The Project Gutenberg EBook of Edgar Allan Poe, by Hanns Heinz Ewers

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Edgar Allan Poe
       Die Dichtung, Band XLII

Author: Hanns Heinz Ewers

Release Date: February 16, 2007 [EBook #20589]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EDGAR ALLAN POE ***




Produced by Louise Hope, Tamise Totterdell and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
file was produced from images generously made available
by The Internet Archive/American Libraries.)






  [Das gedruckte Buch hat sowohl Kursivtext als gesperrt gebraucht.
  In dem e-text werden sie so geschildert:
    _kursiv_
    +gesperrt+

  Fehler und Unregelmssigkeiten sind am Ende des Textes notiert.]

       *       *       *       *       *
           *       *       *       *
       *       *       *       *       *

  DIE DICHTUNG

  HERAUSGEGEBEN
  VON PAUL REMER

  BAND XLII


  EDGAR ALLAN POE
    von
  HANNS HEINZ EWERS




  DIE DICHTUNG BD. XLII
  EDGAR ALLAN POE VON
  HANNS HEINZ EWERS




  +------------------------------------------------------+
  |                    +DIE DICHTUNG+                    |
  |                                                      |
  |            EINE SAMMLUNG VON MONOGRAPHIEEN           |
  |             HERAUSGEGEBEN VON PAUL REMER             |
  |           BUCHSCHMUCK VON HEINRICH VOGELER           |
  +------------------------------------------------------+
  | Band      I. Henrik Ibsen      von Paul Ernst        |
  | Band     II. Anzengruber       von J. J. David       |
  | Band    III. Victor Hugo     von H. v. Hofmannsthal  |
  | Band     IV. Liliencron        von Paul Remer        |
  | Band      V. Leo Tolstoj       von Julius Hart       |
  | Band     VI. Hlderlin         von Hans Bethge       |
  | Band    VII. Boccaccio         von Hermann Hesse     |
  | Band   VIII. Cervantes         von Paul Scheerbart   |
  | Band     IX. Gottfried Keller  von Ricarda Huch      |
  | Band      X. Mrike            von Gustav Khl       |
  | Band     XI. Droste-Hlshoff   von Wilh. v. Scholz   |
  | Band    XII. E. T. A. Hoffmann von Rich. Schaukal    |
  | Band   XIII. Franz von Assisi  von Hermann Hesse     |
  | Band    XIV. Peter Hille       von Heinrich Hart     |
  | Band     XV. d'Annunzio     von Alberta v. Puttkamer |
  | Band    XVI. Lenau             von Leo Greiner       |
  | Band   XVII. Novalis           von Willy Pastor      |
  | Band  XVIII. Walt Whitman      von Johannes Schlaf   |
  | Band    XIX. Ebner-Eschenbach  von Gabr. Reuter      |
  | Band     XX. Kleist            von Wilh. Hegeler     |
  | Band    XXI. Wilhelm Busch     von Rich. Schaukal    |
  | Band   XXII. Homer             von Willy Pastor      |
  | Band  XXIII. C. Ferd. Meyer    von Wilh. Holzamer    |
  | Band   XXIV. Theod. Fontane    von Franz Servaes     |
  | Band    XXV. Grabbe            von Otto Krack        |
  | Band   XXVI. Schiller          von Fritz Lienhard    |
  | Band  XXVII. Rich. Wagner      von Hans v. Wolzogen  |
  | Band XXVIII. Hebbel            von Wilhelm v. Scholz |
  | Band   XXIX. J. P. Jacobsen    von Hans Bethge       |
  | Band    XXX. Paul Verlaine     von Stefan Zweig      |
  | Band   XXXI. Bismarck          von Max Bewer         |
  | Band  XXXII. Klaus Groth       von Timm Krger       |
  | Band XXXIII. Maeterlinck       von Anselma Heine     |
  | Band  XXXIV. Oscar Wilde       von Hedw. Lachmann    |
  | Band   XXXV. Lessing           von Otto Ernst        |
  | Band  XXXVI. Fritz Reuter      von Marx Mller       |
  | Bd.  XXXVII. Sophokles         von Paul Ernst        |
  | Bd. XXXVIII. Verhaeren         von Johannes Schlaf   |
  | Band  XXXIX. Shakespeare       von Franz Servaes     |
  | Band     XL. Heinrich Heine    von Wilh. Holzamer    |
  | Band    XLI. Eichendorff       von Gustav Falke      |
  | Band   XLII. Edgar Allan Poe   von H. Heinz Ewers    |
  |                                                      |
  |              In Vorbereitung:                        |
  | Luther                   von Adolf Bartels           |
  | Gerhart Hauptmann        von Hermann Stehr           |
  | Li-tai-pe                von Arno Holz               |
  | Euripides                von Hermann Bahr            |
  | Richard Dehmel           von Gustav Khl             |
  | Theodor Storm            von Paul Remer              |
  |              und andere                              |
  +------------------------------------------------------+
  |       _Jeder Band elegant kartoniert M. 1.50_        |
  |       _Jeder Band in echt Leder geb. M. 2.50_        |
  +------------------------------------------------------+


  FR BCHERLIEBHABER
  Wurden die ersten zwanzig Exemplare
  dieses Buches auf echtes Bttenpapier
  gedruckt und handschriftlich numeriert.
  Der Preis dieser in Original-Collin-Leder
  gebundenen Luxusausgabe betrgt 10 Mark.
  Sie ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen


  ALLE RECHTE VORBEHALTEN




  [Abbildung: A EDGAR POE]




  EDGAR ALLAN POE

  von

  HANNS HEINZ EWERS

  [Verzierung]

  Verlegt bei Schuster & Loeffler
    Berlin und Leipzig




GUSTAV MEYRINK,

dem _Rauschknstler_, dem _Trumer, der an Trume glaubt
als an das einzig Wirkliche_ -- wie es Poe tat, wie es der
tut, der dies schrieb -- sei dies Bchlein gewidmet.

  +In der Alhambra+
    April 1905    HANNS HEINZ EWERS.




  [Verzierung]

Leicht schreitet mein Fuss ber die grauen Steine, den alten Weg, den
ich so oft gegangen, hinauf zu der Alhambra heiligem Haine. Das Tor der
Granaten ffnet sich weit meiner Sehnsucht, dahinter bin ich der Zeit
entflohen -- -- so leicht wandelt man in der Trume Land. Wo die Ulmen
rauschen, wo die Springquellen plaudern, wo aus Lorbeerbschen hundert
Nachtigallen singen, da mag ich wohl an meinen Dichter denken.

    *  *  *

Man sollte es nicht tun. Wirklich nicht.

Man sollte nicht hingehen und irgendein Buch lesen ber den Knstler,
den man liebt. Fast immer wird man enttuscht sein -- -- wie kann ein
Pfaffe ber Gott sprechen? So vorsichtig soll man damit sein, so sehr
vorsichtig.

Du solltest es _so_ machen:

Du liebst Firdusi? -- Goethe schrieb ber ihn; +den+ kennst du nicht?
Nun gut: lies erst alles, was Goethe schrieb, ehe du das liest, was er
ber den Perser sagt. -- Und dann erst, +wenn du den genau kennst+, der
ber deinen Liebling schrieb, +dann+ erst entscheide dich, ob du das
lesen willst, was er ber ihn sagt! -- So wirst du keine Enttuschung
erleben.

Lies nie, was Hinz und Kunz ber den Knstler schreiben, den du liebst.
Und wenn Hinz und Kunz die allergrssten Sterne sind, und wenn dein
Liebling ein ganz kleiner Nebelfleck ist -- -- _lies es nicht!_ Lies es
nicht eher, bis du Hinz und Kunz genau kennst, bis du weisst: sie haben
ein Recht, ber +deinen Knstler+ zu sprechen.

Ich habe es nicht so gemacht. Ich habe irgendwoher ein paar
dickflssige Tropfen im Blute: unertrgliche deutsche Grndlichkeit.
So eine Art Pflichtgefhl. Ich dachte: eh du ber den Dichter schreibst,
den du liebst, lies das, was andere vor dir schrieben. Ich dachte:
Vielleicht -- --

Ich las also viel ber Edgar Allan -- Nun bin ich so enttuscht, so sehr
enttuscht. Da war nur einer, dessen Geist ihn fassen konnte.

War nur +Baudelaire+ -- --

Baudelaire, der aus dem Haschich eine Kunst schuf. -- Wie htte _er_ ihn
auch nicht fassen sollen, ihn, der aus Alkohol und Laudanum Kunstwerte
formte?!

  *  *  *

-- Jetzt muss ich das alles vergessen, was die anderen sagten. Diesen
grsslichen Griswold muss ich vergessen, dessen ganze Poebiographie
nichts anderes ist, als ein giftiges Ausspucken: _Er soff, er soff_,
pfui doch, _er soff!_ -- -- Und den noch grsslicheren Ingram muss ich
vergessen, diesen Narren, der meinen Knstler +ehrenrettete+, indem er
immer wieder stammelte: _Er trank gar nicht, wirklich, er trank gar
nicht!_

Rasch, ehe ich sie vergesse, will ich die Daten niederschreiben, die ich
von ihnen habe:

_Edgar Allan Poe, geb. am 19. Januar 1809 in Boston. Irische Familie,
langer Stammbaum, normannisches, keltisches, angelschsisches,
italienisches Blut. 1816 nach England mit seinen Pflegeeltern, ein paar
Jahre in einer Boarding-School in Stoke-Newington. -- 1822 zurck nach
Amerika, 1826 Student in Richmond, dann in Charlottesville. 1827 Reise
nach Europa mit unbekannten Abenteuern. 1830 Offizierskadett in
Westpoint. 1834 Leiter des Southern Literary Messenger in Richmond.
1836 verheiratet mit seiner Cousine Virginia Clemm. Er schrieb. --[1] Er
lebte abwechselnd in New-Jork, Philadelphia, Richmond, Fordham. Es ging
ihm sehr schlecht. +,Er soff'+ (sagt Griswold). +,Er trank gar nicht'+
(sagt Ingram). Er starb am 7. Oktober im Armenkrankenhaus zu Baltimore,
vierzig Jahre alt._

So, das wren diese allergleichgltigsten Daten. Nun kann ich auch das
vergessen.

    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

-- Wie schwer das doch ist! -- Ganz langsam gehe ich durch die
Ulmenallee, hinauf zu dem Knigsschloss. Links biege ich ein und
durchschreite die mchtige Turmpforte des Gesetzes. Ich freue mich
ber die Hand da oben, die den bsen Blick bannt; ich denke: da werden
meine Pfaffen draussen bleiben. Nun bin ich oben -- -- allein in den
vertrauten Rumen.

