel zu begehen, weil eine psychologische Notwendigkeit eben
doch nur wieder als eine Naturnotwendigkeit gedacht werden kann.)
Wollen wir diese schrferen Aeuerungen daher nicht als miverstndlich
betrachten, so kommen eben auch nur die schrferen Interpretationen ins
Spiel. Wir haben also nur die Wahl: entweder sind die Ausfhrungen
Machs unklar, in ihrem Kern aber ganz zahm, ganz einig mit der
gewhnlichen Meinung oder es kommen nur die schrferen Interpretationen
in Betracht. Die Entscheidung kann aber in Hinsicht auf die ganze
bisherige Haltung nicht zweifelhaft sein, wenn man deren Abweichungen
von der Norm zusammenfat.

Denn was war das Ergebnis des dritten Abschnitts? Wir erwogen zwei
Mglichkeiten fr die Bedeutung der in ihm wiedergebenen Begriffskritik.
Eine vorsichtig abmahnende, die von der naturwissenschaftlichen
Begriffsbildung nur einen mglichst engen und naiven Anschlu an die
erfahrbaren Tatsachen fordert, und eine radikalere, die es berhaupt fr
unmglich erklrt, sich ber die sinnflligen Erfahrungen zu erheben,
etwas zu erschlieen, das nicht selbst unmittelbar sinnlich erfahrbar
wre. Mit Rcksicht auf den ganzen Zusammenhang, besonders wegen des
noch zu besprechenden Sensualismus, sagten wir damals, sei nur die
zweite Bedeutung als Machs Meinung in Anspruch zu nehmen. Wir hoben aber
gleichzeitig hervor, da ihr von dieser Seite her auch erst die
hinreichende Begrndung kommen msse, zumal blieb der Nachweis
einzufordern, da die Erfahrung zwar in wissenschaftlich vollkommen
befriedigender Form aber dennoch so gefat werden knne, da das von
Mach bekmpfte begriffliche Transcendieren des Wahrnehmbaren vermieden
wird.--Im vierten Abschnitt lernten wir dann die Bedeutung des
funktionalen Zusammenhangs kennen. Wir sahen, da die funktionale
Verknpfung in erster Linie als eine rechnerische, d.h. als eine der
Berechnung quantitativer Merkmale dienende gilt, da es also nahe liegt,
(wenn auch noch nicht berechtigt ist), sie nur als eine konomische zu
betrachten. Man mu letzteres aber tun, wenn sie Beziehung zu dem
Vorherigen haben und dieses sttzen soll. Denn nur dann lt sich mit
einigem Anschein von Recht behaupten, da weil die Begriffe auf
funktionalen Gleichungen ruhen und ihr Inhalt durch die Erfahrungen
erschpft wird, die sich in diesen Gleichungen ausdrcken, dieser Inhalt
nichts sei als ein konomisches, zusammenfassendes Symbol fr die
Berechenbarkeit bestimmter Erfahrungen auseinander; nachweislich drfte
in der exakten Wissenschaft nur diese rechnerische Seite der Verknpfung
vorhanden sein, damit in den wissenschaftlichen Begriffen nichts liege,
da noch nach einer anderen Seite suchen hiee, nur unter dieser
Voraussetzung knnte die Berufung auf die exakte Forschung teilweise
wenigstens dem Vorangegangenen ein Fundament liefern.

Aber natrlich ist dem nicht schon dadurch genug geschehen, da der alte
zweigliedrige Kausalbegriff einer Dosis Ursache folgt eine Dosis
Wirkung[214] fllt oder da das Rechnerische in den Vordergrund tritt,
sondern nur dadurch, da den in den Gleichungen ausgesprochenen
Beziehungen berhaupt keine Naturnotwendigkeit zugrunde liegt. Denn
solange die Gleichungen tatschliche gesetzliche Beziehungen ausdrcken
(allerdings wrde man normalerweise voraussetzen, da sie auch nur dann
die Berechenbarkeit gewhrleisten), weisen sie auf reale notwendige
Verknpfungen, und den Begriffen, die in dem von ihnen beschriebenen
Verhalten wurzeln, bleibt die Mglichkeit realer Bedeutung. Es wrde
hier also in der ganzen Argumentation ein Loch klaffen, wenn die
Naturnotwendigkeit nicht geleugnet wrde.

Und in der Tat stieen wir dann ja auf eine Polemik gegen die
Notwendigkeit, und mehr noch als bestimmte darauf bezgliche Stellen ntigt
uns also der ganze Zusammenhang, sie in diesem Sinne aufzufassen. Denn auch
das Interesse an der Zersetzung des Kraft- und Substanzbegriffes wird dann
verstndlich, weil der Gedanke an eine Naturnotwendigkeit nicht zu umgehen
ist, solange man an Substanzen mit fest zugeeigneten Krften glaubt, da
dies ohne die Annahme realer Notwendigkeit keinen Sinn htte. Und endlich
ordnet sich nun erst auch jener erste Einwand gegen die Kausalitt, die
Natur sei nur einmal da, Wiederholungen gleicher Flle kenne sie nicht, in
das Uebrige ein, den wir im vorigen Abschnitt unerrtert lieen, weil wir
erkannten, da sich sein Sinn nicht nur gegen die Kausalitt richtet,
sondern schlechtweg alles Naturgesetzliche und Naturnotwendige
untergrbt.[215] Wir sehen also tatschlich, da sich das Ganze auf die
dritte der von uns zur Erwgung gestellten Interpretationen zuspitzt. Diese
ist daher nicht nur notwendig um gewisse Aeusserungen nicht als
Uebertreibungen erscheinen zu lassen, wie wir dies vordem zeigten, sondern
auch um das ganze Gefge der Machschen Gedanken nicht in belanglose und,
wie man dann wohl sagen drfte, unvorsichtige Aeuerungen zerfallen zu
lassen. Umgekehrt werden wir nun aber auch mit Recht alles darauf ankommen
lassen drfen, ob sie die Probe besteht oder nicht.

Nun gibt es doch aber offenbar in der Natur wenigstens den Anschein von
Notwendigkeit und Gesetz, nmlich unverbrchliche Regelmigkeiten; sie
sind das, aus dem man das Vorhandensein einer Naturgesetzlichkeit
ableitet, auch dann wenn man ber diese auer der Wahrscheinlichkeit
ihres Daseins nichts aussagen zu knnen glaubt. Wie Mach sich dazu
verhlt, ist daher von grter Bedeutung.

Er sagt: Unsere Naturwissenschaft besteht in dem begrifflichen
quantitativen Ausdruck der Tatsachen.[216] Es ist aber jeder
naturwissenschaftliche Satz ein ~Abstraktum~, welches die Wiederholung
gleichartiger Flle zur Voraussetzung hat,[217] denn wenn wir die
Tatsachen in Gedanken nachbilden, so bilden wir niemals die Tatsachen
berhaupt nach, sondern nur nach jener Seite, welche fr uns wichtig ist;
unsere Nachbildungen sind immer Abstraktionen[218] weil eine Regel, welche
aus der Beobachtung von Tatsachen gewonnen wird, nicht die ganze Tatsache
in ihrer unerschpflichen Mannigfaltigkeit fassen, sondern nur eine Skizze
der Tatsache geben kann, einseitig dasjenige hervorhebend, was fr den
technischen oder wissenschaftlichen Zweck wichtig ist. So hat man z.B. am
Hebel zuerst die Gewichte und Arme, dann die statischen Momente usw.,
endlich die Gewichte und die Zugrichtungen in Bezug auf die Axe als
gleichgewichtsbestimmende Umstnde ins Auge gefat, und demnach die
Gleichgewichtsregeln gebildet.[219] Mit anderen Worten: Die
fortschreitende Verschrfung der Naturgesetze, die zunehmende Einschrnkung
der Erwartung entspricht einer genaueren Anpassung der Gedanken an die
Tatsachen. Eine vollkommene Anpassung an jede individuelle, knftig
auftretende, unberechenbare Tatsache ist natrlich unmglich. Die
vielfache, mglichst allgemeine Anwendbarkeit der Naturgesetze auf konkrete
tatschliche Flle wird nur mglich durch Abstraktion,[220] durch
Vereinfachung, Schematisierung, Idealisierung der Tatsachen, durch
gedankliche Zerlegung derselben in solche einfache Elemente, da aus diesen
die gegebenen Tatsachen mit zureichender Genauigkeit sich wieder gedanklich
aufbauen und zusammensetzen lassen. Solche elementare idealisierte
Tatsachenelemente, wie sie in Wirklichkeit nie in Vollkommenheit
angetroffen werden, sind die gleichfrmige und die gleichfrmig
beschleunigte Massenbewegung, die stationre (unvernderliche) thermische
und elektrische Strmung und die Strmung von gleichmig wachsender und
abnehmender Strke usw. Aus solchen Elementen lt sich aber jede beliebig
variable Bewegung und Strmung beliebig genau zusammengesetzt denken, und
der Anwendung der Naturgesetze zugnglich machen. Dies geschieht in den
Differentialgleichungen der Physik. Unsere Naturgesetze bestehen also aus
einer Reihe fr die Anwendung bereit liegender fr diesen Gebrauch
zweckmig gewhlter Lehrstze. Die Naturwissenschaft kann aufgefat werden
als eine Art Instrumentensammlung zur gedanklichen Ergnzung irgend welcher
teilweise vorliegender Tatsachen oder zur mglichsten Einschrnkung unserer
Erwartung in knftig sich darbietenden Fllen.[221]

Der wichtige, in diesen Ausfhrungen neu hinzukommende Gedanke, ist der,
da das idealisierende und daher fiktive Moment an den Naturgesetzen betont
wird. Unsere Naturgesetze werden durch Abstraktion gewonnen, sagt Mach,
durch Absehen von der vollen Mannigfaltigkeit der Tatsachen, nur durch
Idealisierung der Tatsachen gelingt es uns, Gesetzlichkeit zu finden. Alle
allgemeinen physikalischen Begriffe und Gesetze, der Begriff des Strahls,
die dioptrischen Gesetze, das Mariotte'sche Gesetz usw. werden durch
Idealisierung gewonnen. Sie nehmen dadurch jene einfache und zugleich
allgemeine, wenig bestimmte Gestalt an, welche es ermglicht, eine
beliebige auch komplizierte Tatsache durch synthetische Kombination dieser
Begriffe und Gesetze zu rekonstruieren, d.h. sie zu verstehen. Solche
Idealisierungen sind bei den Carnot'schen Betrachtungen der absolut
nichtleitende Krper, die volle Temperaturgleichheit der sich berhrenden
Krper, die nicht umkehrbaren Prozesse, bei Kirchhoff der absolut schwarze
Krper usw.[222]

Ist dem aber so, wird das Gesetz nur durch idealisierende Fiktion
gefunden, so hat es, folgert Mach weiter, zwar die Wiederholung gleicher
Ereignisse unter gleichen Umstnden zur Voraussetzung, weil es aber
ein bloes Abstraktum ist, existiert auch diese vorausgesetzte
Regelmigkeit nicht in der Natur sondern nur in der Abstraktion, im
idealisierten Schema.

Und damit sind wir nun tatschlich bei dem Miverstndnis angelangt, auf
das sich die ganze Leugnung der Naturnotwendigkeit grndet; Notwendigkeit,
schliet Mach, findet sich nur in der Abhngigkeit unserer Begriffe von
einander, in unseren Vorstellungen von Gesetz u. dgl., diese sind aber
durch Idealisierung gewonnen, also wird in die Natur die Notwendigkeit
auch nur fiktiv hineingetragen. Fr den wissenschaftlichen Gebrauch, sagt
Mach, mu die gedankliche Nachbildung der sinnlichen Erlebnisse noch
begrifflich geformt werden. ~Nur so~ knnen sie bentzt werden, um zu einer
durch eine begriffliche Mareaktion charakterisierten Eigenschaft durch
eine begriffliche Rechenkonstruktion die davon abhngige Eigenschaft der
Tatsache zu finden, die teilweise gegebene zu ergnzen. Dieses Formen
geschieht durch Idealisierung,[223] denn nur unser schematisches
Nachbilden erzeugt gleiche Flle, nur in diesem existiert also die
Abhngigkeit gewisser Merkmale voneinander.[224] Dieser eindeutig
bestimmten Abhngigkeit, heit es weiter, entspricht nur eine Theorie,
welche die immer komplizierten und durch mannigfache Nebenumstnde
beeinfluten Tatsachen der Beobachtung ~einfacher~ und ~genauer~ darstellt,
als dies durch die Beobachtung eigentlich verbrgt werden kann.[225] Nur
dadurch wird die mathematische Physik zu einer deduktiven exakten
Wissenschaft, da sie die Erfahrungsobjekte durch schematisierende,
idealisierende Begriffe darstellt.[226] Denn das genaue Verhltnis ergibt
sich nur durch Idealisierung und erscheint nur als eine Hypothese, durch
deren Aufgeben die einzelnen Tatsachen der Erfahrung sofort in logischen
Widerspruch geraten wrden. Nun erst knnen wir die Tatsachen mit exakten
Begriffen operierend selbstttig rekonstruieren, wissenschaftlich,
logisch beherrschen. Der Hebel und die schiefe Ebene sind gerade so
selbstgeschaffene Idealobjekte der Mechanik, wie die Dreiecke Idealobjekte
der Geometrie sind. Diese Objekte allein knnen den logischen Forderungen
vollkommen gengen, welche wir ihnen aufgelegt haben. Der physische Hebel
gengt ihnen nur so weit als er sich dem idealen nhert.[227] Mit anderen
Worten: die logischen Deduktionen aus unseren Begriffen bleiben aufrecht,
solange wir diese Begriffe festhalten,[228] aber die Tatsachen sind nicht
gentigt, sich nach unseren Gedanken zu richten;[229] es richten sich blo
unsere Gedanken, unsere Erwartungen nach anderen Gedanken, nach den
Begriffen nmlich, welche wir uns von den Tatsachen gebildet haben. Nehmen
wir an, da eine Tatsache genau unseren einfachen, idealen Begriffen
entspricht, so wird in Uebereinstimmung hiermit unsere Erwartung auch genau
bestimmt sein. Ein naturwissenschaftlicher Satz hat immer nur den
hypothetischen Sinn: Wenn die Tatsache A genau den Begriffen M entspricht,
so entspricht die Folge B genau den Begriffen N, so genau als A den M, so
genau entspricht B den N. Die absolute Exaktheit, die vollkommen genaue,
eindeutige Bestimmung der Folgen einer Voraussetzung besteht in der
Naturwissenschaft nicht in der sinnlichen Wirklichkeit, sondern nur in der
Theorie.[230]

Dies sind die Ausfhrungen, auf denen die Leugnung der Naturnotwendigkeit
ruht und auf die sich alles Uebrige zuspitzt. Wir nannten sie
miverstndlich. Bevor wir jedoch daraus die Konsequenzen ziehen und von
neuem in die Kritik eintreten, ist es notwendig noch einen letzten Gedanken
zu bercksichtigen: den Machschen Sensualismus, die Elemententheorie.

