Project Gutenberg's Jenseits der Schriftkultur - Band 3, by Mihai Nadin

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

** This is a COPYRIGHTED Project Gutenberg eBook, Details Below **
**     Please follow the copyright guidelines in this file.     **

Title: Jenseits der Schriftkultur - Band 3

Author: Mihai Nadin

Posting Date: August 22, 2012 [EBook #4373]
Release Date: January, 2003
First Posted: January 18, 2002

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JENSEITS DER SCHRIFTKULTUR  ***




Produced by Michael Pullen









Jenseits der Schriftkultur
(C)1999  by Mihai Nadin



Das Zeitalter des Augenblicks

Aus dem Englischen von Norbert Greiner




Inhalt

VORWORT ZUR DEUTSCHEN AUSGABE
EINLEITUNG: SCHRIFTKULTUR IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
Alternativen



Jenseits der Schriftkultur


BUCH I.

KAPITEL 1: DIE KLUFT ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN

Kontrastfiguren
Taste whlen--drcken
Das Leben ist schneller geworden
Aufgeladene Schriftkultur
Der Mensch entwirft, der Mensch verwirft.
Jenseits der Schriftkultur
Ein bewegliches Ziel
Der weise Fuchs
"Und zwischen uns der Abgrund"
Wiedersehen mit Malthus
In den Fesseln der Schriftkultur

KAPITEL 2: DIE USA--SINNBILD FR DIE KULTUR DER SCHRIFTLOSIGKEIT

Dem Handel zuliebe
"Das Beste von dem, was ntzlich ist und schn"
Das Rckspiegelsyndrom


BUCH II.

KAPITEL 1: VON DEN ZEICHEN ZUR SPRACHE

Wiedersehen mit semeion
Erste Zeichenspuren
Skala und Schwelle
Zeichen und Werkzeuge

KAPITEL 2: VON DER MNDLICHKEIT ZUR SCHRIFTLICHKEIT

Individuelles und kollektives Gedchtnis
Kulturelles Gedchtnis
Existenzrahmen
Entfremdung von der Unmittelbarkeit

KAPITEL 3: MNDLICHKEIT UND SCHRIFT IN UNSERER ZEIT: WAS VERSTEHEN
WIR, WENN WIR SPRACHE VERSTEHEN?

Besttigung als Feedback
Mndlichkeit und die Anfnge der Schrift
Annahmen
Wie wichtig ist Literalitt?
Was ist Verstehen?
Worte ber Bilder

KAPITEL 4: DIE FUNKTIONSWEISE DER SPRACHE

Ausdruck, Kommunikation, Bedeutung
Die Gedankenmaschine
Schrift und der Ausdruck von Gedanken
Zukunft und Vergangenheit
Wissen und Verstehen
Eindeutig, zweideutig, mehrdeutig
Die Visualisierung von Gedanken
Buchstabenkulturen und Aphasie

KAPITEL 5: SPRACHE UND LOGIK

Logiken hinter der Logik
Die Pluralitt intellektueller Strukturen
Die Logik von Handlungen
Sampling
Memetischer Optimismus


BUCH III.

KAPITEL 1: SCHRIFTKULTUR, SPRACHE UND MARKT

Vorbemerkungen
Products "R" Us
Die Sprache des Marktes
Die Sprache der Produkte
Handel und Schriftkultur
Wessen Markt?  Wessen Freiheit?
Neue Mrkte, Neue Sprachen
Alphabetismus und das Transiente
Markt, Werbung, Schriftlichkeit

KAPITEL 2: SPRACHE UND ARBEITSWELT

Innerhalb und auerhalb der Welt
Wir sind, was wir tun
Maschine und Schriftkultur
Der Wegwerfmensch
Die Skala der Arbeit und die Skala der Sprache
Angeborene Heuristik
Alternativen
Vermittlung der Vermittlung

KAPITEL 3: SCHRIFTKULTUR, BILDUNG UND AUSBILDUNG

Das Hchste und das Beste
Das Ideal und das Leben
Relevanz
Tempel des Wissens
Kohrenz und Verbindung
Viele Fragen
Eine Kompromiformel
Kindheit
Welche Alternativen?


BUCH IV.

KAPITEL 1: SPRACHE UND BILD

Wie viele Worte in einem Blick?
Das mechanische und das elektronische Auge
Wer hat Angst vor der Lokomotive?
Hier und dort gleichzeitig
Visualisierung

KAPITEL 2: DER PROFESSIONELLE SIEGER

Sport und Selbstkonstituierung
Sprache und krperliche Leistung
Der illiterate Athlet
Ideeller und profaner Gewinn

KAPITEL 3: WISSENSCHAFT UND PHILOSOPHIE - MEHR FRAGEN ALS ANTWORTEN

Rationalitt, Vernunft und die Skala der Dinge
Die verlorene Balance
Gedanken ber das Denken
Quo vadis, Wissenschaft?
Raum und Zeit: befreite Geiseln
Kohrenz und Diversitt
Computationale Wissenschaft
Wie wir uns selbst wegerklren
Die Effizienz der Wissenschaft
Die Erforschung des Virtuellen
Die Sprache der Weisheit
In wissenschaftlichem Gewand
Wer braucht Philosophie und wozu?

KAPITEL 4: EIN GESPR FR DESIGN

Die Zukunft zeichnen
Die Emanzipation
Konvergenz und Divergenz
Der neue Designer
Virtuelles Design

KAPITEL 5: POLITIK: SO VIEL ANFANG WAR NOCH NIE

Die Permissivitt der kommerziellen Demokratie
Wie ist es dazu gekommen?
Politische Sprachen
Kann Schriftlichkeit zum Scheitern der Politik fhren?
Die Krabben haben pfeifen gelernt
Von Stammeshuptlingen, Knigen und Prsidenten
Rhetorik und Politik
Die Justiz beurteilen
Das programmierte Parlament
Eine Schlacht, die wir gewinnen mssen

KAPITEL 6: GEHORSAM IST ALLES

Der erste Krieg jenseits der Schriftkultur
Krieg als praktische Erfahrung
Das Militr als Institution
Vom schriftgebundenen zum schriftlosen Krieg
Der Nintendo-Krieg
Blicke, die tten knnen


BUCH V.

KAPITEL 1: DIE INTERAKTIVE ZUKUNFT: DER EINZELNE, DIE GEMEINSCHAFT
UND DIE GESELLSCHAFT IM ZEIT-ALTER DES INTERNETS

Das berwinden der Schriftkultur
Das Sein in der Sprache
Die Mauer hinter der Mauer
Die Botschaft ist das Medium
Von der Demokratie zur Medio-kratie
Selbstorganisation
Die Lsung ist das Problem.  Oder ist das Problem die Lsung?
Der Umgang mit den Wahlmglichkeiten
Der richtige Umgang mit den Wahlmglichkeiten
Abwgungen
Aus Schnittstellen lernen

KAPITEL 2: EINE VORSTELLUNG VON DER ZUKUNFT

Kognitive Energie
Falsche Vermutungen
Netzwerke kognitiver Energie
Unebenheiten und Schlaglcher
Die Universitt des Zweifels
Interaktives Lernen
Die Begleichung der Rechnung
Ein Weckruf
Konsum und Interaktion
Unerwartete Gelegenheiten

NACHWORT: UMBRUCH VERLANGT UMDENKEN

LITERATURHINWEISE

PERSONENREGISTER

BER DEN AUTOR




Vorwort zur deutschen Ausgabe

Unsere Welt ist in Unordnung geraten.  Die Arbeitslosigkeit ist eine
groe Belastung fr alle.  Sozialleistungen werden weiter drastisch
gekrzt.  Das Universittssystem befindet sich im Umbruch.  Politik,
Wirtschaft und Arbeitswelt durchlaufen Vernderungen, die sich nicht
nach dem gewohnten ordentlichen Muster des sogenannten Fortschritts
richten.  Gleichwohl verfolgen Politiker aller Couleur politische
Programme, die mit den eigentlichen Problemen und Herausforderungen
in Deutschland (und in Europa) nicht das Geringste zu tun haben.  Das
vorliegende Buch mchte sich diesen Herausforderungen widmen, aus
einer Perspektive, die die Zwangslufigkeit dieser Entwicklung betont.

Wenn man eine Hypothese vorstellt, bentigt man ein geeignetes
Prffeld.  In meinen Augen ist Deutschland am besten dafr geeignet.
In keinem anderen Land der Welt lt sich die Dramatik des Umbruchs
so unmittelbar verfolgen wie hier.  In Deutschland treffen die Krfte
und Werte, die zu den groen historischen Errungenschaften und den
katastrophalen historischen Fehlleistungen dieses Landes gefhrt
haben, mit den neuen Krften und Werten, die das Gesicht der Welt
verndern, gewissermaen in Reinform zusammen.

An Ordnung, Disziplin und Fortschritt gewhnt, beklagen die Brger
heute eine allgegenwrtige lhmende Brokratie, die von Regierung und
Verwaltung ausgeht.  Frher galt das, verbunden mit dem Namen
Bismarcks, als gute deutsche Tugend, eine der vielen
Qualittsmaschinen Made in Germany.  Im Verlauf der Zeit aber wurde
der Brger abhngig von ihr und konnte sich nicht vorstellen, jemals
ohne sie auszukommen.  Die Mehrheit schreckt vor Alternativen zurck
und mchte nicht einmal ber sie nachdenken.  Geprgt von Technik und
Qualittsarbeit ist die Vorstellung, da das Industriezeitalter
seinem Ende entgegengeht, den meisten eine Schreckensvision.  Sie
wrden eher ihre Schrebergrten hergeben als die digitale Autobahn zu
akzeptieren, die doch die Staus auf ihren richtigen Autobahnen zu den
Hauptverkehrszeiten abbauen knnte--ich betone das knnte.  Noch
immer lebt es sich gut durch den Export eines technischen und
wissenschaftlichen Know-how, dessen Glanzzeit allerdings vorber ist.

Als ein hochzivilisiertes Land ist Deutschland fest entschlossen, den
barbarischen Teil seiner Vergangenheit hinter sich zu lassen.  Der
Klarheit halber sei gesagt, was ich unter barbarisch verstehe:
Hitler-Deutschland verdient keinen anderen Namen, ebensowenig wie
alle anderen uerungen von Aggression, Antisemitismus und Rassismus,
die noch immer nicht der Vergangenheit angehren.  Aber bis heute hat
man nicht verstanden, da eben jene pragmatische Struktur, die die
industrielle Kraft Deutschlands begrndete, auch die destruktiven
Krfte begnstigte.  (Man denke nur an die Technologieexporte, die
die wahnsinnigen Fhrer lreicher Lnder erst jngst in die Hnde
bekommen haben.) Das wiedervereinigte Deutschland ist bereit, in
einer Welt mit globalen Aufgaben und globalen Problemen Verantwortung
zu bernehmen.  Es setzt sich unter anderem fr den Schutz des
tropischen Regenwaldes ein und zahlt fr Werte--den Schutz der
Umwelt--statt fr Produkte.  Aber die politischen Fhrer Deutschlands
und mit ihnen groe Teile der Bevlkerung haben noch nicht begriffen,
da der Osten des Landes nicht unbedingt ein Duplikat des Westens
werden mu, damit beide Teile zusammenpassen.  Differenz, d. h.
Andersartigkeit, ist eine Qualitt, die sich in Deutschland keiner
groen Wertschtzung erfreut.  Verlorene Chancen sind der Preis, den
Deutschland fr diese preuische Tugend der Gleichmacherei bezahlen
mu.

Die englische Originalfassung dieses Buches wurde 1997 auf der
Leipziger Buchmesse vorgestellt und in der Folge von der Kritik
wohlwollend aufgenommen.  Dank der grozgigen Untersttzung durch
die Mittelsten-Scheid Stiftung Wuppertal und die Alfred und Clre
Pott Stiftung Essen, fr die ich an dieser Stelle noch einmal Dank
sage, konnte dann Anfang 1998 die Realisierung des von Beginn an
bestehenden Plans einer deutschsprachigen Ausgabe konkret ins Auge
gefat werden.  Und nachdem Prof. Dr. Norbert Greiner, bei dem ich
mich hier ebenfalls herzlich bedanken mchte, fr die bersetzung
gewonnen war, konnte zgig an die Erarbeitung einer gegenber der
englischen Ausgabe deutlich komprimierten und strker auf den
deutschsprachigen Diskussionskontext zugeschnittenen deutschen
Ausgabe gegangen werden.  Einige Kapitel der Originalausgabe sind in
der deutschsprachigen Edition entfallen, andere wurden stark
berarbeitet.  Entfallen sind vor allem solche Kapitel, die sich in
ihren inhaltlichen Bezgen einem deutschen Leser nicht unmittelbar
erschlieen wrden.  Ein Nachwort, das sich ausschlielich an die
deutschen Leser wendet, wurde ergnzt.

Die deutsche Fassung ist also eigentlich ein anderes Buch.  Wer das
Thema erweitern und vertiefen mchte, ist selbstverstndich
eingeladen, auf die englische Version zurckzugreifen, in die 15
Jahre intensiver Forschung, Beobachtung und Erfahrung mit der neuen
Technologie und der amerikanischen Kultur eingegangen sind.  Ein
Vorzug der kompakten deutschen Version liegt darin, da die jngsten
Entwicklungen--die so schnell vergessen sein werden wie alle anderen
Tagesthemen--Fortsetzungen meiner Argumente darstellen und sie
gewissermaen kommentieren.  Sie haben wenig miteinander zu tun und
sind dennoch in den folgenden Kapiteln antizipiert: Guildos Auftritt
beim Grand Prix dEurovision (liebt er uns eigentlich immer noch, und
warum ist das so wichtig?), die enttuschende Leistung der deutschen
Nationalmannschaft bei der Fuballweltmeisterschaft (standen sich im
Endspiel Brasilien und Frankreich oder Nike und Adidas gegenber?),
die Asienkrise, das Ergebnis der Bundestagswahlen, der Euro, neue
Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie, die jngsten
Arbeitslosenzahlen, die kosteuer und vieles mehr.  Wer sich der Mhe
einer grndlichen Lektre des vorliegenden Buches unterzieht, wird
sich auf diese Entwicklungen einen eigenen Reim machen knnen, sehr
viel besser als die Mediengurus, die uns das Denken abnehmen wollen.
Zumindest wird er ber die wortreichen Artikel halbgebildeter
Akademiker und opportunistischer Journalisten schmunzeln, die allzeit
bereit sind, anderen zu erklren, was sie selbst nicht verstehen.

Wie in der englischen Version mchte ich auch meine deutschen Leser
einladen, mit mir in Kontakt zu treten und mir ihre kritischen
Kommentare oder Fragen per e-mail zukommen zu lassen: nadin@acm.org.
Im Einklang mit dem Ziel des Buches, fr die Kommunikation jenseits
der Schriftkultur das schriftkulturelle Eins-zu-Viele-Verhltnis
(Autor:Leser) zu berwinden, wird fr dieses Buch im World WideWeb
ein Forum eingerichtet.  Die Zukunft gehrt der Interaktion zwischen
Vielen.

Wuppertal, im November 1998

Mihai Nadin





Buch III.



Kapitel 1:

Schriftkultur, Sprache und Markt

Mrkte sind vermittelnde Maschinen.  Heutzutage verstehen wir unter
Maschine allerdings etwas anderes als das, was das industrielle
Maschinenzeitalter darunter verstand--ein Zeitalter, das wir eng mit
dem pragmatischen Handlungsrahmen der Schriftkultur verbunden sehen.
Heute ruft der Begriff Maschine eher Assoziationen an Software, d. h.
Programme, weniger an Hardware, d. h.  Dinge, hervor.  Insgesamt
umfat der Begriff Maschine jedoch Input und Output,
Verarbeitungsproze, Kontrollmechanismen und vorhersagbare
Funktionsfhigkeit.  Hier beginnen unsere Schwierigkeiten, und zwar
weil uns Mrkte bestenfalls als willkrlich, planlos, alles andere
als programmiert erscheinen.  Marktvoraussage ist fast ein Oxymoron.
Was fr eine Formel Fachleute auch ersinnen--der Markt geriert sich
vollkommen anders.

Eine unglaubliche Zahl von Transaktionen unterwirft die Produkte der
menschlichen Selbstkonstituierung stndig dem Test der Markteffizienz.
Nichts kann sich diesem Test entziehen: Ideen, Waren, Individuen,
Kunst, Sport, Unterhaltung.  Wie eine Kaulquappe scheint sich der
Markt selbst in seinen Transaktionen zu ndern.  Bisweilen erscheinen
diese uns so esoterisch, da wir nicht einmal ahnen, was Input und
was Output in dieser Maschine ist.  Aber wir alle erwarten, da sich
am Ende der hliche Frosch in einen Mrchenprinzen verwandelt!

Ohne allzuviel vorwegzunehmen, knnen wir allerdings sagen, da
dieser stndig wachsende Mechanismus menschlicher Selbstevaluierung
mit seiner gegenwrtigen Dynamik und im gegenwrtigen Umfang sich
nicht innerhalb des pragmatischen Rahmens der Schriftkultur htte
entwickeln knnen.  Gewi knnen wir berall auf der Welt in Basaren
und Einkaufszentren Marktablufe erleben, die wir mit
vorausgegangenen pragmatischen Handlungsrahmen (etwa dem
Tauschhandel) in Verbindung bringen.  Als die wirklichen neuen
Marktformen in einer quasi reinen Form, also jene, die fr ein
Erfahrungsstadium jenseits der Schriftkultur typisch sind, mu man
sich aber die Aktienbrsen und die im Internet abgewickelten Formen
des Warentausches und der Auktionen vergegenwrtigen.  Man mu sich
jene unsichtbaren, weit verzweigten, im Netzwerk sich vollziehenden
Transaktionen vorstellen, bei denen kaum noch zu sagen ist, wer sie
in Gang gebracht, diese oder eine andere fortgefhrt oder einen
Handel erfolgreich abgeschlossen hat, bzw. nach welchen Kriterien
sich dies vollzog.  Diese Transaktionen fhren gleichsam ein
Eigenleben, haben eine Eigendynamik.

Der Begriff Vermittlungsmaschine konnotiert auch die Vorstellung von
einem Programm.  Manch ein Brsenmakler steht der Entwicklung, in der
viele Vermittlungen durch Entitten stattfinden, die weder sprechen
noch schreiben knnen, reserviert gegenber.  Dennoch ist der
Brsenhandel mit Hilfe von Programmen heute eine
Selbstverstndlichkeit.  Wirtschaftsexperten und Marktforscher, die
gemeinsam Software auf der Grundlage von biologischen Analogien, der
Genetik und dynamischen Systemmodellen entwickeln, belegen dies
nachdrcklich.


Vorbemerkungen

Wenn wir das Verhltnis zwischen Markt und Schriftkultur, bzw. einem
Stadium jenseits der Schriftkultur, nher betrachten, brauchen wir
zunchst einen begrifflichen Rahmen, innerhalb dessen die spezifische
Rolle der Sprache als Vermittlungselement auf diesem Markt genauer zu
fassen ist.  Insbesondere mssen wir die Funktionen betrachten, die
die Schriftkultur bei der Diversifizierung von Mrkten und deren
Effizienzsteigerung erfllt hat.  Wenn nmlich die Grenzen der
Vermittlungsfhigkeiten der Schriftkultur erreicht sind, wird auch
ihre Effizienz in Frage gestellt.  Das geschieht nicht etwa auerhalb
des Marktes, wie einige Wissenschaftler und Politiker uns glauben
machen wollen.  Diese Erkenntnis stellt sich auf dem Markt selbst ein,
auf dem im brigen auch geistige Arbeit einschlielich der
Schriftkultur als Ware gehandelt wird.

Im folgenden sei Markt verstanden als ein Zeichenproze, durch den
sich die Menschen in der Welt konstituieren.  Insofern knnen
Transaktionen auf dem Markt als Erweiterungen der menschlichen
biologischen Anlagen gesehen werden: Die Produkte unserer Arbeit
verkrpern die strukturalen Merkmale unserer natrlichen Anlagen und
gengen den Bedrfnissen und Erwartungen, die diesen Merkmalen
entsprechen.  Diese Produkte sind Ausdruck unserer Persnlichkeit und
unserer Kultur, sie ergeben sich aus den Erwartungen und Werten, die
fr die menschliche Gattung charakteristisch sind, und lassen das
Selbstbewutsein und die Zukunftsziele dieser Gattung erkennen.  Mit
der Sprache, mehr noch mit der Schriftkultur, werden Mrkte zu
Auslegungsinstanzen, projektive Instantierungen (d. h.
Materialisierungen) von uns selbst auf dem Weg zu einer neuen
Entwicklungsschwelle, einer neuen Skala.  Die Selbstkonstituierung
des Menschen durch Mrkte versinnbildlicht die erreichten Ebenen der
produktiven und kreativen Krfte und die Ziele, die ursprnglich dem
berleben dienten, spter dem Wohlstand und nunmehr der Komplexitt
einer globalen Skala gegenwrtiger und zuknftiger Handlungsformen.

Von den frhesten Formen des Tauschhandels bis zum heutigen Handel
mit Futures und Optionen, von der Geldwirtschaft zur bargeldlosen
Gesellschaft haben Mrkte seit jeher den Rahmen fr eine immer hhere
Handelseffizienz geschaffen, die oft genug gleichbedeutend mit Profit
ist.  Die allgemeinen Erklrungen, zum Beispiel der Zeichencharakter
des Marktes, lassen dennoch einige spezifische Fragen offen: Wie
kommt es z. B., da ein Gercht ber eine Firma deren Brsenwert
beeinflussen kann, whrend verffentlichte Rechenschaftsberichte
nahezu unbeachtet und wirkungslos bleiben?  Es knnte sein, da die
verborgenen Strukturen der im vorliegenden Buch diskutierten Ablufe
mehr zur Erklrung und Vorhersage solcher Phnomene beitragen knnen
als die vielfltigen mit akademischer Aura versehenen Theorien.


Products "R" Us

Wenn wir den Menschen als ein Zeichen setzendes Wesen (zoon
semeiotikon) verstehen, so will das besagen, da der Mensch seine
individuelle Wirklichkeit in die Realitt des allgemeinen Daseins
durch semiotische Mittel hineinprojiziert.  Auf dem Markt treffen die
drei Einheiten des Zeichenprozesses zusammen: das Darstellende
(Representamen), das, was dargestellt ist (Gegenstand) und der
Interpretationsvorgang (Interpretant).  Diese Begriffe knnen auch in
Bezug auf den Markt definiert werden.  Das Representamen ist das auf
dem Markt erkennbare Zeichenrepertoire.  Dabei kann es sich um
vielerlei Dinge handeln, um Ntzlichkeit (eines bestimmten Produktes),
Seltenheit, Quantitt, das zur Herstellung verwendete Material, die
fr die Entwicklung und Hervorbringung eines Produktes aufgewendete
Phantasie oder die fr den Herstellungsproze verwendete Technologie
oder verbrauchte Energie.  Die Menschen knnen durch vllig
unerwartete Eigenschaften eines Produktes angezogen werden, knnen
geradezu eine Abhngigkeit von Farbe, Form, Markennamen, Geruch usw.
entwickeln.  Manchmal ist das Representamen der Preis, der die an
einem Produkt beteiligten Elemente oder andere Preiskriterien wie
Verkaufstrend, die Attraktivitt (sexiness) eines Produkts, die
Leichtglubigkeit oder die mangelnden wirtschaftlichen Kenntnisse von
Kufern benennt.  In jedem Fall reprsentiert der Preis das Produkt,
wenn auch nicht immer auf angemessene Weise.  Dem Gegenstand des
Zeichenprozesses entspricht das Produkt, sei es ein hergestellter
Gegenstand, ein Gedanke, eine Handlung, ein Ablauf oder ein Geschft.
Wenn wir einmal vom unmittelbaren Tauschhandel absehen, ist jeder
Marktgegenstand durch einige der oben aufgelisteten Eigenschaften
reprsentiert.  Da diese Darstellungselemente keinen unmittelbar
einsichtigen Bezug zum Gegenstand haben mssen, zeigt nur, wie viele
Vermittlungseinheiten auf dem Markt wirksam sind.

Nichts ist ein Zeichen, solange es nicht als Zeichen interpretiert
wird.  Wir verstehen diesen Interpretanten als einen Ablauf, denn
Interpretationen knnen ad infinitum fortlaufen.  Ein Beispiel: Brot
ist ein Nahrungsmittel; ein akademischer Titel bezeugt die Tatsache,
da ein Studium erfolgreich beendet wurde; Computer knnen als
verbesserte Schreibmaschinen oder fr die Hervorbringung von Daten
verwendet werden.  Als Zeichen aber kann Brot fr alles stehen, was
es verkrpert: unser tgliches Brot; eine bestimmte Ernhrungskultur;
das Wissen, das in den Getreideanbau und in die Getreideverarbeitung,
in die Hefeherstellung und in den Ofenbau, in die Kontrolle des
Backvorgangs eingeht.  Selbst symbolische, auf Mythos oder Religion
bezogene Interpretationen gehren zur Interpretation des Brotes als
Zeichen.  Ganz hnlich verhlt es sich mit akademischen Titeln, die
auf einen allgemeinen Bildungshintergrund, auf ein berufliches Umfeld,
auf eine Funktion und auf bestimmte Zukunftserwartungen hinweisen.
Und ganz hnlich knnen Computer ber ihre Funktionen hinaus auf die
Art der Anbindung an die Welt, auf die Art der Vernetzung, auf den
finanziellen Hintergrund seines Besitzers verweisen.

Aus der Voraussetzung, da ein Zeichen nur durch Interpretation zu
einem solchen wird, ergibt sich, da die Interpretation
gleichbedeutend ist mit der Selbstkonstituierung des Menschen als
Zeichen: Der Mensch wird re-prsentiert durch seine Produkte.  Die
Ntzlichkeit wird einem Produkt abgelesen; ein Produkt kann auf
Wohlwollen oder Ablehnung treffen; es kann Bedrfnisse und
Erwartungen wecken.  Die sich selbst konstituierenden Individuen
erfahren durch ihr Handeln eine Selbstwertung (Erfolg oder Mierfolg),
die durch das Produkt (Ergebnis) ihrer Handlungsweise reprsentiert
wird; dabei kann es sich um ein greifbares oder immaterielles
Ergebnis handeln, einen konkreten Gegenstand, einen Ablauf (auch
Vermittlungsprozesse) oder einen Gedankenhandel.  Diese Lesarten
gehren ebenfalls zum Interpretationsvorgang.  Das Konglomerat aller
Lesarten ist das Portrait des abstrakten Konsumenten, der all
diejenigen verkrpert, die ihre Individualitt in den Transaktionen
konstituieren, die den Markt ausmachen.  Ein Gebrauchtwagenhndler
oder ein Computerverkufer, ein Einzelhndler oder ein
Universittsprofessor identifizieren sich jeweils auf ihre Weise im
Markt und durch den Markt.  Jeder wird durch einige charakteristische
Merkmale seiner Arbeit dargestellt.  Jeder wird auf dem Markt,
jeweils mit Blick auf den lebenspraktischen Zusammenhang der
Transaktion, als zuverlssig, kompetent oder kreativ usw.
interpretiert.  Die Interpretationsformen des Marktes sind sehr
unterschiedlich; sie reichen von der einfachen Beobachtung des
Marktes bis zur unmittelbaren Eingebundenheit in die Marktmechanismen
durch Produkte, Warentausch oder Gesetzgebung.

Der Markt ist der Ort, an dem die drei Elemente des
Zeichenprozesses--das, was vermarktet wird (Gegenstand), die Sprache
oder Zeichensysteme der Vermarktung (Representamen), die
Interpretation (abgeschlossene oder nicht vollzogene
Transaktion)--zusammentreffen.  Der Markt kann unmittelbar oder
vermittelt sein, wirklich oder symbolisch, geschlossen oder offen,
frei oder reguliert.  Wochenmarkt, Supermarkt, Direktverkauf der
Hersteller oder eine Einkaufszeile sind Beispiele fr reale Mrkte.
Der Markt gewinnt vermittelte oder symbolische Zge in solchen Fllen,
wo das Produkt nicht unmittelbar in seiner dreidimensionalen
Realitt dargeboten, sondern durch ein Bild, eine Beschreibung oder
ein Versprechen prsentiert wird.  Hierher gehren Versandhuser oder
Aktien- und Termingeschfte, die allerdings aus den direkten, realen
Mrkten abgeleitet sind.  Frher einmal war die Wall Street von
zahlreichen Mrkten umgeben: Sie boten vielfltige exotische Produkte
feil, die die Schiffe aus aller Welt herangetragen hatten.  Heute ist
die Wall Street ein System von Gerten und Hndlern, die auf
Bestellzetteln oder Computerbildschirmen Zeichen entschlsseln, die
sich auf Handelsprodukte beziehen, von denen sie nichts verstehen.

Die Brse ist heute ein Datenverarbeitungszentrum.  Nur so konnten
die Erwartungen an eine optimale Markteffizienz erfllt werden.
Dennoch mssen die Zeichenprozesse dieses neuen Marktes in Echtzeit
stattfinden, die so real und notwendig ist wie die Zeit, die beim
Tauschhandel oder bei persnlichen Verhandlungen ber Produkte im
Spiel war.  Nur verndert die neue Praxis des Marktes die Dauer von
Marktzyklen und die Geschwindigkeit geschftlicher Transaktionen.
Das Feilschen auf einem Basar erfordert Zeit, digitale Transaktionen
mit Hilfe von entsprechenden Programmen sind abgeschlossen, bevor
irgend jemand ihre Folgen kalkulieren kann.  Regulierungsmechanismen
knnen die Dynamik solcher Vermittlungsablufe beeinflussen.


Die Sprache des Marktes

Zeichen vermitteln zwischen dem auf dem Markt reprsentierten
Gegenstand und dem Interpretant bzw. dem Interpretationsvorgang--den
Menschen also, die sich im Interpretationsproze, Bedrfniserfllung
eingeschlossen, konstituieren.  Jeder Markt, gleich welchen Typus,
ist ein Vermittlungsraum.  Die Unterschiede zwischen den
verschiedenen Markttypen (Tauschhandel, Wochenmrkte und
Lebensmittelmessen, stark regulierte Mrkte, sogenannte freie Mrkte,
Untergrundmrkte) liegen nicht so sehr im Produkt oder im
Produktionsproze, sondern im jeweiligen Vermittlungstypus.  Dabei
spielt die jeweilige dynamische Struktur des Marktes eine besondere
Rolle.

Gegenstnde (Sachen, Geld, Gedanken, Ablufe), die Sprache, in der
der Gegenstand ausgedrckt wird, und die zum Abschlu oder Mierfolg
fhrende Interpretation sind die drei strukturalen Invariablen, die
jedem soziokonomischen Umfeld zu eigen sind.  Im sogenannten freien
Markt (der mehr ein abstrakter Begriff als eine Wirklichkeit ist) und
in strengen Formen der Planwirtschaft sind die Beziehungen zwischen
den drei Elementen variabel, nicht aber die Elemente selbst.  In
einem konkreten Zusammenhang kann der Interpretationsproze
nachhaltig durch die Assoziationen zwischen einem Produkt und seinen
Darstellungsformen beeinflut werden.

Zahlreiche Dokumente der Sprachgeschichte zeugen von den
Handelsbeziehungen des Menschen, von den einfachen bis zu den sehr
komplexen Formen.  Besitzverhltnisse und Besitzmerkmale werden
ebenso versprachlicht wie die Vernderungen von Wechselkursen und des
sich durch die Marktablufe stets erweiternden Lebenshorizonts.  Aus
diesem Zusammenhang sind die ersten schriftlichen Dokumente
berliefert; sie untersttzen unsere These, da die fr eine
begrenzte Skala des Werteaustausches charakteristischen Marktablufe
die Wiege fr Notation, Schrift und Schriftkultur darstellten.

Die enorme Komplexitt der Marktmaschinerie ist durch eine Dynamik
gekennzeichnet, die ab einem bestimmten Entwicklungsstadium nicht
mehr durch die Gesetze und Erwartungen der Schriftkultur in den Griff
zu bekommen war.  Marktablufe unterliegen einer Form der
Selbstorganisation, die durch viele Parameter gesteuert wird; einige
von ihnen knnen wir kontrollieren, andere entziehen sich unserem
direkten Einflu.  Zunehmend wird diese Dynamik von spezialisierten
Sondersprachen untersttzt, die den praktischen Kontext fr neue
Typen der Transaktion liefern.  Netconomy war ursprnglich ein aus
net, network und economy zusammengesetztes Modewort.  In weniger als
einem Jahr setzte es sich als gelufiger Begriff fr eine neue Form
des Marktes durch, der mit einer auerordentlichen Effizienz immer
grere Teile der Weltwirtschaft fr sich vereinnahmte.  Die Folgen
dieser Netconomy wirken sich auch jeweils vor Ort aus.  Traditionelle
Distributionskanle knnen sich erbrigen, Wirtschaftszyklen werden
beschleunigt und Preise gesenkt.  In den virtuellen Geschften der
Netconomy werden heute schon Computer, Autos, Software und
juristische Dienstleistungen in groem Umfang abgewickelt.

Wir wollen uns nun dem Marktproze als Zeichenproze in allen seinen
Aspekten zuwenden.  Indem die Menschen Waren darbieten, so hatten wir
gesagt, bieten sie sich selber dar.  Die verschiedenen Eigenschaften
des Produktes (Farbe, Geruch, Textur, Stil, Design usw.) wie auch die
Qualitten seiner Darbietung (Werbung, Verpackung, hnlichkeit zu
anderen Produkten) und damit zusammenhngende Eigenschaften (Prestige,
Ideologie) gehren zu den Komponenten dieses Vorgangs.  Bisweilen
ist der Gegenstand an sich--ein neues Kleidungsstck, Werkzeug, Haus,
Getrnk--weniger wichtig als das "Image", das er besitzt.  Sekundre
Funktionen wie Schnheit, Vergngen oder Anpassung berlagern die
primre Funktion der Bedrfnisbefriedigung.  Im Zeichenproze des
Marktes erweist sich eine derart motivierte Sehnsucht nach einem
Produkt als mindestens ebenso wichtig wie das tatschliche Bedrfnis.
In einem groen Teil unserer Welt ist Selbstkonstituierung nicht
mehr lnger eine Frage des berlebenstriebs, sondern eine Frage des
Vergngens.  Je hher in einem Kontext des dekadenten berflusses die
semiotische Ebene des Marktes liegt, desto bedeutungsloser wird das
Marktgesetz der lebensnotwendigen Bedrfnisbefriedigung.

Die auf Lebenserhaltung abzielende menschliche Ttigkeit
unterscheidet sich erheblich von jenen Ttigkeiten, die zu einem
berschu fhren und dementsprechend fr den Handel auf dem Markt zur
Disposition stehen.  berschu und Tausch, die durch die
landwirtschaftliche Ttigkeit ermglicht wurden, hatten die Skala der
menschlichen Ttigkeiten erweitert und Zeichen, Zeichensysteme und
schlielich Sprache erforderlich gemacht.  berschsse knnen
vielfltig genutzt werden.  Hierfr waren Zeichen und spter die
Differenzierungsformen der Sprache ntig.  Rituale, Schmuck, Krieg,
Religion, Akkumulationstechniken und Mittel der berredung sind
Beispiele fr solche Ausdifferenzierungen.  Alle diese Verwendungen
sind charakteristisch fr Interaktionsformen zwischen Menschen, die
sich als Siedler niedergelassen haben, und sie brachten Produkte
hervor, die mehr waren als materielle Konsumgter.  Sie waren
allesamt Projektionen individueller Selbstkonstituierung.

Jedes Produkt geht aus einem Zyklus von Entwicklung, Herstellung,
Handel und dem daran geknpften Verstndnis von Ntzlichkeit und
Dauerhaftigkeit hervor.  Als die rudimentren Formen von Schreiben
und Lesen, spter die hochentwickelten Formen der Schriftkultur am
Markt teilhatten, waren die Mglichkeiten dafr geschaffen, die ber
die unmittelbaren Bedrfnisse der Lebenserhaltung hinausgehenden
Produkte so zu verwenden, da weitere berschsse erzeugt werden
konnten.  Der Markt der Handelsgter, der Dienstleistungen, der
Sklaven und der Ideen wurde ergnzt durch den Markt der bezahlten
Arbeitskrfte, die sich, wie die rmischen Soldaten, das Geld fr
ihren Lebensunterhalt verdienten.  Diese neue Kategorie Mensch setzt
sich in einen pragmatischen Handlungsrahmen, in dem Produktion
(Arbeit) und die Produktionsmittel voneinander getrennt waren.  Eine
hnliche Differenzierung vollzog sich mit der Sprache, mit der diese
Arbeiter sich konstituierten.  In dem Mae, in dem die Arbeit vom
letztendlichen Produkt der Arbeit entfremdet wurde, entstand auch
eine Sprache des Produktes.


Die Sprache der Produkte

Der ausschlielich auf die Notwendigkeiten des Lebens bezogene
Warenaustausch entsprach einer Skala, die Zusammenhang und
Homogenitt garantierte.  In dieser berschaubaren kleinen Welt
bedurfte es keiner Gebrauchsanweisungen fr die im Tauschhandel
erworbenen Produkte.  Der langsame Rhythmus der Produktionszyklen
blieb auf den natrlichen Lebensrhythmus bezogen.  Dieser begrenzte
Markt war Teil eines sozialen Mechanismus, der alle Individuen in die
gleiche begrenzte Erfahrung einband und sie an ihr teilhaftig werden
lie.

Die heutigen Mrkte sind durch sehr komplexe Vermittlungsmechanismen
gekennzeichnet und stellen daher kein Umfeld mehr fr eine allen
Menschen gemeinsame Erfahrung dar.  Im Gegenteil sind die heutigen
Mrkte eher Rahmen, innerhalb derer verschiedene Formen menschlicher
Erfahrung in Konkurrenz zueinander treten.  Das bedarf noch einiger
Erluterungen.  Produkte verkrpern nicht nur Materialien, Design und
Fertigkeiten, sondern auch eine Sprache fr ihre optimale
Funktionsfhigkeit.  Insofern stellen sie auch eine Vielzahl von
Wegen dar, in denen sich die Menschen durch die Sprache dieser
Produkte konstituieren.  Der Markt wird so zu einem Umschlagsort fr
die vielen Sprachen, die die Produkte sprechen.  Die heute erreichten
Effizienzebenen haben zu Erwartungen gefhrt, die ihrerseits die
komplexen Myriaden dessen ermglichten, was heute produziert wird.
In diesem pragmatischen Rahmen spielt Schriftkultur und Alphabetismus
nur noch eine marginale Rolle.