Ich weiss wohl, wohin ich will. Rasch durch den Myrtenhof, durch den
Saal der Mocaraben in den Hof der zwlf Lwen. Links hinein in das
Zimmer der beiden Schwestern und durch das der Ajimeces. Nun bin ich da,
im Mirador de Daraxa, wo Boabdils Mutter 'Aicha wohnte. Ich sitze am
Fenster, blicke hinaus auf die alten Zypressen -- --

Wie schwer es doch ist, zu vergessen! Da gehen meine Pfaffen im Garten
spazieren. Zwei englische Heuchler, runder Hut, kurze Pfeife, schwarzer
Rock. Den Bdeker in der Hand.

_Er soff!_ zischt der eine.

_O nein, er trank wirklich nicht!_ fistelt der andere.

Ich mchte sie mit den Kpfen zusammenstossen! Ich mchte ihnen
zuschreien: Fort, Ratten, fort! Hier sitzt einer, der trumt von dem
Knstler, den er liebt! Er sang in eurer Sprache -- -- und ihr Stcke
wisst nichts von ihm! --

Sie gehen ja schon, gewiss doch! Ich bin wieder allein -- --

    *  *  *

Er soff -- -- er soff nicht! -- So streiten Englnder ber ihre Dichter!
Sie lassen Milton verhungern, sie stehlen Shakespeare sein ganzes
Lebenswerk, sie whlen mit krummen Fingern in Byrons und Shelleys
Familiengeschichten, sie begeifern Rossetti und Swinburne, stecken Wilde
ins Zuchthaus und zeigen mit den Fingern auf Charles Lamb und Poe -- --
weil sie tranken!

Ich bin doch froh, dass ich ein Deutscher bin! Deutschlands grosse
Mnner durften -- -- unsittlich sein. +Unsittlich+ -- -- das heisst:
nicht eben _genau so_ sittlich, wie die guten Brger und Pfaffen. Der
Deutsche sagt: Goethe war unser grosser Dichter. -- Er weiss, dass er
nicht so sehr sittlich war, aber er nimmt ihm's nicht weiter bel. --
Der Englnder sagt: Byron war unsittlich, +darum war er+ _kein_ grosser
+Dichter+. Nur in England konnte des widerlichen Moralpfaffen Kingsley
Wort ber Heine ein geflgeltes werden: Sprecht nicht von ihm -- -- --
_er war ein schlechter Mensch!_ --

Wenn es aber gar nicht mehr anders geht, wenn alle Vlker ringsum die
unsittlichen englischen Dichter anerkennen und lieben, wenn der
Englnder endlich +gezwungen wird, zu sprechen+ -- -- -- dann +lgt+
er. Er gibt seine Heuchelei nicht auf, er sagt dann: nach neueren
Untersuchungen war der Mann gar nicht unsittlich; er war vielmehr
hochsittlich, ganz rein und ganz unschuldig! So haben die englischen
Lgner Byrons _Ehre gerettet_, so wird es nicht lange mehr dauern, bis
sie auch aus Saulus Wilde einen Paulus machen! -- So ist fr Poe den
Griswolds ein Ingram gefolgt: Ach nein, er trank wirklich nicht!

+Die Englnder drfen nun Edgar Allan Poe anerkennen, nachdem ihm
amtlich bescheinigt ist, dass er ein sittlicher Mensch war!+

Wir aber, die wir nicht den geringsten Anspruch auf brgerliche und
pfffische Sittenreinheit machen, wir lieben ihn, wenn er auch trank. Ja
noch mehr, wir lieben ihn, _weil_ er trank, denn wir wissen, dass eben
aus dem Gifte, das seinen Leib zerstrte, reine Blten entsprossten,
deren Kunstwerte unvergnglich sind.

Wie Kunstwerte entstanden, das geht den Laien nichts an. Das hat der
Knstler mit sich allein abzumachen, niemand darf da ein Wort mitreden,
oder gar ein abfllig Urteil fllen. Nur die wenigen, denen er einen
Einblick gewhrt in sein Schaffen, +weil sie ihn lieben+, nur die drfen
schweigend zuschauen, drfen erzhlen -- --

Wilde erzhlt das Mrchen von der wunderschnen Rose, die aus dem
Herzblut der sterbenden Nachtigall erwuchs. Der Student, der sie brach,
schaute und staunte, nie hatte er eine solch wunderrote Blutrose
gesehen. Aber er +wusste nicht+, _wie sie entstand_.

  [Abbildung: EDGAR ALLAN POE
  Nach E. Manet]

Wir bewundern Odontoglossum grande, die prchtigste Orchidee -- -- --
ist sie weniger schn, weil sie sich von Insekten ernhrt, die sie in
der schmhlichsten Weise langsam zu Tode qult? Wir freuen uns im Parke
von Cintra ber die herrlichen Lilien, wir staunen: so gross, so weiss
haben wir sie nie gesehen! Was geht es uns an, dass sie all ihre
aussergewhnliche Pracht dem Umstand verdanken, dass der kluge Grtner
ihren Nhrboden nicht mit dem natrlichen Wasser, sondern mit Guano,
mit ausgesuchtem Kunstdnger behandelte?!

-- Es wird einmal eine Zeit kommen, wo man mitleidig lcheln wird ber
die breiten Landstrassen unserer rauschlosen Kunst, die nur sprlich
hier und da durch des Alkohols trbe Laternen erhellt werden. Eine Zeit,
fr die die Begriffe +Rausch+ und +Kunst+ ein untrennbares Ganzes sind,
die nur innerhalb der grossen Rauschkunst Unterschiede kennt. Dann erst
wird man den _Pfadfindern_ die hohe Stelle geben, die ihnen gebhrt, den
Hoffmann, Baudelaire, Poe -- -- den Knstlern, die zuerst _bewusst_ mit
dem Rausche arbeiteten.

    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Seid doch ehrlich! Gibt es einen Knstler, der des Rausches ganz
entbehren kann? Nehmen sie nicht alle ihr kleines Giftchen: Tee, Tabak,
Kaffee, Bier oder was es sei? Muss nicht der Geist vergiftet werden,
um Kunstwerte zu schaffen, sei es nun, dass er das Gift durch den Krper
empfngt, sei es -- -- -- auf andere Weise?

_Denn es gibt manche andere Weisen_ -- --

Die Kunst ist der Natur entgegengesetzt. Ein Mensch, der physisch
und psychisch rein abstinent lebt, dessen Voreltern auch durch lange
Generationen hindurch ebenso abstinent lebten, so dass sein Blut nicht,
wie bei uns allen, lngst vergiftet ist, kann +nie+ ein Knstler
werden -- wenn nicht eines Gottes Gunst seinem Leben andere Sensationen
schenkt, die Ekstasen erwecken mgen. Aber auch das sind _Vergiftungen_
des Geistes! Natur und Kunst sind die schlimmsten Feinde: wo die eine
herrscht, ist die andere unmglich.

Was ist -- -- im engsten, im _besten Sinne_ -- der Knstler? +Ein
Pionier der Kultur in das Neuland des Unbewussten!+

Wie wenige verdienen in diesem heiligen Sinne den stolzen Namen! Th. A.
Hoffmann verdient ihn, und Jean Paul und Villiers und Baudelaire -- --
Und ganz sicher auch _Edgar Allan Poe_, das mssen selbst die Griswolds
dem Dichter zugestehen, der in so manchen seiner Geschichten ein
geheimes Land der Seele betrat, von dem niemand vor ihm -- und am
wenigsten die Wissenschaft -- eine leise Ahnung hatte!

In grauer Nebelwolke trumt vor uns das gewaltige Land des Unbewussten,
das ewige Land _unserer Sehnschte_. Warm liegt der Bettler in der
Sonne, hockt der satte Brger am Ofen. Aber es gibt Menschen, deren
blutende Sehnsucht so ungeheuer ist, dass sie hinaus +mssen+ aus dem,
_was wir wissen_. Robur et aes triplex muss ihre Brust schirmen, wenn
sie das sonnige Land des Bewusstseins verlassen, wenn sie durch die
grauen Mrderfluten nach Avalun steuern. Und viele, viele gehen
schmhlich zugrunde, ohne je einen Blick hinter die Wolken zu werfen.

Ganz wenigen aber gelingt die Fahrt. Sie finden ein Neuland, entdecken
es fr die Kultur: +sie haben die Grenzen des Bewusstseins ein Stck
weiter hinausgeschoben+.

Die +Knstler+ sind diese ersten Entdecker. Dann mag die Menschheit
Forscherfahrten ausrsten, um das neue Land zu vermessen und zu
untersuchen: Grundbuchleute und Katasterbeamte entsenden -- -- -- Mnner
der +Wissenschaft+.

-- -- Nun ist gewiss, dass -- neben andern Wegen -- die sogenannten
Gifte, die wir Narkotika nennen, geeignet sind, uns ber die Schwelle
des Bewusstseins hinauszufhren. Gelingt es jemand, in diesem Jenseits
irgendwo festen Fuss zu fassen, das Metaphysische in etwas Positives
umzuwerten, so schafft er einen neuen Kunstwert, ist, _im edelsten
Sinne_, +ein Knstler+.

Vielleicht ist hier ntig, die Binsenweisheit zu betonen, dass nie
natrlich von einem Schaffen _im_ +Rausche selbst+ die Rede sein kann?!
Oder die andere, dass kein Rauschmittel der Welt aus einem Menschen
etwas heraus zu holen vermag, _das nicht in ihm steckt?!_ Die Griswolds
und Ingrams mgen noch soviel Wein trinken, noch soviel Opium rauchen,
noch soviel Haschisch essen, sie werden doch nimmermehr Kunstwerte
schaffen! -- -- +Aber+: der durch Narkotica bewirkte Rausch ist unter
Umstnden -- -- neben andern Ursachen -- geeignet, irgendwann spter
eine Ekstase hervorzurufen. Und: +in dieser Ekstase leistet jeder Mensch
das Hchste, was seine Intelligenz berhaupt zu leisten imstande ist+.

    *  *  *

Der Griswold hatte recht: _Edgar Allan Poe trank._ Und da -- wie bei
uns allen -- sein Leib verhltnismssig schlecht auf die Vergiftung des
Alkohols reagierte, abgestumpft war durch die Trinkgewohnheiten von
Generationen +von Vorfahren+, so trank er viel. Er soff. -- Aber er tat
das mit Absicht, tat es, um in den Rauschzustand zu kommen, aus dem
heraus er -- spter, vielleicht Jahre spter -- _neue Kunstwerte_
schaffen konnte. Solch ein Rausch ist kein Genuss, er ist eine
entsetzliche Qual, die +bewusst+ nur der ersehnt, dem das Kainszeichen
der Kunst von der Stirne flammt.

-- Gibt es eine schmhlichere Lge als die der Banausen: Knstlerisches
Schaffen ist keine Arbeit; es ist eine Freude!? Der das sagte, und die
grosse Masse, die es gedankenlos nachplappert, haben nie einen Hauch der
Ekstase versprt, die allein knstlerisches Schaffen bedingt. Und +diese
Ekstase+ ist _immer_ eine Qual, selbst dann, wenn -- in seltenen Fllen
-- der Grund, der sie hervorrief, ein Genuss war.

