The Project Gutenberg eBook, Ueber die Arsenikvergiftung ihre Hlfe und
gerichtliche Ausmittelung, by Samuel Hahnemann


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Title: Ueber die Arsenikvergiftung ihre Hlfe und gerichtliche Ausmittelung


Author: Samuel Hahnemann



Release Date: September 16, 2014  [eBook #46878]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK UEBER DIE ARSENIKVERGIFTUNG IHRE
HLFE UND GERICHTLICHE AUSMITTELUNG***


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Anmerkungen zur Transkription

      Der vorliegende Text wurde anhand der 1786 erschienenen Ausgabe
      nahezu originalgetreu wiedergegeben; die Rechtschreibung
      wurde, abgesehen von offensichtlichen typographischen
      Fehlern, unverndert bernommen. Inkonsistente Schreibweisen
      (z.B. Foderung/Forderung; brenbar/brennbar) wurden nicht
      vereinheitlicht. Einzelne Buchstaben und Satzzeichen wurden
      stillschweigend ergnzt bzw. gendert.

      [alpha], [beta] und [gamma] stehen fr die entsprechenden
      griechischen Buchstaben.

      Im Originaltext wurden verschiedene Schriftarten und
      -auszeichnungen verwendet. Diese wurden hier folgendermaen
      dargestellt:

          kursiv:   _text_
          fett:     =text=
          gesperrt: ~text~
          Antiqua:  /text/





                               Ueber die
                           Arsenikvergiftung
                              ihre Hlfe
                                  und
                       gerichtliche Ausmittelung
                                  von
                           Samuel Hahnemann
                        der Arzneikunde Doktor.

                            [Illustration]

                            Leipzig, 1786.
                    bey Siegfried Lebrecht Crusius.




Eine Menge Ursachen, ich mag sie nicht herzhlen, haben seit einigen
Jahrhunderten die Wrde jener gottnachahmenden Wissenschaft,
der praktischen Heilkunde zur elenden Brodklauberei, zur
Symptomenbertnchung, zum erniedrigenden Rezepthandel, Gott erbarms,
herunter getrieben, zum Handwerke, das die Hippokrate unentdekbar unter
den Trotz befranzter Arzneibuben mischt.

Wie selten gelingts noch hie und da einem rechtschafnen Manne, durch
die Grse ausgezeichneter Wissenschaften und Talente sich ber die
Heuschrekenwolke der Medikaster zu erheben, und einen so reinen und
chten Glanz ber die Kunst zu werfen, an deren Altare er dient, da
es selbst dem Pbel unmglich fllt, den ehrwrdigen freundlichen
Abendstern mit dnstigen Sternschnupfen zu verwechseln! Wie selten ist
diese Erscheinung, und, deshalb, wie unvermgend, der gereinigtern
Heilkunde berhaupt ihren vermoderten Adelsbrief zu erneuern!

Nur noch eine Freistadt des arzneilichen Ruhms blieb dem Kerne der
Asklepiaden brig, der Richterstuhl der forensischen Arzneikunde. Da es
hier nichts im Dunkeln zu morden, keine Krankheit fr baares Geld zu
verlngern, keine Krankenjahrgehalte zu erschnappen, oder Gelegenheiten
giebt, das bescheidne Talent von eintrglichen Husern hinweg zu
kabaliren, so sehnt sich ohnehin der lftige Haufe nicht hieher. Hrt
er nun gar, da es hier auf offene Beweise grndlicher Kentnisse, ja
des ganzen Inbegrifs unsrer Kunst ankomme, da hier mhsame Thaten
von ungeblendeten Richtern gesichtet, und oft blos durch ruhiges
Selbstbewustseyn belohnt werden, da man hier Seichtheit auszuzischen
und Aberwiz zu brandmarken pflege, dann schleicht er hinweg -- sie
sind mir zu sauer, die hohen Trauben! Wohl! denn hier gleitet nur an
dem, den innerer Halt wrdet, die Feile des Juwelenkenners ab, indes
gefrbter Glasflus unter Hohngelchter zersplittert --

Da jeder, der mit Grazie den Puls zu tasten weis, auch Vergiftungen zu
heilen sich anmast, auch fr fhig hiezu angesehn wird, so lange der
Spas aussergerichtlich bleibt, so wird man den klinischen Theil dieser
Abhandlung schwerlich einiger ernstlichen Aufmerksamkeit wrdigen --
denn jeder weis ja was von Brechmitteln, Milch, Oel und Theriak. Aber
wie, wenn eine erlauchte Fakultt das Curverfahren mustert, ists dann
so leicht, wie in unserm Schulexamen zu bestehn? Sonst wohl, jezt
schwerlich! seit man aufhrte, sich mit Auswendiglernen des Zacchias zu
begngen.

Der zweite Theil dieser Schrift wird dem gerichtlichen Arzte willkomner
seyn, der es nicht mehr belnehmen darf, wenn man jezt etwas tiefere
chemische Kentnisse von ihm verlangt, als sonst wohl gnge und
gebe waren. Wirkt nun noch berdem der Werth eines gefhrteten
Menschenlebens -- oder, wo das nicht, doch seine eigne Ehre und Schande
etwas stark auf seine Seele, wie billig; so wirds ihm auch nicht gleich
viel seyn, er wisse vom Daseyn oder der Abwesenheit des Giftes den
Richter unleugbar zu berzeugen, oder nicht.

Dresden, den zehnten July, 1786.

                                                        =Hahneman.=




Inhalt.


Erster Theil.

Erstes Kapitel.

Kentnis der Arseniksorten, ihrer Natur und ihres Verhaltens gegen
chemische Krper, so fern sie auf Heilung und Beurtheilung der
Arsenikvergiftung einfliest.

    . 1. Einschrnkung des Zweks

    . 2. auf die Erkentnis des Arseniks, aus der seine
    Gegenmittel und seine gerichtliche Erforschung fliesen.

    . 3. Den mit Arsenik beschftigten Handwerkern kan
    die Systemkentnis dieses Gifts gleichgltig seyn,

    . 4. wegen der eigentlich Vergifteten mus man sie
    inne haben.

    . 5., 6. Kufliche Sorten, weisser Arsenik, Fliegenstein,
    Operment.

    . 7. Fliegenstein, sein Geburtsort, seine Abarten.

    . 8. usserliche Beschaffenheit, Schwere; ist nicht
    Kobald,

    . 9., 10. ist ein Metall;

    . 11., 12. von dem Verhltnisse seines Brenbaren, seine
    Feuerbestndigkeit,

    . 13. lst sein Brennbares leicht fahren,

    . 14. lang aufbewahrter Fliegenstein tdlicher als
    frischer.

    . 15. Uebergang zur Auflslichkeit der Arseniksorten.

    . 16. Arseniksure am leichtauflslichsten.

    . 17. Weisser Arsenik, sein Ansehn, Gewicht, Brenbares,
    Auflslichkeit.

    . 18. Auflslichkeit (bei der Wrme des menschlichen
    Krpers) im Wasser,

    . 19. bis 24. fernere Bestimmungen derselben.

    . 25. Der graue Arsenikkalk, Entstehung, Schwere,
    Auflslichkeit im Wasser. Arsenikmulm.

    . 26. bis 30. Auflslichkeit des Fliegensteins im
    Wasser.

    . 31. Operment, Geburtsort, Gestalt, Schwere,
    Schwefelantheil.

    . 32., 33. Auflslichkeit im Wasser;

    . 34. Vergleichung des natrlichen mit dem auf nassem
    Wege bereiteten.

    . 35. Andre geschwefelte Arseniksorten, Ansehn, Schwere,
    Schwefelantheil -- muthmasliche Entstehung
    des rothen Arseniks.

    . 36. Uebergang zur Auflslichkeit der Arsenikarten in
    andern Fligkeiten,

    . 37. in Oelen,

    . 38. in Milch,

    . 39. in Suern,

    . 40. in Eig,

    . 41. bis 43. in Laugensalzen.

    . 44. bis 48. Hinderungen der Auflsung des Arseniks
    darin.

    . 49. bis 53. Hinwegrumung der Hindernisse,

    . 54., 55. vorzglich durch Auflsung im Seifwasser.

    . 56., 57. Auflsung des Arseniks im Magensafte,

    . 58., 59. im Feuer, sein Verdampfungs- und Sublimazionsgrad.

    . 60., 61. Schwerauflsliche Verbindungen des
    Arseniks,

    . 62., 63. Przipitation mit Metallen,

    . 64., 65. mit luftsaurem Eisen,

    . 66. mit Kalkerde, zum Kalkarsenik,

    . 67. mit Schwefelleberluft zum Operment,

    . 68., 69. mit Schwefel in Substanz, eine Schimre;
    Auflslichkeit des Schwefels im Wasser.


Zweiter Theil.

Geschichte und Hlfe der Arsenikvergiftungskrankheiten.


Zweites Kapitel.

Gelegenheiten und Gestalten, unter denen Arsenik in unsern Krper kmt.

    . 70. Oekonomischer und technischer Gebrauch des
    Arseniks.

    . 71., 72. Unwillkhrliche Vergiftungen durch Fehlgriffe
    und Unvorsichtigkeit.

    . 73. Selbstmorde.

    . 74. An andern volzogne Arsenikvergiftung, schleichende,
    arzneiliche.

    . 75. Aqua tosfana besteht nicht aus Canthariden und
    Opium,

    . 76. ist ein Arsenikgift,

    . 77. mit einem narkotischen Ingredienz. (oder ein
    Arsenikmittelsatz)

    . 78. Arsenikalische Fieberarzneien,

    . 79. bis 84. ihre Schdlichkeit.

    . 85. Krebswasser des Lefebre.

    . 86. bis 91. Aeusserliche Anwendung des Arseniks,
    ihre Schdlichkeit.

    . 92. bis 95. Nthige Einschrnkung seines Verkaufs.


Drittes Kapitel.

Symptomen der drei Grade der innern Arsenikvergiftung, und die der
ussern.

    . 96. Innere Vergiftung, Uebergang zur Symptomenlehre
    derselben.

    . 97. verschlimmernde Nebenumstnde bei der Verschluckung.

    . 98. Dauer der schnelltdlichsten Arsenikvergiftung.

    . 99. bis 107. Gang dieses ersten Grades.

    . 108. bis 110. Zuszze.

    . 111. Der zweite Grad, Dauer von einem oder mehrern
    Tagen.

    . 112. bis 114. Bedingungen seiner Entstehung,

    . 115. bis 120. Abweichungen desselben vom ersten
    Grade,

    . 121. Erhhung durch Leidenschaften,

    . 122. Natur des bei diesem Grade gewhnlichen Todes.

    . 123. bis 127. Dritter Grad, Nachwehen des zweiten, vom Uebergange
    des Gifts in die zweiten Wege -- Crisen (Kontraktur, Lhmung,
    Arsenikfriesel, Ausfallen der Haare, Abschuppung der Oberhaut.)

    . 128., 129. Schleichendes Fieber wegen innerer Verlezzungen.

    . 130. Vorhersagung.

    . 131. Vergiftung durch italienische Gifte,

    . 132. durch Operment und andre geschwefelte Arsenike,

    . 133. durch usserliche Anwendung des Arseniks,

    . 134., 135. durch Einsaugung des arsenikalischen Staubs
    und Rauchs.


Viertes Kapitel.

Wirkungsart des Arseniks.

    . 136. Im Magen und berhaupt auf der freien Faser,

    . 137. hergeleitet von seiner Schwere und Auflslichkeit.

    . 138. Wirkt nicht durch scharfe schneidende Spizzen.

    . 139. Seine reizende und einschrumpfende Kraft,

    . 140. sein spezifischer Eindruck auf das Empfindungssystem des
    Lebensprinzipiums,

    . 141., 142. spezifischer Eindruck auf die Muskelfaser; tdet die
    Irritabilitt,

    . 143. doch nicht ohne erregte Entzndung; Ausnahmen hievon.

    . 144. Erklrung des chronischen Zitterns, und der brennenden
    Schmerzen der Arsenikgicht in den leidenden Gliedmasen.

    . 145. Empfnglichkeit des Krpers, als Ursache der verschiednen
    Wirkung.

    . 146. Fernere Erluterung der reizenden und einschrumpfenden
    Kraft.

    . 147. Entstehung der Anfressungen und Schorfe.

    . 148. Der einschrumpfende Reiz bringt die Kontraktur in den
    zweiten, so wie das fruchtlose Wrgen und die peinliche Kolik in
    den ersten Wegen hervor.

    . 149. Einschrumpfende Wirkung des Arseniks auf die Schliesmuskeln
    des Krpers.

    . 150. Entstehung und Gefahr des zurckbleibenden Erbrechens und
    des konvulsivischen unergiebigen Wrgens.

    . 151. Schwierige Ausleerung, besonders des Operments und
    Fliegensteins.

    . 153. Aufgelstes Blut in den Aderstmmen.

    . 154. bis 157. Vergleichung der innern mit seiner Wirkungsart
    auf die freie Faser der usserlichen Theile des Krpers, und die
    Epidermis.


Fnftes Kapitel.

Heilart der schnellen innern Arsenikvergiftung.

    . 158., 159. Eintheilung der Heilmittel in Klassen.

    . 160. Erste Klasse, die schdlichen, zwekwidrigen, erdige,
    hizzige, narkotische,

    . 161. Brechmittel.

    . 162. Zweite Klasse, die durch Schein der Gleichgltigkeit
    schdlichen, Wasser, Eig.

    . 163. Suren berhaupt.

    . 164. Dritte Klasse, dienliche, oft unzulngliche, Milch, Oele,
    Rahm.

    . 165., 166. Vierte Klasse, Mittel die Navier fr spezifisch
    ausgiebt.

    . 167. Anfhrung, Beurtheilung derselben;

    . 168. wie er sie zu brauchen empfiehlt,

    . 169. Anmerkungen darber.

    . 170. Fnfte Klasse, der dienlichsten.

    . 171. bis 174. Einleitung in die

    . 175. Heilanzeigen der drei Grade der Arsenikvergiftung, mit
    ihrer Genugthuung; zur Uebersicht.

    . 176. Die beim ersten Grade vorgeschlagnen Mittel sind leicht,
    berall zu haben, wohlfeil.

    . 177. bis 189. Einleitung zur Dienlichkeit der starken
    Seifenauflsung,

    . 190. Anfhrung ihrer hier unentbehrlichen, dienlichen Krfte.

    . 191. Ist berall bei der Hand, und leicht zu bereiten,

    . 192. das beste anfngliche Hlfsmittel,

    . 193. bis 195. wenn auch das Gift unbekanter Natur wre.

    . 196. Vorschrift ihrer Zubereitung,

    . 197. bis 199. ihrer Anwendung.

    . 200. Erinnerung, wenn ja kein Erbrechen erfolgte.

    . 201. Vorsichtsregeln fr krnkliche Krperbeschaffenheit.

    . 202. Aderlas.

    . 203. Gabe jenes Mittels in Rksicht des Alters.

    . 204. Wie beim Erbrechen mit dem Einflsen zu verfahren,

    . 205. wie weit man nach Verschluckung der vorgeschriebnen Gabe
    gekommen sei.

    . 206. Das hlfreichste Erbrechen ist geschehen.

    . 207. Die nchste Hlfleistung.

    . 208., 209. Vorteile des dnnern Seifwassers,

    . 210. Seine Bereitung, sein Gebrauch,

    . 211. Wirkung.

    . 212., 213. Bhungen (zweiter Aderlas,)

    . 214. Klystiere,

    . 215. laues ganzes Bad,

    . 216. halbes oder Fusbad.

    . 217. Ruhefrist bis zur Nachhlfe.

    . 218., 219. Unterschied, den die drei Arseniksorten in der Cur
    machen.

    . 220. Zur Nachhlfe; Seifwasser mit Oel, oder Milch mit Rahm
    vermischt, auf dem Lande.

    . 221. In Stdten Wasser mit Schwefelleberluft gesttigt, und mit
    Milchrahm oder Schleimen gemischt; Umschlge, Klystiere.

    . 222. bis 225. Bereitung des Leberluftwassers.

    . 226. bis 230. Vortreflichkeit dieses Hlfsmittels.

    . 231., 232. Anwendung.

    . 233. Stellvertretende Mittel auf dem Lande.

    . 234. Beihelfende Mittel; Sahnekaffee.

    . 235., 236. Rizinusl.

    . 237. bis 244. Der Wilkhr des Arztes anheim gestelte
    Vernderungen der Vorschrift; Hlfe verschiedner Nebenumstnde;
    Nacherinnerungen.


Sechstes Kapitel.

Heilart der Nachwehen und der italienischen Vergiftung, so wie der
Bergsucht.

    . 245. bis 250. Einleitung zur Hlfe der Nachwehen in den ersten
    Wegen;

    . 251. Grade der Symptomen von Verlezzung des Speisekanals.

    . 252. Bei ihrer Abhlfe ist der Gebrauch der Leberluft nicht zu
    zeitig hintanzusezzen.

    . 253. Algemein passend mus die Nachkur seyn: Milch nicht
    wiederkuender Thiere.

    . 254., 255. Vorzge der Milch berhaupt zu diesem Zwek,

    . 256. beim ersten Grade der Symptomen,

    . 257. und selbst gegen die schlimste Art der innern Zerstrungen.

    . 258. Abhlfe der Leibesverstopfung bei der Milchdit,

    . 259., 260. Anwendung, Gabe;

    . 261., 262. Nebenindikazionen.

    . 263. bis 266. Uebergang zur krftigern Kost und Lebensordnung der
    Genesenden.

    . 267. Vergleichung der Zuflle der schleichenden Vergiftung mit
    denen der Bergsucht.

    . 268. Chronische Arsenikvergiftungszuflle, die hier selten
    vorkommen.

    . 269. Eingang in die Heilung der schleichenden Vergiftung.

    . 270. Verbindung der Milchdit mit den spezifischen Gegenmitteln,

    . 271. Der Schwefelleberluft

    . 272. bis 274. in Bdern,

    . 275. in damit verbundnen Getrnken.

    . 276. Vortreflichkeit dieser Luft zu unsrer Absicht.

    . 277. Uebrige, dazu gehrige Dit,

    . 278. Abfhrmittel.

    . 279. Kennzeichen der natrlichen schwefelleberlufthaltigen
    Wsser.

    . 280. bis 283. Nachahmung derselben zu Hause.

    . 284., 285. Die Bereitungsart der natrlichen im Schose der Erde.

    . 286. Bereitung der Schwefelleber zu den knstlichen Bdern.

    . 287. Aehnliches zum Trinken bestimtes Wasser.

    . 288. Wie sind die Vortheile der natrlichen bei den knstlichen
    zu ersezzen?

    . 289. Wirkung dieser Verordnung.

    . 290. Uebergang zu dem Gebrauche der eisenhaltigen Wsser,

    . 291. Grund ihrer Dienlichkeit.

    . 292. Rksicht auf die geschwchten Verdauungswerkzeuge bei der
    italienischen Vergiftung.

    . 293. Natur der bergschtigen Engbrstigkeit; spezifisches
    Gegenmittel.

    . 294. Hlfe bei arsenikalischer Kontraktur -- Arsenikfriesel.

    . 295. Cur der Lhmung, des chronischen Zitterns und der
    Konvulsionen.


Siebentes Kapitel.

Heilart der schnellen ussern Arsenikvergiftung.

    . 296. nach usserlicher Auflegung auf hautlose Stellen,

    . 297. bei jhling in Menge eingeathmeten Arsenikrauche

    . 298. und arsenikalischem Staube.


Achtes Kapitel.

Verwahrungsmittel gegen Rauch und Staub.

    . 299. Uebergang zu den Vorbauungsanstalten,

    . 300. bis 306. deren sich die mit Arsenik beschftigten Arbeiter
    selbst, und deren sich die Natur zu ihrem Vortheile bedient.

    . 307. Verwahrung der Hautlcher,

    . 308. die nassen Pochwerke, statt des troknen Pochens mit
    Handkraft.

    . 309. Tchtige Schlotten bei Arsenikrsten,

    . 310. Luftzug beim Farbereiben arsenikalischer Droquen,

    . 311. Verwahrung beim Fegen der Arsenikfnge.


Dritter Theil.

Gerichtliche Ausmittelung.


Neuntes Kapitel.

Legalitten der gerichtlichen Untersuchung der Vergiftungen.

    . 312., 313. Nthigkeit der Kentnis der Legalitt der Obdukzionen
    berhaupt.

    . 314. bis 321. Gesezlichkeit und Erfordernisse fr den Arzt und
    Wundarzt.

    . 322. bis 338. Sekzionsbericht -- erforderlicher Inhalt desselben
    -- Umris der Obliegenheiten des Arztes bei der Obdukzion.


Zehntes Kapitel.

Pathologische Zeichenlehre des Vergiftungsthatbestand (/corporis
delicti/).

    . 339. Unsrer Vorfahren Erkentnisquellen einer geschehenen
    Vergiftung.

    . 340., 341. Ihre Unzulnglichkeit.

    . 342. Die eigentlichern Quellen der Erkentnis einer Vergiftung,

    . 343. und ihrer Tdlichkeit.

    . 344., 345. Der Aeltern weitluftiges Verzeichnis der Giftzeichen
    an Lebenden und Toden.

    . 346. Wohin gehrt Arsenik in der Reihe der Gifte?

    . 347. Die kentlichsten Zeichen einer zzenden Vergiftung an
    Lebenden;

    . 348. die untergeordneten Zeichen.

    . 349. bis 355. Unzuverligkeit aller dieser Zeichen;

    . 356. Sie nzzen blos dem hlfeleistenden Arzte, und der Polizei.

    . 357. Uebergang zu den am Leichname vorfindlichen Zeichen,

    . 358. das wichtigste derselben,

    . 359. die untergeordneten,

    . 360. bis 367. Unzuverligkeit der leztern,

    . 368. bis 370. des erstern.

    . 371. Die fast unbersteiglichen Schwierigkeiten der
    Vergiftungserkentnis nach dem Urtheile der Schriftsteller.

    . 372., 373. Beweislosigkeit des Gestndnisses des Thters.

    . 374. Das chteste Thatzeichen, die Ausfindung des Arseniks
    selbst -- Nuzzen obiger Zeichen zu Vermuthungen fr die Polizei.


Elftes Kapitel.

Chemische Kennzeichen des Thatbestands (/corporis delicti/) einer
Arsenikvergiftung.

    . 375. bis 378. Bisherige Merkmale des Arseniks,

    . 379. bis 400. Beurtheilung derselben, Einschrnkung der Meinung
    von ihrer Beweiskraft.

    . 401. bis 441. Die berzeugendste Ausmittelung durch drei
    beweisende die mindeste Gegenwart des Arseniks entdeckende
    gegenwirkende Mittel -- Art ihrer Anwendung.


Zwlftes Kapitel.

Lethalittsurtheil.

    .442. bis 499. Vergiftungstdlichkeiten, wie sie mit den
    Lethalitten der Wunden in Parallele zu stellen -- Masstab fr das
    Urtheil ber erstere.

    . 500. bis 502. Schlus.




                             Erster Theil.




Erstes Kapitel.

Kentnis der Arseniksorten, ihrer Natur und ihres Verhaltens gegen
chemische Krper, so fern sie auf Heilung und Beurtheilung der
Arsenikvergiftung einfliest.


. 1.

Meine Absicht bei vorliegendem Gegenstande kan, wie man mir leicht
zugeben wird, weder auf eine systematische Geschichte des Arseniks,
weder auf eine genaue und vollstndige Erzhlung seiner chemischen
Verhltnisse, weder auf die Bestimmung seines technischen Gebrauchs,
noch auch und am wenigsten auf die Untersuchung seines etwanigen
Nuzzens in der Heilkunde gerichtet seyn.

. 2. Die drei verkuflichen, und dem Misbrauch so leicht unterworfnen
Hauptarten dieses metallischen Giftes anzufhren, sie in Verhltnissen
zu beleuchten, die auf die Gefahr des Lebens gegrndeten Einflus haben,
und die Gegenmittel rechtfertigen knnen, welche ich mittheile, und
endlich diejenigen Eigenschaften dieses Gifts zu bestimmen, welche der
gerichtlichen Ausmittelung zuverlssige und deutliche Gegenwirkungen
darreichen, dieses war der Zwek dieser Schrift.

. 3. Fr diejenigen Bergleute, die mit Frderung arsenikreicher Erze,
mit Aushalten, mit Pochen und Waschen derselben sich beschftigen,
fr diejenigen Arbeiter, die mit Plvern, Sieben und Packen, und
vorzglich welche mit Ausfegung der Giftfnge zu thun haben, mit
einem Worte, fr diejenigen, die den Staub dieses Minerals zwar durch
Verbinden des Mundes und der Nase vom Magen und der Lunge einigermasen
abhalten knnen, ihn aber von den einsaugenden Gefsen der Haut des
brigen Krpers abzuhalten nicht besorgt sind, fr diese gilt es
gleich, da sie einmal hiemit ihren Unterhalt zu erwerben bestimmt
sind, wie die Mineraltheilchen nach dem System zu benennen, oder ihren
metallurgischen und chemischen Eigenschaften nach zu klassifiziren
sind, welche ihre Lungen einschrumpfen, ihre Sfte verdicken, ihre
Muskelfasern verhrten, ihnen unzhliche Beschwerden erwecken, und
sie zu halblebenden Geribben auftroknen; ob es Mispickel, Arsenikmulm
oder Scherbenkobald, in Zinn- Silber- oder Kobalderzen eingesprengte,
gediegene oder vererzte Gifttheilchen seyn mgen, alles dies hilft
ihrem Leiden nicht ab; selbst weder auf die Verwahrung, noch auf die
Wiederherstellung ihrer Gesundheit haben diese Errterungen erheblichen
Einflus. Auch die Handwerker, Knstler und Httenleute, die dem Dampfe
dieses Halbmetalls ausgesezt sind, vorzglich aber diejenigen, die mit
Rsten arsenikreicher Erze, mit den Giftfngen und der Sublimazion des
gelben, rothen und weissen Arseniks sich beschftigen, auch diese haben
insgesamt gleiche Nachtheile von dem Rauche dieses Giftes, es mag nun
in dieser oder jener Gestalt in der zu bearbeitenden Masse vorhanden
seyn. Allen dienen gleiche algemeine Verwahrungsmittel, gleiche
algemeine Hlfsmittel.

. 4. Aber, wenn in den Magen irgend eines Unglklichen Gifte
dieser Art in betrchtlicher Menge gerathen, wenn jemand sich mit
Arsenik vergiftet hat, oder vergiftet worden ist, dann ist es nicht
mehr gleichgltig, welche Gestalt das Gift hatte, welches ans den
Eingeweiden herausgeschaft und mit Gegenmitteln bestritten werden soll.

. 5. War es Arsenik, so wird es gewhnlich kufliches weisses
Rattenpulver, ungewhnlicher, Fliegenstein, am ungewhnlichsten,
Operment und seine Abarten seyn. Denn ungebruchlichere Sorten
gegrabne oder knstlich bereitete kommen hchst selten in diese
bedauernswrdigen Hnde, und geschhe es, so wird ein verstndiger Arzt
sie leicht nach der Aehnlichkeit dieser drei Arseniksorten zu behandeln
wissen.

. 6. Es sei uns also erlaubt blos der regulinischen Gestalt des
Arseniks (des Fliegensteins) dann der kalkfrmigen (des weissen
Arseniks) endlich seiner Vererzung mit Schwefel (des Operments) als der
drei kuflichen Sorten, die bei der Arsenikvergiftung fast stets im
Spiele sind, Erwhnung zu thun.

. 7. Der sogenante Fliegenstein[1] (/arsenicum nativum friabile et
porosum,/ Cronst.) wird, so wie wir ihn zu Kaufe haben, gediegen aus
seiner Mine geschlagen, die in verschiedenen Gegenden, besonders in
Bhmen und Sachsen, zu Hause ist. Seine Nebengattungen Scherbenkobald,
schuppiger gediegner Arsenik und Spiegelkobald kommen mit unter, obwohl
seltner, im Handel vor, haben aber mit unserm Fliegenstein gleiche
Eigenschaften.

. 8. Er besteht aus einem Gewebe von hohl bereinander liegenden,
sprden, zerreiblichen schwarzglnzendmetallischen Blttern, von 8,308
bis 8,310 (nach Bergman) eigenthmlichen Gewichte. Das Ansehn dieser
Masse, deren Bltterchen kleine regelmsig scheinende Hhlungen bilden,
scheint dem Fliegenstein den Namen /cobaltum crystallisatum/ erworben
zu haben, welcher brigens nichts von Kobald enthlt. Der ehemaligen
Dmmerung in den mineralogischen und metallurgischen Wissenschaften
mus man es verzeihen, wenn ehedem alles, was von Minern arsenikhaltig,
unartig, ruberisch und unter die bekanten metallhaltigen Erze nicht
fglich zu rechnen war, Kobald genennet wurde; so erhielt auch unser
Fliegenstein den Namen des krystallisirten Kobalds, und eben daher der
Name des Scherbenkobalds, eines hnlichen natrlichen Arsenikknigs.

. 9. Arsenikknig berhaupt betrachtet ist, der natrliche, wie
der durch Kunst bereitete, ein eignes Metall, welches aus einer
hchstfressenden Sure (Scheelens Arseniksure) mit Brennbarem
gesttigt bestehet.

. 10. Ob wir gleich, was ein Metall sei, genau zu definiren nicht
im Stande sind, so verstehn wir doch darunter algemein jene schweren
glnzenden Produkte des Mineralreichs, die sich schmelzen lassen,
in Flusse eine konvexe Oberflche annehmen, Glasflsse frben und
entfrben, aus einer spezifischen Erde oder Sure mit Brennbarem
gesttigt bestehen, in diesem Zustande Leiter fr die elektrische
Materie sind, sich in Suren auflsen, und dann durch Blutlauge
und Gallpfelessenz ihre Grunderde in verschieden Farben, mit
Schwefelleberluft aber vererzt niederschlagen lassen. Alle diese
Kennzeichen passen auch auf unsern Fliegenstein oder Arsenikknig,
selbst die Schmelzbarkeit.[2]

. 11. Je weniger die Arseniksure, oder, wenn man will, der reine
Kalk des Arsenikmetalls an Brennbarem besizt, desto feuerbestndiger
ist er; so ist weisser zweimal sublimirter (hat nach Bergman
20/100 Brennbares) Arsenik um vieles fixer als Arsenikknig oder
Fliegenstein.[3] So ist aber auch rother Queksilberprzipitat und
Algarottpulver weniger im Feuer flchtig, als laufendes Queksilber und
Spiesglanzknig.

. 12. In verschlosnen Gefsen ist nun zwar die Feuerbestndigkeit
dieser Metallkalke sehr gros in offenen aber nicht, doch ist unter
allen keiner der in offenen Gefsen sein Brennbares der umgebenden Luft
leichter und geschwinder berliefert, das ist, sich so schnell verkalkt
als Arsenikknig. So kan er auch in Gefsen mit dephlogistisirter Luft
angeflt nie in regulinischer Gestalt aufsteigen, bei so geringer Hizze
er auch aufsteigt.

. 13. Eben so wenig kenne ich ein Metall, welches schon bei der Wrme
unsrer Atmosphre in Freien sich so leicht zu verkalken anfngt und
dem reinen Bestandteile der Luft einen Theil seines Brennbaren mit so
groer Leichtigkeit und Geschwindigkeit berliefert als Arsenikknig.
Eisenfeile rostet sehr leicht, aber ohne Feuchtigkeit nicht schnell,
die brigen geringen Metalle verlieren gleichfals an der freien Luft
mit der Zeit ihren Glanz, aber frischbereiteter Arsenikknig ist schon
nach etlichen Stunden schwarz angelaufen, da er vorher wie Bleiglanz
schimmert. Solte nicht der gegrabene Arsenikmulm ein verwitterter
Scherbenkobald seyn?

. 14. Diese Bemerkung ist bei Arsenikvergiftungen von einiger
Betrchtlichkeit. Fein geplverter und lang aufbewahrter Fliegenstein
ist weit geschwinder tdlich, als frischer, da jener weit
leichtauflslicher ist; er hat Brennbares verloren und nhert sich den
Arsenikkalken.

. 15. Dieser Umstand fhrt mich gerade zu einem bemerkenswerthen
Punkte meiner Vorerinnerungen zur Auflsbarkeit des Arseniks. Je
auflslicher ein genantes Gift, aus Mangel des mildernden Mediums, ist,
desto schneller, desto heftiger wirkt es.

. 16. Arseniksure, der reinste und vom Brennbaren freieste
Arsenikkalk, das gefhrlichste Gift, zerfliest schon an der Luft
oder, welches einerlei, ist hchst auflslich in Wasser. So nimt im
umgekehrten Verhltnisse ihres Phlogistons die Auflsbarkeit der
folgenden Arsenikarten und die Geschwindigkeit ihrer Tdlichkeit ab.

. 17. Weisser zweimal sublimirter Arsenik (sein Gewicht ist 5,000 und
sein Brennbares 20/100), den man seiner Durchscheinlichkeit halber
auch Arsenikglas zu nennen pflegt, ob er gleich mit der Zeit die
Porzellainweisse erhlt, lst sich geplvert in ziemlicher Menge in
Wasser auf. In achtzig Granen siedendem Wasser fand Navier einen Gran
Arsenik aufgelst. Wenzel will in 960 Granen kochenden Wasser 91 Gran
weissen Arsenik aufgelst haben. Beide Verhltnisse sind wahr, jenes
als das Minimum, dies als Maximum. Zu lezterm gehrt wenigstens ein
sechsstndiges Kochen, der Gefrierpunkt aber schlgt fast allen Arsenik
wieder heraus. Ersterer wird seinen Arsenik nur einen Augenblick mit
dem kochenden Wasser aufgegossen haben.

. 18. Eigentlich interessirt uns diese Bestimmung der Auflslichkeit
des Arsenikkalks beim Punkte des siedenden Wassers wenig. Wichtiger fr
uns ist die Errterung derselben bei dem Wrmegrade des menschlichen
Krpers.

. 19. Ich habe in dieser Rksicht Versuche angestelt und gefunden,
da bei dem Grade 96 fahrenheitischen Wrmemessers sich binnen 10
Minuten 50 Grane msig fein geplverten weissen Arseniks in 4800 Granen
fliessenden Wassers auflseten, whrend die Mischung unaufhrlich
umgerhrt ward.

. 20. Diese Nebenbestimmungen der Auflsung sind bei der Anwendung
der Gegenmittel bei Arsenikvergiftungen brauchbar, in welcher Absicht
ich noch hinzusezze, da sich in diesen 10 Minuten bei gleicher Wrme
in benanter Menge Wasser ein viel geringerer Theil von demjenigen
Arsenikpulver auflset, aus welchem ein vorhergegangener Aufgus mit
Wasser schon die feinsten Theile ausgezogen und aufgelset hatte;
und so nimt die Auflsbarkeit oder vielmehr die Geschwindigkeit der
Auflsung ferner ab, wie die Grblichkeit des Arsenikpulvers zunimt.
Gewhnlich ist kuflicher Arsenik nicht fein geplvert.

. 21. Wird Arsenikpulver mit thierischem Schleime berzogen, so geht
es in Klmpchen zusammen und widersteht der Auflsung mehr und lnger.

. 22. Wird das Umrhren der Mischung unterlassen, so erfolgt die
Auflsung weit langsamer, also in gleicher Zeit, in gleicher Wrme eben
derselben Menge Wassers ungemein geringer.

. 23. Es kan sogar der Fall seyn, da unter verschiednen Hindernissen,
die bei der Auflsung des Arseniks im Magen eintreten, die
Auflslichkeit des giftigen Metallkalks bis zum zehnten ja zwanzigsten
Theile seiner mglichen Auflsbarkeit herabgestimt wird.

. 24. Daher und wegen des Vorhergehenden die geringe Hlfe vom blosen
Wassertrinken bei Arsenikvergiftungen wiewohl die Geringfgigkeit
dieses Mittels auch aus Grnden, wie man unten (. 162., 2.) siehet,
herfliest.

. 25. Nchst dem weissen, folgt der graue Arsenikkalk oder das
Giftmehl[4] ein Produkt der Arsenikrsten (sein Gewicht ist nach
Bergman 3,706) welcher zuweilen im Handel unter dem Namen Fliegenstein,
(wiewohl sehr uneigentlicher und gefhrlicher Weise) vorkmt; seine
Auflslichkeit ist geringer, so wie er an Menge des brenlichen Wesens
zunimt, das ist, je schwrzlicher er ausflt und je nher er folglich
an das Verhltnis der Bestandtheile des Arsenikmetals grnzt. So ist
der schwarze Arsenikmulm (das Schwabengift) weit unauflslicher, doch
dieser kmt noch seltner in Handel.

. 26. Ungleich gebruchlicher und folglich weit mehr den Misbrauche
unterworfen ist der Arsenikknig, den man Fliegenstein nent. Man
findet in den Schriften der Scheideknstler fast nichts ber die
Auflslichkeit des Fliegensteins, vermuthlich weil man ihn geradehin
fr unauflslich in Wasser hielt,[5] da doch schon die Schdlichkeit
des damit infundirten Wassers Licht htte geben sollen. Deshalb und aus
mehrern Grnden wird man etwas Bestimteres hierber nicht ungern sehen.

. 27. Von einigen Metalkalken z. B. wie Rouelle vom schweistreibenden
Spiesglanze und Erxleben[6] von den silberfarbnen Spiesglanzblumen
bemerkt, kante man lngst die Auflslichkeit und in neuern Zeiten sind
die Kalke einiger entdekten Metalle des Wasserbleies und Schwersteins
als Suern folglich als auflslich im Wasser erkant worden.

Man weis sogar, da Queksilber in Wasser gekocht kleine Insekten und
Wrmer tdet, da Wasser worin Kupfer abgelscht ist, Hautausschlge
heilet und troknet, da durch bleierne Rhren geleitetes Wasser nicht
ganz unschdlich ist, und da glhendes Eisen dem Wasser, worin man es
abgelscht hat, strkende Krfte mittheilt, aber den Arsenikknig hatte
man bisher gleicher Aufmerksamkeit nicht gewrdiget.

. 28. Zu dieser Absicht plverte ich ganz frisch bereiteten glnzenden
Arsenikknig (nachgehends auch Fliegenstein mit gleichem Erfolge) und
kochte ihn in destillirten Wasser eine halbe Stunde lang. Das Resultat
war, da sich 12-3/4 Gran in 14000 Granen Wasser auflseten und bis
zum Gefrierpunkte erkhlt darin aufgelset blieben. Das Verhltnis des
Fliegensteins zum auflsenden Wasser wird also beinahe wie 1:1100 sein.
Verschiedentlich wiederholte Versuche gaben diese Mittelzahl. Wird das
Kochen ungleich lnger fortgesezt, so kan sich Wasser mit Fliegenstein
bis zu einem Verhltnisse wie 400:1 ja noch strker sttigen.

. 29. Das unten anzufhrende so empfindliche Reagens jeder
Arsenikauflsung, der mit Kupfer gesttigte Salmiakgeist, ussert
selbst auf jene so schwache Auflsung des Arsenikknigs im Wasser; ja
dann noch wenn sie noch mit drei und einem halben Male ihres Gewichts
Wasser verdnnet wird, und ein Verhltnis wie 1:5000 entsteht, nur mus
man in lezterm Falle dem grngelblichen Niederschlage einige Stunden
Zeit lassen oder Weingeist dazu giesen, um die Uebermenge des Wassers
zu verringern.

. 30. Lange Zeit geplverter Fliegenstein theilt sich dem Wasser in
noch geschwinderer Zeit mit. (. 14.)

. 31. Da auch geschwefelter Arsenik, vorzglich Operment bei
Vergiftungen vorkmt, so mus man das Nthige von ihm und seinen
Gattungen wissen. Operment ist ein Mineral, welches besonders in
Ungarn zu Hause gehrt, aus gelbglnzenden dnnen dicht ber einander
liegenden Blttern besteht, von 3,315 (nach Bergman) eigenthmlichem
Gewichte und 1/10 Schwefel in seiner Mischung.

. 32. Da Bergman[7] die Auflslichkeit des Operments in Wasser so
geradehin lugnet, so unternahm ich verschiedne Versuche um mich hievon
zu berzeugen. Ich fand aber, da er, zwei Stunden in destillirtem
Wasser gekocht, sich hierin in einem Verhltnisse wie 1:5000 auflsete.

. 33. Die erkhlte Auflsung sahe kaum merklich gilblich aus,
der Kupfersalmiak schlug obwohl langsam und in geringer Menge ein
Arsenikkupfer nieder, mehr grau grngelblich als rein grngelb, wie
eine andre Arsenikauflsung zu thun pflegt. Der Geruch des Sazzes auf
Kohlen aber war arsenikalisch. Der durch dies Wasser mit Silbersalpeter
entstehende schwarzbraune Saz hat nichts besonders, da in Wasser
aufgelster Schwefel dasselbe thut, und ein geschwefeltes Silber
przipitirt.

. 34. Das durch Schwefelleberluft aus weisser Arsenikauflsung
niedergeschlagne Operment hielt weit mehr Schwefel als natrliches.
Ich fand, da ich mit dreizehn Theilen Arsenik auf 35 bis 38 Theile
Schwefel hiedurch verbinden konte. Dies knstliche Operment lies sich
aber weit leichter als das natrliche in Wasser auflsen. Ein Gran
davon ward binnen zweistndigen Kochen in 600 Granen reinem Wasser
aufgelst, wovon aber beim vlligen Erkalten nur 3/5 Gran aufgelst
blieben. Schwefelleberluft lset es in noch grserer Menge auf.

. 35. Noch kmt a) gelbes und rothes Rauschgelb, ein Mineral; endlich
die knstlichen Arsenikerze, b) gelber und c) rother Arsenik obwohl
selten bei Vergiftungen vor. Ersteres soll (nach Bergman) 3,226
eigentliches Gewicht besizzen und nach Kirwan[8], 16/100 Schwefel
halten; das Zweite hlt nach Gmelin 1/10, das dritte nach eben
demselben 1/5 Schwefel in seiner Mischung. Vielleicht sind diese
Angaben noch zu berichtigen. Da die Mischung des rothen Arseniks noch
so unbekant ist, so fand ich (zur vermuthlichen Ausfindung dieser
Mischung) da zwar durch kein Verhltnis der Schwefelleberluft mit
Arsenik ein rothes Przipitat erfolgte -- schwach pomeranzenfarbig
war die tiefste und gelb die hchste desselben -- da aber durch den
mindesten Theil Bleizuckerauflsung, zu dem Arsenikwassser gesezt, der
Niederschlag des leztern mit Leberluft so gleich schn roth gefllet
ward.[9] Mehr Bleiauflsung aber zugesezt, vertiefte diese Rthe bis
ins Schwarz. Die Auflslichkeit dieser Opermentabarten in Wasser habe
ich zu untersuchen fr berflssig gehalten, da sie so selten bei
Vergiftungen vorkommen.

. 36. So weit von der Auflslichkeit des kuflichen Arseniks in
Wasser, nun etwas von derselben in andern Flssigkeiten.

. 37. In Oelen lset sich zwar jeder Arsenik, Fliegenstein, weisser
Arsenik und Operment auf, doch nie anderst als in der Hizze des
kochenden Oeles (etwa 600 Fahr.) So bald die Auflsung beginnet,
steigt ein stinkender Geruch auf, der ein Gemisch, aus dem Geruche der
brennbaren Luft und einem knoblauchartigen zusammengesezt, scheint.
Wegen der grosen zu dieser Auflsung erforderlichen Hizze scheint mir
eine fernere Errterung dieses Punktes keinen sonderlichen Einflus auf
meinen Zwek zu haben.

. 38. Milch hat keinen Vorzug vor gemeinem Wasser bei Auflsung des
Arseniks, ja ihre Auflsungskraft ist noch geringer, der ksichte und
fette Theil derselben verhindert sie daran. Doch ist nicht zu leugnen,
da sie eben dieser leztgenanten Bestandtheile wegen viel feines
Arsenikpulver in ihren Zwischenrumen eine ziemliche Zeit schwebend
erhalten kan, und in dieser Rksicht zur Ausfhrung des besonders
feinen Arsenikpulvers aus dem Magen eben so viel ja noch etwas mehr
Dienste, als gemeines Wasser durch seine grsere Auflsungskraft,
leistet.

. 39. Doch dies nur im Vorbeigehn. Ich komme zu den Suren, werde aber
nichts von den mineralischen erwhnen, als da sie bei der erfolgenden
Auflsung unser metallisches Gift ungemein erhhen,[10] eine Bemerkung,
die keiner weitern Ausfhrung in einem Werke bedarf, welches zur
Erleichterung der Unglklichen aufgesezt ward.

. 40. Da man den Essig etwas zu algemein unter die Gift widerstehenden
Mittel gerechnet und ihn verschiedentlich in dieser Absicht gegen
unsern Gift anzuwenden und zu empfehlen[11] versucht hat, so werde ich
zwar unten (. 163.) erinnern, da seine Anwendung schdlich sei, hier
aber bemerken, da seine Auflsungskraft gegen jede Art des Arseniks
fast nur um ein Unmerkliches grser, als die des gemeinen Wassers ist.
Da dieses unwirksame und sogar schdliche Auflsungsmittel ausser dem
Kreise meines Zweks liegt, so erspare ich mir die Anfhrung genauerer
Versuche darber.

. 41. Die nchste Reihe trift in der Ordnung der Auflsungsmittel
die Laugensalze, welche desto eher unsre Aufmerksamkeit verdienen,
je gewisser es ist, da es keine auflsende Verbindung giebt, welche
die zzende Kraft dieser metallischen Sure sichrer neutralisirt und
mildert, als sie.

. 42. Nach =Wenzels= genauen und lobwrdigen Versuchen braucht weisser
Arsenik zu seiner Neutralisirung fast genau das doppelte Gewicht an
Gewchslaugensalze; denn mit diesem haben wir es vorzglich zu thun,
da es vor den brigen beiden, dem mineralischen und dem flchtigen
thierischen, die strksten Krfte besizt, die Suren zu volkomnen und
milden Mittelsalzen umzubilden, dazu gerechnet, da es am hufigsten
bei der Hand und das wohlfeilste ist.

. 43. Auch selbst mit Wasser verdntes Laugensalz (Potasche) lst den
Arsenik geschwinder und in grserer Menge auf, als ein gleiches Gewicht
reinen Wassers von gleicher Wrme.

. 44. Aber gleichwohl geschieht diese Auflsung nicht so geschwind
als man es von einer der Sure so gerade entgegen gesezten Flssigkeit
erwarten solte.

. 45. Der Grund dieser Erscheinung liegt darin, da der weisse noch
mehr aber der regulinische Arsenik nur mit Hlfe eines strkern Feuers
sich mit Laugensalzen in einer betrchtlichen Geschwindigkeit und genau
neutralisieren kan, indem alle Suren durch Ueberladung mit Brenbaren
einen grosen Theil ihrer Verwandschaft und Aneignungskraft zu den
laugensalzigen Stoffen verlieren, die sie doch in ihrer ursprnglichen
Reinigkeit besizzen.

. 46. Wie locker ist der Zusammenhang der Schwefelsure, des
Weinsteins, der phlogistisirten Salpetersure gegen das Laugensalz
und wie stark die der reinen Vitriolsure, und Salpetersure
im vitriolisirten Weinsteine und Salpeter! wie dauerhaft die
krystallisirbare Verbindung der reinen Arseniksure mit dem
Gewchslaugensalze gegen die des schmierigen Salzes (Arsenikleber) aus
weissem Arsenik und eben demselben Laugensalze zusammengesezt!

. 47. Diese Ueberladung mit brenbarem Wesen stmpft die Suren in
einem so hohen Grade ab, da sie nur mit Mhe und oft nur durch Gewalt
des Feuers die Luftsure der Laugensalze auszutreiben vermgen, um dann
erst eine dauerhafte Vereinigung mit ihnen einzugehn. Beweise sind
Schwefel und weisser Arsenik, wenn sie genau mit luftvollem Laugensalze
verbunden werden sollen.

.48. Dieses doppelte Hindernis, auf Seiten der Sure das Brenbare, und
auf Seiten des Laugensalzes die fixe Luft ist es, die das Potaschwasser
hindert, den weissen geplverten Arsenik in betrchtlicher
Geschwindigkeit und in msiger Wrme aufzulsen und zu neutralisiren.

. 49. Da ich mich bemhe, die Brauchbarkeit der Laugensalze zur
Milderung des Arseniks in gehriges Licht zu sezzen, so liegt es mir
ob, die Hindernisse so viel mglich hinweg zu nehmen, die sich der
Auflslichkeit des weissen Arseniks in laugensalzigem Wasser in den Weg
stellen.

. 50. Ist das geplverte Rattengift einmal im Magen, wie wir in einer
Abhandlung ber die Arsenikvergiftung voraussezzen mssen, so liegt es
wenig daran, da man wisse, wie genau dieses Gift von seinem Brenbaren,
als einem vorzglichen Hindernisse seiner Auflsung in Wasser und
Laugensalzen durch Kochen in Salpetersure befreiet werden knne. Hier
steht uns nicht mehr frei, dieses Hindernis zu entfernen, besonders da
das Mittel dazu selbst eines der tdlichsten Gifte ist.

. 51. Es ist uns blos erlaubt, dem laugensalzigen Wasser, die fixe
Luft, als das zweite Hindernis der leichten Auflsung und genauen
Neutralisirung des weissen Arseniks, zu benehmen und dann erreichen wir
unsern Zwek, so viel nur mglich ist.

. 52. Aezzendes Gewchslaugensalz also, in Wasser verdnt, lset
dieses Gift, wie man sich leicht durch Versuche berzeugen kan,
ungleich geschwinder auf, und mildert es genauer als gewhnliches
Potaschwasser.

. 53. Da aber ein msig starkes Potaschwasser schon vor sich reizzende
und zzende Krfte auf den Magen usert, wie viel unschiklicher wre
es nicht der Auflsung des zzenden Laugensalzes in Wasser noch vor
jenem den Vorzug einzurumen in einer Schrift, die sich hier blos mit
schiklichen Gegenmitteln beschftigen darf! und gleichwol knnen wir
dieses mit Recht.

. 54. In der Seife treffen wir ein solches luftfreies Laugensalz
an, welches, so sehr auch seine Aezbarkeit durch die damit verbundne
Fettigkeit gemildert ist,[12] gleichwohl nichts von seiner
Anziehungskraft gegen Suren durch diese Verbindung verloren hat.

. 55. Bei der Wrme des menschlichen Krpers lassen sich binnen 10
Minuten 50 Gran msig fein geplverter Arsenik in 8 Unzen Wasser
bei msigem Umrhren auflsen, worin 150 Gran gemeine trokne Seife
zergangen sind. (Ist die Seifenauflsung strker, so nimt sie noch
etwas an Auflsungskraft zu, ihre dabei wachsende Schleimigkeit hlt
dann auch noch etwas mehr Arsenikpulver in ihren Zwischenrumen
schwebend.) Man wird durch Vergleichung finden, da der strkere
Grad der Auflsungskraft dieses Seifwassers gegen die des gemeinen
Wassers bei brigens gleichen Umstnden sich wie 5:4 verhlt. Die
durch ersteres bewirkte Neutralisirung und Milderung der giftigen
Mineralsure ungerechnet. Mehr habe ich mir ber dieses vortrefliche
Mittel im voraus nicht wegnehmen wollen.

. 56. Man wird von mir noch die Auflsbarkeit des Arseniks im
Magensafte bestimt zu sehen wnschen. Ich kan mich aber leicht mit
der Schwierigkeit hnlicher Versuche und der Unzuverlssigkeit
derselben nach angewandter mglichster Genauigkeit zurkziehn. Wie so
sehr verschieden sind die Bestandteile dieser thierischen Flssigkeit
im nchternen, an diese oder jene Nahrung gewhnten, mit halb oder
ganz verdauten Ueberbleibseln von den und jenen Speisen und Getrnken
angeflten weichlichen oder festen Magen u. s. w.! Wie viele Umstnde
verndern den Magensaft bis zur Unkentlichkeit! Mehr oder weniger
vegetabilische oder thierische Sure, thierischer oder Gewchsschleim,
Mittelsalze verschiedner Art und in unbestimlichen Verhltnisse
schmlern den Nuzzen dieser undankbaren Versuche, die selbst eine grose
Anzahl wakrer Mnner Spallanzani, sein Anmerker Sennebier, Skopoli und
lezt Carminati nicht aufs Reine bringen konten. Ihre Versuche belehren
mich wenigstens nicht ber meinen Gegenstand.

. 57. Ich begnge mich, zu erinnern, da da seine im Stande der
Gesundheit gewhnliche, so algemeine Auflsungskraft fast aller
mglichen Krper so gros und entschieden ist, (Schwefel, Zinn, Blei,
roher Spiesglanz sind Beispiele) man die grstmgliche Einwirkung
desselben auf den Arsenik besonders im nchternen Magen mit
wahrscheinlicher Evidenz erwarten darf, da man aber aus den traurigen
Wirkungen des leztern auf den Magen schliessen mus, da er ihn zwar
almhlig aufzulsen, aber keineswegs zu neutralisiren, kaum zu mildern,
im Stande sei.

. 58. Feuer ist kein geringes Auflsungsmittel aller Art von Arsenik.
Bergman fand, da sich der regulinische bei 180 Thermometergraden des
Celsius schon in Rauch zu zerstreuen anfieng, graues Arsenikmehl bei
195. So verdampft der weisse Arsenik wenn er glht und Brenbares dazu
kmt; bei geringerer Hizze brent und fliegt Operment davon. Der Rauch
aller stinkt widrig nach Knoblauch, nur lezteres dampft bei seiner
anfnglichen Verbrennung etwas Schwefelartiges aus.

. 59. Alle diese Arsenikarten lassen sich bei geringer Hizze
sublimiren; schwerer in verschlosnen Gefsen ohne Hinzukunft des
Brenbaren weisser Arsenik -- wahres Arsenikmittelsalz unter diesen
Umstnden gar nicht.

. 60. Ich komme zu denjenigen Krpern, mit denen sich der aufgelsete
Arsenik durch vorzgliche Verwandschaftskrfte zur unauflslichen und
schwerauflslichen Substanz vereinigt und die als hlfreiche Mittel
gegen die zerstrende Wirkung des auflslichen (weissen) Arseniks
angesehen werden knnen.

. 61. Da Fliegenstein selbst schon sehr schwerauflslich ist, so
knnen gegen ihn, wenn von Hlfe die Rede ist, keine andern als
unauflsliche oder weit unauflslichere Verbindungen, als er selbst
ist, aufgesucht werden. Operment bedarf keiner solchen Veranstaltung,
da er selbst so hchst schwerauflslich ist.

. 62. Die mir bekanten Auflsungen der Metalle in Suren lassen
sich,[13] algemein genommen, nicht durch Arsenikwasser, leicht aber
und in groser Menge durch Arsenikmittelsalze zu Przipitaten fllen,
die im reinen Wasser, wie ich wenigstens von einigen behaupten kan,
unauflslich sind.

. 63. Von Metallauflsungen in Suren kenne ich nur die in Luftsure
aufgelsten Metalle und den krystallisirten Grnspan, welche sich durch
Arsenik niederschlagen lassen, sonst keine, (. 398.) welches ich
wider Wallerius, Neuman und ihre Nachschreiber erinnere. Diejenigen
Metallsalze mus man nur nicht hieher rechnen wollen, die sich durch
Verdnnung mit gemeinem Wasser fllen lassen. Auch Bleiessig verdient
hier keine Stelle; das reinste destillirte Wasser, wenn es nur die
mindeste Luftsure enthlt, trbt ihn weislicht.[14]

. 64. Man kan also blos Eisen in Luftsure aufgelst (Sauerbrunnen)
nennen, welches wegen seiner heilsamen Kraft sowohl, als wegen der in
Wasser unauflslichen Verbindung, die diese Auflsung mit Arsenik
zuwege bringt, hier eine Stelle verdient. Andere Metalle sind entweder
schdlich, und reizzend, oder lsen sich doch nicht in Luftsure auf.

. 65. Dem ungeachtet kan die hievon entstehende Przipitation des
Arseniks nur bei Gifttheilen in den zweiten Wegen von Wichtigkeit
werden, Theils weil bei der schnelltdlichen Vergiftung dies
Hlfsmittel nicht stets bei der Hand und seine geschwinde Bereitung
schwierig ist, theils aber weil das erfolgende Przipitat in Suren,
die in den ersten Wegen selten fehlen, leicht aufgelst werden und
so als Arsenikauflsung ferner zu schaden wieder anfangen kan. Der
Niederschlag ist braungrau, im Wasser unauflsbar oder fast unauflsbar.

. 66. Noch macht die Kalkerde eine sehr schwer auflsliche[15]
Verbindung mit dem Arsenik. Arsenikauflsung (des weissen, wie des
Fliegensteins), wenn sie nicht bertrieben verdnt ist, schlgt mit
frisch und stark bereitetem Kalkwasser vermischt, weisse lokere Wolken
zu einem Bodensazze nieder, dessen Auflslichkeit in Wasser sich wie
1:2100 verhlt. Die schwchste Sure, selbst berflssig zugegosnes
Arsenikwasser lset dieses Przipitat leicht, geschwind und in groser
Menge wieder auf.

. 67. Noch mssen wir der Schwefelleberluft[16] erwhnen, die in
Wasser aufgelst, sich am innigsten mit dem Arsenikwasser verbindet,
und als Operment mit ihm zu Boden flt. Dieses knstliche Operment
(S. . 34.) ist zwar in Wasser auflslicher als das gegrabne, es
lsete sich in 600 Theilen kochendem Wasser auf, in tausend Theilen
der erkalteten Auflsung aber blieb kaum ein Theil aufgelst.[17]
Zugegosne Suren, selbst starkes Arsenikwasser, machen diesen
Opermentniederschlag sehr auflslich, besonders ein Uebermas an
Salpetersure, wenige Tropfen Sure aber, besonders Essig- und
Salzsure befrdern blos die Abscheidung des Przipitats. Auch ein
Uebermas an Schwefelleberluft lst einen Theil des Niederschlags wieder
auf. Alle diese mit und ohne Hlfe bewirkten schwchern oder strkere
Opermentauflsungen in Wasser, haben eine schwchere oder strkere
Gilbe, zum Zeichen, da das Operment unzersezt in die Mischung des
Wassers aufgenommen worden ist; ein Umstand der einen so sehr mit
Schwefel gemilderten Zustand des Arseniks zu erkennen giebt, welcher
durch kein andres Medium in so hohem Grade scheint bewirkt werden
zu knnen. Selbst wenn der gelben (sogar trben) Opermentauflsung,
ihre Gilbe und Trbigkeit durch zugegosnes Laugensalz benommen, und
das Ansehn des lautern Wassers hiedurch entsteht, darf man nicht
glauben, da der Arsenik in diesem Zustande eine geringere Milderung
als in freier und sichtbarer Opermentgestalt habe -- es ist durch den
laugensalzigen Zusaz nur eine arsenikalische Schwefelleber entstanden,
welche wenn jener durch Sure wiedrum neutralisirt wird, sogleich ihren
Operment wieder fallen lt; sogar Salpetersure thut dies, es kan
also nicht durch neu entstandne Schwefelleberluft erzeugt worden seyn,
sondern mus prexistirt haben.