Diese Analyse der Empfindungen (nach Machs Benennung) oder Elemententheorie
(wie wir mit Bezug auf einen ihrer wichtigsten Begriffe kurz sagen
knnen) wrde ein Kapitel fr sich erfordern, wollte man auf alle
Zweifelhaftigkeiten eingehen, die ihr anhaften. Wir haben jedoch schon in
der Einleitung unsere Aufgabe beschrnkt und auf den wichtigsten Punkt
konzentriert, auf den Zusammenhang nmlich, der, nach Machs Behauptung,
seine Anschauungen als Konsequenzen der exakten Forschung rechtfertigen
soll. Diesen Zusammenhang haben wir in seinen wichtigsten Teilen bereits
kennen gelernt, er ergibt eine eigentmliche erkenntnistheoretische Haltung
und Mach sagt selbst im Vorwort zur Analyse der Empfindungen ganz dem
entsprechend: Nicht eine Lsung aller Fragen, sondern eine
erkenntnistheoretische Wendung wird hier versucht.

Diese erkenntnistheoretische Wendung, mit der wir es, als vermeintlichem
Ergebnis der bisherigen Untersuchungen, bei der Elemententheorie zu tun
haben, ist aber die, da in Konsequenz des Idealisierenden, Fiktiven in der
Naturwissenschaft die den Gesetzen zugrundeliegende reale Notwendigkeit
geleugnet und Gesetz wie Theorie blo als ein Instrumentarium[231]
betrachtet wird, dessem fiktiven Gehalt keine Eigenbedeutung zukommt,
sondern nur die eines Hilfsmittels zur Herstellung eines bersichtlichen
Tatsacheninventars.[232] Dies also, obwohl wir nher darber erst spter
reden wollen, mu jetzt schon festgelegt werden, und wir werden sehen, da
sich das Wichtigste aus der Analyse der Empfindungen tatschlich darauf
zurckfhren lt. Andererseits ist jedoch auch darauf zu verweisen, da
die Auflsung in Elemente selbst wieder ein weiterer Schritt zu diesem
erkenntnistheoretischen Endbilde ist, denn bisher haben wir zwar gesehen,
da die Substanzbegriffe aus der wissenschaftlichen Behandlung
ausgeschieden werden, solange man aber an Psychisches und Physisches, an
eine Innenwelt und eine Auenwelt glaubt, kann diese Operation kein
definitives Resultat ergeben, weil dabei ja sozusagen der Krankheitserreger
im wissenschaftlichen Organismus zurckgeblieben ist.

Wenn man nun unter dem Gesichtspunkt dieser Vorbemerkung die Analyse der
Empfindungen betrachtet, so findet man, von Nebenschlichem[233]
abgesehen, drei Hauptgruppen zusammengehrender Gedanken:

Erstens sprechen die Ergebnisse der Naturwissenschaft ohnedies nur von
Zusammenhngen von Empfindungen, die Welt ist also eine Welt der
Empfindungen.

Was diesen Gedanken betrifft, gengt Folgendes, um ihn zu illustrieren: Wir
wissen, da die Physik eine Erfahrungs-, eine Tatsachenwissenschaft ist,
oder wie Mach sagt: die einzig unmittelbare Quelle naturwissenschaftlicher
Erkenntnis ist die sinnliche Wahrnehmung;[234] die Interpretation selbst
der abstraktesten Gleichung fhrt gleichfalls auf solche Wahrnehmungen, auf
Sinnlich-Anschauliches als ihre Grundlage, oder wie Mach sagt:
alle Rechnungen, Konstruktionen usw. sind nur Zwischenmittel
diese Anschaulichkeit zu erreichen.[235] Nun ist zwischen einer
Erfahrungswissenschaft und einer Wissenschaft von Empfindungen allerdings
noch ein gewaltiger Unterschied, aber Mach glaubt ihn dadurch berbrcken
zu knnen, da er schliet: Gleichungen beruhen auf Messungen, Messungen
reduziert man auf Grundmae, gewhnlich Lnge, Masse und Zeit, Masse und
Zeit kommen aber, wie wir gehrt haben, auf Lngemessungen hinaus. Demnach
ist die Lngemessung die Grundlage fr alle Messungen. Allein den bloen
Raum messen wir nicht, wir brauchen einen krperlichen Mastab, womit das
ganze System mannigfaltiger Empfindungen eingefhrt ist. Obschon also die
Gleichungen nur rumliche Mazahlen enthalten, sind dieselben auch nur das
ordnende Prinzip, das uns anweist, aus welchen Gliedern in der Reihe der
sinnlichen Elemente wir unser Weltbild zusammenzusetzen haben.[236] M. a.
W.: Die Naturgesetze sind Gleichungen zwischen den mebaren Elementen der
Erscheinungen[237], ein quantitatives Regulativ der sinnlichen
Vorstellung.[238]

In erster Linie, denke ich, wird man dem einwenden, da dieses
quantitative Regulativ sich nur in hchst indirekter Weise auf
sinnliche Vorstellungen bezieht. Denn das eine ist klar, da die
Elemente, von denen in den Gleichungen der Physik die Rede ist, zunchst
keine sinnlichen sondern begriffliche Elemente sind. Von keinen anderen
als solchen war bisher die Rede, mit keinen anderen wrde sich auch
das Bisherige vertragen,--man denke blo daran, da einzelne
Bestimmungsstcke der Gleichungen ja idealisiert und fiktiv gefunden
wurden, also in der sinnlichen Wirklichkeit gar nicht angetroffen werden
knnen,--und endlich spricht ja Mach selbst ausdrcklich von
Begriffen. Fr den wissenschaftlichen Gebrauch mu die gedankliche
Nachbildung der sinnlichen Erlebnisse noch begrifflich geformt
werden,[239] heit es und fr den Physiker sind Begriffe die
Bauanweisung.[240]

Sollen danach also die ursprnglichen Aeuerungen noch aufrecht erhalten
bleiben, so mu den Begriffen selbst eine Vermittlerrolle zugedacht
sein. Und in der Tat meint Mach: Der Physiker operiert immer mit
Empfindungen, denn diese liegen seinen Begriffen zu Grunde. Jede
experimentelle Anordnung durch die wir zu einem Gesetz gelangen oder auf
deren Beschreibung die Definition eines Begriffes ruht,[241] grndet
sich auf eine fast unabsehbare Reihe von Sinnesempfindungen,
insbesondere, wenn noch die Justierung der Apparate in Betracht gezogen
wird, welche der Bestimmung vorausgehen mu. Also bedeutet ein
physikalischer Begriff nur eine bestimmte Art des Zusammenhanges
sinnlicher Elemente.[242] Da dennoch nicht direkt davon die Rede ist,
erklrt Mach so: die Naturwissenschaft lehrt uns die strksten
Zusammenhnge von Gruppen von Elementen kennen. Auf die einzelnen
Bestandteile dieser Gruppen drfen wir vorerst nicht zu viel achten,
wenn wir ein fabares Ganzes behalten wollen. Die Physik gibt, weil ihr
dies leichter wird, statt der Gleichungen zwischen den Urvariablen,
Gleichungen zwischen Funktionen derselben. Die psychologische
Physiologie lehrt von dem Krper das Sichtbare, Hrbare, Tastbare
absondern, das Sichtbare lst die Physiologie weiter in Licht- und
Raumempfindungen, erstere wieder in die Farben, letztere ebenfalls in
ihre Bestandteile; die Gerusche lst sie in Klnge, diese in Tne auf
usw. Ohne Zweifel kann diese Analyse noch sehr viel weiter gefhrt
werden, als es schon geschehen ist. Es wird schlielich sogar mglich
sein, das Gemeinsame, welches sehr abstrakten und doch bestimmten
logischen Handlungen von gleicher Form zugrunde liegt, ebenfalls
aufzuweisen. Die Physiologie wird uns mit einem Worte die eigentlichen
realen Elemente der Welt aufschlieen.[243] Natrlich mu man dem
hinzufgen, da diese Ueberlegung nur ein Ideal weisen kann, dessen
annhernde allmhliche Verwirklichung der Forschung der Zukunft
vorbehalten bleibt. Die Ermittlung der direkten Abhngigkeit der
Elemente voneinander, sagt Mach, ist eine Aufgabe von solcher
Komplikation, da sie nicht auf einmal gelst werden kann;[244] die
Richtung, in welcher die Aufklrung durch eine lange und mhevolle
Untersuchung zu erwarten ist, kann natrlich nur vermutet werden.
Das Resultat antizipieren, oder es gar in die gegenwrtigen
wissenschaftlichen Untersuchungen einmischen zu wollen, hiee
Mythologie statt Wissenschaft treiben.[245]

Auf diese Gedanken reduziert sich dann auch die zweite Gruppe von
Einwnden, die wir daher gleich anschlieen wollen. Was uns von den Krpern
gegeben ist, sagt Mach, sind (nach gewhnlicher Redeweise) die
Empfindungen, die sie in uns auslsen, also Sinnesinhalte, Farben, Tne,
Wrme, Drcke, Rume, Zeiten usw., in mannigfaltiger Weise miteinander
verknpft.[246] Wie kommen wir nun von da zur Annahme von Dingen? Die
Antwort ist: weil wir ein Bedrfnis nach einheitlicher Zusammenfassung
haben[247] und weil diesem der Umstand entgegenkommt, da in dem Gewoge
der Empfindungen die Summe der bleibenden Glieder gegenber den
vernderlichen, namentlich wenn wir auf die Stetigkeit des Ueberganges
achten, immer so gro ist, da sie uns zur Anerkennung des Krpers als
desselben gengend erscheint,[248] das relativ Feste und Bestndige tritt
hervor, prgt sich ein, drckt sich in der Sprache aus.[249] Glaubt man
aber deswegen, da hinter den Erscheinungen wirklich ein bleibender Kern,
ein Ding liege, von dem die Erscheinungen bewirkt[250] werden, so begeht
man den Fehler, die subjektive Willkrlichkeit der Reprsentation zu
bersehen und letztere objektiv zu hypostasieren,[251] m. a. W. die
Bestndigkeit fr absolut zu erklren, whrend sie in Wirklichkeit doch
blo relativ ist und eben nur hinreichend, um eine subjektive
Vereinheitlichung, nicht aber auch eine objektive Einheit zu begrnden.
Die Bestndigkeit des betreffenden Empfindungskomplexes ist ferner an
gewisse Bedingungen gebunden (an unser Verhalten und an Beziehungen zur
Umgebung) und auch deswegen nur eine relative; weil man aber diese
Bedingungen stets in der Hand hat, weil sie leicht realisierbar sind,
beachtet man sie nicht immer und hlt den Krper als Reprsentanten des
Elementenkomplexes fr stets vorhanden;[252] ja man tut dies sogar in
Fllen, wo der Wille zur Realisierung der Bedingungen nicht mehr allein
gengt oder wo die volle Realisierung der Sinnflligkeit berhaupt
unmglich ist.[253] Vermeidet man aber diesen Fehler, so kann man nur
umgekehrt sagen, da Krper oder Dinge abkrzende Gedankensymbole fr
Gruppen von Empfindungen sind, Symbole, die auerhalb unseres Denkens nicht
existieren[254], denn mit dem Wegfall der Empfindungen verlieren berdies
die hinzugedachten Kerne allen Inhalt[255]; nicht die Dinge, sondern was
wir gewhnlich Empfindungen nennen, sind eigentliche Elemente der
Welt[256], nicht die Krper erzeugen Empfindungen, sondern
Elementenkomplexe bilden die Krper[257] und als letztes Ergebnis:
Die Empfindungen verschiedener Sinne eines Menschen, sowie die
Sinnesempfindungen verschiedener Menschen sind gesetzlich voneinander
abhngig. Darin besteht die Materie.[258]

Es ist nicht ntig, viel ber diese Argumentation zu sagen; der Schein
von Berechtigung, der ihr--allerdings weniger in dieser nchternen
Zusammenstellung als in der flieend und wie selbstverstndlich
erzhlenden Darstellung Machs--anhaftet, rhrt nur daher, da diese
Ausfhrungen sich auf einer primitiven, vorlufigen, durchaus
ungeklrten Basis bewegen. Was heit ein Bndel, ein Komplex, ein
gesetzlicher Zusammenhang von Empfindungen? Das sind Vorstellungen, die,
bevor sie erwogen werden knnen, erst wissenschaftlich przisiert werden
mssen. Doch dies eben weist uns auch auf den Zusammenhang: das
wissenschaftlich genau gefate Verhalten der Dinge liegt in den
Gesetzen, und wir fanden dies ja gerade durch Mach hervorgehoben;
dadurch reduziert sich dann die ganze Frage auf die frhere, inwiefern
die Naturgesetze Gesetze zwischen Empfindungen seien; nur dort, wo man
schrfer zupacken kann, kann auch sie ihre Erledigung finden. Und nur
der indirekte Weg ber die Vermittlerstellung des Begriffs kann dafr in
Betracht kommen, denn sollte Mach das Wesen der Substanz in einem
anderen gesetzlichen Zusammenhange der Empfindungen verschiedener Sinne
und verschiedener Menschen sehen als in diesem, so blieben wohl erst die
Gesetze der ueren Natur zu zeigen, die direkt sich auf Empfindungen
beziehen; die gewhnlichen physikalischen Gesetze sind es nicht und
knnen auch nicht von Mach dafr ausgegeben werden, ohne da er in den
unlsbarsten Widerspruch mit den Seite 107 erwhnten sonstigen
Konsequenzen seiner Haltung geriete.

