Der Froschknig oder der eiserne Heinrich


In den alten Zeiten, wo das Wnschen noch geholfen hat, lebte ein Knig,
dessen Tchter
waren alle schn, aber die jngste war so schn, da die Sonne selber,
die doch so vieles
gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien. Nahe
hei dem Schlosse des
Knigs lag ein groer dunkler Wald, und in dem Walde unter einer alten
Linde war ein
Brunnen; wenn nun der Tag recht hei war, so ging das Knigskind hinaus
in den Wald und
setzte sich an den Rand des khlen Brunnens; und wenn sie Langeweile
hatte, so nahm sie
eine goldene Kugel, warf sie in die Hhe und fing sie wieder; und das
war ihr liebstes
Spielwerk. 

Nun trug es sich einmal zu, da die goldene Kugel der Knigstochter
nicht in ihr Hndchen
fiel, das sie in die Hhe gehalten hatte, sondern vorbei auf die Erde
schlug und geradezu ins
Wasser hineinrollte. Die Knigstochter folgte ihr mit den Augen nach,
aber die Kugel
verschwand, und der Brunnen war tief, so tief, da man keinen Grund sah.
Da fing sie an zu
weinen und weinte immer lauter und konnte sich gar nicht trsten. Und
wie sie so klagte,
rief ihr jemand zu: Was hast du vor, Knigstochter, du schreist ja, da
sich ein Stein
erbarmen mchte.  Sie sah sich um, woher die Stimme kme, da erblickte
sie einen
Frosch, der seinen dicken hlichen Kopf aus dem Wasser streckte. Ach,
du bist's, alter
Wasserpatscher, sagte sie, ich weine her meine gol- dene Kugel, die
mir in den
Brunnen hinabgefallen ist. Sei still und weine nicht, antwortete der
Frosch, ich kann
wohl Rat schaffen, aber was gibst du mir, wenn ich dein Spielwerk wieder
heraufhole?
Was du haben willst, lieber Frosch, sagte sie, meine Kleider, meine
Perlen und
Edelsteine, auch noch die goldene Krone, die ich trage.  Der Frosch
antwortete: Deine
Kleider, deine Perlen und Edelsteine, und deine goldene Krone, die mag
ich nicht; aber
wenn du mich liebhaben willst, und ich soll dein Geselle und
Spielkamerad sein, an deinem
Tischlein neben dir sitzen, von deinem goldenen Tellerlein essen, aus
deinem Becherlein
trinken, in deinem Bettlein schlafen: wenn du mir das versprichst, so
will ich hinuntersteigen
und dir die goldene Kugel wieder heraufholen.  Ach ja, sagte sie,
ich verspreche dir
alles, was du willst, wenn du mir nur die Kugel wiederbringst.  Sie
dachte aber: Was der
einfltige Frosch schwtzt, der sitzt im Wasser hei seinesgleichen und
quakt und kann
keines Menschen Geselle sein. 

Der Frosch, als er die Zusage erhalten hatte, tauchte seinen Kopf unter,
sank hinah, und
ber ein Weilchen kam er wieder heraufgerudert, hatte die Kugel im Maul
und warf sie ins
Gras. Die Knigstochter war voll Freude, als sie ihr schnes Spielwerk
wieder erblickte,
hob es auf und sprang damit fort. Warte, warte, rief der Frosch, nimm
mich mit, ich
kann nicht so laufen wie du.  Aber was half ihm, da er ihr sein quak,
quak so laut
nachschrie, als er konnte! Sie hrte nicht darauf, eilte nach Haus und
hatte bald den armen
Frosch vergessen, der wieder in seinen Brunnen hinabsteigen mute. 

Am andern Tage, als sie mit dem Knig und allen Hofleuten sich zur Tafel
gesetzt hatte und
von ihrem goldenen Tellerlein a, da kam, plitsch, platsch, plitsch
platsch, etwas die
Marmortreppe heraufgekrochen, und als es oben angelangt war, klopfte es
an der Tr und
rief: Knigstochter, jngste, mach mir auf.  Sie lief und wollte
sehen, wer drauen wre,
als sie aber aufmachte, so sa der Frosch davor. Da warf sie die Tr
hastig zu, setzte sich
wieder an den Tisch, und war ihr ganz angst. Der Knig sah wohl, da ihr
das Herz
gewaltig klopfte, und sprach: Mein Kind, was frchtest du dich, steht
etwa ein Riese vor
der Tr und will dich holen? Ach nein, antwortete sie, es ist kein
Riese, sondern ein
garstiger Frosch.  Was will der Frosch von dir? Ach lieber Vater,
als ich gestern im
Wald bei dem Brunnen sa und spielte, da fiel meine goldene Kugel ins
Wasser. Und weil
ich so weinte, hat sie der Frosch wieder heraufgeholt, und weil er es
durchaus verlangte, so
versprach ich ihm, er sollte mein Geselle werden, ich dachte aber
nimmermehr, da er aus
seinem Wasser heraus knnte. Nun ist er drauen und will zu mir herein.
 Indem klopfte
es zum zweitenmal und rief: 

Knigstochter, jngste,
mach mir auf,
weit du nicht, was gestern
du zu mir gesagt
bei dem khlen Brunnenwasser?
Knigstochter, jngste,
mach mir auf. 