Abgesehen von der Zurckdrngung der Schriftkultur mssen wir
allerdings noch einen anderen Preis bezahlen: Weil jedes Produkt
nicht nur seine eigene Sprache beinhaltet, sondern auch seine eigenen
Wertkriterien, verzeichnen wir insgesamt einen Qualittsverlust.
Fast jedes Produkt ist nur noch eines unter vielen anderen, aus denen
wir auswhlen; ein jedes trgt seine eigene Rechtfertigung in sich.
Der Wert wird dadurch relativiert, und oft genug liegt der Grund fr
einen Kauf oder fr die Suche nach etwas Neuem gar nicht im Wert des
Produkts.  Grammatikregeln, die uns eine Vorstellung von der Ordnung
und der Qualitt des Schriftgebrauchs vermittelten, sind auf Produkte
nicht anwendbar.  Ebenso waren unsere Moralvorstellungen in die
Sprache eingebettet und durch Schrift und Bildung getragen.  Die
Moralvorstellungen, die in den partiellen Alphabetismen der
miteinander konkurrierenden Produkte verkrpert sind, wollen den
Konsumenten nicht mehr als religise oder ethische Prinzipien
erscheinen, sondern allenfalls als Rechtfertigung fr politischen
Einflu.  ber bestimmte Regulierungen des Marktes bringt sich die
Politik als Selbstbedienungsfaktor in die Handelsbeziehungen ein.


Handel und Schriftkultur

Frher haben die kleinen Geschfte in unserer Nachbarschaft nicht nur
unseren tglichen Bedarf abgedeckt, sondern waren gleichzeitig
Kommunikationszentren.  Ein Supermarkt mu sich an Lagerkapazitten
und optimaler Raumnutzung, an schnellem Warendurchgang und einer
relativ geringen Verdienstspanne am einzelnen Produkt orientieren:
Hier sind Kommunikation und Gesprch kontraproduktiv.  Versandhuser
und elektronische Bestellung haben das Gesprch vllig erbrigt.  Sie
operieren jenseits von Schriftlichkeit und Schriftkultur und jenseits
von menschlicher Interaktion.  Die Handelsablufe sind auf ein
Minimum reduziert: Auswahl, Besttigung, Angabe der Kreditkarte oder
ihre automatische Erkennung und Besttigung durch einen
Netzwerkservice.

Die auf der Schriftkultur basierenden Handelsformen haben alle
Merkmale der geschriebenen Sprache und des Lesens erfordert, so weit
sie sich auf diese Transaktion bezogen.  Die Schriftkultur trug dazu
bei, da die Bedrfnisse breiter ausgefchert und die Wnsche genauer
artikuliert wurden, dementsprechend konnten sich die Mrkte
entwickeln und eine bis dahin nicht gekannte Effizienz erreichen.
Die dafr ntige Ausbildung und das Verbot von Kinderarbeit
verkrzten einerseits den produktiven Teil des menschlichen Lebens,
andererseits wurde dessen Effizienz durch die aus der Schriftkultur
hervorgehenden Lebensformen erhht.  Hhere Produktivitt und eine
breitere Nachfrage optimierten die Marktzyklen.  Seit der Zeit der
phnizischen Kaufleute haben die Schrift und die aus ihr
hervorgehende Schriftkultur ihren Beitrag geleistet zu den Strategien
des Warentausches, zur Besteuerung--die direkteste Form des
politischen Eingriffs in den Markt--und zu den regulierenden
Eingriffen in die vielfltigen Formen, in denen sich die Menschen im
und durch den Markt konstituieren.  Schriftliche Vertrge weckten
Erwartungen bezglich einer weitergehenden, allgemeineren Planung auf
der Grundlage der Schriftlichkeit.

Zwischen der Gewinnung und Verarbeitung von Rohmaterialien und dem
Verkauf und Konsum eines Produktes sind viele Ebenen geschaltet.  Auf
jeder Ebene ist eine andere Sprache wirksam, manchmal sehr konkret,
bisweilen sehr abstrakt.  Diese Sprachen sollen die
Verarbeitungsprozesse und Handelsablufe beschleunigen, die Risiken
reduzieren, den Profit erhhen und die Effektivitt weltweiter
Handelsbeziehungen sichern.  Ohne negativen Einflu auf die Effizienz
der Vermittlung knnen diese neuen Handelsformen jedoch nicht mehr im
Zentralismus einer Schriftkultur befangen bleiben.  Die Ergebnisse
einer 70jhrigen Planwirtschaft in der Sowjetunion und ihrer
Satellitenstaaten--allesamt hochgebildete Gesellschaften--ist hierfr
ein sichtbarer Beweis.  Die Geschwindigkeit der heutigen
Handelsablufe und der parallele Verlauf der Verhandlungen erfordern
Sprachen von optimaler Funktionalitt und minimaler Ambiguitt.
Manche Transaktionen mssen auf visuelle Argumente zurckgreifen, die
ber die Mglichkeiten der Telekonferenz weit hinausgehen.  Produkte
und Verfahren werden noch im Verlauf der Verhandlungen durch die
interaktive Verknpfung aller am Design, an der Herstellung und an
der Vermarktung Beteiligten modifiziert.

Die berschreitung nationaler oder politischer (auch kultureller und
religiser) Allianzen fhrt zu einer neuen Form von Freiheit, die
allerdings auch Freiheit von der schriftkulturellen Form einer
Nationalsprache und von allen im schriftkulturellen Diskurs
beheimateten Darstellungen und Definitionen von Freiheit bedeutet.
Da Zeichensysteme und ganz besonders Sprachen keine neutralen
Ausdrucksmittel sind, mssen wir uns zunehmend auch in den Zeichen
anderer Kulturen zurechtfinden.  Heute gibt es schon
Unternehmensberatungen, die sich auf die Probleme der
Interkulturalitt und die unterschiedlichen Kulturformen
verschiedener Lnder spezialisieren.  Sie handeln mit dem, was Robert
Reich Symbolmanipulation genannt hat.  Deren Rat erstreckt sich auch
auf Bereiche und Sitten, die jenseits der in der Schriftkultur
festgehaltenen Werte liegen: also etwa auf die Frage, in welchen
Lndern Bestechung der effizienteste Weg zum geschftlichen Erfolg
ist.


Wessen Markt?  Wessen Freiheit?

Ein Markt, der an die moralischen und politischen Begriffe des
schriftkulturellen Diskurses gebunden bleibt, erreicht schnell die
Grenzen seiner Effizienz.  Wir begegnen diesen Grenzen auf andere
Weise, wenn wir in bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhngen mit
Idealen oder Verhandlungspositionen konfrontiert werden, deren
implizite Wertvorstellungen sich aus Erwartungen (bezglich eines
bestimmten Lebensstandards oder irgend welcher Vorteile) ergeben, die
in Vertrgen und Gesetzen eingefroren sind.  Viele europische Lnder
erleben derzeit die Krise ihres schriftkulturellen Erbes, weil
berholte, den neuen Effizienzerwartungen nicht mehr entsprechende
Arbeitsverhltnisse in Arbeitsgesetzen kodifiziert sind.

Andererseits mssen wir sehen, da die in der amerikanischen
Verfassung garantierten Menschenrechte auf dem weltweiten Markt
gerade von denen vergessen werden, fr die sie angeblich
selbstverstndlich sind.  Kein Amerikaner--nicht einmal ein
Angehriger einer Minderheit--schert sich beim Kauf von neuen
Turnschuhen auch nur einen Deut darum, da die Frauen und manchmal
sogar Kinder, die diese Turnschuhe in fernstlichen Lndern
anfertigen, damit nicht einmal ihren Lebensunterhalt verdienen knnen.
Und diese unmoralische oder opportunistische Haltung knnen wir
nicht einmal dem Markt zuschreiben, sondern jenen Konsumenten, die
das Grte und Beste zum kleinsten Preis erwarten.  Es ist fraglich,
ob Bildung und Schriftkultur wirksamer als die heutigen
Effizienzerwartungen jene Gerechtigkeit bewirken wrden, die im
Elfenbeinturm der Literatur eingeklagt wird.  Wer an einen Markt, der
durch Wettbewerb gekennzeichnet ist und auf dem nur Effizienz und
Profit zhlen, ethische Erwartungen herantrgt, wird schnell
enttuscht sein, wenngleich es vielleicht die Gewissensbisse lindern
mag.  Mrkte sind der Ausdruck derer, die sie konstituieren; sie sind
realistisch, wenn nicht sogar zynisch.

Allein aus Grnden der Effizienz geben Mrkte die Rahmenbedingungen
fr die Selbstkonstituierung des Menschen ab, der Freiheiten und
Rechte geniet, die zu seinen produktiven Fhigkeiten beitragen.  Der
Gedanke, da Mrkte nicht nur von groen Spannungen gekennzeichnet
und ohne Moral, sondern auch die Wiege fr Freiheit, Toleranz
(politische, soziale, religise und geistige) und Kreativitt sind,
wird nicht jedem gefallen.  Aber wir sollten nicht vergessen, da die
amerikanische Revolution nicht zuletzt durch Handelsstreitigkeiten
hervorgerufen wurde.  Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in den
Sowjetlndern setzen sich im ehemaligen Ostblock allmhlich und
mhsam Formen des Waren- und Gedankenaustausches durch, die denen im
Westen ganz hnlich sind.  Und trotz aller gegenwrtiger
Schwierigkeiten erkennen wir deutlich eine Entwicklung zu mehr
Freiheit und weniger Regulierungswut.  Lediglich die Volksrepublik
China ist noch im Griff einer zentralistisch geregelten
Planwirtschaft.  Und doch zeichnet sich auch dort ab, da die
Konkurrenz zwischen offenen Mrkten und der freie Flu von Gtern auf
ein klares zuknftiges Ziel hinsteuert.  Es wird vielleicht noch
etwas dauern, aber dann werden auch die Chinesen auf dem Festland so
frei sein wie ihre Nachbarn in Taiwan.  Letztlich entscheidet die
Interaktion auf dem Markt das Schicksal der Menschen.

Und der Markt wird die Schriftkultur hinter sich lassen, wenn diese
seine Effizienz beeintrchtigt; er wird sich mit Hilfe von
Mechanismen weiterentwickeln, die den neuen Bedingungen des neuen
Marktes angemessen sind.  Wenn wir verstehen wollen, wie Mrkte
funktionieren, hat es berhaupt keinen Sinn mehr, auf Erklrungen
zurckzugreifen, die aus berholten Formen der Lebenspraxis
entwikkelt wurden.  Es wre Zeitverschwendung und wrde in Nostalgie
enden.  Die neue komplexe Lebenspraxis des neuen Marktes und damit
die neuen Mglichkeiten unserer Selbstkonstituierung wrden wir
dadurch nicht besser beherrschen.


Neue Mrkte, Neue Sprachen

Unser Beschreibungsmodell, das den Markt als Zeichenproze definiert,
machte den offenen Charakter jeder Transaktion sichtbar; unsere
Errterung der zahlreichen Phasen, in denen sich die Konstitution von
Mrkten vollzieht, hat die distributive Natur von Marktprozessen
dargelegt.  Um die vernderten Bedingungen der menschlichen
Selbstkonstituierung auf dem Markt in einer radikal vernderten Skala
mit einer entsprechend neuen Dynamik nher zu erklren, mssen wir zu
beiden Bereichen einige Ergnzungen machen.

Die Verwendung von Zeichen und von Sprache ist eine spezifisch
menschliche Ttigkeit.  Die Verfasser eines gesprochenen oder
geschriebenen Textes konstituieren damit ihre Identitt und richten
sich gleichzeitig darauf ein, die Antwort einer potentiellen oder
intendierten Leserschaft entgegenzunehmen und zu interpretieren.
Dieses gilt fr alle zeichenhaften Ausdrucksformen und ihre
Kombinationen.  Text, Musik, Geruch knnen Bilder assoziieren oder
auch Assoziationen untereinander hervorrufen.  Diese Assoziation kann
weitervermittelt werden an andere, die sie wiederum ad infinitum
verbreiten, und zwar oft so, da das Ausgangszeichen (d. h. also die
Ausgangsperson, die ein Zeichen in Antizipation der durch andere
vollzogenen Interpretation des Zeichens entwirft) am Ausgangspunkt
dieses bermittlungsprozesses vollkommen vergessen ist.

Wenn wir nun diesen Gedanken auf die Produkte menschlicher Ttigkeit
bertragen, knnen wir die Hervorbringungen des Menschen unter drei
Gesichtspunkten betrachten:
1. unter ihrer Ausdrucksleistung--etwa das von einer Maschine, einem
Produkt, einem bestimmten Nahrungs- oder Kleidungsmittel, einem
Wirtschaftszweig erfllte Bedrfnis;
2. der Kommunikationsleistung--erfllt das Produkt ein Bedrfnis
weniger oder vieler, auf welche Weise wird das Bedrfnis erfllt, was
wird ausgesagt ber die, die dieses Produkt hergestellt haben, und
die, die ihre Identitt durch die Verwendung dieses Produktes setzen,
was erfahren wir ber realisierte Chancen und eingegangene Risiken;
und
3. der Bedeutungsleistung--der in dem Produkt ausgedrckte Wissens-
und Kompetenzstandard.
Das heit natrlich nicht, da jedes Alltagsprodukt ein Zeichen oder
eine Sprache ist.  Aber es kann als Zeichen fr einen Gegenstand (der
Produktionsstand in einem bestimmten Bereich, die Qualitt des
Designs, die Kompetenz in der Ausfhrung) interpretiert werden und
damit etwas aussagen ber den pragmatischen Lebenszusammenhang des
Menschen und seine durch diese Pragmatik ermglichte
Identittsfindung.  Wir alle kennen Flle, in denen dem Sprecher das
Wort auf den Lippen erstirbt, weil ihm niemand zuhrt.  Analog hierzu
kann auch ein Produkt aus unserem Leben verschwinden, weil es fr
unsere Lebenspraxis irrelevant geworden ist.  Es gibt viele solcher
Flle, in denen Zeichen diese Qualitt der Interpretierbarkeit
verloren haben.

Eine Firma, die an die Brse geht, wird an zahlreichen Eigenschaften
gemessen.  Das Wachstumspotential ist eine dieser Eigenschaften,
deshalb werden z. B. die im Internetbereich ttigen Firmen bei ihrem
Gang an die Brse so hoch bewertet.  Dieses Potential kann in
schriftlicher Form dargelegt werden mittels verffentlichter Daten
ber die erworbenen Patente, mittels Marktanalysen oder aber ber die
intuitive Einsicht, da sich in diesem Marktzeichen mehr verbirgt als
nur der Name und der anfngliche Brsenwert.  In einer begrenzten
Skala der menschlichen Erfahrung konnte ein jeder an der Erfahrung
teilhaben; mit der Erweiterung der Skala hat die Schriftkultur die
Informationen bermittelt und so die Rolle eines partiellen
Garantietrgers bernommen.  Heutzutage gibt es nicht nur ein
Unternehmen fr ein bestimmtes Produkt und eine Handlung, sondern
viele hnliche und immer neue erhhen den Konkurrenzdruck; Angebot
und Nachfrage regeln sich auf einem Markt, auf dem der Verlust des
einen der Gewinn des anderen ist.  Die Schriftkultur kann nicht
lnger als Hintergrund fr die Dynamik dieser Vernderung und
Erneuerung dienen.  Wrde sie sich fr die Kontrolle derartiger
Marktablufe eignen, htte sich die Firma Netscape--ein Synonym
schlechthin fr den Internet-Browser--niemals so entwickeln knnen;
hnliches gilt fr die Unternehmen, die die Software fr das
Telefonieren via Internet (voice over ISP) entwickelt haben.

Bei einem relativ homogenen Markt erwies sich die Sprache als ein
angemessenes Kommunikationsmittel.  Solange die verschiedenen
Kontexte, die gemeinsam den heutigen Weltmarkt ausmachen, sich nicht
so erheblich unterschieden, wie es sich derzeit abzeichnet, waren
Schriftsprache und Schriftkultur ein gut funktionierender Kompromi.
Aber nicht nur die Mrkte, sondern auch die Handelsformen selbst
haben sich verndert: vom Austausch von Gtern gegen Gter oder vom
Austausch von Gtern gegen einen universellen Ersatz (Gold, Silber,
Edelsteine) oder gegen konventionelle (Geld-) Einheiten hin zu Gren
wie den Euro oder das ber die Netzwerke gehandelte e-Money; in
diesem Entwicklungsschritt wird die eine allein gltige Schriftkultur
durch eine Vielzahl von Alphabetismen und "Literalitten" ersetzt,
die an die einzelnen Transaktionssegmente gebunden sind.
Aktienanteile an einer italienischen oder spanischen Firma,
Warentermingeschfte oder Obligationen fr Investmentfonds der
Dritten Welt--sie alle unterliegen ihren eigenen Handelsgesetzen mit
einer jeweils eigenen Sprache.

Die Spezialisierung, die zur Effizienzsteigerung des Marktes fhrte,
hat auch die Zahl von Sondersprachen und neuen Bildungsformen erhht.
Diese bringen das Produktionspotential von Unternehmen und den Wert
ihres Managements auf den Markt.  Sie verzeichnen z. B. die Hhe der
erwarteten landwirtschaftlichen Produktivitt (einschlielich des
Risikos der Wetterbedingungen) und die im Zusammenhang der
fortschreitenden wirtschaftlichen Globalisierung sich abzeichnenden
unternehmerischen Risiken.  Sie knnen ihrerseits wiederum in
Programme eingebracht werden, die mit anderen Programmen in Beziehung
treten.  Darber hinaus binden die Mechanismen, die fr den
distributiven Charakter des heutigen globalen Marktes verantwortlich
sind, weitere Sprachen in den Markt ein, in diesem Fall die Sprachen
der "weichen" Maschinen, die unabhngig von Schriftkultur mit
Fhigkeiten zur Informationssuche und heuristischen Planung
ausgestattet sind.

Marktsimulationen ermglichen die Erstellung von intelligenten
Programmen fr die Abwicklung des Handels und die Entwicklung
zahlreicher selbstndiger intelligenter Agenten, die sich selbst
modifizieren, auf neue Bedingungen einstellen und so immer bessere
Handelsergebnisse erzielen knnen.  Kurz: Vor dem Hintergrund eines
starken integrativen Prozesses spielen sich viele Vermittlungsformen
ab.  Dieser Hintergrund ist eben jener neue pragmatische Rahmen, der
die globale Plattform fr eine in viele Teilbereiche aufgegliederte
Wirtschaft mit immer krzeren Produktionszyklen abgibt.  Der Proze
kennt kaum noch sequentielle Ablufe und keinen Zentralismus.  Mit
anderen Worten: Nahezu die gesamte Marktaktivitt vollzieht sich in
parallel ablaufenden verteilten Prozessen.  Darber hinaus ergeben
sich in den flieenden Koordinaten der weltweiten Handelsbeziehungen
neue Konfigurationen, d. h. sich verndernde Interessenszentren.
Jedes einzelne Geschft entwickelt als ein sich selbst
organisierender Nukleus seine eigene Dynamik.  Auch die Beziehungen
zwischen solchen Konfigurationsnuklei sind dynamisch.  Die
Beziehungen zwischen den daran beteiligten Elementen sind nicht
linear und verndern sich kontinuierlich.  Solidaritt wird durch
Wettbewerb ersetzt, der nicht selten feindlich ist oder Formen der
Feindlichkeit annimmt.  So verzehrt der Markt sich selbst und damit
auch das Erbe der Schriftkultur, an deren Stelle er provisorische und
fr spezielle programmierbare Funktionen eingerichtete
Spezialsprachen setzt.

Wann immer Individuen ihre Identitt in ein Produkt hineinprojizieren,
wird die in diesem Produkt verkrperte vieldimensionale Erfahrung
zum Tausch mit anderen dargeboten.  Auf dem Markt wird die Erfahrung
auf diejenige Dimension reduziert, die dem gegebenen Kontext der
Transaktion entspricht.  Mit seinem Verhalten auf dem Markt drckt
der Mensch das Bewutsein seiner selbst aus, seine kritischen und
selbstkritischen Fhigkeiten und seine Gerichtetheit auf die Zukunft.
Die abstrakte Natur der Marktprozesse, die Befreiung von der
Schriftkultur und die berantwortung an Technologien, die einen
effizienten Austausch ermglichen, verweisen auf eine Zukunft, die
manchen, die in anderen pragmatischen Zusammenhngen aufgewachsen
sind, besorgniserregend erscheinen mag.

Die sozialistischen Modelle, deren ideologische Sulen Begriffe wie
brgerlicher Besitz, Klassenunterschied, Reproduktion der
Arbeitskraft und hnliche Kategorien waren und die aus einem
pragmatischen Rahmen hervorgingen, der die Schriftkultur mglich und
notwendig gemacht hatte, haben sich erbrigt.  Besitz und Mrkte sind
verteilt (nicht immer in einer Weise, die unserem Verstndnis von
Fairne entspricht).  Wir definieren uns zunehmend in einem
gesellschaftlichen Kontinuum, das in mancherlei Hinsicht keinen Platz
mehr fr das Auergewhnliche hat und an dessen Stelle das
Durchschnittliche und Mediokre setzt.  Die selbstkonstitutive Kraft
des Menschen wird nicht nur in den neuen Formen der Lebenspraxis
reproduziert, sondern multipliziert in einer Lebenspraxis des
berschusses, der neuen berschu produziert.  Damit verliert der
Mensch seinen Sinn fr Dauerhaftigkeit und fr das Auergewhnliche
als Merkmale seiner Produkte und seiner Selbstkonstituierung durch
Arbeit.


Alphabetismus und das Transiente

Wenn ein Produkt mit einer lebenslangen Garantie auf den Markt kommt
und der Hersteller wenige Monate nach dem Verkauf des Produktes
bankrott geht, stellen sich normalerweise Fragen nach dem korrekten
Verhalten des Herstellers, nach falschen Angaben ber das Produkt und
nach der Qualitt der Werbung.  Solche Vorgnge, gegen die niemand
immun ist, knnen nicht einfach abgetan werden, denn das Agieren auf
dem Markt bedeutet immer einen Umgang mit menschlichen Werten, wie
relativ diese auch sein mgen.  Ehrenhaftigkeit, Wahrheit und eine
Achtung vor dem gegebenen Wort gehren zur Schriftkultur und sind
entsprechend in den Bchern dieser Schriftkultur ausgedrckt.  Diese
und alle anderen Bcher verlieren ihren Sinn, wenn wir die
Schriftkultur hinter uns gelassen haben.  Das heit allerdings nicht,
da in einem Stadium jenseits der Schriftkultur alle Werte
korrumpiert und bedeutungsleer werden.  Mrkte leisten etwas anderes:
Sie bauen die Erwartungen der Menschen in ihre eigenen Mechanismen
ein.  Das heit, sie mssen nicht deshalb bestimmte menschliche
Erwartungen erfllen, weil diese schriftlich niedergelegt sind,
sondern weil die Mrkte anders nicht erfolgreich funktionieren wrden.
Wie dies im einzelnen geschieht, bedarf einer ausfhrlicheren
Errterungen.  Wir wollen dabei mit der eingangs gestellten Frage
beginnen: Was geschieht mit der lebenslangen Produktgarantie, wenn
der Hersteller bankrott geht?

Wir haben bereits in verschiedenen Zusammenhngen gesehen, da die
sich in der Schriftkultur vollziehende sprachliche
Selbstkonstituierung des Menschen Stabilitt und progressives
Wachstum insinuiert.  Die in dieser Lebenspraxis gefundenen
Produktionsmittel weisen ebenfalls Eigenschaften auf, die
Dauerhaftigkeit garantieren.  So erscheint das industrielle Modell
als Erweiterung des in der Schriftkultur verwurzelten
Schpfungsmodells.  Maschinen waren leistungsstark und beherrschend.
Sie und ihre Produkte berdauerten die Generation derer, die sie
entwickelten und verwendeten.

Schriftkultur und Bildung waren an den komplexen Lebensumstnden
beteiligt, die zur industriellen Revolution fhrten, und sie wurden
durch diese dann weiter gefrdert und untersttzt.  Elektrisches
Licht verlngerte die Zeitrume, die zum Lesen zur Verfgung standen.
Bcher konnten schneller und billiger gedruckt werden, weil das
Papier schneller und billiger hergestellt und die Druckmaschinen
durch strkere Motoren angetrieben wurden.  Somit stand auch mehr
Zeit fr Ausbildung und Studium zur Verfgung; die industrielle
Gesellschaft erkannte, da mit der Entwicklung komplizierterer
Maschinen qualifizierte Arbeitskrfte produktiver waren.  All dies
vollzog sich vor einem Erwartungshorizont, der wesentlich durch
Dauerhaftigkeit gekennzeichnet war und sich auch auf die Struktur der
Mrkte auswirkte.  Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Produkten,
die den Einflssen von Wetter und Zeit ausgesetzt sind, knnen
industrielle Produkte auf Kommission bestellt und gelagert werden.
In diesen heterogenen und vermehrt auf Kredit kalkulierten
Marktstrukturen war die Schriftkultur ein wesentliches
Vermittlungsinstrument.  Produktionszyklen waren lang und folgten
aufeinander wie die Jahreszeiten, wie die Buchstaben in einem Wort.
Ein groer Hersteller verkrperte mit seinen Produkten geradezu
Dauerhaftigkeit.  Eine lebenslange Garantie auf solche Produkte
beinhaltet eine Aussage ber seine auf Dauer angelegte
Leistungsfhigkeit und versinnbildlicht in gewisser Weise die Sprache,
die die Leistungsfhigkeit des Produktes beschreibt.

Jenseits der Schriftkultur gelten diese Verhltnisse nicht mehr.
Weder das Design eines Produkts, noch die verwendeten Materialien und
angewandten Prinzipien sind darauf ausgelegt, ber einen Zyklus
optimaler Effizienz hinaus zu funktionieren.  Das ist weder eine
moralische Entscheidung noch ein abwegiger Plan.  In unseren
Produkten drcken sich lediglich andere Erwartungen aus.  Ihre
Lebensdauer entspricht der Dynamik des Wandels, der neuen Skala
menschlicher Selbstkonstituierung und der fr diese Skala typischen
Effizienzbesessenheit.  Unsere Produkte werden flchtiger, weil die
relativ gleichfrmigen Zyklen unserer Selbstkonstituierung krzer
geworden sind.

Die Lebenserwartung ist gestiegen, und diejenigen, die den Hhepunkt
ihrer produktiven Kraft berschritten haben, werden wohl bald die
Mehrheit der Bevlkerung ausmachen.  Durch diese Vernderung wird die
durch die neuen Vermittlungsstrategien erreichte hohe
Produktivittsebene nicht beeintrchtigt.  Ein lngeres Leben heit
heute lediglich, da man in mehrere Zyklen der Vernderung
eingebunden ist (was allerdings andere Vernderungen, etwa im Bereich
von Bildung und Ausbildung und im Familienleben, mit einschliet).
Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahrhunderten, in denen sich die
Entwicklung langsam vollzog, bezeugt eine abrupte Vernderung
ihrerseits eine neue conditio humana.

Wo frher Bildung und Schriftkultur fr die Koordination der
vielfltigen Beitrge des Menschen zur Lebenspraxis ntig waren,
stehen heute neue Formen der Koordination und Integration.  Die ihnen
entsprechende Lebenspraxis ist durch Intensitt und Verteilung
gekennzeichnet, und die Produkte tragen anstelle des Prinzips der
Dauerhaftigkeit das Prinzip der Vernderung in sich, das alle
menschliche Erfahrung beherrscht.  Auf diese Weise machten sich
Marktbedingungen fr das Flchtige, Vorbergehende geltend.  Wenn ein
lebenslanges Funktionieren von Produkten garantiert wird, dann wird
unter lebenslang der relativ kurze Zyklus des gesamten Sortiments
verstanden.  Und auch die Mglichkeit, da ein Hersteller bankrott
geht, kommt nicht berraschend, denn die strukturellen Merkmale
unserer Effizienzerwartungen fhren zu Produktionseinheiten, deren
Dauer (oder Krze) sich nach der Bedarfsdauer ihrer Produkte richtet.
Auf diese Weise werden also unsere Erwartungen in die
Marktmechanismen integriert.  Diese Produkte werden durch viele
Alphabetismen vermittelt, die dem Produkt innewohnen.  Nun wird auch
klar, warum wir auf eine lebenslange Produktgarantie verzichten
knnen: Wir entsorgen nicht nur die hergestellten Produkte, sondern
auch die in ihnen verkrperte Sprache (bzw.  Sprachen).  Jede
Transaktion auf dem Markt des Flchtigen entspricht einer
Lebenspraxis, die das faustische Prinzip in einen Werbeslogan
verwandelt.


Markt, Werbung, Schriftlichkeit

Die Rolle der Werbung in Markt und Gesellschaft ist durchaus
umstritten.  Die Meinungen reichen von Robert L. Heilbroners Urteil,
da die Werbung die Moral der kapitalistischen Gesellschaft am
nachhaltigsten untergrabe, bis zu McLuhans Apologie, da die Werbung
unserer Zeit unsere Werte, Sehnschte und Ttigkeiten am besten
widerspiegele.  Wir wollen nicht Partei ergreifen.  Ob wir nun
Werbung bewundern oder verachten, ignorieren oder genieen, sie
spielt in unserem heutigen Leben eine enorm wichtige Rolle.  Wer aber
mit der Geschichte der Werbung einigermaen vertraut ist, wird wissen,
da sich die Skala dieses Ttigkeitsbereichs als Bestandteil des
Marktes radikal verndert hat.  Uns interessiert an der Werbung nicht
nur, wieviel Bildung und Schriftkultur (oder nicht-schriftkulturelle,
analphabetische Elemente) in ihr stecken, sondern auch, wie sich
die Mittel der Schriftkultur fr die psychologischen, ethischen und
rationalen (oder irrationalen) Aspekte der Handelsablufe auf dem
Markt eignen.

Im brigen zeigt uns ein Blick auf die Werbung der vergangenen
Jahrhunderte, welche Rolle die Schriftkultur in der Gesellschaft und
in der kaufmnnischen Welt gespielt hat.  Mund-zu-Mund-Werbung und
Angebotstafeln vor einem Geschft stehen fr eine Zeit, in der
Handelsablufe von geringem Umfang und mit geringer Reichweite an der
Tagesordnung waren.  Die Werbestrategien um die Jahrhundertwende
verdeutlichen ihrerseits die damals erreichten Standards der
Schriftkultur und die Effizienzerwartungen, die man bezglich der
Handelszusammenhnge und der Skala jener Zeit an sie richtete.  Die
Werbung jener Zeit enthlt mehr Text als Bild und spricht mehr den
Verstand als die Sinne an.  Als Zeitungen und Wochenmagazine die
bestimmenden Kommunikationsmittel waren, verlie man sich in der
Werbung auf die berredungskraft des Wortes.  Nicht wirkliche
Ehrenhaftigkeit oder Werte wurden in ihnen ausgedrckt, sondern nur
der Anschein davon.  Das schwarz auf wei zu Papier gebrachte Wort
mute einfach und wahrhaftig erscheinen.

Das jedenfalls galt fr Amerika.  In Europa hatte die Werbung zu
jener Zeit einen anderen Stil entwickelt, verriet aber noch immer das
Vertrauen in die alten Werte.  Viele bekannte Knstler wurden fr die
Werbung gewonnen.  Henri Toulouse-Lautrec, El Lissitzky und Herbert
Bayer sind die bekanntesten.  Fr den gebildeten und auf
Schriftkultur fixierten, aber knstlerisch interessierten Europer
jener Zeit besaen solche Werbungen fr hochwertige Produkte und
Ereignisse eine grere Suggestionskraft.  Vermutlich in der
Nachfolge dieser europischen Tradition experimentierten dann auch
amerikanische Designer nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Bild als
Werbetrger und schufen die Wiege fr das Graphik-Design in den USA.
Als dann noch leistungsfhigere Visualisierungsmedien zur Hand waren,
die zur Erhhung ihrer Effektivitt auf psychologische Daten
zurckgreifen konnten, wurde das Bild in der Werbung zum
beherrschenden Faktor.  So offen und mehrdeutig ein Bild auch sein
mag, steigende Verkaufszahlen besttigten allemal die Wirkmchtigkeit
des Bildes in der Werbung.  Sofern heute auf Schrift in der Werbung
zurckgegriffen wird, geschieht es im wesentlichen mit Blick auf die
visuellen Aspekte der Schrift.

Auf den Mrkten herrscht alles andere als ein einfacher, klarer
Kausalzusammenhang.  Der bergang von einer wohl strukturierten,
rationalen Interpretation des Marktes und von seinem ethischen
Gebaren zu Irrationalitt und Entstellung ist leicht vollzogen und
lt sich an den neuen Formen ablesen, die die Mrkte genommen haben,
und an den neuen Techniken ihrer Transaktion und der damit
verbundenen Werbung.  Mit Irrationalitt meinen wir die Aufgabe
allgemeiner Vernunftregeln (oder konomischer Theorien) bezglich des
Warentausches.  In den 80er Jahren zeigte sich dies auf dem lmarkt,
dem Kunstmarkt, dem Markt fr Adoptivkinder und bei den Angeboten
neuer Werte auf dem Aktienmarkt.

Wirtschaftstheorien oder der Text einer Werbung knnen diese
Irrationalitt nur anerkennen und Erklrungen vorschlagen.  Es gibt
Anstze und Schulmeinungen im Bereich der Marktanalyse, die auf
Spieltheorie, Psychodrama, zyklischer Modellierung, den Mondphasen
usw. beruhen.  Sie alle produzieren eine Unmenge von
Informationsbroschren, die die schwer vorhersagbaren
wirtschaftlichen und finanziellen Phnomene zu erklren und zu
verstehen suchen.  Sprachhnliche Erklrungen und Ratschlge sind
Teil der Werbung, Teil der Sprache des Marktes, die ihre eigene
Schriftlichkeit entwickelt und viele darin einbindet.  Doch selbst
der gebildetste Teilhaber an den Marktablufen kann diesen Proze
nicht anhalten, denn die an diesen Ablauf teilhabende Schriftlichkeit
unterscheidet sich von der Schriftlichkeit, die in einem Produkt oder
seiner Werbung verkrpert ist.  Zu jeder Zeit sind, wie im Leben,
irrationale Elemente auf dem Markt prsent; diese sind aber nicht zu
vergleichen mit dem Ausma, in dem die Sprache des Marktes die
Hysterie etwa des Schwarzen Montags im Jahr 1987 an der New Yorker
Brse reflektierte oder ihre pragmatische Funktion bisweilen gnzlich
aufgibt.

Wir alle klagen darber, da unsere Intimsphre kleiner wird,
erlauben aber gleichzeitig durch unsere Prsenz auf dem Markt, da
uns die vom Markt ausgebte Integrationskraft erfat, ohne zu sehen,
wie eng diese beiden Aspekte zusammenhngen.  Die Schriftkultur hatte
frher auch eine Schutzfunktion ausgebt und Regeln der Diskretion
und des Anstands festgeschrieben.  Die Illiteralitt indes versetzt
uns in Furcht; sie macht uns zwar effizienter, ffnet aber all den
Mitteln Tr und Tor, die uns unserer Identitt berauben.  Wenn wir
unsere Geschfte online betreiben, geben wir, ohne zu zgern, unsere
persnlichen Daten und die Nummer unserer Kreditkarte preis und
setzen dabei stillschweigend einen Bereich der Privatheit voraus, der
fr den Kode unseres schriftkulturellen Verhaltens selbstverstndlich
war.  Aber gerade diejenigen, die Bildung und Kommunikationsformen
aus dem Umgang mit Computern gewonnen haben, sollten wissen, wie
unbegrenzt die Macht des Netzes ist, wenn es darum geht, fr alle nur
denkbaren Verwendungen Informationen zu suchen, zu finden und zu
klassifizieren.

In diesem neuen Stadium jenseits der Schriftkultur wendet sich die
Werbung nicht mehr nur an einen undifferenzierten groen Markt,
sondern sehr differenziert auch an kleinere Gruppen, selbst an das
Individuum.  "Sag mir, was du kaufen oder verkaufen mchtest, und ich
sage dir, wer du bist": Diese Feststellung beschreibt sehr genau, wie
der Zeichenvorgang auf dem Markt uns die Beteiligten transparent
macht.  Der enorme Aufwand, mit dem heute ein neues Msli, eine neue
Software, ein Wahlkampf, ein Film oder eine Sportveranstaltung
vermarktet werden, hat aus der Sprache der Werbung eine eigene
Sprache gemacht mit einem eigenen Vokabular und einer eigenen
Grammatik.  Diese verndern sich stetig, weil sich die von ihnen
dargestellte Welt schnell und stetig verndert.  "Sag mir, was du
kaufst, und ich sag dir, wer du bist."  Unaufhrlich und berall
machen enorm erfindungsreiche Digitaltechniken Aufnahmen von uns, die
Feinabstimmung bernimmt der Markt.  Das Kaufen von Produkten ist
lngst vorbei.  Heute kaufen uns die Produkte.

Werbung ist nicht mehr nur Mitteilung oder Erluterung.  Werbung ist
Informationsverarbeitung mit bisweilen bizarren Ausmaen und darber
hinaus sehr erfindungsreich, wenn es um die Querverweisung von
Information und die Feinabstimmung der Botschaft auf die
individuellen Bedrfnisse hin geht.  Automatische Datenanalyse wird
ergnzt durch Abstimmungsmethoden, die das Gewicht der Wrter den
spezifischen Bedrfnissen des Adressaten anpassen.  In der Realitt
des Marktes und seines Gehilfen, der Werbung, werden Sprachen, die
sich auf Kunst, Erziehung, Ideologie oder Sexualitt beziehen, von
der grenzenlosen Vermittlungsmaschinerie eingenommen, die den
pragmatischen Rahmen unserer heutigen Existenz ausmacht.  Nichts ist
wertvoller als das Wissen darum, wer wir sind.  Vermutlich sind jene
Makler, die mit den Informationen ber einen jeden einzelnen von uns
handeln, auf diesem Markt der vielen miteinander konkurrierenden
partiellen Literalitten die erfolgreichsten.