Man sagt, dass die Katzenmtter ihre Jungen mit Genuss zur Welt
bringen -- -- aber es sind auch nur arme blinde Ktzlein. So mag der
Wochenplauderer der Buxtehuder Zeitung, mag der Textdichter von Berlin
bei Nacht mit Genuss seine Zeilen zu Papier bringen -- -- +ein
Kunstwerk ist nie ohne Schmerzen geboren worden.+

    *  *  *

Ich bin hinausgegangen. Durch den mchtigen Palast des fnften rmischen
Kaisers deutscher Nation, der den Namen Karl fhrte. Quer durch den
gewaltigen Sulenhof. Hinauf durch die lange Allee weissblhender
Akazien, durch die Wiesen, die viele tausend blauer Iris tragen. Den
Turm der Prinzessinnen liess ich mir aufschliessen, wo einst die
Sultantchter Zayda, Zorayda und Zorahayda am Fenster der gefangenen
Christenritter Lieder belauschten.

Ich schau ber das Tal auf den Hgel, von dem Boabdil beim Scheiden
seinen letzten Seufzer dem verlorenen Granada sandte. Ich blicke auf
den Garten des Generalife, deutlich sehe ich die vielhundertjhrigen
Zypressen, unter deren Schatten des letzten Maurenknigs Frau -- Hamet,
dem schnsten der Abenceragen das unheilbringende Stelldichein gab.

-- Hier erzhlt jeder Stein eine trbe, verklungene Sage -- --

Tief unten im Tal geht der Weg, der weit hinauf zur Totenstatt fhrt.
Ein paar schwarze Ziegen weiden an den grnen Abhngen; hinten, unter
dem Turm der Gefangenen, sitzt ein zerlumpter Zollwchter vor seiner
schmutzigen Hhle. Langohrige Kaninchen grasen um ihn herum, sieben
Hhne, zum nahen Kampfe schon der Kmme und Schwanzfedern beraubt,
picken im Boden oder fliegen aufeinander. Und weit im Osten glht
purpurrot der Schnee der wilden Sierra Nevada --

Ein Trupp zerlumpter Bengels zieht durch das Tal. Zwei tragen einen
kleinen Kindersarg auf den Schultern, offen nach spanischer Sitte; ein
anderer schultert den Deckel. Der Sarg ist sehr einfach, drei gelbe
Bretter und zwei Brettchen. Aber drinnen liegen Blumen, viele Blumen,
rote, gelbe und weisse und blaue Blumen, unter denen das wachsbleiche
Kpfchen in schwarzem Haar hervorschaut. Kein Priester, keine
Verwandten, nicht einmal Vater und Mutter im Zuge; sechs zerlumpte
Bengels -- --

Doch zwischen so vielen bunten Blumen ruht das tote Kind, in solch
frischem, blhendem Dufte. Wie gut, dass man ihm die Augen nicht
schloss! Nun schaut es heraus, neugierig aus den bunten Blumen, hinauf
zu dem alten, maurischen Knigsschloss. So zufrieden blickt es heraus
aus seiner bunten Pracht, das kleine tote Mdchen, so zufrieden und
glcklich, wie es gewiss nie im Leben war.

  [Abbildung: POE'S LANDHAUS ZU FORDHAM
  Zeichnung von H. Crickmore]

_Hier_ htte Edgar Allan Poe sitzen mssen. Wie htte er getrumt, wie
wren die bunten Sagen auf leichten Flgeln um seine Stirn geflogen. Und
er htte in ehernen Worten eine neue Alhambra gebaut, die die hausdicken
Trme der Nasseriden um viele Jahrhunderte berdauern wrde -- -- --

+Hier+ htten ihn vielleicht andere Wege zur Ekstase gefhrt; er htte
wohl nicht getrunken. Aber er war ja da drben in Neu-England, seine
arme Dichterseele stak eingepfercht zwischen realsten Prosawerten,
indes zur selben Zeit Washington Irving, dies Musterbild englischer
Sittlichkeit, im Mondscheinzauber der Alhambra trumen durfte! Und seine
_Alhambrasagen_ wurden weltberhmt; Tag um Tag sehe ich die Fremden die
geheiligten Rume betreten: in der Hand den Baedeker, in der Rocktasche
+sein+ Buch. So, wie sie im Hause der Vettier oder in dem des Dionysos
die _Letzten Tage von Pompei_ lesen. Sind die paar Schnheiten in
diesen Bchern, die sich nicht wegleugnen lassen, Lord Lyttons oder
Irvings Geiste entsprungen? O nein, ein Hauch der rmischen Totenstadt,
des maurischen Geisterschlosses goss sich in ihre Seelen, obgleich sie
nicht Dichter, obgleich sie nur kleine brgerliche Schreiberlein waren.
Nicht Bulwer, nicht Irving schufen diese Schnheiten. Pompei schuf sie
und die Alhambra -- -- +trotz ihnen+.

    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Poes glhende Sehnsucht kannte nichts von alledem. Um sich
herauszuheben, um in sich eine Ekstase zu erwecken, die ihn forttrug aus
all den Dutzendwerten, die ihn umgaben, blieb ihm nur ein Mittel. Von
ganz geringen Anregungen abgesehen, die wohl kaum geeignet waren, zur
Ekstase zu fhren, hat dieser unglckliche Dichter nur einmal in seinem
Leben von aussen her der Muse Kuss empfangen: durch sein schnes
geliebtes Weib, Virginia Clemm. Mag der Moralist diesen Rausch einen
heiligen, gttlichen nennen, mag er des Dichters _andere_ Ekstasen, die
aus Alkohol und hier und da aus Opium erwuchsen, als unheilig und
teuflisch schelten: das gilt uns gleich! Denn die Kunstwerte, die aus
diesen hervorgingen, sind nicht weniger herrlich -- --

Qualvoll aber war fr den Geweihten die gttliche Ekstase kaum minder
als die teuflische! Eine Hlle sollte ihm sein, was andern ein Paradies
war, eine heissgeliebte, eine selige Hlle, deren Flammen aber nicht
weniger sengten. Denn Virginia, deren sterbenden Augen wir _Morella_ und
_Ligeia_, _Berenice_ und _Leonore_ verdanken, war dem Tode bestimmt, ehe
sie noch dem Dichter die Hand reichte. Er wusste, dass die Schwindsucht
das leuchtende Rot auf ihre Wangen log, wusste, dass aus diesen tiefen,
feucht schimmernden Augen die unerbittliche Krankheit herausgrinste.
Wenn er am Abend die geliebten Locken streichelte, fhlte er: _Noch so
viele Tage wird sie leben_; und am andern Morgen: _Wieder einen Tag
weniger_. Eine Sterbende war es, die seine Lippen ksste, eine
Sterbende, deren schner Kopf nchtens neben dem seinen ruhte. Wenn er
aufwachte von dem Rcheln und Rasseln ihrer mhsam arbeitenden Lungen,
schien ihm das weisse Linnen ein Leichentuch, schien ihm der kalte
Tropfen auf ihrer Stirne ein Todesschweiss. Ein Sterben durch Jahre
hindurch, ein sichtbares langsames Sterben der Geliebten -- -- das
war das einzige -- +Glck+ dieses unseligsten aller Dichter. O ja,
_Sensationen_ gab ihm die schne todgeweihte Gattin, aber es waren
Sensationen der Angst, des stummen verhaltenen Schmerzes, der
Verzweiflung in lchelnder Larve: ein +Paradies der Qualen+. Lies seine
schnsten Geschichten, die Virginia in seine Seele senkte: du wirst
einen Hauch davon verspren, in welch namenlosen Qualen sie geboren.

Ehe noch der letzte Faden zum Leben zerrissen und die stille Frau in die
Gruft gesenkt war, schrieb Edgar Poe sein Meisterstck, den +Raben+.
Und zu diesem Gedicht, das in der Weltliteratur nicht seinesgleichen
hat, nahm er, -- ich mchte es den englischen Heuchlern ins Gesicht
schreien -- die Ekstase wie aus dem _heiligen_ Rausche des um die
Verlorene blutenden Herzens, so auch aus dem _gemeinen, lasterhaften_
Rausche +der Weinflasche+!

Jeder Irrenarzt, der sich mit Suferwahnsinn beschftigt hat, wird
mit Leichtigkeit nachweisen knnen, was in dem Raben mit absoluter
Gewissheit einem Delirium entstammt; ebenso leicht ist fr den
Psychologen der Nachweis des andern Rausches, den der Dichter Virginia,
der _lost Lenore_, hier verdankt. Und damit vergleiche man das
freimtige, wunderbar klare Essay, das Poe ber die Entstehung des
Gedichtes schrieb. Jede Strophe, jede Zeile, jeden einzelnen Wortklang
begrndet er in verblffend einfacher Logik, es ist fast, als ob er den
binomischen Lehrsatz beweisen wollte! Freilich die Hauptsache, die
Ekstase und ihre Entstehung aus einem heiligen und einem -- ach, so
unheiligen Rausche erwhnt er mit keinem Wort -- schrieb er sein Essay
doch fr neuenglndische Magazinleser, wie htten die einen Dichter
verstehen sollen, der von einer Ekstase sprach!? Das Handwerksmssige,
das rein Technische, das, was _die_ Kunst ausmacht, die auf _das Knnen_
sich sttzt, das ist nie von einem Dichter klarer und berzeugender
dargelegt worden, als in diesem Essay: ein Lehrbuch der Dichtkunst an
einem Meisterbeispiel! Freilich -- -- benutzen werden Gevatter Schneider
und Handschuhmacher den Leitfaden +nie knnen+, fr den Knstler aber
ist er die wertvollste Belehrung, die es gibt. -- Mag er daraus ersehen,
dass der gttliche Rausch +allein+ kein vollkommenes Kunstwerk
schafft, dass die gemeine Arbeit, die verachtete Technik, das berlegen
und Feilen, das Wiegen und Tnen ebenso unentbehrlich sind.

-- Nicht der gewaltige Gedanke des arabischen Baumeisters allein schuf
die herrliche Alhambra: Maurer und Eseltreiber, Grtner und Anstreicher,
jeder trug sein Teilchen bei!

-- Edgar Allan Poe war +der erste Dichter+, der mit solcher Offenheit
von der Arbeit, von dem rein Handwerksmssigen sprach. Da, und auch wohl
nur da, war er Amerikaner, da stand er, und das will mehr sagen, an der
Schwelle modernen Denkens -- -- als erster. Ein glnzender Beweis fr
den Vollwert dieses Knstlers, der nur von der Technik spricht und _mit
keinem Worte_ hier die Intuition erwhnt, die der Dilettant immer im
Munde fhrt. Vielleicht, wenn er fr andere Leser in seinem Magazine
geschrieben htte, vielleicht wre er noch einen Schritt weiter
gegangen, htte ihnen wohl gar von der Technik des Rausches erzhlt.