Da sagte der Knig: Was du versprochen hast, das mut du auch halten;
geh nur und mach
ihm auf.  Sie ging und ffnete die Tre, da hpfte der Frosch herein,
ihr immer auf dem
Fue nach, bis zu ihrem Stuhl. Da sa er und rief: Heb mich herauf zu
dir.  Sie zauderte,
his es endlich der Knig befahl. Als der Frosch erst auf dem Stuhl war,
wollte er auf den
Tisch, und als er da sa, sprach er: Nun schieb mir dein goldenes
Tellerlein nher, damit
wir zusammen essen.  Das tat sie zwar, aber man sah wohl, da sie's
nicht gerne tat. Der
Frosch lie sich's gut schmecken, aber ihr blieb fast jedes Bilein im
Halse. Endlich sprach
er: Ich habe mich satt gegessen und bin mde, nun trag mich in dein
Kmmerlein und mach
dein seiden Bettlein zurecht, da wollen wir uns schlafen legen.  Die
Knigstochter fing an
zu weinen und frchtete sich vor dem kalten Frosch, den sie nicht
anzurhren getraute und
der nun in ihrem schnen reinen Bettlein schlafen sollte. Der Knig aber
ward zornig und
sprach: Wer dir geholfen hat, als du in der Not warst, den sollst du
hernach nicht
verachten.  Da packte sie ihn mit zwei Fingern, trug ihn hinauf und
setzte ihn in eine Ecke.
Als sie aber im Bett lag, kam er gekrochen und sprach: Ich bin mde,
ich will schlafen so
gut wie du: heb mich herauf, oder ich sag's deinem Vater.  Da ward sie
erst bitterbse,
holte ihn herauf und warf ihn aus allen Krften wider die Wand. Nun
wirst du Ruhe haben,
du garstiger Frosch. 

Als er aber herabfiel, war er kein Frosch, sondern ein Knigssohn mit
schnen und
freundlichen Augen. Der war nun nach ihres Vaters Willen ihr lieber
Geselle und Gemahl.
Da erzhlte er ihr, er wre von einer bsen Hexe verwnscht worden, und
niemand htte
ihn aus dem Brunnen erlsen knnen als sie allein, und morgen wollten
sie zusammen in sein
Reich gehen. Dann schliefen sie ein, und am andern Morgen, als die Sonne
sie aufweckte,
kam ein Wagen herangefahren, mit acht weien Pferden bespannt, die
hatten weie
Straufedern auf dem Kopf und gingen in goldenen Ketten, und hinten
stand der Diener des
jungen Knigs, das war der treue Heinrich. Der treue Heinrich hatte sich
so betrbt, als
sein Herr war in einen Frosch verwandelt worden, da er drei eiserne
Bande hatte um sein
Herz legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und Traurigkeit
zersprnge. Der Wagen
aber sollte den jungen Knig in sein Reich abholen; der treue Heinrich
hob beide hinein,
stellte sich wieder hinten auf und war voller Freude ber die Erlsung.
Und als sie ein Stck
Wegs gefahren waren, hrte der Knigssohn, da es hinter ihm krachte,
als wre etwas
zerbrochen. Da drehte er sich um und rief: 

Heinrich, der Wagen bricht. 
Nein, Herr, der Wagen nicht,
es ist ein Band von meinem Herzen,
das da lag in groen Schmerzen,
als Ihr in dem Brunnen sat,
als Ihr eine Fretsche (Frosch) wast (wart).

Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Weg, und der Knigssohn
meinte immer,
der Wagen brche, und es waren doch nur die Bande, die vom Herzen des
treuen Heinrich
absprangen, weil sein Herr erlst und glcklich war. 



Der goldene Schlssel

Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, mute ein armer Junge
hinausgehen und
Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und
aufgeladen hatte,
wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern
erst Feuer
anmachen und sich ein bichen wrmen. Da scharrte er den Schnee weg, und
wie er so den
Erdboden aufrumte, fand er einen kleinen goldenen Schlssel. Nun
glaubte er, wo der
Schlssel wre, mte auch das Schlo dazu sein, grub in der Erde und
fand ein eisernes
Kstchen. Wenn der Schlssel nur pat! dachte er. Es sind gewi
kostbare Sachen in
dem Kstchen.  Er suchte, aber es war kein Schlsselloch da, endlich
entdeckte er eins,
aber so klein, da man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der
Schlssel pate
glcklich. Da drehte er einmal herum, und nun mssen wir warten, bis er
vollends
aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren,
was fr
wunderbare Sachen in dem Kstchen lagen. 



Der Schneider im Himmel

Es trug sich zu, da der liebe Gott an einem schnen Tag in dem
himmlischen Garten sich
ergehen wollte und alle Apostel und Heiligen mitnahm, also da niemand
mehr im Himmel
blieb als der heilige Petrus. Der Herr hatte ihm befohlen, whrend
seiner Abwesenheit
niemand einzulassen, Petrus stand also an der Pforte und hielt Wache.
Nicht lange, so
klopfte jemand an. Petrus fragte, wer da wre und was er wollte. Ich
bin ein armer
ehrlicher Schneider, antwortete eine feine Stimme, der um Einla
bittet. Ja, ehrlich,
sagte Petrus, wie der Dieb am Galgen, du hast lange Finger gemacht und
den Leuten das
Tuch abgezwickt. Du kommst nicht in den Himmel, der Herr hat mir
verboten, solange er
drauen wre, irgend jemand einzulassen.  Seid doch barmherzig, rief
der Schneider,
kleine Flicklappen, die von selbst vom Tisch herabfallen, sind nicht
gestohlen und nicht der
Rede wert. Seht, ich hinke und habe von dem Weg daher Blasen an den
Fen, ich kann
unmglich wieder umkehren. Lat mich nur hinein, ich will alle schlechte
Arbeit tun. Ich will
die Kinder tragen, die Windeln waschen, die Bnke, darauf sie gespielt
haben, subern und
abwischen und ihre zerrissenen Kleider flicken.  Der heilige Petrus
lie sich aus Mitleiden
bewegen und ffnete dem lahmen Schneider die Himmelspforte so weit, da
er mit seinem
drren Leib hineinschlpfen konnte. Er mute sich in einen Winkel hinter
die Tre setzen
und sollte sich da still und ruhig verhalten, damit ihn der Herr, wenn
er zurckkme, nicht
bemerkte und zornig wrde. Der Schneider gehorchte, als aber der heilige
Petrus einmal
zur Tre hinaustrat, stand er auf, ging voll Neugierde in allen Winkeln
des Himmels herum
und besah sich die Gelegenheit. Endlich kam er zu einem Platz, da
standen viele schne und
kstliche Sthle und in der Mitte ein ganz goldener Sessel, der mit
glnzenden Edelsteinen
besetzt war; er war auch viel hher als die brigen Sthle, und ein
goldener Fuschemel
stand davor. Es war aber der Sessel, auf welchem der Herr sa, wenn er
daheim war, und
von welchem er alles sehen konnte, was auf Erden geschah. Der Schneider
stand still und
sah den Sessel eine gute Weile an, denn er gefiel ihm besser als alles
andere. Endlich
konnte er den Vorwitz nicht bezhmen, stieg hinauf und setzte sich in
den Sessel. Da sah er
alles, was auf Erden geschah, und bemerkte eine alte hliche Frau, die
an einem Bach
stand und wusch und zwei Schleier heimlich beiseite tat. Der Schneider
erzrnte sich bei
diesem Anblicke so sehr, da er den goldenen Fuschemel ergriff und
durch den Himmel auf
die Erde hinab nach der alten Diebin warf. Da er aber den Schemel nicht
wieder heraufholen
konnte, so schlich er sich sachte aus dem Sessel weg, setzte sich an
seinen Platz hinter die
Tre und tat, als ob er kein Wasser getrbt htte. 