. 68. Georg Logan giebt in seinem Versuche ber die Gifte[18] den
Schwefel als das beste Gegenmittel des Arseniks an. Mit welchem
Rechte weis ich nicht. Ich fand zwar durch wiederholte Versuche
(wider Kirmans[19] und andrer Leugner seiner Auflslichkeit) da
Schwefel zwei Stunden in destillirtem Wasser gekocht sich in einem
Verhltnisse wie 1:3120 auflsete, eine Auflsung, die wasserhell
blieb und kaum nach zehn Tagen etwas Schwefel fallen lies. Sie schlug
den Silbersalpeter[20] schwarzbraun nieder in geringer Menge. Aus
dem Bleizucker und Queksilbersalpeter schied sie nach einiger Zeit
ein geringes weisses Przipitat ab. Aus Kupfersalmiak sonderte sie
einen blulichgrnen Niederschlag ab. Andere Metalauflsungen schien
sie nicht zu fllen. Besonders frbte und trbte sie eine starke
Arsenikauflsung (1:34) in geringsten nicht.[21]

. 69. Hieraus sieht man deutlich, wenigstens in so fern die
Scheidekunst Licht geben kan, da der Schwefel wenig oder keine
Heilkrfte gegen Arsenikvergiftung besizze. Vielleicht schmeicheln
uns dereinst wiederholte Erfahrungen mit dem Gegentheile bei den
Nachwehen dieses in die zweiten Wege bergegangenen Giftes oder bei
der schleichenden Vergiftung; dagegen ist indes so viel gewis, und wie
berhaupt aus der Schwerauflslichkeit des Schwefels, so besonders aus
angegebnem Mangel an Verwandschaft mit Arsenik zu schliessen, da er
gegen schnell tdliche Arsenikvergiftung durchaus ohne Nuzzen sei, und
durch auf sich gezognes Zutrauen bessere Mittel verdrngen und so die
edle Zeit versplittern knne.




                            Zweiter Theil.

                         Geschichte und Hlfe
                                  der
                    Arsenikvergiftungskrankheiten.




Zweites Kapitel.

Gelegenheiten und Gestalten, unter denen Arsenik in unsern Krper kmt.


. 70.

Die meisten Vergiftungen mgen wohl unwilkhrlich geschehen. Da dieses
Mineral so oft in Knsten und Handwerken (als bei der Frberei,
besonders in Kattunfabriken und Rauchwerkfrbereien, wie Magnan
will, beim Geheimnis der Hutmacher, bei Dngung der Aecker,[22] zur
Verhinderung des Brandes im Getreide[23] zur Schmelzung und Versezzung
einiger Metalle, zum Weiskupfer oder Prinzmetall, zu Glocken- und
Spiegelkomposizionen, zu Argent hach, in Schrotgiessereien, zur
Vieharznei, zum Rusma der Trken, zur Verfeinerung des Glases, zur
Scheelischen grnen Farbe, zu Firnissen,[24] zur Mahlerei u. s. w.)
berdem aber und am hufigsten zur Vergiftung schdlicher Thiere der
Maulwrfe, Ratten, Muse, Fliegen u. s. f. wie wohl hchst unnthig,
angewendet wird; so kan es nicht fehlen, da das Httenrauchgift
nicht zuweilen Unglck in Haushaltungen anrichte, ohne vorsezliches
Verbrechen.

. 71. Die mglichen Flle eines solchen Versehens lassen sich ihrer
unendlichen Verschiedenheit halber weder bestimmen, noch erzhlen. Das
Hauptschlichste mag in folgendem bestehen.

. 72. Wie leicht kan weisser Arsenik mit Niederschlagspulver, Zucker,
Mehl, Sand, Haarpuder, Potasche, gereinigtem Weinstein verwechselt
werden oder seines hnlichen Ansehns halber unter diese Dinge gerathen.
Wie leicht knnen vorzglich Kinder das fr Fliegen aufgesezte Wasser,
oder die zur Tdung der Ratten und Muse bestimte Masse ihres sssen
Geschmaks wegen kosten und zu sich nehmen, oder in Werksttten, wo
dergleichen zur Handthierung erfoderlich ist, auffassen und lstern
verschlukken. Wie oft ist es geschehen, da Muse, vorzglich aber
Ratten nach verschluktem Arsenik ber rohe oder zubereitete Speisen und
Getrnke gerathen und sie mit Wiederausbrechen des Giftes besudeln.
Selten wird man zeitig eine solche Vergiftung gewahr -- aber von desto
frchterlicher Art ist sie auch. Wie oft bringt das Gewerbe mit sich,
dem Staube und Rauche dieses Giftes ausgesezt zu seyn, Bestimmung aber,
Mangel eines andern Broderwerbs, und Hofnung reichlichern Gewins
macht diese Unglklichen gegen die furchtbar heran schleichenden Uebel
bldsichtig.

. 73. Ich gehe zunchst zu den wilkhrlichen Vergiftungen ber,
die als Selbstmorde betrachtet bekant genug sind. Fliegenstein und
Rattenpulver werden am hufigsten zu diesen traurigen Endzwecke
gebraucht, doch auch Operment und seine Abarten zuweilen.

. 74. Mit gleichen Werkzeugen werden die von der Hand eines andern
geschehenden Vergiftungen volfhrt. Von diesen berhre ich hier nicht
die grobe schnelltdliche Arsenikvergiftung. Blos von der schleichenden
boshaften, endlich von der arzneilichen Arsenikvergiftung rede ich in
Folgendem.

. 75. Die Aqua Toffana oder Toffanina, sonst auch Aquetta di Napoli
genant, jenes unsichtbare Werkzeug der meuchelmordschtigsten
Leidenschaften, besteht, wider die Meinung des Abt Gagliani,[25]
und eines vornehmen italienischen Reisenden mndlich mir gethanen
Versicherung, aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht aus einer gemischten
Auflsung der spanischen Fliegen und des Mohnsafts, da dieses stygische
Wasser ohne Geschmak und Farbe seyn soll, Eigenschaften, die aus beiden
Ingredienzen fast unmglich zu erhalten stehen, wenn das Gift krftig
seyn soll. Wre es mglich, so mste das einzige Mittel, die Kraft
beider Dinge wasserhell auszuziehen, in der Destillazion zu suchen
seyn.

. 76. Da aber Mnner von nicht geringem Ansehn, Plenk,[26] Fr.
Hoffman,[27] Bertholin,[28] Keysler,[29] Garelli,[30] Molitor,[31]
Haller,[32] Gmelin[33] u. a. versichern, da der Hauptbestandtheil
dieses berhmten Giftwassers Arsenik sei, und da auch die Nachahmung
desselben in Frankreich (der Marquise von Brinvilliers eau mirable)
arsenikhaltig[34] befunden worden ist, so wird man keinen Anstand
nehmen, in der gewhnlichsten Art dieses tdlichen Wassers Arsenik zu
vermuthen, wenn man bedenkt, da die Zuflle der damit Vergifteten
denen ungemein gleichen, die man von abgebrochnen Gaben des
Httenrauchs erfolgen sieht. Ekel, Mattigkeit, nagender Magenschmerz,
Verfall der Krfte ohne sichtbare anderweitige Ursache und ein
unnenbares Uebelbefinden, worauf Abzehrung des Krpers, Verderbnis
der Lunge, schleichendes Fieber u. s. w. unvermerkt folgen, deuten auf
dieses Gift,[35] besonders wenn noch irgend ein narkotisches Ingredienz
(destillirtes Mohnsaftwasser? Kirschlorbeerwasser?) dazu kmt.

. 77. Da leztere Verbindung unter allen die gefhrlichste sei lehren
die Arsenikvergiftungen, wo Theriak- und Mohnsaftmittel selbst bei
geringer Giftgabe so unersezlichen Schaden und Todesflle bewirkten
(. 160., 3.). Selbst die grose Hlfe, die Keysler und andre vom
Limoniensaft bei dieser Meuchelvergiftung bemerkt haben, besttigt die
Gegenwart eines narkotischen Ingredienz, besonders des Mohnsaftes.

. 78. Nahe hieran grnzen die Giftmischereien, die unter der Etiquette
der Fiebertropfen und Fieberpulver fast bei allen Nazionen, vorzglich
aus den Hnden der Pfuscherrzte -- der fruchtbarsten Quelle des Todes
-- ergiebig hervorfliessen. Arsenik war in dieser Absicht schon in der
Mitte des vorigen Jahrhunderts[36] bekant.

. 79. Die Gabe der Tropfen (wozu man das Rezept von mir nicht
verlangen wird) ist gewhnlich Zwanzig mehr oder weniger, das Ansehn
wasserhell, gilblich oder rthlich, der Geschmak unmerklich, oder
wie Essig, am hufigsten wie alkalische Lauge.[37] Es ist wahr,
die Wechselfieber widerstehn selten dieser tckischen Arznei,
sie bleiben grosentheils ohne Wiederkunft zurk, aber sehr oft
mit unausbleiblichem, oft unersezlichen Schaden des Kranken.
Wassersuchten, Fall der Krfte, Auszehrungen u. s. w. folgen oft.

. 80. Ich lasse mich bei diesen Tropfen (am wenigsten bei hnlichen
Fieberpulvern, wo der Arsenik unaufgelst desto nachdrklichern
Schaden anrichten kan) nicht in das =Fr= und =Wider= ein, genug die
grste Vorsicht scheitert sehr oft mit dieser fast unbezwinglichen
Metallsure, wenn sie auch zuweilen merkwrdige Flle zu ihrer
Empfehlung aufzuweisen hat. Unter meinen Augen vorgefallene Beweise von
beiden, wrden manche Demonstrationen a priori ersparen, wenn es der
Ort wre, sie anzufhren.

. 81. =Jakobi=, =Heuerman=, =Lefebre=, =Slevogt=, =Frick=, mgen zur
Vertheidigung dieses innerlichen Mittels sagen, was sie wollen, ihnen
stehn die aufrichtigsten Beobachtungen eines =Helmont=, =Wepfer=,
=Stahl=, =Lindestolpe=, =Gohl=, =Wedel=, =Hoffman=, =Sprgel=, =Strk=
und =Gmelin= entgegen; ja man kan dreist annehmen, da mit den
arsenikalischen Fiebermitteln nicht weniger Menschen hingerichtet und
unglklich gemacht worden, als mit allen /aqua della toffana/, /aquetta
di napoli/, /aqua del Petesino/, und /eau mirable/ zusammen genommen.

. 82. Bei allem dem hat man jedoch wenig Hofnung, dieses Mittel
vertilgt zu sehen. Der Landmann und Kleinstdtler, der in niedrigen,
halbunterirdischen feuchten Lchern oder in sumpfigen Gegenden und
eingeschlosnen tiefen Thlern wohnet, wo Wechselfieber so hufig
und hartnckig sind, will sich geschwind, ohne Uebelschmack und
Umstnde fr ein Geringes geholfen wissen und kauft begierig von einem
nahen Quaksalber (der nur auf Einnahme sieht, ohne das Glck der
Menschheit zu beherzigen) eine solche Arznei, da sie wohlfeil ist, fast
zuverlssig das Fieber vertreibt, und da man sie in sehr kleiner Menge
nimt, ohne beln Geschmak.

. 83. Der aus ihrem Gebrauche erwachsende Nachtheil kan in Gegenden,
wo endemische Wechselfieber sonst noch mancherlei (hnliche) Uebel,
Engbrstigkeit, Geschwlste, Cachexien u. d. g. erzeugen, schwerlich
von leztern Uebeln unterschieden und erkant werden, wenigstens nicht
vom geringen Manne, der, ohne auf besorgliche Nachwehen zu sehn, nur
nach schneller so genanter Hlfe strebt.

. 84. Welche Wohlthat fr diese Art armer Leute, wenn ihnen,
statt dieser, sichre, unschdliche, hlfreiche Fieberarzneien
aus einheimischen Produkten (Bruchweidenrinde, Hasselwurzel,
Benediktenwurzel u. s. w.) wohlfeil in die Hnde gegeben wrden!

. 85. Ausser dem innerlichen Gebrauche des Arseniks gegen
Wechselfieber hat man sich auch vor den Tropfen des =Lefebre= gegen
krebshafte Geschwre zu hten. So gering auch die Menge des darin
befindlichen Arseniks ist, so gewis knnen doch schleichende, zuweilen
auch schnelle Vergiftungen dadurch entstehen.

. 86. Nicht weniger mistrauisch mus man gegen die userliche
Anwendung des Arseniks seyn, besonders gegen die, wo er als Pulver,
oder in sonst einer konzentrirten Form aufgelegt wird, wo er oft
schnelltdlicher ist,[38] als wre er innerlich genommen worden.

. 87. Man wrde kaum glauben, wie leicht dies Gift durch die
einsaugenden Gefse der Haut in die Masse der Sfte gebracht werde,
she man aus den aufgezeichneten traurigen Zufllen seines usserlichen
Gebrauchs nicht besttigt, da es den Magen, die Gedrme und die Nerven
berhaupt anzugreifen pflegt.[39]

. 88. Ohnmacht, hizzige schnelltdende oder almhlig abzehrende
Fieber, Erbrechen, Magendrcken, Schneiden in den Gedrmen, (sogar
Entzndungen der innern Haut der ersten Wege) Kontraktur, Lhmung,
Konvulsionen sind unzweideutige Merkmale seiner Einsaugung in die
Sftmasse oder vielmehr eines besondern auf das ganze Nervensystem
verbreiteten Eindruks, wiewohl ich nicht leugne, da bei seiner
Anwendung auf verwundete eiternde Stellen des Krpers, besonders in
trokner Pulvergestalt, der schleunig bewirkte Tod zuweilen mehr von
dadurch entstandner rtlichen Entzndung und Brande, entstanden seyn
mag, wie die bei verschiednen dergleichen Fllen vorkommenden Symptome
deutlich zu verstehen geben.

. 89. Was hindert uns die schreklichen oft schnell oft schleichend
um sich greifenden Symptomen der usserlichen Vergiftung mit Arsenik
(die denen der innerlichen Einschlukung so[40] gleich sind) einer
besondern und eigenthmlichen Einwirkung des Httenrauchs auf das
ganze Nervensystem zuzuschreiben, indem es fast unmglich ist, da
dies Gift den Kreislauf der Sfte und die Absonderungsgefse so
unglaublich schnell durchlaufen knne, als oft schon der Tod erfolgt.
Oder haben wir nicht noch andre starkwirkende Dinge -- Mohnsaft,
Salmiakgeist, Aether, Wein, Purgierharze, stinkende Oele u. d. g.
die schnell und oft augenbliklich jedes mit der ihm eignen Kraft das
Nervensystem durchdringen,[41] erquicken, entfernte Krmpfe heben,
reizzen, purgieren u. d. g. ob sie gleich nur in den Mund genommen,
an die Nase gehalten oder auf die unverlezte Haut geleget worden.
Wie schnell wirkt der kleinste Bis der Klapperschlange, die kleinste
Wunde von Pfeilen mit dem Gifte der Lamas[42] oder dem javaischen
Giftbaumharze[43] bestrichen den Tod! Durch einen augenbliklich durch
das Empfindungssystem verbreiteten Eindruk doch wohl?

. 90. Man hatte ehedem, und hat noch jezt verschiedne empirische
topische Mittel gegen Ausschlge, Grind, Krzze, den Krebs[44] u. s.
w. die dieses Gift in trokner oder aufgelster Gestalt enthalten,
aber unzhlige Beispiele[45] zeichnen ihre Gefhrlichkeit mit den
schreklichsten Farben.

. 91. Das mit Recht, wie mich dnkt, in Vergessenheit gerathene, von
den Alten gegen Pestbeulen und viertgige Fieber gerhmte Salische
oder Hartmannische Magnetpflaster (das Hneraugerpflaster[46] nicht
ausgeschlossen) gehrt hieher[47] und verdient keiner weitern Erwhnung.

. 92. Was ein rechtschafner einsichtsvoller Arzt thut, mus man seiner
Erfahrung, seinen Kentnissen und seiner Gewissenhaftigkeit berlassen,
aber andern Hnden solte man ein so gewisses Werkzeug des Todes (bei
unrichtiger Anwendung) nicht so unbedingt berlassen.

. 93. Deshalb solte man berhaupt behutsamer mit dieser grausamen
Waare im Handel umgehen, den Verschleis derselben nicht Krmer, und
kleinen Materialhndlern verstatten, eigentlichen Droquisten aber nur
den Verkauf in Pfunden und blos an Apotheken erlauben.

. 94. In Apotheken solten eigne verschlosne Behltnisse fr dieses
Gift vorhanden seyn, wozu blos der Eigenthmer den Schlssel htte,
da man keine Anwendung weis, wo Arsenik in dringender Eil nzlich zu
gebrauchen sei. Der Herr der Apotheke solte ber dieses und hnliche
Gifte ein besondres Buch halten, worin unter andern der Namen des
bekanten, Brgschaft fhigen Empfngers, der von lezterm unterschriebne
Empfangschein gegenber geheftet, und die Anzeige des Behufs bemerkt
wrde, dem jhrlich die Apotheke untersuchenden Arzte vorzulegen.

. 95. Da man unschdlichere Vertilgungsmittel (Fallen, in Fett
gebratnen Schwam, Krhenaugen, Sabadillsamen u. s. w.) hat, so solte
man sich zur Tdung schdlicher Thiere des Arseniks (und Sublimats)
durchaus nicht bedienen drfen und seinen Verkauf, (doch nur in dieser
leztern Rksicht) untersagen, wodurch seiner vorsichtigen Anwendung in
den Knsten nichts benommen wrde; welches ich gegen =Navier's= und
andrer vorgeschlagne algemeine Vertilgung dieses Minerals erwhne, da
der Industrie auch ein misbruchlicher Erwerbungszweig nicht versagt
werden kan.[48]




Drittes Kapitel.

Symptomen der drei Grade der innern Arsenikvergiftung, und die der
ussern.


. 96.

Da wir es hier vorzglich mit der innern Arsenikvergiftung zu thun
haben, welche die ausgesuchteste und dringendste Behandlung verlangt,
so werde ich zuerst etwas ber die Zuflle sagen, die die tdlichste
Vergiftung hervorzubringen pflegt, dann derjenigen erwhnen, wo das
Gift in geringerer Menge oder unter gnstigern Umstnden eingeschlukt
worden ist, und zulezt einiges von denjenigen Uebeln erinnern, die
eine kleine auf einmal genommene Gabe, die almhlig fortgesezte
Vergiftung mit abgebrochnen Gaben dieses Minerals oder die almhlige
Einschleichung desselben durch die Haut oder die Lunge zu begleiten
pflegen.

. 97. Am belsten sind diejenigen Personen daran, die weissen Arsenik
in Menge in den nchternen oder mit hizzigen Getrnken, Brantwein u.
s. w. angeflten Magen geschlukt haben; die ohne Hlfe sind oder mit
schdlichen (. 160.) Mitteln Suren, Opiaten, scharfen Brechmitteln,
hizzigen Essenzen u. s. w. bestrmt werden, die von reizbaren Nerven,
cholerischen Temperament, und troknen Fibern; die zu krampfhaften und
entzndenden Leidenschaften geneigt, durch Zorn, Gram, Eifersucht,
Furcht, Schrecken zerrttet, mit scharfer Galle oder einem Uebermase
leicht entzndlichen Blutes angeflt oder sonst, leicht in Tod
ausartenden Krankheiten, Lungensucht, andern innerlichen Eiterungen
und Verhrtungen der edlern Eingeweide, Schlagflssen, Brchen,
Kolik, Cholera, Polypen der grsern Aderstmme, innern Blut- und
Schlagadergeschwlsten, Brustwassersucht u. s. w. unterworfen, oder
sonst schwchlich, sehr jung oder sehr alt sind.

. 98. Treffen diese oder hnliche Umstnde in mehrerer Zahl zusammen,
so folgen die heftigsten, jezt zu erzhlenden Zuflle schnell auf
einander bis zum Tode nach drei bis zwanzig Stunden, welches ich die
schnelltdliche oder den ersten Grad der Vergiftung nenne.

. 99. Zuerst wird der Vergiftete mit einem kalten Schauder berfallen,
der den Krper durchbebt, eine unnenbare Aengstlichkeit, eine die Brust
zusammenschnrende Uebelkeit, ein kalter banger Schweis an der Stirne
und algemeines Zittern der Gliedmasen wechseln unter einander ab.
Hnde, Fse und Nasenspizze werden todenkalt, die Augenlieder werden
blau unterlaufen, whrend da der niedergedrckte Puls an Hrte und
Geschwindigkeit zunimt.

. 100. Nun folgen heftigere Reizzungen zum Erbrechen, die gewaltsam,
aber, obgleich anfangs nicht vllig, doch nachgehends, der
Zusammenschnrung des obern Magenmundes wegen, fast fruchtlos sind,
besonders wenn der Magen leer von Speisen ist. Er klagt ber Brennen
im Halse, Schlunde und der Herzgrube, ber zerreissende, brennende
Empfindungen, weis sich nicht zu lassen.

. 101. Der Arsenik whlt und zerstrt ohne den Magen zu gehrigen
antiperistaltischen Bewegungen, zum ergiebigen, hlfreichen Erbrechen
zu reizzen. Er hngt sich fest in die Zottenhaut des Magens, schrumpft
sie, wie kochendes Wasser thut, zusammen und reizt die nahliegenden
Blutgefse zur fortschreitenden Entzndung, ohne vorher zwekmsige
Ausleerungen bewirkt zu haben. Das ganze Nervensystem erbebt, man
sieht mehr beabsichtete Zerrttungen als gedeihlige Entladungen. Die
Natur scheint den berlegnen Feind alzutief zu fhlen, als da sie
Muth, da sie Krfte samlen solte, ihm zu widerstreben, ihn vor sich
hinzutreiben, doch wagt sie es von Zeit zu Zeit in erneuerten Angriffen.

. 102. Das fruchtlose Wrgen, das Fieber, der frchterlichste
Schauder, die Angst, die innere Hizze, der unauslschliche Durst nimt
zu, der Athem wird geschwinder und heis, krampfhafter und heftiger, die
glnzenden Augen treten aus ihren Hhlen hervor. Die unaussprechlichste
Bangigkeit, und der brennende, zerreissende, bermannende Schmerz um
die Herzgrube qulet mit steigender Verdoppelung.

. 103. Anfnglich wird der Unterleib eingezogen -- weiterhin aber
von der um sich greifenden Entzndung des Magens, der Leber, Milz
u. s. w. heis und aufgetrieben, die Reizzungen zum Erbrechen werden
unwiderstehbar und unaufhrlich, das Keuchen, die trokne, lechzende
Zunge, der aufgesperrte Mund suchen Labung, khle Luft. Der Harn und
Stuhlgang bleiben zurk, das Weggebrochne ist von garstiger Farbe und
Geruch auch wohl mit Blute vermischt. Es folgt Schneiden und Winden in
den Gedrmen, besonders um den Nabel herum. Der Kranke ist ausser sich,
sieht und hrt nicht recht. Sein Blick ist frchterlich furchtsam.

. 104. Schon sieht man die Algewalt des innerlich ohne Schonung
nagenden Verwsters in den blauen schumenden Lippen, der geschwollenen
zitternden Zunge, in den angstvollen Zgen des aufgedunsenen Gesichts,
den klebrichten Schweistropfen auf der kalten Stirne, den bleifarbnen
Ringen um die stieren Augen.

. 105. Der Elende sieht sich nicht mehr hnlich, schreit grslich,
winselt verzweiflungsvoll mit abgebrochnen, heftigen, heisern Worten
Errettung, Qual, Feuer, Tdung; wlzet, wirft sich ungestm.

. 106. Bald aber sieht man die Empfindungskraft sinken, er wird
ruhiger, die Brust hebt sich seltner, das Erbrechen bleibt ganz
zurk[49], die schwrzlichen Lippen zittern, der Puls wird unfhlbar.
Es erfolgen unbemerkt ashaft stinkende Sthle von ekelhafter Farbe.

. 107. Der Augenstern erweitert sich, der Sterbende rchelt
bewustseynlos, Verzuckungen bemchtigen sich seiner erstarrenden
Glieder, und seines eiskalten Gesichts, er schnarcht hohl und
schauderhaft langsamer und langsamer, und -- auf einmal bleibt mit dem
lezten spasmodischen Odemzug das verdrehte Auge, der aufgesperte Mund,
die ganze Maschine stehn -- er ist tod.

. 108. Dies ist ein Abris des gewhnlichsten Ganges der
schnelltdlichen Arsenikvergiftung, ohne beigebrachte Hlfe. Viele
Umstnde verziehen und verwischen (. 337.) zwar hie und da einige Zge
dieses Gemldes, es bleibt jedoch dem Richterauge des Arztes[50] stets
unverkenlich.

. 109. Die erste Periode (. 99.-102.) mag wohl gewhnlich die Hlfte
der Dauer der Krankheit, die zweite (. 103.-105.) drei Achtel und die
dritte (. 106., 107.) das lezte Achtel derselben einnehmen.

. 110. Aehnliche Zuflle leiden oft die nach userlicher Anwendung des
Arseniks auf verwundete Stellen plzlich Dahinsterbenden.[51]

. 111. Ich komme zu dem zweiten Grade der Arsenikvergiftung, der
gelindern oder durch verschiedne Umstnde zgernden. Sie steht in
Rksicht der Tdlichkeit in der Mitte; die Dauer der scheinbaren sich
selbst berlassenen Krankheit bis zum Tode ist mehrere Tage, und diese
Zgerung bewirkt den der gerichtlichen Ausmittelung so oft im Wege
stehenden Mangel des vorzufindenden Giftes, da die Ausleerungen es
grstentheils wegzuschaffen oder der Untersuchung auf andre Weise zu
entziehen pflegen.

. 112. Diese Vergiftung hat Statt bei einer ber vier Gran betragenden
Menge weisen Arseniks und bei verschiednen hhern Gaben Fliegenstein
und Operment unter weniger ungnstigen Umstnden verschlukt; als da
sind, ein schlaffer unempfindlicher, mit Schleim angeflter, vllig
ausgewachsener nicht ungesunder Krper, vor der Vergiftung oder
zugleich mit derselben genossene Speisen, hufigere Getrnke obgleich
nicht von der besten Art, kltere unthtigere Leidenschaften u. s. w.

. 113. Eine geringere Menge als fnf Gran weisser Arsenik u. s. w.
unter weniger gnstigen Umstnden verschlukt, vermag das nemliche zu
thun; ja nur ein bis zwei Grane knnen, wenn viele der beim ersten
Grade (. 97.) angezeigten Umstnde zusammen treffen, eine nach
verschiednen Tagen, ja noch geschwinder tdliche Vergiftung selbst bei
einer Person von reiferm Alter hervorbringen.

. 114. Alle jezt (. 112., 113.) angezeigten Gaben Arsenik knnen
selbst bei msig guten Umstnden bei Kindern, Schwachen und Alten
vor sich tdlich werden und dann zum ersten Grade das ist zur
schnelltdlichen Vergiftung werden.

. 115. Ich werde mich bei Beschreibung dieses zweiten Grades, seines
verschiednen Ganges wegen nicht aufhalten; die Zuflle sind ihrer Natur
nach denen des ersten Grades hnlich, sie steigen nur langsamer und
haben verschiedne minder heftige Episoden und eingeschobne Nachlsse.

. 116. Die Entzndung des Magens und der nahen Theile, die
Einschrumpfung und Anfressung der innern Haut des Schlundes, Magens
und der Gedrme geht langweiliger, verschiedner nicht zu bestimmender
Umstnde halber etwas unterbrochner, obgleich oft eben so gewis vor
sich, und die Eingeweide scheinen mehr durch Aezkraft des almhlig
aufgelsten Arseniks als durch seine Uebermenge zerstrt zu werden.

. 117. Die Angst, die Zusammenschnrung der Brust, das Wrgen ist
mehr absezzend, nicht so unterdrckend und plzlich bermannend, das
Fieber steigend aber nicht ohne einigen Nachlas, die zerschneidende,
fressende und feurige Empfindung im ersten Grade ist hier von Zeit zu
Zeit erneuertes whlendes Nagen, Drcken, Kolik, Kneipen. Das Gesicht
geschwilt strker -- der Unterleib ist hart, es fahren Blschen um und
in dem Munde aus, wie die Schwmchen u. s. w.

. 118. Besonders aber zeichnet sich dieser Grad durch hufigere,
stinkende und blutige Stuhlgnge mit almhlig berhand nehmendem
Schneiden in den Gedrmen mit nur selten untermischtem Erbrechen vor
dem ersten aus.

. 119. Die tdlichen Wirkungen des Giftes in diesem Falle scheinen
eben so sehr durch die Anfressung, Entzndung, Brand und Zerstrung
der (besonders der dnnen) Gedrme als durch die des Magens sich
hervorzuthun, wie die Leichenfnungen beweisen;[52] beim ersten Grade
aber mehr durch die des Magens, beizu durch Entzndung der Lunge,
Leber, Milz und des Zwergfels. Doch scheint ein tdender Eindruk auf
das ganze Empfindungssystem der Nerven bei der schnelltdlichsten
Vergiftung zuweilen mehr Ursache der Lebensberaubung zu seyn als der
natrliche Uebergang der Entzndung in den Brand die gewhnlichste
Ursache des Todes beim zweiten Grade.

. 120. Die Krfte des Kranken im zweiten Grade sinken almhlig, das
Bewustseyn aber bleibt unversehrt bis zulezt, bei dessen Verlust dann
ebenfals erst die Zuckungen, als Vorlufer des Todes, entstehen,
bisweilen nach einem gewaltsamen anhaltenden Schluksen, der keine
Linderung annimt.

. 121. Doch hat dieser Grad besonders fr empfindliche Personen noch
eine Qual mehr, (als der erste, wo der Vergiftete gleichsam mit Wuth
aus dem Leben gerissen wird). Da die Zuflle hier mehr eingeschaltete
Nachlsse haben, so erhalten die diese Todesart begleitenden
Leidenschaften freiern Spielraum, die Seele zu bestrmen. Bei
belgefhrtem Lebenswandel oder bei Selbstvergiftung Reue, Verzweiflung
-- bei empfangnem, Rachsucht, Gram, Abscheu, Verachtung, Verdrus ber
verworren zurkzulassendes Hauswesen und Amt, kummervoller Abschied
von geliebten Gegenstnden -- lebhafteres Bewustseyn und unbetubtes
Gefhl almhlig steigender, unbezwinglicher Schmerzen, niederdrckende
Unerreichbarkeit der Rettungsmittel -- der Anblik des tckisch
heranschleichenden Todes -- alles reist die Qual des Unglklichen zur
furchtbarsten Hhe empor und ergnzt nur alzuoft, was dem Gifte etwa an
Tdlichkeit abgieng.

. 122. Uebrigens sterben diese Kranken an einem Gemische von Brand und
Zerstrung der zur Nahrung unentbehrlichen Eingeweide des Unterleibes,
zugleich an Entzndung der Lunge (da das konvulsivische Erbrechen und
Wrgen das Zwergfell heftig zusammenschnrt und so die Brusthhle
verengert, da die durch den Reiz in jhen Lauf gesezte, zur Entzndung
schon vorbereitete Blutmasse ohne Stockung und Entzndung zu erregen
sich durch die zusammengepresten Lungen nicht hindurchdrngen kan) an
Entzndung der Leber, der Milz, der Harnblase, der Nieren u. s. w. an
Mangel der Krfte (durch Schmerzen erschpft) und an einem algemeinen
Fieber, anfnglich entzndlicher, dann gallichter, zulezt schleichender
und fulichter Art, ohne den mglichen Beitritt andrer prdisponirten
Krankheiten mit in Anschlag zu bringen.

. 123. Geht durch msig gute Behandlung bei einer starken, oder
durch eine leidliche bei einer geringern Arsenikvergiftung der erste
heftigste Sturm vorber, das ist, erfolgt zwar hufiges Erbrechen
(vielleicht bei Zgerung des Durchlaufs; oder hufiger Durchlauf ohne
zwekmsiges Erbrechen, u. d. g.) doch ohne vllige Ausleerung des
Gifts, so greift das briggebliebne[53] die Nerven an, und bringt die
Krankheit bald aus dem ersten durch den zweiten Grad in den dritten
ber, man sieht, da nicht der Tod, sondern chronische Uebel erfolgen
wollen. Absezzender, oft wiederkehrender Krampf[54] in den Gliedern
besonders in den Fsen[55] gesellet sich zu erneuerten Fieberanfllen,
mit Kolikschmerzen, krampfhaftem Einziehn des Unterleibes, Kopfweh,
Hizze, Durst untermischt, vorzglich wenn man blos verdnnende und
schweistreibende Mittel zu brauchen fortfhrt.

. 124. Nach einem der neuen Fieberanflle, wobei Brechen und Durchlauf
sich noch oft erneuert, sucht die Natur die schdlichen Theile
ernstlich auf die Gliedmasen zu werfen, sie werden krumm gezogen,[56]
so da sie der Kranke nicht ausstrecken kan, wenigstens die unteren
nicht. Unterlst man auch hier noch die ausleerenden Gift zerstrenden
Mittel und bedient sich dagegen ferner der schweistreibenden, so
erneuern sich die unordentlichen Fieberanflle, der Puls wird
absezzend, die Augen werden bldsichtig (wohl gar steif) und gelb,
der Mund wird bitter, der Kopfschmerz und die Herzensangst ist
unertrglich, und in die zusammengezognen Muskeln dringt ein brennend
jckender Schmerz, der dem gichtartigen nahe kmt, ohne Erleichterung
der brigen Symptome.

. 125. Sezt man, wie gewhnlich, die diaphoretischen Mittel fort, so
erfolgt nicht selten bei einem erneuerten sehr heftigen Fieberanfalle
ein Frieselausschlag, zuweilen ber den ganzen Krper, die Blschen
fliesen nicht selten zusammen und enthalten ein hchst fressendes
Wasser. Zuweilen endet sich durch diese Krisis die ganze Krankheit,[57]
fterer aber nicht, wenn das Uebel von hherer Art, und die Reste
des Gifts alzu betrchtlich sind. In lezterm Falle wird durch diesen
Ausschlag die Kontraktur in Lhmung verwandelt, die gichtartigen
Schmerzen bleiben, der Ausschlag vertroknet und die Oberhaut schlt
sich ab.

. 126. Auf dieses Abschlen bleibt grstentheils eine ussere beim
Anrhren schmerzhafte Empfindlichkeit der Haut zurk. Die Gliedmasen,
vorzglich die Fse schwellen an. Die unordentlichen Fieberanflle
dauern demungeachtet fort mit Magendrcken, Kolik, u. s. w. Bei
einem der heftigsten Paroxysmen entstehen nicht selten unter Angst,
Herzklopfen u. d. g. heftige Biegungen des Krpers und Konvulsionen
(/eclampsia/ des Sauvages) mit vlligem Bewustseyn.

. 127. Lassen die Beschwerden durch Gebrauch guter Mittel etwas
nach, so erfolgt in der Besserung zuerst die Wilkhrlichkeit der
Bewegung[58], aber anfnglich ohne Nachdruk oder Festigkeit im
Zusammenziehn der Muskeln, d. i. der Einflus des Nervengeistes begint
eher, als die Reizbarkeit der Muskelfieber vllig zu Stande kmt.

. 128. Im Falle aber, da ein geschikter Arzt dem Vergifteten zu einer
Zeit zu Hlfe kmt (im ersten oder zweiten Grade) wenn der Arsenik
schon wichtige rtliche Zerstrungen in den ersten Wegen, Ablsung der
Zottenhaut, eiternde Entzndung der darunter liegenden Gefshaut u. d.
g. angerichtet hat, so wird, wenn er durch zwekmsige Ausleerungen die
Reste des Arseniks rein abgefhrt hat, zwar wenig oder nichts von den
(. 123.-126.) Zufllen des Uebergangs desselben in die zweiten Wege
erfolgen, aber die Krankheit wird demungeachtet in ein schleichendes
oft nach langer[59] Zeit tdliches Fieber ausarten.

. 129. Verfall der Krfte, kachektisches Ansehn, unordentliche
Fieberschauder, Magendrcken nach dem Genusse irgend eines selbst
leichten Nahrungsmittels, Erbrechen gleich nach der Mahlzeit, bittrer,
unangenehmer Geschmak im Munde, Kopfschmerzen, Trokenheit der
Oberhaut, Brennen in der flachen Hand, gilbliche Augen, schmerzhafter,
unordentlicher Stuhlgang, Unruhe, Niedergeschlagenheit, Geschwulst,
Nachtschweise sind die gewhnlichen Begleiter abgefallener Krusten und
Eiterstellen der ersten Wege, die vorzglich um den Pfrtner herum
ihren Siz haben, auch wohl um den obern Magenmund, im Boden dieses
Eingeweides, seltner in den Krmmungen der Gedrme.

. 130. Gehn die schwrenden Flecken nicht tief, war der Krper vorher
gesund und voller Krfte und ist die Heilungsbehandlung rechter Art, so
werden zuweilen[60] solche Geschwre vllig geheilt und die Gesundheit
kehrt wieder zurk; doch ist dieser Fall deshalb noch selten genug, da
diese gnstigen Umstnde sich selten vereinigen.

. 131. Diese Zerstrung der innern Haut der ersten Wege trift nicht
nur bei der eigentlichen meuchelmrderischen oder der melancholischen
Selbstvergiftung ein, sondern auch bei dem innerlichen sorglosen
Arzneigebrauche dieses Giftes. Die von schleichendem Arsenikgifte
bewirkten Zuflle knnen wir in der tdlichen Krankengeschichte einiger
Pbste und hohen Frsten nachsehn, sie sind ein almhliges Absterben
ohne heftige und schnelle Symptomen ein namloses Uebelbefinden,
Verfall der Krfte, kleine unmerkliche unordentliche Fieberanflle,
Schlaflosigkeit, Widerwillen gegen Speise und Trank und alles
Angenehme des Lebens, erdfahles Ansehn, u. d. g. Die Szene beschliest,
Wassersucht, schwrzlicher Frieselausschlag, Eklampsie, oder
krfteschmelzender Schweis und Durchlauf. Der fortgesezte innerliche
Arzneigebrauch arsenikalischer Mittel wirkt hnlich.

. 132. Obgleich Operment und seine Nebengattungen nur grstentheils
in grserer Gabe tdlich werden und fast stets nur eine Vergiftung des
zweiten Grades, zuweilen des dritten Grades verursachen, so bestimt uns
doch ihre Schdlichkeit, sie unter den Arsenikgiften mit abzuhandeln.
Es giebt keinen Zufall der brigen Arsenikvergiftungen, der nicht durch
diese, ob gleich mildern, Gifte veranlast und hervorgebracht worden
wre, wie eine Menge Beispiele[61] bezeugen. Die Zerstrung der innern
Hute der ersten Wege, so wie die Symptomen des Uebergangs dieses
Giftes in die zweiten Wege, Kontraktur, Lhmung,[62] Arsenikfriesel,
Konvulsionen u. d. g. sind ihnen nicht weniger wie dem Fliegenstein und
dem weissen Arsenik eigen.

. 133. Die Zuflle des usserlichen Gebrauchs[63] auf der unversehrten
Haut,[64] wie die ebendesselben auf wunde oder eiternde Stellen
der usserlichen Theile sind vllig mit denen eins, die auf innere
Vergiftungen folgen, keinen ausgenommen.[65] Nur sind die chronischen
Arsenikzuflle seltner, und wenn der Tod erfolgt, kmt er sehr schnell,
wie beim ersten Grade, fast nie wie beim zweiten. Im ersten Falle ist
eine Einsaugung des Giftes in die Sftmasse, im lezten ein algemeiner
Eindruk auf das Empfindungssystem sichtbar.

. 134. Die jhlinge Einathmung einer Menge Arsenikstaubs oder
Rauchs[66] ist gewhnlich von den heftigsten und reisendsten
Symptomen begleitet;[67] die almhliche Einsaugung beider aber von
hchstbeschwerlichen und langwierigen, von etwas verschiedner Natur.
Bei lezterer ist die Ausdrrung aller schmeidigen Sfte des Krpers,
Lungensucht, Zittern, Kontraktur und Lhmung[68] am sichtbarsten.

. 135. Von lezterer Art sind die Zuflle der mit Bereitung des
Weiskupfers[69] mit dem Farbsieben[70] in Blaufarbenwerken, der
daselbst bei den Rostfen[71] und bei der Verpakung und Plverung
dieses Giftes beschftigten, der Arbeiter beim Fegen der Giftfnge,
der Bergleute[72] in arsenikreichen Gruben, derer die mit[73] Pochen,
Scheiden und Aushalten solcher Erze sich beschftigen und der
Mahlern[74] und Farbenreiber,[75] die mit Rauschgelb und Operment
umgehn, so wie berhaupt aller Personen in deren Gewerbe dieses Gift
vorkmt. Alle ziehn durch Einathmen, durch Verschlucken des mit
Giftstaub gemischten Speichels und durch die einsaugenden Oefnungen der
Haut ihre Krankheit oder ihren Tod ein.




Viertes Kapitel.

Wirkungsart des Arseniks.


. 136.

Htte es keinen Nuzzen in der ausbenden Heilkunde, die eigentliche
Wirkungsart der Gifte auf den menschlichen Krper erforscht zu haben,
so unternhme ich es nicht, das geringste von der Wirkungsart des
Arseniks zu erwhnen, da es schwer ist ber dunkle Sachen richtig zu
urtheilen, und schiefe Theorie die Ausbung selbst zu verziehen pflegt.
Deshalb werde ich lieber weniger sagen und nichts fr wahrscheinlich
ausgeben, was nicht auf mehrere bereinstimmende Thatsachen
sich grndet. (Etwas hieher Gehriges ist schon in einige der
vorhergehenden Paragraphen eingeflossen.) Auf der andern Seite muste
ich etwas Bestimtes von seiner Wirkungsart sagen, um mir den Uebergang
zum Heilungsverfahren zu bahnen, und lezteres auf jene stzzen zu
knnen. Der Arsenik hat ussere oder mechanische und chemische oder
innere spezifische Eigenschaften.

. 137. Die mechanischen sind, wenn das Gift Pulver ist, seine Schwere
und seine hierauf beruhende grsere Anhnglichkeit an feste Krper.
Je schwerer (. 8., 17., 25., 31., 35.) eine Arsenikart ist, desto
fester legt sie sich an die Wnde der Eingeweide an, und deshalb wrde
weisser Arsenik viel schwerer aus dem Krper zu bringen seyn, als
Operment, wenn er nicht zugleich leztern so sehr an Auflslichkeit
bertrfe. Deshalb verhlt sich die Schdlichkeit der Arseniksorten
unter einander, wie die spezifische Schwere einer jeden mit ihrer
Auflslichkeit multiplizirt.[76] Die Eigenschaft dieser Pulver, mit
Flssigkeiten gemischt, sich in Klmpchen zu samlen, und als solche
theils zu Boden zu gehn, theils sich auf der Oberflche zu vereinigen
und an den Rand des Gefses zu hngen, beruht eben hierauf. Vermge
dieser Eigenschaft und der Schwere ist es begreiflich, woher es komme,
da man bei Arsenikvergiftungen, die mit Pulver geschehen sind, immer
nur einzelne umschriebne Stellen der innern Magenhute so entsezlich
angegriffen siehet, wo nemlich das Arsenikpulver, in Klmpchen
vereinigt, sich tief und fest in die Zottenhaut einhieng und so unter
sich an einer Stelle fras.

. 138. Was die chemische, innere spezifische Eigenschaft zu
wirken anlangt, so komme man von der in der Praxis so schdlichen
Hypothese zurk, der Arsenik wirke so giftig, vermge seiner kleinen
scharfspizzigen Theilchen, wie Mead[77] und andre annahmen. Wre dies,
so knte gestosnes Glas in seiner Wirkungsart auf den Magen und die
ganze thierische Maschine von der des Arseniks nicht im mindesten
abweichen, wovon wir doch das Gegentheil sehen. Und wer hat durch
die wirksamsten Vergrsrungsglser wohl je in der Arsenikauflsung
dergleichen Spieschen wahrgenommen?

. 139. Man kan die innere chemische Kraft des Arseniks in zwei
Theile theilen, in die reizzende und die einschrumpfende. Selten
agirt eine dieser beiden Eigenschaften allein, gewhnlich wirken sie
gemeinschaftlich. Es giebt verschiedne Gegenstnde der Wirkung dieser
zusammengesezten Kraft. Auf der Faser, auf der das Gift angebracht
wird, wirkt es Entzndung durch seine reizzende, und Tdung durch seine
einschrumpfende Kraft. Wird es eingesogen, so wirkt es vorzglich
auf die Nerven, die die Muskeln in Bewegung sezzen. So entstehen
Kontraktur, Lhmung und ein feurig stechender Schmerz (den man
gichtartig zu nennen pflegt), Zittern u. s. w. in dem angegriffenen
Theile. Reizzende und einschrumpfende Krfte zugleich scheint es in
diesen Fllen auf den Geist der Nerven des angegriffenen Theils selbst
zu ussern. Wirkt dies Gift, wie es zuweilen geschieht, auszeichnend
und besonders auf die Empfindungsnerven, so entsteht unertrglicher
Kopfschmerz,[78] Schwindel,[79] Dumheit und Verdunkelung oder Verlust
der innern und ussern Sinne.[80]

. 140. Wenn usserlich aufgelegter oder verschluckter Arsenik
jhlinges Sinken der Krfte, Angst, Konvulsionen und Tod
hervorbringt, ohne da man betrchtliche, rtliche Zerstrungen
wahrnehmen kan, soll man hier nicht berechtigt seyn, zu schliessen,
da er seine verderblichen Krfte auf das algemeine Lebens- und
Empfindungsprinzipium des Krpers jhling verbreitet habe;[81] Wie
dies geschehe, weis ich nicht, da ist, so wenig, als wie der kalte
Brand eines einzelnen Theils den Tod des Ganzen nach sich zieht, wie
das Viperngift, der tolle Hundsbis, und die epidemischen Ansteckungen
einen so spezifischen, jhlingen und algemeinen Eindruk auf den Krper
machen, warum Queksilber auf die Speicheldrsen wirkt u. s w.

. 141. Scheint in diesen Fllen der Arsenik den Nervengeist, so zu
sagen, zu tden und zu unterdrcken, so finden sich auch Flle wo er
auf die Muskelfaser etwas Aehnliches wirkt. Man hat Beispiele, wo auf
Verschluckung des Arseniks kein[82] Erbrechen, und dennoch baldiger
Tod erfolgt ist, und Flle, wo die beim Leben veranstaltete Oefnung
eines damit vergifteten Thieres bewies, da alle Irritabilitt[83]
der Magenmuskeln durch dieses Gift vllig erstorben war, whrend die
brigen Theile die ihrige noch vllig hatten.

. 142. Ob diese durch Arsenik getdete Irritabilitt eine eigne
unmittelbare Wirkung dieses Gifts oder eine nach alzuheftiger
Anstrengung der Magenmuskeln erfolgte Atonie sei, kan ich nicht genau
entscheiden, da solche Flle, ihrer Seltenheit wegen, mir nicht[84] zu
Gesichte gekommen sind, eben so wenig kan ich genau sagen, ob die auf
eingesognen Arsenik gewhnlich entstehende Lhmung stets nur, wie oft
eine Folge von berspanter Anstrengung der Muskeln der Gliedmasen[85]
(Kontraktur), eine Atonie sei, oder ob leztere zuweilen durch eine
unmittelbar vom Arsenik bewirkte Ertdung der Irritabilitt erzeugt
werde, wie einige Flle zu verstehn geben.

. 143. Soviel ist indessen gewis, da wenn auch kein Brechen oder
nur ein sptes oder geringes erfolgt, dennoch fast stets Entzndung
im Magen angetroffen worden ist, wie ich selbst bemerkt habe. Im
Falle aber der tdliche Eindruk des Giftes sehr plzlich das ganze
Empfindungssystem unterdrkt, knnen Flle vorkommen, wo keine
rtlichen Zerstrungen, der kurzen Zeit bis zum Tode wegen, mglich
waren,[86] oder wo die algemein entstandne Empfindungslosigkeit eine
merkliche Entzndung unmglich macht, da Empfindung und Reaktion ein
unentbehrliches Ingredienz der Giftentzndungen sind.

. 144. Das algemeine Zittern scheint ein die Irritabilitt krampfhaft
erregender Reiz des Arseniks gegen die halberschlafte und gelhmte
Muskelfiber zu seyn, ein Mittelding zwischen Kontraktur und
Lhmung, welches gewhnlich chronisch ist. Der brennende Schmerz in
den Gliedmasen, den man mit dem gichtartigen Reissen einigermasen
vergleichen kan, und der ein Gefhrte des arsenikalischen Zitterns,
noch mehr aber der Arseniklhmung ist, scheint aus der Absezzung
feiner Gifttheilchen auf die Nervenscheiden und in dem Zellgewebe des
Periostiums am fglichsten hergeleitet werden zu knnen.

. 145. Da Arsenik in unserm Krper nicht genau auf einerlei Art bei
einem wie bei dem andern wirkt, liegt nicht sowohl an der Natur des
Giftes, als vielmehr an der Empfnglichkeit des Krpers, Neigung zur
Entzndung, und zur Erschlaffung, an mehr oder weniger empfindlichen
oder reizbaren Fasern und Nerven und einer Menge andrer Umstnde.
Hieraus ist begreiflich, da man bei dem einen mehr, beim andern
weniger Entzndung, bei dem einen mehr tief eingefressene, beim andern
mehr leicht abgezogne Stellen der innern Haut des Magens, bei dem einen
mehr, beim andern weniger Erbrechen, hier mehr harten und vollen, dort
mehr niedergedrkten Puls u. s. w. antrift.

. 146. Die reizzende und die einschrumpfende Kraft des Arseniks
wirken fast stets zusammen, doch bald jene, bald diese mehr. Beide
Wirkungen zusammen sind die Ursache der entstehenden Entzndung;
die einschrumpfende aber erweist sich vorzglich darin thtig, da
sie die Stelle, auf der der Arsenik unmittelbar angebracht wird,
theils wie kochendes Wasser zusammenzieht und die nchste Haut in
Blasen und Schwielen erhebt, theils auch beim tiefern Eindringen zum
unempfindlichen abgestorbnen Schorfe frist. So wirkt er auf der Haut
des ussern Krpers und eben so auf die Hute des Magens und der
Gedrme.

. 147. Wird die in Blasen erhobne Stelle der Zottenhaut durch
den Andrang der Sfte und die konvulsivische Bewegung des Magens
zerquetscht, so werden zugleich die kleinen Blutgefse des drunter
liegenden dritten Zellgewebes als des eigentlichen Sizzes[87] der
gewhnlichen Magenentzndungen gefnet, sie schwizzen Blut aus, das
durch Erbrechen oder bei der Leichenfnung sich zeigt. Wirkt das Gift
auf der entblsten Stelle lnger, so dringt die rtliche Entzndung
tiefer, und die Magensubstanz wird, der aufgetriebnen Gefse wegen,
an diesem Orte strker;[88] und eben so tief geht der Brand, wenn die
Entzndung ihren Gipfel erreicht hat. Zur Entstehung dieser Brandkruste
mag die einschrumpfende Kraft des Arseniks nicht wenig beitragen.

. 148. Dieser einschrumpfende Reiz scheint die nach Einsaugung des
Arseniks in die Sftmasse gewhnlich an den Gliedmasen sichtliche
Kontraktur oder Anstrammung der Muskelfibern zu erzeugen, so wie er
die krampfhafte Zusammenziehung des Magens und der Gedrme bei innerer
Vergiftung zu wege bringt, die sehr von eigentlicher peristaltischer
und antiperistaltischer Bewegung, das ist sehr von Erbrechen und
Bewegung zum Stuhlgange verschieden zu seyn scheint.

. 149. Die zusammenschrumpfende Kraft des Arseniks ussert sich auch
durch mehrere Phnomenen; Gewhnlich findet man nach dieser Vergiftung
den obern Magenmund und den Pfrtner dergestalt zusammengeschnrt, da
nicht die mindeste Luft hindurch dringen kan. Man bemerkt ferner bei
solchen Unglklichen den Schlund[89] oft wie verengert, die Brust (das
Zwergfell?) bnglich zusammen gezogen, die Bauchmuskeln schnren den
Unterleib ein,[90] fast alle Schliesmuskel besonders die des Afters[91]
und der Harnblase[92] sind wie verschlossen, und die Mndung der
Gallgnge in den Zwlffingerdarm ist oft dergestalt verengert, da
keine Galle[93] herber geprest werden kan. Auch hat man den Magen nach
Arsenik zuweilen ganz verengert gefunden.

. 150. Diese konstriktorische Kraft mit der die Irritabilitt tdenden
verbunden, erklrt, warum der Arsenik im Magen mehr eine unregelmsige
Konvulsion, als eine gewhnliche peristaltische oder antiperistaltische
Bewegung, mehr ein bngliches fruchtloses Wrgen, als ein ergiebiges
Erbrechen erregt, eine Eigenschaft, die seine Verschlukung eben so
gefhrlich macht, vorzglich wenn er nur sptes oder wohl gar kein
Erbrechen, aus diesen Ursachen, bewirkt.

. 151. Am meisten hat man diese der Heilung so widrige Erscheinung
von dem Arsenik im Pulver, wo er nur die einzelnen Stellen[94] seiner
Berhrung verwstet, nicht so sehr aber von seiner Auflsung zu
befrchten. Deshalb kan bei Ermangelung der Ausleerungen Operment und
Fliegenstein[95] eben so schdlich und tdlich, als weisser Arsenik
werden. Erstere machen bei Vergiftungen einschlfernde Ruhepunkte, man
solte whrend dieser Pausen glauben, alles Gift sei verschwunden. Aber
es sind gefhrliche Windstillen vor dem Orkan, Waffenstillstand im
Hinterhalte lauernder Meuchelwuth.

. 152. Die dem weissen Arsenik hnliche Kraft der starken
Mineralsuren, die Haut bei der Berhrung wie zu verbrennen, die Faser
zusammenzuziehn, sie zugleich zu reizzen, einzuschrumpfen und zu tden,
scheint uns zu der Behauptung zu berechtigen, da jene metallische
Sure just so wie leztere diese Erscheinungen durch heftige Anziehung
des Brenbaren[96] ussere; besonders da der Arsenik so wie die
Mineralsuren im verdnten Zustande ihre entzndende Kraft verlieren,
und blos die konstriktorische behalten, welche der Arsenik dann im
hchsten Grade zu besizzen scheint.

. 153. Gewhnlich[97] findet man nach einer schnelltdlichen
Arsenikvergiftung das Blut in den grsern Gefsen schwrzlich,
aufgelst; (die linke Herzkammer blutleer, das Herz grstentheils
schlaff); ich wage nicht die Ursache hiervon aufzusuchen, sie mste
denn in Hewsons Theorie liegen (nach welcher Entzndungen das Blut
nicht verdicken, sondern auflsen). Personen, die am Brande sterben,
und von dieser Art ist die grsere Zahl der Arsenikvergifteten, haben
ein hnlich aufgelstes Blut in ihren Gefsen.

. 154. Seine Wirkungsart auf die freie Faser in usserlichen Wunden
besttigt einen Theil seiner vorhin angefhrten Aeusserungen im Magen.
Arsenik in Auflsung, auf empfindliche Stellen einer Wunde angebracht,
verursacht bei ihrer Berhrung eine peinliche, feurige, fressend
einschrumpfende Empfindung, er entzndet sie, doch grstentheils nur im
Umfange seiner Auflegung, und zieht das Entzndete zum troknen Schurfe
zusammen, der dann weiter keiner Empfindung fhig ist und sich nach
einigen Tagen absondert.

. 155. Wird er als Pulver in kleiner Menge aufgelegt, wie ich in einer
krebshaften Brust von einem Winkelarzte thun sahe, so breitet sich
die Entzndung besonders unter sich in die Tiefe aus, der Schmerz ist
peinlicher, hlt oft zwanzig und mehre Stunden an, und der erzeugte
Schurf ist dicker. Unter dem abgehenden Schurfe ist gewhnlich gesundes
Fleisch.

. 156. Wird er in grserer Menge auf entblste Stellen gebracht, so
bringt er nchst der tdlichen,[98] die Lebenskraft unterdrckenden,
Einwirkung auf das Empfindungssystem, rtlichen Brand zu wege.[99]

. 157. Auf die mit ihrem Oberhutchen umkleidete Haut in Pulver
angebracht zieht er in kurzer Zeit Blasen, unter denen die Haut
entzndet ist.




Fnftes Kapitel.

Heilart der schnellen innern Arsenikvergiftung.


. 158.

Die Heilung -- oder die Erreichung der von den drei Graden der
Arsenikvergiftung angezeigten Endzwecke hat man auf ganz verschiednen
Wegen gesucht, wovon einige widrig, einige gleichgltig, einige
dienlich aber unzulnglich, einige aber genugthuend und vllig
befriedigend sind.

. 159. Ich werde die ersten drei Klassen blos in Rksicht des ersten
Grades der Arsenikvergiftung auffhren, da man fr die brigen beiden
Grade bisher noch weniger Hlfsmittel aufzusuchen sich bemht hat.

. 160. Die erste Klasse der gewhnlich, besonders vom gemeinen Mann,
angewendeten Mittel, ist die der schdlichen und zweckwidrigen. Und
hier treffen wir eine unabsehbare Menge an, da der geringe Haufe stets
nur aus Linderung der handgreiflichsten Symptome, nicht aber auf
Entfernung des Urstofs und der Grundursache der Krankheiten sieht. Die
ber solche Vergiftungen vorhandnen Criminalakten, einige Schriften
ber die gerichtliche Arzneikunde, verschiedne Beobachtungsbcher
der Aerzte und einige Vorflle bei meiner Praxis haben mir folgendes
Verzeichnis geliefert.

    1.) Der Kranke mus wohl Aergernis oder andre Alterazion gehabt
    haben, also niederschlagende Pulver giebt man ihm, nach
    hergebrachtem Wahn. Sie wirken nichts, vermehren vielmehr den
    fremden Urstof im Magen, da sie grstentheils kalkartig oder sonst
    unauflslich sind.

    2.) Er hat Hizze, er mus schwizzen. Hier werden alle Arten
    erhizzender Mittel zur Hand genommen, die denn auch gewhnlich
    ihres tdlichen Endzweks nicht verfehlen. Schwefelbalsam, feurige
    Essenzen und Brantweine,[100] Hirschhornl, Wachholdersaft u. s.
    w. Beschleunigte Entzndung und Brand sind die gewhnlichen und
    gewissesten Resultate ihres Gebrauchs.

    3.) Er hat Gift bekommen, also sogenante Gifttreibende Mittel (die
    eigentlich gegen Ansteckungsgifte von den Alten ersonnen wurden)
    Bezoarpulver, Siegelerde, Korallen- Edelstein-[101] Ruhepulver,
    Orvietanum, Philonium, Mithridat, Theriak, Alexipharmaka u. s. w.
    Wie erdichte Pulver unnz und schdlich sind, sieht man ohne mein
    Zuthun, aber Opiate sind noch unendlich schdlicher als selbst
    Brantwein und die brigen elenden Mittel bei schnelltdlicher
    Arsenikvergiftung.

    Man kan sie zwar als die algemeine Zuflucht des Aberwizzes
    niedriger Leute ansehn bei jedem bedenklichen und heftigen
    Zufalle, aber hier sind sie ein dreifaches Gift. Die geringste
    Gabe Arsenik wird durch sie in den robustesten Krpern gefhrlich
    oder tdlich. Sie beschleunigen durch die reizzende und hizzige
    Kraft ihrer Beimischungen die ohnehin so furchtbare Entzndung
    der Eingeweide noch weit mehr. Mohnsaftmittel drcken die
    Lebenskrfte nieder, betuben das Bewustseyn und stopfen
    zugleich die heilsamen Entladungen der Natur, in dem sie die
    Empfindlichkeit der Magen- und Darmhute und die Reizbarkeit[102]
    ihrer Muskelfasern abstmpfen, und so die ohnehin so furchtbare
    Irritabilitt-tdende Eigenschaft (. 141.) des Arseniks erhhen
    und beschleunigen helfen. Man sieht auch aus einer Reihe von
    Beispielen,[103] wie sehr die Heilung des ersten und zweiten Grades
    der Arsenikvergiftung durch diese so schdlichen und mrderischen
    Mittel gehindert worden ist, wie eine kleine Vergiftung durch sie
    oft tdlich oder doch langwierig[104] und fast unheilbar ward.

    4.) Er mus sich den Magen verdorben haben, also bittre Brantweine,
    hizzige Magenpflaster.

