The Project Gutenberg EBook of Die Mormonen, by Moritz Busch

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Title: Die Mormonen
       Ihr Prophet, ihr Staat und ihr Glaube

Author: Moritz Busch

Release Date: July 17, 2014 [EBook #46308]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MORMONEN ***




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                            Conversations-
                                 und
                           Reisebibliothek.

                         =Dr.= Moritz Busch.

                            Die Mormonen.

                               Leipzig
                      Verlag von Carl B. Lorck.
                                1855.

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                            Die Mormonen.


                                 Ihr
                  Prophet, ihr Staat und ihr Glaube.

                                 Von
                         =Dr.= Moritz Busch.

                               Leipzig
                      Verlag von Carl B. Lorck.
                                1855.




Erstes Kapitel

Sectenwesen in Amerika.


Wenn schon das politische Leben der Vereinigten Staaten eine
betrchtliche Anzahl von Erscheinungen zeigt, die dem Fremden erst
nach einem tiefern Studium von Land und Leuten einigermaen
verstndlich werden, so ist dies bei den Gestalten, in welchen sich
hier das religise Element ausgeprgt hat, noch bei Weitem mehr der
Fall. Lassen sich dort in der bunten Mannigfaltigkeit der Parteien
immerhin zwei groe Grundmchte unterscheiden, die, zwei Trieben oder
Zgen in der menschlichen Natur entsprechend, wie Ebbe und Fluth die
Interessen der Gesammtheit tragen und ausgleichen, so entzieht sich
das Gewimmel der Secten Amerika's beinahe jeder Eintheilung. Wir
haben ein vollkommnes Chaos vor uns, in dem die Stoffe in wildester
Weise durcheinanderghren, und vor welchem derjenige, den die
Wissenschaft nicht an hnliche Perioden in der Kirchengeschichte
erinnert, an einen Verwesungsproce des Christenthums glauben kann.
Das stupideste Festhalten am Buchstaben der Schrift mischt sich mit
den wahnwitzigsten Ausschweifungen der Phantasie. Die augenflligste
Tuschung findet bei Tausenden und aber Tausenden von Menschen, die
in weltlichen Dingen sich der schrfsten Sinne erfreuen, Augen, die
Schwarz fr Wei ansehen, Ohren, die der Lge wie einer Offenbarung
aus der Hhe lauschen, und Kniee, die sich vor Charlatanen wie vor
Sendboten Gottes beugen. Hier baut die steifnackige Rechtglubigkeit
ihren Tempel auf. Dort stellt der absolute Zweifel den seinen hin. Da
wieder hebt das unter dem Boden brennende vulkanische Feuer der
Schwrmerei die Decke, und rasch schwillt die anfangs unscheinbare
Blase zum mchtigen Dome, in welchem Fanatiker oder Betrger eine
vllig neue Religion verknden.

Gleich den Prairiebrnden und Ueberschwemmungen des fernen Westen
verbreiten sich neue Heilsbotschaften ber die Gemther. Wie der
Tornado im Urwald die Eichen, werfen die Worte ihrer Apostel
zahlreiche Versammlungen auf die Kniee. Reden in Zungen, himmlische
Gesichte, Heilungen durch Handauflegen, Engelserscheinungen und
Teufelsaustreibungen sind in manchen Kreisen so alltglich wie in den
Zeiten des Urchristenthums. Wunderliches wird wunderbar, Carricaturen
verwandeln sich in Heroen. Bald scheinen die Dmonen, die einst in
Sue fuhren, bald wieder scheint der Geist der Pfingsten die trbe
Fluth zu bewegen. Nichts ist so voll Widersprche, nichts verstt so
sehr gegen Sitte und Gewohnheit, da es nicht einen Kreis von
Glubigen um sich sammelte, wenn ein beredter Mund es vortrgt, ein
spitzfindiger Verstand es aus der Bibel rechtfertigt, und ein
organisirendes Talent ihm kirchliche Gestalt giebt. Ja gerade das
Barocke und Bizarre ist es, welches die grte Anziehungskraft
auszuben scheint, wenn es auch hufig nur angenommen wird, um Tags
darauf mit einer noch seltsameren Verkehrtheit vertauscht zu werden.

Dieser dem Wechselfieber, Amerika's verbreitetster Krankheit,
vergleichbare Zustand, bei dem Leute, die im Laufe weniger Jahre
einem Dutzend Kirchen und Confessionen nach einander angehrt haben,
keine Seltenheit sind, vereinigt in sich fast alle Symptome, welche
die Kirchengeschichte seit ihrem Beginn bis heute hat zu Tage treten
lassen. Die Ebioniten, die Gnostiker, die Klster in ihrer Urgestalt,
die enthusiastischen Secten des Mittelalters, die Wiedertufer von
Mnster, die Camisarden, sie alle finden mehr oder minder ihr
Ebenbild in diesem transatlantischen Wirrsal, und nicht ohne
wesentlichen Gewinn fr das Verstndni jener lteren Erscheinungen
drfte eine genauere Untersuchung dieser ihrer Wiederholungen in der
Gegenwart sein.

Andeutungen ber die Ursachen dieses auffallenden Phnomens im
amerikanischen Leben sind an einem andern Orte gegeben worden[1].
Hier haben wir es nur mit der sonderbarsten und zugleich mchtigsten
Ausgeburt dieses eigenthmlichen Dranges zur Sectengestaltung zu thun
-- einer Erscheinung, die berdies, indem sie gewissermaen ein
=mixtum compositum= der Ergebnisse aller hnlichen ist, uns das
gesammte Sectenwesen wiederspiegelt, und schlielich sehr belehrende
Streiflichter ber die letzten Grnde des politischen und socialen
Dichtens und Trachtens in der transatlantischen Musterrepublik wirft.

  [1] Wanderungen zwischen Hudson und Mississippi, von Moritz Busch,
      Stuttgart und Tbingen, Cotta'scher Verlag, 1854.

Da die Quker in den Vereinigten Staaten ihren Hauptsitz haben, ist
bekannt: ebenso da die verschiedenen Secten der Wiedertufer hier
gegen zwei Millionen Bekenner zhlen. Die Campmeetings oder
Lagerversammlungen der Methodisten mit den halb grauenvollen, halb
komischen Aeuerungen ihrer Inbrunst, ihren Abrahams a Sancta Clara,
ihrem verzckten Jauchzen und ihrer an das Treiben Besessner
grenzenden Zerknirschung sind uns wiederholentlich geschildert worden.

Weniger bekannt dagegen drfte sein, da um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts Ann Lee, die Frau eines Hufschmieds aus England, nach
Albany kam, die sich fr den in weiblicher Gestalt wiedererschienenen
Christus ausgab, den Eintritt des tausendjhrigen Reichs verkndete,
die Vermischung der Geschlechter unter allen Umstnden, und somit
auch die Ehe fr Snde erklrte, Gott durch Tanz zu verehren lehrte
und fr diese wunderlichen Heilswahrheiten eine verhltnimig nicht
geringe Anzahl von Glubigen fand, deren Gemeinschaft noch jetzt
unter dem Namen der Shaker in achtzehn klosterartigen Niederlassungen
mit etwa viertausend Bewohnern fortgesetzt wird. Weniger bekannt mag
ferner sein, da, von einer andern Englnderin, Jane Southcot,
gestiftet, in der Stadt Neuyork eine Secte besteht, welche nebst
andern Ceremonien auch die Beschneidung unter sich eingefhrt hat,
da die Swedenborgianer zahlreiche Gemeinden in Amerika haben, da
die Geisterklopferei sich unter dem Titel Spiritualismus zu einer Art
Kirche gestaltet hat, da in Pennsylvanien, in Ohio und bei Buffalo
pietistische Communisten-Niederlassungen blhen, und da auch Cabet's
Icarier hier leidlich gedeihen. Weniger bekannt endlich ist wohl, da
vor etwa zehn Jahren William Miller, der Widderhornprophet, die
Union durchzog, der mit Hilfe der Bibel, der Mathematik und seiner
Phantasie die schreckenvolle Gewiheit herausgerechnet hatte, da die
Welt am 21. Mrz 1844 untergehen msse, und der mit seiner Predigt im
Osten wie im Westen Massen schwachsinniger Seelen zum Verkaufe ihrer
Habseligkeiten bethrte.

Alle diese und manche verwandte Erscheinungen finden in der
Vergangenheit des christlichen Europa ihr Seitenstck. Die aber,
von welcher wir nun handeln werden, hat, als Ganzes betrachtet,
soviel uns bekannt, weder in der christlichen Welt, noch im
Entwickelungskreise irgend einer andern Religion Ihres gleichen.
Das _Mormonenthum_ ist einzig in seiner Art. Es konnte nur dem
Boden der neuen Welt entkeimen, nur unter amerikanischer Sonne
gedeihen, und wenn es gestattet ist, Phnomene durchaus unerhrter,
den gewhnlichen Voraussetzungen des Geschehens allenthalben
widersprechender Art Wunder zu nennen, so stehen wir hier bis auf
Weiteres vor einem der grten Wunder unseres Jahrhunderts.

Die Geschichte der Mormonen oder der Latter-Day-Saints, wie sie
selbst sich nennen, ist die Geschichte einer tauben Nu, die, in den
Humus der transatlantischen Welt gepflanzt, in einer auf den ersten
Blick miraculsen Weise zum riesigen Baume erwuchs und Frchte
erzeugte, die keineswegs alle faul sind. Es ist die Geschichte einer
Lehre, die, ursprnglich ein ziemlich plumper Puff, allmlig durch
Hereinnahme einer Anzahl von mystischen Glaubensstzen den Schein
eines tieferen Inhalts gewann und sich in staatlicher Beziehung zu
einer bisher noch nicht dagewesenen Theo-Demokratie ausbildete. Im
Stifter der Secte sehen wir unzweifelhafte Talente, groe
Menschenkenntni, bewunderswerthe Ausdauer, auerordentlichen
Scharfblick in der Wahl seiner Mittel mit unglaublicher Frechheit,
tiefer sittlicher Verworfenheit, und einer in ihrer Naivett oft
geradezu drolligen Unwissenheit gepaart. Mag man ihn in einigen Zgen
mit Mohamed, in andern mit Cromwell vergleichen, so erinnert er in
weit zahlreichern Aeuerungen seines Charakters an Barnum, den
Napoleon der Windbeutelei, und war er unleugbar ein ungewhnlicher
Mensch, ja darf man ihn als das personificirte Genie des Yankeethums
bezeichnen, so erklren sich seine Erfolge doch noch mehr als aus
seiner Begabung aus den Verhltnissen, in die er sich gestellt sah.

Diese Verhltnisse aber, unter denen es mglich war, da eine Secte,
die im Jahre 1830 nur aus der Familie ihres Grnders und zwei
Freunden bestand, im Laufe von zwanzig Jahren trotz grausamer
Verfolgungen und trotz mannigfacher Gelegenheiten zur Erkenntni der
Lgen, die ihr Kern waren, zu einer wohlgeordneten Kirche wurde,
deren hunderttausend Bekenner ber die ganze Erde zerstreut sind:
diese eigenthmlichen Verhltnisse haben fr unser Jahrhundert und
insbesondere fr Amerika ebenso viel Beschmendes als Trstliches.
Sie zeigen, da in unserer Zeit das Licht der Bildung noch lange
nicht so weit leuchtet, als man gemeinhin annimmt und da namentlich
die Vereinigten Staaten und England mit dem Prdicate einer
aufgeklrten Nation, das sie sich so gern zulegen, etwas sparsamer
umzugehen Ursache haben. Sie zeigen aber auch, da da, wo freie
Institutionen herrschen, und wo die edlen Eigenschaften der
angelschsischen Race das Ganze durchdringen, selbst der Betrug bald
eine Gestalt annehmen mu, die nach einer Seite hin wenigstens
Anerkennung und selbst Bewunderung verdient.

Die folgende Darstellung wird erkennen lassen, ob damit zu viel
gesagt ist.




Zweites Kapitel.

Joseph Smith der Schatzgrber und Prophet. -- Sidney Rigdon und der
offenbarende Engel. -- Ein Roman und die Verwandlung desselben in eine
Bibel.


Der Stifter des Mormonenthums war Joseph Smith, am 23. September 1805
zu Sharon im Staate Vermont geboren, und spter mit der Familie
seines Vaters nach dem Dorfe Manchester bei Palmyra im Staate Neuyork
ausgewandert. Seiner Selbstbiographie zufolge stand sein Sinn schon
in frher Jugend auf gttliche Dinge, und als er siebzehn Jahre alt
war, wurde dieser Hang dadurch noch mehr genhrt und aufgeregt, da
ein beredter Methodistenprediger in der Nachbarschaft eine groe
Erweckung der Seelen bewirkte. Hufig schttete Joseph sein Sehnen
nach Erkenntni vor Gott im Gebete aus, und oft brtete er Tage lang
ber den rechten Weg zur Erlangung des Heils. Als er nun bei einer
solchen Gelegenheit in die Nacht hinein wach geblieben war, und
kniend den Herrn um Erleuchtung anflehte, welche von den
verschiedenen Secten und Kirchen die rechte sei, siehe da wurde sein
Gemach pltzlich von himmlischem Lichte erfllt, und er erblickte
einen Engel neben sich, der ihn ber den Pfad zur Gerechtigkeit vor
Gott unterwies und ihn zugleich belehrte, da es auf Erden keine
echte Kirche mehr gbe. Das Christenthum habe die gttliche Ordnung
mit Menschensatzung vertauscht, den Glauben verunstaltet und den
ewigen Bund gebrochen, wofr zur Strafe schon vor funfzehnhundert
Jahren das Priesterthum von ihm genommen worden sei. Endlich erfuhr
Joseph von dem Boten aus der Hhe, da sein Gebet Wohlgefallen vor
Gott gefunden habe und in die Bcher des Lebens eingetragen worden
sei, da der Herr ihn liebe, und da er den Auftrag erhalten solle,
die Priesterschaft nach der Ordnung Melchisedek's unter den Menschen
wiederherzustellen und eine Kirche wahrer Glubigen zu grnden zum
Empfange des Herrn, dessen tausendjhriges Reich nahe sei.

Bei einem spteren Besuche des Engels, der am 21. September 1823
stattfand, ward ihm die Erffnung, da er erwhlt worden, ein
heiliges Buch, welches in der Nachbarschaft vergraben sei, und
welches, von altindianischen Propheten verfat, die Wahrheit ber den
Ursprung der Ureinwohner Amerika's und deren Schicksale seit ihrer
Einwanderung aus Juda enthalte, wieder zu finden und zu Nutz und
Frommen der Welt zu verffentlichen.

Am folgenden Morgen nach der Stelle, dem Gipfel eines Berges
zwischen Canandaigua und Palmyra, den die Mormonen Cumorah nennen,
gefhrt, fand er nach kurzem Suchen eine acht Zoll hohe steinerne
Kiste, auf welche der Deckel mit Mrtel befestigt war. Er machte
wiederholentlich Versuche, sie aufzubrechen, bis ein Schlag von
unsichtbarer Hand ihn zurcktrieb. Auf sein inbrnstiges Gebet um
Erklrung dieses Widerstandes empfing er die Antwort, der Grund
davon, da er keinen Erfolg gehabt, liege darin, da er den
Einflsterungen des Satans Gehr gegeben, welcher auf dem Wege neben
ihm hergegangen sei und ihn beredet habe, den Inhalt der Kiste zur
Frderung seiner zeitlichen Angelegenheiten zu verwenden. Dies war
Snde. Der Gedanke, dadurch berhmt zu werden, war unheilige
Ehrbegier, dadurch zu Reichthum zu gelangen, strafbarer Geiz.

Du kannst diese Urkunden noch nicht bekommen, sagte der Engel.
Niemand kann sie bekommen, wofern sein Herz unrein ist, weil sie das
enthalten, was heilig ist. Siehe, obwohl Du jetzt geschaut hast die
Macht der Finsterni, woran Du frderhin allezeit den Bsen gewahr
werden kannst, so will ich Dir noch ein anderes Zeichen geben, an
welchem Du inne werden sollst, da der Herr Gott ist, und da die
Kunde, welche diese Ueberlieferung enthlt, zu allen Vlkern,
Geschlechtern und Zungen unter dem Himmel getragen werden soll. Dies
aber ist das Zeichen: Wenn es bekannt wird, da der Herr Dir diese
Dinge gezeigt hat, werden die Gottlosen Deinen Sturz suchen. Sie
werden Lgen verbreiten, um Deinen guten Ruf zu zerstren, und man
wird Dir sogar nach dem Leben trachten. Aber merke, wenn Du getreu
bleibst und fortan den Geboten des Herrn nachlebst, so sollst Du
bewahrt bleiben und zu rechter Zeit Erlaubni erhalten, die Urkunden
von hier zu holen.

Diese Verheiung erfllte sich nach Verlauf von vier Jahren, whrend
welcher Zeit Joseph sich fortdauernd eines Gott wohlgeflligen
Wandels befleiigt, eifrig der Wahrheit nachgestrebt, und vielfache
lehrreiche Besuche von dem Engel empfangen hatte. Am 22. September
1827 ffnete ihm dieser die Steinkiste, zeigte ihm den Inhalt, der in
dem Schwerte Labans, einem Brustharnisch, einer Prophetenbrille, Urim
und Thummim genannt, und den Tfelchen bestand, auf welche die
Urkunden eingegraben waren, und gestattete ihm, einen Theil dieses
Schatzes mit heimzunehmen. Das Schwert, in der Zeit Zedekias aus
Jerusalem nach Amerika gelangt, war vom feinsten Stahl und hatte
einen goldenen Griff. Die Brille war von der Form eines kleinen
Bogens, in dessen Oesen zwei helle durchsichtige Steine eingesetzt
waren, und man konnte mit ihr in der Vergangenheit und Zukunft lesen.
Die Tafeln, die das Aussehen von Gold hatten, sieben Zoll breit, acht
Zoll lang und nicht ganz so stark wie gewhnliches Blech waren,
wurden durch drei an der einen Seite hindurchgehende Ringe zu einem
Bande zusammengehalten und waren auf beiden Seiten mit gyptischen
Charakteren gefllt. Ein Theil derselben war durch ein Siegel
verschlossen.

Joseph nahm die Urkunden mit sich nach seines Vaters Haus, und als
die Nachricht von seinem Funde sich in der Gegend verbreitete,
erfllte sich, was der Engel geweissagt. Man streute nach allen
Richtungen hin falsche Darstellungen der Sache aus, man spottete und
hhnte ber die wunderbare Erffnung. Pbelhaufen bestrmten das Haus
der Familie Smith, und mehrmals wurden Versuche gemacht, dem
Propheten mit Gewalt die kostbaren Goldplatten zu entreien, soda er
sich endlich entschlo, nach dem benachbarten Pennsylvanien
auszuwandern. Hier, wo in der Nhe des Susquehanna sein
Schwiegervater wohnte, bertrug er mit Hilfe der Urim und Thummim und
eines Schreibers, Namens Cowdery, den unversiegelten Theil des
Urkundenbuchs ins Englische, welcher spter unter dem Titel das Buch
Mormons im Druck erschien.

Bis hierher folgten wir der Darstellung der Sache, wie sie von Smith
selbst und dem Mormonenapostel Orson Pratt erzhlt wird. In Wahrheit
verhielt es sich sehr wesentlich anders damit. Zwar mag der Prophet
bei der Erweckung der Nachbarschaft durch jenen Methodistenprediger
einige Eindrcke empfangen und sich mit den Hauptthesen des
Sectenstreites unter seinen Landsleuten bekanntgemacht haben. Statt
aber im Rufe von Frommen zu stehen, galten Joseph Smith und seine
ganze Familie vielmehr allenthalben als leichtsinnige, lgenhafte
Taugenichtse. Statt zu arbeiten, streiften sie in der Gegend als
Schatzgrber umher. Sie bedienten sich dabei eines sogenannten
Sehersteins, bisweilen auch einer Wnschelruthe. Die Sage wollte,
da in den westlichen Grafschaften des Staates Neuyork groe
Reichthmer aus der Zeit de Sotos verborgen lgen, und Joseph hatte
sich bei den Aberglubischen den Ruf zu erwerben gewut, diesen
unterirdischen Schtzen mit Glck nachzuspren. Im Jahre 1825 machte
er in dem pennsylvanischen Orte Harmony die Bekanntschaft einer Mi
Emma Hale und beredete sie, sich von ihm entfhren zu lassen und
heimlich seine Frau zu werden. Zu derselben Zeit beschwatzte er einen
gewissen Lawrence, sich mit ihm zu verbinden, um am Susquehanna eine
von ihm entdeckte reiche Silbergrube auszubeuten; als sie inde nach
dem angegebenen Orte kamen, war nichts von einem Erzgange zu
entdecken, und Lawrence hatte sein Geld umsonst ausgegeben. 1826
dupirte er in hnlicher Weise den Farmer Stowell zu Bainbridge, indem
er demselben vorredete, er habe in einer Hhle nicht weit von
Manchester einen Goldklumpen entdeckt, von dem er ihm gegen das
Versprechen, ihn nebst seiner Frau aus Pennsylvanien nach dem
Wohnorte seines Vaters zu schaffen, die Hlfte zu geben sich
anheischig machte. Stowell ging darauf ein und erfllte seinen Theil
des Vertrags; als Smith aber nun auch seiner Verpflichtung nachkommen
sollte, entzog er sich derselben durch die Ausflucht, er knne seine
junge Gattin nicht allein unter Fremden lassen, und der getuschte
Farmer kehrte heim, um seiner Kohlbeete zu warten und dazu ber den
Eulenspiegel zu schimpfen, der ihn so schmhlich am Narrenseile
herumgefhrt hatte. Dies ist in der Hauptsache die wirkliche
Geschichte des neuen Propheten in der Zeit zwischen der ersten
angeblichen Engelserscheinung und dem Punkte, wo es zu verlauten
begann, da er an der Uebersetzung seines Fundes arbeite.

Aber auch ber den letzteren wurde bald eine vllig andere Kunde
laut, als die, welche Smith und seine Freunde der Welt aufbinden zu
knnen geglaubt hatten. Das Buch Mormon war nichts weniger als eine
Sammlung von Urkunden, von indianischen Propheten vor Jahrhunderten
geschrieben. Es war vielmehr das Erzeugni der Muestunden eines
gewissen Spalding, welcher von 1809 bis 1812 im Stdtchen Conneauct
in Nordohio in Gemeinschaft mit einem gewissen Lake ein Eisenwerk
betrieben hatte. Es war eine Art historischer Roman, in welchem die
auch sonst in Amerika hufig gehrte Ansicht durchgefhrt war, da
die Ureinwohner des westlichen Continents Nachkommen der Kinder
Israel's seien, und welcher zu dem Zwecke weitlufige Berichte ber
ihre Wanderungen von Jerusalem nach Amerika und ihre Schicksale in
diesem Welttheile enthielt. Das Eisenwerk bezahlte sich nicht, und da
Spalding mittlerweile auf die Idee gerathen war, er knne durch
Verffentlichung seines Buchs ein wohlhabender Mann werden, so begab
er sich im Jahre 1812 nach Pittsburgh, wo er die Entdeckte
Handschrift -- so hatte er nmlich das Product getauft -- dem
Drucker Lambdin zum Verlag anbot.

In dessen Verwahrung verblieb das Manuscript -- wie die Einen sagen
-- kurze Zeit, kam dann an den Verfasser zurck, wurde nach dessen
bald darauf erfolgtem Ableben von der Witwe mit nach Hartwick, nicht
weit von der Wohnung jenes mit Smith befreundeten Farmers Stowell,
genommen und gelangte von hier um das Jahr 1820 nach dem Hause ihres
Bruders zu Onondaga Hollow, nicht fern von Manchester, dem damaligen
Aufenthaltsorte Smiths. Hier wurde es, behauptet man, von Joseph aus
dem Koffer, wo es mit anderen Papieren Spaldings gelegen, entwendet
und in ein Religionsbuch umgebildet.

Diese Angaben sind, wo nicht geradezu unglaubwrdig, doch zu wenig
begrndet. Weit richtiger scheint die folgende Erklrung. Die
Entdeckte Handschrift war mehrere Jahre und auch dann noch in
Lambdins Verwahrung verblieben, als Spalding im Frhling 1816 starb
und einige Zeit nachher die Firma Lambdin und Patterson Bankerott
machte. Nun hielt sich von 1823 bis 1826 ein gewisser Sidney Rigdon
in Pittsburgh auf, der frher Buchdruckergehilfe gewesen war und
jetzt in der Eigenschaft eines Predigers der Reformers oder
Disciples wirkte. Er war, wie sein spteres Verhalten zeigt, ebenso
schlau als ehrgeizig und nie um die Mittel zur Erreichung seiner
Zwecke verlegen. Er stand auf ziemlich vertrautem Fue mit Lambdin
und verlie, als dieser starb, seinen bisherigen Aufenthaltsort, um
sich in Mentor, einem Stdtchen im nrdlichen Ohio, eine Gemeinde zu
bilden, der er hnliche Dinge wie die, welche der Engel Joseph Smith
verkndet, vortrug. Eine andere Thatsache, die zu Schlufolgerungen
berechtigt, ist die, da Rigdon whrend des Herbstes von 1826 hufige
Reisen von Mentor nach Pittsburgh unternahm, von wo es nicht weit bis
zum Susquehanna und dem damaligen Wohnorte Smiths ist.

Als nun im Jahre 1830 das Buch Mormon oder wie es in der ersten
Ausgabe heit, die goldene Bibel im Druck erschien und von
Glubigen und Unglubigen mit Begier gelesen wurde, erklrten
Spaldings Witwe und sein Bruder, erstaunt und entrstet zugleich,
dasselbe sei in der Hauptsache nichts anderes, als die ihnen noch
sehr wohl erinnerliche Entdeckte Handschrift ihres verstorbenen
Gatten und Bruders. Die Namen der Personen und Orte, ja was noch
mehr, die psychologischen Unwahrscheinlichkeiten und aufflligen
Stylmngel waren fast durchgngig beibehalten, und der Bearbeiter
hatte nur etwas mehr religises Material hinzugethan. Ihre Einsprache
gegen den Betrug, auf welche Rigdon lediglich mit Schmhungen und
Grobheiten antwortete, wurde durch das Zeugni des einstigen
Compagnons von Spalding, sowie durch einen groen Theil der Bewohner
Conneaucts bekrftigt, und so scheint das Rthsel sich dahin
aufzulsen, da Lambdin, nachdem er mit seiner Druckerei Bankerott
gemacht, die in seiner Verwahrung befindlichen Manuscripte in der
Absicht durchsah, sich durch eine Speculation mit einem aufflligen
Buche wieder emporzuhelfen, da er zu diesem Zwecke kein besseres
Mittel als die Entdeckte Handschrift whlen konnte, deren Verfasser
ihm berdies kein Hinderni mehr in den Weg zu legen vermochte, da
er dieses Werk an Rigdon bergab, um es nach seinem Ermessen zu
feilen und zu ndern, und da dieser den Roman in eine Bibel
umprgte. Der Tod Lambdins machte Rigdon zum alleinigen Besitzer des
Geheimnisses und seines mglichen Gewinns. Letzterer wurde sicherer,
wenn das Buch in miraculser Weise an den Tag gebracht wurde. Das
damals sich verbreitende Gercht, in Canada sei eine goldene Bibel
ausgegraben worden, lenkte auf den Gedanken, auch die Urkunden
Mormons auf Goldtafeln geschrieben sein und dem Schoose der Erde
entsteigen zu lassen. Es war endlich ein Gehilfe zu suchen, der im
Rufe eines Schatzgrbers stand, da, wenn man diesen den Fund thun
lie, der Verdacht nicht auf Rigdon fiel, und hierzu war Joseph Smith
nach dem Vorigen der rechte Mann. Derselbe ging auf Rigdon's Antrag
ohne Bedenken ein, und wenn er einige Zeit nach der ersten
Besprechung mit dem Urheber des Plans nach Pennsylvanien zog, so
geschah dies nicht wegen Gefhrdung seines Lebens daheim, sondern
deshalb, weil er am Susquehanna seinem Genossen nher war und sich
dort ungestrter von ihm seine Rolle einben lassen konnte.

Die weitere Entwickelung wirft aber noch mehr Licht auf das
Verfahren, womit die beiden Schwindler ihr ffentliches Auftreten
einleiteten. Weder Smith noch Rigdon war im Besitze der Mittel zur
Verffentlichung des Fundes durch den Druck. Ersterer wendete sich
deshalb zuerst an den Quker Crane, um ein Darlehen zur Frderung des
Werkes Gottes, wurde aber mit spttischen Worten abgewiesen. Er warf
sodann seine Augen auf den Farmer Harris, einen leichtglubigen
Tropf, welcher bereits einem halben Dutzend Secten nach einander
angehrt hatte. Er trat ihm eines Tages in den Weg, verkndete ihm,
da der Herr ihm geboten, sich von ihm funfzig Dollars zum Beginn des
Werks der Uebertragung seines Indianerevangeliums geben zu lassen,
und empfing von dem durch Verheiung groen Lohnes bestochenen Harris
wirklich die verlangte Summe. Noch krftiger bearbeitet, streckte
dieser nach und nach gegen dreitausend Dollars vor und gab sich sogar
selbst zum Schreiber her, dem Smith seine Uebersetzung dictirte. Da
er inde der Feder nicht recht mchtig war, so wurde er durch Oliver
Cowdery, einen Schulmeister, ersetzt, welcher die Arbeit bis zum
Drucke vollendete. Smith legte dabei die Pseudo-Goldplatten in einen
Hut, hielt sich die Prophetenbrille der Urim und Thummim vor die
Augen und dictirte die Worte der Urkunde, die sich vermittels dieses
Instruments aus neugyptischen in englische verwandelten, dem
Schreiber, von dem er durch einen Vorhang geschieden war, in die
Feder. Ins Natrliche bertragen heit das, er las das Manuscript
Rigdons, das er in seinem Hute verborgen, ab, oder sagte, was er
davon fr den Tag auswendig gelernt hatte, aus dem Gedchtnisse her.

Anfnglich scheint weder Rigdon noch Smith an die Stiftung einer
neuen Religion gedacht zu haben. Man hatte lediglich den Zweck im
Auge, der angeblichen Entdeckung eines Buchs aus der Urzeit Amerika's
dadurch, da man sie als von Engelserscheinungen begleitet und von
einem Nimbus aus der Hhe umflossen darstellte, die Gemther der
zahlreichen Wunderglubigen im Lande zuzuwenden. Kurz vor dem
Erscheinen des Buchs Mormon im Druck aber mssen die Ansichten der
Beiden ber den Weg, den sie einzuschlagen, eine Aenderung erfahren
haben, indem am 6. April 1830 zur Grndung einer Kirche aus den
Heiden verschritten wurde.

Ehe wir jedoch diesem Treiben unsere Aufmerksamkeit zuwenden, sei
ein Ueberblick des Inhalts der Mormonenbibel gestattet, die
gegenwrtig in englischer, walisischer, franzsischer, italienischer,
dnischer und deutscher Sprache zu haben, ja selbst in die der
Sandwichsinsulaner bersetzt und in mehr als einer halben Million
Exemplaren verbreitet ist.

Das Buch Mormons zerfllt in die Bcher Nephi 1 und 2, Jacob, Enos,
Jarom, Omni, Mosiah, Alma, Helaman, Nephi des Jngern, Mormon, Ether
und Moroni, die zusammen so viel Stoff enthalten als das alte
Testament ohne die Apokryphen. Der Inhalt aber ist in Kurzem
folgender: Als der Herr, um den Bau des Babelthurms zu vereiteln, die
Sprachen der dort zusammengestrmten Menschen verwirrte, erbarmte er
sich der Jarediten ob ihres frommen Wandels und belie sie im
bisherigen Gebrauche ihrer Zunge. Von Gott dazu angeregt, verlieen
sie das Land Schinear und wanderten nach der Westkste des Oceans,
von wo sie in acht Schiffen nach dem nrdlichen Amerika fuhren. Hier
wohnten sie anderthalb Jahrtausende, wurden zu einer zahlreichen und
mchtigen Nation, versanken aber allmlig in Unglauben und Laster und
wurden in Folge dessen um das Jahr 600 vor Christi Geburt von Gott so
vollstndig vertilgt, da von ihnen nichts brig blieb, als die
Trmmer ihrer Stdte und die von ihrem Propheten Ether auf
Goldplatten verzeichnete Geschichte ihres Aufblhens und Untergangs.

Um die Zeit ihrer Ausrottung wurde eine jdische Familie vom Stamme
Josephs, der fromme Lehi mit seinem Weibe Sariah und seinen vier
Shnen, auf wunderbare Weise aus Jerusalem nach der Westkste
Sdamerika's geleitet, und elf Jahre spter brach ein dritter Zug von
israelitischen Auswanderern, worunter etliche vom Stamme Juda,
gleichfalls nach dem groen Festlande jenseit des Stillen Oceans auf.
Sie landeten in Nordamerika, begaben sich inde spter nach dem
Sden, wo sie nach Verlauf von ungefhr vierhundert Jahren von dem
einen Theile der Frhergekommenen entdeckt wurden und mit ihnen zu
einem Volke verschmolzen.

Die Nachkommen Lehi's nmlich schieden sich einige Zeit nach ihrer
Ankunft auf amerikanischem Boden in zwei Stmme, eine Spaltung,
welche dadurch veranlat wurde, da einige von ihnen die Uebrigen
wegen ihrer Gottesfurcht anfeindeten und verfolgten. Diese Frommen,
die sich nach dem sie fhrenden Propheten Nephiten nannten, wanderten
nach Centralamerika und von dort nach dem Norden aus, whrend jene
Gottlosen, nach ihrem Feldherrn Lamaniten geheien, im Sden
zurckblieben.

Die Lamaniten brachten durch ihres Herzens Hrtigkeit und Bosheit
viele und schwere Heimsuchungen auf sich herab. Namentlich
verwandelte der Fluch Gottes ihre von Natur weie Farbe in ein
schmutziges Roth. Sie waren Leute von roher und blutgieriger
Sinnesart und ihren Brdern, den Nephiten so beraus aufsssig, da
sie dieselben mehrmals in zahllosen Horden mit Krieg berzogen,
Angriffe, die jedoch allenthalben siegreich zurckgeschlagen wurden.

Die Nephiten waren in allen Stcken das Gegentheil dieses bsen
Volkes. Sie hatten in ihrem Besitze eine Abschrift des Gesetzes Moses
und der Propheten bis auf Jeremia, in dessen Tagen ihr Stammvater
Jerusalem verlassen hatte, und diese Ueberlieferungen aus dem Lande
ihrer Vorfahren, die auf Erztfelchen gegraben waren, erhielten eine
Fortsetzung in anderen Tafeln, welche von den Weisen und Sehern der
Nation mit den Thaten ihrer Knige und Helden, sowie mit den
Gesichten, Wundern und Offenbarungen, deren Gott das fromme Volk
wrdigte, gefllt wurden. Und der Herr segnete sie mit Gedeihen, und
sie wuchsen und breiteten sich aus nach Osten, Westen und Norden,
bedeckten die Thler und Ebenen mit Stdten und Drfern, Tempeln und
Burgen, erbauten alle Gattungen Getreide in Ueberflu und zogen
zahlreiche Arten von Hausthieren. Sie kannten zugleich die Gewinnung
und den Gebrauch von Gold, Silber, Kupfer und Eisen. Knste und
Wissenschaften blhten unter ihnen, ja selbst einige Zweige der
Maschinenbaukunde waren ihnen bekannt. Die geistigen Interessen
wurden durch Propheten besorgt, die in die fernste Zukunft schauten
und nicht blos die Erscheinung des Messias im Fleische, sondern sogar
seine Wiederkunft und die Errichtung seines tausendjhrigen Reiches
weissagten. Dessenungeachtet wichen auch die Nephiten endlich von den
Wegen des Herrn, verfielen in Snden und Laster und tdteten die
Propheten, die sie davon abmahnten. Da ergrimmte der groe Jehova
ber sie und suchte sie mit schweren Strafen heim. Finsterni sank
auf die Erde herab, ein grauenvolles Erdbeben wthete von einem
Meeresstrande zum andern, Berge sanken zu Thlern ein, Thler
schwollen zu Bergen, Seen flutheten an der Stelle verschlungener
Ortschaften, und der grte Theil der Nephiten und Lamaniten wurde
vernichtet. Die aber, welche diese furchtbare Katastrophe berlebten,
wurden mit einer persnlichen Erscheinung Christi, der kurz vorher in
Jerusalem gestorben, auferstanden und gen Himmel gefahren war,
begnadigt. Er zeigte ihnen Seitenwunde und Ngelmaale, predigte ihnen
das Evangelium, setzte die Sacramente ein, heilte Lahme und Blinde,
erweckte einen Todten und machte dem frommen Volke alle Dinge bis ans
Ende der Tage bekannt. Ein Theil seiner Reden und Thaten ist im Buche
Mormons zu lesen; der grere und wichtigere Theil derselben aber
wartet vorlufig noch der Uebertragung aus dem neugyptischen
Originale.

Nachdem der Erlser sein Werk in Amerika vollendet, stieg er wieder
(wer denkt bei diesem Auf und Ab nicht an die Papierdrachen, welche
unsere Knaben steigen und sinken lassen, wie und wenn sie wollen?) in
den Himmel. Die zwlf Jnger aber, die er gewhlt, zogen durch das
Land, predigten allenthalben die frohe Botschaft, thaten Wunder und
bekehrten nicht blos alle bis dahin dem Gesetze Mosis unterthanen
Nephiten, sondern auch viele Lamaniten. Der dadurch hervorgerufene
gottselige Zustand des amerikanischen Volkes erhielt sich lnger als
dreihundert Jahre in seiner Reinheit. Allmlig jedoch rissen wieder
Unglauben und Ungerechtigkeit ein, und gegen das Ende des vierten
Jahrhunderts der christlichen Aera hatte die Ruchlosigkeit einen
solchen Grad erreicht, da die Langmuth des Herrn sich in strafenden
Zorn verwandelte. Ein schrecklicher Krieg brach zwischen den
Lamaniten im Sden und den jetzt nur noch in Nordamerika wohnenden
Nephiten aus, und dessen Ausgang war die beinahe gnzliche Ausrottung
der letzteren auf dem Berge Cumorah, wo sich der Rest der Nation in
einem meilenlangen Lager verschanzt hatte.

Unter den Ueberlebenden waren der Prophet Mormon und sein Sohn
Moroni, von denen der Erstgenannte einen Auszug aus den
Ueberlieferungen seiner Vorvter gemacht hatte, den er vor seinem
Tode dem Sohne zur Vollendung bergab, whrend jene Traditionen von
ihm auf Gottes Gehei im Berge Cumorah verborgen wurden. Moroni
fhrte die Chronik seines Vaters noch einige Jahre fort, und wir
erfahren von ihm, da die unvershnlichen Lamaniten die wenigen von
den Kindern Nephi, welche jener Vertilgungsschlacht entronnen waren,
so lange verfolgten, bis das ganze Geschlecht, ihn ausgenommen,
vernichtet war. Er berichtet fernerhin, da nach dem Untergange ihrer
Gegner die Lamaniten unter sich selbst in Streit geriethen, und da
ganz Amerika lange Zeit nichts als ein groer Schauplatz von Gewalt,
Raub und Blutvergieen war. Er schliet endlich seine Geschichte im
Jahre 424 nach Christi Geburt, um die Platten, auf die sie
geschrieben, ebenfalls in den heiligen Berg zu vergraben.




Drittes Kapitel.

Die Mormonen in Missouri und Ohio. -- Zion im Westen. -- Verfolgungen in
Missouri und Triumphe in Illinois. -- Die Wunderstadt Nauvoo und ihr
Tempel. -- Die Ermordung des Propheten und der Auszug aus Aegypten.


Wir kehren nun zu der Geschichte Smiths und der von ihm am 6. April
1830 gegrndeten neuen Kirche zurck. Dieselbe bestand anfnglich
nur aus dem Propheten selbst, seiner Frau, der Familie seines Vaters
und seinen Freunden Martin Harris und Oliver Cowdery. Nach dem
Sprichworte, da ein Prophet in seinem Vaterlande nichts gilt,
fanden sich in Manchester nur Wenige, die der Predigt von dem
erdentstiegenen Pseudoevangelium ein geneigtes Ohr leihen mochten.
Dagegen wurden in den Grafschaften Fayette und Colesville
Zweiggemeinden zu Stande gebracht. Trotzdem wrde schwerlich etwas
Bedeutendes erreicht worden sein, wenn die Helfershelfer Smiths
nicht auswrts wichtigere Erfolge vorbereitet htten.

Im August 1830 reiste (die Mormonen sagen: zufllig) ein
Campbelliten-Prediger aus Lorrain-County in Ohio auf dem Canale durch
Palmyra, hrte hier von der neuen Religion, besuchte den Propheten,
las das Buch Mormons und wurde zum Glauben an seine Echtheit bekehrt.
Dies war Parley Peter Pratt, spter einer der beredtesten und
feurigsten Vertheidiger und einer der fruchtbarsten Hymnendichter des
Mormonenthums, jetzt Prsident seiner zahlreichen Gemeinden auf den
Inseln des Stillen Oceans. Bei seiner Rckkehr nach Ohio, wohin ihn
Cowdery begleitete, bergab er die Goldne Bibel dem in der
Nachbarschaft lehrenden Rigdon, der dadurch zu einer Reise nach
Manchester bewogen wurde, wo er sich nach einigem Struben
gleichfalls bekehren lie und sofort zum Aeltesten, Oberpriester und
Schriftfhrer ernannt wurde. Heimgekehrt rief er unverzglich seine
Gemeinde zusammen, trug ihr in einer zweistndigen Rede voll
glhender Begeisterung seine Erfahrungen im Staate Neuyork vor,
ermahnte, flehte, weinte Zhren des Kummers und der Wonne, fiel
einige Male in Ohnmacht, sah den Himmel offen und bewirkte durch
diese und hnliche Mittel, da der grte Theil der Versammelten sich
von ihm und Cowdery taufen lie.

Um diese Vorgnge begreiflich zu finden, mu man wissen, da Pratt
ein alter Bekannter Rigdons war, und sich erinnern, da Letzterer
schon seit drei Jahren die buchstbliche Deutung der biblischen
Weissagungen, die bevorstehende Sammlung des Hauses Israel zum
Empfange des wiederkommenden Messias, die Aufrichtung des
tausendjhrigen Reiches und die Nothwendigkeit wunderbarer
Gnadengaben in einer Kirche, welche sich die rechte nenne, gelehrt
hatte. Man wird dann auch die zufllige Reise Pratts zu Smith fr
eine verabredete, und das Struben Rigdons fr ein blos scheinbares
halten drfen. Vor allen Dingen aber erklrt sich daraus die Flle
eigenthmlicher Dogmen, welche nun in der Form unmittelbarer
gttlicher Eingebungen im Kreise der Jnger Smiths auftauchten, ein
Conglomerat von Tollheiten, das spter in dem zweiten groen
Religionsbuche der Secte, dem Book of Doctrine and Covenants dem
ersten an die Seite trat.