Als der Herr und Meister mit dem himmlischen Gefolge wieder zurckkam,
ward er zwar
den Schneider hinter der Tre nicht gewahr, als er sich aber auf seinen
Sessel setzte,
mangelte der Schemel. Er fragte den heiligen Petrus, wo der Schemel
hingekommen wre,
der wute es nicht. Da fragte er weiter, ob er jemand hereingelassen
htte. Ich wei
niemand, antwortete Petrus, der dagewesen wre, als ein lahmer
Schneider, der noch
hinter der Tre sitzt. Da lie der Herr den Schneider vor sich treten
und fragte ihn, ob er
den Schemel weggenommen und wo er ihn hingetan htte. O Herr,
antwortete der
Schneider freudig, ich habe ihn im Zorne hinab auf die Erde nach einem
alten Weibe
geworfen, das ich bei der Wsche zwei Schleier stehlen sah. O du
Schalk, sprach der
Herr, wollt ich richten, wie du richtest, wie meinst du, da es dir
schon lngst ergangen
wre? Ich htte schon lange keine Sthle, Bnke, Sessel, ja keine
Ofengabel mehr hier
gehabt, sondern alles nach den Sndern hinabgeworfen. Fortan kannst du
nicht mehr im
Himmel bleiben, sondern mut wieder hinaus vor das Tor: da sieh zu, wo
du hinkommst.
Hier soll niemand strafen denn ich allein, der Herr. 

Petrus mute den Schneider wieder hinaus vor den Himmel bringen, und
weil er zerrissene
Schuhe hatte und die Fe voll Blasen, nahm er einen Stock in die Hand
und zog nach
Warteinweil, wo die frommen Soldaten sitzen und sich lustig machen. 