Es bleibt uns dann noch eine dritte Gruppe von Einwnden, dahin zielend,
da die Trennung zwischen eigenen und fremden Empfindungen wie die
zwischen Empfindung und Empfundenem als irrefhrend beseitigt wird,
wonach es nur mehr einerlei Elemente gibt, die an sich weder der
Innenwelt noch der Auenwelt angehren.

Nehmen wir an, die Naturgesetze seien nur ein quantitatives Regulativ
der sinnlichen Vorstellungen, sie wiesen uns an, aus welchen dieser und
in welcher Kombination wir bestimmte Tatsachen nachzubilden htten. Dann
sind Rot, Grn, Ausdehnung, Druck usw. die Elemente der Auenwelt,
sofern sie wahrgenommen wird. Immerhin scheidet die gewhnliche
Auffassung auch dann noch zwischen dieser sinnlichen Gelegenheit der
Elemente und ihrer (ev. unerkennbaren) von den subjektiven Bedingungen
der Wahrnehmung unabhngigen Natur. Diese Scheidung bekmpft Mach, nach
ihm sind Rot, Ausgedehnt u. dgl. sozusagen schon die Elemente an sich,
und ihre vermeintliche Doppelstellung zwischen Physischem und
Psychischem beruht nur auf einem Wechsel und einer Verwechslung der
Perspektive.

Er sagt: Nennen wir diese Elemente A B C ...; ein besonderer Teil davon
bildet unseren Leib und wird mit K L M ... bezeichnet; endlich sind noch
als a b g .. die eigentlichen psychischen Elemente, Stimmungen,
Erinnerungsbilder, Gefhle, Willen[259] u. dgl. zu bezeichnen. Von ihnen
wird nun zunchst vorausgesetzt, da sie von Vorstellungen nicht
wesentlich verschieden seien[260]. Dann sind also die a b g ...
dasselbe wie die K L M.. und A B C ... Nun hngt K L M sowohl mit a b
g ... wie mit A B C ... enger zusammen als diese untereinander, denn
unsere psychischen Vorgnge beeinflussen die Vorgnge in der Auenwelt
nicht direkt, wohl aber sind sie von Nervenprozessen, also Vernderungen
in K L M ... abhngig; und ebenso hngt A B C ... mit K L M ...
zusammen, denn es zeigt sich, da verschiedene A B C ... an
verschiedene K L M ... gebunden sind; z.B. erscheint ein Krper dem
rechten Auge anders als dem linken, bei geschlossenen Augen gar nicht u.
dgl.[261] Was gegeben ist, sind also einerlei Elemente in verschiedenen
Verhltnissen der Abhngigkeit. Auf deren Verschiedenheit beruht aber
einzig und allein der ganze Dualismus. Achtet man auf K L M ... nicht
und betrachtet nur den Zusammenhang der A B C ..., so treibt man
Physik, achtet man auf den Zusammenhang mit K L M ... so treibt man
Psychologie und darf A B C ... als Empfindungen bezeichnen.[262] Sofern
man alle A B C .. in diesen Zusammenhang bringen kann, knnen alle
Elemente als Empfindungen gelten und das Ich, das sich aus den
Empfindungen aufbaut[263], kann die ganze Welt umfassen.[264]
Jedenfalls aber ist fr uns wichtig, zu erkennen, da es bei allen
Fragen, die hier vernnftigerweise gestellt werden knnen, auf die
Bercksichtigung verschiedener Grundvariablen und verschiedener
Abhngigkeitsverhltnisse ankommt. An dem Tatschlichen, an den
Funktionalbeziehungen wird nichts gendert, ob wir alles Gegebene als
Bewutseinsinhalt oder aber teilweise oder ganz als physikalisch
ansehen.[265] Wie steht es nun aber mit den Empfindungen, die wir doch
auch bei anderen Menschen voraussetzen? Sie sind, meint Mach, von uns
nach Analogie hinzugedacht[266], sind funktional hinzugedacht[267],
weil uns das Verhalten der anderen Menschen erst dadurch vertraut
wird[268]. Die Vorstellungen von dem Bewutseinsinhalt unserer
Mitmenschen spielen fr uns die Rolle von Zwischensubstitutionen, durch
welche uns das Verhalten der Mitmenschen, die Funktionalbeziehung von K
L M ... zu A B C ..., soweit dasselbe fr sich allein (physikalisch)
unaufgeklrt bliebe, verstndlich wird.[269]

Wir haben jetzt in ziemlicher Vollstndigkeit das Material beisammen und
knnen nun auch unsere Bemhungen, die in ihm liegenden Widersprche und
Irrtmer aufzuzeigen, zu Ende fhren. Bisher hatte uns unser Weg von der
Forderung des Nachweises, da die Erfahrung in wissenschaftlich
befriedigender Weise und dennoch ohne Transcendieren des Wahrnehmbaren
gefat werden knne, zu der Interpretation der funktionalen Verknpfung als
einer nur konomisch-rechnerischen gefhrt, von dieser Interpretation zur
Leugnung einer Naturnotwendigkeit, von dort einerseits zur Rolle der
Idealisierung und der Abstraktion, die ihr--wie wir dort vorweg
sagten--miverstndlich zugrunde gelegt wird, andererseits zur Auffassung
der Wissenschaft als eines blo konomischen Instrumentariums und
Inventars, die aus der Leugnung der Naturnotwendigkeit erfolgt.

An dieser Stelle schalteten wir die Elemententheorie ein; was ist nun ihr
Ergebnis?--Es blieben uns zwei Gedankengnge. In dem einen glaubte Mach
den Unterschied zwischen einer auf Grund von Wahrnehmungen aufgebauten
Wissenschaft und einer Wissenschaft von Wahrnehmungsinhalten dadurch
berbrckt, da die Naturgesetze in ihren letzten Konsequenzen ordnende
Prinzipien sind, die uns anweisen, aus welchen sinnlichen Vorstellungen wir
unser Weltbild zusammensetzen sollen, Gleichungen zwischen den mebaren
Elementen der Erscheinungen, quantitative Regulative der sinnlichen
Vorstellung. Ist dies der Fall, dann wre die ganze Wissenschaft nur zu
einer Vermittlung zwischen den Erscheinungen berufen, wrde in dieser
Aufgabe wurzeln und wre in ihr abgeschlossen; sollte sich vielleicht auch
da und dort auf diesem Wege ein Hinausgehen der Bedeutung ber das
Wahrnehmbare nicht vermeiden lassen, so wrde es doch gewissermaen nicht
zur Sache gehren, sondern nur eine dem algorithmischen Symbol anhaftende
Mitbedeutung sein. Wir zeigten aber, da diese Behauptung nur indirekt
genommen werden drfe, weil die in den Gesetzen auftretenden Elemente nicht
sinnliche, sondern begriffliche sind, was auch von Mach zugegeben wird. Die
Vermittlerrolle suchten wir daher bei der Auffassung des Begriffs und
stieen dabei auf Machs Erklrung, da zwar die heutige Physik, weil ihr
dies leichter falle, nicht Gleichungen zwischen den Urvariablen, sondern
solche zwischen Gren gebe, die bereits deren Funktionen sind, die
Begriffe aber dennoch nur eine bestimmte Art des Zusammenhanges sinnlicher
Elemente bedeuten.

Ganz abgesehen davon, da Mach (vgl. S. 108) den strengen Beweis dieser
Behauptungen einer zuknftigen Wissenschaft vorbehlt und selbst nur
jene nicht eigentlich diskutablen Aphorismen vorbringt, die wiederum wir
bis zur wissenschaftlichen Przisierung zurckstellen muten, ergeben
sich gegen seine Behauptung aber auch sofort prinzipielle Bedenken. Denn
da jeder empirische Begriff auf Wahrnehmung beruht, haben wir zwar
zugegeben, da dies nun aber auf einmal gleichbedeutend mit einem
Zusammenhang von Sinnesinhalten sein soll, ist eine Unterschiebung. Denn
obzwar natrlich die Wahrnehmungen in Sinnesinhalten bestehen und
Wahrnehmungen zu den Begriffen fhren, sozusagen also auch zu einem
Begriffe zusammengefat werden, so bedeutet der Begriff doch etwas
anderes als eine Zusammenfassung von Wahrnehmungen, wie man erkennt,
wenn man seine Bedeutung entfaltet. Schreibe ich einem Krper die
Eigenschaft a, beispielsweise Masse, zu, wenn er das wissenschaftlich
fixierte Verhalten a zeigt, so kann ich dies natrlich nur tun, weil
a da und dort wahrgenommen wurde, aber ich kann es nicht minder auch
nur deswegen tun, weil a selbst von seinem Wahrgenommenwerden
unabhngig ist, weil der Wechsel der wahrnehmenden Person gar nichts an
ihm ndert u. dgl. So wenigstens nach der herrschenden Ansicht, davon
ganz abgesehen, da Wahrnehmungen, die auf den gleichen Gegenstand
bezogen werden, immer noch nicht gleiche Inhalte voraussetzen.

Doch soll eben diese Auffassung durch die letzte Gruppe von Argumenten
als irrtmlich hingestellt werden. Die Unterscheidung zwischen der
sinnlichen Gegebenheit der Elemente (den Elementen sofern und wie sie
wahrgenommen werden) und der Natur dieser Elemente als Gegenstnde,
unabhngig von den subjektiven Bedingungen der Wahrnehmung, ist falsch;
warum? Weil sie nur auf einem Wechsel der Untersuchungsrichtung beruht,
hie es, und auf Unterschieden der funktionalen In-Verbindung-Setzung.
Die Elemente sind nur einmal da und sind weder physisch noch psychisch,
nur in Bezug auf andere Elemente sind sie bald das eine, bald das
andere. Da man sie dann aber in Relation zu Teilen des eigenen Krpers
psychisch, in Relationen zu fremden Krpern physisch nennt, ist ganz
gleichgltig, unter Umstnden sogar irrefhrend, jedenfalls aber
unntig, denn das berechtigte wissenschaftliche Interesse ist damit
erschpft, da man erfhrt, wie sie sich in beiden Fllen verhalten,
welche Art funktionaler Abhngigkeit bestehe u. dgl.

Es fragt sich nun, ob der phnomenale Dualismus wirklich, wie Mach
meint, dem positiv Gegebenen nur so uerlich angeheftet sei, oder ob
er nicht doch notwendig darin liegt? Eines ist sicher, ist eine
Erfahrungstatsache: die Elemente A B .., von denen Mach spricht, sind
immer an das Vorhandensein von K L M gebunden, denn wo es beispielsweise
keine Netzhaut gibt, dort gibt es auch keine Farbe, oder diese Farbe
drfte kein Mach'sches Element, mte etwas hinter dem Inhalt sein.
Wrde man dann Elemente A B .. in Abhngigkeit von Elementen D E ..
untersuchen, so drfte man also nicht von K L M .. abstrahieren, jede
physikalische Untersuchung bliebe eine psychologische. Mach selbst gibt
an, da die ursprnglichen Gleichungen die Form F (A B .. K L ..) = 0
haben.[270] Welche Mglichkeiten gibt es nun, von K L .. abzusehen? Es
wre verstndlich von irgend einem skeptischen Gesichtspunkte aus, hier
kme der der Oekonomie in Betracht, der die Tatsachen nach seinem
Gutdnken ordnet, statt die ihnen immanente Ordnung abzulesen, oder
zweitens wre es erlaubt, wenn man die Unabhngigkeit der A B C ..,
bezw. die Einflulosigkeit der K L M .. nach den Forderungen der
Gesetzesinduktion beweisen knnte. Im ersten Falle kme es, wie erwhnt,
auf die Oekonomie hinaus und weiter den ganzen Ableitungsgang durch bis
zu jener Leugnung realer Notwendigkeit, bei der wir stehen blieben. Der
zweite Teil aber wre einfach der Beweis dafr, da die A B .., die
physikalischen Elemente, untereinander in gesetzlichen Beziehungen
stehen, notwendig miteinander verknpft sind, unabhngig von ihrem
Charakter als Inhalte, der ja mit dem ausgeschalteten K L .. wegfllt.