Die Zusammenkunft Rigdons und Smiths hatte im October 1830
stattgefunden. Im Januar des nchsten Jahres empfing der Letztere
eine Offenbarung, in welcher den Gemeinden im Osten geboten wurde,
nach der Stelle auszuwandern, welche, wie Rigdon schon lngst erklrt
hatte, sich an der Markscheide des Erbes der Heiligen befand, ein
Erbtheil, welches sich von dort bis an das Stille Meer erstrecken
sollte. Der Prophet und die Seinen zogen in Folge dessen nach dem
Stdtchen Kirtland in Nordohio, wo Pratt, Rigdon und Cowdery bereits
eine Gemeinde von einigen hundert Seelen beisammen hatten. Hier
entwickelte sich ein Schauspiel der seltsamsten Art, und eine Masse
Neugieriger strmte von allen Gegenden herbei, um Zeuge dieser
Vorgnge zu sein. Der Wahnsinn der methodistischen Lagerversammlungen
tobte hier in gesteigertem Grade. Verzckungen waren an der
Tagesordnung. Mnner und Frauen fielen bei den ffentlichen
Versammlungen zu Boden, sthnten, kreischten, wlzten sich zuckend
und zappelnd umher, wiesen gen Himmel, wo eine Wolke heiliger Zeugen
schwebte, sprachen in Zungen, namentlich in denen der Indianer, zu
deren Bekehrung sie aufbrechen zu mssen erklrten, fuhren wie
besessen zu den Thren hinaus und wieder herein, fielen in Ohnmacht,
sprangen wieder auf, stellten sich predigend und singend auf Zune
und Baumstmpfe und verkndeten den Anbruch des jngsten Tages.
Einige hoben Steine auf und lasen auf ihnen sonderbar klingende
Inschriften, wo Andere bloes Moos erblickten. Einigen fielen
pltzlich Pergamentrollen vom Himmel auf den Kopf, welche mit dem
Siegel Christi gesiegelt waren, und welche sie nicht so bald
abgeschrieben hatten, als sie wieder verschwanden. Die rasendste
Aufregung herrschte in ihren Zusammenknften, jedes einzelne Mitglied
der Secte war durch diese Ausgieung des heiligen Geistes zum
Schauer und Offenbarer geworden.

Diese Allgemeinheit des Prophetenthums konnte als Zeugni fr die
Echtheit der neuen Religion gelten. Ihre Dauer jedoch war
begreiflicher Weise nicht nach Smiths Geschmack, der so nur =primus
inter pares= gewesen wre. Er mute den Brand, den er entzndet,
migen, dem Eifer der Brder und Schwestern Schranken setzen, und so
predigte er eines Tages, wie er eine Offenbarung empfangen habe, in
welcher Gott die Heiligen warne, sich der Gewalt, die ber sie
gekommen, zu arglos hinzugeben, indem der Satan dabei die Hnde im
Spiele habe und die Gaben des heiligen Geistes zu seinen Zwecken
verkehre. Verschiedene andere Offenbarungen folgten, von denen die
eine die Glubigen anwies, den Seher mit allem Nthigen zu
versorgen, da er nicht mehr fr seinen Unterhalt weltliche Arbeit
thun solle, die andere einige aufsssige oder lssige Gemeindeglieder
tadelte, eine dritte endlich die Gabe des Schauens und Weissagens auf
=Mr. Joseph Smith junior= beschrnkte. Er allein sollte frderhin
das Vorrecht haben, mit Engeln zu verkehren, und ihm sollten Alle als
dem Dolmetsch der Befehle Jehova's gehorchen.

Dies geschah. Um sich aber fr die Zukunft sicher zu stellen, und
einestheils dem Eifer der Schwrmer einen Abzugscanal zu schaffen,
anderntheils die einflureichsten und ehrgeizigsten Mitglieder der
Secte auf eine Weile von sich zu entfernen, entwarf der schlaue
Prophet einen andern Plan. Im Juni 1831 hatte er eine weitere
Offenbarung, in welcher Gott die Aeltesten der Kirche anwies,
paarweise nach Westen zu wandern, auf dem Wege zu predigen und zu
einer bestimmten Zeit am Ufer des Missouri zusammenzutreffen, wo
Cowdery vorher das Land nach einer passenden Stelle zur Grndung der
zuknftigen Hauptstadt des Reiches Gottes auf Erden ausgekundschaftet
hatte.

Diese Stelle war in der Nhe des in der Grafschaft Jackson in
Westmissouri gelegenen Stdtchens Independence. Sie war mit groer
Umsicht gewhlt, und nicht vllig unglaubwrdig klang es, wenn der
Prophet verkndete, da hier einst der Garten Eden und Adams Altar
gestanden. Bei Weitem herrlicher aber war die Aussicht, welche Smiths
Prophetengeist in die Zukunft dieses Neuen Jerusalems der Heiligen
erffnete. Hier sollten sich einst alle Glubigen anbauen, hier alle
Knige der Erde ihren Tribut entrichten, hier eine ungeheure Stadt
sich erheben, deren Straen mit Gold und Edelsteinen gepflastert sein
sollten -- und was dergleichen Ueberschwnglichkeiten mehr sind.
Manche dieser Weissagungen wrden sich, wie die Folge zeigen kann,
wenigstens annhernd erfllt haben, wenn die Fhrer der Secte sich
nicht in den bereits hier wohnenden Hinterwldlern verrechnet htten
und nicht gleich Anfangs mit unmigen Ansprchen aufgetreten wren.

Die Sendboten Smiths zogen, dreihundert an der Zahl, seinem Befehle
gehorsam nach Missouri. Das neue Zion wurde zu bauen begonnen, der
Grundstein zum Tempel gelegt, und bald hatten sich von Denen, die
unterwegs bekehrt worden waren, gegen zwlfhundert als Ansiedler in
Jackson County niedergelassen. Smith und Rigdon, die bei der
Grundsteinlegung zugegen gewesen waren, begaben sich bald nachher
nach Kirtland zurck, welches sie in Shinear umgetauft hatten. Hier
verbrachte der Prophet die Zeit bis zu Ende des Januar 1832 theils
mit Predigen und der Anfertigung neuer Offenbarungen, die Rigdon
stylisirte und Smiths Frau, Emma, die auserwhlte Dame
niederschrieb, theils mit Arbeiten in seinem Kramladen und seiner
Mhle, theils mit der Leitung des Baus eines Tempels, der
vierzigtausend Dollars kostete und noch heute steht. Die Secte wuchs
noch immer, hatte jedoch schon jetzt mehrere Abtrnnige, die sich
dann gewhnlich in erbitterte Verfolger verwandelten. Von einer Rotte
derartiger Bursche, die von dem Campbelliten-Prediger Rider angefhrt
war, wurden Smith und Rigdon, als sie in dem Drfchen Hiram sich
aufhielten, in der Nacht vom 25. bis 26. Januar berfallen, aus den
Betten gerissen und so grausam getheert und gefedert, da es Joseph
gerathen fand, sich auf einige Monate zu den Brdern in Missouri zu
flchten. Hier wurde er anfnglich mit allen Ehren empfangen, spter
jedoch monarchischer Gelste bezchtigt, eine Anklage, welcher er,
als sie zu einer Spaltung zu fhren drohte, unter dem 18. Mrz 1833
von Kirtland aus mit einer Offenbarung entgegentrat, in der ihm
Jehova gebot, seinen Knecht Rigdon und einen gewissen Williams
durch Handauflegung zu gleicher Macht und Wrde mit ihm im Amte der
Schlssel zu Gottes letztem Knigreiche zu erheben. Diese
Nachgiebigkeit stellte die Ruhe wieder her, und beide Niederlassungen
fuhren fort zu blhen.

Um die Mitte des Jahres 1833 waren die Mormonen in Missouri durch
Zuwanderungen aus dem Osten auf mehr als dreitausend Seelen
angewachsen. Sie hatten mehrere Fabriken und Mhlen errichtet und
besaen in Independence ein gemeinschaftliches Magazin, der Speicher
des Herrn genannt, sowie eine Zeitung, den Evening and Morning
Star. An ihrer Spitze standen der Bischof Partridge und Elder
Phelps, der Redacteur des ebengenannten Blattes. Es schien, als mte
Zion gedeihen, als sich pltzlich unter den Bewohnern von
Jackson-County Demonstrationen feindseliger Natur vorzubereiten
begannen. Das Volk hielt mehrere Versammlungen, in denen die Mormonen
verschiedener Verbrechen angeklagt wurden, und in deren letzter man
den Beschlu fate, hinfort keinem Mitgliede der Secte die
Niederlassung in der Grafschaft zu gestatten, von den darin bereits
Angesessenen den Abzug binnen bestimmter Frist zu fordern, die
unverzgliche Schlieung der Arbeit in ihrem Magazine und ihren
Fabriken zu bewirken und der Herausgabe der Zeitung ein Ende zu
machen.

Wieviel von jenen Anklagen Wahrheit, wieviel Eingebung der Misgunst
war, mu dahin gestellt bleiben. Da die Mormonen unvorsichtig
geprahlt haben mgen, das ganze Land sei ihnen von ihrem Jehova
beschieden, scheint ausgemacht. Da sich viele rudige Schafe unter
der Heerde befanden, litte auch dann keinen Zweifel, wenn der Prophet
sie nicht ausdrcklich in mehreren Offenbarungen getadelt htte.
Ebenso wahr jedoch ist, da die Bevlkerung von Missouri den Jngern
Smiths schon deshalb, weil sie meist Yankees waren und mehr noch
deshalb nicht wohl wollte, weil sie keine Sclaven hielten. Ebenso
wahr ferner, da Prediger, denen bei dem reienden Zulaufe zu der
Secte um ihre Gemeinden, das heit, um ihren Brotkorb bange wurde,
diese Abneigung zum Hasse schrten. Ebenso wahr endlich, da die
Hinterwldler des westlichen Grenzlandes, dieser Schaum, den die
schwellenden Wogen der Zivilisation hierher gesplt, ungemein wenig
Ursache hatten, ber etwaige Viehdiebsthle und sonstige
Ungehrigkeiten als ber etwas unter ihnen Unerhrtes die Entrsteten
zu spielen. Das Schlimmste aber war, da man, als die Mormonen der am
20. Juli an sie ergangenen Aufforderung nicht gleich Folge leisteten,
zu Gewaltmaregeln schritt und ihre Druckerei zerstrte, sowie den
Bischof Partridge theerte und aus seinen eigenen zerschnittenen
Betten federte.

Nach diesem Vorfalle verstanden sich die Fhrer der Secte dazu, zu
Anfang des folgenden Jahres mit den Ihrigen die Grafschaft zu
verlassen, und hiermit erklrten sich die Verfolger zufrieden. Als
aber gegen Ende des October verlautete, die Mormonen dchten nicht
mehr an Erfllung ihres Versprechens, brach ein neuer Sturm gegen die
Heiligen los. Der Pbel von Jackson-County rottete sich zusammen,
prgelte, theerte und federte mehrere Mitglieder der Secte, warf
ihnen die Fenster ein und plnderte den Speicher des Herrn aus. Die
Mormonen griffen nun zu den Waffen, und es erfolgte ein Zusammensto,
bei welchem zwei von der Partei der Angreifer erschossen wurden. Dies
rief eine ungeheure Aufregung im Lande hervor, und die Mehrzahl der
Secte machte sich sofort zum Abzuge nach der jenseit des Missouri
gelegenen Grafschaft Clay auf, wo das Stdtchen Liberty ihr
Hauptquartier wurde, und wo ihnen im Juni 1834 der Prophet an der
Spitze des Heeres von Zion, einer wohlbewaffneten Leibwache von
hundertfnfzig Aeltesten und Priestern, einen kurzen Besuch
abstattete.

Die obersten Behrden des Staates und alle Freunde der Gesetzlichkeit
waren emprt ber diesen Sieg des Pbels und forderten die Mormonen
auf, bei den Gerichten um Schadloshaltung einzukommen. Es wurde ein
Proce anhngig gemacht, allein die Stimmung der niedern Classen war
den Heiligen so ungnstig, da der Attorney-General selbst den Rath
ertheilte, die Klage fallen zu lassen -- in der That ein trauriges
Zeugni fr die Rechtsunsicherheit in der vielgepriesenen
Musterrepublik.

Jenseit des Missouri schienen die Verhltnisse der Latter-Day-Saints
sich anfnglich befriedigender gestalten zu wollen, und bald waren
weite Strecken der dortigen Wildni in Felder und Fluren verwandelt.
In Kirtland wurde im Jahre 1835 eine Theologenschule erffnet, an
welcher mehrere hundert Aelteste Unterricht namentlich im Hebrischen
empfingen. Im Frhling des folgenden Jahres kamen einige dieser
Herren mit zahlreichen Schaaren von Glubigen nach Clay-County, und
dieses Herzustrmen der Mormonen in Masse, sowie die treffliche
Organisation der Secte, die sie stets planvoll und gemeinsam handeln
und dadurch rasche Erfolge erzielen lie, erweckte den Argwohn des
Volkes auch hier. Man trat zu Versammlungen zusammen, whlte
Ausschsse und bewirkte durch Zureden, da die Mormonen nach den
benachbarten Grafschaften Davies, Caldwell und Carroll auswanderten.
Hier wuten sie, in der Hoffnung, ferner nicht mehr gestrt und
vertrieben zu werden, mit ihrer rhrigen, regsamen Weise und ihrem
fast immer gut rechnenden Verstande sich's bald bequem zu machen. Wo
das Jahr zuvor nur der unstete Jger gehaust und der Urwald
gerauscht, erhoben sich mit Maisfeldern und Mhlen, Werksttten und
Speichern die Stdtchen Dewitt, Far West und (an der Stelle, wo der
Erste der Menschen, einer Offenbarung Smiths zufolge, einst seine
Kinder gesegnet) Adam-On-Diahman, und im Frhling 1837 war die Zahl
der Glubigen in Missouri bereits auf zwlftausend gestiegen.

Aber die Kirche war fortwhrend von Zwistigkeiten zerrissen.
Ehrgeizige Heuchler mischten sich in ihr mit ehrlichen Bethrten, ja
selbst entschiedene Schurken und Verbrecher suchten in ihrer Mitte
eine Zuflucht und einen neuen Wirkungskreis. Ein Theil der Brder
machte falsches Geld. Die Mehrzahl widersetzte sich dem, aber nicht
eher wurden die Uebelthter verjagt, als bis Smith selbst, der jetzt
auf immer nach dem Westen kam, sich ins Mittel schlug.

Auch ber Shinear-Kirtland nmlich war Unglck hereingebrochen. Die
Yankeenatur des Propheten und seiner Freunde hatte ihn bewogen, ein
Bankgeschft zu errichten, das auf den nach einer Offenbarung den
Mitgliedern der Secte auferlegten Zehnten von allem ihrem Besitze
gegrndet war. Diese Bank hatte, trotzdem da ihr die gesetzlich
erforderte Besttigung vorenthalten wurde, Noten ausgegeben,
betrchtliche Summen ausgeliehen, noch betrchtlichere aufgenommen
u. s. w. Das war eine Weile trotz der ziemlich unbesonnenen
Verwaltung des Geschfts ganz leidlich gegangen. Aber pltzlich
wendete sich das Blatt. Die Bank mute ihre Zahlungen einstellen, die
Glubiger machten einen Proce wegen Schwindelei anhngig, und Smith
und Rigdon muten, um dem Sheriff und seinem Verhaftsbefehle, ja
vielleicht dem Zuchthause in Columbus zu entgehen, sich bei Nacht und
Nebel aus dem Staate flchten.

Sie gingen nach Zion in Missouri, wo es Smith sehr bald gelang, die
etwas gelockerte Disciplin unter den Heiligen wiederherzustellen, wo
aber andrerseits seine und noch mehr Rigdons Predigten dazu
beitrugen, die Entladung des Gewitters, das auch hier ber den
Huptern der Secte hing, zu beschleunigen. Lauter nmlich wie je
vorher wurde jetzt verkndigt, da der ganze Westen den Mormonen
dereinst als Erbtheil zufallen und da der Herr ihre Feinde durch das
Schwert vertilgen und alle Heiden, d. h. alle Unbekehrten von dort
vertreiben werde. Mancher Mormone mochte dadurch zu der Ansicht
kommen, da das Eigenthum Nichtglubiger schon jetzt eigentlich den
Kindern Zions gehre und da folglich eine Entfremdung desselben nur
eine Vorausnahme der Zukunft, nur eine Herstellung des richtigen
Verhltnisses der Dinge, nur eine Erhebung der schlechten
Wirklichkeit in die wahre sei. So mgen hin und wieder Kuh- und
Pferdediebsthle vorgekommen sein. Dazu kam der Umstand, da die
goldne Bibel die Indianer von den Hebrern abstammen und sie bei
ihrer nahebevorstehenden Bekehrung ihre Wiedereinsetzung in ihren
Besitz als Ureinwohner des Landes hoffen lie, woraus die Missourier,
von denen viele mit ihrem Blute den Rothhuten ihren Grund und Boden
bezahlt hatten, den erklrlichen, wenn auch nicht sehr logischen
Schlu zogen, die Jnger Smiths htten ein Bndni mit den Wilden im
Sinne, um einen Vernichtungskrieg gegen sie zu beginnen. Man sieht,
es waren hier wie dort Misverstndnisse. Alle Beschwerden auf Seiten
der Gegner des Mormonenthums aber begleitete unzweifelhaft der Neid,
der den Heiligen die Errungenschaften ihres Fleies nicht gnnte, und
die Habgier, welche dieselben gern ohne Kaufschilling an sich
gebracht htte.

Im Sommer 1838 kam es bei Gelegenheit einer Wahl von Beamten in
Caldwell-County, wo man die Mormonen nicht stimmen lassen wollte,
zu Thtlichkeiten zwischen den feindlichen Parteien. Es erfolgten
mehrere Verwundungen, und einer der Heiligen wurde erstochen. Im
Herbste nahmen die hierauf sich entspinnenden gegenseitigen
Neckereien den Charakter ernstlicher Feindseligkeiten an. Eine aus
den eifrigsten Jngern Smiths gebildete Schaar, Daniten oder
Wrgengel genannt, verbrannte die Ortschaften Gallatin und
Millport, wogegen die Antimormonen, unter dem Oberbefehle des
Methodistenpredigers Bogard, der spter wegen Mordes nach Texas
flchtete, mehrere Farmen der Heiligen beraubten und zerstrten.
Endlich griff ein Haufe Mormonen eine Milizcompagnie, die von dem
Anfhrer im Dunkel der Nacht fr eine Rotte Pbel gehalten wurde,
mit Flintenschssen an, und diese mute sich mit Verlust mehrerer
Todten zurckziehen.

Damit war der Brgerkrieg im Kleinen da. Der Gouverneur Boggs rief
die Miliz des Staates Missouri zu den Waffen, um den Ruhestrungen
ein Ende zu machen. Diese Landwehr war vom brennendsten Hasse gegen
die fanatische Secte erfllt, und so war ihre nchste Waffenthat, da
sie in einem Blockhause bei Hauns Mill vierundzwanzig wehrlose und
unschuldige Mormonen, meist Frauen, Greise und Kinder, mit kaltem
Blute niederscho. Einige Tage nachher erschienen die Generale Clark
und Lucas mit 3500 Mann vor Far West. Beim Anblicke dieser offenbaren
Uebermacht ergaben sich die Heiligen, die damals 1100 Streiter
zhlten, legten ihre Waffen nieder und lieferten auf Verlangen sechs
ihrer Fhrer, darunter den Propheten, zur Bestrafung aus. Diese
wurden nur durch das Dazwischentreten des Generals Doniphan vor dem
Erschieen bewahrt, in's Gefngni gebracht, um unter der Anklage des
Hochverraths, des Mordes und der Brandstiftung vor Gericht gestellt
zu werden. Die groe Masse des unseligen Volkes aber mute mit ihrem
gesammten Eigenthume die Kriegskosten bezahlen, und mitleidlos
trieben die Vollstrecker der Befehle des mindestens nicht
unparteiischen Gouverneurs die Armen mit Weib und Kind mitten im
November ber die Grenzen des Staates auf die den Prairien von Iowa,
wo Massen von ihnen durch Klte, Hunger und Krankheit den Tod fanden.

Das war eine schwere Heimsuchung. Aber ihr folgte eine Glanzperiode,
deren man eine Secte von so gemeinem Ursprunge und so gemischtem
Wesen nicht fhig halten sollte. Die Exulanten wurden von dem
Nachbarstaate Illinois freundlich aufgenommen, und nachdem sie sich
hier in Quincy und dessen Umgebung einige Wochen aufgehalten, whlten
sie, von =Dr.= Gallant auf diesen gut gelegenen Punkt aufmerksam
gemacht, das Stdtchen Commerce zum bleibenden Aufenthalte, welches
sie in Nauvoo -- das heit auf neugyptisch die Schne --
umtauften. Diese neue ewige Wohnung der Heiligen vom jngsten Tage
lag in Hancock-County auf einem Hgelvorsprunge am Mississippi, nicht
weit vor den Des Moines-Wasserschnellen, am Rande einer prachtvollen,
wellenfrmigen Prairie, die durch den Flei der Ankmmlinge rasch in
reichtragende Felder verwandelt wurde. Commerce war ein Haufe elender
schmuziger Blockhtten gewesen, Nauvoo war schon nach Verlauf von
drei Jahren die grte und schnste Stadt in Illinois.

Smith und die anderen Fhrer der Secte, welche mit ihm in's Gefngni
gebracht worden waren, benutzten den 4. Juli, wo ihre Wchter den
Jahrestag der Unabhngigkeitserklrung durch allzureichlichen Genu
geistiger Getrnke gefeiert hatten, zur Flucht ber die Grenze. Bei
den Ihrigen eingetroffen, wuten sie zu bewirken, da die
Gesetzgebung von Illinois den Mormonen auergewhnliche Vorrechte zur
Frderung ihrer Colonie gewhrte, und mit diesen versehen, wuchs
dieselbe mit unerhrter Schnelligkeit. Rasch entstanden Straen und
Pltze, Huser und Blumengrten. Die benachbarten Smpfe, welche
Anfangs tdtliche Fieberluft aushauchten, wurden durch groartige
Drainirungsanstalten entwssert. Meilenweit in's Land hinein sah man
auf eingezunten Aeckern Mais und Weizen reifen, whrend die Prairie
herrliches Viehfutter gewhrte. Kaufleute erffneten Lden mit den
Erzeugnissen des Ostens, welche die Dampfboote auf dem Strome
herzufhrten. Eine Freimaurerhalle und ein Concerthaus, eine
Universitt und ein groer Gasthof, zu dessen Wirthe Jehova in einer
feierlichen Offenbarung vom 19. Januar 1841 den Propheten selbst
bestimmte, wurden erbaut. Einer Gesellschaft, zur Betreibung der
Landwirthschaft im Groen wurde Concession ertheilt, und als die
Mormonen eine Legion zur Vertheidigung ihrer Niederlassung
errichteten, lieferte ihnen der Staat die Waffen dazu.

Die Krone des Ganzen aber versprach der Tempel zu werden, zu welchem
am 6. April 1841 der Grundstein gelegt wurde. Das Modell dazu hatte
der Prophet von einem Engel empfangen. Die Ausfhrung mute einem
heidnischen, d. h. einem unglubigen Baumeister bertragen werden,
welcher, als Smith ihm den Bauplan des Herrn beschrieb, anfnglich
Schwierigkeiten machte, sich aber schlielich einverstanden erklrte.
Smith hatte erkannt, da ein solches Centralheiligthum ein gutes
Bindemittel sein werde, und so wurde seine Errichtung in allen
auswrtigen Gemeinden als religise Pflicht gepredigt. Die Kosten des
Werkes, welches nach seiner Vollendung gleichsam als versteinertes
Charakterbild der wunderlichen und doch zugleich imposanten Secte,
die es geschaffen, die Stadt berragte, beliefen sich auf mehr als
eine halbe Million Dollars, ungerechnet die Arbeitstage, womit
unvermgende Mormonen ihren Beitrag abgezahlt hatten. Es war ein
hundertachtundzwanzig Fu langes, achtzig Fu breites und sechzig Fu
hohes Viereck, dessen flaches Dach auf dreiig Pfeilern von
eigenthmlicher Structur ruhte. Die Basis war ein Halbmond, und die
Kapitler bestanden aus einem strahlenumkrnzten Menschenantlitze,
ber dem zwei Hnde zwei Posaunen hielten. Zwischen diesen Pfeilern
liefen um das Viereck vier Reihen Fenster, zwei im Rundbogenstyle und
zwei kreisrunde. Drei Thren, zu denen man auf je vier Stufen
emporstieg, fhrten ins Innere, und ber dem Ganzen erhob sich ein
hundertfunfzig Fu hoher Thurm. Ein gewaltiges Marmorbassin, getragen
von zwlf kolossalen Stieren, sollte im Erdgescho als Taufbecken
dienen. Das Material des ganzen, mit Ausnahme des Thurms, nicht
unschnen Bauwerks war weier Kalkstein.

Und wie der Tempel und die Stadt des Mormonengottes, so wuchs auch
sein Reich und die Zahl seiner Anbeter. Wie ein Magnet wirkte Mormon
Joe trotz der Streitschriften, womit die Geistlichkeit aller Secten
ihn bekmpfte, bis ber das Meer hinber. Alle Jahre wurden zweimal
Generalconferenzen abgehalten, in welchen Missionaire fr Europa,
Afrika und Asien gewhlt wurden. Bei einer Conferenz wurden deren
mehrere Hunderte hinausgesendet, und obwohl sie sich binnen drei
Tagen zur Abreise ohne Beutel und Stab bereit zu machen hatten und
nicht selten Jahre lang von Familie und Geschft entfernt blieben,
trat nie der Fall ein, da einer sich dem Auftrag aus der Hhe zu
folgen geweigert htte. Die zwlf Apostel Smiths, denen die
Beaufsichtigung der fremden Gemeinden oblag, fanden fast allenthalben
die Arbeit dieser Prediger mit Erfolg belohnt, und nicht allzusehr
bertrieben scheint es, wenn die Mormonen sich im Jahre 1843 rhmten,
allein innerhalb der Vereinigten Staaten an hunderttausend Bekenner
ihres Glaubens zu haben. Nicht weniger verbreitet war die Lehre
Smiths in Grobritannien, wo die Apostel Young, Parley Peter Pratt
und Heber Kimball namentlich in den Manufacturdistricten Englands
sowie in Schottland, vor Allem aber unter der unwissenden
Landbevlkerung von Wales groen Anhang gewonnen, und durch
Ueberreichung des Buchs Mormons an die Knigin sogar bei Hofe
Proselyten zu machen versucht hatten. Der auerordentlich thtige,
sprachenkundige Apostel Taylor ging nach Jerusalem, um die dortigen
Juden zu bekehren. Andere schifften nach den britischen Besitzungen
in Ostindien und Australien, noch Andere sogar nach den Inseln der
Sdsee, wo ihnen die Eingeborenen in Masse zufielen. Mnner, die in
Amerika fr Gelehrte gelten konnten und allenthalben fr ziemlich
geschickte Sophisten angesehen werden drften, vertheidigten die sich
jetzt immer mehr mit mystischen Doctrinen fllenden Katechismen des
Mormonenthums. Vier Zeitungen, wovon eine in England erschien,
stritten fr die geistlichen und weltlichen Angelegenheiten der
Secte. Die Verhltnisse in Nauvoo ordneten sich von Tage zu Tage
besser, und von einem baldigen Erlschen des Trugbildes, welches wie
ein ungeheures Irrlicht alle unklaren Kpfe im Bereiche des
anglo-schsischen Lebens in seinen Sumpf lockte, konnte nicht mehr
die Rede sein.

Die Mormonen gestatteten auch Nichtglubigen die Niederlassung in
Nauvoo, und die glnzenden Aussichten, welche die Stadt hatte,
fhrten viele tchtige Krfte dahin. Allein die Einwanderung
beschrnkte sich nicht auf diese. Pferdediebe und Falschmnzer,
Ruber und Betrger aller Art flchteten unter die Fittiche der neuen
Colonie, deren Behrden, wenn sie sich zur Taufe bequemten und den
Zehnten zahlten, nicht sehr nach der Vergangenheit solcher Neophyten
fragten. Auch Speculanten auf Baustellen in der Stadt stellten sich
ein; da dieselben jedoch weder von der Taufe, noch von dem Zehnten
etwas wissen wollten, so wurden sie schnell misliebig und die Herren
vom Rathe fanden Mittel, sich ihrer zu entledigen. Man bot ihnen eine
gengende Summe fr ihren Grundbesitz, und gingen sie darauf nicht
ein, so wurden sie fortgeschnitzelt. Drei Mann bekamen den Auftrag,
sich gegen eine Geldvergtung fr die aufgewendete Zeit mit einem
Stuhle, einem Taschenmesser und einem Stckchen versehen, vor das
Haus des Hartnckigen zu verfgen, sich niederzusetzen und in
bekannter Yankeemanier ihr Schnitzeln zu beginnen. Kam der
Betreffende aus der Thr, so starrten die Schnitzler ihn an, sagten
aber kein Wort. Ging er auf den Markt, so folgten sie ihm, sprachlos
weiter schnitzelnd. Er mochte sie auslachen, mochte schimpfen,
drohen, fluchen, es wurde durchaus keine Notiz davon genommen. Die
Straenjugend sammelte sich und erfllte die Luft mit Geschrei und
Gelchter, die Schnitzler kmmerte auch das nicht. Sie arbeiteten mit
einer Andacht fort, als ob sie dem lieben Gott seine Sterne zu
schnitzeln htten. Ihr stierer Blick folgte dem Unseligen vom Morgen
bis zum sinkenden Abend. Kehrte er heim, so setzten sie sich gelassen
wieder vor seine Fenster und schnitzelten. Bei einem Beispiele soll
die menschliche Natur ganze drei Tage diese sonderbare Tortur
ausgehalten haben. In den meisten Fllen jedoch wurde das Opfer weit
eher mrbe. Es verkaufte dann sein Hab und Gut fr den angebotenen
Preis und eilte, der aus dem Anblicke der Schnitzmesser
hervordrohenden Verrcktheit zu entfliehen.

Weniger friedsamer Natur waren die Mittel, deren man sich gegen eine
aus abgefallenen Mitgliedern der Secte entstandene Partei bediente,
und jetzt stehen wir vor dem groen Wendepunkte in der Geschichte des
Propheten und seiner Secte. Smith hatte den Gipfel seiner Macht
erreicht. Er war von der Stadt Nauvoo zu ihrem Mayor, von der Legion
zum General ernannt worden. Alle Klagen, die gegen ihn anhngig
gemacht wurden, fielen bei den Geschworenen durch. Er hielt die
Schlssel zum Himmelreiche in der Hand, und sein Wort war auch in
irdischen Dingen Gesetz. Im Mai 1844 hatte er sogar die Khnheit, mit
Verffentlichung eines politischen Glaubensbekenntnisses, worin er
unter Anderm sich fr Errichtung einer Nationalbank, fr Verminderung
der Beamten und der Congremitglieder, fr Aufhebung der Strafen
wegen Desertion in Heer und Flotte, und fr Entlassung aller in den
Zuchthusern verwahrten Verbrecher (die durch Liebe und Weckung ihres
Ehrgefhls gebessert werden sollten) aussprach, neben Clay, Calhoun
und Benton als Bewerber um die Prsidentschaft der Vereinigten
Staaten aufzutreten. Es geschah dies lediglich zur Augenweide der
Seinen, wiewohl die Mormonen behaupten, der Prophet wrde
unzweifelhaft bei der nchsten Wahl gesiegt haben, wenn er sie erlebt
htte.

Die Ereignisse schnitten die Gelegenheit zu einer nochmaligen
Bewerbung ab. Unerwartet zogen sich dunkle Wolken ber dem Haupte des
Himmelsstrmers zusammen. Die Nachbarn in Hancock-County begannen
sich zu beschweren, da die Bewohner von Nauvoo sich an ihrem Vieh
vergriffen, und da gegen die Diebe bei den Behrden der Stadt kein
Recht zu erlangen sei. Die Zeitungen von Illinois sprachen von einer
Verschwrung, durch welche die Mormonen die Verfassung umzustoen und
an ihre Stelle eine Priesterschaft einzusetzen beabsichtigten.
Gerchte verbreiteten sich, da Joseph Smith und einige andere von
den Leitern der Secte in sogenannter geistlicher Ehe ein Leben voll
Unzucht und Ausschweifung fhrten. Die letztere Beschuldigung wurde
vorzglich von der bereits erwhnten Partei in Nauvoo selbst erhoben.
Mehrere einflureiche und talentvolle Mormonen, die sich entweder in
der Heiligkeit des Propheten oder -- und das war wohl der hufigere
Fall -- in der Hoffnung, durch ihn zu Macht und Vermgen zu gelangen,
getuscht sahen, verlieen seine Fahne und begannen ihn ffentlich
als Wollstling, Trunkenbold und hochmthigen Tyrannen darzustellen.
Eine gewisse Mi Brotherton klagte, er und Brigham Young haben sie
unter dem Vorgeben, Gott habe sie Joseph zur zweiten Frau gegeben,
verfhren wollen. Smith griff diese Gegner in seiner Zeitung The
Wasp mit dem Stachel bittersten Hasses an. Die Abtrnnigen, gefhrt
von einem gewissen =Dr.= Foster, auf dessen Frau der Prophet es
gleichfalls abgesehen haben sollte, fuhren dagegen in dem Nauvoo
Expositor eine Gegenbatterie auf. Dieses Blatt bewarf in seiner
ersten Nummer das Haupt der Kirche mit einer solchen Masse Schmuz,
da der Stadtrath dagegen einschreiten zu mssen glaubte. Elf
Mitglieder von zwlfen erklrten den Expositor fr eine Schmach von
Nauvoo, und nicht zufrieden damit, begab man sich unverweilt nach der
Druckerei des Blattes, zerstrte die Pressen, verstreute die Typen in
die Strae und verbrannte die vorgefundenen Exemplare der Auflage.
Smith und sein Bruder Hyrum lieen sich von ihrem Verdrusse ber die
Enthllungen Fosters verleiten, die von dieser Gewaltthat
Zurckkehrenden zu beloben und ihnen sogar Belohnung zu verheien.
Foster und seine Partei dagegen suchten gerichtliche Hilfe nach, und
es erging ein Verhaftsbefehl gegen die Tumultuanten. Allein dieselben
wurden durch ein sogenanntes Habeascorpus sogleich in Freiheit
gesetzt. Der mit Ausfhrung des Verhaftsbefehls beauftragte Beamte
wendete sich nun, von der Stadtbehrde zurckgewiesen, an die
Grafschaftsbehrde und erschien im Auftrage dieser mit bewaffneter
Macht, um die Verhaftung der Schuldigen zu bewirken, aber das Volk
von Nauvoo rottete sich zusammen und verhinderte ihn an seiner
Absicht. Als darauf die Miliz zusammenberufen wurde, um das Ansehen
der Gesetze gegen die Anmaung der Mormonen zu vertheidigen,
antwortete Smith in seiner Eigenschaft als Mayor und General damit,
da er die Stadt in Belagerungszustand erklrte.

Damit war die Angelegenheit auf einen Punkt gediehen, wo der Trotz
der Mormonen biegen oder brechen mute. Der Gouverneur von Illinois
erschien in Carthage, dem Sitze der Grafschaftsbehrden, und forderte
Smith, indem er ihm Sicherheit seiner Person verbrgte, auf, vor ihm
zu erscheinen, um sich zu verantworten. Der Prophet schickte, statt
selbst zu kommen, zwei Gesandte, Taylor und Bernhisel, um mit Ford zu
verhandeln. Dieser, damit nicht zufrieden, beorderte drei Compagnien
Miliz unter einem Obersten nach Nauvoo, um den Propheten nebst seinem
Bruder, dem Patriarchen ins Gefngni zu bringen. Darauf flchteten
die Beiden ber den Mississippi nach Iowa, kehrten inde, da der
Stadtrath es fr das Beste erklrte, sich zu unterwerfen, und da
berdies eine Freisprechung zu hoffen war, zurck und brachen nach
Carthage auf. Auf dem Wege dahin begegneten sie Abgesandten des
Gouverneurs, welche den Auftrag hatten, die Legion von Nauvoo zur
Niederlegung der Waffen aufzufordern. Sie gingen mit diesen nach der
Stadt zurck und bewirkten, da man dem Befehle nachkam. Hierauf
begaben sie sich nach Carthage, wo sie nebst zweien von den Aposteln,
Richards und Taylor, ins Gefngni gebracht wurden, um dort die
Entscheidung der gegen sie erhobenen Anklage zu erwarten. Ford
glaubte damit vorlufig die Sache beigelegt zu haben. Er entlie die
Mehrzahl der zusammengezogenen Truppen, verfgte sich nach Nauvoo,
ermahnte hier die Mormonen, sich ruhig zu verhalten, da allen
Parteien Gerechtigkeit geschehen sollte, und begab sich dann nach
Carthage zurck.

Auf dem Wege begegnete ihm ein Eilbote, der ihm meldete, da whrend
seiner Abwesenheit der Pbel das Gefngni von Carthage gestrmt, die
Wache berwltigt, und den Propheten nebst seinem Bruder erschossen
habe. Dies war am Nachmittag des 27. Juni geschehen. Ford
befrchtete, die Mormonen wrden sofort in Masse aufbrechen, um den
Mord ihres Propheten zu rchen, und rieth den Bewohnern von Carthage,
den Ort zu verlassen, whrend er selbst sich, um das Weitere zu
erwarten, nach Quincy verfgte, und nur ein schwaches Detachement
Miliz unter General Denning in Carthage zurckblieb.

So endete die Laufbahn eines Mannes, dessen wahre Biographie noch zu
schreiben ist und vielleicht nie geschrieben werden wird. Seinen
Verehrern ist er der groe Mrtyrer des neunzehnten Jahrhunderts,
seinen Gegnern ein Schurke der schwrzesten Art, dem nur allzu spt
zu Theil ward, was ihm gebhrte. Da er ungewhnliche Talente besa,
wird Niemand leugnen knnen. Aus allen seinen Maregeln leuchtet eine
tiefe Kenntni der Menschen und Verhltnisse hervor. Der Muth und die
Ausdauer, die er inmitten unablssiger Verfolgungen entwickelte,
waren der besten Sache wrdig. Wenige verstanden so gut zu
organisiren. Wenige wuten so geschickt wie er mit Geistern
umzugehen, die im Genusse der unbeschrnktesten Freiheit aufgewachsen
waren. Wenige nur mchten sich finden, die der Aufgabe gewachsen
wren, ein Gemisch der widersprechendsten, allenthalben mit unreinen
Trieben durchdrungenen, in irdischen Dingen von Selbstsucht, in
himmlischen von wilder Phantasie bewegten Elemente in dem Grade zu
bndigen und zu leiten, da dieses Chaos Resultate gebre, wie das
Mormonenreich und seine Hauptstadt Nauvoo.

Viele von den Zgen in seinem Charakter sind fr ein europisches
Auge nahezu unbegreiflich. Ein Prophet in Frack und weier Ballweste,
der sein Evangelium mit Gassenhauern und Witzen der Strae wrzt und
Reden in der Sprache der Lasttrger mit Citaten aus den Classikern
durchflicht, gehrt in's Reich der Mglichkeit, wird aber immerhin zu
den seltnen Erscheinungen zhlen. Ein Mann, der neben den Pflichten,
die ihm sein Amt als oberster Priester, als Offenbarer gttlicher
Geheimnisse, als Pfrtner an der Thr des Himmelreichs auferlegt,
auch noch Zeit findet, die Geschfte eines Bankdirectors, eines
Brgermeisters, eines Generals und eines Hotelwirths zu besorgen,
steht unserm Gefhle nach an der Grenze des Wahrscheinlichen und
schon eine Strecke jenseit derselben. Wenn aber Mormonen selbst die
folgenden Anekdoten von ihrem Propheten erzhlen, so wei man in der
That nicht, ob neben dem Geiste Mohamed's nicht auch ein gutes Stck
des seligen Eulenspiegel in ihm wiederaufgelebt war. Mehrmals nmlich
geschah es, da Joseph pltzlich die Maske des Gottgesandten fallen
lie, auf ffentlicher Strae einen Neubekehrten zum Ringkampfe
herausforderte und den verblfften Heiligen nicht eher von dannen
lie, bis er ihn seiner ganzen Lnge nach auf den Boden hingelegt und
dadurch den Beweis gefhrt hatte, da der Ruf athletischer Kraft, in
dem er stand, nicht gelogen habe. Mehrmals auch kam es vor, da von
Neulingen, die sich bei dem Propheten meldeten, all ihr Geld als
Darlehen fr den Tempelbau verlangt und dann nicht die mindeste Notiz
mehr von ihnen genommen wurde, soda der Arme genthigt war, sich als
Tagelhner mit Schaufel und Axt sein Brot zu verdienen. Hielt er
diese Prfung seiner Treue einige Monate aus, so wurde er eines Tages
pltzlich zum Propheten berufen, und dieser verlieh ihm ein
entsprechendes Stck Land nebst den Mitteln, es sich darauf bequem zu
machen.

Die Mehrzahl der Mormonen war auf die Nachricht von Smith's Ermordung
fr sofortige Erffnung des Vertilgungskriegs gegen die Heiden.
Dumpf rollte die Lrmtrommel durch die Straen, allenthalben
sammelten sich drohende Gesichter, selbst die Weiber riefen zur Rache
auf. Die Fhrer aber wuten das Volk fr den ersten Tag zu
beschwichtigen, um ihm am nchsten, wo die Hitze sich durch
Ueberlegung gemigt, zu beweisen, da man nicht stark genug sei, um
das Schwert der Strafe selbst zu schwingen, und so begngte man sich
mit der Hoffnung, da die Zeit nahe sei, wo Gott den Mord seines
Knechtes rchen werde. Als Gouverneur Ford sich versichert hatte, da
die Mormonen keine Ungesetzlichkeit begehen wrden, so entlie er die
Miliz, die sich rasch gesammelt hatte, und der Kriegszustand wurde
aufgehoben.

Nauvoo fuhr fort zu blhen, und die Zahl seiner Einwohner stieg bis
auf 20,000. Zwar erhoben sich Streitigkeiten ber den Nachfolger
Smith's, dieselben wurden aber durch die Energie Brigham Youngs, des
Vorstehers der zwlf Apostel, sehr bald beigelegt. Rigdon, der die
letzten Jahre dem Namen nach mit Joseph und Hyrum die Prsidentschaft
ber die gesammte Kirche getheilt, von dem Propheten aber seit
geraumer Zeit schon mit Mistrauen betrachtet und hintangesetzt worden
war, kam von Pittsburgh herbei geeilt und berief eine Versammlung, in
welcher er seine Ansprche auf den erledigten ersten Platz geltend
machte. Er theilte zugleich eine Offenbarung mit, nach welcher die
Heiligen nach Pennsylvanien ausziehen sollten, whrend er sich nach
England zu begeben, dort die Knigin zur Bekehrung aufzufordern und
wenn sie sich der Taufe weigerte, vom Throne zu stoen habe. Seine
Zeit war inde vorber, und es gelang Young, nicht blos seine Plne
zu vereiteln, sondern auch seine Ausstoung aus der Gemeinde zu
bewirken. Getuscht in seinen Erwartungen und von Young feierlich dem
Teufel und seinen Engeln berantwortet, kehrte er nach der Stadt
zurck, wo er Spaldings Roman in eine Bibel verwandelt hatte, und
dort ist er seitdem verschollen. Ein andrer Schismatiker war der
Aelteste Bishop, der ganze Bnde von Gesprchen mit himmlischen
Geistern aufzuweisen hatte, aber trotz dieser Testimonia seiner
Beliebtheit bei Jehova ebenfalls beseitigt wurde. Einem dritten
Bewerber um die Stelle des Propheten, William Smith, erging es nicht
besser; auch er verschwand spurlos.

Etwas mehr Erfolg fand der Apostel Lyman Wight, welcher in Texas eine
Colonie grndete. Die bedeutendste Stelle endlich nimmt unter diesen
Abtrnnigen James Strang, ein junger Advocat aus dem Staate Neuyork,
ein, welcher, 1843 der Secte beigetreten, kraft einer besiegelten
Offenbarung, die Joseph Smith ihm kurz vor seinem Tode mitgetheilt
haben sollte, zu Voree, auf den Prairien von Wisconsin die Heiligen
als Knig um sich sammeln wollte. Auch ihn traf der Bannstrahl der
Zwlfe, er jedoch fuhr fort zu predigen und zu weissagen, und es
gelang ihm, eine ziemlich zahlreiche Gemeinde um sich zu bilden,
deren Hauptsitz gegenwrtig Beaver-Island, eine Insel des
Michigansees nicht weit von Mackinaw ist, wo die Unterthanen dieses
geistlichen Zaunknigs im Jahre 1852 in mehrfache, zum Theil blutig
endende Conflicte mit den Nachbarn geriethen.