Der Teufel und seine Gromutter

Es war ein groer Krieg, und der Knig hatte viel Soldaten, gab ihnen
aber wenig Sold, so
da sie nicht davon leben konnten. Da taten sich drei zusammen und
wollten ausreien.
Einer sprach zum andern: Wenn wir erwischt werden, so hngt man uns an
den
Galgenbaum: wie wollen wir's machen? Sprach der andere: Seht dort das
groe
Kornfeld, wenn wir uns da verstecken, so findet uns kein Mensch: das
Heer darf nicht
hinein und mu morgen weiterziehen.  Sie krochen in das Korn, aber das
Heer zog nicht
weiter, sondern blieb rundherum liegen. Sie saen zwei Tage und zwei
Nchte im Korn und
hatten so groen Hunger, da sie beinah gestorben wren; gingen sie aber
heraus, so war
ihnen der Tod gewi. Da sprachen sie: Was hilft uns unser Ausreien,
wir mssen hier
elendig sterben.  Indem kam ein feuriger Drache durch die Luft
geflogen, der senkte sich
zu ihnen herab und fragte sie, warum sie sich da versteckt htten. Sie
antworteten: Wir
sind drei Soldaten und sind ausgerissen, weil unser Sold gering war; nun
mssen wir hier
Hungers sterben, wenn wir liegenbleiben, oder wir mssen am Galgen
baumeln, wenn wir
herausgehen.  Wollt ihr mir sieben Jahre dienen, sagte der Drache,
so will ich euch
mitten durchs Heer fhren, da euch niemand erwischen soll.  Wir haben
keine Wahl und
mssen's annehmen, antworteten sie. Da packte sie der Drache in seine
Klauen, fhrte
sie durch die Luft ber das Heer hinweg und setzte sie weit davon wieder
auf die Erde; der
Drache war aber niemand als der Teufel. Er gab ihnen ein kleines
Peitschchen und sprach:
Peitscht und knallt ihr damit, so wird so viel Geld vor euch
herumspringen, als ihr verlangt:
ihr knnt dann wie groe Herrn leben, Pferde halten und in Wagen fahren;
nach Verlauf der
sieben Jahre aber seid ihr mein eigen. Dann hielt er ihnen ein Buch vor,
in das muten sie
sich alle drei unterschreiben. Doch will ich euch, sprach er, erst
noch ein Rtsel
aufgeben, knnt ihr das raten, sollt ihr frei sein und aus meiner Gewalt
entlassen. Da flog
der Drache von ihnen weg, und sie reisten fort mit ihren Peitschchen,
hatten Geld die Flle,
lieen sich Herrenkleider machen und zogen in der Welt herum. Wo sie
waren, lebten sie in
Freuden und Herrlichkeit, fuhren mit Pferden und Wagen, aen und
tranken, taten aber
nichts Bses. Die Zeit verstrich ihnen schnell, und als es mit den
sieben Jahren zu Ende
ging, ward zweien gewaltig angst und bang, der dritte aber nahm's auf
die leichte Schulter
und sprach: Brder, frchtet nichts, ich bin nicht auf den Kopf
gefallen, ich errate das
Rtsel. Sie gingen hinaus aufs Feld, saen da, und die zwei machten
betrbte Gesichter.
Da kam eine alte Frau daher, die fragte, warum sie so traurig wren.
Ach, was liegt Euch
daran, Ihr knnt uns doch nicht helfen.  Wer wei߫, antwortete sie,
vertraut mir nur
euern Kummer. Da erzhlten sie ihr, sie wren des Teufels Diener
gewesen, fast sieben
Jahre lang, der htte ihnen Geld wie Heu geschafft, sie htten sich ihm
aber verschrieben
und wren ihm verfallen, wenn sie nach den sieben Jahren nicht ein
Rtsel auflsen
knnten. Die Alte sprach: Soll euch geholfen werden, so mu einer von
euch in den Wald
gehen, da wird er an eine eingestrzte Felsenwand kommen, die aussieht
wie ein
Huschen, in das mu er eintreten, dann wird er Hilfe finden. Die zwei
traurigen dachten:
Das wird uns doch nicht retten, und blieben sitzen, der dritte aber,
der lustige, machte
sich auf und ging so weit in den Wald, bis er die Felsenhtte fand. In
dem Huschen aber
sa eine steinalte Frau, die war des Teufels Gromutter und fragte ihn,
woher er kme und
was er hier wollte. Er erzhlte ihr alles, was geschehen war, und weil
er ihr wohl gefiel,
hatte sie Erbarmen und sagte, sie wollte ihm helfen. Sie hob einen
groen Stein auf, der
ber einem Keller lag, und sagte: Da verstecke dich, du kannst alles
hren, was hier
gesprochen wird, sitz nur still und rege dich nicht; wann der Drache
kommt, will ich ihn
wegen der Rtsel befragen: mir sagt er alles; und dann achte auf das,
was er antwortet.
Um zwlf Uhr nachts kam der Drache angeflogen und verlangte sein Essen.
Die Gromutter
deckte den Tisch und trug Trank und Speise auf, da er vergngt war, und
sie aen und
tranken zusammen. Da fragte sie ihn im Gesprch, wie's den Tag ergangen
wre und
wieviel Seelen er kriegt htte. Es wollte mir heute nicht recht
glcken, antwortete er,
aber ich habe drei Soldaten gepackt, die sind mir sicher. Ja, drei
Soldaten, sagte sie,
die haben etwas an sich, die knnen dir noch entkommen. Sprach der
Teufel hhnisch:
Die sind mein, denen gebe ich noch ein Rtsel auf, das sie nimmermehr
raten knnen. 
Was ist das fr ein Rtsel? fragte sie. Das will ich dir sagen: In
der groen Nordsee
liegt eine tote Meerkatze, das soll ihr Braten sein; und von einem
Walfisch die Rippe, das
soll ihr silberner Lffel sein; und ein alter hohler Pferdefu, das soll
ihr Weinglas sein. 
Als der Teufel zu Bett gegangen war, hob die alte Gromutter den Stein
auf und lie den
Soldaten heraus. Hast du auch alles wohl in acht genommen? Ja,
sprach er, ich
wei genug und will mir schon helfen. Darauf mute er auf einem andern
Weg durchs
Fenster heimlich und in aller Eile zu seinen Gesellen zurckgehen. Er
erzhlte ihnen, wie
der Teufel von der alten Gromutter wre berlistet worden und wie er
die Auflsung des
Rtsels von ihm vernommen htte. Da waren sie alle frhlich und guter
Dinge, nahmen die
Peitsche und schlugen sich so viel Geld, da es auf der Erde
herumsprang. Als die sieben
Jahre vllig herum waren, kam der Teufel mit dem Buche, zeigte die
Unterschriften und
sprach: Ich will euch mit in die Hlle nehmen, da sollt ihr eine
Mahlzeit haben; knnt ihr mir
raten, was ihr fr einen Braten werdet zu essen kriegen, so sollt ihr
frei und los sein und
drft auch das Peitschchen behalten.  Da fing der erste Soldat an: In
der groen
Nordsee liegt eine tote Meerkatze, das wird wohl der Braten sein. Der
Teufel rgerte
sich, machte hm! hm! hm! und fragte den zweiten:  Was soll aber euer
Lffel sein?
Von einem Walfisch die Rippe, das soll unser silberner Lffel sein.
Der Teufel schnitt
ein Gesicht, knurrte wieder dreimal hm! hm! hm! und sprach zum
dritten: Wit ihr auch,
was euer Weinglas sein soll? Ein alter Pferdefu, das soll unser
Weinglas sein. Da
flog der Teufel mit einem lauten Schrei fort und hatte keine Gewalt mehr
ber sie; aber die
drei behielten das Peitschchen, schlugen Geld hervor, soviel sie
wollten, und lebten
vergngt bis an ihr Ende. 