Im Verlauf dieser Entwicklung hat die Sprache ihre Mglichkeiten
erschpft und die Schriftkultur ihre beherrschende Rolle in unserer
Kultur verloren.  Eine jede schriftkulturelle uerung ging
stillschweigend davon aus, da der Mensch die optimale
Informationsquelle und der ideale Empfnger sei.  Die illiterate
Botschaft kann sich automatisch vermitteln, als Bild oder als Text,
als Video oder als Internet-Spamming, was immer fr das auserkorene
menschliche Ziel am treffsichersten erscheint.  Wir haben gar keine
andere Wahl.  Direkte Verhandlungen zwischen Personen sind lngst dem
Austausch ber Faxgerte gewichen und werden zuknftig als
Verhandlungen zwischen Softwareprogrammen gefhrt werden.  Die Folgen
davon werden so weitreichend sein, da es wenig Sinn ergbe, auf
diese Situation emotional mit reiner Begeisterung oder bloer
Verachtung zu reagieren.

Die Pragmatik des heutigen Marktes unterliegt der Notwendigkeit, den
berflu stndig auszuweiten, um den von Begehr und Erwartung
getriebenen Austausch von Gtern und Dienstleistungen anzutreiben.
Derartiges Begehren und derartige Erwartungen in der globalen Skala
der menschlichen Interaktionen sind von einer einzigen beherrschenden
Form von Bildung und Schriftkultur nicht mehr in den Griff zu
bekommen.  Hunderte von Literalitten, die ihrerseits eine ebenso
groe Zahl von Selbstkonstituierungsformen berall auf der Welt
verkrpern, sind unter dem Superzeichen, das wir Markt nennen,
zusammengefat.

Der Markt--im engen Sinne als Umschlagplatz von Gtern und als
Zeichenproze, der Struktur und Dynamik verbindet--bringt all das
zusammen, was die Beziehungen zwischen dem Individuum und seinem
sozialen Umfeld regelt: Sprache, Sitten, Gebruche, Wissen,
Technologie, Bilder, Klnge, Gerche und vieles andere.  Durch den
Markt werden Wirtschaftsformen besttigt oder einer schmerzlichen
Umstrukturierung unterworfen.  Die zurckliegenden Jahre haben
diesbezglich sehr viel Unruhe verursacht, aber auch konomische
Chancen geboten--ein Ausdruck neuer pragmatischer Umstnde.
Konkurrenz, Spezialisierung und Kooperation haben sich verstrkt.
Ein aufregendes und zugleich fr manche beunruhigendes Wachstum der
wirtschaftlichen Aktivitt hat neue Hochleistungsmrkte
hervorgebracht.  Phnomene wie just in time, point of sale und
elektronischer Austausch muten sich entwickeln, weil die neue
Lebenspraxis sie erforderlich machte.

Deshalb knnen wir auch nicht so ohne weiteres den Erklrungen folgen,
die die Dynamik des Wirtschaftslebens auf die technologischen
Vernderungen zurckfhren.  Die schnelleren Wirtschaftszyklen
verlaufen nicht neben den neuen praktischen Erfahrungen menschlicher
Selbstkonstituierung, sondern sind auf sie bezogen.  Kognitive
Ressourcen zhlen zu den wichtigsten Gtern der neuen
wirtschaftlichen Erfahrungen.  Und der Markt richtet sich darauf ein,
indem er fr den beschleunigten Umschlag dieser Gter Mechanismen und
Zeichenprozesse entwickelt, die eine bislang nicht erreichte
technologische Komplexitt aufweisen.  Dynamische Systeme fr
intelligente Agenten und verbesserte Mglichkeiten fr die
Einschtzung von Marktchancen und Prognosen haben neue Algorithmen
hervorgebracht, die diese neuen kognitiven Ressourcen angemessen
ausdrcken.  Sie knnten aufblhen in einem Kontext, der Freiheit von
jeglicher Hierarchie und Zentralismus, Loslsung von Sequentialitt
und Determinismus erfordert.  Selbst das interessante
Wirtschaftsmodell, das Wirtschaft als ein kosystem versteht (ich
beziehe mich hier auf Rothschilds Bionomics), verrt doch in letzter
Konsequenz eine deterministische Sehweise.

Zeichenprozesse (auch Semiosen genannt) knnen keine wirtschaftlichen
Vernderungen hervorrufen.  Aber Zeichenprozesse reflektieren in der
Form hochentwickelter Transaktionen die Vernderungen, die sich in
der pragmatischen Grundlage des Menschen vollzogen haben.  Die
zahlreichen neuen Unternehmen von Fast-food-Ketten ber
Mikrochip-Hersteller bis zu RoboterEntwicklern, die das menschliche
Wissen in die neuen Waren und Dienstleistungen umsetzen, zeigen die
Notwendigkeit dieser pragmatischen Vernderungen.  Angebotsvielfalt
und berflu knnen vielleicht auf Wettbewerb und Zusammenarbeit
zurckgefhrt werden, aber die eigentliche Triebkraft der Wirtschaft
und des Marktes ist das objektive Bedrfnis nach Effizienzebenen, die
der heute erreichten globalen Skala menschlicher Ttigkeit
entsprechen.  Eine zentrale Planung wie berhaupt jegliche
zentralistische Struktur hat sich nicht wegen des technologischen
Fortschritts erbrigt, sondern weil sie nicht mehr mit effizienten
praktischen Erfahrungen in Einklang zu bringen war.

Wie die Mrkte in einer Zivilisation jenseits der Schriftkultur
aussehen, hat sich aus den vorausgegangenen berlegungen
herauskristallisiert.  Sie sind gekennzeichnet durch vielfltige
Vermittlungsinstanzen, rasche Entwicklungszyklen sowie eine globale
Verknpfung und Abhngigkeit.  An die Stelle des Menschen als
optimaler Informationsquelle und idealem Empfnger treten
elektronisch vermittelte Datenverarbeitungsprozesse, die sich
jederzeit an jeden in einem jeden Kontext wenden knnen: an die
Produzenten von Rohmaterialien, an Energielieferanten, an Hersteller
und Verkufer.  Die Analyse des Kuferverhaltens beim Scannen der
Internetangebote geht direkt in Programme ein, die Produktion,
Marketing und Distribution steuern.  Kauf und Verkauf regeln sich
nicht mehr ber persnliche Verkaufsgeprche, Fax oder e-mail,
sondern als Interaktion zwischen Programmen.  An die Stelle von
Massenmrkten treten spezialisierte Einzelmrkte.  Die Dynamik dieser
Mrkte, die sich in den einzelnen Zellen der Selbstorganisation
ausdrckt, entspricht dabei der Dynamik der Menschen, die sich in
dieser ihrer Realitt konstituieren.



Kapitel 2:

Sprache und Arbeitswelt

Arbeit ist ein Mittel der Selbsterhaltung, das ber den primitiven
Kampf um das berleben hinausgeht.  Den Begriff Arbeit knnen wir
eigentlich erst verwenden, wenn wir von einem Bewutsein des Menschen
seiner selbst und von einem Bewutsein seiner Selbstkonstituierung in
praktischen Erfahrungen ausgehen knnen.  Das Bewutsein von Arbeit
und die Anfnge der Sprache gehren eng zusammen.

Unter Arbeit verstehen wir nicht die spezifische Ausfhrung dieser
oder jener Ttigkeit, sondern Muster und Profile menschlichen
Handelns.  Wir betrachten sie also vor allem unter einem funktionalen
Gesichtspunkt, der auch die Frage aufwirft, wie sich diese Muster
reproduzieren.  Interaktion, Vernderung, Wachstum, Verbreitung und
Beendigung sind Bestandteile dieser Profile.  Es ist offensichtlich,
da die Arbeitsprofile der landwirtschaftlichen Ttigkeit sich von
denen der vorindustriellen, der industriellen oder der
postindustriellen Zeit unterscheiden.  Wir wollen im folgenden die
Arbeitsprofile der durch Schriftkultur gekennzeichneten Arbeitswelt
mit denen im Stadium jenseits der Schriftkultur vergleichen.

Die landwirtschaftliche Ttigkeit ist wesentlich von topographischen
und klimatischen Bedingungen abhngig.  Gleichwohl hat sich bei den
in diese Ttigkeit eingebundenen Menschen unabhngig von ihrer
jeweiligen geographischen Lage eine kohrente Erfahrung eingestellt.
Die in der jeweiligen Sprache zum Ausdruck gebrachte Erfahrung weist
einen klar umrissenen Satz von Problemen, Fragen und Wissen auf, der
trotz des jeweils fragmentarisierten Weltblicks insgesamt homogener
ist, als wir erwartet htten.  Im Vergleich dazu sprechen die
Chiphersteller im Silicon Valley oder in entlegenen chinesischen
Provinzen, in Ruland oder in einem Entwicklungsland Osteuropas, in
Asien oder Afrika von vornherein dieselbe Sprache und stehen vor
denselben Problemen.

Landwirtschaftliche Ttigkeit verluft nach dem bottom-up-Prinzip,
das in diesem Fall ein reaktives Prinzip ist.  Die Reaktion auf
gegebene Probleme fhrte langsam, aber stetig zu Entscheidungen
zwischen Handlungsalternativen.  Erfahrung fhrte zu repetitiven
Handlungsmustern.  Effiziente Erfahrungen setzten sich durch, andere
wurden verworfen.  So formte sich allmhlich ein Bestand an Wissen,
der einem jeden, der in diese berlebenspraktiken eingebunden war,
zur Verfgung stand.  Im Falle der Chipfabrik ist die Struktur nach
dem top-down-Prinzip gestaltet: Von vornherein sind bestimmte und
klar definierte Ziele und Grnde sowie das notwendige, seiner Natur
nach nicht in Schriftlichkeit eingebundene Wissen Teil der
Erfahrungsstruktur.  Nur so ist die hohe Effizienz zu erreichen.
Durch begleitende Manahmen werden die verfgbaren Fhigkeiten und
Fertigkeiten unablssig verbessert.  Die Ttigkeit ist programmiert.
Eine klare Vorstellung von den Zielen des Unternehmens--hohe Qualitt,
hohe Effizienz, ausgeprgte Anpassungsfhigkeit an neue
Erfordernisse--ist in das gesamte Unternehmenssystem eingebaut.

In beiden Modellen entwickelt sich die Sprache als Teil und Ausdruck
dieser Erfahrung.  Koordination, Kommunikation, Aufzeichnung und
Wissensvermittlung erfordern fr den reproduktiven Proze der Arbeit
die Transferleistung der Sprache.  Gewi ist die Sprache der
landwirtschaftlichen Lebenspraxis natrlicher und strker auf den
Naturzustand des damaligen Menschen bezogen gewesen als die Sprache
im Chipzeitalter jenseits der Schriftkultur, die von einer
auerordentlichen Przision sein mu, um den hochspezialisierten und
hocheffizienten Arbeitsablufen zu gengen.  Die Funktionen der
letzteren Sprachform unterscheiden sich von denen der natrlichen
Sprache, die als allgemeines Mittel menschlicher Interaktion jedoch
nach wie vor gltig bleibt.

Diese einleitenden Bemerkungen zum sich verndernden Verhltnis
zwischen Sprache und Arbeit mgen gengen.  Unsere Terminologie
orientiert sich am heute gngigen Jargon der Genetik und ihrem
Gegenstck, der Memetik.  Dennoch ist in diesem Zusammenhang Vorsicht
geboten, denn Memetik ist auf die quantitative Analyse kultureller
Dynamik gerichtet, wohingegen sich die Semiotik vornehmlich mit
qualitativen Aspekten beschftigt.

Wie wir bereits errtert haben, liefert die biologische
Evolutionstheorie heute die Metaphern fr die neueren
Wirtschaftswissenschaften wie auch fr die Theorien ber
Wissenserwerb und Wissensverbreitung oder die Reproduktion von
Gedanken.  Viele beschftigen sich bereits mit der neuen Sparte der
memetischen Forschung.  Die Mehrheit widmet sich effektiven, d. h.
meist computergesttzten Verfahren zur Entwicklung von Mechanismen,
die die menschlichen Interaktionen verbessern sollen.  So aufregend
dies alles ist, knnten sich jedoch qualitative berlegungen als
mindestens ebenso ntzlich erweisen, wenn wir sie in konkrete
praktische Erfahrungen umsetzen knnten.  Wenn sich aus der
Evolutionstheorie ergibt, da jeder lebendige Organismus
zweckbestimmt ist, dann lt sich die Dynamik der menschlichen
Ttigkeit, wie sie sich in aufeinanderfolgenden pragmatischen Rahmen
ihrer Entwicklungsstadien niedergeschlagen hat, mit dem Mechanismus
der natrlichen Auslese allein nicht erklren.  An diesem Punkt zeigt
sich der Unterschied zwischen der Auffassung vom Zeichencharakter der
menschlichen Interaktion, auch der in der Arbeit sich vollziehenden
Interaktion, und der quantitativen Auffassung.  Solange natrliche
Auslese selbst als praktische Erfahrung--als Wahl zwischen mehreren
Mglichkeiten--verstanden wird, kann man sie nicht gleichzeitig zur
Erklrung dafr, wie sie sich vollzieht, heranziehen.

Wir knnen Arbeit in Analogie zu den Maschinen--denen von gestern und
denen von heute--als eine Maschine betrachten, die sich selbst
reproduziert.  In der Terminologie der Memetik wrde man Arbeit als
eine komplexe replikative Einheit beschreiben, als eine Meta-Meme.
Aber beide Vergleiche beziehen sich auf den Aspekt des
Informationsaustausches, der nur ein Teil des Zeichenprozesses ist.
Damit wollen wir nicht sagen, da Arbeit auf Zeichenprozesse oder auf
Sprache reduzierbar ist.  Uns interessiert hier die Verbindung
zwischen Arbeit und Zeichen bzw. zwischen Arbeit und Sprache.  Uns
interessiert ferner, inwieweit und inwiefern pragmatische
Handlungsrahmen und die Merkmale der Spracherfahrung sich gegenseitig
beeinflussen und voneinander abhngig sind und inwieweit dieser
Zusammenhang memetisch zu verstehen ist, ohne allerdings darauf
reduziert zu werden.


Innerhalb und auerhalb der Welt

Wenn wir die Leistungsfhigkeit der unmittelbaren Erfahrung mit der
Leistungsfhigkeit von vermittelten Erfahrungsformen--vermittelt
durch Werkzeuge, Zeichen oder Sprachen--vergleichen, so zeigt sich,
da die Effizienz der durch Zeichensysteme vermittelten Handlungen
hher ist.  Die Quelle dieser Effizienzsteigerung liegt in der
kognitiven Leistung, die die angemessenen Mittel mit dem erstrebten
Ziel koordiniert.  Im Rckblick knnen wir verstehen, wie ungeheuer
gro diese Aufgabe war: Beobachtung, Vergleich, Entwicklung und
Abwgung von Alternativen muten ins Spiel gebracht werden.  Die
Nachbildung solcher kognitiven Prozesse ist nach allem, was wir nach
jngsten wissenschaftlichen und technologischen Forschungen in diesem
Bereich wissen, noch lange nicht absehbar, zumal solche kognitiven
Prozesse sich ber lange Zeitrume entwickelt haben.

Sprache ist wie jedes andere Zeichensystem ein integraler Bestandteil
bei der Selbstkonstituierung und Selbstbehauptung des Menschen.  Sie
spielt in diesem Proze eine dynamische Rolle.  Sie entspricht den
verschiedenen pragmatischen Zusammenhngen, in denen die Menschen
ihre strukturale Wirklichkeit in die Wirklichkeit ihres Lebens
hineinprojizieren.  Das biophysische System, innerhalb dessen sich
diese Projektion abspielt, wurde und wird nachhaltigen Vernderungen
unterworfen.  Diese Vernderungen spiegeln sich in der biophysischen
Vernderung des Menschen wider.  Als Teil dieser sich verndernden
Welt und als deren Beobachter befindet sich der Mensch mithin
gleichzeitig innerhalb und auerhalb der Welt: innerhalb der Welt als
eine genetische Sequenz, auerhalb der Welt als ihr Bewutsein und
Gewissen, das sich neben allen anderen Formen des Bewutseins auch in
der Arbeit ausdrckt.

Ob wir nun Sprache in ihrem sehr begrenzten frhen Stadium oder als
ein potentiell universelles Ausdrucks-, Darstellungs- und
Kommunikationssystem betrachten, wir mssen sie immer in ihrer
Abhngigkeit von der menschlichen Natur sehen.  Ebenso mssen wir ihr
Verhltnis zu anderen Ausdrucks-, Darstellungs- und
Kommunikationsformen miteinbeziehen.  Die Notwendigkeit von Sprache
zeigt sich in dem Ma, in dem die evolutionre Bestimmung und die
Selbstbestimmung des Menschen oder der Gesellschaft korrelieren.
Sprache ergibt sich aus den praktischen Erfahrungen des Menschen.
Gleichzeitig aber ist sie fr diese konstitutiv, und zwar zusammen
mit vielen anderen Elementen der menschlichen Praxis, wie etwa der
biologischen Anlage, der Heuristik und Logik, Dialektik und
Ausbildung.  Das gilt fr alle Stadien der Sprachentwicklung.  In der
Form, die sie innerhalb der Schriftkultur bekommen hat, bewirkte die
Sprache die zunehmende Spezialisierung und Fragmentarisierung der
menschlichen Praxis.  Wir sind heutzutage Zeugen und zugleich
Betreiber eines Prozesses, in dem der schriftkulturelle Gebrauch von
Sprache durch die Analphabetisierung der vielen Sprachen in der
Arbeitswelt, auf dem Markt und sogar im gesellschaftlichen Leben
ersetzt wird.

Zeichensysteme aller Art, vor allem aber die Sprache, haben die
vielen Projekte aufgenommen und gespeichert, die die Bedingungen der
Lebenspraxis, wie sie in den vorangegangenen Kapiteln beschrieben
wurden, verndert haben.  Eine jede Vernderung hat die strukturalen
Grenzen der Sprache evidenter gemacht.  Diese Grenzen sind heute um
so schrfer konturiert, je mehr neue Sprache, vor allem
Visualisierungen, entwickelt werden, die sich den neuen Erwartungen
stellen, Erwartungen bezglich verbesserter Expressivitt, hherer
Verarbeitungsgeschwindigkeit und Interoperabilitt--ein Bild kann
weitere Handlungen veranlassen.

Die vielen nebeneinander existierenden Sprachen sind zwar alle sehr
spezialisiert, aber insofern ihrem Charakter nach global, als sie
berall auf der Welt fr diesen speziellen Bereich Verwendung finden.
Eine Chipfabrik, um bei unserem Beispiel zu bleiben, eine
Pizzabckerei oder eine Hamburgerkche kann jederzeit in jede Ecke
dieser Welt schlsselfertig geliefert werden.  Die Sprachen der
Mathematik, der Ingenieurwissenschaft oder der Genetik knnen fr
sich allein genommen durch all die Merkmale beschrieben werden, die
die natrliche Sprache aufweist und die sie aus diesem Grunde fr die
Komplexitten in der heute erreichten Skala unserer Aktivitt
unbrauchbar gemacht haben: Sequentialitt, Dualismus, Zentralismus
und Determinismus.  Aber sie knnen in andere praktische
Erfahrungshorizonte, etwa der Automatisierung, integriert werden, so
da sich aus ihnen eine neue Dynamik entwickeln kann.  Sie sind
sicherlich weniger ausdrucksfhig als die natrliche Sprache, aber
dafr um so prziser.


Wir sind, was wir tun

In unserer heutigen Welt ist Kommunikation weitgehend versachlicht
und vollzieht sich ber die Vermittlung durch ein Produkt.  Ihre
Quelle ist die menschliche Arbeit.  Insofern trgt sie auch viele
Merkmale jener Sprachen, die in diese Arbeit eingebunden sind.  In
der durch das Produkt gegebenen physischen oder geistigen
Wirklichkeit werden Spezialsprachen in die universale Sprache der
Bedrfnisbefriedigung oder der Schaffung neuer Bedrfnisse
rckbersetzt, wobei diese Bedrfnisse durch die
Vermittlungsmechanismen des Marktes weiterverarbeitet werden.  Die
Versachlichung der Sprache (von lateinisch res: die Umformung von
Leben, Sprache, Gefhl, Arbeit in Sachen) ergibt sich aus der
verfremdenden Logik des Marktes und seiner Natur als Zeichenproze.

Mrkte abstrahieren die individuellen Beitrge zu einem Produkt.
Zuallererst wird die Sprache selbst versachlicht und konsumiert.  Der
Markt verdinglicht diesen Sprachbeitrag, indem er das Leben, die
Energie, die Zweifel, die Zeit, vor allem aber die Sprache zu einer
Ware macht, die als Produkt auf dem Markt angeboten wird.  Dieses
hohe Ma an Integration fhrt zu Bedingungen, in denen hohe
Effizienz--so viel wie mglich so billig wie mglich--zum
berlebenskriterium wird.  Menschliche Individualitt wird durch das
Produkt absorbiert.  Die Menschen legen im wahrsten Sinne des Wortes
ihr Leben und alles, was dazugehrt--Geschichte, Erziehung, Familie,
Gefhle, Kultur, Wnsche und Sehnschte--in die Ergebnisse ihrer
praktischen Erfahrungen.  Diese Absorbierung des Menschen im Produkt
vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen.  Neben der Sprache wird aber
auch das sich in der Arbeit konstituierende Individuum versachlicht
und konsumiert: Das Produkt beinhaltet einen Teil der begrenzten
Lebenszeit derer, die es entwickelt haben.

Jede Form vermittelter Arbeit hngt von den vermittelnden Instanzen
ab.  So wie eine bestimmte Arbeitsform durch eine andere,
effizientere, ersetzt werden kann, wird auch die vermittelnde Sprache
durch andere Mittel ersetzt.  Jene Sprachen, die ursprnglich die
Jagd koordinierten oder die Frhformen der Landwirtschaft
organisierten, muten den nachfolgenden praktischen Erfahrungen der
Selbstkonstituierung durch Sprache Platz machen.  Dies gilt fr jede
Form von Arbeit, ob sie nun landwirtschaftliche, industrielle,
knstlerische oder ideologische Produkte hervorbringt.  Hier greifen
die Metaphern aus der Genetik und der Evolutionstheorie.  Wir knnen
die Evolution der Arbeit in memetischer Begrifflichkeit beschreiben,
wir knnen damit allerdings nicht hinreichend die aktive Rolle von
Zeichenprozessen beschreiben.  Die menschliche Reproduktion in ihren
sexuellen und kulturellen Ausprgungen wrde darber hinaus
bedeutungslos, wenn wir sie losgelst von dem pragmatischen Rahmen
betrachten wrden, in dem sich die menschliche Selbstkonstituierung
vollzieht.

Um zu zeigen, wie Sprache konsumiert wird, wollen wir einen kurzen
Blick auf den Arbeitsbereich werfen, den wir Erziehung nennen.
Heutzutage hat sich der Bedarf an fortlaufender Ausbildung drastisch
erhht.  Das Paradigma einer einmaligen, lebenslang gltigen
Ausbildung hat sich gemeinsam mit Schriftkultur und der auf sie
grndenden Bildung erschpft.  Krzere Produktionszyklen erfordern
vernderte Werkzeuge und eine dazugehrende vernderte Ausbildung.
Eine fr eine Lebensdauer gltige Berufsausbildung, die mglich war,
als der Fortschritt der Technologie sich noch linear vollzog,
erforderte lediglich die Pflege der einmal erworbenen Fhigkeiten und
geringfgige Anpassung des vorhandenen Wissens.  Dieses Ideal gehrt
der Vergangenheit an.  Die heutigen Effizienzanforderungen mssen in
Ausbildungsstrategien umgesetzt werden, die weniger kostenaufwendig,
aber auch weniger lange gltig sind als die, die man mit der
Schriftkultur erwarb.  Diese Strategien produzieren die heute
bentigten gebildeten Operatoren aller Art, Ausbildung wird selbst zu
einem Produkt, das von vielen Weiterbildungsfirmen angeboten wird.
Zu deren Kunden gehren die Angestellten von Fast-food-Ketten, die
Betreiber von Atomkraftwerken, Tiefkhleinrichtungen, Mitglieder der
Parlamente und Netzwerkbetreiber.  Alle diese Produkte werden auf dem
Markt gehandelt, und auf dem Markt wird die Sprache der Werbung, des
Designs und der ffentlichkeitsarbeit ebenso konsumiert wie die
Ausbildung, die sich zunehmend auf auersprachliche
Kommunikationsmittel verlegt.


Maschine und Schriftkultur

Der Mensch hat Maschinen gebaut, die den menschlichen Arm und seine
Funktionen imitiert und auf diese Weise die Natur der Arbeit
verndert haben.  Die Fhigkeiten, die man zur Beherrschung dieser
Maschinen bentigte, unterschieden sich von den handwerklichen
Fhigkeiten, die nun nicht mehr von Generation zu Generation
bertragen wurden und daher an Gltigkeit und Dauerhaftigkeit
verloren.  Die industrielle Revolution erreichte Effizienzebenen, die
fr den Unterhalt von Maschinen und Arbeitern ausreichten.  Diese
Maschinen wurden permanent verbessert und erforderten immer besser
ausgebildete Operatoren, deren Ausbildung darauf ausgerichtet war,
das Maximum aus den ihnen anvertrauten Produktionsmitteln
herauszuholen.

Heute verliert die natrliche Sprache fr die praktischen Erfahrungen
des Menschen immer mehr an Bedeutung.  Das, was uns als verminderte
Schreib-, Leseund Ausdrucksfhigkeit erscheint, ist tatschlich ein
Symptom fr eine neue Grundlage der Lebenspraxis.  Die Ausdrucks- und
Kommunikationsmittel der Schriftkultur werden nicht nur durch andere
Ausdrucks- und Kommunikationsformen ergnzt, sondern zunehmend durch
sie ersetzt.  Oder sie werden auf ein stereotypes Repertoire
reduziert, das man leicht mechanisieren, automatisieren und
schlielich als erledigt betrachten kann.  Die Kontrolle eines
automatisierten Montagebandes, der Betrieb einer komplizierten
Maschine, die Ausfhrung einer sehr begrenzten Ttigkeit ohne
berblick ber den gesamten Arbeitszusammenhang und viele hnliche
Funktionen bringen den Menschen heute in eine Situation, in der die
Kompetenz des Einzelnen darauf reduziert ist, die gestellte
spezifische Aufgabe kompetent zu lsen.  Bevor diese Aufgabe
wegrationalisiert wird, wird sie stereotypisiert.  Sofern Sprache
ergnzend zu der involvierten Fachsprache hier noch eine Rolle spielt,
wird sie komprimiert und auf den begrenzten, d. h. ntigen und
mglichen Kommunikationsbedarf hin zugeschnitten und der sich
verndernden Situation permanent und schnell angepat.

Ein Handbuch fr den Betrieb oder die Reparatur einer
hochkomplizierten Maschine oder Waffe beinhaltet heute weniger Wrter
als Bilder.  Und die verwendeten Wrter sind auf das Bild bezogen.
Oft ist aber das Handbuch bereits durch ein Video, eine Laserdiskette,
eine CD-ROM oder durch im Netzwerk verankerte und jederzeit
aufrufbare Bedienungshilfen ersetzt.  Oder aber die Maschine selbst
beinhaltet ein computerisiertes Handbuch, dessen Pages (auf dem
Bildschirm) aufgerufen werden knnen und die notwendigen
Informationen fr die einzelnen Bedienungsschritte liefern; dies kann
auch in Form synthetischer Sprache fr kurze uerungen und
vorfabrizierte Dialoge geschehen.  Hierfr nur einige Beispiele: In
den USA werden bereits Dollarnoten entwickelt, die uns ihren Wert
nennen; Autos sind mit Gerten ausgestattet, die uns ansprechen, wenn
wir die Tr nicht geschlossen oder den Sicherheitsgurt nicht angelegt
haben; Glckwunschkarten knnen bereits mndlich aufgezeichnete
Botschaften des Absenders (und zuknftig vermutlich sogar laufende
Bilder) enthalten.  Auch wenn derartige Artifakte den oberflchlichen
Geschmack ihrer Benutzer verraten, verweisen sie letztlich doch alle
auf eine neue Lebenspraxis und die ihr zugrundeliegende Struktur, die
der Komplexitt der neuen Skala der Menschheit gerechter wird.

Vielleicht landen die Stimmen, die wir heute in unseren Autos hren,
schon bald in einem Museum, wenn das allgemeine Leitsystem fr unsere
Autos installiert ist und wir nur noch den Zielort und bestimmte
Routen und Vorlieben eingeben mssen.  Und selbst das Supertech-Auto
knnte sich schnell zu seinen musealen Vorlufern gesellen, wenn die
Energieorgien, die wir tglich zu den Stozeiten auf Straen und
Autobahnen erleben, durch rationellere Arbeits- und Lebensstrategien
ersetzt werden.  Die Telekommunikation befindet sich noch in den
Kinderschuhen und lt erst vage erkennen, was sich daraus noch alles
entwickeln knnte.  Die sprechende Glckwunschkarte knnte durch ein
Programm ersetzt werden, das sich an die Geburtstage unserer
Verwandten und Freunde erinnert, das Profil des Adressaten aus den
gespeicherten Daten (Vorlieben, Lebensumstnde, etc.) heraussucht und
daraus eine Originalbotschaft erstellt, die mit der elektronischen
Zeitung zum Morgenkaffee auf den Tisch kommt.  All das knnte bereits
heute mit geringem Aufwand von den Herstellern von Bildschirmschonern
angefertigt werden.

Wie immer die Zukunft aussehen wird, deutlich ist, da sich gerade
auch die Produktionsmittel immer weiter entwickeln.  Der
Bildungsstand in bezug auf die von der Schriftkultur bereitgestellte
Bildung bleibt jedoch auf einem relativ geringem Niveau, weil die
Menschen fr die meisten heutigen Arbeitsformen diese Form von
Bildung nicht mehr bentigen.  Einer der Grnde liegt sicherlich
darin, da die meisten neuen Maschinen das Wissen, das man fr ihren
Betrieb bentigt, in sich einprogrammiert haben.  Sie sind allesamt
viel effizienter als Menschen.  Diese Entwicklung hat auch ihre
Auswirkungen auf die Universittsausbildung.  Sofern Universitten
ihre Studenten auf die Arbeitswelt vorbereiten sollen, mssen sie
sich denselben hohen Effizienzerwartungen stellen.  Daher sind
Universitten heute zunehmend Ausbildungssttten fr bestimmte
hochqualifizierte Berufe und weniger Orte der Bildung im
traditionellen Sinne der allgemeinen kulturellen Bildung und der
Vermittlung von Grundlagenwissen in allen Bereichen.

Wenn wir auf den niedrigen Bildungsstand verweisen, wollen wir damit
nicht in die Klage der Humanisten einstimmen, sondern die
tatschliche Situation auf dem Arbeitsmarkt beschreiben.  Die
Tatsache, da die natrliche Sprache zumindest in ihrer
schriftsprachlichen Form weder die wichtigste Vermittlungsinstanz fr
kollektive Erfahrung noch das allgemeingltige Ausbildungsmittel
darstellt, ist struktural bedingt.  Die heutige praktische Erfahrung
menschlicher Selbstkonstituierung beruht in allen ihren
Aspekten--Arbeit, Markt, Ausbildung, gesellschaftliches Leben--mehr
auf Bildern als auf Schriftlichkeit.  Wo immer eine bestimmte Norm
oder ein Gesetz zu befolgen ist, verwenden wir heute piktographische
Darstellungen, und zwar nicht nur, um die Grenzen der einzelnen
Nationalsprachen zu berwinden (wie auf Flughfen, in Olympiastadien,
bei Verkehrszeichen oder bei internationalen Handelsbeziehungen),
sondern als Ausdruck einer bestimmten Lebensart und Funktionsweise
des Menschen.  Die heutige Kommunikation ist eindeutig vom visuellen
Element beherrscht.

Wrter und Stze, die im Verlauf ihrer historischen Verwendung in
unterschiedlichen sozialen, geographischen und historischen
Zusammenhngen zu mehrdeutig geworden sind, erfordern zuviel
Bildungsanstrengungen, um einer erfolgreichen Kommunikation zu dienen.
Die auf Schriftkultur basierende Kommunikation erfordert einen
hheren Aufwand als den, der fr das Hervorbringen, Erkennen und
Betrachten von Bildern ntig ist.  Bilder verkrpern eine
positivistische Einstellung und bringen eine relativistische Haltung
mit sich.  Sie mssen nicht in sequentieller Abfolge gelesen werden,
ihre Lektre erfordert keine zeitlichen und finanziellen
Lernanstrengungen, sie weisen nicht die der Schriftkultur eigene
Regelstrenge auf, kurz: Der Gebrauch von Bildern spiegelt unsere
Effizienzerwartungen wider, die sich aus der neuen Skala des Menschen
ergeben.  Die Verlagerung von einer eher schriftlich orientierten zu
einer eher visuell orientierten Kultur ergibt sich nicht aus den
Entwicklungen der Medientechnologie, sie ist vielmehr das Ergebnis
fundamentaler Vernderungen der Arbeits- und Wirtschaftswelt, die
diese neuen Medien erst erforderlich und schlielich ihre Produktion
und Verbreitung mglich gemacht haben.

Die hier diskutierte Vernderung ist sehr komplex.  Die Bedrfnisse
einer vermittelten Praxis und die neuen leistungsfhigen
Vermittlungsmechanismen der Massenkommunikation, die das Individuum
in den Mechanismus einer globalen Wirtschaft integrieren, kommen in
dieser Vernderung zum Ausdruck.  Der bergang von einer Sprache zu
einer Vielfalt von Spezialsprachen und von direkter zu indirekter
durch Multimedien vielfach vermittelter Kommunikation beschrnkt sich
dabei nicht einfach nur darauf, den Logozentrismus (ein strukturelles
Merkmal von auf Schriftkultur grndenden Kulturen) und die daran
gebundene Logik abzulegen.  Wir alle sind eingebunden in den Proze,
der viele Bedeutungszentren an die Stelle des Wortes und der
traditionellen Sprachkompetenzen setzt.  Diese Zentren knnen in der
Subkultur oder in der etablierten Kultur angesiedelt sein.  Nehmen
wir als Beispiel nur die Internet-Cafs, in denen man beim
Kaffeetrinken ber die Kontinente hinweg kommuniziert, oder die
Gesprche, die ein japanischer Journalist in einer sowjetischen
Raumstation mit seinen Kollegen fhrt, oder die Bilder, die wir von
einer Kunstausstellung in Bogot vermittelt bekommen.  Alles dies
sind die Ausdrucksformen der neuen Erfahrungen, die sich im
sogenannten Cyberspace nachvollziehen lassen.


Der Wegwerfmensch

Fr jedes Phnomen wird es je nach Standpunkt des Betrachters
unterschiedliche Erklrungen geben.  Aber unabhngig von den
Erklrungen, die man fr das hier beschriebene Phnomen anbieten kann,
bleibt die allen Erklrungen zugrundeliegende Tatsache, da sich
nachhaltige Vernderungen vollzogen haben und da diese Vernderungen
darauf zurckzufhren sind, da der Mensch seine Identitt zunehmend
in solchen Formen der Selbstkonstituierung findet, die nicht an
Schriftkultur und schriftkulturelle Bildung geknpft sind.  Mit dem
allmhlichen Verzicht auf Lese- und Schreiberfahrungen und dem
Aufkommen anderer Kommunikations- und Rezeptionsformen ist der Mensch
noch einer weiteren Strukturvernderung unterworfen: der Verlagerung
von Zentralismus auf Dezentralismus, von einem zentripetalen
Existenz- und Handlungsmodell, in dessen Mittelpunkt das
traditionelle Wertsystem (religise, sthetische, moralische,
politische Werte usw.) steht, zu einem zentrifugalen Modell: von
einem monolithischen zu einem pluralistischen Modell.  Der Verlust
des Zentrums bedeutet paradoxerweise, da der Mensch auch seine
zentrale Rolle und seinen Bezugswert verliert.  Das fhrt zu einer
dramatischen Situation: Wenn die menschliche Kreativitt den
begrenzten Vorrat an Ressourcen (Mineralien, Energie, Nahrungsmittel,
Wasser usw.) dadurch auszugleichen versucht, da sie Ersatzquellen
oder eine effizientere Verwendung der traditionellen Ressourcen
findet, dann wird der Mensch selbst zu einer Wegwerfware; je
begrenzter seine praktische Selbstkonstituierung ist, desto
disponibler wird er.

Innerhalb der durch die Schriftkultur gekennzeichneten Lebenspraxis
wurden Maschinen weniger oft ausgewechselt; selbst wenn sie
ausgewechselt oder verndert wurden, behielt der, der sie betrieb,
seinen Platz.  Die einmal erworbenen Grundfertigkeiten reichten fr
die Dauer eines Arbeitslebens.  Ebenso waren die konstruierten
Gegenstnde auf lebenslange Dauer angelegt.

Die von uns beschriebene Lebenspraxis jenseits der Schriftkultur mit
ihren schnellen Vernderungen und immer krzer werdenden Zyklen
machte auch den Menschen ersetzbar.  In der neuen Skala der
menschlichen Ttigkeit verliert das groe und wachsende Angebot der
Ware Mensch zunehmend an Wert: an Marktwert, an geistigem und an
tatschlichem Wert.  Die Wrde des Lebens gibt der ausgeklgelten
Technologie der Lebenserhaltung, dem mechanischen Verlauf des Daseins
und den Studios fr Fitne und Bodybuilding Raum.  An der
unbegrenzten Brse der Ersatzteile werden Nieren oder Herzen
(mechanische oder natrliche) fast genauso gefhrt wie Schweinemgen
und Zement, van Goghs Gemlde, CD-Gerte und hchstentwickelte
medizinische Instrumente.  Alles gilt als Ware.  Hinter all diesen
Waren verbirgt sich hochspezialisierte Arbeit, die auf dem Niveau des
Profisports oder des Managementprofis bezahlt wird.