Die bei Weitem berwiegende Mehrheit der Latterday-Saints aber blieb
in Nauvoo, wo sie unter Brigham Young an der orthodoxen Lehre
festhielten und fleiig am Tempel fortbauten. Der neue Prophet,
Seher und Offenbarer war ganz der Mann dazu, das Werk, das Smith
begonnen, weiterzufhren. Er hatte durchaus keine Anlage zum
Mrtyrer, aber er war ein ungemein kluger, weitschauender, durch und
durch politischer Kopf, und eines solchen bedurfte die Secte gerade
jetzt, wenn sie nicht untergehen sollte. Die Leidenschaften waren
ringsum gegen sie aufgeregt, und nur mit der grten Migung und
Nachgiebigkeit waren Angriffe der Nachbarn auf Nauvoo fernzuhalten.
Auf die Dauer aber wollte auch dies nicht gelingen. Schon im Herbste
1845 fingen Feindseligkeiten an auszubrechen. Dieselben steigerten
sich, und endlich verstanden die Fhrer der Mormonen sich im Namen
der Gesammtheit zu dem Versprechen, im Laufe des nchsten Jahres ber
die Westgrenze des angesiedelten Theils der Union auszuwandern. Im
Frhlinge 1846, besagte dieses Uebereinkommen, sollte eine
auserwhlte Schaar aus der Mitte der Heiligen aufbrechen, um jenseit
der Felsengebirge eine neue Heimat fr ihre Brder zu suchen. Dagegen
machte der andere contrahirende Theil sich anheischig, die
Zurckbleibenden so lange unbehelligt in Nauvoo zu lassen, bis die
Vorausgehenden ihre Wahl getroffen und die Uebrigen Gelegenheit
gefunden htten, ihr Eigenthum in Illinois nach seinem wahren Werthe
zu veruern. Der Pbel von Hancock-County respectirte jedoch den
Vertrag nicht. Bald zeigten sich Symptome eines abermaligen Sturmes,
und so muten jene Kundschafter, unter denen sich die Hupter der
Secte befanden, schon am letzten Februar sich auf den Weg machen,
wiewohl die Klte noch so gro war, da den Mississippi eine Eisdecke
berzog, ber welche sie mit Wagen und Pferden gehen konnten. Die
Leiden, die sie in Folge dessen erduldeten, waren unsglich, ja um so
furchtbarer, als sie sich in der Hast nur unvollkommen mit den
Bedrfnissen zu einem Marsche durch die winterliche Wste hatten
versehen knnen, und als es bald an Lebensmitteln und Futter fr das
Vieh zu mangeln anfing. Nach Nauvoo umzukehren war schlechterdings
unmglich, und so pilgerten sie weiter durch die Schneestrme der
Wildni von Iowa, sehnschtig dem Frhling entgegenschauend, Trost in
den Verheiungen ihres Glaubens suchend und die Lieder Zions
singend, whrend ihnen der Athem an die Augenlider gefror.

Der ersehnte Frhling kam endlich, aber er brachte nur neue
Beschwerden. Regengsse verwandelten den fetten Boden der Prairie in
einen unermelichen Morast, durch den die Karawane nur langsam
vorwrts kam, und die Winde trugen von den schlammigen Ufern des
Plattestroms und des obern Missouri Krankheitsstoffe herzu, denen die
von Mhen und Entbehrungen erschpften Wanderer schaarenweise
erlagen. Die Lager wurden zu Spitlern, und als man das Gebiet der
Sack- und Fuchsindianer erreicht hatte, mute Halt gemacht werden, um
sich fr die weitere Reise zu erholen.

Inzwischen hatten die Feinde der Mormonen in Illinois ihre Angriffe
auf Nauvoo erneuert. Die Farmen auerhalb der Stadt muten gerumt
werden. Im Innern aber hielt man tapfer Stand; denn noch immer stand
der Tempel unvollendet, den Gott zu bauen geboten. Dieses Werk des
Glaubens und der Liebe jedes Einzelnen mute zu Ende gefhrt werden
trotz aller Bedrnger und Verfolger, und es ward vollendet. Der Tag
der Einweihung war ein hohes Fest. Von allen Seiten, aus der Nhe und
aus der Ferne kamen Priester, Aelteste und Bischfe als bestaubte
Wanderer herbei, um sich, in ihre Talare gekleidet, an der Feier zu
betheiligen. Vom Hochmittag bis tief in die Nacht hinein war ganz
Nauvoo eitel Frohlocken und Lobgesang. Da stand es, das Haus des
Herrn, der Stolz des Mississippithales. Hell blinkte auf der
Thurmspitze der goldne Engel mit der Posaune. Die innern Rume
strahlten von Lampen und Fackeln, der groe Altar und die Kanzeln der
Priester waren mit Blumengewinden und Laub geschmckt. Gesnge
erschallten, Gebete und Segenssprche stiegen empor. Dann wurden alle
Heiligthmer von beweglicher Art weggeschafft, um Tags nachher, wo
die letzten der Fhrer mit einer mehrere tausend Mann starken
Heersule von Glubigen den vorausgegangenen Brdern folgten, nach
der neuen Heimat abgefhrt zu werden.

Der Rest der Mormonen wurde einige Wochen spter von dem Pbel der
Nachbarschaft nach hartnckiger Gegenwehr mit Waffengewalt zum Abzuge
gezwungen. Seitdem hat die Stadt der Heiligen halb wste gelegen.
Cabets Icarier, die sich spter hier niederlieen, haben sie nicht
wieder zu der alten Herrlichkeit zu erheben vermocht. Der Tempel
wurde, nachdem die Jesuiten von St. Louis in Verhandlungen getreten
waren, um ihn zu einem Seminar anzukaufen, 1848 von einem
Nichtswrdigen in Brand gesteckt. Ein Tornado warf im nchsten Jahre
den grten Theil des stehengebliebenen Gemuers um, soda jetzt von
dem stattlichen Baue nur die eine Wand und ein Haufen Ruinen noch
brig ist. Der Engel mit der Posaune aber wird gegenwrtig in Barnums
Museum gezeigt, -- eine seltsame Fgung des Schicksals, welche die
Spitze dieses Triumphs des Mormonenthums in das Rarittencabinet des
Napoleons der Windbeutelei fhrte!

Kehren wir zu dem Vortrab der Auswanderer in dem Indianerlande
zurck, so treffen wir sie am obern Missouri bei Council Bluffs, wo
sie in der ersten Hlfte des Juni angelangt waren, und wo sich zwei
Monate spter die Tausende des Hauptheeres allmlig mit ihnen
vereinigten. Da der Herbst sich nherte, so mute die Weiterreise bis
zum nchsten Frhjahre aufgeschoben werden. Um diese Zeit brach der
Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko aus, und General
Kearney erhielt den Auftrag, unter den Mormonen ein Bataillon von 520
Mann zur Theilnahme am Kampfe zu werben. Die Regierung wute von
ihrer Absicht, nach Californien zu ziehen und glaubte (wie die
Vertheidiger der Maregel sagen) ihnen einen Gefallen zu thun, wenn
sie auf diese Art einen Theil der Kosten ihres Abzuges bernhme und
ihnen nebenbei Gelegenheit gbe, sich als gute Patrioten zu zeigen.
Die Mormonen aber sahen die Sache anders an und meinten, man wolle
die waffentchtigsten Leute von ihnen nehmen, um den Rest den
Angriffen der Indianer erliegen zu lassen. Es wre eben nicht zu
verwundern gewesen, wenn man dem General eines Staates, der ihnen
gegen ihre Feinde niemals Recht verschafft hatte, eine abschlgige
Antwort ertheilt htte. Aber die Vaterlandsliebe trug den Sieg ber
die erlittene Unbill und ber die Sorge um die Zukunft davon. Die
Aeltesten beriefen eine Versammlung, in welcher zunchst die
Unverheiratheten zu Rekruten ausgeschieden, und dann die jngeren
Familienvter hinzugefgt wurden. Innerhalb drei Tagen war das
Bataillon vollzhlig, bewaffnet, eingesegnet, und nachdem zum
Abschiede ein frhlicher Ball stattgefunden, marschirten die Truppen
im Namen des Herrn aus dem Lager.

Die Zurckbleibenden rsteten sich nun fr den Winter und
verwandelten ihre Zeltlager in hlzerne Stdtchen, von denen das
grte, auf den Lndereien der Pottowattamies gelegen, nach dem
Freunde und Begleiter der Mormonen whrend ihres Auszugs, Oberst Kane
von Philadelphia, Kanesville genannt wurde. Der Winter kam, um die
Wanderer in der Wste von den Plagen des Sommers, Wechselfiebern und
scorbutartigen Krankheiten zu erlsen, brachte ihnen aber andere
Leiden und Beschwerden in Menge. Er war die schwerste ihrer Prfungen
und zugleich der Wendepunkt ihres Geschicks.

Ganz frh im Jahre 1847, ehe die Prairie zu grnen begann, brach eine
Vorhut von 143 Mann mit 70 Wagen, gefhrt von Brigham Young und
mehreren Gliedern des hohen Rathes von den Winterquartieren im Lande
der Omaha-Indianer auf, um weiter nach Westen vorzudringen. Sie
beeilten sich so sehr, als es das schwierige Terrain gestattete,
setzten ber den Loup-, den Horn-, den Platte-, den Bren- und den
Weberflu und stiegen endlich, sehr erschpft zwar, aber ohne einen
Mann verloren zu haben, ber die wildzerklfteten Felsenberge des
Utahlandes in das Becken des groen Salzsees hinab. Der Vortrab traf
hier am 21., die Prsidentschaft der Kirche am 24. Juli ein, und der
letztere Tag sah das Haupt der Mormonen den Boden segnen, wo nun der
Grund zu einem dritten Neujerusalem im Westen gelegt wurde. Er ist
in der Folge zum grten Festtage der Secte geworden, und einer der
Apostel erklrte ihn bei Gelegenheit der dritten Jahresfeier sogar
fr den wichtigsten Tag in der Geschichte der Menschheit, mit
alleiniger Ausnahme der Tage, da Adam geschaffen und Jesus Christus
geboren worden.

Die Kundschafter waren zeitig genug in der neuen Heimat angelangt, um
fr eine den nchsten Herbst zu haltende Ernte ihr Wlschkorn
pflanzen zu knnen. Ihnen folgte aus dem Hauptlager am Missouri einen
Monat spter ein Heer von ziemlich 4000 Mann mit 566 Wagen, auf
welchen sie groe Massen von Mais und Weizen mit sich fhrten, die
sie, gleichfalls glcklich im Thale des Salzsees eingetroffen, noch
im Stande waren, auszusen, ehe der Winterfrost eintrat. Im Herbste
stieen zu ihnen ein Theil des Mormonenbataillons und andere
Kirchenglieder, die aus Californien und von den Sandwichsinseln
kamen, und im Frhling und Sommer von 1848 zogen beinahe alle noch
auf den Prairien verweilenden Heiligen in einer Aufeinanderfolge bald
kleinerer, bald grerer Karawanen ihren Brdern nach, soda zu Ende
dieses Jahres bereits 8000 Ladderday-Saints in den verschiedenen
Niederlassungen der Thler am Groen Salzsee angesiedelt waren.




Viertes Kapitel.

Die Geschichte der Niederlassung am Salzsee. -- Das Land Utah. -- Die
Heuschreckenplage. -- Heimsuchung durch das Goldfieber. -- Der Krieg mit
den Rothhuten. -- Die Erfolge der Mormonen in Europa. -- Neujerusalem.
-- Der groe Tempel und die Fahne aller Nationen.


Seit dem Eintreffen der ersten Heerhaufen am Salzsee ist die
Geschichte des Volkes Joseph Smiths eine fast ununterbrochene Kette
glcklicher Ereignisse, ein stetes Wachsen und Wohlbefinden gewesen.

Ehe wir diese Geschichte aber weiter betrachten, werfen wir einen
Blick auf das Land, das die Mormonen jetzt bewohnen. Dieses, von den
Mitgliedern der Secte meist schlechthin das Thal genannt, liegt
ungefhr in der Mitte zwischen der Westgrenze von Missouri und dem
neuen Staate Californien. Es ist, rings von unbewohnbaren Wildnissen
umgeben, gleichsam eine Oase in der Wste. Im Westen streckt sich
gegen hundertachtzig deutsche Meilen weit ein baumloses Prairieland,
welches mit den riesigen Felsketten der Rocky Mountains endigt, im
Osten befinden sich, zuweilen von steilen Hhenzgen durchschnitten,
drre Salzsteppen, und im Sden wie im Norden ragen wildzerrissene
schroffe Gebirge. Die Mormonenansiedelungen liegen in einer
Einbiegung des Beckens, dessen Grund im Norden der groe Salzsee
bedeckt, ungefhr in der Mitte der Rocky Mountains, einer ber
sechzehn Lngegrade sich ausbreitenden Kette mehrerer von Norden nach
Sden parallel laufender Hhenzge, die von durchschnittlich fnf
Meilen breiten Thlern von einander geschieden und hin und wieder von
schroff abfallenden Schluchten, sogenannten Kanyons, in der Quere
durchschnitten sind. Diese Kanyons bilden die einzigen Straen durch
das Gebirge. Die bekanntesten sind der Sdpa, welcher nach dem
groen Kohlenbecken fhrt, durch das der Greenriver strmt, und der
Pa am Brenflusse. Letzterer wurde von den Mormonen benutzt und ist
die gewhnliche Strae der Auswanderer vom Osten nach Californien.

Das groe Becken liegt mehr als viertausend Fu ber dem
Meeresspiegel, zwischen den Wahsatsch- und Nevadabergen. Es trgt den
Charakter einer Wste. Nur hart am Fue der Hhen, die sich gegen
dreitausend Fu ber die Umgebung erheben, ziehen sich Streifen
fruchtbaren Landes hin. In der Mitte des Bassins ist durchaus kein
Wasser; denn der Schnee, der sich auf den Bergen im Winter sammelt,
reicht nicht hin, um Bche und Flsse auf die Dauer zu nhren. Das
Becken hat ungefhr hundert deutsche Meilen Durchmesser, und im
Nordosten desselben ist es, wo die Mormonen sich angesiedelt haben.
Hier boten verschiedene Flsse Gelegenheit, den von Natur nur eine
Meile breiten Streifen fruchtbaren Bodens durch Drainirung zu
erweitern. Das Land ist in der unmittelbaren Nachbarschaft des
Salzsees flach und steigt gegen Sden und Westen unmerklich mehrere
Meilen an, bis die Auslufer des Gebirgs sich hereindrngen. Es ist
hier durchweg sandig und nirgends fr die Zwecke des Ackerbaues zu
verwenden. Im Norden zieht sich nur ein schmaler Streifen brauchbaren
Landes zwischen dem See und dem Gebirge hin. Im Osten ist die
Gelegenheit zum Anbau etwas besser. Im Sden endlich strecken sich
ber der unfruchtbaren Wste, getrennt durch das Oquirrh Gebirge und
geschieden von der Sandebene darunter durch den Kamm des Traverse
Mountain, die schnen Thler des Jordan und des Tuilla. Die Sohle
derselben ist von zahlreichen Bchen durchstrmt und fortwhrend mit
fettem Grase bedeckt. An den Bergwnden dagegen wchst nur das
sogenannte Bunchgras und auch dieses nur in den warmen Monaten des
Jahres. Es besmt sich im Sommer, keimt whrend der herbstlichen
Regenzeit und wchst im Winter unter dem Schnee. Wenn sich im
Frhling die Schneelinie nach den Gipfeln zurckzieht, folgen ihr die
Heerden und die Antilopen, um das nahrhafte Futter abzuweiden, bis
der Schnee (etwa um die Tag- und Nachtgleiche) wieder zu fallen
beginnt. Regnet es in den Thlern, so schneit es auf den Bergen, und
whrend der Winterszeit liegt der Schnee in den Schluchten oft
mehrere hundert Fu hoch. Das Weideland auf dem Grunde der Thler
eignet sich aber auch vortrefflich zum Ackerbau. Die Kartoffel
gedeiht auerordentlich gut, und die Zuckerrbe erreicht eine
unglaubliche Gre. Rechnet man nun, da der Acre unter den Pflug
genommenes Land zweitausend Pfund Weizenmehl giebt, so kann man
annehmen, da die Quadratmeile ungefhr viertausend Menschen ernhren
kann, wobei die eine Hlfte als Weideland abgezogen ist und das
Bedrfni an Fleisch deckt. Eine so groe Zahl von Bewohnern wird
sich inde schwerlich jemals hier zusammenfinden. Doch kann das
Territorium auf alle Flle eine Million Menschen ernhren. Bedenkt
man dazu, da dasselbe sich nach Sden ber den Strand des groen
Beckens in eine Gegend erstreckt, wo die Baumwollenstaude und das
Zuckerrohr gedeiht, da es allenthalben eine Flle von Eisenstein und
unerschpfliche Steinkohlenlager in seinem Schooe birgt, da es die
trefflichsten Weiden zur Schafzucht hat, und da sich aller Orten
Wasserkraft zur Anlegung von Fabriken findet, so ist kein Zweifel,
da sich hier ein reicher und mchtiger Staat entwickeln kann.

In Central-Utah liegen drei Salzseen, von denen der grte so stark
mit Salz geschwngert ist, da die in seinem Wasser Badenden nur bis
an die Schultern einsinken. Die Ufer seiner Buchten sind im Sommer
mit den Gerippen der Insecten und Fische bestreut, welche sich aus
den Flssen in ihn hinunter wagen; denn kein lebendes Wesen dauert in
seiner Fluth aus. Die Salzsieder behaupten, da sie aus drei Ma
Wasser zwei Ma Salz gewinnen. Der See ist achtzehn deutsche Meilen
lang und umschliet mehrere sehr anmuthige Eilande, von denen das
grte von Bergen durchzogen ist, die an zweitausend Fu Hhe haben.
Wahrscheinlich bedeckte der See einst den ganzen Boden des Kessels,
und ein Naturereigni vulkanischer Art, welches das Land
terrassenartig emporhob, beschrnkte das Wasser auf seine jetzigen
Grenzen. Rings um den See entspringen zahlreiche warme Quellen, die
sich in Pfuhle und Teiche sammeln. Hier tummeln sich unzhlbare
Schwrme von Wasservgeln, die, da in der Umgebung kein Schnee liegen
bleibt, auch den Winter ber hier verweilen. An einigen Stellen
befinden sich Quellen von verschiedener Temperatur dicht bei
einander, einige so hei, da man die Hand nicht ohne Schmerz
hineinstecken kann, andere eiskalt, einige salzig, andere mit starkem
Schwefel- oder Stahlgehalt, whrend noch andere die Umwohnenden mit
dem herrlichsten Trinkwasser versehen.

Die Berge und Thler haben Ueberflu an Wild, Bren, Panthern,
Antilopen, Hirschen und Hasen. In den rasch strmenden Flssen der
Kanyons schwimmen die kstlichsten Forellen, in den langsamer
flieenden Gewssern der Ebene wimmelt es von Hechten und anderen
guten Fischen. In dem Rhrichte der Salzmarschen nisten zahllose
Enten und Gnse, und von den Inseln der Seen holen die Hirtenbuben
ganze Khne voll Eier, welche die Mven, die Pelikane, die Reiher und
die Kraniche dort legen.

Ein schwerempfundener Mangel ist der an Holz. In der Ebene wchst nur
das strauchartige Cottonwood und auch dieses lediglich am Ufer der
Flsse. In den Bergen trifft man auf kleine Wlder von Fichten und
Cedern, mitunter auch auf Zwergahorne und Eichen; aber Mancher hat
zur Beschaffung des nthigen Bau- und Feuerholzes Reisen von zehn bis
zwlf Meilen zu unternehmen. Die offeneren Striche des Landes sind
den Feuern ausgesetzt, welche die Indianer anznden, um die Grillen
zu tdten und zu braten, die sie im Sommer sammeln, um sie im Winter
zu verspeisen. Die Mormonen haben ihnen dieses Verfahren, wo sie
konnten, gewehrt, und so steht zu hoffen, da die Ebenen, welche
jetzt blos mit Gras bewachsen sind, allmlig auch Bsche und Wlder
tragen werden.

Die Luft des Thales ist sehr gesund, und so rein, da das Athemholen
geradezu ein Vergngen ist. In der Wste kommen namentlich im Sommer
hufige Luftspiegelungen vor, welche einen einfachen Spazierstock in
einen thurmhohen Balken, einzelne Wanderer in ganze Heere verwandeln
und auf die kahle Steppe Terrassen herrlicher Grten hinzaubern. Die
Moskitos sind blos in der Nhe der Salzsmpfe beschwerlich, in der
Nhe der Schluchten vertreibt sie der kalte Zug, der fortwhrend von
Thal zu Thale streicht und die Sommerhitze in erquickendster Weise
migt.

Damit haben wir eine Skizze der Natur des zuknftigen _Staates
Deseret_ gegeben. Deseret heit neugyptisch: die Honigbiene, und
das Verfahren der Mormonen bei der Grndung von Drfern und Stdten
in diesem Lande ist von der Art gewesen, da es diesen Namen durchaus
rechtfertigte. In fnf Tagen war ein gewaltiges Stck Wiesenboden
umgepflgt und mit Kartoffeln bepflanzt und der Bach eingedmmt, der
mit Hilfe von Grben das Feld bewssern sollte. Drei Wochen spter
hatte sich ein starkes Fort, bestehend aus Blockhusern, die mit
Pallissaden versehen waren, erhoben, und im folgenden Jahre stand auf
der Stelle, wo die Kundschafter am 24. Juli hier lasset uns Htten
bauen! gerufen, eine Stadt, welche ber 6000 Einwohner hatte.

Wie aller Anfang schwer ist, so auch hier. Der Winter von 1847 zu
1848 allerdings war so mild, da er den Ansiedlern gestattete, ihre
Feldarbeiten fortzusetzen, aber die Lebensmittel, die man mitgebracht
hatte, waren fast alle aufgezehrt, und um nicht zu verhungern, a man
die Hute der geschlachteten Thiere und grub mit den Ureinwohnern des
Landes nach Wurzeln.

Eine noch schrecklichere Heimsuchung kam ber das Volk Gottes im
nchsten Frhlinge. Als die unter so traurigen Umstnden bestellte
Saat aufging und zu den schnsten Hoffnungen berechtigend fett und
krftig emporwuchs, stiegen von den Timpanogabergen Heere gefriger
Heuschrecken, um sie zu vertilgen. Es war ein grlich gestaltetes
Thier: flgellos, plumpleibig, schwarzfarbig, mit einem dicken Kopfe
und ungeheuren Augen, einer grulichen Riesenwanze gleich, wie ein
Mormone aus Liverpool sich ausdrckte, stieg es auf drathartigen
Beinen in das Thal herab, und Strich auf Strich des jugendlichen
Korns verschwand unter den Zhnen dieser Saatmrder wie mit der
Sichel abgemht. Umsonst umgaben die unglcklichen Farmer ihre Felder
mit Wassergrben. Umsonst versuchten ganze Familien das schwarze Heer
mit Zweigen und Brnden zurckzuschlagen. Die Thiere schwammen ber
das Wasser, umgingen die Vertheidiger ihres Besitzthums und richteten
unermelichen Schaden an. Vergeblich wurde das Zerstrte an einigen
Stellen drei- und viermal durch neues Aussen und Pflanzen ersetzt.

Es blieb nichts brig, als die Kraft des Gebets. Man versuchte es mit
ihr, und siehe da, der groe Jehova that ein Wunder. In zahllosen
Schwrmen kamen von den Inseln des Salzsees weie Vgel mit rothen
Schnbeln und Fen den Bekmpfern des schwarzen Gog und Magog zu
Hilfe, und schneller als die Heuschrecken das Korn, verzehrten die
Mven die Heuschrecken. Vom grauenden Morgen tafelten sie bis zum
sinkenden Abend. War der Magen gefllt, so entleerten sie ihn wie
einst Vitellius durch Vomiren, und kehrten gleich diesem rstigen
Esser zu der Arbeit des Verschlingens zurck, bis der Tisch, den die
Natur so reichlich gedeckt hatte, vllig abgerumt war.

Dieses Wunder, welches den grten Theil der Ernte rettete,
wiederholte sich seitdem alle Jahre, und es wird deshalb erlaubt
sein, es fr ein natrliches Ereigni zu halten, welches schon vor
der Ankunft des neuen Israel in dieser Gegend alljhrlich stattfand.
Die von diesen Bundesgenossen beschtzten Felder aber gaben einen so
reichlichen Ertrag, da die Auswanderer, welche im nchsten Jahre vom
Golde Californiens angezogen, in Masse durch Deseret passirten, ihr
Korn hier billiger kauften, als in dem Fort Laramie, welches der
Civilisation um vierhundert Meilen nher liegt.

Jenes californische Gold aber brachte ber die junge Colonie eine
Prfung, die sehr leicht mit ihrem Untergange htte endigen knnen.
Die Mormonen, die unter General Kearney den Feldzug gegen Mexiko
mitgemacht hatten, waren gerade zu der Zeit und selbst in der Gegend,
wo man die ersten Krner des kostbaren gelben Staubes fand, entlassen
worden, und es wird sogar behauptet, da die Arbeiter Sutters, welche
diese folgenschwere Entdeckung machten, abgedankte Soldaten des
Mormonenbataillons gewesen seien. Mag dem sein wie ihm wolle, viele
Mitglieder der Secte hatten Gelegenheit gehabt, in Californien
fleiig Gold zu graben, und als sie nun beladen mit dem Ergebnisse
ihrer Arbeit zu ihren armgebliebenen Brdern in den Bergen kamen und
ihnen die Schtze zeigten, die keine hundertfunfzig Meilen vom Thale
des Salzsees mit bloen Hnden aufzulesen waren, mte es wunderlich
zugegangen sein, wenn das gelbe Fieber, das in ganz Amerika
wthete, nicht auch hier die Gemther ergriffen und zum Abzuge nach
Ophir gedrngt htte. Dies geschah in der That. Allein die Fhrer
waren zu klug und zu einflureich, um die Begier zur That merken zu
lassen. Sie warnten in einer Proclamation vor einem sofortigen
Aufbruche nach den Diggings, welcher einer Auflsung der ganzen
Gemeinschaft gleichgekommen sein wrde, und siehe da, ihre Ansprache
wirkte, so stark auch die Versuchung und so wenig klar auch dem Auge
des gemeinen Mannes die Gefahr war, welche sich hinter der Lockspeise
barg. Nur einige Hundert gingen, und diesen ertheilte man den
freundschaftlichen Rath, sich auf Nimmerwiederkehr zu verabschieden.
Spter aber gebot der Mormonengott durch den Mund seines Propheten
Young den Heiligen, von Zeit zu Zeit auf einige Monate Trupps nach
den Minen zu senden, von wo sie mit reicher Beute zurckkehrten.

Mit ihren Nachbarn, den Utahs und anderen Stmmen des Gebirgs,
vertragen sich die Mormonen gegenwrtig ziemlich gut. Anfangs inde
war dem nicht so. Der Punkt, wo sie sich zuerst ansiedelten, liegt
auf den Kriegsgrnden der Schlangengrber und der Utah-Indianer,
also auf neutralem oder Niemand gehrigem Boden. Als die Mormonen
sich aber nach Sden und Norden ausbreiteten, kamen sie auf Stellen,
welche die Indianer als ihr Eigenthum betrachten, wo sie allein
fischen und jagen zu drfen glauben. Sie klagten, da man ihnen ihre
Winterlagerpltze wegnhme und ihnen das Wild verscheuche. Die
Schoschones drohten mit einem Angriffe, berlegten sich's aber eines
Bessern und hielten Frieden. Nicht so die Utahs. Im Winter 1849
begannen sie allerlei Neckereien, erschossen mehrere Stcke Vieh,
welche den Mormonen gehrten, und rhmten sich dessen, drangen in
einzeln gelegene Farmhuser, um die Frauen zu erschrecken und
Lebensmittel zu rauben und zwangen endlich die Colonisten, sich in
das Fort des Utahthales zurckzuziehen. Im Hauptquartiere der Secte
versuchte man zuerst gtliche Mittel, und als diese bei den
Rothhuten nicht anschlugen, wurde der Krieg beschlossen.

Zu der waffenfhigen Mannschaft des Utahthales stieen zwei
Compagnien der Legion von Zion, und sofort wurden die Indianer
angegriffen. Sie hatten sich in den ausgetrockneten Canlen des
Timpanogaflusses aufgestellt, wo sie von den Cottonwoodbschen und
Weidenstmpfen, die dort wuchsen, gedeckt waren. Nichtsdestoweniger
wurden sie nach einem dreitgigen Scharmtzel, bei welchem die
Angreifer sich des Abends immer in das Fort zurckzogen, durch die
Bchsen und die Kanone, welche die Mormonen bei sich hatten, aus
ihrem Verstecke verjagt. Die Mormonen hatten dabei nur einen Todten
und mehrere Verwundete. Die Rothhute dagegen verloren, da gerade die
Masern unter ihnen grassirten, whrend ihres Rckzugs nach den kalten
Schluchten des hhern Berglandes sehr viele Leute und unter andern
auch den Alten Riesenhirsch, einen Huptling, der lange Zeit der
Schrecken des Utahthales gewesen war. Ein Theil der Geschlagenen
wurde den Tafelberg hinaufgetrieben. Man vermochte sie aber durch
Zureden, herabzukommen und sich zu ergeben. Man bewachte sie die
Nacht ber und befahl ihnen am Morgen die Waffen niederzulegen. Sie
weigerten sich dessen, und stieen Drohungen aus. Da gaben die
Mormonen Feuer auf sie, und beinahe alle wurden getdtet. Der Rest
versuchte, nachdem er die Vorpostenkette durchbrochen, sich ber die
Eisdecke des Sees zu retten. Sie wurden jedoch von Reitern verfolgt
und smmtlich niedergemacht.

Im nchsten Jahre erhielten die Utahs eine abermalige Zchtigung und
ihr Huptling, Patsowits mit Namen, wurde gefangen genommen und
aufgeknpft. Dieses summarische Verfahren aber hat einen solchen
Eindruck auf sie gemacht, da sie sich seitdem ruhig verhielten. Sie
hatten im Ganzen etwa vierzig Todte, und die Kriegsbande des alten
Stick in the head, eines berhmten Huptlings, war so geschwcht,
da er sich um Frieden zu bitten genthigt sah. Eine groe Menge
Gefangene wurden gemacht, meist Frauen und Kinder. Man brachte sie
unter den Kanonen des Forts Utah in Zelten unter, bis sie unter die
Familien im Thale vertheilt werden konnten. Man reichte ihnen
reichliche Lebensmittel, und es war eine Freude, sie, die
Halbverhungerten, schmausen zu sehen. Der Versuch aber, sie in die
Familien aufzunehmen und sie dort an ein civilisirtes Leben zu
gewhnen, schlug gnzlich fehl; denn sobald der Sommer kam, verlieen
sie die Farmen und flohen in die schneeige Heimat im Gebirge zurck.

Nach dem Buche Mormon und der Lehre Smiths sind die Indianer
Nachkommen der Lamaniten und ein zwar von Gott abgefallnes und
entartetes, aber der Barmherzigkeit des Himmels noch nicht entrcktes
Geschlecht, das einst durch die Apostel der wahren Kirche bekehrt und
dann in sein Erbe wieder eingesetzt werden wird. In Betracht dessen
ist es allerdings seltsam, da die Mormonen, deren Mission es wre,
die Rothhute durch das Schwert des Geistes zu bezwingen, sich so
rasch genthigt glaubten, sie mit leiblichen Waffen zu unterjochen.
Aber trotzdem bleiben sie dabei, da diese Leute einst die Weissagung
des Propheten erfllen werden, nach welcher ein Volk in Einem Tage
geboren und die Indianer durch Gottes Gnade in eine Nation von
schnem Aeueren und weier Hautfarbe verwandelt werden sollen.

Und in der That, ein kleiner Anfang zwar nicht der Hutung, aber der
Bekehrung ist gemacht. Derjenige von den Huptlingen der Utahs,
welcher gegenwrtig das strkste Kriegsgefolge um sich versammelt und
in Folge dessen auf alle brigen Stammesglieder den meisten Einflu
bt, ist ein Freund der Mormonen, und ein Halbbruder von ihm, Namens
Walker, der sich durch fleiige Pferdediebsthle in Mexiko Vermgen
und Ansehen unter seinem Volke erworben hat, ist sogar durch die
Taufe ein Heiliger vom jngsten Tage geworden. Er ist ein schmucker,
krftiger Bursche, ein vollendeter Reiter, ein trefflicher Schtz und
ein ungemein guter Kenner von Pferdefleisch. Eine Menge junger
Rothhute erkennen ihn als Befehlshaber an, und sie sind ihm sogar
gefolgt, als er sich entschlo, dem Herumschweifen und Rauben zu
entsagen und sich in der Niederlassung von San Pete als Ackerbauer
und Viehzchter anzusiedeln. Die Mormonen betrachten ihn als Trophe
oder Erstlingsfrucht der berzeugenden Kraft ihrer Religion und thun
ihm alle erdenkbare Ehre an. Allein ehe sie sich's versehen, kann er
in seine alten Snden zurckverfallen und die Absicht seiner Freunde,
ihn zum Oberhaupte des ganzes Stammes zu machen, auf immer vereiteln.

Inzwischen grndeten die Mormonen fortwhrend neue Colonien. Die
erste derselben blieb inde der Hauptsitz. Sie liegt am rechten Ufer
eines schnen klaren Stromes, den die Fhrer der Secte, die nicht
ganz ohne Ursache in ihrer Geschichte allenthalben Wiederholungen der
Ereignisse und Verhltnisse im Leben des Volkes Israel zu sehen
meinten, den westlichen Jordan genannt haben, und durch den sich ein
Swassersee, von den Mormonen See Tiberias getauft, in den etwa
hundert Fu tiefer gelegenen groen Salzsee ergiet. Man nannte diese
Hauptniederlassung, die zunchst nur ein Fort, umgeben von einem
Zeltlager war, sich aber schnell in eine Stadt von Blockhtten und
kleinen Ziegelhusern verwandelte, Neujerusalem. Wie rasch und
unverdrossen die Ansiedler arbeiteten, zeigt der Umstand, da jenes
Fort, welches ein Viereck bildete, dessen Seiten zusammen 7788 Fu
lang waren, nur sechs Monate zu seiner Vollendung bedurfte, und da
man in derselben Zeit 6000 Aecker Land umpflgte, besete und mit
einer dreizehn englische Meilen langen Fence einzunte. Dies geschah
im Jahre 1847, in welchem zugleich fnf Sge- und Mahlmhlen
angelegt, mehrere Straen gebahnt und weite Strecken der Umgebung
untersucht wurden. 1849 nahmen die Mormonen das im Vorigen erwhnte
Utahthal, sowie die Thler von Tuilla und San Pete in Besitz,
sendeten zahlreiche Missionaire nach Frankreich, Dnemark, Schweden
und Italien und wurden durch bedeutende Zuzge aus den Staaten im
Osten und aus Grobritannien verstrkt. 1850 wurde eine Universitt
gestiftet, vier Schulen erffnet, mehrere Stdte gegrndet, Farmen im
Thale des Kleinen Salzsees angelegt, zwei Eisenbergwerke in
Bearbeitung genommen, ein groes Rathhaus und zwei Magazine zur
Aufnahme der eingelieferten Zehnten vollendet und die Berieselung des
Landes ber weite Strecken fortgesetzt.

Sehr bald nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten in Bezug auf
die Colonisirung wurde zur Regelung des Verhltnisses der
Gemeinschaft zu den Vereinigten Staaten geschritten. Man entwarf
unter dem Vorsitze der Priester eine Territorialverfassung, zog
dieselbe zurck und vereinigte sich hierauf zu einer andern, in
welcher der in der Bildung begriffene Staat _Deseret_ genannt, unter
den Grenzen desselben ein Strich von der Kste des Stillen Oceans
beansprucht, das Halten von Sclaven innerhalb des darin bezeichneten
Gebiets untersagt, sonst aber nichts von den Constitutionen der
brigen Glieder der Union Abweichendes aufgestellt war. Die
Centralregierung in Washington, der dieser Entwurf zur Kenntninahme
und Beschlufassung eingesendet wurde, sah sich nicht gemigt, die
Wnsche der Mormonen in ihrer vollen Ausdehnung zu bewilligen. Sie
ignorirte den neugyptischen Namen Deseret, indem sie den
indianischen Utah wahrscheinlich wohlklingender fand, und glaubte den
Antragstellern die von ihnen zur Verbindung mit dem Meere und zu
ihrer vlligen Unabhngigkeit von anderen Staaten geforderte
Kstenstrecke vorenthalten zu mssen. In der Bill, welche als Antwort
auf jenen Vorschlag der Bewohner von Deseret 1850 im Congresse
durchging, heit es, da das neue Territorium im Westen vom Staate
Californien, im Norden vom Gebiete Oregon und im Osten und Sden von
der Wasserscheide begrenzt sein solle, welche die Flsse, die in das
groe Becken (des Salzsees) strmen, von denen trennen, die in den
Rio Colorado und in den mexikanischen Golf flieen. Durch denselben
Congrebeschlu wurde eine Territorialregierung fr das Gebiet
eingesetzt, und im October 1850 ernannte der Prsident Fillmore die
betreffenden Beamten, sieben an der Zahl, von denen auer Brigham
Young, der zum Gouverneur bestimmt war, noch Drei aus der Mitte der
Mormonen selbst genommen waren.

Mit dieser vorlufigen Ordnung der Dinge war man in Deseret zwar
nicht zufrieden, inde fgte man sich dem Unvermeidlichen und
bezeugte dies dadurch, da man den Congre, wie die Verfassung dies
vorschreibt, durch Delegaten beschickte und die im Jahre 1851
anlangenden nichtmormonischen Territorialbeamten hflich aufnahm.
Bald jedoch brachen Zwistigkeiten zwischen diesen und den Fhrern der
Secte aus. Der Oberrichter Brandebury und der Richter Brochus fanden
nichts zu thun, indem die Mormonen sich zur Schlichtung ihrer
Rechtsstreitigkeiten an ihre Bischfe wendeten, welche oft anders
entschieden, als es das gewhnliche Recht verlangte. Young verwendete
die Einnahmen des Territoriums, nach der Berechtigung, die ihm durch
sein Amt als geistliches Oberhaupt verliehen war, zu andern Zwecken,
als wozu ihn sein Amt als Gouverneur verpflichtete. Wiederholentlich
wurde den Herren aus dem Osten zu verstehen gegeben, da man sich nur
der Nothwendigkeit fge, wenn man sich den Beschlssen in Washington
unterwerfe; wiederholentlich lie man ihnen merken, da sie als
Heiden in der Gemeinschaft der von Gott regierten Kirche, die
zugleich der wahre Staat sei, nur geduldet und berhaupt berflssig
seien. Sie sahen dies ein und kehrten nach Hause zurck, worauf ihre
Stellen vorlufig durch Mitglieder der Secte besetzt wurden.

Damit war der Zwiespalt zwischen der Priesterherrschaft in Deseret
und der Regierung in Washington offenkundig geworden. Young inde
wute einen Bruch noch zu vermeiden. Um aber derartige Conflicte fr
die Zukunft unmglich zu machen, und so rasch als thunlich die
mglichste Selbststndigkeit fr die wachsende Theokratie
herbeizufhren, setzte man alle Hebel in Bewegung, um die ber die
ganze Erde zerstreuten Glubigen zur Einwanderung in das Gebiet zu
gewinnen und dadurch die Zahl der Bewohner desselben bis zu der Hhe
zu steigern, welche die Constitution der Vereinigten Staaten
vorschreibt, wenn ein Territorium den Charakter und Namen eines
Staates annehmen will. Dringende Aufrufe ergingen von Seiten des
Apostelcollegiums an die Heiligen in aller Welt, sich der religisen
Pflicht des Hinzugs nach dem Neuen Zion im Westen ferner nicht zu
entziehen. Bedeutende Summen wurden verwendet, um den Aermeren die
Erfllung dieser Obliegenheit durch Vorschsse zu erleichtern. In
Liverpool wurde das schon seit lngerer Zeit bestehende
Auswanderungsbureau, dem einer der Apostel prsidirte, zu erweitern
und zu krftigerer Wirksamkeit zu befhigen gesucht. Endlich wurden
allenthalben auf der Strae durch die Vereinigten Staaten und durch
die westliche Wste Stationen mit Bevollmchtigten zur Untersttzung
und Befrderung der Pilger errichtet.

Der Erfolg entsprach den Erwartungen. Schaarenweise gehorchten die
Glubigen in England, Schottland und Wales dem Rufe ihrer
Oberpriester in Amerika. Schiff auf Schiff mit zuknftigen Brgern
von Deseret verlie die Rhede von Liverpool, und Karawane auf
Karawane dieser gehorsamen Shne der Kirche berstieg die
Felsengebirge, um sich den Brdern im Thale der Verheiung
anzuschlieen.

Um den Abgang der Auswanderer in der Heimat zu ersetzen und
fortwhrend neue Zuzugsquellen zu erffnen, wurde die Bekehrung der
europischen Heiden noch eifriger betrieben, als seither. Ueberall
suchten die Missionaire Brigham Youngs sich festzusetzen und
Proselyten zu machen, und wenn ihnen dies nicht berall gelang, so
liegt die Schuld nicht an ihrem Mangel an Eifer und Geschick. Sie
pilgerten nach Frankreich, nach Norwegen, nach Ruland, selbst nach
Italien, wo die Revolution ihnen Thor und Riegel geffnet. Sie
erschienen in Palstina, um die Juden zu belehren, da der Messias
und sein Reich nahe sei. Sie riethen auf den Mrkten von Kairo und
Alexandria, auf den Pltzen von Calcutta und Bombay der Welt zur
Flucht vor dem Zorne Gottes. Sie wuten sich selbst das Reich der
Mitte zu ffnen. Sie thaten alles Dieses, ohne zu Anfange etwas von
den betreffenden Sprachen zu verstehen, ohne die Verhltnisse zu
kennen, und ohne diesen doppelten Mangel durch einen wohlgefllten
Beutel ausgleichen zu knnen.

Die Missionaire der Mormonen wenden sich bei ihren Zuhrern
ebensowohl an die Begier nach Reichthum als an die Sehnsucht nach
himmlischen Gtern, stellen ihnen neben Befriedigung ihrer religisen
Bedrfnisse auch irdisches Wohlbefinden in Aussicht. Unverdrossen und
unabgeschreckt durch schroffe Abweisung, durch Spott und Hohn,
wandern sie von Ort zu Ort, sprechen in einzelnen Husern ein,
knpfen mit Leuten auf der Strae ein Gesprch an, arbeiten bisweilen
als Handwerker in einer Werksttte und bringen auf diese Art das, was
ihnen auf dem Herzen liegt, an den Mann. So ungebildet sie meist
sind, besitzen doch fast alle eine groe Uebung in sophistischen
Fragstellungen und Schlssen, und eine nicht geringere Kenntni der
Bibel. Wer ihnen zugiebt, da die letztere Norm der Wahrheit sei,
wird unausbleiblich in ihrem Netze gefangen und kann sich nur durch
gewaltsamen Durchbruch befreien. Gewhnlich beginnen sie ihren Anlauf
zur Eroberung der Herzen mit der Frage, ob die christliche Urkirche
nicht gewisse Gnadengaben gehabt habe, welche das heutige
Christenthum nicht mehr besitze, dann setzen sie auseinander, wie die
Heiligen vom jngsten Tage mit allen diesen Gaben als Heilung durch
Handauflegen, Weissagung, Teufelaustreibung, Reden in Zungen u. s. w.
von Neuem beschenkt worden, und nachdem damit Grund gelegt ist,
entwickeln sie die am Wenigsten aufflligen Lehren der Secte,
beweisen sie mit einer Flle von Sprchen vorzglich aus den
alttestamentlichen Propheten und der Offenbarung Johannis, und nehmen
fr ihr amerikanisches Zion smmtliche Verheiungen in Anspruch. Ist
der Zuhrer kein Mann von Vermgen, so erfhrt er, da an ihn wie an
alle Menschen der Ruf ergangen ist, sich nach Zion in den Bergen zu
begeben, wo Milch und Honig flieen und wo das schnste Land um einen
Spottpreis zu haben ist, der noch berdies nicht sogleich bezahlt zu
werden braucht und durch Arbeit abverdient werden kann. Hat der Mann
das Reisegeld nicht, so bedarf es nur einer Erklrung zum Beitritt,
und es wird ihm aus dem Ewigen Wohlthtigkeits-Fonds vorgestreckt.
So sind Hunderte und Tausende verlockt worden. Die Lehre, da drben
im heiligen Lande jedes Weib einen Mann hat, jede Magdalena durch die
Taufe rein gewaschen wird, sichert den Beifall des schnen
Geschlechts. Mit Leuten von berlegener Bildung hten sich die
Propheten und Apostel zu sprechen. Werden sie dazu genthigt, und
wird ihnen dann die Abgeschmacktheit ihrer Behauptungen nachgewiesen,
so klagen sie ber gelehrte Sophisten, die den Geist Gottes nicht
haben und ihn darum auch nicht begreifen, und schweigen, wenn sie
nicht mehr zu antworten wissen.