Ganz genau so liegt es aber auch mit dem Hinzudenken von Sinnesempfindungen
bei anderen Menschen; denn Mach sagt, wie wir gehrt haben, da man sie
nach Analogie hinzudenke, so wie man zur eigenen Empfindung den
neurologischen Proze hinzudenkt, an einer anderen Stelle[271] vergleicht
er es sogar mit dem Schlusse auf eine derzeit nicht beobachtete Eigenschaft
eines stromdurchflossenen Leiters, wenn man an diesem sonst alle
zugehrigen Eigenschaften beobachtet hat.--Liegen diese Flle aber
parallel, dann besteht kein Zweifel, da man entweder ein psychisches Leben
der anderen Menschen mit wissenschaftlicher Bestimmtheit annehmen mu oder
da man diese Bestimmtheit auch in ganz einwandfrei anerkannten Fllen der
Gesetzesinduktion leugnet. Wir haben also hier tatschlich wieder die
gleiche Alternative: entweder fhrt sich Mach selbst ad absurdum oder das
Argument fliet in die bisherigen ein.

Was aber endlich die Rede von dem verschiedenen Feld anlangt, auf dem
der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Vorstellung beruhen soll, so
sagt Mach, da dies im Grunde nichts anderes heie, als da das
betreffende Element mit verschiedenen anderen verknpft sei; nun mu man
entweder ausgesprochen nur-psychische Elemente a b g darunter annehmen
(wie etwa die Funktionen der modernen Psychologie), durch die sich das
eine Feld von andern unterscheidet, da in den A B .., so zahlreich sie
auch miteinander verknpft sein mgen, dieser Unterschied nicht liegt,
oder man darf den Unterschied nicht in dem Verknpften, sondern mu ihn
in der Art der Verknpfung suchen. Im ersten Fall ist natrlich weiteher
dem Dualismus eine Grundlage geschaffen als dem Mach'schen Monismus;
Unterschiede in der Art der Verknpfung aber fhren, da sie ja doch
nur so weit in Betracht kommen als sie gesetzlich sind, auf eine
verschiedene gesetzliche Struktur der Gebiete des Psychischen und des
Physischen und damit abermals zu einer Trennung beider, oder aber sie
werden ignoriert und dann haben wir es wieder mit dem alten Standpunkt
zu tun.

So fhren also auch die Grundgedanken der Analyse der Empfindungen
entweder auf Widersprche oder zu jenem Punkt, zu dem wir auch alles
andere zurckfhren konnten und mit dessen Besprechung wir unsere
Aufgabe beschlieen drfen.

Wir kamen zu der Annahme, da Mach eine Notwendigkeit in der Natur
leugne und sich ber sie hinwegsetze. Ausdrckliche Worte sprechen dafr
und der Sinn des Ganzen, der gliedweise Aufbau verlangte es so, in dem
Mae, da das System berhaupt in eine Reihe von Widersprchen zerfiele,
wenn man den verschiedenen Gedanken diese einheitliche Orientierung
entzge.

Und nun gengt es, darauf zu verweisen, da gerade dieser zusammenhaltende
Gedanke Mach in den schrfsten Widerspruch gegen sich selbst versetzt, in
den Widerspruch gegen sich als Forscher. In der Tat ist die Absicht ein
Gebiet zu erforschen nur mit der Annahme der Erforschbarkeit desselben
vereinbar. Diese setzt aber Bestndigkeiten voraus, denn was sonst sollte
durch die Forschung ermittelt werden.[272] Dies sind Worte Machs und wir
lassen ihnen, wegen der Wichtigkeit dieses Punktes eine Reihe hnlicher
folgen: Da die Abhngigkeit eine feste sei, setzen wir vernnftigerweise
voraus, wenn wir an die Erforschung gehen. Die bisherige Erfahrung hat uns
diese Voraussetzung an die Hand gegeben, und jeder neue Forschungserfolg
bestrkt uns in derselben.[273] Beschrieben, begrifflich in Gedanken
nachgebildet kann nur werden, was gleichfrmig, gesetzmig ist.[274] Wir
haben mit dem Postulat der Gleichfrmigkeit der Natur keinen Fehlgriff
getan, wenn auch bei der Unerschpflichkeit der Erfahrung die absolute
Anwendbarkeit sich nie wird dartun lassen und wie jedes wissenschaftliche
Hilfsmittel immer ein Ideal bleiben wird.[275] Da wir mit Hilfe eines
Gesetzes prophezeien knnen, beweist die hinreichende Gleichfrmigkeit
unserer Umgebung.[276] Ich bin berzeugt, da in der Natur nur das und
soviel geschieht, als geschehen kann, und da dies nur auf eine Weise
geschehen kann.[277] Die genauere quantitative Forschung zielt auf
mglichst vollstndige Bestimmtheit, auf eindeutige Bestimmtheit.[278]
Die eindeutige Bestimmtheit gewisser uns wichtiger Eigenschaften von
Tatsachen durch andere leichter zugngliche wird in den wissenschaftlichen
Aufstellungen angestrebt.[279] Whrend der Forschung ist jeder Forscher
notwendig Determinist. Dies ist auch dann der Fall, wenn er mit bloen
Wahrscheinlichkeiten zu tun hat. Die Stze der Wahrscheinlichkeitsrechnung
gelten nur dann, wenn Zuflligkeiten durch Komplikation verdeckte
Regelmigkeiten sind.[280]

Dies alles sind Aussprche Machs und sie sagen deutlich, da Mach,
wenigstens an diesen Stellen, feste, gesetzliche, das sind aber
notwendige, Beziehungen in der Natur voraussetzt und in wnschenswertem
Mae fr erforschbar hlt. Nun ist es mglich, da in diesen Stellen
eine Entgleisung liegt, dann trifft der Vorwurf aber auch zahlreiche
andere, die wir hier nicht ausdrcklich anfhrten, wo Mach eine
Gleichfrmigkeit, Regelmigkeit, Erforschbarkeit, eindeutige
Bestimmbarkeit und Vorhersage der Tatsachen mit gleicher Deutlichkeit
anerkennt. Und abgesehen von der Gre dieser Widersprche wrde
auerdem dem ganzen Gebude der Schlustein fehlen. Denn wir konnten
wohl die Leugnung der Notwendigkeit mit der Tatsache in Zusammenhang
bringen, da die Naturgesetze in einer idealisierenden Weise begrifflich
gefat werden, der Nachweis aber, da wegen dieses Umstandes hinter den
Gesetzen keine Notwendigkeit stehen ~knne~, wurde uns nicht gegeben.
Und ebensowenig jener zweite, gleich dringend erforderliche, da man
auch dann noch zu einer erkenntnistheoretischen Haltung gelangen knnte,
die mit den Ergebnissen und Forderungen der exakten Forschung im
Einklang bleibt, wenn man wirklich (was im Gegebenen ja nicht der Fall
ist) die Leugnung der Naturnotwendigkeit in allen ihren Konsequenzen
durchfhren wrde.

Die zweite Mglichkeit ist aber die, da man gerade die zuletzt gehrten
Aussprche und die ihnen verwandten fr die Machs wahrer Meinung
entsprechenden hlt, wonach also die Leugnung der Naturnotwendigkeit nur
auf einem Miverstndnis beruhen knnte.

Und tatschlich scheint hierbei ein solches unterlaufen zu sein. Denn was
Mach zur Untersttzung hervorhob, war der Umstand, da die genaue von den
Gesetzen ~ausgesprochene~ Abhngigkeit nur zwischen den begrifflich
intendierten Gegenstnden besteht und da diese Gegenstnde idealisierte
sind, die so nicht in der Wahrnehmungswelt existieren. Aber man mag dies
daher auch eine Fiktion nennen, so darf man diese doch nicht fr
willkrlich ansehen. Denn sie ist in der Erfahrung fundiert. Die Erfahrung
mu zunchst lehren, welche Abhngigkeit der Erscheinungen von einander
besteht, und nur die Erfahrung kann das lehren,[281] und unsere Begriffe
sind in der Tat selbstgemachte, jedoch darum noch nicht ganz willkrlich
gemachte,[282] sagt Mach selbst. Die Erfahrung nun lehrt das
Bestehen ungeheurer Regelmigkeiten mit Deutlichkeit erkennen. Diese
Regelmigkeit, die uns zu allererst auf eine Notwendigkeit schlieen
lt, liegt also in den Tatsachen. Und sie wird natrlich nicht durch eine
Idealisierung aus diesen weggeschafft, ja wenn man, was hier nicht
geschehen kann, den Induktionsvorgang genau analysiert, sieht man, da sie
sogar jedem Schritte dieser Idealisierung zugrundeliegt; die Idealisierung
ist in den Tatsachen motiviert. Daher ist es aber auch irrtmlich, zu
sagen, die Notwendigkeit werde erst durch die Idealisierung in die
Tatsachen hineingetragen. Denn die Notwendigkeit, von der man das sagen
knnte, diese nur zwischen den idealisierten Begriffen bestehende, die Mach
daher eine blo logische nennt, diese hypothetische, mit den unerfllbaren
Vorderstzen: wenn es ein vollkommenes Gas gibt, eine reibungslose
Flssigkeit u. dgl.--die setzt freilich vorerst eine Idealisierung
voraus, die ist aber auch nicht die eigentliche Notwendigkeit, ja sie ist
berhaupt nur Notwendigkeit, wenn es zuerst jene andere gibt, die in den
Tatsachen liegt, selbst wenn wir mit unseren Mitteln an deren wahre
Struktur nie ganz herankommen sollten.

Woher immer die Leugnung der Naturnotwendigkeit aber gekommen sein mge,
wird sie, wie wir hier als zweite Mglichkeit annahmen, von Mach fallen
gelassen, so verlieren wieder alle frher dargestellten Anschauungen die
Berechtigung ihres spezifischen Charakters; das Gesetz ist dann nicht
blo eine Tabelle, die rechnerische Abhngigkeit kann gegen die sie
fundierende reale zurcktreten, die konomische Erfahrung gegen die
Erforschung, der theoretische Zusammenhang kann mehr sein als eine bloe
Ordnungsbeziehung, auf Grund der voneinander verschiedenen Typen
physikalischer und psychologischer Gesetze treten Empfindung und Gesetz
wieder auseinander, mit dieser Abtrennung von Dingen, die untereinander
in gesetzlicher Abhngigkeit stehen, ist wieder eine Mglichkeit fr die
Kausalitt geschaffen usw. und Machs darauf bezgliche Ausfhrungen
wren miverstndlich und irrefhrend.

Ob aber so oder so, ob man sich an die Anerkennung der Notwendigkeit halte
oder an die Anschauungen, die zu ihrer Leugnung fhren mssen, beide Male
kommt man auf einen Widerstreit in Machs eigenen Anschauungen. Welche
Wendungen immer die berhrten Probleme daher noch nehmen mgen, eine
eindeutige Lsung, einen voll befriedigenden Standpunkt fr knftige
Lsungen hat Mach nicht aufgezeigt. Freilich gilt dies nur bezglich der
letzten metaphysischen und erkenntnistheoretischen Resultate, wie sie hier
erwogen wurden. Im Einzelnen sind die Schriften Machs, wie ja allgemein
anerkannt ist, voll der glnzendsten Ausfhrungen und fruchtbarsten
Anregungen, deren Betrachtung aber nicht mehr in den Rahmen unserer Aufgabe
fllt.


Funoten:

[186] W. L. 432 ff.

[187] W. L. 457.

[188] A. d. E. 72.

[189] W. L. 437.

[190] Man vgl. Was wir Ursache und Wirkung nennen, sind hervorstechende
Merkmale einer Erfahrung, die fr unsere Gedankennachbildung wichtig
sind. Ihre Bedeutung blat ab und geht auf andere neue Merkmale ber,
sobald eine Erfahrung gelufig wird. Tritt uns die Verbindung solcher
Merkmale mit dem Eindruck der Notwendigkeit entgegen, so liegt dies nur
daran, da uns die Einschaltung lngst gekannter Zwischenglieder, die
also eine hhere Autoritt fr uns haben, oft gelungen ist. (P. V.
227/228.)

Ist uns eine Tatsache gelufig geworden, so bedrfen wir dieser
Heraushebung der zusammenhngenden Merkmale nicht mehr, wir machen uns
nicht mehr auf das Neue, Auffallende aufmerksam, wir sprechen nicht mehr
von Ursache und Wirkung. Die Wrme ist die Ursache der Spannkraft des
Dampfes. Ist uns das Verhltnis gelufig geworden, so stellen wir uns
den Dampf gleich mit der zu seiner Temperatur gehrigen Spannkraft vor.
Die Sure ist die Ursache der Rtung der Lackmustinktur. Spter aber
gehrt diese Rtung unter die Eigenschaften der Sure. (M 524.)

[191] E. d. A. 31/32.

[192] M. 367.