    5.) Er hat Kolik, hat sich wohl erkltet, man decke ihn (mit vielen
    schweren Betten) warm zu, heizze brav ein, gebe ihm glhenden Wein,
    Ingberbier, Kmmelbrantwein und einen Wrmstein. Wie schdlich
    alles Erhizzende in diesem Falle sei, wird man schon aus Obigem
    ersehen haben.

    6.) Er hat sich verbrochen und Verdrus gethan, man streiche ihn,
    ziehe ihn ber's Knie, sezze ihm ein Glas auf den Nabel, wenigstens
    verstreicht die kostbare Zeit unter solchen nichtigen Dingen.

    7.) Er bricht alles wieder weg -- man gebe ihm ein hartgesottenes
    Ei und ja nichts mehr zu trinken, damit er nicht mehr breche.
    Zeigten's nicht Beispiele, man mgte diesen Unsinn fr unmglich
    halten.

    8.) Er mus sich beressen haben, man gebe ihm Pillen. Aloe,
    Jalapharz, Skamonium, Safran sind die gewhnlichen Ingredienzen
    dieser entzndenden, reizzenden, auch in gesunden Tagen nicht
    unschdlichen Mittel.

    Auch alle andere weniger hizzigen Abfhremittel sind im Anfange der
    Vergiftung schdlich. Sie fhren das Gift (ganz wider die Absicht)
    in den so leicht entzndlichen,[105] so vielfach gekrmten, so
    langen Darmkanal, wo man mit wegsplenden Flssigkeiten fast nicht
    mehr zu Hlfe kommen kan, und lassen doch noch immer so viel davon
    in dem (durch ihren Reiz noch mehr entzndeten) Magen zurk, als
    zur Tdung hinreicht. Was einmal den Pfrtner passirt ist, wird nun
    nicht mehr durch den leichtern Weg des Erbrechens ausgefhrt. --

    9.) Es kmt ein Bader hinzu und denkt weislich, das Gift durch
    Erbrechen fortzuschaffen. Also (was ihm immer anschlug) drei bis
    fnf Gran Brechweinstein und etliche Mal so viel Brechwurz, in
    Pulver.

. 161. Die bekanten gewhnlichen Brechmittel leeren zwar, vorzglich
in flssiger Form, weit gewisser und nachdrklicher aus, als die grste
Gabe Arseniks, vermgen aber kaum den geringsten Theil des in den
feinen Zotten der Magenhaut so hartnckig klebenden und einhngenden
Giftpulvers (weissen Arseniks vornemlich)[106] loszupressen,
vielweniger durch den Schlund herauszuschaffen. Sie reizzen selbst
nicht wenig,[107] und vermehren so den Andrang des Blutes nach diesen
Theilen noch mehr, vorzglich aber ziehen sie den Schleim hinweg, der
die Wnde des Magens (im natrlichen Zustande) so wohlthtig berzieht,
und stellen so die empfindlichen nun freier liegenden Fasern der Wuth
des Giftes nur desto gewisser blos; ja ich behaupte, da sie eine
Beihlfe und Unterstzzung dieses fressenden Giftes genannt zu werden
verdienen, und kan, aus Erfahrung, die nakten starken Brechmittel nicht
eifrig genug widerrathen.

. 162. Ich nehme nun die gleichgltig scheinenden Mittel vor, die,
durch Versplitterung der zur Hlfe so nthigen, so kurzen Zeit, wie
durch andre minder in die Augen fallende Nachtheile gefhrlich werden.

    1.) Thee; ist er heis, so schadet er durch Erhizzung; ist er lau,
    so schadet er wie laues Wasser. Er besizt ber dies noch einige
    brechenstillende Kraft und wird hiedurch zweideutig.

    2.) Laues Wasser. Es splet den die innere Haut der ersten Wege
    beschzzenden Schleim ab, und bringt ihn durch das folgende
    Erbrechen heraus, ohne etwas hnliches an seine Stelle zu sezzen.
    Es lset zwar auf der andern Seite etwas Arsenik, vorzglich
    weissen auf, diese Auflsung aber hindert es nicht, als verdntes
    Gift fort zu wirken. Diese Arsenikauflsung geht, mit Nachtheil (.
    161. 8.), viel leichter durch den Pfrtner ber, als geplverter
    Arsenik. Laues Wasser bringt zwar anfnglich ein viel leichteres
    Erbrechen zuwege, als der Reiz des Gifts vermag, erschlafft
    aber bei fortgeseztem Gebrauche die Spannkraft der Magenmuskeln
    ungemein, ohne sie fernerhin zu krftigen Ausladungen bewegen zu
    knnen. So bleibt denn bald alles fernere Erbrechen, wegen Atonie
    und Erschlaffung dieses Eingeweides zurk, wozu die Irritabilitt
    tdende Kraft des Arseniks (. 147.) das ihrige beitrgt. Dies
    unschdlich scheinende Mittel bleibt also in vielfacher Rksicht
    nachtheilig, auch deshalb, da es als ein schweistreibendes Mittel
    wirkt und nicht selten[108] den Arsenik in die zweiten Wege
    berfhrt.

    3.) Essig. Man glaubte sonst, Essig widerstehe jedem Gifte. So
    oft dies auch bei betubenden Gewchsgiften wahr seyn mag und so
    gewis er so gar bei einigen metallischen, besonders den Bleikalken
    (seltner bei Spiesglanzglas und Grnspan) gute Dienste thut, so
    weis man doch, da alle durch Reiz entzndende Pflanzengifte
    (Purgierharze, Euphorbium u. s. w.) durch Essig nicht gemildert
    werden, und da andre durch mechanischen (Glas) oder chemischen
    (Sublimat) Reiz entzndenden Krper in ihrer Wirkung durch ihn
    nicht nur nicht aufgehalten werden, sondern sogar Beihlfe
    erlangen. Am meisten scheint dies beim Arsenik der Fall zu seyn,
    der durch jede saure Auflsung Brenbares verliert und dann um so
    viel zzender wird, dergestalt da Fr. Hoffman[109] das Gift,
    womit die Einwohner von Bantam ihre Pfeile vergiften, fr in
    Limoniensafte aufgelsten Arsenik hlt.

. 163. Aus dieser Ursache wundre ich mich, wie =Stenzel=,[110] nebst
andern,[111] Suren berhaupt und =Sage=[112] Essig und Limoniensaft
gegen verschlukten Arsenik anpreisen knnen, wiewohl ich die Kraft des
leztern gegen die schleichende Vergiftung mit Aqua toffana[113] (die
nchst Arsenik wohl ein narkotisches Gift enthlt) nicht leugnen will,
am wenigsten da ihn =Keysler=,[114] =Wepfer=[115] und =Lebret=[116] in
diesem Falle gut gefunden haben.

. 164. Die dritte Klasse, der bisher blichen Mittel, ist die
der dienlichen, doch oft unzulnglichen. Sie sind lindernd aber
unspezifisch, blos gegen Reiz (berhaupt) gerichtet.

    1.) Die Milch stehet oben an, da sie am hufigsten dagegen
    gebraucht wird, und ein leicht zu habendes Hausmittel ist. So
    hlfreich sie im zweiten und so unentbehrlich sie im dritten Grade
    der Arsenikvergiftung ist, so wenig zulnglich ist sie jedoch in
    einer starken Vergiftung des ersten Grades. Sie beschzt in diesem
    Falle die innere Magenhaut zu wenig und lset den Arsenik noch
    langsamer den bloses Wasser auf. Ist sie abgesahnt (ohne Rahm) so
    hilft sie noch weniger, mehr noch die frischgemolkene oder mit
    Sahne vermischte. Es ist so wenig in ihr als in den jezt folgenden
    Mitteln das Geringste spezifisch gegen Arsenik Wirksame.

    2.) Oele scheinen, wenn sie in Menge zu haben sind, noch etwas
    hlfreicher, besonders gleich nach Verschluckung unsers Giftes
    zu seyn. Sie nehmen, wenn keine Feuchtigkeit im Magen vorhanden
    ist (ein seltner Fall) eine Menge feinen vorzglich troknen
    Arsenikpulvers beim Erbrechen mit, und verhindern auf einige Zeit
    die Auflsung des Zurkgebliebnen, und unaufgelster Arsenik wirkt
    nichts. Ich sage auf einige (eine kurze) Zeit, denn die gereizten
    aushauchenden Gefse der zottichten Magenhaut liefern immer
    frischen Magensaft und stosen so das Oel von den Wnden dieses
    Eingeweides zurk, wie man an nasgemachtem Fliespapiere siehet;
    das Oel wird nun unnz, der gesamlete Magensaft lst den nahen
    Arsenik auf, und seine Verwstungen gehen vor sich, als wenn kein
    Oel vorhanden wre. Wre diese Unvereinbarkeit der Fettigkeiten
    mit dem wsserichten Magensafte nicht, so wrde flssiger Talg und
    ungesalzene Butter oder Schmalz noch grsere Dienste thun, als
    Oel.[117] Vor allen Mitteln dieser Klasse aber

    3.) behauptet Milchrahm oder Sahne den Vorzug. Schade, da sie
    selten in erforderlicher Menge bei der Hand ist. Sie wickelt das
    Arsenikpulver viel gewisser ein und nimt es in ihre Zwischenrume,
    als Fett, ihrer diklichen Consistenz und ihrer Mischbarkeit mit
    dem Magensafte wegen. Sie schmeidiget die Wnde des Magens mehr
    als Milch, khlt ohne Reiz, lst sich angenehm eintrinken und
    verhindert ungemein die Auflsung dieses Giftes. Sie scheint
    mir gegen Fliegenstein und Operment, besonders gleich nach der
    Vergiftung, in vielen Fllen fast allein zulnglich zur Hlfe.
    Selten ist (diklicher) Milchrahm in dieser Absicht, so oft, als er
    es verdiente, angewandt worden. Htte er zugleich die Kraft Brechen
    zu erregen, so wre er ein unvergleichliches Hlfsmittel, ob er
    gleich auch auf der andern Seite keine spezifische Gegenwirkung zur
    Milderung der Natur des Arseniks ussern kan.

. 165. Ich mache diejenigen Gegenmittel, die Navier in seinem Buche
von den Gegengiften in Vorschlag gebracht hat, zur vierten Klasse, da
sie obwohl oft alzu knstlich, unanwendbar und problematisch, doch
ihrer anscheinenden Spezifizitt wegen, einer besondern Betrachtung
werth sind.

. 166. Da er bisher der Hauptschriftsteller in diesem Fache zu seyn
scheint, so erlaube man mir einen hierher gehrigen Auszug aus seinem
Werke[118] zu machen. Seine Mhsamkeit verdient Dank, aber seine
Vorschlge schwerlich Nachfolge; bei aller seiner guten Absicht,
spezifische Gegenmittel auszufinden, die den Arsenik in seinem Wesen
ndern, zerstren und unkrftig machen sollen. Last uns sehen wie er zu
Werke geht.

. 167.

    1.) Schlgt er laugensalzige Schwefelleber[119] vor, und behauptet,
    da wenn sie in Wasser aufgelst und zu Arsenikwasser gemischt
    werde, die tdliche Wirkung des leztern fast vllig verschwinde. Es
    erfolge, wenn beide Flssigkeiten heis zusammen geschttet wrden,
    ein schmuzig weisser Niederschlag. Von lezterm will er sich durch
    chemische Versuche berzeugt haben, da er fast allen Arsenik
    aus der Auflsung an sich genommen habe, und will der ber dem
    Bodensazze stehenden Flssigkeit wenig oder gar keinen Theil dieses
    Giftes zugestehn. Die Leber werde hiedurch ganz und gar zerlegt,
    die Arseniktheilchen giengen grstentheils an den Schwefel. Einige
    andre kleinen Parthien Arsenik blieben mit dem laugensalzigen
    Theile verbunden -- Es zeigen jedoch seine nachfolgenden (S. 24.)
    Versuche selbst, da nicht wenig Arsenik mit dem Laugensalze der
    Leber vereinigt bleibt.[120]

    2.) Seine Kalkleber (S. 27.) (ist fast gleichen Nachtheilen
    ausgesezt.) Er kocht zu diesem Behufe drei Theile frischgebranten
    Kalk mit einem Theile geplverten Schwefel.[121]

    3.) Kalkwasser. (S. 39.) Es bewirkt mit Arsenikwasser den
    schwerauflslichen Kalkarsenik, sezt also die schon erfolgte
    Auflsung des Arsenikpulvers im Magen voraus, die doch so schwierig
    und langsam entsteht. Allein und unvermischt getrunken ist es zu
    scharf und zzend, wie leicht kan die Entzndung des Magens durch
    dieses Mittel erhhet werden. In einer grosen Menge Wasser hlt es
    einen sehr kleinen Theil Kalkerde. (700:1.)

    4.) Kalkwasser mit Milch. (S. 40.) (Etwas besser, besonders wenn
    man statt Milch, Rahm nhme.)

    5.) Kalkleber durch Verpuffen (!) mit Salpeter bereitet (S. 41.)
    (immer noch Kalkleber, nur noch mit zzendem Laugensalze und
    Glasers Polychrestsalze vermischt.)

    6.) Eisenhaltige Laugensalzleber (S. 50.) und (S. 51.)

    7.) Eisenhaltige Laugensalz- und Kalkleber vermischt angewandt.
    Leztere soll noch feiner und angenehmer seyn (durch Verpuffen mit
    Salpeter bereitet!) Navier mag die Tugend beider leztern Mittel
    noch so sehr herausstreichen, der Arsenik verbindet sich doch
    nur mit dem laugensalzigen und dem Kalkstoffe der Lebern; sie
    wirken immer, wie, oben erzhlt, die einfache Schwefelleber wirkt.
    Schwefel und Eisen fallen vermischt nieder ohne den mindesten
    Antheil an Arsenik. Eisenhaltige Lebern lassen sich berdies unter
    allen am schwersten unzersezt auf bewahren.

    8.) Dinte (S. 63.) als Arsenik zerstrendes Gegengift. Als
    Hausmittel betrachtet wre sie schzbar, da die Mittel gegen Gifte
    leicht bei der Hand seyn sollen, aber so ist sie ein zzendes Ding,
    welches den Magen angreift. Eisenvitriol der fast nie ohne Kupfer
    (ein zzendes Gift) ist, macht ihr Hauptingredienz aus, genug um
    ihre Schrfe darzuthun; ihr Geschmak ist abscheulich.[122] Damit
    sich das Gift durch die Dinte desto leichter zersezze, will er
    den Arsenik vorher mit einem Laugensalze verbunden wissen. (Eine
    Foderung, die man bei Muse in einer chemischen Werkstatt leicht, in
    dem entzndeten Magen aber so unbedingt nicht verlangen kan.)

    9.) Mit zwei Worten geht er zur Seife ber (S. 65.). Ungewis aber
    ber die Kraft ihrer einfachen Anwendung (vielleicht auch um desto
    scheideknstlerischere Vorschriften zu machen) will er Eisenessig
    zugesezt wissen. Immer hat er mit schon im Magen aufgelsten
    Arsenik zu thun, wie soll er zur Auflsung ohne Nachtheil kommen,
    was soll sie geschwind bewirken? Von beiden kein Wort. Und ist der
    Eisenarsenik in den ersten Wegen ohne Nachtheil, da er sich in
    jeder Sure auflst?

    10.) Milch gegen die tdlichen Wirkungen des Arseniks (S. 67.). Da
    dieser halbmetallische Kalk das Sauerwerden der Milch verhindere,
    ist eine ihm eigne Beobachtung, woraus aber und aus dem angeblich
    mildern Geschmacke dieser Mischung gegen den des Arsenikwassers
    sich schwerlich so starke Hofnungen auf diese animalische
    Flssigkeiten ziehn lassen, als Navier thut. Auch kan sie ihm so
    hlfreich eben nicht geschienen haben, da er weiter hin neben der
    Milch noch

    11.) Kalkleber (und Milch) (S. 68.), auch (S. 69.)

    12.) Laugensalzige eisenhaltige Schwefelleber (und Milch) zugleich
    angewendet wissen will. Welcher weither gesuchte Apparat von schwer
    herbeizuschaffenden Knsteleien, wo es auf gewisse, simple und
    augenblikliche Hlfe ankmt!

Er geht zur Untauglichkeit der Oele bei der Arsenikvergiftung ber (ich
stimme ein) nur kochende Oele lsen dies Gift auf. Aus eben dem Grunde
sei Schwefelbalsam unnz. (S. 73.)

. 168. Nun zur Nuzanwendung seiner mhsam ausgespheten Gegenmittel.
Zuerst (S. 83.) solle man Milch geben, um die Auflsung des Arseniks
zu verhindern (hiezu schikt sie sich nicht genug); dann giebt er Oel,
frische Butter, Milchrahm mit laugensalzigem (S. 84.) lauwarmen Wasser
(reizt!) zur Befrderung des Erbrechens; beim Erbrechen wiederum
hufiges laugensalziges Wasser, allenfals auch nur mit Kchenasche
verfertigt auch wohl mit Zucker versezt. Auch (S. 85.) Seifwasser
(unbestimt!). Nun msse man eilen, sich durch Schmelzen bereitete,
kalkige, laugensalzige oder eisenhaltige Leber zu verschaffen; hievon
ein Quentchen in eine Pinte recht (S. 86.) heissen (!) Wassers. Von
dieser Mischung msse der Kranke viel trinken, auch knne Zucker und
Ssholzsaft zugesezt werden. -- Knne der Kranke seinen Ekel dagegen
nicht berwinden, so msse man ihm die Schwefelleber in Bissen (ein
scharfes Wesen!) zu fnf bis sechs Granen nehmen, und recht heisses
(!) Wasser, ein Trinkglas auf jeden Bissen, trinken lassen. Nachdem
man nun dem Vergifteten hufige (!!) Leber als ein Getrnke oder in
Bissen gegeben hat, knne man, wenn noch schwere Zuflle da verbleiben,
zu Eisenauflsungen sogar sauren (S. 87.) (werden diese auch von
Arsenikpulver przipitirt?) schreiten -- doch sei eisenhaltige Leber
noch vorzuziehn. In Ermangelung der Schwefellebern soll man seine
Zuflucht zu Eisenauflsungen (also sauren!) nehmen, doch msse vorher
eine oder zwo Pinten laugensalziges Wasser getrunken werden, damit
der hiedurch aufgelste Arsenik desto leichter durch das Eisensalz
(Eisen in Essig aufgelst oder ein Quentchen grner Vitriol in einer
Pinte Wasser zerschmolzen oder Dinte) durch doppelte Verwandschaft
zerlegt werde, und ans Eisen gehe. (Ausser dem Magen kan man sich
etliche Stunden Zeit zu diesen chemischen Prozessen nehmen -- und nun,
alles wohl bewirkt, ist doch der Eisenarsenik noch im Magen.) Nach
dem Uebergange der heftigsten Zuflle msse man viele (S. 88.) Milch
trinken lassen, welche durch ihren buttrichten und ksichten Theil
seine Aezbarkeit abstmpfe, welchen dieses Gift so weit zum Zergehen
bringe, da es den Zusammenhang desselben aufhebe, wobei seine zzende
Kraft nothwendig unterdrkt werden msse (welcher unverstndliche
Mischmasch -- und welches Phnomen schlos diese Wirkung vor seinen
Augen auf?) Die Oele knten auch die Eingeweide mit ihren stigen (!!)
(S. 89.) Theilen berziehn, und sie gegen Zerstrung zu sichern. Die
Suren (S. 90.) wren keine Gegengifte, da es erwiesen zu seyn schiene,
wie er anzumerken[123] Gelegenheit gehabt habe, da der Arsenik aus
einer mit einer Salzsure[124] verbundnen flchtigen halbmetallischen
Erde bestehe (o! heilige Chemie, erbarme dich ber uns!) Schdlichkeit
der Molken und Limonade (S. 92.), des Theriaks. Zulezt (S. 92.) Laxiere
und Mannatrnke mit Mandell oder Milch und mildernde Trnke mit
Pappeln und Leinsamenschleime versezt. Fette und schleimige Bhungen
auf den Unterleib, ganze Bder. Aderlsse bei Vollbltigkeit nach dem
Gebrauche der anfnglichen Gegenmittel. Narkotische Mittel, (S. 95.)
Mohnsaft. ([griech.: kai su, teknon;])

Die Nachwirkungen des ins Blut geschlichenen Arseniks, Abzehrung,
Zittern u. s. w. nimt er durch Milch hinweg. Dann noch Schwefellebern
mit Milch -- oder die warmen Quellen, das Aachner Wasser u. s. w.
zur Stelle getrunken und darin gebadet, (S. 96.) welche eine sehr
zertrente Schwefelleber[125] enthielten. (Lieber! wie fandst du diese
in den genanten Wssern?) Ihre Stelle will er durch fnf bis sechs
Unzen durch Schmelzen bereitete Leber in einem Orhoft recht heissen
Wassers aufgelst, als Bad angewandt, (S. 97.) ersezzen (!!). Als
Getrnk, statt ihrer, alle Morgen eine bis zwei Pinten Wasser, worin
in jeder ein bis zwei Quentchen kalkicher durch Verpuffen bereiteter
eisenhaltiger (S. 98.) Schwefelleber aufgelst sind. (ein unrichtiges
Succedaneum von grslichem Geschmacke!) Durch Schmelzen bereitete
Leber (S. 99.) passe auf die Zerstrung, die die Arseniktheile in den
ersten Wegen angerichtet haben -- die durchs Verpuffen verfertigte auf
die Zuflle des Ueberganges dieses Gifts in die Sfte (eine subtile
Distinkzion! aber ihre Richtigkeit? -- wie mgen wohl beide Arten der
Lebern in der Wirkung von einander abweichen? Ist die durchs Verpuffen
bereitete etwas anderes, als eine zum Theil wieder zerstrte Leber?
Denn durch glhenden Salpeter verbessern wir keine Schwefelleber --).

. 169. So weit =Navier=, man erlaube mir einige algemeine Anmerkungen.

Diese getreu ausgezogne Abhandlung der =Navierischen= Gegengifte
des Arseniks verrth zuweilen etwas flache chemische Kentnisse,
durchgngige Jagd nach fein knstlich verwickelten Gegenmitteln,
und schwankende Anwendungsvorschriften. Was hat der Arzt in jedem
einzelnen Stadium der Vergiftungskrankheit von diesem unbersehlichen
Haufen kontrastirender Mittel vorzglich anzuwenden? Hilft eins davon
berhaupt, oder gehrt die ganze Garnitur Mittel dazu? Wie hilft sich
der Landman oder Kleinstdter ohne die ungeheuren Namen von, weis
Gott, was fr Lebern selbst nicht einmal aussprechen, geschweige sie
anschaffen oder brauchen zu knnen? Welche Zeit gehrt zu diesem
Apparate, der nur frisch bereitet gehrige Dienste thun wrde, wenn er
knte! Und welchen Schwall von Flssigkeiten bringt man nicht zusammen,
wenn man die Viel, Hufig, in Menge trinken, und die benamten Pinten
alle zusammenaddirt, die er anbefiehlt! Der Arzt ist froh, wenn er bei
einer msigen Vergiftung zwlf und bei der heftigsten zwanzig Pfund
in den robustesten Magen binnen sechs Stunden mit Vortheil bringen
kan, aber seine Pinten betragen ungleich mehr an der Zahl, wovon jede
ber zwei Pfund zu rechnen ist. Gewhnlich, wenn man etliche Mase
Flssigkeit hat wegbrechen lassen, nimt die antiperistaltische Bewegung
des Magens ab -- und versagt dann bald vllig -- Das Brechen hrt
auf, der Ton der Muskelfibern dieses durch bermsigen Reiz des Gifts
und der ausleerenden Mittel ermdeten Eingeweides ist wie gelhmt. --
Und dann die Vielfltigkeit der verschiednen auf einander eingegosnen
Gegenmittel! hindert, vernichtet da nicht eins das andre -- ndert
seine Natur? giebt ihm auch wohl eine zwekwidrige Richtung? Wenigstens
htte =Navier= die Zuflle angeben sollen, welche den jedesmahligen
Zeitpunkt anzeigen, wo dieses, wo jenes, und wo wieder ein andres
Gegenmittel eingegeben werden msse!

. 170. Die fnfte Klasse enthlt diejenigen Gegenmittel der
Arsenikvergiftung, die nach meinem Ermessen und einer Reihe damit
angestelter Versuche zufolge, den Vorzug vor den brigen, wenigstens in
der vorzutragenden Verbindung, zu verdienen scheinen.

. 171. Ich stelle sie, der leichtern Uebersicht wegen, den
anzufhrenden Heilanzeigen gegen ber, mit Rksicht auf die festgesezte
Eintheilung der Arsenikvergiftung in ihre drei Grade.

. 172. Aus dem, was ich bishieher von der Wirkungsart des Arseniks auf
die thierischen empfindlichen Fasern besonders der ersten Wege, von den
Zufllen mit Arsenik vergifteter Personen, und von der chemischen Natur
dieses Giftes erinnert habe, drei Quellen deren Zusammenflus allein
im Stande ist den Arzt mit Sicherheit zu leiten, flossen folgende
Heilanzeigen, und die sich hierauf beziehenden Gegenmittel her, die,
wie mich chemische Versuche, klinische Grundszze und verschiedne
Krankenbetten dieser Art lehrten, befriedigend sind.

. 173. Es ist wahr, man kan ungleich knstlichere, zusammengeseztere,
kostbarere Mittel sehr leicht vorschlagen, und so das Lbchen eines
Scheideknstlers feinerer Art leicht erhaschen, aber, ohne Anspruch
auf diesen mit der Erhaltung der Menschen oft sehr unzusammenhngenden
Ruhm, Mittel auszusphen, die die krftigsten aller Art, die
unschdlichsten, so viel mglich angenehmsten, den Hausmitteln gleich,
berall leicht zu haben, die wohlfeilsten, und der dringenden Gefahr
wegen mehrern Heilanzeigen zugleich genugthuend sind, und sie auf die
passendste Art anwenden zu lehren, dies, deucht mich, war ein hherer
Zwek, den ich vor andern ins Gesicht fassen muste.

. 174. Aus diesem Standorte wird man beurtheilen knnen, ob ich so
sehr bel that, zu einer Abhandlung dieser Art ganz und gar kein neues
Mittel zu erfinden, und da ich, als therapeutischer Schriftsteller,
mich begngte die vorhandnen gehrig zu wrdigen, vorurtheilfrei die
besten zum Vorrange zu erheben und zu ihrer vortheilhaftesten Anwendung
den richtigsten und simpelsten Weg zu verzeichnen.

. 175. 1.) Heilanzeigen der strksten Arsenikvergiftung und ihre
Genugthuung

    /a/) Den grsten Theil des verschlukten Giftes (weissen Arsenik,
    Giftmehl, Fliegenstein, Operment) durch das zwekmsigste
    Brechmittel aus dem Magen zu schaffen -- starke Seifenauflsung.

    /b/) Den Rest verschlukten (weissen Arsenik-) Pulvers mglichst
    geschwind aufzulsen und zugleich

    /c/) zu neutralisiren, um diese metallische Sure whrend ihres
    Verweilens so viel mglich unschdlich zu machen, bis sie von
    Zeit zu Zeit ausgeleert werden kan -- =Seifwasser mit Oel,
    Schwefelleberlufthaltiges Wasser mit Rahm=.

    /d/) Die innere Haut der ersten Wege durch einen schmeidigenden
    Ueberzug zu sichern -- vorige Mittel und Milchrahm mit Milch.

    /e/) Die Ausleerung von unten zu erleichtern -- zu befrdern --
    obige Mittel, besonders =Seifwasser mit (Rizinus) Oel, Umschlge
    und Klystiere von aufgelseter Seife=.

    /f/) Der rtlichen und algemeinen Entzndung zu wehren --
    hnliche[126] Bhungen, Umschlge, laue Bder, Klystiere -- Aderlas.

2.) Heilanzeigen der langsamern oder vernachlsigten leichtern
Arsenikvergiftung -- Ebendieselben oder nur die leztern Mittel, je
nachdem der Arzt, oder die helfende Person zeitiger oder spter ankmt,
berdies, wenn man etwas spte anlangt, noch

    /g/) Zerstrung und Hinwegschaffung der Gifttheile in den ersten
    Wegen -- Schwefelleberluftwasser in Getrnken und Klystieren, obige
    unten (auch wohl oben) abfhrende Mittel.

    /h/) Entzndungswidrige Dit -- obige (/f/) Mittel gegen Entzndung
    -- dann Milchdit, reine, frische Luft.

3.) Heilanzeigen der schleichenden Arsenikvergiftung und der Nachwehen
der ersten beiden Grade -- Einige der angezeigten Masregeln, wo nthig;
sonst noch

    /k/) Zerstrung der Ueberreste des Arseniks in den zweiten Wegen --
    lauwarme Bder von Schwefelleberlufthaltigem Wasser -- hnliches
    Getrnk.

    /m/) Erweichung und Schmeidigung der festen und flssigen Theile --
    leztere (/k/) Mittel mit Milchdit verbunden.

    /n/) Almhlig aufsteigende Strkung -- Milch- und
    Fleischbrhendit, frische Luft, Trinken eisenhaltiger Wasser --
    endlich Wein, kaltes eisenhaltiges Wasserbad -- krftigere Kost,
    Lustreisen.

    /o/) Linderung der paralytischen und krampfhaften (auch
    gichtischen) Zuflle -- strkende Kur, Elektrisitt -- Tropfbder.

. 176. Seife, Oel und Milch sind doch wohl unschuldige Mittel und
zu allen Zeiten leicht und berall zu haben. Niemanden ist die Hlfe
versagt, dem Reichern so wenig wie dem Aermern, auf dem Landgute, wie
in der Strohhtte, bei Tag und Nacht. Diese drei sind zur strksten
Arsenikvergiftung hinlnglich, und wenn es wahr ist, da man in so
dringender Gefahr selbst in Palsten den leckern Gaumen nicht um
Erlaubnis fragen darf -- auch in Stdten hinlnglich; einige kleine
Verbesserungen aus der Pharmazie, wie man sieht, abgerechnet, da die
gtige Natur der Schwche des stdtischen Weichlings doch wohl noch
weit mehr unter die Arme greifen wolte, als sie bei dem dikhutigen
Magen des Landmans und Tagelhners bedurfte.

Bei den Hlfsmitteln gegen den zweiten, besonders den dritten Grad bin
ich freigebiger, und, wenn man will, knstlicher gewesen, theils da es
nthig ist, theils da man dann mehrere Muse hat, die dennoch wohlfeilen
und leicht herbeizuschaffenden Mittel nach und nach herbei zu bringen.
Ich gehe zur Anwendung ber.

. 177. Aus verschiednen Beispielen, die uns =Wepfer=[127], =Heinrich
von Heer=[128], =Zittman= und andre aufgezeichnet haben, sieht man mit
Verwunderung, wie wenig selbst die grste Menge Arsenik unter festen
Speisen verschlukt oder in einen mit Speisen angeflten Magen gebracht,
der Gesundheit des Vergifteten geschadet haben, und wie, so gar in den
schlimsten Fllen, die Vergiftungskrankheit doch nur chronisch geworden
und den Tod auf viele Tage, ja Wochen und Jahre lang hinausgeschoben
hat, wo man die frchterlichsten, reissendsten Zuflle und nur noch
wenige Stunden Lebensfrist htte ahnden sollen. Es erfolgte Erbrechen
und mit ihm der fast vllige Abgang des Giftes.

. 178. Bei dem Arsenikpulver, das vorher unter feste Speisen gemischt
war, ehe die Masse verschlungen ward, ist dieser glkliche Ausgang
nicht ganz unerwartet, da, der Reizbarkeit des Magens halber; da
der vergiftete Speisenbrei, grstentheils eher wieder weggebrochen
wird, ehe er mit Magensafte oder Getrnken verdnt, das schwerere
Arsenikpulver zu Boden fallen lst, wo es die innere Haut zu benagen
anfangen wrde. Auch im Schlunde hat es in dieser Vermischung keine
sonderliche Zerstrung anfangen knnen.

. 179. Aber wenn bloses Arsenikpulver erst nach genossenen Speisen
verschlukt wird, denn hat es mit dem gewhnlich guten[129] Ausgange
der beabsichteten Vergiftung schon eine andre Bewandnis. Hier wird
ein groser Theil des Giftpulvers, trocken oder mit einer Flssigkeit
beigebracht, sich hie und da im Schlunde, inwendig am Magenmunde
und vorzglich in der ganzen Gegend der innern Magenhaut anlegen,
die noch von Speisen leer war, oder, welches einerlei ist, die das
herabgeschlukte mit Arsenik gemischte Getrnk zu seiner Aufnahme
ausdehnte.

. 180. Ueberdem besizt jeder feingeplverte weisse Arsenik und
Fliegenstein die Eigenschaft, ber jeder, selbst kochendheisen
Flssigkeit, in die er geschttet wird, ungeachtet alles Umrhrens,
eine pulverichte Haut zu bilden, mit schwimmenden Pulverklmchen
vermischt, die durch Luftblschen empor gehalten werden.

. 181. Diese nicht wenig Arsenikpulver enthaltende Haut, hngt sich,
wie in jedem Gefse, so vorzglich im Magen an die Rnder, umzieht die
zottige Haut, und fngt so seine Verwstung an.

. 182. Besse nun der dikliche drunter stehende Speisenbrei seiner
zusammenhngenden Natur nach, nicht die Kraft, selbst aus diesen
zottigen Fasern das Arsenikpulver wie durch Anziehung an sich zu
nehmen, und beim erfolgenden Erbrechen mit sich (grosentheils)
herauszuziehn, wie wre es mglich, da hnliche Vergiftungen noch so
unvermuthet leicht berhin gehen, und weit minder tragisch ablaufen
knten, als die verschlukte oft grose Menge dieses frchterlichen
Stoffes vermuthen lassen solte? Warum geschieht das Gegentheil, wenn
statt der Speisen blos dnne Getrnke im Magen waren?

. 183. Sind blose Getrnke im Magen vor der Verschluckung des
Giftpulvers vorhanden gewesen, so wird der grste Theil des leztern in
Klmpchen auf den Grund des Magens fallen, die, wo sie liegen, sich in
die Zottenhaut einhngen und daselbst rtliche Entzndungen erregen,
oder von den bald erfolgenden Zusammenziehungen dieses Eingeweides nach
beiden Mndungen, den entzndlichsten Theilen des Magens, zum Theil
getrieben werden.

. 184. Selten wird dies Gift trocken verschlukt, ohne nachsplende
Flssigkeit, in welchem Falle der Schlund am meisten leiden mus,
wenigstens anfnglich.

. 185. In beiden leztern Fllen hngt sich, vorzglich das weisse
Arsenikpulver so fest in die feinen samtartig hervorragenden Zserchen
der innern Haut, da es durch dnne Flssigkeit fast unmglich
herauszuwaschen ist. Geniest man aber bald nach einer solchen
Vergiftung breihnliche Speisen, so nehmen diese beim Erbrechen einen
grosen Theil davon leicht aus den Magenfalten mit.

. 186. Man befeuchte die innere rauh geschabte Flche eines von
weichem Holze verfertigten Gefses (welches dann seiner emporstehenden
Fasern wegen ziemlich mit dem Innern des Magens verglichen werden zu
knnen scheint) stark mit Wasser und bestreue diese nassen Wnde mit
Arsenikpulver. Nun versuche man dieses Pulver durch Ausschwenken mit
irgend einer Flssigkeit aus diesem Gefse zu bringen, und man wird
finden, da sich keine dnne Feuchtigkeit dazu schikt, dieses schwere
so leicht anhngliche Pulver aus den feinen Holzfasern los zu wickeln
und mit fort zu schlemmen.

. 187. Man versuche ferner, das in den nassen rauchen Wnden dieses
Gefses hngende Arsenikpulver durch Umschwenken mit Oele loszutreiben
und in dieser Verbindung heraus zu giessen, und man wird seine
Absicht fast nicht im mindesten Grade erreichen, da das Oel gegen die
Feuchtigkeit der nassen Fasern und des nassen drin hngenden Pulvers
keine Anhnglichkeit besizt, und so lezteres nicht berhren, folglich
nicht in sich und mit sich fort nehmen kan; eben so im Magen.

. 188. Dagegen schtte man in dies (nasse, mit Arsenikpulver
bestreute) Gefs, nachdem fast alles vergeblich versucht worden, irgend
einen zhen flssigen Brei, schwenke ihn herum, schtte ihn heraus
und wiederhole diesen Handgrif einige Male, so wird die innere rauche
Flche dieses Gefses fast gnzlich vom Arsenikpulver befreiet werden,
da der Zusammenhang des Pulvers mit dem Brei strker ist, als mit den
nassen Fasern.[130]

. 189. Wenn es uns auch nicht erlaubt wre, aus jenen (. 177.-185.)
Thatsachen und letztern (. 186.-188.) analogischen Versuchen
Folgerungen auf die Auswahl eines Mittels zu ziehn, welches am
geschiktesten wre, jenes stygische Pulver aus dem Magen zu bringen,
so knten schon meine eignen Erfahrungen beweisen, da eine starke
Auflsung der gemeinen Hausseife in Wasser diese und noch mehrere
Vorzge im hchsten Grade verdiene.

.190. Denn ausserdem, da dieses Mittel eine zhe Konsistenz und
gelinde spezifische Kraft Brechen, ohne Entzndung, zu erregen besitzt,
schmeidiget es auch die Wnde des Magens, mischt sich mit allen
Flssigkeiten, neutralisirt den aufgelsten Arsenik, bringt einen sehr
grosen Theil desselben unaufgelst herauf und reicht dem fernerhin
dienlichen Oele ein Zwischenmittel dar, seine lindernde und Fasern
schzzende Kraft (ohne abgestosen zu werden) auf die zottige Magenhaut
in vollem Mase zu usern -- Vortheile die sich schwerlich bei einem
und demselben Mittel vereinigen.

. 191. Hiezu kmt noch, da alle Haushaltungen Seife und Wasser
besizzen, da sich dies Mittel sehr geschwind zubereiten lst und da
sein Geschmak wenigstens nicht unertrglich ist. Es ist im hchsten
Grade wohlfeil.

. 192. Da dieses Mittel alle anfngliche Heilanzeigen zugleich und
so zwekmsig erfllt, wie ich gewis weis, so schzze ich mich, wenn
Navier das Verdienst hat, der Seife mit etlichen Worten berhaupt
Erwhnung gethan zu haben, glklich, die zahlreichen Vorzge dieses so
hlfreichen Mittels zu zergliedern, seinen Tugenden aus Grnden und
Erfahrung ihren gebhrenden Rang anzuweisen und seine Anwendung zu
lehren.

. 193. Wenn man sich aber auch geneigt finden lassen sollte, die
Vorzge einer starken Seifenauflsung bei der Arsenikvergiftung
anzuerkennen, so knte man doch vielleicht Anstand nehmen, sich
dieses Mittels bei jenen (nicht seltnen) Vergiftungen zu bedienen, wo
es zweifelhaft wird, ob das Verschlukte Arsenik, oder etwas anderes
sey. Man wird einwenden, wie, wenn das genommene Gift ein anderer
metallischer, oder mechanisch reizzender Krper, eine narkotische
Pflanze, ein scharfes Harz oder eine schdliche thierische Substanz
wre, solte denn dies gegen Arsenik so gepriesne Gegengift, hier nicht
vielleicht unnz, vielleicht zweideutig oder wohl gar schdlich werden?

. 194. Ich knte zugeben, da alle verschlukte schdliche Dinge der
drei Naturreiche ihre von einander abweichende Natur zwar nicht stets
(wenigstens dem Ungebtern nicht) durch so unzweideutige, unverkenliche
und charakterische Merkmale und Symptomen der Vergiftungskrankheit an
den Tag legen, als wenn mit Fingern darauf gezeigt wrde (man mgte
etwa die nervenbetubenden und Muskelfiebern lhmenden Gewchse, den
Mohnsaft die Toll- und Lorbeerkirsche u. s. w. ausnehmen) und man
deshalb, dem ersten Anblicke nach, Bedenken tragen knnte, mit einem
namentlichen Gegengifte einen Fehlgrif zu thun.

. 195. Wenn man aber dagegen bedenkt, da es bis jezt noch keine
spezifischen Gegenmittel schdlicher Pflanzen und Thiersubstanzen
giebt, da die algemeine und fast allein hinreichende Heilanzeige
dieser Gifte in krftiger Ausleerung von oben und unten besteht,
da mechanisch reizzende Dinge (Glas u. s. w.) eingewickelt und
herausgeschaft, die verschlukten korrosivischen Suren neutralisirt,
die schdlichen metallischen Salze zersezt, die Harze aufgelst seyn
wollen, und da die narkotischen Gifte (auch Blei) die krftigsten
Ausleerungsmittel erheischen, so wird jeder, welcher die Natur einer
starken Seifenauflsung kent, gestehen mssen, auch gegen alle brigen
Gifte (nchst dem Arsenik) sei das vorzglichste, algemeinste und
unschdlichste (anfngliche) Hlfsmittel in dieser wohlthtigen
Zwittersubstanz zu suchen und zu finden.

. 196. Man lse also getrost, so bald oben beschriebne (. 99.-102.)
Kennzeichen der Vergiftung des ersten Grades sich an irgend jemand
ussern, man lse, sage ich, ohne Zeitverlust ein Pfund Seife in vier
Pfunden Wasser auf, das ist, man reibe die trokne Seife geschwind
auf einem Reibeisen klein, schtte sie in einen Topf der bequem (des
Ueberlaufens wegen) acht Pfund Wasser halten kan; man gieset die
genante Menge kochenden Wassers auf die zerkleinte Seife, quirlet
beides unter einander, und lsset es zwei Minuten lang aufkochen,
quirlt nochmals und dieses so krftige Hlfsmittel ist fertig, von
diklich zher, doch flssiger Konsistenz, so lange es warm erhalten
wird; in der Klte wird es ganz steif.

. 197. Man giebt es dem Kranken Tassenweise, mit etwas Zuker im Munde,
kaum so warm als man gewhnlich Thee oder Koffee zu geniesen pflegt, zu
trinken. Ist der Kranke eine Person von reifem Alter, also zwischen dem
zwanzigsten und sechszigsten Jahre, so kan man ihr eine solche Tasse,
worein fnf bis sechs Loth Wasser gehn, alle 3 bis 4 Minuten reichen.

. 198. So wird in ungefhr zwei Stunden diese Menge (fnf Pfund)
Seifenauflsung verschlukt seyn. Man kan auch lngere Zwischenzeiten
zwischen jedem Trunke whlen, der dann aber jedesmahl desto strker
seyn mus, damit diese dikliche Flssigkeit in genannter Zeit gewis
verschlukt sei.[131]

. 199. Es mus im Fall der Weigerung mit Gewalt beigebracht werden,
da in einem so dringenden Nothfalle, wo kaum eine Haarbreite
zwischen Leben und Grab fehlt, und wo alle Reichthmer, Stands- und
Geburtsrechte in dem gefneten Schlunde des Todes zu verschwinden
scheinen, keine andre Rksicht als Rettung, Rettung zum Augenmerke
gefast werden darf, so wenig als es einem Untersinkenden frei stehen
kan, ob er bei den Haaren oder einem anstndigern Orte gepakt seyn will.

. 200. Solte sich in der ersten Viertelstunde des Trinkens der
Seifenauflsung (welches hchst selten geschieht) kein zwekmsiges
Brechen einstellen, so kan der Schlund mit dem Finger, oder mit einer
in Oel getauchten Gnsefeder dazu gereizt werden, dann wird es ferner
gewis von selbst erfolgen.

. 201. Ist der Vergiftete ehedem Krankheiten oder Zufllen
unterworfen gewesen, bei welchen eine starke Wallung des Bluts
gegen die obern Theile, oder wo eine so heftige Magenerschtterung
bedenklich ist, einer Neigung zum Schlagflu, Herzklopfen, Blutspeien,
dem Blutberflusse berhaupt, der Brustwassersucht, verschlosnem
Lungengeschwr -- Verhrtungen und Geschwren irgend eines Eingeweides,
einem Bruche u. s. w. so legt man in letzterm Falle das Bruchband an,
und lsset in den brigen Fllen zwanzig bis dreisig Loth Blut aus der
Ader, so bald die ersten sechs bis acht Tassen getrunken worden sind.

. 202. Kmt man erst eine Stunde hernach, nachdem das Gift genommen
worden, dann mus auf alle Flle (eine so versptete Hlfe findet
immer Entzndung vor) der Krper sei volbltig jung oder nicht, ein
verhltnismsiger Aderlas vorgenommen werden, das ist stets nach den
Graden der schlaffern oder festern Fiber, der schwchlichern oder
lebhaftern, blut- oder wasserreichern Krperbeschaffenheit, und dem
Alter gems abgewogen.

. 203. Eine Person von sechzehn bis zwanzig Jahren kan vier Pfund,
von zwlf bis sechzehn Jahren drei Pfund, ein Kind von acht bis zwlf
Jahren zwei Pfund und eins von sechs bis acht Jahren ein Pfund dieser
Seifenauflsung trinken, doch in der angegebnen Dosis und Zeit.

. 204. Die in die Augen fallende Wirkung dieses Mittel ist gelindes
aber fortgesetztes und zwekmsiges Erbrechen. Man hat nicht nthig
die Trinkzeiten des Uebergebens halber aufzuschieben, vielmehr mus, so
bald der Kranke davon einige Augenblicke ausgeruhet hat, das Einflsen
erwhnter Masse wieder fortgesetzt werden.

. 205. Ist die angegebne Zeit vorbei und die nthige Menge starker
Seifenauflsung getrunken, so ist das meiste geschehen, was mglich
war. Das gewaltsame Wrgen, die Athem verschliesende Angst, das Fressen
im Magen, das unausstehliche Herzdrcken und das Zusammenschnren der
Kehle wird sich gelegt haben; das heist das meiste Giftpulver ist, in
der getrunkenen schleimichten Flssigkeit eingehllt, hinweggebrochen,
das Aufgelste aber neutralisirt (. 54., 55.) worden.

. 206. Was durch diese erste Behandlung vom Gifte nicht durch den
Mund abgefhrt worden ist, wird man sich umsonst schmeicheln, auf
eine andre Art durchs Erbrechen in Pulvergestalt heraus zubringen.
(Diese Ausleerung von oben beim Anfange einer (noch so starken)
Vergiftung passet nicht nur, wie gesagt, auf weissen Arsenik, Giftmehl,
Fliegenstein und Operment, sondern auf alle Arten von schdlichen
Dingen die schleunige Ausleerung bedrfen.)

. 207. War es weisser Arsenik, so bestehet die nchste Hofnung zur
Hinwegschaffung des noch in den Zotten der Magenhaut zurkgebliebnen
feinen Pulvers darin, so schnell aufzulsen, zugleich aber, es so
viel mglich neutralisirt (oder besser, vererzt) entweder durch
nochmahliges Erbrechen, oder auch wenn der Durchlauf schon vor sich
angefangen hat, von unten wegzubringen.

. 208. Keine Flssigkeit lset eine gegebne Menge Arsenikpulver
schneller auf, nimt einen so grosen Theil davon in seine Zwischenrume,
neutralisirt das Aufgelsete leichter, macht die Eingeweide
schlpfriger und gegen die fressende Kraft mineralischer Gifte
unzugnglicher, und befrdert dabei die Ausleerungen so sicher, als
Seifwasser.[132]

. 209. Durch das obbeschriebne Trinken der strkern Seifenauflsung,
wird das Gift mehr in Substanz, als eigentlich aufgelset weggeschaft.
Was sich gleichwohl, indes auflsete, ward durch dieses Mittel
so gleich bei der Berhrung zum Mittelsalze, folglich bei weitem
unschdlicher, als die Auflsung in blosem Wasser, und so von Zeit zu
Zeit ausgefhrt.

. 210. Um die fernern Heilanzeigen einer sehr starken, angezeigter
Mase bisher behandelten, oder einer verspteten Arsenikvergiftung des
zweiten Grades zu befriedigen, das ist diejenigen, wo schon berhufte
oder hinlngliche Ausleerungen von oben vorgegangen sind, und man
keine hnlichen weiter zu erwarten hat, lsset man drei Pfund jener
strkern Seifenauflsung mit drei Pfund warmen Wasser verdnt[133] und
unter jedes Pfund Mischung vier Loth eines vorhandenen Oels, Leinls,
Baumls, Mandells, zerlassener und von Salze abgeseiheter Butter
gerhrt, einer ausgewachsenen Person binnen zwei Stunden trinken, also
alle zwei Minuten eine Tasse; Jngern weniger nach Verhltnis.

. 211. Hiedurch wird, wenn der Durchlauf nicht schon durch die erste
Behandlung in Gang gekommen ist, hufig offener flssiger Leib mit
untermischtem seltnern Erbrechen entstehen.

. 212. Sobald das Kneipen in den Gedrmen oder der Durchlauf schon bei
der ersten Verordnung erfolgt, mssen vielfach bereinander gelegte
Tcher in die beschriebne strkere Seifenauflsung getaucht, um den
ganzen Unterleib gelegt, auch, wo nthig, und der Puls noch sehr voll
und hart das Gesicht aufgetrieben und roth, der Odem sehr beklemt, u.
d. gl. ist, zum zweiten Male zur Ader gelassen werden. Sonst unterlt
mans, da man die Krfte zur Nachkur braucht.

. 213. Erfolgte der Durchfall aber nicht beim Trinken der strkern
Seifenauflsung, so mus der Umschlag beim Anfange des Trinkens der
zweiten Auflsung desto fleisiger lauwarm bergeschlagen werden.

. 214. Sobald der Umschlag zu dieser oder jener Zeit angefangen wird,
bergelegt zu werden, mssen Klystiere von Milch und Oel oder wenn der
flssige Stuhlgang zgert, das Erbrechen selten, und Leibschneiden
vorhanden ist, von dem dnnern Seifwasser mit Oel, wie das Getrnk
gemischt, eingespritzt werden.

. 215. Ist die Entzndung bei Entstehung des Durchlaufs oder whrend
desselben noch immer sehr heftig, und der Unterleib, besonders die
Gegend unter der Herzgrube, gespant, sind die Adern im Gesichte und
am Halse strozzend, die Augen roth und hervorgetrieben, u. s. w. so
ist ein ganzes[134] laues Bad, vorzglich von dnnem Seifwasser (man
kan ein Verhltnis von 200:1 beobachten) vortreflich, und kan zugleich
fglich die Stelle des zweiten Aderlasses ersezzen.

. 216. Ausserdem und wenn die Entzndung weniger heftig ist, dient ein
hnliches laues halbes, oder auch nur ein Fusbad zur Befrderung des
Durchbruchs des flssigen Leibes und zur Minderung der etwanigen, nie
fehlenden, innern Inflammazion.

. 217. Ist nun das zweite Getrnk hinunter, so wartet man eine
halbe Stunde mit der Nachhlfe, theils damit sich der Kranke von
den Anstrengungen etwas erhole, theils auch damit die beigebrachte
Flssigkeit Zeit habe, ihren Abgang von oben oder unten zu nehmen.

. 218. Ist das genommene Gift regulinischer Fliegenstein oder
Operment gewesen, so wird es durch die bisherige Behandlung, fast ohne
Verwstung anzurichten, schon grosentheils herausgeschaft worden seyn
und man kan gute Hofnung schpfen, wenn man zeitig, (z. B. innerhalb
einer, hchstens zweier Stunden) zu Hlfe gekommen war. (Doch merke
man, da weisser Arsenik zwar schnellere und strkere, Operment und
Fliegenstein aber lnger fortgesezte, wiewohl gelindere und gemsigtere
Anwendung der ausleerenden Mittel verlange, da von lezteren Giftarten
hie und da gern etwas in den Falten der ersten Wege unbemerkt sizzen
zu bleiben und nach ruhigen Zwischenzeiten die Kolikanflle und
Verwstungen zu erneuern pflegt.)

. 219. War es aber eine nach dem Verhltnis des Alters starke Gabe
weissen Arseniks, so gehrt noch eine (obwohl kleine) Zeit der Hlfe
dazu, um von der vlligen Entfernung dieses heftigen Giftes berzeugt
und in Ruhe seyn zu knnen.

. 220. Zu diesem Behufe, wenn der Kranke kein Seifwasser mehr trinken
will, (sonst kan dieses mit dem besten Erfolg noch almhlig, mit Oel
oder zerlassener Butter gemischt, fortgesezt werden) vermische man,
nach Verflus dieser verstatteten (. 217.) Ruhefrist, (auf dem Lande)
etliche Kannen Milch mit einem Achtel bis Drittel ssem Milchrahm[135]
und lasse mit diesem Getrnke bis zur vlligen Besserung fortfahren.

. 221. Ist man aber in einer Stadt, mit einer Apotheke versehn, so
lasse man etliche Kannen mit Schwefelleberluft gesttigtes Wasser,
worin der vierte Theil ssser, starker Milchrahm, oder arabisches oder
Tragantgummi (ersteres im Verhltnisse zum Wasser wie 1:10, lezteres
wie 1:30) aufgelset worden, bis zur Linderung aller beschwerlichen
Symptome trinken, und die Umschlge von Seifwasser nebst den Klystiren
von ebendemselben mit Oel gesttigt unterdes fortsezzen.

. 222. Um dieses in der Arsenikvergiftung, und vorzglich bei ihren
Nachwehen so heilsame Wasser zu verfertigen, gebe ich nur einen
einzigen Weg an die Hand, da die brigen schwierig, langweilig und
hier alzuknstlich sind. Denn wenn man die Leberluft erst in einer
nassen Blase (an knstlicheres und zweckmsigeres pneumatisches Gerthe
ist in gewhnlichen Offizinen nicht zu gedenken) fangen will, ehe
man sie mit Wasser mischt, so ist diese Vermischung, ja die ganze
vorgngige Zubereitung nicht nur sehr mhsam, sondern diese uerst
feine Luft dringt auch so geschwind durch die Blase, da Zeit und Mhe
verloren wird. Man halte sich demnach einzig an folgendes, welches
leicht, geschwind und einfach zu bereiten ist und zuverlssig in der
erforderlichen Gte entstehen wird, selbst bei etwas roher Handanlegung.

. 223. Man nimt eine glserne Flasche mit zwei Pfund reinem lauem
Wasser, bis an den Hals angeflt, schttet ein Loth geplverte
Kalkleber mit fnf Quentchen gereinigten Weinstein (Cremor Tartari)
gemischt, hinzu, stopft die Flasche geschwind mit einem tchtigen Korke
zu, und schttelt das Gemisch zehn Minuten lang; man lst das grbere
Pulver sezzen, und giest die entstandene stinkende, milchfarbige
Flssigkeit von ihrem Bodensazze ab in eine andre Flasche, worin schon
drei bis vier Theekpfchen sser starker Milchram oder drei bis vier
Loth Senegal- oder ein Loth Tragantgummi (geplvert) befindlich sind.
Man verstopft die Flasche, schttelt das Gemisch bis zur Auflsung
(einige Minuten) um, und giebt dem Kranken davon zu trinken, doch so,
da nach jedesmaligem Herausgieen der Flaschenhals sogleich wieder
zugepfropft werde.

. 224. Die Kalkschwefelleber bereitet man zu diesem Behufe durch
etliche Minuten langes Weisglhen einer geplverten Mischung gleicher
Theile Schwefels und ungelschten oder frischgelschten Kalks.[136]
Binnen sechszehn Minuten wird in einem Windofen zwischen glhenden
Kohlen[137] die Leber, und in noch andern funfzehn Minuten das Wasser
fertig seyn, eine Geschwindigkeit, die dieser Bereitung in unserm Falle
stets den Vorzug giebt.

. 225. Da diese Kalkleber[138] in kaltem (56) wie in kochendem Wasser
(in jenem wie 1:1920, in diesem wie 1:840.) sehr schwerauflslich,
die Verbindung des Weinsteins mit der Kalkerde aber nicht viel
auflsbarer ist, (bei 50 lset sich Weinsteinselenit in Wasser auf,
wie 1:800, bei 212 wie 1:500,) so ist das auf diese Weise mit
Schwefelleberluft gesttigte kalte oder laue Wasser fast vllig von
allen fremden Salztheilen frei, wenigstens wird, durch die etwa noch
zurkgebliebnen, Kraft und Geschmak dieses vortreflichen Heilmittels
nicht im mindesten gendert oder verschlimmert. Auch ist berhaupt
schwefelleberlufthaltiges Wasser kein ganz widriger Trank.

. 226. Dieses mit Schwefelleberluft gesttigte und mit Milchrahm
(oder Oel mit frischen Eierdottern angerhrt,) vermischte Wasser ist
das grose und unvergleichliche Hilfsmittel, wodurch alle im Krper
zurkgebliebnen Arseniktheilchen fast vllig unschdlich gemacht und,
so zu sagen, vernichtet werden.

. 227. Es verwandelt nemlich alles, was es von aufgelstem Arsenik
in dem Magen und den Gedrmen antrift, augenbliklich in eine Art
Operment, ein hchst feines pomeranzenfarbnes Pulver, das fast nicht
den mindesten Nachtheil (es mste denn in groser Menge zugegen seyn)
im menschlichen Krper verursacht und nach und nach auf gelinde
Ausleerungsmittel mit dem Stuhlgang unschdlich abgeht.

. 228. Es ist zwar nicht zu leugnen, da mit Leberluft gemischtes
Arsenikwasser zwar augenbliklich gelb gefrbt oder getrbt wird,
seinen Operment aber nicht sogleich fallen lst, (jenes mste denn
sehr krftig zubereitet seyn) da przipitirtes Auripigment viel
leichter[139] im Wasser auflslich ist, als gewachsenes. Dies mit
Leberluft und Arsenikwasser entstandene gelbtrbe Gemisch wird jedoch
deshalb nicht weniger unschdlich, wenn nur eine hinlngliche Menge
Leberluftwasser in die Vermischung kmt. Denn dann wird das Verhltnis
des mit Arsenik verbundnen Schwefels so gros, da es diesen knstlichen
Operment, ungeachtet seiner grsern Auflslichkeit, doch weit milder
macht, als gewachsenen. Wenn in lezterm der Antheil des Schwefels 1/6
betrgt, so kan dagegen durch eine berwiegende Menge Leberluft mit
dem niderzuschlagenden Opermente auf funfzehn Mal mehr Schwefel, als
in jenem ist, vereinigt werden. Hierber hat man sich um so weniger zu
wundern, da Schwefelleberluft den schon niedergefallenen Operment in
reicher Mase wieder auflst und nur erst nach einer geraumen Zeit, oder
nach Hinzugiesung einer Sure lichtgelb fallen lst.

. 229. Man wird mir also die Behauptung verstatten, je
schwefelhaltiger das Operment desto unschdlicher, gesezt es wre
auch auflslicher. Behauptet man[140] da gewachsenes Operment oder
natrliches Rauschgelb ausser einer schweistreibenden Wirkung fast
keine ble Erscheinung im Krper hervorbringe, so wird diese gute
Meinung (wie mich auch an Thieren angestelte Versuche lehrten)
noch weit eher von unserm mit Schwefel so ungemein bersttigtem
Opermentprzipitate zu hegen seyn; so gewis die Regel in der
Scheidekunst gegrndet ist, je in grserer Mase die mildernde Substanz
dem abzustmpfenden Krper zugesezt wird, um desto milder wird die
entstehende Zwittersubstanz, oft zugleich auch auflslicher. Das
fressende kaustische Laugensalz mit Fett zur festen Substanz verbunden,
wird zur mildern Seife, die dann nochmals mit einem Uebermas von Oel
bersttigt, flssiger, wenigstens noch milder und unschmakhafter wird.
Die reine Weinsteinsure ist sehr scharf; mit etwas Gewchslaugensalze
verbunden wird sie zum unschmakhaftern schwerauflslichern Weinsteine,
mit ebendemselben Laugensalze aber vllig gesttigt zum mildesten
hchst leichtauflslichen tartarisirirten Weinsteine.