Hufig wird gleich mit einem Wunder begonnen. So in Wales, wo 1845
aus einem Weibe zwei sehr starke und freche Teufel ausgetrieben und
dabei zahlreiche Seelen gewonnen wurden. Und ebenso fing der Apostel
Forsden in Schweden im Jahre 1851 seine Wirksamkeit damit an, da er
seinen Begleiter, der natrlich gleichfalls Mormone war, durch
Handauflegung vom Fieber heilte. Die Sache machte Aufsehen und zog
viele Leichtglubige nach dem Hause, wo das Wunder geschehen war.
Diesen erzhlte Forsden in seiner einfachen Weise die Geschichte von
dem groen Propheten und Mrtyrer im Westen und die Wiederverleihung
der bernatrlichen Gaben des Urchristenthums an seine Kirche. Die
Bauern glaubten ihm zum Theil. Andere verbreiteten wenigstens die
Kunde von dem neuen Evangelium aus Amerika. Forsden predigte nun an
den Straenecken. Die Behrde lie ihn verhaften und ertheilte ihm
einen Verweis. Dies aber war es gerade, was er gewollt. Es verhalf
ihm zu einem wohlfeilen Mrtyrerthum. Er wiederholte seine
ffentlichen Vortrge und wurde abermals verhaftet, mit einer
Geldstrafe belegt und ernstlich ermahnt, von solchen Ketzereien
abzustehen. Er entgegnete demthig und gelassen, da er nichts als
Jesum Christum, den Gekreuzigten gepredigt habe, und da er, da Gott
ihm dies geheien, nicht davon ablassen, sondern Gott mehr gehorchen
werde als den Menschen. Den Zuhrern erklrte er, da ihn weder
Gefngni noch Tod abschrecken werde, den Pflichten, die der Herr ihm
auferlegt habe, nachzukommen -- eine Redensart, die er sehr wohl
brauchen konnte, da man heutzutage Niemand mehr des Glaubens halber
hinrichtet, die aber gleichwohl Eindruck auf unberlegsame Menschen
machte. Man steckte ihn auf ein paar Tage ein. Aus dem Gefngnisse
entlassen, pries er den Herrn auf der Strae mit Wort und Gesang, da
er ihn gewrdigt, zu leiden um sein heiliges Wort. Man wute ihn
nicht anders los zu werden, als dadurch, da man ihn in einen Wagen
setzte, nach dem Sunde brachte und nach Dnemark hinberspedirte. Der
Samen des Unkrauts aber, den er geset, blieb haften, und noch jetzt
verbreiten mehrere durch ihn Bekehrte als Apostel die Lehre Joseph
Smiths in Schweden.

Von unglaublichem Eifer beseelt, folgen diese Straenprediger dem
Worte Schreie laut und schone nicht buchstblich und taufen zu
Dutzenden alle, die ihre Bereitwilligkeit bezeigen, in diesem Namen
ihre Knie zu beugen. Viele kommen mit erschpften Lungen und
gebrochener Gesundheit von solchen Anstrengungen heim; dann aber
entschdigt sie der Ruhm besonderer Frmmigkeit und die Ehre, die
ihnen wird, wenn die Brder auf sie hinweisend sagen: Siehe, das ist
der heilige Mann, der durch unermdliche Predigt in den Straen
Londons dem Herrn so viele Seelen gewonnen hat.

Ihre Erfolge sind verschieden gewesen. In Grobritannien hatte die
Kirche der Heiligen vom jngsten Tage im Jahre 1851 nicht weniger als
30,747 Mitglieder, und binnen vierzehn Jahren hatten die Priester
derselben ber 50,000 Personen auf das Neue Evangelium getauft und
davon beinahe 17,000 nach Amerika gesendet -- Zahlen, die erstaunlich
klingen wrden, wenn man nicht wte, da die niedern Schichten der
Bevlkerung von England und Wales in einer wahrhaft ungeheuerlichen
Unwissenheit hinvegetiren, und wenn andererseits nicht auch
materielle Vortheile als Magnete nach dem Thale des Salzsees
hinzgen. Ein zweiter Hauptsttzpunkt des Mormonenthums sind, wie
bereits bemerkt, die Sandwichs- und die Freundschaftsinseln, und zwar
sollen hier sich bereits 5000 Eingeborne zu dem Glauben der
Latterday-Saints bekennen. Endlich haben Dnemark und Norwegen im
Jahre 1853 einige Hunderte ihrer Bewohner, meist Landleute, als
Beitrag zur Bevlkerung Deserets abgehen lassen. In Frankreich
befinden sich unsres Wissens bis jetzt nur zwei schwache Gemeinden,
in Havre und Paris, welche sich durch Verbreitung des von dem Apostel
Taylor ins Franzsische bertragenen Buchs Mormon und durch die
Zeitung Etoile du Deseret zu vergrern bestrebt sind. In der
Schweiz und in Ruland scheint kein Erfolg erreicht worden zu sein.
Dagegen drfte in der Uebersetzung des genannten Buchs ins
Italienische vielleicht ein Beweis liegen, da man dort Hoffnung hat,
zu reussiren.

In Deutschland endlich lieen zu verschiedenen Zeiten und an
verschiedenen Orten Mormonenemissaire von sich hren. Ihre Hoffnungen
wurden inde sehr bald durch das Einschreiten der Polizei vereitelt.
1851 kam Taylor nach Hamburg, um dort eine Zeitung zu grnden, welche
den Namen Zions Panier fhrte, aber nachdem vier Nummern erschienen
waren, aus Mangel an Theilnahme einging. Ihm folgte 1852 ein anderer
Sendling vom Salzsee, Daniel Cairn, aber nur, um beim ersten Versuche
zu ffentlichem Auftreten aus der Stadt gewiesen zu werden. Keine
bessern Resultate wurden von den im Sden und Westen Deutschlands
sich zeigenden Mormonen erreicht, und mit der inzwischen bersetzten
Indianerbibel wird man schwerlich auf die Kosten kommen. Endlich ist
noch ein Vorfall aus der neuesten Zeit zu erwhnen, welcher zeigt,
bis in welche Regionen die Erwartungen der Fhrer sich versteigen.
Die Prsidentschaft in England hatte erfahren, da der Knig von
Preuen sich fr die Mormonen interessire und sich von seinem
Gesandten in Washington Aufklrung ber sie erbeten habe. Sie
deuteten sich dieses Interesse als Neigung, und so erschien im
Herbste 1854 eine frmliche Gesandtschaft aus der Mitte der Secte, um
dem Knige eine Adresse zu berreichen. Die Herren waren aber nicht
sobald im Bahnhofe ausgestiegen, als die Polizei sich einstellte und
sie zu sofortiger Umkehr nthigte.

Wir beschlieen dieses Kapitel und die Geschichte des Mormonenthums
berhaupt mit einem Rckblicke auf das Thal des Salzsees und die dort
emporblhenden Ansiedelungen. Von einem vergleichsweise kleinen
Flecken Landes haben dieselben sich allmlig ber eine Strecke von
mehr als fnfzig deutsche Meilen Lnge, vom Box Elder Creek im Norden
bis an den kleinen Salzsee im Sden und von dort bis San Diego
ausgebreitet. Wo die Sierra Nevada nach Sdwesten einbiegt, ist ein
Rancho angekauft und in eine Station verwandelt worden, von wo aus
eine Kette von Posten bis ans Ufer des Stillen Meeres eingerichtet
werden soll. Neun Meilen nrdlich von der Hauptstadt liegt Ogden
City, auch Brownsville genannt, in einer ungemein anmuthigen Gegend
in der Nhe des Zusammenflusses zweier schnen Bche, und vierzehn
Meilen nach Sden hat sich am Fue der Timpanoga-Berge ein anderes
schmuckes Stdtchen erhoben. Dreiig Meilen weiter sdlich steht die
rasch wachsende Stadt Manti. Dabei befinden sich im Thale von San
Pete zahlreiche einzelne Farmen. Paroan oder die Eisenstadt, so
benannt nach den groen Lagern von Eisenstein, die hier aufgefunden
worden sind, liegt im Thale des kleinen Salzsees, wo eine sehr
betrchtliche Strecke fruchtbaren oder doch fruchtbar zu machenden
Landes entdeckt wurde. Endlich ist noch die Niederlassung im
Tuillathale zu erwhnen, welche, etwa sieben Meilen von der Metropole
des Territoriums entfernt, in mehreren Farmen, zehn Sgemhlen und
acht Mahlmhlen besteht.

Die gegenwrtige Haupt- und Centralstadt[2], von den Mormonen
_Neujerusalem_, von den Profanen schlechthin Saltlake-City, d. i. die
Salzseestadt genannt, liegt, wie erwhnt, auf derselben Stelle, wo
die Vorhut der Auswanderer von Nauvoo am 24. Juli 1847 von den Bergen
in das Thal herabsteigend, zuerst Halt gemacht hatte. Der untere
Theil bedeckt einen kaum bemerkbaren sanften Abhang, der nrdliche
dagegen streckt sich ber eine Art Terrasse hin, welche im Winkel der
von Sd nach Nord sich hinziehenden Hauptkette der Wasatch-Berge und
einem mchtigen Auslufer derselben liegt, der gerade nach Westen
hinstrebt und eine halbe englische Meile vom Jordan endigt. Der Raum,
den die Stadt bedeckt, betrgt genau vier Quadratmeilen (englisch),
eine Ausdehnung, die sich im Vergleich mit der Einwohnerschaft nur
dadurch erklrt, da jedem Brger bei der Anlage eine Baustelle von
drei Viertel Acre Land zugetheilt wurde, da in Folge dessen die
einzelnen Huser durch betrchtliche Zwischenrume getrennt sind, und
da die schnurgeraden, sich in rechten Winkeln durchschneidenden und
hundertzweiunddreiig Fu breiten Straen sich in kurzen Entfernungen
folgen. Die Huser, meist einstckig und von Adobes, an der Sonne
getrockneten Ziegeln von blulichem Lehm erbaut, haben ein geflliges
Aeuere, welches dadurch noch gehoben wird, da sie von Grten
umgeben sind. An den zwanzig Fu breiten Fuwegen zu beiden Seiten
der Straen laufen in Canlen die klaren Fluthen eines Gebirgsbaches,
welche neugepflanzte Alleen bewssern und auch in die Grten geleitet
werden knnen. Im Westen berhrt die Stadt das Fluufer. Oeffentliche
Gebude von Bedeutung hat das neue Jerusalem begreiflicherweise noch
nicht. Das Staatshaus, wo die Regierung des Territoriums ihren Sitz
hat, das Bethaus und die zur Aufnahme der Naturalsteuern bestimmten
Speicher sind gerumige Bauten, die inde keinen Anspruch auf
Schnheit machen. Aber fr die Zukunft tragen sich die Leiter der
Gemeinde mit den groartigsten Plnen, auch in Betreff der
Verschnerung ihrer Stadt. Die jetzige Universitt, fr welche der
Staat jhrlich 5000 Dollars aussetzte, ist nur ein schwacher Anfang
zu dem, was die Anstalt einst sein wird. Sobald man dazu Zeit
gewinnt, wird man ein groartiges Gebude fr Lehrer und Lernende
errichten. Dasselbe wird auf der ersten breiten Terrasse stehen,
welche sich im nrdlichen Theile der Stadt erhebt. Der Stadtbach hat
durch dieses Tafelland einen tiefen Canal gewhlt, und seine Wasser
sollen an der geeigneten Stelle gefat und nach dem Platze vor der
Universitt geleitet werden, um denselben durch Springbrunnen zu
verschnern, die Haine, Blumenbeete und botanischen Grten zu
bewssern und die Bassins ausgedehnter Bade- und Schwimmanstalten zu
speisen. Ein groes Viereck ferner soll zu einem Turn- und
Fechtplatze sowie zur Reitschule eingerichtet werden. Sodann wird man
eine Sternwarte, zu der bereits die nthigen Instrumente beisammen
sind, eine Anstalt zur Ausbildung von Ingenieuren und Landvermessern
und eine Bergschule mit dieser Universitt verbinden, und schlielich
werden an ihr auch Landwirthe ausgebildet werden.

  [2] Es ist im Werke, im Paroanthale eine zweite Hauptstadt zu bauen,
      welche Fillmore heien und der Sitz der weltlichen Behrden sein
      soll.

Man wird aber nicht allein vielerlei, sondern auch viel lernen an
dieser Hochschule. Die Mormonenphilosophen werden eine Unzahl von
Geheimnissen aufthun und eine Menge von Rthseln lsen, wie sie die
Welt bisher noch nicht gesehen hat. Sie werden das Reich der
Wissenschaften vollstndig revolutioniren und die grten Gelehrten
namentlich in der Mathematik und in den physikalischen Wissenschaften
des Irrthums berfhren. Der Geolog und der Chemiker wird von ihnen
die tiefsten und merkwrdigsten Aufschlsse ber die Wunder der Tiefe
erhalten, der Botaniker und Zoolog bei ihnen Belehrung ber die
Principien des Lebens in Thier und Pflanze empfangen. Denn nachdem
sie zuerst nach dem Reiche Gottes getrachtet haben, erwarten sie
jetzt Erfllung der Verheiung, da ihnen alles andere Wissen von
selbst zufallen solle; doch fgen sie sehr verstndig hinzu, da der
Herr denen hilft, die sich selbst helfen, und da der Geist nur durch
eisernen Flei fhig gemacht werde, die Weisheit aus der Hhe
aufzunehmen.

Die grte Umwlzung wird auf dem Gebiete der Astronomie
hervorgerufen werden. Hier wird das ganze bisherige Weltsystem durch
Aufschlsse ber die Zahl, die Ordnung und das Verhltni der
Planeten, Fixsterne und Kometen durchaus modificirt werden. Was fr
Belehrung wir in diesem Kreise zu erwarten haben, findet der
Wahrheitsfreund in dem _Buche Abraham_ angedeutet, welches einst
nebst einigen gyptischen Mumien nach Nauvoo gebracht wurde, wo der
Prophet Joseph einen Theil der Schrift (die von dem glaubensreichen
Erzvater whrend seines Aufenthalts am Nil verfat worden)
bersetzte. Eine andere Probe dessen, was der Wissenschaft von den
Gelehrten Deserets bevorsteht, haben wir in dem Aufsatz eines ihrer
Mathematiker, in welchem derselbe whrend seines Aufenthalts in
England allen Ernstes den Versuch machte, die Newton'schen Theorien
von der Schwerkraft, der Attraction und Repulsion umzustoen und an
ihre Stelle eine Intelligenz des Grundstoffes oder eine Eingieung
und Gegenwart des heiligen Geistes in der Atomenmasse zu setzen. Wir
haben nicht Raum, die Grnde dafr anzufhren, und knnen nur
bemerken, da man aus ihnen gewahr werden wrde, wie auerordentlich
viel wir noch aus der Bibel lernen knnen.

Ein wunderlicher Gedanke ist es, wenn man vorhat, an der zuknftigen
Hochschule den altschsischen und celtischen Classikern eine Stelle
unmittelbar neben den griechischen und rmischen anzuweisen. Die
altschsischen htten vielleicht ein Recht dazu, aber woher man
altceltische Classiker bekommen wird, lt sich vorlufig nicht
absehen; man mte den Macphersons Ossian meinen, der bekanntlich so
echt ist wie das Buch Mormon.

Was die Hupter der Kirche von dieser Universitt denken, spricht
sich sehr deutlich in der Rede aus, mit welcher einer der Regenten,
der Apostel Phelps bei der Feier des 24. Juli im Jahre 1851 dieses
Instituts gedachte. Die Stelle ist so charakteristisch, da wir sie
im Auszuge mittheilen mssen. Der Redner sagte unter Anderm mit der
ihm eignen Salbung: Wir bitten die ganze Kirche, zum Herrn unserm
himmlischen Vater zu flehen, da er uns einige der Vorsteher der
groen Universitt im Himmel droben herabsende, gleichwie er sie zu
Noah, Moses und Andern sendete, um seinen Knechten die innersten
Grnde und Anfnge der Weisheit und Wissenschaft zu erffnen. Was
werden alle die Herrlichkeiten der Zeit, die Erfindungen des
Menschen, die geschichtlichen Urkunden von Japhet in der Arche bis
auf Jonathan im Congresse, was werden der gesammte Witz und Geist,
die gesammten Errungenschaften des Verstandes mit aller ihrer Methode
dem Heiligen des jngsten Tages werth sein, wenn unser Vater im
Himmel seine Regenten herabsendet, seine Engel aus der groen
Bibliothek des himmlischen Zion, wenn er sie herniederschickt mit
einer Abschrift der Geschichte des ewigen Lebens, den Urkunden der
Welten, dem Stammbaum der Gtter, der Philosophie der Wahrheit, dem
Verzeichnisse unserer Namen aus dem Buche des Lebens auf dem Schooe
des Lamms, und den Gesngen der seligen Geister?

Mglich, da die hier angedeuteten Manuscripte aus der Bibliothek des
Mormonengottes wirklich noch einmal in Deseret zum Vorschein kommen.
Jetzt hlt man sich an menschliche Bcher, und so nahm man es mit
groem Danke an, als im Jahre 1851 die Freigebigkeit des Congresses
den Delegaten von Utah, =Dr.= Bernhisel mit den Mitteln versah, fr
die neue Colonie eine gute Bibliothek auszuwhlen. Trotz jenes
vornehmen Herabsehens auf die Resultate der Wissenschaft und trotz
der abgeschmackten Einflle, womit man sie corrigiren zu wollen sich
den Anschein giebt, wei man sie sehr wohl zu schtzen. Dies beweist
schon die Errichtung der Universitt an sich, es wird aber auch durch
verschiedene andere Manahmen und Kundgebungen dargethan.

Ein eigenthmlicher Zug in dem Erziehungswesen der Mormonen ist die
Errichtung einer Schule zur Bildung von Familienhuptern. Brigham
Young, der Prsident und Seher, achtete es nicht fr seiner unwrdig,
diese Schule selbst als Zgling zu besuchen, und war dies auch nur
eine Demonstration, bestimmt, die Vorurtheile des Volks gegen
Schulanstalten fr Erwachsene zu zerstreuen, so zeugte es
nichtsdestoweniger von einem richtigen Verstndnisse der Dinge und
von einer gewissen Achtung vor der Bildung. Wenn man anderwrts eine
herrschschtige Priesterkaste bestrebt sieht, die ihr Unterworfenen
in Dunkelheit und Unwissenheit zu erhalten, so befolgt man hier
allenthalben eine andere Politik.

Da man freilich die Wissenschaft um ihrer selbst willen liebe, ist
von Leuten dieses Schlags nicht zu verlangen. Man will Bildung, weil
Bildung Macht ist und Ruhm giebt. Da man sich mit ihr einen Feind
erzieht, der das ganze Kartenhaus ber kurz oder lang umstrzen wird,
scheint man im Vertrauen auf die bisherigen Erfolge und schon aus dem
Grunde nicht zu ahnen, weil (nach ihren Schriften zu urtheilen) auch
die kenntnireichsten und klgsten unter den Huptern der Secte
lediglich dilettantisirende Autodidacten sind, keiner von ihnen im
eigentlichen Sinne des Wortes ein Mann von Bildung ist. Man will die
Wissenschaften ins Land ziehen, wie man sich um tchtige Tpfer,
Schlosser und Uhrmacher bemht. So ist es zu verstehen, wenn es in
der vorletzten Proclamation der Prsidentschaft an die Glubigen in
aller Welt heit:

Es ist hchst wnschenswerth, da die Brder, die uns zuziehen, jede
Gelegenheit benutzen, wenigstens ein Exemplar von jeder werthvollen
Abhandlung ber Erziehung und jedes Buch, welches ntzliche oder
anziehende Gegenstnde enthlt, mitzubringen, um den Kindern Lust und
Liebe zum Lernen einzuflen. Wir haben eine Druckerpresse, und Alle,
die gutes Druck- und Schreibepapier nach dem Thale mitnehmen wollen,
werden sich und der Kirche einen Dienst leisten. Desgleichen wnschen
wir allerlei mechanische und mathematische Instrumente, sowie Alles,
was von Kunstwerken und Naturseltenheiten herbeigeschafft werden
kann, und wenn die Heiligen in dieser Angelegenheit Eifer zeigen, so
werden wir hier bald das beste, ntzlichste und anregendste Museum
auf Erden haben.

Auf einem freigelassenen Platze im Centrum der Stadt wird ein Tempel
errichtet werden, schner und grer als bisher irgend einer auf
Erden stand und nur dem nachstehend, den das Volk Gottes am Ende der
Tage erbauen wird, wenn der Herr es heimgefhrt hat nach Missouri,
dem Lande der Verheiung. Schon ist eine vier englische Meilen lange
Holzbahn oder Riegelstrae nach den Steinbrchen am Red Butte
vollendet, um von dort das Material zu jenem mchtigen Baue, einen
schnen rothen Sandstein, herbeizuschaffen, und schon sammeln, von
Young beauftragt, die Missionaire der Secte in Europa, Asien und
Polynesien seltene Bume, Blumen und Samenkerne fr den Garten, der
den Riesentempel umgeben soll. Im Norden des Tempelplatzes aber
erhebt sich ber der Stadt der Hgel des Paniers. Mit ihm endigt
der vorhin erwhnte Auslufer der Wasatch-Berge, und er ist auf weite
Strecken hin in der ganzen Nachbarschaft sichtbar. Auf diesem
Berggipfel nun wird demnchst die prchtigste Fahne entfaltet
werden, die je in den Lften flatterte, eine Fahne, gemacht aus den
Nationalfarben aller Vlker, zum Zeichen der einst sich vollendenden
Einheit der Menschheit in Glauben und Liebe. Wenn dann dieses Symbol
der Verbrderung aller Nationen ber dem heiligen Tempel flattern
wird, dann ist die Erfllung des Prophetenwortes, Jesaia 18, 25.
gekommen, und die Zeit ist da, von der es dort heit: Alle, die ihr
auf Erden wohnt, und die im Lande sitzen, werdet sehen, wie man das
Panier auf den Bergen aufwerfen wird und hren, wie man die Trompete
blasen wird, und es wird sich begeben in den letzten Tagen, da der
Berg des Hauses des Herrn auf den Gipfeln der Gebirge aufgerichtet
und ber die Hgel erhoben werden wird, und alle Vlker sollen
hineinstrmen.

Sehen wir ab von dieser phantastisch ausgemalten Zukunft, so findet
sich schon in der Gegenwart ein Umstand, der als sehr erfreulicher
Schlu der Geschichte dieses seltsamen Volkes, wie wir sie in diesem
und den vorhergehenden Kapiteln verfolgten, dienen kann. Im Jahre
1852 sendeten die Hupter der Gemeinde durch alle Zweigcolonien im
Gebirge Boten, um sich zu erkundigen, wie viele von den Heiligen etwa
geneigt sein wrden, sich zur Aufnahme in ein etwa zu erbauendes
Armenhaus zu melden, und siehe da, man fand deren unter mehr als
dreiigtausend Menschen, welche zum bei Weitem grten Theile erst
vor wenigen Monaten und meist arm in das Thal eingewandert waren, nur
zwei, und so konnte sich die Prsidentschaft begngen, ein Armenfeld
von vierzig Aeckern fr eine zuknftige Aenderung der Zustnde zu
reserviren.




Fnftes Kapitel.

Der Glaube der Mormonen. -- Die Quellen und das Princip. -- Die
Metaphysik der Secte. -- Der groe Hauptgott und Gttervater im Centrum
des Universums. -- Die Schpfung und der Sndenfall. -- Krieg im Himmel.
-- Die Existenz der Menschengeister vor dem Leben auf Erden.


Wie die ueren Verhltnisse der Secte sich im Verlaufe der
vierundzwanzig Jahre seit ihrem Entstehen vllig gendert haben, so
auch und noch mehr die Glaubenslehren derselben. Von Jahr zu Jahr
wurden neue Ingredienzien in den Teig hineingewirkt, aus dem die
Prsidentschaft ihren Glubigen das Brot des Lebens buck. Alle
christlichen Secten der Gegenwart, die Neuplatoniker und die
Gnostiker, der Islam und der Parsismus, das Bramanenthum sogar muten
Beitrge liefern, die Phantasie der Propheten und Offenbarer that von
dem Ihrigen hinzu, und so ist ein Pudding entstanden, der an
Unverdaulichkeit Alles berbietet, was bis heute dem Magen der
Menschheit auf religisem Gebiete geboten worden ist. Wir bedauern,
durch den Zweck dieser Schrift und den uns zugemessenen Raum
verhindert zu sein, auf eine grndliche Analyse der wunderlichen
Mixtur einzugehen, und geben im Folgenden nur einige Hauptzge, wobei
wir bemerken, da die allmlige Umbildung der Grundlehren des
Mormonenthums -- welche von den Glubigen dem heiligen Geiste
zugeschrieben wird, der ihnen fortwhrend neue Wahrheiten offenbare
-- in der Hauptsache von Orson Pratt herrhrt, der in seinem
Eklekticismus es nicht verschmht, selbst Ergebnisse der neuern
Philosophie in seinen Topf zu werfen. Smith scheint dazu nur den
Namen hergegeben zu haben, und das Tollste und Khnste ist erst lange
nach seinem Tode ans Licht gefrdert worden.

Als Hauptquellen ihres Glaubens sind folgende anzusehen: das Buch
Mormon, das Buch der Lehre und der Bndnisse, die Warnungsstimme (von
Peter Parley Pratt), der Spiegel des Evangeliums, das Buch Abraham
(soll von Smith auf Grund gttlicher Offenbarung verfat worden sein,
ist jedoch, da es erst in den neuesten Schriften der Secte erwhnt
wird, wahrscheinlich sptern Ursprungs), Spencers Briefe, die
Zeitungen Times and Seasons (von Taylor whrend der Jahre 1839 bis
1844 in Nauvoo herausgegeben), Millennial Star (in England
erschienen), The Seer (seit 1853 von Orson Pratt in Washington
verffentlicht), endlich die Generalepisteln der Prsidentschaft in
Deseret. Die folgenden Mittheilungen sind eine Blumenlese aus diesem
Garten der Willkr und des Unsinns.

Das Glaubensbekenntni der Mormonen, wie es der Frontier Guardian,
eine von dem Apostel Orson Hyde in Kanesville herausgegebene Zeitung,
mittheilt, weicht nicht sehr erheblich von den Bestimmungen unserer
Dogmatik ab. Es lautet:

Wir glauben an Gott, den ewigen Vater, und seinen Sohn Jesus
Christus und an den heiligen Geist. Wir glauben, da die Menschen fr
ihre eigenen Snden und nicht fr Adams Uebertretung Strafe empfangen
werden. Wir glauben, da vermge des Shnopfers Christi durch
Gehorsam gegen die Gebote und Verordnungen des Evangeliums alle
Menschen selig werden knnen. Wir glauben, da diese Verordnungen
folgende sind: 1. Glaube an den Herrn Jesum Christum, 2. Bue, 3.
Taufe durch Untertauchen in Wasser zur Vergebung der Snden, 4.
Handauflegung durch die Gabe des heiligen Geistes, 5. das Mahl des
Herrn. Wir glauben, da die Berufung der Menschen zum Heile durch
Inspiration und durch Handauflegung derer erfolgen mu, welche in
rechter Weise Auftrag erhalten haben, das Evangelium zu predigen und
seine Gnadengaben auszuspenden. Wir glauben, da die Organisation der
Urkirche in Apostel, Propheten, Pastoren, Lehrer und Evangelisten
wiederhergestellt werden mu. Wir glauben an die Krfte und Gaben des
ewigen Evangeliums, als die Gaben des Glaubens, des Erkennens von
guten und bsen Geistern, der Weissagung, der Offenbarung, der
Gesichte, der Heilungen, des Redens in Zungen und des Verstndnisses
der Zungen, der Weisheit, Barmherzigkeit und Bruderliebe. Wir
glauben, da das Wort Gottes in der Bibel aufgezeichnet ist, glauben
aber, da es auch im Buche Mormon und allen andern guten Bchern sich
findet. Wir glauben alles, was Gott offenbart hat, und jetzt
offenbart, und wir glauben, da er in Betreff des gttlichen Reichs
und der Wiederkunft des Messias noch viele und groe Dinge offenbaren
wird. Wir glauben, da Israel buchstblich gesammelt werden wird, wir
glauben an die Wiederbringung der verlorenen zehn Stmme, an die
Aufrichtung Zions auf dem westlichen Festlande, an die tausendjhrige
Herrschaft Christi auf Erden und an die Verneuerung der Erde zu
paradiesischer Herrlichkeit. Wir glauben an die Auferstehung des
Leibes und da Gott die Todten nach Verlauf der tausend Jahre wieder
ins Leben rufen wird. Wir nehmen das Recht in Anspruch, Gott nach den
Eingebungen unsers Gewissens anzubeten und gestehen allen Menschen
das gleiche Recht zu. Wir glauben, den Knigen, Frsten, Herrschern
und Obrigkeiten Gehorsam und Ehrerbietung, den Gesetzen Folgeleistung
schuldig zu sein. Wir folgen der Ermahnung Pauli, wir glauben Alles,
wir hoffen Alles, wir haben sehr Vieles erduldet und hoffen Alles
erdulden zu knnen. Alles was lieblich ist, was wohllautet, dem
streben wir nach, indem wir unsern Blick auf den Tag der Vergeltung
richten. Aber ein Trger oder Fauler -- schliet das curiose Symbolum
pltzlich -- kann kein Christ sein und selig werden. Er ist eine
Drohne und bestimmt todtgestochen und aus dem Bienenkorbe geworfen zu
werden. --

Das sind nun die Umrisse der Mormonenlehre. Die Hauptsache kommt erst
zu Tage, wenn man die Interpretation derselben hrt. Leute von
schwachem Verstande und geringem Glauben erfahren nur diese im Ganzen
wenig anstigen Stze. Die Starken im Glauben aber entfernen sich
vom Christenthume beinahe vollstndig. Diesen wird in Bezug auf die
Bibel gelehrt, da die englische Uebersetzung, welche durch Knig
Jacob beschafft worden im Allgemeinen den richtigen Sinn der vom
heiligen Geiste dictirten Urschrift getroffen habe, aber mehrere
Verflschungen und Misverstndnisse enthalte. Diese sind nach den
Mormonen von Joseph dem Seher, dem der Schlssel zu allen Sprachen
verliehen war, berichtigt worden, und wir haben in Kurzem eine
Ausgabe der auf diesem Wege emendirten und vermehrten Bibel zu
erwarten. Eine Probe davon giebt Orson Hyde in jener Zeitung. Sie
betrifft gleich das erste Kapitel der Genesis, wo es (an die Kabbalah
anklingend) zu Anfang der Schpfungsgeschichte heien mu: der
Obergott brachte die Gtter hervor. Er berief sie dann zu einem Rathe
zusammen, der im Himmel gehalten wurde und wo sie sich ber die
Erschaffung der Welt besprachen.

Die Bibel gilt demnach als Grundbuch, nur mu sie einige wesentliche
Aenderungen erleiden. Niemand aber darf sie im bildlichen Sinne
auffassen. Der Inhalt ist allenthalben buchstblich zu nehmen; denn
Gott ist ehrlich, wenn er mit den Menschen redet und fern von aller
Wortspielerei und Doppelsinnigkeit. Allein das Wort Gottes findet
sich nach der Meinung der Mormonen nicht blos in der Bibel, sondern
unter andern heiligen Schriften vornehmlich auch im Buche Mormon und
dem Buche der Lehre und der Bndnisse, welches letztere aus einer
Abhandlung ber den Begriff Glauben von Sidney Rigdon und einer
Anzahl sogenannter Offenbarungen Gottes an Joseph Smith besteht.
Diese Bcher bilden mit der Bibel eine dreifache Schnur der
Kundgebungen Gottes auf Erden, eine Schnur, die noch fortgesponnen
wird, indem Smiths Nachfolger im Mittleramte noch von Tage zu Tage je
nach dem Bedrfnisse der Kirche Belehrungen und Gebote vom Himmel
empfngt. Dies ist nach der Behauptung der Mormonen die Ursache, da
sie der heidnischen Welt so weit an Kenntni und Verstndni der
gttlichen Dinge voraus sind. Eure Professoren und Doctoren, sagen
sie, knnen Euch nichts Neues von Bedeutung mehr lehren, uns dagegen
leitet der Herr durch seinen Offenbarer unaufhrlich zu hherer
Erkenntni. So kann man als unterscheidendes Merkmal ihrer Kirche das
setzen, da ihre Dogmatik stets eine nur provisorische, da ihr
Princip, wenn das Wort hier berhaupt eine Stelle hat, ein stetes
Imaginiren ins Blaue hinein, und da der Fels, auf den Joseph Smith
seine Kirche gebaut, jene angebliche Offenbarungsthtigkeit Gottes
ist, die unaufhrlich neue Sinnlosigkeit an die Stelle der alten
schiebt. Da dabei von einem Felsen nicht die Rede sein kann, und da
die Offenbarungen sich hufig widersprechen, ficht sie nicht an,
indem es sich ihnen aus den verschiedenen Umstnden erklrt, unter
welchen der Herr zu den Seinen redet.

Einem solchen Proteus lt sich nun schwer die rechte Gestalt
ablauschen, und daraus mag es sich der Leser erklren, wenn im
Folgenden Manches schwankt und in verschiedenen Farben schillert.

Wir betrachten zuvrderst die _Lehre der Mormonen von Gott_. Die
Gottheit ist nach den uns vorliegenden Quellen eine Dreieinigkeit
oder richtiger eine Einheit von zwei Personen. Gott Vater ist ein
vollkommener Mensch, aber in den Attributen seiner Natur, seinem
Glauben, seinem Wissen und seiner Kraft in Vergleich mit uns so
erhaben, da man ihn den Unendlichen nennen kann. Die Philosophen
unter den Mormonen wissen aber noch mehr. Sie kennen seinen Anfang,
und zwar nennen sie diesen Urgrund alles Seins das ewige
Evangelium. Die Art ihres Speculirens klingt hier bald an die
Schelling'sche Identittsphilosophie, bald an die Aeonenlehre der
Gnostiker an. Vor dem Anfang aller Dinge, sagen sie, gab es zwei
durch sich selbst existirende Principien: Verstand und Grundstoff,
Intelligenz und Leiblichkeit. Das Zusammenwirken derselben war das
Gesetz, durch welches die Urgtter entstanden. Wie der Obergott
wurde, lt der Prophet selbst dahingestellt. Er sagt darber blos,
da er sich nicht selbst habe schaffen knnen. Seine Nachfolger
drcken sich ber diesen schwierigen Punkt dahin aus, da in der
fernen Ewigkeit zwei Grundtheilchen der Materie ihre Intelligenz mit
einander verglichen und dann ein drittes Atom zur Berathung riefen,
worauf sie zu Einem Willen zusammengingen, der die erste Kraft war.
Als solche vereinigten sie mehr und mehr Atome mit einander, und
daraus erwuchs eine Flle von Kraft, die alle andern Atome in ihr
Gesetz zwang. Aus dieser Intelligenz (wir bersetzen die betreffende
Stelle wrtlich) wurde nach dem Gesetze ein Gott erzeugt, nicht
gemacht, und die brigen Gtter gingen aus ihm als Kinder hervor.
Durch das Gesetz der allgemeinen Ordnung wurde die Geschlechtlichkeit
als gleich ewig mit allem sittlichen Dasein und Leben gesetzt, und so
entstanden nicht nur Knige des Himmels, sondern auch Kniginnen.
Letztere wurden, mit den ersteren vermhlt, die Mtter anderer Gtter
und Geister, von denen jeder seine bestimmte Sphre im Universum
hat. Ein solcher Gott ist nun auch der, den wir zunchst verehren.
Die zweite Person der Gottheit ist der Sohn, Jesus Christus, geboren
von der Jungfrau Maria. Der ewige Vater stieg auf die Erde herab,
freiete sie durch seinen Heroldsengel Gabriel, Brutigam und Braut
trafen sich auf den Gefilden von Palstina, und das heilige Kind,
welches geboren wurde, war der Leibestempel (=tabernacle=) fr den
geistigen Sohn, und daraus wurde ein Gott. Der heilige Geist ist
der einig gehende Wille von Vater und Sohn, welcher allgemeine
Harmonie des Gedankens, Wissens und Seins durch ihr ganzes Reich
wirkt. Er unterscheidet sich von Gott dem Vater und Gott dem Sohne
dadurch, da er nur eine geistige Existenz hat, nie leiblich geworden
ist wie die anderen Gtter.

Wir knnten dieses Thema hiermit erledigt zu haben glauben, wenn das
Weitere nicht in genauem Zusammenhange mit den brigen Lehren der
Secte stnde, und wenn diese Lehren nicht dadurch an Wichtigkeit
gewnnen, da sich bereits Hunderttausende zu ihnen bekennen. So
fahren wir denn in der peinlichen Aufgabe mglichster Sichtung dieses
Wustes von Hirngespinnsten fort.

Wir haben gesehen, da es mehrere Gtter giebt, und da jeder
derselben vermhlt ist und Kinder ebenfalls gttlicher Art besitzt.
Wir haben ebenfalls gesehen, da jedem Gotte eine bestimmte Sphre im
Universum angewiesen ist. Hat derselbe nun diese Sphre, oder um
deutlicher zu sprechen, diesen Weltkrper mit seinen Kindern in dem
Grade bevlkert, da sein himmlisches Erbtheil zu klein wird, um sie
alle zu bewegen und zu nhren, so schafft er, um den Ueberschu
unterzubringen, einen neuen Stern, nach welchem die Geister der
jungen Gtter als Bewohner gesendet werden. Diese verehren dann ihren
Vater als Gott, gerade sowie dieser mit seinen Brdern im Universum
seinen Vater als Gott ehrt, und so fort zurck bis zum Ur- und
Hauptgotte, der im Centrum der Welt auf seinem Sterne Kolob thront.
So ist der Gott, den wir zunchst verehren, der Vater unserer Geister.

Um diese Materie oder vielmehr, um die Art, wie die Mormonen ber
diese Materie phantasiren, deutlicher zu machen, mssen wir dem Leser
zumuthen, dem folgenden Auszuge aus Orson Pratts Abhandlung ber die
Prexistenz des Menschen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Es heit
da:

Die Zahl der Shne und Tchter Gottes, welche vor der Schpfung
dieser Erde im Himmel geboren wurden, ist uns nicht bekannt. Sie mu
inde auerordentlich gro gewesen sein, wenn wir die ungeheure Menge
von Menschen betrachten, welche whrend der vergangenen sechs- oder
siebentausend Jahre vom Himmel gekommen sind, um unsern Planeten zu
bevlkern. Nehmen wir an, da whrend eines Jahrhunderts etwa tausend
Millionen Menschen auf Erden geboren werden und sterben, so wrde das
in sieben Jahrtausenden siebzigtausend Millionen geben. In der Urzeit
gab es nun zwar bedeutend weniger Menschen, whrend des
tausendjhrigen Reiches aber werden unzweifelhaft weit mehr als
gegenwrtig die Erde bewohnen. Siebzigtausend Millionen wre demnach
ungefhr die Zahl der Shne und Tchter Gottes, welche im Himmel
geboren und, weil sie sich in reinem Zustande erhielten, vom Vater
wrdig erfunden wurden, eine neue Welt zu bewohnen und dort, in
fleischlichen Leibestempeln, in einen zweiten Zustand einzugehen. Man
mu jedoch wissen, da diese siebzigtausend Millionen nur zwei
Drittel der groen gotterzeugten Geisterfamilie sind. Das letzte
Drittel verblieb nicht im Stande der Unschuld, sondern lehnte sich
auf und ward aus dem Familienkreise verstoen. Sie blieben aber
immerhin Gottes Kinder, und so beluft sich die Gesammtmenge der
letztern auf nicht weniger als hundertundfnftausend Millionen.

Die Zeit, welche zur Erziehung dieser Geister nthig war, mu
jedenfalls eine sehr lange gewesen sein. Einige der ltesten mssen
Millionen von Jahren in ihrem Urzustande gewesen sein, ehe sie in das
Erdenleben eingingen. Whrend dieser Periode haben sie unzweifelhaft
Gelegenheit gefunden, ber alle Gesetze des geistigen Daseins sich
aufs Grndlichste zu unterrichten. Indem sie bei ihrem Vater wohnten
und durch ihn in die Gemeinschaft der anderen Gtter, seiner Brder,
eingefhrt wurden, mute es ihnen leicht werden, sich die
gediegensten Kenntnisse anzueignen. Auf dieser Hochschule des Himmels
lernten sie wahrscheinlich vor Allem, woraus Welten geschaffen, wie
ihre Grundstoffe zusammengesetzt und wie sie regiert werden mten.
So viel sie aber auch Weisheit sammeln mochten, gab es doch etwas,
worber sie keine Belehrung empfangen konnten: sie konnten die
Gefhle und Empfindungen sich nicht aneignen, welche Geister haben,
wenn sie in Leibestempeln wohnen. Keine Sprache konnte ihnen davon
auch nur die entfernteste Vorstellung geben. Es wre gerade, wie wenn
man von einem Menschen, der in einem dunklen Kerker geboren und
erzogen worden, verlangen wollte, zu wissen, was das Sehen, was
Licht, was Grn, Blau, Roth oder Gelb sei. Diese Empfindungen konnten
die Geister nur durch Erfahrung kennen lernen. So knnen Geister in
einigen Dingen den hchsten Grad des Wissens erreichen, whrend sie
in andern vollkommen unwissend bleiben. Nun giebt es aber viele nur
durch sinnliche Wahrnehmung und Erfahrung zu erreichende Wahrheiten,
ohne deren Besitz ein intelligentes Wesen nicht vollkommen glcklich
sein kann, und daher ist es nothwendig, da jene Geister Fleisch und
Gebein anziehen und ein Menschenleben fhren. Diejenigen, welche sich
in ihrem ersten Zustande gehorsam bewiesen haben, bekommen Erlaubni
dazu; die, welche die Gesetze ihres Urzustandes verletzt haben,
mssen in der Unvollkommenheit bleiben.

Mit jener Rebellion im Himmel aber verhielt es sich folgendermaen.
Im Anfang der Zeiten hielten die Gtter unter dem Vorsitze ihres
Vaters einen Rath im Himmel. In demselben kam die Schpfung der Erde
zur Sprache, und da Gott den Sndenfall der Menschen voraussah, so
fragte er im Kreise seiner Shne unter denen sich die beiden ltesten
Christus und Lucifer, der Sohn des Morgens, befanden, wie dieselben
zu retten und zu erlsen sein wrden. Lucifer antwortete: Siehe,
sende mich hinab, ich will als Dein Sohn erscheinen und alle Menschen
erlsen, soda keine Seele verloren sein soll; darum gieb mir deine
Ehre! Christus aber, der Eingeborene und von Anfang Erwhlte,
erwiderte: Vater, Dein Wille geschehe, und Dein sei die Herrlichkeit
in Ewigkeit[3]. Gott der Vater beauftragte darauf Christum mit dem
Erlsungswerke, und dies verdro den Sohn des Morgens so sehr, da er
in offener Emprung gegen den gttlichen Willen ausbrach. Dabei ri
er ein Drittel der Shne und Tchter Gottes mit sich fort. Die andern
zwei Drittel aber kmpften unter der Anfhrung Michaels des Erzengels
mit ihm und seinen Schaaren, und das Ende dieses Kriegs im Himmel
war, da Satan, wie Lucifer jetzt hie, auf die inzwischen von den
Gttern geschaffene Erde hinabgeworfen wurde.