Nie vor ihm hat ein anderer sein eigenes Kunstwerk so zergliedert, so
bis auf die letzte Faser anatomisch zersetzt. Der gttliche Hauch, der
die Bibel diktierte, spukt bis auf unsere Tage in dem Glauben der Masse
herum, und die Herrn Knstler von Gottes Gnaden hteten sich wohl, das
Inspirationsfabelchen aufzuklren. Wenn _der heilige Geist ber sie kam_
-- dann malten, dichteten, komponierten sie und setzten mehr oder
weniger immakulate Geisteskindlein in die Welt. Das war so nett, so
bequem, dass gewiss manche grosse Knstler selbst an die geheimnisvolle
Weihe glauben mochten. Trunken vom Gotte, hiess der thrakische Snger,
auch wenn er so nchtern war wie Sokrates. Dieser Gedanke, der sich in
der _dionysischen Urform_ fast mit unseren modernen Anschauungen von
Rausch und Ekstase deckt, bekam in der sptern _apollinischen_
Auffassung -- -- die gttliche Salbung, die die christliche
Weltanschauung, wie so vieles, das klares Denken zu trben imstande war,
mit grosser Begeisterung bernahm. Alle die schnen Phrasen von dem
Platz im Olymp, von dem Kuss der Muse, von dem gttlichen Rausche, von
dem Gottesgnadentum des Knstlers usw. -- bei denen wir uns Gott sei
Dank nicht das geringste mehr denken -- haben _da_ ihren Ursprung.

Es gehrte Mut dazu, diesen leuchtenden Nebel zu zerschlagen; wenige,
gar wenige Gedichte der Weltliteratur vertragen eine solche
unerbittliche Zersetzung. Aber weil Poe in seinem Raben ein Kunstwerk
geschaffen, so rein, so vollendet, konnte er den Schritt wagen. Das
Kleinliche, das Lcherliche und Absurde, das alles Erhabene sonst in den
Staub reisst, vermag nichts dieser Vollkommenheit gegenber.

-- Mein Blick fllt auf die Wandbekleidung des Saales. Im Stile Mudejar
verschlingen und lsen sich die Arabesken und kufischen Sprche, das
Auge mag sich nicht satt sehen an all diesen phantastischen Harmonien.
Nun, das arabische Wunderwerk besteht aus +Gips+, gemeinem Gips -- --
_wie lcherlich, wie kleinlich, wie absurd!_ Aber obschon es aus
erbrmlichem Gips besteht, verliert dieses vollkommene Kunstwerk nichts
von seiner Erhabenheit. Die gemeine Materie atmet den Hauch des Geistes
-- +die Kunst triumphiert ber die Natur+, _und diese Kunst ist so
gross, dass ihr meine Erkenntnis des lcherlichen Stoffes nichts anhaben
mag!_

  [Abbildung: DER RABE
  Zeichnung von C. F. Tilney]

Poe brauchte eben das uralte Lgenmntelchen nicht mehr. Er sah, dass
es fadenscheinig und zerrissen war, und warf es khn zur Seite. In den
paar Worten, mit denen er in _Heureka_ den Begriff der _Intuition_
definierte, als eine Wahrheitserkenntnis, die sich auf Induktionen und
Deduktionen grndet, die so schattenhaft sind, dass sie sich unserem
Bewusstsein entziehen, sich vom Verstande nicht fassen lassen und der
Ausdrucksfhigkeit der Sprache spotten, -- liegt eine klarere
Erkenntnis der Wege des knstlerischen Schaffens, als einer seiner
Zeitgenossen sie hatte. Indem der Dichterphilosoph also der sogenannten
Intuition der Philosophie gegenber -- speziell Aristoteles und Bacon
gegenber, mit denen er sich auseinandersetzt -- eine Stelle einrumt,
die ihr diese abspricht, bestimmt er zugleich ihren Wert und zwar in
einem +engbegrenzten+, untheologischen, durchaus modernen Sinne. Das ist
das Grosse an diesem ersten Menschen mit modernem Geiste, dass er, der
Romantiker, der Trumer, doch ein Anbeter des Verstandes war, der _nie_
den Boden der Erde unter den Fssen verlor!

    *  *  *

Edgar Allan Poe bekannte also -- als Erster -- offen die Technik des
Denkens, nahm Zolas Genie ist Fleiss um Jahrzehnte vorweg. Und dieser
_selbe_ Edgar Allan Poe schrieb in seinem Vorwort zu +Heureka+:

  Denen, die mich lieben und die ich liebe; +den Trumern und denen,
  die an Trume glauben+, _als an das einzig Wirkliche_ -- +widme ich
  dies Buch der Wahrheiten+, nicht um Wahrheiten zu erzhlen, +sondern
  um der Schnheit willen, die in der Wahrheit sich birgt+, _die
  allein die Wahrheit wahr macht_. Ihnen weihe ich diese Arbeit, nur
  als +ein Werk der Kunst+, einen Roman, wenn ihr wollt; oder auch,
  wenn das nicht zuviel gesagt ist, als ein Gedicht. Was ich hier
  sage, _ist wahr, deshalb kann es nicht sterben:_ und wenn es
  irgendwie vergehen sollte, so wird es wieder auferstehen zu ewigem
  Leben.

So stellt Poe, vllig unabhngig von Th. Gautier, sein L'art pour
l'art-Prinzip auf. Grsser als Gautier, der die Schnheit nur mit dem
Auge des Malers sah, stellt er seine Forderung, und auch tiefer als
Gautier, dem die ussere Form allein die Schnheit offenbarte. +Die
Schnheit erst+ macht ihm die Wahrheit -- _zur Wahrheit_, deren
Daseinsberechtigung er ohne die Schnheit verneint: das ist die hchste
Anforderung an die Kunst, die je gestellt wurde. Und da diese Forderung
sich nur in Sehnschten erfllen kann, sind ihm die Trume das +einzig
Wirkliche+, spricht er dem wachen Leben jeden Realittswert ab. Auch
hier ist Poe -- der Romantiker -- ein Pfadfinder, auch hier offenbart
er als Erster das, was wir modernen Geist nennen. Hat er das von Zola
gemnzte Prinzip des technischen Schaffens vorweg genommen, hat er
weiter der Parnassier Kunstprinzip unabhngig von ihnen aufgestellt, so
berspringt er hier um ein halbes Jahrhundert die Zeit und gibt eine
Forderung, so ultramodern, dass selbst heute nur ein kleiner Teil der
fortgeschrittensten Geister sie in ihrer ganzen radikalen Grsse
verstehen wird.

Die Befruchtung der Literatur der Kulturvlker durch Poes Geist wird
erst in diesem Jahrhundert volle Blten treiben: das vergangene sah ihm
nur ein paar lcherliche usserlichkeiten ab, ein Ruspern und Spucken,
das freilich den glcklichen Abguckern, den Jules Verne und Conan Doyle
ein Vermgen eintrug. Ganz gewiss hat der darbende Poe _diese_ Sachen
nur fr das tgliche Brot geschrieben: die See- und Mondreisen Gordon
Pyms und Hans Pfaals usw., sowie einige der Kriminal-Novellen (wie
z.B. der Mord in der Rue de Morgue, der Entwendete Brief, der
Goldkfer) sind durchaus nur aus dem Bedrfnis heraus entstanden, warm
zu Mittag speisen zu knnen. Denn Poe wusste, was hungern heisst! So
schrieb er diese Sachen, wie er auch bersetzungen anfertigte und an
allen mglichen wissenschaftlichen Werken mitarbeitete. Freilich, jede
einzelne der Geschichten, und sei es die schwchste, lsst alle
Abenteuer des eminenten Sherlock Holmes verblassen. -- Warum das
grosse Publikum, und namentlich das englischredende, trotzdem Doyles
lcherliche Detektivgeschichten mit Begeisterung verschlingt und die
Poeschen aus der Hand legt? Nichts ist verstndlicher! Poes Figuren
sind, wie die Dostojewskys, so echt, seine Komposition ist so lckenlos,
hlt die Phantasie des Lesers so unentrinnbar in ihren Netzen, dass
auch der Tapferste sich eines Grauens nicht zu erwehren vermag, eines
qualvollen, mrderischen Grauens, das wie ein grausamer Albdruck
festhlt. Bei seinen so ausserordentlich beliebten Nachahmern aber ist
dies Grauen nichts als ein angenehmer Kitzel, der in keinem kleinen
Moment den Leser einen Zweifel an der Kulisse ankommen lsst. Der Leser
weiss stets: das ist alles dummer Unfug; er steht _ber_ dem Erzhler --
+das will er+! Poe aber nimmt ihn beim Schopfe, reisst ihn in Abgrnde
und schleudert ihn in Hllen, dass dem armen Tropf Hren und Sehen
vergeht, dass er nicht mehr ein noch aus weiss. Darum zieht der gute
Brger, der gern ruhig schlafen will, den Kulissenhelden der Bakerstreet
vor und bedankt sich fr Poes grauenhaften Nachtmar. Man sieht: auch
da, wo er brgerlich sein wollte, wo er fr die grosse Masse schreiben
_wollte_, steckte er sein Ziel viel zu hoch; sprach zu Brgerkpfchen
und glaubte zu seinesgleichen zu reden! Um sein +Hirn+ zu Markte zu
tragen, lief er von Verleger zu Verleger herum -- -- zu Leuten, die
+Stroh+ kaufen wollten!

    *  *  *

Aber eine Zeit, die _kommt_, wird reif sein fr des Dichters Gaben.
Schon erkennen wir klar den Weg, der von Jean Paul und Th. A. Hoffmann
zu Baudelaire und Edgar Allan Poe fhrt, diesen einzigen Weg, den eine
Kunst der Kultur gehen kann, schon haben wir manche Anstze -- --

Diese Kunst wird nicht mehr in engem nationalen Kleide stecken. Sie
wird sich bewusst sein, wie sich Edgar Allan Poe als Erster bewusst war,
dass sie nicht fr _ihr_ Volk da ist, sondern einzig fr die dnnen
Kulturschichten, ob diese germanischer oder japanischer, lateinischer
oder jdischer Art sind. Kein Knstler hat je fr _sein_ Volk
geschaffen, und doch haben es fast alle gewollt und geglaubt. Der
grossen Masse in Spanien ist Velazquez und Cervantes genau so vllig
unbekannt, wie dem englischen Arbeiter Shakespeare und Byron, wie dem
franzsischen Rabelais und Molire, wie dem hollndischen Rembrandt und
Rubens sind. Das deutsche _Volk_ hat nicht die geringste Ahnung von
Goethe und Schiller, es kennt die Brger und Heine nicht einmal dem
Namen nach. Die kleinen Rundfragen bei den Soldaten einzelner
Regimenter: Wer war Bismarck? -- Wer war Goethe? sollten doch dem
vertrauensseligsten Blinden endlich die Augen ffnen. Ganze Welten
trennen den Kulturmenschen in Deutschland von seinen Landsleuten, die er
tglich auf der Strasse sieht: ein Nichts aber, eine Wasserrinne nur,
trennt ihn von dem Kulturmenschen in Amerika.