Der arbeitende Mensch, der sich mit seiner Arbeit in kurzlebige
Produkte hineinprojiziert, projiziert zugleich deren Disponibilitt
als neuen moralischen Wert in sie hinein, was nicht ohne Auswirkungen
auf seine eigenen Lebensbedingungen bleibt und schlielich zur
Auflsung der traditionellen Werte fhrt.  Die hohe Effizienz unserer
Arbeit garantiert der Menschheit zwar ausreichende
berlebensressourcen, aber nicht mehr die praktischen Erfahrungen,
die die Integritt des Individuums und die Wrde des menschlichen
Daseins sichern.  Innerhalb eines schriftkulturellen Diskurses und
der dazugehrigen Ideologie der Dauerhaftigkeit sorgt diese neue
Moral der Disponibilitt fr Schlagzeilen; aber da die
Strukturbedingungen, die zu dieser Moral fhrten, davon unbetroffen
bleiben, verlieren sich die Schlagzeilen unter den zahllosen anderen
kulturkritischen Kommentaren, einschlielich derjenigen, die den
Niedergang der Schriftkultur beklagen.

Natrlich gehrt die Disponibilitt der Sprache in diesen
Zusammenhang.  Wenn Grundfertigkeiten in unserer schnellebigen Welt
des Umbruchs immer weniger bedeutsam werden, wird auch dem Individuum
immer weniger Gewicht beigemessen.  Unter dem Schlagwort von
Grundfertigkeiten werden junge und weniger junge Arbeiter einer
Ausbildung im Lesen und Schreiben unterzogen, die mit den praktischen
Erfahrungen immer krzer werdender Arbeitszyklen immer weniger zu tun
haben.  Auf der Suche nach billigen Arbeitskrften haben viele
Unternehmen die Vereinigten Staaten entdeckt; hier treffen sie in
weiten Bereichen auf eine Effizienz, die sie unter den aus der
Schriftkultur hervorgegangenen Arbeitsgesetzen ihrer Lnder niemals
erreichen knnten.  Mercedes Benz, BMW, Porsche und viele japanische
Unternehmen bilden ihre Arbeitskrfte in South Carolina, Mississippi,
Arkansas und anderen Staaten aus.  Die Einsatzfhigkeit dieser
Arbeitskrfte ist fast mit der von Maschinen zu vergleichen, wenn
diese Arbeitskrfte nicht ohnehin durch Automatisierung ersetzt
werden.

Der technologische und der menschliche Zyklus sind so eng ineinander
verwoben, da man von der hybriden Natur der heutigen Technologie
ohne weiteres sagen kann: Maschinen mit einer life-Komponente.  Viele
Maschinen sind nicht mehr uns zu Diensten, sondern wir ihnen.  Unsere
Ausstattung zum Desktop-Publishing auf allerhchstem Qualittsniveau,
zur Datenverarbeitung fr finanzielle Transaktionen oder zur
Visualisierung wissenschaftlicher Phnomene erfordert es, da wir die
Maschinen mit Daten fttern und das entsprechende Programm fahren,
damit sich ein vernnftiges Ergebnis einstellt.  Lediglich in solchen
Fllen, in denen die Maschine vielleicht nicht den Unterschied
zwischen guter und schlechter Schrift erkennt, mu der Operator mit
seinem Wissen eingreifen, das immaterielle Faktoren wie Stil, Gefhl
oder Geschmack umfat.


Die Skala der Arbeit und die Skala der Sprache

In allen unseren gegenwrtigen und unserer Zeit vorausgegangenen
Handlungsrahmen war es relativ einfach, eine Kontinuitt von Mitteln,
Methoden und zeitlichen Prozessen herzustellen.  Von grerem
Interesse sind aber die Diskontinuitten.  Wir sehen uns einem
solchen Umbruch ausgesetzt.  Der Gegensatz zwischen der Schriftkultur
und einem Zivilisationsstadium jenseits der Schriftkultur ist dafr
sprbarer Ausdruck.  Am unmittelbarsten nehmen wir diesen Umbruch in
seiner Auswirkung auf unsere Identittserfahrung im schnellen
wirtschaftlichen Wandel wahr.  Manche Industriezweige verschwinden
gleichsam ber Nacht.  Viele innovative Ideen schaffen ebenso schnell
neue Arbeit, die allerdings neue Arbeitsbedingungen mit sich bringt.
Dieser Umbruch schlgt sich nicht nur in Statistiken nieder; er ist
kennzeichnend fr eine qualitative Vernderung, die wir an den neuen
Beziehungen zwischen Arbeit und Sprache ablesen knnen.

Eine der Hauptthesen dieses Buches besagt, da Umbrche, in der
Theorie dynamischer Systeme auch Phasenverschiebungen genannt, sich
als Skalavernderungen uern.  Schwellenwerte kennzeichnen die
Herausbildung neuer Zeichenprozesse.  Wir konnten zeigen, wie die
praktischen Erfahrungen, durch die sich der Mensch seiner
Wirklichkeit vergewissert, durch die Skala beeinflut werden,
innerhalb derer sie sich abspielen.  Ein wesentliches Merkmal der
Menschheitsentwicklung bestand darin, da mit zunehmender Komplexitt
der zu lsenden Aufgabe die dafr notwendige Arbeit geteilt werden
mute.  Doch erst in der fr unsere Zeit charakteristischen Skala hat
die fortschreitende Arbeitsteilung ihren kritischen Punkt erreicht.
In der Industriegesellschaft und in allen vorausgegangenen
Zivilisationsstadien war die Beziehung zwischen dem Ganzen (Aufgabe,
Ziel, Plan) und seinen Teilen (Teilaufgaben, Teilziele, aufeinander
folgende Planschritte) im Prinzip vom Menschen zu berblicken und zu
beherrschen.  Allenthalben erwies sich die Arbeitsteilung als eine
effiziente und erfolgreiche teile-und-herrsche-Strategie fr die
zunehmende Komplexitt der sich jeweils stellenden Aufgaben.

Auch die Schriftkultur und die Form der Schriftlichkeit, die selbst
eine Praxis von nicht zu unterschtzender Komplexitt darstellen,
erwiesen sich in diesem Proze als hilfreich, solange die
Differenzierung der Arbeit und das Ausma der zu leistenden
Integration im Rahmen der schriftkulturellen Komplexitt lagen.  Ist
deren Komplexitt allerdings einmal berschritten, dann ist es zwar
vielleicht noch vorstellbar, da die von der Schriftkultur
bereitgestellten Mittel die Reintegration der Teile in das gewnschte
Ganze leisten, aber das Management dieser Mittel jenseits einer von
uns zu berblickenden Komplexitt liegen wrde.  Obwohl also die
Schriftkultur auch heute noch in mancherlei Hinsicht leistungsfhig
ist, erweist sie sich doch gegenber den vielen von der Sprache
unabhngigen pragmatischen Ebenen als relativ flach.  Und nicht nur
Schrift und Schriftkultur, auch die hochgelobte menschliche
Intelligenz knnte sich als flach erweisen.

Die vernderte Bevlkerungsskala und der damit verbundene Bedarf, der
exponentiell hher als jede Erfahrungsbreite eines Individuums ist,
hat zu einer vertieften Segmentierung der Arbeit und damit zu einer
Flle von Verschiedenheiten gefhrt, die von einem einzelnen
Bewutsein (mind) nicht mehr erfat werden knnen.  Da aber die
Beschaffenheit eines jeden Bewutseins (mind) fr die
Selbstkonstituierung des Menschen von der Interaktion mit anderen
Bewutseinsformen abhngig ist, ergibt sich zwangslufig die
Notwendigkeit neuer Interaktionsmittel, die sich wesentlich von den
auf Sequentialitt, Linearitt und Dualismus bezogenen
Interaktionsmitteln unterscheiden.  Dieses neue Stadium ist nicht
einfach eine Fortschreibung eines vorausgegangenen, und noch weniger
ist es das Ergebnis eines stets wachsenden Fortschrittsprozesses.
Die Erfindung des Rades, an deren Anfang die Verwendung abgerundeter
Steine stand, ffnete mit anderen an das Rad geknpften
Erfahrungsformen eine Erneuerungsperspektive.  Die Erfindung des
Hebels leistete hnliches, mglicherweise auch die Erfindung der
Buchstabenschrift und des Zahlensystems.  Deshalb konnte das Alte und
das Neue durch Vergleich, Metaphern und Analogien innerhalb einer
vorgegebenen Skala des Menschen zueinander in Beziehung gesetzt
werden.  Aber aus dem gleichen Grunde haben wir es bei einer
Vernderung der Skala mit einem Umbruch zu tun, der die bersetzung
unserer Erfahrungen in die Sprache der Vergangenheit verbietet.

Ein Auto ist in gewisser Hinsicht Teil des zunehmenden
Fortschrittsprozesses, der mit der Pferdekutsche begann.  Flugzeug
und spter Rakete lassen sich schon weniger problemlos in einen
allmhlichen Vernderungsproze einordnen, stehen aber noch immer in
relativer begrifflicher Nhe zu unseren Erfahrungen mit Fliegen und
Vgeln oder mit einer auf Ursache und Wirkung grndenden Physik.  Ein
Atomkraftwerk hingegen ist jenseits solcher Erfahrungen.  Hier liegt
die Leistung darin, den Proze zu zhmen, ihn innerhalb einer Skala
zu halten, die ihn als neue Energiequelle verwendbar macht.  Das
Verhltnis zwischen den in diesem Proze eingebundenen
Grenordnungen--Materie auf atomarer Ebene im Vergleich zu der
enormen Maschinerie und Architektur--liegt nicht nur jenseits des
Wahrnehmungshorizonts eines individuellen Bewutseins, sondern auch
jenseits derer, die diese Reaktoren betreiben, wenn sie nicht von
einer enormen Technologie von ebenfalls auerordentlich hoher
Komplexitt untersttzt wrden.  Das Schmelzen des
Tschernobyl-Reaktors hat uns die Ungeheuerlichkeit des Vorgangs
demonstriert und zugleich gezeigt, wie bedeutungslos dagegen die in
die Schriftkultur eingebetteten Erfahrungen des traditionellen
Energiemanagements sind.

Die groen Satelliten--und funktelefonischen Netzwerke, die den
frher gelufigen Begriff des thers konkret verkrpern, bieten ein
neues Beispiel fr die durch die neue Skala der menschlichen
Ttigkeit bewirkte Skala menschlicher Arbeit; ein Gleiches gilt fr
die Telefonnetzwerke--mit Kupfer-, Koaxial- oder Glasfaser.  Diese
Netzwerke, die die umfassende Kommunikation von Stimme, Daten und
Bildern mit einer ausgeklgelten Hochleistungstechnologie leisten,
verbieten jeden Vergleich mit Edisons Telefon, mit Briefen oder mit
Videokassetten.  Die Menge der vermittelten Informationen, die
Geschwindigkeit der Vermittlung und die dafr entwickelten
Synchronisierungsmechanismen erstellen einen Rahmen fr die
Interaktion zwischen den entlegensten Positionen, der fr alle
Beteiligten die Zeit neu stellt und jegliche physische Distanz
eliminiert.  Schriftlichkeit und Schriftkultur htten mit ihren
Mglichkeiten solche Ebenen niemals erreichen knnen.

Und schlielich lt uns der Computer, allein oder eingebunden in
Netzwerke, die Grenzen unserer Wahrnehmungsfhigkeit fr komplexe
Zusammenhnge in aller Deutlichkeit erkennen.  Die Tatsache, da ein
Flugzeug etwa 200mal schneller ist als ein Fugnger und da es
300-450 Passagiere einschlielich deren Gepck fassen kann, bereitet
uns offenbar noch keine Probleme.  Der Computerchip hingegen ist eine
geistige Errungenschaft, die jenseits unserer
Verstndnismglichkeiten liegt.  Die Funktionsweise eines digitalen
Computers--sowohl als Ganzes, als auch in allen seinen kleinen mit
vielfltigen und komplizierten Funktionen ausgestatteten
Komponenten--gehrt einer Skala an, zu der wir weder intuitiven noch
unmittelbaren Zugang haben.  Computer sind nicht einfach bessere
Rechenmaschinen oder Ladenkassen.  Das Zeitalter des Computers ist
vielmehr gekennzeichnet durch eine semiotische Fokussierung, in der
auf die Sprachverarbeitung der Schriftkultur die Symbolmanipulation
im Computer folgt.

Neben seiner unberschaubaren Komplexitt hat der Computer jedoch
auch noch andere Folgen: Er ersetzt die als Kontinuum aufgefate Welt
durch eine aus verschiedenen diskreten Zustnden bestehende Welt.
Das knnte auf den ersten Blick nur wie ein qualitativer Unterschied
anmuten, wenn sich die Abkehr von einer aus zusammenhngenden
Funktionen und monotonem Verhalten bestehenden Welt--was immer auf
Extremflle zutrifft, gilt auch fr alles zwischen den extremen
Polen--nicht konkretisieren wrde als radikal vernderte Bedingungen
fr die identittsstiftende praktische Erfahrung.

Die Welt der Schriftkultur ist durch Analogerwartungen gekennzeichnet,
denen zufolge Akkumulation zu Fortschritt fhrt: Mehr Wissen
(Sprache, Wissenschaft, Kunst) fhrt zu vermehrten Mitteln
(Ressourcen) und vermehrtem Besitz.  Auch Flei und Strebsamkeit--in
allgemeiner oder spezifischer Form--ist Teil dieser analogen
Denkstruktur.  Das Digitale ist seiner Natur nach nicht linear.  Im
digitalen Bereich verndert eine kleinste Abweichung das
Verarbeitungsresultat so drastisch, da allein das Auffinden und
Beheben des Fehlers eine neue Erfahrung und oftmals eine neue
Wissensquelle darstellt.

Im geschriebenen Satz wird ein Schreib- oder Druckfehler fast
automatisch korrigiert.  Die Schriftlichkeit gibt uns ein Modell fr
die Unterscheidung zwischen richtig und falsch in die Hand.  In der
digitalen Welt sind die Sprache des Programms und die Daten, die es
bearbeitet, schwer, wenn berhaupt, zu unterscheiden.  Diese
Maschinen knnen Symbole in einer viel greren Menge und Vielfalt
verarbeiten als der menschliche Verstand.  Da sie auch nicht die Last
vorangegangener praktischer Erfahrungen zu tragen haben, knnen
solche Maschinen auf potentielle Erfahrungen in einem Bezugsrahmen
hinarbeiten, zu dem Schriftkultur und Schriftlichkeit keinen Zugang
besitzen.  Das Verhalten eines Gegenstandes in einem
multidimensionalen Raum (vier, fnf, sechs oder noch mehr
Dimensionen), Handlungen in einem regressiven Zeitverlauf oder in
verschiedenen unterschiedlichen und bezugslosen Zeitrahmen oder
Modellierungen, die ber die Fhigkeit des menschlichen Verstandes
weit hinausgehen--diesen und vielen anderen Phnomenen, die fr das
berleben und die Weiterentwicklung der Menschheit von unmittelbarer
Bedeutung sind, widmet sich der digitale Computer.  Allerdings, so
knnte man einwenden, formuliert der Computer nicht die Probleme, die
er lst.  Darum geht es aber nicht.  Auch die Schriftkultur hat nicht
die Probleme formuliert, fr die sie die Antworten lieferte.  Beide
verkrpern auf ihre Weise Formulierungen und Antworten, die der Skala
entsprechen, der sie zuzuordnen sind.  Die weniger expressive Sprache
aus Nullen und Einsen (ja/nein, offen/geschlossen, wei/schwarz) ist
dafr prziser und fr die Komplexittsebenen unseres neuen
Evolutionsstadiums angemessener.  Die allgemeine Verwendbarkeit des
Computers, die Abstraktionsfhigkeit des Programms fr die
Symbolmanipulation und die sehr konkreten Daten, auf die die Arbeit
des Programms bezogen ist, stellen eine leistungsfhige Verknpfung
aus verdinglichtem Wissen, effektiven Prozeduren fr Problemlsungen
und hohen Analysefhigkeiten dar.  Diejenigen, die im Computer nur
eine wichtige technologische Metapher unserer Zeit sehen, verkennen
den durch ihn hervorgerufenen und ermglichten neuen Rhythmus unserer
Lebenspraxis und die Rolle, die der Computer eingenommen hat, in dem
Mae wie sich die Grenzen unseres Verstandes offenbart haben (so wie
der Mensch in der industriellen Gesellschaft die Grenzen seiner
krperlichen Leistungsfhigkeit erfahren mute).

Edsger Dijkstra hat fr den Umgang mit dem radikal Neuen einen
methodischen Ansatz vorgeschlagen, in dessen Mittelpunkt "die
Schaffung und das Erlernen einer neuen fremden Sprache steht, die
nicht in irgendeine der bestehenden Muttersprachen bersetzt werden
kann."  Dieser Vorschlag deutet in die richtige Richtung, geht aber
nicht weit genug.  Den radikalen Umbruch werden wir nur dann in den
Griff bekommen, wenn wir akzeptieren, da Schriftkultur und
schriftkulturelle Bildung ihre Grenzen erreicht haben und an ihre
Stelle die Illiteralitt, der Analphabetismus der zahllosen
Spezialsprachen tritt, die fr unsere Selbstkonstituierung in den
neuen Lebensumstnden erforderlich sind.  Dieser Abri der
gegenwrtigen Vernderungen mag zu neuer Verwirrung fhren.  In dem,
was wir blicherweise eine zivilisierte Gesellschaft nennen, hat
bislang die Sprache als Einheitswhrung fr kulturellen Austausch
gegolten.  Werden nun die hheren Effizienzgrade und Erwartungen, die
den Markt und die Technologie antreiben, ihrerseits die neuen, von
ihnen geschaffenen Kommunikationsmittel untergraben?  Wird unsere
Sprache in einer ihrer neuen, nicht schriftkulturellen Verkrperung,
wenn sie mit dem exponentiellen Informationswachstum nicht mehr
Schritt halten kann, sich ebenfalls einer Umstrukturierung
unterziehen mssen?  Werden wir eine vllig neue Art von Symbolen
entwickeln oder irgendeine Art von Vorverarbeitung, bevor die
Informationen an den Menschen vermittelt werden?  Alle diese Fragen
bleiben aber auf die Arbeit bezogen, auf die Arbeit als die
Erfahrungsform, aus der sich die menschliche Identitt gemeinsam mit
den menschlichen Produkten, die den Stempel dieser Identitt tragen,
ergibt.

Die aktive Rolle, die jedes Zeichensystem ausbt, ist durchaus
vergleichbar mit der Funktion von Werkzeugen.  Die Hand, die einen
Stein wirft, wird von diesem auch "getroffen", d. h. beeinflut.
Hebel, Hmmer, Zangen, Teleskope, Fllhalter, Automaten und Computer
untersttzen unsere praktischen Erfahrungen, wirken sich aber
gleichzeitig auf die Individuen aus, die sich durch ihren Gebrauch in
der Welt konstituieren.  Eine Geste, ein geschriebenes Zeichen, ein
Laut, eine Krperbewegung, geschriebene oder gelesene Wrter drcken
uns aus oder tragen unsere uerungen weiter und wirken sich
gleichzeitig auf diejenigen aus, die sich im Gebrauch dieser Zeichen
als Menschen konstituieren.  Der Einflu der Sprache auf die Arbeit
ist daher gleichbedeutend mit dem Einflu, den Sprache innerhalb
eines gegebenen pragmatischen Rahmens auf den Menschen ausbt.  Um
einige Aspekte dieses uerst schwierigen Problems zu erhellen,
wollen wir die synkretistische Natur des Menschen etwas nher
betrachten.


Angeborene Heuristik

Begriffliche Werkzeuge, die auf den Menschen in seiner
synkretistischen Natur abzielen, existieren nur in dem Mae, in dem
wir sie in der Sprache identifizieren knnen.  In jedem uns bekannten
System stehen Vielfalt und Przision in einem komplementren
Verhltnis.  Was immer die Menschen tun, ihre Bemhungen sind darauf
gerichtet, ihre Leistungen zu optimieren.  Zu viele Einzelheiten
beeintrchtigen die Effizienz, ungengende Genauigkeit beeintrchtigt
das Ergebnis.  Es gibt offenbar zwischen dem Was und dem Wie eine
strukturale Relation der Art eins : viele.  Wo immer uns
Effizienzberlegungen dazu anhalten, die Wahl zwischen mehreren
Mglichkeiten zu treffen, wird diese Relation durchgespielt.  Das
Optimale ist immer das, was sich nach bestem Wissen als das fr das
Erreichen des Ziels am besten geeignete Mittel erweist.  Zugleich ist
ein solches Optimum kennzeichnend fr die Pragmatik eines jeweiligen
Kontexts.  Jagd kann z. B. allein oder in Gruppen durchgefhrt
werden, mit Steinen, Speeren, Pfeilen oder Fallen.

Der primitive synkretistische Mensch war (und ist in gegenwrtigen
primitiven Kulturen noch immer) in eine praktische Erfahrung
eingebunden, die er als Ganzheit erfuhr: natrliche Veranlagung,
Beziehung zur natrlichen Umwelt, erlernte Fhigkeiten und Wissen,
Gefhle (wie Furcht, Freude, Trauer).  Der spezialisierte Mensch
konstituiert sich in partiellen Erfahrungen.  Gemeinsam ist beiden
gleichwohl die natrliche Bedingung ihres Handelns.  Der Unterschied
zwischen beiden liegt in den entwickelten berlebens- und
Selbsterhaltungsstrategien, die von unmittelbaren Bedrfnissen und
direktem Handeln zu vermenschlichten Bedrfnissen und vermittelter
Handlung verlaufen.  Eine begrenzte Menge von Optionen (etwa der Art
"wenn hungrig, such Nahrung") wird ersetzt durch eine Vielfalt von
Optionen, die schlielich zu der den Menschen eigenen heuristischen
Natur fhrt.  Homo sapiens ist mithin dadurch gekennzeichnet, da er
nach Optionen sucht.  Der Mensch ist kreativ und effizient.

Es mag sein, da die menschliche Sprache angeboren ist (wie Chomsky
glaubt).  Fr die heuristische Dimension des Menschen gilt dies ganz
gewi.  Die Auswahl der Mittel (die Bestimmung des Wie) lt auf das
erstrebte Ziel schlieen und auch auf das Bewutsein von dem, was
mglich ist, sowie das Bemhen, den Bereich des Mglichen zu
erweitern.  Das eigentliche Bestreben liegt nicht darin, die
Lebensumstnde unverndert zu lassen, sondern den Bereich der
Mglichkeiten zu erweitern und mehr als nur das berleben zu
garantieren.  Dieses Bemhen nennen wir gemeinhin Fortschritt.

Unser einleitender kurzer berblick ber die Geschichte der Schrift
hat gezeigt, da die gleiche heuristische Strategie der Entwicklung
der Schriftkultur zugrundeliegt.  Vor der Entwicklung unseres
Alphabets in seiner heutigen Form gab es eine Reihe weniger optimaler
Schriftsysteme, deren konkrete Natur nur eine eingeschrnkte
Expressivitt erlaubte.  Alle Sprachalphabete in ihrer heutigen Form
gingen aus einer langen Geschichte hervor, deren wesentliche
Antriebskraft das Streben nach Optimierung war: Arbeitspraxis
beeinflute die Ausdrucksweise, die Ausdrucksweise schuf neue Rahmen
fr die Arbeitspraxis, und gemeinsam entwickelten sich auf diese
Weise Erklrungsmodelle fr die Welt.  Das Was und das Wie im Bereich
der Sprachhandlung besa ursprnglich einen Komplexittsgrad, der dem
Komplexittsgrad der in ihr zum Ausdruck gebrachten Handlungen
entsprach.  Im Verlauf ihrer Entwicklung gewannen die Sprachen
jeweils die Komplexitt der heuristischen Erfahrung, whrend die
Handlungsformen einfacher wurden.

In solchen Vermittlungsmechanismen, die von einem hheren
Abstraktionsgrad als die Sprache sind, erreichte die Dimension des
Was und des Wie eine noch grere Komplexitt.  Diese spiegelte sich
in dem Unterschied wider, der zwischen der Grenordnung der
menschlichen Arbeit und derjenigen des Ergebnisses bestand,
insbesondere in den bereitgestellten Wahlmglichkeiten.  In dem Mae,
in dem der Mensch als Individuum seine synkretistische Natur
preisgeben mute, verzeichnen wir als Parallelentwicklung die
Entstehung eines kompositen Synkretismus der Lebensgemeinschaft.
Eine relativ stabile individuelle Ganzheit wurde durch eine auf die
Lebensgemeinschaft bezogene, sich gleichwohl immer schneller
verndernde Ganzheit ersetzt.  Die Spracherfahrungen waren in diese
Verlagerung einbezogen.  Der Mensch, der sich durch den
Sprachgebrauch in der Welt konstituierte, erkannte seine soziale
Dimension, welche ja ihrerseits ein Beispiel fr die im Verlauf
seiner Entwicklung erreichte Ausdifferenzierung seiner Optionen ist.

Die heuristische Natur des Menschen uerte sich in dem Augenblick,
in dem sich die berlebensstrategien des Menschen aus ihrer
unmittelbaren Bindung an die natrlichen Zyklen lsten: Wenn sich z.
B. die Zahl der Tiere, die auf eine bestimmte Beute Jagd machen,
erhht, so wird die gejagte Gruppe entweder neue berlebensstrategien
suchen oder in einem absehbaren Zeitraum nicht mehr als Nahrung zur
Verfgung stehen.  Der Mensch hingegen verfolgte andere Strategien.
Statt sich auf wenige Methoden der Nahrungsversorgung zu
konzentrieren, diversifizierte er seine praktischen Erfahrungen der
Selbstkonstituierung und des berlebens und erschlo sich vielfltige
Ressourcen.  Der homo habilis entwickelte in einem pragrikulturellen
Handlungsrahmen mannigfaltige Formen der Jagd, der Fischerei, der
Nahrungsmittelsuche.  Whrend das begrenzte Nahrungsangebot bei allen
anderen Gattungen drastische Wachstumskontrollen zur Folge hatte,
entwickelte allein der Mensch eine Fhigkeit, die Palette seiner
Ressourcen zu erweitern.  Im Verlauf dieser Entwicklung wurde das
menschliche Wesen zu einem arbeitenden Wesen, und die Arbeit wurde
zum eigentlichen Wesensmerkmal der Gattung.

Spracherwerb und der bergang von den natrlichen Erfahrungen der
Selbstkonstituierungen im berlebenskampf zu den praktischen
Erfahrungen in der Arbeit verlaufen parallel.  Mit jeder neuen Skala,
in der sich der Mensch wiederfand, entfernten sich die menschlichen
Arbeitsablufe von dem einfachen Muster von Aktion/Reaktion.  Wir
haben in verschiedenen Zusammenhngen gezeigt, da sich mit der
Entwicklung von Zeichenverwendung zu frhen Sprachformen und von
frhen Sprachformen zu fest etablierten sprachlichen Ausdrucksmitteln
die Skala der Menschheit erweitert und sich eine Grundstruktur der
Lebenspraxis durchgesetzt hat, die mit Sequentialitt, Linearitt,
Determinismus und Zentralismus einen neuen pragmatischen
Handlungsrahmen setzte.

Die Schriftfhigkeit wurde relativ spt erworben und ergab sich aus
dem Proze der Arbeitsteilung.  Dieser Proze war seinerseits
gebunden an die Diversifikation der Ressourcen und praktischen
Erfahrungen, die den Synkretismus auf der Ebene der
Lebensgemeinschaft bewahrte.  Nicht jeder schrieb, nicht jeder las.
Der neue Handlungsrahmen erforderte Ordnungsprinzipien, Methoden der
Aufgabenverteilung und der berprfung der Aufgaben, einen gewissen
Zentralismus und, vor allem, Organisationsformen, die weitgehend von
der Religion und den Regierungsinstanzen gestaltet wurden.  Unter
diesen Bedingungen galt alles als Arbeit, was die Identittsfindung,
das berleben, die Vernderung und den Fortschritt der menschlichen
Gattung frderte.  Das drckte sich in dem Mae in Sprache aus, in
dem es ausgedrckt werden mute.  Mit anderen Worten: Auch die
Sprache ist Teil des menschlichen Bemhens, Optionen und Ressourcen
zu diversifizieren.

Eine begrenzte Vermittlung durch Sprache und Schriftlichkeit wurde
ntig, um die Abstimmung von Bedrfnissen und Mglichkeiten zu
optimieren.  Die Vermittlung nahm dabei ihrerseits den Charakter von
Arbeit an.  Fragen waren zu stellen und zu beantworten,
Verpflichtungen waren einzugehen, quivalenzen herzustellen.  Alle
Ttigkeiten waren darauf ausgerichtet, die verfgbaren Ressourcen zu
nutzen und durch neue zu ergnzen.  Die jeweiligen Zeichenprozesse
muten mit der jeweiligen Entwicklung der Produktivitt, der
Verfgbarkeit von Ressourcen und dem daran geknpften Planungsbedarf
Schritt halten.  Die Einfhrung des Geldes markierte z. B. die
nchste abstraktere Vermittlungsebene, die die unmittelbaren
Lebensbedrfnisse in eine vergleichende Skala von Manahmen
bersetzte, die diese Bedrfnisse befriedigen konnte.  Der
Zusammenhang, in dem sich Warentausch abspielte, fhrte zur
Verwendung des Geldes, welches spter selbst zu einer Ressource,
einer Ware auf hchster Ebene wurde.  Wie jede Vermittlungsform
entwickelte auch das Geld eine eigene Sprache.  Mit dem Aufkommen von
universellen Austauschmitteln, wie Sprache eines ist, entwickelten
sich das Was und das Wie der menschlichen Ttigkeit noch weiter
auseinander.  Direkter Handel nahm indirekte Formen an.  Die
Bedrfnisse wurden nicht mehr durch die zuflligen Angebote eines
Marktes gestillt.  Der Markt verwandelte sich zunehmend in ein
Organisationsmittel, fr dessen Ablufe und fr dessen Erweiterung
die Sprache zu Diensten war.  In diesen Formen des Marktes war
Sprache noch immer rudimentr, direkt, mndlich, an den unmittelbaren
Ausdruck gebunden und oft genug in dem Augenblick verbraucht, in dem
sich die Ressource oder die Option erschpft hatte (sofern keine
Alternative entwickelt wurde).  Das gilt auch heute noch.

Spter erst entwickelte die Sprache ihre Mglichkeiten, Sachverhalte
aufzuzeichnen, Transaktionen auszufhren, Plne zu entwickeln und
neue Erfahrungsbereiche zu erschlieen.  Die Logik dieser Sprachform
objektivierte gewissermaen die Logik der menschlichen Ttigkeit.
Sie ergnzte die angeborene heuristische Veranlagung des Menschen.
Die Interaktionsformen des Marktes und die zunehmenden
Effizienzerwartungen verliehen der menschlichen Ttigkeit
vermitteltere Formen.  In jenen lange zurckliegenden Zeiten, in
denen die ersten Sprachformen Kontur gewannen, vermehrte sich die
Zahl der Werkzeuge, bis schlielich diese Werkzeuge zusammen mit
anderen Hervorbringungen des Menschen ber ihre Funktion als
Hilfsmittel hinaus ihrerseits zu Handelsobjekten wurden.  Als
vermittelndes Element zwischen dem Hersteller und dem Hergestellten
war das Werkzeug Arbeitsmittel und zugleich Ziel: Bessere Werkzeuge
erforderten eine Unterweisung derer, die sie benutzten.  Der
angemessene Gebrauch wiederum erhhte die Effizienz der Arbeit und
den Markterfolg der Produkte.  Bei der Ausfcherung der praktischen
Erfahrungen spielten diese Werkzeuge eine hnliche Rolle wie bei der
Erweiterung der Lebenserhaltungsgrundlagen.  Die Mittel, mit denen
Werkzeuge und andere menschliche Produkte geschaffen wurden, lieen
weitere Sprachen, etwa das Zeichnen, entstehen, auf welche die frhen
Formen der Technik zurckgreifen konnten.  In diesem Zusammenhang
mssen wir an eine bereits getroffene wichtige Feststellung erinnern:
Kein Werkzeug wird einfach nur benutzt.  Der Benutzer pat sich den
Bedingungen der Benutzung, dem Werkzeug, an und wird in gewisser
Weise selbst zum Benutzten, zum Werkzeug des Werkzeugs.  Das gilt
gerade auch fr Sprache, Schrift und Schriftkultur.  Sie wurden
entwickelt zur Optimierung der menschlichen Lebenspraxis.  Aber die
Menschen haben sich auch den Zwngen der von ihnen ersonnenen
Erfindung unterworfen.

Am Anfang der Schriftkultur fhrte die Spannung zwischen einer
erzwungenen schriftlichen Przision--die Nhe der Sprache zum
Gegenstand, die sprachliche Benennung nur solcher Gegenstnde, die
auch Piktogramme darstellen knnten--und einer relativ breit
gefcherten mndlichen Sprache zu Konflikten zwischen den Verfechtern
der Schrift und den Htern der Mndlichkeit (wie wir es an den
verschiedenen Positionen griechischer Philosophen ablesen konnten).
Das Geschriebene mute vom Gegenstand genauso befreit werden wie der
Mensch von einer bestimmten Quelle fr Proteine oder Nahrungsmittel.
Es mute zu allgemeineren Ausdrucksformen finden und auf Familien,
Typen, Klassen usw. von Gegenstnden verweisen knnen.  Mndlichkeit
mute gezhmt und mit Schriftlichkeit in Einklang gebracht werden.
Und dieser Zhmungsproze konnte sich nur durch Arbeit und durch
soziale Interaktion vollziehen.  Alle menschlichen Bemhungen, das
aus der Arbeit gewonnene Wissen in entsprechende Gegenstnde
umzusetzen (die das Messen, die Orientierung oder die Navigation
erleichterten), legen hierfr ein Zeugnis ab.  Die phonetische
Schrift als Fortentwicklung der menschlichen Bemhungen zur
Optimierung der Schrift konnte die mndliche Sprache besser nachahmen.
Persnliche Merkmale, die das Mndliche expressiv gestalteten, und
soziale Merkmale, die das Geschriebene mit Merkmalen versahen, die
sie nher an das Gesprochene heranfhrten, werden durch das
phonetische System untersttzt.  Das theokratische System der
Piktographen und die von anderen als demokratisch bezeichnete Sprache
der phonetischen Schrift verdienen ihre Namen nur dann, wenn wir
beide Sprache als konstitutiv und reprsentativ fr die menschliche
Erfahrung verstehen.  Undifferenzierte Arbeit ist theokratisch.  Ihre
Gesetze ergeben sich aus dem, was Gegenstand der praktischen
Erfahrung ist.  Geteilte Arbeit ist trotz ihrer Auswirkungen auf die
Integritt derer, die nur einen kleinen Teil des gesamten
Arbeitsprozesses ausmachen, ihrer Natur nach partizipatorisch in dem
Sinne, da ihre Ergebnisse von der Leistung eines jeden in diesen
Arbeitsproze eingebundenen Menschen abhngen.  Ausbung und
Erfahrung von Sprache und Ausbung und Erfahrung von geteilter Arbeit
sind wesensmig miteinander verbunden und entsprechen dem
pragmatischen Rahmen jener menschlichen Skala, aus der sie
hervorgingen.  Arbeitsteilung und die Bindung von sehr abstrakten
phonetischen Einheiten an sehr konkrete Formen der Versprachlichung
menschlicher Erfahrung bedingen sich gegenseitig.


Alternativen

Zur Erklrung der Vernderungen, die von einer allumfassenden
Schriftkultur zu einem Stadium jenseits der Schriftkultur gefhrt
haben, rekurrierten wir auf das malthusianische Prinzip (die
Bevlkerung wchst geometrisch an, die Quellen fr Nahrungsmittel
hingegen arithmetisch).  Nicht in Betracht allerdings zog Malthus die
heuristische Natur des Menschen, d. h. die zunehmende Umsetzung des
kreativen Potentials dieser Gattung, das nicht nur seine eigene Natur
bewahrt, sondern kraft dieser Kreativitt eine eigene
nicht-natrliche Natur schafft.  Im Proze seiner
Selbstkonstituierung schafft der Mensch die Mittel fr sein berleben
und fr zuknftiges Wachstum jenseits der Zirkularitt einfacher
berlebensstrategien.  Henry George hat im vergangenen Jahrhundert
diesen Umstand in einem Vergleich zwischen Raubvgeln und Menschen
verdeutlicht: Beide Spezies essen Hhner; aber eine Zunahme von
Raubvgeln wrde zu einer Verringerung der Zahl von Hhnern fhren,
whrend ein Bevlkerungswachstum zu einem Zuwachs der Zahl von
Hhnern fhrt.  Obwohl dieses Beispiel viele andere Faktoren, die fr
das Aussterben von Gattungen oder fr die Zahlenverhltnisse von
Tieren und Menschen verantwortlich sind, auer acht lt, verweist es
doch auf einen wesentlichen Aspekt der menschlichen Gattung, der mit
eben dieser erwhnten Kreativitt und einer erweiterten Skala der
menschlichen Ttigkeit zu tun hat, aus der heraus die Schriftkultur
notwendig erwuchs.