  [3] Nach einer andern Version versprach Lucifer den Menschen _in_
      seinen Snden zu erlsen, whrend Christus ihn _von_ seinen Snden
      erlsen wollte.

Unter den Zurckbleibenden waren viele, die whrend des Kampfes sich
parteilos verhalten und vielleicht sogar zu Satans Partei hingeneigt
hatten, deren Snden jedoch von der Art waren, da sie durch Glauben
an das zuknftige Leiden des Eingeborenen des Vaters und durch
aufrichtige Reue und Besserung Vergebung erlangen konnten. Wren alle
Zurckgebliebenen gleich treu und tapfer gewesen, woher sollte denn
der Unterschied zwischen den Menschen, in die sie spter verwandelt
wurden, kommen? Alle Geister sind, wenn sie auf Erden anlangen, um
einen Leibestempel zu beziehen, unschuldig, das heit, wenn sie im
vorherigen Leben Snde begangen haben, so haben sie dafr Bue gethan
und im Glauben an das Leiden des Lamms Vergebung erlangt. Was also
ihre Seelenreinheit anbetrifft, so betreten sie diese Welt vllig
gleich. Aber sie betreten sie unter verschiedenen Umstnden. Die eine
Classe kommt in die Leiblichkeit, wenn das Priesterthum und Reich
Gottes auf Erden herrscht, und hat deshalb Gelegenheit das Evangelium
zu hren und anzunehmen; Andere gelangen in Zeitaltern der Finsterni
in die Welt und werden in allerlei irrthmlichen Meinungen erzogen.
Einige Geister nehmen Leiber in Geschlechtern des auserwhlten Samens
an, durch den das Priesterthum fortgepflanzt wird; andere fahren in
die Leiber afrikanischer Neger oder in das Geschlecht Kanaans, dessen
Nachkommen der Fluch traf, nie unter die Priesterschaft aufgenommen
werden zu knnen. Wie kommt dies? Woher diese Ungleichheit, bei
welcher die Einen Lichter und Herrscher der Kirche werden und die
Flle der himmlischen Herrlichkeit erreichen, whrend die Andern in
aller Art von Ruchlosigkeit und Aberglauben erzogen werden, nicht
eher als im Gefngnisse nach dem Tode das Evangelium hren und es
nach der Auferstehung nicht zu himmlischer, sondern nur zu irdischer
Glorie bringen? Die Antwort ist, da die verschiedenen Umstnde,
unter welchen die Geister diese Erde betreten, ein Ergebni des
verschiedenen Verhaltens derselben im Urzustande vor diesem Leben
ist, ganz ebenso wie unser Zustand nach diesem Leben nach dem
Verhalten auf Erden bemessen sein wird.

Kehren wir aber in die Zeit vor und whrend der Schpfung der Erde
zurck, so war, nachdem Satan mit seinen Engeln besiegt und die Klage
um ihr Wehe, er ist gefallen, er ist gefallen, der Sohn des Morgens
verhallt war, das erste groe Werk der Gtter, die Geister auf die
neue Erde in Leiber von Fleisch und Gebein zu pflanzen, wo sie eine
zweite Reihe von Prfungen durchmachen und sich durch erfolgreiche
Bekmpfung des Bsen zu gleicher Herrlichkeit mit dem Vater
emporschwingen konnten. Der erste Leibestempel wurde aus dem Staube
des Erdbodens geschaffen, der erste Geist, der in einem Leibe wohnte,
war derjenige, welcher die Heerschaaren der Kinder Gottes gegen Satan
und die abgefallenen Geister angefhrt hatte und von der Schrift
Michael, der Alte der Tage mit Haaren wie Wolle genannt wird. Er
hie als Mensch Adam. Drei Jahre vor dem Tode Adams, sagt eine
Offenbarung Smiths, rief derselbe Seth, Enos, Kainan, Mahalaleel,
Jared, Enoch und Methuselah zu sich, welche Hohepriester waren, um
ihnen seinen letzten Segen zu ertheilen. Dies war im Thale
Adam-On-Diahman. Und der Herr erschien ihm und nannte ihn Michael,
den Frsten, den Erzengel. Und der Herr sprach Adam Trost zu und
sagte zu ihm: Ich habe Dich als das Haupt der Menschen gesetzt, eine
groe Zahl von Vlkern soll aus Dir hervorgehen, und Du sollst ihr
Frst sein ewiglich.

Die Uebersetzung der Bibel, die wir gebrauchen, ist nach Smiths
Erklrung ungenau. Erstens wurden Pflanzen und Thiere in der
Schpfungsperiode der sechs Tage nicht geschaffen, sondern nur
vorbereitet oder wie die Mormonen sich ausdrcken, geistig
geschaffen. Zweitens ruhte Gott am siebenten Tage nicht, sondern
schuf den Menschen leiblich, dann Eva und die Thiere. Drittens sind
unter den Tagen nicht unsere vierundzwanzigstndigen, sondern
Gottestage, die nach den Umdrehungen des Planeten Kolob gemessen
waren und tausend Jahre umfaten, zu verstehen. Als die Erde, die
Thiere und Pflanzen und alle Dinge vollendet waren, nannte der Herr
das Ganze sehr gut. Und so war es in der That. Das trockene Land
war eine einzige ungeheure Insel inmitten eines einzigen ungeheuren
Meeres. Es war eine schne Ebene mit sanft anschwellenden Hgeln und
lieblichen Thlern. Der Wechsel von Hitze und Klte, Trockenheit und
Nsse war regelmig und durchaus angenehm. Auf blumigen Auen
schwebte ein ser Duft und die ganze Schpfung hauchte Gesundheit,
Frieden und Freude. Der Mensch sprach Angesicht zu Angesicht mit Gott
und kannte gleich allen Thieren den Tod nicht. Ein Fluidum strmte
wie jetzt das Blut durch seine Adern, wodurch sein Leib vor dem
Vergehen bewahrt wurde.

Nun wuchs aber im Garten Eden ein Baum, dessen Frchte die
Eigenschaft hatten, dieses Fluidum zu verderben, es in sterbliches
Blut zu verwandeln. Adam, der bei seinem Eingehen ins Fleisch alles
sein frheres Wissen von Gut und Bse verloren hatte, lie sich vom
Satan verfhren, von dieser giftigen Frucht zu essen, und so verlor
er die Unsterblichkeit, tauschte aber durch seinen Fall ein Wissen
fr den Verlust ein, das Wissen nmlich von Schmerz, Leiden und Tod,
welches zu seiner Vollkommenheit nothwendig war, soda man sagen
kann, der Fall sei zugleich ein Steigen, der Verlust zugleich ein
Gewinn gewesen. Die Folgen allerdings waren zunchst trauriger Art,
und zwar nicht blos fr den Menschen, sondern auch fr die Erde.
Dieselbe seufzte mit dem ungehorsamen Paare unter ihrer Brde von
Disteln und Dornen, und die Snde zeugte andere Snde, bis der Herr
als Rcher und Reiniger auftrat, und allen Unrath mit Wasser von der
Erde schwemmte. Als Merk- und Denkmal dieser Katastrophe blieb die
Erde nach der noahischen Fluth in verschiedene Theile zerrissen,
zwischen die sich der Ocean drngte. Durch Christus wurde ein Versuch
gemacht, die Menschen und die Erde in ihre Ursprnglichkeit
zurckzufhren. Das verlorene Priesterthum wurde wiederhergestellt
und zwar zunchst auf dem stlichen und hiernach auf dem westlichen
Continente. Eine Flle gttlicher Krfte ward ausgegossen ber die
Menschheit. Allein dieser gottselige Zustand erhielt sich weder hier
noch dort. In Amerika kamen groe Strafgerichte, Erdbeben, Pestilenz
und Krieg ber die Abtrnnigen. In Asien und Europa gingen wenigstens
alle Charismata der urchristlichen Zeit verloren. Da endlich, im
Jahre 1827 erbarmte es den Herrn, und er verlieh dem von ihm
erweckten Propheten das Priesterthum der Ordnung Melchisedek aufs
Neue und beauftragte ihn, die rechte Kirche wieder aufzurichten und
die Welt dadurch vorzubereiten auf die Wiederkehr Jesu Christi und
sein tausendjhriges Reich, dessen Eintritt nahe bevorsteht.




Sechstes Kapitel.

Noch ein Wort ber die Natur des Menschen. -- Seelenwanderung und
Auferstehung. -- Die Gnadengaben und Gnadenmittel der erneuerten Kirche.
-- Die Art des Gottesdienstes in Deseret. -- Ein Mormonenconventikel in
Dayton. -- Die Priesterschaft Aarons und Melchisedeks.


Wir sind im Vorhergehenden vorzglich den Abhandlungen Orson Pratts
gefolgt, der als Hauptdogmatiker der Secte gilt und in der That nicht
ohne eine gewisse Begabung ist, auch ziemlich gute Kenntnisse in
verschiedenen Zweigen des Wissens zu besitzen scheint. Das schliet
inde nicht aus, da hin und wieder andere Mormonen abweichenden
Meinungen huldigen. So heit es denn z. B. in der letzten Predigt
Smiths, da der Mensch nicht geschaffen, sondern erzeugt sei, da
jeder Einzelne als Geist oder Gott im Himmel die Wahl habe, auf die
Erde herabzusteigen und durch Annahme eines Leibes sich grere
Herrlichkeit zu erwerben, als die himmlische. Wenn der Geist Besitz
von seinem Leibestempel nimmt, so entsteht ein Mensch oder eine
lebendige Seele. Diese ist eine Dualitt, zusammengesetzt aus
grberer Materie oder Leiblichkeit, und feinerer oder Geist.
Letzterer durchdringt und belebt die erstere. Er ist sterblichen
Augen nur durch ein Wunder sichtbar, der Schwerkraft nicht
unterworfen, und dennoch Materie. Er geht durch den Krper wie das
elektrische Fluidum durch die Erde. Er ist trotz seiner feineren
Natur doch substantieller und dauerhafter als der Leib, ja er ist
unsterblich wie Gott selbst. Der Tod scheidet ihn vom Krper nur zu
einem ntzlichen Zwecke; dann aber wacht der Geist ber jedes
Theilchen seines geliebten einstigen Wohnsitzes, bis das Werde der
Auferstehung ertnt, den Geist wieder mit dem Leibe bekleidet und den
Menschen auf diese Weise zum Gotte erhebt. Diese Gtter, in welche
die auferstandenen Frommen verwandelt werden, haben die Macht, fr
sich einen neuen Planeten zu schaffen und denselben zu bevlkern.
Dies wird als die Gewalt endloser Lebensspendung bezeichnet. Die
Ungehorsamen und Unglubigen dagegen werden im Himmel nur einer
geringen Herrlichkeit theilhaft werden, sie werden den himmlischen
Kniginnen die Schleppe tragen, Holzhacker, Schuhputzer, Kchenjungen
u. s. w. sein; denn die zuknftige Welt ist nur die verklrte
Wiederholung der jetzigen.

Ferner heit es im Widerspruche mit dem Obigen, Adam sei nach einer
Voraussehung Gottes oder nach einer nothwendigen Bestimmung der
Heilskonomie gefallen und habe den Apfel mit vollem Bewutsein der
daraus sich ergebenden Folgen gegessen. Es soll dies geschehen sein,
auf da knftighin sterbliche Leiber von Weibern geboren wrden, um
Wohnungen fr die Geister zu sein. Entspricht ein solcher vom Himmel
gestiegener Geist seiner Bestimmung nicht, kommt er den von ihm
gehegten Erwartungen nicht nach, besteht er die Prfungszeit nicht,
verscherzt er, wie der Kunstausdruck lautet, sein Erbe durch ble
Auffhrung, so wird ihm nach seinem Ableben ein geringerer
Leibestempel und eine niedrigere Daseinsstufe angewiesen. Ist er auch
auf dieser nicht gehorsam, so verbannt ihn Gott auf eine noch
niedrigere, und so fort, bis er sich fgt und zur Unterwerfung unter
das Gebot des Herrn zurckkehrt, worauf ihm gestattet wird, Grad fr
Grad wieder emporzuwachsen in die Herrlichkeit der Kinder Gottes.

Ein Beispiel dazu bildet die Geschichte, die einst mit einem ihrer
grten Heiligen sich ereignete. Er war in Zweifel verfallen und
dachte bereits an den Austritt aus der Kirche. Da erschien eines
Tages ein Bote aus der Hhe vor ihm und warnte ihn vor der Gefahr,
die ihm drohte. Es stehe ihm nmlich, sagte der Engel, nichts
Geringeres bevor, als ein baldiger Tod und nach diesem die Verbannung
seines Geistes in einen Negerkrper. Nur durch sofortige Umkehr auf
den rechten Weg knne er sich davor schtzen. Der fromme Mann
erschrak und ging in sich; denn ein Schwarzer kann nach ihrer Lehre,
wie erwhnt, nicht zum Priester geweiht werden, mu allerwrts, auch
jenseits eine dienende Stellung einnehmen und hat im Himmel nur auf
einen geringen Theil von Seligkeit und Herrlichkeit Anspruch. Er
stellt die tiefste Stufe der Menschheit dar. Bedeutend hher steht
die kupferfarbene Race. Die Rothhute sind nur auf Zeit zu der
unschnen Farbe verdammt, und der Tag wird kommen, wo sie, in ihre
Rechte wieder eingesetzt, wrdig sein werden ihrer Abkunft vom Samen
Abrahams. Sind diese Stufen der Erniedrigung nicht hinreichend, den
rebellischen Geist zur Umkehr zu veranlassen, so wird er in ein Thier
verwiesen, und so mag es nicht ungehrig sein, wenn ein tckisches
Pferd, ein bissiger Hund oder eine zornige Otter Einem zu Leibe geht,
sich zu erinnern, ob in der Bestie nicht vielleicht ein ungehorsamer
Geist seine Straf- und Prfungszeit verbt.

Mit dem Satan und seinen Engeln konnte ein solcher Reinigungsproce
nicht vorgenommen werden, da sie nicht in der Leiblichkeit
sndigten. Der einstige Sohn des Morgens ist nach den Mormonen
berhaupt nicht so schlimm, als er gemeiniglich angesehen wird. Er
besitzt noch gar manche seiner frheren nobeln Eigenschaften und ist
noch immer Miltons: =Archangel ruined and a perfect gentleman.= Die
Anekdoten inde, die unter den Heiligen ber diesen vollendeten
Gentleman umlaufen, wollen nicht recht zu unseren Begriffen von
einer wrdigen und anstndigen Haltung passen, ja er betrgt sich
bisweilen recht ungezogen und rpelhaft.

Sidney Rigdon, der wrdige Mitstifter der Secte, wute davon ein
nichts weniger als erbauliches Lied zu singen. Er lag eines Abends im
Bette und schlief, als ihn pltzlich eine so gewaltige Hand beim
Genick packte und schttelte, da er sofort inne wurde, wie er es mit
keiner irdischen Gewalt zu thun habe. Es war kein Geringerer, als
Seine hllische Majestt. Aber nicht zufrieden damit, den unseligen
Rigdon so unsanft geweckt zu haben, machte er sich nun daran, seinem
Opfer die Bettdecke wegzuziehen und es auf das Abscheulichste
durchzuprgeln. Dann ergriff er Ehren Rigdon bei den Fen, schleppte
ihn aus der Kammer und, unbekmmert darum, da das graue Haupt aufs
Jmmerlichste auf jede Stufe aufschlug, die Treppe hinab vor das
Haus, wo er ihn in den Rinnstein warf und sodann wie ein Dampf
verschwand. In dieser Weise mishandelte er Rigdon zwei Nchte
hindurch. Bse Zungen zwar wollten behaupten, es knnte eine
menschliche Hand im Spiele gewesen sein, etwa ein Schabernack
liebender Mormonenjngling. Aber diese Vermuthung wurde mit
spttischem Lcheln als ungereimt abgewiesen. Hatte man sich doch
nach dem ersten Male genau nach der Farbe der Haare, den
Gesichtszgen und anderen Erkennungszeichen, an denen Smith seine
Jnger den bsen Feind zu entdecken gelehrt, erkundigt, und stimmte
doch Rigdons Beschreibung bis in die geringsten Einzelheiten.

Der Krper der Auferstandenen wird vollkommen derselbe sein, den sie
im Leben hatten. Nur das Blut wird fehlen, wie es im Krper des
auferstandenen Christus fehlte, welcher das Vorbild aller Menschen
ist. Aber ganz so wie der Mensch gehen auch die Thiere und Pflanzen
einer Auferstehung und Erhebung in die himmlische Herrlichkeit
entgegen. Wenn die Welt erlst wird, so ist die Pflanzen- und
Thierschpfung in diesen Vorgang eingeschlossen; denn auch sie hatten
ja eine geistige Existenz vor der leiblichen auf Erden. Wenn die
Pflanze in den himmlischen Boden gesenkt wird, so zieht sie ihre
Nahrung aus demselben, und das Fluidum, das sie auf diese Art
einsaugt, circulirt durch die Poren und Zellen des Pflanzenleibes,
bewahrt denselben vor Verwitterung und Fulni und erzeugt einen
geistigen Samen, welcher gepflanzt zu einem geistigen Halme, Strauche
oder Baume erwchst, der sich darin von der vterlichen Pflanze
unterscheidet, da er keinen Leib hat. Diese geistigen Pflanzen oder
diese Pflanzengeister werden aus dem Himmel auf die Erde geschickt,
wo sie Leiblichkeit gewinnen und gleich den Thieren zu Nahrung fr
einen Theil der animalischen Schpfung werden. So sind denn --
schliet Orson Pratt diese treffliche Beweisfhrung -- die Geister
sowohl der Pflanzen als der Thiere Sprlinge mnnlicher und
weiblicher Aeltern, welche von den Todten auferweckt und mit der
Welt, auf der sie wohnten, aus einem gefallnen Zustande erlst worden
sind.

Hiermit mge unsere Blumenlese aus der Metaphysik der Mormonen
beschlossen sein. Ein Urtheil darber ist unnthig, und wir knnen
uns sofort zu begreiflicheren und nherliegenden Dingen wenden.

Die Gnadengaben, in deren Besitz die Latterday-Saints zu sein sich
rhmen, und deren Vorhandensein sie als eine Art Zeugni Gottes fr
die Wahrheit ihrer Lehre und die Echtheit ihrer Kirche ansehen,
bestehen, wie bereits bemerkt, in der Gabe der Weissagung (die indes
auf den Seher und Offenbarer beschrnkt ist), in Heilungen durch
Handauflegung, Austreibungen von bsen Geistern aus Besessenen, von
denen namentlich in Wales ganze Rudel -- beinahe so viele wie in
Weinsberg -- spukten, im Reden in Zungen und in der Deutung dieser
modernen Glossolalie. Diese Erscheinung, welche sich ber alle
Heiligen erstreckt, whrend die brigen sich auf die Priester
beschrnken, und welche auch bei anderen Secten Amerikas bisweilen
vorkommt, ist, wenn man die Erzhlung vom Pfingstwunder in der
Apostelgeschichte wrtlich nimmt, nicht dieselbe, welche die Jnger
befhigte, der vor ihrem Hause versammelten vielzngigen Menge in
verschiedenen Sprachen den Wahn zu benehmen, sie seien voll sen
Weines. Es ist vielmehr im besten Falle eine Art Stammeln,
Lallen oder Gurgeln ohne Sinn und Verstand, hervorgegangen aus
krankhafter Gemthsaufregung, zuweilen hnlich dem Phantasiren von
Fieberkranken, mitunter eine Folge unzusammenhngender englischer
oder indianischer Worte, hufiger aber ein bloes Ausstoen
willkrlich zusammengeworfener Vocale und Consonanten. Der in Zungen
Redende selbst wei nicht, was fr Ideen er damit ausgesprochen hat.
Aber Andere wissen es um so genauer, und oft erfhrt die erstaunte
Zuhrerschaft durch diese Dolmetscher die wundersamsten Dinge. Wie
man aber zu zweifeln Grund hat, da die Theologen der Secte in ihren
Schriften und Predigten immer ehrliche Phantasten gewesen sind und
nicht auch manchmal, ja hufiger absichtlich und zweckbewut den
Unsinn zusammengehuft haben, den wir bei ihnen finden, so wird auch
mit dem Reden in Zungen mancherlei Tuschung getrieben werden. Smith
liebte es, seine Predigten damit zu schmcken, und das Folgende
klingt fast wie eine Anweisung zum Betrgen. Wenn Jemand sich zum
Sprechen in der Gemeinde gedrungen fhlt -- sagt der Prophet --
aber keine Worte findet, die Gedanken seines Herzens auszudrcken,
so mu er sich getrost auf seine Fe erheben, sich im Glauben an
Christum anlehnen, seine Lippen ffnen und in irgend einer
beliebigen Tonart und Weise einen Gesang hren lassen. Der Geist des
Herrn wird es dann zur Rede machen und einen Dolmetscher dazu
schaffen.

Diese Verheiung erfllte sich bei der folgenden Anekdote, wenn auch
der Dolmetscher, den der Herr schaffte, nicht ganz genau das Rechte
getroffen haben drfte. In einer ihrer Versammlungen sprang ein vom
heiligen Geiste ergriffnes Weiblein auf, sprach in Zungen und schrie:
Melai, Melei, Meli! Dies wurde von einem jungen Manne, der in sich
die Gabe des Dolmetschers empfand, sofort mit: =My leg, my tigh, my
knee= (Mein Bein, mein Schenkel, mein Knie) bersetzt. Man forderte
ihn vor den hohen Rath und klagte ihn der Snde wider den heiligen
Geist an. Er blieb aber hartnckig bei seiner Behauptung, da seine
Deutung die richtige sei, und so mute man ihn ohne Strafe lassen.
Man ermahnte ihn inde, auf der Hut zu sein, da der Satan ihn nicht
in seinen Schlingen fange.

Von den Gnadenmitteln oder Sacramenten kennen die Mormonen nur Taufe
und Abendmahl. Die erstere mu durch Untertauchung des Tuflings
vollzogen und durch Handauflegung vollendet werden, sonst ist sie
eine leere Ceremonie. Sie hat ferner zu dem Zwecke der Vergebung der
Snden stattzufinden, ein Zweck, der bei der Handlung zu nennen ist.
Sodann hat nur die aus der Hand von Mormonenpriestern der Ordnung
Melchisedek empfangene Taufe die Wirkung eines Sacraments. Die
Kindertaufe wird verworfen. Man nimmt an, da der Mensch im achten
Lebensjahre zurechnungsfhig werde. Dann mssen die Eltern das Kind
taufen lassen.

Ein seltsames Seitenstck zu den Seelenmessen der katholischen Kirche
ist das mormonische Institut der Taufe fr die Verstorbenen. Die
Berechtigung zu dieser Ceremonie entnehmen sie aus einer Bibelstelle,
wo der Apostel nach der Auffassung der Mormonen die Frage aufwirft:
Was anders sollen die thun, welche fr die Todten getauft sind,
wofern die Todten nicht auferstehen? Warum dann sind sie fr die
Todten getauft? Joseph Smith behauptet darauf hin: Jedermann, der
einen Freund in der ewigen Welt hat, kann ihn erlsen, es wre denn,
da er die eine Snde begangen htte, die nicht vergeben wird. So
knnt Ihr sehen, wiefern Ihr Erlser sein knnt: denn der Apostel
sagt: Sie ohne uns vermgen nicht zur Vollkommenheit zu gelangen.

Das Nhere der Sache aber ist Folgendes: Die Mormonen glauben, da
Niemand ohne in gebhrender Weise getauft zu sein, in's Himmelreich
eingehen knne. Nun kann aber ein Heiliger den Wunsch hegen, auch
diejenigen seiner Freunde und Verwandten einst bei sich zu sehen,
welche entweder durch Ungunst der Umstnde oder weil sie das
Sacrament misachteten, ohne echte und wahre Taufe aus der Welt
gegangen sind. Dies wird dadurch erreicht, da sie sich
stellvertretend fr jene taufen lassen. Die Jenseitigen befinden sich
in einem Prfungszustande, hnlich dem Fegefeuer der Katholiken. Sie
haben bereut und Bue gethan und sehnen sich nach dem unerllichen
Ritus der Untertauchung in Wasser zur Vergebung der Snden. Daher
erwchst die Pflicht ihrer Verwandten auf Erden, sich dieser
Ceremonie fr sie zu unterziehen. Sie befriedigen damit den Wunsch
der Abgeschiedenen und erwerben sich zugleich das Verdienst, Mehrer
des Reichs Gottes zu sein. So geschieht es, da Einzelne wohl ein
Dutzend Mal getauft sind, einmal fr den Vater, dann fr die Mutter,
dann fr die Groltern, dann fr die unbekannten Vorfahren bis
hinauf zu dem Urahn, von dem man annimmt, da er noch in heiliger
priesterlicher Zeit gelebt habe. Andere wieder werden dabei von dem
Hinblicke auf die Macht geleitet, welche sie sich dadurch erwerben,
und so lassen sie sich auch fr Todte taufen, welche nicht zu ihrem
Geschlechte gehrt haben. Es heit nmlich, da alle die, welche von
dem Stellvertretend-Getauften auf diese Weise erlst worden sind,
knftig bei der Auferstehung zu dem Haushalte und Gefolge desselben
gehren werden. Derselbe, der auch als Pathe (=sponsor=) bezeichnet
wird, wird zuerst aus seinem Grabe steigen und dann thun wie Christus
vor der Gruft des Lazarus that, d. h. er wird jene aus dem
Todesschlafe rufen. Dann aber wird er als der Vornehmste unter ihnen
ber sie als Patriarch herrschen, und sein Rang unter den Gttern und
kniglichen Heiligen wird sich nach der Zahl derer richten, welche er
erlst hat.

Das heilige Abendmahl wird zur Erinnerung an den Leib und das Blut
des Sohnes genossen, auf das die Heiligen allezeit seiner eingedenk
seien und seine Gebote halten, und damit sie stets seinen Geist bei
sich haben. So wenigstens drckt sich das Buch Mormons aus. Brot und
Wein sind als Symbole zu gebrauchen wie in der reformirten Kirche.
Durch eine Offenbarung jedoch wurde es verboten, sich des von den
Heiden gebauten und gekelterten Weines zu bedienen (dies geschah
aber erst in Deseret und zwar zu einer Zeit, wo Wein, wie alle
anderen Luxusartikel, selbst Kaffee und Zucker, kaum zu bekommen war,
und die Offenbarung war nur ein Hilfsmittel, gewissenhafte Leute,
die es mit der Form der kirchlichen Ceremonien bis aufs Pnktchen
genau zu nehmen gewohnt waren, zu beschwichtigen), und so trinken die
Mormonen bis sie sich Wein von selbstgebauten Reben verschaffen
knnen, Wasser statt des Saftes der Traube. Denn es ist
gleichgiltig, was ihr essen und was ihr trinken werdet, wenn ihr das
Sacrament genieet; wenn ihr es nur so genieet, da ihr die Augen
blos auf meine Herrlichkeit richtet; darum so sollt ihr keinen Wein
trinken, es sei denn, er wre von euch selbst gekeltert, sagt jene
Offenbarung. Man feiert in Folge dessen die Communion in der Art, da
die Bischfe unter den Sonntags im Bethause Versammelten mit Brot und
einem Wasserkruge, woran ein Glas oder Blechbecher hngt, herumgehen
und Jedem auf seinem Sitze das Sacrament anbieten. Es ist Sitte,
dieses Anerbieten nicht abzulehnen, und so genieen die Mormonen das
Abendmahl alle Sonntage.

Nachdem hinreichende Zeit verflossen ist, um den Tempel in Zion zu
vollenden, knnen Taufen fr die Todten nur noch hier und in
Jerusalem (dem in Palstina) stattfinden. Im Hause des Herrn wird ein
gewaltiges Taufbecken aufgestellt werden; denn diese Taufe wurde vor
der Erschaffung der Welt eingesetzt, und anderswo, sagt der Lord
unser Gott, kann sie mir nicht wohlgefllig sein; denn in ihr sind
die Schlssel des heiligen Priesterthums verordnet, auf da ihr
empfanget Ehre und Herrlichkeit (=Book of Doctrine and Covenants=).
Der Tempel hat berhaupt in gewisser Beziehung sacramentale
Bedeutung, ja man kann nach der gewhnlichen Definition des Begriffs
Sacrament selbst das Wohnen in Deseret als eine Art Sacrament
betrachten. Die sechste allgemeine Epistel der Prsidentschaft an die
Heiligen in aller Welt fordert dieselben auf das Dringendste zur
Einwanderung nach ihrer wahren Heimat, zur Entrichtung des Zehnten
und zum Baue des Tempels auf. Es heit darin: Um fr einen
himmlischen Himmel vorbereitet zu sein, bedrfen sie eines irdischen
Himmels, und wenn Einige die Gnadenmittel sich verschaffen, ohne alle
die gebhrenden Zehnten entrichtet zu haben, so wird ihnen Jesus
einst erklren, da sie Diebe und Ruber sind, die einen anderen als
den verordneten Weg herangestiegen sind. Die Errichtung des Tempels
ist so nothwendig fr das allgemeine Heil, als die Taufe fr das Heil
des Einzelnen nothwendig ist. Die Stimme des guten Hirten aber ruft
fortwhrend: Kommt heim, alle ihr Heiligen!

Die Offenbarungen, welche der Seher von Gott durch seine Engel
empfngt, betreffen gegenwrtig nur die allgemeinen Angelegenheiten,
beziehen sich aber auf Weltliches sowohl wie auf Geistliches. Sie
werden aufgezeichnet, um im rechten Augenblicke der Kirche verkndet
zu werden, wenn die Brder fhig sind, sie zu ertragen; denn Viele
wrden sich verletzt fhlen und der Wahrheit den Rcken kehren, wenn
sie ihnen pltzlich auf ein Mal mitgetheilt wrde. Einzelne
empfangen Offenbarungen in Bezug auf ihre Privatangelegenheiten.
Diese sind durch Gebet in mchtigem Glauben zu erlangen, jedoch nur
wenn natrlicher Scharfsinn, verstrkt durch Flei und Nachdenken
nicht im Stande gewesen ist, die erforderliche Auskunft zu gewinnen;
denn wo Gott auf natrlichem Wege wirken kann, thut er kein Wunder.

Die Art, wie die Mormonen des Sonntags ihren Gottesdienst abhalten,
unterscheidet sich nicht sehr von der Weise der brigen Secten
Amerikas. Man findet sich zu bestimmter Stunde im Bethause ein. Der
vorsitzende Priester -- in Deseret gewhnlich der Seher -- erffnet
die Feier mit einem Segensspruche ber die Versammlung und ihr
frommes Beginnen. Dann wird ein Lied aus ihrem Hymnenbuche, und zwar
meist nach einer sehr lebhaften und heitern Melodie, gesungen. Dann
spricht irgend ein Priester ein Gebet, worauf wieder ein Gesang
folgt. Sodann predigt einer von den Priestern, der vorher damit
beauftragt worden ist, und hierauf lassen gewhnlich das eine und das
andere Gemeindeglied, vom Geiste zum Reden angeregt, allerlei
krzere Ermahnungen und Belehrungen hren. Den Schlu bilden
Vorlesungen von Verordnungen und Ankndigungen allgemein
interessanter Anordnungen in Betreff der ffentlichen Bauten, der
Steuerzahlungen, der Militairbungen u. a. m., welche der Schreiber
des hohen Raths vortrgt, wornach die Versammlung mit einem
Segensspruche entlassen wird.

Whrend die Gemeinde sich versammelt und ebenso whrend sie das
Gotteshaus verlt, spielt das Musikchor, welches sehr zahlreich und,
wie es heit, sehr gut eingebt ist, allerlei lustige Weisen, Mrsche
und Tnze, wodurch alle dsteren Gedanken vertrieben und die Gemther
heiter gestimmt werden. Da in Deseret sehr viele Waliser sind, von
denen die meisten nur unvollkommen, einige gar nicht englisch
verstehen, so wird die Hauptrede gemeiniglich von einem Dolmetscher
in wlscher Sprache wiederholt; auch erheitert in der Regel ein
wlsches Chor die Versammlung durch den Vortrag einer ihrer
wildromantischen seltsamen Melodien.

Da es bei ihren gottesdienstlichen Zusammenknften nicht immer
vollkommen geordnet zugeht, darf uns nicht Wunder nehmen. Das Reden
in Zungen lt sich nun einmal nicht zurckdrngen, und nicht selten
wird der Prediger durch ein derartiges verzcktes Geplapper
unterbrochen. Aehnliches kommt jedoch auch bei anderen Secten,
namentlich bei den Methodisten hufig vor. Da die Redner meist sehr
lange, nur bisweilen gut, hchst selten gewhlt sprechen, mu man
ihrer Bildungsstufe (die meisten waren ursprnglich Bauern oder
Handwerker) zu Gute halten. Eines aber verdient mit Recht Tadel --
die Mormonenprediger fluchen und verdammen von der Kanzel herab wie
die Landsknechte, und selbst Brigham Young wrzt seine Reden, wenn er
in's Feuer gerth, mit den gewaltigsten Flchen und Schwren.

Die Gemeinden auerhalb Deseret halten ihren Gottesdienst, wie sich
von selbst versteht in einfacherer Weise, auch kommen die kleineren
von ihnen selten regelmig zu Gebet und Predigt zusammen. In
Cincinnati, wo sich im Jahre 1851 eine Mormonengemeinde von etwa
zwlf Familien befand, wurde in den Monaten October bis December nur
drei Mal Gottesdienst gehalten, und die Zweiggemeinde in Dayton, aus
zwei Mnnern und drei Frauen bestehend, war bei unserem Besuche seit
einem halben Jahre nicht versammelt gewesen. Dieser unser Besuch aber
wurde fr den Vorsteher, den wackeren Schuster Winthrop Graves,
Veranlassung, seine Heerde wieder einmal zusammenzurufen und auf die
himmlische Weide zu fhren.

Wir trafen uns im Hause eines der Glubigen. Derselbe war Pchter
einer Farm und wohnte am Rande des Waldes in einem groen,
schwarzverrucherten Ziegelgebude, das mit einem unordentlichen
moosbewachsenen Zaune umgeben war. Die alten Eichen und Ahornbume,
welche das Haus umstanden und deren entlaubte Zweige fortwhrend aufs
Klglichste im Winde chzten, die Verfallenheit des Dachs und der
Mauern, der Charakter der Leere und Klte, den das Innere dieser
einsamen Wohnung trug, machten einen trbseligen, unbehaglichen, fast
unheimlichen Eindruck. Dem rmlichen, dsteren, grmlichen Wesen des
Hauses entsprach das Wesen seiner Bewohner. Der Mann war eine jener
hagern, schlotterigen Gestalten, wie sie in den Hinterwldern hufig
sind. Die Frau schien am Fieber zu leiden. Die Tochter, ein Mdchen
in den Jahren, wo Frauen sich in ihren Geburtstagen zu verrechnen
anfangen, schaute mit ihren gelben verwelkten Wangen und ihren
graugrnen Augen so theilnahmlos und so sauertpfisch in die Welt,
als habe sie Holzpfel gefrhstckt. Die einzige freundliche
Erscheinung war eine junge Witwe, die mit ihren feinen Manieren und
ihrer schnen Stimme einen eigenthmlichen Gegensatz zu dem
Geschilderten bildete. Wir hielten den Gottesdienst in der Kche,
die, wie beim gemeinen Mann in Amerika gewhnlich, zugleich Wohnstube
war. Der Schuhmacher schlug das Buch Mormon auf, legte es auf ein
Tischchen vor sich, sprach ein Gebet und hielt hierauf aus dem
Stegreif eine Rede, in welcher er die Grundzge des Glaubens der
Latterday-Saints auseinandersetzte, und die so wohlgefgt und an
einzelnen Stellen so schwungreich war, da mancher unsrer Pastoren
dabei htte lernen knnen. Die verdrielichen Mienen der vorhin
beschriebenen Drei begannen einen anderen Ausdruck zu gewinnen. Der
Mann schien seine Sorgen, die Frau ihr Fieber vergessen zu haben. Die
grnen Augen der Tochter blitzten von einem seltsamen Feuer, und als
nun ein Lied -- zu unserm Erstaunen nach der altbekannten Melodie:
Du, Du liegst mir am Herzen -- gesungen wurde, welches den Tod des
Propheten beklagte und die Leiden der Brder in der Wste schilderte,
hatte sich der ganzen Versammlung eine Aufregung bemchtigt, mit der
sie wie umgewandelt schien.

            =Weep, weep not for me, Zion,
            Rejoice now and sing ye aloud.
            Pray, pray, that Judahs fierce lion
            May quickly descend in a cloud.
              Haste, haste, o quickly descend in a cloud!=

            =To smite with a rod of his power,
            To lay Zions enemies low,
            While frowns on his countenance lower,
            They sink to perdition and woe.
              Yes, yes to perdition and woe!=[4]

  [4] D. h. Weine, weine nicht um mich, o Zion; juble nun und singe
      laut. Bete, bete, da Judas grimmer Leue herabsteige in einer
      Wolke. Eile, eile, o steig rasch herab in einer Wolke! Da er sie
      mit der Ruthe seiner Gewalt schlage, da er Zions Feinde
      darniederlege. Whrend sein Antlitz finsterblickend zrnt, sinken
      sie hinab in Verderben und Weh. Ja, sinken sie hinab in Verderben
      und Weh.

So sangen die Mormonen. Und immer hher steigerte sich die Inbrunst.
Die Wangen der Frauen rtheten sich, die Blicke der Mnner wurden
stolz und frhlich und immer frhlicher und stolzer, je mehr sie sich
durch die weitern Verse des Liedes an die glorreiche Geschichte der
Kirche erinnert fanden. Die junge Witwe sank auf die Knie und sprach
ein Gebet, welches unter anderen Umstnden selbst auf uns eine
ergreifende Wirkung gehabt haben wrde. Der Farmer folgte ihr in
rauherer, aber nicht weniger aufrichtiger Weise. Wir erwarteten ein
Reden in Zungen von der Tochter, aber die Witwe schnitt ihr die
Gelegenheit dazu ab, indem sie, glhend von schwrmerischem Feuer,
aufsprang und, dem Leiter des Meetings vorgreifend, mit wohltnender
Stimme in ein Triumphlied ausbrach, in welches alle Anwesenden nach
Krften einstimmten. Sie sangen:

        =The spirit of God like a fire is burning
        The latter day glory begins to come forth,
        The visions and blessings of old are returning,
        The angels are coming to visit the earth.
        We'll sing and we'll shout with the armies of heaven:
        Hosannah, Hosannah to God and the Lamb!
        Let glory to them in the highest be given.
        Henceforth and forever. Amen and Amen!=[5]

  [5] D. h. Der Geist Gottes brennt wie ein Feuer, die Herrlichkeit des
      tausendjhrigen Reichs beginnt offenbar zu werden, die Gesichte
      und Segnungen von ehedem kehren wieder, die Engel kommen, die Erde
      zu besuchen. Wir wollen singen und jauchzen, mit den Heeren des
      Himmels: Hosiannah, Hosiannah Gott und dem Lamme! Gebt ihnen die
      Ehre. Ehre sei ihnen in der Hhe fortan und in Ewigkeit. Amen,
      Amen.

Den Schlu bildete der Segen, von dem Schuhmacher gesprochen. Dann
aen die Brder und Schwestern mit einander, und wir entsinnen uns
nicht, whrend unsers Aufenthalts in Amerika frhlichere Gesichter
beisammen gesehen und ein liebevolleres Benehmen beobachtet zu haben,
als bei diesem einfachen Mahle. So verklrt und adelt das, was in den
Religionen die Religion ist, selbst den sinnlosesten Wahn, und so
geht neben der Truglist der Fhrer stets die redlichste Einfalt der
Massen her.

Den Schlu dieses Abschnitts mge ein Ueberblick ber die
_Kirchenverfassung des Mormonismus_ bilden. Dieselbe beruht im
Wesentlichen auf einer eigenthmlichen Ansicht vom Priesterthume.
Die Priesterschaft ist nach Joseph Smith und anderen Dogmatikern,
wie Peter Parley Pratt, Spencer und Orson Pratt, unbedingt
nothwendig zu einer Kirche, welche Anspruch darauf erhebt, die wahre
zu sein. Sie ist unmittelbar von Gott eingesetzt und zerfllt, wie
schon beilufig erwhnt wurde, in zwei Ordnungen, deren erste nach
dem geheimnivollen Freunde Abraham's, dem Priesterknige
Melchisedek benannt ist, whrend die zweite nach dem ersten
Hohenpriester Israels, Aaron, die aaronische, oder auch die
levitische heit.

Das Priesterthum der ersten Classe wurde nach dem Book of Doctrine
and Covenants im Anfange der Zeiten an Adam verliehen und von diesem
(man sieht, wir haben hier ein Anklingen an die katholische Lehre von
der Pneuma-Mittheilung vor uns) auf Noah, Abraham, David, Salomo
u. s. w. fortgepflanzt. Ihr Amt und ihre Gewalt ist mystischer Natur.
Sie hat die Schlssel zu allen geistlichen Segnungen in Hnden und
besitzt das Vorrecht, die Geheimnisse des Himmels zu empfangen, sich
das Jenseits ffnen zu lassen, und sich mit Gott dem Vater und Jesus
dem Mittler in Verbindung zu setzen.

Die Priesterschaft des aaronischen Ordens dagegen hat auf so hohe
Dinge keinen Anspruch; sie ist nur mit Besorgung der weltlichen
Angelegenheiten der Kirche betraut. Ursprnglich hie es
(wahrscheinlich um die Juden zum Eintritte in die Gemeinschaft der
Latterday-Saints geneigt zu machen), die Mitglieder dieser Classe
mten vom Stamme Levi sein. Da sich jedoch keine echten Leviten
finden wollten, so begngte man sich bis auf Weiteres mit Besetzung
der Stellen durch Nichtjuden. Wenn der Tempel fertig ist, werden aber
zahlreiche Leviten den Mormonen beitreten, und dann werden dieselben
auer den jetzt von der aaronischen Priesterschaft besorgten
Geschften wieder Auftrag erhalten, fr die tglichen Snden des
Volkes Thieropfer zu bringen.

Jede dieser beiden Classen der Mormonenpriesterschaft zerfllt nun
wieder in verschiedene Grade, die ihrerseits wiederum jeder seine
leitende Behrde oder seinen Vorsitzenden haben. Die Oberleitung der
gesammten Kirche liegt in den Hnden der Prsidentschaft. Diese
besteht aus dem Seher und zwei anderen Prsidenten, von denen
gegenwrtig nur der eine (Heber Kimball) in Deseret, der andere aber
(Francis Richards) die groe englische Zweigkirche leitend, in
Liverpool sich aufhlt. Dieses geistliche Triumvirat wird ein Abbild
der himmlischen Dreieinigkeit genannt, bisweilen auch als Nachahmung
des Regiments der christlichen Urkirche durch Petrus, Jakobus und
Johannes bezeichnet. Nach ihnen nimmt das Apostelcollegium (auch
schlechthin die Zwlfe geheien) die vornehmste Stelle ein, welches
ebenfalls dem Orden Melchisedek angehrt und das Recht oder die
Pflicht hat, Inspectionsreisen nach den neugegrndeten Gemeinden im
Auslande zu machen und ber dieselben den Vorsitz zu fhren. Unter
ihnen stehen die Hohenpriester, die Priester, die Aeltesten, die
Bischfe, die Lehrer und die Helfer oder Diakonen, sowie die drei
Siebzigercollegien, eine Erinnerung an die siebzig Sendboten, die
Jesus auer seinen zwlf Jngern zur Verbreitung der frohen Botschaft
whlte. Jeder Grad bildet ein vollstndiges Quorum oder Collegium,
um die Disciplin unter seinen Mitgliedern aufrecht zu erhalten und
die in seine Sphre fallenden Geschfte zu besorgen. Bei
auseinandergehenden Meinungen appellirt man an die nchst hhere
Classe, whrend die Gesammtheit der Kirchenglieder, in ein
Generalconcilium versammelt, die letzte Instanz bilden soll.