[193] P. V. 223. Aehnlich M. 6: In der Mannigfaltigkeit der
Naturvorgnge erscheint manches gewhnlich, anderes ungewhnlich,
verwirrend, berraschend, ja sogar dem Gewhnlichen widersprechend. Hat
man es dahin gebracht, berall dieselben wenigen einfachen Elemente zu
bemerken, die sich in gewohnter Weise zusammenfgen, so treten uns diese
als etwas Bekanntes entgegen, wir sind nicht mehr berrascht, es ist uns
nichts mehr an den Erscheinungen fremd und neu, wir fhlen uns in
denselben zu Hause, sie sind fr uns nicht mehr verwirrend, sondern
erklrt.

[194] M. 16.

[195] P. V. 239/240.

[196] M. 16.

[197] M. 12.

[198] M. 77.

[199] M. 75.

[200] E. u. J. 312.

[201] A. d. E. 263. Vgl. W. L. 435.

[202] M. 80--82.

[203] Ein naturwissenschaftlicher Satz, heit es an anderer Stelle, ist
wie jeder geometrische stets von der Form, >wenn M ist, so ist N<;
wobei sowohl M wie N ein mehr oder minder komplizierter Komplex von
Erscheinungsmerkmalen sein kann, wovon also einer den anderen bestimmt. Ein
solcher Satz kann sich sowohl unmittelbar durch Beobachtungen, als auch
mittelbar durch Vergleichung schon bekannter Beobachtungen ergeben. Der
Satz wenn M ist, ist N kann aus Stzen, welche bereits bekannten
Tatsachen entsprechen, durch eine Reihe von Zwischenstzen abgeleitet oder
erklrt werden. So erklrt Galilei das Schweben sehr schweren Staubes im
Wasser und in der Luft aus dem langsamen Fallen wegen des groen
Widerstandes infolge der feinen Verteilung. Huygens leitet die
Pendelbewegung vollstndig aus Galileis mechanischen Grundstzen ab usw.
(E. u. J. 262). Ein anderes Beispiel: Arago findet, da eine rotierende
Kupferscheibe (A) eine Magnetnadel mitbewegt (B). Durch Faradays sptere
Entdeckung, nach welcher in relativ gegen den Magnet bewegten Leiterteilen
Strme entstehen, welche (nach Oerstedt) auf ersteren Krfte ausben, die
(nach Lenz) der erzeugenden Bewegung entgegenwirken, werden zwischen A und
B neue Elemente (C) eingeschaltet. Der Zusammenhang von A und B wird durch
C, welches brigens Aufstellungen derselben Art enthlt, erklrt. Wre C
vorher nicht nur teilweise, sondern ganz bekannt gewesen, so htte die
Deduktion zur Entdeckung des Zusammenhangs von A und B gefhrt.
(W. L. 450.) Woraus nebstbei auch geschlossen wird, da sich der
Entdeckungsvorgang durch Deduktion nicht wesentlich von dem durch
Induktion unterscheide. (W. L. 449.)

[204] W. L. 437. An anderen Stellen wieder wird besonders hervorgehoben,
da eine Erklrung dann als gelungen anzusehen sei, ein Problem dann
nicht mehr existiere, wenn man die richtigen Seiten der Tatsachen
beachte, die eine einfache, einheitliche Auffassung ermglichen. So
heit es: Die Bewegung einzelner schwerer Krper ist uns bald gelufig.
Wenn aber ein leichterer Krper durch einen schwereren etwa an einer
Rolle in die Hhe gezogen wird, so lernen wir auch die Beziehung
mehrerer Krper und deren Gewicht achten. Kommen etwa Erfahrungen am
ungleicharmigen Hebel oder anderen Maschinen hinzu, so treiben uns diese
nicht nur auf die Gewichte, sondern auch auf die gleichzeitigen
Verschiebungsgren im Sinne der Schwere, bezw. auf das Produkt der
Mazahlen beider, d.i. auf die Arbeit zu achten. Geworfene schwere
Krper knnen bald sinken, bald steigen. Die ltere, aristotelische
Physik betrachtet diese Flle als verschieden. Galilei achtet auf die
Beschleunigung der Bewegung, wodurch alle diese Flle gleichartig und
gleich leicht verstndlich werden. (E. u. J. 264/265.) Oder: Wir sehen
z.B. einmal ganz gegen unsere Gewohnheit, da an einem Hebel oder
Wellrad eine groe Last durch eine kleine gehoben wird. Wir suchen nach
dem differenzierenden Moment, welches uns die sinnliche Tatsache nicht
unmittelbar zu bieten vermag. Erst wenn wir, verschiedene hnliche
Tatsachen vergleichend, den Einflu der Gewichte und der Hebelarme
bemerkt, und uns selbstttig zu den abstrakten Begriffen Moment oder
Arbeit erhoben haben, ist das Problem gelst. Das Moment oder die Arbeit
ist das differenzierende Element. Ist die Beobachtung des Momentes oder
der Arbeit zur Denkgewohnheit geworden, so existiert das Problem nicht
mehr. (A. d. E. 249.) Und an anderer Stelle: Wir sehen einen aufwrts
geworfenen Krper. Derselbe steigt auf. Warum sucht er nun seinen Ort
nicht? Warum nimmt die Geschwindigkeit seiner >gewaltsamen< Bewegung ab,
whrend jene des >natrlichen< Falles zunimmt? Indem Galilei beiden
Tatsachen aufmerksam folgt, sieht er in beiden Fllen dieselbe
Geschwindigkeitszunahme gegen die Erde. Hiermit lst sich das Problem.
Also nicht ein Ort sondern eine Beschleunigung gegen die Erde ist den
Krpern angewiesen. Die neue Denkgewohnheit festhaltend, sieht Newton
auch den Mond und die Planeten hnlich geworfenen Krpern sich bewegen,
aber doch mit Eigenschaften, welche ihn ntigen, diese Denkgewohnheit
abermals etwas abzundern. Die Weltkrper oder vielmehr deren Teile
halten keine konstante Beschleunigung gegeneinander ein, sie ziehen sich
an im verkehrt quadratischen Verhltnisse der Entfernungen und im
direkten der Massen. Diese Vorstellung, welche jene der irdischen
schweren Krper als besondern Fall enthlt, ist nun schon sehr
verschieden von der ursprnglichen. Dieser Umwandlungsproze besteht
darin, da einerseits bald neue bereinstimmende Merkmale anscheinend
verschiedener Tatsachen gefunden werden und da andererseits wieder
unterscheidende Merkmale bisher nicht unterschiedener Tatsachen bemerkt
werden. Hierdurch wird es mglich, einerseits ein stets wachsendes
Tatsachengebiet mit einer homogenen Denkgewohnheit zu umfassen, und
andererseits den Unterschieden der Tatsachen des Gebietes durch
Variationen der Denkgewohnheit zu entsprechen. Die betrachtete
Entwicklung ist nur ein besonderer Fall eines allgemein verbreiteten
biologischen Prozesses. (W. L. 385 f.).

[205] E. d. A. 31.

[206] P. V. 282/283.

[207] W. L. 121.

[208] W. L. 458 f.

[209] M. 526.

[210] W. L. 454/455. Vgl. A. d. E. 261; M. 533; W. L. 119, 363.

[211] Vgl. S. 31/32 dieser Schrift.

[212] Zu 2) Man spricht oft von Naturgesetzen. Was bedeutet dieser
Ausdruck? Gewhnlich wird man der Meinung begegnen, die Naturgesetze
seien Regeln, nach welchen die Vorgnge in der Natur sich richten
mssen, hnlich den brgerlichen Gesetzen. Einen Unterschied pflegt man
darin zu sehen, da die letzteren auch bertreten werden knnen, whrend
man Abweichungen der Naturvorgnge von ersteren fr unmglich hlt.
Diese Auffassung wird aber erschttert durch die Ueberlegung, da wir ja
nur aus den Naturvorgngen selbst die Naturgesetze ablesen, abstrahieren
und da wir hierbei vor Irrtmern durchaus nicht gesichert sind. (E. u.
J. 441.)

[213] M. 280. Vgl. auch E. u. J. 140: Die logischen Deduktionen aus
unseren Begriffen bleiben aufrecht, solange wir diese Begriffe
festhalten; die Begriffe selbst mssen aber stets einer Korrektur durch
die Tatsachen gewrtig sein.

[214] A. d. E. 73.

[215] Vgl. Machs eigene Worte: Unsere Naturwissenschaft besteht
in dem begrifflichen quantitativen Ausdruck der Tatsachen. Die
Nachbildungsanweisungen sind die Naturgesetze. In der Ueberzeugung, da
solche Nachbildungsanweisungen berhaupt mglich sind, liegt das
Kausalgesetz. M. 547.

[216] M. 547.

[217] M. 549.

[218] M. 523.

[219] M. 79. Vgl.: In der Regel ist eine besondere Seite oder
Eigenschaft der Tatsache von praktischem Interesse. Auf diese
Eigenschaft beschrnkt sich die Untersuchung. Tatsachen, welche in
dieser bereinstimmen, werden als gleich oder gleichartig, welche sich
in derselben unterscheiden, als verschieden behandelt. Das praktische
Bedrfnis treibt also zur Abstraktion. (W. L. 452.) Die magebende
Rolle der Abstraktion bei der Forschung liegt auf der Hand. Es ist weder
mglich, alle Einzelheiten einer Erscheinung zu beachten, noch htte
dies einen gesunden Sinn. Wir beachten eben die Umstnde, die fr uns
ein Interesse haben und diejenigen, von welchen erstere abhngig zu sein
scheinen. Die erste Aufgabe, die sich dem Forscher darbietet, ist es
also, durch Vergleichung verschiedener Flle alles, wovon die
Untersuchung unabhngig scheint, als fr den vorliegenden Zweck
nebenschlich oder gleichgltig auszusondern. In der Tat ergeben sich
die wichtigsten Entdeckungen durch diesen Proze der Abstraktion.(E. u.
J. 135).

[220] In dem konomischen Schematisieren der Wissenschaft liegt also
die Strke oder auch der Mangel derselben. Die Tatsachen werden immer
mit einem Opfer an Vollstndigkeit dargestellt, nicht genauer, als dies
unseren augenblicklichen Bedrfnissen entspricht. (P. V. 235).

[221] E. u. J. 447.

[222] E. u. J. 189. Ebenda: Ein wichtiger Vorgang besteht darin, da man
einen oder mehrere Umstnde, welche quantitativ auf ein Ergebnis Einflu
haben, in Gedanken quantitativ vermindert und schlielich zum Verschwinden
bringt, so da die brigen Umstnde als allein magebend angesehen werden.
Es ist dieser Proze physisch oft nicht durchfhrbar und man kann denselben
daher als Idealisierung oder Abstraktion bezeichnen. Indem man sich den
Bewegungswiderstand eines auf horizontaler Bahn angestoenen Krpers oder
die Verzgerung eines auf wenig geneigter schiefer Ebene aufsteigenden
Krpers bis zum Verschwinden abnehmend denkt, kommt man zu der Vorstellung
des ohne Widerstand gleichfrmig bewegten Krpers. In Wirklichkeit kann
dieser Fall nicht dargestellt werden. Vgl. M. 306: Der Fall der Ruhe ist
nur ein sehr seltener, nie vollkommen eintretender, speziell der Fall der
Bewegung: Wenn wir aber mit Gleichgewichtsfllen uns befassen, so handelt
es sich um eine schematische Nachbildung der mechanischen Tatsachen in
Gedanken. Wir sehen dann von diesen Strungen, Verschiebungen, Verbiegungen
und Erzitterungen, welche uns nicht weiter interessieren, absichtlich ab.

W. L. 454/455: Ein weiteres Mittel (ergnze: der gelufigen Anwendung
wissenschaftlicher Aufstellungen) besteht in dem Vereinfachen,
Schematisieren der Tatsachen, d.h. in der Darstellung durch Bilder,
welche nur die wichtigen Zge enthalten, in welchen alles die
Aufmerksamkeit Ablenkende, Ueberflssige fehlt. So denken wir uns den
Planeten als einen Punkt, die Bahn des elektrischen Stromes als eine
Linie. Vgl. auch: E. u. J. 137 und 384.

[223] M. 133.

[224] P. V. 228, vgl. A. d. E. 262.

[225] E. u. J. 449.

[226] E. u. J. 402, vgl. W. L. 456.

[227] M. 33. Der Vergleich mit der Geometrie fhrt auch sonst
zu charakteristischen Aeuerungen. Vgl. E. u. J. 376: Die
physikalisch-metrischen Erfahrungen werden wie alle Erfahrungen, welche
die Grundlage einer experimentellen Wissenschaft bilden, begrifflich
idealisiert. Das Bedrfnis, die Tatsachen durch einfache, durchsichtige,
logisch leicht zu beherrschende Begriffe darzustellen, fhrt hierzu. Es
gibt einen absolut starren, rumlich ganz unvernderlichen Krper, eine
vollkommene Gerade, eine absolute Ebene so wenig, als es ein vollkommenes
Gas, eine vollkommene Flssigkeit gibt. Dennoch operieren wir lieber und
leichter mit diesen Begriffen als mit anderen, welche genauer den
Eigenschaften der Objekte entsprechen und nehmen dafr nachtrglich auf
Abweichungen Rcksicht. Die theoretische Geometrie braucht diese
Abweichungen berhaupt nicht zu beachten, indem sie eben Objekte
voraussetzt, welche die Bedingungen der Theorie vollkommen erfllen, wie
die theoretische Physik.