. 230. Die leichtere Auflslichkeit des Opermentprzipitats kmt der
beabsichteten Hlfe sogar zustatten. Aufgelstes, besonders durch
Leberluft auflslicher gemachtes Operment geht leichter durch den Mund
und After, auch wohl durch Schweis und Harn ab, als das natrliche,
schwerauflsliche schwerwiegende (obgleich nicht viel gefhrlichere)
Opermentpulver, dessen Abwaschung aus der Zottenhaut der ersten Wege
ungleich mehr Bemhungen erheischt.

. 231. Dieses (. 226.) Heilmittel also lsset man den Kranken statt
alles andern Getrnks so lange zu sich nehmen, auch wohl in Klystieren
einsprizzen bis alles Brennen, Nagen im Magen, alles Drcken in der
Herzgrube, nebst der bnglichen Uebelkeit auf der einen, das Schneiden,
Reissen und Kneipen in den Gedrmen aber, die Spannung und das Whlen
um den Nabel, der ruhrartige Stuhlzwang, das Fressen im Mastdarme und
das beschwerliche Harnlassen auf der andern Seite verschwunden ist.

. 232. Durch Fliegenwasser und aufgelsten weissen Arsenik entstandene
Vergiftungen schnell und fast augenbliklich zu heben, ist dieses mit
Rahm gemischte Schwefelleberluftwasser allein im Stande; nur wenige
oben und unten abfhrende schmeidigend einwickelnde Mittel sind dann
noch nthig, auch wohl diese nicht einmal, da Schwefelleberluftwasser
selbst schon Ausleerungen zu bewirken pflegt, die man allenfals
(in einem Verhltnisse wie 40:2:1.) durch Eidotter mit Rizinusoel
zusammengeschlagen erhhen kan.

. 233. Htte man (welches sich doch schwerlich selbst auf dem
Lande denken lst) zur Bereitung dieses hlfreichen Wassers ganz
und gar keine Gelegenheit, so mus man sich zur Neutralisirung und
vlligen Fortschaffung der lezten Arseniktheile mit dem lhaltigen
Seifwasser, und mit Milchrahm unter Milch gemischt behelfen. Auch
kan ein zwekmsiges Mittel zu dieser Absicht aus Oel (zerlassener
Butter) Milch und frischen Eierdottern in verschiednen Verhltnissen
zusammengeschlagen werden. Das aus Hollunderbeerkernen geschlagne Oel
vertritt auf dem Lande fglich die Stelle des Rizinusls.

. 234. Man kan, wenn der flssige Leib zurkbleiben solte, zulezt
auch etwas Sahnekoffee[141] mit Zucker zu Hlfe nehmen, ein Getrnk
welches ausser andern Tugenden in diesem Falle noch schmeidiget und
nhrt. Koffee an sich besizt spezifische Krfte, die Reizbarkeit der
Muskelfasern zu erhhen, folglich die Ausleerung der ersten Wege zu
erleichtern.

. 235. Ich habe des Rizinusls gedacht, welches allerdings besonders
bei Arsenikarten die ihrer Schwerauflslichkeit wegen eher der
Ausleerung als Zerstrung bedrfen beim Fliegenstein und Operment
grose Dienste[142] thut, knte hlfreicher und anwendbarer seyn, wenn
es frisch und unverflscht leicht zu haben wre. Im letztern Falle
kan, besonders wenn der ergiebige ofne Leib zaudert, dieses Oel mit
schiklichen Zwischenmitteln (. 232.) verbunden, so beigebracht werden,
da aller Viertelstunden ein Eslffel voll beigebracht werde, bis
hinlngliche Wirkung erfolgt.

. 236. Doch ist dieses, wie gesagt, eine hchst seltene Erfordernis;
glklicher Weise, (Seifwassertrinken, hnliche Umschlge und Klystiere
leisten oft weit mehr) da dies Oel selten gut und brauchbar zu haben
ist, ausser in grosen Stdten, wo es auch in Klystieren statt gemeinen
Oels anzuwenden wre.

. 237. So geht man mit der Ausleerung, Neutralisirung und Vererzung
des Arseniks im ersten und zweiten Grade der Vergiftung zu Werke. Die
nthigen kleinen Abnderungen dieser Vorschriften in Ansehung der Zeit,
der Wahl und Menge der Mittel und ihrer Folge auf einander wird der
gesuchte Arzt der Krperbeschaffenheit des Kranken und andern Umstnden
gems zu bestimmen und anzuordnen wissen.

. 238. Wird er z. B. bei einer msigen Vergiftung erst nach zehn bis
zwlf Stunden gerufen, so wird er aus den vorkommenden Zufllen und den
schon genommenen Mitteln beurtheilen knnen, wie gros die zu erwartende
Hlfe, ob die Menge des noch vorhandnen Giftes ansehnlich, ob sie in
grserer Mase in den Zotten der Magen- oder Darmhaut hngt, ob mehr
eine dringende Entzndung oder ein Giftvorrath zu bestreiten, wie weit
beiden Heilanzeigen durch die angegebnen Mittel zu begegnen sei, in
welcher Mase, in welcher Ordnung, mit welcher Auswahl? Grstentheils
sind dann vor der Hand besonders die Indikazionen (. 175.) /d/, /e/,
/f/, /g/, zu befriedigen, mit gehriger wie wohl untergeordneter
Rksicht auf /a/, /b/, allemal aber und beizu auf /c/.

. 239. Geschieht die Hlfe erst nach vier und zwanzig bis acht und
vierzig Stunden, und ist noch etwas zu thun, so kan der Fall eintreten,
da gar nicht mehr auf /a/, nur einigermasen auf /b/, /e/, /f/, am
meisten aber auf /e/, und /d/, leztlich auf /g/, /h/, /i/, zu sehen ist.

. 240. Man kan z. B. wenn der Kranke durch Verzug vor allen andern
widrigen Symptomen, besonders mit Entkrftung und Ohnmachten befallen
wird, durch einige Lffel krftigen Weins, hinunter geschlukt oder
im Munde gehalten (oder durch Waschen mit Wein ber verschiedne
Theile oder den ganzen Krper) durch Erquickung mit Vitriol- und
Salpeterther, mit Moschus, durch Riechen an Radikalessig, durch
frische Luft u. s. w. vorerst zu Hlfe eilen, ehe man das brige zu
besorgen bernimt.

. 241. Findet man, da Dysenterie[143] ein Hauptsymptom geworden und
kein Leberluftwasser bei der Hand ist, so kan in Klystieren Kalkwasser
(. 67.) zu gleichen Theilen mit Milch vermischt, oder mit arabischen
Gummischleim versezt, die in den weiten Gedrmen zurkgebliebnen Theile
noch krftiger zerstren, als Seifwasser.

. 242. Ich habe oben angegebne Menge einzuflsender Mittel blos im
Durchschnitt angegeben, es kan aber bei robusten Krpern und heftiger
Vergiftung zuweilen noch halb, ja noch einmal so viel Getrnk
erforderlich oder doch dienlich seyn.

. 243. Bei Vergiftungen mit alkalisch arsenikalischen Fiebertropfen
oder Arsenikmittelsalze, eile man gleichfals Ausleerungen durch
Seifwasser u. s. w. anfnglich zu veranstalten, dann aber durch
langwieriges Trinken des Leberluftwassers mit etwas Essig versezt,
die Ueberbleibsel zu zerstren. Ohne Hlfe einer Sure kan die
Schwefelleberluft das Arsenikmittelsalz nicht zum Operment vererzen.

Man traue diesem tkischen Gifte viele Wochen lang nicht vllig, da
es sich nur langsam in unserm Krper zersezt, und die schleichendste
Vergiftung anzettelt.

. 244. Kindern und hartnckig Unfolgsamen knnen die nthigen
Getrnke, nach Aufbrechung des Mundes mit einem Trichter eingegossen
oder sonst mit Gewalt beigebracht werden.

Man hte sich, dem Kranken heisses Getrnk beizubringen, stark
einzuheizzen, oder unter viele Betten zu stecken, damit nicht etwa
der dadurch erregte Schweis einen Theil dieses Gift in die Sftmasse
herber treibe (. 123. u. f.) und so, wie oft geschehen, Muskelsteife,
Lhmung, Arsenikfriesel und Eklampsie erzeugt werde.




Sechstes Kapitel.

Heilart der Nachwehen, und der italienischen Vergiftung, so wie der
Bergsucht.


. 245.

Ist man (ich gehe zum dritten Zeitpunkte der Hlfe, die Nachwehen
hinwegzunehmen, ber) sogleich zu Rettung bei der Hand gewesen, und ist
alles gehrig vollzogen worden, so ist die Nachkur auch nach einer sehr
starken Vergiftung doch viel leichter zu bewerkstelligen, als wenn der
strkste Krper selbst die schwchste Gabe Gift blos durch seine Natur
hat bewltigen mssen.

. 246. In lezterm Falle sind oft so unheilbare Stellen den innern
Huten der ersten Wege eingezt worden, und einige Flecken so
brandartig (vorzglich am Pfrtner und dem linken Magenmunde)
entzndet, besonders nach angewandten schdlichen, narkotischen und
hizzigen Mitteln, da man der anscheinenden Besserung wenig zu trauen
hat.

. 247. Oft scheint das schleichende Fieber gebndigt, die
Schlaflosigkeit und Unruhe besnftigt, Krfte und Eslust wieder
hergestelt werden zu knnen, aber nicht selten trgt man sich hier, bei
der besten, doch zu spten Besorgung. Die Zuflle nehmen nach und nach
wieder zu und der schleichende Tod erfolgt zuweilen erst nach Monaten,
auch wohl erst nach Jahren.

. 248. Indes, damit man sich in lezterm Falle die Versagung einer
mglichen Hlfe nicht vorzuwerfen habe, im erstern aber (. 245.) sein
Werk desto gewisser und geschwinder volfhre, nehme man die Genesungs-
und Erholungskur vor die Hand; doch nie eher als bis alle Giftspuren
aus den ersten Wegen hinweg sind, um jene (. 123.) frchterlichen
Nachwehen zu vermeiden.

. 249. Da es jedoch in beiden Fllen, wo man spt, oder auch, wo
man bald anfnglich die Heilung bernommen hat, unmglich ist, nach
dem Uebergange der Ausleerungen von oben und unten sogleich genau
zu bestimmen, in welchem Zustande sich die ersten Wege und brigen
Eingeweide befinden, wo, in welcher Menge und in welcher Grse und
Tiefe sich hautlose, entzndete auch wohl brandige und zum Schorf
gezte Flecken vorhanden sind so darf man in beiden Fllen, die Hofnung
des Ausganges zu bestimmen, nicht voreilig wagen.

. 250. Aus gleicher Behutsamkeit mus man demnach eine algemeine
Kurart einschlagen, die den meisten hier mglichen Absichten auf die
unschdlichste und thtigste Weise entspricht.

. 251. In diesem Zeitpunkte sieht man als Folgen und Nachwehen der
unzwekmsig behandelten Vergiftungen der ersten beiden Grade

    1.) Die gelindesten Symptome, eine fhlbare Rohheit im Schlunde und
    des brigen Speisewegs, einiges Magendrcken auch wohl Brechen[144]
    nach eingenommener Mahlzeit, Kollern in den Gedrmen, Mattigkeit
    und Schlfrigkeit, doch mit merklicher Erholung begleitet und ohne
    andre bedenkliche und zweideutige Symptomen.

    2.) Msige Unbehaglichkeit, Abgeschlagenheit aller Glieder,
    geringer aber daurender Schmerz im Unterleibe, msiger Kopfschmerz,
    ziemlicher Durst, unordentlicher Stuhlgang.

    3.) Eben diese Zuflle in strkerer Mase, nebst Ohrensausen,
    hartem, unordentlichem Pulse, aufgetriebnem Unterleibe,
    verschiedentlich anwandelnder (fliegender) Hizze und Schaudern,
    verlorne Eslust, trokne Lippen, unreine Zunge, unterbrochner,
    unruhiger Schlaf, wsseriger oder harter Stuhlgang,
    Fusgeschwulst.[145]

    4.) Dann aber als die schlimsten Zuflle, unaufhrliche
    Aengstlichkeit ohne anzugebende Ursache, bittre, trokne, braune
    Zunge, schwrzliche Lippen, unauslschlicher Durst, gespanter,
    harter, heiser Unterleib und Gegend der Herzgrube und unter
    den Rippen, kleiner, geschwinder, harter, aussezzender Puls,
    Schlaflosigkeit, verfallenes, gelbes Gesicht, matte Augen,
    rother Harn in geringer Menge oder Harnverhaltung, verstopfter,
    oder ashaftstinkender, jauchichter, eiterhafter, auch wohl
    unwilkhrlicher und heiser Stuhlgang, geringer, angstvoller
    Schweis um die Brust und den Kopf, fteres Ghnen, Schluksen,
    Wiederwegbrechen alles genossenen, Unbesorgtheit um dringende
    Angelegenheiten u. s. w.

. 252. Hat man die ersten beiden Stadien der Krankheit selbst besorgt,
oder ist nur nicht alzu spt bei sich selbst berlassenen und schlecht
behandelten Vergifteten gerufen worden, so kan man die Genesungsdit
Anfangs noch mit leberlufthaltigem Wasser verbinden, oder diese hier so
heilsame Luft mit dem nhrenden Getrnke selbst vermischen.

. 253. Ausser dem leztgenanten, nicht zu geschwind hintanzusezzenden,
Mittel, hat man in allem Falle eine algemein passende, in allem
Betrachte unverdchtige Nachkur zu besorgen, die in keinem Arznei-
oder Nahrungsmittel gewisser und zuverlssiger als in frischgemolkner
Eselsmilch, Kuhmilch oder Menschenmilch[146] zu finden seyn wird. Sie
passet auf alle rkstndige Heilanzeigen.

. 254. Milch, als die leichtverdaulichste[147] Nahrung selbst fr
den schwchsten Magen, vorzglich wenn sie allein, ohne Vermischung
mit andern Speisen und Getrnken genossen wird, nhrt ohne Mhe, ohne
Anstrengung der ersten Wege, macht unter allen geniesbaren Dingen
den geringsten Reiz, erhizt als das sanfteste Mittelding zwischen
vegetabilischer und thierischer Natur die Blutmasse durchaus nicht,
schmeidiget ihrer schleimichten Theile wegen, hebt dieser Gelindigkeit
halber schon entstandne Entzndung und nimt die scharfen Salze[148]
hinweg, wo sie sie findet; sie bindet die hlichten Theile unserer
Sfte, mit den wsserigen, und findet am leichtesten die zwekmsigen
Ausfhrungswege -- Solte sie denn nicht Kranken in allem Betrachte
die besten Dienste leisten, deren erste Wege durch ein scharfes
Gift entzndet und ihres natrlichen Schleimes beraubt sind, deren
Blut durch strkern Umtrieb scharf und entzndlich geworden, deren
Krfte durch Anstrengung, Fieber, heftige Ausleerungen und Schmerzen
herabgeschmolzen und versieget, wo die Organe der Verdauung durch
Anstrengung kraftlos und gelhmt, und die dazu unentbehrlichen Sfte
verschwendet worden sind?

. 255. Oder was bleibt uns fr diejenigen an Arznei- und
Nahrungsmitteln brig, bei denen dies scharfe Gift den Magen hie
und da seiner innern Haut beraubt, die empfindliche drunterliegende
Gefshaut[149] entblst, zur Wunde gemacht, entzndet oder wohl gar zum
tieferdringenden Schorfe gezt hat? Wenn es fr diese so gefhrlich
angegriffene, so leicht irritablen Stellen ein sanfteres Wundmittel
giebt, welches den erschpften Krften und dem damit vergeselschafteten
schleichenden Wundfieber zugleich nhrendere Heilkrfte darbte, als
die frischgemolkene Milch, so wrden wir es vorziehn mssen; aber die
Natur zeigt uns keins, welches alle Genugthuung fr diese dringenden
Heilanzeigen in sich vereinigte, dabei so leicht und berall zu haben
wre, (man mste sich denn im leztern Falle an die Molken halten
wollen, die allerdings der Fulnis[150] noch mehr widerstehn und bei
innern Geschwren noch heilsamer sind).

. 256. Kranke also, die durch das Arsenikgift selbst so viel gelitten,
Vergiftete, die durch die Heilung, so zu sagen, mitgenommen worden
sind und die erstern auch wohl folgenden (. 251. 1, 2, 3,) Symptome
erdulden, knnen und drfen in den ersten vierzehn Tagen keine andre
Nahrung als frischgemolkene Eselsmilch (Kuhmilch) oder Muttermilch zu
sich nehmen. Ihr Hunger oder Durst wird die nthige Menge bestimmen,
doch auch hier mit gehriger Rksicht auf Msigkeit und Vermeidung
aller Ueberladung.

. 257. Selbst diejenigen, die bei geschehener Vergiftung sich selbst
berlassen, fast unheilbare Zerstrungen in den Huten des Magens und
der Gedrme erlitten zu haben scheinen, entzndete oder auch brandige
Flecken und Schurfe aller (. 251. 3,) Wahrscheinlichkeit nach in
den ersten Wegen davon getragen haben, auch diese drfen bei einem
so algemeinen Heil- und Nahrungsmittel nie vllig an ihrer Genesung
zweifeln, da man verschiedne Beispiele von starken geheilten Narben im
Magen (. 130.) aufzuweisen hat.

. 258. Es ereignet sich jedoch bei der Wiedergenesung dieser Art
Kranken, mit denen wir es jezt zu thun haben, unter der fortgesezten
Milchdit nicht selten eine Ungemchlichkeit, die, unabgeholfen, sehr
beschwerlich werden kann. Es ist der verstopfte Leib womit diese
Kranken aus mancherlei Ursache von Zeit zu Zeit beim Genusse dieses
sonst so vortreflichen Trankes geplagt werden. Aber etwas Selzer
oder Biliner Wasser und ein Klystier von Milch oder lauem Wasser nimt
dieses Uebel ohne Beschwerde am besten hinweg. Am wenigsten aber wird
Milchdit verstopften Leib erregen, wenn die Milch roh und gleich
vom sugenden Thiere hinweg getrunken wird, da die gekochte hingegen
nicht nur an sich viel heilsame Theile verloren hat, sondern auch den
Stuhlgang anzuhalten pflegt.[151]

. 259. Gewhnlich nimt eine vllig ausgewachsene Person fnf bis acht
Pfund frischgemolkene laue Milch statt aller Speise und allen Getrnks
in kleiner Menge auf einmal in fnf bis sechs Malen des Tages zu sich.

. 260. Es ist nemlich zur baldigen Wiederherstellung sehr dienlich,
da der Magen nie auf einmal selbst mit diesem unschuldigen
Nahrungsmittel berhuft werde, so wie die Dit neugebohrner Kinder,
mit denen unsre Wiedergenesenden am fglichsten verglichen werden
knnen, aus kleinen oft wiederholten Mahlzeiten am gedeihlichsten
besteht.

. 261. Solte ein wsseriger, (oft heisser) Durchlauf mit unverdauten
Brocken vermischt, von grauer oder schwrzlicher Farbe mit Stuhlzwang
sich einfinden, so werden Milchklystiere, allenfals mit Schleime
von arabischem Gummi versezt, oder hnliche aus dem Schleime der
Gerstengraupen, Habergrzze oder auch wohl von Strke bereitet, dieses
beschwerliche Symptom lindern, wenn es blos eine Folge der Schwche
und unverdauter scharfgewordner Nahrungsmittel und der Schwche, nicht
aber, wenn es von alzu betrchtlichen, brandigen Geschwren der ersten
Wege, folglich ein Vorbote des nahen Todes ist, da er dann unertrglich
zu stinken und unwilkhrlich abzugehen pflegt. Hier geht gemeiniglich
ein kriechender Puls, gespanter Unterleib, ein krfteschmelzendes,
unordentliches doppeltdreitgiges Fieber fast ohne Nachlsse,
entkrftende Nachtschweise, sparsamer, feuerrother Harn, brunlich
schleimichte oder trokne Zunge, Schwindel, Gilbe der weisen Augenhaut,
Gedunsenheit der untern Augenlieder in Geselschaft andrer bedenklichen
Symptomen vorher.

. 262. Auch beim chronischen Durchlauf[152] kan man die Milch, doch
abgekocht, bis zur lezten Zeit, unter oft nicht unwahrscheinlicher
Hofnung besserer Zeiten fortsezzen lassen, man mste denn zu
eisenhaltigen Brunnenkuren und kleinen Lustreisen noch seine Zuflucht
nehmen zu knnen die Krfte haben. Ein wsseriger Aufgus oder eine
Abkochung des Quassienholzes, (in manchen Fllen auch wohl das
Pulver[153] selbst) mit etwas tokaier Weine versezt, hat in hnlichen
schleichenden Fiebern grose Dienste geleistet, und die Wurzel der
bittern Kreuzblume oder das Renthiermoos wirds nicht weniger thun.

. 263. Sind keine Symptomen von der bedenklichsten Art (. 251., 3, 4.)
vorhanden, sind die zehn bis vierzehn Tage der Milchdit verflossen,
und nur die gehrige Menge Krfte noch nicht beisammen, die Besserung
dagegen almhlig, obwohl langsam vorgeschritten, so fngt man an,
nchst einigen Pfunden Milch des Vormittags die Mittagsmahlzeit aus
gelindgesalzenen Fleischbrhsuppen (von Rind- Kalb- und Hnerfleisch)
bestehen zu lassen. Die Abendkost kan in Mehlmsern o. d. g. bestehen.

. 264. Noch mssen so viel mglich alle Gewrze zurkbleiben und
der nun zur Bewegung wieder anzufhrende Krper mus durch gelindes
Spazierengehn in einer gelfteten Stube oder im Freien einige Zeit
vor der Einnahme der Mahlzeiten sein Verdauungsgeschfte und die
Absonderungen zu befrdern suchen.

. 265. Sein ohnehin bei der ganzen Krankheit nie mit schweren und
hufigen Federn zu belastendes Bette wird nun des Tages verschiedne
Male verlassen, bis man es nach abermahligem Verflus einiger Tage blos
des Nachts nthig finden wird.

. 266. Eben so steigt man von gelindnahrhafter Dit zu strkerer
und krftigerer ber, gewhnt sich, wenn das fieberhafte Wesen
verschwindet, wiederum an Fleischspeisen und nimt Wein und krftiges
Bier zu Hlfe; nimt wenn die Magenschwche noch anhlt einige bittere
Arzneien[154], und beschliest die Kur mit strkerer Bewegung, freier
Luft, eisenhaltigen Bdern und einigen Flaschen Pyrmonter Wasser bis
man des Arztes nicht mehr nthig hat.

. 267. Man kann sagen, da die schleichende Arsenikvergiftung
einerlei Krankheit zuwege bringe, das Gift sei nun Staub und Rauch,
wie bei denen, die in arsenikalischen Stoffen arbeiten, oder durch
ein almhlig in den Magen gebrachtes Arsenikgift, durch die Aquetta
di Napoli u. d. g. dem Krper mitgetheilt worden. Beiden ist ein
unnennbares belbefinden, Niedergeschlagenheit, geschwchte Verdauung,
Ekel vor Speisen, fliegende Hizze nach der Mahlzeit, ein schleichendes
unordentliches Fieberchen, Spannung unter den Ribben, Vertroknen
der Muskeln, Abzehrung, Einschrumpfen jeder Art des Zellgewebes,
unaufhaltsames Herabsinken der Krfte, (wsserige Geschwlste)
und Schlaflosigkeit eigen. Nur hat die schleichende Vergiftung
mit Arseniktrnken, den nagenden Magenschmerz voraus, da das Gift
jedesmal zuerst und unmittelbar auf dieses Eingeweide wirken mus. Die
almhlige Vergiftung mit arsenikalischem Rauche und Staube aber, die
man eigentlich Bergsucht nennt, hat den konvulsivische Husten, und
die Engbrstigkeit vor ersterer voraus, da Rauch und Staub zuerst
in die Lungen wirken mus, ehe die Verderbnis sich durch den ganzen
Krper verbreitet. Wiewohl ich nicht leugne, da bei der italienischen
Vergiftung auch trokner und krampfhafter Husten zuweilen sich einfindet.

. 268. Die Kontraktur, die Lhmung, und die brennenden Schmerzen
in den Gliedern, sind bei einer sehr schleichenden und almhligen
Arsenikvergiftung dieser Art etwas sehr seltnes, eher noch das
algemeine Zittern. Grstentheils finden sie sich in genanten Fllen,
vorzglich aber bei der Arsenikvergiftung des zweiten Grades (.
123.-127.) ein, wenn auf jhlinge Einathmung oder Verschlukung eines
Theils Arsenik heftiger Schweis erregt worden ist, oder wenn man sonst
viel Ausdnstung befrdernde Mittel angewandt hat, wo man unmittelbare
Ausleerungen htte veranstalten sollen.

. 269. Von lezterer (. 268.) Zuflle Heilung will ich unten reden,
jezt von der Kur jener Ausmergelung des Krpers, die man Bergsucht
oder italienische Vergiftung nennt, dann von der Abhlfe der Zuflle
die jeder dieser beiden Krankheiten besonders eigen sind, von der
arsenikalischen Lungensucht und der Verderbnis der Verdauungswerkzeuge.

. 270. Bei der durch schleichendes Arsenikgift, Rauch oder Staub
entstandenen Kachexie[155] ist zwar eine anhaltende Milchdit
ebenfals unentbehrlich, da die hinweggeschwundenen Verdauungskrfte
fr ein strkeres und hrteres Nahrungsmittel gemeiniglich zu schwach
sind, aber algemeine erweichende, Ausdnstung befrdernde und Gift
zerstrende Mittel, deren Feinheit durch die zartesten Haarrhren der
einsaugenden und lymphatischen Gefse hindurch eilt, mssen anfnglich
zugleich damit verbunden werden, um jene in alle Sfte und alle
leidenden Theile des siechen Krpers gedrungene hartnckige Schrfe
frei zu machen, zu vererzen und auszufhren.

. 271. Wir kennen, wie ich schon oben (. 226. bis 230.) erinnert habe,
kein Mittel, dies Gift bei der Berhrung zu einem fast kraftlosen
Mitteldinge, zum knstlichen Operment, umzuschaffen, (eine Verbindung
des Arseniks mit einem so grosen Antheile Schwefels, der ihn beinahe
zu nichts schdlicherm als zur schweistreibenden Arznei umschaft, eine
Eigenschaft die der vollstndigen Ausfhrung des Arsenikgifts aus
den engsten Schlupfwinkeln des Krpers ungemein zu statten komt) und
es durch die Ausdnstungswege zu entfernen, als jenes vortrefliche
Mittel,[156] das uns die Erde so mild und freigebig aus ihrem Schose
hervorquillen lst, mit dessen Natur uns erst die neuern Chemisten,
ein =Scheele= und =Bergmann= bekant zu machen, so glklich waren, die
lauen und warmen schwefelleberlufthaltigen Wsser, die wir gewhnlich
Schwefelwsser und warme Bder zu benennen pflegen, wie wohl unrecht,
da zum Beispiele ein siedendheises Karlsbad nichts, ein kaltes Medwiner
und laues Wolkensteiner Bad aber nicht wenig von dem wohlthtigen
Bestandtheile enthalten -- und da alle durchaus keinen Schwefel in
Substanz bei sich fhren.

. 272. In diesen Wssern lsset man den durch almhlig als Rauch oder
Staub eingesognen Arsenik, und den durch italienische Meuchelwasser,
oder hnliche Fiebermittel langsam Vergifteten, besonders den
ausgemergelten und vertrokneten Siechen sich einige Zeit hindurch
lauwarm[157] baden, so da er sich zwar anfnglich gleich vllig
eintaucht, doch nur, zum Anfange der Kur, fnf bis acht Minuten darin
verweilt. Hat er dies einige Tage hindurch tglich einmal gethan, so
kan er einen um den andern Tag zweimal, dann nach Verflu von vierzehn
Tagen tglich zweimal sich eben so lange eintauchen, nach noch etlichen
Tagen aber jedesmal eine Viertelstunde darin verweilen, sich stets
gehrig darin abwaschen und reiben, einige Zeit diesen hchsten Grad
der Badekur fortsezzen und dann almhlig in umgekehrter Ordnung bis zum
Ende der Badezeit wieder herabsteigen.

. 273. Die Badezeit kan vier bis sechs Wochen dauern, nach
Beschaffenheit der konomischen und physischen Krfte des Kranken.

. 274. Dieses laue Bad befeuchtet, erweicht, und erschlaft das
zusammengeschrumpfte Zellgewebe und die ausgetrokneten Muskelfasern
und Membranen, bringt den Umlauf des Bluts und den Gang der Lymphe
durch den gelinden Reiz seines Ingredienz in eine gemsigte Bewegung,
und erfnet die Schweislcher. Ein Theil dieses leberlufthaltigen
Wasser wird durch Einsaugung in die Sfte aufgenommen, und wirkt als
spezifisches Heilmittel; die Absonderung des Harns und der Ausdnstung
wird verstrkt und die zu Operment umgenderten Arseniktheile gehen auf
diesen Wegen nach und nach fort.

. 275. Wirksamer jedoch ist die Kur, wenn mit dem usserlichen
Gebrauche dieser Bder der innerliche verbunden wird, und den Krften
des Kranken gems zwei bis fnf Pfund dieses Wassers tglich whrend
der Badezeit allein oder mit gleichen Theilen Milch getrunken werden.
In den Frhstunden kan man den grsten Theil dieser Menge, Nachmittags
den kleinsten trinken lassen. Richtet man es so ein, da wenn das Bad
frh gebraucht geworden, der Kranke sich zu Bette legt, und hier das
Leberluftwasser warm trinkt, so wird der erfolgende Schweis, eine
Stunde oder lnger abgewartet, die Genesung beschleunigen. Steht er
dann auf, so mus nach der Wechselung der Wsche, eine kleine Bewegung
zu Wagen, besser zu Pferde, am besten zu Fuse vorgenommen werden.

. 276. Es giebt fast keine arzneiliche Flssigkeit in der Natur,
deren Feinheit und Durchdringlichkeit so gros wre, als die
Schwefelleberluft. Sie mischt sich sehr leicht mit jeder Flssigkeit,
mit Wasser in einem Verhltnisse wie 3: 5, nach andern wie 1: 2.
Atmosphrische Luft und Wasserdmpfe werden an Feinheit von dieser
Luft weit bertroffen, die, welches jene nicht vermgen, durch die
unsichtbaren Oefnungen der Substanz einer feuchten Schweinsblase
schnell hindurchdringt. Eben so unaufhaltsam durchdringt sie selbst
die feinsten Haarrhrchen des Gefssystems und der Abscheidungsorgane
unsers Krpers, vererzt die Arseniktheile, wo sie sie findet und fhrt
sie in einer unschdlichen Auflsung aus. Man versume demnach nie,
bei einer Abzehrung oder andern Siechheit, von schleichendem Arsenik
bewirkt, den innerlichen Gebrauch dieser Wsser mit dem usserlichen zu
verbinden, um desto gewisser und leichter zu genesen.

. 277. Die brige Dit des Badegastes, wenn man die Besserung
augenscheinlich erfolgen sieht, machen Fleischbrhen, Habergrzze,
Gerstenschleim, Weizengries, Sago, Mehlspeisen, ungewrzte Schokolade
und der msige Gebrauch des Kaffees aus. Das Spazierengehn in reiner
Luft von gemsigter Temperatur, Aufheiterungen, sanftes Reiben mit der
Hand whrend des Bades, sind die drei brigen Punkte der Lebensordnung,
auf die ich vorzglich aufmerksam mache.

. 278. Vornehmlich, wenn der Siz des Arseniksiechthums blos in den
zweiten Wegen (wie in der Bergsucht) ist, kan zuweilen ein gelindes
Abfhrungsmittel, Karlsbadersalz, Seignettensalz, Manna u. d. g.
genommen werden.

. 279. Jedes laue oder warme mineralische Wasser, welches einen Geruch
nach faulen Eiern ausdampft, der blankes Silber erst goldgelb, dann
schwrzlich frbt, welches Sublimat weis, Brechweinstein ziegelroth,
Arsenikwasser pomeranzgelb, Silbersalpeter schwarzbraun u. s. w.
niederschlgt, ist mit Leberluft geschwngert, und folglich zu unsrer
Absicht dienlich. Die Bder in Pisa, Lucca, Ofen, Baden bei Wien,
Badenbaden, Schinznach, Achen, Plombieres, Bagneres, Bagnoles, Bareges,
Bourbon d'Archambault, Bath, Medwin, Landeck, Wolkenstein, Tpliz sind
von der Art, andrer hier nicht zu gedenken.[158]

. 280. Solte der hereinbrechende Winter, oder andre unabnderliche
Umstnde nicht erlauben diese oft entlegenen Bder zu besuchen, so
knnen sie ohne bermsige Kosten zu Hause und eben so hlfreich zu
bereitet werden.

. 281. Zu dieser Absicht ist es am besten, wenn das Badwasser etwa
drei hundert Pfund betrgt, dieses Wasser, gleich viel, es sei[159]
Brunnen- oder Flieswasser; bis zur Wrme von 100 fahrenheitischen
Graden zu erwrmen, es in die Wanne zu tragen, dann drei Viertelpfund
laugensalzige (geplverte oder zerflosne) Schwefelleber darin
aufzulsen, und, wenn dies geschehen, unter starkem Umrhren ein
Viertelpfund konzentrirtes Vitrioll einzugiessen. Man rhrt nochmals
alles wohl untereinander, und bringt den Kranken denn ohne Zeitverlust
in dieses warme schwefelleberlufthaltige Wasser, welches oft sogar
einen Vorzug, an Strke und Kraft, vor den natrlichen haben wird, da
bei leztern jene feine Luft oft zum grsten Theile verfliegt, ehe der
Kranke ins Bad steigen kan.

. 282. Ich knte noch viele andre Arten angeben, ein
schwefelleberlufthaltiges Bad zu verfertigen. Man knte nach
=Scheelens=[160] Rath, ein Gemisch von zwanzig Pfund Eisen
(Hammerschlag) mit funfzehn Pfunden Schwefel solange zusammenschmelzen,
bis die blaue Flamme auf der Oberflche zu verschwinden anfngt.
Von der grob gestosenen Masse knte man den vierzigsten Theil oder
ein halbes Pfund mit fnf Pfund Wasser vermischt in eine acht bis
zehn Pfund fassende Flasche fllen, ein Viertelpfund Vitrioll dazu
giessen, die Flasche mit Blase, worein etliche Steknadellcher
gestochen, geschwind verbinden, sie auf den Boden eines hohen konischen
Badegefses (einer Butte) mit warmem Flieswasser geflt, senken und die
entwickelte Luft durch Umrhren mit dem Wasser mischen. So kme blos
die Schwefelleberluft unter das Wasser, nichts aber vom Gemisch.

. 283. Eben so knte man vierzehn Unzen unsrer Kalkschwefelleber mit
einem Pfunde geplverten Weinsteinkrystallen gemischt unter das warme
Wasser der Badwanne rhren, aber diese Bereitung ist etwas kostbarer
und nicht so geschwind zu Stande, als unsre obige (. 281.) Art.

. 284. Es wrde thricht seyn, wenn wir verlangten, da eben die
Mittel bei den knstlichen Bdern angewandt werden solten, deren sich
die Natur in ihren unterirdischen Werkstten bedient. Die Natur pflegt
hier sehr zusammengesezte und vielfltige Arbeiten und Vorbereitungen
zu unternehmen, die zum Theil im Verborgnen und in undurchdringlichen
Schleiern eingehlt liegen, theils aber uns, knten wir sie wissen
und nachahmen, in Rksicht unsrer Badekur keinen Schritt weiter zur
Volkommenheit fhren wrden.

. 285. So scheint die Natur in einigen Bdern mit einer
Glaubersalzsole Kalkleberschichten zu zersezzen, eine Rsche mit
Luftsure angeflt (grstentheils das Produkt einer Vitriollauge, die
in Kreideschichten sich zersezt hatte) tritt hinzu und es entsteht ein
warmes (Schwefelleber, durch Sure zerstrt, macht Wrme) Bad, mit
Leberluft angeflt, mit mineralischem Laugensalze, etwas Glaubersalz
und wenigem Gyps geschwngert; ihr gewhnlicher Inhalt.

. 286. Wir bleiben also bei obiger (. 281.) Bereitung stehen. Die
laugensalzige Schwefelleber zu dieser Absicht verfertigt man durch
Schmelzen gleicher Theile Potasche und Schwefel in einem passauer
Tiegel. Man kan die Potasche vorher in Flus kommen lassen, ehe man den
Schwefel drunter rhrt, dann ist die Leber in einigen Minuten fertig.
Man hebt sie heis geplvert in wohlverstopften Flaschen auf, um sie vor
dem Feuchtwerden zu schzzen.

. 287. Das bei der knstlichen Badekur zum Trinken nthige Wasser
mus vllig mit Leberluft gesttigt seyn und man bereitet es, wie oben
gelehrt worden ist; (. 223.) aber eben sowohl, wie das Badewasser nur
in dem Falle, wenn unabnderliche Umstnde die Reise nach den genanten
natrlichen Schwefelwssern und warmen Quellen verbieten.

. 288. Die Dit, die brige Lebensordnung und alles bei der Badekur
in natrlichen warmen Quellen oben Vorgeschriebne wird auch bei diesen
huslichen Bdern nicht aus der Acht gelassen; die Erheiterungen,
Bewegungen, unschuldige Ergzlichkeiten und Vernderungen aber mssen
sogar noch eifriger als in jenen herbeigesucht werden, da sie dort, so
zusagen von selbst herzufliesen.

. 289. So werden nach und nach, (vorzglich wenn man den Mohnsaft bei
alzu groser Trockenheit und Spannung der Fibern, und der zgernden
Ausleerung durch die Haut und die Harnwege einsichtsvoll[161] zu Hlfe
nimt) schier alle Arseniktheilchen, im Fall der Krper nur nicht alzu
entkrftet, selbst zur Badekur zu schwach und seiner Auflsung nahe
ist, in ihren geheimsten Schlupfwinkeln von dem innern und ussern
Gebrauch der Leberluft vererzt, in dieser unschdlichen Gestalt durch
die erweichende und Ausscheidungen befrdernde spezifische Kraft der
warmen Bder zu den Absonderungs- und Ausleerungswegen geleitet, und
durch Frottiren, Bewegung, gesunde Luft, Dit und Gemthserheiterung
vollends entfernt, Munterkeit aber, Hofnung zum Leben, und almhlig
sich samlende Krfte wieder angefacht. Auch hat man bei solchen
Badekuren auf die gelind strkenden Erschtterungen der Hin- und
Herreise nicht wenig zu rechnen.

. 290. Hat man es nun bei der Arsenikalkachexie der Bergsucht
und der italienischen Vergiftung, (auch bei der durch fortgesezte
arsenikalische Fiebermittel erregten Schwindsucht) durch das Baden
in warmen schwefelleberlufthaltigen Wssern und durch das Trinken
derselben endlich so weit gebracht, da die Haut feucht wird, die Gilbe
der Augen, das erdfahle Ansehn und das entnervende Fieber verschwindet,
die Munterkeit wieder erwacht, und der Schlaf sich einfindet, so sumet
man nicht, durch Baden in eisenhaltigen Wssern, (die gewhnlich
Sauerbrunnen genent werden) und durch Trinken der Pyrmonter oder
hnlicher Quellen, so wie durch anderweitige strkende Curart, (bittre
Gewchse, (China,) Wein, kalte Luft, Bewegung und zwekmsig nahrhafte
Dit) die Krfte vollends herzustellen. Die Klte des eisenhaltigen
Wassers zum Baden mus von 65 bis 50 fahrenheitischen Graden almhlig
aufsteigen, und die Dauer des Bades anfnglich acht, endlich funfzehn
Minuten seyn, mit ununterbrochnem Frottiren begleitet.

. 291. Fixe Luft (Kreidensure, weinichtes Gas, Luftsure) ist die
einzige Sure, deren lockerer Zusammenhang mit den Metallen vom Arsenik
aufgehoben wird;[162] indem sich lezterer mit dem Metalle zum im Wasser
unauflslichen Niederschlage vereinigt und die fixe Luft austreibt.
Da nun Eisen unter allen Metallen das unschdlichste Bindemittel des
Arseniks in den zweiten Wegen genant zu werden verdient, so wird
man vom usserlichen und innerlichen Gebrauche der Sauerbrunnen die
lezte und beste Hlfe sehen, da dieses luftsaure Eisen theils die
noch vorfindlichen Arseniktheile zerstrt, theils die Strkung des
entnervten Krpers zu Stande bringt.

. 292. Die geschwchten Verdauungswerkzeuge (oft der bedenklichste
Umstand bei der italienischen Vergiftung) wird der Gebrauch der
Sauerbrunnen ungemein herstellen. Solte ihre Schwche aber im hohen
Grade seyn, so darf das Bad in eisenhaltigen Wssern zwar kalt,
(60 bis 50) aber nur von wenigen, etwa fnf, Minuten Dauer seyn.
Nchstdem wird in lezterm Falle, wenn die Schwche und Verderbnis
der Verdauungswerkzeuge ausnehmend gros ist, zum innern Gebrauche
frischgemolkene Esels- und Pferdemilch, (Ziegen- oder Kuhmilch), vor
allem aber Milch aus den Brsten einiger gefunden Ammen gesogen und
(anfnglich mit dem Trinken der leberlufthaltigen Wsser verbunden)
statt aller andern Nahrungsmittel bis zur Besserung fortgesezt, das
hlfreichste, statt aller Arznei dienende, Heilmittel seyn. Versteht
sich, da man zur vlligen Besserung endlich die strkende Kurart
in ihrem ganzen Umfange anwende, und endlich den Gebrauch eines
krftigen[163] Weines zu Hlfe nehme.

. 293. Selten ist bei der Bergsucht wahre Lungeneiterung, vielmehr
sind bei solchen Personen die Lungen gleichsam eingeschrumpft, oder
doch von der konstriktorischen Kraft des arsenikalischen Rauchs
oder Staubes krampfhaft gereizt und die Ausscheidungsmndungen der
Schleimdrsen dieses Eingeweides verengert oder verschlossen, so da
bei fters gewaltsamen Husten selten einiger Auswurf erfolgt.[164]
Dieses unablssige Asthma, diesen oft bis zum Ersticken die Brust
zusammenschnrenden Husten zu lindern (besonders anfnglich, ehe das
Uebel alzuweit um sich gegriffen hat) ist nichts heilsamers, als der
warme Dampf, der aus heissen Schwefelbdern aufsteigt. Erhizt man
knstlich bereitetes leberlufthaltiges Wasser und zieht mittelst eines
ber den Kopf gehangenen Tuches den hievon aufsteigenden Broden ein, so
hat man dasselbe, und zwar bei der Hand.

. 294. Ist auf Arsenik Kontraktur (steifes Anstrammen der Muskeln
der untern oder auch der obern Gliedmasen zugleich) erfolgt, so kan
dieses Gift nunmehr aus den zweiten Wegen nicht anders als durch
die Hautlcher fortgeschaft werden. Hiezu sind warme Bder von
blosem,[165] oder auch (besser) von leberlufthaltigem Wasser bereitet,
mit dem innern Gebrauche warmer verdnnender Getrnke, vorzglich
aus Holderblten, mit sparsamen Mohnsaftmitteln verbunden, oder auch
leztere beim Trinken eines warmen leberlufthaltigen Wassers angewandt,
das Dienlichste, was ich vorzuschlagen weis. Erfolgt starker Schweis so
wird das Arsenikfriesel oder doch ein Abgang der Epidermis erscheinen
und man unterhalte die Ausdnstung; selbst dann noch, wenn hiebei,
wie gewhnlich, Lhmung an die Stelle der Kontraktur treten solte. So
wird oft beides zu gleich verschwinden. Der schwarzblsichte Friesel
troknet ohnedies nach wenigen Tagen ab. Wolte sich aber selbst auf den
anhaltenden Gebrauch der warmen schwefelleberluftigen Bder die Lhmung
nicht verlieren, sondern chronisch werden, so schreite man nach
einiger Zeit zum Baden in eisenhaltigen kalten Wassern, wie oben.

. 295. Bei der Cur der langwierigen Lhmung, dem chronischen Zittern
und den konvulsivischen Zuckungen oder der Eklampsie (wie nicht
weniger bei den brennenden gichtartigen Schmerzen) kan man nchst dem
Vorhergehenden alle brige Strkungsmittel zu Hlfe nehmen (auch sich
bei den epileptischen Krmpfen noch der Pomeranzenbltter, der weissen
Diptamwurzel, des Asands, des Baldrians, des Moschus und Mohnsafts[166]
bedienen), vorzglich aber die Elektrisitt[167] in allen drei Fllen
in Ausbung bringen. Nur merke man, da anfnglich aus den leidenden
Theilen des isolirten Krpers nur (womglich anderthalb Zoll starkes
und hohes) Pinselfeuer mit dem spizzigen in Holz gefasten Direktor
-- endlich aber, doch nur einfache (bis 12 Zoll lange), Funken mit
dem Kugelstabe ausgezogen werden mssen. Der fortgesezte Gebrauch
kleiner nach und nach erhheter Gaben Brechwurzel werden nicht weniger
ansehnliche Dienste in allen drei Beschwerden leisten.

Ich wolte rathen bei Heilung der Arseniklhmung von der positiven,
bei den daher entstandenen konvulsivischen Bewegungen aber von
der negativen Elektrisitt nach dem glklichen Vorgange des Abt
=Sans=,[168] vorzglichen Gebrauch zu machen. Doch hat man von keinem
Hlfsmittel bei der chronischen Arseniklhmung Hlfe zu erwarten, wenn
nchst derselben auch vllige Empfindungslosigkeit[169] des leidenden
Theils und algemeine Schwche vorhanden ist; schwerlich, wo der
gelhmte Theil kalt und geschwunden ist.




Siebendes Kapitel.

Heilart der schnellen ussern Vergiftung.


. 296.

Die giftartigen und oft so schnell tdlichen Zuflle (. 86. bis 91.)
des in Wunden aufgelegten Arsenikpulvers, Wassers oder Mittelsalzes
(z. B. /liquor arsenici fixi Schroed./) zu hemmen und die Gesundheit
wiederherzustellen, ist oft mit der grsten Schwierigkeit verbunden.
Der schnelle Uebergang des vergifteten Theiles in den Brand, die
Lungenentzndung, das betubende, rasende Fieber, das grausame
Erbrechen, und das alles binnen oft wenigen Stunden, verlangen
schleunige und berlegte Hlfe, wenn man nicht zu spte kmt. Man
wischt die Wunde stark mit einem troknen Tuche aus, wscht sie dann
mit Seifwaser[170] rein ab, bestreuet sie dicht mit Kantharidenpulver
und berlegt sie mit einem Pflaster, bhet den brigen leidenden
Theil ununterbrochen mit kaltem Wein, u. d. g. Ist das Fieber mehr
entzndlicher Art, und nicht, wie gewhnlich, ein so genantes
bsartiges Nervenfieber, so kan ein kleiner Aderlas vorgenommen werden,
aber selten wird dies nthig seyn. Dann eilet man, dem Kranken eine
Arznei beizubringen, die den bermsigen Reiz zu lindern und die Krfte
zu erheben im Stande ist. Ein oder etliche Gran Mohnsaft mssen mit
mehrerern Granen Moschus, oder zehn bis zwlf Gran Kampfer abwechseln,
auch von Zeit zu Zeit etwas krftiger Wein mit gleichen Theilen Wasser
eingeschlukt werden. China wird usserlich und innerlich die Kur
vollenden.

. 297. Wenn eine grose Menge schnell eingeschlukten Arsenikdampfs die
schnell tdlichsten oder doch sehr gefhrliche Zuflle Erstickung,
Engbrstigkeit, krampfhaften Husten, Blutspeien u. s. w. hervorbringt,
so ist das erste Nothwendige, da man den Vergifteten in freie
reine Luft bringt, ihm zur Ader lst und unterdes so geschwind wie
mglich Anstalt macht, ihn Leberluft einathmen zu lassen. Von irgend
einer Schwefelleber, mit einer Sure vermischt, die aufsteigende
Luft einziehen lassen, wird augenblikliche Erleichterung schaffen.
Doch erinnere ich, da hier ein Gemisch der Kalkschwefelleber
mit Weinsteinrahm in kochendes Wasser gerhrt, und in die Lunge
gezogen einen Broden giebt, der almhlig und fortgesezt mit dieser
flchtigen Luft geschwngert, eine Bhung verursacht, die nicht nur
die feinen Arseniktheile desto nachdrklicher und gewisser umwandelt,
sondern zugleich durch ihre erschlaffende Kraft die krampfhaften
Zusammenziehungen der Brust mindert. Erst nachdem eine grose Menge
mit Leberluft angefllter Wasserdampf eingeathmet worden ist, darf
man daran gedenken mit etlichen wenigen Tropfen flssigem Laudanum
die Gewalt des Hustens einigermaen einzuschrnken, (um Blutspeien zu
verhten) nie aber ihn binnen einigen Tagen ganz damit zu unterdrcken,
welches eine unausbleibliche Zerstrung der Lunge im Stillen nach sich
ziehen wrde.

. 298. Eben so krftig kan man denen zu Hlfe eilen, die eine Menge
feine Arseniktheile in Staub auf einmal eingeathmet haben, und doch
wird man in diesem wie im vorhergehenden Falle oft nichts ausrichten,
wenn man nicht zeitig das eingeathmete Gift in Operment verwandeln und
so aushusten lassen kan.




Achtes Kapitel.

Verwahrungsmittel gegen Rauch und Staub des Arseniks.


. 299.

Diejenigen Arbeiter hingegen, die ihres Gewerbes wegen, dem
arsenikalischen Staube und Rauche ununterbrochen oder oft ausgesezt
sind, leiden zwar (der Angewhnung halber) nicht so heftige und schnell
einreissende Beschwerden, fallen aber im Gegentheil oft in langwieriges
Siechthum und in die Folgen einer schleichenden Vergiftung. Wie diesen,
und dem bergschtigen Asthma (. 293.) abzuhelfen sei, haben wir bis
hieher nach Vermgen gezeigt, es bleiben uns die Verwahrungsmittel zu
berhren brig.

. 300. Gewhnlich bedienen sich diese Leute selbst schon einiger
Vorbauungsmittel, die jedoch grstentheils mehr auf die Verwahrung des
Magens und der Lunge gegen unvermuthet eingeathmete und verschlukte
Arseniktheile, als auf die Verhinderung des Eindringens derselben in
die Hautlcher gerichtet zu seyn. Stark mit Butter bestrichenes Brod,
Spek oder fette Brhen vor Antritt ihrer Arbeit genossen, ist fast
alles, was sie in dieser Absicht anwenden.

. 301. Zudem sind noch einige so vorsichtig, da sie bei ihrer Arbeit
Mund und Nase fest verbinden und nur durch die feinen Lcher dieses
Tuchs Athem holen, welches, durch den feinen Dunst, den sie aus der
Lunge hauchen, befeuchtet, eine Menge Staub- und Rauchtheile wie ein
geneztes Haarsieb aufzufangen und abzuhalten pflegt.

. 302. Es lst sich zwar nicht wohl ein mechanisches Mittel denken,
welches den groben Staub nachdrcklicher von der Lunge abhielte, als
dieses, doch siehet auch jedermann, da ein solches Verbinden des
Mundes und der Nase durch eben die Oefnungen der Leinwand, wodurch
die Luft zum Athemholen eindringt, eine Menge unsichtbaren Staubs
durchlassen knne, der nicht ohne Schaden in die Lungen dringet. Vor
allen aber lst sich der arsenikalische Rauch am wenigsten durch
Mundtcher abhalten.

. 303. Dies ist auch die Ursache der so hufigen Lungensuchten, des
Bluthustens und der krampfhaften Engbrstigkeit, denen Leute dieser Art
so oft ausgesezt sind.

. 304. Etwas mgen nun wohl die genossenen Fettigkeiten, die Butter,
u. d. g. selbst zum leichtern Loshusten dieser eingeathmeten Gifttheile
beitragen, wie wir an der guten Wirkung der eingenommenen milden Oele
gegen scharfe reizzende Materien, die troknen, krampfhaften Husten
erregen, wahrnehmen, aber allem Nachtheile vorzubeugen vermgen sie
nicht.

. 305. Die Gewohnheit und ein schlaffer, mit schleimigten[171]
Feuchtigkeiten angefllter, etwas unempfindlicher Krper sind die
gewhnlichsten Veranstaltungen, deren sich die gtige Natur bedient,
dies reizzende Gift so unschdlich wie mglich zu machen, und es durch
gelindes Husten und Erbrechen wieder fortzuschaffen.

. 306. Berg- und Httenleute nebst den Knstlern und Arbeitern, die
mit hnlichen arsenikalischen Metallen umgehen, knnen also zwar
durch Verbinden des Mundes und der Nase durch genossene, Fettigkeiten
u. d. g. eine Menge Arseniks von ihren innern Theilen abhalten, und
abstmpfen, auch auf der andern Seite durch eine almhlig aufsteigende
Angewhnung an dergleichen Staub und Rauch sich ungemein gegen die
schnellen Zuflle dieses Giftes verwahren und einigermasen dawider
abhrten, und folglich ungleich mehr davon ertragen, als ein Ungebter;
aber den oben genanten schleichenden und nicht minder frchterlichen
Folgen entrinnen doch nur wenige. Zu diesen unmerkbar entstehenden
bsartigen Zufllen trgt nicht wenig das bei solchen Arbeiten
gemeiniglich nicht befrchtete Eindringen der feinsten Arseniktheile
durch die einsaugenden Gefse der Haut des ganzen Krpers bei. Je
weniger man hievon Beschwerden argwohnet, desto nachlssiger ist man
gewhnlich bei Bedekung des Krpers.

Solten arsenikhaltige Wsser[172] in den Gruben oder hnlicher Staub
die Haut angefressen und bsartige Geschwre erzeugt haben, so wird das
Baden in schwefelleberlufthaltigem Wasser die besten Dienste thun.

. 307. Diesen Folgen vorzubeugen, solten die Huer, die Klaubesteiger,
welche Arsenikerze aushalten, vorzglich die sogenanten Farbsieber
und diejenigen, die mit trokner Plverung und Verpackung des Arseniks
sich beschftigen, nchst dem jedesmahligen Vorgenusse fetter Speisen,
und der Verwahrung der Lunge und des Schlundes, auch bedacht seyn,
ihren Leib in dichte Kleider zu hllen, dabei aber hauptschlich, wo
sichs thun lst, auf eine solche Stellung bei ihrer Beschftigung
Rksicht[173] nehmen, da der Luftzug vorwrts streiche und die
schdlichen Theilchen mit sich fort reisse.[174]

. 308. Man hat es grstentheils der Menschlichkeit und dem
Erfindungsgeiste der Neuern zu danken, da das so schdliche und
unbequeme trokne Pochen durch Handkraft so viel mglich abgeschaft und
nasse Pochwerke durch Knste an ihrer Stelle eingefhrt worden sind. Es
lst sich kaum glauben, wie vielem Elend und Siechthum, die jene alte
unkrftige Arbeit veranlaste, durch diese neuern Anstalten vorgebeugt,
wie viel Vter armer zahlreicher Familien und wie viel nzliche Brger
dem Staate durch sie erhalten werden, Vorteils genug, wenn man auch die
erhhetere Ergiebigkeit der Schliche bei nassen Kunstpochwerken nicht
in Anschlag bringen wolte.[175]

. 309. Auf eine hnliche Menschlichkeit wnschte ich die Unternehmer
der Zinnzwitter-, Kobald- und Arsenikrsten aufmerksam zu machen, da
sie durch Schlotten, Essen und vortheilhafte Stellung der Rostfen den
Luftzug zu befrdern und so das Leben und die Gesundheit der oft so
elenden Schrer handhaben mgten.

. 310. Farbenreiber, die mit Mahlen des rothen und gelben Rauschgelbs
viel zu thun haben, mssen, ob sie gleich wegen gewhnlicher Benezzung
der Farbe so leicht nicht viel vom Staube zu befrchten haben, dennoch
stets Mund und Nase bei ihrer Arbeit verbinden, theils damit ihnen,
der obschon geringe Staub nicht schade, theils aber und vornemlich,
damit sie abgehalten werden, die damit beschmuzten Finger unwilkhrlich
an Mund und Nase zu bringen. Sie mssen brigens auf sorgfltige und
ftere Fegung ihrer Werkstte sehen, und den Genus fetter Speisen sich
angelegen seyn lassen.

. 311. Die Ausfegung der Giftfnge ist unter hnlichen Arbeiten
die allernachtheiligste, weil man hier den Vortheil eines gnstigen
Luftzugs nicht benuzzen kan. Eine Maske mit glsernen Augen, worunter
Mund und Nase noch besonders verbunden sind, das vorgngige Einreiben
irgend eines Oels oder Talgs in die Oberhaut des ganzen Krpers,
lederne Kleider und das nach Vollendung der Arbeit so vortheilhafte
Baden in fliesendem Wasser, oder Abwaschen mit lauem Seifwasser und das
Mundaussplen, werden nchst dem Genusse fetter Substanzen die besten
Dienste thun.




                            Dritter Theil.

                      Gerichtliche Ausmittelung.




Neuntes Kapitel.

Legalitten der gerichtlichen Untersuchung der Vergiftungen.


. 312.

Ob dies Werk gleich keine Anleitung zur gerichtlichen Obdukzion
berhaupt seyn soll, so wird man mir doch verzeihen, wenn ich hier die
Hauptpunkte der Legalitt einer Leichenfnung (doch, wo sichs ziemt,
stets in Rcksicht der Arsenik- oder doch der Vergiftungen berhaupt)
mit einigen Worten berhre, da ich sehe, da noch mancher Arzt hievon
nicht unterrichtet ist, und deshalb bei wichtigen Fllen zuweilen
nach aller Mhe rechtschafner Untersuchung und Bescheinigung, blos
weil nicht nach dem Buchstaben der Gesezze verfahren war, Vorwrfe,
Schmhung und Verwerfung seiner Aussprche vom Vertheidiger des
Inquisiten erfahren mus. Man kan diese Vorerinnerungen als Einleitung
zur eigentlichen gerichtlichen Ausmittelung ansehn.

. 313. Um dieser krnkenden Beschimpfung zu entgehn, zugleich auch, um
sich in Stand zu sezzen, dem Richter das gemessenste und grndlichste
Gutachten in die Hnde geben zu knnen, welches vorzglich bei
Vergiftungsbescheinigungen von so userster Wichtigkeit und
Schwierigkeit ist, merke man folgende Erfordernisse und bringe sie zu
seiner Sicherheit in Ausbung.

. 314. Der vom kompetenten Richter gehrig requirirte[176] Arzt mus
promovirt[177] seyn, oder doch das hhere Examen[178] berstanden
haben. Sein Doktoreid reicht schwerlich[179] zu solchen Untersuchungen
hin; es mus deshalb der Arzt entweder ausdrklich zu der vorkommenden
Leichenfnung vereidet[180] werden, oder er hat schon berhaupt einen
Physikatseid abgelegt, der ihn zu jeder gerichtlichen Besichtigung im
Lande tchtig macht,[181] oder, welches am sichersten, er ist Physikus
des Sprengels, wo die Oefnung vorflt,[182] in welchem Falle er
durchaus von wiederholter Vereidigung auf einzelne Flle frei ist,[183]
wo Lethalitt in Untersuchung kmt.

. 315. Eine hnliche Legalitt wird vom Wundarzte verlangt, der die
Sekzion verrichten hilft; er mus vom Richter verlangt, und entweder
schon gerichtlicher Wundarzt seyn, oder zur gegenwrtigen Handlung
verpflichtet werden,[184] mit Voraussezzung, da er zur chirurgischen
Praxis schon vorher besttigt war.

. 316. Ohne den Arzt kan die Leichenfnung nicht,[185] wohl aber ohne
den Wundarzt vom legalen Arzte allein[186] verrichtet werden. Es knnen
mehrere Aerzte und Wundrzte dazu genommen werden.