Auch zu der Zeit, als George sein Beispiel formulierte, zeichneten
sich Probleme ab, die dem malthusianischen Gesetz zu entsprechen
schienen.  Holz, Kohle und l als Brennstoff fr Lampen wurden
zunehmend knapper, so wie wir heute einer Erschpfung vieler unserer
Ressourcen (Mineralien, Energie- und Nahrungsmittelressourcen, Wasser
usw.) befrchten mssen.  Diejenigen, die das Versiegen solcher
Ressourcen verknden, bersehen die Tatsache, da der Mensch bei
allen vorangegangenen Verknappungen Alternativen entwickelte, die er
in neue praktische Erfahrungen integrieren konnte.  Als im 16.
Jahrhundert in England das Holz knapp wurde, entdeckte man die Kohle;
im 19. Jahrhundert wurde Kerosin fr die Beleuchtung nutzbar gemacht
(1859); weitere Kohlevorrte wurden entdeckt; man entwickelte
Maschinen mit geringerem Energieverbrauch und zur effizienteren
Kohlegewinnung; verschiedene Industriezweige stellten sich auf andere
Mineralien ein.  Die strenge Abhngigkeit von jahreszeitlichen Zyklen
und vom Getreide- und Gemseanbau wurde zunehmend durch neue
Techniken zur Verarbeitung und Lagerung von Lebensmitteln ersetzt.
Die neue Lebenspraxis des 19. Jahrhunderts weist die strukturalen
Merkmale einer erweiterten Skala der Menschheit auf.  Diese betrifft
die Natur der menschlichen Arbeit und die Natur der
gesellschaftlichen, politischen und staatlichen Organisation
innerhalb der sich damals herausbildenden Nationalstaaten.  Im
Rckblick auf die Dynamik des Wachstums und die Verfgbarkeit von
Ressourcen zeigt sich heute, da mit der Entwicklung von Sprache, von
Schreiben und Lesen und schlielich mit der Entwicklung von
Schriftkultur und Bildung sowie durch die auerhalb der Sprache
liegende Technik ein lebenspraktischer Zusammenhang eingerichtet
wurde, der die zunehmende Unausgeglichenheit zwischen
Bevlkerungswachstum und Ressourcen ausgleichen konnte.

Unsere heutige Zeit ist in mehrfacher Hinsicht Ausdruck eines
Zeichenprozesses, dessen Wurzeln tief in den pragmatischen
Zusammenhang zurckreichen, in dem die Schrift entstand.  Heute sind
Technik und Technologie vorherrschend.  Wenn wir diesen Zeichenproze
von Technik und Technologie, also die Entwicklung des Verhltnisses
zwischen an Technik und Technologie gebundener Arbeit und der Sprache,
beschreiben wollen, stoen wir sowohl auf Kontinuitt--in Form
sukzessiver Reproduktion--und auf Diskontinuitt--in der
grundstzlich neuen Natur der gegenwrtigen technischen und
technologischen Arbeit.  Wir knnen uns dabei sowohl auf die
Verbreitung des auf dem phnizischen Alphabet grndenden
Schriftsystems beziehen als auch auf die Sprache des Zeichnens, die
die Entwicklung der Technik begnstigte.

Phnizische Hndler lieferten Materialien an die Minoer.  In der
minoischen Bestattungskultur war es blich, den Bestatteten wertvolle
Gegenstnde, die den Leistungsstand der damaligen Handwerkskunst
widerspiegelten, mit ins Grab zu geben.  Diese Gegenstnde wurden aus
Silber, Gold, Zinn und Blei hergestellt.  Aufgrund der gesteigerten
Nachfrage nach solchen Metallen war der Markt allmhlich erschpft.
Auf der Suche nach diesem Handelsgut muten die phnizischen Hndler
immer weitere Wege gehen und bessere Werkzeuge zum Abbau und zur
Vorverarbeitung der Mineralien entwickeln.  Schrift und Zeichnungen
waren in diesen Proze der Kompensation zwischen Bedrfnissen und
verfgbaren Ressourcen eingebunden, und die fortwhrende Suche nach
neuen Ressourcen fhrte automatisch zur Verbreitung von Schrift und
Handwerk: Wir mssen diesen Vorgang mithin als Teil der Dynamik
bestimmter Wirtschaftsrume sehen.

Wir knnen nur im Rckblick die Frage beantworten, bis zu welchem
Punkt diese die schriftkulturellen und technischen Fertigkeiten
einbeziehenden Kompensationshandlungen effektiv waren und wann sie
ihren Hhepunkt erreichten, der vermutlich irgendwann im Zeitalter
der industriellen Revolution liegt.  Gibt es einen Zeitpunkt, in dem
die Waagschale zugunsten der technischen Ausdrucks- und
Kommunikationsmittel ausschlug?  Wenn dies so ist, knnen wir ihn
nicht nher bezeichnen.  Als sich aber das Potential der
Schriftkultur zur Untersttzung der menschlichen
Selbstkonstituierungserfahrungen in einem neuen pragmatischen
Zusammenhang erschpft hatte, wurden neue Mittel notwendig.  Ziel des
vorliegenden Buches ist es, die Dynamik dieses Umbruchs zu erklren.
Dazu gehrt gewi die Technologie, aber nicht als Ursache, sondern
eher als Ergebnis der neuen Dynamik.

Der mchtige Strom der breit ausgefcherten Erfahrungen, der durch
zahlreiche neue Sprachen einschlielich der Sprache des Designs und
der Technik befrdert wurde, fhrte zu einem verstrkten Bewutwerden
von der Bedeutung der Vermittlung, die ihrerseits ein Ziel an sich
wurde.


Vermittlung der Vermittlung

Wir wollen den Verlauf unserer Argumentation an dieser Stelle fr
einen Augenblick unterbrechen und uns die Folgen vergegenwrtigen,
die die nachgezeichnete Entwicklung fr die Gegenwart mit sich bringt.
Wir haben gesehen, wie die Formen des jeweiligen Marktes die
allgemeine Struktur des menschlichen Handelns spiegelten und wie
dieses sich in der Natur der an die jeweiligen Entwicklungsstadien
gebundenen Sprache ausdrckte.  Wir haben ferner gesehen, wie von
einem gewissen Entwicklungsstadium an der Mensch Werkzeuge als
Erweiterung seiner krperlichen und geistigen Funktionen verwendete.
Heute erleben wir, wie durch die Einschaltung von elektronisch,
pneumatisch, hydraulisch oder thermisch bermittelten Anweisung eine
Vermittlung der Vermittlung stattfindet.  Ein Knopfdruck, die
Bewegung eines Hebels, die Bedienung eines Keyboards oder die
Auslsung eines Relais setzen vollkommen durchprogrammierte
Aktivitten in Gang und fhren zu weiterfhrenden
Vermittlungsprozessen.  Zwischen Hand oder Krperteil--die diese
Prozesse auslsen--und dem verarbeiteten Material sind vielfltige
Verarbeitungsmechanismen und Zeichenfolgen zur Kontrolle geschaltet.
Unsere auf Arbeit, Religion, Erziehung, Dichtung und Marktvorgnge
ausgerichtete Sprache wird neu strukturiert.  Es entstehen neue
Sprachebenen und neue, begrenzte, auf spezifische Funktionen
ausgerichtete Sprachen, mittels derer diese Vermittlungsprozesse
ablaufen.  Die Sprache des Zeichenbretts oder allgemeiner die Sprache
des Designs gehrt dazu.  Und es entstehen neue Beziehungen zwischen
den verschiedenen Sprachebenen und den neuentwickelten
Spezialsprachen.

In welchem Bezug steht nun dieser Vorgang zu der angeborenen
heuristischen Natur des Menschen und zu unserer These, da sich die
Skala der menschlichen Ttigkeit nachhaltig verndert?  Wir knnen
die von uns beobachteten Vernderungen nicht mehr einfach damit
erklren, da die technologische Umsetzung wissenschaftlicher
Erkenntnisse hhere Effizienzebenen erreicht und damit zu einer
minderen Bedeutung der Schriftkultur gefhrt hat.  Das
Bevlkerungswachstum und die Dynamik der Diversifikation (mehr
Optionen, vermehrte Ressourcen) hat in der neuen Skala eine
vollkommen andere Dimension erreicht.  Es ist fast irrelevant
geworden, da in den groen Industrielndern manch eine traditionelle
Ressource aufgebraucht worden ist.  Denn selbst bei den stndig
kleiner werdenden Flchen zur landwirtschaftlichen Nutzung in der
westlichen Welt nehmen der Pro-Kopf-Verbrauch an Nahrungsmitteln und
die Verschiedenartigkeit des Angebots substantiell zu.  In der
Auseinandersetzung mit den traditionellen, sich ebenfalls
erschpfenden Praxisformen der Schriftkultur haben wir mittlerweile
Mittel entwickelt, die uns dadurch gesetzten Grenzen zu berschreiten
und unter Einbeziehung von globalen Dimensionen, Konfigurationen,
Nichtlinearitt und vielwertiger Logik neue Produkte hervorzubringen,
die der neuen Lage angemessen sind.

Wir haben gelernt, unsere Kreativitt auf die Erschlieung neuer
Ressourcen zu richten und unsere Bedrfnisse und Mglichkeiten aus
einer neuen Perspektive zu betrachten.  Wir drfen allerdings
Globalitt nicht mit dem japanischen Sushi-Restaurant in der Provence,
mit MacDonalds in Moskau oder Peking, mit multinationalen
Unternehmen oder mit Investitionen im Ausland verwechseln.
Globalitt bedeutet vielmehr, da wir weltweit die gleichen
Ressourcen teilen und unsere kreative Energie auf deren Vermehrung
richten mssen, unabhngig von den uns durch Sprache, Kultur, Staat
oder Allianzen gesetzten Grenzen.  Dieser Umstand hat neben den
ungeheuren Mglichkeiten, die er bietet, auch ein hliches Gesicht.
Um den Zugang zu wichtigen Ressourcen zu sichern und die Mrkte offen
zu halten, wrde die Welt selbst vor einem Krieg nicht
zurckschrecken (wie sie es immer wieder gezeigt hat).  Aber diese
hliche Seite der Medaille prgt nicht unsere effektive Lebenspraxis
und bestimmt auch nicht die Bedingungen, unter denen wir uns in
dieser Welt mit ihrer neuen Dynamik und unseren neuen Erwartungen
setzen.

Unter den neuen Arbeitsformen jenseits der Schriftkultur haben sich
die alten Arbeitsformen wie Jagd und Fischen zu Sportarten und
Freizeitbungen gewandelt, und der Sammlerinstinkt des Menschen ist z.
B. in den Vereinigten Staaten so degeneriert, da manch einer gar
nicht mehr wei, da in unseren Wldern Pilze, Beeren und Nsse als
Nahrungsmittel wachsen.  Auch die Landwirtschaft, vermutlich die
dauerhafteste Form der praktischen Erfahrung, befreit sich von den
durch die Natur vorgegebenen Strukturen und nimmt industrielle
Dimensionen an, die sich mit vielen technologischen Mitteln dem
jahreszeitlichen Ablauf entziehen.  Globale Dimensionen hat auch
unser Umgang mit Ressourcen und der Umwelt, haben Kommunikation,
Transport und Technologie, hat vor allem aber der Markt angenommen.
All das zeigt uns, da wir die Vernderungen nicht auf eine Erfindung
oder eine Verhaltensweise zurckfhren knnen, sondern auf die
vernderten Bedingungen der menschlichen Erfahrung, die letztendlich
auch das menschliche Individuum verndern wird.

Viele Arbeitsformen verlaufen heute ohne menschliche Kontrolle.  Der
Mensch als Betreiber von Programmen und Maschinen wurde ersetzt durch
eine Technologie, deren Effizienz- und Sicherheitsstandard jenseits
des menschlichen Fassungsvermgens liegen.  Damit sind viele dieser
Arbeitsformen aber auch von den Fesseln der Sprache befreit,
insbesondere von denen der Schriftkultur.  Maschinen mssen keine
Rechtschreibung, Grammatik oder Syntaxregeln lernen.  Noch weniger
mu zwischen Mensch und Maschine eine vermittelnde Instanz der
Schriftlichkeit und Schriftkultur eingeschaltet werden, die nicht nur
ineffizient und mehrdeutig ist, sondern durch die verschiedenen
religisen, politischen und ideologischen Verwendungen, die sie im
Verlauf der vergangenen Jahrhunderte genommen hat, belastet ist.  Die
neuen Sprachen, ob als Interface zwischen Maschinen oder zwischen
Menschen und Maschinen, sind nur begrenzt einsetzbar und nicht auf
Bestand hin konzipiert.  Fr die Dynamik der Arbeitswelt sind diese
neuen Sprachen gut aufeinander abgestimmt.  Insgesamt wird unsere
Ttigkeit schneller, prziser, segmentierter, arbeitsteiliger und
zugleich komplexer.  Sie unterliegt einer mehrwertigen Effizienzlogik,
nicht mehr der dualistischen Logik von wahr und falsch.

Man knnte aus dieser Darstellung mglicherweise ein Votum gegen die
zahlreichen kologischen Bewegungen und fr Technokratie, fr
grenzenloses Wachstum oder fr die Planung von Wunderwelten ablesen.
Nichts davon trifft zu.  Ich mchte lediglich versuchen, ein
Verstehens- und Handlungsmodell zu entwerfen, das die Komplexitt
unseres Problems ernst nimmt und nicht verniedlicht, wie es die
simplifizierenden Modelle der Schriftkultur oft getan haben.



Kapitel 3:


Schriftkultur, Bildung und Ausbildung

Bildung, Ausbildung und Schriftkultur hngen eng zusammen.  Das eine
ist ohne das andere nicht denkbar.  Andererseits hat es auch vor der
Schrift Erziehung gegeben, und es gibt Formen der Erziehung, die
nicht auf Schriftlichkeit beruhen, oder zumindest nicht
ausschlielich.  Wir sollten bei unseren berlegungen, welche
Faktoren Bildung und Ausbildung auf Schriftlichkeit gegrndet haben
und welche Folgen sich daraus fr ihre gegenseitige Abhngigkeit
ergeben, diese Zusammenhnge nicht ganz aus dem Auge verlieren.

Wie viele andere Einrichtungen, die die Merkmale schriftkultureller
Erfahrungen tragen, ist auch der gegenwrtige Stand des
Bildungswesens alles andere als ideal.  Mit der Schriftkultur setzte
sich im Bereich der Erziehung das Ideal von Dauerhaftigkeit und
Bestand fest.  Wir haben gesehen, da die Schriftkultur fr eine
Entwicklungsphase, mit der sich viele von uns noch immer eindeutig
identifizieren, das richtige Ziel und ein angemessenes Mittel war.
Innerhalb dieser Struktur hatten Erziehung und Ausbildung die Aufgabe,
optimale Formen der sozialen Interaktion zu frdern und an Werten
auszurichten, die in der Sprache zum Ausdruck kamen.  Die in der
Schriftkultur verankerte Erziehung bezog sich auf eine Dynamik, die
innerhalb der begrenzten Skala der Menschheit Vernderungen erlaubte,
die schlielich zur Herausbildung von Nationen und Nationalstaaten
fhrten--Einheiten mit relativer Autarkie.  Innerhalb nationaler
Grenzen konnten Bevlkerungswachstum, Ressourcen und
Handlungsoptionen in Balance gehalten werden.

Diese zweifellos vereinfachte Darstellung erlaubt uns, die
Entwicklung der Erziehung von ihren frhen Formen--der direkten
Weitergabe von Erfahrungen zwischen einzelnen Personen und zwischen
den Generationen--zu den religis begrndeten Erziehungsformen
nachzuzeichnen.  Unter dem Einflu religiser Prmissen ging die
Erziehung spter ber die Vermittlung des unmittelbaren, eng an die
Lebenspraxis gebundenen Wissens hinaus und wurde, wenn auch nicht
ganz mhelos, institutionalisiert in Form von Schulen und
Universitten, in denen Wissen, Wissenschaft und Gelehrsamkeit
verbreitet wurden.  Auch das war ein langer, viele Stufen
durchlaufender Proze, der schlielich zu unserem heutigen
allgemeinen Bildungssystem fhrte, in dem Kirche und Staat getrennt
sind.  Die freie Erziehung und alle damit verbundenen Werte bilden
heute die allgemeine Grundlage unseres Bildungssystems.

Wenn man jemandem einen Hammer gibt, sieht jedes Problem wie ein
Nagel aus.  Wenn man jemandem ein Alphabet gibt, wird jedes Problem
zu einem Problem von Schriftkultur, Bildung und Erziehung--dieser
Vergleich charakterisiert einigermaen den gegenwrtigen
Diskussionsstand in Sachen Erziehung und Ausbildung.  Daraus folgt
allerdings nicht, da mit dem Aufkommen des World Wide Web Erziehung
und Ausbildung darauf reduziert sein sollten, die notwendigen
Lehrplne online anzubieten und die Erziehungsbedrfnisse an dem, was
im Netzwerk zufllig zur Verfgung steht, auszurichten.  In der
heutigen Zeit des Umbruchs ist das Ende von Schriftkultur und
schriftkultureller Bildung nicht einfach ein Symptom, sondern eine
notwendige, ber OnlineBildungsangebote hinausgehende Entwicklung.
Dies knnte nach einer voreiligen Kritik an der digitalen
Wissensverbreitung aussehen.  Wir wollen daher unsere Schlufolgerung
etwas ausfhrlicher rechtfertigen.


Das Hchste und das Beste

Aus den neuen Formen unserer Selbstkonstituierung in einer Welt, die
durch Effizienz, hohe Bedarfsbefriedigung und eine unersttliche
Fhigkeit, das Neue durch immer Neueres zu ersetzen, gekennzeichnet
ist, stellt sich auch das Problem von Erziehung und Ausbildung in
einer Weise neu, fr die Schriftkultur und schriftkulturelle Bildung
nicht mehr hinreichend sind.  Seit etwa 30 Jahren schickt unser
Erziehungssystem die nachrckenden Generationen in eine Zukunft, die
nur noch wenig mit den Inhalten, Strukturen und Denkweisen zu tun hat,
die diese Erziehung vermittelt.  Unter dem groen Druck der sozialen,
politischen, konomischen und moralischen Erwartungen hat unser
Bildungssystem als Institution seine Glaubwrdigkeit verloren, sofern
es sich in seinen Strukturen nicht analog zum Umbruch in unseren
Lebensumstnden verndert.  Die Inhalte und Denkweisen, die heute in
den Schulen, Laboratorien, Handbchern und Erziehungsmethoden, nicht
zu reden vom lebendigen Inventar wie Lehrer und Ausbilder, vermittelt
werden, sind--wenn berhaupt--nur noch marginal auf den Umbruch von
einer einzigen beherrschenden Schriftkultur auf zahlreiche
Alphabetismen eingerichtet.  Zum gegenwrtigen Ausbildungsstand
junger Menschen hat IBM unverhohlen festgestellt: "Seit 1900 hat sich
fast jede Institution auf die jeweiligen Vernderungen einstellen
knnen, mit einer Ausnahme: das Bildungssystem."

Gerade in letzter Zeit ist viel in die Ausbildung junger Menschen
investiert worden, aber an der Auffassung von Bildung und an der
Auffassungsfhigkeit der Ausgebildeten hat sich wenig gendert.  Wenn
heute an einem Gymnasium oder an einer Universitt ein neues Labor
eingerichtet wird, ist es in dem Augenblick, in dem das letzte
Ausrstungsteil bestellt wurde, bereits veraltet.  Die Ausbildung
selbst unserer besten Lehrer hat sich inhaltlich bereits in dem
Augenblick erbrigt, in dem die ersten Schler in die Berufswelt
eintreten.  Je mehr sich unsere Schulen und Universitten bemhen,
mit dem Umbruch Schritt zu halten, desto offensichtlicher wird es,
da sie eine falsche Richtung einschlagen oder da etwas im Kern
unseres Bildungssystems dieses Ziel unerreichbar macht.  Oft trifft
beides zu.  Manche schieben dieses Versagen auf die berladene
Brokratie des Bildungssystems.  Daran ist sicher einiges wahr.
Andere fhren das Versagen des Systems auf einen Mangel an guten
Lern- und Lehrmethoden zurck.  Auch falsche Auffassungen von den
Aufgaben der Erziehung oder falsche Prioritten werden als Grund
genannt.  Gerade letztere haben zu immensen Fehlinvestitionen im
Bildungssektor gefhrt.

Andere, nicht-schulische Grnde sind fr die mangelnde
Leistungsfhigkeit des Bildungssystems angefhrt worden--falsch
verstandene Liberalitt und Demokratie, Traditionsverlust, der
Zusammenbruch der Familie als Lebensund Erziehungsform, eine
ausschlielich auf Tests abgerichtete Unterrichtsform.  Es gibt so
viele Erklrungen wie es Kritiker unseres Bildungssystems gibt.
Manche dieser Erklrungen greifen weit zurck in die Zeit, in der die
Schrift entwickelt wurde: Erziehung beeintrchtigt Originalitt,
dmpft Spontaneitt und zerstrt Kreativitt.  Oder aber: Erziehung
leugnet in der sensibelsten Phase der individuellen Entwicklung, wenn
der Geist junger Menschen offen ist fr alle nur denkbaren Eindrcke,
die Natrlichkeit.

Wieder andere Argumente richten sich auf die gegenwrtige Situation:
Wenn die richtigen Texte gewhlt (was immer hier richtig heit) und
die besten Methoden angewandt wrden, wre die Ausbildung fr junge
Menschen interessanter und sie knnte es mit der Konkurrenz der
Unterhaltungsangebote aufnehmen.  Andere befrworten einen leicht
verdaulichen Zugang zu Texten, die mglicherweise als Comicstrips
oder als Internetbotschaften aus maximal sieben Stzen mit maximal
sieben Wrtern bestehen sollten.  Alle diese Erklrungen gehen davon
aus, da die Schriftkultur und schriftkulturelle Bildung ihre
Gltigkeit bewahrt haben.  Sie alle entwerfen Strategien--einige
hilflos, einige verstiegen--, die die Funktion der schriftkulturellen
Bildung aufrecht erhalten sollen.  Ob sich die Bedingungen, die die
Schriftkultur entstehen lieen, so weit gendert haben, da nunmehr
eine vllig neue Lebenssituation auch neue Unterrichtsstrukturen
erfordern knnte, scheint niemanden zu interessieren.  Noch immer
scheint Matthew Arnolds traditionslastiges Selbstverstndnis zu
gelten: "Bemhe dich um das Hchste und Beste, das unser Wissen
hervorgebracht hat."

In einer Welt, in der sich das Beste nur noch auf Waren, nicht auf
dynamisches Wissen bezieht, hat diese Position an berzeugungskraft
verloren.


Das Ideal und das Leben

Schulen aller Bildungsarten vermitteln ihren Schlern eine
traditionelle Erziehung und bekennen sich zur soliden
Ausbildungstradition vergangener Zeiten.  Trotz allem behaupten die
Schulen unter dem Druck des Berufsmarktes, da sie ihre Schler auf
die neuen pragmatischen Lebensumstnde angemessen vorbereiten.
Einige Schulen bieten auch berufsbezogene Fcher an oder beziehen
berufsrelevante Ausbildungskomponenten in die traditionelle
Ausbildung ein.  EDV-Kurse gehren dazu.  Aber ein im Jahr 1996 in
den Vereinigten Staaten durchgefhrter Test mit 500 Schulabsolventen
hat ergeben, da nur 7% aller Testpersonen 15 von 20 Fragen richtig
beantworten konnten.  Fnf Fragen bezogen sich auf Mathematik, der
Rest auf Geschichte und Literatur--allesamt also auf traditionellen
Bildungsstoff.

Diese und andere Ergebnisse lassen Bildungsexperten von einem
allgemein sinkenden Bildungsniveau sprechen, und die Experten klagen
darber, da das Bildungssystem nicht mehr den demokratischen Brger
hervorbringe.  Derartige Analysen und Klagen nehmen ganz
offensichtlich keine Kenntnis davon, was sich in der Realitt
abspielt.  Denn sie beziehen sich auf die USA, doch nachweislich das
reichste und vermutlich dynamischste Land der Welt, mit der
geringsten Arbeitslosenquote und der hchsten Quote an
Unternehmensneugrndungen--wenn also die Bildung dennoch angeblich
versagt, so mu etwas anderes, Positives, an ihre Stelle getreten
sein.

Solange die Konzepte von Bildung und Ausbildung nicht neu gedacht
werden, knnen sie mit der Wirklichkeit nicht mehr Schritt halten.
Unter den gegenwrtig gefundenen Kompromissen wird unser
Bildungssystem weiter vor sich hin wursteln und die Klientel beider
Lager verrgern: diejenigen, die noch immer auf eine Bildung im
Rahmen des schriftkulturellen Modells fixiert sind, und diejenigen,
die Strukturvernderungen fr dringend geboten halten.

Vermutlich lt sich der Universalittsanspruch des traditionellen
Bildungsmodells, der sich in den demokratischen Prinzipien von
Freiheit und Chancengleichheit widerspiegelt, in seiner
ursprnglichen Form nicht lnger aufrechterhalten.  Vielmehr sollte
sich das Bildungssystem gegenber den Unterschieden zwischen den
Menschen, ihrem unterschiedlichen persnlichen, sozialen und
kulturellen Hintergrund, ihrer Ethnizitt und ihren individuellen
Fhigkeiten flexibler zeigen.  Statt zu standardisieren, sollte das
Bildungssystem die Unterschiede frdern, um den Nutzen aus diesen
Unterschieden ziehen zu knnen.  Statt einen gleichen und allgemeinen
Zugang zur Mittelmigkeit zu garantieren, sollte das Bildungssystem,
unterschiedliche, sich ergnzende Zugnge zur Exzellenz bereitstellen.
Heute erweisen sich manche Menschen als unerziehbar.  Aber
vielleicht weisen sie nur Merkmale auf, die man nicht auf den in der
Schriftkultur verankerten gemeinsamen Bildungsnenner reduzieren kann.
Vielleicht knnten alternative Bildungswege ihre Fhigkeiten besser
erkennen und optimaler frdern; vielleicht werden sich diese
Fhigkeiten in der Lebenspraxis als relevant und ntzlich erweisen,
so unterschiedlich sie auch ausfallen mgen.

Eine Quotengleichheit in bezug auf Minoritten jeglicher Art geht
ebenfalls von einem falschen Demokratieverstndnis im Bildungssystem
aus.  Denn oft genug werden diejenigen, die ermutigt und gefrdert
werden sollen, damit ihrer speziellen Fhigkeiten und Chancen beraubt.
Das Prinzip der Quotengleichheit geht von der falschen Vorstellung
aus, da der Einheitsbrei des perfekt funktionierenden Schmelztiegels
der Gesellschaft ntzlicher sei als die Anerkennung und Frderung von
Unterschieden.  Ob man damit eine gleichfrmige Mittelmigkeit oder
arbeitsteilige Exzellenz hervorbringt, scheint niemanden zu
interessieren.  Angemessener und realittsnher wre ein anderes
Verstndnis von Chancengleichheit: wenn die Unterschiede anerkannt
und bewahrt und die daraus erwachsenden spezifischen Fhigkeit zur
vollen Entfaltung gebracht wrden.

Das Bildungsprinzip der Schriftkultur bringt ein bestimmtes
Verstndnis von Konformitt und Standardisierung mit sich, das der
Lebenspraxis entspricht, die eine standardisierte Bildung notwendig
gemacht hatte.  Fr die heute zur Verfgung stehenden alternativen
Ausdrucks- und Kommunikationsmittel hat das derzeitige Bildungssystem
offenbar keinen Platz.  Aber gerade sie wrden die Auswahlmglichkeit
aus einer erweiterten Skala von Optionen erheblich erleichtern; denn
gerade sie ermglichen die geforderte hhere Effizienz.  Wir mssen
die Bildungswege auf die individuellen Bedrfnisse der einzelnen
Gruppen besser zuschneiden.  Dies kann aber nur geschehen, wenn wir
dem unverbrchlichen Recht auf Ausbildung und Arbeit zum Zwecke der
Persnlichkeitsentfaltung die gleiche Bedeutung wie dem Recht auf
Freiheit und Gleichheit einrumen.

Die hier skizzierte globale Dimension der Lebenspraxis ist nicht ein
von einem waghalsigen Unternehmer erfundenes Szenario.  Sie spiegelt
vielmehr eine Skala wider, innerhalb derer das Bevlkerungswachstum,
die Ressourcenverteilung und die zu neuen Effizienzebenen fhrenden
Handlungsoptionen einen kritischen Zustand erreicht haben.  Viele
Menschen auf dieser Welt erhalten niemals eine Chance auf Bildung und
Ausbildung; viele Menschen sind stndig durch Hungersnte und
Epidemien bedroht und mssen ein menschenunwrdiges Leben fhren.
Diese Tatsachen stehen allerdings nicht im Widerspruch zu der
beschriebenen Dynamik, die die Alternativen zur Schriftkultur und
Bildung hervorgebracht hat.  Wir mssen daher die Art des vom
Bildungssystem vermittelten Wissens und seine Auswirkungen auf die
Ausgebildeten hinterfragen.


Relevanz

Schulen und Universitten werden heute hufig dafr kritisiert, da
sie ihren Schlern und Studenten nicht mehr gengend relevantes
Wissen vermitteln.  Was aber heit Relevanz in unserem Zusammenhang?
Viele Wissenschaftler meinen, da die auf unsere kulturelle Tradition
bezogenen Fakten und Zusammenhnge relevant seien, wie etwa
diejenigen, die im oben erwhnten Test abgefragt wurden.  Relevant
sind aber auch die Fhigkeit zum logischen Denken, ausreichende
naturwissenschaftliche Kenntnisse, um den Reichtum der modernen
Technologien zu verstehen, Fremdsprachen und andere Inhalte, die die
Schler und Studenten auf die praktische Lebenswelt vorbereiten.

Kritiker der traditionellen Lehrplne stellen die Relevanz einer
Tradition in Frage, die eher exklusiv als umfassend und integrativ zu
sein scheint.  Sie wrden sich mehr Multikulturalitt und
Traditionskritik und weniger Konkurrenzdruck wnschen.  Doch obwohl
solche Empfehlungen den neuen Kontext unseres gesellschaftlichen
Lebens und unserer Lebenspraxis bercksichtigen, stellen sie ihn doch
nicht in den weiteren Zusammenhang der vernderten allgemeinen
Strukturen und lassen so die Relevanzkriterien vermissen, die
auerhalb ihres eigenen Kompetenzbereichs liegen.

Die Frage nach der Relevanz lenkt unseren Blick auf die Vergangenheit
und bestimmt zugleich unser auf die Zukunft gerichtetes Handeln.  Da
die schriftkulturelle Bildung und Erziehung in den Anfngen der
Schriftkultur xenophobisch oder rassistisch und vor allem politisch
war, braucht nicht sonderlich betont zu werden.  Wer nicht zur Polis
gehrte und eine andere Sprache sprach, wurde aus politischen Grnden
einer Ausbildung unterzogen: Er sollte sich, auf welcher Stufe auch
immer, so schnell wie mglich als ein ntzliches Mitglied der
Lebensgemeinschaft erweisen knnen.  Zwar nderten sich die
Bedingungen fr Erziehung und Bildung im Verlaufe der Zeit nachhaltig,
aber deren politische Dimension blieb erhalten.  Deshalb kann es nur
hilfreich sein, mit gewissen schriftkulturellen Haltungen aufzurumen,
die nationale, ethnische, rassistische oder hnliche Elemente
aufweisen.  Denn es ist vllig irrelevant, ob Pythagoras Grieche und
wie originell seine Geometrie war.  Auch ist es irrelevant, ob diese
oder jene Person aus diesem oder jenem Teil der Welt den Ruhm fr ein
literarisches Meisterwerk, ein Kunstwerk oder fr einen religisen
oder philosophischen Gedanken verdient.  Was allein zhlt, ist die
Frage, inwiefern solche Leistungen fr die Menschheit und fr ihre
immer komplexere Lebenspraxis relevant wurden.  Auch leiten wir
unsere Werturteile nicht aus dem sportentliehenen Modell ab, also aus
der Frage nach dem Besten, dem Schnellsten, dem Meisten; vielmehr
orientieren wir sie daran, wie ein jeder von uns seine Identitt in
noch nie dagewesenen Arbeits- und Freizeitbedingungen und den daraus
hervorgehenden Empfindungen konstituiert.  Die Frage nach der
Relevanz ist also eindeutig zukunftsgerichtet und bringt im brigen
die Erkenntnis, da die Erfahrungen aus der Vergangenheit fr unseren
neuen Lebenszusammenhang immer weniger wichtig werden.

Was also sollte unterrichtet werden?  Sprachen?  Mathematik?  Chemie?
Philosophie?  Wir knnen nicht zu allem einfach nur "ja" sagen, ohne
die Frage nach den angemessenen Unterrichtsstoffen in den Rahmen
unserer Lebenspraxis zu stellen.  Das heit aber vor allem, da wir
Erziehung und Bildung nicht wie bisher mit einer religisen oder
dogmatischen Aura versehen drfen: Die Dozenten kennen die ewigen
Wahrheiten; die Studenten folgen den Vorlesungen und empfangen das
Sakrament.

Alle schulischen Grundfcher haben sich im Laufe der Zeit verndert,
und die Geschwindigkeit, in der sich heute die Vernderungen
vollziehen, nimmt zu.  Das gegenwrtige Verstndnis von Sprache,
Mathematik, Chemie und Philosophie mu nicht unbedingt auf dem
Prinzip des fortschreitenden Kenntniserwerbs grnden.
Naturwissenschaft hat z. B. nicht direkt etwas mit Akkumulation zu
tun.  Das Gleiche gilt fr das Erlernen von Sprachen, trotz aller
anderweitigen ersten Eindrcke.  Das mechanische Einpauken von Regeln,
die als invariabel gelten, ist weniger wichtig als eine Kenntnis von
Verfahren, mit denen wir uns das fr unsere dynamische Existenz
relevante Wissen zugnglich machen knnen.  Es ist geradezu unmglich,
all das zu behalten, was die Schulausbildung--egal wie gut oder
schlecht sie ist--unseren Schlern eintrichtert.  Viel wichtiger wre
es zu wissen, wie und wo wir das, was wir fr eine bestimmte Aufgabe
bentigen, finden und verwenden knnen.

Ist es wichtig, da wir Square Dance, Heavy-Metal-Musik, Bridge oder
chinesische Kochkunst unterrichten?  Dieses und vieles mehr steht
heute in den Lehrplnen vieler Schulen und Universitten.  Die Frage,
wie relevant solche Unterrichtsinhalte fr Lehrplan und
Studienordnung sind, mu sich nach denselben pragmatischen Kriterien
richten, von denen unser Leben und unser Lebensunterhalt abhngen.
Die Relativierung von Schriftkultur und Bildung in unserer
vernderten Lebenspraxis hat durchaus schon zu neuen Lehrinhalten
gefhrt.  Sie allein knnen allerdings keine Ausbildung ersetzen, die
die Denkund Empfindungsfhigkeiten in einem durch erhhte Komplexitt
und Dynamik gekennzeichneten Lebensraum frdern.

Die heutige Erziehung mu sich an der Dynamik der
Persnlichkeitsentfaltung orientieren, die fr die Lebenspraxis
unseres neuen Zeitalters charakteristisch ist.  Das heit keinesfalls,
da Erziehung durch ziel- und planlose Fernsehprogramme oder endlose
Reisen im Internet ersetzt werden kann.  Wir mssen allerdings
begreifen, da wir nicht ohne weiteres Schriftkultur, Bildung und
Effizienz gleichzeitig haben knnen, denn sie sind in mancherlei
Hinsicht unvereinbar.  Ein solches Unterfangen wrde vermutlich nur
zu grerer Verwirrung fhren.  Und schlielich mssen wir erkennen,
da Bildung im sekundren und tertiren Bildungsbereich nicht
unbedingt erforderlich ist fr diejenigen, die einfach nur eine
Berufsausbildung bentigen.

Wir haben bereits zeigen knnen, wie die zunehmenden
Vermittlungsprozesse auf dem neuen Markt sich auf die Effizienzebenen
ausgewirkt und zahlreiche neue Sprachen fr den Zuschnitt, die
Beschreibung, Koordinierung und Synchronisierung der menschlichen
Arbeit hervorgebracht haben.  Fr viele Arbeitsformen, von den
Knsten bis zu den Naturwissenschaften, bentigen wir
Programmiervorgnge, die nicht nach falsch oder richtig fragen,
sondern nach optimaler Einrichtung und stetiger Weiterentwicklung.
Fr die Erfordernisse unserer neuen Lebensskala--fr Globalitt,
Arbeitsteilung und Ressourcenverteilung, fr die zahlreichen neuen
Elemente im Bereich der Wirtschaft, der Technik, der Kommunikation,
des Marketing und des Managements--brauchen wir neue, spezifische
Ausbildungsprogramme.  Die Schriftkultur kann dies nicht leisten.

Erziehung beginnt mit der Erfahrung dessen, was nicht gegenwrtig und
nicht unmittelbar ist.  Sie beinhaltet Erfahrungen, die sich aus
Vergleichen, aus Nachahmung von Handlungen und bei der Herausbildung
von individuellen Mustern bezglich der biologischen Merkmale des
Menschen ergeben.  Erst spter kommen Sprache und die Verwendung von
sprachlichen Konventionen und Metaphern hinzu, von denen einige Teil
der Schriftsprache, andere Teil anderer Sprachen sind.  Mit der
evolutionsgeschichtlichen Entstehung der Familie beginnen die
Erziehung und eine neue Phase der Arbeitsteilung.  Die sehr enge
Skala eines nomadischen Stammeslebens kannte dabei andere
Erziehungsformen als die erweiterte Skala, innerhalb derer zunchst
Formen der Notation und schlielich hochentwickelte Schriftsprachen,
bzw. die technische Sprache des Zeichnens entstanden.  Der
Allgemeinheitsgrad der Schriftsprache und die daraus resultierende
Schriftlichkeit als Grundlage jeglicher Erfahrungsvermittlung brachte
wiederum andere Erziehungsformen mit sich.  Wir sehen also, da die
sich verndernden Formen von Erziehung und Bildung aus den
Vernderungen der menschlichen Evolution ergeben und da somit
weitere Vernderungen in der Natur dieser Entwicklung liegen.  Das
veranlat uns, die gegenwrtigen Erziehungs- und Ausbildungsformen zu
berdenken und sie mit Blick auf den erweiterten Rahmen der
menschlichen Ttigkeiten zu verbessern, statt sie zur Wahrung einer
historisch gewordenen Kulturphase auf ihre jetzige Form ein fr
allemal festzulegen.

Wir muten erst lernen, das zu sein, was wir heute sind.  Wir sind es
geworden durch das, was wir in Bezug auf unser individuelles und
gesellschaftliches Daseins tun.  Sprechen, schreiben und lesen heit,
das zu verstehen, was wir sprechen, schreiben und lesen.  Die
einfache mechanische Reproduktion von Wrtern oder Lautmustern knnte
genauso gut von entsprechend programmierten Maschinen vorgenommen
werden.  Aber sprechen, schreiben und lesen lernen heit, sich des
durch Sprechen, Schreiben und Lesen hervorgerufenen pragmatischen
Kontextes der zwischenmenschlichen Beziehungen bewut zu werden, und
die fr diese Vorgnge notwendigen Fertigkeiten zu erwerben.  Dieses
Bewutsein schliet allerdings das Bewutsein von der Mglichkeit
einer Kontextvernderung mit ein.