E. u. J. 407: Die geometrische Theorie ist wie jene der Physik
einfacher und genauer, als dies durch die Erfahrung mit ihren zuflligen
Strungen eigentlich verbrgt werden kann.

[228] E. u. J. 140.

[229] Vgl. A. d. E. 260.

[230] E. u. J. 447/448. Vgl. E. u. J. 302/303.

[231] Vgl. Vorliegende Schrift S. 106.

[232] W. L. 461/462.

[233] Unter den Gedanken, welche nach Mach sonst noch zur Elemententheorie
leiten, wollen wir jedoch zwei anmerken: einerseits sind es Schwierigkeiten
im Gefolge der dualistischen Auffassung, auf die er sich sttzt,
hauptschlich die Aussichtslosigkeit, Empfindungen aus Atombewegungen der
nervsen Substanz zu erklren, andererseits ist es die in der Wissenschaft
tatschlich vorhandene Tendenz der einzelnen Disciplinen zu einheitlichem
Zusammenschlu. Man denke an Optik, Elektrizittslehre und Magnetismus, an
die physikalische Chemie, die physiologische Psychologie u. dgl.; es liegt
nahe nach Vorstellungen zu suchen, welche diese Gebiete einheitlich
umspannen. Dem Physiker, sagt Mach, gengt vielleicht noch der Gedanke
einer starren Materie ... der Physiologe, bezw. der Psychologe vermag mit
solchem Ding gar nichts anzufangen. Wer aber an den Zusammenschlu der
Wissenschaften zu einem Ganzen denkt, mu nach einer Vorstellung suchen,
die er auf allen Gebieten festhalten kann. Wenn wir nun die ganze
materielle Welt in Elemente auflsen, welche zugleich auch Elemente der
psychischen Welt sind, die als letztere gewhnlich Empfindungen heien,
wenn wir ferner die Erforschung der Verbindung, des Zusammenhanges, der
gegenseitigen Abhngigkeit dieser gleichartigen Elemente aller Gebiete als
die einzige Aufgabe der Wissenschaft ansehen, so knnen wir mit Grund
erwarten, auf dieser Vorstellung einen einheitlichen monistischen Bau
aufzufhren und den leidigen verwirrenden Dualismus loszuwerden. Indem man
die Materie als das absolut Bestndige und Unvernderliche ansieht,
zerstrt man ja in der Tat den Zusammenhang zwischen Physik und
Psychologie... Wenn es sich aber um die Verbindung von Nachbargebieten von
eigenartigem Entwicklungsgang handelt, so kann dieselbe nicht mit Hilfe der
beschrnkteren Begriffe eines engen Spezialgebietes vollzogen werden. Hier
mssen durch allgemeinere Erwgungen fr das weitere Gebiet ausreichende
Begriffe geschaffen werden. A. d. E. 242/243. Vgl. zu beiden Gedanken u.a.
A. d. E. 1. 23--26, 36, 37, 46, 188, 257, 258, 283; E. u. J. 3, 234, 451;
P. V. 237, 241, 285; M. 504.

Beide Gruppen von Einwnden, so bercksichtigungswert die Schwierigkeiten
auch sind, die in ihnen berhrt werden, kommen, besonders im Hinblick auf
die zahlreichen, verschiedenen und unabgeschlossenen Lsungsversuche dieses
Problems, als beweiskrftig natrlich nicht in Betracht.

[234] W. L. 396. Vgl. A. d. E. 245, 246.

[235] A. d. E. 255, 268.

[236] A. d. E. 267/268. Vgl. P. V. 235: In Wirklichkeit handelt es sich
immer um die Ableitung eines Erscheinungsteils aus einem anderen. Unsere
Vorstellungen mssen sich dabei direkt auf Empfindungen sttzen. Wir
nennen dies messen.

[237] M. 547; P. V. 234.

[238] A. d. E. 246.

[239] M. 547.

[240] W. L. 404. Vgl u.a.: P. V. 220, 235, 236; A. d. E. 253, 255, 263;
M. 133, 505, 504; E. u. J. 126, 139, 311.

[241] Ein solches naturwissenschaftliches Begriffswort hat den Zweck,
an die Verbindung aller in der Definition bezeichneten Reaktionen des
definierten Objekts zu erinnern und diese Erinnerungen wie an einem
Faden ins Bewutsein zu ziehen. Natrlich kann jede Definition wieder
Begriffe enthalten, so da erst die letzten, untersten begrifflichen
Bausteine in sinnfllige Reaktionen als deren Merkmale aufgelst werden
knnen. E. u. J. 127.

[242] A. d. E. 35--37.

[243] P. V. 240/241; A. d. E. 23 f.

[244] E. u. J. 14.

[245] M. 504/505.

[246] A. d. E. 1/2.

[247] M. 523.

[248] P. V. 229.

[249] A. d. E. 2.

[250] A. d. E. 9/10.

[251] A. d. E. 5.

[252] A. d. E. 256.

[253] A. d. E. 256.

[254] P. V. 229.

[255] A. d. E. 10.

[256] M. 523; Vgl. A. d. E. 23.

[257] A. d. E. 23 ff.

[258] A. d. E. 258.

[259] A. d. E. 1/2.

[260] Mach setzt voraus, da Gefhle und Wille sich aus Spuren von
Empfindungen aufbauen (A. d. E. 11, 17, 82; E. u. J. 9.), auch da
Gefhle diffus lokalisierte Empfindungen seien (E. u. J. 18 ff). Sollte
man, meint er aber, mit einer Art dieser Elemente durchaus nicht das
Auskommen finden, so werden eben mehrere statuiert werden (A. d. E. 17.).

[261] A. d. E. 8.

[262] z.B. Physikalischer Zusammenhang: eine weie Kugel fllt auf eine
Glocke, es klingt, die Kugel wird gelb vor der Natrium-, rot vor der
Lithiumlampe. Psychologischer Zusammenhang: die Kugel wird gelb bei
Hinnehmen von Santonin, verdoppelt sich beim Seitwrtsdrcken des
Bulbus, verschwindet beim Schlieen beider Augen.--Eine Farbe ist also
ein physikalisches Objekt, wenn wir auf ihre Abhngigkeit von anderen
Farben, Wrmen, Rumen usw. achten, in ihrer Abhngigkeit von der
Netzhaut eine Empfindung. Nur die Untersuchungsrichtung hat gewechselt;
es hngt nur von der funktionalen Abhngigkeit, in der sie stehen, ab,
ob die Elemente physikalische Objekte oder Empfindungen sind. A. d. E.
11/14. Nur die verschiedene Art der Verbindung lt die a b in einem
anderen Feld erscheinen als die A B .. die Elemente A oder a
erscheinen in einem verschiedenen Feld, heit nun, wenn man auf den
Grund geht, nichts anderes, als da sie mit verschiedenen anderen
Elementen verknpft sind. Daher soll nun der Unterschied zwischen
Wahrnehmung und Vorstellung desselben Gegenstandes kommen. A. d. E. 16.
Vgl. A. d. E. 26 ff, 35 f, 42--46, 241.

[263] Fr das Ich gilt dasselbe wie fr die Krper. Es ist nicht das
Primre, sondern wird von den Empfindungen gebildet, auf die es dann
allerdings auch reagiert. Ich empfinde Grn, heit nur, da das Element
Grn in einem gewissen Komplex von anderen Elementen (Empfindungen,
Erinnerungen) vorkommt. Wenn ich aufhre Grn zu empfinden, wenn ich
sterbe, so kommen die Elemente nicht mehr in der gewohnten Gesellschaft
vor. Damit ist alles gesagt. Nur eine ideelle, denkkonomische, keine
reelle Einheit hat aufgehrt zu existieren. A. d. E. 19, 21.

[264] E. u. J. 9.

[265] A. d. E. 29. Es ist zu bemerken, da diese Erforschung des
funktionalen Zusammenhanges nach Mach die einzige mgliche Ergrndung
der Wirklichkeit ist. A. d. E. 23 ff, 29/30; E. u. J. 10/11.

[266] A. d. E. 11--14: Eine starke Analogie nebst einem praktischen
Bedrfnis zwingt uns, nach Mach, auch an fremde Menschen und Tierleiber
Erinnerungen, Befrchtungen, Willen u. dgl. geknpft zu denken. Ferner
ntigt mich das Verhalten anderer Menschen, anzunehmen, da mein Leib
und die brigen Krper fr sie unmittelbar vorhanden sind, meine
Erinnerungen, Wnsche usw. fr sie Gegenstand eines unwiderstehlichen
Analogieschlusses sind. Wenn wir den Einflu unseres Leibes auf unsere
Empfindungen untersuchen, ergnzen wir eine beobachtete Tatsache durch
Analogie, ebenso wenn wir aus der Beobachtung fremder Menschen auf deren
Empfindungen schlieen. Im ersteren Fall ist die Ergnzung physikalisch
(Nervenproze) und daher gelufiger, ein prinzipieller Unterschied
besteht aber nicht.

E. u. J. 6 wird die Gesamtheit des fr alle im Raum unmittelbar
Vorhandenen als das Physische, das nur Einem Gegebene von den Anderen
nach Analogie Erschlossene als das Psychische bezeichnet.

A. d. E. 26 ff.: Die Elemente A B .. erscheinen unmittelbar rumlich
auerhalb der Elemente K L .. Durch Absehen von der Abhngigkeit der A B
.. von dem sich immer hnlich wiederholenden Komplex K L .. erscheint
die Welt der Dinge unabhngig vom Ich. Durch Beachten der Eigenschaften
von K L .. und seines Zusammenhanges mit a b g .. bildet sich der
Gedanke des Ich. Ferner verhalten sich andere Krper K' L' .., K" L" ..
usw. so, da ihr Verhalten im Gegensatz zu dem von A B .. erst vertraut
wird, wenn man den a b g .. analoge a b g .. an sie gebunden denkt.
Man ergnzt die Empfindungen der Mitmenschen nach Analogie, es ist aber
unntig und irrefhrend, den Empfindungen deswegen eine von A B C .. K L
M .. verschiedene Natur zuzuschreiben.

A. d. E. 35: Man kann einen nervsen Proze rein physikalisch
(physiologisch) verfolgen. Man sieht das Verhalten des betreffenden
Lebewesens aber viel besser voraus, d.h. versteht es besser, wenn man
ihm Empfindungen, Erinnerungen usw. zuschreibt. Man ergnzt dabei das,
was man beobachtet, durch etwas, das man nicht im Gebiet der eigenen
Empfindungen antrifft. Dieser Gegensatz erscheint nun sehr schroff, ist
es aber nicht. Denn erstens ergnzt der Physiker berhaupt hufig
Komplexe von Empfindungen durch augenblicklich nicht beobachtete
Elemente nach Analogie, z.B. stellt er sich den Mond greifbar, schwer,
trg vor. Tut also tglich dasselbe, was hier so befremdend erscheint.
Zweitens verschwindet die Schroffheit durch folgende Betrachtung. Das
Blatt einer Pflanze: Sein Grn (A) ist verbunden mit einer optischen
Raumempfindung (B), einer Tastempfindung (C) und mit der Sichtbarkeit
einer Quelle farblosen Lichtes (D). Tritt das Gelb (E) der Natriumflamme
anstelle von D, so geht das Grn des Blattes in Braun (F) ber.
Behandelt man das Blatt mit Alkohol, eine Operation, die ebenfalls
durch sinnliche Elemente darstellbar ist, so geht das Grn A in Wei
(G) ber. Das sind physikalische Beobachtungen. Nun ist A auch mit einem
Proze meiner Netzhaut verknpft. Diesen kann ich nun physikalisch in
Elemente Y X Z .. auflsen, indem ich die Ergebnisse der Untersuchung am
fremden Auge nach Analogie bertrage. Nun ist A in seiner Abhngigkeit
von B C D E .. ein physikalisches Element, in seiner Abhngigkeit von Y
X Z .. eine Empfindung und kann auch als psychisches Element aufgefat
werden. Das Grn (A) an sich wird aber in seiner Natur nicht gendert,
ob wir unsere Aufmerksamkeit auf die eine oder auf die andere Form der
Abhngigkeit richten.

[267] A. d. E 22.

[268] A. d. E. 26 f.

[269] A. d. E. 29.

[270] A. d. E. 269.

[271] A. d. E. 27.

[272] E. u. J. 277.

[273] E. u. J. 28.

[274] M. 6.

[275] E. u. J. 450/451.

[276] P. V. 250.

[277] W. L. 393.

[278] E. u. J. 446; E. u. J. 449/450.

[279] W. L. 454.

[280] E. u. J. 277/278.

[281] M. 293.

[282] M. 280.




Lebenslauf.


Geboren am 6. November 1880 zu Klagenfurt in Krnten, katholisch,
absolvierte der Gefertigte die k. u. k. Militr-Oberrealschule zu Mhr.
Weikirchen im Jahre 1897, studierte hierauf in den Jahren 1897 bis 1901
als ordentlicher Hrer an der k. k. technischen Hochschule in Brnn, legte
1899 die erste, 1901 die zweite Staatsprfung aus dem Maschinenbaufache ab.

Nach Ableistung seines Militrdienstes war er durch ein Jahr im
maschinentechnischen Laboratorium der knigl. wrttemberg. technischen
Hochschule in Stuttgart wissenschaftlich ttig.

Seit November 1903 ist er an hiesiger Universitt als ordentlicher Hrer
immatrikuliert und legte im Jahre 1904 am k. k. Ersten deutschen
Gymnasium in Brnn die Maturittsprfung ab.