. 317. Die Oefnung mus in Beiseyn des Richters[187] des
Gerichtschreibers auch wohl mehrerer Gerichtspersonen[188] sobald wie
mglich[189] und an einem gerumigen, hellen[190] Orte volzogen werden,
da das Urtheil des Arztes blos aus sinnlich begriffenen und sinnlich
vorgefundenen Umstnden fliessen darf.[191]

. 318. Der Arzt zeigt die vorkommenden Widernatrlichkeiten dem in
dieser Absicht anwesenden Richter, und dem Gerichtsschreiber (wie
den brigen Anwesenden) namentlich an, damit lezterer jedes Einzelne
sogleich zu Registratur bringen knne. Der Arzt selbst verzeichnet sich
selbst von Zeit zu Zeit alles Vorkommende stehenden Fuses.[192]

. 319. Ausser der usserlichen Besichtigung mssen alle drei
Haupthlen des Krpers[193] (Unterleib, Brust, Kopf) gefnet werden.
Alles ausser und in dem Krper vorfindliche Korpus Delikti mus
gemessen, gewogen, aufgehoben, und chemisch, womglich im Beiseyn
des Richters,[194] und etwa eines andern Kunstverstndigen (eines
geschikten Apothekers) genau untersucht werden.

. 320. Ein Theil des gefundnen, angeblichen Giftes soll den Akten,
zur anderweitigen Erkentnis einer Fakultt, oder eines medizinischen
Kollegiums, beigefgt werden, sobald der Arzt selbst nicht zu
entscheiden wagt.

. 321. Zur genauern Bestimmung des Urtheils mssen die Angehrige
und Umstehenden vom Arzte[195] oder, wie mich besser dnkt, (auf
Veranlassung des Arztes) vom Richter[196] um alle Umstnde befragt
werden, die auf Berichtigung des Korpus Delikti und die Lethalitt der
Vergiftung Einflus haben knnen, oder der Richter theilt ihm selbst die
verlangten Nachrichten mit, ohne die er keinen grndlichen Bescheid von
sich geben kan.[197]

. 322. Der Sekzionsbericht[198] enthlt, von wem die Medizinalpersonen
requirirt worden; Tag, Stunde der Untersuchung; namentliche Anfhrung
der gerichtlichen (und andrer merkwrdigen) Personen, in deren Beiseyn,
Gasse, Haus, Stelle, wo sie geschehen;

. 323. Namen, Herkunft, Stand, Alter, Grse, Gestalt, Geschlecht,
Gemthsart und Temperament, vorgngige Leibesbeschwerden des
Verstorbenen;

. 324. Umstnde bei der Entstehung der verdchtigen tdlichen
Krankheit, die Zuflle bis an den Tod, die dabei gebrauchten
Hlfsmittel von wem, auf welche Weise, mit welchem Erfolg sie gereicht
worden; Tag, Stunde seines Hinschieds;

. 325. Benennung und beschriebne Beschaffenheit der um den Leichnam
oder in seiner Wohnung vorgefundnen Mittel und zweideutigen
(untersuchten) Dinge;

. 326. Lage, wo und wie der Krper von ihnen angetroffen worden;

. 327. Kleider, Bedeckungen desselben, wie sie beschaffen, was sich an
und in denselben Bemerkenswerthes gefunden; Entkleidung;

. 328. Aeusserer Zustand des ganzen Krpers und einzelner Theile;
Grad der Fulnis; Entfrbungen der Haut; Flecken, Ort, Grse, Farbe
derselben; andre Verlezzungen; Geschwulst des Unterleibes, des Gesichts
-- andrer Theile oder des ganzen Krpers; ussere Beschaffenheit der
Geburtstheile, der Ngel, des Mundes, der Lippen, der Augen, Ohren,
Haare (ihr Ausfallen oder Festsizzen;)

. 329. Beschreibung der Oefnung des Unterleibes, vorgefundne
Widernatrlichkeiten seiner Bedeckungen; Lage der Eingeweide;
Feuchtigkeiten in der Bauchhle; Herausnahme des Magens und der
Gedrme; ussere Beschaffenheit, Farbe, Flecken u. s. w. jedes
derselben ins besondre; Oefnung dieser Theile (des Magens,
Zwlffinger-, nchternen u. s. w. Darmes); Grad der Anfllung jedes
dieser Theile; Ausleerung des Inhalts eines jeden; Schzzung der
Menge desselben, seine Farbe, Geruch, andre sinliche Beschaffenheit;
Aufbewahrung dieser Flssigkeiten bis zur anderweitigen Untersuchung;
Herausschabung der festen, pulverhaften im Magen und dann in
den Gedrmen gefundenen, verdchtigen Krper, ihre sinnliche
Beschaffenheit, (Gestalt, Geruch, Hrte, Schwere, Menge) versiegelte
Aufbewahrung bis zur fernern Untersuchung;

. 330. Beschaffenheit der innern Hute der ersten Wege;
widernatrliche Stellen, inwiefern sie mit den usserlich gefundnen
in Verbindung stehen, eingeschrumpfte, entzndete, brandige,
durchgefressene, blutschwizzende, mit Schorf bedekte, leicht ablsliche
Stellen der zottigen Haut, wie tief sie eindringen, Ort, Gestalt,
Grse, Zahl, Farbe derselben;

. 331. Der brigen Eingeweide ussere sinliche Beschaffenheit, Grse,
Hrte, Farbe, Fulnis; Erfnung jedes derselben, innere fehlerhafte
Textur, andre Widernatrlichkeiten derselben; Inhalt der Gallblase,
Harnblase u. s. w.

. 332. Erfnung der Brusthle; Zustand der Hllen der Lungen und des
Herzens; Lage der Eingeweide der Brust; usserer, innerer Zustand
der Lunge, Grse, Farbe, Verhrtungen, in ihre Substanz ergossene
Feuchtigkeiten; Luftrhre; Herz, ussere Beschaffenheit (Grse,
Farbe, Festigkeit u. s. w.); innere (Inhalt an Blut, seine Natur;
Verkncherungen, Polypen u. s. w.); Aeussere, innere Beschaffenheit
der grosen Puls- und Blutaderstmme, Inhalt, Widernatrlichkeiten;
Beschaffenheit des Zwergfels;

. 333. Aeussere, innere Beschaffenheit des Schlundes und Mundes
etwaniger Inhalt, Entzndungen, Anfressung;

. 334. Erfnung des Kopfs; Zustand der ussern Bedeckungen und
Knochen, der innern Bedeckungen des Gehirns; Gestalt, Substanz
desselben; Inhalt seiner Hlen; Volheit und Inhalt seiner grsern
Blutgefse und Blutgnge; andre Widernatrlichkeiten (Verhrtungen,
Entzndungen, usserlich ergosne Feuchtigkeiten;[199])

. 335. Nhere Errterung der anderweitig genauer, chemisch
untersuchten flssigen und festen Dinge die in der Nhe des Erblichenen
und in den ersten Wegen als Korpus Delikti gefunden waren;
beschriebne, chemische Untersuchung jedes derselben, wann, wo, von wem,
in wessen Beiseyn sie geschehen; Resultate --

. 336. Anfhrung der verschiednen, mglichen Urtheile ber die
Todesart; Widerlegung;

. 337. Zusammenstellung aller gemachten Bemerkungen, und hieraus
hergeleitetes vom gerichtlichen Arzte allein[200] zu fllendes,
entscheidendes oder suspendirtes[201] Urtheil,[202] wenn die
Grnde fr und wider einander alzu gleich aufwiegen; Bestimmung
der wahrscheinlichsten Todesart und des Grades der Tdlichkeit der
Vergiftung in Rksicht der bekanten und wahrscheinlichen, nahen und
entfernten, veranlassenden oder bestimmenden Ursachen des unglklichen
Ausgangs;[203]

. 338. Eidliche[204] Unterschrift und beigedruktes gewhnliches
Siegel des gerichtlichen Arztes (der Aerzte) und Wundarztes (mehrere
Wundrzte); Ort und Tag der Ausfertigung.




Zehntes Kapitel.

Pathologische Zeichenlehre des Vergiftungsthatbestands (/Corporis
delicti/).


. 339.

Unsre Vorfahren waren mit ihren Bestimmungen einer Vergiftung
geschwinder fertig als wir. Sie schlossen aus einer Menge Zufllen,
die der Kranke vor seinem Ableben erlitten, aus einer belriechenden,
Thiere tdenden, im Magen gefundnen Masse, seltner noch aus
Anfressungen der innern Haut dieses Theils, und dem Knoblauchsgeruche
des fremdscheinenden, gefundnen Krpers, der Kranke sei an Arsenik
gestorben, und der Richter glaubte sich nach diesem Urtheile fr
berzeugt zu halten, wenn der Giftkauf, und des angeblichen Thters
Gestndnis (oft durch Folter erpret) dazu kam. Fehlten aber die
meisten aus der Garnitur der Symptomen und Zeichen, die sie sich
bei einer Vergiftung verzeichnet hatten, roch die Masse nicht bel,
tdete etwas davon einen Hund oder Hahn nicht, hatte es auf Kohlen
geworfen keinen Knoblauchsgeruch,[205] wolte das Zeugenverhr, oder die
verdchtige Person (selbst durch Folter) nichts bejahen, schnell war
die Lossprechung fertig.

. 340. Seitdem aber das Menschengeschlecht etwas reifer geworden ist,
glaubt man nicht behutsam genug in einer so wichtigen und schwierigen
Materie zu Werke gehen zu knnen. Arzt und Richter wetteifern ihre
Ueberzeugung so viel mglich zur Evidenz zu erheben, um durch
Scheingrnde, fr Wahrheit genommen, sich nicht hinreissen zu lassen,
dem Mrder die verdienten Ketten abzunehmen oder den Schuldlosen mit
dem Henkersrade zu zerknirschen.

. 341. Jemehr der Arzt also Erkentnisquellen vor sich hat, aus denen
er seine Ueberzeugung schpfen kan, desto bestimter wird sein Urtheil.
Deshalb werde ich, was Aeltere und Neuere fr Grnde geschehener
Arsenikvergiftung hielten, anfhren und abwgen, und zusezzen, was ich
hinzuzusezzen habe.

. 342. Ueberhaupt bestimmen den gerichtlichen Arzt, Arsenikvergiftung
zu behaupten,

    1.) Die Zuflle der tdlichen Krankheit,

    2.) Die besondern in und an dem Krper des Verstorbnen bemerkten
    Widernatrlichkeiten,

    3.) Die chemischen Eigenschaften des in den ersten Wegen gefundnen,
    oder auch

    4.) der in der Nhe des Erkrankten vorfindlichen verdchtigen Dinge.

. 343. Aus dem Genanten und

    1.) aus der Wirkungsart des Arseniks in unserm Krper,

    2.) aus der Gabe und der Gattung des Arsenikgifts,

    3.) aus den vorgefundnen Verwstungen, verglichen mit der
    sichtlichen Krperbeschaffenheit des Lebenden vor der Vergiftung,
    den bei der Oefnung gefundnen, zum unglklichen Ausgange
    mitwirkenden, sonstigen Todesursachen und dem Verhalten des
    Vergifters, des Vergifteten, und der Umstehenden nach der That,
    (die zuflligen usseren Ursachen mit eingeschlossen) und

    4.) aus andern gerichtlich deponirten Thatsachen bestimt er den
    Grad der Tdlichkeit der geschehenen Arsenikvergiftung.

. 344. Wenn die ltern Schriftsteller uns zur Ausmittelung der
Vergiftungen anleiten wolten, so gaben sie uns ein gemischtes
Verzeichnis von Zufllen aller Arten von Vergiftungskrankheiten und von
Widernatrlichkeiten, die man von jeher an und in dem Leichname einer
angeblich an Gift gestorbenen Person wolte bemerkt haben.

. 345. Von ersterer Gattung liefert uns Alberti[206] ein Verzeichnis
von vier und siebenzig besondern Zufllen, von lezterer aber sieben
und zwanzig Giftzeichen an Verstorbenen. Man kan diese Verzeichnisse
bei ihm selbst nachlesen, ich bemerke blos, da hiebei nicht die
mindeste Rksicht auf die Verschiedenheit der Gifte genommen ist.
Zuflle die einigen natrlichen Krankheiten zukommen, Zuflle die
den zusammenziehenden, reizzenden, zzenden, erhizzenden, und
narkotischen Giften eigen sind, alle, ohne Unterschied, oft entgegen
gesezte Zuflle. Etwas, aber nicht viel besser, ist es mit den
Vergiftungszeichen an den Krpern der Verstorbnen.

. 346. Arsenik ist aus der Klasse der zzenden Gifte, wo sie an
die zusammenziehenden und an die reizzenden grnzt. Er wirkt zwar
nicht mit allen Giften der zzenden Klasse berein, doch ist diese
Verschiedenheit bei Lebenden oft sehr unmerklich, bei Leichnamen aber
fast ganz verloschen.

. 347. Die zzende Klasse der Gifte, worunter ich besonders einige
Mineralgifte, vorzglich Arsenik verstehe, in einer Dosis, die sie zum
ersten Grade qualifiziren, wirkt (ohne sonderliche Hlfsanwendung) bei
Lebenden gemeiniglich

    1.) eine zzende Schrfe im Gaumen,

    2.) ein zusammenschnrendes Brennen im Schlunde,

    3.) ein feuriges Fressen im Magen,

    4.) unberwindlichen Eckel, gewaltsames, grstentheils fruchtloses
    Erbrechen und Wrgen, schmerzhaft krampfhafte Zusammenziehungen des
    Magens, des Zwergfels, und der Bauchmuskeln,

    5.) die heftigsten, frostartigen Fiebererschtterungen, den
    krampfhaftesten, hrtesten, schnellesten Puls,

    6.) mehr Lechzen nach khlender Labung, als Durst nach
    Flssigkeiten,

    7.) Angst zum Zerplazzen, kalten Schweis,

    8.) schneidendes Reissen in den Gedrmen,

    9.) qualvolles, unverrktes Bewustseyn, bis zu den

    10.) gewaltsamen Zuckungen, kurz vor dem (oft schnellen)[207] Tode.

. 348. Diesen untergeordnet sezze ich noch die gewhnlichen oder
doch nicht sehr selten hiebei vorkommenden folgenden Zeichen her.
Blutiges[208] schwarzes Erbrechen und Durchlauf,[209] mit unleidlichem
Stuhlzwange, oder hartnckigste Verhaltung des Stuhlgangs und
Harns; hervorragende, glnzende, rothe Augen, verwandeltes, oder
geschwollenes Gesicht. Aufschwellen des Halses, der Zunge, der Lippen,
des Unterleibes; Zittern aller Glieder, der Lippen; Schluksen;
ashaft stinkende Sthle; endlicher Verlust des Gesichts und Gehrs;
geschwinder Tod, eines sonst gesunden, von gesunden Speisen genhrten
Menschen.[210]

. 349. Man kan zwar nicht sagen, da unsre Vorfahren, auch Neuere,
diese Symptomen und Zeichen der Arsenikvergiftung ausschlieslich
zugeschrieben haben, aber auf ein zzendes beigebrachtes Gift haben sie
unter solchen Umstnden zum ftern geschlossen, wie unrecht dies in
manchen Fllen geschehen, wollen wir jezt sehen:

. 350. Wie oft bringen zerstrende Leidenschaften, Freude,[211] Zorn,
Schrek,[212] Gram, Abscheu, ja Eckel vor sonst geniesbaren Dingen:
Kse, Schweinefleisch u. d. g.[213] Einbildung[214] hnliche oder
dieselben Zuflle und schnellen Tod zuwege.

. 351. Wie oft haben verdorbne Speisen[215] vorzglich Austern und
Muscheln,[216] Wrmer im Magen,[217] eiskaltes Getrnk[218] in einem
erhizten Magen gegossen, Kohlendampf,[219] (phlogistisirte Luft,)
Ueberladung mit hizzigen Getrnken,[220] heisser Kuchen und Brod
ungekaut und jhling verschluckt, unterdrckte Blutausleerungen,[221]
Anflle von Schlage, Unnatrlichkeiten und ble Lage der
Eingeweide,[222] Verengerung der Gedrme,[223] zurkgetriebnes
Podagra,[224] innerer Wasserkopf,[225] und andre Krankheiten,[226]
Ausleerungsmittel,[227] Fasten[228] hnliche schrekliche Symptomen
und schnellen Tod hervorgebracht, deren Ursache man fr beigebrachtes
Gift htte halten sollen, wenn nicht bekantgewordne Umstnde und
Leichenfnungen die Wahrheit an den Tag gebracht htten! Eben dies
haben andre sonst unschdliche Nahrungsmittel[229] verursacht.

. 352. Unter den natrlichen Krankheiten, die jene schreklichen
Symptomen, erstaunliche Angst, gewaltsames Erbrechen, Inflammazion und
Brand in den ersten Wegen und jhlingen, wie von Gift herrhrenden,
Tod erzeugen, mssen vor allen bsartighizzige, Faulfieber und Ruhr
genant werden, wovon uns =Bartholin=, =Guarignon=, =Spigel=, =Wepfer=,
=Panarolus=, =Bonet=, =Morgagni=, =Lieutaud=, und andre die hieher
gehrigen treffendsten Beispiele aufgezeichnet haben.

. 353. Keine aber unter allen Krankheiten behauptet in Rksicht der
groen und fast ununterscheidbaren Aehnlichkeit mit den Zufllen eines
zzenden Giftes einen so grosen Vorrang, keine ist verdachtvoller,
als Kolik[230] und =Cholera=,[231] vorzglich wenn eine gallschtige
Person in einem Anfalle derselben einen heftigen Zorn verbeissen und
unterdrcken mus, sich dabei sonst noch erhizt, oder wohl gar noch
hizzige Getrnke,[232] Brantwein u. s. w. auch wohl hizzige Opiate,
Philonium, Theriak, Mithridat oder starke Brechmittel[233] u. d. g.
zu sich nimt -- vornehmlich in einer heissen Jahrszeit, oder sonst bei
starker Betten- und Stubenhizze.

. 354. Auf der andern Seite haben wir Beispiele von Vergiftungen mit
Arsenik (der doch allemal unter den zzenden Giften die Hauptrolle
spielt) wo Hauptsymptomen gnzlich gefehlt haben. So sind oft keine
Konvulsionen[234] erfolgt; ja was noch mehr, als alles, ist, zuweilen
ist ganz und gar kein Erbrechen[235] entstanden, die Krfte sind blos
gesunken, und der Vergiftete ist gestorben.

. 355. Da nun, wie wir gesehen haben, eine Menge natrliche Ereignisse
mglich sind, und vorzukommen pflegen, die einen gesund scheinenden
Menschen jhling mit allen oder doch den meisten der genanten
Vergiftungssymptome zu tden pflegen so wird es uns fernerhin nicht
erlaubt seyn, diese obgleich noch so frchterlichen und gehuften
Symptome fr einen Beweis einer geschehenen Vergiftung -- mit einem
zzendem Gifte, oder wohl gar namentlich mit Arsenik auszugeben;
und als hauptschliche oder wohl gar alleinige Beweise in unsern
Oefnungsscheinen aufzufhren.

. 356. Dem Privatarzte nzt die Kentnis dieser Zuflle beim
Krankenbette am meisten; durch sie und durch beantwortete Fragen
angeleitet, wird er selten ber eine geschehene Vergiftung (mit einem
zzenden Gifte) zweifelhaft bleiben, und so sicherer und grndlicher
heilen.[236] Der Polizei dienen sie, mit einigem Grunde ihre
gerichtliche Untersuchung anzuordnen, oder dem Thter auf die Spur zu
kommen.

. 357. Wir gehen zu den Merkmalen einer (mit zzendem Gifte)
geschehenen Vergiftung an und in dem zu untersuchenden Leichname
ber. Sonderlich auf sie hat man sich so oft und viel bei
gerichtlicharzneilichen Aussprchen zu gute gethan, und oft ganz allein
auf ihnen Leben und Tod des Angeschuldigten beruhen lassen.

. 358. Ich bemerke zu erst das wichtigste aller Kenzeichen:
zusammengeschrmpfte, leichtablsliche, losgeschabte Stellen der
innern Haut des (Schlundes) Magens, (der Gedrme), entzndete,
brandige, mit grauem Schorfe berzogne (tief eindringende) Flecken (mit
blutquellenden Punkten) der ersten Wege.

. 359. Die brigen oft, oder seltner vorkommenden: schnelle Fulnis
des Krpers, eine von Geruch und Ansehn ungewhnlich ble[237]
Masse oder blutige Jauche, die Thiere tdet; bis zum Plazzen
ausgespanter Unterleib; Geschwulst des ganzen Krpers, blutiger
Schaum vor dem Munde, schwarze, leicht abgehende Ngel, Ausfallen
der Haare, verschiedentlich gefrbte Flecken usserlich am Krper
vorzglich, auf dem Rcken, den Fsen, auf den Weichen; schwrzliche,
geschwollene Geburtstheile; in allen Gefsen aufgelstes schwrzliches
Blut, schwarze Leber, welkes Herz u. s. w. auser einer Menge sogar
lcherlicher Merkmale.

. 360. Zuerst etwas ber leztere, um dann das erstere desto genauer
zu betrachten. Die alzu auffallend gleichgltigen bergehe ich. Es
ist wahr, die meisten Leichenfnungen haben vorzglich bei der
Arsenikvergiftung das Blut in den grsern Stmmen und im Herzen
schwrzlich aufgelst gezeigt. Doch dies finden wir noch bei mehrern
Krankheiten[238] und selbst bei Arsenikvergiftungen weis ich einige
Flle vom Gegenteile.

. 361. Das Abfallen der Ngel und das Ausfallen der Haare findet sich
etwas selten bei Arsenik- (oder andern zzenden) Vergiftungen, ber
dies ist ersterer Umstand nach bsartigen Fiebern[239] nicht ganz
ungewhnlich und lezterer kmt hufig nach einer Menge hizziger Fieber,
langwierigen Kopfschmerzen und nach dem Gebrauche des Queksilbers
vor.[240]

. 362. Die schwrzlichen und blulichen Flecken am Krper sieht man
hufig bei den Leichnamen scorbutischer, kachektischer, oder pltzlich
(ohne Gift) gestorbener vollbltiger Personen.[241] Und wie oft
finden sich bei Arsenikvergiftungen gar keine Flecken,[242] oft auch
kein Auflaufen des Krpers,[243] welches dagegen nicht selten nach
andern Todesarten vorkmt. Oft sieht man bei Arsenikvergiftungen keine
schnelle Fulnis.[244]

. 363. Eine garstige im Magen gefundene Materie, welche Thiere tdet,
hat man fr eines der wichtigsten[245] Merkmale einer geschehenen
Vergiftung angesehn, und wenn das zum Versuche bestimte Thier nicht
davon starb, schlos man das Gegentheil mit vieler Zuverlssigkeit.
Bei fast allen Personen, die an irgend einer Art bsartigen Fiebers
oder an schneller Verderbnis der zu den Verdauungswegen geleiteten
Sfte des Krpers jhling dahin sterben, findet man eine belriechende
Materie von garstiger Farbe in den ersten Wegen, deren ausgeartete
Schrfe vielleicht[246] auch Thieren schdlich und tdlich werden
kann, vorzglich wenn die Fulnis schon berhand genommen hat. Aber
auf der andern Seite, wie Manches ist dem einen Thiere schdlich,
dem andern nicht! Wie manches fast ohne Nachtheil fr den Menschen,
Thieren aber gefhrlich und tdlich.[247] Wie manches einem Menschen
tdlich, Thieren fast gar nicht schdlich! Wie manches ist dem einen,
besonderer Krperbeschaffenheit wegen, Gift, fr jeden andern aber von
unschdlicher Natur![248]

. 364. Gesezt also, eben die bsartige Materie, die man im Magen eines
plzlich mit heftigen Zufllen verstorbnen Menschen fand, tde zuweilen
ein Thier, kan man hieraus mehr schliessen, als da diese Materie
dem Verstorbnen sehr schdlich war, auch wohl seinen Tod bewirkte?
Woher dieser Stof kam, ob von ausgearteter, zzend gewordener Galle,
wie oft, ob durch Absezzung aus der Blutmasse, ob von verdorbnen
Nahrungsmitteln, oder von einem beigebrachten Gifte, alles dies kan
doch wahrlich nicht, ohne Leichtsin oder verschobne Denkart, aus der
Thieren schdlichen Beschaffenheit dieser Materie entschieden werden!

. 365. Hiezu sezze man, da Thieren besonders Hunden, die man
grstentheils zu dem Versuche nimt, etwas von der im Magen,
namentlich an Arsenik, gestorbener Personen gefundnen Masse oft nicht
schdlich[249] oder doch nicht tdlich war; vor allen aber, da Gaben
Arsenikgift selbst, die Menschen an sich durchaus tdlich sind, Thieren
nicht tdlich waren,[250] woraus sich vollends die Ungewisheit dieser
so gerhmten Probe zu Tage legt.

. 366. Wie viel brigens die Gattung, die Strke, Munterkeit, so wie
auf der andern Seite Krnklichkeit und Schwche, wie viel besondre
krperliche Dispositionen, angeflter oder leerer Magen, leichtere oder
schwerere Entledigung durch Brechen und Durchlauf, zher Schleim in den
ersten Wegen u. s. w. eines zum Versuche bestimten Thieres, und eine
grsere oder kleinere Menge der beigebrachten verdchtigen Substanz zur
Zweideutigkeit des Beweises[251] beitrage, sieht man ohne mein Erinnern.

. 367. Man schliesse ferner aus vorgefundnen Entzndungen des Magens
ja nicht sogleich auf beigebrachtes Gift, so lange es gewis ist,
da die meisten giftartig wirkenden Krankheiten, Leidenschaften und
Nahrungsmittel (. 350. bis 353.) so wie alle etwas starke Ausleerungen,
sie mgen veranstaltet oder natrlich seyn, den Magen und die Gedrme
zu entznden pflegen; vorzglich wenn man sich =Riolan's=[252] Warnung
zu Herzen gehen lst, da er sagt, der Magen sei oft ohne weitere
Veranlassung, besonders auf der linken Seite, von den hier in die
Magensubstanz eingeflochtenen Milzgefsen braun, blau, schwrzlich und
wie entzndet anzusehn, da dann oft ungegrndeter Verdacht empfangenen
Giftes entstnde, und wie viel Ursachen entznden den Magen![253]

. 368. Wenn Hebenstreit auf den sich seine Nachfolger stzzen, ein
gewisses der (zzenden) Vergiftung charakteristisch eignes Merkmal an
einem obduzirten Leichname festsezzen will, so nennet er die Anfressung
oder leichte Ablslichkeit oder vllige Trennung der Zottenhaut des
Magens, und will dies Zeichen allein fr hinreichend angesehn wissen,
gesezt man fnde auch keine Spur vom Gifte[254]. Wahrlich sehr viel
behauptet, vielleicht zuviel!

. 369. Die Flle sind nicht eben so selten, wo die zottige Haut
des Magens sich von dem drunter liegenden dritten Zellgewebe und
der Nervenhaut losgegeben hat[255] (ja wohl, wo Stellen der innern
Haut in Eiterung bergegangen,[256] der Magen durchbohrt,[257] und
durchlchert, auch wohl brandig war)[258] aus ganz andern Ursachen,
als nach empfangenem Gifte. (Andre Unterscheidungszeichen zwischen
Vergiftung und natrlichen Krankheiten halten eben so wenig Stich.)[259]

. 370. Dagegen findet man Beispiele von Arsenikvergiftungen, wo die
innere Haut des Speisekanals nicht angefressen oder abgelst war,[260]
ja sogar welche, wo nicht einmal Entzndungsspuren zu sehen waren.[261]

. 371. Wie schwer (ich mgte sagen unmglich) es sei, aus den
Symptomen und der gefundnen ussern oder innern Krperbeschaffenheit,
Vergiftung von natrlichen Todesfllen zu unterscheiden, sahen
eine[262] Menge Schriftsteller ein.

. 372. Wenn dies nun alles trglich ist, was bleiben uns wohl noch
fr gewisse Merkmale empfangenen (zzenden) Giftes (Arseniks) brig.
Soll etwa das eigne Gestndnis des Thters[263] die Sache aufs Reine
bringen, und den Richter von der geschehenen That dergestalt zur
Ueberzeugung bringen, da es nun leicht sei, die strenge Todesstrafe,
den Inhalt der rmischen und peinlichen Gesezze ohne weiteres Bedenken
zu volziehen?

. 373. Aber welche Menge von Ursachen kan dies zweideutige Gestndnis
bewirken! Dies sahen die Gesetzgeber und Rechtsgelehrten, wie von
einem hhern Hauche beseelt, ein, und sprechen demnach diesem
Gestndnisse bei Abwesenheit des Korpus Delikti fast alle Beweiskraft
ab. Wo keine andre Ueberzeugung von begangner That als das blose
Gestndnis des Angeschuldigten vorhanden ist, da kan lezterer aus dem
blosen Gestndnisse nicht verurtheilt werden[264] Dem Verhafteten
kan die Lebensstrafe nicht zuerkant werden, wenn nicht ausser seinem
Gestndnisse noch das Korpus Delicti vorhanden ist[265] Niemand kan
durch Bekentnis ein Verbrechen machen, wo keins ist.[266] Niemand
wird durch bloses Gestndnis, jemand Gift gegeben zu haben, zum
Verbrecher, wenn das wirkliche Gift nicht gefunden wird.[267] Ohne
Korpus Delicti kan keine Todesstrafe statt finden, die Umstnde mgen
auch noch so gravirend seyn.[268]

. 374. Wie findet man aber das Korpus Delikti, wo sind die wahren
Kenzeichen des Thatbestands (/indicia corporis delicti/) einer
(Arsenik-) Vergiftung, wenn die genanten so schlpfrig und trglich
sind? Ich werde diese Frage unten beantworten, wenn ich zuvor von dem
wichtigsten und zuverlssigsten aller Thatzeichen der Auffindung des
(Arseniks) Giftes gehandelt haben werde. Jezt erinnere ich noch, das
wenn auch die strksten der genannten Zeichen weiter keinen Nuzzen (wie
doch das Gegentheil unten bewiesen werden soll) beim Criminalprozesse
htten, doch auf ihnen die Vermuthung einer geschehenen Vergiftung
beruhe, ohne die kein solches Verbrechen je zur Untersuchung kommen
wrde.




Elftes Kapitel.

Chemische Kennzeichen des Thatbestands (/corporis delicti/) einer
Arsenikvergiftung.


. 375.

Ich leugne nicht, da man schon, seit man Arsenik kent, einige
chemische Merkmale besas, das Daseyn des Arseniks zu errathen, ich
meine den Knoblauchsgeruch und nachgehends den weissen Schmauch, den er
bei seiner Verdampfung an Metalbleche legt.

. 376. Lange hat man sich besonders mit dem Knoblauchsgestanke
des verdampfenden Arseniks begngt, um sich von seiner Anwesenheit
zu berzeugen, und man wrde sich noch damit begngen, wenn
Scheideknstler der lezten Jahrzehnde vom ersten Range uns nicht
tiefere, und, wenn man will, gewissere Einsichten durch genaue,
zahlreiche und belehrende Versuche geschenkt htten. =Bergman, Scheele=
-- mehr Namen bedarf man nicht.

. 377. Ob die Weisheit ihrer Belehrungen die Kpfe unsrer
gerichtlichen Aerzte schon heilsamlich durchdrungen und ihnen Fhigkeit
eingeflst hat, zur Rettung unschuldig Angeklagter und zur gerechten
Abwgung der Verbrechen des Giftmischers alles nur Mgliche aus dieser
wohlthtigen Kunst anzuwenden? dies ist eine Frage, die man doch
einigermasen mit Ja beantworten kan.

. 378. Diesen Ausspruch zu unterstzzen, fhre ich des Stadtphysikus
zu Berlin Herrn =D. Pyl=[269] aus der Chemie genommene Kenzeichen des
Arseniks an, die um vieles volstndiger, als die bisher fr gnglich
erkanten, sind:

    1.) Der Knoblauchsgeruch des gereinigten Pulvers -- das
    Vergrsrungsglas entdecke die krystallinische Gestalt des weissen
    Arsenikpulvers.

    2.) Ein Eisenblech wird von diesem Rauch weisgeflekt oder
    angeschmaucht.

    3.) Thut man etwas Arsenik in fliesenden Salpeter, so geschieht
    nach =Scheelens= Erfahrungen, erstlich ein Aufwallen, und dann wird
    der Salpeter zersezt.

    4.) Hat man eine hinlngliche Portion, so wird das Sublimiren in
    einer verschlossenen Retorte den sichersten Beweis abgeben.

    5.) Da die Auflsung des Arseniks in Wasser fast alle metallische
    Auflsungen niederschlgt, so knte man auch hiemit (nach
    =Wallerius=) Versuche anstellen, doch sind die ersten Proben schon
    hinreichend, obgleich diese noch mehr Gewisheit geben.

. 379. Man wird meine Meinung ber jeden dieser Punkte erwarten, und
ich werde sie mit der diesem Verfasser schuldigen Bescheidenheit
entwerfen, doch mit unverwandtem Blicke auf Wahrheit.

. 380. =Ueber= 1.) Man hte sich den Knoblauchsgeruch einer im Magen
des Verstorbnen, oder in der Nhe desselben gefundenen verdchtigen,
auf glhende Kohlen geschtteten Masse oder Flssigkeit sogleich zum
unwidersprechlichen Beweise des Arseniks zu machen, da

    a) wohl ein sehr in Fulnis und Verderbnis gerathener natrlicher
    Stof im Magen eines an einem sehr bsartigen Fieber Verstorbenen
    (nach =Bergman=)[270] an sich zuweilen einen solchen oder hnlichen
    Geruch besizt. Auch kan Knoblauch selbst in der Masse des Magens
    seyn. Man wende nicht ein, Arsenik habe unangezndet keinen
    solchen Geruch. Aller knstliche Arsenik frisch geplvert (den
    weissen ausgenommen) Giftmehl, gelber und rother Arsenik stinkt
    knoblauchartig.

    b) die Salzsure giebt auf glhende Kohlen geschttet einen
    knoblauchartigen Geruch.

    c) Zinkfeile,

    d) Phosphor, Phosphorsure, schmelzbares Harnsalz, thun etwas
    hnliches.

    e) Die Kohlen oft selbst dampfen einen widrigen, Kopf einnehmenden
    hnlichen Geruch aus.

. 381. Ebenso wenig folgt, wenn die verdchtige Masse auf Kohlen oder
ein glhendes Blech geworfen keinen Geruch nach Knoblauch sondern
einen brenzlichen Geruch, wie wenn man Horn oder Kse verbrent von
sich giebt, da hierdurch die Abwesenheit des Arseniks ausgemittelt
sei.[271] Weit gefehlt! Weder das aus den Zotten der Magenhaut
zusammengeschabte Pulver (welches oft seiner Geringfgigkeit wegen
nicht gewaschen werden kan) ist so frei von thierischen Substanzen,
noch vielweniger die inspissirte (obschon filtrirte) Magenflssigkeit,
oder die darin gefundene festere Masse, da nicht bei dem einen, wie
bei dem andern jener durchdringende Geruch nach verbrantem Horne den
dem Arsenik eigenthmlichen Knoblauchsgeruch erstiken solte.[272]

. 382. Ist eine verdchtige Masse in der Wohnung und in der Nhe des
Verstorbnen gefunden worden, so kan sie ebenfals Arsenik in einem
Gemisch eingewickelt enthalten, bei dessen Verbrennung irgend ein
andrer nur nicht der Knoblauchsgeruch die Oberhand hat.

. 383. Da Vergiftungen sehr oft mit aufgelsten Arsenik geschehen,
oder, wenn das Gift in Pulver, die Menge zuweilen an sich sehr klein,
fein, und zerstreut, oder durch langwieriges Erbrechen ungemein
vermindert worden ist, so wird man sich nie auf diese Probe in solchen
Fllen verlassen knnen, (gesezt es gbe auch keine andern (. 380.)
Krper mit hnlichem Geruche auf Kohlen) da es im ersten Falle
unmglich, in lezterm hchst schwer ist, die mindeste Giftsubstanz
durch mechanische Behandlung so rein abzuscheiden, da die Probe nicht
trgen knte.

. 384. Wre die Menge des abgeschiednen Pulvers aber (wie oft) so
gering, da man kaum selbst den Versuch anstellen knte, und er
berzeugte uns nicht vllig durch deutlichen Geruch,[273] was bliebe
uns brig zu andern Versuchen, oder (da man, wo es auf Leib und Leben
ankmt, doch nicht aus Zweifeln Entscheidung hervorlangen kan) zu
anderweitigen Versuchen eines medizinischen Kollegiums?

. 385. Bei dem allen bleibt diese Probe, unter den bisher bekanten,
immer noch eine der gewissesten, wenn das gefundene Pulver rein, im
Ansehn mit einer der bekanten Arsenikarten bereinstimmend, und in
gehriger Menge (damit zu einem anderweitigen Versuche etwas brig
bleibt) vorhanden ist. Giebt dann dies Pulver auf ein glhendes
Blech[274] oder eine brennende Kohle geworfen jenen bekanten Geruch
unzweideutig von sich, so hat man schon viel zu seiner Ueberzeugung
gewonnen, da es nicht leicht der Fall ist, da im Magen eines
Verstorbenen etwas von jenen Dingen (. 380.) die einen hnlichen
Geruch geben, vorhanden seyn solte.

. 386. Das Ansehn des gestosenen weissen Arseniks unterm
Vergrsrungsglase ist eben nicht kristallinisch, wohl aber spizziger,
eckiger und scharfer Form mit kleinen unregelmsigen Vertiefungen und
glnzenden Flchen, wie gestosener Vitriolweinstein.

. 387. =Ueber= 2.) Sind die vorhergehenden (. 385.) Umstnde richtig,
so wird diese Erscheinung keine geringe Besttigung der erstern
Probe geben. Ist aber das gefundne etwanige Pulver nicht von dem
Ansehn der bekanten Arsenikarten (des weissen, und des Giftmehls und
Fliegensteins) so wird der Knoblauchsgeruch des Gefundenen selbst mit
dem Weisanschmauchen[275] eines drber gehaltnen Eisenblechs verbunden
zur vlligen Besttigung hinreichen, so lange es noch andre Krper
giebt die jenes und so wieder andre, die dieses leisten.

. 388. So thut geplverter Zink beides. Und was giebt beim Verrauchen
einen weissern Schmauch (Sublimat) als Spiesglanzknig? Dann knte
der Knoblauchsgeruch noch von einer fremdartigen (. 380) Beimischung
herrhren. So selten auch diese Umstnde zusammentreffen mgten, wo
weisses Anschmauchen, und Knoblauchsgeruch der Masse (ohne Arsenik) von
etwas dieser Art oder einer dergleichen Mischung herrhren solten, so
bleibt doch noch immer die Mglichkeit brig. Ist es kenbares Pulver,
so wird doch stets ein zu beiden Versuchen (auch wohl zu mehrern)
hinlnglicher Vorrath dabei voraus zu sezzen seyn, wie oft, sehr oft
nicht ist.

. 389. =Ueber= 3.) Der Scheidewassergeruch, welcher aufsteigt, wenn
Arsenikpulver in glhend schmelzenden Salpeter getragen wird, ist
an sich wenig; in Verbindung mit den genanten beiden Proben aber so
gut als vllig berzeugend, zumal da auch Arsenikmittelsalz[276] den
Salpeter zersezt; aber zu dieser Probe gehrt doch eine ansehnliche
Menge (verschiedne Grane Arsenikpulver wenigstens) wenn sie
berzeugend[277] ausfallen soll.

. 390. Geschwefelte Arsenike, rother und gelber Arsenik, Operment,
gelbes und rothes Rauschgelb verpuffen wie Schwefel damit, und der
Versuch flt zweifelhaft aus.

. 391. Und dann wird glhender Salpeter nicht auch von Quarz- und
Krystallglaspulver[278] zersezt, welche beide Dinge die grste ussere
Aehnlichkeit mit geplvertem weissen Arsenik haben?

. 392. Auch Sedativsalz und trokne Harnsure zersezzen den fliesenden
Salpeter.

. 393. =Ueber= 4.) =Das Sublimiren als den sichersten Beweis von
Arsenik.= Vorausgesezt, da man alle Behutsamkeit bei der Sublimazion
angewendet, und nicht des meiste durch die Fugen der bel angektteten
Vorlage verloren, mus man die Vorsicht brauchen den im Sublimirgefse
zu unterst angeflognen Theil zu den Proben auf glhende Kohlen u. d. g.
nicht aber den vom Boden entferntern anzuwenden. Schwrzliche, graue
und weisse Sublimate liefern doch noch mehr Substanzen, gewchsartige,
thierische, (salzhafte) und mineralische Stoffe!

. 394. Will man sicherer gehen, so berzeuge man sich vor allen Dingen
durch des Vergrsrungsglas von der krystallinischen, spiesichten
oder bltterichten Natur des am heisesten untersten Orte des Gefses
angeflogenen Sublimats.

. 395. Aber besonders zu dieser Probe gehrt eine nicht geringe Menge
gefundnen Pulvers, (wenigstens acht bis zehn Gran) wenn man nicht durch
die Kleinheit des Objekts irre gefhrt werden oder sich vergebliche
Arbeit machen will; wie selten aber ist nicht eine so ansehnliche Menge
im Magen eines nach vielen Stunden nach einer Menge von Ausleerungen
Verschiedenen.

. 396. Hat man keine hinreichende Menge Pulver aus der Magenmasse rein
abscheiden knnen, und mus sich also bei seinen Untersuchungen blos
an die leztere halten,[279] so werden alle vier genanten Proben mit
der (auch wohl filtrirten) eingedikten Magenflssigkeit im bejahenden
und verneinenden Falle ohne Beweiskraft bleiben, da man es hier nicht
mit Arsenik (er sei auch ziemlich reichlich darin aufgelst) sondern
mit einem Gemisch von extraktiven thierischen, vegetabilischen auch
wohl arzneilichen Substanzen (die der Kranke zu seiner Hlfe etwa
nam) zu thun hat, eine Masse, deren gemischter Geruch (. 381.) beim
Verbrennen, (an das Anschmauchen ist nicht zu denken) deren wahre
feurige Verpuffung mit Salpeter, und deren mancherlei Sublimate beim
Auftreiben in verschlosnen Gefsen ein Chaos von Erscheinungen giebt,
aus dem sich Oedipus selbst nicht finden wrde.

. 397. An die beim Abdampfen etwa zu erwartende krystallisirende
Anschiesung eines Theils aufgelsten Arseniks, ist bei einer diklich
gewordnen inspissirten Flssigkeit nicht zu gedenken.

. 398. Ueber 5.) Die Auflsung des Arseniks in Wasser schlage fast
alle metallische Auflsungen nieder. Dies ist, wenn es auch Waller
versicherte, unwahr; unwahr, wenn sich auch Neumann[280] so viel
darauf zu gute thut; unwahr, wenn es auch viele andre nachsagten.
Mit dem Arsenikmittelsalze hat es eine ganz andre Bewandnis,
dieses schlgt durch doppelte Verwandschaft fast alle metallische
Auflsungen, wie natrlich, nieder, da man bisjezt kein Metal kent
(vielleicht ausser dem Golde) welches eine niedrigere Verwandschaft
und Anziehung zu den Suren, und keine Sure, die einen strkern und
unauflslichen Zusammenhang mit den meisten Metallen besse, als
Arsenik.

. 399. Zu diesen bisher bekanten Proben sezze ich noch eine, oft
vernachlsigte, von Hebenstreit[281] und andern angefhrte,

    6.) den schwarzen unvertilgbaren Flek, den Arsenik einem glhenden
    Kupferbleche whrend seiner Verdampfung einbrent. Unvertilgbar ist
    dieser Flek nun wohl nicht, er lst sich zwar nicht durch Reiben
    mit dem Finger oder dergleichen abbringen, leicht aber abschaben
    oder mit Sande abreiben, da er nicht tief eindringt. Dies Zeichen
    ist brigens ziemlich bestndig, nur mus das Kupferstk nicht
    alzu stark und dick, oder weisglhend und das Aufgestreute nicht
    Fliegenstein seyn, sonst geht die Verdampfung eher zu Ende, als
    der schwarze Flek eingebrant ist. Sollte es aber nicht noch andre
    Dinge geben, die in diesem Falle auf Kupfer einen schwrzlichen
    Fleck zurck liesen? -- Doch auch hiezu wird durchaus ein
    gefundenes Pulver erfordert, welches so hufig nicht geschieht.

. 400. Alle diese bisher bekanten Proben demnach sind theils
einigermasen und in gewissen Fllen, wie man sieht, zweideutig,
theils, bei der strksten und gewissesten Vermuthung auf Arsenik, oft
ohne Wirkung, theils unanwendbar, wenn kein wirkliches Arsenikpulver
aufzufinden ist.

. 401. Diese leztere Hinderung, auch, wie ich hoffe, die brigen zu
umgehen, werde ich das Nthige ber die berzeugendste Ausmittelung
der Gegenwart irgend eines Arsenikgiftes unter irgend einer Gestalt,
in der kleinsten Menge, in der verwickeltsten Vermischung vortragen.
Hieraus, glaube ich, wird man sehen, da die vorigen Versuche, ohne die
jezt vorzutragenden, durchaus keine, wenigstens keine negative, (von
Abwesenheit des Arseniks) Ueberzeugung zu geben vermgend sind.

. 402. Die zhe und leimige Beschaffenheit des Mageninhalts kan oft
Ursache seyn, da das in demselben eingewickelte (feine) Arsenikpulver
durchaus nicht rein oder in betrchtlicher Menge herauszuschlemmen
ist; der grste Theil dieses metallischen Giftes kan besonders wenn
der Tod mehr als einen Tag verzieht, durch Erbrechen und Durchlauf
schon dergestalt ausgeleert seyn, da nur noch wenige Spuren davon
brig sind; das Gift kan in Auflsung (Arsenikwasser, Fliegenwasser)
verschlukt; oder als ein Mittelsalz (Fiebertropfen nach Heuermans und
Jacobis Zubereitung -- /liquor Arsenici fixi/ u. s. w.) vorhanden seyn;
man kan verschiedne Arzneimittel, die dieses Gift theils verstecken,
theils umndern, als Gegengifte zu sich genommen haben. Wie ist in
allen diesen so verwickelten Umstnden die fr den Unschuldigen, so
wohlthtige, fr den Verbrecher aber so gerechte Wahrheit in ein
algemein einleuchtendes Licht zu sezzen? Nur die Scheidekunst vermag
den Vorhang aufzuziehn. --

. 403. Es giebt drei gegenwirkende (/reagentia/) Mittel, die man zwar
bisher noch nicht zu dieser Ausmittelung anwandte, deren verbundne
Resultate aber, auch ohne obige bisher bliche Proben auf die
unzweideutigste, berzeugendste und bestimteste Weise die Gegenwart
oder Abwesenheit dieses Giftes an den Tag legen. Es ist kochendes
Kalkwasser, mit Schwefelleberluft gesttigtes Wasser und Kupfersalmiak.
Ehe ich aber zu ihrer Bereitung und Anwendung bergehe, mu ich sagen,
wie man alles etwanige Giftartige zu samlen und aufzufassen habe, damit
nichts verloren gehe.

. 404. Es wird selten eine Arsenikvergiftung des ersten und zweiten
Grades vorkommen, selbst die mehrere Tage Zeit bis zum Ende anhielt, wo
nicht noch einige fr uns brauchbare berzeugende Spuren aufzufinden
seyn solten. Hat der Kranke auf eine kleine Gabe Gift viel getrunken,
so wird er grstentheils wieder hergestellt werden, und dann giebt es
Spuren ausser dem Krper er komme auf, oder nicht auf.

. 405. Hat der Kranke wenig oder gar nichts Fliges zur Rettung zu
sich genommen, so stirbt er, und die lezten Spuren, die die endlich
ermattende Natur weder durch Mund noch After mehr fortschaffen konte,
sind noch inwendig vorhanden, er mag eine grose oder kleine Gabe
Arsenik erhalten haben. Denn htte seine Natur die lezten Spuren des
Giftes ausleeren knnen, so htte sie so leicht nicht unterliegen
drfen, kurz bei einem solchen Kranken werden gewhnlich und fast
gewis, wenn gleich noch so kleine, Spuren ihrer Ohnmacht vorzufinden
seyn. Man findet Beispiele von mehrere Tage verhaltnen Arsenikspuren,
selbst bei Wiedergenesenden.[282]

. 406. Auch dann, wenn der mit Arsenik Vergiftete bei einer grosen
Gabe Gift viel Fliges und Zwekmiges trank, und man ihm zeitig oder
spt zu Hlfe kam, so wird er entweder gerettet, oder nicht; in beiden
Fllen wird das Weggebrochne noch Spuren genug von Arsenik in sich
haben, in lezterm wird berdies noch die lezte Spur im Krper vorhanden
seyn, aus der (. 405.) angezeigten Ursache, es mste denn ber eine
Woche bis zum Tode verstrichen seyn.

. 407. Der Flek auf den Dielen, wohin sich der Kranke gebrochen,
hat oft so viel eingesogen oder noch auf seiner Oberflche, es ist
vielleicht noch so viel in dem Geschirr oder den Tchern vorhanden, in
welches, oder auf die er sich brach, es ist noch soviel im Schlunde,
dem Magen und den ersten Drmen (oder den lezten) vorhanden, es steht
auch wohl noch soviel kleines Ueberbleibsel des Vergiftungsgemisches in
dem dazu angewandten Geschirre, als zu unserer Ueberzeugung berflig
zureicht.

. 408. Um also das gewisseste Merkmal des Thatbestands (/indicium
corporis delicti/) im Krper selbst aufzufinden und zu samlen, lst man
den Inhalt des Magens und der Gedrme bei der Obduktion in ein reines
Gefs ausschtten,[283] besieht die sichtlichen Spuren der Verwstung,
und lst dann in ein andres Gefs alles was sich von der innern Haut
des Schlundes, des Magens und der Gedrme abschaben lst, mit einem
nicht alzu stumpfen Messer rein und vllig herausschaben, dieses
(versiegelte) Gefs bezeichnet man mit Nummer I.

. 409. Dann fragt man nach dem Orte, wo der Kranke, whrend des
meisten Erbrechens, gesessen oder gelegen, und in welches Geschirr er
sich bergeben, man lst sich hinfhren, wo beides vorhanden ist. Hat
er sich auf die Erde oder die Dielen gebrochen, so lst man sich das
Tuch reichen, womit das Gebrochene aufgewischt worden; alles, Dielen,
Tuch und Geschirr, oder was sonst noch Spuren vom Ausgebrochenen an
sich trgt, lst man mit kochendem Wasser in ein besonderes Gefs mit
Nummer 3. bezeichnet aus- und abwaschen, bis man glaubt, da nichts
zurck sei.

. 410. Dann lst man die ganze Wohnung durchsuchen, wo sich ein
Gefs befindet, in welchem etwas Verdchtiges zu vermuthen ist. Dies
versiegelt man unter einer Bezeichnung (von Nummer 4, 5 u. s. w.) Dann
kan man sagen, da von den chemischen Indizien des Korpus Delicti
Nummer 1 und 2, das erste und vorzglichste, Nummer 3 das zweite, und
Nummer 4, das dritte in der Ordnung des Beweises und der Ueberzeugung
sei. Man halte dies nicht fr Subtilitten, nichts ist unwichtig,
worauf Leben und Tod, Ehre und Schande beruht.

. 411. An einem schiklichen Orte (allenfals in Beiseyn des Richters
und noch eines Kunstverstndigen) rhrt man Nummer 1 und 2 jedes in
einem besondern reinen glsernen Gefse mit einer msigen Menge reinen
kalten Flieswassers zusammen, giest sobald man etwas Pulverhaftes aus
den Boden hat fallen sehen, das Obenstehende ab, rhrt das Abgegosne
mit noch etwas Wasser an, und giest es wieder von dem etwa wieder zu
Boden Gefallenen ab.

. 412. Alles gewonnene Pulverhafte splt man zusammen mit etwas kaltem
Flieswasser, lst es sezzen, und giest die Flssigkeit zu der vorhin
(. 411.) abgegosnen. Dieses Abschlemmen mit etwas wenigem Wasser
wiederholt man noch etlichemal und schttet keine dazu angewandte
Flssigkeit hinweg; alles dies nzt zu unserm Behufe. Man troknet auf
Fliespapier das abgeschiedne Pulver, ohne Hizze anzubringen, wiegt es,
und hebt es unter Bezeichnung von /A/ auf.

. 412. Sieht das gewonnene Pulver /a/, dem weissen Arsenik hnlich
oder wie /b/, Giftmehle, grau; oder /c/, schwarz wie Fliegenstein,
oder /d/, gelb oder roth wie Operment und Rauschgelb? Hiernach mus die
knftige Arbeit eingerichtet werden.

. 413. Ist kein Pulver abgeschieden worden, oder sieht es wie /a/,
weisser, /b/, grauer oder /c/, schwarzer Arsenik aus, so mus das
Abgegosne von Nummer 1 und 2 (. 411.) nebst den Splwassern (. 411.,
412.) durch ein Tuch gegossen werden. Die Flssigkeit wird unter der
Bezeichnung /B/. aufgehoben.

. 414. Eben so filtrirt man die Flssigkeiten Nummer 3, und hebt es
unter der Etiquette /C/ auf.

. 415. Die im Seihetuche von Nummer 1 und 2, oder von der Flssigkeit
/B/. zurkgebliebnen Hefen werden sechs Stunden lang mit acht Pfund
Wasser gekocht, dann seihet man das Flssige durch und hebt die Hefen
auf, um sie wo nthig zu sublimiren.

. 416. Die lezt erhaltene (. 415.) Flssigkeit, mit der anfnglich
durchgeseiheten (/B./ . 413.) zusammengeschttet, wird so lange
eingekocht, bis die Feuchtigkeit ein Pfund betrgt. Man kan sie
nochmals heis durchseihen, und sie [alpha], nennen.

. 417. Die Flssigkeit /C/. (. 414.) wird bis zum halben Pfunde
eingekocht, heis durchgeseihet und unter der Signatur [beta],
beiseite gesezt.

. 418. Ist eine verdchtige Mischung oder Arznei (. 410.) gefunden
worden und sie ist nicht reines Pulver, so wird das Gemisch mit
etlichen Pfunden Wasser vier bis sechs Stunden gekocht, die Flssigkeit
durchgeseihet, bis zum viertel, halben oder ganzen Pfunde nach
Beschaffenheit der gefundnen Menge eingekocht, und unter dem Titel
[gamma] aufgehoben.

. 419. Jede der eingekochten Fligkeiten behandelt man mit den
gegenwirkenden Mitteln berein, zuerst [alpha], dann [beta] und
endlich [gamma]. Wenn ich also die Untersuchung beschreibe, so gilt
dies von der einen Flssigkeit, wie von der andern.

. 420. Um das Kalkwasser zu verfertigen, glht man ein Stk Kreide
eine Viertelstunde lang und lschet es dann mit wenigem zugetrpfelten
Wasser. Das zerfallene Pulver hebt man in einer verstopften glsernen
Flasche auf. Braucht man es zur Untersuchung, so schttet man etliche
Loth davon in anderthalb Pfund Flieswasser rhrt es um, lst es kochen,
und sich sezzen; sobald es hell ist, wendet man es kochend heis zur
Untersuchung an.

. 421. Das mit Schwefelleberluft gesttigte Wasser bereitet man wie
oben (. 223.) oder man schttet ein geplvertes Gemisch von 120 Gran
Kalkschwefelleber (224.) und 150 Gran gereinigten Weinstein in eine
glserne Flasche, die mit einem Pfunde Flieswasser angeflt ist,
schttelt das Gemisch, nach der Verstopfung, verschiednemale wohl
um, lst es sezzen, und wendet dann bald die milchfarbige stinkende
Flssigkeit zum Gebrauche an, da sie sich nicht lange hlt, und ihre
Luft durch den besten Kork schnell entfliehen lst.

. 422. Den Kupfersalmiak verfertigt man, indem man auf fein
geplvertes braunschweiger Grn kaustischen, oder mit lebendigem Kalke
bereiteten, Salmiakgeist giest, fters umschttelt, und nach einigen
Tagen die dunkelblaue Flssigkeit abgiest, das Verhltnis des Grns
zum Salmiakgeiste lst sich wegen der verschiednen Strke des leztern
nicht genau angeben. Mann kan aber nicht irre gehn, wenn nur genug
braunschweiger Grn dazu genommen wird, und noch etwas davon am Boden
nach etlichen Tagen unaufgelst zurkbleibt.

. 423. Nchstem versiehet man sich noch mit geistiger Brasilienholz-
und Lakmustinktur[284] und mit zerflosnem Weinsteinle.

. 424. Man theilt jede zu untersuchende Flssigkeit in drei Theile.
In den ersten trpfelt man zerflosnes Weinsteinl; braust das Gemisch
oder scheidet sich ein Bodensaz, so fhrt man mit dem Zutrpfeln
fort, bis kein Brausen mehr zu spren oder bis kein Niederschlag mehr
erfolgt. Leztern scheidet man ab, troknet ihn und hebt ihn auf. Sieht
er ziegelfarbig aus, so war das Gift vermuthlich Queksilbersublimat.

. 425. In die abgehellete (. 424.) Flssigkeit trpfelt man so lange
Kupfersalmiak (. 422.) bis kein grngelblicher Niederschlag sich mehr
erzeugt. Erfolgt kein solches Przipitat oder Trbung, so ist es
schon so ziemlich (und wenn die brigen beiden Versuche das nehmliche
sagen, ganz) gewis, da kein Arsenik in der in drei Theile getheilten
Flssigkeit war.

. 426. Der erfolgte und zu Boden gesunkene (. 425.) grngelbe
Niederschlag wird durchs Abgiessen und Filtriren geschieden und
getroknet aufgehoben. Es ist Kupferarsenik (Scheelisches Kupfergrn),
wovon 267 Gran 102 Gran Kupfer und 165 Gran Arsenik halten, nach
meinen wiederholten Versuchen. Auf glhende Kohlen oder ein hnliches
Kupferblech geschttet, giebt dieser getroknete Niederschlag den
gewhnlichen Arsenikgeruch zum unverwerflichen Beweise seines Daseyns.
Dieses Przipitat lset sich in Wasser nicht, wohl aber in kaustischen
Salmiakgeiste und in Suren, nur nicht in Arsenikwasser, wieder auf.

. 427. In den zweiten Theil der Flssigkeit giest man ohne weitere
Vorbereitung[285] eben so viel kochendheisses helles Kalkwasser (.
420.) als man Flssigkeit vor sich hat. Ist beim ersten Versuche (.
424.), beim Eintrpfeln des Weinsteinls in den ersten Theil, ein
ziegelfarbiger Niederschlag erfolgt, so wird hier ein gelber (zum
Erweise des Sublimats) entstehen.[286] Man scheidet ihn ab und troknet
ihn zum Aufheben.

. 428. Erfolgte beim Zugiessen des Kupfersalmiaks ein grngelbes
Przipitat, so wird hier ein weisser, schwerniederfallender
Niederschlag erscheinen, welcher abgeschieden und getroknet, dann mit
Oel getrnkt und auf glhende Kohlen getragen, seinen Knoblauchgeruch
gar bald verbreitet. Er lset sich in frischem starken Arsenikwasser
wieder auf.

. 429. In den dritten Theil der getheilten Flssigkeit giesset man
ebenfals ohne weitere Vorbereitung[287] soviel Schwefelleberluftwasser,
bis nichts sich mehr davon trbt. Erscheint die Wolke augenbliklich
gelbbraun, frbt sich aber dann sogleich ganz weis, so ists Beweis vom
Queksilbersublimat. Verbreitet sich aber eine pomeranzgelbe Wolke, so
lst man sie sich sezzen, scheidet den Opermentsaz ab, troknet ihn,
wirft ihn auf glhende Kohlen, und bemerkt zuerst den schwefelgeistigen
endlich den Knoblauchgeruch, zum berfligen Beweise des vorhandnen
Arseniks.