So wenigstens liest man im Buch der Lehre und der Bndnisse. In der
Wirklichkeit verhlt es sich damit anders, indem der Seher und seine
nchsten Vertrauten das Volk so kurzgefat am Gngelbande halten, da
von der Entscheidung einer streitigen Frage durch die Gemeinde ebenso
wenig als von einer Wahl der einflureichen Beamten die Rede sein
kann. Aus zwlf Hohenpriestern zusammengesetzt, steht der
Prsidentschaft ein hoher Rath zur Seite, in welchem jedes Mitglied
das Recht hat, seine Meinung hren zu lassen. Der Seher, welcher
prsidirt, nimmt davon an, was ihm gutdnkt, fat am Schlusse jeder
Sitzung das Vorgebrachte zusammen und giebt dann seine Entscheidung
ohne Rcksicht auf die Ansicht der Mehrheit des Rathes. Ein
derartiges Verfahren verstt in schroffster Weise gegen alles
Herkommen unter Englndern und Amerikanern. Dennoch hat es sich unter
der jetzigen Prsidentschaft noch nie ereignet, da Jemand es gewagt
htte, sein Misvergngen laut werden zu lassen, wenn der
Willensausdruck des Sehers anders ausfiel, als man gewnscht und
gerathen hatte.

Dieser hohe Rath ist aber dem Prsidenten der Kirche -- wir sagen,
_dem_ Prsidenten, da die beiden anderen der Energie Young's
gegenber bloe Scheinregenten sind -- Auge, Ohr und Hand. Seine
Mitglieder kundschaften alles, was auf dem Felde oder in der
Werkstatt, im Bethause oder im Familienkreise gesprochen wird oder
geschieht, mit dem Eifer und der Schlauheit von Spionen aus. So wie
irgend eine neue Meinung auftaucht, so wie irgendwo ein verdchtiger
Plan laut wird, bringt ihn sicher eines der Mitglieder jenes Rathes
in der Versammlung vor, und es werden sofort die geeigneten Maregeln
zur Unterdrckung der misliebigen Neuerung getroffen. Der Urheber
derselben wird als unruhiger Kopf vorgemerkt, und ehe er sichs
versieht, verliert er den Boden unter den Fen. Kein Wunder daher,
da viele unter den Bewohnern Deserets, welche die Canle nicht
kennen, durch welche dem Oberhaupte der Kirche Kunde von allen
Vorgngen zustrmt, dem Bruder Brigham eine Art Allwissenheit
zuschreiben und in Folge dessen mit scheuer Ehrfurcht zu ihm
aufblicken.

Die Propheten der Mormonen gehen aus allen Graden der Priesterschaft
hervor. Im Hauptquartier der Secte residirt ein Patriarch, der
besondern Kirchengliedern den Segen nach der Weise Jakob's und
seiner zwlf Shne und nach der Israels auf dem Krankenbette zu
ertheilen hat. Der Bischofstitel hat bei den Mormonen nicht die hohe
Bedeutung wie in anderen Kirchen. Die Bischfe gehren zu der
aaronischen Priesterschaft oder den Leviten. Jeder Nachkomme Levi's,
der den Latterday-Saints beitritt, hat gesetzlichen Anspruch auf
dieses Amt, und zwar kann derselbe dann unabhngig, ohne beigesetzte
Rthe fungiren. Findet sich kein solcher, so kann einer der Priester
mit den bischflichen Geschften beauftragt werden. Diese bestehen
vornehmlich in der Beaufsichtigung der Zehnten-Arbeit, in Einsammlung
des Zehnten, mag er nun in Naturallieferungen oder in einem
Geldquivalent eingeliefert werden, in der Verwaltung der Magazine
und -- so war es wenigstens whrend der ersten Jahre der Ansiedelung
in Deseret -- in der Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten
untergeordneter Art.

Der Beruf eines Apostels besteht auer der Stiftung und
Beaufsichtigung der auswrtigen Gemeinden in der Taufe, in der Weihe
anderer Priester, in der Confirmation der Getauften durch
Handauflegung, in Lehre, Schriftdeutung und Ermahnung und in der
Leitung gottesdienstlicher Versammlungen. Wofern kein Apostel da ist,
fallen diese Befugnisse dem Hohenpriester zu. Fehlt auch dieser, so
bernimmt sie ein Aeltester. Ist auch kein Aeltester vorhanden, so
vertritt ihn als Fhrer der Gemeinde ein Priester, dem, wenn der
Aelteste zugegen ist, lediglich das Taufen und Predigen sowie der
Besuch bei den einzelnen Gemeindegliedern zum Behufe huslicher
Erbauung obliegt. Die Pflicht der Lehrer ist stete Wachsamkeit, damit
keine Ungerechtigkeit, keine Hrte, kein Lgen und Verleumden
berhand nimmt und die Gemeinde sich fleiig vor Gott versammelt,
sowie den gebhrenden Zehnten entrichtet von allem, was sie hat. Der
Lehrer darf in Abwesenheit von Mitgliedern hherer Grade auch die
Leitung frommer Versammlungen bernehmen und ist in Erfllung seiner
Obliegenheiten von den Diakonen zu untersttzen; doch ist weder er
noch einer der letzteren befugt zur Ausspendung der Sacramente oder
zur Handauflegung.

Ein solcher Fall tritt aber nur bei sehr schwachen Gemeinden ein, da
die Hupter der Secte, der malosen Titelsucht der Amerikaner
Rechnung tragend, mit der Verleihung von Graden und Befrderungen
uerst freigebig sind. In Cincinnati z. B. war ein hoher Priester,
der, irren wir nicht, seines Zeichens Schneidergesell war. Sein
College, der sich Bischof nannte, nhrte sich im profanen Leben durch
einen Handel mit Hausmitteln und Wunderpillen. Unter der dreiig bis
vierzig Kpfe starken Gemeinde waren also, die bloen Priester und
Aeltesten ungerechnet, zwei hohe Wrdentrger, und ein hnliches
Verhltni fand in St. Louis statt, wo wir eine Gemeinde von ber
tausend Seelen trafen.

Ein eigenthmlicher und ziemlich bezeichnender Zug ist die
Verbindung, in welche Smith seine Priesterschaft mit der
Freimaurerei setzte. Er lehrte, da die knigliche Kunst
ursprnglich ein kirchliches Institut gewesen sei, bestimmt, die
tiefer liegenden Geheimnisse des Evangeliums, seine esoterische
Lehre fortzupflanzen und zu deuten. Er behauptete ferner, da dieses
Institut mit der Abnahme wahrer Frmmigkeit in der christlichen
Kirche ebenfalls in Verfall gerathen sei, und gab endlich vor, da
ein Engel ihm die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangenen
wahren Zeichen, Griffe und Worte der verschiedenen Grade des Bundes
wieder mitgetheilt habe, und da er deshalb, als er in die Logen von
Illinois getreten, mit der rechten Art zu arbeiten vertrauter
gewesen sei als die am Weitesten Vorgeschrittenen. Die Grologe des
Staates freilich war darber anderer Ansicht und untersagte ihm
wegen ungebhrender Anmaung und Ignoranz das Betreten der unter ihr
stehenden Bauhtten. Aber Smith erklrte dies fr eine Handlung des
Neides und stiftete nun selbst in Nauvoo eine Loge, die in
Neujerusalem fortgesetzt wurde und einst ihre Werksttte im Tempel
selbst haben wird. Die Priester gehren verschiedenen masonischen
Graden an. Den besonders Glubigen wird raschere Befrderung zu
Theil. Laue und Solche, die in Entrichtung des Zehnten lssig sind,
mssen zurckstehen. Bei der Grundsteinlegung zum Tempel sowie bei
seiner dereinstigen Einweihung wird die Freimaurerbrderschaft eine
hervorragende Rolle spielen.

Als Nachtrag sei noch bemerkt, da es einst auch Priesterinnen geben
wird, da ferner dieselben zugleich in gewisse Grade der Freimaurerei
eingeweiht werden sollen, und da endlich die Berichte, als wrde die
gesammte Priesterschaft der Mormonen von den Laien ernhrt, auf einem
Misverstndnisse beruhen, indem nur ein Theil der obersten Grade von
dem Zehnten des Vermgens neueintretender Kirchenglieder und dem von
allem Verdienst erhobenen Zehnten Antheile empfangen, dafr aber mit
Geschften aller Art berhuft sind, von denen viele der Gemeinschaft
wirklichen Nutzen schaffen. Die Zukunft der mormonischen
Priesterschaft aber ist eine ungeheure. Auer den Orden Melchisedek
und Aaron giebt es (das stimmt allerdings nicht recht mit dem oben
mitgetheilten Glaubensbekenntnisse) durchaus keine von Gott
anerkannte Gewalt auf Erden, und Knige, Frsten, Herrscher,
Prsidenten, Gouverneure, Obrigkeiten sind, wofern sie nicht
gesetzlich geweiht, und mit der Vollmacht jenes Priesterthums des
Sohnes Gottes bekleidet sind, als Usurpatoren zu betrachten -- und,
drfen wir hinzusetzen, nur so lange auf Thron oder Tribune zu
dulden, als sie die Uebermacht fr sich haben.




Siebentes Kapitel.

Die Vielweiberei der Mormonen, ihre Rechtfertigung und ihre Ausbung.
-- Auch Christus war mit drei Frauen vermhlt. -- Verheirathete und
Versiegelte. -- Die Adoptivshne Brigham Youngs.


Schon seit geraumer Zeit wurde von den Mormonen berichtet, sie, oder
wenigstens einige von ihnen lebten in Deseret in Vielweiberei. Dieser
Vorwurf wurde von ihnen fortwhrend in Abrede gestellt, und es schien
in der That unbegreiflich, wie in einer neugegrndeten Colonie die
Hhnerehe mglich sein solle, da die Statistik nachweist, da in
derartigen Niederlassungen die Zahl der Mnner betrchtlich grer
als die der Frauen ist. Allein die Berichte waren aus guter Hand,
neuere Reisende erzhlten, wie man in Neujerusalem selbst die
Thatsache nicht mehr verhehle, da viele Mormonen und namentlich die
Hupter der Secte zahlreich besetzte Harems haben, und da man
demnchst sich offen und ungescheut vor aller Welt zur Polygamie
bekennen werde. Dies geschah denn auch im Jahre 1853, wo Orson Pratt
in seinem zu Washington erscheinenden Seer eine ausfhrliche
Vertheidigung der Pluralitt oder himmlischen Vermhlung, wie man
das Institut euphemistisch genannt, verffentlichte.

Allein schon zehn Jahre vorher hatte Joseph Smith eine Offenbarung
gehabt, in welcher ihm Jehova die Vielweiberei unter seinem Volke
einzufhren gebot, und die Anklagen, welche gegen den Propheten von
Nauvoo laut geworden waren, hatten ihre vollkommene Richtigkeit
gehabt. Wir theilen jene Offenbarung, die bis jetzt geheim gehalten
wurde, als ein Beispiel des kunterbunten Styls, in welchem der
Mormonengott redet, in einem ausfhrlichen, nur die eigenen Worte des
Propheten enthaltenden Auszuge mit. Sie wurde Smith am 12. Juli 1843
ertheilt, ist in Nummer 1 der ebengenannten Wochenschrift Pratts
abgedruckt und lautet wie folgt:

Wahrlich, so spricht der Herr zu meinem Knechte Joseph, da Du von
mir zu erfahren gewnscht hast, worin ich der Herr meine Knechte
Abraham, Isaak und Jakob, desgleichen Moses, David und Salomo, meine
Knechte, in Betreff des Grundsatzes und der Lehre, da sie mehrere
Weiber und Beischlferinnen gehabt, gerechtfertigt habe: siehe, so
will ich der Herr dein Gott Dir in dieser Sache antworten. Darum so
bereite Dein Herz, um die Unterweisungen, die ich Dir zu geben im
Begriffe bin, zu vernehmen und ihnen zu gehorchen; denn alle, welchen
dieses Gesetz offenbart wird, mssen ihm gehorchen. Denn siehe, ich
offenbare Dir einen neuen und ewigen Bund, und wenn Du diesen Bund
nicht hltst, so bist Du verdammt; denn Niemand kann diesen Bund
verwerfen und in meine Herrlichkeit eingehen. Denn alle, welche einen
Segen aus meiner Hand empfangen wollen, sollen dem Gesetze nach
leben, welches fr diesen Segen bestimmt war, und die Bedingungen
erfllen, welche festgestellt wurden vor Erschaffung der Welt, und
welche zu dem neuen und ewigen Bunde gehren. Das Gesetz wurde
gegeben, damit meine Herrlichkeit vollkommen werde, und der, welcher
dasselbe in seiner Flle empfngt, mu und soll dem Gesetze
nachkommen, oder er wird verdammt, sagt Gott der Herr.

Und wahrlich, ich sage euch, da die Bedingungen dieses Gesetzes
folgende sind: Alle Bndnisse, Vertrge, Zusagen, Verpflichtungen,
Eide, Gelbde, Verbindungen, Vereinigungen oder Erwartungen, die
nicht vom heiligen Geiste der Verheiung, dem Geiste dessen, der
gesalbt ist, gemacht, eingegangen und besiegelt sind fr Zeit und
Ewigkeit durch Offenbarung und Gebot, durch Vermittelung eines
Gesalbten, den ich bestimmt habe, auf Erden diese Gewalt zu haben
(und zwar habe ich meinem Knechte Joseph diese Gewalt bertragen, und
es ist immer nur einer auf einmal auf Erden, dem die Gewalt und die
Schlssel des Priesterthums bergeben sind), sind ungiltig und
unkrftig in und nach der Auferstehung der Todten. Denn alle
Vertrge, die nicht zu diesem Zwecke geschlossen sind, haben ein
Ende, wenn der Mensch todt ist.

Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, sagt Gott der Herr und
nicht ein Haus der Verwirrung. Werde ich ein Opfer annehmen, sagt der
Herr, welches nicht in meinem Namen gebracht wird? Oder werde ich aus
euren Hnden annehmen, was ich nicht bestimmt habe? Und werde ich
euch, sagt der Herr, etwas anders als durch das Gesetz bestimmen,
welches ich und mein Vater euch verordnete, ehe denn die Welt war?
Ich bin der Herr dein Gott, und ich gebe dir dieses Gebot, da
Niemand zum Vater kommen soll als durch mich oder durch mein Wort,
welches mein Gesetz ist, sagt der Herr; und alles, was in der Welt
eingesetzt ist, sei es nun von Thronen, Frstenthmern oder Gewalten
irgend welcher Art verordnet, soll, wenn es nicht durch mich, oder
durch mein Wort geweiht ist, umgeworfen werden und in und nach der
Auferstehung aufhren, sagt der Herr dein Gott. Denn was da brig
bleibet, ist durch mich, und was nicht von mir ist, soll erschttert
und vernichtet werden.

Darum so ein Mann sich in der Welt ein Weib nimmt und sie nicht durch
mich und mein Wort heirathet, und er mit ihr ein Bndni eingeht auf
so lange, als er in der Welt ist, und sie mit ihm, so ist ihr Ehebund
ohne Kraft, wenn sie todt sind und wenn sie aus der Welt sind. Darum
so sind sie durch kein Gesetz gebunden, wenn sie aus der Welt sind.
Darum, wenn sie aus der Welt sind, so freien sie nicht, noch lassen
sie sich freien, sondern sind wie die Engel im Himmel, welche Engel
dienende Geister sind, die zu bedienen, welche einer weit greren,
hheren und ewigen Herrlichkeit wrdig befunden worden sind. Denn
diese Engel gehorchten meinem Gesetze nicht; deshalb kann ihre Zahl
nicht vermehrt werden, sondern sie bleiben fr sich und
unverheirathet, ohne Erhhung in ihrem erlsten Zustande in alle
Ewigkeit, und sind fortan keine Gtter, sondern Engel Gottes ewiglich.

Und wiederum, wahrlich ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nimmt
durch mein Wort, welches mein Gesetz ist, und durch den neuen und
ewigen Bund, und wenn es ihnen besiegelt wird durch den heiligen
Geist der Verheiung, durch ihn, welcher gesalbt ist, dem ich diese
Gewalt und die Schlssel dieses Priesterthums bertragen habe, so
soll zu ihnen gesagt werden, ihr sollt in der ersten Auferstehung
hervorgehen, und wenn es nach der ersten Auferstehung ist, in der
nchsten Auferstehung, und sollt ererben Throne, Knigreiche,
Frstenthmer, Gewalten und Herrschaften, alle Hhen und Tiefen. Dann
soll es in des Lammes Buch des Lebens geschrieben werden, da er
keinen Mord begehen und kein unschuldiges Blut vergieen soll. Und
wenn sie meinem Bunde gehorsam sind und kein unschuldiges Blut
vergieen, so sollen sie die Engel und die Gtter bertreffen an
Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, welche in einer Kraftflle und in
ewiger Fortpflanzung ihres Samens bestehen soll. Dann werden sie
Gtter sein, weil sie kein Ende haben. Darum sollen sie von Ewigkeit
zu Ewigkeit sein, weil sie fortdauern; dann sollen sie ber Allen
sein, weil alle Dinge ihnen unterworfen sind. Dann sollen sie Gtter
sein, weil sie alle Macht haben und die Engel ihnen unterthan sind.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nach
meinem Worte nimmt und sie durch den heiligen Geist der Verheiung
nach meiner Verordnung versiegelt sind, so werden sie, mgen sie auch
alle Snde und Uebertretung begehen und allerlei Gotteslsterung,
ausgenommen Mord und Vergieung unschuldigen Blutes, dennoch in der
ersten Auferstehung hervorgehen und erhhet werden; aber sie sollen
im Fleische vertilgt und dem Teufel bergeben werden bis auf den Tag
der Erlsung, sagt Gott der Herr.

Ich bin der Herr dein Gott und will dir das Gesetz meines heiligen
Priesterthums mittheilen, wie es von mir und meinem Vater verordnet
worden ist, ehe denn die Welt war. Abraham empfing alles, was er
empfing, durch Offenbarung und Gehei meines Wortes, sagt der Herr,
und ist in seine Erhhung eingegangen und sitzt auf seinem Throne.
Gott gebot Abraham und Sarah gab Hagar dem Abraham zum Weibe. Und
warum that sie dies? Weil es Gesetz war, und aus Hagar entsprangen
viele Vlker. Das war darum Erfllung der Verheiungen. War Abraham
deshalb zu verdammen? Wahrlich ich sage euch: Nein, denn ich der Herr
gebot es. Abraham wurde befohlen, seinen Sohn Isaak zu opfern, obwohl
geschrieben stand: Du sollst nicht tdten. Abraham aber weigerte sich
nicht, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Abraham nahm
sich Beischlferinnen und sie gebaren ihm Kinder, und es wurde ihm
zur Gerechtigkeit angerechnet, weil sie ihm gegeben wurden und er
meinem Gesetze nach lebte, wie auch Isaak und Jakob, die nichts
anders thaten, als was ihnen geboten wurde. Sie sind erhhet worden
nach der Verheiung und sitzen auf Thronen und sind nicht Engel,
sondern Gtter. Auch David nahm viele Weiber und Kebsweiber,
desgleichen Salomo, und Moses mein Knecht und andere meiner Knechte
vom Anfange der Welt an.

Ich bin der Herr dein Gott und ich gab Dir, mein Knecht Joseph, den
Auftrag, alle Dinge wiederherzustellen. Bitte, was Du willst, und es
soll Dir gegeben werden nach meinem Worte. Und da du mich in Betreff
des Ehebruchs gefragt hast, wahrlich, wahrlich, so sage ich dir, wenn
ein Mann ein Weib nimmt nach dem neuen und ewigen Bunde und sie mit
einem andern Manne Umgang pflegt und ich habe es ihr nicht gestattet
durch meinen heiligen Gesalbten, so hat sie die Ehe gebrochen und
soll vertilgt werden. Und wenn sie dem neuen und ewigen Bunde nicht
angehrt und mit einem andern Manne Umgang hat, so hat sie ebenfalls
die Ehe gebrochen; und wenn ihr Gatte mit einer andern Frau Umgang
pflegt, so hat er sein Gelbde verletzt und Ehebruch begangen. Und
wenn sie nicht Ehebruch begangen hat, sondern unschuldig ist, und sie
es wei, und ich es Dir, mein Knecht Joseph offenbare, so sollst Du
durch die Gewalt meines heiligen Priesterthums die Macht haben, sie
zu nehmen und dem zu geben, der keines Ehebruchs schuldig ist.

Und wahrlich, wahrlich ich sage Dir, was Du versiegelst auf Erden,
soll im Himmel versiegelt sein, und was Du bindest auf Erden in
meinem Namen und durch mein Wort, das soll auf ewig im Himmel
gebunden sein, und welche Snden Du erlssest auf Erden, die sollen
ewiglich erlassen sein im Himmel, und welchem Du die Snde behltst
auf Erden, dem sollen sie im Himmel behalten sein. Wen du segnest,
den will ich segnen, und wem du fluchest, dem will ich fluchen,
spricht der Herr; denn ich der Herr bin Dein Gott.

Wahrlich ich sage dir, ich gebe ein Gebot meiner Magd Emma Smith,
Deiner Ehefrau, welche ich Dir verliehen habe, da sie sich enthalte
und nicht geniee, was ich Dich ihr anbieten lie. Denn ich that es,
sagt der Herr, um Euch zu prfen, wie ich mit Abraham that. Und la
meine Magd Emma Smith freundlich aufnehmen alle, die meinem Knechte
Joseph verliehen sind, und welche tugendhaft und rein vor mir sind.
Und die, welche sich fr rein ausgegeben haben, und nicht rein sind,
sollen untergehen. Und ich gebiete meiner Magd Emma Smith, bei meinem
Knechte Joseph zu wohnen und ihm anzuhngen und keinem Andern. Wenn
sie aber diesem Befehle nicht gehorcht, so soll sie vertilgt werden.
Denn ich bin der Herr Dein Gott, und will sie wegen ihrer
Uebertretung meines Gesetzes vertilgen. Wenn sie aber diesem Geheie
nicht folgen will, so soll mein Knecht Joseph alles fr sie thun, wie
er gesagt hat, und ich will ihn segnen und mehren, und ihm geben
hundertfltig in dieser Welt, Vater und Mtter, Brder und
Schwestern, Huser und Lndereien, Weiber und Kinder und Kronen des
ewigen Lebens in jener Welt. Und wiederum, wahrlich ich sage euch,
lasset meine Magd Emma Smith meinem Knechte Joseph vergeben seine
Schuld, dann soll ihr ihre Schuld vergeben werden, mit der sie sich
gegen mich versndigt hat, und ich der Herr dein Gott will sie segnen
und sie mehren und machen da ihr Herz jubelt.

Die letzten Stze gehen darauf, da die Frau des Propheten, seiner
Untreue berdrssig, sich von ihm zu trennen und mit einem Andern zu
verheirathen wnschte und bereits das Haus Smiths verlassen hatte.
Der Kernpunkt der Offenbarung aber liegt in den Paragraphen 23 bis
25, welche den Schlu bilden, und wo Jehova sich folgendermaen
vernehmen lt:

Wahrlich, wenn Jemand von meinem Vater berufen ist, wie Aaron war,
durch meine Stimme und durch die Stimme dessen, der mich gesandt hat,
und ich ihn mit den Schlsseln der Macht dieses Priesterthums belehnt
habe, so mag er in meinem Namen und nach meinem Gesetze und Worte
Alles thun, er wird keine Snde begehen, und ich werde ihn
rechtfertigen. Greife darum Niemand meinen Knecht Joseph an. Denn ich
will ihn rechtfertigen, denn er soll das Opfer, das ihm mglich ist,
fr seine Uebertretung darbringen, sagt der Herr, euer Gott.

Und abermals, was das Gesetz des Priesterthums betrifft, wenn Jemand
eine Jungfrau heirathet und begehrt eine andere zu freien, und die
erste giebt ihr Einwilligung, und wenn er die zweite heirathet und
sie Jungfrauen sind und haben sich keinem Andern verlobt, so ist er
gerechtfertigt. Er kann keinen Ehebruch begehen; denn sie sind ihm
gegeben. Denn er kann nicht Ehe brechen mit dem, das ihm gehrt und
keinem Andern. Und wenn ihm durch dieses Gesetz auch zehn Jungfrauen
verliehen wrden, so kann er doch keinen Ehebruch begehen; denn sie
gehren ihm und sind ihm gegeben, und darum ist er gerechtfertigt.
Wenn aber eine oder die andere von den zehn Jungfrauen, nachdem sie
ihm vermhlt ist, mit einem andern Manne Umgang pflegt, so hat sie
die Ehe gebrochen und soll vertilgt werden. Denn sie sind ihm
gegeben, da er sich mehre und die Erde flle nach meinem Gebote, und
die Verheiung wahr mache, welche von meinem Vater vor Erschaffung
der Welt gegeben wurde, und zu ihrer Erhhung in der ewigen Welt, auf
da sie die Seelen der Menschen unterm Herzen tragen; denn hierin
wird das Werk meines Vaters fortgesetzt, da er verherrlicht werde.

Und abermals, wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn Jemand, der die
Schlssel dieses Priesterthums hat, ein Weib besitzt, und er lehrt
ihr das Gesetz meines Priesterthums in Betreff dieser Dinge, so soll
sie ihm glauben und ihm dienen, oder sie soll vertilgt werden, sagt
der Herr euer Gott. Denn ich will sie vertilgen und meinen Namen
verherrlichen an allen, welche mein Gesetz annehmen und ihm gehorsam
sind. Darum so soll es Gesetz sein, wenn sie dieses Gebot nicht
annimmt, soll er es annehmen, alles, was ich, der Herr, ihm geben
werde. Und sie wird dann zur Uebertreterin und ist ausgeschlossen vom
Gesetze Sarahs, welche Abraham diente nach dem Gesetze, als ich
Abraham gebot Hagar zum Weibe zu nehmen. Und nun, was dieses Gesetz
anbelangt, wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ich will euch spter
mehr noch offenbaren; darum mge dies fr jetzt genug sein. Siehe ich
bin Alpha und Omega. Amen!

Dieses von schmachvollster Heuchelei dictirte Document blieb, wie
gesagt, bis auf das Jahr 1853 geheim, und alle Mormonen mit denen wir
in den Vereinigten Staaten ber den der Secte gemachten Vorwurf der
Vielweiberei zu sprechen Gelegenheit hatten, stellten denselben mit
Entrstung in Abrede. Einige gewi mit Recht, da sie, uneingeweiht in
die Mysterien der Priesterschaft und Hunderte von Meilen entfernt von
dem Centralsitze derselben, nicht wissen konnten, was sich dort
vorbereitete und zum Theil schon gebt wurde; Andere mit weniger
Recht deshalb, weil ihnen die Polygamie in Deseret nur als Gebrauch,
noch nicht als kirchliche Lehre bekannt war. Gegenwrtig wird kein
Mormone mehr die Stirn haben, die Sache zu leugnen. Ja man rhmt sich
sogar der Vielweiberei, betrachtet sie als heiliges Institut und
stellt das, was, aus der Befriedigung gemeiner Sinnenlust
hervorgegangen, in jener Offenbarung Smiths mehr als Zulassung
Gottes, mehr als ein Vorrecht der Priester erscheint, als religise
Pflicht dar, deren Umgehung Snde sei.

Hren wir die Beweise, welche Orson Pratt fr diese Behauptung
vorbringt. Sie sind, wenn auch keine Beweise, doch sehr lehrreich fr
Den, der sich ber die Art, wie die Vertheidiger der Secte denken und
schlieen, zu unterrichten wnscht, und so mag ein etwas
ausfhrlicher Auszug aus der betreffenden Abhandlung im Seer
willkommen sein.

Pratt beginnt damit, da er zeigt, wie vier Fnftel der Erdbewohner
der Vielweiberei huldigen, und weist dann nach, da die Verfassung
der Vereinigten Staaten der Centralgewalt das Recht nicht gebe, gegen
die Polygamie in Deseret, die eine Gewissenssache sei, irgendwie
einzuschreiten. Sie sei den Mormonen aber eine Gewissenssache
zunchst schon darum, weil Gott sie durch jene Offenbarung vom 12.
Juli 1843 eingesetzt habe, und die Bibel nirgends ein Verbot
derselben enthalte, ja sogar an vielen Stellen sie ausdrcklich
billige und als gttliches Institut auffasse. Dahin wird zuvrderst
der Umstand gezhlt, da Abraham, obwohl er mehrere Frauen gehabt,
des nhern Umgangs mit dem Herrn gewrdigt worden sei. Sodann wird
angefhrt, da Gott thatschlich mitgewirkt habe, als David, der
bereits mit mehreren Frauen Vermhlte, auch noch die Weiber Sauls
sich angeeignet. Dann geht der Vertheidiger der Sache auf den Zweck
der Ehe zurck, den er in dem Gottesgeheie: Seid fruchtbar und
mehret euch findet.

Der oberste Zweck also, fhrt Pratt fort, war die Erfllung der
Schpfung mit Myriaden intelligenter und mit Willen begabter Wesen,
nach seinem Bilde geschaffen, beschenkt mit Gotthnlichkeit und
fhig, fortzuschreiten auf der groen Leiter der Erkenntni und des
Glcks bis zur Vollkommenheit, wo sie wie Gott werden, eins mit ihm
an Macht, Herrlichkeit und Herrschaft. Hierdurch werden die Reiche
des Allmchtigen vermehrt, indem neue Welten hinzukommen, bewohnt von
Wesen seiner Gestalt und Art; und hierdurch wchst die Freude und
Seligkeit im Busen des Schpfers zur Vollkommenheit. -- Wenn also
die Vermehrung menschlicher Wesen die Herrschaft des Allmchtigen
vergrert, seinen Namen verherrlicht und seine Seligkeit erhht, so
mssen wir vernnftiger Weise annehmen, da er einen so wichtigen
Gegenstand durch ein Gesetz geregelt haben wird. Dies ist in der That
geschehen. Aller willkrliche Verkehr der Geschlechter mit einander
ist untersagt, und die Ehe ist eingesetzt als alleiniges Mittel,
durch welches die Menschheit sich mehren und die Erde fllen kann.
Daher die vielfachen Verbote, welche die Bibel sowohl als das Buch
Mormon in Betreff der Unzucht und des Ehebruchs enthalten, Verbote,
welche vom Herrn auch in neuern Offenbarungen an Joseph Smith
mehrmals wieder eingeschrft worden sind. Hieraus ist zu ersehen, da
die Latterday-Saints noch mehr Ursache als andere Menschen haben,
sich aller fleischlichen Lust, aller unreinen, untugendsamen
Begehren, aller unerlaubten Befriedigung ihrer Sinnlichkeit zu
enthalten. Sie sind gewarnt durch die heilige Schrift, durch die
alten Propheten Amerikas und durch jenen groen Propheten und
Offenbarer der Neuzeit Joseph Smith. Und sie sind diesen Warnungen
und Verboten gehorsam gewesen, wie ein Blick auf das Gebiet zeigt, wo
die Kirche dermalen ihren Hauptsitz hat. Es giebt dort keine
unehelichen Kinder, kein Haus von blem Rufe, keine Klage wegen
Verfhrung vor den Gerichten und keinen Fall von Ehebruch.

Aber -- heit es in der Abhandlung Pratts weiter, haben nicht
einige der Heiligen in Utah mehr Weiber als wir? Ja wohl, und sie
nehmen sie auch wohl in Acht und lehren ihnen und ihren Kindern die
groen Grundstze der Tugend und Heiligkeit durch ihr Beispiel sowohl
wie durch ihr Wort. Aber ist es nicht Snde, wenn Jemand mehr Frauen
auf einmal hat als wir? Wofern es Snde ist, hat uns die Bibel nichts
davon gesagt. Aber ist es nicht gegen die christliche Religion?
Wofern es dagegen ist, so hat die christliche Religion nichts davon
offenbart. Aber glaubt ihr denn wirklich nicht, da es dem Willen
Gottes zuwider ist, wenn ein Mann in diesen Tagen mehrere Frauen
nimmt? Ja es ist ihm zuwider, es wre denn, Gott gbe sie ihm
vermittelst einer Offenbarung durch einen heiligen Propheten. Glaubt
ihr, da das Buch Mormon eine gttliche Offenbarung ist? Ja. Lehrt
dieses Buch die Vielweiberei? Nein; denn der Herr verbietet sogar den
alten Nephyten mehr als eine Frau zu haben, wie dies vor Alters
geschehen. Er verbot dies aber allerdings nur in Betracht der
Umstnde, indem zu dieser Zeit die Zahl der Mnner und Frauen unter
diesem Volke gleich war (nicht wie gegenwrtig das weibliche
Geschlecht betrchtlich berwog); indem ferner damals keine Aussicht
auf eine Vernderung dieses Verhltnisses stattfand, und indem
endlich der Eine ebenso gut im Stande war, eine Familie in
gottwohlgeflliger Weise zu erziehen als der Andere. Und der Herr
setzt hinzu: Wenn ich mir Samen erwecken will, so werde ich meinem
Volke Befehl dazu geben, wo nicht, so sollen sie diesen Dingen
gehorsam sein.

Hieraus ersehen wir, da das Buch Mormon sogar genauer in diesem
Punkte ist als die Bibel, und da es den Heiligen der letzten Tage
streng verboten ist, mehr als eine Frau zu nehmen, es sei denn, da
Gott es durch einen unmittelbaren Befehl anders anordnete.

Nun gab der Herr in der ersten Zeit dieser Kirche keinem seiner
Knechte einen derartigen Befehl, sondern hie sie im Gegentheil sich
an das halten, was im Buche Mormon verordnet sei. Dreizehn Jahre
jedoch nach der Stiftung der Kirche ertheilte er jenen Befehl an
Joseph Smith. Aber selbst dadurch wurde fr das Allgemeine nichts
gendert, und die Latterday-Saints sind noch jetzt auf _eine_ Frau
beschrnkt, wofern es der Herr nicht fr einzelne Flle anders
verfgt. Niemand in Utah, welcher bereits eine Frau hat und welcher
den Wunsch hegt, eine andere zu nehmen, ist berechtigt, einer Dame
Heirathsantrge zu machen, bevor er nicht den Prsidenten um Rath
gefragt und durch ihn eine Offenbarung von Gott empfangen hat, ob es
in seinen Augen wohlgefllig ist. Wird es ihm durch die Offenbarung
untersagt, so ist die Sache zu Ende. Wird es ihm erlaubt, so hat er
noch immer kein Recht, sich ber die Gefhle der jungen Dame
Gewiheit zu verschaffen, sondern mu erst die Einwilligung der
Aeltern einholen, vorausgesetzt, da diese in Utah leben; kann ihre
Zustimmung nicht erlangt werden, so ist die Sache damit zu Ende.
Zeigen Aeltern oder Vormnder sich bereitwillig, so darf er endlich
der Dame Heirathsvorschlge machen. Lehnt sie dieselben ab, so ist
damit die Sache zu Ende; geht sie aber auf den Antrag ein, so wird
ein Tag fr die Ceremonie der Trauung festgesetzt. Ueberdem ist zu
bemerken, da ein Jeder, der sich eine zweite Gattin zu nehmen
beabsichtigt, bevor er den ersten Schritt zur Ausfhrung seines
Wunsches thut, die Pflicht hat, die Einwilligung der Frau, die er
schon hat, zu erlangen.

Ist der Tag gekommen, der fr die Trauung bestimmt worden, so
versammeln sich der Brutigam, die Frau und die Braut nebst ihren
Angehrigen und den brigen Hochzeitsgsten an dem Orte, welcher dazu
ausgesucht worden ist. Der Schreiber nimmt die Namen, das Alter, den
Geburtsort, die Grafschaft, den Staat und das Vaterland der zu
Verheirathenden auf und trgt sie sorgfltig in ein Buch ein. Der
Prsident, welcher der Prophet, Seher und Offenbarer ber die ganze
Kirche in aller Welt ist, und welcher allein die Schlssel der Macht
in Betreff dieser gttlichen Anordnung hat, gebietet dem Brutigam,
seiner Frau und der Braut, sich zu erheben und ihm gegenberzutreten.
Die Frau steht zur Linken ihres Mannes, die Braut ihr zur Linken. Der
Prsident legt dann der Frau die Frage vor: Sind Sie Willens, dieses
Weib Ihrem Ehemanne zu geben, auf da sie sein gesetzlich vermhltes
Eheweib sei fr Zeit und Ewigkeit? Wofern Sie dazu gewillt sind, so
wollen Sie es dadurch kundgeben, da Sie deren rechte Hand in die
rechte Hand Ihres Ehemannes legen. Sind beide Hnde, die des
Brutigams und der Braut in dieser Weise mit einander verbunden, so
nimmt die Frau den linken Arm ihres Mannes, wie wenn sie mit ihm
einen Gang machen wollte. Dann fhrt der Prsident fort, indem er den
Brutigam fragt: Nehmen Sie, Bruder N. N. Schwester N. N. (die
Braut) bei der rechten Hand, um sie zu Ihrem gesetzlichen Eheweibe zu
nehmen und ihr gesetzlicher Ehemann zu sein fr Zeit und Ewigkeit,
und versprechen Sie Ihrerseits, da Sie alle Gesetze, Gebruche und
Anordnungen, die zu dieser heiligen Ehe in diesem neuen und ewigen
Bunde gehren, zu erfllen, indem Sie dies in Gegenwart Gottes, der
Engel und dieser Zeugen Ihrem eignen freien Willen und Ihrer Wahl
nach thun? Der Brutigam antwortet mit: Ja. Der Prsident legt dann
dieselbe Frage, den Verhltnissen der Braut angepat, der letzteren
vor, welche gleichfalls mit Ja zu antworten hat. Der Prsident sagt
dann: Nun so verknde ich im Namen des Herrn Jesu Christi und kraft
des Amts des heiligen Priesterthums Euch als gesetzlich verbundene
Ehegatten fr Zeit und Ewigkeit, und ich siegle auf Euch die
Segnungen der heiligen Auferstehung mit der Macht, am Morgen der
ersten Auferstehung, bekleidet mit Herrlichkeit, Unsterblichkeit und
ewigem Leben hervorzugehen. Und ich siegle auf Euch die Segnungen der
Throne und Herrschaften und Frstenthmer und Gewalten und
Erhhungen, zugleich mit dem Segen Abrahams, Isaaks und Jakobs, und
sage zu Euch: seid fruchtbar und mehret Euch und fllt die Erde, auf
da Ihr Freude und Jubel durch Eure Nachkommenschaft habt in den
Tagen des Herrn Jesus. Alle diese Segnungen und gleichermaen alle
andern Segnungen, die zu dem neuen und ewigen Bunde gehren, siegle
ich auf Eure Hupter durch Eure Treue bis ans Ende, kraft des
heiligen Priesterthums im Namen des Vaters und des Sohnes und des
heiligen Geistes. Amen.

Der Schreiber trgt dann in sein Buch Ort und Datum der Trauung und
einige von den Namen der Zeugen ein. Lehrt ein Mann seiner Frau das
Gesetz Gottes, wie es von den alten Patriarchen gehalten und durch
neuere Offenbarung besttigt worden ist, und verweigert sie ihm ihre
Einwilligung zur Verheirathung mit einer zweiten, so mu sie vor dem
Prsidenten die Grnde fr ihre Weigerung angeben. Erscheinen
dieselben gengend und wird der Mann schuldig befunden, so erhlt er
die Erlaubni zur zweiten Ehe nicht. Kann die Frau aber keinen
vernnftigen Grund vorbringen, weshalb sie sich dem Gesetze, das
einst Sarah gegeben worden, wiedersetzt, so kann der Mann, wenn ihm
auf dem Wege der Offenbarung durch den Propheten Erlaubni wird,
andere Frauen auch ohne Zustimmung der ersten nehmen, und diese wird
sich die Verdammni zuziehen, weil sie ihm jene nicht gab, wie Sarah
dem Abraham die Hagar und wie Rahel und Leah ihrem Manne Jakob die
Bilha und die Zilpah gaben.

Es ist aber die Pflicht des Mannes, der eine zweite Frau nimmt, fr
ihre Wohlfahrt und ihr Glck zu sorgen und ihr das Leben so behaglich
zu machen, als der ersten, wie dies die Schrift 2. Mose 21, 10.
gebietet. Ueber den Aufenthaltsort der verschiedenen Zweige einer
Familie ist keine besondere Regel festgestellt. Bisweilen baut der
Gatte fr seine Frauen verschiedene Wohnungen, wie Jakob fr seine
vier Weiber verschiedene Zelte aufstellte. Es ist jedoch sehr hufig
der Fall, da sie alle in demselben Hause wohnen und vereint und mit
der grten Heiterkeit sich der Geschfte der Haushaltung widmen, an
demselben Tische essen und sich gegenseitig Alles zu Gefallen thun,
whrend der holdeste Friede und die herzlichste Eintracht Jahr auf
Jahr unter ihnen herrschen. Ihre Kinder spielen mit einander in Liebe
als Brder und Schwestern, whrend jede Mutter fr die Kinder der
Andern so viel liebreiches Wesen und zrtliche Aufmerksamkeit an den
Tag legt, als fr ihre eigenen. Und Morgens und Abends, wenn der
Gatte seine Familie zusammenruft, um dem Herrn zu dienen und seinen
Namen anzurufen, so beugen sie alle gemeinsam ihre Kniee und bringen
dem Allerhchsten das Opfer ihrer Andacht dar.

Zu dieser idyllisch anmuthigen Schilderung der Folgen, welche die
Vielweiberei in Deseret gehabt haben soll, pat schon der Nachsatz:
Wo alle Weiber gleich glaubenstreu sind, bestrebt sich der Mann
gemeiniglich, sie alle gleich gut zu behandeln nicht recht, indem es
darnach scheint, da dieses Bestreben nicht berall vorhanden und
nicht berall mit Erfolg gekrnt ist. Noch weniger aber stimmt es
damit berein, wenn der Ingenieur Gunnison, der mehrere Monate in
Deseret lebte und sonst nichts weniger als ungnstig ber die
dortigen Heiligen urtheilt, die Flle, wo die Frauen nach der Art der
vier Weiber Jakobs in verschiedenen Zelten untergebracht werden
mssen, als die gewhnlicheren bezeichnet und hinzusetzt, dieselben
mten durch Nhen und andere weibliche Arbeiten selbst fr ihren
Unterhalt sorgen.

Gewi ist, fhrt Gunnison fort, da die Weiber das Verhltni
hufig unbehaglich und lstig finden, wenn auch gewhnlich die
Oberflche der Gesellschaft eine lchelnde Miene trgt und das Joch
fr alle, die aus Pflichtgefhl und Schwrmerei einwilligen, ein
leichtes ist. Wenn solche Frauen sich auflehnen, so verfhrt man sehr
summarisch mit ihnen, und die ffentliche Meinung nimmt gegen sie zu
Gunsten des Mannes Partei. Eine sehr achtungswerthe Dame im Thale
gilt, weil sie den ihr Versiegelten (der, mit der einen Frau nicht
zufrieden, eine zweite genommen) verlassen und einen Andern
geheirathet hat, als Ehebrecherin und wird deshalb nicht in
Gesellschaft geladen.

Ein Beispiel summarischen Verfahrens erlebten wir am Brenflusse. Ein
aus Monsieur Cabets Gemeinde in Nauvoo ausgewanderter Socialist hatte
den Winter in der Salzseestadt zugebracht, und war im Frhjahr weiter
nach Californien aufgebrochen. Er hatte eine Frau mit einem ungefhr
zwei Jahre alten Kinde bei sich, die ihn gebeten hatte, sie mit nach
dem Goldlande zu nehmen, indem sie ihm vorgestellt, wie der
geistliche Wrdentrger, mit dem sie versiegelt worden, ihr drei
Jahre lang weder einen Besuch gemacht, noch etwas zu ihrem Unterhalte
beigetragen habe; da ferner ein junger Mann, dem sie sich verlobt,
jetzt in Californien sei, und da sie sich, wenn sie zu ihm gelangen
knnte, nach den Gesetzen des Landes heirathen wollten. Das Herz des
Socialisten war dadurch gerhrt worden und er hatte ihr freundlich
die Mittel zur Reise angeboten. So hatten sie etwa hundert Meilen
zurckgelegt, als eine Schaar von Hschern aus Neujerusalem sie
einholte und an sie die Forderung stellte, die junge Frau solle zu
ihrem gesetzlichen oder angesiegelten Gemahl zurckkehren. Der
Socialist fragte uns um Rath, was zu thun sei; aber die Uebermacht
verbot jede Weigerung, und so mute die Dame mit Widerstreben ihre
Schritte zurcklenken.