Heine fhlte das und warf es den Frankfurtern ins Gesicht, Edgar Allan
Poe sprach es noch viel klarer aus. Die meisten Knstler aber und
Gelehrten und Gebildeten aller Vlker hatten ein so geringes Verstndnis
dafr, dass bis auf unsere Tage Horaz' feines Odi profanum falsch
ausgelegt wird! Der Knstler, der fr sein Volk schaffen will,
erstrebt etwas Unmgliches und vernachlssigt darber hufig etwas
Erreichbares und doch Hheres: fr die ganze Welt zu schaffen. _ber_
dem Deutschen, ber dem Briten und Franzosen steht eine hhere Nation:
die Kulturnation; fr sie zu schaffen, ist des Knstlers allein wrdig.
_Hier_ war Poe bodenstndig, so wie es Goethe war, wenn auch in anderm,
ebenso bewusstem, aber lngst nicht so modernem Sinne.

    *  *  *

  [Abbildung: DIE WASSERGRUBE UND DAS PENDEL
  Zeichnung von C. F. Tilney]

Ganz langsam schreite ich im Parke der Alhambra unter den alten Ulmen,
die Wellington pflanzte. Zu allen Seiten pltschern die raschen Quellen,
mischen ihren Singsang mit den sssen Liedern von hundert Nachtigallen.
Zwischen den hohen Trmen schreite ich in dem ppigen Tale der Alhambra.

Wem gehrt dieses Zauberschloss, dieser Trumegarten? Der spanischen
Bettelnation, die ich verachte? Dem Fremdenpbel mit dem roten Buche
in der Hand, dem ich auf zehn Schritte schon aus dem Wege gehe? O nein!
Mir gehrt es, mir und den wenigen, die diese Schnheit in ihre Seele
aufzunehmen vermgen. Deren Hauch diesen Steinen, diesen Struchern
Leben zu leihen vermag, deren Geist es versteht, diese +Schnheit zur
Wahrheit zu machen+. Alles um mich herum und all das andere, was schn
ist auf dieser Erde, ist ein heiliges, unverletzliches Eigentum der
Kulturnation, die ber den Vlkern steht. Sie ist Herrscherin, sie ist
Besitzerin: _einen andern Herrn duldet die Schnheit nicht_. Das
begreifen heisst die Welt ergreifen: Edgar Allan Poe tat es als Erster.

Ich sitze auf der Steinbank, auf der Aboul-Haddjdj einst trumte. Vor
mir springt ein Quell in die Hhe, fllt in das runde Marmorbecken. Ich
weiss wohl, warum der Sultan hier sass, allein in den Dmmerstunden:
o, es ist so sss, hier zu trumen.

War einst ein Dichter, der schrieb nichts anderes, als Gesprche mit
Toten. Mit allen sieben Weisen plauderte er und allen Knigen Ninives.
Und mit gyptischen Priestern und thessalischen Hexen, mit Athens
Sngern, mit Roms Feldherrn und mit Knig Artus' Tafelrunde.
Schliesslich mochte er mit keinem lebenden Menschen mehr reden: die
Toten sind so viel unterhaltsamer! -- O, man kann mit ihnen plaudern,
gewiss doch. Alle Trumer knnen es, und +alle die, die an Trume
glauben+, _als an das einzig Wirkliche_.

Bin ich nicht heute mit ihm, den ich liebe, dort oben durch die Sle
gewandert? Habe ich nicht dem Toten ein Teil von der Welten Schnheit
gezeigt, die des Lebenden Augen nie sahen? Nun steht er da vor mir, an
die Ulme gelehnt -- --

Frage nur, sagt er.

Er fhlt wohl, wie ich mit den Augen ihn liebkosend frage. Und er
spricht. Bald tropfen die Worte klar von den Lippen, bald pltschert
seine Stimme aus dem Springbrunn, sie singt aus den Kehlen der
Nachtigallen und rauscht mit den Blttern der alten Ulmen. So klug sind
die Toten.

Lass du mein armes Leben, sagt Edgar Allan Poe. Frage Goethe darnach,
der ein Frst war, der sechs Hengste zahlte und mit ihnen durch die
Welten jagte. Ich war ein Einsamer.

Ich lass den Blick nicht von ihm: Erzhle! Denen, die dich lieben, und
die du liebst!

_Das Leben_ vergass ich, das ich lebte, sagte er, o nicht erst, seit
ich tot bin, wie die Menschlein sagen. Jeden Tag vergass ich am nchsten
Tage -- -- htte ich sonst weiter leben knnen? -- Mein wahres Leben
aber, mein Leben in meinen Trumen, das kennst du ja!

-- -- Vom Boden her huscht ein leichter Nebel durch den Abend, eine
ssse Khle fchelt meine Schlfen. Freilich: das Leben seiner Trume
kenn ich wohl, schenkte er es doch mir und der Welt. Und langsam lass
ich dies Leben in seinen Dichtungen vor mir vorbergleiten.

    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
    -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

-- -- _William Wilson._ Natrlich ist es Poe. So sehr Poe, dass der
Pfaffe Griswold geruhig Wilsons Geburtsjahr -- 1813 -- als das des
Dichters angibt! -- Der Knabe herrscht in der alten Boarding-School zu
Stoke-Newington ber all seine Mitschler, nur ber einen nicht, den
+andern+ Wilson: _sich selbst_. Und er, dessen ererbter leichter Sinn
ihn als Knaben, Jngling und Mann immer wieder zum Lumpen werden lsst,
wird sein Gewissen nicht los: den +andern+ Wilson, _sich selbst_. Trotz
des Gewissens stsst ihn sein Hang zum Verbrechen in der Welt herum, und
immer von neuem ist _er selbst_ sein strafender Richter.[2]

So ist des Dichters Kindheit, so sein Jnglingsalter vergiftet. Das
ererbte und durch die Erziehung noch mehr entwickelte Gefhl fr gut und
bse ist so berstark in ihm, dass er aus dem ewigen Hin und Her nicht
herauskommt, schier an ihm zugrunde geht. Jedes kleine Unrecht, das er
begangen, wchst in seinen Trumen zum ungeheuerlichen Verbrechen und
qult ihn, qult ihn. Noch mehr: die Gedankensnde, das Spielen mit der
Idee des Bsen sind in seinen Trumen zu Wahrheiten geworden: er ist
_selbst_ der Held all seiner grausigen Geschichten. Die Snden der Vter
rchen sich an dem letzten Spross des Geschlechtes; wie sein Friedrich
von Metzengerstein reitet er auf dem dmonischen Ross in alle Flammen
der Hlle.

    *  *  *

-- -- Wie doch die Ulmenbltter rauschen! Und ich hre des Unseligen
Stimme aus den Winden:

Wenn ich kein Dichter gewesen wre, wre ich wohl ein Mrder geworden.
Ein Betrger, ein Dieb, ein Ruber und Falschspieler.

Die Bltter der Ulmen klingen, und wieder rauscht seine Stimme:

Und _vielleicht_ wre ich glcklicher gewesen.

    *  *  *

Ich denke: wer weiss? -- Gibt es wohl einen Verbrecher, dem seine Taten
die Martern brachten, wie dem Dichter die Verbrechen, _die er nie
begangen?_ Denn Edgar Allan Poe ist in seinen Trumen, +die ihm allein
das wahre Leben waren+, nicht nur der Mrder, er ist auch zugleich das
Opfer. Er mauert seinen Feind lebendig in den Keller ein -- und er ist
es _selbst_, der eingemauert wird. (Ein Fass Amontillado.) Er mordet,
weil _er muss_, den Mann mit dem Geierauge, er verscharrt ihn unter den
Dielen, und das Herz, das darunter klopft und klopft und die Tat verrt,
ist wieder sein eigenes. (Das verrterische Herz.) _Der doppelte
William Wilson: berall._

Selten hat ein Knstler so wenig _ber_ dem gestanden, was er schuf, nie
hat einer so sehr _in_ seinen Werken gelebt. Ein Deutscher, ein Franzose
htte sich leichter von dem unseligen Moralbegriff emanzipiert; dem
Dichter aber lastete durch Abstammung und Erziehung eine erdrckende
Religiositt auf der Seele, von der er sich nie ganz befreien konnte.
Spt erst gelang es ihm, sich etwas zu distancieren: ganz jenseits von
Gut und Bse hat er nie gestanden. Der alte englische Fluch drckte
ihn, keine Folter wurde ihm erspart; diese arme Seele musste alle
wahnsinnigen Hllenqualen der Breughel, der Jean van Bosch und Goya bis
zur letzten Neige auskosten.

O ja, wre er ein Verbrecher der Tat, nicht des Gedankens gewesen,
htte er am Galgen sein Dasein beschlossen, statt im Armenkrankenhaus,
sein Leben wre elend und jammervoll gewesen -- -- _doch nicht so
schrecklich, als es war_.

Aber Tempel erstanden aus den Schdelsttten, Lilienfelder auf
blutgedngten Wiesen. Und wir Glcklichen geniessen die herrlichen
Blumen, die aus des Dichters vergiftetem Herzblut erwuchsen.

    *  *  *

Die Quellbchlein pltschern durch den Park der Alhambra. Kleine
muntere Bchlein, die plaudern und schwatzen. In den schmalen
kieselgepflasterten Betten springen sie schnell vorbei, schnell wie die
guten Stunden in des Dichters Leben dahineilten. Die Stunden, Minuten
vielleicht, in denen er harmlos frhlich sein konnte.

Dann trumte er irgendeinen lustigen Traum. Etwa von dem Manne mit der
wunderbar grossen Nase, die alle Welt in Begeisterung setzte, die Maler
malten und Herzoginnen kssten. Diese kstliche kleine Geschichte, die
in der bizarren Art ihrer Anlage Mark Twain vorweggenommen ist. Nur dass
bei Poe die grotesken bertreibungen viel feiner, viel natrlicher
herauskommen, dass sich nirgends ein Wortwitz vordrngend breit macht.

Oder er macht sich ber die breiten Bettelsuppen lustig, die die
Wochenbltter ihren gutmtigen Lesern auftischen, gibt der Miss Zenobia
Unterricht, wie sie einen tchtigen Blackwoodartikel abzufassen hat,
lsst den ehrenwerten Herrn Thingum Bob von der Weltlaterne hchst
ergtzlich ber seine literarische Laufbahn plaudern. -- So leicht,
so liebenswrdig und einschmeichelnd ist des Dichters Witz! Wie die
Bchlein, die munter plaudernd durch den Park der Alhambra pltschern
-- --

    *  *  *

Aber wie die Nachtigallen schluchzen seine Trume der Sehnsucht. Und
aus der Seele einer Nachtigall scheint die Stimme gemacht, die sie sang.
So rein, so ohne Makel; die heilige Ccilia mchte aus Neid ihre Geige
zerbrechen und Apoll seine Leier zerschlagen. War dem Dichter in seinen
Verbrechertrumen keine Hlle tief genug, so war ihm in diesen heiligen
Gesngen kein Himmel zu hoch.