. 430. Ist das anwesende Gift Arsenikmittelsalz, oder hat man
laugenhafte Dinge dem Vergifteten als Gegenmittel (Seifwasser u. s. w.)
gereicht, so erfolgt in beiden leztern (. 427., 428. und 429.) Fllen
kein Niederschlag. Denn auf das Zugiessen des Kupfersalmiaks erfolgt
doch das gelbgrne Kupferarsenikprzipitat, wenn die Flssigkeit auch
gleich Arsenikmittelsalz[288] war. Diese mittelsalzige oder berwiegend
laugensalzige Natur der Flssigkeit entdekt die Lakmustinktur dadurch,
da sie blau damit bleibt und in lezterm Falle die Brasilienholztinktur
dadurch, da sie die Fligkeit violet frbt, statt roth. In
diesem Falle wird so lange Essig in die Flssigkeit getrpfelt und
umgerhrt, bis die Lakmustinktur sich damit etwas roth frbt, die
Brasilienholztinktur aber roth bleibt. Diese Farbeproben kan man,
die Weitluftigkeit zu vermeiden, eher anstellen, ehe mit Kalk- oder
Schwefelleberluftwasser der Versuch gemacht wird.

. 431. Im Vorbeigehn erinnere ich, da mit Schwefelleberluft
gesttigtes Wasser auch die brigen schdlichen Metalle anzeigt.
Sublimat,[289] wie schon gesagt, durch einen gelbbraunen aber
sogleich in die weisse[290] Farbe bergehenden Niederschlag. (Der
Kupfersalmiak bewirkt einen weissen Niederschlag, Kalkwasser
einen gelben.) Kupfer wird es seyn, wenn der Niederschlag mit
Schwefelleberluftwasser braunschwarz, mit Kalkwasser grn, mit
Kupfersalmiak aber blaugrn erscheint. Brechweinstein wird es seyn,
wenn mit Schwefelleberluftwasser ein ziegelrother (Mineralkermes), mit
Kalkwasser ein weisser,[291] mit Kupfersalmiak aber kein Niederschlag
erscheint, die Flssigkeit zieht sich in lezterm Falle ins Grne,
bleibt aber helle. Da Bleigifte keine Erscheinungen darbieten, die mit
der Arsenikvergiftung leicht verwechselt werden knten, so brauche ich
hier nicht zu erinnern, da Bleizucker mit Leberluft sich schwarz,
ist aber Arsenik dabei schn dunkelroth, und ist Sublimat dabei,
schmuzigroth niederschlgt. Mit Kupfersalmiak und mit Kalkwasser ist
der Niederschlag weis. Silbersalpeter giebt mit Leberluft einen fast
ganz schwarzen, mit Kupfersalmiak einen blaugrnlich weissen und mit
Kalkwasser einen schwrzlich grauen Niederschlag.

. 432. Alle bisher angefhrten Erscheinungen (. 425.-430.) erfolgen
deutlich und bestimt, wenn weisser Arsenik, Giftmehl, oder auch
Fliegenstein vorhanden war, denn durch das sechsstndige Kochen lset
sich sogar lezterer reichlich auf, und kmt durch das Inspissiren (.
416.) sogar konzentrirt in die Flssigkeit. War es aber Operment oder
ein andrer geschwefelter Arsenik, dann erscheint mit dem Kalkwasser und
dem Leberluftwasser keine Aenderung. Der Kupfersalmiak aber giebt auch
mit dem Opermentwasser einen Niederschlag, der zwar anfnglich nicht
gelbgrn sondern grnlich grau aussieht, aber auf Kohlen dennoch seinen
Knoblauchgeruch zeiget.

. 433. Blos in diesem leztern (. 432.) Falle wird das festere
Rkbleibsel (. 415.) von Nummer 1 und 2 des Magen- und Darminhalts,
nachdem es getroknet worden, sublimirt, in einer glsernen wohl mit
ihrer Vorlage verktteten Retorte, bei starkem Feuer aus dem Sandbade.
Der Operment, oder das Rauschgelb wird an dem untersten Theile der
Wnde des Sublimirgefses anfliegen. Man versucht es auf glhende
Kohlen, und der anfnglich schwefelgeistige, dann schwefelgeistig
knoblauchartige, und endlich der knoblauchartige Geruch allein, mit
dem kleinen blauen, bei seiner Entzndung, erscheinenden Flmchen
verbunden, werden ber die Anwesenheit eines vererzten Arseniks keinen
Zweifel brig lassen. War also das aus dem Rkbleibsel sublimirte
irgend ein geschwefelter Arsenik, so wird beim Schlemmen (. 411., 412.)
stets ein Pulver abgeschieden worden seyn, welches mit dem Sublimirten
hinlngliche Aehnlichkeit haben, und im Feuer dieselben Erscheinungen
und Gerche spren lassen wird.

. 434. Ist aber das ausgeschlemte Pulver /A/ (. 412.) von andrer
Natur, weisser Arsenik, Giftmehl, oder Fliegenstein (denn ob es ein
Arsenikgift berhaupt war, lehrten schon die Flssigkeitsproben (.
424. bis 432.) zur Ueberzeugung) so wird man es schon an dem Ansehn
ernennen. Will man sich noch zum Ueberflusse von der Natur des Pulvers
berzeugen, so kan man, wenn es wenig ist, es durch Kochen im Wasser
auflsen und dann die beschriebnen nassen Proben damit unternehmen.
Hat man aber hinlnglich viel ausgeschlemt, so kan man auch die
troknen Proben damit vornehmen, aber die flssigen (wenigstens die mit
Kupfersalmiak) drfen nicht unterbleiben, da sie die beweisendsten sind.

. 435. Hat man also des Pulvers genug, so kann man, wenn es wie
weisser Arsenik (oder wie Operment) aussieht, etliche Grane auf
eine glhende, geruchlose harte Kohle tragen, und den betubenden
Knoblauchgeruch und den weissen Dampf bemerken. War es dem Ansehn
nach Fliegenstein, so kan man diesen Versuch auf einem glhenden
Kupferbleche anstellen, um den schwarzbraunen Fleck gewahr zu werden,
der nach der Verdampfung des Arseniks, in der Grse des Gifthufchens,
eingezt seyn wird. Der Versuch geschehe nun auf Kohlen oder auf einem
Kupferbleche, so halte man in beiden Fllen ein (eisernes) Schwarzblech
dicht ber das rauchende Pulver, um den weisen Schmauch (weisser
sublimirter Arsenik) an dem schwarzen Bleche zu bemerken.

. 436. Auch kan man, wenn des Pulvers noch genug ist, und nicht wie
Operment[292] aussieht, etliche Grane davon in glhend schmelzenden
Salpeter[293] tragen; das kleine erfolgende Aufbrausen, und der drauf
aufsteigende Scheidewassergeruch wird eine grose Besttigung der
Gegenwart des Arseniks seyn. Man hte sich aber beim Eintragen des
Pulvers ja nicht etwas von Fett oder Kohle in den glhenden Salpeter
fallen zu lassen, man knte aus mehr als einer Absicht unglklich durch
diese Verpuffung werden.

. 437. Da sich Operment zu dem leztern Versuche nicht schikt, so kan
man statt dessen, wenn man Vorrath hat, sich von der Gattung und der
Gefhrlichkeit des geschwefelten Arseniks dadurch berzeugen, da man
das Pulver in einem Knigswasser, welches fast ganz aus Salzgeiste
und nur weniger (die Auflsung zu erleichtern) hinzugetrpfelter
Salpetersure besteht, so lange digeriren lst, bis das Zurkgebliebne
durch seine graue Farbe die Reinheit des brigen Schwefels erweiset.
Das Gewicht wird das Verhltnis des Schwefels geben, auch kan aus der
Flssigkeit der Arsenik durch Zink niedergeschlagen werden,[294] wenn
man vorher Weingeist dazu gegossen hat.

. 438. Noch etwas als Anmerkung. Fllt der Versuch (. 424., 425.,
426.) mit dem Kupfersalmiak berzeugend aus, und das Przipitat hat
ausser seiner gelbgrnlichen Farbe, auch einen Knoblauchgeruch auf
Kohlen, so kan man sich zuversichtlich, ganz allein auf diesen Versuch
verlassen. Der Kupfersalmiak mus vllig mit Kupfer gesttigt seyn, um
einen Theil Arsenik oder Operment in 5000 Theilen Wasser zu erkennen
zu geben.

. 439. Ich bereite das Kalkwasser deshalb kochend, weil Wasser mehr
als noch einmal soviel Kalksubstanz bei dieser Hizze als in der Klte
auflst, das Reagens folglich bei weitem krftiger wird. Wiewohl auch
kaltes Kalkwasser, wenn die Arsenikauflsung nur nicht allzuschwach
ist, schon seine Dienste thut und weisse Wolken zeigt.[295] Der
niederfallende weisse Saz ist so schwer auflslich, da zu einem
Theile desselben 2100 Theile kaltes Wasser erfordert werden. Dieser
Niederschlag unterscheidet sich vom Weinsteinselenit (denn Kalkwasser
giebt mit Vitriolsure keinen Selenit, wegen des leztern leichtern
Auflslichkeit, als Kalk besizt) da sich ersterer in Essig und
Arsenikwasser, aber nicht lezterer, auflst.[296]

. 440. Mit Schwefelleberluft gesttigtes Wasser bildet in einer wenig
gesttigten Arsenikauflsung zuerst eine durchsichtige Gilbe, nach
einigen Minuten begint die Flssigkeit erst trbe zu werden und nach
mehrern Stunden erscheint dann nach und nach der lokere pomeranzengelbe
Niederschlag, den man mit einigen zugetrpfelten Tropfen Weinessig
beschleunigen kan. Auch krftiger Weingeist befrdert den Niederschlag
in diesem Falle. Zerflossenes Weinsteinl macht den Niederschlag
verschwinden.

. 441. Beobachtet man angezeigte Vorsichten und Einschrnkungen,
so wird man nicht nur das mindeste Daseyn des Arseniks in der
vorbereiteten Flssigkeit durch die genanten, genau bereiteten,
Probeflssigkeiten zur berflssigen Gewisheit ausmitteln, sondern auch
andre hnlich wirkenden Metalsalze werden durch dieselben Versuche im
unzweideutigsten Lichte erscheinen. Die im nassen und im Feuerwege, auf
angegebne (. 435., 436.) Art, probirten, etwa ausgeschlemten, Pulver
werden dem gerichtlichen Arzte ber das Daseyn oder die Abwesenheit des
Arseniks gleichfals keine Zweifel brig lassen.




Zwlftes Kapitel.

Lethalittsurtheil.


. 442.

Dem Arzte liegt ferner ob, den Grad der Tdlichkeit geschehener
Vergiftungen zu bestimmen. Wenn Vergiftungen mit Wunden und
gewaltthtigen Verlezzungen in Paralele zu sezzen wren, und wenn die
Gesezze beiden Vergehungen gleichen Rang anweisen wolten, so wrde
nicht nur der Richter, sondern auch der Arzt leichtes Spiel haben, zu
urtheilen und zu entscheiden.

. 443. Wenn nun auch gleich die gewaltthtigen Verlezzungen mit
Vergiftungen nicht vllig verglichen werden knnen oder drfen, so
lassen sich doch manche sehr nthige Aehnlichkeitsschlsse aus erstern
auf leztere ziehen.

. 444. Da beigebrachtes zzendes Gift, wenigstens Arsenik, keine
Verlezzung oder Zerstrung bewirken wrde, wenn der Krper nicht
vielfach reagirte, und da diese wechselseitigen Reaktionen des Gifts
und der Krfte des thierischen Krpers auf einander ungleich langsamer
als ein Degenstos oder Hieb auf die Zerstrung des Lebens und der
Gesundheit wirken (indem Gift nur durch Verweilen auf der empfindlichen
Faser und so nur mit nach und nach erhheter Kraft schdlich wird,
die Hinwegrumung des beigebrachten Giftes sich auch mglich, die
Ungeschehenmachung einer Wunde aber auf gleiche Weise unmglich
denken lst;) so htte man vermuthet, da die strafende Gerechtigkeit
Vergiftungen gelinder als gewaltthtige Verlezzungen htte beurtheilen
sollen, wenn nicht bei Verwundungen Vorsezlichkeit ungleich weniger als
Uebereilung und Nothwehr gewhnlich wre (bei Vergiftungen fast immer
der umgekehrte Fall,) und wenn der Gesetzgeber die bei Vergiftungen
so gewhnliche Schwierigkeit der Ausmittelung des Thatbestands
(/corpus delicti/) anderst als durch Erhhung der Strafe des Ertapten
kompensiren zu knnen geglaubt htte; ein Ausweg, der, so viel thulich
war, diese wegen schwieriger Entdekbarkeit so leicht mglichen
Meuchelmorde vermindern und zurkschrecken solte.

. 445. Diese Schwierigkeit, Vergiftungen auszumitteln, mus unsern
Voreltern fast unbersteiglich geschienen haben, da die rmischen
Gesezze[297] bei Giftmischereien schon die Nachstellungen nach dem
Leben, =Carl der fnfte=[298] aber die Verlezzung des Leibes oder
Lebens fr eine volbrachte, der vollen Todesstrafe wrdige, Vergiftung
achten.

. 446. Gienge es noch jezt in der Ausbung nach der Strenge dieser
offenbar allzu allgemeinen Gesezze, so htten wir in den wenigsten
Fllen nthig, den Arzt zur gerichtlichen Leichenbesichtigung zu
bemhen. Wissen wir dann auf irgend eine Art, da ein schdliches
Ding beigebracht worden, so mus es der Gesundheit geschadet haben;
(welches an sich schon im Begriffe Gift liegt) ist dies bewiesen, so
ist dem Sinne der Halsgerichtsordnung, wenigstens nach dem Willen ihrer
unerbittlichen Ausleger[299] schon Genge geschehen; Der Delinquent
sei zur hchsten Todesstrafe qualifizirt.

. 447. Gehen wir den rmischen Gesezzen nach, so ist des Arztes
Gutachten ganz und gar berflssig. Blos der Richter hat nthig, sich,
vom Attentat durch Zeugenverhr oder sonst zu berzeugen, um an den
Angeschuldigten die hchste Strafe zu volstrecken.

. 448. Seitdem sich aber Menschenliebe[300] zur Auslegerin
dieser so streng und algemein scheinenden Gesezze aufgeworfen
hat, seit tiefsinniges Wahrheitforschen an die Stelle indolenter
Gestndniserpressungen getreten ist, seit man Weisheit, sie sei neu
oder alt, an die Spizze aller vorhandnen Gesezze zu stellen gewagt hat,
seit dem hat man die Strafe dem Verbrechen genauer anzupassen gesucht,
indem man den Thatbestand der Vergiftungen aus vervielfltigteren
Erkenntnisquellen, folglich reiner und gewisser, schpfte, um nicht
nach dem alten Fuse, aus dem, der das Unglck hatte, sich auf der
Vergiftungsthat plumperweise ertappen zu lassen, einen Fluch fr alle
diejenigen oft strafwrdigern Vergifter zu machen, zu deren Entdeckung
die alte Praxis nicht zureichte; und so erlangte man die Absicht der
alten Gesezze (die Strafe nach dem Verbrechen abzuwiegen und diesem
Laster auf das krftigste Einhalt zu thun) durch volle Strenge gegen
den wichtigern, und angemessenere Milde gegen gelindere Verbrecher --
Resultate mhsamer Untersuchungen von Mnnern, die mit erleuchtetem
Blicke in die dunkelsten Schlupfwinkel des Lasters nach Wahrheit
herabzusteigen und den Schleier der Unschuld zu durchschauen vermogten
und, der Menschheit zur Ehre, wrdigten.

. 449. Was wir also, durch unermdete Nachforschungen geleitet, bei
geringern Verbrechern von der Strenge der alten Gesezze nachlassen,
knnen wir durch unwiderstehlichere Ueberfhrung des Schuldigern,
durch Aufsprung einer grsern Zahl dieser Meuchelmorde, durch
Losschlagung unverdienter Ketten, durch krftigere Vorbauungsanstalten
bei Handhabung und Verkaufung der Gifte, durch hlfreichere Gegenmittel
ihrer Wuth, u. s. w. reichlich ersezzen, und so die Mglichkeit
der Vergiftungen und ihre verwstenden Folgen weit nachdrcklicher
schmlern, als unsre lieben Alten, bei denen Naturwissenschaft, auch,
wenn man will, Arzneikunde, so zu sagen, noch in der Wiege lag; zu
geschweigen, da wir durch Milderung[301] der Strafe fr diejenigen,
welche ihre That zeitig entdecken oder dem Vergifteten selbst Rettung
zu verschaffen suchen, jene sonst, als keine Erleichterung der Strafe
fr Hlfe verstattende Reue zu hoffen war, gewhnliche Verheimlichung
der That und ihre unseeligen Folgen hinwegrumen.

. 450. Bei gewaltthtigen Verlezzungen braucht der gerichtliche Arzt
blos auszumitteln, ob die Verlezzung, ungeachtet aller mglichen
Bemhungen des Wundarztes, durchaus tdlich ausfallen muste, ob sie
wegen mangelnder Hlfe (an sich tdlich) oder durch Zuflle, die nicht
nothwendige Folgen der Verlezzung sind, (zufllig) tdlich ward.

. 451. Diese Klassifikazion will man nun dem Arzte auch bei
Vergiftungen aufdringen, er soll genau entscheiden, ob sie durchaus,
an sich oder zufllig tdlich ausgefallen sei. Man bedenkt aber die
Unterschiede nicht, die sich zwischen gewaltthtiger Verlezzung und
Vergiftung befinden.

. 452. Erstere fallen dem Verlezten, wie den Umstehenden, wenigstens
dem Aeussern nach, leicht in die Augen, leztere sind Beiden so
lange ein Rthsel bis der Thter sein Verbrechen gesteht oder ein
einsichtsvoller Arzt auf die Spur kmt. Im erstern Falle sucht
der Verlezte selbst Hlfe, im leztern mus der Vergifter die Hlfe
veranlassen, da der Vergiftete selbst nicht weis, was mit ihm
vorgegangen ist.

. 453. Erstere sind unmittelbare Zerstrungen des Krpers; die
Gifte wirken nur durch Verweilen auf der empfindlichen Faser, knnen
folglich, was jene oft im Augenblicke thun, grstentheils nur nach
einer geraumen Zeit ausrichten. Die gnzliche Hinwegrumung eines
beigebrachten Giftes ohne merklichen Nachtheil der Gesundheit lst
sich, da es ein additioneller Krper ist, als mglich denken, eine
Wunde ist eine schon geschehene Verlegung, die sich nicht wie ein
nachtheiliger Krper hinwegziehn lst.

. 454. Nur die nach und nach steigende Wirkung des Arseniks ist,
was man Vergiftung nennen kan, dies sezt einen bei der Gifteingebung
beginnenden Zeitraum voraus, in welchem selbst der schdlichste Stof,
so lange er seine Wirkung noch nicht ausgebreitet hat, ziemlich ohne
Beeintrchtigung des Lebens und der Gesundheit hinweggerumt werden
kan. Ist diese Gnadenzeit ohne Hlfe vorber, dann erst ist die That
volbracht. Beim Degenstose hingegen ist auf einmal, was geschehen
solte, geschehen.

. 455. Es giebt Gegengifte, aber keine wunderthtige Waffensalbe,
die geschehne Verlezzungen so ungeschehen machen knte, wie
Potaschauflsung Vergiftung mit Scheidewasser oder Vitrioll
augenblicklich ungeschehen macht.

. 456. Die Wirkungen eines Messers sind jedermann bekant, aber was
dies oder jenes Gift in unserm Krper fr Zerstrung anrichte, ist oft
Aerzten nicht, am wenigsten dem Vergifter wissend. Kente lezterer die
grausamen Qualen, die den unglcklichen Gegenstand seines Grolls bis
zum Tode foltern werden, schwerlich whlete er Gift. Zu der Zeit, wenn
das Steigen der Marter des Vergifteten, die jenem nicht trumete, nun
seine Reue erwekt, ist gewhnlich eine zgernde Hlfe zu spt.

. 457. Langsame oder almhlig gereichte Gifte wirken Zerstrungen, die
kein verlezzendes Instrument so unsichtbar, so langsam, und ohne Wunde
oder Narbe anzurichten im Stande ist.

. 458. Ein kleines gleich unter der Haut zerschnittenes
Pulsaderstchen kan so viel Blut aus dem Krper sprizzen, da der Tod
erfolgt, der dem Verwunder nicht zu Schulden kmt, wenn der Verwundete
diese kleine Wunde mit seinen Fingern zuzudrcken unterlst. Aber eine
kleine Vergiftung von etlichen Granen Operment kan in Rksicht des
Thters durchaus tdlich geachtet werden, wenn lezterer alles Mgliche
that, diese geringe Giftgabe zum tdlichen Ausgange zu bringen.

. 459. Ein durchschossenes Herz bringt bekantlich eine absolute
Tdlichkeit mit sich, aber eine grose Gabe weisser Arsenik (wenn
es auch ein halbes Loth wre)[302] kan durch zeitige zweckmsige
Behandlung fast ohne Nachtheil aus dem Krper geschaft werden.

. 460. Es giebt berhaupt keine Gabe Arseniks (ja nicht einmal
Queksilbersublimats) deren Grse eine absolute Tdlichkeit enthielte,
der vergiftete Krper mgte auch noch so gesund und stark, die Zuflle
von aussen noch so gnstig, die Hlfe des Arztes noch so schleunig und
passend, der Wille des Vergifteten noch so biegsam, und der Eifer der
Pflegbesorger auch noch so erwnscht seyn. Es giebt keine an sich so
tdliche Arsenikvergiftung, wie etwa eine Wunde ist, von der alle gute
Umstnde, alle menschliche Hlfe den Tod nicht abwenden knnen.

. 461. Diese auffallenden Verschiedenheiten der Gifte und
Wunden machen die fr Wundlethalitten (. 450.) geschaffene
Norm, die der gerichtlich urtheilende Arzt zur Gradleiter der
Vergiftungstdlichkeiten annehmen soll, unbrauchbar; meines Bednkens
nach sollte es folgende seyn.

. 462. Da die strafende Gerechtigkeit die Grade der Lethalitt
von der Einsicht des gerichtlichen Arztes nur in der Rksicht
erheischen kan, in wiefern der Vergifter durch diese Grade gravirt
oder vertheidigt werden kan, so kan auch der Arzt keinen andern
Gesichtspunkt zur Erforschung der Tdlichkeit einer Vergiftung
erwhlen, als in wie ferne der Ausgang dem (ganzen) Verhalten des
Vergifters gegen den Unglklichen (nchst der Giftgabe) beizumessen
sei, und welchen Theil das schlechte Verhalten des Verstorbenen
whrend seiner Vergiftungskrankheit, in seinem Krper liegende, vor
der Obdukzion unsichtbare todbeschleunigende Krankheitsanlagen, und
widrige, von aussen hinzukommende unabnderliche Umstnde (drei
Dinge, die sich ohnehin der Strafe der Gesezze entziehn), so wie die
Vergehungen des Arztes und der Pflegbesorger (beide werden berhaupt
als Nachligkeitsvergehungen, /culpa/, angesehn) von der Grse des
Verbrechens abziehn.

. 463. Beherzigen wir das Gesagte und Folgende, so werden wir
gezwungen seyn zu gestehen, da bei Arsenikvergiftungen (so wie bei
andern) die Giftgabe selbst immer den geringsten Theil des Verbrechens
eines Vergifters, die nachherige Behandlung aber und sein Betragen
gegen den Unglklichen bei weitem das meiste ausmache, was ihn graviren
oder seine Strafe mildern knne; so wie man annehmen mus, da alle bei
der Vergiftungskrankheit vorwaltenden, todbefrdernde Umstnde, die
nicht vom Vergifter abhiengen, auch ihm nicht knnen zur Last gelegt
werden.

. 464. Warum solte auch die dem gewaltthtigen Verlezzer zur
Entschuldigung anzurechnende, innere mitwirkende Todesursache,
schlechtes Verhalten des Kranken und der Pflegbesorger nebst den
widrigen zuflligen Umstnden dem Vergifter in gewissen Fllen nicht
ebenfalls zu gute kommen?

. 465. Gesezt, er gab dem Unglklichen Gift, fhlte aber sogleich
Reue, suchte der Gefahr ernstlich abzuhelfen, es geschahe alles, was
in seinem Vermgen stand, die Vergiftung war unwichtig und leicht
hinwegzurumen, und der Kranke starb dennoch, grstentheils aus
andern, nicht in der Wissenschaft oder Gewalt des Vergifters liegenden
Ursachen, die der gerichtlich obduzirende Arzt entdekt; warum sollen
ihm diese und hnliche Umstnde nichts von der Grse des Verbrechens
mildern?

. 466. Hieraus folgt, da bei gleicher Vorsezlichkeit und Hinterlist
bei der That, auf der andern Seite aber bei gleicher Wilfhrigkeit
des Verwunders wie des Vergifters, dem angegriffenen Gegenstande
nach der That alle Hlfe zu schaffen, von der Grse des Verbrechens
eines Vergifters um soviel mehr abgezogen werden msse, als das Gift
(Arsenik) lngere Zeit zur tdlichen Wirkung braucht, als ein Sbelhieb
durch die Hirnschale zu dringen nthig hat; doch mit dem gerechten
Zusazze, da ein Vergifter durch strfliches Betragen (Verlassung,
versagte, verhinderte Hlfe, todbeschleunigende Vorkehrungen u. s. w.),
alles was der Giftgabe an Tdlichkeit und folglich seinem Verbrechen am
vorsezlichen Todschlage abgieng, so gewis ergnze, als einem Verwunder,
der dem Angegriffenen eine geringe usserliche Schlagader fnete,
nachdem er ihn des Gebrauchs seiner Stimme und seiner Gliedmasen
beraubt hatte, (und so, was seiner Verschuldung des tdlichen Ausgangs
durch die Geringfgigkeit der Wunde abgieng, durch bsliche Anstalten
ersezte) der ganze vorsezliche Mord zu Schulden kmt.

. 467. Aus allen diesen Rksichten theile der gerichtliche Arzt, um
ein richtiges der Vergiftungs- Lethalitt im arzneilichen und dem
Vergiftungsverbrechen im Sinne des Richters angemessenes Urtheil
zu fllen, die zur Tdlichkeit zusammengetretenen Umstnde in ihre
gehrigen Klassen.

. 468. Er untersuche vorerst, was der Thter zur Tdlichkeit beitrug:
1.) Die Grse der Gabe des schwchern, strkern und strksten
Arsenikgiftes, 2.) die ungnstigen vom Vergifter vorauszusehenden und
abhngenden Umstnde bei der Giftreichung, 3.) die sichtlich (folglich
dem Vergifter bekante) Schwche, Krnklichkeit und Unvermgenheit
des Umzubringenden, die vorhabende Vergiftung zu berstehen, 4.) die
Befrderung des tdlichen Ausgangs (nach der Giftreichung) durch
bsliches Betragen.

. 469. Was den ersten Punkt betrift, so sezze ich Obiges (. 459.,
460.) voraus, da man keine an sich tdliche Arsenikgabe annehmen
knne, und jede grose, wie die geringste, es erst durch die Umstnde
werde.

. 470. Gewhnlich wird die Vergiftung nur akzidentel tdlich, wo
gesunde Personen von 3 bis 10 Jahren 1/8 bis 1 Gran; von 10 bis 20
Jahren 1-1/8 bis 2 Gran; von 20 bis 30 Jahren allenfals 3 Gran, und von
30 und mehrern Jahren hchstens[303] 4 Gran weissen Arsenik aufgelst,
in festen Speisen (seltner in Pulvergestalt) verschlukt haben. Sie
genesen hievon grstentheils von selbst, ohne sonderliche Hlfleistung
(als etwa mittelst einiges Getrnks, das man ihnen auf ihr Verlangen
nicht abschlgt) nach Erbrechen und Durchlauf. Die berhandnehmenden
und zur Schwche herabsinkenden Jahre von 65 bis 70 an, mus man in
Absicht einer zufllig tdlich zu beurtheilenden Arsenikgabe, wie
die absteigenden von 20 bis 3 Jahren ansehn. Haben die Umstnde, die
diese Gaben tdlich machten, vom Vergifter abgehangen, so hat er sie
(durchaus) tdlich gemacht.

. 471. Durch Zusammenhaltung einer unnennbaren Zahl
Arsenikvergiftungen lterer und neuerer Zeiten, so wie meiner
einigen Praxis, glaube ich im Stande zu seyn, die Verhltnisse der
(Geschwindigkeit zu tden) Tdlichkeit des weissen Arseniks, des
Fliegensteins und des Operments wie 48:12:1. anzunehmen, ungeachtet
die Auflsbarkeit dieser Arsenikarten im Wasser (die man verleitet
werden knte zur Norm zu erwhlen) sich wie 200:25:1:5000 verhlt; aber
unstreitig ist die Auflslichkeit des Fliegensteins und Operments im
Magensafte um so viel grser als im Wasser. Giftmehl kmt dem weissen
Arsenik an Auflslichkeit am nchsten, die knstlichen Arsenikerze,
rother und gelber Arsenik, sind noch etwas schdlicher als Operment.

. 472. In Rksicht des zweiten Punkts (. 468., 2.) bemerke man,
da gleiche Gaben (vorzglich weissen Arseniks) in Pulvergestalt in
den leeren Magen, in Auflsung in den leeren Magen, ohne oder mit
Getrnke beigebracht, mit geringerer oder grserer Menge Getrnke von
wsserichter oder schleimichter Beschaffenheit, in Pulver unter feste
Speisen gemischt, in Auflsung unter festen, wenigern oder mehrern
Speisen von unzusammenhngender, breiichter oder schleimichter Art,
da gleiche Gaben Arsenik, sage ich, nach angefhrter Stufenfolge
verschlukt, auch nach Masgabe derselben immer unschdlicher und
untdlicher geachtet werden mssen; da man ferner darauf zu sehen
habe, ob das Gift (auf Vorwissen des Vergifters) dem Kranken nach
erregtem Zorne und Aergernis, oder nach Ueberladung mit hizzigen
Getrnken u. d. gl. beigebracht worden sei, in welchen Umstnden die
Magenentzndung schneller um sich zu greifen pflegt. Vorhergegangener
Hunger oder Volheit des Magens vor dem Giftnehmen gravirt mehr oder
weniger, wenn diese Umstnde dem Delinquenten bekant waren. Vorzglich
sezt die Giftreichung unter Umstnden, wo die Unmglichkeit,
zwekmsige Hlfe zu erreichen sichtbar ist, ein Nahmhaftes zu seiner
Frevelthat hinzu.

. 473. Was den dritten Punkt (. 468., 3.) anlangt, so hat man
ungeachtet aller Unentschlossenheit vieler Schriftsteller[304]
anzunehmen, da, so wie bei gewaltsamen Verlezzungen, derjenige, der
einen Schwchlichen, Kranken oder sonst unfhigen die vorhabende
Vergiftung zu berstehen, vergiftet, an dem erfolgenden Tode desselben
allerdings Ursache sei, in soferne er diese Hindernisse der Rettung
voraussahe.

. 474. Wste er, oder muste er wissen, da der unglkliche Gegenstand
seines Hasses zur Cholera, zur Lungenentzndung, zu Verhrtungen
und Eiterungen der edlen Eingeweide, zu Polypen des Herzens, zu
Schlagflssen, zu Blutstrzen und dergleichen todbefrdernden
Krperanlagen geneigt, oder ihnen (eben jezt) wirklich unterworfen war,
so erhhet dieses sein Verbrechen in dem Grade, den man nach genauer
Untersuchung dieser Disposizion zur Befrderung des Todes einrumen
mus. Bei ihm ist die Lehre vom Kontrakt[305] (/per analogiam iuris/)
anzuwenden. Wer mit einem Vertrge schliest, soll die Beschaffenheit
dessen wissen, oder weis sie auch, mit dem er sie schliest.

. 475. Der vierte Punkt (. 468., 4.) oder die Befrderung des
tdlichen Ausgangs (nach der Giftreichung) durch bsliches Betragen
beschftigt sich mit dem wichtigsten Gegenstande des Verbrechens
des Vergifters, da es gewis ist, da es wenigstens an sich keine
absoluttdliche Arsenikvergiftung geben kan, sondern erst durch
Umstnde dazu wird. Sofern diese Umstnde (hier, nach der Giftgabe) in
der Kentnis und Wilkhr des Vergifters lagen, in soweit ward auch die
Vergiftung durch ihn tdlich.

. 476. Alle Verlassung des Kranken nach der Giftgabe, alle
Verschweigung und Vermntelung gereichten Giftes und seines Namens,
alle Verschiebung, Versagung oder Verhinderung zwekmsiger Hlfe, alle
unnzze oder zwekwidrige Mittel, die der Thter veranstaltete, oder
mit Fleis nicht hinderte, alle Entfernung der Umstnde und Personen,
die ein Mittel zur Erreichung der Hlfe abgeben konten, alle sonst
erweisliche, veranstaltete oder zugelassene bse Behandlung durch
Drohungen, Schmhreden, Schlagen und Mishandeln des Vergifteten,
stark geheizte Stuben, Belastung mit Betten, Reichung hizziger
Getrnke, selbst wenn sie der Kranke verlangt htte, u. d. gl. mssen
zur Summe seines Verbrechens geschlagen werden, wenn der Ausspruch
des nachdenkenden Arztes ber den Grad der Tdlichkeit (d. i. des
Verbrechens) gehrt wird.

. 477. War bei dem Vergifter der erste Theil der That, die
Giftreichung selbst, Vorsaz, (/dolus/) so mus der zweite (grsere)
Theil derselben, die nachgehende bsliche Behandlung stets etwas mehr,
als Nachlssigkeit (/culpa/) mus /dolus/ seyn, kan wenigstens nie
zur Zuflligkeit herabgestimt werden, im Falle und in sofern ihm die
Schdlichkeit seines Betragens bekant war, oder bekant seyn muste.

. 478. Eben deshalb aber, weil der grsere und wichtigere Theil der
Vergiftung auf dem nachgehenden Betragen des Vergifters gegen den
Vergifteten beruhet, kan auch ein groser Theil[306] des Verbrechens
durch reuige, hlfreiche und unermdete Anstalten, ausgelscht werden;
da es billig ist, dasjenige Bezeugen des Thters, dessen Gegentheil ihm
zum vorsezlichen Verbrechen anzurechnen ist, zur Verminderung seiner
Schuld in Rechnung zu bringen, ebenso wie Cajus, der den Titus bei
Nacht ins Wasser strzte, allerdings strafbar ist, ob er ihn gleich
wieder rettete (oder alle Mhe ihn zu retten sogleich anwandte);
doch ungleich weniger, als wenn er nach dem Einsturz entwich, oder
den Emporkommenden wieder untergetaucht, oder die zu Hlfe Eilenden
abgehalten htte.

. 479. Ich gehe zur zweiten Klasse der verschlimmernden oder Tod
beschleunigenden Umstnde ber, deren Abwendung nicht im Vermgen
des Vergifters stand, ob sie gleich an sich mglich war. Alles, was
sich der Arzt durch Versptung und Nachlssigkeiten in der Heilung,
was sich der Kranke selbst, die Pflegbesorger und andre mit der
Vergiftungskrankheit verflochtene Personen durch Nachlssigkeit, durch
Ungestm und Widerspenstigkeit dabei haben zu Schulden (/culpa/) kommen
lassen, gehrt hieher und dieser Beitrag zum tdlichen Ausgange,
in sofern er vom Vergifter weder veranlasset ward, noch gehindert
werden konte, mus lezterm billig von der Summe des Verbrechens eines
vorsezlichen Todschlags abgezogen werden.

. 480. Hat der Vergifter aber z. B. einen Quaksalber statt eines
vernnftigen Arztes, wenn lezterer fast eben so leicht oder doch noch
zeitig genug zu haben war, zur Hlfe gerufen, so wird es angesehn, als
htte er keine Hlfe angewandt.[307]

. 481. Eben so gewis von des Vergifters' Verbrechensgrse die dritte
Klasse der konkurrirenden Umstnde, alles unabwendbar Zufllige, in
der Mase abgezogen werden, als es zur Verschlimmerung und Tdlichkeit
der Vergiftung beitrug. Schrek vom Donner, Feuersbrunst, Rubern,
Einstrzung der Wohnung, feindliche Mishandlungen; so wie dem
Giftkranken (bei einer langweiligen Vergiftung des zweiten Grades
(. 111) zustosende fremdartige Krankheiten;)[308] leztlich die
Todesursachen und widrige Disposizionen, die im Krper, dem Vergifter
unbewust, lagen und zum unglklichen Ausgange mehr oder weniger
beitrugen, nach dem Ermessen des obduzirenden Arztes.

. 481. Von lezterer Art knnen jedoch Lungensuchten, Schwangerschaft,
hohes Alter zarte Jugend, Schwche nach schweren Krankheiten,
krplichte Verwachsungen u. d. g. dem Vergifter selten oder nie
unbekant seyn.

. 482. Fnden sich aber auch schon dergleichen, vor der Leichenfnung
unsichtbare Todesanlagen, den Magen des Vergifteten hingegen (auch
wohl die sonst gesunde Lunge) fnde man ausnehmend entzndet, oder
sonst so starke vom Gifte erregte Zerstrung[309] in den ersten Wegen,
da an eine Wiedergenesung ohnehin nicht zu denken war, so kan die
Tdtlichkeit durch jene unsichtbaren Krperanlagen an sich nicht im
geringsten vermindert oder herabgestimt werden.

. 483. Es darf uns nicht wundern, da die Vergiftungstdlichkeiten
noch so dunkel sind, da die Lethalitten der Wunden selbst noch mit so
dichtem Schleier umhlt da liegen. Solte man es wohl glauben, da ein
Stich durch die Aorta fr nicht tdlicher als ein geringer Stos auf
die Brust, wodurch eine Pulsadergeschwulst zerris, oder der Durchgang
einer Kugel durch den untern Theil des kleinen Hirns nicht lethaler als
eine Ohrfeige auf eine widernatrlich dnne Hirnschale angesehn werde?
Dies dnkt mich, heist in so wichtigen Dingen mit Worten spielen.

. 484. Wahr ists, sowohl auf den msigen Stos gegen die
so widernatrlich dnne Stelle der Hirnschale, als auf den
unbetrchtlichen Schlag gegen einen Ort, wo ein innerer Pulsaderkropf
nur dieses kleinen Eindruks noch zum Zerplazzen nthig hatte,
erfolgte schleuniger und gewisser Tod, und da es nichts tdlicheres
als Tod geben kan, so solte man sich, obenhin betrachtet, beinahe
verleiten lassen, diesen beiden Stssen eine absolute Tdlichkeit
beizulegen. Genau betrachtet aber kan auf diese Tdlichkeitsbestimmung
des schielenden Arztes unendlich weniger die Rache des Gesezzes
(um die es bei der Obdukzion doch zu thun war) als der Spaden des
Todengrbers Anspruch machen. Sie sind durchaus tdlich in Beziehung
auf das unglkliche Schiksal des Erblichenen, wer wird dies leugnen?
aber in Rksicht des Verlezzers, der diese tdtlichen Blsen seines
Widersachers vielleicht nicht kannte, nicht ahnden konte, knnen diese
Todesflle ohne Ungerechtigkeit nicht anders als akzidentel genant
werden.

. 485. Wer sagt uns denn, da, was man zufllige Ursachen nennt,
blos nach der Hand hinzutretende seyn drfen? Wollen wir bei der
wichtigsten Angelegenheit des Menschen, bei Entscheidung ber Leben
und Tod etwas mehr als kalte, flache, Gemeinformeln gelten lassen, und
wollen das Senkblei etwas tiefer werfen, so werden wir uns gedrungen
fhlen, die Strflichkeit eines Todschlags (Lethalitt dem Arzte) nicht
weniger oft wegen dazwischen gelegener als wegen dazwischen tretender
(zuflliger) Ursachen, wovon die erstern oft gewisser ein vom Thter
unabhngiges Medium zwischen That und Tod als die leztern seyn knnen,
zu mildern. Kan eine Ursache kleiner als ihre Wirkung seyn? Und doch
hngt der Altagsmensch, was der Zeit nach aufeinander folgt, sogern wie
auf einander passende Ursache und Wirkung zusammen! Treten bei einem
unorganisirten Krper oft mehrere verschiedentlich gerichtete strkere
und schwchere Bewegkrfte zusammen, um ihm eine Richtung zu geben, die
man fr das Resultat eines simpeln Stoses ansehn solte, wenn erstere
nicht bekant sind; um wie viel leichter lassen sich Aeusserungen bei
organisirten Krpern denken, die das Resultat mehrerer, vielfach
verschiedner Einwirkungen sind, von denen dem kurzsichtigen Auge des
Beobachters selten mehr als eine bekant wird. Ist aber darum auch
nur eine einzige? Ist es uns erlaubt, die einzelne bekant gewordne
Ursache durch Einbildung so lange auszudehnen, bis sie die Grse der
sichtlichen Wirkung dekt, um nur der Aufsuchung jener beigetretenen
Mitursachen berhoben zu seyn, die oft einen um desto ansehnlicheren
Theil der Wirkungsgrse umfassen, je tiefer sie unter Tage liegen?

. 486. Ueberhaupt ist also der Tod des Umgebrachten gewhnlich die
Summe, (auch wohl das Produkt) mehrerer Ursachgrsen, wovon die That
des Angeschuldigten vielleicht die kleinere, mittlere, grsere ist.
Lag zur Summe des Todes = 8 schon die Grse = 6 an innern Ursachen in
Bereitschaft, oder (mit andern Worten), gehrt die Kraft = 8 dazu, das
Leben des Gegenstandes zu zerstren, so wird derjenige, der die Kraft
= 2 gegen das Leben desselben anwandte, zwar stets ein Verbrecher
seyn, aber nur im gedachten Verhltnisse, so lange er nicht wuste,
nicht wissen konte, da das Leben (= 8) schon von einem verborgenen
Gegengewichte = 6 reagirt werde; gleichviel, die Grse 6 komme nach
Anbringung der Kraft 2 hinzu, oder sie sei schon vorher (verborgen) da,
um die Summe 8 hervorzubringen; genug, wenn der Mitwirkung der Kraft 6
ausser dem Wissens- und Vermgenskreise des Urhebers der impugnirenden
Kraft 2 lag, um ihm nicht mehr als ein Viertel der ganzen Wirkung (8)
beizumessen.

. 487. War ihm jene innere feinldiche Ursache (6) gar nicht bekant,
und er wendet eine der ganzen Wirkung (8) gleiche verbrecherische Kraft
-- 8 gegen das Leben des Unglklichen an, oder war sie ihm bekant
(zum Theil oder ganz) und er ersezt die noch zum Tode erforderliche
Differenz durch positive oder negative Bosheit, beide Verbrechen sind
gleich -- die ganze Summe des Todes liegt auf ihm, die That ist fr
absolut lethal anzusehn; und so stuft sich, wie mich dnkt, sein
Verbrechen in verschiednen Nancen ab.

. 488. Wer einem starken Manne etliche wenige Grane Operment giebt,
kan an ihm durch andre (erweisliche) gravirende (. 472. bis 478.)
Umstnde oft weit gewisser volgtiger Mrder werden, als ein andrer,
der eben demselben, ja selbst einem Schwcheren ein weit grseres
Gewicht weissen Arsenik gegeben htte, in dem, von seinen reuigen
Anstalten zu erwartenden, guten Erfolge aber durch unabwendbare, ausser
seiner Macht stehende Zuflle getuscht ward.

. 489. Will man aber durchaus bei Bestimmung der Grse des Verbrechens
auch die Natur des Ausgangs mit in Anschlag bringen, so solte doch,
wenn derjenige, der durch einen in jedem andern Falle gewis tdlichen
Sbelhieb, der ihm unbekant widernatrlichstarken Hirnschale seines
Gegners nur eine unbetrchtliche Verlezzung beibringen konte, nicht
am Leben gestraft wird, eine verhltnismsige Nachsicht in Rksicht
dessen statt finden, der das Unglck hatte, durch einen msigen Schlag
auf eine (ihm unbewust) widernatrlich dnne Stelle des Schdels, den
Tod seines Widersachers erfolgen zu sehn; da jener Sbelhieb unter
tausend Fllen nicht einmal untdlich, lezterer Stos aber unter eben
so vielen Fllen fast niemals tdlich ablaufen kan; mir deucht jener
weit mehr Verbrecher, als dieser.

. 490. Solte auf eben diese Art ein Verbrecher, der einem andern
eine starke Gabe weissen Arseniks beibringt, die dieser aber wegen
vorgngiger Anfllung seines Magens fast ohne Schaden wieder wegbricht,
whrend da der Vergifter entwich, um ihn hlflos zu machen, nicht
strafwrdiger seyn, als ein andrer, der eine kleine Gabe Fliegenstein
in einen Magen bringt, der durch vorgngiges, ihm unbekantes Erbrechen
schon entzndet war, und so bei seinen besten Rettungsanstalten
unvermuthet den Tod erfolgen sieht? Doch was geht dies den Arzt an,
des Richters Sache allein ists, in beiden Fllen, die Kompensazion des
Verbrechens durch die Natur des Ausgangs zu bestimmen.

. 491. Ich nehme alles zusammen. Was der Vergifter ausser der Giftgabe
an Todesursache weder wissen, noch, so sehr er sich bestrebte, hindern
oder hinwegrumen konte, mus zum Credit seines Schuldbuchs, alles aber,
nchst der Giftgabe, was er an Rettung verabsumte oder zum Verderben
beitrug, zum Debet desselben geschrieben werden, um eine gerechte
Bilanz der Vergiftungstdlichkeit ziehen zu knnen, in welcher ihm,
so sehr er sich auch bestrebte, sein Vergehen wieder zu verbessern,
dennoch stets ein ahndenswrdiges Minus (die Giftreichung selbst mit
ihren Umstnden) bleibt, welches durch die Natur des Ausgangs der
Vergiftungskrankheit gewhnlich um ein Betrchtliches erniedrigt oder
erhhet wird, nach des Richters Ermessen.

. 492. Der gerichtliche Arzt soll dem Richter zum Dolmetscher der
Gewisheit und Grse der begangenen Vergiftung (eines getreuen Resultats
der ihm an die Hand gegebnen Umstnde mit dem Objekte der innerhalb
der Sphre seines Amtes gelegenen Untersuchung kombinirt) dienen; die
Strafe dafr abzuwgen, ist des leztern Sache.

. 493. Da ein noch so gut berdachter und ausgearbeiteter
Sekzionsbericht oft nicht denselben Anspruch thun kan, als ein nach
der Hand eingeholtes Urtheil von einer medizinischen Fakultt,
beruht grstentheils darauf, da man der lezteren die nach der Hand
gefertigten Inquisizionalakten und mancherlei Deposizionen zur
Einsicht zugleich zu berschicken pflegt, ein Umstand von der grsten
Wichtigkeit.

. 494. Das Urtheil ber Lethalitt kan in diesem Falle nun erst den
Umstnden genau angemessen werden, ein Vorzug, der von einem bald
nach der oft schnellen Leichenfnung (wo noch nichts Erhebliches von
Aussagen am Tage liegt) verlangten Oefnungsscheine nicht zu verlangen
ist. Findet der Richter zur Erlangung eines bestimtern Urtheils
fr zwekmsig, die Fakultt mit allen dahin gehrigen Umstnden zu
versehen, warum nicht auch den Arzt? Soll dieser alwissender seyn?

. 495. Hiermit will ich nicht sagen, da die Leichenfnung verschoben
werden solle, die baldige schleunige Sekzion ist aus vielen Grnden
dienlich, erforderlich, nothwendig; auch das Visum repertum hierber
kan der Richter in kurzem verlangen; aber mit dem Lethalittsurtheile
solte er den Arzt billig so lange verschonen, bis die von lezterm
erheischten Data durch Verhre ausgemittelt und ihm mitgetheilt worden
sind.

. 496. Die zwei verschiednen Theile des gewhnlichen Sekzionsberichts,
1) die Erzhlung des Gefundenen und 2) das Urtheil ber die Tdlichkeit
sind himmelweit von einander verschieden. Den erstern hat der Richter,
so bald wie mglich, zur Ueberfhrung des Angeschuldigten mit dem
Korpus Delikti nthig; aber lezteres braucht er blos kurz vor der
Strafbestimmung (dann ist es ihm unentbehrlich) die anfnglich immer
noch im weiten Felde ist.

. 497. Deshalb rathe ich jedem Arzte, wenigstens bei Vergiftungen,
wenn ihm der Sekzionsbericht schnell, ohne vorherige hinlngliche
Informazion ber die ihm zu wissen nthigen Umstnde, abgefodert wird,
blos den ersten Theil, das eigentliche Visum repertum einzureichen und
durchaus mit seinem Urtheile an sich zu halten, bis die erforderlichen
Deposizionen ihm mitgetheilt worden[310] sind. Jenes kan, nchst ihm,
der gerichtliche Wundarzt (bei chemischen Untersuchungen auch wohl der
Apotheker) mit unterschreiben, vor das leztere aber mus er allein mit
seines Namens Unterschrift stehen.

. 498. Wird nichts Gewisses an Umstnden durch den Criminalprozes
ausfindig gemacht, so kan der Richter nicht verlangen durch das
schriftliche Urtheil des Arztes weit genauer und bestimter informirt zu
werden, als aus den Deposizionen hervorgeht.

. 499. Ist man aber dem Thter bei der Leichenfnung noch
nicht auf die Spur gekommen, was brauchts vor der Hand fr ein
Lethalittsurtheil? es ist unnzze, und in diesem Falle bei
Vergiftungen grstentheils unmglich. Blos gerichtliche Unterhandlungen
auf den Thatbestand (Korpus Delikti) gestzt, bringen die Stufen der
Inquisizion hervor.

. 500. Ich mus bekennen, da ich keinen Leisten vorschlagen weis, nach
welchem die Tdlichkeitsgrade der Arsenikvergiftung gemodelt werden
knten, die unendliche Verschiedenheit der Einflus habenden Umstnde
machen ein solches Projekt unmglich.

. 501. Wer sich das bisher Erinnerte zu eigen gemacht und Natur- und
Arzneikunde in seiner Gewalt hat, wird einen entscheidenden Ausspruch
von sich zu geben in den meisten Fllen im Stande seyn, da hingegen,
wer sich jene Algemeinheiten in einzelnen Fllen nicht konkret zu
machen weis, und durchaus einen Leisten verlangt, auch immerhin einen
Gebrauchszettel dazu bestellen mag, der leicht eben so langweilig und
dunkel als meine Algemeinheiten ausfallen drfte.

. 502. Ist es erlaubt, dem Richter noch ein Wort zu sagen, so
bemerke ich, da man ber die Strafbestimmung fr diese Flle in zwei
Streitschriften, deren Gelehrsamkeit so wohl als ihre etwas rauhe
Strenge in die Augen flt, (/Ioh. Franc. _Ehrman_, praeside I. D.
_Reisseissen_, de veneficio doloso, Argentor. 1781 und I. F. _Ehrman_,
de veneficio culposo, Argentor. 1782./) hinlngliche Auskunft finden
kan.


                             ~Weienfels,~

                   ~gedruckt bei Friedrich Severin.~




Funoten:


[Funote 1: Auch /Cadmia fossilis/ genant, /Arsenicum porosum Linn/.]

[Funote 2: Schon Henkel schmolz ihn aus weissem Arsenik und schwarzem
Flusse bei jhlingem aber gemsigtem Windofenfeuer im unverschlosnen
Tiegel, s. Kieshistorie, zehntes Kapitel, S. 564.]

[Funote 3: Jener verraucht kaum bei 430 Fahrenh. dieser schon bei
380. S. . 58.]

[Funote 4: Das graue Giftmehl besteht aus kleinen lnglichtspiesigen
Krystallen und ist beinahe so auflslich, wie sublimirter weisser
Arsenik.]

[Funote 5: Bergman lugnet seine Auflslichkeit in Wasser und die
salzhafte Natur des regulinischen Arseniks ganz; s. Abh. vom Arsenik,
Wien 1783. S. 3, 9 und 15.]

[Funote 6: Chemie . 693.]

[Funote 7: a. a. O. S. 3 und 42.]

[Funote 8: Minearologie S. 368]

[Funote 9: Rhrt die Rthe des schsischen rothen Arseniks von einem
kleinen Theile Bleies her?]

[Funote 10: Vorzglich thut dies Salpetersure.]

[Funote 11: /Commerc. litt. Nor./ 1733 S. 253. -- 1734 S. 292. --
1737 S. 182.]

[Funote 12: Diese durch Laugensalze bewirkte Milderung der
Arsenikauflsung bemerkte =Navier= (Gegengifte erster Th. S. 26.) durch
den Geschmak, so wie =Macquer= (/Mem. de l'acad. des sc./ 1776.)]

[Funote 13: Man sehe die Anm. zu . 398.]

[Funote 14: Eine dem untersuchenden praktischen Scheideknstler
geschriebne Bemerkung. =Bergman= (von der Luftsure S. /opusc./)
will einmal einen Niederschlag durch fixe Luft in Bleiauflsungen
bewirkt gesehen haben, hernach nicht wieder. Ich erinnere aber, da
Bleizuckerauflsung die in einer Flssigkeit vorhandne Luftsure,
bequemer, (mit gehrigen Voraussezzungen) als Kalkwasser entdecke, und
ihre Menge dann leicht abzuwgen sei, wenn das erfolgte Przipitat vor
und nach seiner kalten Wiederauflsung in reiner Salpetersure gewogen
wird.]

[Funote 15: Nicht eine unauflsliche, wie =Scheele= will, Abh. d.
schwed. Ak. d. Wiss. 37ter B. S. 279, 15. c.]

[Funote 16: Schwefelleberluft ist nach der wahrscheinlichsten Meinung
ein mit einem Uebermaas von Brenbaren in Luftgestalt aufgelster
Schwefel, ihre Entstehung scheint dies zu beweisen. Vielleicht trgt
zur Vereinigung beider Substanzen in eine lufthnliche Form =Maiers
Kaustikum=, das mit =Scheelens Hizze=, wie mich dnkt, bereinzukommen
scheint, das Seinige bei. Nach =Bergman= lsen sich von dieser Luft
60 Kubikzoll in 42250 Granen oder 100 Kubikzollen Wasser auf, worin,
nach ihm, 80 Gran Schwefel sind. Nach =Kirwan= (Mineralogie S. 235)
lsen sich 100 Kubikzoll dieser Luft in 200 Kubikzollen Wasser auf, und
enthalten 8 Gran Schwefel. Der Antheil Brenbares dieser Luft scheint
zur Regulifizirung des Arseniks erfoderlich zu seyn, da sich reine
Metalkalke nicht mit Schwefel zum Erze verbinden. Mir scheinen diese
so verschiedene Angaben unerklrlich. Ich fand durch oft wiederholte
Opermentniederschlge, da 42000 Gran kaltes Wasser so viel Leberluft
aufnehmen konte, da 100 Gran Schwefel und etwas drber darin aufgelst
erhalten wurden. Dies war der hchste erreichbare Sttigungspunkt,
dessen kaltes Wasser fhig zu seyn schien.]

[Funote 17: Nach zehen Tagen fand ich noch so viel niedergefallen,
da das Verhltnis des aufgelst gebliebenen Operments zum Wasser etwa
1:2500 war.]

[Funote 18: Petersburg 1783 8vo S. 21. Er gab den Schwefel mit Milch
(oder wie er sagt in Milch =aufgelst=, wie er dies gemacht, sagt er
nicht, vermuthlich Schwefelblumen unter Milch =gerhrt=) und rettete
durch hufiges Trinken dieses Mittels einen Menschen, der 2 Quentchen
weissen Arsenik verschluckt hatte. Sahe er nicht, da eine grose Menge
blose Milch dies oft gethan hat?]

[Funote 19: Mineralogie S. 249.]

[Funote 20: Vermutlich weil Silber selbst in saurer Auflsung
Brenbares genug zur Vererzung (bei erster Berhrung des selbst nakten
Schwefels) behlt.]

[Funote 21: Die strkste Auflsung des Arsenikknigs blieb mit
Schwefelauflsung hell und ungefrbt, vermuthlich entweder, weil
das kochende Wasser den regulinischen Arsenik nur als Salz auflst,
indem es sein Brenbares in der Siedehizze zerstreuet, oder weil das
Aneignungsmedium (welches in der Schwefelleberluft vielleicht noch
unerkant verborgen ist) im blosen im Wasser aufgelsten Schwefel
nicht liegt, und also beide Substanzen Schwefel und Arsenikknig sich
nicht zum Erz verbinden knnen. Ich bin der erstern Meinung zugethan,
seitdem ich fand, da abgedampfte Arsenikknigauflsung im Wasser zu
einer weien Rinde sich rings um die Abdampfschale ansezte (bis keine
Flssigkeit mehr brig war,) in der ich durch das Vergrerungsglas die
feinste Krystalgestalt wie die des weissen krystallisirten Arseniks
erblikte.]

[Funote 22: /Eph. N. C. cent. 3. obs. 67./ S. 153.]

[Funote 23: Aucante Schreiben von schdl. Zuber. d. Getreidesaat mit
Kalk und Arsenik Hannv. n. Saml. 1775. St. 75.]

[Funote 24: Besonders der in England angewandte Firnis aus Arsenik,
Oel und Pech wider die Holzwrmer der Schiffe, Encyclopedie, Arsenic.]

[Funote 25: Wetherlins Chronologen 12ter B. S. 146.]

[Funote 26: /Toxicologia/ S. 335.]

[Funote 27: Fr. Hoffmann /Med. rat. system. Tom./ 2. S. 185.]

[Funote 28: Bei Wepfer /hist. cic. aqu. cap. 21. schol./ 4. S. 372.
(/L. B./ 1733.)]

[Funote 29: Reisen, 57. Brief.]

[Funote 30: =Fr. Hoffmann= /medic. ration. system. Tom. 2. p. 2. .
19/.]

[Funote 31: /Commerc. litt. Noric./ 1737. S. 182.]

[Funote 32: Vorlesungen b. d. ger. Arzneikunde 2ter Band. S. 190.]

[Funote 33: Mineralgifte. S. 131.]

[Funote 34: =De la Force=, Nachrichten von den wichtigsten Begeb.
unter der Reg. Ludwig /XIV./ Leipzig 1716. S. 128. und /Lettres de
Madame de Sevigne, Tom./ 2. -- Wepfer /hist. cic. cap. 21. schol./ 4.
S. 372.]

[Funote 35: Oder solte ein Arsenikmittelsalz dazu genommen werden?
Der unmerkliche Geschmack desselben und seine gar nicht heftig
geschwinde, sondern langsam zzende Wirkung scheint dies zu verstehn zu
geben, welches die Herren =Merveau=, =Maret= und =Drande= bemerkten,
da sie einem Hunde ein Quentchen davon eingeflst hatten. Der Hund lag
ohne andere Zuflle einen Monat lang schreklich ausgezehrt, nahm fast
gar keine Nahrung zu sich, und ward an den Lenden gelhmt. Milch und
andere Schleime konten diesen Zufllen nicht abhelfen -- Nach seinem
Tode schien der Magen nicht angefressen zu seyn -- Vielleicht wirkt
es so schleichend giftig, weil der Arsenik nur allmhlig durch das
thierische Brenbare hergestellt wird. S. Anfangsgr. der theor. und
prakt. Chemie, zw. B. S. 216.]

[Funote 36: Ja man knte behaupten, da ihn in dieser Absicht
=Theophrast Parazelsus von Hohenheim= am ersten gebraucht habe, da
er (/lib. 2. de morb. metall. cap. 5./) spricht: /Spiriru arsenici
quartanam curari/ wiewohl mir die Bereitung dieses Arsenikspiritus
nicht bekant ist; auch ihm folgte =Johan Lange= /epist. med. lib. 3.
ep. 7./ -- =Dann Lemery=, /cursus chym./ S. 307. -- fast um eben diese
Zeit (1679) Burchhard bey Wepfer, /hist. cic. cap. 21. schol./ 3. S.
367. -- Dann =Maskoky= /Eph. N. C. dec. 2. ann./ 3. (1685) /obs./ 46 --
worauf sein Gebrauch allgemeiner ward.]