Erziehung und Ausbildung bedeuten, andere und sich in einen Proze
einzubinden, der darauf ausgerichtet ist, dasjenige Wissen zu
erwerben und zu vermitteln, das fr die weitere Vermehrung des
Wissens notwendig ist.  Daher knnen die Erziehungsinhalte nicht
Wissen im allgemeinen sein, denn Schulen und Universitten knnen die
Vielfalt der menschlichen Erfahrungen nicht nachvollziehen.  Die
post-industrielle, auf einer digitalen Struktur basierende Erfahrung
ist so heterogen, da die Vielfalt dessen, was die heutige
Lebenspraxis erforderlich macht, nicht unter vereinheitlichende
Ausbildungsgnge subsumiert werden kann.  Wichtiger als allgemein
zugngliche und allen verfgbare Informationen ist daher die Kenntnis
davon, wie und wo ich finde, was ich brauche.  Wissen zu besitzen
wird in diesem Zusammenhang zweitrangig; entscheidend ist der Zugang
zum Wissen und ein gutes Verstndnis der auf die neuen
Erkenntisformen konzentrierten vernderten Lebenspraxis.  Der Umgang
mit der Informationsflle und die Fhigkeit, diese den Technologien
der Informationsverarbeitung zuzufhren, mu Teil unserer
Ausbildungsprogramme werden.  Die Studenten mssen verstehen und
erklren lernen, wie sich die heutigen Erkenntnisformen und
Erkenntnisinhalte, also das Rohmaterial der digitalen Maschine, aus
unseren Erfahrungen ableiten.

Zwischen den von uns entworfenen Wegen, auf denen wir unser
biologisches Sein in das Sein der uns beheimatenden Welt projizieren,
und dem Ergebnis unserer Bemhungen besteht eine Einheit.  Diese
kennzeichnet unseren geistigen und emotionalen Zustand und bestimmt
unser Denken und Fhlen.  An einem bestimmten Punkt der menschlichen
Entwicklung, nachdem die Trennung von krperlicher und geistiger
Arbeit vollzogen war, wurde das Denken von seiner unmittelbaren
Zweckgerichtetheit befreit.  Die einmal erreichte Abstraktion des
Denkens entsprach der Fhigkeit, in seinen Proze eingebunden zu sein,
sich seiner bewut zu sein und ihn zu beurteilen.  Das ist die Ebene
der Theorie.  Die gegenwrtig zu verzeichnende Dynamik wirkt sich auf
den Status der Theorie aus, darauf, wie wir sie bilden, und darauf,
wie wir sie vermitteln.  Zumindest mit Blick auf ihre Vermittlung,
wohl aber auch mit Blick auf ihre Formulierung, mssen wir uns im
gegebenen Zusammenhang kurz mit der Entwicklung der Universitten
beschftigen.


Tempel des Wissens

Nachdem einmal in der Schriftkultur ein allgemeines Instrument der
Kommunikation und Koordination etabliert war, wurden Ausbildung und
Erziehung zur Institution, zur Maschine der Schriftkultur.  Dies
vollzog sich parallel zur Versachlichung vieler anderer Formen
menschlicher Praxis: Religion, Rechtsprechung, Militr.  Die
Universitten der westlichen Welt verkrperten das elitre Ideal der
Schriftkultur auf jede nur denkbare Weise: Exklusivitt, Philosophie
der Pdagogik, Architektur, allgemeine Ziele, Curriculum, Lehrkrper,
Studentenschaft, Beziehung zur ffentlichkeit, religiser Status.
Diese Universitten kmmerten sich nicht um die Handwerksknste,
kannten und anerkannten keinen Lehrlingsstatus.  Anders als die
Schulen konnten die Universitten ihren Einflu weit ber ihre
Grenzen hinaus geltend machen, eine fhrende Rolle im geistigen Leben
der Bevlkerung spielen und dabei eine Aura der Exklusivitt aufbauen.
Das lag nicht nur am religisen Fundament, auf dem die
Universitten ruhten.  Die Universitten besaen die wichtigen
geistigen Dokumente ber die Theorien der Natur- und
Geisteswissenschaften und die dazu gehrigen Ausbildungsprogramme.
Diese Quellen unterstrichen die Rolle einer allgemeinen Bildung
(nicht nur als Spiegelung des katholischen Anspruchs der Kirche),
deren grundlegende Komponente einen Tempel des Wissens erstellte, von
dem aus die Theorien ber die westliche Welt verbreitet wurden.  In
ihrer Anlage und in den durch sie verkrperten Werten fungierte die
Universitt als ein Modell fr die Gesellschaft und als wichtiger
Garant der gesellschaftlichen Dynamik.  Tradition, Sprachen (die den
direkten Zugang zur Welt der klassischen Philosophie und Literatur
erffneten) und die Knste wurden als Einheit aufgefat.  Die Technik
und alle praktischen Anwendungsformen des Wissens hatten in ihr
keinen Platz.

Im Gegensatz zu heute waren jene Universitten ihrer Zeit so weit
voraus, da sie fast schon wieder den Kontakt mit der Wirklichkeit
verloren hatten.  Ihre Welt war eine Welt fortschrittlicher Gedanken,
idealisierter sozialer und moralischer Werte und neuer
wissenschaftlicher Erkenntnisse, die in metaphysischer Abstraktion
zelebriert wurden.  In unserem Zusammenhang interessiert die
dynamische Entwicklung der universitren Ausbildung bis etwa zur
Jahrhundertwende und die daran geknpfte Frage, inwieweit diese den
heutigen Ausbildungszielen gengt oder sie verfehlt.  Als die ersten
Universitten gegrndet wurden, war der Zugang zu ihnen begrenzt.
Daher ist ein Vergleich zwischen damals und heute eigentlich
irrelevant.  Er knnte indes erklren, warum heute noch immer die
groe Zahl der Studierenden, die vor hundert oder auch nur vor
fnfzig Jahren niemals ein Studium htte aufnehmen knnen, nicht
uneingeschrnkt willkommen ist.  Die Universitt vermittelt eben
nicht nur Werte, sondern auch Vorurteile.

Die Bedeutung des historischen Hintergrunds tritt zutage, wenn wir
uns die formative Macht der Sprache, ihre Leistung fr die
Aufbewahrung von Ideen und Idealen, die auf Dauer angelegt sind, und
ihre Funktion fr die Verbreitung dieser Doktrin von Bestand und
Autoritt vergegenwrtigen.  Die Religion durchdrang die Natur- und
Geisteswissenschaften und machte sich nachdrcklich geltend, wenn es
darum ging, den Erfindungen und Theorien Bedeutung zuzuweisen.  Die
in diesen Universitten vermittelte Bildung sollte fr ewig gelten
und orientierte sich an einem Modell, das den Menschen als Zentrum
der Welt und als Hhepunkt der gttlichen Schpfung ansah.  Das ganze
Programm der Universitt war auf Kontinuitt angelegt und auf das
Fundament der Schriftkultur gestellt.  Als Organisationsform
begnstigte sie Integration anstelle von Differenzierung.  Sie war
eine Gegenkraft, ein kritisches Instrument und ein Rahmen fr
geistige Ttigkeit.  "Wissen ist Macht": Dieses heute oft mit der
politischen Linken assoziierte Motto hat seinen Ursprung in der
Universitt des Mittelalters und in konservativen Machtbeziehungen,
fr die Schriftkultur und schriftkulturelle Bildung die grundlegenden
Strukturen boten.

Man kann ohne weiteres sagen, da die Universitt des Mittelalters
die Verdinglichung der Sprache verkrperte, die Verdinglichung des
griechischen logos und der rmischen ratio.  Alle vorausgegangenen
Bemhungen, die Vergangenheit zu versachlichen, wurden in den
Forschungs- und Lehrprogrammen der Universitt zusammengefat und als
Modell fr die Zukunft entworfen.  Alternative Denk- und
Kommunikationsformen blieben ausgeschlossen oder wurden den Formen
der Sprache angepat bzw. ausnahmslos der herrschenden Rationalitt
unterworfen.  Auf diesen Voraussetzungen entwickelte sich die
Universitt als eine Institution, die den methodischen Zweifel bte.
Sie wurde zur intellektuellen Maschine, die immer neue Erklrungen
vom Universum als Ganzes und seiner Teile versuchte.

Die Umstnde, die zu einer Trennung zwischen allgemeinen geistigen
und erzieherischen Aufgaben fhrte, sind auf verschiedene,
miteinander verknpfte Faktoren zurckzufhren.  Einer dieser
Faktoren ist zweifellos die Druckmaschine.  Ausschlaggebend aber
waren die praktischen Erwartungen.  Die Menschen muten nmlich
erkennen, da sie die von ihnen bentigten Maschinen nicht mit Hilfe
ihrer Latein- oder Griechischkenntnisse oder den auswendig gelernten
Litaneien bauen konnten, sondern nur mit Mathematik und Mechanik.
Ein Teil dieses Wissens fand sich in den griechischen und
lateinischen Texten, die von muselmanischen und jdischen Gelehrten
nach dem Zusammenbruch des Rmischen Reiches aufbewahrt worden waren.
Auch mute man lernen, wie man seine praktischen Ziele formulieren
und wie man technische Plne so vermitteln konnte, da sie zum Bau
von Straen, Brcken, Gebuden und vielem mehr anleiteten.  Fr die
Erkundung neuer Energiequellen reichte das aristotelische Weltbild
nicht aus.  Mehr physikalisches, chemisches, biologisches und
geologisches Wissen war erforderlich.  Der Zugang zu diesen Bereichen
fhrte immer noch ber Schrift und Schriftkultur, obwohl all diese
Bereiche im Ansatz bereits ihre eigene Sprache entwickelt hatten.
Maschinen wurden als Metaphern fr den Menschen verstanden und gebaut.
Sie verkrperten eine animistische Anschauung, obwohl sie
tatschlich die Bedrfnisse und Erwartungen erfllten, die aus einer
Existenzskala jenseits animistischer Erfahrungen hervorgingen.

Die Erfahrung industrieller Arbeit, ihrerseits die Schule eines neuen
pragmatischen Erfahrungsrahmens, vermittelte ein Bewutsein von
Kreativitt, Produktivitt und Vertrauen.  Arbeit und
gesellschaftliches Leben verloren an Homogenitt.  Doch in dem Moment,
in dem der Anspruch der Schriftkultur, alles erklren zu knnen und
das einzige Medium fr neue Theorien zu sein, seine Grenzen erreichte,
blieben auch die Universitten hinter der Entwicklung der
Lebenspraxis zurck.  Der Unterschied zwischen der Physik Galileo
Galileis und der Newtonschen Physik ist kleiner als der Unterschied
zwischen diesen beiden und der Einsteinschen Relativittstheorie;
dieser wiederum ist geringer als das, was alle drei von der sich
seitdem entwickelten kosmischen Physik trennt.  Dieses neue
physikalische Denken erschliet eine Skala und einen Bereich, der
ber alles bisher Gekannte weit hinausgeht, und er beinhaltet vor
allem eine vllig neue Art der Problemformulierung.  Nicht zuletzt in
diesem Bereich zeigt sich, da die Menschheit neue kognitive
Erklrungsmodelle anwendet, denen die Wissensinstrumentarien der
Vergangenheit nicht mehr gengen.  Ein Gleiches gilt brigens fr die
neueren Theorien in Biologie, Chemie und zunehmend auch in Soziologie,
Wirtschaft und den Entscheidungswissenschaften.  Wir sehen daran,
ein wie wichtiges und umfassendes Kriterium dasjenige der Skala und
die darin erfate Komplexitt darstellt, ein Kriterium, das
letztendlich auch entsprechende Auswirkungen auf die Theorie und
Praxis von Ausbildung und Erziehung hat.


Kohrenz und Verbindung

Erziehung und Ausbildung haben ihr Gebiet gut abgesteckt.  Einerseits
haben sie die Erwartungen derjenigen nicht erfllt, die bei der Suche
nach einem Platz in der vernderten Lebenspraxis Untersttzung
bentigt htten, andererseits hat sich ein neues Paradigma natur- und
geisteswissenschaftlicher Forschung durchgesetzt--das
rechnergesttzte Arbeiten (computation).  Vor allem im Zusammenspiel
mit den experimentellen und theoretischen Naturwissenschaften hat die
rechnergesttzte Arbeit Ebenen erreicht, auf denen sowohl die
Erwartungen nach geistiger Kohrenz als auch nach einer Verknpfung
mit Instanzen auerhalb des unmittelbaren Forschungsgebiets
befriedigt werden konnten.  Rechnergesttztes Arbeiten hat
mittlerweile auch die Bildungssysteme erfat, ohne da es allerdings
dessen grundlegende Strukturen ersetzt hat.  Dennoch haben die
Brokratien, die nach den traditionellen Funktionsregeln organisiert
sind, das Ausma der Vernderung, welches ihre eigene
Existenzberechtigung in Frage stellt, noch nicht erkannt.

In einigen privaten Schulen und Universitten der USA sind zwar
mittlerweile selbst die Studentenwohnheime mit Computerterminals
ausgerstet.  Dennoch ist fr die Mehrzahl der Studierenden die
Arbeitszeit am Computer begrenzt und auf bestimmte Arbeitsbereiche,
hauptschlich Textverarbeitung, beschrnkt.  Viel zu viel
Bildungseinrichtungen setzen Computer lediglich fr administrative
Arbeit wie Haushaltsfhrung und Immatrikulation ein.  In den
europischen Lndern ist die Situation noch schlechter.  Und im
Vergleich zu den rmeren Lnder dieser Welt kann man nur hoffen, da
sich der Unterschied nicht noch vertiefen wird.  Wenn der Zugang zu
den Stromnetzen hnlich geregelt wre, gbe es einen Aufschrei.
Dabei sollten heutzutage EDVgesttzte Verfahren genauso verbreitet
sein wie Elektrizitt.

Wenn aber die Universitten keinen der heutigen Zeit angemessenen
Rahmen fr Forschung und Lehre schaffen, versumen sie ihre ureigene
Aufgabe, neues und originelles Wissen zu gewinnen und zu vermitteln.
Sie knnen allenfalls die anderswo gewonnenen Ergebnisse aus zweiter
Hand prsentieren.  Damit kann man vielleicht ein gutes Verstndnis
der Vergangenheit vermitteln, aber nur eine sehr fragwrdige
Durchdringung von Problemen der Gegenwart und Zukunft.

Innerhalb einer Sprache zu leben bedeutet auch, die in dieser Sprache
verarbeiteten Erfahrungen zu verinnerlichen.  Die natrliche Sprache
verkrpert in sich eine bestimmte Erfahrung von Raum und Zeit;
Programmiersprachen indes verkrpern bestimmte logische Strukturen
oder eine objektbezogene Funktionsweise der Welt.  Diese Erfahrungen
geben den Bezugsrahmen des Vorverstndnisses von Welt ab.  Wir haben
gesehen, wie die verschiedenen Sprachstufen des Menschen das den
Entwicklungsstufen jeweils eigene Wissen und die entsprechenden
Erfahrungsstrukturen widerspiegelten.  Wir haben auch gesehen, wie
durch die Ausdifferenzierung von Sprache, Erfahrungen und
Lebenspraxis schlielich auch Schriftsprache und Schriftkultur ihre
Rolle als optimales Medium fr die Vermittlung und den allen
gemeinsamen Zugang zu diesen Erfahrungen der Lebenspraxis verloren,
ohne dabei alle ihre Funktionen aufgegeben zu haben.  Tatsache aber
ist, da die Plne fr ein neues Gebude, fr Brcken, Maschinen und
viele andere Gegenstnde nicht mehr im schriftsprachlichen Diskurs
formuliert werden knnen, wie hochentwickelt dieser Diskurs und die
diesen Diskurs vermittelnden Bildungsinstanzen auch immer sein mgen.
Eine beschleunigte Dynamik und eine allgemein verbreitete Praxis der
Vermittlung, die nicht mehr auf der Schriftkultur basiert, sind in
unserem neuen Stadium jenseits der Schriftkultur zu einem wichtigen
Bestandteil unserer Lebenspraxis geworden und definieren die unserem
Leben zugrundeliegenden Strukturen neu.  Die Sprache behlt darin
eine eingeschrnkte Funktion.  Sie ist ein Zeichensystem unter vielen
anderen Zeichensystemen, von denen einige sich besonders gut fr
Rationalisierung und Automatisierung eignen, und sie wird nun
ihrerseits in Maschinen integriert, die fr Zeichenverarbeitung
(insbesondere fr Informationsverarbeitung) entwickelt wurden.
Dieser Entwicklungsproze kann an einem einfachen Beispiel
verdeutlicht werden: Um die in den Homerischen Texten verarbeitete
Erfahrung in aller Tiefe und Subtilitt verstehen zu knnen, bentigt
man eine grndliche Kenntnis des Altgriechischen.  Um die
juristischen Texte des Rmischen Reiches verstehen zu knnen, braucht
man Lateinkenntnisse und daneben noch einige andere Kenntnisse.  Um
aber Algebra verstehen zu knnen--das Wort kommt aus dem Arabischen
al-dschabr und heit soviel wie "Vereinigen gleichartiger Glieder auf
beiden Seiten zu einem Glied"--braucht man nicht das Arabische zu
beherrschen.

Bildung und Schriftkultur spielen in unserer derzeitigen Erfahrung
der Selbstkonstituierung eine viel geringere Rolle als in der
Vergangenheit.  Dennoch zwingt die daraus hergeleitete Erziehung
nahezu allen Bereichen ihre Merkmale auf: Der Nachvollzug bereits
bekannten Wissens ist Voraussetzung fr die Entdeckung des
Unbekannten.  Wenn wir uns indes genauer damit beschftigen wrden,
wieviel und was genau wir von den zurckliegenden Erfahrungen wissen
und verstehen mssen, um neue Formen der Lebenspraxis entwickeln zu
knnen, wren wir ziemlich berrascht.  Die erste berraschung liegt
in der Erkenntnis, da sich nachhaltige Vernderungen vollziehen, und
zwar von Arbeits- und Denkformen, die auf fundamentale Weise an
vergangene Erfahrungen geknpft sind, zu Bereichen der
Identittskonstituierung, die die Vergangenheit weder nachvollziehen
noch wiederholen.  Vielmehr leugnen solche neuen Erfahrungen die
Vergangenheit geradezu und machen sie relativ unbedeutend.  Wenn wir
uns von den Fesseln der Vergangenheit lsen, knnen wir erkennen, da
das in Texten ausgedrckte Wissen bisweilen unser Verstndnis der
Gegenwart einschrnkt, weil es ein Vorverstndnis von der Zukunft in
sich trgt, das neue, effektive Erfahrungen verhindert.  Die zweite
berraschung ergibt sich aus der Erkenntnis, da andere nicht
schriftkulturelle Mittel die menschliche Selbstkonstituierung viel
besser frdern und da diese neuen Mittel eine andere Grundstruktur
aufweisen.

"Ob wir es wollen oder nicht, die Naturwissenschaften stellen
vermutlich die grte intellektuelle Leistung des Menschen dar, und
jede Form von Erziehung, die diese Tatsache auer acht lt, verfehlt
in eben diesem Mae ihre Aufgaben."  Diese Auffassung Searles teilen
viele.  Nicht deutlich genug wird in diesem Zitat allerdings, da
sich die Naturwissenschaften eigentlich erst entwickeln konnten,
nachdem sie ihre der Sprache und Schriftkultur untergeordnete Rolle
berwunden hatten.  Die Mathematisierung von Naturwissenschaft und
Technik, die Konzentration auf computation, die Notwendigkeit, sich
auch den Design-Aspekten der menschlichen Ttigkeit zu widmen (etwa
innerhalb von Soziologie, Jura, Medizin usw.) gehren allesamt
alternativen Erklrungsformen an, die ein schriftkulturelles Denken
immer weniger leistungsfhig erscheinen lassen.  Sie erffnen damit
neue Horizonte fr die Forschung in Astronomie, Genetik und
Anthropologie.  Neben die kognitiven Fhigkeiten, die der neue
pragmatische Zusammenhang erfordert, treten metakognitive Fhigkeiten:
Dazu gehrt vor allem die Fhigkeit, sein eigenes Wissen und seine
eigene Lernfhigkeit in einer Welt der Vernderung, der Vielfalt, der
Arbeitsteilung, der vermittelten Arbeit, der weltweiten Verknpfung
und der Heterogenitt bestndig zu berprfen.

Wir wissen heute noch nicht genau, wie wir den Ausbildungsbedarf
formulieren und quantifizieren, welche Mittel und Kriterien fr die
Leistungsmessung wir heranziehen sollen.  Wenn wir lediglich einen
Respekt vor der Tradition, gute Manieren und eine allgemeine
Urteilsfhigkeit anstreben, dann beschrnken wir uns auf das
Persnlichkeitsideal der Vergangenheit.  Halten wir uns nur einmal
die enormen Kosten vor Augen.  In den Vereinigten Staaten werden von
Eltern, Schlern, aus privaten und ffentlichen Mitteln jhrlich ber
370 Milliarden Dollar fr das Bildungswesen aufgebracht.  Dahinter
verbergen sich neben den allgemeinen Kosten unzhlige spezielle
Ausbildungs- und Stipendienprogramme.  Aber wenn wir uns klarmachen,
da eine Gruppe von 25 Schlern bzw.  Studenten mit bis zu 250000
Dollar finanziert wird, dann geht in der Gleichung zwischen
Finanzierungsaufwand und Ausbildungsergebnis irgend etwas nicht auf,
dann ist das Ergebnis dieser Investitionen niederschmetternd.  Allein
die Tatsache, da bis zu einer Million Schler und Studierender
jhrlich Schule oder Studium abbrechen--die Zahl steigt und ist in
vielen anderen westlichen Lndern hnlich hoch--und da komplementre
Manahmen zur Eingliederung dieser jungen Menschen in den
Arbeitsmarkt weitere Finanzaufwendungen erfordern wrden, macht
deutlich, da mit unserem Bildungssystem nicht alles in Ordnung sein
kann.  In anderen Lndern sind die pro Kopf entstehenden
Ausbildungskosten und die Detailprobleme anders, aber die allgemeinen
Fragen und Unsicherheiten sind die gleichen.  In vielen Lndern
(Frankreich, Deutschland, Italien, einige Lnder in Osteuropa) dauert
die Schulzeit lnger als das, was man in den USA fr normal halten
wrde.  In Deutschland will die Diskussion ber die Dauer der
Schulzeit nicht enden.  Reichen zwlf oder dreizehn Schuljahre?  Wie
lange darf ein Student an einer deutschen Universitt eingeschrieben
sein?  Und mit der Vereinigung Deutschlands stellten sich neue
Probleme: eine ausreichende Zahl ausreichend qualifizierter Lehrer,
angemessene Ausstattung, Finanzierung der Schulen in den neuen
Bundeslndern.  In Japan dauert die Schulzeit zwar nur zwlf Jahre,
beinhaltet aber insgesamt mehr Schultage (230 Schultage jhrlich im
Vergleich zu 212 in Deutschland und 180 in den USA).  In Frankreich
ist sogar das Vorschulstadium staatlich reguliert, hier liegt die
Gesamtschulzeit bei 15 Jahren.  Dennoch beherrschen 40% aller
franzsischen Schler am Ende der Schulzeit ihre Sprache nicht
fehlerfrei.  Als Richelieu vor ungefhr 360 Jahren die Acadmie
Franaise als Hter der Sprache grndete, konnte er nicht ahnen, da
die Sprache ihre Bedeutung fr das Leben und die Arbeit der Menschen
verlieren wrde und da trotz des enormen finanziellen und zeitlichen
Aufwands fr den Unterricht nicht alle, die das Ausbildungssystem
durchlaufen, auch gebildet sein werden.

Der neue pragmatische Kontext braucht andere Erziehungs- und
Ausbildungsziele: das Erkennen von Beziehungen und Zusammenhngen in
einer sehr dynamischen Welt, die Fhigkeit zu hinterfragen und in
Frage zu stellen, den Umgang mit einer Komplexitt, die unsere
Lebenspraxis nachhaltig beeinflut und den Umgang mit einem Kontinuum
von Werten.  Studenten wissen heute aus eigener Erfahrung, da die
Sprache nicht zwangslufig auf Bestand und Universalitt angelegt ist;
vermutlich ist es fr viele ein Schock zu sehen, wie gut die groen
"illiteraten" Gruppen unserer Bevlkerung in die moderne Gesellschaft
eingebunden sind, wie sie funktionieren und gedeihen.  Ein groer
Teil derer, die aus welchen Grnden auch immer aus unserem
Ausbildungssystem herausgefallen sind, haben irgendwo im
Wirtschaftsleben der westlichen Lnder einen Platz gefunden.  Im
Alphabetismus des Konsums sind sie durchaus zu Hause und erfllen die
von ihnen erwartete Funktion des Konsumenten.


Viele Fragen

Die Industriegesellschaft als Vorlufer unseres heutigen
pragmatischen Lebensrahmens bentigte Schriftkultur und Bildung, um
die Maschinen optimal nutzen zu knnen und die krperliche und
geistige Leistungsfhigkeit derer, die sie betrieben, zu bewahren.
Das Ergebnis rechtfertigte die Hhe der Bildungsaufwendungen.  Ein
gut ausgebildeter Arbeiter, Arzt, Chemiker, Jurist, Geschftsmann
waren notwendige Voraussetzungen fr den reibungslosen Ablauf der
Industriegesellschaft.  Man mute wissen, wie eine Maschine zu
betreiben war.  In aller Regel war die Betriebsdauer einer Maschine
lnger als das Leben ihres Betreibers.  Daher war das bentigte
Wissen (Gesetze, medizinische Therapien, chemische Formeln) fest
umrissen und unterlag relativ geringen nderungen.  In der Regel
behielt ein Buch seine Gltigkeit fr Vater, Sohn und sogar Enkel.
Und was durch Schriftlichkeit nicht zu vermitteln war, wurde durch
beispielhaftes Handeln weitergegeben, in der Lehrlingsausbildung etwa,
von der die Technik enorm profitierte.  Das Bildungssystem brachte
gebildete Menschen hervor, und die Mitglieder der Gesellschaft waren
auf Beziehungen vorbereitet, ohne welche die Maschinen wenig oder
keinen Sinn machten.  Je komplexer diese Beziehungen wurden, desto
mehr Zeit mute fr Bildung und Erziehung aufgewendet werden und
desto hher mute die Qualifikation derer sein, die das
Ausbildungssystem trugen.

Fr diese Zwecke erfllte das Ausbildungssystem als Vermittler des
notwendigen Wissens seine Aufgabe, es fllte gewissermaen die leeren
Behlter, die von wohlhabenden Familien in die Schulen und
Universitten geschickt wurden.  Die Industriegesellschaft schuf die
Produkte und zugleich den zunehmenden Bedarf nach ihnen.  Einigen mag
diese Erklrung simplifizierend erscheinen, und sie knnten ihr
entgegenhalten, da die Industriellen ja keine ausgebildeten oder
gebildeten Arbeiter brauchten.  Die Tatsache, da ein groer Teil der
Arbeit von Kindern oder Frauen geleistet wurde, knnte dieses
Gegenargument untersttzen.  Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts
nahmen sie (mglicherweise unter dem Einflu eines religisen
Humanismus) die Kinder aus den Fabriken heraus und unterwiesen sie im
Lesen, um (wie es hie) ihre Seelen zu erheben.  Schlielich wurde
die Kinderarbeit auch durch entsprechende Gesetze verboten.  Aber als
dies geschah, hatte die Industrie bereits, was sie bentigte: eine
relativ gut ausgebildete Arbeiterklasse und eine hohe Produktivitt
der Beschftigten, die die verfgbare Ausbildung optimal nutzten.
Unter den entsprechenden pragmatischen Voraussetzungen erwies sich
ein ausgebildeter Arbeiter als eine gute Investition.

Im Gegensatz zu den vielen philanthropischen Motiven, die fr die
Entwicklung des Bildungssystems im 19. Jahrhundert angefhrt werden,
bin ich der Meinung, da die Industriegesellschaft zur optimalen
Ausnutzung ihres maschinellen Produktionspotentials den Bedarf fr
das, was sie produzierte, schaffen mute.  Die ersten Produkte der
Industriegesellschaft sind mithin die Arbeiter selbst, die ihre
krperlichen Merkmale und Fhigkeiten, vor allem aber solche
Fhigkeiten wie Verstehen, Interaktion und Koordination in die
maschinenbezogene Praxis hineinprojizierten.  Alle diese Merkmale
sind im brigen die Strukturmerkmale der Schriftkultur.

Die Industrieprodukte, die aus den qualitativ neuen Formen der
menschlichen Selbstkonstituierung hervorgingen, waren fr die
Illiteraten von geringem Interesse.  Was sollte man mit
Schreibmaschinen, Bchern und hnlichem Hausgert anfangen?  Wie
sollte jemand, der des Lesens und Schreibens nicht oder nicht
gengend kundig war, aus diesen Produkten ein befriedigendes Ergebnis
herausholen knne?  Und wie knnte eine Koordination mit anderen, die
solche Produkte verwendeten, stattfinden?  Natrlich waren die
Grenzen niemals so scharf gezogen.  Nichtgebildete Eltern hatten
gebildete Kinder, die das notwendige Wissen aus der Schule
mitbrachten.  Dieses allmhliche Durchsikkern von Bildung und
Schriftkultur gehrte vermutlich sogar zur allgemeinen Strategie.
Alles in allem aber war die philanthropische Frderung der Bildung
gleichbedeutend mit einer Investition in eine optimal funktionierende
Gesellschaft, deren Skala hocheffiziente Arbeitsebenen erforderlich
machte.  Es gibt durchaus eine philanthropische Motivierung fr die
Frderung von Bildung und Erziehung, und zwar als eine Form der
Verteilung des Reichtums.  Aber solche Frderung ergibt sich nicht
nur aus reiner Nchstenliebe, sondern auch aus dem klaren Vorteil,
den man aus dem zur Verfgung gestellten Geld, den gestifteten
Sachmitteln oder den Stiftungslehrsthlen zieht.

Unser Bildungssystem als Ergebnis der Schriftkultur hat niemals so
recht verstanden, da die Schriftkultur einem Entwicklungsstadium
entspricht, in dem Schriftsprache das Medium fr die gesprochene
Sprache war.  Es hat allerdings begriffen, da wir heute das
Gesprochene in nichtschriftlicher Form speichern knnen, und zwar
bisweilen effizienter als in der Schriftsprache und ohne die hohen
Aufwendungen, die fr die Pflege von Schriftkultur und Bildung
notwendig sind.  Ob mit oder ohne die Hilfe von Philanthropie, das
Lernen mu sich heute von der Schriftkultur und deren beengenden
Strukturen befreien, so wie es sich vormals von der Kirche befreit
hat.  Wenn sich aber dieses neue Bewutsein nur darin uert, da die
Universitten Videobnder anstelle von gedruckten Katalogen versenden,
dann fragt man sich, ob die fr die Erziehung Verantwortlichen oder
nur die Marktprofis die gegenwrtige Dynamik verstanden haben.  Das
Gleiche gilt fr die Professoren, die im Glauben, da Studenten
konserviertes Wissen leichter verinnerlichen, ihre Vorlesungen
inzwischen auf Videobndern anbieten.  Online-Vorlesungen
durchbrechen zwar die alten Gewohnheiten, sind aber keine
ausreichende Antwort auf unsere neuen Probleme, jedenfalls nicht,
solange sie nicht in ein allgemeineres Verstndnis von Bildung und
Ausbildung integriert sind, das neue Prioritten setzt und
angemessene Inhalte definiert.

Gegen die Verwendung neuer Medien in der Ausbildung ist berhaupt
nichts einzuwenden, aber das Speicher- und Vermittlungsmedium stellt
nicht das eigentliche Problem dar.  Medienlabors kmmern vor sich hin,
da sie die gleichen nutzlosen Informationen anbieten wie die
Unterrichtsformen, die sie eigentlich ersetzen und verbessern sollten.
Auch das zeigt uns, wie ntig eine grundstzliche Vernderung
unseres Systems wre.  Zu den fundamentalen Voraussetzungen des
derzeitigen Bildungssystems gehrt es z. B., da das Wissen von
Professoren--die mehr wissen sollen--an Studenten--die weniger wissen
knnen--weitervermittelt wird.  In Wirklichkeit aber sehen wir uns
mit einer vllig neuen und vernderten Wirklichkeit konfrontiert: In
manchen Bereichen wissen die Studenten heute mehr als ihre Lehrer.
Hinzu kommt, da das Wissen, das noch vor kurzer Zeit in einem Fach
relevant gewesen sein mag--ob in Geschichte, Politikwissenschaft oder
Wirtschaft, oder aber in den Fchern, die sich mit den Kulturen der
ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas befassen--mittlerweile veraltet
ist.  Physik, Mathematik und Chemie haben sich auf spektakulre Weise
verndert.  Die vorhandenen Lehrbcher und das sogenannte Wissen
einiger Professoren sind von der Wirklichkeit lngst berholt worden.

Sollte sich die heutige Ausbildung an den Nachrichtenmedien
orientieren?  Sollten die Bildungseinrichtungen zu einer
Internetadresse fr unbegrenztes und unstrukturiertes Browsing
werden?  Sollten Bildung und Ausbildung jegliche stabile Grundlage
aufgeben?  Oder sollten die Universitten nicht zumindest in
regelmigen Abstnden ihren Zuschnitt so berdenken, da sie die
neuesten Theorien, die neuesten Forschungstechniken und die neuesten
Erfindungen problemlos in ihre Curricula einbauen knnen?  Alle diese
Fragen drngen sich denen auf, die noch immer ein Wort nach dem
anderen schreiben und eine Frage nach der anderen beantworten.  Aber
wenn wir diese Fragen, auf die ich am Ende dieses Buches einige
Antworten zu geben versuche, nicht stellen, knnen wir keine Lsungen
erwarten.  Wenn sich alle, die fr unser Bildungssystem
verantwortlich sind, und alle, die von ihm in irgendeiner Weise
betroffen sind, diese und weitere Fragen stellen wrden, dann knnten
wir uns vielleicht auf angemessene Weise mit einem Problem befassen,
fr dessen Lsung es keine allumfassende Zauberformel geben kann.
Da dies geschieht, zeichnet sich mittlerweile allerdings in vielen
Teilen unserer Welt ab.  Endlich!


Eine Kompromiformel

Da in unserer Selbstkonstituierung die Schriftkultur nur noch eines
von vielen Medien fr die von der neuen Skala geforderte Effizienz
ist, begreifen wir allmhlich, da wir uns Schriftkultur und Bildung
nicht mehr in dem Mae leisten knnen, wie wir es bislang getan haben.
Und selbst wenn wir es knnten, sollten wir es nicht tun.
Allmhlich setzt sich die Erkenntnis durch, da die schriftkulturelle
Maschinerie, die wir merkwrdigerweise noch immer Erziehung oder
Bildung nennen, die nachwachsenden Generationen nur noch bedingt auf
das Leben vorbereitet.  Die Bildungsperspektiven stehen dabei in
permanentem Widerspruch zu den sich rasant verndernden menschlichen
Erfahrungen, durch die wir das werden, was wir sind.  Eine am
Paradigma der Schriftkultur orientierte Erziehung ist, wie wir
gesehen haben, ein Luxus geworden, den sich keine Gesellschaft, ob
reich oder arm, mehr leisten kann.  Die im Verlauf der Erziehung
erworbenen Fhigkeiten und die Perspektiven, die wir fr unser Leben
aus der Bildung beziehen, mssen heute als Zusammenhang betrachtet
und als eine niemals endgltig abgeschlossene Serie von
Ausbildungsschritten konzipiert werden.  Die Ntzlichkeit der
jeweiligen Ausbildung wird vermutlich zeitlich sehr begrenzt sein,
die aufeinanderfolgenden Ausbildungsabschnitte mglicherweise nicht
nahtlos auseinander hervorgehen.

Niemand wird die Bedeutung eines Sprachenstudiums ernsthaft in Frage
stellen, aber nur wenige sind willens, das Sprachenstudium oder das
Studium von Fchern, die auf einem Sprachenstudium basieren, als
Voraussetzung fr eine Serie von verschiedenen Berufsttigkeiten
anzusehen, denen die heutigen Studenten im Laufe ihres Lebens werden
nachgehen mssen.  Noch immer ist die gehobene Schulausbildung (also
etwa die Sekundarstufe 2 an deutschen Gymnasien) und ein groer Teil
des Universittsstudiums auf Sprachen und Geisteswissenschaften
ausgerichtet; niemand nimmt die offenkundige Verlagerung von diesen
Bereichen auf die Sprachen der Mathematik--die heute eine extrem
diversifizierte Wissenschaftsdisziplin geworden ist--und der
visuellen Darstellung zur Kenntnis und ist bereit, daraus die
entsprechenden curricularen Konsequenzen zu ziehen.  Die Mathematik
bereitet heute auf die Vielzahl der zukunftsweisenden Berufsfelder
vor, im Bereich der Technik und des Managements, der
Naturwissenschaft und Philosophie, des Designs und der Rechtsprechung.
Rechnen ist zuallererst eine Sprache, und Ziel jeder Erziehung
mte die flssige Beherrschung dieser Sprache sein.  Das Gleiche
gilt fr alle Bereiche, die mit Visualisierung zu tun haben: Zeichnen,
Computergraphik, Design.  Das Studium der visuellen Techniken und
Ausdrucksformen ist heute mindestens so wichtig wie das Studium
sprachbezogener Gegenstnde.