Die Promotionsprfung bestand er am 27. Februar 1908.




      *      *      *      *      *      *




Anmerkungen zur Transkription:


   Ellipsen wurden wie im Original gesetzt.

   Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert.

   Im Original %fett% gesetzter Text wurde mit % markiert.

   Im Original griechischer Text wurde mit  markiert.

   Doppelte Anfhrungsstriche wurden durch  (unten) und  (oben) ersetzt.

   Einfache Anfhrungsstriche wurden durch > (unten) und < (oben) ersetzt.

   Brche werden folgendermassen dargestellt:  wird zu 1/2 und 2
   wird zu 2-1/4.

   Exponenten werden folgendermassen dargestellt: x wird zu x^2.

   Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen;
   lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.

   Normalerweise wird in diesem Text die Abkrzung usw. verwendet, die
   Variante U. s. w. von Seite 91 wurde aufgrund des Zitates wie Original
   gesetzt dargestellt.

   ,  und  werden zu Beginn eines Wortes bei Groschreibung desselben
   zu Ae, Oe und Ue.

   Beibehalten wurde bezw. (13 fach auf verschiedenen Seiten).

   Einige Ausdrcke wurden in beiden Schreibweisen bernommen:

   Anpassungsprodukts (Seite 33) und Produktes (Seite 84)

   Auesserungen (Seite 98) und Aeuerungen (Seiten 12, 25, 88, 95, 98,
   107 und Funote 227)

   bereit liegende (Seite 20), bereit liegender (Seite 100) und
   bereitliegende (Seite 51)

   besonderen (Seiten 11 und 90) und besondern (Seiten 18 und 87)

   Disziplin (Seite 23) und Disciplinen (Funote 233)

   eigener (Seite 31) und eigner (Seite 18)

   gar nicht (Seiten 23, 59, 79, 80, 89, 107 und 112) und garnicht
   (Seiten 37 und 38)

   gar nichts (Seiten 13, 45, 105 und 117) und garnichts (Seite 26)

   Gebrauches (Seite 31) und Gebrauchs (Seite 88)

   hieher (Seiten 84 und 93) und hierher (Seite 55)

   intellektuellen (Seite 70) und intelektuellen (Seite 45 und
   Funote 64)

   Mach'schen (Seite 119) und Machschen (Seiten 12, 25, 29, 31, 75,
   80, 98 und 104), Mach'sches (Seite 118) und Machsche (Seiten 26,
   58, 79 und Funote 1)

   soferne (Seiten 8 und 27) und sofern (Seiten 111, 113 und 117)

   Standpunktes (Seite 75) und Standpunktes (Seite 9)

   von einander (Seiten 12, 36, 61, 101 und 122) und voneinander
   (16fach verschiedene Seiten)

   zu einander (Seiten 12 und 94) und zueinander (Seiten 22 und 92)

   zugrundeliegt (Seite 123) und zugrunde liegt (Seite 108)


   Die Zeichensetzung in den Zitaten wurde egalisiert, gleichzeitig
   wurden verschiedene Formen von Abkrzungen und volle Formen innerhalb
   eines Zitates beibehalten wie beispielsweise spez. und speziell.


   Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert:

   gendert wurde "Stellung der Aufgabe."
               in "1. Stellung der Aufgabe."
              (Seite 5)

   gendert wurde "naturwissenschaftliche Theorieen nichts als"
               in "naturwissenschaftliche Theorien nichts als"
              (Seite 6)

   gendert wurde "wichtig; sie giebt Machs Ausfhrungen"
               in "wichtig; sie gibt Machs Ausfhrungen"
              (Seite 13)

   gendert wurde "Wesen der Naturwissenscahft zu"
               in "Wesen der Naturwissenschaft zu"
              (Seite 13)

   gendert wurde "Erfolge einer biologisch-psychologischen
                   Betrachtungsewise beweisen"
               in "Erfolge einer biologisch-psychologischen
                   Betrachtungsweise beweisen"
              (Seite 13)

   gendert wurde "Die Vorstellungen passen sich zwar den Tatsachen
                   so an, da sie ein den biologischen Bedrfnissen
                   entsprechendes, hinreichend genaues Abbild der
                   ersteren darstellen,"
               in "Die Vorstellungen passen sich zwar den Tatsachen so
                   an, da sie ein den biologischen Bedrfnissen
                   entsprechendes, hinreichend genaues Abbild der
                   ersteren darstellen,"
              (Seite 17)

   gendert wurde "welche das Denken zu seiner vollen Befriedigung lsen
                   mu,[4] und auch, diese Forderung wird erfllt durch
                   Vereinigung des Prinzips der Permanenz mit jenem der
                   zureichenden Differenzierung der Vorstellungen.[17]"
               in "welche das Denken zu seiner vollen Befriedigung lsen
                   mu, und auch, diese Forderung wird erfllt durch
                   Vereinigung des Prinzips der Permanenz mit jenem der
                   zureichenden Differenzierung der Vorstellungen.[17]"
              (Seite 17)

   gendert wurde "Vorstellung fest und erweitert sie durch die"
               in "Vorstellung fest und erweiterte sie durch die"
              (Seite 18)

   gendert wurde "aufgenommen, und da sie gestzlich aneinandergeknpft
                   sind, gengt"
               in "aufgenommen, und da sie gesetzlich aneinandergeknpft
                   sind, gengt"
              (Seite 20)

   gendert wurde "entwicklungsgeschichtliche, erkenntnispsycholgische
                   und denkkonomische Betrachtungsweise"
               in "entwicklungsgeschichtliche, erkenntnispsychologische
                   und denkkonomische Betrachtungsweise"
              (Seite 21)

   gendert wurde "man frgt, ob sich das"
               in "man fragt, ob sich das"
              (Seite 23)

   gendert wurde "man diese Zustimung Machs aber"
               in "man diese Zustimmung Machs aber"
              (Seite 25)

   gendert wurde "unser wissenschaftliches Tun einrichten.[47] So liefert"
               in "unser wissenschaftliches Tun einrichten.[47]
                   So liefert"
              (Seite 30)

   gendert wurde "er sagt, da jedes Erkennen des noch Unbekannten und
                   Neuen als Kombination des Altbekannten, jede Enthllung
                   des scheinbar Verschiedenartigen als eines
                   Gleichartigen, als eine angenehme Entlastung
                   empfunden wird"
               in "er sagt, da jedes Erkennen des noch Unbekannten und
                   Neuen als Kombination des Altbekannten, jede Enthllung
                   des scheinbar Verschiedenartigen als eines
                   Gleichartigen, als eine angenehme Entlastung
                   empfunden wird"
              (Seite 30)

   gendert wurde "zureichenden Differenzierung[51], so da das
                   Oekonomisieren, Harmonisieren, Organisieren der
                   Gedanken, welches wir als ein biologisches Bedrfnis
                   fhlen, weit ber die Forderung der logischen
                   Widerspruchslosigkeit hinausgeht[52], und andererseits
                   bedeutet"
               in "zureichenden Differenzierung[51], so da das
                   Oekonomisieren, Harmonisieren, Organisieren der
                   Gedanken, welches wir als ein biologisches Bedrfnis
                   fhlen, weit ber die Forderung der logischen
                   Widerspruchslosigkeit hinausgeht[52], und andererseits
                   bedeutet"
              (Seite 30)

   gendert wurde "beschreibenden Gedanken einen Verlust, ist
                   unkonomisch."
               in "beschreibenden Gedanken einen Verlust, ist
                   unkonomisch."
              (Seite 31)

   gendert wurde "hnliche, die man mit Vorteil anwendet.[54]."
               in "hnliche, die man mit Vorteil anwendet.[54]"
              (Seite 31)

   gendert wurde "die gewhnlichen Anschaungen, und ihr"
               in "die gewhnlichen Anschauungen, und ihr"
              (Seite 31)

   gendert wurde "und in wiefern die Naturerkenntnis bedeutenderen"
               in "und inwiefern die Naturerkenntnis bedeutenderen"
              (Seite 33)

   gendert wurde "keinen selbstndigen Wert, keinen Erklrungsewrt;
                   sie sind nur da"
               in "keinen selbstndigen Wert, keinen Erklrungswert;
                   sie sind nur da"
              (Seite 33)

   gendert wurde "der mechanischen Physik das hinter den Erscheinugen"
               in "der mechanischen Physik das hinter den Erscheinungen"
              (Seite 33)

   gendert wurde "zur Einbeziehung der >Hypothesen in das"
               in "zur Einbeziehung der >Hypothesen< in das"
              (Seite 35)

   gendert wurde "so zuversichtlich aufgetretenenen Bestrebungen"
               in "so zuversichtlich aufgetretenen Bestrebungen"
              (Seite 37)

   gendert wurde "Entwicklung und historisch mit unter ihre Grnde zu
                   rechnen"
               in "Entwicklung und historisch mitunter ihre Grnde zu
                   rechnen"
              (Seite 37)

   gendert wurde "Voraussetzungen erklren lasse, soda zwischen solchen"
               in "Voraussetzungen erklren lasse, so da zwischen solchen"
              (Seite 38)

   gendert wurde "Differenzpunkte unvollstndig bekant sind, da"
               in "Differenzpunkte unvollstndig bekannt sind, da"
              (Seite 40)

   gendert wurde "die Form einer Kurve erfaen will, so zerlegt"
               in "die Form einer Kurve erfassen will, so zerlegt"
              (Seite 42)

   gendert wurde "bewltigen, und weisst den Weg, auf dem"
               in "bewltigen, und weist den Weg, auf dem"
              (Seite 43)

   gendert wurde "sei, kann nur inbezug auf eine andere"
               in "sei, kann nur in Bezug auf eine andere"
              (Seite 48)

   gendert wurde "gleichfrmig sei, hat daher keinen Sinn[99] Newtons
                   Versuch, zwischen"
               in "gleichfrmig sei, hat daher keinen Sinn.[99] Newtons
                   Versuch, zwischen"
              (Seite 48)

   gendert wurde "konventionelles ist, so dass Schlsse daraus"
               in "konventionelles ist, so da Schlsse daraus"
              (Seite 48)

   gendert wurde "Da Mach aber diese Unterchiede fr hinfllig"
               in "Da Mach aber diese Unterschiede fr hinfllig"
              (Seite 49)

   gendert wurde "auch die ganze Bedeutung des Trgheitsgestzes."
               in "auch die ganze Bedeutung des Trgheitsgesetzes."
              (Seite 50)

   gendert wurde "und da kann erfahrungsgem zwei Krper, die"
               in "und da dann erfahrungsgem zwei Krper, die"
              (Seite 50)

   gendert wurde "und dass alle physikalischen Begriffe"
               in "und da alle physikalischen Begriffe"
              (Seite 51)

   gendert wurde "induktiven Methodik ganz im allgemeinen). Und so"
               in "induktiven Methodik ganz im allgemeinen.) Und so"
              (Seite 55)

   gendert wurde "Krpers, sie ist nur ein Komplement derselben.[1]"
               in "Krpers, sie ist nur ein Komplement derselben."
              (Seite 59)

   gendert wurde "und Wirkung charakterisiert[134] Wohl sagt"
               in "und Wirkung charakterisiert.[134] Wohl sagt"
              (Seite 59)

   gendert wurde "Beleuchtung sind aber beide Variable einer
                   Zustandsgleichung"
               in "Beleuchtung sind aber beide Variablen einer
                   Zustandsgleichung"
              (Seite 60)

   gendert wurde "weil sie eben in ganz unalysierten Fllen vielfach
                   vermittelter Abhngigkeit"
               in "weil sie eben in ganz unanalysierten Fllen vielfach
                   vermittelter Abhngigkeit"
              (Seite 60)

   gendert wurde "nicht nur dann, wenn mehr als zwei Elemente in unmittel
                   betrachteten Elemente nicht in unmittelbarer sondern in
                   barer Abhngigkeit,[142] sondern noch viel mehr, wenn
                   die mittelbarer, durch mehrfache Ketten von Elementen
                   vermittelter"
               in "nicht nur dann, wenn mehr als zwei Elemente in
                   unmittelbarer Abhngigkeit,[142] sondern noch viel mehr,
                   wenn die betrachteten Elemente nicht in unmittelbarer
                   sondern in mittelbarer, durch mehrfache Ketten von
                   Elementen vermittelter"
               (Seite 62)

   gendert wurde "Dem vorhin als Beispiel angezogenen Boyle'schen Gesetz
                   knnte noch der Entwurf gemacht werden, da es berhaupt
                   keine kausale Verknpfung ausdrcke, sondern"
               in "Dem vorhin als Beispiel herangezogenen Boyle'schen
                   Gesetz knnte noch der Vorwurf gemacht werden, da es
                   berhaupt keine kausale Verknpfung ausdrcke, sondern"
              (Seite 63)

   gendert wurde "eine ganz zentrale Stelung zukommt. Denn"
               in "eine ganz zentrale Stellung zukommt. Denn"
              (Seite 64)

   gendert wurde "in weitem Umfange mit einander verknpfen, und zwar"
               in "in weitem Umfange miteinander verknpfen, und zwar"
              (Seite 64)

   gendert wurde "Bestimmung der Abhngigkeit der Merkmale der Tatsachen
                   voneinander,[148], und"
               in "Bestimmung der Abhngigkeit der Merkmale der Tatsachen
                   voneinander,[148] und"
              (Seite 65)