[Funote 37: Die Gabe des weissen Arseniks in Fieberpulvern haben die
Quacksalber bis auf vier, ja =fnf Gran= getrieben. =Bonet= /medic.
septentr. coll. part. 2./ S. 535. und unten . 470.]

[Funote 38: Sechs Tropfen eines flssigen Arsenikmittelsalzes
(/liquor arsenicalis Schroederi/) wurden einem achtjhrigen und einem
zehenjhrigen Kinde auf den Grindkopf gestrichen, Zittern, Brechen
und geschwinder Tod waren die Folgen; =Zittman= /medic. for./ (Frft.
1706. 4.) S. 420. -- Ein Hund starb unter den heftigsten Zufllen sehr
pltzlich, welchem =Sprgel= (/diss. exper. c. veneno. Goetting 1753./
S. 62.) in seine Hautwunde Arsenik angebracht hatte, er fand innerliche
Entzndungen.]

[Funote 39: Die bey . 90. und 91. angefhrten Stellen werden dies
vollends erlutern -- Doch sehe man noch =Heucher= /opera omn. Tom.
1. Mithridates/ -- S. 433. =Fernel= /univ. med. lib. 6 cap. 18./ und
=Harder= /apiar. observ. (Bas. 1736. 4.)/ nach.]

[Funote 40: Es giebt keinen Zufall einer Arsenikvergiftung, den
nicht usserliche Anwendung dieses Gifts ebenfalls hervorbrchte.
Auf Rauch und Staub, Kontraktur =Bresl.= Samlung. 38 Vers. S. 411.
-- Lhmung =Tackenius= /Hippocr. chym. cap. 24./ -- =Neuman= Chemie
4ter Band, erst. Th. S. 425. -- =Angel. Sala= /Ternar. bezoard. cap.
27./ -- Kolik, Magenschmerz, Erbrechen viele der unten (. 134.)
anzufhrenden Stellen, besonders =Sala= a. a. O. -- =Tackenius= a.
a. O. Zittern, /Miscell. N. C. ann. 1671. obs. 78./ -- Schwindel,
Ohnmacht, geschwollenes Gesicht =Sennert= /prax. lib. 6. part. 5. cap.
2./ S. 237. -- Schwindel, Kopfschmerz, Mattigkeit und Arsenikfriesel:
Boerhave /de morb. nerv. Tom. 1./ S. 224. -- Auf usserliche sonstige
Anwendung Kontraktur =Peter von Abano= /de venen. de realgare/ --
Lhmung und Zittern der Bergleute =Ramlov= von der Lhmung und Zittern
der Bergleute. -- =Sala= a. a. O. -- Brand andrer Theile als wo er
aufgelegt ward; /Commerc. litt. Nor. ann. 1743/ S. 50. -- /Act. N. C.
vol. 6. app./ S. 8. -- Entzndung des Schlundes -- /Acta N. C. vol. 9.
obs. 37./ -- Fallsucht, auf Grind gestreut /Eph. N. C. dec. 2. ann. 4.
obs. 12./ S. 37. -- =Sala= a. a. O. -- Frieselausschlag und Geschwulst
/Acta N. C. vol. 2 obs. 10./ -- =Sennert= /prax. lib. 6. part. 5. cap.
2./ -- Schlagflus Pyl Aufs. und Beob. erst. Th. S. 46. -- Erbrechen,
Kolik u. d. gl. in allen den gleich (. 90., 91.) anzufhrenden
Stellen.]

[Funote 41: =Musgrave= Betracht. ber die Nerven sechst. und
siebentes Hauptstck.]

[Funote 42: =Brocklesby= /concerning the indian poison sent over from
Condamine. Philos. Trans. vol./ 44. S. 408. und =Herissant= /exper.
made with the poison of Lamas and of Ticunas/; ebend. /vol. 47./ S. 75
-- 92.]

[Funote 43: Um wie viel tdtlicher die Gifte sind, wenn sie auf
offene Hautstellen, als wenn sie in den Magen kommen, sehen wir in
den Versuchen des hollndischen Wundarztes =Forsoek=, die er mit dem
Bohonupasgummi in Java anstelte; Hunde, denen er einen ungemein kleinen
Theil davon unter die Oberhaut mit der Spizze einer Lanzette brachte,
starben dreimal geschwinder (und fast augenbliklich) als die, denen er
etwas davon eingab; /Esprit des journaux, 1785. Juin./ S. 310.]

[Funote 44: =Des le Febre= usserliche Anwendung des weissen
Arseniks in Auflsung ist bekant -- so wie =Bernhard's= Krebspulver;
Saml. f. prakt. Aerzte, 7. B. St. 3. S. 512. -- nicht weniger
=Rnnow's (schwed. Abh. Jahr. 1778)= Anwendung des gelben Arseniks
zu gleichem Behufe. Doch hatten schon die ltesten Aerzte Mittel
gegen Krebs aus Arsenik gebraucht, wie das Kollyrium des =Lanfranc's=
beweist, zu welchem Operment kmt. Andrer gefhrlichern Mittel, aus
weissem Arsenikpulver zusammengesetzt, hier nicht zu gedenken, die
grstentheils aus den Hnden gewissenloser Empiriker kamen.]

[Funote 45: Franz =Alphanius= /de peste/ -- =Massaria= /de peste
lib. 2./ -- =Deusing= /de peste hist./ 44. und 99. -- =Lindestolpe=
/de venenis/ S. 735. -- =Baccius= /de venenis/ -- /quae extrinsec./ --
=Amman= /medic. crit./ S. 371. -- =Salmuth= /obs. medic. II./ S. 96.
-- =Stenzel= /de venen. acur./ S. 27. -- Fabriz =von Hilden= /obs. et
cur. chirurg. Cent. 6. obs. 80, 81/ -- =Ebenders.= /de gangraena et
sphac. cap. 5./ S. 777. -- =Bonet= /sepulchr. anat. lib. 2./ sect. /II.
obs./ 31. -- /Act. N. C. vol. 6. app./ S. 8. =Ebendas.= /vol. 2. obs.
10./ -- /Eph. N. C. cent. 3 et 4. obs. 127 in schol./ -- /Eph. N. C.
dec. 2. ann. 4./ S. 37. -- =Ebendas.= /dec. 3. ann. 9. et 10./ S. 390.
-- =Mathesius=, Sarepta S. 430. -- =Angelus Sala= /ternar. bezoard.
cap. 27./ -- =Fernel= /method. med. lib. 6. cap. 8./ -- =J. Schrder=
/pharm. med. chym. lib. 3. cap. 27./ S. 498. -- =Zittman= /med. for.
cent. 2. cas. 24./ -- =Bresl.= Saml. 33. Verf. S. 115. -- =Sprgel=.
/exper. c. ven./ S. 61. =Hannver=. Magazin 1770 36. St. -- =Bttner=
Unterricht fr Aerzte Beob. 35. -- =Pyl= Auff. und Beob. erst. Th. S.
46. --]

[Funote 46: /Eph. N. C. dec. 2. ann. 4. obs. 12./ S. 37.]

[Funote 47: Es brachte Brand im Schlunde zuwege, /Commerc. litt. Nor.
1743. S. 50./ und nicht nur Pflaster, sondern auch damit angerhrte
Oele haben hnlichen Nachtheil gehabt, es erfolgte Schwierigkeit im
Schlingen, fruchtloses Wrgen, Entzndung des Halses; /Acta N. C.
vol. 9. obs. 37./ oft Tod. Ueber die Schdlichkeit der leztern, auch
der arsenikalischen Anhngsel (Amulete) sehe man die bei =Gmelin
(Mineralgifte)= Verzascha, Diemerbroek, Hodges, Crato und Lionardo
de Capo angefhrten Stellen -- sonst noch =Wepfer= /hist. cicutae
cap. 21. hist. 13./ S. 364. -- =Amatus Lusitanus= /cur. med. Cent. 2.
Curat. 34./ -- =Baccius= /de venen. et antidot. in prolegom./ S. 23.
-- =Lorenz Scholze= /epist. med. 168./ S. 282. -- =Ger. Columbus= /de
febre pestil. lib. 2. Cap. 17./ -- =Peter Borell= /hist. et obs. rar.
cent. 3. obs. 36./ -- /Commerc. litt. Nor. ann. 1743. S. 50./ --

Und wie soll man sich wundern, da usserlich aufgelegte Arsenikbutter
(jene fressende Verbindung des Arseniks mit Salzsure) den Tod
bewirkte; =Lor. Hoffman= /de vero usu et abusu med. chym. S. 38./]

[Funote 48: Auch solte nie erlaubt werden, da das Spielzeug
der Kinder mit Rauschgelb, Operment, rothem oder gelbem Arsenik
angestrichen wrde. Mir sind etliche traurige Flle bekant, wo man
Kinder, die daran gelekt hatten und tod krank wurden, mit Mhe rettete.]

[Funote 49: Die Irritabilitt der Magenmuskeln ist durch den
usersten Reiz abgestmpft, verloschen -- =Sprgel= a. a. O. S. 57.]

[Funote 50: Er wird dazu nehmen, (um sich zu berzeugen,) da bei
dieser Arsenikvergiftung nicht wie bei der Cholera beim ersten, sondern
grtenteils erst beim wiederholten Erbrechen Galle ausgeworfen wird,
und der Puls bei ersterer anfnglich nicht so voll oder entzndlich wie
bei lezterer, sondern mehr krampfhaft eingezogen ist.]

[Funote 51: Man sehe die Schriftsteller bey . 90. und 91. nach.]

[Funote 52: Deshalb weis ich nicht, wie in =Hallers= Vorlesungen ber
=Teichmeiers= gerichtliche Arzeneikunde (2ten Bandes erster Th. S. 189)
gesagt werden kan: die Eingeweide fresse Arsenik nicht an, daher zu
glauben sei, er besizze einen sehr narkotischen Schwefel -- Just das
Gegentheil!!]

[Funote 53: Vornehmlich wenn die Ausleerungsmittel vernachlsiget und
Ausdnstung befrdernde, schweistreibende oder andre hizzige Mittel
allzu zeitig an ihre Stelle gesetzt werden. Im Jahre 1784 hatte ein
starker Holzschlger in Guteborn im Amte Ruland durch die Bosheit
seiner Frau verschiedene Grane Fliegenstein auf einem Butterbrode
verschlukt, er wrgte sich die ganze Nacht hindurch, ohne das Gift
durch Erbrechen vllig loswerden zu knnen. Frh ermant er sich,
ungeachtet des Brennens im Magen und des Reissens in den Gedrmen
verschlukt eine Menge kaltes Wasser, zwingt sich zur heftigsten Arbeit,
und gerth in einen ungeheuern Schweis. Da er Mittags als er zu Hause
war seine Kolik nicht gemindert sieht, so verschlingt er eine Menge
heiser Suppe und geht mit zusammengeraften Krften wieder an die
Arbeit. Nach und nach fhlt er wie die Leibschmerzen nachlassen, aber
bald darauf flt er unvermuthet zu Boden. Er wird ganz steif, doch mit
Kenzeichen des freien Bewustseyns nach Hause getragen; die Muskeln des
ganzen Krpers waren angestramt, und die Gliedmasen krum gezogen. Der
Wundarzt richtete durch Oel- und Milchtrinken nichts bei ihm aus. Er
flt auf warme Wasserbder und diese stelten den Kranken nach und nach
vllig her.]

[Funote 54: Ueber diese und andre Umstnde dieser (. 123. bis 126.)
Paragraphen vergleiche man =Haens= Heilmethode, viert. Band. S. 237. u.
f. -- /Commerc. litterar. Nor. 1738./ S. 212. vorzglich =Quelmalzens=
Erzhlung. Ebendas. S. 219, 220, 221.]

[Funote 55: Kontraktur und Lhmung der Fse, mit Verlust des Gefhls
dieser Theile nach innerer Arsenikvergiftung /Nov. acta. N. C. vol. 3.
obs. 100./ S. 532.]

[Funote 56: Mehrere Beispiele wo auf verschlukten Arsenik Kontraktur,
Lhmung, Zittern, Gliederreissen und spasmodische Konvulsion
(Eklampsie) erfolgte -- =Alberti= /Iurispr. med. Tom. 3./ S. 861.
=Forest= /lib. 18. obs. 28./ S. 143. -- /in scholiis/ -- =Wepfer= a.
a. O. /cap. 21. hist. 8./ S. 358. -- /Eph. N. C. dec. 2. ann. 4. obs.
12./ S. 36. -- Ebendaselbst /Cent. 5 et 6. obs. 45./ S. 67. -- =Peter
von Abano= /de venen. cap. 25. de Realgare /-- Joh. Bapt. Montanus
=Consilia,= /cons. 367./ S. 947.]

[Funote 57: Frieselausschlag von Arsenik =mit Besserung Guilbert= in
/Van der Monde Recueil period. Tom. 4,/ S. 353. -- /Medical essays et
obs. (Edimb. 1747.) vol. 4./ S. 41. -- /Gazette Salutaire 1762. n. 6./
-- =Breslauer Saml.= Vers. 33. S. 227. -- /Acta N. C. vol. 2. obs. 10./
-- =Bierling= /thesaur. obs. 1./ . 6. S. 5. =ohne Besserung= oder mit
Verschlimmerung, auch wohl mit bald tdtlichem Ausgange, =Quelmalz=
/Commerc. litt. Nor. 1737./ S. 220. -- =Valentini= /Pandect med. leg.
part. 1. sect. 3./ S. 384. und ebend. S. 335. -- =Bohn= /offic. med.
dupl. part. 2. cap. 6./ S. 654. -- =Fel. Plater= /observ. Mantiss. obs.
38./ S. 82. -- Die Abschuppung und Abschlung der Oberhaut erfolgt
zwar stets auf den blsigten Ausschlag, (wenn er vom Tode nicht
bereilt wird) doch auch zuweilen auch ohne vorgngigen Friesel; =Haen=
Heilmethode a. a. O. S. 328. Auf Waschen mit Arsenikwasser ber den
Leib sahe ich fters die Abschuppung allein erfolgen.

Statt der Crisis durch Friesel und Ablsung der Oberhaut veranstaltete
die Natur zuweilen ein kritisches Ausfallen aller Haare des ganzen
Krpers, auch ohne Abgang der Epidermis: =Forest= /hist. et cur. lib.
30. obs. 8. in schol./ -- =Val. H. Vogler= /diss. de venenis . 33./ --
=Strk= /ann. med. 1./ S. 79, 80. -- =Scheffler= Gesch. der Bergl. S.
196. --

Und umgekehrt lezteres ohne ersteres =Haen= a. a. O. -- Auch erfolgte
Abszesse haben sich nicht kritisch erwiesen =Bresl. Saml.= Vers. 33. S.
339. --]

[Funote 58: /Commerc. litter. Nor. 1738./ S. 212.]

[Funote 59: Vieljhrige Krnklichkeit verursachte auf einmal
genommener Arsenik, /Coelsi ratio occurrendi morbis a mineral. abusu
produci solitis. (Romae 1780.)/ S. 62. =Sennert= /prax. lib. 6. part.
5. cap. 2./ S. 231. -- nach einem Jahre Tod; =Amatus Lusitanus= /cent.
2. cur. 65./ -- nach dreijhriger Auszehrung, Tod; =Wepfer= /de cic.
cap. 12. hist. 5. und in schol. 3./ S. 369. mehrere Jahre lang; =Peter
Forest= /lib. 18. obs. 28. in schol./ S. 143.]

[Funote 60: Man kan auch gute Narben von tiefen Magenverlezzungen
aufweisen; -- =Bonet= /sepulchr. anat. lib. 4. sect. 10. obs. 4. . 5./
-- =Fel. Plater= /lib. 2. obs./ S. 419. und alle Leichenfnungen der
Glasfresser und Allotriophagen, in deren Magen man oft groe Stellen
glatt antrift, wo die Zottenhaut ohne Schaden hinweggegangen war. --
Ein Mann war stark mit Arsenik vergiftet, durch vieles Wassertrinken
entrann er zwar dem Tode, aber nur erst nach zwei Jahren ward er erst
vllig gesund; =Klkhof= /Verhandel. uitg. door de holl. Maatsch. d. W.
te Harlem 8. Deel./ erst. Stck. S. 409.]

[Funote 61: =Forest= /lib. 17. obs. 13./ -- =Valentini= /pandect.
med. leg. sect. 3./ S. 384. -- =Bonet= /med. septentr. sect. 7. obs.
38./ -- =Fab. Lynceus= /expos. anim. nov. hisp./ S. 475. -- =Wepfer=
a. a. O. S. 356. /cap. 21. hist. 8./ S. 357. /et hist. 12./ S. 363. --
/Acta N. C. vol. 5. obs. 102./ S. 355. -- =Alberti= /jurispr. med. Tom.
1. part. 1./ S. 272. -- /Eph. N. C. dec. 3. ann.5. et 6. obs. 137./
-- =Bartholin= /acta hafn. vol. 5./ S. 126. -- =Peter von Abano= /de
venen. cap. 25. de realgare./ -- =Ardoyn= /de venen. (Basel 1562.)/
S. 102. -- Eine sehr kleine Gabe gelben Arseniks, vielleicht nur
wenige Grane, tdeten einen starken Mann nach elf Tagen, welcher aber
freilich, statt Hlfe anzunehmen, sich alles ersinnliche Nachtheilige
erlaubt hatte -- sein Magen war innerlich angefressen; =Zittman=
/medic. for./ S. 247.]

[Funote 62: Von einer Vergiftung mit Realgar, Steifigkeit aller
Gelenke; =Peter von Abano= a. a. O.]

[Funote 63: M. s. . 87., . 90., 91.]

[Funote 64: . 91. und /Act. N. C. vol. 2. obs. 10./]

[Funote 65: M. s. . 89.]

[Funote 66: Beispiele von Schdlichkeit des Arsenikrauchs bei =Wedel=
/diss. de arsenico (Ien. 1719.)/ S. 10. -- =Sennert= /prax. med. lib.
6. part. 6. cap. 9./ -- =Abhandl.= der kn. schwed. Ak. der Wiss. 1743.
-- =Bresl. Saml.= Vers. 33. S. 226. Vers. 38. S. 411. -- =Matthi=
/observ. med./ S. 73. -- =Bierling= /advers. cur. Cent. 1. obs. 3./ S.
15.]

[Funote 67: Von Einathmung einer Menge Arsenikdampfs starb ein
Jngling jhling an Husten, Blutspeien und Lungeneiterung; =Henkel=
Bergsucht S. 150. -- ein hnliches Beispiel: =Timus von Gldenklee=
/cas. med. lib. 7. cas. 2./ -- Zusammenziehender Magenschmerz,
Konvulsionen ber den ganzen Krper, Schwerthmigkeit, Blutharnen,
Kolik und allgemeine Lhmung auf Einathmung des Arsenikrauchs berfiel
=Tackenius= /hippocr. chym. cap. 24./ -- jhlinge Engbrstigkeit bis
zum Ersticken vom Dampfe der Rostfen in Blaufarbenwerken: /Miscell. N.
C. ann. 1671. obs. 78./ S. 149.]

[Funote 68: S. =Math. Ramlov= von der Lhmung und dem Zittern der
Bergleute. --]

[Funote 69: Leute, die Weiskupfer in einer Stube bereiteten,
erstickten beinahe, die Zunge ragte ihnen aus dem Halse; ihr
Kopfschmerz, Schwindel, Mattigkeit und die gelben auf der Brust
ausgefahrnen Blschen blieben einige Tage; =Boerhave= /de morb. nerv.
T. 1./ S. 224. -- Engbrstigkeit, Steifigkeit in Hnden und Fen u.
d. gl. beim Weiskupferbereiten =Bresl. Saml.= Vers. 38. S. 411. -- Von
gleicher Bereitung der Tod vieler Bewohner des Hauses; =Fr. Hoffman=
/opusc. path. pract. dec. 2. diss. 6./ S. 426.]

[Funote 70: Die Farbarbeiterkrankheit, die Brustbeschwerung und
Schwindsucht dieser Arbeiter, (=Henkel=, Bergsucht S. 148.) woran sie
weit geschwinder, als die brigen Arbeiter, sterben.]

[Funote 71: Die dabei angestellten Arbeiter und Schrer bekommen
eingefallene Augen, Zittern der Glieder, werden todenblas und bis
auf die Knochen ausgezehrt. /Miscell. N. C./ a. a. O. -- =Henkel= a.
a. O. sie schleppen sich zehn bis 20 Jahr mit diesem Elende, ehe sie
sterben. -- Engbrstigkeit, Zittern und Abzehrung der Kobaldrster;
=Fr. Hoffmann= /opusc. dec. 2. diss. 6./ S. 427. -- Wie gewagt ist also
nicht der Rath, in der Lungensucht den Rauch von Sandarach (=Frakastor=
/lib. 3. de conrag. morb. cur. cap. 8./) oder den des Operments
(=Ungenanter= im Anhange zu Riviere /Cent. 4. -- obs. 2./) einathmen zu
lassen! --]

[Funote 72: Die Steiger, vorzglich aber die Huer in arsenikreichen
Gruben, besonders die auf den Kobaldschlgel arbeiten, bekommen die
Bergsucht in hohem Grade. Zu der Engbrstigkeit und dem Husten findet
sich Ekel vor Speisen, =Schefler= Gesundheit der Bergleute (Chemnitz
1770.) S. 194. fliegende Hizze gleich nach dem Essen (S. 194.)
aufgeblheter Magen (S. 195.) und Schlaflosigkeit (S. 188.) ein. Die
Fse schwellen anfnglich, nachgehends und zu Ende nimt die Geschwulst
wieder ab (S. 195.) die Haut wird trocken, der Krper schwindet bis
zum Knochengerippe ab, (S. 196.) oft gesellet sich ein empfindlicher
Kopfschmerz dazu, (S. 210.) zuweilen fallen alle Haare aus, (S. 196.)
oft entstehen Blasen und Geschwre im Munde, die Zunge wird an ihrer
Wurzel angefressen, (S. 197.) sie bekommen Anfressungen unter der
Achsel und an den Geburtsgliedern (S. 149.) auch wohl an leztern Orten
krebshafte Geschwre. (S. 190.) Den Beschlu machen abmattende Schweise
und Durchlauf (S. 196.) Schwindel, das Zeichen des nahen Todes (S.
196.) Blutsturz (S. 196.) Stikhusten (S. 175.) Entkrftung.]

[Funote 73: Die Klaubesteiger, =Fr. Hoffman= /opusc. dec. 2. diss.
6./ S. 426. Die Scheide- und Pochjungen bekommen die mit dieser
Krankheit verbundnen Zuflle noch geschwinder und heftiger, der Menge
des troknen Arsenikstaubes wegen; =Schefler= a. a. O. S. 149, 174.
=Henkel= Bergsucht S. 22.]

[Funote 74: Ein Mahler athmete eine Menge Realgarstaub ein, und bekam
Schwindel, Ohnmacht und geschwollenes Gesicht; =Sennert= /prax. lib. 6.
part. 5. cap. 2./ S. 237.]

[Funote 75: Die rothen Arsenik zur Farbe reiben, werden paralytisch;
=Neuman= Chemie, Zllichau /Tom. 4./ erst. Th. S. 425.]

[Funote 76: Aus diesem Grunde wird die wohl dreimal grsere
Tdlichkeit des Sublimats, gegen die des weissen Arseniks gehalten,
anschaulich.]

[Funote 77: /Venen. mechan. expositio/ S. 109.]

[Funote 78: /Commerc. litter. Nor. 1737./ S. 220. -- =Schefler= Ges.
d. Bergl. S. 210. --]

[Funote 79: =Sennert= /prax. lib. 6. part. 5. cap./ S. 237. --
=Schefler= a. a. O. S. 196. --]

[Funote 80: /Eph. N. C. dec. 3. ann. 9 et 10./ S. 390, wo einen
Mann, welcher Arsenikwasser statt Majoranwasser in die Nase gezogen,
Schwindel, Stikflu, Verlust aller Sinnen, Sprachlosigkeit, Angst,
viehische Dumheit berfiel. Die Schwachheit des Gedchtnisses, des
Gesichts und der Vernunft blieb. Er muste sylbenweise wieder reden
lernen.]

[Funote 81: Eben so dachte Degner (/Act. N. C. Vol. 5. app./ S. 60.)
welcher die tdende Kraft des Arseniks in einer Art von Unterdrckung
der Lebenskrfte, wie man beim Ruhrgifte bemerkt, suchte; eben so
=Skreta= /febr. castr. sect 1. cap. 7./ von der Aehnlichkeit seiner
Feldkrankheit mit der Arsenikvergiftung. -- Eben so urtheilt =Sprgel=
(a. a. O. S. 49.) vom Sublimate. Man kan nicht fglich anderst die
Schnelltdlichkeit des Arseniks nach usserlicher Auflegung (Allegate
zu . 87. und 90., 91.) erklren. Eben so wenig kan man sonst den oft
schnellen oder ohne sonderliche Magenentzndung erfolgenden Tod nach
Verschluckung des Arseniks oder Sublimats erklren. Ein Frauenzimmer
kostete eine unbedeutende Menge Arsenik, und starb ohne etwas davon
in den Magen geschluckt zu haben; Mezger ger. mediz. Beobacht. erst.
Jahrg. 1778. Knigsberg.]

[Funote 82: =Wepfer= /hist. cic. cap. 21. hist. 1./ S. 349. (/L. B.
1733/) -- =Morgagni= /de sed. et c. m. ep. 59./ . 3. -- =Valentini=
/pandect. med. leg. part. I. sect. 3./ S. 380, /b/ und 383, /a/. -- auf
Sublimat gleichfals Tod, ohne Erbrechen, von 20 Gran Sprgel /exp. c.
v./ S. 43. von 10 Gran S. 47.]

[Funote 83: =Sprgel= /exp. c. ven./ S. 57. Der grte Reiz konte den
Magen nicht zum Zusammenziehn bewegen.]

[Funote 84: Doch sehe man die Anmerkung zu . 208.]

[Funote 85: Eine hnliche Steifigkeit der Muskeln bemerkt man bei
Schlagflssen, bevor die wahre Lhmung zu Stande kmt.]

[Funote 86: =Sprgel= /exp. c. ven./ S. 43. fand im Magen einer alten
Kazze, die von 20 Granen Sublimat nach fnf Minuten ohne Erbrechen
starb, geringe, das ist, viel geringere Entzndungsspuren als von
eben so viel weissem Arsenik im Magen eines Hundes, da doch Sublimat
mehr als dreimal schnellere Entzndung als der Arsenik erregt -- Zehn
Gran Sublimat tdeten einen alten Kaninchenbock fast augenbliklich,
=Sprgel= (a. a. O. S. 47) fand keine Spur von Entzndung in seinem
Magen. =Heberdeen= (N. Hamb. Magazin 97. St. S. 205.) tdete einen
Hund binnen zehn Minuten durch Eingiessung zwoer Unzen einer Auflsung
des weissen Arseniks, fand aber innerlich nicht die mindeste Spur von
Entzndung oder Anfressung -- und schliest, es msse Dinge geben, die,
ohne wie reizzende oder narkotische Gifte zu wirken, ihren schdlichen
Eindruk unmittelbar ber die Nerven ausbreiten.]

[Funote 87: =Haller= /Physiol. lib. 19. sect. I. . 10./ S. 132.]

[Funote 88: =Pyl= Aufszze und Beob. erst. Theil. S. 58. -- =Mezger=
mediz. ger. Beob. 1ster Band. S. 50. -- =Klkhof= im achten Th. der
Harlemer Abh. erstes Stk. -- =Lieutaud= /hist. anatom. med. lib. I.
obs. 116./]

[Funote 89: So findet man nach Vergiftung mit Sublimat, der mit dem
Arsenik gleich (=Sprgel= a. a. O. S. 58) wirkt, den Schlund oft (ohne
merkbare Entzndung) fast ohne zurkgelassene Hhlung zusammengezogen;
=Sprgel= a. a. O. S. 43.]

[Funote 90: Oft ohne erfolgendes Erbrechen wird der Unterleib
konvulsivisch eingezogen; =Sprgel= a. a. O. S. 57. -- =Quelmalz=
/Commerc. litt. Nor. 1737./ S. 220.]

[Funote 91: Man hat bei Arsenikvergiftungen oft erst nach etlichen
Tagen Stuhlgang erfolgen gesehn /Commerc. litt. Nor./ a. a. O. nach
drei Tage bei einer usserlichen Arsenikvergiftung, m. s. /Acta N. C.
vol. 9. obs. 37./]

[Funote 92: =Sprgel= a. a. O. S. 53.]

[Funote 93: =Sprgel= a. a. O. S. 53.]

[Funote 94: Die an den Magen gebrachten Gifte ziehn nur denjenigen
Theil dieses Eingeweides zusammen, den sie unmittelbar berhren;
=Haller= /Physiolog. lib. 19. sect. 4. . 4./ S. 260.]

[Funote 95: Besonders dieser, auch seiner Schwere (8,310) wegen.]

[Funote 96: Eben so urtheilt =Macquer=, der Leonhardischen Ausgabe
seines Wrterbuchs erst. Th. (Leipz. 1781) S. 253. -- Solte nicht
ebendaher die fulniswidrige Kraft herrhren, die der Arsenik auf die
tode thierische Faser ussert? Anfangsgr. d. theor. und prakt. Chemie
von =Morveau=, =Maret= und =Drande= zweit. B. S. 246.]

[Funote 97: =Morgagni= /de sed. et caus. m. ep. 59./]

[Funote 98: Oder doch schdliche, Erbrechen, Entzndung der ersten
Wege, Kolik, Ohnmacht, Schwindel, Schlagflus.]

[Funote 99: S. die Allegate zu . 90., 91.]

[Funote 100: Wie kan =Sikora= (/Conspect. med leg Pragae 1780. 8./)
gerechtfertigt werden, da er Brantwein fr ein Gegenmittel des Arseniks
ausgiebt, in dem Wahne, das Brenbare desselben mildere dieses Gift?]

[Funote 101: Vorzglich thaten sich unsre Vorfahren hier viel auf
den Bergkrystall zu gute. Das Pulver davon ward etliche Jahrhunderte
hindurch fr des Arseniks spezifisches Gegengift gehalten. Es war
natrlich, da es oft gute Dienste that, da es in kleiner Menge unter
vielem Mandell und Milch gegeben ward.]

[Funote 102: =Haller= /Physiolog. lib. 19. sect. 4. . 4./ S. 262.]

[Funote 103: Man sehe =Breslauer Samlungen=, 33. Vers. S. 338. --
=Wepfer= /hist. c. 21. hist. 7./ S. 356. -- =Navier= Gegengifte, S. 10.
-- /Medic. essays Vol. 4. Edimb. 1747./ S. 41. -- =Morgagni= /de sed.
et c. m. ep. 59. Art. 7./ -- =Bonet= /sepulchr. anat. lib. 3. Sect. 7.
obs. 2 et 3. et obs. 17. . 2./ -- =Henkel= Bergsucht S. 148. -- nebst
vielen andern unglklichen Krankengeschichten, in denen besonders die
ltern Aerzte sich aus Vorurtheilen der Mohnsaftmittel gegen Arsenik
nicht zu enthalten vermogten; unter den ltern ja neuern nehme ich
=Forest= (/obs. lib. 21. obs. 23. in schol./ S. 135.) aus, welcher sie
vor den hinlnglichen Ausleerungen zu geben verbietet.]

[Funote 104: Vorzglich hat man ihm oft die Zuflle des Ueberganges
des Arsenikgiftes in die zweiten Wege (. 123. bis 126.) beizumessen;
fterer noch bei starken Vergiftungen den Brand der ersten Wege.]

[Funote 105: Da Purgiermittel den Schleim, der die innere Magenhaut
umkleidet, wenigstens losmachen, wo nicht mit sich nehmen, und ihn
reizzen; da sie die dnnern Gedrme vermgen, ihren Schleim durch
erhhete wurmfrmige Bewegung hinwegzupressen und sie noch berdies
in verschiednen Graden zu entznden, ohne jedoch das Arsenikpulver
aus der Zottenhaut rein abzufegen, im Stande zu seyn, so wird man
ohne mein Zuthun einsehn, wie viel sie zur Verschlimmerung der
Vergiftungskrankheit beitragen, besonders in Krpern, die empfindliche
Nerven und leicht entzndliches Blut haben.]

[Funote 106: Denn Fliegenstein und Operment lassen sich besonders im
Anfange der Vergiftung durch gelinde Brechmittel von unten vorkommender
Art mit vielem Nuzzen, und fast allein durch sie, wegschaffen.]

[Funote 107: Deshalb verbietet sie =Boerhave= /Praelect. acad. T. 6./
S. 382. mit Nachdruck; ja es sagt sogar ein groser Arzt: Wer einem
mit einer geringen Arsenikgabe Vergifteten ein Antimonialbrechmittel
reicht, sei mehr am Tode Ursache, als der Giftgeber, der alles zur
Rettung anwendete. =Fr. Hoffmann= /opusc. path. pract. dec. 2. diss.
5./ S. 410 -- An einer mit weissen Arsenik vergifteten Frau sieht
man die Schdlichkeit des Brechweinsteins deutlich, deren Geschichte
=Klkhof= im 8ten Theil im erst. St. der Haarlemer Abh. aufzeichnete.]

[Funote 108: Man sehe die bei . 123. angefhrte Krankengeschichte und
die brigen allegirten.]

[Funote 109: /Med. ration. system. II./ S. 187.]

[Funote 110: /Toxicolog. de acut./ S. 39.]

[Funote 111: /Commerc. litt. Nor./ in vielen Stellen.]

[Funote 112: /Elem. de mineralog. Par. 1772./ S. 155.]

[Funote 113: Ist Aqua toffana eine Art Arsenikmittelsalz, wie man
vermuthen (. 76. in Anm.) mgte, so knten auch aus diesem Grunde
Suren zur Wiederdarstellung des Arseniks Dienste leisten, der dann
heftiger wirkt und schnelleren Ausgang sucht; das Gegentheil thut
sein Mittelsalz, und ist um soviel gefhrlicher, als es schleichender
vergiftet.]

[Funote 114: Im 57sten Briefe.]

[Funote 115: /Hist. cic. aquat./ S. 296.]

[Funote 116: =Magazin= z. G. d. Staaten und Kirchengeschichte /IV./
S. 141.]

[Funote 117: Milch, Oele, fette Brhen und vegetabilische Schleime
aus Wasser mit Reis, Gerste, Leinsamen, Malve und Strke abgekocht
getrunken und in Klystieren angewandt, waren schon in den ltesten
Zeiten die einzigen Gegenmittel gegen weissen Arsenik, (/arsenicum
sublimatum album/) man sehe =Rhazes= /2 Continent. cap. 2./ und /8.
Almansor. cap. de arsenico -- arsenico sublimato/ -- =Albukases= /2.
Alzarav. cap. de potu arsenici/ -- =Avizenna= /4. Canon. cap. 6./ --
=Peter von Abano= /de Venenis cap. de assumpt. arsenici subl./]

[Funote 118: =Navier= Gegengifte des Arseniks, zzenden Sublimats,
Spangrns und Bleies, bersezt, mit Anm. von =Weigel=, erster Band,
Greifswalde 1782. 4to.]

[Funote 119: S. 14 bis 19.]

[Funote 120: Da die laugensalzige Schwefelleberauflsung ein viel
geringeres Verbesserungsmittel und Gegengift des Arseniks genant zu
werden verdient, als =Navier= whnt, sieht man aus folgenden Grnden:
1.) Laugensalzige Schwefelleber wirkt in wenig Wasser aufgelst
giftartig, sie zerfrist Federn, Hare, Knochen und alle thierische
Theile in kurzer Zeit zu einer Gallerte; strker verdnt wirkt sie
doch noch mit heftigem Reizze. 2.) Ist der Arsenik nicht in Auflsung,
sondern in Pulvergestalt, wie gewhnlich im Magen vorhanden, so kan
die Schwefelleber noch lange als Aezmittel auf die Wnde dieses so
leicht entzndlichen, wohl gar schon entzndeten Eingeweides reizzend
und zzend wirken, ehe seine etwanige Kraft, den almhlig aufgelsten
Arsenik zu zerstren, statt finden kan. 3.) =Navier= mag sagen, was
er will, die Schwefelleber lst doch nur in so fern seinen Schwefel
fahren, und nur in der Mase, als sein Laugensalz durch das Zumischen
des Arsenikwassers so wie irgend einer andern Sure gesttigt und
verschlukt wird, und so flt der Schwefel =rein= und =ohne den
mindesten Antheil an Arsenik= nieder. Diese leztere Behauptung flt
in die Augen, wenn man bedenkt, da der Schwefel ganz weis ohne
die mindeste Gilbe (ohne die Operment nicht entstehen kan) sich
przipitirt, besonders aber dadurch, da neutralisirtes Arsenikwasser
von Leberluft nicht angegriffen oder als Operment niedergeschlagen
wird. Mit einem Worte Schwefelleber mit Arsenikwasser zur Sttigung
gemischt, wird nichts mehr noch weniger als Arsenikmittelsalz, (und
der reine abgeschiedne Schwefel flt zu Boden.) Ein Vortheil, den man
anderweit viel leichter, gefahrloser und angenehmer erreichen kan.
Seine chemischen Versuche knnen auch mit keiner Genauigkeit angestelt
seyn, da er versichert, die Schwefelleber und das Arsenikwasser msten
heis zusammen geschttet werden, wenn ein Niederschlag erfolgen solle,
(da doch, wie sich jeder berzeugen kan, ein hufiger Niederschlag
bei 40 Fahrenh. erfolgt) und das Przipitat wre schmuzigweis
(da doch das Przipitat vllig weis ist, wie von Schwefelmilch).
4.) Der abscheuliche, unertrgliche Geschmak der selbst verdnten
Laugensalzleber ist kein geringer Grund ihrer Verwerflichkeit. 5.) Nur
frisch bereitete Leber bewirkt einen Niederschlag, lang aufbewahrte
ist viel unkrftiger. Schwerlich kan sie so geschwind frisch bereitet
werden, da der Vergiftete durch den Verzug nicht leiden solte, gesezt
sie wre auch hlfreich. Auf dem Lande ist ihre Bereitung grstentheils
unmglich.]

[Funote 121: Sie besizt gleiche Aezlichkeit, gleich abscheulichen
Geschmak, ist gleich unkrftig und nur der entstehende
schwerauflsliche Kalkarsenik macht sie etwas hlfreicher.]

[Funote 122: Arsenikwasser schlgt aus Eisenvitriol nichts nieder.
Die Eisenauflsung in Essig przipitirt sich durch Arsenik nicht. Dinte
wird von Arsenikwasser nicht niedergeschlagen. Dies sind Thatsachen,
aus genau angestelten wiederholten Versuchen abgezogen. Hiezu gehrt,
da alle dephlogistisirte Luft vorher aus dem dabei anzuwendenden
Wasser getrieben werde, und whrend des Versuchs davon entfernt bleibe,
die bekanntlich das Eisen aus der Vitriolsure abscheidet, und ein
Eisenkalkprzipitat bewirkt, das sich nicht in Vitriolsure wieder
auflst, welches doch Eisenarsenikniederschlag thun mu.]

[Funote 123: (S. 23)]

[Funote 124: Gegengifte S. 23. und 90. Auch =Gmelin= (Mineralgifte
S. 117.) nimt =Salzsure= als einen Bestandteil des weissen Arseniks
an. Der alchymische Erzvater =Becher= scheint hierin der Vorgnger
aller brigen zu seyn, /physica subterran. lib. 1. Sect. 6. cap. 8./ S.
543; oder vielmehr der sonst gute Scheideknstler =Libav.= (/Comment.
in Alchym./) noch vor ihm. =Neuman= (chemische Vorles. zweit. Th. S.
491.) nimmt ausser der Salzsure noch Vitriolsure im Arsenik an, und
der Herr Bergrath =Prner= Salzsure oder Vitriolsure mit Kieselerde
verbunden. Diese fr so gewi ausgegebnen Szze bedurften Berichtigung,
wenigstens Besttigung, da sie so vielfach und widersprechend
vorgetragen wurden.

Ich destillirte reines Quellwasser mit dem Hutabkhler dergestalt
langsam, da das erhaltene Produkt weder die Auflsung der Schwererde
in Essigsure, noch die Auflsung des frischbereiteten Silbervitriols
im mindesten trbte, also von aller Vitriol- und Kochsalzsure vllig
frei war.

In einem Pfunde dieses hchst reinen destillirten Wassers lsete ich,
durch Kochen, 250 Gran weissen Arsenik auf. Nun trpfelte ich in einen
Theil dieser krystallhellen Auflsung, um zu erfahren, ob weisser
Arsenik Vitriolsure enthalte, etwas von meiner Auflsung der selbst
bereiteten Schwererde in Essigsure ein, und die Mischung blieb vllig
hell, hielt also nichts von Vitriolsure.

In einen andern Theil dieses Arsenikwassers trpfelte ich nun, um die
fr so gewi ausgeschriene Salzsure des weissen Arseniks zu entdecken,
frischbereitete Silbervitriolauflsung -- in noch einen andern Theil
desselben aber etwas Quecksilberauflsung in Scheidewasser, bei einer
Klte von 40 Fahrenh. bereitet; aber in beiden Fllen erfolgte nicht
die mindeste Trbung, nicht das mindeste Zeichen vorhandener Salzsure.

Gleiche Versuche stelte ich mit einer starken Fliegensteinauflsung in
eben diesem reinen destillirten Wasser und einer hnlichen Auflsung
des rohen Arseniks oder Giftmehls an -- mit demselben Erfolge. Diese
Arsenikarten halten also weder Vitriol- noch Salzsure, wenn man diese
gegenwirkenden Mittel fr die beweisendsten ansieht. Ich erinnere
hier beilufig, wie ich durch wiederholte Versuche fand, da 39 Grane
Przipitat (Kalomel) aus dem im Kalten bereiteten Quecksilbersalpeter
durch Kochsalzsure geflt, 33-4/5 Gran des erstern und 5-1/5 Gran des
leztern andeuten.]

[Funote 125: Die warmen Quellen enthalten keine Schwefelleber
und keinen Schwefel in Substanz, wohl aber Schwefelleberluft in
verschiedenem Verhltnisse und einige oft unbetrchtliche Salze.]

[Funote 126: D. i. von warmem Seifwasser.]

[Funote 127: a. a. O. /Cap. 21. hist. 1. (L. Bat. 1733.)/ S. 352.]

[Funote 128: /Obs. 16./ S. 209.]

[Funote 129: Eine Person verschlukte (ungefhr eine Drachme) Arsenik,
sie as Milchbrei darauf, erbrach sich bald, und ward gerettet;
/Commerc. litter. Noric. ann. 1738./ S. 212.]

[Funote 130: Es verdient angemerkt zu werden, da die ltesten
Schriftsteller, die weissen Arsenik und die Vergiftung damit kanten,
schon den Genu schleimichter breihnlicher und fetter =Speisen= als
dienliche Gegenmittel empfahlen. =Rhases= /2. Continent. cap. 2. (usus
cibariorum unctuosorum et viscorosum.) Avicena lib. 4. fen. 6. tr. 1.
cap. 9./ Vorzglich verdient der Gebrauch der Schokolade in dieser
Absicht empfohlen zu werden. =Bonet= /med. septentr. coll. part. 2.
sect. 7. obs. 38./ S. 376. -- ohne Schaden Arsenik in Schokolade
genommen. /Eph. N. C. ann. 3. obs. 40./ S. 68. -- Ein Paar Kinder,
die vom Arsenik die schreklichsten Zuflle litten, wurden durch einen
Milchbrei vllig hergestellt. =Wepfer= /hist. cic. cap. 21. hist. 10.
(L. B. 1733.)/ S. 360. Hat man demnach einige dieser breihnlichen
Flssigkeiten, Mehl- oder Reisbrei, Schokolade, Brodmus u. d. gl.
bei der Hand, so wird man anfnglich sehr viel damit ausrichten, ehe
die eigentlichen Gegenmittel bereitet sind und wenn die Gefahr sehr
dringend ist.]

[Funote 131: Will der Kranke selbst die Hlfe beschleunigen, folglich
mehr trinken, so knnen ihm in diesen zwei Stunden noch etliche Pfunde
dieser Flssigkeit mehr gereicht werden.]

[Funote 132: Den zehnten July 1786, gab ich zwei sechsjhrigen
Haushunden jedem zwei Drachmen weissen Arsenik in etwas Wasser ein.
Ich war versichert ihr Magen war leer, denn sie hatten acht Stunden
gehungert und seit drei Stunden nichts gesoffen. Nach zehn Minuten
hatten sie sich schon mehr als dreimal bergeben. Dem einen, der mir
der schwchlichste schien, schttete ich gleich nach Verflus dieser
ersten zehn Minuten etliche Unzen starkes Seifendekokt warm ein, und so
ferner nach jedesmal erfolgten Erbrechen, welches immer leichter und
leichter ward, bis ein Durchlauf nach drei Stunden ihn vllig wieder
herstelte, da doch vor dem Eingeben das Wrgen ihm heftig konvulsivisch
den Krper zusammenzog.

Der andre erbrach sich blos in den ersten funfzehn Minuten, berhaupt
etwa fnfmal, dann sas er ruhig, nur etwas traurig, zuweilen stand
er auf, und die Bauchmuskeln zogen sich ohne erfolgendes Erbrechen
wiederholtemale einwrts. Nach einer halben Stunde schwankte er im
Stehen, und mute sich sezzen, dann mit vorwrtsgestrekter Schnauze
legen. Er schnarchte stark in dieser Lage mit offenen Augen. Seine
natrliche Wrme verminderte sich um diese Zeit schon merklich,
ungeachtet er noch auf Liebkosungen wedelte und auf Drohungen
entfliehen wolte. So nahm binnen kurzem seine Schwche oder vielmehr
seine Betubung dergestalt zu, da er anderthalb Stunden nach der
Giftnahme sich lange stosen lies, ohne aufzustehn, blos den Kopf
richtete er auf, der aber bald wieder niedersank. Nach zwei Stunden
lag er ruhig auf der Seite, mit offenen Augen, war fast kalt, und gab
auf alles Schlagen nicht die mindeste Empfindlichkeit zu erkennen.
Nach fnf Stunden war es noch eben so mit ihm. Ich erfnete ihn, und
er war ganz ohne Bewustseyn, ohne Gefhl. Das Zwergfell und das Herz
bewegten sich noch ganz krftig, die Bauchmuskeln hatten noch ihre
ganze Irritabilitt, der Magen aber und der Zwlffingerdarm nicht die
mindeste. Beide waren inwendig durchaus entzndet und brandig. Ich
habe durch wiederholte Versuche dieser Art bemerkt, da alle Hlfe
zuspt war, wenn sie erst nach Zurckbleibung des Erbrechens erfolgt,
solte es auch erst kurze Zeit nach der Giftgabe seyn. Dann ist die
Irritabilitt des Magens schon erstorben, (obgleich die Entzndung
noch fortschreitet) und die Kraft des Giftes, das Empfindungs- und
Lebensprinzipium nach und nach verlschen zu machen, hat sich schon
durch das Nervensystem verbreitet. Welches Mittel soll dieser fast
allmchtigen Kraft reagiren, und Leben und Empfindung wieder anfachen,
unter diesen Umstnden? Versster Vitriol und Salpetergeist schienen
mir einige gewnschte Wirkung dieser Art zu besizzen.]

[Funote 133: Diese sechs Pfund dnnere Seifenauflsung halten also 19
bis 20 Loth Seife; man kan sie frisch verfertigen, wie die strkere,
wenn man 20 Loth geschabter Seife in 5-1/3 Pf. kochendes Wasser quirlt,
bis zur gleichartigen Auflsung.]

[Funote 134: Eben dies' rhmt =Morgagni= aus Erfahrung, /de sed. et
caus. morb. ep. 59. . 8./]

[Funote 135: =Quelmalz= fand ihn in einer Vergiftung mit einem halben
Lothe weissen Arsenik sehr vortreflich; /Commerc. litter. Nor. 1737./
S. 220.]

[Funote 136: Im Nothfalle kan man Kreide an der Stelle nehmen, da
dann aber die Mischung etwas lngeres Glhen erfordert.]

[Funote 137: Auf dem Lande kan die Bereitung in einer Schmiedeesse
geschehen.]

[Funote 138: Da diese Kalkleber (aschgrau von Farbe) stets trocken
bleibt, so hlt sie sich sehr lange krftig in einem zugepfropften
Glase. Alle feuchtenden Schwefellebern zersezzen sich sehr geschwind,
auch mit Korke verwahrt.]

[Funote 139: M. f. . 67.]

[Funote 140: M. s. =Fr. Hoffman= /diss. de erroribus vulgaribus circa
venena./ Halle, 1718. 4to.]

[Funote 141: Ihn fand =Quelmalz= in einer sehr starken
Arsenikvergiftung dienlich, /Commerc. litt. Nor. 1737./ S. 220.]

[Funote 142: =Odier= rhmt es bei Arsenikvergiftungen gleichfalls aus
Erfahrung.]

[Funote 143: Das Fressen im Mastdarme vom abgehenden Arsenikgifte
ist oft sehr heftig brennend; S. 45. /Histor. admirand./ im Anhange zu
=Diomed. Cornarius= /consil. medic. (Lips. 1599.)/]

[Funote 144: Das hier gewhnliche Erbrechen nach etwas starken
Mahlzeiten dauert oft einige Jahre nach einander =Wepfer= /hist. cic.
cap. 21. hist. 2/ S. 354. (ber drei Jahre.)]

[Funote 145: Drei Jahre nach einander, =Wepfer= /hist. cic. cap. 21.
schol. 3./ S. 369.]

[Funote 146: Die Milch der nicht wiederkuenden Thiere wird durch
fremde Dinge nicht so leicht verndert, gesuert, oder geschieden,
enthlt nicht so viel Kse und nicht soviel Butter, als die, der
wiederkuenden; leztere lst sich auch bei diesen leichter trennen.
Deshalb ist vorerst die Menschen- dann die Esels- und endlich die
Pferdemilch zu empfehlen, und nur im Nothfall die Kuh- oder Ziegenmilch
anzuwenden; m. s. =Young= /de lacte part. 1. cap. 8. sect. 3./ und
/part. 2. cap. 2. sect. 1. lemma 5./]

[Funote 147: Alle andre Nahrungsmittel erregen bei Geschwchten
oder Wiedergenesenden eine Art kleinen Fiebers, vermehren also das
schleichende schon anwesende Fieber, (daher das Erbrechen solcher
Kranken, der Schauder, und die fliegende Hizze bald nach der Mahlzeit)
Milch wird ohne Fieber vom schwchsten Magen verdaut, =Ch. Young= /de
lacte part. 2. cap. 2. sect. 1. lemma 1./ (=Sandifort= /Thesaur. Tom.
2./ S. 553.)]

[Funote 148: =Young= a. a. O. /lemm. 7./ (S. 554.)]

[Funote 149: Das mit hufigen Blutgefsen durchwebte (dritte)
Zellgewebe.]

[Funote 150: =Young= a. a. O. /lemma 9./ (S. 554.)]

[Funote 151: =Young= a. a. O. /lemma 2./ (S. 553.)]

[Funote 152: =Thom. Young= /de lacte/ (=Sandifort= /Thesaur. disp.
Tom. 2./ S. 536) /cap. 2. sect. 5./]

[Funote 153: Wenn der Magen nicht allzuschwchlich ist, und man den
Wein, der Milch wegen, vermeiden will.]

[Funote 154: Das =Quassienholz= ist unter den bittern Droquen wohl
diejenige, die am wenigsten erhizt, und deshalb hier so dienlich ist,
des Rennthiermoses und der Wurzel der bittern Kreuzblume (/polygala
amara/) nicht zu vergessen.]

[Funote 155: Man nenne sie nun italienische Vergiftung oder
Bergsucht.]

[Funote 156: Wenn uns gleich Flle aufgezeichnet worden, wo die
Schwefelwsser in den chronischen Folgen der Arsenikvergiftung eben
nicht viel Dienste thaten; /Eph. N. C. dec. 3. ann. 9 et 10./ S. 390.
ja sogar welche, wo sie geschadet zu haben scheinen knten; =Haen=
Heilmethode viert. Band S. 328. so mus man doch bei Beurtheilung dieser
Flle sehr behutsam seyn. Im erstern konnte das Bad zu Wisbaden die
ungeheuren Verwstungen in dem ganzen Nervensystem, in den innern und
ussern Sinnen und dem algemeinen Empfindungssizze doch wohl eben
so wenig heben, als irgend ein andres Mittel auf der Welt. Es gab
hier keine Arseniktheile zu vererzen und auszufhren, Strkung war
das einzige Indikat, das aber freilich durch das warme Bad schlecht
befriedigt ward -- in der Geschichte, die uns =Haen= aufzeichnete,
ist es offenbar, da die meisten im Krper befindlichen Arseniktheile
noch in den ersten Wegen hiengen, da das Achner Bad gebraucht ward.
Es wirkte wie ein andres schweistreibendes Mittel; welches die
Gifttheilchen eben so in die Substanz der Muskeln und an die Nerven
treibt, wie alle die Beispiele lehren, wo nach innern Vergiftungen
Kontrakturen und Lhmungen entstanden, (. 133.) grstentheils auf
Mohnsaft- und andre schweistreibende und verdnnende Mittel, man sehe
die merkwrdigsten Flle dieser Art in /Commerc. litr. Nor./ 1738. S.
212, und 1737. S. 219.

So lange heimliches Kneipen und plzliche Kolikschmerzen sich noch
zuweilen nach innern Arsenikvergiftungen einstellen, so lange kan der
Gebrauch der die ersten Wege ausleerenden (gelinden) Mittel nicht
vllig unterbleiben. Handelt man nicht nach dieser Vorsicht, und
bedient sich dagegen der schweistreibenden, so erfolgt ganz gewis, wie
in unserm vorhabenden Falle, Kontraktur, Zusammenziehung, Steifigkeit
und brennende Schmerzen der Muskeln der Gliedmaen. Ueberdies
besttigen die Krfte der schwefelleberluftigen Wsser bei den Folgen
der Arsenikvergiftung (wenn wirkliche daherrhrende Kontrakturen
oder vielmehr Lhmungen schon entstanden und nun zu heben sind.)
angesehene Mnner aus Erfahrungen. =J. M. Dietmann= /diss. Examen
thermar. austriaco-badensium. (Viennae 1732.) cap. 5. . 61./ S. 74.
-- Ein herumziehender Arzt gab einem Abte ein mineralisches Drastikum
(da es nicht Spiesglanz, wie er vermuthet, sondern Arsenik gewesen,
beweisen die Zuflle) er bekam langwierige Kolik, ward gelhmt, und
bekam zugleich die heftigsten Schmerzen in den Armen mit Ausschlage
verbunden, das Meinersdorfer warme Bad stellte ihn vllig wieder her;
=Diomed. Cornarius= /consilia medicin. cons. 5./ S. 53. u. f. -- Wie
vortheilhaft die warmen Bder bei Kontraktur, Lhmung und Konvulsionen,
die auf Arsenik entstanden, angewandt werden, besttigt =Plenck=
/Toxicologia/ S. 274. -- Die bsartigen Wunden, die arsenikalische
Wsser einem Klaubesteiger oft tief in die Haut frassen, heilte das
Wolkensteiner (schwefelleberlufthaltige) Bad oft zur Verwunderung;
=Schrey= Wolkensteiner Badeschaz (Frft. 1696.) S. 48.]

[Funote 157: 90 bis 96 Grade Fahrenheitischer Leiter ist die rechte
Mittelwrme dieser Bder, die nicht viel erhhet werden darf.]

[Funote 158: Ueber eine Menge italienischer Bder sehe man =Baccius=,
ber die franzsischen =d Clos=, ber einige in England =Gidott=,
=Lukas=, =Monro=, =Falkoner=, ber die ungarischen und siebenbrgischen
=Cranz=, ber die deutschen =Hoffman= und =Zckert=.]

[Funote 159: Da diese Behandlung auch das Brunnenwasser mild macht.]

[Funote 160: =Scheele= von Luft und Feuer. Leipzig 1782. S. 163.]

[Funote 161: Vorzglich bei bermsiger Schlaflosigkeit; =Scheffler=
a. a. O. S. 205.]

[Funote 162: Ich nehme den einzigen krystallisirten Grnspan aus.]

[Funote 163: Gegen das langwierige Fressen des Magens nach
Arsenikgift, spanischer Wein sehr hlfreich, =Bierling= /thesaur. obs.
et cur. I. . 8./ S. 13.]

[Funote 164: =Scheffler= Ges. d. Bergleute S. 174 und 176.]

[Funote 165: Steifigkeit und Lhmung in den Fsen von Arsenik hob ein
warmes Kruterbad; =Haen= Heilmethode viert. B. S. 329.]

[Funote 166: Arseniklhmung eines Studenten nach vier Wochen durch
Opiate gehoben; /Eph. N. C. dec. 2. ann. 4. obs. 12./ S. 36.]

[Funote 167: =Marat= (/Memoire sur l'lectricit medicale,  Paris,
1785./) der durch seine Zweifel gegen fast alle arzneiliche Krfte der
Elektrisitt sich den Preis der Akademie zu Rouen erschlich, will auch
nichts von ihrer guten Wirkung bei den Nachwehen der scharfen Gifte
(/crispation des Nerfs/) wissen, gegen die bejahenden Beobachtungen so
vieler rechtschafnen Mnner; wird aber hoffentlich niemand berzeugen.
Bei =Haen= (Heilmethode 4ter B. S. 329.) half sie doch der auf Arsenik
erfolgten Lhmung der Gliedmasen einigermasen ab, und stelte einige
Bewegung wieder her; wiewohl sie mir hier etwas zu zeitig angewandt
worden zu seyn scheint, ehe noch die gehrige Ausleerung des Gifts
durch die Haut zu Stande gebracht war, sonst htte sie gewis mehr
gethan.]

[Funote 168: /Esprit des Journaux, Juillet 1785./ S. 322. /etc./ und
ebend. /Novembre 1785./ S. 356.]

[Funote 169: =Huber= in /Nov. Act. N. C. vol. 3. obs. 100./ S. 532.]

[Funote 170: =Kunkel= /opusc. chym. cap. 3./ S. 43. rhmt schon
alkalische Flssigkeiten gegen den Schaden, den er durch usserliche
Auflegung anrichtet. -- Man kan auch nach Reinigung der Wunde mit
Seifwasser, Oel nach Vorgang des =Verzascha= (=Wepfer= a. a. O.
/cap. 21, schol. 4./ S. 372.) in die Wunde mit dem besten Nutzen
einreiben. Die blen Folgen einer Aufstreichung des weissen Arseniks
mit Butter vermischt auf ein Grindkopf (rtliche Entzndung, Erbrechen,
Halsentzndung) ward mit innern und ussern schmeidigenden Mitteln
(Oel, Schleimen und Milch) gehoben, /Act. N. C. Vol. 9. obs. 37./]

[Funote 171: =Scheffler= a. a. O. S. 176.]

[Funote 172: Ein Kunststeiger, dem von arsenikhaltigen Rschen die
Haut an verschiedenen Orten tief angefressen wurde, half sich oft durch
Baden im Wolkensteiner Bade zur Verwunderung; s. =Schrey= Wolkensteiner
Badschatz (Frft. 1696.) S. 48.]

[Funote 173: Auf dem Strossenbaue und in den Scheidestuben nur lst
sich dies von den Arbeitern nicht wohl thun.]

[Funote 174: Nchstdem solten die Steiger den troknen oder wohl gar
schon bergschtigen nicht ftere Nachtschichten aufgeben. Die Huer
selbst solten ihr Brod, das sie gewhnlich in der halben Schicht
verzehren, nicht im Staube liegen lassen, oder mit bestubten Fingern
anfassen, auch fleisig nach der Schicht sich den Mund aussplen, und
Erkltungen vermeiden. Sie sowohl als die Schrer und brigen mit
arsenikhaltigen Erzen Beschftigten, solten ihre mnlichen Jahre
erwarten, ehe sie heiratheten, und berhaupt miger im Beischlafe
seyn. Sie solten das bermsige Brantweintrinken und Tabakrauchen
entweder ganz unterlassen, oder doch sehr einschrnken, wenn sie
nicht vor der Zeit elend und bergfertig, sich, den Ihrigen und der
Knappschaftskasse zur Last fallen, und einem schmhlichen Tode schon in
dem Sommer ihrer Jahre entgegen sehen wollen.]