Mehrmals wurden uns hnliche Flle bekannt, und so mssen wir den
Schlu ziehen, da die Regelung des neuen Pluralittsgesetzes noch
nicht vollendet ist, und da die Tugenden, die man ihm zuschreibt,
noch nicht in voller Blthe stehen. Wir knnen inde hinzusetzen, da
die Gemeinde durchaus den Anschein guter Sitten hat, so da in den
Vereinigten Staaten eine gleiche Anzahl Menschen schwerlich das
Decorum besser bewahrt.

Wir haben aber den Vorkmpfer der Vielweiberei in Deseret, den
streitfertigen Pratt noch bei Weitem nicht alle Wendungen und
Finten machen sehen, mit denen er, fortwhrend die Bibel als
Schild vorhaltend, die Angriffe auf seinen Glauben zu pariren und
zu entkrften bestrebt ist. Wir mssen darum noch auf einen
Augenblick zu ihm zurckkehren. Er stellt nach jener Idylle zur
Vervollstndigung des Bildes zunchst in Abrede, da man unter
den Mormonen wisse, was Eifersucht sei, und hlt dann die
patriarchalische Unschuld und Reinheit derselben mit der
furchtbaren Sittenverderbni in den groen Stdten Amerikas
zusammen, wobei er findet, da die heidnischen Nationen, wenn
sie glauben, da den Heiligen mit der =celestial marriage= ein
Splitter in's Auge gerathen sei, besser thun wrden, an den Balken
zu denken, der durch einen Blick auf die Hunderte von liederlichen
Husern in Neuyork und auf die neunzigtausend Prostituirten in
London sehr deutlich in ihrem Auge sichtbar wrde. Dann kommt er
auf die Bedeutung der Heirath als einen Bund fr alle Ewigkeit
zurck, und weist mit einer geschickten Verdrehung des Spruchs,
nach welchem die Auferstandenen weder freien, noch sich freien
lassen, nach, da diejenigen, welche sich nicht auf Erden auf die
rechte Weise, d. h. durch den allein damit beauftragten Seher der
Mormonen fr den Himmel versiegeln lassen, im Jenseits selbst dann
allein und einsam, ohne die geliebte Gefhrtin leben werden, wenn
sie durch ein frommes Leben sich einen gewissen Grad von Seligkeit
verdienen. Alle Heirathen sind, wofern sie nicht von einer
inspirirten Person eingesegnet sind, vor Gott ungiltig, alle aus
solchen Ehen hervorgegangenen Kinder Bastarde, gleichviel ob die
brgerlichen Gesetze sie so ansehen oder nicht.

Wahrhaft classisch ist es, wie Pratt daraus, da Jemand die
Vermhlung der Gatten fr die Ewigkeit zugiebt, die Folgerung zieht,
er msse dann auch die Vielweiberei gestatten. Er sagt: Gesetzt den
Fall, Herr A. heirathet Frulein B. fr Zeit und Ewigkeit. Nun stirbt
im Laufe der Zeit seine Frau, geborne B., indem sie verschiedene
Kinder hinterlt. Der Witwer A. heirathet nun ein Frulein C. Frage:
Wie will seine Braut C. einen Mann fr alle Ewigkeit bekommen? Es
liegt auf der Hand, da sie in Zukunft entweder allein existiren oder
mit Herrn A. sowohl fr die Ewigkeit als fr die Zeit verheirathet
werden mu. Entschiede sie sich fr das Letztere, so wrde Herr A. am
Morgen der Auferstehung zwei Weiber haben. Nun kann es aber
geschehen, da Herr A. so unglcklich ist, auch seine zweite Frau,
geborne C., durch den Tod zu verlieren, und da Verhltnisse ihn
nthigen, eine dritte Heirath mit Frulein D. einzugehen. Er wrde
dann nicht weniger als drei Frauen haben. Mglich aber auch, da Herr
A. vor seiner Frau, geborne B. stirbt, und da seine Witwe einen
jungen Mann Namens C. blos fr dieses Leben heirathet, da sie mit
ihrem verstorbenen Gatten A. fr alle Ewigkeit verbunden ist. Frage:
Wenn Herr A. seine Frau nach der Auferstehung beansprucht, wie wird
Herr C. dann zu einer Frau gelangen? Antwort: Er mu sich entweder
ohne eine solche behelfen, oder schon in diesem Leben sich mit einer
andern, die keine Verpflichtung fr die Ewigkeit hat, verheirathen.
In diesem Falle aber wrde er schon whrend dieses Lebens zwei Frauen
haben mssen.

In der That, bei dieser Art Sophistik wird dem Leser zu Muthe, als ob
in den Mormonen nicht blos die Zeiten der Erzvter, sondern auch die
Tage wiedergekommen wren, wo man in Paris die tiefsinnigen Fragen
zur Entscheidung zu bringen bemht war, ob Christus die Welt auch in
Gestalt eines Krbis htte erlsen knnen? Wie dann der Krbis
gepredigt haben mte? Wie er am Kreuze ausgesehen haben und wie er
gen Himmel gefahren sein wrde.

Hren wir inde unsern mormonischen Scholastiker weiter.

Es ist hufig der Fall, da weiblichen Wesen niemals ein
Heirathsantrag von jungen Mnnern gemacht wird, denen sie so viel
Vertrauen erweisen, da sie sich mit ihnen fr alle Ewigkeit
verbinden mchten. Frage: Mssen diese Mdchen in der Ewigkeit ohne
Gatten bleiben? Wrde es nicht weit besser fr jede einzelne von
ihnen sein, wenn sie mit einem frommen, obgleich schon verheiratheten
Manne wie Abraham vermhlt wre, als wenn sie fr die ganze Ewigkeit
vereinsamt bliebe? Wrde es nicht eine bei Weitem grere Seligkeit
fr sie in sich schlieen, die zweite, dritte oder vierte Frau, und
dadurch in der Lage zu sein, eine endlose Nachkommenschaft zu
gewinnen und sich mit ihrem Gatten aller der Herrlichkeit und Glorie
seiner wachsenden himmlischen Knigreiche zu erfreuen, als alle
Ewigkeit hindurch in Gestalt eines bloen Engels oder einer bloen
Magd, ohne Nachkommenschaft verharren zu mssen?

Und wiederum giebt es viele Witwen, deren Mnner in Unglauben
sterben. Diese Witwen knnen mglicherweise keinen Antrag auf Heirath
von einzeln lebenden Mnnern erhalten. Soll fr sie nicht Frsorge
getroffen werden? Und welches tugendhafte Weib wrde es nicht
vorziehen, die sechste oder siebente Frau eines Glubigen zu werden,
als in der zuknftigen Welt in alle Ewigkeit ohne die Segnungen der
Ehe zu leben?

Und weiter: wenn (in diesen letzten Tagen vor dem Beginne des
tausendjhrigen Reichs) Volk gegen Volk und Reich gegen Reich sich
erhebt und das Schwert vertilgend von einem Ende der Erde zum andern
daherfhrt, so werden viele Millionen von Vtern und Brdern auf der
Wahlstatt fallen, whrend die Mtter, Schwestern und Tchter
zurckbleiben werden, um ihren Verlust zu betrauern. Was wird aus
diesen Frauen werden? Antwort: Das Evangelium wird ihnen gepredigt
werden und sie werden aus allen Vlkern fliehen und zu den Heiligen
Zions versammelt werden. Dann wird die Zahl der Frauen bei Weitem
grer sein als die der Mnner. Aber wie werden dann alle mit Mnnern
fr die Ewigkeit zu versorgen sein? Wir wollen diese Frage mit den
Worten Jesaias beantworten. In jenen Tagen werden sieben Weiber einen
Mann ergreifen und sagen: Wir wollen unser eigen Brot essen und uns
von unserm Eignen kleiden, nur la uns deinen Namen tragen, auf da
unsere Schande hinweg genommen werde. So sehen wir denn, da die
Schande, keinen Mann zu haben, grer sein wird, als die Schande von
sieben Weibern, die zusammen einen Mann haben. Ja das letztere wird
berhaupt kein Vorwurf, vielmehr ein Mittel sein, einem Vorwurfe zu
entgehen. Als gttliche Einrichtung wird es mit Begier gesucht
werden, gesucht sogar auf die Gefahr hin, da die Frauen selbst fr
ihre Nahrung und Kleidung sorgen mssen.

Wie aber Ehelosigkeit fr jedes weibliche Wesen eine Schande ist, so
gereicht es auch einer Frau zum Vorwurfe, kinderlos zu sein. Auf alle
Flle ist es ein Unglck, da auf diese Art der Zweck der Ehe, das
Menschengeschlecht zu mehren, nicht erreicht wird. Unfruchtbare
Frauen aber knnen ihrer Unvollkommenheit abhelfen, wenn sie dem
Beispiele der ebenfalls verschlossenen Leah folgen, welche Jakob ihre
Magd Zilpah zum Weibe gab, worauf der Herr ihr Gebet erhrte und ihr
einen Sohn schenkte. Ganz so wird der Herr auch noch heute thun den
Frauen, die seinem Gesetze gehorchen.

Wir bergehen die Beweise, die fr diese Wahrheit aus der Bibel
beigebracht werden, ebenso die Ausfhrung des Satzes, da es Weibern
nicht erlaubt ist, ihrerseits mehrere Mnner zu haben, ebenso einige
andere Behauptungen, die nur fr den beraus grndlichen Pratt von
Wichtigkeit sind, und kommen wieder auf den Text zurck, wo unser
Dogmatiker nach weitlufiger Untersuchung der Leviratsehe, aus der
ihm unwiderlegliche, aber bekanntlich unnthige Beweise fr das
hufige Vorkommen der Vielweiberei unter den Juden hervorgehen,
seinen Scharfsinn an der nicht weniger berflssigen Frage bt, ob
die ersten Christen nicht ebenfalls Polygamisten gewesen wren. Er
zeigt, da dem so gewesen, an einer Flle von Sprchen aus den
Briefen Pauli, namentlich an dem, wo der Apostel dem Timotheus
schreibt, ein Bischof msse _eines_ Weibes Mann sein. Wo dies nur von
Bischfen gefordert wurde, raisonnirt Pratt, war es den Laien und
niederen Kirchendienern gestattet, mehrere Frauen zu haben. Den
Bischfen aber war es damals nur untersagt, weil die Zeitumstnde
nicht gnstig dazu waren, und weil die Vorsteher der Kirche mglichst
befreit sein muten von der Sorge fr eine starke Familie; durchaus
nicht deshalb, weil es Snde gewesen wre, in Vielweiberei zu leben.

Aber warum ist der Gebrauch, mehrere Frauen zu nehmen, von der
christlichen Kirche nicht beibehalten worden? fragt Pratt. Wir
antworten, es giebt kaum einen einzigen Zug des Urchristenthums, der
die dunkle Zeit der Verderbni berdauert und sich bis auf den
heutigen Tag erhalten hat. Wo sind jetzt die vom heiligen Geiste
erfllten Apostel der alten Christenheit? Wo ist die Flle von
Propheten hin, die einst so zahlreich in der christlichen Kirche
aufstanden? Wo sind die Visionen, Offenbarungen, Weissagungen, die
Erscheinungen dienender Engel, die Heilungen, die Wunder und die
gttliche Gewalt hin, die ehemals die Kirche Christi auf Erden so
verherrlichten? Ja, wo ist diese Kirche Christi selbst hin gerathen?
Sie ist seit Jahrhunderten schon nirgends mehr auf der Erde zu
finden. Und wenn alle die groen und glorreichen Grundzge der
christlichen Religion abhanden gekommen sind, wenn die Kirche selbst
nicht bis auf unsere Tage fortgepflanzt worden, sondern in eine Menge
von Secten zerfahren ist, von denen keine mehr Berechtigung zur
Existenz hat, als die gtzendienerischen Hindus, wie wre da zu
erwarten, da das Gesetz der Vielweiberei, das in jener Urkirche
galt, sich erhalten haben sollte. Kein Wunder, da, wenn die
wichtigsten Aemter, Gnadengaben und Segnungen des Evangeliums
verschwunden sind, auch die Gebruche der alten Christen untergingen!

Dieser Abfall vom echten Christenthume begann schon bei Lebzeiten
der Apostel und uerte sich unter Anderm in dem Verbote des
Heirathens, einer der wirksamsten Lehren, welche der Teufel erfinden
konnte, um die Grundlagen der Gesellschaft zu entwurzeln, das Volk
Gottes ihres verheienen Erbtheils an Kindern zu berauben, die
Absichten des Allmchtigen auf Bevlkerung der Erde mit ihrem vollen
Mae von Bewohnern zu hindern und die Menschheit in dieselbe
traurige Lage wie die gefallenen Engel selbst zu bringen, welche
nicht die Macht haben, ihre Herrschaft durch Vermehrung ihrer Art zu
vergrern. Dieser arglistige Versucher und seine Engel wissen sehr
wohl, was sie durch ihren einstigen Ungehorsam verscherzt haben, und
knnten sie die Menschen, die sie im Besitze des Verlorenen sehen,
zum Verbote des Heirathens verfhren, so wrde es ihnen zu groer
Genugthuung gereichen; denn wir wrden dann, weiblos und kinderlos
wie sie, und der Mittel beraubt werden, uns Knigreiche im Himmel zu
grnden. So versuchten sie alles Mgliche, die Menschheit zur
Abschaffung der Ehe zu bereden, und es gelang ihnen nur zu wohl,
wenn auch nicht vollstndig. Da sie nicht die ganze Kirche zur
Aufgebung des Heirathens gewinnen konnten, so wendeten sie sich an
die abgefallene Priesterschaft und bestrebten sich, sie zur
Ehelosigkeit zu nthigen. Dies gelang, und ein Gesetz wurde
erlassen, welches allen Priestern das Clibat zur Pflicht machte.
Desgleichen wurden Nonnenklster erbaut, in denen weibliche Wesen
fr ihre ganze Lebenszeit eingeschlossen und dadurch verhindert
wurden, das groe und lteste Gebot der Mehrung ihres Geschlechts zu
befolgen. Der nchste Schritt, den der Teufel that, war die
Vereinigung dieser abgefallenen Kirche und Priesterschaft mit der
weltlichen Gewalt. Auch dies brachte er bald zu Stande, und er sah
sich jetzt mit doppelten Krften bewaffnet. Was er frher mit den
geistlichen Gerichtshfen nicht vllig durchsetzen konnte, das
erreichte er nunmehr mit dem Arme der brgerlichen Obrigkeit. Hatte
er zuerst den Priestern und Nonnen das Recht, sich zu vermhlen
genommen, so entri er jetzt allen Mitgliedern der Kirche das
Privilegium, mehr als eine Frau zu besitzen, und zerstrte dadurch
eine gttliche Einrichtung, die in allen vorhergehenden Weltaltern
unter heiligen Patriarchen, Propheten und Gottesmnnern so
erfolgreich gewesen war, das Volk Gottes zu mehren und zahlreich zu
machen wie der Sand am Meere. Htte er die Ehe ganz ausrotten
knnen, so wrde seine Rachgier volle Sttigung gefunden haben; denn
(hier nhert sich die Naivitt des guten Orson Pratt dem Gipfel der
Komik) er entsann sich gar wohl, wie viel Schaden Abraham, Jakob,
Moses, Gideon mit seinen zweiundsiebzig Shnen, Elkanah, David und
zahlreiche andere alte Polygamisten (unter denen man sich in dieser
Beziehung wohl auch die zeugungskrftigen Gtter des indischen
Himmels, denen diese Theorie abgelauscht zu sein scheint, den
Weiberfreund Zeus und den rstigen Bewltiger der fnfzig Tchter
des Thespios denken darf) ihm angerichtet hatten. Er entsann sich,
wie Gott sich einen Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs genannt und den
Kindern ihrer zahlreichen Weiber seinen Segen verheien und
versprochen hatte, sie zu vermehren wie den Staub auf Erden. Er
entsann sich endlich, wie Christo, dem grten Feinde, den der
Teufel besa, diese gttliche Einrichtung so wohlgefallen hatte, da
er durch das Weib, von dem er sich gebren lie, als Glied in eine
lange Reihenfolge jdischer Polygamisten eintrat.[6] Der Teufel
gedachte darum sein Mthchen an dieser heiligen Einrichtung zu
khlen und sie wo mglich ganz auszutilgen. Die Vlker, die dem
entarteten Christenthum anhingen, standen ihm in diesem boshaften
Beginnen bei und erlieen Verordnungen, welche die Vielweiberei in
ihrer Mitte untersagten. So wurde das Gesetz Gottes, durch welches
die zwlf Stmme Israels begrndet wurden, und nach dem der Messias
seine Erscheinung im Fleische bewerkstelligte, jenes Gesetz, welches
den auserwhlten Samen wie die Sterne am Himmel mehrte, und in
welchem alle Nationen gesegnet werden sollten, jenes Gesetz, durch
das dem kinderlos Verstorbenen sein Name durch endlose Geschlechter
hindurch verewigt werden konnte -- so wurde dieses heilige,
gttliche Gesetz durch menschliche Maregeln und Satzungen
umgestoen und abgeschafft. Mge das entartete Christenthum errthen
ber seine tempelschnderischen Thaten, mge es sich in die Seele
hineinschmen ber seine engherzigen bigotten Gesetze!

  [6] Nach anderen Mormonen, z. B. Orson Hyde, einem der zwlf Apostel,
      huldigte Jesus der =divine institution= sogar durch die That,
      indem er sich bei der Hochzeit von Kana mit nicht weniger als drei
      Frauen auf einmal, mit den beiden Schwestern des Lazarus, Martha
      und Maria, und der andern Maria vermhlte.

Mit dieser Apostrophe mge unser Auszug aus Pratts wunderlicher
Vertheidigungsschrift beschlossen sein, und wir haben nur noch
einiges Thatschliche aus anderen Quellen nachzutragen, um den
Gegenstand, so weit es uns erforderlich scheint, zu erschpfen.

Da es den Brgern Deserets religise Pflicht fr jeden Mann ist,
wenigstens einmal zu heirathen, geht aus dem soeben Mitgetheilten
hervor. Der Grund wird auch so ausgedrckt, da es einer Frau ohne
Mann berhaupt nicht mglich sei, Eintritt ins Himmelreich zu
erlangen. Nun sollen aber vorsichtigen Mormoninnen hin und wieder
Zweifel beigekommen sein, ob ihre Eheherren berhaupt selbst Aussicht
auf den Himmel htten, und die Folge war, wie bse Zungen behaupten,
da sie nach dem Rockzipfel eines Hohenpriesters oder Apostels
haschten, der natrlich bestimmtere Aussichten hatte, im Jenseits als
Knig aufzuerstehen. Wir bezweifeln inde vorlufig die Wahrheit
dieser Gerchte, da fast alle Nachrichten darin bereinstimmen, da
fleischliche Vergehungen mit auergewhnlich strengen Strafen bedroht
sind, da man ferner, wenn das Territorium zum Staate gereift sein
wird, jeden Ehebruch durch Enthauptung der Schuldigen zu ahnden
gedenkt, und da man es schon jetzt fr vollkommen gerechtfertigt, ja
fr Erfllung einer Pflicht hlt, wenn ein Mann, dem die Gattin,
Schwester oder Tochter verfhrt worden ist, den Verfhrer tdtet. Man
nennt das =common mountain law= und begrndet es aus dem mosaischen
Gesetze, und kein Gericht wrde es wagen, den Mann, der auf diese Art
die Ehre seiner weiblichen Verwandten rchte, auch nur zur
leichtesten Strafe zu verurtheilen. Ein Beweis dafr war der Proce
des Mormonen Egan, welcher im Jahre 1851 in der Salzseestadt zur
Verhandlung kam. Derselbe war angeklagt, einen gewissen Morgan, der
ihm die Frau whrend seiner Abwesenheit zur Untreue verleitet, mit
kaltem Blute ermordet zu haben. Das Geschwornengericht sprach ihn
frei, und der vorsitzende Richter erklrte, als er das Urtheil
verkndigte: da Geldstrafen fr solche Vergehungen lediglich
Zeichen der Verfaultheit anderer Regierungen seien, und da der
oberste Grundsatz, welcher durch das Herz aller Einwohner dieses
Territoriums pulsire, einfach dahin laute: Der Mann, der seines
Nchsten Weib verfhrt, mu sterben, und ihr nchster Anverwandter
mu ihn tdten.

In Betreff der Versiegelungen, wie die Antrauungen zweiter und
dritter Frauen genannt werden, ist zu bemerken, da der Seher sie
nicht persnlich zu vollziehen braucht, sondern Andere mit der
Ceremonie beauftragen kann. Ferner ist nachzutragen, das jedes
unverheirathete Frauenzimmer das Recht hat, sich beim Prsidium einen
Ehemann auszubitten, und derselbe darf ihr nicht verweigert werden,
da ja ihre einstige Seligkeit davon abhngt. Der Prsident ist
gehalten, auf Empfang einer derartigen Petition hin dem Ersten
Besten, der ihm tauglich scheint, Befehl zu ertheilen, die Einsame zu
seiner Frau zu nehmen. Er kann sie aber auch sich selbst
versiegeln, d. h. ohne Euphemismus: in sein Harem aufnehmen. Hat
der Betreffende keine Neigung zu dem ihm angesonnenen Ehebunde, so
mu er triftige Verhinderungsgrnde angeben, sonst gerth er in
Gefahr, vor den hohen Rath gefordert und wegen Widersetzlichkeit
gestraft zu werden. Mitunter geschieht es auch, da Young Einspruch
gegen die Absicht auf eine Versiegelung thut, die aus unwrdigen
Beweggrnden hervorgegangen ist.

Diese Einmischungen in die Regierung Cupido's, sagt Gunnison,
erfordern berhaupt groe Vorsicht. Denn die Richtersprche mgen
hier noch so sehr vom Verstande dictirt sein, die Leidenschaft wird
immer etwas daran auszusetzen finden. Allein wie der Prsident der
Kirche die Macht zu binden hat, so ist ihm auch die Macht zu lsen
verliehen. Er kann die Verheiratheten oder Versiegelten trennen,
nachdem er sie zur Eintracht und Geduld ermahnt und ihnen eine
Probezeit gesetzt hat, sie aber dabei die Unmglichkeit eingesehen zu
haben glauben, mit einander zu existiren. Aus dieser Gewalt zu binden
und zu lsen, erwchst ihm ein ungemeines Ansehen und eine genaue
Kenntni der gesammten huslichen Verhltnisse der Colonie. Das
Vertrauen, da man ihm in solchen delicaten Angelegenheiten zu
erweisen genthigt ist, erzeugt Ehrerbietung und Furcht, und wo das
Ehebndni zum Guten ausschlgt, Liebe und Dankbarkeit gegen den
Berather und Freund, und da der Frieden in der Gemeinde wesentlich
auf dem der Familie beruht, so wacht Young mit eiferschtiger
Sorgfalt ber seine Prrogative und nthigt die Betheiligten, soviel
an ihm ist, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Da auch die Leviratsehe in Deseret eingefhrt ist, scheint aus
folgender Anekdote bei Gunnison hervorzugehen.

Bischof J. fgte seinem ziemlich gerumigen Hause noch ein
Seitengemach an, und da er keine starke Familie besa, so fragten wir
verwundert nach dem Grunde dieser Vergrerung seines Domicils.
>Ach!< war die Antwort, >wissen Sie denn nicht, da er seines Bruders
Witwe zur Frau nehmen mu, und da die Zeit dazu nahe ist?< Wir
besannen uns auf die Geschichte des jdischen Weibes, das sieben
Brder nach einander heirathete, doch da wir nur unwissende Laien
waren, so getrauten wir uns nicht, uns genauer nach den Absichten und
Ansichten eines Priesters der Ordnung Melchisedeks zu erkundigen.

Da die hhere Priesterschaft der Mormonen die ihnen im Punkte des
Heirathens auferlegte Pflicht in einer ihrer Vorbilder, der Erzvter,
vollkommen wrdigen Weise erfllt und zahlreiche Weiber und Kinder
hat, ist bekannt.

Eine andere Methode, vermge welcher die Hupter der Kirche ihren
Haushalt mehren, ist die Annahme mehrerer Personen an Kindesstatt.
Sehr hufig nmlich geschieht es, da Apostel oder Hohepriester ganze
Familien als Glieder der ihrigen einverleiben. Die Hupter dieser
Familie finden eine Ehre darin Kinder des Sehers oder angenommene
Shne des Prsidenten zu heien. Sie wohnen entweder bei ihrem
Adoptivvater oder doch in seiner Nhe, arbeiten fr ihn, empfangen
Nahrung und Kleidung von ihm, und verhalten sich berhaupt, obwohl
sie hufig schon Mnner reiferen Alters sind, vollstndig als Kinder
gegen ihn. Der eigentliche Zweck dieser Einrichtung, die etwas nach
Sclaverei aussieht, mag wohl der gewesen sein, da die Fhrer der
Secte sich durch Heranbildung einer starken, durch Dankbarkeit an ihr
Interesse gefesselten Clientel fr alle Flle ihre Macht zu sichern
bestrebt waren. Sie haben aber diesen Zweck, der so wenig mit der
Liebe zur Unabhngigkeit und allen damit zusammenhngenden
Reminiscenzen eines Amerikaners und Englnders bereinstimmt, gut
verborgen, dem Ganzen einen patriarchalischen Anstrich verliehen und
demselben dadurch, da sie lehren, das Verhltni werde sich in jener
Welt fortsetzen, eine religise Weihe zu geben verstanden, ber
welcher der Fanatismus ihrer Anhnger wie so manches Andere auch
seine Liebe zur Freiheit und Gleichheit vergit.

Das gesellschaftliche Leben in Deseret scheint nach den Schilderungen
aller Berichterstatter ebenso herzlicher als lustiger Art zu sein.
Die heiteren, zufriedenen Mienen, sagt Gunnison, die herzliche
Anrede mit Bruder und Schwester, die Gesnge Zions, die einem aus dem
Munde der mit ihrer Hausarbeit beschftigten Frauen entgegenschallen,
machen den Eindruck, als ob man in den Thlern Deserets sich eines
nicht gewhnlichen Wohlbefindens erfreue. Alle Reisende rhmen die
Gastfreundschaft der Mormonen, die nur durch ihre noch immer
beschrnkten Rumlichkeiten begrenzt ist. Die Auswanderer nach
Californien haben sich vielfacher Geflligkeiten von ihnen zu
erfreuen gehabt, und mancher kranke und in seinen Mitteln erschpfte
Goldsucher hat hier barmherzige Samariter gefunden, wo er sie nicht
erwarten konnte, wenn er an die Vergangenheit der Jnger Joseph
Smiths sich erinnerte.

Da die Latterday-Saints nichts weniger als finstere, sauertpfische
Fromme sind, ist schon wiederholentlich angedeutet. Nirgends wird
unter gleichen Verhltnissen so viel musicirt, getanzt und gescherzt,
als im neuen Zion, und wenn viele sich des Genusses geistiger
Getrnke enthalten, so geschieht dies nicht, weil man von dem
Trifolium Wein, Weib, Gesang dem ersten Blatte gram wre, sondern
weil es in den Thlern der Felsengebirge schwer zu beschaffen und
darum sehr theuer ist. Die Evening-Parties der Heiligen am Salzsee
sind, allen Beschreibungen zufolge, auerordentlich heiter. Hufig
werden sie durch die Anwesenheit der obersten geistlichen
Wrdentrger beehrt, die sie mit einem Gebete erffnen, in welchem
der Segen des Allmchtigen auf das Vergngen seiner Kinder
herabgefleht wird. Hat man sich aber dieser Pflicht entledigt, so
spielt die Musik unverzglich zu einem Walzer oder Galopp auf, an
welchem sich Alle ohne Ausnahme vom Apostel und Hohenpriester bis zum
niedrigsten Laien herab mit gleichem Eifer betheiligen.

Ein komischer Anblick ohne Zweifel, hier einen verehrungswrdigen
Patriarchen nach dem Tacte eines Hopsers sich im Wirbel drehen zu
sehen und dort ein anderes Kirchenlicht zu gewahren, welches
mit schmunzelndem Munde in den Figuren eines Contretanzes
herumirrlichtelirt oder den besser eingebten Doubleshuffle
exercirt. Noch komischer aber drfte deutschen Oberkirchenrthen die
verbrgte Nachricht erscheinen, da diese Blle einst, wenn der groe
Tempel vollendet ist, einen integrirenden Theil des mormonischen
Gottesdienstes bilden sollen. Wir an unserm Theile finden dies auch
komisch, aber nicht erstaunlich, da wir uns an Davids Tanz vor der
Bundeslade erinnern, und da wir die Shaker, Amerikas Derwische zu
wiederholten Malen nicht blos mit Zunge und Kehle, sondern auch durch
taktmige Bewegung der Fe und planetarische Rotation der Leiber
die Ehre geben sahen.




Achtes Kapitel.

Die letzten Dinge. -- Die vier Zeugen der Wahrheit. -- Der Beginn des
tausendjhrigen Reichs in der alten und neuen Welt zugleich. -- Die
Wiederkehr der verlorenen zehn Stmme Israels. -- Die Wiedervermhlung
der durch das Meer getrennten Erdtheile. -- Der jngste Tag.


Alles, was im Vorhergehenden von den Lehren und Gewohnheiten der
Mormonen mitgetheilt worden ist, kann in Kurzem nicht mehr ihre Lehre
und nicht mehr ihre Gewohnheit sein. Wie oben gezeigt, ist ihr Glaube
eine stete Revolution, ein Proteus, der heute dies und morgen das
stricte Gegentheil davon ist, eine unaufhrliche Accomodation an die
Umstnde oder an das Belieben der Fhrer. Was jetzt nur Vorrecht ist,
mag bers Jahr ein Gebotenes und aber bers Jahr ein Verbotenes sein,
wenn es die Verhltnisse fordern. Da sich Gemther finden, die an
solch einer Chamleonsreligion Gefallen finden, ist nach den
einleitenden Bemerkungen des ersten Kapitels wohl begreiflich, und so
sollte es uns selbst nicht Wunder nehmen, wenn nchstens Young eine
Offenbarung empfinge, durch welche die Glubigen erfhren, da die
Polygamie, nachdem sie ihren Zweck erfllt, wieder aufgehoben sei,
und da man sich, um Jehovah zu gefallen, frderhin mit einer
einzigen Frau zu begngen habe.

Ein Punkt ihrer Glaubenslehre indessen, der nmlich, nach welchem sie
sich Latterday-Saints nennen, steht fest. Sie wissen, da sie den
Grundstamm des heiligen Volkes bilden werden, ber welches der Herr
in diesen letzten Tagen, nach seiner Wiederkunft zur Aufrichtung
des tausendjhrigen Reichs herrschen wird. Sie leben der
unerschtterlichen Ueberzeugung, da sie die Sendung haben, die Welt
zu revolutioniren, und da diese Sendung sich sehr bald im grten
Mastabe besttigen wird. Sie fhren frmlich Buch und Rechnung ber
die Verbrechen und Thorheiten, die eigenthmlichen Naturerscheinungen
und die Aufstnde und Umwlzungen in der Welt, die ihnen als
Anzeichen der Wiederkunft Christi, als Wehen des Messias gelten,
und die sie sorgfltig in ihren Archiven aufbewahren. So haben sie
die Geschichte der Cholera, die Umwlzung von 1848, den Streit der
Secten und Kirchen aufmerksam verfolgt und gewissenhaft verzeichnet.
So dringen ihre Emissre in die schmuzigsten Schlupfwinkel des
Lasters in groen Stdten, um die Statistik der Verbrechen kennen zu
lernen. So beobachten sie, soweit sie vermgen, die Praktiken
unredlicher Gesetzgeber und Gesetzvollstrecker, namentlich in
Amerika, und so spren sie den Schwchen und Snden der Geistlichkeit
mit allen Mitteln nach. Die Bcher, welche sie ber die Ergebnisse
dieser Forschungen fhren, werden einst am Tage des Gerichts zu denen
gelegt werden, in welche die Engel Gottes die Thaten der Menschen
verzeichnen und gleiche Geltung mit diesen haben.

Ist nun die Zeit erfllet und das Evangelium Bruder Josephs allen
Vlkern und Zungen gepredigt, so hebt eine Zeit groer Wunder und
Schrecken an. Dann erscheinen zunchst bei den Mormonen die vier
Zeugen der Wahrheit, die nimmer den Tod geschmeckt haben: Sankt
Johannes, der Evangelist, dem es gestattet wurde zu bleiben bis zur
Wiederkunft des Herrn, und drei nephitische Heilige der Kirche, die
Christus nach dem Buche Mormon in Amerika gestiftet hat. Diese
wandern gegenwrtig in Gestalt von Mnnern mittlern Alters ber die
Erde, nehmen die Tracht und Sprache der Lnder an, in denen sie
zufllig sich befinden, und sind schon zu wiederholten Malen
Einzelnen von den Brdern erschienen. In der Zeiten Erfllung aber
werden sie ihr Incognito ablegen und den Latterday-Saints von der
Kanzel herab verknden, was sie zu thun haben. Ferner aber werden die
verlorenen zehn Stmme Israels auf ihrem Durchzuge nach Palstina den
Heiligen in Amerika einen Besuch abstatten. Diese Langvermiten
wohnen jetzt auf einer noch unentdeckten Insel, oder, wie Andere zu
wissen glauben, in einem geheimnivollen Nordlande, welches als eine
Art Planet fr sich jenseit des Polareises mit der Erde um die Sonne
kreist. Ihr Erscheinen wird das Signal zur pltzlichen allgemeinen
Bekehrung der Lamaniten, d. h. der Ureinwohner Amerika's, dieses
Restes vom Samen Josephs sein. Der verachtete Sohn des Waldes,
sagt eine hierauf bezgliche Proclamation der zwlf Apostel des
Propheten, die kurz nach dessen Ermordung erschien, -- der
verachtete Sohn des Waldes, der seither in Kummer und Elend die
Wildni durchwanderte, wird dann seine Maske fallen lassen und mit
mnnlicher Wrde den Heiden zurufen: Ich bin Joseph, lebt mein Vater
noch? Er wird dann geweiht und gewaschen und mit heiligem Oele
gesalbt und in feine Linnen, nmlich in die schnen Kleider der
Priesterschaft nach der Ordnung des Sohnes Gottes gehllt werden.
Herabsenken wird sich auf ihn der Geist des Herrn, gleich dem Thau,
der aufs Gebirge Hermon fllt, und gleich erfrischenden Regengssen,
die auf die Blumen des Paradieses strmen, und wiedererhalten wird
der Enterbte das ihm einst verheiene Theil.

Und nun werden die Kriege des Herrn anheben. Viele Heiden werden sich
bekehren, viele im Unglauben verharren. Beide Massen werden sich zum
Kampfe rsten, die einen unter dem Panier des Papstes von Rom, die
anderen unter der Fahne aller Nationen. Die Heerschaar der Heiligen
wird, von ihrem Seher gefhrt, der den von Joseph Smith im Hgel
Cumorah gefundenen Brustharnisch trgt und das Schwert Labans
schwingt, gegen die der Unglubigen heranstrmen und sie in der
groen Schlacht darniederwerfen, welche in der Schrift mystisch die
Schlacht Gogs und Magogs genannt wird. Der Herr wird sein Volk
dadurch untersttzen, da er die Gegner mit Feuerregen, Pestilenz und
Hungersnoth heimsucht. Sie werden vollstndig ausgerottet werden, und
ihre Lndereien und sonstigen Besitzthmer den Siegern zufallen, die
inzwischen Jackson County, im Staate Missouri, das rechte und letzte
Zion erbaut haben. Dieses Zion, von dem Joseph, der Prophet, gleich
zu Anfang seiner Laufbahn so Ueberschwngliches weissagte, wird die
Hauptstadt des westlichen Festlandes sein. Es wird mit seinem
gewaltigen Tempel und seiner Priesterschaft wie eine Standarte sein,
deren Aufrichtung allen Spaltungen religiser und politischer Art ein
schleuniges Ende machen und alle Republiken, Knigreiche, Provinzen,
Vlker, Stmme und Sprachen Nord- und Sdamerika's zu einem groen
Bunde umgestalten wird.

Und whrend so das tausendjhrige Reich Christi im Westen sich
vorbereitet, ist der stliche Continent Zeuge von nicht geringeren
Umwlzungen und Neubildungen. Die zehn Stmme Israels kehren gleich
den Zerstreuten Juda's nach Jerusalem zurck und bauen dort den
Tempel wieder auf. Dann wird die gesammte alte Welt, soweit sie nicht
zu den Glubigen gehrt, sich wider sie erheben, mit Heeresmacht
gegen sie heranziehen und die heilige Stadt belagern. Der Herr aber
wird den Geist der Gnade und des Gebets ber die Bewohner Jerusalems
ausgieen, und Christus, den ihre Vter gekreuzigt, wird sich an ihre
Spitze stellen. Von ihm gefhrt, werden sie in einer gewaltigen
Schlacht am Oelberge alle Heiden darniederlegen. Diesem Triumphe der
Juden folgt ein allgemeiner Umsturz der Dinge in Europa sowohl wie in
Asien. Christus wird Knig der Kinder Israel, Jerusalem seine
Hauptstadt und der Mittelpunkt der alten Welt. Die Hfe von Paris,
London, Petersburg, Rom und Wien -- die Berliner Gromacht scheint
dem Gotte, der die Offenbarung ertheilte, nicht bekannt gewesen zu
sein -- mssen sich dem Messias als Oberlehnsherrn unterwerfen.
Weigern sie sich dessen, so werden ihre Throne umgestoen und ihre
Reiche vernichtet.

Entsprechend dieser Vereinigung der Erdenvlker wird auch eine
Vereinigung der bisher getrennten Erdtheile stattfinden. Das Meer
wird sich nach anderen Gegenden unseres Planeten zurckziehen, und
alle Inseln und Continente werden Beulah, d. h. auf Neugyptisch:
verheirathet werden, soda von dem stlichen nach dem westlichen
Jerusalem (in welchem letztern Christus sein zweites groes
Heiligthum und seinen zweiten Thron haben wird) jene mchtige
Heerstrae erbaut werden kann, welche der Lwe nicht betreten und
des Adlers Auge nicht gesehen. Endlich werden unter Erdbeben
unzhlige Heilige des Alterthums aus ihren Grbern steigen, um an der
Glckseligkeit des Millenniums theilzunehmen.

Und am Ende des tausendjhrigen Reichs wird Denen, welche nicht
aufrichtigen Herzens und nicht gehorsam dem Willen des Herrn gewesen
sind -- den bsen Geistern nmlich -- gestattet werden, eine kurze
Zeit ihren aufrhrerischen Geist unter der Anfhrung ihres
Feldhauptmanns Satan, des groen Drachen, zu bethtigen. Zuletzt aber
werden sie in einer ungeheuern Schlacht besiegt und hinausgeworfen
werden aus dem Reiche der Gerechten.

Und nun erfolgt die zweite Auferstehung und das jngste Gericht. Die
Erde aber wird, durch Feuer gelutert und zu himmlischer Schnheit
verklrt, eine Wohnung Derer werden, die demthig und reinen Herzens
sind.




Neuntes Kapitel.

Die politischen Verhltnisse und die Zukunft des Mormonenstaates. --
Die Unwahrscheinlichkeit, da derselbe durch Ansto von Auen zu Grunde
gehen werde. -- Innere Ursachen des Verfalls. -- Schlubetrachtungen.


Der vorhergehende Abschnitt hat uns in Bildern, gemalt mit dem Pinsel
der Ueberschwnglichkeit, gezeigt, welche Zukunft die Mormonen
erwarten. Der folgende soll sehen lassen, welche Zukunft aller
Wahrscheinlichkeit nach die Mormonen erwartet. Dazu bedarf es
zunchst einiger Nachtrge zu dem, was wir bei Betrachtung des
Kirchenregiments der Secte ber die brgerliche Verfassung der
Gemeinde in Deseret zu bemerken hatten.

Wir sehen die Ansiedler Utahs gegenwrtig zu einem Gemeinwesen
organisirt, welches alle Erfordernisse eines geordneten Staates an
sich trgt. Die gesetzgebende, richterliche und ausbende Gewalt ist
in Behrden ausgeprgt, welche sich der Form nach in nichts von denen
unterscheiden, die in den brigen Gliedern der nordamerikanischen
Union jene Functionen ausben. In wenigen Jahren, vielleicht schon im
nchsten, wird das jetzt noch von Washington abhngige _Territorium
Utah_ dadurch, da es die Zahl von sechzigtausend Einwohnern
erreicht, zum unabhngigen _Staate Deseret_ werden, und wenn die
Anerkennung solcher Souverainett durch den Congre dermalen noch
mangelt, so kann man sich bei dem thatschlichen Besitze derselben,
der aus der Entfernung des Landes vom Sitze der Oberbehrde des
Staatenbundes und aus der Ungeneigtheit dieser Behrde zu strenger
Interpretation ihrer Befugnisse erwuchs, sehr wohl ber das Fehlen
der Form trsten.

Das Gemeinwesen der Mormonen wird von ihnen als eine Theo-Demokratie
bezeichnet. Richtiger wre es, zu sagen, es sei eine entschiedene
Theokratie, die sich nur nach Auen hin und mit Rcksicht auf einige
fremde Elemente im Innern bestrebt, den Schein einer demokratischen
Republik zu bewahren. Um nicht zu grn abzubrechen, hat man sich vom
Prsidenten Fillmore einen Gouverneur geben lassen, hat man
Gerichtshfe nach dem Muster der im Osten bestehenden eingerichtet,
hat man eine gesetzgebende Versammlung gleich denen in den brigen
Territorien gewhlt. Aber die Regeln und Befehle des Herrn, die
allem, was man, nothgedrungen sich accommodirend, jetzt anerkennt,
vorausgingen, sind fr alle Zeit gegeben, und sie erstrecken sich
ebensowohl ber zeitliche und weltliche Dinge, als ber geistliche.
Nur die, welchen Gott seinen Willen direct offenbart, knnen Gesetze
der Wahrheit gem machen, und so ist den Mormonen Brigham Young nur
darum berechtigter brgerlicher Gouverneur, weil er der Seher des
Herrn ist. Htte der Prsident der Union den Bewohnern des
Territoriums einen Andern gesendet, so wrde man ihn mit aller ihm
als Vertreter der Centralgewalt gebhrenden Achtung und Ehrerbietung
empfangen, ihn aber in seiner Eigenschaft als Gouverneur und Leiter
der ffentlichen Angelegenheiten als nicht vorhanden betrachtet
haben. =He would be let severely alone=, sagt ein Mormonenblatt in
Hinblick auf die Mglichkeit eines solchen Falles. Htte er eine Wahl
anordnen oder eine gesetzgebende Versammlung berufen wollen, so
wrden keine Augen dagewesen sein, seinen Erla zu lesen, und er
wrde den Verdru gehabt haben, entweder die alten Statuten ruhig
fortgelten oder eine Legislatur tagen zu sehen, die ohne seine
Mitwirkung zusammengetreten wre und berathen htte. Mit Einem Worte,
man wrde ihm einen hnlichen passiven Widerstand entgegengesetzt
haben, wie den, welcher im Jahre 1851 den drei nicht mormonischen
Beamten der Vereinigten Staaten gegenber an den Tag gelegt wurde,
und es wrde ihm kein anderes Geschft brig gelassen worden sein,
als das freilich ziemlich mhsame, seinen Gehalt aus dem zweitausend
Meilen entfernten Schatze in Washington zu beziehen.