   gendert wurde "der Tatsachen ihre Berechtigung zu sehn: hlt man"
               in "der Tatsachen ihre Berechtigung zu sehen: hlt man"
              (Seite 65)

   gendert wurde "einen mebaren tatschlichen Beewgungsumstand, das
                   Produkt"
               in "einen mebaren tatschlichen Bewegungsumstand, das
                   Produkt"
              (Seite 67)

   gendert wurde der Funotenmarker "4"
              in den relevanten Funotenmarker "166"
             (Seite 70)

   gendert wurde "statt fr eine metaphysiche Bewegungsursache lediglich"
               in "statt fr eine metaphysische Bewegungsursache lediglich"
              (Seite 74)

   gendert wurde "Stzen, die aus der Anschaung folgen"
               in "Stzen, die aus der Anschauung folgen"
              (Seite 82)

   gendert wurde "Elemente der Mosaik, aus welchen"
               in "Elemente der Mosaike, aus welchen"
              (Seite 83)

   gendert wurde "Denn in der Tat halten wir einen Vorgang fr erklrt,
                   wenn es uns gelingt, in demselben bekannte einfache
                   Vorgnge zu erblicken;"
               in "Denn in der Tat halten wir einen Vorgang fr erklrt,
                   wenn es uns gelingt, in demselben bekannte einfache
                   Vorgnge zu erblicken;"
              (Seite 83)

   gendert wurde "3 Es knnte der Sinn auch"
               in "3. Es knnte der Sinn auch"
              (Seite 95)

   gendert wurde "Naturnotwendigkeit gedacht werden kann). Wollen wir
                   diese"
               in "Naturnotwendigkeit gedacht werden kann.) Wollen wir
                   diese"
              (Seite 95)

   gendert wurde "Zusammenhang des Ganzen inbetracht kommen, whrend"
               in "Zusammenhang des Ganzen in Betracht kommen, whrend"
              (Seite 95)

   gendert wurde "die schrferen Interpretationen inbetracht.
                   Die Entscheidung"
               in "die schrferen Interpretationen in Betracht.
                   Die Entscheidung"
              (Seite 96)

   gendert wurde "ber die sinnfligen Erfahrungen zu"
               in "ber die sinnflligen Erfahrungen zu"
              (Seite 96)

   gendert wurde "nach einer anderer Seite suchen hiee, nur unter"
               in "nach einer anderen Seite suchen hiee, nur unter"
              (Seite 97)

   gendert wurde "Erwgung gestellten Interpretationen zuspizt. Diese
                   ist daher"
               in "Erwgung gestellten Interpretationen zuspitzt. Diese
                   ist daher"
              (Seite 98)

   gendert wurde "aber >jeder naturwissenschaftliche Satz ein
                   ~Abstraktum~, welches die Wiederholung gleichartiger
                   Flle zur Voraussetzung hat,"
               in "aber jeder naturwissenschaftliche Satz ein
                   ~Abstraktum~, welches die Wiederholung gleichartiger
                   Flle zur Voraussetzung hat,"
               (Seite 98)

   gendert wurde "Verschrfung der Naturgesetze die zunehmende
                   Einschrnkung"
               in "Verschrfung der Naturgesetze, die zunehmende
                   Einschrnkung"
              (Seite 99)

   gendert wurde "Gesetze, der Begriff des Strahls die dioptrischen
                   Gesetze, das"
               in "Gesetze, der Begriff des Strahls, die dioptrischen
                   Gesetze, das"
              (Seite 100)

   gendert wurde "einer durch eine begrifflichen Mareaktion
                   charakterisierten"
               in "einer durch eine begriffliche Mareaktion
                   charakterisierten"
              (Seite 102)

   gendert wurde "der Erscheinungen[236] ein quantitatives Regulativ
                   der"
               in "der Erscheinungen[236], ein quantitatives Regulativ
                   der"
               (Seite 107)

   gendert wurde "in der sinnlichen Wirklickheit gar nicht angetroffen"
               in "in der sinnlichen Wirklichkeit gar nicht angetroffen"
              (Seite 107)

   gendert wurde "Art des Zusamenhanges sinnlicher"
               in "Art des Zusammenhanges sinnlicher"
              (Seite 108)

   gendert wurde "wenn noch die Iustierung der Apparate in Betracht"
               in "wenn noch die Justierung der Apparate in Betracht"
              (Seite 108)

   gendert wurde "wollen, hiee Mythologie statt Wissenschaft treiben."
               in "wollen, hiee Mythologie statt Wissenschaft treiben."
              (Seite 109)

   gendert wurde "das relativ Feste und Bestndige tritt hervor, prgt
                   sich ein, drckt sich in der Sprache aus."
               in "das relativ Feste und Bestndige tritt hervor, prgt
                   sich ein, drckt sich in der Sprache aus."
              (Seite 109)

   gendert wurde "Kerne allen Inhalt[255]); nicht die Dinge, sondern
                   was wir"
               in "Kerne allen Inhalt[255]; nicht die Dinge, sondern
                   was wir" (Seite 110)

   gendert wurde "zielend, da die Trennung zwsichen eigenen und"
               in "zielend, da die Trennung zwischen eigenen und"
              (Seite 111)

   gendert wurde "die Naturgestze seien nur ein quantitatives Regulativ"
               in "die Naturgesetze seien nur ein quantitatives Regulativ"
              (Seite 111)

   gendert wurde "zusammen als diese untereinander[3], denn unsere"
               in "zusammen als diese untereinander, denn unsere"
              (Seite 112)

   gendert wurde "kann, knnen alleElemente als Empfindungen gelten"
               in "kann, knnen alle Elemente als Empfindungen gelten"
              (Seite 113)

   gendert wurde "von dieser Interpretaion zur Leugnung einer
                   Naturnotwendigkeit,"
               in "von dieser Interpretation zur Leugnung einer
                   Naturnotwendigkeit,"
              (Seite 115)

   gendert wurde "Relationen zu fremden Krpern physich nennt, ist"
               in "Relationen zu fremden Krpern physisch nennt, ist"
              (Seite 117)

   gendert wurde "Person gar nichts an ihm ndert u, dgl. So"
               in "Person gar nichts an ihm ndert u. dgl. So"
              (Seite 117)

   gendert wurde "noch psychisch, nur in bezug auf andere Elemente"
               in "noch psychisch, nur in Bezug auf andere Elemente"
              (Seite 117)

   gendert wurde "auf eine Weise geschehen kann. [277] Die genauere"
               in "auf eine Weise geschehen kann.[277] Die genauere"
              (Seite 121)

   gendert wurde "zielt auf mglichst vollstndige Bstimmtheit, auf
                   eindeutige"
               in "zielt auf mglichst vollstndige Bestimmtheit, auf
                   eindeutige"
              (Seite 121)

   gendert wurde "ja nicht der Fal ist) die Leugnung"
               in "ja nicht der Fall ist) die Leugnung"
              (Seite 122)

   gendert wurde "darum noch nicht ganz wilkrlich"
               in "darum noch nicht ganz willkrlich"
              (Seite 122)

   gendert wurde "Naturnotwendigkeit aber gekomen sein"
               in "Naturnotwendigkeit aber gekommen sein"
              (Seite 123)

   gendert wurde "E. u. J. 443 Vgl. E. u. J. 229; A. d. E. 246; m. 210."
               in "E. u. J. 443 Vgl. E. u. J. 229; A. d. E. 246; M. 210."
              (Funote 8)

   gendert wurde "deutlich unterscheidbare Lockruf Warnungsruf,
                   Angriffsruf der Herdentiere in unwillkrlich
                   entstandenes Zeichen"
               in "deutlich unterscheidbare Lockruf, Warnungsruf,
                   Angriffsruf der Herdentiere ein unwillkrlich
                   entstandenes Zeichen"
              (Funote 12)

   gendert wurde "in mchtig ausgespannten Analogieen (E. u. J. 217--229).
                   So ist es die Vergleichung, welche .. mchtigste
                   innere Lebenselement der Wissenschaft darstellt,
                   und man knnte"
               in "in mchtig ausgespannten Analogien (E. u. J. 217--229).
                   So ist es die Vergleichung, welche .. das mchtigste
                   innere Lebenselement der Wissenschaft darstellt,
                   und man knnte"
              (Funote 25)

   gendert wurde "E. u. J. 114. Nur der Erfolg entscheidet zwischen
                   Erkenntnis und Irrtum. Man"
               in "E. u. J. 114: Nur der Erfolg entscheidet zwischen
                   Erkenntnis und Irrtum. Man"
              (Funote 40)

   gendert wurde "zeigt dies nur, die innere Unsicherheit"
               in "zeigt dies nur die innere Unsicherheit"
              (Funote 40)

   gendert wurde "bei Beurteilung der Wisenschaft nicht mehr"
               in "bei Beurteilung der Wissenschaft nicht mehr"
              (Funote 41)

   Zugefgt wurden "[51] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.
                    [52] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391."
              (Funoten 51 und 52)

   gendert wurde "F. Rosenberger, die Geschichte der Physik"
               in "F. Rosenberger, Die Geschichte der Physik"
              (Funote 59)

   gendert wurde "Goldbeck, Galileis Atomstik, Bibl. mathem. 3."
               in "Goldbeck, Galileis Atomistik, Bibl. mathem. 3."
              (Funote 63)

   gendert wurde "von Atomen, Jonen, Elektronen, Wirbeln"
               in "von Atomen, Ionen, Elektronen, Wirbeln"
              (Funote 64)

   gendert wurde "Beschleunigung von 9.81 Met./Sek. eines freifallenden"
               in "Beschleunigung von 9.81 Met./Sek.^2 eines freifallenden"
              (Funote 100)

   gendert wurde "gewisser magebender, uns unzulnglicher unabhngig
                   Variablen beruhen."
               in "gewisser magebender, uns unzugnglicher unabhngiger
                   Variablen beruhen."
              (Funote 126)

   gendert wurde "Eigenschaften, wo dieselben hervorteten knnen,
                   stets bereit"
               in "Eigenschaften, wo dieselben hervortreten knnen,
                  stets bereit"
              (Funote 162)

   gendert wurde "Begriff Beschleunigung eines freifallenden Krpers
                   von 9:81 Met./Sek. bedeutet, da"
               in "Begriff Beschleunigung eines freifallenden Krpers
                   von 9:81 Met./Sek.^2 bedeutet, da"
              (Funote 166)

   gendert wurden verschiedene Zeilenanordnungen in Funote 166

   gendert wurde "oder in einer verwickelten physichen oder technischen
                   Operation, die"
               in "oder in einer verwickelten physischen oder technischen
                   Operation, die"
              (Funote 166)

   gendert wurde "Ist uns eine Tatsache gelufig geworden, so"
               in "Ist uns eine Tatsache gelufig geworden, so"
              (Funote 190)

   gendert wurde "nicht mehr verwirrend, sondern erklrt."
               in "nicht mehr verwirrend, sondern erklrt."
              (Funote 193)

   gendert wurde "keine konstante Beschleunigung gegen einander ein, sie"
               in "keine konstante Beschleunigung gegeneinander ein, sie"
              (Funote 204)

   gendert wurde "Die neue Denkgewohnheit feshaltend, sieht Newton"
               in "Die neue Denkgewohnheit festhaltend, sieht Newton"
              (Funote 205)

   gendert wurde "Irrtmern durchaus nicht gesichert sind.
                  (E. u. J. 441)."
              in "Irrtmern durchaus nicht gesichert sind.
                 (E. u. J. 441.)"
             (Funote 212)

   gendert wurde "alles, wovon das Untersuchung unabhngig scheint, als
                   fr den vorliegenden Zweck nebenschlich oder
                   gleichgltig auszusondern. In der Tat ergeben sich die
                   wichtigsten Entdeckungen durch diesen Proze der
                   Abstraktion. (E. u. J. 135.)."
               in "alles, wovon die Untersuchung unabhngig scheint, als
                   fr den vorliegenden Zweck nebenschlich oder
                   gleichgltig auszusondern. In der Tat ergeben sich die
                   wichtigsten Entdeckungen durch diesen Proze der
                   Abstraktion. (E. u. J. 135)."
              (Funote 219)

   gendert wurde "unseren augenblicklichen Bedrfnissen entspricht.
                   (P. V. 235.)."
               in "unseren augenblicklichen Bedrfnissen entspricht.
                   (P. V. 235)."
              (Funote 220)

   gendert wurde "vollkommenes Gas, eine volkommene Flssigkeit"
               in "vollkommenes Gas, eine vollkommene Flssigkeit"
              (Funote 227)

   gendert wurde "erfllen, wie die theoretische Physik."
               in "erfllen, wie die theoretische Physik."
              (Funote 229)

   gendert wurde "mit verschiedenen anderen Elementen verknpf sind"
               in "mit verschiedenen anderen Elementen verknpft sind"
              (Funote 262)

   gendert wurde "beim Seitwrtsdrcken des Bulbus verschwindet
                   beim Schlieen"
               in "beim Seitwrtsdrcken des Bulbus, verschwindet
                   beim Schlieen"
              (Funote 262)

   gendert wurde "Nur eine ideelle, denkkonomische, keine relle
                   Einheit hat"
               in "Nur eine ideelle, denkkonomische, keine reelle
                   Einheit hat"
              (Funote 263)



***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK BEITRAG ZUR BEURTEILUNG DER LEHREN
MACHS***


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electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