Nirgends finden wir bei Poe nur einen Satz, einen leisen Gedanken, der
sich auf sexuelle Liebe bezge. Die Erotik ist ihm so vllig fremd,[3]
wie keinem andern Dichter, den einen Scheerbart vielleicht ausgenommen.
Ebenso wenig ist irgendwo ein Zug sozialen Fhlens bei ihm zu entdecken.
Und doch hat er ein Herz in der Brust, das sich nach Liebe sehnt, dem
Liebesmitteilung unabweisbares Bedrfnis ist. _Nur_ dass er den Menschen
nicht lieben +kann+, weil er immer und berall die _kleinen_ Seiten
sieht, die ihn abstossen, die die zur Liebkosung ausgestreckte Hand
festbannen, das schmeichelnde Wort auf der Zunge ersterben lassen. Da
wendet sich die Sucht Gutes zu tun, Liebes zu erweisen, dem +Tiere+ zu,
streichelt den Hund, fttert die verhungerte Katze und ist dankbar fr
einen treuen Blick, fr ein zufriedenes Schnurren. Wie bewusst das alles
dem Dichter war, geht aus seiner Novelle: Der schwarze Kater hervor,
wo er ausdrcklich diese Tierliebe als die reichste _Quelle seiner
Freuden_ bezeichnet. War es die _reichste_ Freudenquelle eines armen
Lebens, so war es auch gewiss die _reinste_, denn die hohe Liebe zu der
sterbenden Gattin gab ihm Freuden nur mit grsslichen Qualen vermischt.

_Der_ Edgar Allan Poe, der +Roderich Usher+ ist, hatte wie der Engel
Israfel des Korans statt des Herzens eine Laute in der Brust. Wenn er
die schne Geliebte anblickte, schluchzte sein Herz, und die Laute sang.
Sang die hohen Lieder der Sehnsucht, deren Titel schon mit so sssen
Tnen ins Ohr klingen, die reinen Weisen von Morella und Berenice, von
Eleonora und Ligeia. Dieselbe _innere Musik_, die den Raben
durchflutet und Ulalume, und die vielleicht _das Hchste_ der Kunst
ist, rauscht durch diese Poesie in Prosa. Und das Wort, das der Dichter
seinem Weltensang Heureka zum Geleite gab, gilt auch fr diese Klnge:
They cannot die: or if by any means they be now trodden down, so that
they die, they will rise again to the life eternal.

Ja, sie haben Ewigkeitwert, sie werden die kurze Spanne Zeit leben, die
wir Menschlein Ewigkeit nennen: das aber ist das Hchste, was je ein
Mensch erreichen kann, auch in alle Zukunft hinaus.

    *  *  *

Fr keine Zeit aber ist der Wert des Dichters Edgar Allan Poe ein
hherer, als fr unsere Tage, denn gerade unsere Zeit kann von ihm
lernen -- und _sie tut es_. Poe ist heute kein Problem mehr, er ist eine
Erscheinung, die lichtklar vor allen denen liegt, die sehen knnen. Das
Bewusste seiner Rauschkunst, das Hervorheben der Bedeutung der Technik,
das klare Erkennen des parnassischen Kunstprinzips in weitester
Auffassung, die starke bis zur ussersten Grenze gehende Hervorkehrung
der hohen Bedeutung der innern Musik fr alle Poesie -- -- das alles
sind Momente, die einzeln von manchen andern betont sind, in ihrer
Gesamtheit und durchdringenden Verbindung aber von keinem Knstler so
erkannt und angewandt sind, wie von dem neuenglischen Dichter. Und da
diese Momente eben _in ihrem Aggregat_ das darstellen, was als die
Forderung des modernen Geistes fr die Kulturkunst bezeichnet werden
kann, so ist das eingehende Studium wohl keines Dichters fr den
Knstler und gebildeten Laien so dankbar, wie das Edgar Allan Poes. Dass
man freilich solche Studien nicht an bersetzungen machen kann, liegt
auf der Hand: kennen lernen und geniessen mag man den Dichter in
bersetzungen, zu einem Eindringen in sein innerstes Wesen ist die
Urform notwendig. Das mag von allen Dichtern gelten, von keinem aber
mehr als von Poe.

    *  *  *

Noch flten die Nachtigallen, und aus ihren kleinen Kehlen singt die
Stimme des Dichters, den ich liebe. Die leichten Winde schlagen die
Flgel ein, die Bltter der Ulmen halten inne mit Rauschen. Selbst die
Rieselbchlein lassen von ihrem Geplauder: der Park der Alhambra lauscht
dem Gesange der Nachtigallen. Durch Hunderte von Jahren haben am Abend
diese sssen Klnge die alten Trme und Mauern zur Ruhe gewiegt -- --
auch heute sind es die vertrauten Tne und doch anders, so anders. Eines
toten Dichters Lautenherz klopft, und _seiner Seele Lieder_ singen die
kleinen Vgel. Da lauschen die Bche und Bume, da lauschen die roten
Quadersteine, da lauschen die purpurglhenden Kuppen der Schneeberge.
Und ein unendlicher Seufzer klingt durch den grossen Garten von Westen
her: das ist die warme, sinkende Sonne, die trauernd Abschied nehmen
muss von eines Dichters erhabenem Sange.

Die Dmmerung atmet durch die Ulmen, und leichte Nebelschatten
heben sich aus den Lorbeerbschen, steigen hinab aus dem maurischen
Geisterschloss. Wie ein langer Zug schreiten sie vorbei, setzen sich
ringsum auf die Marmorbnke. Ich weiss wohl, wer sie sind: Granadas
Dichter, Juden und Araber. Ganz nahe bei mir sitzt Gabirol, dann Ibn
al-Khabib und Ibn Esra. Und Jehudah ben Halevy und Mohammed Ibn Khaldon
und Ibn Batota, hundert tote Dichter lauschen schweigend dem Sange der
Nachtigallen. Sie wissen alle, _was_ heute die grauen Vglein singen --
_so klug sind die Toten_. Sie hren das Herz des Engels Israfel, von dem
der Koran erzhlt, und preisen dankend den Gott, der solche Tne
erweckte. -- Oual ghliba ill' Allhta 'al -- murmeln die
Nebelschatten der Alhambra.

Und die Nachtigallen singen von dunkeln Rtseln, von den reinen
Quellen des Lebens, das eine grosse Sehnsucht ist. Sie singen von dem
geheimnisvollen Gedanken, der alles erschuf und ewig durchdringt, von
dem weltenbauenden Hauche, der mit unendlicher Liebe das All erfllt.
Singen von der Schnheit, die alle Wahrheit erst zur Wahrheit macht; von
den Trumen, die das Leben erst zum Leben machen.

Poes Seele singt, und hundert tote Dichter lauschen den Klngen. Und von
ihren Lippen lsen sich immer wieder die uralten Worte: -- Oual ghliba
ill' Allhta 'al. -- -- So dankbar sind die Toten.

    *  *  *

Und tiefer sinkt die Nacht herein. Die Nachtigallen schweigen, und der
Ostwind hebt sich von der Sierra her. Da weichen die Nebelschatten;
wieder bin ich allein in der Alhambra verzauberten Parke, allein mit
eines grossen Dichters Seele. Und wie der Wind durch die Bltter fhrt,
rauschen die alten Ulmen und singen von Ulalume, der seltsamen Ballade
von des Dichters schaurigem Traume -- --

  'The skies they were ashen and sober;
  The leaves they were crispd and sere --
  The leaves they were withering and sere;
  It was night in the lonesome October
  Of my most immemorial year.
  It was hard by the dim lake of Auber
  In the misty mid region of Weir --
  It was down by the dank tarn of Auber
  In the ghoul -- haunted Woodland of Weir.

  Here once, through an Alley Titantic
  Of Cypress, I roamed with my Soul -- --
  -- -- -- --'

Ich weiss wohl, dass ich es bin, der die Verse spricht. Aber ich fhle,
dass meine Lippen nichts anderes sagen, als das, was die Ulmen da
rauschen. Ich fhle: das ist das trbe Oktoberlied der heulenden Winde,
das eines Dichters berirdische Sehnsucht in sich aufsog und in
Menschenworte bannte. Das ist das Einatmen eines innersten Sinnes der
Natur, ist ein Aufgehen des eigenen Wesens im All und zugleich ein
Durchdringen des Alls mit dem Gedanken, der die Urform allen Seins ist.
Das ist ein kleiner Beweis fr das von dem Dichter aufgestellte hchste
Gesetz von der +Einheit+ _als Quelle aller Dinge_.

Mein Mund spricht die geheimnisvollen Worte, die meinem Ohre der Wind
zutrgt. Ich frchte mich in dieser dstern Einsamkeit, in der eine
mrchenferne Zeit lebt; ich will hinaus aus dem Tale der Alhambra. Da
verirrt sich mein Fuss, tappt im Dunkel und verfehlt den Weg. Und wie
ich eine Allee gewaltiger Zypressen zu Ende schreite, stosse ich hart an
ein niederes Tor. O, die Angst lehrt im Dunkeln sehn -- -- ich weiss,
ich weiss, wessen Grab das ist. Und _gegen meinen Willen_ sprechen meine
Lippen zu meiner Seele:

  -- -- -- What is written, sweet Sister,
  On the door of this legended tomb?
  She replied: -- Ulalume -- Ulalume --
  'Tis the vault of thy lost Ulalume!

Immer steigert sich meine Furcht. Des toten Dichters Seele, die durch
der Ulmen Bltter rauschte, in der Nachtigallen Sang erklang, die aus
den Quellbchlein pltscherte und des Windes schauriges Lied erfllte,
sie nimmt _auch von mir_ Besitz. Von mir: einem winzigen Stubchen der
Natur, die sie durchdringt. Ich weiss, dass dieser Gedanke mich
vernichtet, dem ich nicht entfliehen kann. Doch wehre ich ihm nicht,
-- -- und seltsam! ich werde ruhig, so ruhig, wie ich ganz von ihm
erfllt bin.

Leise schwindet die kleine Menschenangst.

    *  *  *

Nun finde ich auch meinen Weg wieder. Ich schreite durch die Pforte der
Reben auf den Platz der Aljibes zu. Ich gehe in die Alcazaba, steige den
Ghafar hinauf, den mchtigen Wachtturm der maurischen Frsten. Ein
leuchtender Halbmond glnzt nun zwischen ziehenden Wolken, das alte
Wahrzeichen arabischer Grsse, das kein Christengott vom Himmel
wegwischen kann. Ich blicke tief hinunter auf das kirchenfrohe Granada,
lrmend und schwrmend im nchtlichen Strassentreiben. Das luft in
Kaffeehuser, das liest Zeitungen, putzt Stiefel und lsst sich Stiefel
putzen. Das schaut in erleuchtete Ladenfenster, fhrt in Trambahnen,
ruft frisches Wasser aus und sammelt Zigarrenstummel. Das lrmt und
schreit, zankt sich und vertrgt sich wieder. -- Und _kein Mensch_ hebt
den Blick, kein Mensch schaut hinauf auf die einzige Pracht hier oben!