Vor diesem Hintergrund mu sich unser Bildungssystem neu definieren.
Vor allem mu das "Containermodell"--das Kind als leerer Container,
das mit Sprachen, Geschichte, Mathematik und leider nicht sehr viel
mehr angefllt wird--durch ein heuristisches Erziehungsmodell ersetzt
werden.  Wie die Pragmatik unseres Lebens mu auch die Pragmatik der
Bildung prozehaften Charakter gewinnen.  Sie mu zu Interaktion
fhig sein und zur Herausbildung von Kriterien, die die Wahl zwischen
zahlreichen Optionen erleichtern.  Manche Pdagogen verbrmen die
traditionellen Erziehungsmodelle mit neuen Begriffen, wenn sie die
vermeintlich neuen Erziehungsideale umschreiben als "Erziehung zum
Denken".  Studenten denken ohnehin, ob wir sie dazu erziehen oder
nicht!  Und heute stellen sich die Studenten besser auf die ihnen
bewuten Vernderungen und die daraus sich notwendig ergebenden
Interaktionsformen ein, auch auf Interaktionen mit Technologie, als
ihre Lehrer.  Die Mehrzahl der neuen jungen Unternehmen im Internet
geht aus diesen studentischen Kreisen hervor und ist auf deren
Erfindungsgeist und Hingabe zurckzufhren.  Interessanterweise sind
die Studierenden trotz der dargestellten Misere des Bildungssystems
zu den wesentlichen Betreibern der Vernderungen geworden.  Sie sind
oftmals ihre eigenen Erzieher und schaffen das Umfeld, in dem sie
ihre Erfahrungen weitervermitteln.


Kindheit

Niemand kann ernsthaft ber die Verbesserung von Bildungssystemen
nachdenken, ohne sich die tatschliche Situation eines Kindes zu
vergegenwrtigen.  In unserer heutigen durch Freiheit, Flchtigkeit
und fast grenzenlose Mobilitt gekennzeichneten Welt kommen immer
mehr Kinder aus Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil.
Viele Kinder unterliegen Umwelteinflssen, die durch Diskriminierung,
Armut, Vorurteil und Gewalt gekennzeichnet sind.  Auch diese Umstnde
charakterisieren eine Gesellschaft, die sich demokratischen Idealen
verschrieben hat.  Wir mssen einfach in Rechnung stellen, da die
Erziehung und Ausbildung von Kindern zunehmend von der Familie auf
Institutionen bergeht, die eine erzogene oder ausgebildete Person
produzieren.  Die Gesellschaft hat aus den allerbesten Motiven heraus
Fabriken fr die Bearbeitung (im Sinne von processing) von Kindern
geschaffen.  Viele Menschen bertragen ihre eigene persnliche
Erziehungsverantwortung nicht ungern auf diese sozio-pdagogischen
Einrichtungen, die nach dem Prinzip handeln: "Alles ist in Ordnung,
wenn die Kinder wie ihre Eltern erzogen werden."

Obwohl wir wissen, da die Zyklen unseres Lebens (der Produktion, des
Designs, der Evaluierung) immer krzer werden, halten wir unsere
Kinder so lange in den Ausbildungsgngen fest, da sie nicht mehr auf
die Sthle in den Klassenrumen passen.  Und diese Erwachsenen,
voller Energie und voller Frustration darber, da nicht ihre
kreative Leistungsfhigkeit, sondern ihre Geduld einer Prfung
unterzogen wird, geben ein armseliges Bild ab.  Jemand, der heute die
Schule oder die Universitt vorzeitig verlt, beweist nicht
unbedingt geistige Unreife.  Der Anspruch der Gesellschaft, auch fr
die nachwachsenden Generationen zu bestimmen, was fr deren Zukunft
das Beste ist, fhrt zur Festlegung auf einen einzigen Ausbildungstyp
und ein bestimmtes Erziehungsideal.  Noch immer weigert sich die
Gesellschaft anzuerkennen, da die Menschen ein vielfltiges
Leistungspotential aufweisen, das in ebenso vielfltigen
Erziehungsidealen zum Ausdruck kommen mte.  Mglicherweise sind die
hohen Abbruchquoten nur ein Anzeichen dafr, da die Ausbildungswege
fr viele Leistungsprofile unangemessen sind und die Dauer der
Ausbildung insgesamt viel zu lang ist.

Ein Bildungsumfeld, das durch Flexibilitt und neue Herausforderungen
gekennzeichnet ist, zahlt sich auf lange Sicht vermutlich aus.
Dennoch ist die Situation fr die heutige junge Generation nicht
einfach.  Der Leistungsdruck, die starke Konkurrenz, der jugendliche
Drang nach Neuem und die Suche nach einem Platz in der Welt knnen
das Leben eines jungen Menschen schlagartig verndern.  Auch ist im
Gegensatz zu frheren Generationen der Weg zwischen Paradies (einem
sorgenfreien Leben mit vielen Wahlmglichkeiten) und Hlle (dem
ganzen Spektrum von Krankheiten, Sucht und Abhngigkeit, Einsamkeit,
Enttuschung, Orientierungslosigkeit) heute zu einer schmalen
Gratwanderung geworden.  Ebenso knnen die vielfltigen Mglichkeiten,
zwischen denen junge Menschen whlen knnen--Hunderte von
Fernsehkanlen, das Internet, Tausende von Musiktiteln (auf CD, Video
oder im Radio), Verlockungen von Sport, Drogen, Sex und Hunderten von
modischen Firmenmarken--zu einem Alptraum werden.  Die Schriftkultur
hatte das Leben ordentlich durchorganisiert.  War man verliebt, war
Romeo und Julia die richtige Lektre.  Wollte man nach Griechenland
fahren, begann man mit den Homerischen Epen und ergnzte sie durch
den Roman eines zeitgenssischen Schriftstellers.

Drogen und AIDS, Millionen von Verlockungen, der Zwang, seinen
eigenen Raum in einer weniger stabilen und auch ungeduldigeren Welt
zu finden, passen indes nicht mehr in das ordentliche Schema einer
schriftkulturell strukturierten Welt.  Die Sprache der Genetik und
die Sprache der Persnlichkeitsentfaltung haben heute bessere und
andere Artikulationsmglichkeiten.  Helden, Eltern, Lehrer, Priester
und Aktivisten fungieren nicht mehr fraglos als sinngebende Ikonen,
selbst wenn sie in den Darstellungen besser wegkommen, als sie in
Wirklichkeit sind.

Dennoch besuchen viele junge Menschen voller Enthusiasmus und
Hoffnung auf eine gute Ausbildung und Selbsterfllung die Schulen und
Universitten.  Aber was heute mit groem zeitlichen Aufwand und
unter groen finanziellen Opfern gelernt wird, hat nur wenig mit dem
zu tun, was die sptere Berufswelt von ihnen verlangt.  Sie lernen
schreiben, lesen und rechnen und mssen erfahren, da im wirklichen
Leben ganz andere Fhigkeiten gefragt sind.  Eine schlimmere
Erfahrung kann es kaum geben als die, da jahrelanger Flei sich
schlielich doch nicht auszahlt.  Wir knnen nicht beides
gleichzeitig haben, traditionelle Bildung und die dazugehrige
Schriftkultur einerseits und andererseits Berufsqualifikationen, die
auf der Grundlage von Schriftkultur und Bildung nicht nur nicht zu
erwerben sind, sondern von ihr geradezu verhindert werden.  Die
gegenwrtige Situation ist mithin durch einen Kompromi
gekennzeichnet: zwischen den Interessen von traditionellen
Bildungsinstitutionen (und Abertausenden von Lehrern, die arbeitslos
wrden) und einem neuen pragmatischen Handlungsrahmen, den nur wenige
Vertreter der akademischen Welt wirklich verstehen.

Ein wichtiges Element dieser Kompromiformel besteht darin, da wir
die Ausbildung auf einer mglichst kontinuierlicher Grundlage fr
alle ffnen.  Aber wir werden nur unbefriedigende Ergebnisse erzielen,
wenn wir sie nicht auf die Vielfalt von Bildungsformen und
Literalitten ausrichten.  Die Vielfalt der heutigen Lebenspraxis
macht es erforderlich, da wir verschiedene Kreativittstypen
anerkennen, die notwendigen Ausbildungsgnge fr sie schaffen und zu
einem integrierten Bildungsangebot finden.  Vor allem aber mssen wir
Weiterbildungsmanahmen treffen.  Gerade sie gehren zum wesentlichen
Bestandteil jener gegenseitigen Verpflichtungen, durch die unsere
neue Lebenspraxis anerkannt wird.

Denen, die sich den menschlichen Aspekten von Politik, Geschftsleben,
Recht und Medizin verpflichtet fhlen und die darber klagen, da
die Techniker der politischen Entscheidungsprozesse nicht mehr den
Weg zu den Herzen der Menschen finden, mag dies als eine
Schreckensvision erscheinen.  Wir alle verfolgen ein Ideal von
Individualitt, das uns durch persnliche Wrde, durch eigene
Persnlichkeitsmerkmale, berzeugungen, Emotionen und Schmerzen von
anderen unterscheidet.  Aber wir selbst unterminieren unsere
Erwartungen, indem wir immer mehr fr immer weniger Geld verlangen
und nicht einmal den Preis zu zahlen bereit sind, den die
Gesellschaft aufwenden mu, um uns zu dieser Individualitt zu
verhelfen.  Unsere derzeitige Skala ntigt uns Anonymitt, vermutlich
auch Mediokritt auf.  Es ist Zeit, da wir uns von den in der
Schriftkultur festgeschriebenen Erwartungen lsen, denn diese haben
keinen Bezug mehr zu unserer neuen Pragmatik.

Ein Kompromi zwischen den alten Bildungsformen und den neuen
Bedrfnissen sieht oft so aus, da wir die traditionellen
Bildungswege und Bildungsinhalte um neue Teilbereiche aus den
vielfltigen partiellen Literalitten ergnzen.  Das macht dann aus
unserem Bildungssystem eine Art Verpackungsindustrie fr Menschen:
Man whlt den Verarbeitungstyp, dem man sich unterwerfen mchte,
bekommt ein allgemeines schriftkulturelles Alibi und darber hinaus
eine zustzliche berufsbezogene Ausbildung fr sogenannte
Eingangsstufenjobs.

Die Parameter, nach denen sich dieser Wirtschaftszweig zur
Verarbeitung nachwachsender Generationen richtet, ergeben sich aus
der opportunistischen Suche nach einem Platz irgendwo zwischen der
akademischen Welt und der Wirklichkeit.  Analog zur allgemeinen
Arbeitsteilung auf dem Berufsmarkt haben sich auch im
Wissenschaftsbereich sehr enge Bereiche herauskristallisiert, in
denen die jeweils wissenschaftliche Expertise erworben werden kann;
das schlgt sich in den Strukturen der Ausbildungssttten nieder,
ohne da allerdings die knstliche Distanz zur Wirklichkeit und der
dort erwarteten Effizienz berbrckt wird.  Die akademische Welt geht
nur selten Verpflichtungen gegenber ihren Absolventen ein.
Entsprechend tief ist die Kluft zwischen ihrer Sprache und den
Sprachen der gegenwrtigen Lebenspraxis.  Der Beamtenstatus bzw. die
lebenslange Anstellung von Hochschullehrern trgt zur Verkrustung
dieser Strukturen bei.  Und wenn das hchste Ziel eines angesehenen
Professors darin liegt, von seiner Lehrverpflichtung befreit zu
werden, dann kann irgend etwas nicht mehr stimmen mit der Freiheit,
die wir den Professoren zur Ausbung ihrer Ttigkeit einrumen.

Hufig spiegeln auch die Prfungsstrukturen diese Misere wider.  Die
in den Vereinigten Staaten weitverbreiteten Testverfahren zur
Leistungsberprfung von Studierenden grnden auf einer Dichotomie,
die den Studenten dazu anleitet, auf bestimmte Fragen zu reagieren,
statt ihn in seiner kreativen Leistungsfhigkeit zu frdern.  Also
werden--auch in den Erwartungen der Studierenden--Lehre und Lernen
auf das Abschluexamen abgestellt, nicht auf den Gegenstand.  Kein
Wunder, da die wirklich guten Studenten frustriert sind und das
Gefhl haben, sich nicht entfalten zu knnen.  Die kreative Neugier,
die mit 14 Jahren noch gut ausgebildet war, wird durch die
brokratischen Tests eher abgestumpft, die im brigen meist nur wegen
ihrer niedrigen Kosten durchgefhrt werden.  Dennoch wirken sie sich
nachhaltig auf die Strukturen der Lehre und des Lernens aus.  Die
eigentlichen Schlsselaktivitten--sich auf neue Situationen
einstellen zu knnen und sie kreativ vorherzusehen--werden indes
durch solche Strukturen konterkariert.

Die geringste Lehrqualitt findet sich heute im Grundstudium der
Universitt, welches weitgehend von Assistenten und Lehrpersonen
vergleichbaren Status durchgefhrt wird, whrend die Professoren
ihre Zeit darauf verwenden, Drittmittel fr ihre Forschung anzuwerben.
Auch diese Tatsache ist darauf zurckzufhren, da wir bislang
weder willens noch in der Lage waren, unsere Bildungsstrukturen an
die neuen Lebensumstnde anzupassen, die einen von uns selbst
verursachten Bedarf an erhhter Effizienz beinhalten.  Im brigen
trgt auch die alleinige Orientierung an den Abschluzensuren als
Leistungsindikator zur Beibehaltung der Unterrichtsstrukturen bei.
Denn damit wird gerade das, was die Qualitt der Ausbildung negativ
beeinflut, zum einzigen Mastab gemacht.  Es ist daher wohl kein
Zufall, da das in den Vereinigten Staaten am meisten nachgefragte
Buch ber die Universitten--die heutigen Erziehungsfabriken--eine
Anleitung zum erfolgreichen Tuschen in Prfungen ist.

In den vergangenen Jahren hat man verschiedentlich die
Bildungssysteme der Vereinigten Staaten und Japans oder
westeuropischer Lnder und die jeweiligen Absolventenleistungen
miteinander verglichen.  Dabei traten einige bemerkenswerte
Erkenntnisse zutage.  So verbringen die japanischen Studierenden etwa
genausoviel Zeit vor dem Fernsehapparat wie die amerikanischen
Studenten, hingegen wird unterschiedlich viel Zeit fr die Lektre
aufgebracht.  Japaner lesen doppelt soviel wie amerikanische
Studenten, Japaner verwenden auch etwa die doppelte Zeit fr ihre
Vor- und Nachbereitung zu Hause, entsprechend weniger Zeit steht fr
Unterhaltung zur Verfgung.  Ist also Japan ein Modell fr unser
Bildungssystem?  Wenn wir uns vergegenwrtigen, da japanische
Studierende bei allen naturwissenschaftlichen Tests hervorragend
abschneiden, mte die Antwort positiv ausfallen.  Wenn wir aber die
allgemeine Leistungsfhigkeit, das kreative Potential, vergleichen,
ist die Lage schon etwas zurckhaltender zu beurteilen und erklrt
teilweise die Japankrise.  Bei allen Nachteilen zeigt sich nmlich,
da die Studierenden in den Vereinigten Staaten auf die pragmatischen
Erfordernisse der Berufswelt besser vorbereitet werden.  Das mag an
der Dynamik des Landes, nicht unbedingt am Bildungssystem liegen.
Insgesamt gilt doch wohl, da die relative Freiheit von Regulierungen,
die Fhigkeit, sich an vernderte Situationen anzupassen, und die
Innovationsbereitschaft die Vereinigten Staaten flexibler machen fr
die Bildungsmglichkeiten, die sich uns heute bieten.

Der Preis, den die Vereinigten Staaten fr den Bildungskompromi zu
zahlen haben, ist allerdings sehr hoch.  Als japanische Unternehmen
damit begannen, die ersten amerikanischen Universitten aufzukaufen
und damit vor dem Bankrott zu retten, wurde die Hhe dieses Preises
allen deutlich.  Die amerikanischen Universitten konnten auf diese
Weise der Rigiditt ihres eigenen Bildungssystems entgehen, welches
anerkanntermaen am wenigsten geeignet war, sich auf diese vernderte
Dynamik einzustellen.  Urpltzlich wurde die weltweite
Amerikanisierung durch eine Japanisierung ersetzt.  Doch bei
genauerem Hinsehen erweist sich wohl auch hier, da Japan versucht,
sich von den drastischen Anforderungen einer Schriftkultur zu
befreien, die innerhalb des traditionellen japanischen Wertesystems
die notwendige Anpassung an die neue Zeit nachhaltig behindert.
Natrlich ist mangels ausreichender Kenntnisse des japanischen
Bildungssystems bei solchen Beurteilungen Vorsicht geboten, dennoch
zeichnet sich ein entsprechender Trend ab.  Die Folgen dieses Trends
sind selbstredend.


Welche Alternativen?

Bevor wir uns mit Alternativen beschftigen, sollten wir uns
vergegenwrtigen, da wir mit den gegebenen technischen Mglichkeiten
jede Information und jeden Informationstyp an jede denkbare Adresse
vermitteln knnen.  Im Gegensatz zur global agierenden Wirtschaft und
der Vernetzung von Geschften und Mrkten fhren unsere Schulen und
Universitten inhaltlich und organisatorisch ein Leben jenseits der
Wirklichkeit; sie sind fast so anachronistisch wie die Schlsser und
Palste, die wir heute mit der Macht und den Aufgaben des Adels
assoziieren, bzw. so anachronistisch, wie heute die riesigen
Stahlfabriken als Sinnbild fr Industrie oder die Stdte als Sinnbild
fr gesellschaftliches Leben.  Fr die Aufrechterhaltung ausgedienter
Strukturen und Haltungen und fr Investitionen in feudale
Universittsstrukturen gibt es keine Rechtfertigung mehr.  Statt
dessen mssen wir unser Augenmerk auf die Dynamik individueller
Selbstkonstituierung und auf den pragmatischen Horizont unserer aller
Zukunft legen.

Das alte Bildungssystem in den Vereinigten Staaten oder irgendwo
anders auf der Welt zu reformieren und auszubauen wrde mehr kosten,
als ein neues aufzubauen.  In einem solchen neuen Bildungssystem
mte ein angemessenes Klima und mten angemessene Strukturen fr
Interaktionen geschaffen werden, die die Fortschritte in den
Kommunikationstechnologien und im interaktiven Lernen in vollem
Umfang nutzen.  Dafr mssen wir gar nicht das Internet oder das
World Wide Web idealisieren.  Aber wenn unsere Zukunft zunehmend
durch kommerzielle Erwartungen und weniger durch pdagogische
Bedrfnisse bestimmt wird, dann sollte sich niemand berrascht zeigen,
wenn das erzieherische Potential der pdagogischen Bedrfnisse erst
spt Frchte trgt.

Menschen bringen unterschiedliche Begabungen mit und entwickeln sich
daher mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in verschiedene
Richtungen.  Die Unterschiede zwischen jedem Einzelnen von uns sind
so gro, da die Hauptaufgabe der Erziehung nicht darin bestehen kann,
aufgrund eines falschen Demokratieverstndnisses Unterschiede
einzuebnen, sondern sie vielmehr zu betonen und zu verstrken.  Nur
dies gibt einem Jedem die Chance, sich gem seiner eigenen
Mglichkeiten zu entwickeln.  Die Inhalte unserer Erziehung und
Bildung, welche wir als einen immerwhrenden Proze auffassen sollten,
mssen die menschliche Erfahrung und die Mittel sein, diese
Erfahrung zu schaffen und zu verstehen.  An die Stelle der einen
beherrschenden Sprache mit den ihr eingebauten Erwartungen, welche
der Mehrheit der Studenten zunehmend als weltfremd erscheinen, mu
die Fhigkeit treten, mit vielen unterschiedlichen Zeichensystemen,
mit vielen Sprachen umzugehen, sich in ihnen auszudrcken, sie an die
jeweiligen Umstnde anzupassen und darauf anzuwenden und diese
Erfahrung mit anderen zu teilen.  Nun knnte man dem entgegenhalten,
da man das vor nicht allzu langer Zeit mit der modernen Mathematik
versucht hat, mit dem Ergebnis, da niemand die moderne Mathematik
verstanden hat und gleichzeitig die Kenntnisse in der traditionellen
Mathematik zurckgegangen sind.  Darin liegt gewi etwas Wahres.
Richtig aber ist, da die mathematisch begabten Schler keine
Probleme mit der neuen Mathematik hatten.  Nur diejenigen, die unter
dem Einflu schriftkulturellen Denkens standen, hatten mit Problemen
zu kmpfen.  Ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu knnen, ist doch
das Grundbedrfnis klar: Wir mssen den Geist offen halten, soviel
Wissen wie mglich akkumulieren, aber uns auch von nutzlosem Ballast
trennen knnen, sofern neue Erfahrungen eine ffnung fr neue Inhalte
und eine Loslsung von Althergebrachtem verlangen.  Einige Studenten
werden sich (in der Mathematik und in verwandten Fchern) vornehmlich
auf visuelle Zeichensysteme konzentrieren, andere auf Laute und
Klnge, wieder andere auf Wrter, auf Rhythmen oder auf irgendeine
der Formen, in denen sich menschliche Intelligenz ausdrckt.  Die
interaktiven Multimedien sind nur einige der verfgbaren Medien.
Andere Mglichkeiten zeichnen sich ab.  Das Gleiche gilt fr das
Internet.  Wir brauchen einen allgemeinen Rahmen, in dem sich jeder
Einzelne nach seinen individuellen Bedrfnissen die Lernangebote
auswhlt und sie in dem Mae verfolgt, wie seine eigene Lebens- und
Berufspraxis dies erfordert und anerkennt.  Dafr reicht
Schriftkultur und schriftkulturelle Bildung lngst nicht mehr aus.
Hinzutreten mssen mathematische Bildung, biologische, chemische,
technische Literalitt, ebenso wie das visuelle Denken und der
visuelle Ausdruck.  Entscheidend wird auch die Verknpfung zwischen
solchen Fchern werden, die traditionellerweise ein isoliertes Dasein
fhrten.  In dieser interdisziplinren Verknpfung liegt ein enormes
Kreativittspotential.

Die atomistische Betreibung isolierter Unterrichtsgegenstnde mu
einer ganzheitlichen Perspektive weichen, die die einzelnen Fcher
zur Totalitt der Wirklichkeit und damit zueinander in Beziehung
bringt.  Effektive Instrumente der Vermittlung zwischen diesen
einzelnen Bereichen wird die Effizienz der Arbeit erhhen, die
notwendige Integration bewerkstelligen und zwischen den
arbeitsteiligen Wissensformen unserer praktischen Erfahrungen
vermitteln.  Im Zentrum unserer Bildungserfahrungen mu die
Zusammenarbeit stehen, die sich an gemeinsamen Interessens- und
Erfahrungsbereichen zu bewhren hat.  Erziehung und Bildung mssen
darauf abzielen, solche Erfahrungen auszutauschen und zu teilen.
Gemeinsames kollaboratives Lernen kann die Vielfalt unterschiedlicher
Interessen zu einem Brennpunkt vereinen.  Dieser Ansatz weist viele
Dimensionen auf: das gemeinsam gesuchte Wissen, die Erfahrung von der
Vielfalt der Perspektiven und Anwendungen, das Bewutsein von
Interaktion, die Fhigkeiten zur Interkommunikation und vieles mehr.
Die nach wie vor entscheidende Motivation fr individuelle Leistung
und individuellen Lohn wird ergnzt durch die kollaborative Erfahrung
des gemeinsamen effizienten Strebens nach Leistung und Erkenntnis.
In einer Zeit, in der die Begrenztheit der Ressourcen offenkundig
wird und die Erwartungen dennoch exponentiell ansteigen, sind solche
Erziehungsformen lebenswichtig.  Dieses neue Bildungsmodell, das
Individualitt und Differenz in die kollaborative Erfahrung einbindet,
wrde im brigen einen neuen ethischen Rahmen schaffen, den wir
heute dringend bentigen.  Darin wre Konkurrenz keineswegs
ausgeschlossen, aber an die Stelle des Konfliktes--der sich heute
darin uert, da Studenten Seiten aus den Lehrbchern herausreien,
damit ihre Kommilitonen benachteiligt sind--knnte ein allgemeines
Klima der Kooperation zum gegenseitigen Vorteil treten.  Wie weit
sind wir von diesem Ziel entfernt?

Jacques Barzun, ganz gewi ein Verfechter schriftkultureller Bildung,
hat unserem Ausbildungssystem vorgehalten, da es "natrliche
Intelligenz nicht ausreichend" entwickele: "Wir wollten den idealen
Brger, den toleranten Nachbarn, das Engagement fr den weltweiten
Frieden, heile Familien mit glcklichen Familienmitgliedern schaffen,
die im Sexual- und im Autoverkehr gleichermaen erfahren sind."
Daran ist natrlich berhaupt nichts auszusetzen, aber als
Erziehungsziele gehen sie doch am Wesentlichen vorbei.
Brgerlichkeit bedeutet in der heutigen Gesellschaft etwas anderes
als frher.  Toleranz mu sich heute auf eine andere Weise als frher
zeigen, z. B. in der Anerkennung und Integration von Alteritt und
Komplementaritt.  Ja, und auch Frieden bedeutet heute angesichts der
vielen lokalen Konfliktherde berall auf der Welt etwas anderes.  Und
was Familie, Sexualitt und Autokultur betrifft, so drfte hier
unsere Erziehung am deutlichsten versagt haben.  Die Faktoren, die
das zeitgenssische Familienleben ausmachen, finden in unseren
Bildungsangeboten kaum Beachtung.  Mit der Sexualitt steht es nicht
besser.  Auf die Degradierung der Sexualbeziehungen hat unser
Bildungssystem keine bessere Antwort zu bieten als die kostenlose
Verteilung von Kondomen an den Schulen, was dann groartig
Sexualerziehung genannt wird.  Und die versierten Autofahrer haben
offenbar niemals die kritischen Stimmen gehrt, die sich ber die
Energieverschwendung Gedanken machen.  Mit Wohlwollen betrachten wir,
wie viele Schler und Studenten mit eigenen Autos oder den Autos
ihrer Eltern zur Schule oder zur Universitt fahren, statt zu
begreifen, da auch die Ausbildung dezentralisiert werden und--warum
denn nicht--die heutigen Mglichkeiten der Kommunikation und
Interaktion besser genutzt werden mten.  Die jugendlichen Anhnger
der Grnen, die sich heute gegen den Energieverbrauch stark machen,
sind vermutlich dem Erziehungssystem weit voraus, mssen es aber
dennoch durchlaufen.  Und schlielich mte unsere Erziehung auch die
anderen Vernderungen zur Kenntnis nehmen, die mit dem Ende der
Schriftkultur einhergehen, die Vernderungen im Status der Familie,
der Religion, der Rechtsprechung und des Regierungssystems.

Erziehung und Bildung werden unverndert auf den brgerlichen Status
des Individuums bezogen bleiben, aber die neuen Bedingungen fr die
Ttigkeit unseres Verstandes drfen dabei nicht auer acht gelassen
werden.  Im Idealfall tragen Bildung und Erziehung allen Facetten des
menschlichen Daseins Rechnung.  Die neuen Bedingungen der allgemeinen
Verknpfung verndern das Paradigma der Weiterbildung zu einem
Paradigma der niemals endenden, fortlaufenden Bildung, die den
anhaltenden Vernderungen in unserer Erfahrung unter immer
komplexeren Umstnden entspricht.  Es knnte durchaus sein, da wir
fr einige dieser Erfahrungen auf die Werte zurckgreifen mssen, die
die Schriftkultur gekennzeichnet haben.  Aber es ist allemal besser,
sie neu zu entdecken, als das Ideal der Schriftkultur fraglos zu
verteidigen, wenn sich neue Perspektiven und neue Erfahrungen
abzeichnen, die viel, sehr viel mehr als nur Schriftkultur,
Schriftlichkeit und Bildung verlangen.



Literaturhinweise


Edwin A. Abbot.  Flatland.  A Romance of Many Dimensions.  By a
Square.  Sybil de Acevedo.  Auguste Comte: Qui tes-vous?  Lyons: La
Manufacture, 1988.

Ansel Easton Adams.  Polaroid Land Photography. 1st edition, revised.
Boston: New York Graphic Society, 1978.

Craig E. Aronoff, Editor.  Business and the Media.  Santa Monica CA:
Goodyear Publishing Corp., 1979.

Isaac Asimov.  Asimovs Biographical Encyclopedia of Science and
Technology.  The Lives and Achievements of 1195 Great Scientists from
Ancient Times to the Present.  Garden City NY: Doubleday, 1972.

William Aspray and Arthur Burks, Editors.  Papers of John von Neumann
on Computing and Computer Theory.  Cambridge MA: MIT Press; Los
Angeles: Tomash Publishers, 1987. Charles Babbage Institute Reprint
Series for the History of Computing, vol. 12.

Jackson E. Atlee.  Perspectives of Non-Linear Dynamics.
Cambridge/New York: Cambridge University Press, 1990.

Fred R. Barnard.  One look is worth a thousand words, in Printers
Ink, 1921.

Roland Barthes.  Leon., Paris: Editions du Seuil, 1978.

Jacques Barzun.  The Forgotten Conditions of Teaching and Learning
(Morris Philipson, Editor).  Chicago: The University of Chicago Press,
1991.

Jean Baudrillard.  Simulations.  Trans.  Paul Foss, Paul Patton,
Philip Beitchman.  New York: Semiotext(e), 1983.

Baudrillard.  Amrique.  Paris: Grasset, 1986.

Baudrillard.  America.  Chris Turner, London/New York: Verso, 1988.

Gerd Baumann, Editor.  The Written Word: Literacy in Transition.  New
York: Oxford University Press, 1986.

Frank E. Beaver.  On Film: A History of the Motion Picture.  New York:
McGraw Hill, 1983.

Red.  B. Beier, U. Heckel, G. Richter. 9 November 1989: Der Tag der
Deutschen.  Hamburg: Carlsen, 1989.

Catherine Bell.  Ritual Theory, Ritual Practice.  New York: Oxford
University Press, 1992.

Peter S. Bellwood.  Prehistory in the Indo-Malaysian Archipelago.
Orlando FL: Academic Press, 1985.

Peter Bellwood.  The Austronesian Dispersal and the Origin of
Languages, in Scientific American, July, 1991, pp. 88-93.

John W. Bender, Editor.  The Current State of the Coherence Theory.
Critical Essays on the Epistemic Theories of Keith Lehrer and
Laurence Bon Jour, with Replies.  Dordrecht/Boston: Kluwer Academic
Publishers, 1989.

Gottfried Benn.  Smtliche Werke.  (Gerhard Schuster, Editor). vols.
3-5 (Prosa).  Stuttgart: Klett Cotta, 1986.

Isaiah Berlin.  The Crooked Timber of Humanity.  Chapters in the
History of Ideas.  London: John Murray, 1990.

Derek Bickerton, Language and Species.  Chicago/London: University of
Chicago Press, 1990.

Bernard Bischoff.  Elementarunterricht und probationes pennae in der
ersten Hlfte des Mittelalters, in Mittelalterliche Studien I, 1966,
pp. 74-87.

Alan Bloom.  The Closing of the American Mind.  How Education Has
Failed Democracy and Impoverished the Souls of Todays Students.  New
York: Simon and Schuster. 1987 Franz Boas.  Race, Language and
Culture. 1940. rpt.  Chicago: University of Chicago Press, 1982.

J. David Bolter.  Turings Man: Western Culture in the Computer Age.
Chapel Hill: University of North Carolina Press, 1984.

Raymond Bondon, in Logique du social (translated by David and Gillian
Silverman as The Logic of Social Action: An Introduction to
Sociological Analysis, London/Boston: Routledge & Kegan Paul, 1981).

John Borneman.  After the Wall: East Meets West in the New Berlin.
New York: Basic Books, 1991.

Darrell Bott.  Maintaining Language Proficiency, in Military
Intelligence, 21, 1995, p. 12.

Labib Boutrous.  Phoenician Sport: Its Influence on the Origin of the
Olympic Games.  Amsterdam: J. C. Gieben, 1981.

James Bowen.  A History of Western Education. 3 vols.  London:
Methuen, 19721981.

Katharine L. Bradbury.  Urban Decline and the Future of American
Cities.  Washington DC: Brookings Institution, 1982.

Keith Branigan.  The Tombs of Mesara: a Study of Funerary
Architecture and Ritual in Southern Crete, 2800-1700 B.C. London:
Duckworth, 1970.

R. Brasch.  How Did Sports Begin?  A Look at the Origins of Man at
Play.  New York: David McKay Comp., 1970.

Edward Brent (writing as Earl Babble).  Electronic Communication and
Sociology: Looking Backward, Thinking Ahead, in American Sociologist,
27, Apr. 1, 1996, pp. 4-24.

Linus Pierpont Brockett.  History and Progress of Education from the
Earliest Times to the Present.  New York: A.S. Barnes, 1860.

John Brockman.  The Third Culture: Beyond the Scientific Revolution.
New York: Simon & Schuster, 1995.

Gail Buckland.  Fox Talbot and the Invention of Photography.  Boston:
D. R. Godine, 1980.

Alan Bundy, The Computer Modelling of Mathematical Reasoning.  New
York: Academic Press, 1983.

Titus Burckhardt.  Alchemie, Sinn und Weltbild.  London: Stuart &
Watkins, 1967.

Translated as Alchemy.  Science of the Cosmos, Science of the Soul,
by William Stoddart.  Longmead/Shaftesbury/Dorest: Element Books,
1986.

Vannevar Bush.  As We May Think, in The Atlantic Monthly, CLXXVI,
July, December, 1945, pp. 101-108.

Karl W. Butzer.  Early Hydraulic Civilization in Egypt: a Study in
Cultural Ecology.  Chicago: University of Chicago Press, 1976.

Roger Caillois.  Structure et classification des jeux, in Diogne, 12,
1955. pp. 72-88. N. P. Cambell.  Foundations of Science (1919).  New
York: Dover, 1957.

Luciano Canepari.  Linternazione linguistica e paralinguistica,
Napoli: Liguori, 1985. Edmund Carpenter.  They Became What They
Beheld.  New York: Outerbridge and Dienstfrey/Ballantine, 1970.

J. H. Cassing and S. L. Husted, Editors.  Capital, Technology, and
Labor in the New Global Economy.  Washington DC: American Enterprise
Institute for Public Policy Research, 1988.

Richard Cavendish.  A History of Magic.  London: Weidenfeld &
Nicholson, 1977.

CD-ROM, 2 volumes.  Redmond WA: Microsoft Press (distributed to the
book trade in the USA by Harper and Row), 1986-1987. vol. 1, The New
Papyrus, edited by Steve Lambert and Suzanne Ropiequet. vol. 2,
Optical Publishing.  A Practical Approach to Developing CD-ROM
Applications, edited by Suzanne Ropiequet, John Einberger, and Bill
Zoellick.

R. Chackerian, G. Abcarian.  Bureaucratic Power in Society.  Chicago:
Nelson Hall, Inc., 1984.

Alfred D. Chandler, Jr. (with the assistance of Takashi Hikino) Scale
and Scope.  The Dynamics of Industrial Capitalism.  Cambridge
MA/London, England: The Belknap Press of Harvard University Press,
1990.

Gary Chapman.  Time to Cast Aside Political Apathy in Favor of
Creating a New Vision for America, in Los Angeles Times, Aug. 19,
1996, p.  D3.

Warren Chappel.  A Short History of the Printed Word.  New York:
Knopf, 1970.

Franois Cheng.  Chinese Poetic Writing.  Bloomington: Indiana
University Press, 1982.

Gordon V. Childe.  The Bronze Age.  New York: Biblio and Tannen, 1969.

Noam Chomsky.  The distinction between competence and performance in
Aspects of the Theory of Syntax.  Cambridge MA: MIT Press, 1965.

Colin Clair.  A History of European Printing.  New York: Academic
Press, 1976. David Clark.  Urban Decline.  London/New York: Routledge,
1989.

John Clark.  For Richer or Poorer: An Oxfam Report on Western
Connections with World Hunger.  Oxford: Oxfam, 1986.

J. N. Coldstream.  The Formation of the Greek Polis: Aristotle and
Archaeology.  Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984.

Paul A. Colinvaux.  Ecology.  New York: Wiley, 1986.

Henry Steele Commager.  The American Mind.  New Haven: Yale
University Press, 1950.

J. C. Cooper.  Chinese Alchemy.  The Taoist Quest for Immortality.
Wellingborough, Northamptonshire: Aquarian Press, 1984.

Costello, Michie, and Milne.  Beyond the Casino Economy.  London:
Verso, 1989.

Thomas Crump.  The Anthropology of Numbers, Cambridge/New York:
Cambridge University Press, 1990.

The Cultural Heritage of India, (in 6 volumes).  Calcutta:
Ramakrishna Mission, Institute of Culture, 1953.

Francesco dErrico.  Paleolithic human calendars: a case of wishful
thinking? in Current Anthropology, 30, 1989, pp. 117-118.

Rodney Davies.  Fortune-Telling by Astrology.  The History and
Practice of Divination by the Stars.  Wellingborough,
Northamptonshire: Aquarian Press, 1988.

P. C. W. Davies.  The Cosmic Blueprint.  London: Heinemann, 1987.

Richard Dawkins.  The Selfish Gene.  New York: Oxford University
Press, 1976.

 Dawkins.  The Extended Phenotype.  New York: Oxford University
Press, 1982.

Massimo dAzeglio.  I miei ricordi.  A cura di Alberto M. Ghisalberti.
Torino: Einaudi, 1971.

John DeFrances.  The Chinese Language: Fact and Fantasy. 1983.

Edsger Dijkstra.  On the Cruelty of Really Teaching Computer Science,
in Communications of the ACM 32 (12), 1989, pp. 1398-1404.

Patrick Dillon.  Multimedia Technology from A-Z. New York: Oryx Press,
1995.

David Diringer.  The Alphabet.  A Key to the History of Mankind. 3rd
edition.  New York: Funk & Wagnalls, 1968 (2nd ed.  New York:
Philosophical Library, 1953).

 Diringer.  The Story of Aleph Beth.  New York/London: Yoseloff,
1960.

 Diringer.  Writing.  Ancient Peoples and Places.  London: Thames of
Hudson, 1962.

David Dixon.  From Prohibition to Regulation.  Bookmaking,
Anti-Gambling, and the Law.  New York: Oxford University Press, 1991.

Hannsferdinand Dobler.  Von der Keilschrift zum Computer.  Schrift,
Buch, Wissenschaften.  Mnchen: Bertelsmann, 1974.