Die Bremer Stadtmusikanten

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Scke
unverdrossen zur Mhle
getragen hatte, dessen Krfte aber nun zu Ende gingen, so da er zur
Arbeit immer
untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu
schaffen, aber der Esel
merkte, da kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg
nach Bremen:
dort, meinte er, knnte er ja Stadtmusikant werden. Als er ein Weilchen
fortgegangen war,
fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der
sich mde gelaufen
hat. Nun, was jappst du so, Packan? fragte der Esel. Ach, sagte der
Hund, weil ich
alt bin und jeden Tag schwcher werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort
kann, hat mich
mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Reiaus genommen; aber womit
soll ich nun mein
Brot verdienen? Weit du was, sprach der Esel, ich gehe nach Bremen
und werde
dort Stadtmusikant, geh mit und la dich auch bei der Musik annehmen.
Ich spiele die Laute,
und du schlgst die Pauken. Der Hund war's zufrieden, und sie gingen
weiter. Es dauerte
nicht lange, so sa da eine Katze an dem Weg und machte ein Gesicht wie
drei Tage
Regenwetter. Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?
sprach der
Esel. Wer kann da lustig sein, wenn's einem an den Kragen geht,
antwortete die Katze,
weil ich nun zu Jahren komme, meine Zhne stumpf werden und ich lieber
hinter dem Ofen
sitze und Spinne als nach Musen herumjage, hat mich meine Frau ersufen
wollen; ich habe
mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: wo soll ich
hin? Geh mit uns
nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein
Stadtmusikant
werden. Die Katze hielt das fr gut und ging mit. Darauf kamen die drei
Landesflchtigen
an einem Hof vorbei, da sa auf dem Tor der Haushahn und schrie aus
Leibeskrften. Du
schreist einem durch Mark und Bein, sprach der Esel, was hast du vor?
Da hab ich gut
Wetter prophezeit, sprach der Hahn, weil unserer lieben Frauen Tag
ist, wo sie dem
Christkindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will; aber
weil morgen zum
Sonntag Gste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der
Kchin
gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir
heut abend den Kopf
abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich noch
kann. Ei was, du
Rotkopf, sagte der Esel, zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach
Bremen, etwas
Besseres als den Tod findest du berall; du hast eine gute Stimme, und
wenn wir zusammen
musizieren, so mu es eine Art haben. Der Hahn lie sich den Vorschlag
gefallen, und sie
gingen alle viere zusammen fort. 

Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen
abends in einen
Wald, wo sie bernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich
unter einen groen
Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die ste, der Hahn aber
flog bis in die
Spitze, wo es am sichersten fr ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich
noch einmal nach
allen vier Winden um, da duchte ihn, er she in der Ferne ein Fnkchen
brennen, und rief
seinen Gesellen zu, es mte nicht gar weit ein Haus sein, denn es
scheine ein Licht.
Sprach der Esel: So mssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn
hier ist die
Herberge schlecht. Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch
dran tten ihm
auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das
Licht war, und sahen
es bald heller schimmern, und es ward immer grer, bis sie vor ein hell
erleuchtetes
Ruberhaus kamen. Der Esel, als der grte, nherte sich dem Fenster und
schaute hinein.
Was siehst du, Grauschimmel? fragte der Hahn. Was ich sehe?
antwortete der Esel.
Einen gedeckten Tisch mit schnem Essen und Trinken, und Ruber sitzen
daran und
lassen's sich wohl sein. Das wre was fr uns, sprach der Hahn. Ja,
ja, ach, wren
wir da! sagte der Esel. Da ratschiagten die Tiere, wie sie es anfangen
mten, um die
Ruber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel mute sich
mit den
Vorderfen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Eseis Rcken
springen, die Katze
auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich
der Katze auf den
Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an,
ihre Musik zu
machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn
krhte; dann
strzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, da die Scheiben
klirnen. Die Ruber
fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Hhe, meinten nicht anders,
als ein Gespenst
kme herein, und flohen in grter Furcht in den Wald hinaus. Nun
setzten sich die vier
Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was briggeblieben war,
und aen, als
wenn sie vier Wochen hungern sollten. 

Wie die vier Spielleute fertig waren, lschten sie das Licht aus und
suchten sich eine
Schlafsttte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte
sich auf den Mist,
der Hund hinter die Tre, die Katze auf den Herd bei die warme Asche,
und der Hahn
setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie mde waren von ihrem
langen Weg,
schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war und die Ruber
von weitem sahen,
da kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der
Hauptmann: Wir
htten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen, und hie einen
hingehen und das
Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Kche,
ein Licht
anzuznden, und weil er die glhenden, feurigen Augen der Katze fr
lebendige Kohlen
ansah, hielt er ein Schwefelhlzchen daran, da es Feuer fangen sollte.
Aber die Katze ver
stand keinen Spa, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak
er gewaltig, lief
und wollte zur Hintertre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf
und bi ihn ins Bein;
und als er ber den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch
einen tchtigen
Schlag mit dem Hinterfu; der Hahn aber, der vom Lrmen aus dem Schlaf
geweckt und
munter geworden war, rief vom Balken herab: Kikeriki! Da lief der
Ruber, was er
konnte, zu seinem Hauptmann zurck und sprach: Ach, in dem Haus sitzt
eine greuliche
Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das
Gesicht zerkratzt; und
vor der Tre steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein
gestochen; und auf
dem Hof liegt ein schwarzes Ungeheuer, das hat mit einer Holzkeule auf
mich
losgeschlagen; und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief:
'Bringt mir den
Schelm her.' Da machte ich, da ich fortkam. Von nun an getrauten sich
die Ruber nicht
weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiel's aber so wohl
darin, da sie nicht
wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erzhlt hat, dem ist der Mund
noch warm. 