Rechts von mir braust der Darro daher, hinten hre ich des Genil
Rauschen. Helle Feuerscheine dringen aus den Erdhhlen des
Zigeunerberges, und zur andern Seite strahlen silbern im Mondlichte die
Schneehupter der Sierra. Zwischen dem Wachtturme, auf dem ich stehe,
und den Purpurtrmen des Mohrenberges zieht sich tief im Tal der dunkle
Park hin, hinter mir liegt, Saal an Saal, Hof an Hof, der Alhambra
Zauberschloss.

Dort unten lrmt das kleine Leben des Jahrhunderts, hier oben ist der
Trume Land. Und das da unten -- -- wie fern, wie unendlich weit ist das
von mir. Und das hier oben -- -- ist nicht jeder Stein ein Stck meiner
Seele? Bin ich, allein in dieser Welt der Geister, _die das blinde Leben
unten nicht sieht_, bin ich nicht ein Teil all dieser Trume? -- Die
allmchtige Schnheit macht diese Trume _zur Wahrheit_: hier blht das
Leben, und die Wirklichkeit da unten wird zum Schattenspiele.

Die Tat ist nichts -- der Gedanke ist alles. Die Wirklichkeit ist
hsslich, und dem Hsslichen fehlt die Berechtigung des Daseins. Die
Trume aber sind schn, und sind wahr, _weil_ sie schn sind.

Und darum glaube ich an die Trume, als an das _einzig_ Wirkliche.

  [Verzierung]




WIE SAH EDGAR ALLAN POE AUS?


Es gibt Mnner, von denen ein seltsamer Zauber ausgeht. Sie ziehen in
ihren Bann, willenlos: man _muss_ an ihre Persnlichkeit glauben. Und
dann ist da ein _Etwas_, das zurckstsst; man weiss nicht, was es ist
-- -- _aber es ist da_. Sie sind _gezeichnet_: mit dem Kennzeichen der
Kunst. So war Oscar Wilde, so war +Edgar Allan Poe+.

Seine Gestalt war hoch, sein Gang leicht und seine Haltung stets
harmonisch. Immer vornehm, trotz seiner Armut; von einer romantisch
ritterlichen Art. Seine stolzen Zge waren regelmssig, ja, sie waren
schn; die reinen Augen dunkelgrau mit einem seltsam violetten Glanze.
Die selbstbewusste Stirn hoch und von wunderbarem Ebenmass. Bleich war
stets seine Gesichtsfarbe und schwarz die Locken, die sie beschatteten.
Schn war Edgar Allan Poe, an Leib und an Seele. Wie Musik klang seine
leise Stimme -- --

Geschmeidig war er und krftig, zu jeder Leibesbung geschickt. Ein
ausdauernder Schwimmer, der einmal ber sieben englische Meilen ohne zu
ermden von Richmond nach Warwick gegen reissenden Strom schwamm; ein
gewandter Springer, eleganter Reiter und vorzglicher Fechter, der mehr
wie einmal einen Gegner heissbltig zum Zweikampfe forderte.

Er war ein _Gentleman_ vom Scheitel zur Sohle. Seine gesellschaftlichen
Formen waren khl und doch bestrickend liebenswrdig. Er war weich und
zart und doch ernst und fest. Er war ein Gelehrter, besass eine fast
universale Bildung. Es war ein gleich grosser sthetischer Genuss ihn zu
sehen, wie ihm zuzuhren. Er war immer der Schenkende, und sein Fluch
war, dass so wenige, wenige all derer, an die er seine reichen Gaben
zerstreute, sie zu wrdigen verstanden. Ein paar schne Frauen -- --
verstanden ihn? -- nein, aber sie ahnten den Adel seiner Seele;
instinktiv, wie es immer die Frauen tun. -- Drei Menschen, die zu seiner
Zeit lebten, vermochten ihn ganz zu erfassen: Baudelaire und die beiden
Browning. Aber sie lebten drben im alten Europa, und er sah sie nie --

  [Abbildung: Edgar A. Poe.
  (Nach einer Radierung von Harry G. Webb)]

So war der Dichter allein, einsam in seinen verstiegenen Trumen.

Und wie er schn war und ber alles die Schnheit liebte, so musste auch
alles das schn sein, was ihn umgab. Grandiose Schnheiten schuf er in
seinen Trumen, die ihm ja Wirklichkeit waren; da hauste er in Landors
kstlichem Landhaus oder auf dem herrlichen Gute zu Arnheim. Aber auch
in dem armen bescheidenen Leben, das die Pfennige zhlt, wusste er um
sich herum ein Sein zu schaffen, das die Bewunderung Reichster erregte.
Seine kleine Htte zu Fordham, in der er an der Seite der schnen
todgeweihten Gattin ein Paradies der Qualen durchlebte, durchflutete
eine kstliche Harmonie, die jeden Besucher entzckte. Krempel und
Germpel stand da herum -- -- aber _wie_ es herum stand, war es reizvoll
und schn. Es war eine erbrmliche Htte auf der Spitze eines kleinen
Hgels, aber blhende Kirschbume standen auf der grnen Wiese, kleine
Singvgel lockten frhmorgens den Dichter hinaus in die nahen
Fichtenwlder. Dann schritt er durch seine bunten Georginenbsche,
atmete den sssen Duft der Reseden- und Heliotropbeete ein. Die leichte
Morgenluft ksste seine feuchten Schlfen, streichelte die mden Augen,
die die lange Nacht ber an dem Lager der langsam sterbenden Geliebten
gewacht hatten. Er ging zu der hohen Brcke ber den Fluss Harlem oder
an den felsigen Abhang und trumte dort, von alten Zedern beschattet,
in das weite Land hinaus.

Nun ruht er -- -- irgendwo. Am Tage nach seinem Tode begrub man ihn,
auf dem Westminsterchurchfriedhofe zu Baltimore. Wie einen Landstreicher
las man den sterbenden Dichter von der Strasse auf, wie einen Hund
verscharrte man ihn am andern Tage. Sein Grab soll nahe bei dem seines
Grossvaters liegen, des Generals David Poe, der in dem Befreiungskampfe
der Union sich einen Namen machte. Da ungefhr _soll_ es sein; man weiss
es nicht so genau. Kein Kreuz, kein Grabstein erhebt sich an der Stelle;
kein Mensch bekmmert sich darum. Seine Landsleute haben andere Sorgen:
was geht die ein toter Dichter an! -- So eine Woche noch beschftigten
sie sich mit dem elend Verschiedenen -- um sein Andenken zu beschmutzen,
zu begeifern. Alle die Lgengeschichten, die noch heute ber ihn im
Umlauf sind, wurden da erfunden; eine ganze Flut giftiger Tinte wurde
ber den toten Lwen verspritzt. Alle die Mittelmssigkeiten fielen ber
ihn her, die neidgeschwollenen Schreiberlein, die er so unbarmherzig
zerrupft hatte. Stimmten ein in den Schlachtruf des Lgenpfaffen
Griswold: Er verreckte im Dusel! Er soff, er soff, er soff! -- Dann
vergass man ihn da drben, und das war gut so: seine Landsleute waren
eben lange noch nicht reif, ihres grossen Dichters Genie zu erkennen.

Ob sie es heute sind?

Aber nach hundert Jahren werden sie die morschen Knochen zusammensuchen,
werden ihnen einen mchtigen Denkstein errichten und darauf schreiben:

Die Vereinigten Staaten _ihrem_ grossen Dichter.

Mgen sie die Knochen behalten, die da drben! Wir aber wollen des
Dichters Seele lauschen, die in den Nachtigallenkehlen der Alhambra
lebt.


_Anmerkungen_

  [Anmerkung A: Die beste Ausgabe in englischer Sprache ist bei
  J. B. Lippincott Company, Philadelphia erschienen; eine deutsche
  Gesamtausgabe (die nur die kritischen Studien und einige Gedichte
  und Humoresken nicht enthlt) erschien bei J. C. C. Bruns in Minden;
  einzelne Novellen in der Reclamschen und der Meyerschen
  Volksbibliothek.]

  [Anmerkung B: Was seinen Biographen, den Pfaffen +Griswold+, nicht
  hindert, zu behaupten, dass es in der ganzen Literatur kein
  Beispiel gbe, bei welchem man, wie bei Poe, so sehr auch nur den
  Schatten eines Gewissens vermisse!]