J.G. Donders, Editor.  Bread Broken: An Action Report on the Food
Crisis in Africa.  Eldoret, Kenya: Gaba Publications, AMECEA Pastoral
Institute, 1984.

Ruth Drayer.  Numerology.  The Language of Life.  El Paso, TX:
Skidmore-Roth Publications, 1990.

Anton Dumitru.  History of Logic. 4 vols.  Turnbridge Wells, Kent:
Abacus Press, 1977.

Will Durant.  The Story of Civilization. vol. 4, The Age of Faith.
New York: Simon and Schuster, 1950.

Emil Durkheim.  De la division du travail social. 9e ed.  Paris:
Presses univrsitaires de France, 1973.

Umberto Eco.  Foucaults Pendulum.  New York: Harcourt, Brace
Jovanovich, 1989. Mircea Eliade.  Yoga.  Paris: Gallimard, 1960.

Hans Magnus Enzensberger.  Mittelma und Wahn.  Gesammelte
Zerstreuungen.  Frankfurt am Main: 1988.

Eva Etzioni-Halevy.  Bureaucracy and Democracy.  A Political Dilemma.
London/Boston: Routledge & Kegan Paul, 1983.

Facts for Action (periodical).  Boston: Oxfam America, 1982.

Cyril Fagan.  Astrological Origins.  St. Paul: Llewellyn Publications,
1971.

Marcus Cetius Faventius.  Vitruvius and Later Roman Building Manuals.
London: Cambridge University Press. 1973.

Lucien Paul Victor Febre.  The Coming of the Book.  The Impact of
Printing 1450-1800. Trans.  David Gerard.  London: N.L.B., 1976.

Ferdinand J. M. Feldbrugge.  Samizdat and Political Dissent in the
Soviet Union.  Leyden: A.W. Sijthoff, 1975.

Paul K. Feyerabend.  Against Method.  Outline of an Anarchistic
Theory of Knowledge.  London: Verson Edition,1978.

Feyerabend.  Three Dialogues on Knowledge.  Oxford,
England/Cambridge MA: Blackwell, 1991.

Charles Finch.  The African Background to Medical Science: Essays in
African History, Science, and Civilization.  London: Karnak House,
1990.

David Finn.  The Business-Media Relationship: Countering
Misconceptions and Distrust.  New York: Amacom, 1981.

Bas C. van Fraasen.  The Scientific Image.  Oxford: Clarendon Press,
1980.

Marie Louise von Franz.  Alchemy.  An Introduction to the Symbolism
and the Psychology.  Toronto: Inner City Books, 1980.

B. A. Frolov.  Numbers in Paleolithic graphic art and the initial
stages in the development of mathematics, in Soviet Anthropology and
Archaeology, 16 (3-4), 1978, pp. 142-166.

Fung-Yu-lan.  Prcis dhistoire de la philosophie chinoise.  Paris:
Plon, 1952. Jay Galbraith.  Designing Complex Organizations.  Reading
MA: Addison-Wesley, 1973.

Galileo Galilei.  Discorsi e dimostrazioni matematiche (Two New
Sciences: Including Centers of Gravity and Force of Percussion,
translated, with a new introduction and notes, by Stillman Drake)
Toronto: Wall & Thompson. 1989.

Galilei.  Galileos Early Notebooks.  The Physical Questions
(translated from the Latin, with historical and paleographical
commentary, by William A. Wallace).  Notre Dame: University of Notre
Dame Press, 1977.

Howard Gardner.  Frames of Mind: Theory of Multiple Intelligences.
New York: Basic Books, 1983.

Ignace J. Gelb.  A Study of Writing.  Chicago: Chicago University
Press, 1963.

James Gibson.  The Ecological Approach to Visual Perception.  Boston:
Houghton Mifflin, 1979.

George Gilder.  Life After Television: The Coming Transformation of
Media and American Life.  New York: Norton, 1992.

Stephen Gill.  The Global Political Economy: Perspectives, Problems,
and Policies.  New York: Harvester, 1988.

James Gleick.  Chaos: the Making of a New Science.  New York: Viking
Penguin, 1987.

Alan H. Goldman.  Moral Knowledge.  London/New York: Routledge, 1988.

Jack Goody, ed. and Ian Watt.  The Consequences of Literacy, in
Literacy in Traditional Societies.  Cambridge: Cambridge University
Press, 1968, pp. 27-84.

James Gordley.  The Philosophical Origins of Modern Contract Doctrine.
New York: Oxford University Press, 1991.

Roger Grainger.  The Language of the Rite.  London: Darton, Longman &
Todd, 1974.

C. W. Groetsch.  Tartaglias Inverse Problem in a Resistive Medium,
in The American Mathematical Monthly, 103:7, 1996, pp. 546-551.

Gene Grossman.  Innovation and Growth in the Global Economy.
Cambridge: MIT Press, 1991.

Sneja Gunew and Jan Mahyuddin, Editors.  Beyond the Echo.
Multicultural Womens Writing.  St. Lucia: University of Queensland
Press, 1988.

Allen Guttman.  From Ritual to Record.  The Nature of Modern Sports.
New York: Columbia University Press, 1978.

Harald Haarman.  Universalgeschichte der Schrift.  Frankfurt/Main:
Campus Verlag, 1990.

H. Haken.  Advanced Synergetics: Instability Hierarchies of
Self-Organizing Systems and Devices.  Berlin/New York: Springer
Verlag, 1983.

Louis Leonor Hammerich.  The Eskimo Language, Oslo: Universitets
forlaget, 1970.

Michael Hanben and Ronda Hanben.  Netizens: On the History and Impact
of Usenet and the Internet.  A Netbook. http://www.columbia.
edu/~rh120/ch106, June, 1996

Handbook of American Indian Languages.  Washington, D.C.: Smithsonian
Institution.  Part 1, 1917; Part 2, 1922.

Felix Hausdorf/Paul Mongr.  Saint Ilario.  Gedanken aus der
Landschaft Zarathustras. 1897, p. 7.

Eric A. Havelock.  Schriftlichkeit.  Das griechische Alphabet als
Kulturelle Revolution.  Weinheim: Verlag VCH, 1990.

D. Hayes.  Beyond the Silicon Curtain.  Boston: South End Press, 1989.

Victor Head.  Sponsorship: the Newest Marketing Skill.  Cambridge,
Cambridgeshire: Woodhead-Faulkn, 1981.

Robert L. Heilbroner.  The Demand for the Supply Side, in The New
York Review of Books, June 11, 1981, p. 40.

Michael Heim.  A Breed Apart.  The Horses and the Players.  New York:
H. Holt, 1991.

Kim Henderson.  Architectural Innovation: The reconfiguration of
existing product technologies, in Administrative Science Quarterly,
vol. 35, January, 1990.

A. M. Hendley.  CD-ROM and Optical Publishing Systems.  An Assessment
of the Impact of Optical Read-Only Memory Systems on the Information
Industry and a Comparison Between Them and Traditional Paper,
Microfilm, and Online Publishing systems.  Westport CT: Meckler
Publishing Corp., 1987.

Charles M. Herzfeld.  Information Technology: A Retro- and
Pro-spective Lecture presented at the Battelle Information Technology
Summit.  Columbus OH, 10 August 1995. Published in Proceedings of the
DTIC/Battelle Information Technology SummIT.

Theodor Heuss.  Theodor Heuss ber Staat und Kirche.  Frankfurt/Main:
P. Lang, 1986.

H. R. Hitchcock and P. Johnson.  The International Style.  New York:
Norton, 1966.

John Hladczuk, William Eller, and Sharon Hladczuk.
Literacy/Illiteracy in the World.  A Bibliography.  New York:
Greenwood Press, 1989.

R. Hooker.  Reading the Past.  Ancient Writing from Cuneiform to the
Alphabet.  Berkeley: University of California Press, 1990.

Ivan Illich.  Deschooling Society.  New York: Harper & Row, 1971.

Ivan Illich and Barry Sanders.  The Alphabetization of the Popular
Mind.  San Francisco: North Point Press, 1988.

Donald Jackson.  The Story of Writing.  New York: Taplinger
Publishing Co., 1981.

Steven Jacobson.  Yupik Eskimo Dictionary, Fairbanks: Alaska Native
Language Center, University of Alaska, 1984.

Roman Jakobson.  Essais de Linguistique Gnrale, Paris: Editions de
Minuit, 1963. Paul Jay.  Nipce, Gense dune Invention.
Chlon-sur-Sane: Socit des Amis du Muse Nicphore Nipce, 1988.

Thomas Jefferson.  Autobiography, in Writings.  New York: The Library
of America/Literary Classics of the United States, 1984.

Edward M. Jennings and Alan C. Purves, editors.  Literate Systems and
Individual Lives.  Perspectives on Literacy and Schooling.  Albany:
SUNY Press, 1991.

Willet Kempton.  The Folk Classification of Ceramics.  A Study of
Cognitive Prototypes.  New York: Academic Press, 1981.

Omae Kenichi.  The Borderless World.  Power and Strategy in the
Interlinked World Economy.  New York: Harper Business, 1990.

Derrick de Kerkhove, Charles J. Lumsden, Editors.  The Alphabet and
the Brain.  The Literalization of Writing.  Berlin/Heidelberg:
Springer Verlag, 1988.

Nathan Keyfitz and Wilhelm Flieger.  World Population Growth and
Aging: Demographic Trends in the Late Twentieth Century.  Chicago:
University of Chicago Press, 1990.

David Kirsch.  Foundations of Artificial Intelligence.  A special
volume of the journal Artificial Intelligence, 47:1-3, January 1991.
Amsterdam: Elsevier.

Gareth Knight.  Magic and the Western Mind: Ancient Knowledge and the
Transformation of Consciousness.  St. Paul: Llewellyn Publications,
1991.

Martin Koblo.  Die Entwicklung der Schrift.  Wiesbaden: Brandsetter,
1963.

Siegfried Kracauer.  Kino.  Essays, Studien, Glossen zum Film (Hrsg.
von Karsten Witte, 1. Aufl.).  Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1974.

Fritz Kraft.  Geschichte der Naturwissenschaft.  Freiberg: Rombach,
1971.

G. Kuppuram and K. Kumudamani, Editors.  History of Science and
Technology in India.  Dehli: Sundeep Prakashan, 1990.

Raymond Kurzweil.  The Age of Intelligent Machines.  Cambridge: MIT
Press, 1990.

Imre Lakatos.  Philosophical Papers, in two volumes (edited by John
Worrall and Gregory Currie).  Cambridge, England/New York: Cambridge
University Press, 1978.

Lakatos.  Proofs and Refutations.  The Logic of Mathematical
Discovery (John Worrall and Elie Zahar, Editors).  Cambridge,
England/New York: Cambridge University Press, 1976.

George Lakoff and Mark Johnson.  Metaphors We Live By.  Chicago:
Chicago University Press, 1980.

Lakoff.  Women, Fire, and Dangerous Things.  (What Categories Reveal
about the Mind).  Chicago/London: The University of Chicago Press,
1987.

Jaron Lanier.  Interview, in Computer Graphics World, 15:4, pp. 61-70.

Edward Laning.  The Act of Drawing.  New York: McGraw Hill, 1971.

Gottfried Wilhelm Leibniz.  Dissertatio de Arte Combinatoria.
Leipzig, 1666.

Leibniz.  Leibniz Logical Papers.  bers. v.  G. H. Parkinson.
London, 1966.

Leibniz.  Leibniz.  Textes indits.  Hg. v.  Gaston Grua.  Paris,
1948.

Leibniz.  Zwei Briefe ber das binre Zahlensystem und die
chinesische Philosophie.  Stuttgart: Belser Presse, 1968.

Andr Leroi-Gourhan.  Moyens dexpression graphique, in Bulletin du
Centre de Formation aux Recherches Ethnologiques.  Paris, No. 4, 1956,
pp. 1-3.

Leroi-Gourhan.  Le geste et la parole, vol.  I and II. Paris: Albin
Michel, 19641965.

Leroi-Gourhan.  Les racines du monde, in Entretiens avec
Claude-Henri Rocquet.  Paris: Pierre Belfond, 1982.

Claude Lvi-Strauss.  Tristes Tropiques.  Paris: Plon, 1967.

Lucien Lvy-Bruhl.  Les fonctions mentales dans les socit
infrieures.  Paris: Alcan, 1910.

Eugene Lewis.  American Politics in a Bureaucratic Age: Citizens,
Constituents, Clients, and Victims.  Cambridge MA: Winthrop
Publishers, 1977.

G. E. R. Lloyd.  Methods and Problems in Greek Science.  Cambridge:
Cambridge University Press, 1991.

M. R. Louis and R. I. Sutton.  Switching Cognitive Gears: From habits
of mind to active thinking.  Working Paper, School of Industrial
Engineering, Stanford University, 1989.

John Lyons.  Semantics.  Cambridge: Cambridge University Press, 1977.

Ernst Mach.  The Science of Mechanics (1883).  Trans.  T. J.
McCormick.  LaSalle IL: Open Court, 1960.

James H. MacLachlan.  Children of Prometheus: A History of Science
and Technology.  Toronto: Wall & Thompson, 1989.

Irene Henri Marron.  A History of Education in Antiquity.  New York:
Sheed and Ward, 1956.

A. Marshack.  Upper paleolithic notation and symbol, in Science, 178:
817-28, 1972.

Andr Martinet.  Le Langage.  Paris: Encyclopdie de la Pliade, 1939.

Mariadele Manca Masciadri.  I Contratti di Baliatico, 2 vols.  Milan:
(s.n.), 1984.

Tony Mason.  Sport in Britain.  London/Boston: Faber and Faber, 1988.

Humberto R. Maturana.  The Neurophysiology of Cognition, in Cognition:
A Multiple View (P. Garvin, Editor).  New York: Spartan Books, 1969.

Humberto R. Maturana and Francisco J. Varela.  El rbol del
conocimiento, 1984.

Kathleen E. McCrone.  Playing the Game: Sport and the Physical
Emancipation of English Women.  Lexington KY: University Press of
Kentucky, 1988.

Robert P. McIntosh.  The Background of Ecology: Concept and Theory.
New York: Cambridge University Press, 1985.

Adam McLean.  The Alchemical Mandala.  A Survey of the Mandala in the
Western Esoteric Traditions.  Grand Rapids MI: Phanes Press, 1989.

Marshall McLuhan.  The Gutenberg Galaxy: The Making of Typographic
Man.  Toronto: Toronto University Press, 1962.

McLuhan.  Understanding Media: the Extensions of Man.  New York:
McGraw Hill 1964.

Maurice Merleau-Ponty.  Phnomnologie de la perception.  Paris:
Gallimard, Bibliothque des Ides, 1945.

Ralph Merrifield.  The Archaeology of Ritual and Magic.  London: B. T.
Ratsford, 1987.

Gerald Messadie.  Requiem pour superman.  La crise du mythe amricain.
Paris: R. Laffont, 1988.

Adolphe Erich Meyer.  Education in Modern Times.  Up from Rousseau.
New York: Avon Press, 1930.

Will Seymour Monroe.  Comenius and the Beginnings of Educational
Reform.  New York: Arno Press, 1971.

Karlen Mooradian.  The Dawn of Printing.  Lexington KY: Association
for Education in Journalism, 1972.

Elaine Morgan.  Falling Apart: The Rise and Decline of Urban
Civilisation.  London: Souvenir Press, 1976.

Akiro Morita, et al.  Made in Japan.  New York: Dutton, 1989.

Mihai Nadin.  The Art and Science of Multimedia, in Real-Time Imaging
(P. Laplante & A. Stoyenko, Editors).  Piscataway NJ: IEEE Press,
January, 1996.

Nadin.  Computational Design, in formdiskurs 2, I, 1997, pp. 40-62.

Nadin.  Computers in design education: a case study, in Visible
Language (special issue: Graphic Design-Computer Graphics), vol.  XIX,
no. 2, Spring 1985, pp. 282-287.

Nadin.  Design and design education in the age of ubiquitous
computing, in Kunst Design & Co.  Wuppertal: Verlag Mller + Busmann,
1994, pp. 230-233.

Nadin.  Interface design: a semiotic paradigm, in Semiotica 69:3/4.
Amsterdam: Mouton de Gruyter, 1988, pp. 269-302.

Nadin.  Mind-Anticipation and Chaos (from the series Milestones in
Thought and Discovery).  Stuttgart/Zrich: Belser Presse, 1991.

Nadin.  Negotiating the World of Make-Believe: The Aesthetic Compass,
in Real-Time Imaging.  London: Academic Press, 1995.

Shigeru Nakayama and Nathan Sivin, Editors.  Chinese Science:
Exploration of an Ancient Tradition.  Cambridge: MIT Press, 1973.

Seyyed Hossein Nasr.  Islamic Science.  Persia.  Tihran: Surush, 1987.

National Advisory Council on Adult Education.  Literacy Committee.
Illiteracy in America: Extent, Causes and Suggested Solutions, 1986.

James Nehring.  The Schools We Have.  The Schools We Want.  An
American Teacher on the Frontline.  San Francisco: Jossey-Bass, 1992.

Ted Nelson.  The Hypertext, in Proceedings of the World Documentation
Federation, 1965.

Nelson.  Replacing the Printed Word: A Complete Literary System, in
Information Processing 80, S.H. Lavington, Editor, IFIP, 1980, North
Holland Publishing Corp., pp. 1013-1023.

Arun N. Netravali and Birendra Prasada, Editors.  Visual
Communication Systems.  New York: IEEE Press, 1989.

Susan B. Neuman.  Literacy in the Television Age.  The Myth of the TV
Effect.  Norwood NJ: Ablex, 1991.

David R. Olson, Nancy Torrance, and Angela Hildyard, Editors.
Literacy, Language, and Learning: The Nature and Consequences of
Reading and Writing.  New York: Cambridge University Press, 1985.

Walter J. Ong.  Orality and Literacy.  The Technologizing of the
World.  London and New York: Methuen, 1982.

Lauran Paine.  Captain John Smith and the Jamestown Story.  London: R.
Hale, 1973.

Robert Pattison.  On Literacy: The Politics of the Word from Homer to
the Age of Rock.  New York: Oxford University Press, 1982.

Jess Salinas Pedraza.  Anthropologists and computers help people
preserve their ancient cultures in New York Times, December 31, 1991,
p.  C1, C7: The Pentagon.  Critical Technologies Plan, March, 1990.

Jan Marie Lambert Peters.  Fotographie, Film, Televisie.  Logica,
Magie en Esthetik van het mechanische Beeld.  Antwerp: De
Nederlandsche Boekhandel, 1969.

Gerard Piel.  The Acceleration of History.  New York: A.A. Knopf,
1972.

Steven Pinker.  The Language Instinct: How the Mind Creates Language.
New York: William Morrow & Co, 1994.

Alan Pipes, Drawing for 3-Dimensional Design: Concepts, Illustration,
Presentation.  London: Thames and Hudson, 1990.

Stefano Poggi.  Introduzione al il Positivisma.  Bari: Laterza, 1987.

Henri Poincar.  The Foundations of Science (1909).  Trans.  G.B.
Halsted.  New York: The Science Press, 1929.

Michael B. Poliakoff.  Combat Sports in the Ancient World.  New Haven:
Yale University Press, 1987.

Vitruvius Pollio.  On Architecture (Edited from the Harleian
Manuscripts and translated into English by Frank Granger).  Cambridge:
Harvard University Press, 1970.

Neil Postman.  Technopoly: The Surrender of Culture to Technology.
New York: Knopf, 1992.

Neil Powell.  Alchemy.  The Ancient Science.  Garden City NY:
Doubleday, 1976. Satya Prakash.  Founders of Science in Ancient India.
Dehli: Govindram Hasanand, 1986.

Preston Prather.  Science Education and the Problem of Scientific
Enlightenment, in Science Education, 5:1, 1996.

Stan Prentiss.  Television: from Analog to Digital.  Blue Ridge
Summit PA: Tab Professional and Reference Books, 1985.

John H. Pryor.  Business Contracts of Medieval Provence.  Selected
Notulae from the Cartulary of Girard Amalric of Marseilles, 1248.
Toronto: Pontifical Institute of Medieval Studies, 1981.

Geoffrey Pullum.  The Great Eskimo Vocabulary Hoax and Other
Irreverent Essays on the Study of Language.  Chicago: University of
Chicago Press, 1991.

Ishwar Chandra Rahi.  World Alphabets, Their Origin and Development.
Allahabad: Bhargava Printing Press, 1977.

Allan Ramsey.  Formal Methods in Artificial Intelligence.
Cambridge/New York: Cambridge University Press, 1991.

S. Neil Rasband.  Chaotic Dynamics of Non-Linear Systems.  New York:
Wiley, 1990.

Wendy J. Raschke, Editor.The Archaeology of the Olympics: The
Olympics and Other Festivals in Antiquity.  Madison: University of
Wisconsin Press, 1988.

Nicolas Rashevsky.  Looking at History through Mathematics.
Cambridge: MIT Press, 1968.

Diane Ravitch.  The Schools We Deserve.  New York: Doubleday, 1985.

Robert B. Reich.  The Work of Nations: Preparing Ourselves for 21st
Century Capitalism.  New York: A.A. Knopf, 1991.

Linda Reinberg, In the Field: the Language of the Vietnam War.  New
York: Facts of File, 1991.

M. Reinfrank, Editor.  Non-Monotonic Reasoning: Second International
Workshop.  Berlin/New York: Springer Verlag, 1989.

Colin Renfrew.  Archaeology and Language: The Puzzle of Indo-European
Origins.  Cambridge: Cambridge University Press, 1987.

Howard Rheingold.  Virtual Reality.  New York: Summit Books, 1991.

Pierre Rich.  Education et culture dans loccident barbare 6-8
sicles.  Paris: Editions du Seuil, 1962.

Stephen J. Rimmer.  The Cost of Multiculturalism.  Belconnen, ACT: S.
J.Rimmer, 1991.

Colin H. Roberts.  The Birth of the Codex.  London: Oxford University
Press, 1987.

George C. Roche.  America by the Throat: The Stranglehold of Federal
Bureaucracy.  Old Greenwich CT: Devin Adair, 1983.

Stanislas Klossowski de Rola.  Alchemy.  The Secret Art.  London:
Thames and Hudson, 1973.

Judith Paris Roth, Editor.  Essential Guide to CD-ROM. Westport CT:
Meckler Publishing Corp., 1986.

Michael Rothschild.  Bionomics: Economy as Ecosystem.  Webtext, 1990.

B. Seebohm Rowntree.  Betting and Gambling.  A National Evil.  New
York: The Macmillan Co., 1905.

Bernard Rubin & Associates.  Big Business and the Mass Media.
Lexington MA: Lexington Books, 1977.

Dane Rudhyar.  An Astrological Mandala.  The Cycle of Transformation
and Its 360 Symbolic Phases. 1st ed.  New York: Random House, 1973.

Samizdat.  Register of Documents (English edition).  Munich: Samizdat
Archive Association, 1977.

Geoffrey Sampson.  Writing Systems.  London: Hutchinson, 1985.

David Sansone.  Greek Athletics and the Genesis of Sport.  Berkeley:
University of California Press, 1988.

Edward Sapir.  American Indian Languages. (vol. 1 edited by William
Bright; vol. 2 edited by Victor Golla).  Berlin/New York: Mouton de
Gruyter, 1991-1992.

Leo Sauvage.  LAffaire Lumire: du Mythe  lHistoire.  Paris:
LHerminier, 1985.

Arthur M. Schlesinger, Jr.  The Disuniting of America.  Reflections
on a Multicultural Society.  New York: W.W. Norton, 1992.

Sylvia Scribner and Michael Cole.  Culture and Thought.  New York:
John Wiley, 1973.

John Searle.  The Storm Over the University, in The New York Review
of Books, 37:19, December 6, 1990, pp. 34-42.

Jean-Jacques Servan-Schreiber.  The American Challenge.  Trans.
Robert Steel.  With a foreword by Arthur Schlesinger, Jr.  New York:
Atheneum, 1968.

Percy Seymour.  Astrology.  The Evidence of Science.  Luton,
Bedfordshire: Lennard, 1988.

Andrew Sherrat, Editor.  The Cambridge Encyclopedia of Archaeology.
New York: Crown Publishers, 1980.

Theodore Sizer, editor.  The Age of the Academics, New York: Teachers
College Press, 1964.

Steve Sleight.  Sponsorship: What It is and How to Use It.  New York:
McGraw-Hill, 1989.

B. C. Smith.  Bureaucracy and Political Power.  Brighton: Wheatsheaf
Books, Ltd., 1988.

C. P. Snow.  The Two Cultures and a Second Look.  Cambridge: At the
University Press, 1965 (first printed in 1955).

Sports Marketing News (periodical).  Westport CT: Technical Marketing
Corporation, 1986.

Joel Spring.  The American School 1642-1990. 2nd ed.  New York/London:
Longman, 1990.

Antoine de St. Exupry.  The Little Prince.  Trans.  Katherine Woods.
New York: Harcourt, Brace & World, 1943.

Heinrich von Staden.  Herophilus: The Art of Medicine in Early
Alexandria.  Cambridge/New York: Cambridge University Press, 1989.

George Steiner.  After Babel.  Aspects of Language and Translation.
London: Oxford University Press, 1975.

Steiner.  The End of Bookishness? in The Times Literary Supplement,
July 8-14, 1988, p. 754.

Steiner.  Language and Silence.  New York: Atheneum, 1967.

Steiner.  Real Presence: Is There Anything in What We Say?
London/Boston: Faber & Faber, 1989.

Kim Sterelny.  The Representational Theory of Mind.  An Introduction.
Oxford, England/Cambridge MA: Basil Blackwell, 1990.

Gerald Strine.  Covering the Spread.  How to Bet Pro Football.  New
York: Random House, 1978.

Robert K. G. Temple, China.  Land of Discovery.  London: Patrick
Stephens, 1986. David B. Thomas.  The Origins of the Motion Picture.
London: H.M. Stationery Off., 1964.

Andrei Toom.  A Russian Teacher in America, in Focus, 16:4, August
1996, pp. 911.

Alexis de Toqueville.  Democracy in America, vol. 1 (Henry Reeve text
as revised by Francis Bowen).  New York: Vintage Books, 1945.

E. K. A. Tratman.  Late Upper Paleolithic Calculator?  Goughs Cave,
Cheddar, Somerset, in Proceedings, University of Bristol,
Speleological Society, 14(2), 1976, pp.115-122.

Jean Malbec de Tresfel.  Abrge de la Thorie et des vritables
principes de lart appel chymie, qui est la troisime partie ou
colonne de la vraye medecine hermetique.  Paris: Chez lauteur, 1671.

Sun Tzu.  The Art of War.  Trans.  Thomas Cleary.  Boston & London:
Shambala Dragon Editions, 1988.

Raymond Vernon.  Exploring the Global Economy: Emerging Issues in
Trade and Investment.  Cambridge: Center for International Affairs,
Harvard University Press, 1985.

A. E. Van Vogt.  The World of Null-A. 1945.

Steve Waite.  Interview with Bill Melton, Journal of Bionomics, July
1996.

Ralph C. S. Walker.  The Coherence Theory of Truth: Realism,
Anti-Realism, Idealism.  London/New York: Routledge, 1989.

Lester Frank Ward.  The Psychic Factors of Civilization. 2nd ed.  New
York: Johnson Reprint Corp, 1970.

Paul Weiss.  Sport: A Philosophical Inquiry.  Carbondale: Southern
Illinois University Press, 1969.

Peter C. Wensberg.  Lands Polaroid.  A Company and the Man Who
Invented It.  Boston: Houghton Mifflin, 1987.

Iwar Werlen.  Ritual und Sprache: Zum Verhltnis von Sprechen und
Handeln in Ritualen.  Tbingen: Narr Verlag, 1984.

Harvey Wheeler.  Democracy in a Revolutionary Era.  Santa Barbara:
Center for the Study of Democratic Institutions, 1970.

George E. Whitehouse.  Understanding the New Technologies of the Mass
Media.  Englewood Cliffs NJ: Prentice Hall, 1986.

G. M. Whitesides.  Self-Assembling Materials, in Nanothinc, 1996.
http://www.nanothinc.com/webmaster @nanothinc.com

Claude Widor.  The Samizdat Press in Chinas Provinces, 1979-1981.
Stanford CA: Hoover Institution, Stanford University, 1987.

Edward O. Wilson.  The Diversity of Life.  Cambridge: Harvard
University Press, 1992.

Wilson.  Sociobiology: The New Synthesis.  Cambridge:
Belknap/Harvard University Press, 1975.

Terry Winograd.  Language as Cognitive Process.  Reading MA:
Addison-Wesley, 1983.

Winograd.  Understanding Natural Language.  New York: Academic Press,
1972.

Terry Winograd and Fernando Flores.  Understanding Computers and
Cognition.  A New Foundation for Design.  Norwood NJ: Ablex
Publishing Corp., 1986.

E.A. Wrigley and David Souden, Editors.  Thomas Robert Malthus.  An
Essay On the Principle of Population, 1798, in The Works of Thomas
Robert Malthus.  London: W. Pickering, 1986.

Lotfi Zadeh.  Coping with the impression of the real world, in
Communications of the Association for Computing Machinery, 27 (1984),
pp. 304-311.

Zadeh.  Fuzzy Logic and Approximate Reasoning (in Memory of Grigore
Moisil), in Synthse 30 (1975), pp. 407-428.

Zadeh.  Fuzzy Sets, in Information and Control, 8 (1965), pp.
338-353.

Robert Zoller.  The Arabic Parts in Astrology.  The Lost Key to
Prediction.  Rochester VT: Inner Traditions International
(distributed by Harper & Row), 1989.



Personenregister


Aristoteles Buch II, Kapitel 5
Barnard, F. R. Buch IV, Kapitel 1
Barthes, R. Buch II, Kapitel 4; Buch IV, Kapitel 6
Barzun, J. Buch III, Kapitel 3
Baudrillard, J. EINLEITUNG
Bayer, H. Buch III, Kapitel 1
Beethoven, L. van Buch V, Kapitel 1
Bell, A. G. Buch I, Kapitel 2; Buch IV, Kapitel 5; NACHWORT
Benn, G. Buch I, Kapitel 2
Berlin, I. Buch IV, Kapitel 5
Bloom, A. Buch I, Kapitel 1
Brown, J. C. Buch I, Kapitel 2
Burgess, A. Buch II, Kapitel 4
Carpenter, E. Buch I, Kapitel 1
Childe, G. V. Buch II, Kapitel 4
Chomsky, N. Buch II, Kapitel 3; Buch III, Kapitel 2; Buch V, Kapitel
1
Chruschtschow, N. Buch IV, Kapitel 5
Clausewitz, Carl von Buch IV, Kapitel 6
Conway, J. H. Buch V, Kapitel 2
Cooper, P. Buch I, Kapitel 2
Darius Buch IV, Kapitel 6
Dawkins, R. Buch II, Kapitel 5
Descartes, R. Buch IV, Kapitel 3
Dewey, J. Buch I, Kapitel 2
Dijkstra, E. Buch III, Kapitel 2
Durkheim, E. Buch IV, Kapitel 3
Edison, T. A. Buch I, Kapitel 2; Buch IV, Kapitel 5
Einstein, A. Buch IV, Kapitel 3; Buch V, Kapitel 2
Emerson, R. W. Buch I, Kapitel 2
Engels, F. Buch IV, Kapitel 5
Enzensberger, H. M. EINLEITUNG; Buch I, Kapitel 1
Epaminondas von Theben Buch IV, Kapitel 6
Faberg, P. C. Buch IV, Kapitel 4
Faulkner, W. Buch I, Kapitel 2
Feyerabend, P. K. Buch IV, Kapitel 3
Galileo Galilei Buch IV, Kapitel 3
George III. (Knig v.  England) Buch I, Kapitel 2
George, H. Buch III, Kapitel 2
Gestetner, S. Buch IV, Kapitel 4
Grotius, H. Buch I, Kapitel 1
Gutenberg, J. Buch II, Kapitel 4
Guttman, A. Buch IV, Kapitel 2
Hasan, B. Buch IV, Kapitel 2
Hauben, M. Buch V, Kapitel 1
Hausdorf, F. Buch III, Kapitel 1
Hawthorne, N. Buch I, Kapitel 2
Hegel, G. W. F. Buch IV, Kapitel 3
Heidegger, M. Buch II, Kapitel 4
Hemingway, E. Buch I, Kapitel 2
Heuss, T. Buch IV, Kapitel 6
Hildegard von Bingen Buch II, Kapitel 4
Homer Buch V, Kapitel 2
Huxley, A. Buch IV, Kapitel 5
Illich, I. EINLEITUNG
Irving, W. Buch I, Kapitel 2
James, H. Buch I, Kapitel 2
Jefferson, T. Buch I, Kapitel 2
Jewtuschenkos, J. A. Buch IV, Kapitel 5
Kant, I. Buch IV, Kapitel 3
Kerkhove, D. de Buch II, Kapitel 4
Kluge, J. NACHWORT
Korzybski, A. Buch II, Kapitel 3
Krause, K. NACHWORT
Lakatos, I. Buch IV, Kapitel 3
Lakoff, G. EINLEITUNG
Lanier, J. Buch IV, Kapitel 1
Le Corbusier Buch IV, Kapitel 4
Leibniz, G. W. EINLEITUNG; Buch II, Kapitel 5; Buch IV, Kapitel 1;
Buch IV, Kapitel 3
Lenin, V. I. Buch IV, Kapitel 5
Leo der Weise Buch IV, Kapitel 6
Leonardo da Vinci Buch IV, Kapitel 1
Leonidas Buch IV, Kapitel 6
Lindendorf, E. Buch IV, Kapitel 6
Llul, R. Buch II, Kapitel 4
Locke, J. Buch II, Kapitel 5
Longfellow, H. W. Buch I, Kapitel 2
Lotman, J. M. EINLEITUNG
Lukrez Buch IV, Kapitel 3
Malthus, T. R. Buch I, Kapitel 1; Buch III, Kapitel 2
Marx, K. Buch IV, Kapitel 3; Buch IV, Kapitel 5
Maturana, H. R. EINLEITUNG; Buch V, Kapitel 1
Maurice (byzant.  Herrscher) Buch IV, Kapitel 6
McLuhan, M. EINLEITUNG; Buch II, Kapitel 4
Moltke, H. von Buch IV, Kapitel 6
Neumann, J. von Buch IV, Kapitel 6
Newton, I. Buch IV, Kapitel 3
Octavian Buch IV, Kapitel 6
Orwell, G. Buch V, Kapitel 2
Otto, N. O. Buch IV, Kapitel 5
Peirce, C. S. EINLEITUNG; Buch I, Kapitel 2; Buch II, Kapitel 5;
Buch IV, Kapitel 3
Platon Buch II, Kapitel 2; Buch II, Kapitel 4; Buch IV, Kapitel 3
Postman, N. Buch I, Kapitel 2
Proust, M. Buch V, Kapitel 2
Pythagoras Buch III, Kapitel 3
Ramses II Buch IV, Kapitel 6
Reich, R. B. Buch III, Kapitel 1
Remington, F. Buch IV, Kapitel 4
Remond, N. de Buch IV, Kapitel 1
Rogers, W. Buch I, Kapitel 1
Royce, J. Buch I, Kapitel 2
Sanders, B. EINLEITUNG; Buch II, Kapitel 5
Schwartzkopf, N. Buch IV, Kapitel 6
Searle, J. Buch I, Kapitel 1
Shakespeare, W. Buch IV, Kapitel 4; Buch V, Kapitel 2
Smith, J. Buch I, Kapitel 2
Snow, C. P. EINLEITUNG
Sokrates Buch I, Kapitel 2; Buch II, Kapitel 4; Buch IV, Kapitel 3
Spencer, H. Buch IV, Kapitel 3
Steiner, G. EINLEITUNG; Buch I, Kapitel 1; Buch V, Kapitel 2
Sterne, L. Buch IV, Kapitel 3
Tesla, N. Buch IV, Kapitel 5
Tiffany, L. C. Buch IV, Kapitel 4
Toqueville, A. de Buch I, Kapitel 2
Toulouse-Lautrec, H. Buch III, Kapitel 1
Turing, A. M. Buch IV, Kapitel 6
Twain, M. Buch I, Kapitel 1
Tzu, S. Buch IV, Kapitel 6
Van Gogh, V. Buch V, Kapitel 2
Vitruvius Buch IV, Kapitel 4; Buch V, Kapitel 2
Wiener, N. Buch I, Kapitel 1
Winograd, T. EINLEITUNG
Wittgenstein, L. Buch II, Kapitel 3; Buch II, Kapitel 5; Buch IV,
Kapitel 3
Zadeh, L. EINLEITUNG



ber den Autor

MIHAI NADIN, geboren 1938 in Brasov (Kronstadt), doppelt
promoviert--in sthetik und Computerwissenschaften--und zweifach
habilitiert--fr sthetik in Bukarest, fr Philosophie, Logik und
Wissenschaftstheorie an der Universitt Mnchen mit einer Arbeit ber
die Grundlagen der Semiotik--, lehrte seit 1977 u. a. in Braunschweig,
Mnchen, Essen, Providence (RI), Rochester (NY), Columbus (OH) und
New York.  Seit 1994 ist er Inhaber des Lehrstuhls fr Computational
Design an der Universitt-Gesamthochschule Wuppertal.  Seine 18
Buchverffentlichungen und mehr als 140 Aufstze, CD-ROM- und
Internet-Publikationen weisen ihn als einen der weltweit fhrenden
Autoren aus, die die gegenwrtige wissenschaftlich-technologische
Revolution und die damit erffneten Mglichkeiten von Kommunikation
und Wissensproduktion sowohl theoretisch reflektieren als auch in der
Praxis vorantreiben.





End of Jenseits der Schriftkultur
(C)1999 by Mihai Nadin












End of Project Gutenberg's Jenseits der Schriftkultur - Band 3, by Mihai Nadin

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JENSEITS DER SCHRIFTKULTUR  ***

***** This file should be named 4373-8.txt or 4373-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/4/3/7/4373/

Produced by Michael Pullen

Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License available with this file or online at
  www.gutenberg.org/license.


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

This particular work is one of the few copyrighted individual works
included with the permission of the copyright holder.  Information on
the copyright owner for this particular work and the terms of use
imposed by the copyright holder on this work are set forth at the
beginning of this work.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