[Funote 175: In Apotheken und Fabriken solte der weisse Arsenik nie
anders als im Luftzuge und unter Einsprengung des Wassers gestosen und
geplvert werden, und dennoch mus Mund und Nase dabei verbunden seyn.]

[Funote 176: /Arg. L. 1. . 5. ff. de ventre inspiciendo/ -- =Abbas
Panormitanus= /ad c. proposuisti X de probat. n. 10./ -- =Feltman= /de
cadav. inspic. cap. 40. n. 3./ -- =Alberti= /jurispr. med. Tom. 1. p.
1. cap. 1. . 27./ S. 20.]

[Funote 177: Rechtmsig promovirter Doktor oder Linzenziat. =Feltman=
a. a. O. /cap. 44./ und /cap. 49. n. 4./ bis /10/. =Alberti= a. a. O.
/cap. 1 . 27./ S. 20. -- /Instit. de satisd. . ult./ -- =Zittman=
/medic. forens. c. 2. cas. 34/. und /61/.]

[Funote 178: Lezt angefhrte Schriften und =Bohn= /de offic. med.
dupl. p. 2. cap. 2/, S. 541.]

[Funote 179: =Carpzov= /prax. crimin. part. 1. qu. 26./ und andre.]

[Funote 180: =Feltman= a. a. O. /cap. 50/ und /51/. =Karls des /V./
peinl. Halsger. Ord.= /art. 149/. -- der Eid steht /Ordinat. Cam.
imperial. p. 1. tit. 85./]

[Funote 181: =Baldus= /in prima constit. ff. n. 16./ -- =Mascardus=
/de probat. vol. 2. concl. 1037./ -- =Pacianus= /de prob. cap. 47. n.
20, 21./ -- =Gail= /obs. III. n. 13./ -- =Rtg. Ruland= /de commissar.
part. 1. lib. 4. cap. 15./ -- =Bohn= /de off. med. p. 2. cap. 2./ S.
543.]

[Funote 182: =Classenius= und =Ludovici= /not. ad C. C. C. art. 147./
und /149./ -- =Bruneman= /process. de testibus. cap. 20. n. 93./ --
=Stryk= /de jure sens. disp. 1. cap. 2. n. 28/ bis /32./ -- =Ebenders.=
/in us. mod. lib. 48. tit. 8. . 2./ -- =Carpzov.= a. a. O. /qu. 26. n.
38. 39./ -- =Alberti= a. a. O. . 28. S. 20.]

[Funote 183: Da Kaiser Karl bei jeder Leichenbesichtigung, wo ber
Tdlichkeit ein Urtheil zu fllen ist, eine besondre Vereidigung
verlangt, kmt, wie =Feltman= bemerkt, daher, da zu seiner Zeit, die
vom Doktoreide hchst verschiedne Verpflichtung eines Physikus oder
gerichtlichen Wundarztes noch nicht eingefhrt war. Nun aber finden die
Rechtsregeln statt: Eid ist nicht ohne Ursache zu wiederholen. /Arg.
L. 13. . 6. ff. de jurejur/. -- und Von niemand vermuthet man, er
werde dem einmal geleisteten Eide zuwider handeln. /Arg. L. fi. C. ad
L. Iul. repet./ -- =Pacianus= /de probat. lib. 1. cap. 46. n. 22./]

[Funote 184: Man sehe die Schriftstellen des leztern Paragraphs.]

[Funote 185: =Zacchias= /Quaest. med. leg. lib. 5. tit. 2. qu. 1. n.
2./ -- =Ludovici= /Comment. ad C. C. C. art. 147./]

[Funote 186: =Feltman= a. a. O. /cap. 3./ S. 14. und 165. -- =Welsch=
/rel. vuln. lethal. cap. 15./ S. 121, 122. -- =Bohn= /de off. med.
dupl. p. 2. cap. 3./ S. 557, und /cap. 4./ S. 594. /de renunciat. vuln.
sect. 1. cap. 1./ S. 18. -- =Alberti= a. a. O. /cap. 14./ S. 278.]

[Funote 187: =Oldekop= /tit. 4. obs. crim. 47. n. 5./ -- =Kre=
/Comment. ad. C. C. C./ S. 330. -- =Carpzov= /pr. cr. part. 1. qu. 26.
n. 32./ und /53./]

[Funote 188: /C. C. C. art. 149./]

[Funote 189: =Feltman= a. a. O. /cap. 52./]

[Funote 190: =Bohn= /de off. med. dupl. p. 2. cap. 4./ S. 595.]

[Funote 191: =F. Pacianus= /de probat. lib. 1. cap. 43./ -- =Bohn=
/de off. med. d. p. 2. cap. 4./ S. 578.]

[Funote 192: =Bohn= /de offic. med. dupl. part. 2. cap. 4./ S. 600.
und /cap. 5./ S. 620. =Alb. v. Haller= Vorles. b. d. ger. Arzneik.
zweit. Bandes erster Theil. S. 349.]

[Funote 193: =Valentini= /Pandect. med. leg. part. 2. Introd. thes.
8./ -- =Bohn= a. a. O. S. 590.]

[Funote 194: =Hebenstreit= /Anthropolog. for. sect. 2. membr. 2. cap.
2./ S. 527.]

[Funote 195: =Bohn= a. a. O. /cap. 4./ S. 594. -- =Oldekop= /tit. 4.
obs. 47./]

[Funote 196: Der so den /proces verbal./ instruirt. -- =Ambrosinus=
/de modo form. process. informat. lib. 1. cap. 1. n. 26./ -- =Bruneman=
/de process. inqu. cap. 7. n. 28. seq./ -- Anmerker zu Franz. Marcus
/p. 2. decis. delphin. qu. 181. n. 1. litt. a./ -- =Feltman= a. a. O.
/cap. 40. n. 7./ und /cap. 53. n. 2./]

[Funote 197: =Bohn= /de renunciat. vuln. lethal. sect. 1./ S. 152,
153.]

[Funote 198: Oder der von den gerichtlicharzneilichen Personen
ausgefertigte Schein 1.) ber das bei der Besichtigung gefundne und
die dahin Einflus habenden Umstnde 2.) ber den Tdlichkeitsgrad der
zugefgten Verlezzung.]

[Funote 199: Diese ganze Vorschrift will blos andeuten, was bei der
Leichenfnung alles in Augenschein und Untersuchung genommen werden
soll, damit die daran bemerkten Abweichungen in den Sektionsbericht
einfliesen knnen. Blose Negationen knnen in demselben nicht Statt
finden, da sie unntz sind, und die Sache ohne Noth unbersehbar
machen, und die Aufmerksamkeit vom Bemerkungswerthen abziehn.]

[Funote 200: Mascard /de probat. vol. 2. concl. 1037. n. 7./ --
=Carpzov= /prax. crimin. qu. 21. n. 7./ -- =Zacchias= a. a. O. /lib. 2.
tit. 2. qu. 1. n. 1./ -- =Alberti= /jurispr. med. Tom. 1. p. 1. cap.
13. . 3./ S. 247. -- =Bohn= /de renunc. vuln. sect. 1./ S. 16. bis 21.
-- Aretinus -- Carerius und andre.]

[Funote 201: Unentschieden kan er das Urtheil lassen, nach
=Codronchius= /method. testif. cap. 3./ -- =Fort. Fidelis= /relat. med.
lib. 4./ zu Ende. -- =Bohn= /de off. med. dupl. part. 2. cap. 2./ S.
548. und /cap. 6./ S. 619.]

[Funote 202: Zwar kan dem Arzte irgend ein Urtheil, wenn er sich
darber herauszulassen unterliese, =abgefordert Felin. Sandeus= /ad
c. proposuisti [:X] de probat. n. 6./ -- =Fulv. Pacianus= /lib. 1. de
probat. cap. 47. n. 57./ -- =Feltman= a. a. O. /cap. 50. n. 10./ --
aber nicht =abgezwungen= werden. =Durand= /in specul. tit. de requis.
consil. n. 9. vers. et numquid./ -- =Decius= /ad c. proposuisti n. 57./]

[Funote 203: Das Urtheil des Arztes von der Tdlichkeit soll
=durchaus= mit angefgten Ursachen und Bestimmungsgrnden versehen
seyn. =Fulv. Pacianus= a. a. O. /lib. 1. cap. 47. n. 64./ -- =Bruneman=
/de processu inquis. cap. 20. n. 71./ -- =Decius= /ad cap. proposuisti
n. 30./ -- =Feltman= /de cad. insp. cap. 56. n. 4./ -- =Boerius=
/decis. 323./ -- =Muscatellus= /prax. crim. de vuln. lethal./ S. 241.
-- =Bohn= /de off. med. dupl. part. 2. cap. 2./ S. 550. -- =Carpzov=
/prax. cr. p. 1. qu. 26. . 13./]

[Funote 204: Z. B. welches wir an Eides Statt -- nach Eid und Pflicht
-- u. s. w.]

[Funote 205: =Hebenstreit= /anthropolog. sect. 2. membr. 2. cap. 2./
S. 528. /si arsenicale quid contentis ventriculi haud interest, tunc,
quae reperta est materia, concremata, cornu ustum olet/ -- Nicht auch
wenn Arsenik drunter ist? m. s. . 381.]

[Funote 206: /Jurispr. med. Tom. 1. part. 1. cap. 14./]

[Funote 207: Es giebt eine ungeheure Zahl von almhlig tdlichen
Arsenikvergiftungen.]

[Funote 208: Tdliches blutiges Erbrechen und Durchlauf von Erfnung
eines kurzen Milzgefses in den Magen. /Eph. N. C. dec. 3. ann. 5 et
6. obs. 257./ S. 597. -- =Lieutaud= /hist. anatom. med. lib. 1. obs.
47, 48, 49./ -- Der Magen mit Blut angeflt aus verschiednen Ursachen.
Ebend. /obs. 45, 46/, auch /47, 48, 49./ und viele andre. =Hasenhrl=
/obs. 5./ in =Sandifort= /thes. diss. Tom. 1./ S. 112.]

[Funote 209: Ohne Gift schwarzes Erbrechen mit geronnenem Blute und
hnlicher Durchlauf, =Plater= /obs. lib. 3./ S. 779. und S. 782. --
=Bruns= in =Sandifort= /thesaur. diss. Vol. 3./ S. 37. /obs. 30./ --
=Lieutaud= /hist. anatom. med. lib. 1. obs. 38, 42, 46, 155, 183b, 250,
251, 844, 845, 975./]

[Funote 210: Diesem Zeichen, worauf =Zacchias=, =Cardan=, =Roderich
von Castro=, =Oldekop=, =Feltman= und andre soviel bauen, spricht
mit Recht =Bohn= (/offic. med. dupl. part. 2. cap. 6./ S. 645.) alle
Beweiskraft ab.]

[Funote 211: /Acta N. C. dec. 2. ann. 9. obs. 22./ -- =Kornman=
/mirac. mort. cap. 106/. -- =Marcell. Donatus= /hist. mem. med. lib.
3. cap. 13/. -- =Geuns= /de morte corporea/ . 31. in =Sandifort=
/Thesaur. diss. Tom. 3./ S. 591.]

[Funote 212: =Schrek=, Zorn, Gram, =Geuns= a. a. O. . 30. S. 590.]

[Funote 213: =Schenk= /observ. lib. 7. tit. de venenis./ --]

[Funote 214: =Bartholin= /acta hafn. Vol. 5./ S. 137 -- und andre
=Fr. Hoffmann= /med. rat. system. Tom. 4. part. 3. cap. de catalepsi 
11. 13./]

[Funote 215: Gefaultes Fleisch; =Langrisch= /practice/ S. 356. --
Faule Eier, Bellin /opusc./ S. 28 -- ferner =Valentini= /Pandect. med.
leg. part. 1. sect. 3./ S. 389, bis 401. -- und viele andre.]

[Funote 216: Eckel, konvulsivisches Wrgen und endlich blsigter
Ausschlag, Mring /epist. ad Werlhof./ in Haller /disput. Tom 3./ S.
183.]

[Funote 217: =Heisters= mediz. chirurg. Wahrnehm. 1ster Band /n.
372./ -- =Bartholin= /hist. anat. Cent. 4. hist. 77./ -- =Morgagni= /de
sed. et caus. m. epist. 43. art. 22./]

[Funote 218: =Bonet= /sepulchret. anat. (Genev. 1679.) lib. 1. sect.
7. obs. 40./ -- =Scaliger= /exercit. 33. n. 2/, =Fr. Hoffman= /opusc.
dec. 2./ S. 466. ebend. /dec. 1. diss. 3./ S. 67. -- =Blasius= /obs.
anat./ S. 424. -- =Valisneri= /opere Vol. 2./ S. 172. und 518. --
=Masini= /abus. aquae gel./ S. 174, 175. =Cardan= /subtil. exerc. 33./
-- =Schneider= /catarrh. lib. 5./ S. 137. -- =Boyle= /ut. phil. exp./
S. 311. -- =Marc. Donatus= /lib. 4. c. 6./ -- =Delphinus=, =Forest=,
und andre. --]

[Funote 219: =Amman= /med. crit. cas. 59./ und viele andre,
vorzglich /van Swieten Comment. T. 3. ad. . 1010./ S. 279. -- Ferner
=Geuns= bei Sandifort /thesaur. Vol. 3./ S. 606. -- =Boucher= /journ.
de medic. 1760 Aot./ S. 103. bis 130.]

[Funote 220: =Bonet= a. a. O. /lib. 3. sect. 8. obs. 56. . 12./ und
/sect. II. obs. 3./ -- und andre.]

[Funote 221: =Bonet= a. a. O. /lib. 3. sect. 8. obs. 14./ und /obs.
75. . 2/. --]

[Funote 222: =Bonet= a. a. O. /lib. 3. sect. 8. obs. 17/ bis 60. --
/obs. 64/ bis 69. -- und /obs. 70/ bis 75. /Ferner sect. 7. obs. 21./
und /sect. 2. obs. 16./]

[Funote 223: =Bonet= a. a. O. /lib. 3./ die ganze /sect. 14./
vorzglich aber /obs. 20. . 7./]

[Funote 224: =Fr. Hoffman= /opusc. dec. 2. diss. 7./ S. 460.]

[Funote 225: =Bonet= a. a. O. /lib. 3. sect. 8. obs. 61/ und 62.]

[Funote 226: Unter mehrern folgende; =Codronchius= /meth. restific.
cap 6./ -- =Sylvaticus= /de morb. simulatis cap. 21./ -- =Fortun.
Fidelis= /de relat. med. lib. 4. sect. 3. cap. 1./ -- =Friedrich
Hoffman= /diss. de conversione benigni morbi in malignum/ -- =Bonet=
und =Morgagni= in ihren Werken. =Galen= /in Comment. 3. in 3. Epid.
Hippocr./ [griech: i dltri paraplsis energn] -- [griech: chmos]
-- und /lib. 6. de loc. aff. c. 5./]

[Funote 227: Purgiermittel, Tod wie von Arsenik; =Fr. Hoffman=
/opusc. dec. 2. diss. 7./ S. 457.]

[Funote 228: =Bartholin= /acta hafn. Vol. 4./ S. 117.]

[Funote 229: Von Melonen; =Patin= /valetud. tuend./ S. 354, 355. --
=Panarolus= /Pentec. obs. 39/. -- von Honig; =Binninger= /cent. 4. obs.
15./ -- Wein auf Milch getrunken; =Cheyne=, /valetud. infirm./ S. 43.]

[Funote 230: Siehe =Purcell= von der Kolik, Nrdlingen 1775.]

[Funote 231: =Hippokrates= /epidem. lib. 5. tit. 4. et 10./ --
=Rejes= /camp. elys. juc. obs. quaest. 64./ S. 856, 857. -- =Zacchias=
/quaest. m. l. cons. 12. n. 6./ -- =Fernel= /part. morb. et sympt. cap.
6./ und /pathol. de sign. lib. 2. c. 10./ -- =Holler= /oper./ S. 580,
21. -- =Sennert= /instit. med. lib. 2. part. 2. cap. 12./ -- =Forest=
/obs. et cur. lib. 18. obs. 43./ bis 49. -- =Bonet= /sepulchr. anat.
lib. 2. sect. 11. obs. 34./ und 36. und /lib. 3. sect. 7. obs. 1./ --
/sect. 10. obs. 12./ und /sect. 14. obs. 6./ und 7, . 5., 6., 7. --
=Bohn= /de offic. med. dupl. part. 2. cap. 6./ S. 646. -- =Zittman=
/medic. for./ S. 1551. -- =Alberti= /jurisprud. med. Tom. 1. part. 1.
cap. 13, . 7./ und S. 274. -- /part. 2./ S. 187. -- /Tom. 3./ S. 855.
-- =Fr. Hoffman= /med. consult. Tom. 2. dec. 5. cas. 6./ -- /Opusc.
dec. 1. diss. 7./ -- =Teichmeyer= /instit. med. leg. cap. 20. qu. 6./
-- =Hebenstreit= /anthropol. for. sect. 2. membr. 2. cap. 1. . 6./ S.
290. -- vorzglich =Henrici= und =Messer= /diss. de Cholera in Haller
disp. ad morb. hist. Tom. 3. part. 3./ S. 73. -- =Riedlin= /lineae med.
ann. 1695./ S. 273.]

[Funote 232: =Fr. Hoffman= /opusc. path. pract. dec. 2. diss. 7./ S.
455.]

[Funote 233: =Fr. Hoffman= /opusc. path. pract. dec. 2. diss. 7./ S.
455. -- =Bartholin=. /acta. hafn. Vol. 4./ S. 115.]

[Funote 234: =Morgagni= a. a. O. /ep. 59. art. 3./ -- =Wepfer=
/cicut. hist./ S. 307.]

[Funote 235: =Morgagni= a. a. O. /ep. 59./ -- =Wepfer= /hist. cic.
cap. 21. hist. 1./ S. 349. -- =Valentini= /pandect. med. leg. part. 1.
sect. 3./ S. 380 /b./ Und 383. /a./ -- von 20 Gran Sublimat starb eine
alte Kazze ohne Erbrechen, =Sprgel= a. a. O. S. 43. und 47. wo ein
Kaninchen von 10 Gran Sublimat ohne Erbrechen starb.]

[Funote 236: Er nimt den beim Anfange der Arsenikvergiftung oft
merklichen Mangel einer inflammatorischen Hizze des ganzen Krpers
und das mehr aus konvulsivischen Zusammenschnrungen des Magens,
des Zwergfels und der Bauchmuskeln als aus zwekmsigen Erbrechen
entstehende Wrgen dazu, um eine richtige Indikazion zu bilden;
Umstnde, die man nach dem Tode oft nicht in Erfahrung bringen kan,
und die mehr in das Kennerauge des helfenden als in das Urtheil
des obduzirenden Arztes wirken knnen, da auch sie nicht allein
charakterisch genant zu werden verdienen.]

[Funote 237: Der Magen voll grner userst stinkenden Jauche nach
einem bsartigen Fieber, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 2. obs. 306./ --
voll schwarzer Materie =ebend=. /lib. 1. obs. 1582./ und an vielen
andern Orten. -- =Bonet= /lib. 3. sect. 7. obs. 34./]

[Funote 238: Vorzglich wo kalter Brand vor dem Tode hergieng.]

[Funote 239: =Zakut. Lusitanus= /prax. admir. lib. 3. obs. 98./ S.
460. -- =Hagedorn= /hist. med. phys. Cent. 3. hist. 63./]

[Funote 240: Von Kachexie Ausfallen aller Haare am ganzen Krper,
/Eph. N. C. Cent. 3, et 4. obs. 137./]

[Funote 241: =Zacchias= /quaest. med. leg. qu. 7. n. 10./ -- =Horst=.
/lib. 2. observ. p. 2. sect. 2/, S. 226. -- =Valentini= /pandect. med.
leg. part. 1. sect. 3./ S. 390. -- =Fr. Hoffman= /Med. rat. syst. Tom.
4. part. 3. sect. 2. cap. 8. obs. 1./]

[Funote 242: =Alberti= /jurispr. med. Tom. 5./ S. 629.]

[Funote 243: =Alberti= a. a. O. S. 630. -- Ebend. a. a. O. /Tom. 2./
S. 533. -- Ebend. a. a. O. /Tom. 3./ S. 110. -- Ebenders. a. a. O.
/Tom. 4./ S. 280. -- =Morgagni= /de sed. et caus. m. ep. 59, art. 3./
-- =Bresl. Saml.= zweit. Vers. S. 220. /Eph. N. C. cent. 3,/ und 4.
/obs. 126./ S. 283.]

[Funote 244: =Alberti= a. a. O. /Tom. 1. append./ S. 35. und in
vielen andern Beispielen; nach 9 Tagen noch keine Verwesung, /Eph. N.
C. cent. 3,/ und /4. obs. 126./ S. 283.]

[Funote 245: =Eschenbach= /med. leg. cap. 1. sect. 1. . 11./]

[Funote 246: Die ausgebrochene scharfe Galle eines Kindes wirkte bei
einem Hahne innerlich wie das strkste Gift konvulsivischen Tod, so
wie eben dieselbe dasselbe bei etlichen Tauben wirkte, denen man etwas
davon unter die Epidermis brachte; =Morgagni= /de sed. et caus. morb.
ep. 59. art. 18./ -- Die Drme eines an einer Kolik Verstorbnen, der
keine Gallblase hatte, enthielten eine Feuchtigkeit, die die Hand des
fnenden Wundarztes anfrasen, =Purcell= von Kolik (Nrdlingen 1775) S.
246.]

[Funote 247: =Bohn= /offic. med. dupl. p. 2. cap. 6./ S. 639, und
649. -- =Ettmller= /Eph. N. C. cent. 7. et 8. app./ S. 214. /seq./
Frsche und Tauben sterben von Zucker /Journal oeconom. octob. 1757./
-- Hhner von bittern Mandeln -- Hunde von Krhenaugen. --]

[Funote 248: =Schenk= /observ. lib. 7. tit. de venenis./ -- =Bohn= a.
a. O. /cap. 6./ S. 642.]

[Funote 249: =Alberti= /jurisp. med. Tom. 4./ S. 513. -- =Thiery=
/quaest. med. an ab omni re cibaria etc. (Paris 1749) . 11./ --
=Ettmller= /Eph. N. C. Cent. 7, et 8. App./ S. 214, bis 219. -- =Pyl=
neues Magaz. d. ger. Arzn. erst. Band erst. St. S. 160, und 165. --]

[Funote 250: An einem Quentchen Operment starben Kaninchen, Hunde
und Kazzen nicht; =Hillefeld= /exp. circ. venena/ -- =Fr. Hoffman=
/med. rat. system. II./ S. 181. -- Zwei bis drei Drachmen Operment
sind Hunden nur sehr schdlich. =Alberti= a. a. O. /Tom. 1. part. 1./
S. 260. -- Einen bis vier Skrupel Fliegenstein ertrugen Hunde ohne
Schaden; =Sprgel= /exper. circa venena (Goetting 1753)/ S. 54, bis 56.

Ein Hund starb an zehen Granen Sublimat nicht; =Sprgel= a. a. O. S.
45. --

Ein Hund starb nicht an weissen Arsenik; =Bonet= /med. septentr. part.
2. sect. 7. obs. 14./

Ein Skrupel weisser Arsenik schadete einem Hunde im geringsten nicht;
=Kunkel= /observ. chym. cap. 3./ S. 43. -- ein hnliches; /Miscell. N.
C. ann. 9. et 10. obs. 146./ S. 322. --

=Ehrman= gab einem jungen Hunde ein Quentchen weissen Arsenik, er
=brach= das damit gemischte Fleisch weg, trank Wasser und befand sich
nach zwlf Stunden wohl; /diss. de venesicio doloso (Argentor. 1781.)/
S. 27. --

Zwei Skrupel weisser Arsenik schadeten einem Hunde nicht, =Sperling=
/diss. de arsenico./

Ein Br vertrug eine Unze weissen Arsenik; =Reaumr= /Histoire de
l'acad. des sc.  Par. 1747./ S. 16.]

[Funote 251: Auch =Ludewig= hlt die mit Thieren angestelten Versuche
fr trglich; /Instit. med. for. (Lips. 1765. 8) . 331./]

[Funote 252: /Anthropograph. lib. 2. cap. 15./]

[Funote 253: =Lieutaud= /hist. anatom. med. lib. 1. obs. 68. 69. 70.
71. 73. 75. 80. 229. 377. 439. 1563. 1564. 1683./ -- =Bonet= /sepulchr.
lib. 1. sect. 7. obs. 40. lib. 3. sect. 8. obs. 57. . 8./ und an
mehrern Stellen.]

[Funote 254: /Anthropol. for. sect. 2. membr. 2. cap. 2./ S. 526.
und 527. /Sola atque infallibilis deglutiti veneni nota est -- securum
atque indubitatum veneni accepti indicium -- quod convictionem parere
possit, etiamsi venenum ipsum intra ventriculum inveniri nequeat. --/]

[Funote 255: Von Verderbnis der Galle und Cholera, =Wepfer= /histor.
cicut. cap. 21. hist. 11. (L. B. 1733.)/ S. 361. =Thom. Bartholin=
/acta haffn. Vol. 4./ S. 115. -- =Alberti= /Jurisprud. med. T. 1. part.
2./ S. 185. /n. 5./ -- =Bonet= /sepulchr. anat. lib. 3. sect. 10. obs.
12./ und /sect. 7. obs. 1./ -- =Panarolus= /pentec. 1. obs. 20./ --
J. Rhodius /Cent. 2. obs. 53./ -- =Diemerbroek= /Tract. lib. 1. cap.
5./ -- =Zittman= /med. for./ S. 150 und 152. -- =Lieutaud= /hist.
anatom. med. lib. 1. obs. 125./ -- =Galenus= /Comm. 3. in 3. lib. epid.
Hippocr./ -- =und ebend.= /lib. 6. de locis affectis cap. 5./ -- selbst
=Hebenstreit= (a. a. O. S. 529.) sagt, seiner Behauptung uneingedenk,
/effusabilis ipsam destruit tunicam villosam./ Von Verderbnis der
Lunge und Kachexie, =Lieutaud= a. a. O. /obs. 113. 115, 169./ -- Die
ganze innere Magenhaut zerstrt bei einem kachektischlungenschtigen
siebenjhrigen Mdchen, /Eph. N. C. dec. 3. ann. 2. obs. 16. n. 8./ S.
23.

Von Kachexie; Erbrechen, Anfressung des Magens; /Eph. N. C. dec.
3. ann. 5. et 6. obs. 167/; -- ein mit scharfen Sften angeflter
Fallschtiger, schwarzviolette Flecken im Magen, mit leichtabgehender
zerstrten innern Haut und Zerreiblichkeit der Magensubstanz; /Eph. N.
C. dec. 3. ann. 2./ S. 471. -- von Kachexie, Anfressung des Magens,
=Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 169./ Von bsartigen Fiebern,
=Helmont= /tumulus pestis/ S. 163 und 172. =Lieutaud= an vielen Stellen.

Von Wasserscheu, =Thom. Bartholin= /acta hafn. Vol. 5./ S. 308 --
=Lieutaud= und die Schriftsteller ber diese Krankheit.

Von Erstickung an Kohlendampfe; Auff. und Beobachtungen aus d. ger.
Arzn. v. =Pyl= erst. Saml. S. 8.

Von Spulwrmern im Magen, (die dann vielleicht nicht mehr vorhanden
sind) =Morgagni= /de sed. et caus. morb. ep. 43. art. 22./ -- =Heister=
mediz. chirurg. Wahrnehm. erst. B. /n./ 372. -- =Lieutaud= a. a. O.
/lib 1. obs. 50./

Nach Ueberladung mit Brantwein und hizzigen Getrnken, Zerstrung der
innern Haut, des Magens =Lieutaud= a. a. O. /lib. 7. obs. 84. a./ --
der dnnen Gedrme und Blutbrechen, =Bonet= /sepulchr. lib. 3. lect.
11. obs. 3./

Von kalten Getrnken nach Erhizzung, Entzndung, Anfressung und Brand
im Magen; =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 68./ --

Von langwierigem arzneilichen Gebrauch des Vitriolgeists; =Lieutaud= a.
a. O. /lib 1. obs. 136./

Die Zitronsure zerfrist die Zottenhaut des Magens; =Haller=
/Physiolog. lib. 19. sect. 3. . 4./ S. 201.

Andre widernatrliche Krper, eine Fischgrte, die man nicht
wiederfand; =Riedlin= /lin. med. ann. 1698./ S. 730. von einem
verschlukten Knchelchen; =Fabriz. von Hilden= /Cent. 5. obs. 36./]

[Funote 256: Aus vielerley Ursachen ohne Gift, =Lieutaud= a. a. O.
/lib. 1. obs. 84. 85. 86. 87. 88. 89. 108. 110. 111. 112. 114. 117.
118. 119. 120. 122. 124. 126. 127. 129. 134. 135. 137. 138. 182. 1205.
1592. 1594./ =Bonet= /sepulchr. lib. 3. sect. 8. obs. 57. . 8./ ebend.
/lib. 2. sect. 7. obs. 43./ und an mehrern Orten und mehreres.]

[Funote 257: Aus mancherlei Ursachen ohne Gift, =Lieutaud= a. a. O.
/lib. 1. obs. 139. 140. 141. 141 a. 142. 144. 147. 148. 149. 150. 151.
152. 153. 154/ -- =Bonet= a. a. O. /lib. 3. sect. 8. obs. 14./]

[Funote 258: Auf Zorn, Weintrinken und Spiesglanzbrechmittel, =Fr.
Hoffman= /opusc. pathol. pract. dec. 2. diss. 7./ S. 455. -- von
Cholera, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 72. 74. 170. 231./ von
hizzigen Getrnken. =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 83 a./ -- =Bonet=
a. a. O. /lib. 3. sect. 8. obs. 55. . 4./ und /obs. 57. . 4./ --
=ebend.= /lib. 3. sect. 11. obs. 3./ --

Von Schwarzgalle und Gallensteinen, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs.
163. 420. 421. 783. lib. 2. obs. 300./

Von Gallenfiebern, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 2. obs. 297./

Von andern bsartigen Fiebern; =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 162.
166. 168. 176. 177. 353. 421. 602. 1566. 1616. 1617. 1683. -- lib. 2.
obs. 306. 312. 783./ -- =Bonet= a. a. O. /lib. 3. sect. 8. obs. 56. .
12./ und /. 16. -- obs. 57. . 1./ und an mehrern Orten.

Von Kacherie -- verhrteten Eingeweiden -- oder innern Geschwren;
=Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 17. 82. 82 a. 82b. 99 c. 145. 154.
155. 156. 158. 159. 160. 167. 169. 175. 231. 1266./ =Bonet= a. a. O.
/lib. 3. sect. 3. obs. 2./

An Wassersucht, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 171. 1613./

Brustwassersucht, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 2. obs. 868./

Von andrer Verderbnis der Lungen, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 2. 700./

Von unterdrkten Blutausleerungen, =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs.
165./

Vom unschicklichen Gebrauch erdiger Pulver. =Ebend.= a. a. O. /lib. 1.
obs. 173. 174./

Der Gallgang fnete sich im Magen, welcher aufgetrieben, entzndet und
brandig befunden ward. =Lieutaud=. a. a. O. /lib. 1. obs. 37./

Von Wrmern im Magen; =Herkul. Saxonia= /praelect. pract. part. 2. cap.
7./ --

Von Wasserscheu; =Darle= /Journ. de Medic. Tom. 3. part. 3./ --
=Lieutaud= a. a. O. /obs. 599./

Von kalten Getrnken bei Erhizzung; =Fr. Hoffman= /opusc. path. pract.
dec. 1. diss. 3. S. 67./ =Lieutaud= a. a. O. /lib. 1. obs. 68./ --
=Bonet= a. a. O. /lib. 1. sect. 7. obs. 40./ --

Von der schwarzen Krankheit, =Tissot= /ep. ad Zimmermannum obs. 2./ in
=Sandifort= /thes. diss. Vol. 1./ S. 71.]

[Funote 259: =Hebenstreit=, =Baylies= und andre nehmen die Frbung
der ersten Wege mit Galle und gallichtes Erbrechen als ein die Cholera
von der zzenden Vergiftung unterscheidendes Symptom an, gleich als
wenn sich bei Arsenikvergiftungen die Galle nicht auch hufig zu
ergieen pflegte!

Eher knte man sagen, da bei der Cholera mehr usserlich merkbare
Hizze und fieberhafter Puls als bei der anfangenden Arsenikvergiftung
sei, doch ist auch dies nicht vllig bestndig.]

[Funote 260: =Alberti= /Jurispr. med. Tom. 5./ S. 632. und 633. --
Ein sechsjhriges Mdchen starb nach 6 Tagen an Fliegenstein, ohne da
die mindeste Magenanfressung zu sehen gewesen wre; /Acta N. C. Vol. 5.
obs. 102./ S. 357. und 361. -- Ich tdete einen jungen Hund mit zwei
Drachmen weissen Arsenik in Wasser gerhrt, er starb in dreisig Minuten
ohne Ablsung der Magenzottenhaut; Die Entzndung war sehr msig.]

[Funote 261: Der Schlund war natrlich, =Alberti= a. a. O. /Tom. 4./
S. 261. -- Der Magen nicht entzndet; =Ettmller= der jngere, /Eph.
N. C. Cent. 3. et 4. obs. 126. c. schol./ S. 284. -- /Acta Erudit.
Lips. ann. 1715./ S. 462. -- =Heberdeen= (Neues Hamb. Magazin St. 97.
S. 205.) tdete einen Hund mit zwei Unzen Arsenikdekokt binnen zehn
Minuten, er fand keine Spur von innerer Entzndung oder Anfressung.
-- Ein alter Kaninchenbok starb an 10 Gran Sublimat, im Magen war
keine Entzndung zu spren; =Sprgel= a. a. O. S. 47. -- Die innern
Vernderungen vom Gifte sind nicht stets da; =Bohn= /offic. med. dupl.
Part. 2. cap. 6./ S. 651. --]

[Funote 262: =Caesalpin= /ars med. lib. 3. cap. 7./ und /47./ -- =B.
Sylvaticus= /cons. et respons. 79./ und /8./ =J. B. Sylvaticus= /de
iis, qui morbum simulant, cap. 21./ -- =H. Augenius= /epist. et cons.
Tom. 1. lib. 1./ S. 339. -- =Alsar a Cruce= /de quaes. per epist. Cent.
3. cap. 17./ -- =Codronchius= /method. testificandi cap. 6./ -- =Fort.
Fidelis= /relat. med. lib. 4. sect. 3. cap. 3./ -- =Zacchias= /qu. med.
leg. lib. 2. tit. 2. qu. 6. et 7./ -- =Rejes= /camp. elys. juc. qu. 64.
n. 35./ -- =Caballus = /de omni gen. homicid. n. 621./ -- =Bossius=
/pr. crim. tit. de delict./ zu Anfange -- =Bohn= /offic. med. dupl.
part. 2. cap. 6./ S. 643. -- =Fr. Hoffman= /Med. syst. Tom. 4. part. 3.
sect. 2. cap. 8. obs. 1./ -- =Manget= /biblioth. med. pract. Tom. 4./
S. 784. --]

[Funote 263: =Alberti= /Jurispr. med. Tom. 1. cap. 14./]

[Funote 264: =Hypolyt von Marseille= /in pr. crim. . post. quam. n.
48./ -- =Clasenius= /ad. art. 131. C. C. C./ --]

[Funote 265: /L. 1. . 9. ff. de quaest./ -- /L. 1. ff. ad. I. C.
Syllan./ -- Karls /V./ Peinl. Halsger. Ordn. /art. 6. 54. 55. 60. 149./]

[Funote 266: =Carpzov= /prax. crim. part. 1. qu. 21./ und /qu. 26. n.
2./ und /qu. 148. n. 42./ -- /L. 1. . 17. ff. de quaest./ -- =Mynsing=
/cent. 3. obs. 87. n. 2./ -- =Hartm. Pistorius= /obs. 33. n. 53./ --]

[Funote 267: =Zacchias= /quaest. med. leg. l. 2. qu. 4. n. 1. 2. 3./
und /24./ -- =Feltman= /de cadav. inspic. cap. 24. n. 12./]

[Funote 268: =Mascardus= /de probat. concl. 1037. n. 7./ --
=Farinaceus= /consil. 184. n. 14./ und 46. -- =Carerius= /prax. crim.
. homicid. n. 625. seq./ -- =Gamez= /Tom. 3. variar. solut. cap. 3. n.
8./ -- =Bruneman= /prax. crim. cap. 7./ -- =Bohn= /offic. med. dupl.
pars. 2. cap. 4./ S. 596.]

[Funote 269: Aufszze und Beob. a. d. ger. Arzn. erste Saml. S. 68.]

[Funote 270: Abh. vom Arsenik (von Wasserberg) S. 47.]

[Funote 271: Wie =Hebenstreit= (a. a. O. S. 528) und andre wollen.]

[Funote 272: =Magazin d. ger. Arzneik.= zweit. Band (Stendal, 1784.)
S. 549. -- =Pyl= Auss. und Beob. a. d. ger. Arzn. erste Saml. S. 58.
-- =Zittman= /med. for./ S. 1399, 1400 (Mit Arsenik vergiftetes)
Bier brachte bei zwei Personen heftige Vergiftungszuflle. Es wurde
eingedikt, und etwas von diesem Extrakte tdete eine Maus und einen
Hahn, dessen Magen man angefressen fand. -- Der Geruch der Masse gab
nichts zu erkennen.]

[Funote 273: Geschwefelter Arsenik, Operment u. s. w. stinken in der
Glhhizze erst einige Zeit nach Schwefeldampf, ehe der Knoblauchgeruch
sich entwickelt, hiezu gehrt Aufmerksamkeit.]

[Funote 274: Arsenikmittelsalz giebt auf einem glhenden Bleche
diesen Knoblauchgeruch gar nicht oder sehr unmerklich zu erkennen, da
es sich in diesem Falle sehr langsam und almhlig zersezt.]

[Funote 275: =Plenk= (/Toxicologia/ S. 272. /art. 3./) und andre
wollen (gewis weil sies selbst nicht versuchten) der als Rauch
aufsteigende Arsenik schmauche ein drber gehaltenes Kupferblech =weis=
oder =schwarz= an. Sie haben den schwarzen Flek, den er in das glhende
Blech, auf dem er liegt, einbrent, mit dem Anschmauchen verwechselt,
welches stets weis ist, da Arsenik und Fliegenstein in freier Luft nie
als Knig, sondern letzterer mit Verlust seines Brenbaren als weisser
oder weisgrauer Kalk anfliegt.]

[Funote 276: =Scheele Abhandl. der k. schwed. Akad. d. W.= 37.
Band S. 275. -- Doch fllt die Schmauch- und Geruchsprobe mit diesem
Mittelsalz sehr unhinlnglich aus, theils da es sich so leicht in den
Flssigkeiten des Magens auflst, theils auch, weil es sich auf einem
glhenden Bleche fast gar nicht, auf Kohlen sehr schwer zersezt, und
seinen Arsenik, wegen Mangel an Brenbaren sehr langsam entwickelt.]

[Funote 277: Wie denn? wenn sie nun nicht berzeugend ausflt, und
man hat die vorgefundne Menge ganz oder fast ganz dabei vernuzt, was
bleibt zu fernern Proben brig.]

[Funote 278: =Demachy= Laborant im Grosen v. =Hahneman= (Leipz.
1784.) erster B. S. 104.]

[Funote 279: =Hebenstreit= (/anthropol. for./ S. 527.) und die
brigen begngen sich in diesem Falle mit der eingedikten Flssigkeit
und ihrem Geruche beim Verbrennen, aber mit welchem Rechte?]

[Funote 280: =Neuman= (Chemie, Zllichau 4. viert. B. erst. Th.
S. 484.) giebt folgende Niederschlge an, die weisser Arsenik in
Wasser aufgelst mit Metalauflsungen bewirke. =Aus Goldauflsung
przipitire Arsenikwasser nach 24 Stunden ein gelbes Pulver=, diesem
widerspricht =Morveau= (Anfangsgr. der theor. und pr. Chem. 2. Band, S.
222. und 223.) -- =aus Silbersalpeter nach 24 Stunden einen brunlich
dunkelgrauen Kalk=; =Morveau= sagt (S. 226.) dagegen, eine weisse
ins gelbliche fallende Wolke. Beide haben unrecht, ersteres thut
Arsenik in gemeinem Brunnenwasser aufgelst zwar nach Tag und Nacht
und lezteres nach einigen Stunden, aber in rein destillirten Wasser
(ohne Spur von Kochsalz) aufgelster weisser Arsenik macht nicht den
mindesten Niederschlag, weder sogleich, noch nach 24 Stunden. =Aus
Eisensalpeter nach 12 Stunden etwas weniges gelbes Pulver=; Eisen in
Salpetersure aufgelst sttigt leztere nie, und es flt dann von
Zeit zu Zeit noch etwas verkalktes Eisen aus der etwanigen Auflsung
an der freien Luft nieder; diesen Niederschlag hat =Neuman= als vom
Arsenik herrhrend angesehn. Wasser mit dephlogistisirter Luft,
wie alles ungekochte Wasser, geschwngert, scheidet ebenfals aus
dieser Eisenauflsung, wie aus dem Vitriol, etwas verkalktes Eisen
vermge dieser Luft ab. Ich bereitete durch doppelte Verwandschaft
(aus gemischten Auflsungen selbst bereiteten Eisenvitriols und
reinen Salpeters, so da ich den Vitriolweinstein abschied) eine
reine volstndige Eisensalpeterauflsung, sezte geplverten weissen
Arsenik dazu, verstopfte das Gefs genau, und schttelte es acht
Tage lang um, aber es schlug sich nicht das mindeste nieder. =Aus
dem Kupfersalpeter einen ins weislichte fallenden Kalk=; ich habe
nichts dergleichen gesehen. =Bleisalpeter schlage es stark nieder,
eben so Wismuthsalpeter mit vielen Arsenikwasser vermischt.= Bedachte
er nicht, da beide Auflsungen durch bloses Wasser gefllet werden,
wenn die Sure alzu verdnt, das Metal nicht lnger halten kan? Blei-
und Wismuthsalpeterauflsung mit geplvertem weissen Arsenik in einem
verstopften Gefse acht Tage lang geschttelt, hatten nichts von ihrem
Metalle niederfallen lassen, wie mich die genauesten Versuche mit dem
noch auf dem Boden liegenden (Arsenik-) Pulver belehrten. =Zinnsalpeter
przipitire sich sehr stark.= Wie sehr mit Vitriol- oder Salzsure mus
seine Salpetersure beladen gewesen seyn, da sie Zinn auflsete! Ich
kenne keinen eigentlichen Zinnsalpeter. Ist es aber, wie natrlich,
eine so gemischte Sure gewesen, und es war eine Auflsung erfolgt,
so kenne ich keine Zinnauflsung, weder die in Knigswasser, noch
die in Salzsure, noch die in gemischter Vitriol- und Salpeter- oder
Vitriol und Salzsure u. s. w. die sich nicht durch Verdnnung mit
blosem Wasser fllen liese. =Quecksilbersalpeter przipitire sich
stark=; woher dies bei ihm gekommen, wird man sich aus Anmerk. .
168. erklren. Quecksilbersalpeterauflsung mit geplvertem weissen
Arsenik acht Tage lang in einem verstopften Gefse geschttelt,
oder mit Arsenikauflsung mit =reinem= destillirten Wasser bereitet
vermischt, lst kein Metal fallen -- Brunnenwasser hlt Kochsalz
und diesen schlgt Queksilber aus Salpetersure hufig nieder.
=Zinkvitriol gebe ein gelbes Pulver=; ist Eisen, das sich aus jeder
Auflsung des gemeinen weissen Vitriols von selbst absondert, reiner
Zinkvitriol wird weder von weissem Arsenik noch von seiner Auflsung
in Wasser nach =Morveau's= (S. 242.) und meinen Versuchen keineswegs
przipitirt. =Eisenvitriol gebe damit ein dikgelbes Pulver=; jede
Eisenvitriolauflsung lst an der freien Luft von selbst, oder in
verstopften Gefsen mit frischgeschpftem (mit dephlogistisirter Luft
angefltem) Wasser verdnt, einen Theil verkalkten Eisens niederfallen.
Auf andre Weise schlgt ihn Arsenik oder seine mit frischgesottenem
Wasser bereitete Auflsung nicht nieder, nach =Morveau's= (S. 239.)
und meinen Versuchen. =Bleizucker schlage sich mit Arsenikwasser
ziemlich stark nieder=; aus der Anmerk. zu . 63. sieht man,
warum besonders Brunnenwasser die Bleiauflsungen in Essigsure
niederschlage, aber Bleiessig einige Tage mit geplvertem weissem
Arsenik geschttelt giebt feinen Niederschlag, das am Boden unaufgelst
gebliebne (Arsenik-) Pulver gab nicht die mindesten Zeichen auf Blei.
=Kupfervitriol gebe ein wenig Przipitat=; =Morveau= (S. 234.) sagt,
einen gelbgrnlichen geringen Niederschlag. Allerdings, wenn beide
die Kupfervitriolauflsung und das Arsenikwasser sehr konzentrirt
sind, geschieht das, was =Morveau= sagt. Unter allen Metalauflsungen
in Suren aber, wie auch Morveau (S. 235.) bemerkt, wird keine so
stark, als der krystrallisirte Grnspan (mit seladongrner Farbe)
niedergeschlagen. Doch mus ich bemerken, da er sich deswegen doch
nicht zum Arsenikreagens schikt, weil das Arsenikwasser immer etwas
konzentrirt (1:60) seyn mus, wenn es sich trben soll, berdies kan er,
wenn das Arsenikwasser auch noch konzentrirter (1:40) ist, dasselbe
kaum zum dritten Theile zersezzen. Wenn =Haller= (Vorles. b. d. ger.
Arzn. zweit. Band zweit. Th. S. 185. und 190.) und =Sprgel= (/diff.
exper. c. venena/ S. 59.) einen =schwarzen Niederschlag= nennen, der
aus Bleiessig durch hinzugegosnes Arsenikwasser niederfallen solle,
so weis ich nichts dagegen zu sagen als da es nicht geschehe. Der
weisse erfolgende Przipitat rhrt vom blosen Wasser her, wenn lezteres
Luftsure enthlt.]

[Funote 281: /Anthropol. for./ S. 328.]

[Funote 282: =Morgagni= /de sed. et caus. morb. ep./ 59. die lezten
art. -- ausser mehrern andern -- weisser Arsenik hatte sich zwei Monat
innerlich verhalten, ehe er Vergiftungszuflle und Tod bewirkte,
=Klkhof= /Verhandel. uitg. door. de holl. Maatsch. d. W. te Harleem 8
deel./ erst. St. S. 394. u. f.]

[Funote 283: Man kan dies (versiegelte) Gefs mit Nummer 2
bezeichnen.]

[Funote 284: Wenn die Verfasser der Anfangsgr. der theoret. und
praktisch. Chemie (S. 206.) versichern, der weisse Arsenik frbe die
blauen Pflanzensfte nicht roth, so ist dies unwahr; eine msig starke
(1:60) Arsenikauflsung frbt die mit Weingeist bereitete Lakmustinktur
rthlich. Eine strkere (1:30) frbt sie karminroth.]

[Funote 285: Es mste denn eine Menge Sure in der Flssigkeit seyn,
der man mit etwas zerflosnem Weinsteinle abhilft, doch nur in sofern,
da die Flssigkeit auf Zugiessen der Lakmustinktur sich noch etwas
rthlich frbt, sonst kan das Kalkwasser seine Wirkung auf den Arsenik
nicht ussern. Ist bei . 424. ein weisser Niederschlag, wie selten
geschieht erschienen, so scheidet man ihn erst mit Weinsteinle ab,
seihet durch, und suert die Flssigkeit mit etwas Essig an, bis sie
sich mit Lakmustinktur rthet, dann giest man Kalkwasser ein.]

[Funote 286: Er lset sich nicht in Arsenikwasser wieder auf, da es
ein Queksilberprzipitat ist.]

[Funote 287: Es mste denn ausnehmend viel Sure darin seyn: man
hilft ihr mit Weinsteinle ab, doch nur bis zum Rothbleiben der
Lakmustinktur, denn Arsenikmittelsalz wird ohne zugesetzte Sure vom
Schwefelleberluftwasser nicht zum Operment gefllet.]

[Funote 288: Blos dann, wenn die eingekochte Flssigkeit zhe ist,
kan selbst der Kupfersalmiak nicht wirken. Macht aufgelste Seife
die Feuchtigkeit diklich, welches man durch Zutrpfeln der mindesten
Sure, und durch das Ansehn leicht spren wird, so scheidet man die
Talgflocken durch Essig, bis sich das trbe Gemisch nicht ferner
trbt, sondern bald unten her aufhellet; dann nimt man, wo nthig, die
berflssige Sure der filtrirten Feuchtigkeit durch Weinsteinl weg,
und wendet die Probeflssigkeiten an. Ist aber ein andrer zher Stof
die Ursache der Diklichkeit, und weder Sure noch Laugensalz trent
das Gemisch, so schlgt man ein Eiweis bis zur vlligen Vermischung
darunter, lst das Gemisch einmal aufkochen und filtriret es; dann
wird es schon vom zhen Wesen dergestalt befreiet seyn, da die
Probeflssigkeiten gewis ansprechen, mit obiger (. 430.) Vorsicht.]

[Funote 289: Queksilbersalpeter giebt mit Leberluft einen aschgrauen
Przipitat.]

[Funote 290: Diese weisse Farbe des Niederschlags durch
Schwefelleberluft ist die sicherste Widerlegung des Argwohns, es
befinde sich im kuflichen Sublimate Arsenik, eine Behauptung, die auch
aus andern chemischen Grnden unmglich wird.]

[Funote 291: Kochsalzsure und Vitriolsure zu gleichen Theilen
gemischt lsen diesen weissen Przipitat wieder auf, welches mit keinem
Silber- Queksilber- Wismuth- oder Bleiniederschlage der Fall ist.
In Vitriolsure mit Salpetersure gemischt lset er sich nicht auf,
welches ihn von den Zinnniederschlgen unterscheidet, die sich sogleich
darin auflsen.]

[Funote 292: Operment schikt sich deswegen nicht zu diesem Versuche,
weil er wie Schwefel damit verpuft, und so keine deutliche Erscheinung
oder Scheidewassergeruch entdecken lst.]

[Funote 293: Der Schmelztiegel, worin der Salpeter fliest, mus recht
gerumlich und hoch seyn, damit nicht so leicht etwas hineinfallen
knne, und damit man mit der Nase desto nher hinzukommen knne.]

[Funote 294: =Bergman= /Opuscul. Vol. 2./ S. 442.]

[Funote 295: Nur mus in allem Falle Kalkwasser genug zugegossen
werden, weil sich, wenn es zu wenig ist, die entstandne Wolke in dem
berflssig noch vorhandnen Arsenik wieder auflst.]

[Funote 296: Hiedurch unterscheidet er sich von allen mglichen
schwerauflslichen Kalksalzniederschlgen.]

[Funote 297: /L. 1. . 1. ff. ad L. Corn. de sit. et Venef./ ferner
/L. 3. pr. ff. eod./ -- . 3. -- . 5. =I=. /de publ. jud./ --]

[Funote 298: =Peinliche Halsgerichtsordnung= /art. 130./]

[Funote 299: =Covaruvias= /var. resol. lib. 1. cap. de maleficiis/
-- =Boehmer= /obs. 4. n. 5. ad Carpz. p. 1. q. 2. ad elem. jur. crim.
sect. 2. cap. 1. . 24./ und /ad C. C. C. art. 178. . 8./ u. s. w. --
=Ehrman= /diss. de veneficio doloso, cap./ 1. . 21. bis 27. -- =Aloys.
Cremanius= /de jur. crim. tit. 1. L. 1. p. 1. c. 1. . 3./ u. s. w. und
/cap. 5. . 51./ und andre.]

[Funote 300: =Carpzov= /prax. crim. part. 1. qu. 2. n. 51./ und
/part. 1. qu. 22. n. 33./ u. s. w. -- =Zoller= und =Wilke= /diss. de
poena veneficii attentati, quamvis irreparabile inde oriatur damnum, ad
mortem non extendenda,/ Leipzig, 1761. -- =Vogel= /diss. de Veneficii
et homicidii per venenum, attentati in casu, ubi mors non ipsa secuta
poena non capitali/, Dresden, 1715. -- =Farinaceus= /consil. 154. n.
14./ und 46. -- =Leyser= /spec. 609. n. 15./ u. w. -- =Kre= /ad C. C.
C. art. 130. . 4./ -- doch auch =Bhmer= /obs. 5. ad Carpzov p. 1./
und =Ehrman= /de venef. dol. . 37/.]

[Funote 301: =Ehrman= /de venef. dol. . 37./ S. 54.]

[Funote 302: Eine Magd nahm zwei der strksten Messerspizzen (etwa
2-1/2 bis 3 Quentchen) weissen Arsenik, man kam ihr erst nach 14
Stunden zu Hlfe, und die Krankheit war untdtlich, (und wre bei
bessern Mitteln geschwinder zu heben gewesen,) /Commerc. litt. Nor.
1737./ S. 218. -- Ein Mann von 38 Jahren bekam von einem halben Lothe
weissen Arsenik schlimme Zuflle -- Milch, Oel und schleimichte
Getrnke retteten ihn, /Van der Monde Recueil period. vol. 4./ S. 353.
-- Ein Student genas von einem Quentchen verschlukten weissen Arsenik.
/Eph. N. C. dec. 2. ann. 4. obs. 12./ S. 36. -- /Commerc. litt. Nor.
1738./ S. 212. -- Ein junger Mensch, welcher ein halbes Loth weissen
Arsenik verschlukt hatte, ward durch Milch (und Schwefel) gerettet,
=Georg Logan= Versuch b. d. Gifte, (Petersburg 1783.) S. 22. -- Ein
neunzehnjhriger Ruber muste auf kaiserlichen Befehl dreissig Gran
weissen Arsenik in Rosenkonserv verschlucken, man gab ihm fast nichts
weder zu trinken noch sonst zur Hlfe, als zehn Gran Bezoarpulver
in etwas Wegbreitwasser (so viel als nichts!) und nach Todesngsten
genas er ohne weitere Hlfe, nach entstandnem Erbrechen und Durchlauf;
=Diomed. Cornarius= /Consil. medic./ im Anhange der /histor. admirand.
13./ S. 44.]

[Funote 303: Drei, vier Gran in Quartanfiebern, =Lemery= /curs.
chym./ S. 307. -- 3 bis 4 Gran in Wechselfiebern; =J. Lange= /epist.
med. lib. 3. ep. 7./ -- Fnf Gran weisser Arsenik mit Salpeter auf eine
Dosis gegen Fieber; /Eph. N. C. dec. 2. ann. 5./ S. 474. -- 4 Gran auf
einmal mit Wasser; /Eph. N. C. dec. 2. ann. 3. obs. 46./ S. 132. Man
rieth sogar in einer Art epidemischer Fieber drei Pillen auf dreimal zu
geben, wovon jede drei Gran Arsenikmittelsalz (/arsen. deflagratum/)
hielt; /Commerc. litter. Nor. ann 1737./ S. 182. (man sahe aber
schleichende Fieber und Wassersucht darauf erfolgen) -- vier Gran gegen
Wechselfieber; =Bonet= /med. sept. part. 2./ S. 535.

Man hat verschiedene Beispiele von Marktquaksalbern, die 12 und
mehrere Grane Arsenik verschlukten, um nachgehends die antidotarische
Wunderkraft ihres Orvietanums ins Licht zu sezzen -- Ein Student
gewhnte sich nach und nach an Arsenik -- =Krger= Ditetik S. 22. --]

[Funote 304: =Welsch= /rat. vuln. lethal. jud. cap. 14./ S. 99. --
=Bohn= /exam. vuln. leth. sect. 1. cap. 3./ S. 46, 47. -- =Smetius=
/Miscell. lib. 10./ S. 561. -- =Bonet= /sepulchr. anat. lib. 4. sect.
3. obs. 15./ -- =Schpfer= /de haemorrhag. vuln. cap. 3. n. 102./ --
=Zacchias=. a. a. O. /lib. 5. qu. 3. n. 13, 14./ und /qu. 6. n. 16./ --]

[Funote 305: In den Pandekten, /L. 19. de R. I./]

[Funote 306: =Ehrman= /de venef. dol. . 37./ S. 54.]

[Funote 307: =Farinaceus= /prax. crim. p. 4. qu. 127. n. 90./ --
=Horat. Carpanus= /ad C. homicida nov. const. mediol. n. 108./ --
=Thom. Actius= /de infirmis p. 1. cap. 47. n. 30./]

[Funote 308: =Ayrer= /de homicid. p. 2. n. 6./ -- =Farinaceus= /prax.
crim. p. 4. qu. 127. n. 27./ -- =Hor. Carpanus= /ad c. homicid. nov.
const. mediol. n. 137./ -- =Nikol. Boer= /decis. burdegal. 323. n. 14./
-- Giurba /consil. crim. 84. n. 10./ bis /13./ --]

[Funote 309: Man hat unzhlige Beispiele von geheilter Verlezzung
einiger Stellen der innern Magenhaut und berhaupt des Speisekanals,
die Zottenhaut des Schlundes kan leicht und ohne Schaden abgehen, und
wieder wachsen, =Haller= /physiol. lib. 18. sect. 4. . 3./ S. 99.
=Lieutaud=, =Haller=, =Bonet=, =Morgagni= und andre haben sie uns
aufgezeichnet -- man hat fters starke Narben im Magen gefunden --
=Plater= /obs. lib. 2./ S. 419. Wie oft waren nicht ganze grose Stellen
des Magens glatt, ohne Zottenhaut, wie die Leichenfnung berhmter
Allotriophagen und Glasfresser beweiset! Wie viele Jahre haben nicht
manche bei Magengeschwren gelebt! Sind die beigebrachten gewaltsamen
Magenwunden grstentheils nur in der Gegend der beiden Mndungen
tdtlich, warum sollen die innern nicht penetrirenden Verlezzungen
nicht untdtlich seyn? Hiemit will blos sagen, da die Umstnde der
ganzen Vergiftungskrankheit mit der gefundnen Verlezzung kombinirt an
die Hand geben knnen, in wiefern die mit Arsenik geschehene Verlezzung
zu heilen gewesen wre, sie mste denn ausnehmend betrchtlich seyn, da
es dann von selbst klar ist, da grose brandige Verwundungen des Magens
mit dem Leben nicht bestehen knnen, und wirkliche Durchbohrungen
schwerlich mit einer vlligen Wiedergenesung.]

[Funote 310: =Bohn= /de ranunc. vuln. leth. sect. 1./ S. 152, 153.]




      *      *      *      *      *      *




Anmerkungen zur Transkription

Folgende Passagen wurden korrigiert bzw. mssen noch kommentiert werden:

    # S. xiii: ". 152." fehlt, ist aber im Text vorhanden.
    # S. 4: "auftroknen"; sollte mglicherweise heien: "austroknen"
    # S. 36: "F Hoffman" --> "Fr. Hoffman"
    # S. 234: ". 412." kommt doppelt vor; dies wurde beibehalten.
    # S. 265/266: ". 481." kommt doppelt vor; s.o.
    # Funote 45: "J. Schrder" bzw. "I. Schrder" sind im Fraktur-
      Zeichensatz nicht unterscheidbar; da der wahre Name nicht
      ermittelt werden konnte, wurde willkrlich die erste Variante
      gewhlt.
    # Funote 145: "nach einder" --> "nach einander"



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HLFE UND GERICHTLICHE AUSMITTELUNG***


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Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
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