  [Anmerkung C: {7 Seiten} Es ist vllig verfehlt, diese Tatsache,
  wie +van Vleuten+ es tut, auf den bermssigen Alkoholgenuss
  zurckzufhren: Bacchus, der Venus Feind. Seine Bemerkung: Dass der
  Alkohol ein Feind der physischen Liebe ist, weiss jeder Arzt; in Poe
  scheint er auch das psychische quivalent vernichtet zu haben
  (Zukunft 1903 pag. 189), ist mir aus dem Munde eines ernsten
  Psychiaters, wie +van Vleutens+, einfach unbegreiflich. Ich habe im
  +Gegenteil hufig+ die Erfahrung gemacht -- und mir von Psychiatern
  besttigen lassen -- dass chronische Alkoholiker im Rausche oft
  genug, manche sogar regelmssig, eine ausserordentliche Steigerung
  des Geschlechtstriebes zeigen. Es ist hier nicht der Ort, auf diese
  Frage nher einzugehen, jedenfalls ist es eine Tatsache, die jeder
  Polizist besttigen wird und die +van Vleuten+ gewiss nicht leugnen
  kann, dass dreiviertel der nchtlichen Bordellbesucher in einem mehr
  oder weniger grossen Rausche handeln. Ist also die Hypothese van
  Vleutens falsch, so ist seine Schlussfolgerung vllig absurd: in
  Poe scheint der Alkohol auch das +psychische+ quivalent vernichtet
  zu haben. _Deshalb_ war das Weib aus seinen Delirien verbannt; und
  da sein Dichten fast ausschliesslich in seinen Delirien wurzelte,
  fehlt ihm die ganze Sphre des Weibes und der Geschlechtsliebe. --
  Die Sphre des Weibes fehlt Poe durchaus nicht, vielmehr hat er
  sie hufig, freilich stets in der denkbar reinsten und edelsten
  Form, verwandt. -- brigens widerspricht sich van Vleuten selbst.
  Er stellt fest, dass '_Der Rabe_' offenbar aus einem +Delirium+
  stamme (a.a.O. pag. 189). Nun, in diesem Gedicht spielt doch _ein
  Weib_ die Hauptrolle, wie kann er da behaupten, dass das Weib aus
  Poes Delirien verbannt sei? -- Der Satz, dass der Alkohol der
  physischen Liebe -- und sogar ihres psychischen quivalents -- Feind
  sei, ist in dieser Allgemeinheit gewiss unrichtig; die Wirkung ist
  eben +individuell+ vllig verschieden. Daher htte sich van Vleuten
  seine Bemerkung, dass _Baudelaire_, als er auf die Asexualitt der
  Novellen Poes hinwies, _keine rechte Erklrung hierfr habe finden
  knnen_, besser gespart. Baudelaire, dem bewussten Rauschknstler
  par excellence, war ganz sicher diese sogenannte Erklrung wohl
  bekannt, er gab sie mit Absicht _nicht_ wieder, da er ihre Hohlheit
  durchaus erkannte. -- -- Die _Asozialitt_ des Dichters, die
  brigens ebenso wie die Asexualitt beim Lesen Poes in die Augen
  springt, berhrt van Vleuten leider mit keinem Wort: -- mchte er
  etwa behaupten, dass ihr _physisches_ quivalent bei ihm _vorhanden
  gewesen_, aber durch den Alkohol vernichtet worden sei?! -- Logisch
  +msste er es+, denn der innere Zusammenhang beider Momente -- hier
  in der Negation -- lsst sich doch einmal nicht verleugnen! -- --
  Es ist brigens unerhrt, zu welchen Gewaltmitteln van Vleuten in
  seiner sonst klugen Arbeit greift, um den Dichter in das
  Prokrustesbett seiner vorher festgelegten Schablone zu pressen! So
  behauptet er: Die Landschaft Poes ist schematisch und einfrmig.
  -- -- -- Fr die wirkliche Landschaft war der Blick des Kranken
  +unempfindlich+, wenigstens liess die Amnsie keine Erinnerung daran
  haften. -- Und solchen Unfug sagt ein Psychiater, der selbst ein
  begabter Dichter ist, von dem Edgar Allan Poe, der _Landors
  Cottage_ und _The Domain of Arnheim_ schrieb, diese +Hohenlieder
  der Landschaft+, in denen auf fnfzig engbedruckten Seiten von
  nichts anderm als von landschaftlichen Schnheiten die Rede ist! --
  Ich kann mir dies Vorgehen van Vleutens nur so erklren, dass er
  Poes Werke nur bruchstckweise kennt und die erwhnten beiden
  Kabinettstcke, sowie die Mehrzahl seiner Gedichte, die eine Menge
  landschaftlicher Bilder enthalten, nie gelesen hat! Wenn ich ihn
  also in Schutz nehme vor dem Vorwurfe, bewusst Unrichtiges gesagt
  zu haben, so kann ich ihm doch den andern schweren Vorwurf nicht
  ersparen: ohne gengende Vorkenntnisse den Lesern der Zukunft,
  das heisst, unserm Elitepublikum, eine Arbeit vorgesetzt zu haben,
  die, obwohl im grossen ganzen gewiss anerkennenswert, doch in
  Einzelheiten schwere Irrtmer enthlt, die geeignet sind, das Bild
  eines der allergrssten Genies im Werte herabzusetzen.]

[Verzierung]




SCHRIFTEN VON

HANNS HEINZ EWERS


MRCHEN UND FABELN

Ein Fabelbuch (mit Etzel). IV. Aufl.
  Verlag Albert Langen, Mnchen

Die verkaufte Grossmutter. III. Aufl.
  Verlag Hermann Seemann Nachf., Berlin

Die Ginsterhexe. II. Aufl. Verlag J. von
  Schalscha-Ehrenfeld, Leipzig


NOVELLEN UND GEDICHTE

Der gekreuzigte Tannhuser. VI. Aufl.
  (Vergriffen)

C. 33 und anderes. (Vergriffen)

Das Grauen. Nachtstcke in Goya's Manier.
  Verlag Concordia, Berlin

Moganni Nameh (Gesammelte Gedichte)
  Verlag Concordia, Berlin




Band XII der DICHTUNG

  E. T. A. HOFFMANN
  von
  RICHARD SCHAUKAL

Mit 11 Abbildungen


Urteile:

  =Nationalzeitung=: Richard Schaukal verbreitet sich in sachlicher
  Weise ber E. T. A. Hoffmann, einen Vorfahren, dem Schaukal selber in
  seinem dichterischen Streben mannigfaltig verpflichtet ist. Er erzhlt
  das Leben Hoffmanns an der Hand der alten Hitzig-Hippelschen
  Biographie und gibt dann eine gute Charakteristik des Hoffmannschen
  Gesamtwerkes, in jenem eigenwilligen Stil, der den Prosaschriften
  dieses Autors eine so amsante persnliche Frbung verleiht.

  =Dresdener Anzeiger=: ... Schaukal gibt viele Anregungen und ist mit
  seinem verzwickten barocken Stil, mit seiner blendenden
  Eindrucksfhigkeit in mehr als einer Hinsicht dem Wesen des
  Gespenster-Hoffmann verwandt. Wir finden hier ein tiefes Eindringen,
  ein williges Aufgehen in der Subjektivitt. Haben wir das Buch von
  Schaukal gelesen, dann haben wir teils direkt, teils indirekt durch
  stilistische Kunst ein Bild E. T. A. Hoffmanns selbst.

  =Wiener Abendpost=: Als Frucht einer langen ber alle literarischen
  Umwlzungen geretteten Liebe und eines grossen Fleisses hat Schaukal
  seinen Essay ber Hoffmann erscheinen lassen. In Umrisse und
  Palette teilt er ab, was er ber den malenden und komponierenden
  Dichter zu sagen hat. Die Umrisse zeichnen nach fremden Portrts
  rasch eine charakteristische Skizze von Hoffmanns seltsamem Leben und
  seiner idealisch glhenden Art. Mehr von Eigenem gibt Schaukal im
  zweiten Teile. Whrend der erste Abschnitt auch irgendeinem besonders
  feinfhligen Gelehrten gelingen knnte, spricht in der zweiten
  Abteilung ein Knstler von der zerrissenen, in ironischen Masken
  grinsenden Seele eines Knstlers.




Band XXIV der DICHTUNG

  OSCAR WILDE
  von
  HEDWIG LACHMANN

Mit 10 Abbildungen


Urteile:

  =Allgemeine Zeitung, Mnchen=: Ungeachtet der Schriftenflut, die sich
  ber den englischen Dichter und Lebensknstler ergossen hat, ... wird
  man diese einfach geschriebene, von innerlicher Wrme erfllte, in
  aller Bewunderung fr ihren Helden massvoll abwgende, klar und fein
  durchgefhrte Schilderung gerne lesen.

  =Strassburger Post=: ... Zu einer grundverschiedenen Dichternatur, dem
  genialen, unglcklichen Englnder Oscar Wilde, fhrt den Leser Hedwig
  Lachmann, die Wildes Salome ins Deutsche bertragen hat. Wie in
  einer tragischen Dichtung aus Anlagen und Verhltnissen das Geschick
  des Helden mit geradliniger Folgerichtigkeit herausrollt, so, als wre
  es von einem Dichterhirn ersonnen und in die Welt gestellt, spielt
  sich das Leben Oscar Wildes ab.

  =Berner Bund=: Die Dichtung, die im Verlage von Schuster & Loeffler
  herausgegeben wird, enthlt wohl das Feinste, was bis jetzt in
  Deutschland ber den englischen Dichter geschrieben wurde. Sein Leben
  und sein Werk werden als aus derselben Wurzel hervorgehend begriffen
  und gewrdigt.


J. C. C. Bruns' Verlag, Minden i. W.




  Edgar Allan Poes Werke

  Kritische Ausgabe in 10 Bnden,
  Herausgegeben und bersetzt
  von _Hedda_ u. _Arthur Moeller-Bruck._
  Brosch. 10 Bnde
   M. 2.--, geb. 10 Einzelbnde
   M. 2.50 od. 5 Doppelbnde
   M. 5.--.

  Band I: _Leben und Schaffen_ (enthlt neben einer Vorrede die
  _Lebensbeschreibung_ des Dichters durch seinen Biographen John H.
  Ingram in bersetzung, eine Darstellung von Poes knstlerischem
  Schaffen aus der Feder Arthur Moeller-Brucks, sowie zwei Aufstze
  Poes). -- Band II: _Gedichte_ (enthlt die metrisch gebundenen
  Poesien, ein Dramenfragment und einige mehr lyrische Prosastcke).
  -- Band III: _Heureka_ (enthlt neben der grossen Kosmogonie selbst,
  weitere mehr lyrische Prosastcke). -- Band IV: _William Wilson_
  (enthlt im allgemeinen die _romantisch-phantastischen Novellen_).
  -- Band V: _Der Geist des Bsen_ (enthlt im allgemeinen die
  _Kriminalnovellen_). -- Band VI: _Mesmeristische Enthllungen_
  (enthlt im allgemeinen die _spiritistischen Novellen_). -- Band VII:
  _Hans Pfaalls Mondfahrt_ (enthlt im allgemeinen die _aronautisch-,
  geographisch- usw. phantastischen Novellen_). -- Band VIII: _Die
  Abenteuer Gordon Pyms_ (Roman). -- Band IX: _Der Teufel im
  Glockenstuhl_ (enthlt im allgemeinen die _Satiren_). -- Band X:
  _Der Engel des Wunderlichen_ (enthlt im allgemeinen die
  _Grotesken_).

  Die einzelnen Bnde knnen einzeln bezogen werden, jeder Band bildet
  ein abgeschlossenes Ganzes. Die Ausstattung des Werkes, dem eine
  hervorragende literarische Bedeutung innewohnt, ist gediegen.


Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.

Herros & Ziemsen, G.m.b.H., Wittenberg.




  VERLEGT BEI
  SCHUSTER & LOEFFLER
  BERLIN UND LEIPZIG

       *       *       *       *       *
           *       *       *       *
       *       *       *       *       *

Fehler und Unregelmssigkeiten

Westpoint; New-Jork; Rue de Morgue _usw._
  _Namensformen im Originaltext ungendert_
Leonore; Eleonora _usw._
  _Fehler fr Lenore ?_

Die Dichtung (Reklame)
  _Variation zwischen Bd. und Band ungendert_
[Abbildung: A Edgar Poe]
  _Original ungendert: Namen gehrt zu das Bild_
... vierzig Jahre alt.
  _Anfhrungszeichen fehlt im Original_
Den Bdeker in der Hand.
  _Original ungendert: anderswo Baedeker_
seine arme Dichterseele stark eingepfercht
  _Original hat stak_
die je gestellt wurde.
  _Endpunkt fehlt_
They cannot die:
  _Original hat Thay_
Of my most immemorial year.
  _Original hat i memorial mit unsichtbares m_
'Tis the vault of thy lost Ulalume!'
  _Original hat Ulalume!' mit berflssiges anfhrungszeichen_
  _Oder: anfhrungszeichen fehlt am anfang des Dichtes_
dem eine hervorragende literarische Bedeutung innewohnt
  _Original hat innnewohnt_





End of the Project Gutenberg EBook of Edgar Allan Poe, by Hanns Heinz Ewers

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EDGAR ALLAN POE ***

***** This file should be named 20589-8.txt or 20589-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/2/0/5/8/20589/

Produced by Louise Hope, Tamise Totterdell and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
file was produced from images generously made available
by The Internet Archive/American Libraries.)


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