Frau Holle

Eine Witwe hatte zwei Tchter, davon war die eine schn und fleiig, die
andere hlich
und faul. Sie hatte aber die hliche und faule, weil sie ihre rechte
Tochter war, viel lieber,
und die andere mute alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein.
Das arme
Mdchen mute sich tglich auf die groe Strae bei einem Brunnen setzen
und mute so
viel spinnen, da ihm das Blut aus den Fingern sprang. Nun trug es sich
zu, da die Spule
einmal ganz blutig war, da bckte es sich damit in den Brunnen und
wollte sie abwaschen;
sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es weinte, lief zur
Stiefmutter und erzhlte
ihr das Unglck. Sie schalt es aber so heftig und war so unbarmherzig,
da sie sprach:
Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hoi sie auch wieder herauf.
 Da ging das
Mdchen zu dem Brunnen zurck und wute nicht, was es anfangen sollte;
und in seiner
Herzensangst sprang es in den Brunnen hinein, um die Spule zu holen. Es
verlor die
Besinnung, und als es erwachte und wieder zu sich selber kam, war es auf
einer schnen
Wiese, wo die Sonne schien und vieltausend Blumen standen. Auf dieser
Wiese ging es fort
und kam zu einem Backofen, der war voller Brot; das Brot aber rief:
Ach, zieh mich raus,
zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon lngst aus gebacken.
Da trat es herzu und
holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus. Danach ging es
weiter und kam zu
einem Baum, der hing voll pfel, und rief ihm zu: Ach, schttel mich,
schttel mich, wir
pfel sind alle miteinander reif.  Da schttelte es den Baum, da die
pfel fielen, als
regneten sie, und schttelte, bis keiner mehr oben war; und als es alle
in einen Haufen
zusammengelegt hatte, ging es wieder weiter. Endlich kam es zu einem
kleinen Haus,
daraus guckte eine alte Frau, weil sie aber so groe Zhne hatte, ward
ihm angst, und es
wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihm nach: Was frchtest du
dich, liebes Kind?
Bleib bei mir, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tun willst, so
soll dir's gut gehn. Du
mut nur achtgeben, da du mein Bett gut machst und es fleiig
aufschttelst, da die
Federn fliegen, dann schneit es in der Welt; ich bin die Frau Holle.
Weil die Alte ihm so gut
zusprach, so fate sich das Mdchen ein Herz, willigte ein und begab
sich in ihren Dienst.
Es besorgte auch alles nach ihrer Zufriedenheit und schttelte ihr das
Bett immer gewaltig,
auf da die Federn wie Schneeflocken umherflogen; dafr hatte es auch
ein gut Leben bei
ihr, kein bses Wort und alle Tage Gesottenes und Gebratenes. Nun war es
eine Zeitlang
bei der Frau Holle, da ward es traurig und wute anfangs selbst nicht,
was ihm fehlte,
endlich merkte es, da es Heimweh war; ob es ihm hier gleich
vieltausendmal besser ging
als zu Haus, so hatte es doch ein Verlangen dahin. Endlich sagte es zu
ihr: Ich habe den
Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten
geht, so kann ich
doch nicht lnger bleiben, ich mu wieder hinauf zu den Meinigen. Die
Frau Holle sagte:
Es gefllt mir, da du wieder nach Haus verlangst, und weil du mir so
treu gedient hast, so
will ich dich selbst wieder hinauforingen. Sie nahm es darauf bei der
Hand und fhrte es vor
ein groes Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie das Mdchen gerade
darunterstand, fiel
ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hngen, so da es
ber und ber
davon bedeckt war. Das sollst du haben, weil du so fleiig gewesen
bist, sprach die Frau
Holle und gab ihm auch die Spule wieder, die ihm in den Brunnen gefallen
war. Darauf ward
das Tor verschlossen, und das Mdchen befand sich oben auf der Welt,
nicht weit von
seiner Mutter Haus; und als es in den Hof kam, sa der Hahn auf dem
Brunnen und rief: 

 Kikeriki, unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.  

Da ging es hinein zu seiner Mutter, und weil es so mit Gold bedeckt
ankam, ward es von ihr
und der Schwester gut aufgenommen. 

Das Mdchen erzhlte alles, was ihm begegnet war, und als die Mutter
hrte, wie es zu
dem groen Reichtum gekommen war, wollte sie der andern, hlichen und
faulen Tochter
gerne dasselbe Glck verschaffen. Sie mute sich an den Brunnen setzen
und spinnen; und
damit ihre Spule blutig ward, stach sie sich in die Finger und stie
sich die Hand in die
Dornhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang selber
hinein. Sie kam, wie
die andere, auf die schne Wiese und ging auf demselben Pfade weiter.
Als sie zu dem
Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: Ach, zieh mich raus, zieh
mich raus, sonst
verbrenn ich, ich bin schon lngst ausgebacken.  Die Faule aber
antwortete: Da htt ich
Lust, mich schmutzig zu machen, und ging fort. Bald kam sie zu dem
Apfelbaum, der rief:
Ach, schttel mich, schttel mich, wir pfel sind alle miteinander
reif.  Sie antwortete
aber: Du kommst mir recht, es knnte mir einer auf den Kopf fallen,
und ging damit
weiter. Als sie vor der Frau Hohe Haus kam, frchtete sie sich nicht,
weil sie von ihren
groen Za~hnen schon gehrt hatte, und verdingte sich gleich zu ihr. Am
ersten Tag tat sie
sich Gewalt an, war fleiig und folgte der Frau Hohe, wenn sie ihr etwas
sagte, denn sie
dachte an das viele Gold, das sie ihr schenken wrde; am zweiten Tag
aber fing sie schon
an zu faulenzen, am dritten noch mehr, da wollte sie morgens gar nicht
aufstehen. Sie
machte auch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich's gebhrte, und
schttelte es nicht, da
die Federn aufflogen. Das ward die Frau Hohe bald mde und sagte ihr den
Dienst auf. Die
Faule war das wohl zufrieden und meinte, nun wrde der Goldregen kommen;
die Frau Holle
fhrte sie auch zu dem Tor, als sie aber darunterstand, ward statt des
Goldes ein groer
Kessel voll Pech ausgeschttet. Das ist zur Belohnung deiner Dienste,
sagte die Frau
Holle und schlo das Tor zu. Da kam die Faule heim, aber sie war ganz
mit Pech bedeckt,
und der Hahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief: 

 Kikeriki, unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.  