Wie die Kirche, so steht auch der Staat der Latterday-Saints in allen
Beziehungen unter dem Triumvirate der Prsidentschaft, das, wie oben
gezeigt, zwar aus drei Personen zusammengesetzt ist, aber nur einen
einzigen Willen hat. Selbst die sogenannten =Stakes of Zion= oder
Zweiggemeinden, die ber die ganze Erde verbreitet sind, haben dem
Prsidenten und Seher zu gehorchen, und zwar in geistlichen
Angelegenheiten durchaus, in weltlichen soweit, als die betreffenden
Verordnungen der mormonischen Oberbehrde den Gesetzen des Staates,
in dem die Gemeinde sich befindet, nicht widersprechen. Alle
Streitigkeiten sind von der Kirche zu entscheiden: die ber
Gegenstnde der Lehre vom Seher, die ber Gegenstnde des Rechts von
Friedensrichtern, Obergerichten und in letzter Instanz vom
Gouverneur. Allein der Friedensrichter ist der Bischof des in Frage
stehenden Stadt- oder Grafschaftsbezirks, die Herren auf der
Richterbank des Superior-Court sind ohne Ausnahme aus der Mitte der
Hohenpriester, der Siebziger oder der Apostel gewhlt, und Seine
Excellenz der Gouverneur ist der Seher und Offenbarer. Selbst die
gesetzgebende Versammlung, die berdies unter dem Einflusse der
Priesterschaft gewhlt ist, kann keinerlei Anordnungen treffen,
welche gegen die Aussprche des Kirchenhaupts verstoen. Sie hat
letztere lediglich mit den Verhltnissen in Einklang zu bringen und
dadurch anwendbar zu machen.

Die Gerechtigkeitspflege ist von der einfachsten Art. Sie ist auf den
Grundsatz allgemeiner Gleichheit basirt und lehnt sich in vielen
Punkten an die Vorschriften des mosaischen Gesetzes an, dessen
Strafen verhngt werden, so weit dies ausfhrbar ist. Amerikanische
Berichterstatter loben, da bei den Untergerichten die Zeugen selten
vereidet werden, und da man auf die Hinterpfrtchen und
Schlupflcher des Rechts, die den Sachwaltern im Osten so reichliche
Gelegenheit zu Winkelzgen und zu Hinausschleppung der Entscheidung
bieten, wenig giebt, sondern mehr dem gesunden Menschenverstande und
dem einfachen Rechtsgefhle vertraut.

Ein eigenthmlicher Zug in der Gesetzgebung von Deseret ist der, da
die Trgheit mit Strafen bedroht ist. Die Arbeit gilt als heilig.
Faule werden von den Bischfen notirt und zunchst vermahnt, dann
ffentlich nach dem Sonntagsgottesdienste getadelt, endlich mit dem
Fluche belegt. Es giebt in dem Bienenstocke, der das Wappenbild
Deserets ist, keine Drohnen. Wer nicht die Hnde regt, mu hungern.
Der Prophet Joseph zwar wurde von Gott durch eine Offenbarung von der
Verpflichtung zu physischer Arbeit befreit, da er zu sehr vom
Regieren in Anspruch genommen war. Brigham Young dagegen beansprucht
keine solche eximirte Stellung, sondern geht, so weit es seine
anderen Geschfte zulassen, den Brdern mit gutem Beispiele voran,
indem er, seines Handwerks ein Zimmermann, aufs Rstigste in seinen
Sgemhlen arbeitet. Priester und Bischfe thun desgleichen, und die
Apostel und Oberpriester knnen sich ohne Ausnahme rhmen, wie Paulus
der Teppichweber ihr Brot im Schweie ihres Angesichts zu verdienen
und an Werkeltagen durch die That zu lehren, was sie des Sonntags von
der Kanzel in Betreff der Tugend des Fleies vorgetragen haben. Das
hat aber seine guten Folgen nach verschiedenen Seiten. Es lt den
Unterschied zwischen Priester und Laie nicht so schroff erscheinen,
als er der Doctrin nach ist, es verschmilzt die einzelnen Classen
miteinander, es macht die Fhrer der Heerde mit den Wnschen und der
Denkweise der letztern bekannt, und es bereichert den ffentlichen
Schatz; denn je fleiiger die Arbeiter, desto grer die Resultate,
und je grer die Resultate, desto strker die Zehnten. Die letzteren
gehen aber, wie oben erwhnt, nicht lediglich in den Sckel der
Priesterschaft, sondern werden auf ffentliche Unternehmungen, auf
Straen- und Brckenbau, auf Schulen, kirchliche Anstalten, auf die
Unterhaltung der Familien von Missionairen und auf den Tempel
verwendet, soda sie den Steuernden wieder zu Gute kommen und das
ganze System im Grunde nur als eine Art gemigter Communismus
erscheint.

Criminalflle sollen knftig nach den Gesetzen des Herrn
abgeurtheilt werden, einem Codex, der angeblich durch Offenbarung
erlangt, bis jetzt aber noch nicht verffentlicht worden ist, da das
Volk Gottes als noch nicht vllig reif dazu erkannt wurde. Derselbe
soll jedoch bald in Kraft treten. Was davon verlautet, lt an
Drakons Gesetzgebung denken. Denn unter Anderm sollen nach ihm alle
schwereren Verbrechen, zu denen der Ehebruch gezhlt wird, mit
Enthauptung geahndet werden, weil ohne Blutvergieen keine Vergebung
der Snden ist. Ja man sieht dies sogar als einen Act der
Barmherzigkeit gegen den Missethter an, der, wenn er in seiner
Unklugheit oder vom Satan verlockt, durch Snde seine Seligkeit
verscherzt hat, dadurch, da er sein Haupt dem Beile darbietet, seine
Verschuldung shnen und in einen Zustand eintreten kann, wo er von
Neuem eine Prfungszeit beginnt.

Man hat die Fhrer der Mormonen angeklagt, sich wiederholt in
gehssiger und verchtlicher Weise ber die Persnlichkeiten
ausgesprochen zu haben, welche an der Spitze der Regierung in
Washington stehen oder gestanden haben, und man hat daraus einen
baldigen Zusammensto mit der Centralgewalt prophezeien wollen.
Allein dergleichen Angriffe auf die Staatsmnner der Union sind in
der amerikanischen Presse und bei den Rednern der Volksversammlungen
etwas Alltgliches, und Niemandem wird es beikommen, aus dem
Umstande, da ein abolitionistisch gesinnter Gouverneur oder Senator
von Massachusetts oder Rhode Island die Herren in Washington wegen
des Gesetzes gegen die flchtigen Sclaven als Verrther bezeichnete,
weissagen zu wollen, der Staat Massachusetts oder Rhode Island wolle
sich von der Union losreien. Ueberdies aber haben die Mormonen in
allen ihren Reden und Schriften auf das Geflissentlichste gegen den
Staatenbund selbst und gegen die Constitution ihre Achtung und
Anhnglichkeit an den Tag gelegt, und mag dies bei Einigen eine bloe
Kundgebung der Vorsicht, ein bloes theatralisches Geprnge gewesen
sein, bei der Mehrzahl war es gewi aufrichtig und ehrlich gemeint.
Nicht ohne einen gewissen Schein des Rechtes, der Leuten ohne
Kenntni der Diplomatie leicht als das Recht selbst erscheinen
konnte, htten sich die Ansiedler von Utah im Jahre 1848 unabhngig
vom Mutterlande erklren knnen. In Missouri und Illinois grausam und
ungerecht behandelt, vom Congresse und Prsidenten nicht geschtzt,
wanderten sie vor ihren Verfolgern nach einer Gegend aus, die, als
ihre erste Colonne dort anlangte, mexikanisches Gebiet war. Ihre
junge Mannschaft half dieselbe erobern, ihr unermdlicher Flei, ihre
Ausdauer und ihre Umsicht schuf sie aus einer nur theilweise
bewohnbaren Wste in ein blhendes Culturland um. Schon waren sie
geraume Zeit dort angesessen, als der Friedensschlu erfolgte, durch
den Utah an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde. Sie htten sich
dagegen verwahren knnen; denn so wenig auch das Vlkerrecht dies
anerkennt, wrde ein solcher Protest in der Geschichte Nordamerika's
nicht ohne Beispiel gewesen sein. Allein nicht sobald hatten sie die
Kunde vernommen, die sie aus Exulanten in Brger der Union
verwandelte, als sie die erste Gelegenheit ergriffen, ihre
Anhnglichkeit an das alte Vaterland zu erklren und dessen
Verfassung als auch fr sie bindend anzuerkennen.

Da man aber auch noch jetzt so denkt oder wenigstens so zu denken
sich den Anschein giebt, mag die folgende, aus Gunnisons Buche
entnommene Schilderung der Feier des dritten Jahrestages ihrer
Ankunft auf dem Boden Deserets zeigen. Die Feier des vierten Juli
1851, die wir nach andern Quellen an einem andern Orte beschrieben
haben,[7] stimmt damit berein, und es bleibt kein Zweifel, da die
Mormonen Brger der Union sein und bleiben wollen, wenn ihre
Verehrung vor der Constitution auch =cum grano salis= zu nehmen ist.
Gunnison erzhlt:

  [7] Im zweiten Bande der Wanderungen zwischen Hudson und
      Mississippi, Seite 66, ff.

Um zehn Uhr Morgens verkndete Kanonendonner der Stadt, da die Zeit
gekommen sei, sich nach der Bowery, wo einst ihr Tempel stehen wird,
zu verfgen. Die Wrdentrger der Kirche und die Beamten der von den
Vereinigten Staaten abgesendeten Vermessungs-Commission fanden sich
in dem neuen Wohnhause des Prsidenten ein, wo sie mit der
Zuvorkommenheit und Artigkeit empfangen wurden, die den Gouverneur
von Utah auszeichnet. Um elf Uhr marschirte vor dem Hause ein
starker, gutausgersteter Trupp Militair auf, gefhrt vom General
Wells und begleitet von einem Musikchore, sowie von vierundzwanzig
Bischfen in Amtstracht, welche Fahnen trugen. Die Gste, die
Wrdentrger und die Prsidentschaft ordneten sich dann zum Zuge und
setzten sich hierauf unter dem Commando des Generals, seiner
Adjutanten und des Marshal of the Day, whrend die Musik spielte
und die Kanonen donnerten, mit wehenden Bannern nach dem groen
Platze in Bewegung, wo die Hauptfeierlichleit stattfinden sollte.

Hier waren in der musterhaftesten Ordnung und Ruhe gegen sechstausend
Personen versammelt, alle in sauberen Sonntagskleidern und mit
freudestrahlenden Gesichtern. Als der Redner, die Prsidentschaft,
die Vter oder betagten Mnner sowie die vornehmsten Gste auf den
zahlreichen Bnken der Erhhung Platz genommen hatten, wo die
Rednerbhne stand, rief einer der zwlf Apostel betend den Segen des
Himmels auf die Versammlung herab. Dann las der Marshal das Programm
der Festfeier vor, und hierauf folgte ein Vortrag des Redners, in
welchem er sich mit beredten Worten an den Stolz, die Vaterlandsliebe
und das Gerechtigkeitsgefhl seiner aufmerksamen Zuhrer wendete. Er
zhlte ihre vielfltigen Prfungen und deren glorreiche Endergebnisse
auf, forderte sie auf, ihre Ehre und ihre Rechte gegen jede
Beeintrchtigung aufrecht zu erhalten und erklrte in ihrem Namen,
da jeder Angriff, der aus diesem Grunde auf sie gemacht wrde, auf
krftigen Widerstand stoen solle. Dann wurden Reden vom Prsidenten
und von Anderen gehalten, die alle den Zweck verfolgten, die
Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit der Feier zu lenken und den Hrern
klarer zum Bewutsein zu bringen, warum und aus welchen Ursachen
dieser Tag ein denkwrdiger sei.

Hiernach kam die Hauptsache. Es war die Ueberreichung der Verfassung
der Vereinigten Staaten, sowie der von Deseret an den Gouverneur,
damit er und seine Nachfolger sie als getreue Wchter hteten. Die
Urkunden wurden durch vierundzwanzig Betagte, silberhaarige Mnner,
Shne und Nachkommen der Freiheitshelden von 1776 bergeben. In
wohlgesetzter, kurzer Ansprache ermahnte ihr Sprecher den Gouverneur
zur Treue gegen die Constitution. Er sagte ihm, da diese Vter vor
ihm bald von der Schaubhne dieses vielbewegten Lebens abtreten
wrden, und da sie, bevor sie gingen, um nicht wiederzukehren, so
lange das gegenwrtige weltliche Regiment whre, das Erbtheil, das
sie von dem vergangenen Geschlechte empfangen, in sichere Hnde zu
legen wnschten, damit es ungeschmlert bewahrt werde bis zu der
Zeiten Erfllung. Es wre die glorreiche, die gttliche Verfassung,
die der Herr den Staatsmnnern von ehedem eingegeben habe, und sie
bten, da dieselbe in die Archive ihres aufblhenden Staates
niedergelegt wrde, als ein heiliges Kleinod, als das Palladium der
Freiheit, als die oberste Herrschermacht unter Gott, der ber die
Geschicke der Vereinigten Staaten wache, als eine krperlose Gewalt,
die lediglich in der Liebe und Treue ihrer Unterthanen, freigeborener
Mnner, existire. Sie msse heilig gehalten werden, Jedermann in den
Bergen msse durch Eidschwur zu ihrer Vertheidigung verpflichtet
werden. Denn drohende Wolken wlzen sich am stlichen Himmel empor,
und die ursprnglichen Wahrer und Untersttzer wrden bald von ihrer
Treue gegen die stumme und doch so beredte Constitution lassen und,
nach dem Willen des Himmels von Sinnen gekommen, heranstrzen, um
ihre Hnde mit Bruderblut zu beflecken, whrend droben in den Bergen
die auserwhlten Hter sich des heiligen Kleinods erfreuen und
endlich wie der Adler von seinem Horste herniederfliegen wrden, um
dem bereuenden Ueberreste jenen Frieden wiederzugeben, durch den
dieses hochbegnadigte Land allein gedeihen knne; zugleich mit der
weltlichen Urkunde aber wrden sie Jenen die Wahrheit bringen, die
allein freimachen knne.

Die Festlichkeit wurde durch ein glnzendes Bankett beschlossen,
welches in der Wohnung des Prsidenten fr diejenigen veranstaltet
wurde, die von dem Militair und den Bischfen nach der Bowery
geleitet worden waren. Trinksprche, Reden, Musik und Gesang
wechselten mit einander bis zum Abend, wo die freudeberauschte Menge,
ohne da ein Zwischenfall den Einklang der Feier gestrt htte,
auseinanderging und unzweifelhaft den Glauben mit heimnahm, da die
Mormonen das grte Volk der Erde und ihre Regenten die weisesten
Mnner unter der Sonne seien. Ihr Seher hatte ihnen gesagt, da sie
keine irdische Macht zu frchten htten, und da man entschlossen
sei, sich als Staat zu behaupten, was auch Congre oder Prsident in
Washington reden oder thun mge, und das Volk hatte wie mit einem
Munde darauf geantwortet: Amen, so soll es sein, es ist der Wille der
himmlischen Gerechtigkeit.

Ein Blick auf diese Reden zeigt, da die Mormonen die Verfassung fr
eine heilige, ja von Gott eingegebene Urkunde halten und da sie
Brger der Vereinigten Staaten sein, da sie es aber auf ihre eigene
Weise sein wollen. Dagegen wird sich, sobald das Territorium zum
Staate geworden ist, nichts Triftiges einwenden lassen. Die
Constitution verbrgt die unbeschrnkteste Gewissensfreiheit, indem
sie durch einen Zusatzartikel von 1794 bestimmt: der Congre soll
kein Gesetz erlassen, welches sich auf die Einfhrung irgend einer
Religion bezieht oder die freie Ausbung einer solchen verbietet. Sie
schreibt den einzelnen Gliedern der Union in Bezug auf ihre
Verfassung nichts vor, was in dem Mormonenstaate nicht erfllt wre.
Sie verleiht endlich der Centralgewalt nicht das Recht, sich in die
inneren Angelegenheiten der von ihr zu einem Ganzen verknpften
souverainen Republiken zu mischen.

Etwas Anderes ist es aber, so lange Utah noch Territorium ist. In
dieser Eigenschaft ist es als unmndig zu betrachten. Sein
gesetzlicher Vormund ist der Prsident in Washington, in dessen
Belieben es gestellt ist, wie viel Freiheit er -- natrlich mit
steter Rcksicht auf die Constitution -- dem Mndel gestatten, wie
viel Rcksicht er auf seine eigenthmlichen Verhltnisse nehmen
will. So mchte es den Mormonen, wenn der Prsident ihnen Beamte
gegen ihren Willen geben wollte, schwer fallen, darin einen
verfassungswidrigen Act nachzuweisen. Eine Unbilligkeit aber wrden
in solchem Verfahren selbst die Gegner der Secte erkennen mssen.

Die Ansiedler von Deseret vergleichen ihre Stellung nicht unpassend
mit der Lage, in welcher sich die amerikanischen Colonien vor
Ausbruch des Unabhngigkeitskriegs befanden. Sie sehen den einzigen
Unterschied darin, da letztere sich darber zu beschweren hatten,
da man ihnen Steuern zumuthete, ohne ihren Interessen Vertretung im
Parlamente des Mutterlandes zu gewhren, whrend sie, die Mormonen,
eine Ungerechtigkeit darin finden, wenn von auswrts gekommene
Regierungsbeamte, die ihren Glauben und ihre eigenthmlichen
Gewohnheiten nicht kennen, ihnen Gesetze aufnthigen sollten. Bei
allem Widerwillen, den uns ihr Aberglaube und die Verkehrtheit
mancher ihrer gesellschaftlichen Einrichtungen einflt, knnen wir
diese Klage und das damit zusammenhngende Verlangen, sie nach ihrer
Faon selig und auf Erden glcklich werden zu lassen, nur billigen.
Einige amerikanische Zeitungen haben andere Ansichten ausgesprochen.
Der Prsident Fillmore ist auf jenen Wunsch nur theilweise
eingegangen, indem er dem Territorium wenigstens drei nicht zu den
Latterday-Saints gehrende Beamte gab. Pierce, sein demokratischer
Nachfolger, hat eine richtigere Politik eingeschlagen und dem
Territorium in Bezug auf die Wahl seiner Beamten nichts Unliebsames
zugemuthet, ein Verfahren, wodurch der bedrohte Friede bis auf
Weiteres gesichert scheint.

Die Frage, ob die Mormonen sich von Washington Leiter ihrer
Angelegenheiten und Richter in streitigen Dingen schicken lassen,
oder sich -- vorausgesetzt, da damit die Verfassung der Union
nicht verletzt wird -- selbst regieren und richten sollen, ist im
Grunde nur eine Frage der politischen Etiquette, und es wrde
nicht blos unbillig, sondern auch unklug sein, wollte man aus
ihrer Weigerung, dieselbe zu Gunsten der Centralregierung zu
bejahen, einen Hochverrathsproce herleiten und irgend welche
Zwangsmittel anwenden. Die Folge wrde ein Aufstand der Colonie in
den Felsengebirgen sein, zu dessen Dmpfung man zunchst
vielleicht etliche Dragonerregimenter, wie dies von den
Heisporns unter den Zeitungsschreibern in den Staaten bereits
angekndigt worden ist, absenden wrde. Diese Truppen wrden nun
entweder vor den befestigten Pssen in den Rocky Mountains
umkehren mssen, oder man wrde in Deseret sich fgen, und sie
wrden, um fernere Auflehnungen zu verhten, als Besatzung im
Lande zurckbleiben. Dabei knnte es aber nicht fehlen, da die
Strenge der Befehlshaber wie einst in Missouri als Anmaung und
grausame Hrte ausgelegt werden wrde. Die ohnedies in ganz
Amerika verbreitete Geringschtzung des Soldaten ferner wrde bei
dem nun nher gerckten Vergleiche ihrer Trgheit mit dem eigenen
Bienenfleie zur Entrstung sich steigern, die sprichwrtliche
Galanterie der Epaulettentrger gegen das schne Geschlecht
endlich bei den Haremsbesitzern unter den Latterday-Saints die
Dmonen der Eifersucht wecken. Die Erinnerung an das Gesetz, das
auf den Ehebruch Todesstrafe setzt, lge dann nahe, der Ha gegen
die Heiden wrde auch die Ueberlegsamern leicht ber den rechten
Weg verblenden, und wer kann dafr brgen, ob dann nicht eines
Tags die Timpanogaberge ein Seitenstck zur sicilianischen Vesper
shen? Mchten also die Mormonen sich den Dragonern Uncle Sams
unterwerfen oder nicht, in beiden Fllen wrde man einen groen
Krieg fhren mssen. Dieser Krieg wrde in seinem Ausgange zwar
nicht zweifelhaft sein; er wrde aber bei der Entfernung Deserets
von den Grenzen der Civilisation, bei der Schwierigkeit des
Transports von Geschtz und Proviant durch Wsten ohne Straen und
schiffbare Flsse, die das Mormonenland von allen Seiten umgeben,
bei der Umwallung desselben mit schroffen Bergketten und bei der
kriegerischen Tchtigkeit der dann zum glhendsten Fanatismus
erhitzten Heiligen auerordentliche Opfer an Geld und Menschen
erfordern und vielleicht Jahre hindurch dauern; ganz abgesehen
davon, da er das erste Beispiel eines Brgerkriegs wre -- ein
Beispiel, welches die Vereinigten Staaten bei dem Zwiespalte
zwischen dem Norden und dem Sden mehr wie irgend ein anderer
Staat zu frchten haben.

Und was wre selbst mit dem raschesten und vollstndigsten Siege ber
die Emprer erreicht? Unser Jahrhundert gestattet keine
Albigenserkriege, und so knnte die Strenge des Gesetzes nur einige
von den Schuldigen treffen. Die groe Masse abermals von Haus und Hof
zu vertreiben, drfte man sich ebenso wenig erlauben. Man mte sie
darum in ihrem Besitze lassen und sie durch eine Truppenmacht, welche
bei der Ausdehnung der Ansiedelungen in Deseret die reichliche Hlfte
der Armee der Vereinigten Staaten in Anspruch nehmen wrde, im Zaume
zu halten suchen. Dadurch wrde die Colonie verarmen. Das Bewutsein
erlittenen Unrechts wrde sich ferner von Geschlecht zu Geschlecht
fortpflanzen, und man htte sich mitten auf dem Wege vom Mississippi
nach Californien, mitten unter den Rothhuten, den dereinstigen
Glaubensgenossen der Heiligen vom jngsten Tage, einen heimlichen,
nur auf Gelegenheit zur Rache harrenden Feind geschaffen, statt da
man an dem Gebirgsstaate Deseret jetzt eine Herberge der Wanderer
nach dem Goldlande am Stillen Meere und eine Veste gegen die Wilden
besitzt, die mit der Zeit bessere Dienste zur Abwehr und zur Zhmung
ihrer Horden leisten wird, als alle die Forts an der westlichen
Grenze zusammengenommen. Endlich aber htte man die Besiedelung
dieser wsten Strecken, die von dem fleiigen Volke der Mormonen mit
so berraschendem Erfolge begonnen und fortgesetzt worden ist, auf
Jahre und Jahrzehente hin gehemmt, ja vielleicht fr immer gestrt,
da schwerlich Andere, als religis Verfolgte und durch religise
Bande Zusammengehaltene diese Einden ohne schiffbaren Flu zum
Wohnplatze whlen und sich dort behaupten drften.

Aus diesen und anderen, hier nicht anzufhrenden Grnden ist es
wahrscheinlich, da man die Mormonen gewhren und ihren Staat zur
Mndigkeit heranreifen lassen wird. Young und die brigen Leiter der
Secte werden sich vor extremen Ansprchen hten und wenigstens den
Schein der Gesetzlichkeit bewahren. In Washington aber wird man ber
geringfgige Abweichungen von der Regel hinwegzusehen wissen. Deseret
wird in weniger als zehn Jahren hunderttausend und vielleicht mehr
Einwohner haben, und die Welt wird das seltsame Schauspiel einer
Priesterrepublik, die Glied eines aus Demokratien bestehenden
Staatenbundes ist, erleben.

Dennoch ist dem Mormonenthume in Deseret kein gnstiges Horoskop zu
stellen. Mglich, da diese Pseudoreligion sich Jahrhunderte erhlt.
Mglich auch, da der Staat Deseret eine Zeit lang als Theodemokratie
Bestand hat -- in seiner jetzigen Gestalt wird keines von beiden
Dauer haben, und nicht unwahrscheinlich ist es, da schon die
nchsten Jahre einen groen Ri durch das von Joseph Smith gegrndete
Gebude gehen und eine vllige Umgestaltung desselben sich vollziehen
sehen. Nicht von Auen, wohl aber von Innen, wird der Sturm sich
erheben, der es erschttern wird. Aus der Mitte der Secte selbst wird
der Zerfall sich entwickeln, und zwar werden die Ursachen des
Zwiespalts um so eher wirken, je bereitwilliger man den Mormonen
gewhrt, was sie verlangen, je mehr man sie als nicht vorhanden
betrachtet und sich selbst berlt. Der Kitt, der sie bisher
zusammenhielt, hatte zu seinem Hauptbestandtheile das Mrtyrerthum,
das sie durchmachten. Bedrohungen von Auen lieen sie nach Auen
blicken, und so bersah man, da im Innern die bse Saat bse Frchte
reifte. Dazu kam der Kampf mit der Wste, die Sorge fr die
materielle Existenz. Sich nicht mehr gefhrdet wissend und sich einer
gesicherten Existenz erfreuend, wird man in Kurzem zum Gefhle und
durch dieses zur Erkenntni wenigstens der schreiendsten Misbruche
und Irrthmer kommen, und der Erkenntni wird der Abfall von dem
Bisherigen auf dem Fue folgen.

Das Mormonenthum knnte sich dieser Erkenntni, die seine rgste
Feindin ist, mglicherweise lnger erwehren, wenn es sich vollstndig
von der brigen Welt abzuschlieen vermchte. Aber einerseits beruht
sein Wachsthum auf der Einwanderung, und anderntheils erlaubt der
Geist unserer Zeit berhaupt keine derartige Isolirung. Keine zwanzig
Jahre wird es dauern, so wird die Rieseneisenbahn, welche den
Atlantischen mit dem Stillen Ocean verbinden soll, vollendet sein,
und diese Schienenstrae mu das Gebiet der Mormonen wo nicht
durchschneiden, doch berhren. Sie wird den Werth des Landes
steigern, indem sie die Preise der Producte erhhen wird. Sie wird
aber auch die Ader sein, durch welche das Lebensblut des neunzehnten
Jahrhunderts, die Aufklrung und die Bildung desselben wieder in
dieses abgebundene Glied der geschichtlichen Menschheit dringt.

Hchst wahrscheinlich wird die Reaction des gesunden
Menschenverstandes sich schon frher durch den Wahn und die Bethrung
Bahn brechen, die jetzt die Massen gefangen halten. Die erste Strung
der jetzigen Harmonie wird vermuthlich von der Vielweiberei ausgehen.
Man kehrt damit zu asiatischer Barbarei zurck, whrend man auf der
andern Seite doch durch eifrige Sorge fr Unterrichtsanstalten die
Bildung zu frdern bemht ist. Man giebt den Mdchen eine gleich gute
Erziehung wie den Knaben, und doch lt man ihnen in der Praxis
fhlen, da sie tief unter dem Manne stehen. Die Rcksichten und
Aufmerksamkeiten, welche die Sitte civilisirter Nationen dem
weiblichen Geschlechte zu erweisen gebietet, sind dem Mormonen eine
unsinnige heidnische Mode, und sein Weib hat keinen andern Werth
als den einer Mutter in Israel, d. i. aus der Sprache frommer
Phrasen in die gewhnliche Rede bersetzt: sie hat nur Werth als
Maschine zur Fllung des Landes mit den sechzigtausend Einwohnern,
die zur Verwandlung des Territoriums in einen Staat erforderlich
sind. Das ist eine Philosophie fr Feldmuse und Kaninchen, nicht fr
Menschen. Selbst der Trke sieht die Sache nicht von diesem
Standpunkte an. Ueberdies aber werden die Harems Asiens mit Mdchen
gefllt, die man nicht um ihre Einwilligung gefragt hat. Das
Mormonengesetz dagegen erlaubt den jungen Damen, die zur Versiegelung
begehrt werden, Einspruch zu thun, wenn es sie auch mit dem Zorne des
Herrn bedroht, wofern sie seiner Anordnung sich nicht unterwerfen.
Denke man sich nun, da einem jungen Mdchen von einigem Zartgefhl
die Frage vorgelegt wrde, ob sie wohl Neigung spre, Frau Y. Nummer
20 zu werden, oder ob sie sich einem Manne vermhlen lassen wolle,
der nach einigen Jahren sie, die dann Verblhte, vernachlssigen, auf
Wochen unsichtbar werden und endlich eines schnen Morgens in ihr
Zimmer treten knne, um ihr zu sagen: Freue mich von Herzen, Dich
einmal zu sehen, Liebste; wrde entzckt sein, ein Stndchen mit Dir
zu verplaudern, aber -- hm, beilufig -- hast Du wohl schon meine
neueste Braut Nummer 10 gesehen? -- ein recht nettes Kind! Denke man
sich diese Frage einer jungen Dame von Erziehung vorgelegt, so wird
man ber die Antwort nicht in Zweifel sein, und in der That sind
schon jetzt die Flle nicht selten, da Brgerinnen von Deseret, die,
von hochstrebenden oder bigotten Mttern genthigt, auf
Versiegelungen mit dem einen oder dem andern Pascha der Secte
eingegangen waren, ihrem Besitzer entflohen, um sich mit den
Mischlingen der Grenze oder Indianern zu verheirathen, indem sie das
rauhe Leben in den Lederzelten der Wste der unwrdigen und
langweiligen Stellung im Harem jenes Nachfolgers der Erzvter
vorzogen. Wenn das aber am grnen Holze geschieht, was soll's mit dem
drren geben?

Ein zweiter Grund zu Zwistigkeiten wird die vom Propheten Joseph
herrhrende emendirte Bibel sein, die dem Vernehmen nach in Kurzem
erscheinen wird. Bis jetzt war fr Angriffe auf die Lehre und fr
Prfung derselben kein fester Halt vorhanden. Alles war fortwhrende
Verwandlung, unaufhrliche Vervollstndigung. Mit jener Bibel wird
der Abschlu dieser Entwickelung gegeben sein, und nicht lange wird
es dauern, ehe sich aus der Interpretation des Grundbuchs Secten in
der Secte bilden.

Eine fernere Ursache zu Zerwrfnissen liegt in der Einwanderung von
Elementen, welche nicht aus Fanatismus, sondern um ihre Verhltnisse
zu verbessern kommen. Schon jetzt beklagen sich die Fhrer der Secte
hufig ber die Selbstsucht, die unter dem Volke herrsche, whrend
die Ausfhrung der Plne Joseph Smiths und Brigham Youngs eine
Selbstverlugnung des eigenen Interesses fordert, wie sie bisher nur
die Mitglieder der Gesellschaft Jesu an den Tag legten. Ganze
Familien wandern aus den englischen Manufacturdistricten nach dem
Mormonenlande aus, weil ein Sohn oder der Vater von den Emissren der
Latterday-Saints bekehrt worden ist, und weil man ihnen, die hier
Noth leiden, dort eine Flle des Besitzes in Aussicht stellt. Viele
dieser Emigranten gehrten in der Heimat den Chartisten, diesen
rothen Republikanern Englands, an. Sie kommen in Deseret an und
mssen sich hier ganz gegen ihre Meinung von Dem, was der ideale
Staat ist, verhalten, mssen sich Gesetzen, die sie nicht gemacht
haben, unterwerfen, mssen Maregeln, die sie im Stillen als Tyrannei
verwnschen, wie gttlichen Geboten gehorchen. Andere werden durch
ihren Aberglauben ber diese Misstnde verblendet und getrstet. Den
Unglubigen verst sich die bittere Pille nicht, und diese
Mormonischen werden daher die erste Gelegenheit ergreifen, die sich
darbietet, um das mit Widerwillen getragene Joch abzuschtteln.

Eine vierte Mine, die ber kurz oder lang explodiren mu, haben die
Lenker der Angelegenheiten in Deseret sich selbst in der Besteuerung
durch den Zehnten gegraben. Durch dieses System werden ungeheure
Summen aufgehuft und der Prsidentschaft zur Verfgung gestellt,
ohne da diese ber ihre Verwendung Rechenschaft zu geben htte. Die
Bestimmung des Zehnten ist die, da er zum Unterhalt der Priester und
fr Anstalten der ffentlichen Wohlfahrt verwendet werden soll. Wie
aber, wenn er zu Privatzwecken des Sehers und seiner Vertrauten
verwendet wrde? Niemand wei es, mancher Verstndige wird es bei der
Versuchung, die in der unverantwortlichen Verwaltung liegt, fr
mglich, mancher Mistrauische es fr sehr wahrscheinlich und
vielleicht fr ausgemacht halten. Es kann nicht lange dauern, so
werden diese Gedanken sich in Stimmen verwandeln. Man wird es
unertrglich finden, da die Hirten der Heerde sie wirklich als
Heerde behandeln, die nichts hineinzureden hat, wenn der Schfer ihre
Wolle verwerthet. Man wird die Klgeren und Khneren mit der
Vermuthung, da Alles im Grunde auf eine religise Speculation
hinauslaufe, nicht mehr hinter dem Berge halten sehen. Der Arbeiter,
der auf staubigem Felde sich mit Hacke oder Grabscheit qult, wird
die unmuthige Frage aufwerfen, ob die Lasten und die Rechte nicht
allzu ungleich vertheilt seien, wenn dort in prchtiger Karosse,
Musik vorauf, ein glnzendes Gefolge hinterher, der Prsident der
Kirche mit seinen zwei Dutzend Weibern ber das Gefilde fliegt,
whrend hier der Arme im Schweie seines Antlitzes den Hafer fr die
sechs Pferde vor dem Wagen, den Unterhalt des Harems und die Kosten
fr den gesammten Prunk des heiligen Mannes verdienen hilft.

Endlich ist das gute Einvernehmen zwischen der Prsidentschaft und
den brigen talentvollen Persnlichkeiten unter den Latterday-Saints
keineswegs so fest gegrndet, da es ber alle Strung erhaben wre.
Was dem ersten Triumvirate mit dem Propheten Joseph an der Spitze
geschehen konnte, kann -- wenn auch nicht so leicht wie damals --
auch jetzt wieder eintreten.

Es bedarf keines bergroen Scharfblicks, sagt Gunnison, um die
wachsende Neigung zu anderen Persnlichkeiten als denen, die jetzt
die Regierung bilden, zu bemerken, und wenn Parteien entstehen, so
wird die Bewunderung Young's bald keine allgemeine mehr sein. Noch
haben sich deren keine zu Gunsten dessen gebildet, welcher jetzt den
zweiten Rang im Staate einnimmt, und welcher als der beste
Geschftsmann im Thale gilt. Aber es wrde nur wenig tyrannisches
Gebahren, nur wenig Neuerung in der Lehre auf Seiten des Sehers
bedrfen, um die Anklage auf Ehrgeiz und Ketzerei hervorzurufen. Wie
Lucifer im Himmel und Rigdon in Nauvoo wrde er von zahlreichen
Stimmen seiner hohen Stellung verlustig erklrt werden, und ein Votum
der Gemeindevorsteher oder der Wille der Mehrheit des Volkes wrde
ihn absetzen.

Brigham Young ist sich dessen wohl bewut. Er wei, da hinter der
Theokratie fortwhrend die Demokratie lauert, und er htet sich vor
ihr mit aller der Schlauheit, die ihm eigen ist. Er nimmt sich in
Acht vor unberlegten Offenbarungen, lt lieber merken, da sehr
bald Dinge von hchster Wichtigkeit ans Licht treten werden, und
versichert, da Joseph der Seher mehr Schpfungen zu vollenden
gelassen habe, als man in fnf Jahren fleiigsten Arbeitens zu Stande
bringen knne. Wenn man erfllt habe, was er im Auftrage Gottes
aufgegeben, so knne man sich von den Engeln mehr Licht erbitten.

Alle diese Samenkrner des Ehrgeizes, des Mistrauens und des
Misvergngens sind in einen fruchtbaren Boden geset, und lt man
sie sich ruhig bestocken und aufsprossen, so werden sie in Kurzem die
Einigkeit zerstren, welche die Gemeinschaft der Mormonen so
achtunggebietend und so furchtbar fr Jeden macht, der sie nach
seinem Willen zu zwingen sich versucht fhlen mchte. Man kann dieses
Volk recht fglich mit den Puritanern von Neuengland in den ersten
Jahrzehenten nach ihrer Niederlassung in Amerika vergleichen. Sie
haben ganz denselben Muth, ganz dieselbe Thatkraft und Ausdauer, ganz
dieselbe bigotte Ausschlielichkeit bewiesen, haben noch furchtbarere
Verfolgungen berlebt, haben noch fter als jene im Besiegtwerden
gesiegt und eine noch dere Wste in's Joch der Cultur gezwungen, so
da jetzt zwei Grashalme wachsen, wo vorher nur einer wurzelte. Sie
haben alle diese Resultate erreicht, obwohl ihr Charakter bei Weitem
nicht so rein und edel und ihre Sache um Vieles weniger gerecht ist,
als die des Hufleins der Pilgervter des siebzehnten Jahrhunderts.

Auf dem einen Schauplatze hat das theodemokratische Regiment
herrliche Frchte gebracht, und ist in diesen Frchten untergegangen.
Mge es auf dem andern Schauplatze ebenso sein. Die Hoffnung dazu ist
vorhanden.


                    Druck von Fr. Ries in Leipzig.

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                    =LEIPZIG, bei CARL B. LORCK:=

               =(Johannesgasse Nr. 6--8, Nies' Haus.)=

                  =Illustrirte Conversationshefte.=

                             =Nr. 1--12.=

                 =Mit vielen Abbildungen und Karten.=

                  =Preis einer jeden Nummer 5 Ngr.=

                                -------

=Die allgemein wichtigen Fragen der Gegenwart sollen in diesen Heften
populr, jedoch grndlich, behandelt, und durch bildliche
Darstellungen Das zur Anschauung gebracht werden, was leichter durch
das Auge als durch Beschreibung Eingang findet.=

=Jedes Heft bildet ein Abgeschlossenes und ist einzeln zu haben zu
dem Preise von 5--10 Ngr.=

=Vierundzwanzig Hefte, welche im Subscriptionspreise 4 Thlr. kosten,
bilden einen Band, wozu Haupttitel und Inhaltsverzeichniss geliefert
werden, ausserdem werden aber passende Abschnitte mit Separattiteln
versehen.=

                                -------

=Nr. 1) Der Sund und die Belte. 2) Die schwedische Ostsee. 3) Der
finnische Meerbusen. 4) Die Krim und das Schwarze Meer. 5) Die Donau
und der Balkan. 6) Die Kaukasischen Lnder. 7) Die Orientalische
Frage. 8) Die Russen in den Donaufrstenthmern. 9) Der
Winterfeldzug an der Donau. 10) Die Alliirten und Russland. 11) Die
Pontus-Expedition. 12) Die Belagerung Sebastopols.=

=Nr. 1--6 bildet vollstndig den Kriegsschauplatz im Norden und
Sden. Nr. 7--12 den Russisch-Trkischen Krieg (1853--1854), jedes
mit Titel und Inhalt versehen.=

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               Verlag von _Carl B. Lorck_ in _Leipzig_.

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Der Improvisator. Roman. 3 Bde. -- 6--8. Bd. O. Z. Roman. 3 Bde. --
9--11. Bd. Nur ein Geiger. Roman. 3 Bde. 12--15. Bd. Gesammelte
Mrchen. 4 Bde. -- 16. Bd. Bilderbuch ohne Bilder. -- 17. Bd.
Reiseschatten. -- 18--21. Bd. Eines Dichters Bazar. 4 Bde. -- 22--25.
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                            Boz (Dickens)

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                            Uebersetzt von
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                    Neue Cabinet-Ausgabe in kl. 8.

    Nach den letzten Ausgaben der englischen Originale auf's Neue
                        revidirt von J. Seybt.

  Mit einer literar-historischen Einleitung von =Dr.= Julian Schmidt.

                                -------

   21 Bnde zusammen von gegen 620 Bogen. Subscriptionspr. 16 Thlr.
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                                -------

#Inhalt#: 1. u. 2. Bd. David Copperfield. -- 3. u. 4. Bd. Bleakhouse.
-- 5. u. 6. Bd. Die Pickwickier. -- 7. Bd. Oliver Twist. -- 8. u. 9.
Bd. Nikolas Nickleby. - 10. u. 11. Bd. Der Raritten-Laden. -- 12. u.
13. Bd. Barnaby-Rudge. -- 14. u. 15. Bd. Martin Chuzzlewit. -- 16. u.
17. Bd. Dombey und Sohn. -- 18. Bd. Weihnachtsmrchen. -- 19. Bd.
Londoner Skizzen. -- 20. Bd. Reiseskizzen. -- 21. Bd. Harte Zeiten.

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  Seite 2:
  "verbreitester" gendert in "verbreitetster"
  (Wechselfieber, Amerika's verbreitetster Krankheit)

  Seite 9:
  "Seite" gendert in "Seiten"
  (waren auf beiden Seiten mit gyptischen Charakteren gefllt)

  Seite 16:
  "mehrmas" gendert in "mehrmals"
  (sie dieselben mehrmas in zahllosen Horden mit Krieg berzogen)

  Seite 22:
  "Jernsalems" gendert in "Jerusalems"
  (die Zukunft dieses Neuen Jerusalems der Heiligen erffnete)

  Seite 23:
  "Kecht" gendert in "Knecht"
  (in der ihm Jehova gebot, seinen Knecht Rigdon und einen)

  Seite 30:
  "jnsten" gendert in "jngsten"
  (neue ewige Wohnung der Heiligen vom jngsten Tage)

  Seite 43:
  "worden" gendert in "werden"
  (die Weiterreise bis zum nchsten Frhjahre aufgeschoben werden)

  Seite 55:
  "schnen" gendert in "schnem"
  (in eine Nation von schnem Aeueren und weier Hautfarbe verwandelt)

  Seite 55:
  "ich" gendert in "sich"
  (das strkste Kriegsgefolge um sich versammelt)

  Seite 61:
  "Beisall" gendert in "Beifall"
  (sichert den Beifall des schnen Geschlechts)

  Seite 69:
  "zeigte" gendert in "zeugte"
  (so zeugte es nichtsdestoweniger von einem richtigen Verstndnisse)

  Seite 78:
  "Hirngepinnsten" gendert in "Hirngespinnsten"
  (mglichster Sichtung dieses Wustes von Hirngespinnsten)

  Seite 78:
  "sofort" gendert in "so fort"
  (und so fort zurck bis zum Ur- und Hauptgotte)

  Seite 80:
  "" eingefgt
  (Lucifer antwortete: Siehe, sende mich hinab,)

  Seite 84:
  "Melchisede" gendert in "Melchisedek"
  (das Priesterthum der Ordnung Melchisedek aufs Neue)

  Seite 87:
  "Anchangel" gendert in "Archangel"
  (Miltons: =Archangel ruined and a perfect gentleman.=)

  Seite 94:
  "" eingefgt
  (pltzlich auf ein Mal mitgetheilt wrde.)

  Seite 98:
  "spririt" gendert in "spirit"
  (The spirit of God like a fire is burning)

  Seite 99:
  hinter "Aaron" ein "," eingefgt
  (nach dem ersten Hohenpriester Israels, Aaron, die aaronische)

  Seite 102:
  "Bewohner" gendert in "Bewohnern"
  (da viele unter den Bewohnern Deserets)

  Seite 112:
  "Her" gendert in "Herr"
  (sie soll vertilgt werden, sagt der Herr euer Gott)

  Seite 116:
  "erzielen" gendert in "erziehen"
  (eine Familie in gottwohlgeflliger Weise zu erziehen)

  Seite 117:
  "gehietet" gendert in "gebietet"
  (gebietet dem Brutigam, seiner Frau und der Braut)

  Seite 158:
  "Pilger-vter" gendert in "Pilgervter"
  (als die des Hufleins der Pilgervter des siebzehnten)]






End of the Project Gutenberg EBook of Die Mormonen, by Moritz Busch

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE MORMONEN ***

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Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
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