Das Pech aber blieb fest an ihr hngen und wollte, solange sie lebte,
nicht abgehen. 



Das Rotkppchen

                                          Es war einmal eine kleine se
Dirne, die
                                          hatte jedermann lieb, der sie
nur ansah, am
                                          allerliebsten aber ihre
Gromutter, die
                                          wute gar nicht, was sie alles
dem Kinde
                                          geben sollte. Einmal schenkte
sie ihm ein
                                          Kppchen von rotem Sammet, und
weil ihm
                                          das so wohl stand und es
nichts anders mehr
                                          tragen wollte, hie es nur das
Rotkppchen.
                                          Eines Tages sprach seine
Mutter zu ihm:
                                          Komm, Rotkppchen, da hast du
ein Stck
                                          Kuchen und eine Flasche Wein,
bring das der
                                          Gromutter hinaus; sie ist
krank und
                                          schwach und wird sich daran
laben. Mach
dich auf, bevor es hei wird, und wenn du hinauskommst, so geh hbsch
sittsam und lauf
nicht vom Weg ab, sonst fllst du und zerbrichst das Glas, und die
Gromutter hat nichts.
Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergi nicht, guten Morgen zu
sagen, und guck nicht
erst in alle Ecken herum. 

Ich will schon alles gut machen, sagte Rotkppchen zur Mutter und gab
ihr die Hand
darauf. Die Gromutter aber wohnte drauen im Wald, eine halbe Stunde
vom Dorf. Wie
nun Rotkppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkppchen
aber wute nicht,
was das fr ein bses Tier war, und frchtete sich nicht vor ihm. Guten
Tag,
Rotkppchen, sprach er. Schnen Dank, Wolf. Wo hinaus so frh,
Rotkppchen?
Zur Gromutter. Was trgst du unter der Schrze? Kuchen und Wein:
gestern haben
wir gebacken, da soll sich die kranke und schwache Gromutter etwas
zugut tun und sich
damit strken. Rotkppchen, wo wohnt deine Gromutter? Noch eine
gute
Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei groen Eichbumen, da steht
ihr Haus, unten
sind die Nuhecken, das wirst du ja wissen, sagte Rotkppchen. Der Wolf
dachte bei sich:
Das junge zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser
schmecken als die
Alte: du mut es listig anfangen, damit du beide erschnappst. Da ging
er ein Weilchen
neben Rotkppchen her, dann sprach er: Rotkppchen, sieh einmal die
schnen Blumen,
die ringsumher stehen, warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du
hrst gar nicht, wie die
Vglein so lieblich singen? Du gehst ja fr dich hin, als wenn du zur
Schule gingst, und ist so
lustig hauen in dem Wald. 

Rotkppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen
durch die Bume
hin und her tanzten und alles voll schner Blumen stand, dachte es:
Wenn ich der
Gromutter einen frischen Strau mitbringe, der wird ihr auch Freude
machen; es ist so frh
am Tag, da ich doch zu rechter Zeit ankomme, lief vom Wege ab in den
Wald hinein und
suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter
hinaus stnde eine
schnere, und lief darnach, und geriet immer tiefer in den Wald hinein.
Der Wolf aber ging
geradeswegs nach dem Haus der Gromutter und klopfte an die Tre. Wer
ist
drauen?, fragte die verschreckte Gromutter. Rotkppchen, das bringt
Kuchen und
Wein, mach auf. piepste der Wolf mit verstellter Stimme. Drck nur auf
die Klinke, rief
daraufhin die Gromutter, ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.
 Der Wolf
drckte auf die Klinke, die Tre sprang auf, und er ging, ohne ein Wort
zu sprechen, gerade
zum Bett der Gromutter und verschluckte sie. Dann tat er ihre Kleider
an, setzte ihre
Haube auf, legte sich in ihr Bett, zog die Vorhnge vor und harrte der
Dinge die da kommen
sollten. 

Rotkppchen aber war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel
zusammen hatte,
da es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Gromutter wieder ein, und
es machte sich
auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, da die Tre aufstand, und wie es
in die Stube trat,
so kam es ihm so seltsam darin vor, da es dachte: Ei, du mein Gott,
wie ngstlich wird
mir's heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Gromutter! Es rief
Guten Morgen,
bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhnge
zurck: da lag
die Gromutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so
wunderlich aus. Ei,
Gromutter, was hast du fr groe Ohren! Da ich dich besser hren
kann. Ei,
Gromutter, was hast du fr groe Augen! Da ich dich besser sehen
kann. Ei,
Gromutter, was hast du fr groe Hnde Da ich dich besser packen
kann. Aber,
Gromutter, was hast du fr ein entsetzlich groes Maul! Da ich dich
besser fressen
kann. Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem
Bette und verschlang
das arme Rotkppchen. 

Wie der Wolf sein Gelsten gestillt hatte, legte er sich wieder ins
Bett, schlief ein und fing
an, berlaut zu schnarchen. Der Jger ging eben an dem Haus vorbei und
dachte: Wie die
alte Frau schnarcht, du mut doch sehen, ob ihr etwas fehlt.  Da trat
er in die Stube, und
wie er vor das Bette kam, so sah er, da der Wolf darin lag. Finde ich
dich hier, du alter
Snder, sagte er, ich habe dich lange gesucht.  Nun wollte er seine
Bchse anlegen, da
fiel ihm ein, der Wolf knnte die Gromutter gefressen haben und sie
wre noch zu retten:
scho nicht, sondern nahm, da er im Nebenberuf Chirurg war, eine Schere
und fing an, dem
schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden. Wie er ein paar Schnitte
getan hatte, da sah
er das rote Kppchen leuchten, und noch ein paar Schnitte, da sprang das
Mdchen samt
Kppchen heraus und rief: Ach, wie war ich erschrocken, wie war's so
dunkel in dem Wolf
seinem Leib! Und dann kam die alte Gromutter auch noch lebendig heraus
und konnte
kaum atmen. Rotkppchen aber holte geschwind groe Steine, damit fllten
sie dem Wolf
den Leib, und wie er aufwachte, wollte er fortspringen, aber die Steine
waren so schwer,
da er gleich niedersank und sich totfiel. 

Da waren alle drei vergngt; der Jger zog dem Wolf den Pelz ab und ging
damit heim, die
Gromutter a den Kuchen und trank den Wein, den Rotkppchen gebracht
hatte, und
erholte sich wieder, Rotkppchen aber dachte: Du willst dein Lebtag
nicht wieder allein
vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir's die Mutter verboten hat. 

Es wird auch erzhlt, da einmal, als Rotkppchen der alten Gromutter
wieder
Gebackenes brachte, ein anderer Wolf ihm zugesprochen und es vom Wege
habe ableiten
wollen. Rotkppchen aber htete sich und ging gerade fort seines Wegs
und sagte der
Gromutter, da es dem Wolf begegnet wre, der ihm guten Tag gewnscht,
aber so bs
aus den Augen geguckt htte: Wenn's nicht auf offner Strae gewesen
wre, er htte
mich gefressen. Komm, sagte die Gromutter, wir wollen die Tre
verschlieen, da
er nicht herein kann. Bald darnach klopfte der Wolf an und rief: Mach
auf, Gromutter,
ich bin das Rotkppchen, ich bring dir Gebackenes. Sie schwiegen aber
still und machten
die Tre nicht auf: da schlich der Graukopf etlichemal um das Haus,
sprang endlich aufs
Dach und wollte warten, bis Rotkppchen abends nach Haus ginge, dann
wollte er ihm
nachschleichen und wollt's in der Dunkelheit fressen. Aber die
Gromutter merkte, was er
im Sinn hatte. Nun stand vor dem Haus ein groer Steintrog, da sprach
sie zu dem Kind:
Nimm den Eimer, Rotkppchen, gestern hab ich Wrste gekocht, da trag
das Wasser,
worin sie gekocht sind, in den Trog. Rotkppchen trug so lange, bis der
groe, groe
Trog ganz voll war. Da stieg der Geruch von den Wrsten dem Wolf in die
Nase, er
schnupperte und guckte hinab, endlich machte er den Hals so lang, da er
sich nicht mehr
halten konnte und anfing zu rutschen: so ruschte er vom Dach herab,
gerade in den groen
Trog hinein, und mute jmmerlich ertrinken. Rotkppchen aber ging
frhlich singend nach
Haus, und niemand tat ihm etwas zuleid. 



Die Prinzessin auf der Erbse

Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten. Aber das
sollte eine wirkliche
Prinzessin sein. Da reiste er in der ganzen Welt herum, um eine solche
zu finden, aber
berall fehlte etwas. Prinzessinnen gab es genug, aber ob es wirkliche
Prinzessinnen
waren, konnte er nie herausfinden. Immer war da etwas, was nicht ganz in
Ordnung war.
Da kam er wieder nach Hause und war ganz traurig, denn er wollte doch
gern eine wirkliche
Prinzessin haben. 

Eines Abends zog ein furchtbares Wetter auf; es blitzte und donnerte,
der Regen strzte
herab, und es war ganz entsetzlich. Da klopfte es an das Stadttor, und
der alte Knig ging
hin, um aufzumachen. 

Es war eine Prinzessin, die drauen vor dem Tor stand. Aber wie sah sie
vom Regen und
dem bsen Wetter aus! Das Wasser lief ihr von den Haaren und Kleidern
herab, lief in die
Schnbel der Schuhe hinein und zum Absatz wieder hinaus. Sie sagte, da
sie eine wirkliche
Prinzessin wre. 

,Ja, das werden wir schon erfahren!' dachte die alte Knigin, aber sie
sagte nichts, ging in
die Schlafkammer hinein, nahm alles Bettzeug ab und legte eine Erbse auf
den Boden der
Bettstelle. Dann nahm sie zwanzig Matratzen, legte sie auf die Erbse und
dann noch
zwanzig Eiderdaunendecken oben auf die Matratzen. 

Hier sollte nun die Prinzessin die ganze Nacht ber liegen. Am Morgen
wurde sie gefragt,
wie sie gesehlafen htte. 

,,Oh, entsetzlich schlecht!" sagte die Prinzessin. ,,Ich habe fast die
ganze Nacht kein Auge
geschlossen! Gott wei, was in meinem Bett gewesen ist. Ich habe auf
etwas Hartem
gelegen, so da ich am ganzen Krper ganz braun und blau bin! Es ist
ganz entsetzlich!" 

Daran konnte man sehen, da sie eine wirkliche Prinzessin war, da sie
durch die zwanzig
Matratzen und die zwanzig Eiderdaunendecken die Erbse gesprt hatte. So
feinfhlig konnte
niemand sein auer einer echten Prinzessin. 

Da nahm sie der Prinz zur Frau, denn nun wute er, da er eine wirkliche
Prinzessin
gefunden hatte. Und die Erbse kam auf die Kunstkammer, wo sie noch zu
sehen ist, wenn
sie niemand gestohlen hat. 

Seht, das war eine wirkliche Geschichte!

